Stand der Technik
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Bandbeschichtungsverfahren zur Herstellung
eines Halbzeugs mit einer Oberflächenstruktur.
[0002] Das Bandbeschichten oder auch coil coating ist ein etabliertes Verfahren zur Aufwertung
eines metallischen Bandes mit einer organischen Beschichtung, um ein Halbzeug bereitzustellen,
das weiterverarbeitet beispielsweise als Trapezblech im Fassadenbau, am Garagentor
oder als Verkleidung im Hausgeräte-Bereich Verwendung findet. Dabei dient die Beschichtung
vordergründig als Korrosionsschutz und der Ästhetik.
[0003] Um beim gefertigten Halbzeug eine Oberflächenstruktur bzw.-topographie zu erhalten,
sieht es der Stand der Technik vor, einen unter einer letzten Deckschicht angeordneten
Primer derart auszugestalten, dass er die Oberflächenstruktur des Halbzeugs vorgibt.
Dabei werden typischerweise spezielle Strukturprimer verwendet. Durch die spezielle
chemische Wahl der Zusammensetzung dieses Strukturprimers stellt sich beim Beschichtungsverfahren
selbstorgansiert, beispielweise durch inhomogenes Fließen, eine Struktur ein, die
dann in einem Folgeprozess überbeschichtet wird. Die selbstorganisierte Struktureinstellung
ist dabei nur schwer zu kontrollieren und kann beispielsweise beeinflusst werden vom
Dressiergrad (Rauhigkeit) und des metallischen Untergrundes, Qualitätsschwankungen
des Materials, das zur Strukturbildung des Primers verwendet wird, oder leichten Temperaturschwankungen.
Folglich treten häufig immer wieder Abweichungen zur Wunschstruktur auf. Ein weiterer
Nachteil ist, dass die bekannten Strukturierungsmaßnahmen des Primers nur wenig Gestaltungsfreiraum,
beispielsweis hinsichtlich Wellenlänge, Aspektverhältnis oder Strukturhöhe der dreidimensionalen
Oberflächenstruktur, zulassen.
Offenbarung der Erfindung
[0004] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung die Reproduzierbarkeit und Gestaltungsfreiheit
von dreidimensionalen Oberflächenstrukturen auf Halbzeugen, die durch ein Bandbeschichtungsverfahren
erzeugt wird, zu erhöhen.
[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung wird gelöst durch ein Bandbeschichtungsverfahren
zur Herstellung eines Halbzeugs mit einer dreidimensionalen Oberflächenstruktur, welches
wenigstens folgende Verfahrensschritte aufweist:
- Bereitstellen eines metallischen Flachproduktes in einem Verfahrensschritt a,
- Auftrag eines strukturierten Primers und/oder Lackes mit einer dreidimensionalen Formgebung
auf dem metallischen Flachprodukt in einem Verfahrensschritt b, wobei zur Erzeugung
des strukturierten Primers ein Siebdruckverfahren verwendet wird.
[0006] Gegenüber dem Stand der Technik wird die Reproduzierbarkeit und die gestalterische
Freiheit beim Design der dreidimensionalen Oberflächenstruktur durch die Verwendung
des Siebdruckverfahrens bei der dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers
und/oder Lacks verbessert. Dabei erweist es sich als besonders vorteilhaft, bei der
Formgebung auf selbstorganisierende Strukturprimer zu verzichten, deren Formgebung
von mehreren Einflüssen abhängt und entsprechend schwer zu kontrollieren ist.
