[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer quellreduzierten Faserplatte.
[0002] Holzwerkstoffe finden beispielsweise im Bauwesen als isolierendes, konstruktives
oder verkleidendes Element sowie als Bodenbelag Verwendung.
[0003] Bei der Herstellung von Holzwerkstoffen kann eine hohe stoffliche Verwertung des
Holzes sichergestellt werden. So findet neben Waldholz, Restholz aus der Industrie
und Gebrauchtholz seinen Einsatz. Holzwerkstoffe werden aus Holzspänen, Holzschnitzeln
oder Holzfasern sowie aus Schnittholz oder Furnieren verschiedener Holzarten unter
Hinzufügung natürlicher und/oder synthetischer Bindemittel sowie weiterer Additive
hergestellt.
[0004] Die Eigenschaften des Holzes werden bekanntermaßen wesentlich durch die Holzfeuchte
bestimmt. Bei zunehmender Wasseraufnahme steigt in der Regel die Holzfeuchte, die
Festigkeit und Dimensionsstabilität des Holzes sinken und die Anfälligkeit gegenüber
holzzerstörenden Mikroorganismen steigt.
[0005] Bei der Herstellung von Holzwerkstoffen tritt die Minimierung der natürlichen Nachteile
von Holz in den Vordergrund. Die Beständigkeit von Holz gegenüber Wasser ist durch
Quellung und Schwindung bestimmt und kann aufgrund dieser Dimensionsänderung zu Problemen
bei der Verarbeitung als auch beim täglichen Gebrauch führen.
[0006] Bei Verwendung im Außenbereich weisen Holzprodukte unter anderem den Nachteil auf,
dass durch die Aufnahme von Wasser in die Zellwände eine Quellung des Holzes in alle
drei Raumrichtungen erfolgt. Die wiederkehrende Abfolge von Quellung und Schwindung
kann bei Massivholz zu Rissbildung sowie bei Holzwerkstoffen wie Span- und Faserplatten
zu einer irreversiblen Quellung führen. Die Quellung bei kraftschlüssig verbundenen
Holzwerkstoffen, insbesondere bei Bodenbelägen, ist besonders problematisch. Bei Holzwerkstoffen,
die senkrecht zueinander verklebte Schichten aufweisen, wird das Holz beim Quellen
und Schwinden behindert, so dass Spannungen entstehen können, die zur plastischen
Verformungen führen. Durch das Eindringen von Wasser, beispielsweise bei Bodenbelägen,
können die kraftschlüssigen Verbindungen zerstört werden, es kann zur Quellung der
Schnittkanten kommen. Die vorstehenden Fasern werden dann mechanisch abgerissen, wodurch
der Bodenbelag optisch klar erkennbare Schäden aufweist, die zu einem erhöhten und
beschleunigten Verschleiß führen. Weiterhin hat dieses Verhalten eine entscheidende
Bedeutung bei Baustoffen. Bei Quellung kann neben vermehrter Spannung auch ein erhöhter
innerer Quelldruck entstehen, welcher der äußeren mechanischen Last entgegenwirkt
und auch einen Einfluss auf die Belastbarkeit der unter Dauerbelastung stehenden Holzkonstruktion
hat.
[0007] Holz weist im Allgemeinen als Gerüstsubstanzen hauptsächlich Cellulose, Hemicellulosen
und Lignin auf. In den Zellwandpolymeren sind freie Hydroxylgruppen zu finden, die
mit Wassermolekülen starke Wasserstoffbrückenbindungen eingehen können, die die Wassermoleküle
in den Zellen festhalten und dadurch Quellung herbeiführen.
[0008] Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Beschichtungsverfahren und weitere chemische
Methoden zur Modifikation von Holz oder Holzoberflächen zur Verminderung des Eindringens
von Wasser bekannt.
[0009] In "
Chemical Modification of Wood"(S. 419-430, "Monomers, Polymers and Composites from
Renewable Resources", 1. Auflage, 2008) beschreiben Belgacem und Gandini unterschiedliche chemische Behandlungsmethoden
von Holz zur Verbesserung des Widerstands gegen atmosphärischen und biologischen Abbau
sowie zur Erzielung einer geringeren Benetzbarkeit. Hierin werden Holzoberflächen
mit Plasma, Isocyanaten, Siloxanen und Furfurylalkohol behandelt sowie die freien
Hydroxylgruppen der Zellwandpolymere des Holzmaterials werden durch Verestern mit
beispielsweise Octanylchlorid oder Verethern mit beispielsweise Glycidylmethacrylat
substituiert. Dadurch soll die Eigenschaft des Holzes, Wasser aufzunehmen bzw. abzugeben,
eingeschränkt werden.
[0010] In der
EP 2 032 323 B1 werden zur Herstellung von modifizierten Holzwerkstoffen Holzfasern mit Wachsdispersionen
hydrophobisiert. Hierdurch soll die Dickenquellungs- und die Wasseraufnahmegeschwindigkeit
der damit hergestellten Holzwerkstoffe verzögert werden.
[0011] Auch eine Reduzierung der quellbaren Anteile in den entsprechenden Holzprodukten
ist eine bekannte Strategie. Diesbezüglich wird in der
DE 102 008 056 650 A1 vorgeschlagen, Holzfasern mit holzfremden Bestandsteilen wie Glas, Metall, Keramik
und/oder Kunststoffen zu Holzwerkstoffen zu verpressen. Durch diesen Zusatz nicht
quellender Anteile soll eine verzögerte Dickenquellung der Holzplatten erreicht werden.
[0012] Die
EP 1 762 671 B1 beschreibt eine Bauplatte, die ein vermindertes Quell- und Schwindverhalten aufweist
und auf die eine wasserfeste Abschlussschicht aus Polyurethan, Kunststoff oder Lack
oder aus Mischungen daraus aufgebracht ist.
[0013] Die
EP 2 181 818 A2 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von Holzfaserwerkstoffen sowie Holzfaserwerkstoffe
aus Holzfasern, welche nach Plastifizierung von Holz gewonnen werden und die eine
verringerte Emission an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) aufweisen sollen.
Die Holzfaserwerkstoffen werden so hergestellt, dass das unzerkleinerte und/oder das
zerkleinerte Holz mit einer Formulierung, die mindestens eine Verbindung zur Einstellung
eines neutralen bis basischen pH-Wertes und mindestens einen Komplexbildner enthält,
kontaktiert wird.
[0014] Die
EP 0 139 530 A3 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung von lignocellulosehaltigen Verbundkörpern,
Folien und dergleichen mit einem Di- oder Polyisocyanat auf Basis eines Bindemittelsystems,
bei dem eine Mineralsäure verwendet wird. Hierzu wird in einer Mischtrommel trockenes,
feinteiliges Holzmaterial zuerst mit einer Mineralsäure (HNO
3, HCl, H
2SO
4) und dann mit einem Beleimungsmittel (PMDI) besprüht und schließlich zu einem Holzwerkstoff
verpresst.
