[0001] Die Erfindung betrifft ein Fahrzeugrückhaltesystem zur Anordnung neben einer Fahrbahn
gemäß den Merkmalen im Oberbegriff von Anspruch 1.
[0002] Eine sehr häufige Unfallart im außerörtlichen Bereich ist das "Abkommen von der Fahrbahn",
besonders weil außerhalb von geschlossenen Ortschaften üblicherweise schneller gefahren
wird als innerorts. Das bedeutet eine erhebliche Gefahr sowohl für die Fahrzeuginsassen
als auch für im Gefahrbereich befindliche Menschen, Tiere und Gegenstände. Passive
Schutzeinrichtungen an Straßen leisten daher einen wesentlichen Beitrag zur Verkehrssicherheit
und sind für die Sicherheit der Fahrzeuginsassen und anderer Verkehrsteilnehmer unerlässlich.
Besonders bewährt haben sich zu diesem Zweck Stahlschutzplanken.
[0003] An moderne passive Schutzeinrichtungen werden folgende Anforderungen gestellt:
- sicherer Schutz gegen Durchbruch von Fahrzeugen
- geringes Verletzungsrisiko der Fahrzeuginsassen beim Aufprall
- angemessener Aufwand für Installation, Reparatur, Unterhalt und Entsorgung.
[0004] Zur Sicherstellung der ersten beiden Anforderungen gibt es Regelwerke. Diese sind
im Wesentlichen die Richtlinien für passive Schutzeinrichtungen (RPS) sowie die DIN
EN 1317 (Rückhaltesysteme an Straßen).
[0005] Es existieren zahlreiche Systeme von Stahlschutzplanken beginnend mit der so genannten
einfachen Schutzplanke bzw. Einfachschutzplanke ESP. Derartige Fahrzeugrückhaltesysteme
sind aus dem Stand der Technik bekannt und beispielsweise in der
DE 20 2006 010 573 U1 beschrieben. Die Schutzplankenanordnung besteht aus einem Schutzplankenstrang aus
vorzugsweise lösbar aneinander gesetzten Schutzplanken und den Schutzplankenstrang
tragenden, im Querschnitt Sigma-förmigen Pfosten, die in den Untergrund gerammt oder
über Montageplatte an Bauwerken montiert sein können. Die Befestigung der Schutzplanken
an dem Pfosten erfolgt unter Eingliederung von Zwischenprofilen in Form von U-förmigen
Stützbügeln.
[0006] Bei einem Fahrzeuganprall werden zuerst die im oder am Boden festgelegten Pfosten
deformiert und von der Fahrbahn weggebogen. Bei der weiteren Deformation löst sich
dann der Schutzplankenstrang von den Pfosten, nachdem eine Verbindungsschraube zur
Befestigung des Schutzplankenstrangs an den Pfosten gebrochen ist. Dieser Vorgang
ist gewollt und wird durch eine Sollbruchstelle an den Verbindungsschrauben unterstützt.
Der Schutzplankenstrang kann sich dann getrennt von den Pfosten deformieren und durch
eine Zugbandwirkung ein Fahrzeug umlenken.
[0007] Eine Verstärkung des Fahrzeugrückhaltesystems der Bauart Einfachschutzplanke ESP
wird bei dem aus der
DE 10 2004 039 732 B4 bekannten Fahrzeugrückhaltesystem dadurch erreicht, dass jeweils hinter einer Schutzplanke
ein sich über ihre ganze Länge erstreckendes Verstärkungsprofil angeordnet ist. Ein
ähnliches System offenbart die
DE 201 06 675 U1. Auch bei dieser Schutzplankenanordnung ist zwischen die Schutzplanken und die Pfosten
mindestens ein gemuldetes und zu den Leitschutzplanken hin offenes Verstärkungsprofil
eingegliedert.