[0007] Vorzugsweise wird im erfindungsgemäßen Beschichtungsverfahren ein bandförmiges Flachprodukt
kontinuierlich entlang einer Förderrichtung an einer für das Siebdruckverfahren geeigneten
Druckvorrichtung vorbeibewegt und mit einem flächig ausgestalten, dreidimensional
geformten strukturierten Primer und/oder Lack ausgestattet. Das metallische Flachprodukt
ist dabei vorzugsweise ein Flachmaterial, insbesondere aus einem Aluminium- oder Stahlwerkstoff,
mit einer Dicke zwischen 0.2 und 3.0 mm. Insbesondere wird durch die Beschichtung
aus dem Flachprodukt ein Halbzeug, das in einem anschließenden Fertigungsschritt beispielsweise
zu einem Nutz-Bauteil zugeschnitten und/oder geformt werden kann. Die durch den Fertigungsschritt
realisierten Nutz-Bauteile werden dann beispielsweise als Trapezblech oder Profilblech
im Fassadenbau oder als Garagentor verwendet. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Haushaltsgeräte,
zu deren Verkleidung die Nutz-Bauteile herangezogen werden. Weiterhin ist es vorzugsweise
vorgesehen, dass das metallische Flachprodukt zum Bereitstellen für das Beschichtungsverfahren
von einer Rolle abgewickelt wird. Im Anschluss an das Beschichtungsverfahren wird
das durch die Beschichtung aufgewertete Flachprodukt als Halbzeug zum Weitertransport
wieder auf eine andere oder dieselbe Rolle aufgewickelt.
[0008] Vorteilhafte Ausgestaltungen und Weiterbildungen der Erfindung sind den Unteransprüchen,
sowie der Beschreibung unter Bezugnahme auf die Zeichnungen entnehmbar.
[0009] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
in einem Verfahrensschritt c der strukturierte Primer gehärtet wird. Vorzugsweise
wird der strukturierte Primer und/oder Lack in einem Ofen erstarrt, um eine starre
dreidimensionale Oberflächenstruktur zu realisieren. Insbesondere wird der strukturierte
Primer und/oder Lack durch ein im Siebdruck aufgetragenes flüssiges, vorzugsweise
zähflüssiges Primer-bzw. Lackmaterial gebildet und durch das Aushärten wird die dreidimensionale
Form des strukturierten Primers und/oder Lackes in vorteilhafter Weise konserviert.
Denkbar ist, dass im Verfahrensschritt c der strukturierte Primer und/oder Lack gekühlt
wird. Erfolgt beispielsweise im kontinuierlichen Prozess eine weitere Veredelung des
metallischen Flachproduktes, ist es erforderlich, das metallische Flachprodukt auf
eine entsprechende Bearbeitungstemperatur abzukühlen.
[0010] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
in einem Verfahrensschritt d der strukturierte Primer und/oder Lack zumindest teilweise
überbeschichtet, bevorzugt zumindest teilweise überlackiert, wird. Der zuvor aufgebrachte
Primer und/oder Lack hat hier eine Mehrfachfunktion. Er dient als Haftvermittler für
einen Decklack, ist Strukturgeber und schützt vor Korrosion. Der Decklack sorgt für
eine geschlossene Oberfläche, Farbanmutung, Weiterverarbeitungsbeständigkeit (abriebbeständig
und/oder chemikalienbeständig) und zusätzlichen Korrosionsschutz. Es ist aber auch
vorstellbar, dass der strukturierte Primer und/oder Lack derart ausgestaltet ist,
dass keine zusätzliche Deckschicht erforderlich ist.
[0011] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
im Verfahrensschritt b ein strukturierter Primer mit einer mittleren Strukturhöhe
von mehr als 1 µm, bevorzugt zwischen 5 und 15 µm (getrocknete Struktur), erzeugt
wird. Im Vergleich zu den im Stand der Technik realisierbaren mittleren Strukturhöhen
lassen sich durch das Siebdruckverfahren präzisere mittlere Strukturhöhen einstellen.
Insbesondere ist es vorgesehen, durch das Siebdruckverfahren im Vergleich zum Stand
der Technik höhere Aspektverhältnisse zu erzielen. Dadurch wird die gestalterische
Freiheit bei dem Design der dreidimensionalen Oberflächenstruktur gegenüber dem Stand
der Technik erhöht.
