[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung von Leder umfassend
mehrere Schritte, dadurch gekennzeichnet, dass in mindestens einem Schritt ausgewählt
aus Entkälkung und Fettung Methansulfonsäure verwendet wird.
[0002] Leder ist einer der ältesten Werkstoffe, an den in der heutigen Zeit sehr hohe Ansprüche
im Bezug unter anderem auf die Haltbarkeit und die optischen und haptischen Eigenschaften
gestellt werden.
[0003] Prozesse zur Herstellung von Leder umfassen in der Regel eine Vielzahl von Schritten.
Viele Schritte der Lederherstellung werden im wässrigen Medium bei einem bestimmten
pH durchgeführt. Die Einstellung des optimalen pH ist dabei von großer Bedeutung und
beeinflusst die Eigenschaften des hergestellten Leders.
[0004] Insbesondere wenn im vorhergehenden Schritt im alkalischen Medium gearbeitet wurde,
hat die Wahl einer geeigneten Säure zur Neutralisation des Leders einen deutlichen
Einfluss auf die Qualität des hergestellten Leders. Dieses ist zum Beispiel im Entkälkungsschritt
der Fall. Verwendet man zum Beispiel eine zu starke Säure, so kann dies die optischen
und physikalischen Eigenschaften des Leders negativ beeinflussen, möglicherweise,
weil die Rohhäute zu stark anschwellen. Wählt man eine zu schwache Säure kann dies
dazu führen, dass die Einstellung des pH nur langsam geschieht oder die Säure oder
andere für die Herstellung des Leders benötigte Substanzen die Rohhaut nicht vollständig
penetrieren. Neben dem pH werden die Eigenschaften des Leders durch die verwendeten
Stoffe und den Herstellungsprozess oft auf eine Art und Weise beeinflusst, die sich
nicht immer vorhersagen lässt.
[0005] Herkömmliche Herstellverfahren für Leder lösen vor dem eigentlichen Gerben im Entkälkungsschritt
(auch als Entkalkungsschritt bezeichnet, englisch: deliming) die vom Äschern anhaftenden
Kalkreste zum Beispiel mit etwa 1 %iger Milchsäure, verdünnter Essigsäure, Ameisensäure
oder anderen organischen Säuren heraus. Andere geeignete Säuren sind zum Beispiel
Ammoniumsalze wie Ammoniumsulfat oder Ammoniumchlorid, Borsäure, Phosphorsäure oder
Kohlensäure. Ebenfalls möglich ist die Verwendung von Salzsäure oder Schwefelsäure.
Die Verwendung dieser Säuren in der Lederherstellung ist dem Fachmann seit langem
bekannt und zum Beispiel beschrieben in Römpp's Chemie Lexikon unter dem Stichwort
"Gerberei". Für eine nachfolgende Mineralgerbung wird die Blöße durch Pickeln sauer
eingestellt, wobei als Pickel meist anorganische Säuren und Kochsalz, ggf. auch mit
Zusätzen von organischen Säuren, dienen.
[0006] EP 563 139 beschreibt die Verwendung von Methansulfonsäure zum Pickeln von Leder.
[0007] Aufgabe der vorliegende Erfindung war es, ein Verfahren zur Herstellung von Leder
bereit zu stellen, das nicht die Nachteile des Standes der Technik aufweist, weiche
und ansprechende Leder ergibt und effizient auszuführen ist.
[0008] Die Aufgabe wurde gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung von Leder umfassend
mehrere Schritte, dadurch gekennzeichnet, dass in mindestens einem Schritt ausgewählt
aus Entkälkung und Fettung Methansulfonsäure verwendet wird.
[0009] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geht man aus von Tierhäuten oder
Halbzeugen. Bei Tierhäuten handelt es sich dabei um die Häute von beliebigen toten
Tieren, beispielsweise Rind, Kalb, Schwein, Ziege, Schaf, Känguru, Fisch, Strauß oder
Wild. Dabei ist es für die vorliegende Erfindung unerheblich, ob die Tiere, dessen
Häute man zu behandeln wünscht, geschlachtet wurden, waidmännisch erlegt wurden oder
an natürlichen Ursachen zugrunde gegangen sind.
[0010] Prozesse zur Herstellung von Leder umfassen in der Regel eine Vielzahl von Schritten.