[0008] Die
EP 2 333 159 A1 schlägt in diesem Zusammenhang vor, zwischen dem Zwischenprofil, dort als Stützelement
bezeichnet, und dem Schutzplankenstrang ein Zwischenelement anzuordnen, welches derart
ausgebildet ist, dass der Schutzplankenstrang in einem Winkel zur Längsachse der Profilpfosten
verläuft, wobei das Stützelement zur Anpassung an den Winkel zwischen dem Schutzplankenstrang
und der Längsachse des Profilpfostens asymmetrisch ausgebildet ist mit einem längeren
oberen Schenkel und einem kürzeren unteren Schenkel.
[0009] Hierdurch verläuft der Schutzplankenstrang in einem Winkel zur Längsachse der Profilpfosten,
wodurch verhindert werden soll, dass sich der Schutzplankenstrang bei fortschreitender
Deformierung der Schutzplankenkonstruktion absenkt. Das zusätzliche Zwischenelement
und die konstruktive Ausgestaltung des Stützelements erfordern indes zusätzlichen
fertigungs- und montagetechnischen Aufwand.
[0010] Bei dem aus der
DE 10 2008 039 850 B3 bekannten Fahrzeugrückhaltesystem sind die Schutzplanken über Abstandskonsolen mit
den Pfosten verbunden, wobei jeweils zwischen Schutzplanke und Abstandskonsole Kippelemente
eingegliedert sind.
[0011] Bei dem aus der
DE 1 959 004 A1 bekannten Vorschlag ist die Schutzplanke am Pfosten mittels einer oder mehrerer Federn
nachgiebig gehalten. Gemäß einer dort beschriebenen konstruktiven Ausgestaltung handelt
es sich bei dem Prallelement um eine langestreckte Blattfeder. Eine andere Alternative
sieht als Prallelement eine Schraubenfeder vor.
[0012] Eine lösbare Befestigung für aus Stahlblechprofilen bestehende StraßenrandLeitplanken
an Pfosten geht auch aus der
DE 1 867 455 U hervor. Hier ist in die Befestigung ein starres Distanzrohr oder eine starke Druckfeder,
beispielsweise in Form einer Kegel-, Schrauben- oder Tellerfeder integriert.
[0014] Bei einer Anprallprüfung gemäß DIN EN 1317-2 zur Erlangung z. B. der Aufhaltestufe
H1 muss das Fahrzeugrückhaltesystem die Prüfungen TB11 und TB42 bestehen. Bei der
Abnahmeprüfung TB11 muss das Fahrzeugrückhaltesystem einen PKW mit einer Gesamtmasse
von 900 kg und einer Anprallgeschwindigkeit von 100 km/h bei einem Anprallwinkel von
20° aufhalten. Die Abnahmeprüfung TB42 verlangt das Aufhalten eines LKW's mit einer
Gesamtmasse von 10 t, der mit einer Anprallgeschwindigkeit von 70 km/h unter einem
Anprallwinkel von 15° gegen das Fahrzeugrückhaltesystem fährt.
[0015] Neben der Aufhaltestufe ist der Wirkungsbereich W eine charakteristische Größe zur
Beurteilung eines Fahrzeugrückhaltesystems. Als Wirkungsbereich W gilt der Abstand
zwischen der dem Verkehr zugewandten Seite des Fahrzeugrückhaltesystems an Straßen
und der maximalen dynamischen seitlichen Position jedes wesentlichen Teils des Systems.
[0016] Der Erfindung liegt ausgehend vom Stand der Technik die Aufgabe zugrunde, ein gattungsgemäßes
Fahrzeugrückhaltesystem derart weiterzubilden, dass dieses unter Beibehaltung der
konstruktiven Ausgestaltung ein verbessertes Deformationsverhalten aufweist sowie
das Aufhaltevermögen des Fahrzeugrückhaltesystems zu steigern und dieses insbesondere
für die Aufhaltestufe H1 auf einen Wirkungsbereich kleiner W3 zu ertüchtigen.
[0017] Die Lösung dieser Aufgabe besteht nach der Erfindung in einem Fahrzeugrückhaltesystem
gemäß den Merkmalen von Anspruch 1.