[0015] Die bekannten Verfahren haben gemein, dass durch die Beschichtung und chemische Modifikation
eine Verzögerung der Quellung erreicht wird. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen,
dass eine Abschirmung, Besetzung bzw. Substitution der freien Hydroxylgruppen der
Zellwandpolymere vorgenommen und die Hygroskopizität gesenkt wird. Auf diese Weise
wird vermutlich die Wechselwirkung zwischen Wassermolekülen und freien Hydroxylgruppen
der Zellwandpolymere verringert und dadurch eine Verminderung der Quellgeschwindigkeit
erzielt.
[0016] Nachteilig an den vorstehend beschriebenen Maßnahmen ist, dass dadurch nur eine Verzögerung
der Aufnahme von Wasser erreicht wird. Zudem wird durch die oben beschriebene chemische
Modifikation das Gewicht des Holzmaterials erhöht, was nachteilig bei der Verarbeitung
und Eignung als Baumaterial sein kann.
[0017] Dem Fachmann sind unterschiedliche Einbringverfahren für Holzschutzmittel bekannt.
Hierzu gehören das Streichen, Spritzen, Tauchen und die Trogtränkung. Der Einsatz
dieser Verfahren ist abhängig von Inhaltsstoffen, Anwendungsort und der späteren Verwendung.
Nachteilig bei den bekannten Verfahren sind entweder eine geringe Eindringtiefe oder
ein erhöhter Arbeitsaufwand und lange Wartezeiten bis zur Weiterverarbeitung. So können
die Arbeitsschritte des Streichens, Spritzens oder Tauchens zwar eine kurze Zeitspanne
erfordern, jedoch ist die geringe Eindringtiefe nachteilig. Bei der Trogtränkung und
Kesseldruckimprägnierung (Tränkung des Holzes durch abwechselnden Unter- und Überdruck)
können zwar tiefere Eindringtiefen erreicht werden, jedoch müssen in beiden Fällen
weitere aufwendige Arbeitsschritte in den Herstellungsprozess integriert werden. Somit
sind die Verfahren entweder aufwendig, kostenintensiv und/oder können gegebenenfalls
nicht ohne weiteres in den in der Holzindustrie gebräuchlichen Verfahrensprozess ohne
Erhöhung des Zeit-, Arbeits- und Kostenaufwands integriert werden.
[0018] Die
WO 2008/028183 A1 beschreibt ein Verfahren zur Herstellung einer mitteldichten Faserplatte (MDF), wobei
lignocellulosehaltige Fasern mit Oxalsäure oder Oxsalsäurederivaten vor dem Refinerschritt
in einer Art Kocher vorbehandelt werden.
[0019] Die
DE 697 10 748 T2 beschreibt in Beispiel 2 ein Verfahren zur Herstellung einer MDF-Platte, bei welchem
Holzspäne mit verdünnter Schwefelsäure für 6 Minuten bei einer Temperatur von 184
°C und einem Druck von 10 bar behandelt werden.
[0020] Nachteilig an der Behandlung im Vorkocher ist, dass durch die dort herrschende Hitze,
den Druck und den hohen Dissoziationsgrad der Säure die Holzfasern stark geschädigt
werden können. Unter diesen Hydrolysebedingungen kann die im Holz enthaltene Cellulose
leicht abgebaut werden. Hierdurch kann es nicht nur zu einer Herabsetzung der Qualität
der Faser im Allgemeinen kommen, sondern auch die Struktur der Faser kann derart stark
beschädigt werden, dass das Fasermaterial nicht mehr zur Herstellung einer Faserplatte
geeignet sein kann.
[0021] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein effektives, kostengünstiges Verfahren
bereitzustellen, mit dem quellreduzierte Holzwerkstoffe, insbesondere eine quellreduzierte
Faserplatte, in der Holzindustrie gebräuchlichen Standardprozessen ohne erhöhten Zeit-
und Kostenaufwand hergestellt werden können.
[0022] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren zur Herstellung einer Faserplatte
nach Anspruch 1, gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen
Ansprüchen angegeben.
[0023] Die Erfidnung betriffte ein Verfahren zur Herstellung einer quellreduzierten Faserplatte
durch Verleimen von lignocellulosehaltigem Material, wobei das lignocellulosehaltige
Material vor dem Verleimen mit einer Säure behandelt wird, wobei die Behandlung bei
einer Temperatur von 70 bis 200 °C und einem Druck von 1 bis 12 bar erfolgt und wobei
die Säure eine Brönsted-Säure ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Phosphorsäure,
phosphoriger Säure, unterphosphoriger Säure und deren Mischungen ist, und wobei die
Säure eine Säure mit einem pKs-Wert kleiner 4 ist.
[0024] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung einer quellreduzierten Faserplatte
sieht vor, dass das lignocellulosehaltige Material vor dem Verleimen mit einer Säure
behandelt wird, wobei die Behandlung bei einer Temperatur von 70 bis 200 °C und einem
Druck von 1 bis 12 bar erfolgt. Die Säure ist erfindungsgemäß dabei insbesondere eine
Brönstedsäure ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Phosphorsäure, phosphoriger
Säure, unterphosphoriger Säure und Phosphonsäure.
[0025] Überraschend wurde gefunden, dass das Quellvermögen von Faserplatten auf besonders
einfache und kostengünstige Weise verringert werden kann, wenn das lignocellulosehaltige
Material vor dem Verleimen unter den genannten Druck- und Temperaturbedingungen mit
einer dieser Säuren und/oder einer Mischung aus der Säure und ihrer Salze, Ester oder
Addukte behandelt wird (nachfolgend "Säurebehandlung"). Die Zugabe der Säure kann
zu jedem Zeitpunkt vor dem Verleimen erfolgen.
[0026] In der Praxis hat sich gezeigt, dass sich gute Ergebnisse erzielen lassen, wenn die
Zugabe der Säure nach dem Vorkocher oder Kocher erfolgt. Besonders bevorzugt ist eine
Zugabe vor dem Refiner, insbesondere zwischen Kocher und Refiner. Die Zugabe der Säure
kann dabei z.B. in einer Ein- oder Austragsschnecke, die das lignocellulosehaltige
Material aus dem Vorkocher/Kocher zum Refiner befördert, erfolgen. Üblicherweise wird
zwischen dem Kocher- und Refiner-Schritt Wasser teilweise oder vollständig abgepresst
bzw. entfernt. Vorzugsweise wird die Säurebehandlung an einem derart abgepressten
oder entwässerten lignocellulosehaltigen Material vorgenommen. Eine derartige Mischung
aus abgepresstem lignocellulosehaltigem Material und Säure kann anschließend dem Refiner
zugeführt werden.