Im Enthaarungsschritt werden die Haare aus der Tierhaut entfernt. Dieser Schritt wird
auch als Äscherungsschritt bezeichnet. Zum Enthaaren wird die Tierhaut in der Regel
mit basischen Substanzen wie Kalk behandelt. Häufig werden ebenfalls Natriumhydroxid,
Natriumcarbonat, Sulfide oder organische Schwefelverbindungen zugesetzt. Im Entfleischungsschritt
werden zum Beispiel auf mechanischem Wege Fleischreste und Unterhautbindegewebe von
der Tierhaut entfernt. Im Entkälkungsschritt (Auch: Entkalkung, Englisch: deliming)
werden die basischen Komponenten aus dem Enthaarungsschritt teilweise oder vollständig
neutralisiert. In der Beize wird die Tierhaut aufgelockert und für die Aufnahme des
Gerbstoffes und damit auf die eigentliche Gerbung vorbereitet. Für eine eventuelle
nachfolgende Mineralgerbung wird die Blöße durch Pickeln sauer eingestellt, wobei
als Pickel meist anorganische Säuren und Kochsalz, ggf. auch mit Zusätzen von organischen
Säuren, dienen. In der Oberhaut verbliebene Haarwurzeln, Haarpigmente, Grundhaare
und Fettstoffe lassen sich oft durch Auswaschen oder Spülen allein nicht entfernen.
Besonders im Handwerksbetrieb wird daher ein Schritt des Streichens durchgeführt,
in dem das Streichen der Häute zum Beispiel mittels Streicheisen auf dem Gerberbaum
erfolgt.
[0011] Die eigentlichen Gerbungsschritte geschehen unter Zusatz eines Gerbungsmittels. Geeignete
Gerbverfahren umfassen die Verwendung von Mineralsalzen (Chrom-III-, Aluminium-, Zirkonoder
Eisensalze), Vegetabilgerbung mit pflanzlichen Gerbstoffen (Tannine in Blättern, Rinden,
Hölzern und Früchten), Fettgerbung (synonym Sämischgerbung) mit Fisch-, und Seetierölen
(Trane) oder mit Fetten des Gehirns, Synthetische Gerbung mit synthetisch hergestellten
Gerbstoffen (Syntane, Harzgerbstoffe, Polymergerbstoffe, Polyphosphate, Paraffinsulfochlorid),
Aldehydgerbung (früher Formaldehyd, heute hauptsächlich Glutaraldehyd). Es ist auch
möglich verschiedene Gerbverfahren miteinander zu kombinieren.
[0012] Nach der Gerbung wird das Leder in der Regel mechanisch entwässert (Abwelken) und
mit Falzmaschinen auf eine gleichmäßige Stärke gebracht.
[0013] Vor allem bei der Chromgerbung und bei Herstellung chromfreier Leder durch eine kombinierte
Vorgerbung mit Aldehyden und synthetischen Gerbstoffen, werden die endgültigen Ledereigenschaften
wie Weichheit, Farbe, Fülle, Struktur, Dehnbarkeit, Wasseraufnahme etc. durch die
Nasszurichtung bestimmt.
Weitere Arbeitsschritte sind häufig die Nachgerbung, Entsäuerung oder Neutralisation,
Färbung, Fettung und Fixierung der Farb- und Fettstoffe. Grundsätzlich können zur
Nachgerbung alle Gerbstoffgruppen, die bei der Hauptgerbung beschrieben wurden, verwendet
werden. Besondere Bedeutung bei der Nachgerbung haben aber synthetische Gerbstoffe,
Vegetabilgerbstoffe und Harz- und Polymergerbstoffe, da diese häufig einen besonders
günstigen Einfluss auf die Fülle und Struktur des Leders nehmen.
Bei der Entsäuerung werden häufig die Säurereste starker Säuren neutralisiert, wodurch
in der Regel eine bessere Beständigkeit der Leder erhalten wird.
Die Färbung erfolgt häufig mit Farbstoffen die mit der Lederfaser eine chemische Bindung
eingehen. Vorteilhafte Farbstoffe zeichnen sich neben den guten Färbeigenschaften
(zum Beispiel Aufziehverhalten auf das Leder, Kombinierbarkeit, große Farbpalette)
und Echtheiten durch eine geringe Umweltbelastung aus.