[0012] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
der strukturierte Primer und/oder Lack auf einem zumindest teilweise feuerverzinkten
oder zumindest teilweise elektrolytisch verzinkten metallischen Flachprodukt aufgetragen
wird. Durch das Verzinken wird der Schutz für das Flachprodukt in vorteilhafter Weise
weiter erhöht.
[0013] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
im Verfahrensschritt d ein organisch basierter Decklack oder eine Folie zur Bildung
der Deckschicht verwendet wird. Dadurch lässt sich das Flachprodukt in vorteilhafter
Weise schützen, wodurch das gefertigte Halbzeug gegenüber äußeren Einflüssen, z. B.
bestimmten Witterungsverhältnissen standhält.
[0014] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
das metallische Flachprodukt in einem Vorbereitungsschritt gereinigt und/oder verzinkt
wird. Insbesondere wird das metallische Flachprodukt von Öl und Fetten befreit, um
ein erfolgreiches und dauerhaftes Auftragen des strukturierten Primers und/oder Lackes
garantieren zu können.
[0015] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
im Verfahrensschritt b zur dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers
und/oder Lackes eine bestimmte Siebgröße, Siebgeschwindigkeit und/oder Siebschablone
verwendet wird. Durch die Wahl der Siebgröße, der Siebgeschwindigkeit und/oder der
Siebschablone lässt sich auf einfache Weise die dreidimensionale Formgebung beim Siebdruckverfahren
steuern. Insbesondere ist es vorgesehen, dass die Schablone als eine Art (projiziertes)
Negativ zur gewünschten dreidimensionalen Oberflächenstruktur ausgestaltet ist, wobei
die Schablone Aussparung an den Stellen aufweist, unterhalb denen auf dem Flachprodukt
Erhebungen des strukturierten Primers und/oder Lackes entstehen sollen. Dadurch lässt
sich die Reproduzierbarkeit gegenüber dem Stand der Technik weiter verbessern.
[0016] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
im Verfahrensschritt b zur dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers
und/oder Lackes ein Primer-bzw. Lackmaterial mit einer bestimmten Viskosität, Korngröße
und/oder einer bestimmten oberflächenspezifischen chemischen Zusammensetzung verwendet
wird. Dadurch lässt sich in vorteilhafter Weise die dreidimensionale Formgebung durch
die geeignete Wahl des Primer-bzw. Lackmaterials in Kombination mit den abgestimmten
Siebdruckparametern steuern bzw. kontrollieren.
[0017] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
zur dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers/Lackes das Siebdruckverfahren
wiederholt wird. Insbesondere ist es denkbar, dass der strukturierte Primer und/oder
Lack in einer Schicht-auf-Schicht Auftragung realisiert wird und das Sieb bzw. die
Schablone gewechselt wird, um einen gewünschten Strukturierungseffekt bei der dreidimensionalen
Formgebung des strukturierten Primers und/oder Lackes zu erzielen. Dadurch wird die
gestalterische Freiheit beim Design weiter erhöht.
[0018] In einer weiteren Ausführungsform der vorliegenden Erfindung ist es vorgesehen, dass
im Verfahrensschritt b ein Rastersiebdruckverfahren verwendet wird. Vorzugsweise wird
ein amplituden- oder frequenzmoduliertes Raster beim Rastersiebdruck realisiert, um
die gewünschte dreidimensionale Form des strukturierten Primers und/oder Lackes zu
erzeugen.
[0019] Weiterhin ist es dem Fachmann klar, dass der Verfahrensschritt a, der Verfahrensschritt
b, der Verfahrensschritt c und/oder der Verfahrensschritt d als Zwischenschritt beispielsweise
in Form eines Verfahrensschrittes a', eines Verfahrensschrittes b', eines Verfahrensschrittes
c' und/oder eines Verfahrensschritte d' während des Verfahren, insbesondere mehrmals,
durchgeführt werden kann, wobei insbesondere durch die alphabetische Reihenfolge der
Verfahrensschritte keine zeitliche Reihenfolge festgelegt ist.