[0027] Ohne sich auf eine bestimmte wissenschaftliche Theorie festlegen zu wollen, ist für
die Verringerung des Quellvermögens vermutlich die durch die Säurebehandlung vermittelte
Elimination der freistehenden Hydroxylgruppen der Zellwandpolymere verantwortlich,
was zu einer geringeren Interaktion mit den Wassermolekülen führt und in einer Hydrophobierung
des Materials resultiert.
[0028] Vorteilhaft ist, dass sich die Säurebehandlung auf einfache Weise in die in der Holzindustrie
üblichen Verfahren zur Herstellung von Faserplatten integrieren lässt, d.h. aufwändige
Zwischenschritte (z.B. Trocknungen) oder Verfahrensunterbrechungen sind nicht erforderlich.
[0029] Vorteilhaft ist ferner, dass die erfindungsgemäß eingesetzten Säuren (z.B. Phosphorsäure)
kostengünstig erhältlich und leicht verfügbar sind.
[0030] Lignocellulosehaltiges Material:
Unter "lignocellulosehaltigem Material" wird jede Art von Material verstanden, das
Lignocellulose enthält.
[0031] Lignocellulose im Sinne der Erfindung enthält Cellulose und/oder Hemicellulose sowie
Lignin.
[0032] "Cellulose" ist ein unverzweigtes Polysaccharid, das aus mehreren hundert bis zehntausend
Cellobiose-Einheiten besteht. Diese Cellobiose-Einheiten bestehen wiederum aus zwei
Molekülen Glucose, die über eine β-1,4-glykosidische Bindung verknüpft sind.
[0033] "Hemicellulose" ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Bestandteile pflanzlicher
Zellwände. Bei den Hemicellulosen handelt sich um verzweigte Polysaccharide mit einer
geringeren Kettenlänge - üblicherweise weniger als 500 Zuckereinheiten - welche aus
verschiedenen Zucker-Monomeren aufgebaut sind. Hemicellulose ist im Wesentlichen aus
verschiedenen Zucker-Monomeren, wie beispielsweise Glucose, Xylose, Arabinose, Galactose
und Mannose, aufgebaut, wobei die Zucker Acetyl- sowie Methylsubstituierte Gruppen
aufweisen können. Sie besitzen eine zufällige, amorphe Struktur und sind gut hydrolysierbar.
Xylose bzw. Arabinose bestehen zum überwiegenden Teil aus Zucker-Monomeren mit fünf
Kohlenstoffatomen (Pentosen). Mannose bzw. Galactose bestehen hauptsächlich aus Zucker-Monomeren
mit sechs Kohlenstoffatomen (Hexosen).
[0034] "Lignine" sind amorphe, unregelmäßig verzweigte aromatische Makromoleküle, welche
in der Natur als Bestandteil von Zellwänden vorkommen und dort die Verholzung (Lignifizierung)
der Zelle bewirken. Sie sind aus substituierten Phenylpropanol-Einheiten aufgebaut,
zeigen einen lipophilen Charakter und sind bei Zimmertemperatur in neutralen Lösemitteln,
wie beispielsweise Wasser, unlöslich. Vorläufersubstanzen von Lignin sind beispielsweise
p-Coumaryl-Alkohol, Coniferyl-Alkohol und Sinapyl-Alkohol. Die Molmassen von Lignin
liegen üblicherweise zwischen 10000 und 20000 g/mol.
[0035] Das lignocellulosehaltige Material kann in zerfasertem und/oder unzerfasertem Zustand
vorliegen. Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird das lignocellulosehaltige
Material zunächst in unzerfasertem Zustand (beispielsweise als Hackschnitzel) zugegeben
und erfährt dann im Laufe des Verfahrens eine Zerfaserung und/oder Zerkleinerung (beispielsweise
im Refiner). Es ist aber auch möglich, das lignocellulosehaltige Material bereits
in zerfasertem Zustand oder in einem Gemisch aus zerfasertem und unzerfasertem Material
hinzuzugeben. Die Behandlung des lignocellulosehaltigen Materials kann sowohl in zerfasertem,
teilweise zerfasertem und/oder unzerfasertem Zustand erfolgen. Vorzugsweise erfolgt
die Säurebehandlung an einem lignocellulosehaltigen Material, welches einen Wassergehalt
von 30 bis 400 Gew.-%, insbesondere 40 bis 200 Gew.-%, besonders 50 bis 150 bezogen
auf das Gesamtgewicht des lignocellulosehaltigen Materials, aufweist.
[0036] Ein Beispiel für erfindungsgemäß einsetzbares lignocellulosehaltiges Material sind
Holzpartikel, z.B. jede Form von feinteiligem Holzmaterial, d.h. insbesondere Holzspäne,
Hackschnitzel, OSB-Strands, Holzfasern und/oder Holzmehl. Gemäß einer bevorzugten
Ausführungsform der Erfindung umfassen die Holzpartikel, insbesondere wenn es sich
dabei um Späne, Fasern oder Strands handelt, im Wesentlichen oder vollständig natives
Holz. Im "Wesentlichen" bedeutet hier bis zu 80, 85, 90, 95, 98 oder 99 Gew.-%, bezogen
auf das Gesamtgewicht des lignocellulosehaltigen Materials. Als besonders geeignet
haben sich Späne, Fasern und/oder Strands aus nativem Holz erwiesen. In einer Ausführungsform
kann das lignocellulosehaltige Material ausgewählt sein aus der Gruppe bestehend aus
feinteiligem Holzmaterial, Holzfasern, Holzspänen und Hackschnitzel.
Holzwerkstoff
[0037] Unter dem Begriff "Holzwerkstoff' werden verschiedenste Werkstoffe verstanden, die
aus Holz bestehen oder Holz enthalten. Beispiele für Holzwerkstoffe sind Holzplatten,
Laminate, Bodenbeläge, Arbeitsplatten, Tischplatten, Paletten und/oder Holzformteile,
insbesondere Verbundwerkstoffe aus einzelnen Holzpartikeln. Solche Holzpartikel bzw.
Strukturelemente können jegliche Zerkleinerungsprodukte von Cellulose enthaltenden
Materialien sein, wie beispielsweise Holzpartikel, insbesondere Holzspäne, feinteiliges
Holzmaterial, Holzstrands, Holzfasern, Hackschnitzel und/oder Holzfurniere. Hierin
offenbarte Holzwerkstoffe sind insbesondere solche auf Vollholzbasis, Furnierwerkstoffe,
Spanwerkstoffe, Faserwerkstoffe, Faserplatten oder andere Verbundwerkstoffe.