Die natürliche Lederfarbe hängt unter anderem vom verwendeten Gerbstoff ab. Chromgerbungen
geben häufig eine helle, grau-grüne Eigenfarbe, Vegetabilleder können zum Beispiel
gelbbraun - rotbraun sein. Aluminiumsalze und synthetische Gerbstoffe ergeben häufig
weiße bis hellbeige Leder. Glutaraldehyd und Fettgerbstoffe färben die Leder in der
Regel gelblich.
[0014] Die Fettung bewirkt eine bessere Weichheit und Geschmeidigkeit. Die Fettungsmittel
umhüllen die Lederfasern mit einem dünnen Fettfilm. Die Fasern verkleben dadurch bei
der Trocknung nicht so stark und können sich leichter gegeneinander verschieben. Vor
der Fettung wird in der Regel ein pH von 4 bis 6,5 eingestellt, bevorzugt von 4,5
bis 6. Während des Fettungsschrittes, insbesondere am Ende des Fettungsschrittes wird
ein stärker saurer pH eingestellt, um eine gleichmäßige Fixierung des Fettungsmittels
durch den Lederquerschnitt zu erreichen. In der Regel wird gegen Ende des Fettungsschrittes
ein pH von 2 bis 6 bevorzugt 2,5 bis 5, besonders bevorzugt von 3 bis 4 und insbesondere
bevorzugt von 3,2 bis 3,5 eingestellt. Durch den Einsatz von Hydrophobierungsmitteln
können Leder schmutz- und wasserabweisend, bis wasserdicht ausgerüstet werden.
[0015] Die oben genannten Schritte werden zur Herstellung häufig in der angegebenen Reihenfolge
ausgeführt. Es ist jedoch in Grenzen auch möglich, diese in anderen Reihenfolgen auszuführen
oder Schritte gemeinsam auszuführen und zu kombinieren.
Nicht alle der zuvor genannten Schritte müssen zur Herstellung von Leder ausgeführt
werden. Außerdem können Verfahren zur Herstellung von Leder neben den zuvor genannten
Schritte auch noch weitere Schritte umfassen.
[0016] Erfindungsgemäß wird im Entkälkungsschritt oder im Fettungsschritt zur Herstellung
von Leder Methansulfonsäure verwendet. Methansulfonsäure dient dabei in erster Linie
zur Einstellung des pH Wertes. Bevorzugt wird Methansulfonsäure dabei zu Beginn des
eigentlichen Arbeitsschrittes zu der Tierhaut gegeben. Im Fall der Entkälkung besteht
der Arbeitsschritt im Wesentlichen aus der Neutralisation basischer Komponenten mit
Säuren, die erfindungsgemäß Methansulfonsäure umfassen. Erfindungsgemäß wird unter
der Verwendung von Methansulfonsäure in einem bestimmten Arbeitsschritt auch die Zugabe
von Methansulfonsäure vor dem eigentlichen Arbeitsschritt oder nach dem vorhergehenden
Arbeitsschritt verstanden, wenn dieses der Vorbereitung des eigentlichen Arbeitsschrittes
dient.
[0017] In einer bevorzugten Ausführungsform wird Methansulfonsäure mindestens im Entkälkungsschritt
verwendet.
[0018] In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird Methansulfonsäure mindestens im
Fettungsschritt verwendet.
[0019] Methansulfonsäure wird erfindungsgemäß in der Regel als wässrige Lösung eingesetzt.
In der Regel wird Methansulfonsäure als 0,05 bis 0,5 gew%ige wässrige Lösung eingesetzt,
bevorzugt 0,07 bis 0,2 gew%ig und besonders bevorzugt 0,08 bis 0,15 gew%ig.
In einer Ausführungsform wird Methansulfonsäure zusammen mit Salzen und/oder anderen
Säuren und/oder Säurederivaten eingesetzt. Geeignete Säurederivate sind zum Beispiel
Ester oder Säureanhydride.