[0020] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist eine Fertigungsanlage zur
Bandbeschichtung eines metallischen Flachprodukts, wobei die Fertigungsanlage mindestens
eine Siebdruckvorrichtung für eine Erzeugung eines strukturierten Primers und/oder
Lackes mit einer dreidimensionalen Formgebung auf dem metallischen Flachprodukt aufweist,
wobei mit der Siebdruckvorrichtung ein Verfahren zur Herstellung eines Halbzeugs mit
einer dreidimensionalen Oberflächenstruktur gemäß einem der oben beschriebenen Verfahren
durchführbar ist.
[0021] Gegenüber dem Stand der Technik hat eine solche Fertigungsanlage den Vorteil, dass
sie Halbzeuge erzeugen kann, deren dreidimensionale Oberflächenstruktur reproduzierbar
auf dem Flachprodukt aufgetragen ist. Weiterhin sind dem Gestaltungfreiraum für das
Design der dreidimensionalen Oberflächenstruktur im Vergleich zum Stand der Technik
keine weiteren Grenzen gesetzt.
[0022] Ein weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Halbzeug, wobei das Halbzeug
ein metallisches Flachprodukt aufweist, auf das ein strukturierter Primer und/oder
Lack mit einem Bandbeschichtungsverfahren wie es oben beschrieben wurde aufgetragen
ist.
[0023] Ein solches Halbzeug zeichnet sich gegenüber dem Stand der Technik durch seine dreidimensionale
Oberflächenstruktur aus, die reproduzierbar auf dem Flachprodukt aufgetragen ist und
gegenüber den aus dem Stand der Technik bekannten dreidimensionale Oberflächenstrukturen
hinsichtlich der mittleren Strukturhöhe, der Wellenlänge und des Aspektverhältnisses
flexibler gestaltet sein kann.
[0024] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Zeichnungen,
sowie aus der nachfolgenden Beschreibung von bevorzugten Ausführungsformen anhand
der Zeichnungen. Die Zeichnungen illustrieren dabei lediglich beispielhafte Ausführungsform
der Erfindung, welche den Erfindungsgedanken nicht einschränken.
Kurze Beschreibung der Figuren
[0025] Die
Figur 1 zeigt ein Bandbeschichtungsverfahren gemäß einer ersten beispielhaften Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung.
[0026] Die
Figur 2 zeigt schematisch eine Fertigungsanlage für ein Bandbeschichtungsverfahren gemäß
einer zweiten beispielhaften Ausführungsform der vorliegenden Erfindung.
Ausführungsformen der Erfindung
[0027] In den verschiedenen Figuren sind gleiche Teile stets mit den gleichen Bezugszeichen
versehen und werden daher in der Regel auch jeweils nur einmal benannt bzw. erwähnt.
[0028] In
Figur 1 ist schematisch ein Bandbeschichtungsverfahren 10 gemäß einer ersten beispielhaften
Ausführungsform der vorliegenden Erfindung dargestellt. Vorzugsweise wird durch das
Bandbeschichtungsverfahren 10 ein als Band ausgebildetes metallisches Flachprodukt
1 mit einer, vorzugsweise organischen, Beschichtung versehen, um das Flachprodukt
1 durch die Beschichtung in seiner Qualität und in seinem optischen Eindruck aufzuwerten.
Dabei besteht die Absicht mit dem Bandbeschichtungsverfahren 10 ein Halbzeug zu fertigen,
das dann in einem an das Bandbeschichtungsverfahren 10 anschließendem Fertigungsschritt
als Zuschnitt und/oder durch Umformungsschritte zu einem Nutz-Bauteil weiterverarbeitet
wird. Dieses Nutz-Bauteil kann wiederum beispielsweise als Trapezblech im Fassadenbau
oder als Garagentor eingesetzt werden. Auch denkbar ist, dass das gefertigte Halbzeug
zu einer Verkleidung für ein Haushaltsgerät weiterverarbeitet wird. Die vorzugsweise
organische Beschichtung dient hier unteranderem als Korrosionsschutz und Verarbeitungshilfe.