[0018] Das Fahrzeugrückhaltesystem weist am Boden festlegbare Pfosten und einen sich fahrbahnseitig
entlang der Pfosten, vorzugsweise entlang der oberen Enden der Pfosten, erstreckenden
Schutzplankenstrang aus Schutzplanken auf. Zwischen einem Pfosten und einer Schutzplanke
ist ein Stützbügel angeordnet. Die Schutzplanken und die Stützbügel sind mittels Schraubverbindungen
an den Pfosten festgelegt, wobei in die Schraubverbindung zumindest ein Prallelement
eingegliedert ist. Erfindungsgemäß handelt es sich bei dem Prallelement um eine kegelförmige
Ringscheibe. Insbesondere ist die kegelförmige Ringscheibe eine Tellerfeder aus einem
Stahlwerkstoff. Die Ringscheibe ist verzinkt.
[0019] Praktische Anfahrversuche haben gezeigt, dass das erfindungsgemäß ausgestaltete Fahrzeugrückhaltesystem
bei der Aufhaltestufe H1 den angestrebten Wirkungsbereich W3 zuverlässig erreicht.
Die Ergebnisse der Anfahrversuche haben sogar zu dem Ergebnis geführt, und dies wurde
prüfstellenseitig bestätigt, dass das erfindungsgemäße Fahrzeugrückhaltesystem eine
Aufhaltestufe von H1 und einen Wirkungsbereich von W2, d.h. kleiner oder gleich 0,8
m erreicht.
[0020] Das Deformationsverhalten und das Energieabsorptionsvermögen eines erfindungsgemäßen
Fahrzeugrückhaltesystems sind deutlich verbessert. Dennoch kann eine bewährte einfache
Konstruktion beibehalten werden. Die Verformungseigenschaften und das Deformationsverhalten
des Schutzplankenstrangs werden durch das erfindungsgemäße Prallelement positiv beeinflusst
derart, dass ein kurzfristiges Abpuffern von Lastspitzen im Falle eines Anpralls erfolgt.
Die Prallelemente in Form von kegelförmigen Ringscheiben werden bei einem Anprall
in axialer Richtung belastet und nehmen hohe Kräfte bei kleinem Federweg auf. Insbesondere
wird durch die in die Schraubverbindung integrierte Ringscheibe im Falle eines Anpralls
eines Kraftfahrzeugs an das System ein geringfügig zeitversetztes Ablösen der Schutzplanke
vom Pfosten erreicht. Dies führt zu dem vorteilhaften Effekt, dass die beim Anprall
auf das Fahrzeugrückhaltesystem wirkenden Längskräfte im Wesentlichen von den horizontalen
Schutzplanken bzw. im Schutzplankenstrang und deren Verbindung aufgenommen werden.
Die Anprallheftigkeit wird reduziert und die gewünschte Zugbandwirkung sichergestellt.
[0021] Das Prallelement wird bei einem Anprall plastisch verformt. Hierdurch wird das Prallelement
zunächst im unteren Bereich eingedrückt. In Folge dessen kippt der Stützbügel leicht
in Richtung Fahrbahn und damit auch der Schutzplankenstrang. Im weiteren Verlauf wird
der Pfosten vom Fahrzeug nach hinten, also von der Fahrbahn weg, gekippt. Dadurch
löst sich der Schutzplankenstrang vom Pfosten. Durch das bzw. die eingegliederten
Prallelemente wird der Abreißvorgang geringfügig zeitlich verzögert. Diese Zeitverzögerung
führt dazu, dass die Zugbandwirkung länger und insbesondere in Längsrichtung stabiler
erhalten bleibt. Daraus resultiert die Verbesserung des Wirkungsbereichs.
[0022] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Fahrzeugrückhaltesystems
sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche 2 bis 9.
[0023] Besonders bevorzugt ist das Prallelement auf der fahrbahnseitigen Vorderseite des
Pfostens angeordnet. Das Prallelement ist zwischen Pfosten und Stützbügel eingegliedert.