[0020] In einer Ausführungsform wird Methansulfonsäure mit Salzen von Methansulfonsäure
eingesetzt. Geeignete Salze von Methansulfonsäure sind zum Beispiele Alkalimetall-
oder Erdalkalimetallsalze wie zum Beispiel Natrium, Kalium, Magnesium oder Calciumsalze
der Methansulfonsäure.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure zusammen mit anorganischen
Salzen eingesetzt. Geeignete anorganische Salze sind zum Beispiel Salze der Schwefelsäure,
Halogenwasserstoffsäuren, Phosphorsäure, Borsäure, Kohlensäure, Salpetersäure. Beispiele
für geeignete anorganische Salze sind zum Beispiel Ammoniumsulfat, Natriumsulfat,
Natriumchlorid, Ammoniumchlorid.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure zusammen mit Salzen von organischen
Säuren eingesetzt. Geeignete Salze organischer Säuren sind zum Beispiel Ammonium-,
Alkalimetall- oder Erdalkalimetallsalze von organischen Säuren wie Ammonium-, Natrium-,
Kalium- oder Magnesiumsalze organischer Säuren. Geeignete Salze organischer Säuren
sind zum Beispiel Salze von Monocarbonsäuren oder Dicarbonsäuren. Beispiel für geeignete
Salze organischer Säuren sind zum Beispiel Salze von Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure,
Oxalsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure, Glutarsäure, Adipinsäure, Weinsäure, Milchsäure,
Phthalsäure, Terephthalsäure, Maleinsäure, Fumarsäure.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure zusammen mit anderen Säuren
eingesetzt. Geeignete andere Säuren können anorganische Säuren oder organische Säuren
sein. Geeignete anorganische Säuren sind zum Beispiel Schwefelsäure, Salzsäure, Borsäure,
Kohlensäure, Phosphorsäure. Geeignete organische Säuren sind zum Beispiel Monocarbonsäuren
oder Dicarbonsäuren. Beispiele für geeignete organische Säuren sind Ameisensäure,
Essigsäure, Milchsäure, Ameisensäure, Propionsäure, Oxalsäure, Malonsäure, Bernsteinsäure,
Glutarsäure, Adipinsäure, Weinsäure, Milchsäure, Phthalsäure, Terephthalsäure, Maleinsäure,
Fumarsäure.
[0021] In einer Ausführungsform wird Methansulfonsäure in Kombination mit Ammoniumsulfat
eingesetzt.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure in Kombination mit Ameisensäure
eingesetzt.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure in Kombination mit einer oder
mehreren Ammoniumsalzen von Dicarbonsäuren eingesetzt.
In einer anderen Ausführungsform wird Methansulfonsäure in Kombination mit einer oder
mehreren aliphatischen Dicarbonsäuren eingesetzt.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform wird Methansulfonsäure in Kombination
mit einem oder mehreren Carbonsäureestern eingesetzt.
[0022] Die Menge an Saizen, anderen Säuren oder Säurederivaten kann breit variieren. In
einer Ausführungsform wird eine wässrige Lösung enthaltend 0,05 bis 0,2 gew% Methansulfonsäure
und 0,5 bis 2 gew% Ammoniumsulfat eingesetzt.
[0023] Üblicherweise wird bei der Entkälkung in erfindungsgemäßen Verfahren ein pH von 4
bis 9, bevorzugt 6 bis 8,5 und besonders bevorzugt 7,5 bis 8,5 eingestellt.
[0024] In der Regel dauert der Entkälkungsschritt von 30 Minuten bis 4 Stunden, in Ausnahmefällen
auch kürzer oder länger. Bevorzugt ist der Entkälkungsschritt in 45 bis 90 Minuten
abgeschlossen.
[0025] Erfindungsgemäße Verfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie einfach durchzuführen
sind und eine effiziente und schnelle Einstellung des pH in den einzelnen Verfahrensschritten
ermöglichen.
Weiterhin ermöglichen erfindungsgemäße Verfahren die Herstellung von Leder, die sich
durch vorteilhafte optische und haptische Eigenschaften auszeichnen. Insbesondere
zeichnen sie sich unter anderem durch angenehme Weichheit aus und schwellen nicht
so sehr auf, quellen nicht so sehr auf wie Leder, die nach herkömmlichen Verfahren
hergestellt werden.
[0026] Die erfindungsgemäß hergestellten Leder zeichnen sich durch eine gute Weichheit aus
und haben eine angenehme, ansprechende, feine und saubere Narbung. Außerdem weisen
sie gute Färbeeigenschaften auf wie hohe Gleichmäßigkeit und Farbbrillianz.