[0038] Das hierin offenbarte Verfahren eignet sich besonders gut zur Herstellung von gepressten
Holzwerkstoffen, insbesondere zur Herstellung von Faserplatten. Als Faserplatte kommt
beispielsweise eine UDF-, LDF-, MDF-, oder HDF-Platte in Betracht.
[0039] Vorzugsweise besteht die Faserplatte, beziehungsweise das Vor- oder Zwischenprodukt
der Faserplatte, im Wesentlichen aus lignocellulosehaltigem Material. Im "Wesentlichen"
bedeutet hier bis zu 80, 85, 90, 95, 98 oder 99 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht
des Holzwerkstoffs. Es ist jedoch möglich, dass die Faserplatte, beziehungsweise das
Vor- oder Zwischenprodukt, weitere Zusatzstoffe enthält. Je nach Art der Faserplatte
kann das lignocellulosehaltige Material, welches im erfindungsgemäßen Verfahren mit
Säure behandelt wird, unterschiedlich sein. Die Faserplatte kann beispielsweise durch
Zerkleinern von Cellulose enthaltenden Materialien und anschließendes Zusammenfügen
der Strukturelemente erzeugt werden. Das Vor- oder Zwischenprodukt kann beispielsweise
aus dem lignocellulosehaltigen Ausgangsmaterial und/oder den durch Zerkleinerung erhaltenen
Strukturelementen, wie beispielsweise den Holzpartikeln, Holzspänen, Holzstrands,
Hackschnitzeln, Holzfasern oder Holzfurnieren ausgewählt sein.
[0040] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich quellreduzierte Faserplatten herstellen.
Unter "quellreduziert" wird eine Verminderung der Quellung im Vergleich zum unbehandelten
Material verstanden. Mit "Quellung" sind die Folgen des Kontakts der Holzfasern mit
Wasser bzw. Wasserdampf gemeint. Durch den Kontakt mit Wasser können insbesondere
eine Nassquellung und/oder eine Feuchtdehnung eintreten. Unter Quellung wird das Quellvermögen
bzw. die Dickenquellung verstanden. Das Quellvermögen kann nach der europäischen Norm
EN 317 "Spanplatten und Faserplatten" bestimmt werden. Die Dickenquellung kann "nach
Wasserlagerung" bzw. ISO 24336 "Laminate floor coverings. Determination of thickness
swelling after partial immersion in water" bestimmt werden.
[0041] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird durch das erfindungsgemäße
Verfahren eine Reduzierung der Quellung um mindestens 10%, bezogen auf das unbehandelte
Material, erreicht. Die Quellung kann nach EN 317 bzw. ISO 24336 bestimmt werden.
[0042] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung beträgt der Gehalt der Säure 0.1 bis 15
Gew.-%, vorzugsweise 0.1 bis 10 Gew.-%, insbesondere 0.1, 0.2, 0.5, 1, 2, 3, 5, 7,
9, 10 oder 12 Gew.-%, bezogen auf die Trockenmasse (atro) des lignocellulosehaltigen
Materials. In einer Ausführungsform kann die Säure im Gemisch mit einem ihrer Salze,
Ester oder Addukte eingesetzt werden.
Säure
[0043] Der Begriff "Säure" umfasst Brönsted-Säuren und/oder Lewis-Säuren. Hierin beschriebene
mäß einsetzbare Brönsted-Säuren sind beispielsweise Mineralsäuren. Erfindungsgemäß
einsetzbare Säuren weisen vorzugsweise einen pK
s-Wert von kleiner 4, bevorzugt kleiner 3.5, 3, 2.75, 2.5, 2.3 oder 2 auf. Die Säure
kann allein oder in Kombination mit einem ihrer Salze, Ester oder Addukte verwendet
werden.
[0044] Die Brönsted-Säuren können beispielsweise ausgewählt sein aus der Gruppe, bestehend
aus Phosphorsäure, phosphoriger Säure, unterphosphoriger Säure, Phosphonsäure, Schwefelsäure,
Sulfonsäure, p-Toluolsulfonsäure, Benzolsul-fonsäure, Sulfobernsteinsäure, Methylsulfonsäure,
Methylphosphonsäure und Ethylphosphonsäure oder deren Mischungen. Vorzugsweise ist
die Säure ausgewählt aus Phosphorsäure, phosphoriger Säure, unterphosphoriger Säure
und Phosphonsäure sowie deren Mischungen. Besonders bevorzugt wird Phosphorsäure,
insbesondere die
ortho-Phosphorsäure, verwendet. Als vorteilhaft hat sich weiterhin eine Behandlung mit einer
Mischung aus Phosphorsäure und einem Salz der Phosphorsäure erwiesen. Bei den Salzen
kann es sich beispielsweise um Alkalisalze, Erdalkalisalze und/oder Ammoniumsalze
handeln.
[0045] Erfindungsgemäß wird Phosphorsäure, phosphorige Säure, unterphosphorige Säure oder
deren Mischungen eingesetzt. Praktische Versuche haben gezeigt, dass hierdurch die
Gefahr zu stark saurer Reaktionen mit dem lignocellulosehaltigen Material und damit
einhergehender Qualitätsminderung der lignocellulosehaltigen Faser oder des Endprodukts
reduziert werden kann. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Phosphorsäure weniger
korrosiv wirkt, sodass die Prozessanlagen weniger stark beansprucht werden.
[0046] Phosphorsäuren im Sinne dieser Erfindung sind solche, die eine freie HO-P-Gruppe
aufweisen. Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Phosphorsäuren sind
ortho-Phosphorsäure, Phosphonsäure und/oder Phosphinsäure. Als Phosphorsäure kommt insbesondere
ortho-Phosphorsäure in Betracht. Die Phosphorsäure kann als 10 bis 85 Gew.-%-ige Lösung
in Wasser eingesetzt werden. Wird die Behandlung mit Phosphorsäure im Refiner durchgeführt,
wird vorzugsweise eine 50 bis 85 Gew.-%-ige Lösung in Wasser, insbesondere eine 70
bis 85 Gew.-%-ige Lösung in Wasser, eingesetzt. Wenn hier von Salzen der
ortho-Phosphorsäure die Rede ist, sind insbesondere Phosphate, Hydrogenphosphate und/oder
Dihydrogenphosphate gemeint. Die Salze der Phosphorsäure können beispielsweise ihre
Alkalisalze, Erdalkalisalze und/oder Ammoniumsalze oder -verbindungen sein. Erfindungsgemäß
einsetzbare Salze der Phosphorsäure sind weiterhin Phosphonate und/oder Phosphinate.