Weiterhin soll durch die Beschichtung ein gewünschter optischer und/oder haptischer
Eindruck beim gefertigten Halbzeug erweckt werden. Zu diesem Zweck weist das gefertigte
Halbzeug eine dreidimensionale Oberflächenstruktur bzw. -topographie auf, die vorzugsweise
im Rahmen des Bandbeschichtungsverfahrens 10 realisiert wird. Dabei ist es auch denkbar,
dass durch die Form der dreidimensionalen Oberflächenstruktur gezielt Eigenschaften
der Oberfläche des gefertigten Halbzeugs, wie beispielsweises dessen Haftungsfähigkeit,
gesteuert und insbesondere individuell an den Einsatzbereich des aus dem Halbzeugs
gefertigten Nutz-Bauteils angepasst wird.
[0029] Der Stand der Technik kennt zur Oberflächenstrukturierung einen selbstorganisierenden
Strukturprimer, der auf das metallische Flachprodukt 1 aufgetragen wird und anschließend
überlackiert wird. Dabei hängt die Selbstorganisation von derart vielen, meist nur
unter größten Anstrengungen zu kontrollierenden Einflüssen ab, dass in der Praxis
durch die Selbstorganisation keine reproduzierbare Oberflächenstrukturierung erzeugbar
ist und das Material nur chargenweise verwendet werden kann. Zudem sind die aus dem
Stand der Technik bekannten Bandbeschichtungsverfahren 10 begrenzt, was ihre Gestaltungsfreiheit,
beispielsweise hinsichtlich einer Wellenlänge, eines Aspektverhältnisses oder einer
Strukturhöhe der erzeugten Oberflächenstruktur, betrifft. Das gefertigte Halbzeug
besteht dann beispielsweise aus einem als metallisches Flachprodukt 1 ausgebildetem
Stahlsubstrat, einer darüber angeordneten Zinkschicht, die wiederum optional von einem
Haftvermittler bedeckt werden kann. Auf die Haftvermittler bzw. auf die Zinkschicht
folgt dann der Struktur und/oder Lackprimer, der von mindestens einer Deckschicht
versiegelt wird. Zur Verbesserung der erzeugten Oberflächenstruktur ist es Aufgabe
der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Verfügung zu stellen, das die Reproduzierbarkeit
der Oberflächenstruktur verbessert und eine im Vergleich zum Stand der Technik erhöhte
gestalterischer Freiheit beim Design der gewünschten Oberflächenstruktur erlaubt.
[0030] Zur Verbesserung gegenüber dem Stand der Technik ist es vorgesehen, dass ein strukturierter
Primer und/oder Lack 2 mittels eines Siebdruckverfahrens auf ein metallisches Flachprodukt
1, das insbesondere als Band ausgestaltet ist, aufgetragen wird. Dabei ist es vorgesehen,
dass in einem Verfahrensschritt b das Siebdruckverfahren zur dreidimensionalen Formgebung
des strukturierten Primers und/oder Lackes 2 genutzt wird, nachdem das metallische
Flachprodukt bereitgestellt wurde. Vorzugsweise wird im Siebdruckverfahren ein für
den strukturierten Primer und/oder Lack 2 vorgesehenes Primer-bzw. Lackmaterial in
flüssiger Form durch eine gelochte Siebdruckwalze 4 gedrückt. Der durch das Siebdruckverfahren
erzeugte strukturierte Primer und/oder Lack 2 weist dann vorzugsweise eine mittlere
Strukturhöhe von mehr als 1 µm, bevorzugt zwischen 5 und 15 µm (getrocknete Struktur)
auf. Insbesondere ist es vorgesehen, dass das flüssige Primer-bzw. Lackmaterial beispielsweise
in einem Reservoir 7 gelagert wird und für das Siebdruckverfahren über eine Zuführleitung
15 der Siebdruckwalze 4 zugeführt wird. Vorzugsweise rotiert die Siebdruckwalze mit
einer Rotationsgeschwindigkeit, wobei die Rotationsgeschwindigkeit mit einer Geschwindigkeit
des sich linear bewegenden Flachprodukts abgestimmt ist. Es ist auch denkbar, dass
sich die Siebdruckwalze im Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn dreht. Optional
kann eine Gegendruckwalze 16 vorgesehen sein, die auf der gegenüberliegenden Seite
der Siebdruckwalze 4 angeordnet ist, wobei das metallische Flachprodukt 1 zwischen
sich und der Siebdruckwalze 4 hindurchgeführt wird. Ist der Auftrag eines strukturierten
Primers und/oder Lackes 2 auf beiden Seiten des metallischen Flachproduktes 1 erwünscht,
kann die Gegendruckwalze 16 durch eine weitere Siebdruckwalze ausgetauscht werden.