[0027] Die physikalischen Eigenschaften wie Zugfestigkeit, Reißfestigkeit, Bruchdehnung
oder Narbendehnfähigkeit der nach dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten Leder
sind vergleichbar oder besser als die von Leder, die gemäß dem Stand der Technik hergestellt
worden sind.
[0028] Insbesondere erfindungsgemäß hergestelltes Leder, das unter Verwendung von Methansulfonsäure
im Entkälkungsschritt hergestellt worden ist, zeichnet sich neben den oben beschriebenen
Vorteilen dadurch aus, dass Calciumionen sehr effizient aus dem Leder entfernt werden
können. Dadurch wird insbesondere die Weichheit und die Reißfestigkeit des Leders
vorteilhaft beeinflusst.
[0029] Erfindungsgemäß hergestelltes Leder, das unter Verwendung von Methansulfonsäure im
Fettungsschritt hergestellt worden ist, zeichnet sich neben den oben beschriebenen
Vorteilen dadurch aus, dass, sofern es sich um chromgegerbtes Leder handelt, nur geringe
Mengen an Chromverbindungen aus dem Leder ausgewaschen werden.
[0030] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist Leder, das nach dem erfindungsgemäßen
Verfahren hergestellt worden ist.
Beispiele
[0031] Die Erfindung wird durch Arbeitsbeispiele weiter erläutert.
[0032] Verwendete Abkürzungen:
Decaltal(R) RN: Sauer reagierendes Gemisch der Ammoniumsalze anorganischer Säuren und
organischer Dicarbonsäuren
Decaltal(R) Pic S: Mischung schwacher, wasserlöslicher aliphatischer Dicarbonsäuren
Decaltal(R) ESN: flüssig Mischung von Carbonsäureestern
Beispiele I.1 bis I.6
[0033] Eine Rohhaut vom Rind wurde enthaart und entfleischt. Die Enthaarung geschah unter
Zusatz von gebranntem Kalk und Natriumsulfid. Zur Entkälkung wurden die Leder mit
Entkälkungsmittel gemäß Beispiel I.1 bis I.6 behandelt um einen pH von 8 einzustellen.
Dabei wurden die Häute zunächst bei Raumtemperatur für 20 Minuten mit einer Mischung
A und anschließend für 60 Minuten mit einer Mischung B behandelt. Anschließend wurden
die Häute einer Gerbung und Nachgerbung mit identischen Chrom-Gerbstoffrezepturen
unterworfen.
Beispiel 1.1:
[0034]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,5 Gew%
Ammoniumsulfat.
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit, 0,14 Gew% Methansulfonsäure
(70 Gew%ig in Wasser) und 1,5 Gew% einer sauer reagierenden Mischung von Decaltal(R) RN.
Beispiel I.2:
[0035]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,5 Gew%
Ammoniumsulfat.
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,3 Gew%
Decaltal(R) Pic S und 1,5 Gew% Ammoniumsulfat.
Beispiel I.3:
[0036]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,5 Gew
Decaltal(R) RN.
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit, 0,14 Gew% Methansulfonsäure
(70 Gew%ig in Wasser) und 1,5 Gew Decaltal(R) RN.
Beispiel I.4:
[0037]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,5 Gew
Decaltal(R) RN.
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit, 0,3 Gew% Methansulfonsäure
(70Gew%ig in Wasser) und 1,5 Gew% Decaltal(R) RN.
Beispiel I.5:
[0038]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,14 Gew%
Methansulfonsäure (70Gew%ig in Wasser).
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit, 0,14 Gew% Methansulfonsäure
(70Gew%ig in Wasser) und 1,2 Gew% Decaltal(R) ESN.
Beispiel I.6.
[0039]
Mischung A: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit und 0,25 Gew%
Decaltal(R) Pic S.
Mischung B: wässrige Lösung enthaltend 0,1 Gew% Natriumhydrogensulfit, 0,25 Gew% Decaltal(R) Pic S und 1,2 Gew% Decaltal(R) ESN.
[0040] Die Verwendung von Methansulfonsäure ermöglichte die Einstellung des pH in kürzerer
Zeit und ergab saubere und flache Rohhäute, die nicht so sehr aufgeschwollen waren,
wie Häute die ohne Methansulfonsäure der Entkälkung unterworfen wurden.