Die Öffnungsseite der Ringscheibe weist zur Fahrbahn. Die kegelförmige Ringscheibe
ist schalenförmig ausgeführt und weist mit der offenen Seite zur Fahrbahn hin, wobei
sich die Ringscheibe rückseitig des Stützbügels abstützt.
[0024] Das Prallelement liegt mit einer äußeren Auflagefläche am Stützbügel an.
[0025] Es kann mehr als nur eine Ringscheibe in eine Schraubverbindung eingegliedert sein.
Möglich ist es, ein Scheibenpaket aus einzelnen Ringscheiben zu bilden. Diese können
gleichsinnig oder wechselsinnig geschichtet sein. Bei gleichsinniger Schichtung wird
die Federkraft vergrößert. Bei wechselsinniger Schichtung vergrößert sich der Federweg.
[0026] Das erfindungsgemäße Fahrzeugrückhaltesystem ist besonders vorteilhaft auf Bauwerken,
wie beispielsweise Brücken bzw. Brückenköpfen oder anderen ein Fundament, insbesondere
ein Betonfundament, aufweisenden Bauwerken. Hierzu sind die Pfosten bodenseitig mit
Montageelementen versehen. Insbesondere sind bodenseitig Standfüße oder Montageplatten
an den Pfosten gefügt. Mittels der Montageelemente erfolgt eine Festigung der Pfosten
auf Bauwerken.
[0027] Grundsätzlich kann das erfindungsgemäße Fahrzeugrückhaltesystem aber auch entlang
von Fahrbahnen angeordnet werden, bei denen die Pfosten in den Boden gerammt sind.
Dementsprechend sind die Pfosten zum Einrammen im Boden ausgelegt.
[0028] Der wesentliche Aspekt der Erfindung sind die kegelförmigen Ringscheiben, die in
axialer Richtung belastet werden. Bei einem Anstoß dämpfen sie die Belastungsspitzen
und bewirken den erfindungsgemäß angestrebten Effekt. Insbesondere führt die Integration
der Prallelemente in Form von kegelförmigen Ringscheiben zu einer Verbesserung des
Aufhaltevermögens und einer Verringerung des Wirkungsbereichs. Weiterhin kann der
ASI-Wert reduziert werden. ASI steht für Acceleration Severity Index, sinngemäß dem
"Schweregrad der Beschleunigung im Fahrzeuginneren". Der ASI-Wert stellt einen Index
für die Insassensicherheit dar. Die bereits weiter vorne angesprochenen Anfahrversuche
haben hinsichtlich des ASI-Wertes zu dem Ergebnis geführt, dass das erfindungsgemäße
Fahrzeugrückhaltesystem in die Stufe ASI A eingestuft wird. Der Wert ASI A stellt
dabei die beste Insassensicherheit dar. Konkret wurde ein ASI-Wert von 0,96 erreicht.
Das bedeutet, der ASI-Wert wurde gegenüber vergleichbaren Systemen ohne Prallelement
um 0,04 verbessert.
[0029] Die kegelförmigen Ringscheiben, die im Rahmen der Erfindung zum Einsatz gelangend,
bestehen aus Stahlwerkstoffen. Die Ringscheiben besitzen eine Scheibendicke zwischen
1,5 mm und 3,5 mm, insbesondere von 2,5 mm.
[0030] Weiterhin ist es von Vorteil, wenn die Ringscheibe eine Scheibendicke besitzt, welche
der Wandstärke einer Schutzplanke entspricht mit einer Abweichung von +/- 25 %.
[0031] Ein weiterer Aspekt sieht vor, dass das Prallelement einen Außendurchmesser besitzt
und die Schutzplanke einen rückwärtigen Bodensteg besitzt. Der Bodensteg weist eine
vertikale Länge auf. Der Außendurchmesser des Prallelementes ist zur vertikalen Länge
des Bodenstegs in einem Verhältnis zwischen 1:1 und 1:3 bemessen. Auch diese Maßnahme
trägt wirksam zu einer Unterstützung der angestrebten Energieabsorption und Deformations-
bzw. Pufferwirkung bei.