Durch die Form der Öffnungen der Siebdruckwalze 4 wird dann die Form des strukturierten
Primers und/oder Lackes 2 und damit die dreidimensionale Oberflächenstruktur im Wesentlichen
vorgegeben. Insbesondere umfasst die Siebdruckwalze 4 Öffnungen nach Art einer Schablone,
die die Ausgestaltung des strukturierten Primers und/oder Lackes 2 festlegt. Weiterhin
ist es denkbar, dass durch einen Pressdruck, d. h. einen Druck mit dem das flüssige
Primer-bzw. Lackmaterial durch die Siebdruckwalze 4 gedrückt wird, (Rotations-) Geschwindigkeit
und/oder Abstand der Siebdruckrolle 4 vom metallischen Flachprodukt 1 es möglich ist,
die dreidimensionale Formgebung des strukturierten Primers und/oder Lackes 2 zumindest
teilweise zu steuern. Es ist auch denkbar, dass ein strukturierter Primer und/oder
Lack 2 durch ein Schicht-für-Schicht-Auftragen realisiert wird, wobei jede Schicht
durch ein Auftragen im Siebdruckverfahren erfolgt. Bei einem solchem Schicht-für-Schicht
-Auftragen ist es denkbar nach jeder Schicht die Siebwalze 4 zu wechseln, um eine
bestimmte dreidimensionale Form des strukturierten Primers und/oder Lackes 2 zu erzielen.
Weiterhin ist es vorzugsweise vorgesehen, dass durch Materialeigenschaften des Primer-
bzw. Lackmaterials die dreidimensionale Formgebung des strukturierten Primers und/oder
Lackes 2 mitbestimmt wird. Beispielsweise wird die dreidimensionale Formgebung des
strukturierten Primers und/oder Lackes 2 auch von einer Viskosität, einer oberflächenspezifischen
chemischen Zusammensetzung und/oder einer Korngröße des Primer - bzw. Lackmaterials
mitbestimmt und entsprechend der gewünschten Form des strukturierten Primers und/oder
Lackes 2 ausgewählt. Weiterhin ist es vorgesehen, dass in einem Verfahrensschritt
c der im Siebdruckverfahren erzeugte strukturierte Primer und/oder Lack 2 mit seiner
dreidimensionalen Form, vorzugsweise beim Einbrennen in einem Ofen 8, gehärtet wird
und dadurch erstarrt. Zur weiteren Veredelung wird das metallische Flachprodukt 1
im Anschluss gekühlt. Weiterhin ist es vorgesehen, dass in einem Verfahrensschritt
d der strukturierte Primer und/oder Lack 2 mit einer, vorzugsweise organischen Deckschicht
beschichtet wird, um den strukturierten Primer und/oder Lack 2 und das metallische
Flachprodukt 1 weiter zu veredeln. Dabei wird die Deckschicht im "coil coating" auf
dem strukturierten Primer und/oder Lack 2 aufgetragen.
[0031] In
Figur 2 ist schematisch eine Fertigungsanlage dargestellt, in der ein Bandbeschichtungsverfahren
10 gemäß einer zweiten beispielhaften Ausführungsform der vorliegenden Erfindung durchführbar
ist. Vorzugsweise ist es dabei vorgesehen, dass das bandförmige Flachprodukt 1 von
einer Rolle 21 abgerollt wird, um es dem Beschichtungsverfahren 10 bereitzustellen.