[0041] Die unter Verwendung von Methansulfonsäure im Entkälkungsschritt hergestellten Leder
sind weicher als Leder, die gemäß dem Stand der Technik hergestellt worden sind, und
sie haben schöne, feine und saubere Narben. Die physikalischen Eigenschaften sind
vergleichbar oder besser als die von Leder, die gemäß dem Stand der Technik hergestellt
worden sind.
Beispiel 11.1
[0042] Vier Stücke einer Rohhaut vom Rind wurden enthaart und entfleischt. Die Enthaarung
geschah unter Zusatz von gebranntem Kalk und Natriumsulfid. Zur Entkälkung wurden
die Häute zunächst bei Raumtemperatur für 20 Minuten mit Wasser gewaschen und anschließend
zunächst mit einer 1,2 Gew%igen Lösung von Ammoniumsulfat und anschließend mit einer
3,5 Gew%igen Lösung von Ammoniumsulfat versetzt und 10 Minuten einwirken gelassen
um eine pH von 8,3 bis 8,5 einzustellen.
Beispiel II.2
[0043] Zwei Stücke der Rohhaut aus Beispiel II.1 wurden anschließend mit einer wässrigen
Lösung enthaltend 0,6 Gew% Methansulfonsäure versetzt um einen pH von 8,3 einzustellen
[0044] Von den wässrigen Lösungen aus Beispiel II.1 und II.2 wurden nach 10, 20, 40, 80
und 140 Minuten der pH und der Gehalt an Calciumionen gemessen. Die Ergebnisse sind
in Tabelle 1 wieder gegeben.
Tabelle 1: pH und Calciumionenkonzentration in ppm in der Entkälkungslösung zu Beispielen
II.1 und II.2, Ca
2+-Konzentration bestimmt mittels Atomemissionsspektroskopie
| t [min] |
10 |
20 |
40 |
80 |
140 |
| pH Beispiel II.1 |
8.4 |
8.55 |
8.55 |
8.45 |
8.43 |
| pH Beispiel II.2 |
9.0 |
8.13 |
8.38 |
8.35 |
8.3 |
| [Ca2+], Beispiel 11.1 [ppm] |
450 |
475 |
525 |
530 |
550 |
| [Ca2+], Beispiel II.2 [ppm] |
415 |
620 |
610 |
700 |
700 |
[0045] Der pH der Entkälkungslösungen zu Beispielen II.1 und II.2 lag in beiden Fällen zwischen
8,3 und 8,43 und war sehr ähnlich.
Der Gehalt an freien Calciumionen in der Entkälkungslösung zu Beispiel II.1 und II.2
war bei Zusatz von Methansulfonsäure deutlich höher als ohne Zusatz von Methansulfonsäure.
Beispiel II.3: Bestimmung des Calcium Gehaltes im Leder
[0046] Das nachfolgende Verfahren wurde an unterschiedlichen Stücken vor Beginn des Entkälkungsprozesses
sowie nach Abschluss des Entkälkungsprozesses durchgeführt.
Die Leder aus Beispielen II.1 und II.2 wurden vor Beginn bzw. nach Abschluss der Entkälkung
getrocknet. 0,15 g Leder wurden in einen 50 ml Erlenmeyerkolben gegeben und 4 ml einer
Mischung von Salpetersäure und Salzsäure (Massenverhältnis 1.3) wurden hinzu gegeben.
Sobald die Mischung wieder auf Raumtemperatur abgekühlt war, wurden hierzu 1 ml Wasserstoffperoxid
gegeben (32Gew% in Wasser). Die Mischung wurde für 180 min auf 120°C erhitzt. Die
Mischung wurde auf Raumtemperatur abgekühlt und auf 50 ml Volumen mit Wasser aufgefüllt.
Der Gehalt an Calciumionen im Leder wurde durch Bestimmung der Konzentration an Calciumionen
in der Lösung per Atomabsorptionsspektrometrie bestimmt.
[0047] Es zeigte sich, dass bei Verwendung von Ammoniumsulfat als Neutralisierungsmittel
29 % des Calciums aus dem Leder entfernt worden war, während bei Verwendung von Ammoniumsulfat
und Methansulfonsäure 52 % des Calciums aus dem Leder entfernt worden war.