[0047] Als Phosphorsäureester kommen insbesondere Alkylester in Betracht, wobei die Alkylkettenlänge
vorzugsweise 1 bis 12 Kohlenstoffatome, bevorzugt 1 bis 10 Kohlenstoffatome, besonders
bevorzugt 1 bis 5 Kohlenstoffatome und ganz besonders bevorzugt 1 bis 3 Kohlenstoffatome
beträgt. Bei den Addukten der Phosphorsäure kann es sich beispielsweise um di-, tri-
oder meta-Phosphate handeln.
[0048] Hierin beschriebene Lewis-Säuren sind beispielsweise Bortrifluorid, Bortichlorid,
Aluminiumtrichlorid, Eisen(III)chlorid und/oder Zinkchlorid.
[0049] Die Zugabe der Säure kann an jeder Stelle im Verfahren vor dem Be- oder Verleimen
erfolgen. Als vorteilhaft hat sich eine Behandlung im Vorwärmer und/oder im Kocher
erwiesen. Die Behandlung kann unter erhöhtem Druck (gegenüber atmosphärischem Druck)
und/oder unter erhöhter Temperatur (gegenüber Raumtemperatur) stattfinden. Im Vorwärmer
(Vorkocher) findet die Behandlung normalerweise unter Normaldruck und/oder bei einer
Temperatur von bis zu 100°C statt.
[0050] Eine weitere erfindungsgemäße Ausführungsform sieht vor, dass die Behandlung nach
dem Kocher erfolgt, insbesondere im Zwischenstadium nach dem Kocher und vor dem Refiner
oder im Refiner.
[0051] Erfindungsgemäß erfolgt die Behandlung bei einer Temperatur von 70 bis 200 °C, insbesondere
160 bis 200 °C. In einer Ausführungsform kann die Behandlung bei einer Temperatur
von 120 bis 180 °C erfolgen. Erfindungsgemäß erfolgt die Behandlung bei einem Druck
von 1 bis 12 bar, insbesondere 2 bis 10 bar. In einer Ausführungsform kann die Behandlung
bei einem Druck von 6 bis 9 bar erfolgen.
[0052] In einer anderen Ausführungsform kann die Dauer der Behandlung 0,01 bis 15 Minuten,
insbesondere 0,3 bis 5 Minuten, betragen.
[0053] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung wird die Säure vor und/oder während
des Zerkleinerungsvorgangs im Refiner zugegeben. Die Behandlung des lignocellulosehaltigen
Materials mit der Säure in einem in der Industrie gebräuchlichen Refiner erfolgt in
der Regel bei einer Prozesstemperatur von 160 bis 200 °C und/oder einem Druck von
2 bis 10 bar, insbesondere von 5 bis 9 bar.
[0054] Unter "Refiner" wird die in der Holzindustrie gebräuchliche Maschine verstanden,
welche zur Zerkleinerung, insbesondere zur Zermahlung von Fasern verwendet wird. Beispiele
für geeignete Refiner sind Scheibenrefiner, Kegelrefiner oder Zylinderrefiner. Refiner
sind beispielsweise im "
Taschenbuch der Holztechnik", Wagenführ/Scholz, 2. Aufl. 2012, S. 235 ff. beschrieben. Im Refiner werden Holzpartikel bei einer Prozesstemperatur von 70 bis
200 °C, insbesondere bei 120 bis 180 °C, und/oder einem Druck zwischen 1 bis 10 bar,
insbesondere bei 5 bis 9 bar, behandelt.
[0055] Unter "Behandeln" wird die Verarbeitung oder das In-Kontakt-Bringen des lignocellulosehaltigen
Materials (bzw. eines Vor- oder Zwischenprodukts davon) mit der Säure unter den beschriebenen
Bedingungen verstanden. Das lignocellulosehaltige Material kann bei der Behandlung
in unzerfasertem, zerfasertem und/oder teilweise zerfasertem Zustand vorliegen.
[0056] Als vorteilhaft hat sich herausgestellt, wenn die Behandlung des lignocellulosehaltigen
Materials mit der Säure im Vorwärmer, Kocher und/oder Refiner erfolgt.
[0057] In einer Ausführungsform der Erfindung wird die Säure nach dem Vorkocher oder Kocher
zugesetzt. Vorzugsweise erfolgt diese Säurezugabe noch vor dem Refiner, besonders
bevorzugt wird die Säure dem noch heißen, aus dem Kocher ausgetretenen lignocellulosehaltigen
Material zugesetzt. Dies erfolgt besonders praxisgerecht in einer Ein- oder Austragsschnecke,
die das lignocellulosehaltige Material aus dem Vorkocher oder Kocher zum Refiner befördert.
Die Säure kann gemäß einer weiteren Ausführungsform im Refiner und/oder zwischen Kocher
und Refiner zugegeben werden.
[0058] Unter "Kocher" wird die in der Holzindustrie gebräuchliche Maschine verstanden, welche
zur Erweichung der Hackschnitzel unter Temperatureinwirkung und Wasserüberschuss verwendet
wird. Die geläufige Hackschnitzelaufbereitung für die MDF-Produktion mittels Kocher
und anschließendem Refinerschritt wird beispielsweise in "
Holzwerkstoffe", Soiné, DRW-Verlag 1995, Kap. 1.2.2.6 beschrieben.
[0059] Es wird angenommen, dass durch die Behandlung in Gegenwart von Feuchtigkeit, unter
erhöhtem Druck, unter erhöhter Temperatur und/oder bei gleichzeitiger Zerkleinerung
eine Erweiterung der Faserporen und damit einhergehend eine Vergrößerung der Faseroberfläche
eintritt, sodass die erfindungsgemäß eingesetzte Säure leichter in den Faserkern diffundieren
kann. Dies gilt analog auch für das lignocellulosehaltige Material, das gerade erst
diesen Bedingungen unterzogen wurde, beispielsweise das lignocellulosehaltige Material,
das aus dem Vorkocher mittels einer Ein- oder Austragsschnecke zum Refiner transportiert
wird. Die Behandlungszeit mit der Säure beträgt in der Regel weniger als 15 Minuten,
bevorzugt reichen etwa 2 bis 3 Minuten, um eine ausreichende Diffusion zu ermöglichen.
[0060] Grundsätzlich ist die Reaktionsgeschwindigkeit des erfindungsgemäßen Verfahrens umso
höher, je größer die Oberfläche des zu behandelnden lignocellulosehaltigen Materials
(d.h. des Vor- oder Zwischenproduktes des Holzwerkstoffs) ist. Die Oberfläche nimmt
bekanntermaßen mit abnehmender Partikelgröße zu. Somit wird im erfindungsgemäßen Verfahren
eine höhere Reaktionsgeschwindigkeit erzielt, wenn das zu behandelnde lignocellulosehaltige
Material eine kleine Partikelgröße aufweist. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung
wird das zu behandelnde Material unter gleichzeitiger Zerkleinerung mit der Säure
in Kontakt gebracht.