Vorzugsweise handelt es sich bei dem metallischen Flachprodukt 1 um ein Band, insbesondere
aus einem Aluminiumwerkstoff oder einem Stahlwerkstoff, mit einer Dicke zwischen 0.2
bis 3 mm. Weiterhin ist es vorgesehen, dass das bandförmige Flachprodukt 1 beim Beschichtungsverfahren
10 kontinuierlich entlang einer Förderrichtung A bewegt wird. Dabei ist es denkbar,
dass das Flachprodukt 1 beim Transport in der Fertigungsanlage in einem Vorbereitungsschritt
gereinigt und/oder verzinkt wird, bevor es mit dem durch das Siebdruckverfahren aufgetragenen
strukturierten Primer und/oder Lack 2 versehen wird. Dazu wird das Flachprodukt 1
in einem Vorbereitungsschritt zunächst zu einer oder mehreren Vorrichtungen 12 zum
Reinigen und/oder Verzinken befördert. Weiterhin sind in der Fertigungsstraße Akkumulatoren
11 vorgesehen, die das bandförmige Flachprodukt 1 zwischenspeichern und eine kontinuierliche
Applikation ermöglichen. Für das Auftragen des strukturierten Primers/Lackes 2 ist
es vorgesehen, dass das bandförmige Flachprodukt 1 derart befördert wird, dass immer
ein Teil des metallischen Flachprodukts 1 einer Siebdruckvorrichtung 13 für das Siebdruckverfahren
kontinuierlich bereitgestellt wird. Weiterhin ist es vorzugsweise vorgesehen, dass
das mit dem strukturierten Primer und/oder Lack 2 ausgestattete Flachprodukt in der
Fertigungsstraße einem Ofen 8 zum Erstarren des strukturierten Primers/Lackes 2 mit
anschließender Kühlung zugeführt wird. Die Fertigungsanlage 14 umfasst weiter einen
Coater 17 zum Lackieren bzw. Beschichten (coil coating) des strukturierten Primers
und/oder Lackes 2 mit einem Decklack bzw. Deckschicht. Nach dem coil coating wird
das bandförmige Flachprodukt 1 durch einen weiteren Ofen 18 hindurchgeführt, in dem
die organische Beschichtung getrocknet wird, bevor das bandförmige Flachprodukt 1
kontinuierlich einer Kaschiervorrichtung 19 zugeführt wird, in der die veredelte Oberfläche
mit einer Folie, vorzugsweise mit einer Schutzfolie, laminiert wird. Optional und
hier nicht dargestellt kann das metallische Flachprodukt 1 einer Kühleinrichtung zugeführt
werden. Insbesondere ist es vorgesehen, dass das gefertigte Halbzeug mit der dreidimensionalen
Oberflächenstruktur im Anschluss an das Beschichtungsverfahren 10 zur Lagerung und
Bereitstellung zur Weiterverarbeitung auf eine weitere Rolle 22 aufgerollt wird. Es
ist weiterhin denkbar, dass das metallische Flachprodukt 1 beidseitig mit einem durch
ein Siebdruckverfahren aufgetragenen strukturierten Primer und/oder Lack 2 im Beschichtungsverfahren
10 ausgestattet wird.
[0032] Weiterhin ist es vorgesehen, dass zur Erhöhung der Reproduzierbarkeit der erzeugten
dreidimensionalen Oberflächenstruktur Parameter, die das Beschichtungsverfahren 10
beeinflussen, wie beispielsweise eine Trocknungstemperatur, eine Fördergeschwindigkeit,
die Viskosität des Primer- bzw. Lackmaterials oder die Substratdicke, im Wesentlichen
über einen längeren Zeitraum konstant gehalten werden.