[0032] Die Ringscheibe kann bei Belastung bzw. Anprall eine pendelartige Bewegung ausführen.
Die Pendelbewegung unterstützt die zeitversetzte Ablösung des Schutzplankenstrangs
von den Pfosten.
[0033] Eine weitere vorteilhafte Ausgestaltung sieht vor, dass die Schraubverbindung eine
vordere Decklasche umfasst, welche fahrbahnseitig an der Schutzplanke anliegt. Das
Prallelement besitzt einen Außendurchmesser, wobei der Außendurchmesser des Prallelementes
und die vertikale Länge der Decklasche in einem Verhältnis zwischen 1:1 und 1:2, insbesondere
1:1, 2 und 1:1,5 bemessen sind.
[0034] Weiterhin kann die Ringscheibe eine in Längsrichtung der Schraubverbindung gemessene
Scheibenhöhe besitzen, welche zwischen 2,5 mm und 6 mm bemessen ist. Insbesondere
besitzt die Ringscheibe eine Scheibenhöhe zwischen 3,5 mm und 4 mm. Praktische Versuche
haben zu vorteilhaften Ergebnissen geführt mit Ringscheiben, die eine Scheibenhöhe
von 4 mm besitzen.
[0035] Ein vorteilhafter Aspekt kann weiterhin dadurch erreicht werden, dass das Prallelement
innerhalb der Schraubverbindung maximal handfest vorgespannt ist und die Vorspannung
maximal 10 Nm beträgt.
[0036] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Lösung besteht darin, dass eine nachträgliche
Ertüchtigung auf alle bestehenden Systeme mit Pfosten und Schutzplankenkonstruktionen
ohne erheblichen Aufwand möglich ist. Dies betrifft alle Aufhaltestufen von N2 bis
H4B.
[0037] Die Erfindung ist nachfolgend anhand von in den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispielen
näher beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1
- einen Ausschnitt aus einem Fahrzeugrückhaltesystem in der Ansicht;
- Figur 2
- die Darstellung der Figur 1 in einer Draufsicht;
- Figur 3
- eine Seitenansicht auf das Fahrzeugrückhaltesystem mit Stützbügel und Leitplanke Profil
A;
- Figur 4
- ein Detail des Fahrzeugrückhaltesystem im Verbindungsbereich zwischen zwei Schutzplanken
in einer perspektivischen Ansicht von Vorne;
- Figur 5
- den Verbindungsbereich entsprechend der Darstellung von Figur 4 in einer perspektivische
Ansicht von Hinten;
- Figur 6
- eine Seitenansicht auf ein Fahrzeugrückhaltesystem mit Stützbügel und Leitplanke Profil
A;
- Figur 7
- eine vergrößerte Darstellung des Ausschnitts X der Figur 6;
- Figur 8
- eine Seitenansicht auf ein Fahrzeugrückhaltesystem mit Stützbügel und Leitplanke Profil
B;
- Figur 9
- eine vergrößerte Darstellung des Ausschnitts Y der Figur 8 und
- Figur 10a) bis c)
- eine erfindungsgemäß zum Einsatz gelangende kegelförmige Ringscheibe in drei verschiedenen
Ansichten.
[0038] Die Figuren 1 bis 9 zeigen ein Fahrzeugrückhaltesystem 1 in der Bauart einfache Schutzplanke
ESP, wie es zum Beispiel am Rand einer von Kraftfahrzeugen befahrenen Fahrbahn FB
am Boden B auf einem Bauwerk BW mit einem Betonfundament montiert zum Einsatz gelangt.
[0039] Das Fahrzeugrückhaltesystem 1 besteht aus einem Schutzplankenstrang 2 aus lösbar
aneinander gesetzten und miteinander verbundenen Schutzplanken 3, 4 und den Schutzplankenstrang
2 tragenden, im Querschnitt C-förmigen Pfosten 5. Bodenseitig bzw. fundamentseitig
sind die Pfosten 5 mit Montageelementen 6 in Form von Fußplatten versehen. Mithilfe
von Verbindungselementen 7, insbesondere Schraubbolzen oder Schraubanker, werden die
Pfosten 5 mittels der Montageelemente 6 auf dem Boden B bzw. dem Bauwerk BW festgelegt.