Beispiel II.4
[0048] Die Leder aus Beispielen II.1 und II.2 wurden zwei Mal für 10 Minuten mit Wasser
gewaschen. Anschließend wurden die Häute einer Gerbung und Nachgerbung mit identischen
Chrom-Gerbstoffrezepturen unterworfen.
Die Leder aus Beispiel II.2 (mit Zusatz von Methansulfonsäure) waren weniger geschwollen
und weicher als die Leder aus Beispiel II.1 (ohne Methansulfonsäure).
Beispiel III
[0049] Chromgegerbtes Wet-Blue Leder (Rind) wurde in 1x1 cm große Stücke geschnitten und
jeweils 25 g wurden in einen 250 ml Glaskolben gegeben. Hierzu wurden jeweils 5 g
Fettungsmittel gemäß Tabelle 2 gegeben sowie jeweils so viel voll entsalztes (VE)
Wasser, dass die Flüssigkeitsmenge im Kolben inklusive Fettungsmittel 75 ml betrug.
Die Kolben wurden für drei Stunden auf 40 °C erhitzt.
[0050] Zu den so erhaltenen Mischungen wurden gemäß Tabelle 2 mittels Ameisensäure oder
Methansulfonsäure verschiedene pH Werte eingestellt. Die so erhaltenen Mischungen
wurden für drei Stunden auf 40 °C erhitzt. Von den so erhaltenen Mischungen wurde
eine Probe der überstehenden Lösung entnommen und mittels Atomabsorptionsspektrometrie
der Gehalt an Chrom Salzen bestimmt.
[0051] Die Ergebnisse sind in Tabelle 2 wieder gegeben.
| Fettungsmittel |
Ameisensäure/% |
pH |
Chromgehalt (mg/L) |
MSA /% |
pH |
Chromgehalt (mg/L) |
| SIM |
0.6 |
4.79 |
37 |
0.5 |
4.9 |
15.6 |
| 0.8 |
4.21 |
44.4 |
0.9 |
4.08 |
18.7 |
| 1.0 |
3.77 |
49.7 |
1.1 |
3.79 |
20.4 |
| SXL/N |
0.6 |
4.64 |
29.2 |
0.6 |
4.73 |
11.2 |
| 0.8 |
4.31 |
36.2 |
0.9 |
3.94 |
16 |
| 1.0 |
3.87 |
48.3 |
1.1 |
3.66 |
19.2 |
| SS |
0.7 |
4.89 |
20 |
0.8 |
4.13 |
10.3 |
| 0.9 |
4.02 |
21.2 |
0.9 |
3.68 |
13.9 |
| 1.1 |
3.81 |
25.3 |
1.1 |
3.36 |
14.5 |
| OSL |
0.6 |
4.91 |
40.9 |
0.7 |
4.36 |
18.1 |
| 0.8 |
4.03 |
52.5 |
0.9 |
3.96 |
23.6 |
| 1.0 |
3.59 |
55 |
1.1 |
3.7 |
24.3 |
| sulfated cas tor oil |
0.8 |
4.8 |
8.6 |
0.7 |
4.67 |
6 |
| 1.0 |
4.24 |
10.9 |
1.0 |
3.97 |
6.4 |
| 1.2 |
3.9 |
15.1 |
1.2 |
3.66 |
7 |
| kein Fet tungsmittel |
0.6 |
4.94 |
1.42 |
0.7 |
3.89 |
1.65 |
| 0.8 |
4.16 |
17.79 |
0.9 |
3.57 |
3.33 |
| 1.2 |
3.74 |
37.03 |
1.1 |
3.04 |
4.94 |
[0052] Tabelle 2: Chromgehalt der Abwasser verschiedener Wet-Blue Leder bei Zusatz von Ameisensäure
oder MSA im Fettungsschritt; benutzte Fettungsmittel: SS: sulfoniertes Rapsöl, SIM:
Sulfit Fischöl, OSL: Sulfitfischöl, SXL / N: Zusammengesetztes Fettungsmittel, Sulfat-Castoröl;
Mengenangaben Säure in Gew% relativ zum eingesetzten Leder.
[0053] Bei gleichem pH wird aus Leder in Gegenwart von MSA deutlich weniger Chrom ausgewaschen
als in Gegenwart von Ameisensäure.