[0061] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung erfolgt die Säurebehandlung dabei
während der Zerkleinerung des lignocellulosehaltigen Materials (z.B. im Refiner).
Dadurch, dass das lignocellulosehaltige Material die quellvermindernde Behandlung
erfährt, wird eine Quellverminderung bis in den Kern des gesamten Holzwerkstoffs unter
geringem Kosten- und Prozessaufwand und innerhalb der laufenden der Prozesskette sichergestellt.
[0062] Die Reaktion der Säure, insbesondere der Phosphorsäure, mit der Oberfläche des lignocellulosehaltigen
Materials kann mit dem Einbringen der Säure im Vorwärmer bzw. dem Kocher oder erst
zwischen dem Kocher und dem Refiner und im Refiner beginnen. Durch die thermomechanischen
Verhältnisse im Refiner wird die Verteilung und/oder die Reaktion weiter beschleunigt.
Durch das Ausschleusen von Wasser im Trockner und/oder die weitere thermisch induzierte
Trocknung des Faservlieses während der Plattenbildung in der Presse kann die Reaktion
ebenfalls weiter vorangetrieben werden. Die endgültige Reaktion ist häufig erst nach
dem Abkühlen der fertigen Platte im Lager abgeschlossen.
[0063] Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist, dass der Diffusionsprozess
hierbei innerhalb weniger Minuten abläuft. Vorteilhaft ist weiterhin die kurze Behandlungsdauer
im Vorwärmbehäter, Vorkocher und/oder Refiner oder dazwischen. Diese beträgt in der
Regel nicht länger als 15 Minuten, bevorzugt 0.01 bis 10 Minuten, besonders bevorzugt
0.1 bis 5 Minuten, insbesondere 0.3 bis 2 Minuten. Somit ist das erfindungsgemäße
Verfahren mit gängigen Produktionsprozessen der Holzindustrie kompatibel. Es kann
innerhalb einer laufenden Produktion ohne signifikante Änderung der Produktivität
der genutzten Anlagen verwendet werden.
[0064] Besonders gute Ergebnisse lassen sich erzielen, wenn das erfindungsgemäße Verfahren
zur Herstellung von Holzverbundwerkstoffen, insbesondere einer Faserplatte, angewendet
wird.
[0065] Grundsätzlich sind dem Fachmann verschiedene Methoden zur Herstellung von Holzwerkstoffen,
wie beispielsweise Faserplatten, insbesondere HDF- oder MDF-Platten bekannt. Dadurch
kann eine Behandlung mit der Säure problemlos bei einer Vielzahl von Produktionsprozessen,
wie beispielsweise bei einem HDF- oder MDF-Standardprozess, vorgenommen werden
[0066] Das erfindungsgemäße Verfahren kann dabei so ausgestaltet sein, dass es mindestens
folgende Schritte umfasst:
- a) Anwärmen des lignocellulosehaltigen Materials in einem Vorwärmbehälter;
- b) Aufschluss des lignocellulosehaltigen Materials in einem Kocher;
- c) Zerkleinerung des lignocellulosehaltigen Materials in einem Refiner;
- d) Behandlung des lignocellulosehaltigen Materials mit der Säure und/oder einer Mischung
aus der Säure und ihrem Salz vor oder in mindestens einem der Schritte a), b) und/oder
c); und/oder zwischen den Schritten b) und c);
- e) Beleimen des lignocellulosehaltigen Materials mit einem Bindemittel;
- f) optional: Trocknen der Mischung enthaltend das lignocellulosehaltige Material;
- g) Verpressen der Mischung enthaltend das lignocellulosehaltiges Material zu einem
Holzwerkstoff.
Schritt a)
[0067] In Schritt a) wird das zu verarbeitende lignocellulosehaltige Material auf die gewünschte
Temperatur vorgewärmt.
Schritt b)
[0068] In Schritt b) wird das lignocellulosehaltige Material im Kocher unter erhöhtem Druck
und unter erhöhter Temperatur feucht aufgeschlossen. Vorzugsweise wird dabei eine
Temperatur von 160 bis 200 °C und/oder ein Druck von 1 bis 12 bar, insbesondere von
1,5 bis 12 bar, 2 bis 10 bar, 3 bis 10 bar oder 5 bis 9 bar, eingestellt.
[0069] Grundsätzlich finden die Schritte a) und/oder b) unter Verwendung eines Überschusses
an Wasser statt. Der Wasseranteil im Gemisch aus Wasser und dem lignocellulosehaltigem
Material in Schritt a) und/oder b) kann 100 bis 400 Gew.-%, insbesondere 150 bis 300
Gew.-% Menge, bezogen auf das Gesamtgewicht des lignocellulosehaltigen Materials,
betragen.
[0070] In einer Ausführungsform kann die Zugabe der Säure in Schritt a) und/oder b) erfolgen.
Aufgrund des erhöhten Wasseranteils in Schritt a) und/oder b) wird die zugegebene
Säure nochmals verdünnt. Dies kann vorteilhaft sein, da nach dem Ostwaldschen Verdünnungsgesetz
der Proteolysegrad mit zunehmender Verdünnung zunimmt. Dies erlaubt eine besonders
effektive Nutzung der eingesetzten Säure. Die Reaktion der Säure wird zusätzlich durch
die vergrößerte Oberfläche des zerfaserten lignocellulosehaltigen Materials und/oder
die erhöhte Temperatur und damit häufig einhergehende Porenöffnung der Fasern verstärkt.
[0071] Während grundsätzlich durch die Zugabe der Säure in Schritt a) und/oder b) die Quelleigenschaften
verbessert werden können, haben praktische Versuche gezeigt, dass sich eine derartige
Zugabe negativ auf die Querzugfestigkeit auswirken kann.
[0072] Die Zugabe der Säure in Schritt a) und/oder b) kann problematisch sein, da eine exakte
Dosierung aufgrund der erheblichen und teilweise schwankenden Verdünnung schwierig
ist. Leicht kann es dazu kommen, dass entweder zu wenig Säure hinzugegeben wird oder
zuviel, was dann dazu führt, dass die Reaktion der Säure mit dem lignocellulosehaltigem
Material derart stark abläuft, dass darunter die Qualität des lignocellulosehaltigen
Materials und damit auch die Qualität des Endproduktes leidet. Durch den Verdünnungseffekt
des anwesenden Wassers kann es auch dazu kommen, dass nicht ausreichend Säure in das
lignocellulosehaltige Material eindringt, weshalb wiederrum die Behandlungszeit in
Schritt a) und/oder b) verlängert werden muss.