[0040] Die Schutzplanken 3, 4 sind am oberen Ende 8 der Pfosten 5 festgelegt. Die sich endseitig
überlappenden Schutzplanken 3, 4 werden mit Hilfe von Schraubverbindungen 9 miteinander
verbunden. Die Befestigung der Schutzplanken 3, 4 an den Pfosten 5 erfolgt unter Zwischenschaltung
von Zwischenprofilen in Form von U-förmigen Stützbügeln 10 bzw. 11 (siehe hierzu auch
Figuren 6 und 8). Die Schutzplanken 3, 4 und die Stützbügel 10, 11 sind über Schraubverbindungen
12 an den Pfosten 5 festgelegt. Die Schraubverbindungen 12 umfassen Schraubbolzen
13, Schraubmuttern 14 sowie eine fahrbahnseitige vordere Decklasche 15 und eine auf
der Rückseite des vorderen Stegs 16 des Pfostens 5 angeordnete hintere Decklasche
17. Der Schraubbolzen 13 ist durch Montageöffnungen 18 und 19 in den Schutzplanken
3, 4 bzw. den Stützbügeln 10, 11 sowie eine Montageöffnung 20 in Form eines Langloches
im vorderen Steg 16 des Pfostens 5 geführt. Die vordere Decklasche 15 und die hintere
Decklasche 17 weisen ebenfalls Montageöffnungen 21 bzw. 22 auf, welche von dem Schraubbolzen
13 durchsetzt sind. Die Figuren 6 bis 9 zeigen ferner, dass in die Schraubverbindung
12 ein Prallelement in Form einer kegelförmigen Ringscheibe 23 eingegliedert ist.
Innerhalb der Schraubverbindung 12 ist die Ringscheibe 23 mit maximal 10 Nm vorgespannt.
[0041] Bei dem Fahrzeugrückhaltesystem 1 gemäß den Figuren 1 bis 7 kommt eine Schutzplanke
3 im Profil B (Bethlehem) zum Einsatz. Der Stützbügel 10 in der Bauart Profil B, wie
in der Figur 3 sowie den Figuren 5 und 6 ersichtlich, ist U-förmig konfiguriert mit
einem vertikal ausgerichteten Steg 24 und zwei hiervon schräg nach vorne in Richtung
zur Schutzplanke 3 abstehenden Schenkeln 25.
[0042] Bei dem Fahrzeugrückhaltesystem 1 gemäß der Darstellung von Figur 8 und 9 handelt
es sich um eine Schutzplanke 4 im Profil A (Armcor). Der Stützbügel 11 Profil A gemäß
der Figur 8 ist U-förmig konfiguriert mit einem in Einbaulage vertikal ausgerichteten
Steg 26 und zwei hiervon in Richtung zur Schutzplanke 3 orthogonal abstehenden Schenkeln
27.
[0043] Die Schutzplanken 3, 4 und die Stützbügel 10, 11 sind jeweils mittels einer Schraubverbindung
12 an einem Pfosten 5 festgelegt. In die Schraubverbindung 12 ist das Prallelement
eingegliedert. Das Prallelement ist eine kegelförmige Ringscheibe 23, nämlich eine
Tellerfeder. Man erkennt, dass die Ringscheibe 23 auf der fahrbahnseitigen Vorderseite
28 eines Pfostens 5 angeordnet ist. Hierbei ist das Prallelement bzw. die Ringscheibe
23 zwischen Pfosten 5 und Stützbügel 10 bzw. 11 eingegliedert, wobei die konkave Öffnungsseite
29 der Ringscheibe 23 zur Fahrbahn FB hin weist. Diese Anordnung und die Kegelform
der Ringscheibe unterstützt eine gewollte Pendelbewegung der Schutzplanken 3, 4 bzw.