Bezugszeichenliste
[0033]
- 1
- metallisches Flachprodukt
- 2
- strukturierter Primer und/oderLack
- 4
- Siebdruckwalze
- 7
- Reservoir
- 8
- Ofen
- 10
- Bandbeschichtungsverfahren
- 11
- Akkumulator
- 12
- Vorrichtung zum Reinigen und/oder Verzinken
- 13
- Siebdruckvorrichtung
- 14
- Fertigungsanlage
- 15
- Zuführleitung
- 16
- Gegendruckrolle
- 17
- Coater (coil coating)
- 18
- Ofen
- 19
- Kaschiervorrichtung
- 21
- Rolle
- 22
- Weitere Rolle
- A
- Förderrichtung
1. Bandbeschichtungsverfahren (10) zur Herstellung eines Halbzeugs mit einer dreidimensionalen
Oberflächenstruktur, welches wenigstens folgende Verfahrensschritte aufweist:
- Bereitstellen eines metallischen Flachproduktes in einem Verfahrensschritt a,
- Auftrag eines strukturierten Primers und/oder Lackes (2) mit einer dreidimensionalen
Formgebung auf dem metallischen Flachprodukt (1) in einem Verfahrensschritt b, wobei
zur Erzeugung des strukturierten Primers und/oder Lackes (2) ein Siebdruckverfahren
verwendet wird.
2. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß Anspruch 1, wobei in einem Verfahrensschritt
c der strukturierte Primer und/oder Lack (2) gehärtet wird.
3. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei in
einem Verfahrensschritt d der strukturierte Primer und/oder Lack (2) zumindest teilweise
mit einer Deckschicht beschichtet, bevorzugt zumindest teilweise überlackiert, wird.
4. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im
Verfahrensschritt b ein strukturierter Primer und/oder Lack (2) mit einer mittleren
Strukturhöhe von mehr als 1 µm, bevorzugt zwischen 5 und 15 µm, erzeugt wird.
5. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der
strukturierte Primer (2) auf einem zumindest teilweise feuerverzinkten oder zumindest
teilweise elektrolytisch verzinkten metallischen Flachprodukt (1) aufgetragen wird.
6. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im
Verfahrensschritt d ein organisch basierter Decklack oder eine Folie zur Bildung der
Deckschicht verwendet wird
7. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das
metallische Flachprodukt (1) in einem Vorbereitungsschritt gereinigt und/oder verzinkt
wird.
8. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im
Verfahrensschritt b zur dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers und/oder
Lackes (2) eine bestimmte Siebgröße, Siebgeschwindigkeit und/oder Siebschablone verwendet
wird.
9. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im
Verfahrensschritt b zur dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers und/oder
Lackes (2) ein Primer- und/oder Lackmaterial mit einer bestimmten Viskosität, Korngröße
und/oder mit einer bestimmten oberflächenspezifischen chemischen Zusammensetzung verwendet
wird.
10. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei zur
dreidimensionalen Formgebung des strukturierten Primers (2) das Siebdruckverfahren
wiederholt wird.
11. Bandbeschichtungsverfahren (10) gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei im
Verfahrensschritt b ein Rastersiebdruckverfahren verwendet wird.
12. Fertigungsanlage (14) zur Bandbeschichtung eines metallischen Flachprodukts (1), wobei
die Fertigungsanlage (14) mindestens eine Siebdruckvorrichtung (13) für eine Erzeugung
eines strukturierten Primers und/oder Lackes (2) mit einer dreidimensionalen Formgebung
auf dem metallischen Flachprodukt (1) aufweist, wobei mit der Siebdruckvorrichtung
(13) ein Verfahren zur Herstellung eines Halbzeugs mit einer dreidimensionalen Oberflächenstruktur
gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche durchführbar ist.
13. Halbzeug, wobei das Halbzeug ein metallisches Flachprodukt (1), auf das ein strukturierter
Primer und/oder Lack(2) mit einem Bandbeschichtungsverfahren gemäß einem der Ansprüche
1 bis 11 aufgetragen ist, aufweist.