Zwischenschritt bc)
[0073] Nach dem Kochen in Schritt b) wird das lignocellulosehaltige Material dem Refiner
(Schritt c)) zugeführt. Diese Phase zwischen dem Kocher und dem Refiner wird hier
als "Zwischenschritt bc)" bezeichnet. Es hat sich als besonders praxisgerecht erwiesen,
wenn die Säurebehandlung in diesem Zwischenschritt bc) stattfindet.
[0074] Zwischenschritt bc) beinhaltet den Transfer des lignocellulosehaltigen Materials
vom Kocher zum Refiner, kann jedoch auch noch weitere Vorgänge, insbesondere auch
eine Zwischenlagerung oder weitere Verarbeitung des lignocellulosehaltigen Materials
umfassen. Üblicherweise wird das aus Schritt b) erhaltene zerfaserte lignocellulosehaltige
Material dem in Schritt c) verwendeten Refiner mittels einer Ein- oder Austragsschnecke
zugeführt. Hierbei wird das noch heiße lignocellulosehaltige Material aus dem Kocher
ausgeführt und in Richtung Refiner transportiert. Da der vorherige Schritt a) und/oder
b) einen erhöhten Wasseranteil aufweist, der in den folgenden Verfahrensschritten
nicht erwünscht ist, wird im Transport-Zwischenschritt bc) üblicherweise das Wasser
aus dem lignocellulosehaltigen Material mindestens teilweise abgepresst bzw. entfernt.
Nach dem Abpressen weist das lignocellulosehaltige Material typischerweise einen Wasseranteil
von 50 bis 200 Gew.-%, insbesondere von 75 bis 150 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht
des lignocellulosehaltigen Materials, auf. Vorzugsweise erfolgt die Säurebehandlung
nach einem derartigen Abpressen bzw. Entfernen des Wassers, welches im Anschluss an
die Entnahme aus dem Kocher erfolgt.
[0075] Typischerweise weist das lignocellulosehaltige Material während des Transportes aus
dem Vorkocher zum Refiner noch eine erhöhte Temperatur auf. Dies wirkt sich positiv
auf die Säurebehandlung aus.
[0076] Die Zugabe der Säure erfolgt besonders bevorzugt in Zwischenschritt bc). Die Zugabe
der Säure in Zwischenschritt bc) kann in der Art erfolgen, dass zunächst ganz oder
teilweise Wasser abgepresst bzw. entfernt wird und dann die Zugabe der Säure erfolgt.
Insbesondere kann die Säure nach oder während des mindestens teilweisen Abpressens
bzw. Entfernens des Wassers aus dem lignocellulosehaltigem Material zugegeben werden.
Die Behandlungsdauer mit der Säure in Zwischenschritt bc) kann 0,1 Sekunden bis 2
Minuten, bevorzugt von 0,5 Sekunden bis 1 Minute und insbesondere bevorzugt von 1
Sekunde bis 30 Sekunden betragen.
[0077] Die Nachteile, wie sie bei der Zugabe in Schritt a) und/oder b) bestehen, können
durch die Säurezugabe in Zwischenschritt bc) weitestgehend vermieden werden. Durch
das Abpressen bzw. Entfernen des Wassers in Zwischenschritt bc) wird die Säure nicht
so stark verdünnt, wodurch auch eine bessere Dosierung gewährleistet ist und die Gefahr
unkontrollierter Reaktionen gesenkt werden kann. Da die Säure so konzentrierter eingesetzt
wird, kann auch die Behandlungszeit reduziert werden, was sich positiv auf die Produktionskosten
auswirken kann. Zudem weist das lignocellulosehaltige Material nach der Zerfaserung
in Schritt a) und/oder b) eine erhöhte Oberfläche und eine erhöhte Temperatur auf,
sodass die Poren des lignocellulosehaltigen Materials mindestens teilweise geöffnet
oder erweitert sind, womit die Säure leichter in das lignocellulosehaltige Material
diffundieren kann.
[0078] Praktische Versuche haben ferner gezeigt, dass es vorteilhaft sein kann, wenn die
Reaktion der Säure erst nach Abkühlen des fertigen Produkts im Lager abgeschlossen
ist. Deshalb kann es auch von Vorteil sein, wenn die Säure in Zwischenschritt bc)
oder Schritt c) zugegeben wird und damit im weiteren Verfahren im lignocellulosehaltigen
Material verbleiben kann. Wird die Säure in Schritt a) und/oder b) zugegeben, wird
die Säure zumindest teilweise durch das Abpressen bzw. Entfernen des Wassers in Schritt
c) gleichzeitig mitentfernt und kann dann zur Reaktion nicht mehr zur Verfügung stehen.
[0079] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird als Säure eine Brönstedsäure
ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus Phosphorsäure, phosphoriger Säure, unterphosphoriger
Säure Phosphonsäure, und deren Mischungen in Zwischenschritt bc) und/oder Schritt
c) eingesetzt. Insbesondere kann die Säure dabei in einer Menge von 0.1 bis 10 Gew.-%,
bezogen auf das lignocellulosehaltige Material (atro), eingesetzt werden. Phosphorsäure
ist als Säure erfindungsgemäß besonders bevorzugt. In einer weiteren Ausführungsform
kann die Phosphorsäure im Gemisch mit einem ihrer Salze, Ester oder Addukte in Zwischenschritt
bc) und/oder Schritt c) zugegeben werden.
Schritt c)
[0080] In Schritt c) erfolgt eine Zerkleinerung des lignocellulosehaltigen Materials (Refiner).
Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung wird die Säure vor und/oder während des
Zerkleinerungsvorgangs im Refiner zugegeben. Die Behandlung des lignocellulosehaltigen
Materials mit der Säure in einem in der Industrie gebräuchlichen Refiner erfolgt in
der Regel bei einer Prozesstemperatur von 160 bis 200 °C und/oder einem Druck von
2 bis 10 bar, insbesondere von 5 bis 9 bar. Diese Bedingungen ermöglichen eine rasche
Diffusion der Säuremoleküle bis in den Kern des lignocellulosehaltigen Materials.