des Schutzplankenstrangs 2 am Pfosten 5 im Falle eines Anpralls. Hierbei liegt die
Ringscheibe 23 mit einer äußeren Anlagefläche 30 am Stützbügel 10, 11 an. Die Rückseite
31 der Ringscheibe 23 liegt am Pfosten 5 an. Die als Langloch ausgeführte Montageöffnung
20 im vorderen Steg 16 des Pfostens 5 hat eine geringere Breite als Höhe, so dass
sich die Ringscheibe 23 mit ihren gegenüber der Breite der Montageöffnung 20 überstehenden
Bereiche der Rückseite 31 am Pfosten 5 abstützt.
[0044] Eine kegelförmige Ringscheibe 23 ist näher zu erkennen in den Darstellungen der Figur
10a) bis 10c). Die Ringscheibe 23 besteht aus einem Stahlwerkstoff und weist eine
Scheibendicke t zwischen 1,5 mm und 2,5 mm auf. Insbesondere hat die Ringscheibe 23
eine Scheibendicke t von 2,5 mm. Die Scheibendicke t entspricht der Wandstärke s einer
Schutzplanke 3 bzw. 4 +/- 25 %. In Längsrichtung der Schraubverbindung 12 weist die
Ringscheibe 23 eine Scheibenhöhe h auf, welche zwischen 2,5 mm und 6 mm bemessen ist.
Bei praktischen Anfahrversuchen wurde eine Ringscheibe 23 eingesetzt mit einer Scheibenhöhe
h von 4 mm. Der Außendurchmesser d
a der Ringscheibe 23 betrug 32,3 mm. Der Innendurchmesser d
i der Ringscheibe 23, gemessen an der inneren Öffnung 32, beträgt 17 mm.
[0045] Die vordere Decklasche 15 liegt fahrbahnseitig am Bodensteg 33 der Schutzplanke 3,
4 an. Die Decklasche 15 besitzt eine vertikale Länge l1. Die vertikale Länge l1 der
vorderen Decklasche 15 ist größer als der Außendurchmesser d
a der Ringscheibe 23. Grundsätzlich kann der Außendurchmesser d
a der Ringscheibe 23 und die vertikale Länge l1 der Decklasche 15 in einem Verhältnis
zwischen 1:1 und 1:2, insbesondere 1:1,2 und 1:1,5, bemessen sein.
[0046] Weiterhin ist der Außendurchmesser d
a der Ringscheibe 23 zur vertikalen Länge l2 des Bodenstegs 33 einer Schutzplanke 3,
4 in einem Verhältnis zwischen 1:1 und 1:3 bemessen.
[0047] Die in die Schraubverbindungen 12 integrierten, als Prallelemente wirkenden kegelförmigen
Ringscheiben 23 puffern bei einem Anprall Lastspitzen ab. Dies führt zu einem zeitversetzten
Ablösen der Schutzplanken 3, 4 vom Pfosten 5. Das Zugband des Schutzplankenstrangs
2 bleibt erhalten bei einem sehr guten Aufhaltevermögen der Aufhaltestufe H1 und einem
Wirkungsbereich von W2 sowie einem ASI A kleiner als 1.
Bezugszeichen:
[0048]
- 1 -
- Fahrzeugrückhaltesystem
- 2 -
- Schutzplankenstrang
- 3 -
- Schutzplanke
- 4 -
- Schutzplanke
- 5 -
- Pfosten
- 6 -
- Montageelement
- 7 -
- Verbindungselement
- 8 -
- oberes Ende v. 5
- 9 -
- Schraubverbindung
- 10 -
- Stützbügel
- 11 -
- Stützbügel
- 12 -
- Schraubverbindung
- 13 -
- Schraubbolzen
- 14 -
- Schraubmutter
- 15 -
- vordere Decklasche
- 16 -
- Steg v. 5
- 17 -
- hintere Decklasche
- 18 -
- Montageöffnung
- 19 -
- Montageöffnung
- 20 -
- Montageöffnung
- 21 -
- Montageöffnung
- 22 -
- Montageöffnung
- 23 -
- Ringscheibe
- 24 -
- Steg
- 25 -
- Schenkel
- 26 -
- Steg
- 27 -
- Schenkel
- 28 -
- Vorderseite v. 5
- 29 -
- Öffnungsseite v. 23
- 30 -
- Anlagefläche v. 10, 11
- 31 -
- Rückseite v. 23
- 32 -
- Öffnung v. 23
- 33 -
- Bodensteg
- BW -
- Bauwerk
- FB -
- Fahrbahn
- B -
- Boden
- t -
- Scheibendicke
- s -
- Wandstärke
- h -
- Scheibenhöhe
- l1 -
- Länge v. 15
- l2 -
- Länge v. 31
- da -
- Außendurchmesser
- di -
- Innendurchmesser
1. Fahrzeugrückhaltesystem zur Anordnung neben einer Fahrbahn, welches am Boden (B) festlegbare
Pfosten (5) und einen sich fahrbahnseitig entlang der Pfosten (5) erstreckenden Schutzplankenstrang
(2) aus miteinander verbundenen Schutzplanken (3, 4) aufweist, wobei zwischen einem
Pfosten (5) und einer Schutzplanke (3, 4) ein Stützbügel (10, 11) angeordnet ist sowie
die Schutzplanke (3, 4) und der Stützbügel (10, 11) mittels einer Schraubverbindung
(12) am Pfosten (5) festgelegt sind, wobei in die Schraubverbindung (12) zumindest
ein Prallelement in Form einer kegelförmigen Ringscheibe (23) eingegliedert ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) zwischen Pfosten (5) und Stützbügel (10, 11) eingegliedert ist
und die Öffnungsseite (29) der Ringscheibe (23) zur Fahrbahn (FB) weist, wobei die
Ringscheibe (23) mit einer äußeren Auflagefläche (30) am Stützbügel (10, 11) anliegt.
2. Fahrzeugrückhaltesystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) auf der fahrbahnseitigen Vorderseite (28) des Pfostens (5) angeordnet
ist.
3. Fahrzeugrückhaltesystem nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Pfosten (5) bodenseitige Montageelemente (6) aufweisen, wobei die Montageelemente
(6) zur Festlegung der Pfosten (5) auf Bauwerken (BW) ausgelegt sind.
4. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Pfosten zum Einrammen im Boden ausgelegt sind.
5. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) eine Scheibendicke (t) zwischen 1,5 mm und 3,5 mm, insbesondere
von 2,5 mm, besitzt.
6. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) eine Scheibendicke (t) besitzt und die Scheibendicke der Wandstärke
(s) der Schutzplanke (3, 4) +/- 25 % entspricht.
7. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) einen Außendurchmesser (da) besitzt und die Schutzplanke (3, 4) einen rückwärtigen Bodensteg (33) mit einer
vertikalen Länge (l2) des Bodenstegs (33) besitzt, wobei der Außendurchmesser (da) der Ringscheibe (23) zur vertikalen Länge (l2) des Bodenstegs (33) in einem Verhältnis
zwischen 1:1 und 1:3 bemessen ist.
8. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Schraubverbindung (12) eine vordere Decklasche (15) umfasst, welche fahrbahnseitig
an der Schutzplanke (3, 4) anliegt und die Ringscheibe (23) einen Außendurchmesser
(da) besitzt, wobei der Außendurchmesser (da) der Ringscheibe (23) und die vertikale Länge (l1) der Decklasche (15) in einem Verhältnis
zwischen 1:1 und 1:2, insbesondere 1:1,2 und 1:1,5 bemessen ist.
9. Fahrzeugrückhaltesystem nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Ringscheibe (23) eine in Längsrichtung der Schraubverbindung (12) gemessene Scheibenhöhe
(h) besitzt, welche zwischen 2,5 mm und 6,0 mm, insbesondere zwischen 3,5 mm und 5,0
mm, bemessen ist.