Schritt d)
[0081] Die Säurebehandlung kann in jedem Schritt vor dem Be- oder Verleimen erfolgen. Bevorzugt
erfolgt die Behandlung in mindestens einem der Schritte a), b), bc) und/oder c). Die
Säurebehandlung kann auch vor oder nach mindestens einem der Schritte a), b), c) und
d) erfolgen. Beispiele hierfür sind das Zuführen der Säure in Ein- oder Austragsschnecken,
welche das lignocellulosehaltiges Material befördern. Alternativ kann die Zugabe der
Säure direkt in den Vorwärmbehäter, Vorkocher und/oder Refiner erfolgen. Besonders
bevorzugt ist die Zugabe der Säure zwischen Schritten b) und c), d.h. in Zwischenschritt
bc), und/oder während des Schritts c). In einer bevorzugten Ausführungsform wird die
Säure in Schritt bc) zugegeben.
[0082] Bei der praktischen Durchführung des Verfahrens hat sich ferner eine mehrfache Behandlung
des lignocellulosehaltigen Materials als vorteilhaft erwiesen.
[0083] In einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird als Säure eine Brönstedsäure
verwendet, die ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Phosphorsäure, phosphoriger
Säure, unterphosphoriger Säure und Phosphonsäure und deren Mischungen. Insbesondere
kann die Säure dabei in einer Menge von 0.1 bis 10 Gew.-%, bezogen auf das lignocellulosehaltige
Material (atro), eingesetzt werden. Phosphorsäure ist als Säure erfindungsgemäß besonders
bevorzugt. In einer weiteren Ausführungsform kann die Phosphorsäure im Gemisch mit
einem ihrer Salze, Ester oder Addukte zugegeben werden.
Schritt e)
[0084] In Schritt e) wird das lignocellulosehaltige Material mit einem Bindemittel beleimt.
Geeignete Bindemittel sind insbesondere ein Melamin- und/oder Harnstoffharz.
[0085] Wenn hier von "Beleimen" die Rede ist, dann kann darunter das ganz oder teilweise
Benetzen mit einer Zusammensetzung, die ein Bindemittel enthält verstanden werden.
Derartige Zusammensetzungen werden vom Fachmann insbesondere auch als "Leimflotte"
bezeichnet. Beleimen kann insbesondere auch das gleichmäßige Verteilen der bindemittelhaltigen
Zusammensetzung auf den Holzpartikeln bedeuten. Das Auftragen der Bindemittel-haltigen
Zusammensetzung kann beispielsweise durch Tränken oder Aufsprühen, insbesondere in
einer Blowline erfolgen.
[0086] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung schließt sich an den Refiner
eine Blowline an. In der Blowline können neben den zugesetzten Bindemitteln und Hydrophobierungsmitteln
optional auch noch Oberflächen-modifizierende Agenzien aufgesprüht werden, welche
die Oberfläche neutralisieren und/oder die Faser verkapseln.
[0087] Die Menge des beim Be- oder Verleimen eingesetzten Bindemittels beträgt vorzugsweise
0,1 bis 20 Gew.-%, insbesondere 1,0 bis 16 Gew.-%, noch bevorzugter 4,0 bis 14,0 Gew.-%,
bezogen auf das Holztrockengewicht (Festharz/atro). Für viele Anwendungen ist es besonders
praxisgerecht, wenn das Bindemittel in einer Menge von 0,1 bis 15 Gew.-% bezogen auf
das Holztrockengewicht (Festharz/atro) eingesetzt wird. Das Auftragen des Bindemittels
kann beispielsweise in der dem Fachmann bekannten Blowline erfolgen.
[0088] Grundsätzlich ist das erfindungsgemäße Verfahren für eine Vielzahl von Bindemittel-Holzpartikel-Kombinationen
geeignet. Beispiele für erfindungsgemäß einsetzbare Bindemittel sind Aminoplaste,
Phenoplaste, Vinylacetate, Isocyanate, Epoxidharze und/oder Acrylharze. Besonders
bevorzugte Bindemittel sind Harnstoff-Formaldehyd-Harz (UF), Melamin-Formaldehyd-Harz,
Phenol-Formaldehyd-Harz (PF), Polyvinylacetat und/oder Weissleim.
[0089] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird als Bindemittel für die
Verleimung ein System auf Basis von Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (UF), Melamin verstärkten
Harnstoff-Formaldehyd-Harzen (MUF), Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harzen(MUPF),
Phenol-Formaldehyd-Harzen (PF), polymere Diisocyanaten (PMDI) und/oder Isocyanaten
eingesetzt. Vorzugsweise handelt es sich bei dem Bindemittel um ein Aminoplastharz.
[0090] Das in dem erfindungsgemäßen Verfahren eingesetzte Bindemittel kann ferner Härter
enthalten. Alternativ oder zusätzlich kann das Härten auch durch Pressen des Verbundmaterials
unter Wärmeeinwirkung erfolgen.
Schritt f)
[0091] Optional kann zwischen dem Beleimen (Schritt e) und dem Verpressen (Schritt g) noch
eine Trocknung der beleimten Mischung enthaltend das lignocellulosehaltige Material
vorgenommen werden.
Schritt g)
[0092] In Schritt g) wird die Mischung enthaltend das lignocellulosehaltige Material schließlich
zu einer Faserplatte verpresst. Grundsätzlich sind dem Fachmann verschiedene Methoden
bekannt, beleimte Holzpartikel zu einem Verbundwerkstoff zu verpressen. Optimale Ergebnisse
können erzielt werden, wenn das Verpressen bei einer Presstemperatur von mindestens
etwa 150°C durchgeführt wird.
[0093] Dem Fachmann sind verschiedene Methoden bekannt, um Holzspanwerkstoffe durch Verpressen
herzustellen. Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung werden die beleimten Holzpartikel
in Schritt g) zu einem Holzspanwerkstoff verpresst. Vorzugsweise handelt es sich bei
Schritt g)um eine Heißverpressung. Optimale Ergebnisse können erzielt werden, wenn
der Pressfaktor beim Heißpressen von 2 bis 10 s/mm, bevorzugt von 3 bis 6 s/mm, beträgt.
Unter Pressfaktor wird hier insbesondere die Verweilzeit des lignocellulosehaltigen
Holzspanwerkstoffs in Sekunden je Millimeter Dicke oder Stärke des fertigen gepressten
lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffs in der Presse verstanden.
[0094] Geeignete Temperaturen für das Verpressen in Schritt g) des erfindungsgemäßen Verfahrens
oder einer seiner Ausführungsformen sind Temperaturen von 150 °C bis 250 °C, bevorzugt
von 160 °C bis 240 °C, insbesondere bevorzugt von 180 °C bis 230 °C. Bei Temperaturen
in diesen Bereichen kann das Verfahren besonders wirtschaftlich durchgeführt werden.
[0095] Aus ökonomischen und verfahrenstechnischen Gründen hat es sich als vorteilhaft erwiesen,
wenn beim Verpressen ein spezifischer Pressdruck (aktiver Druck auf der Plattenoberfläche)
von 50 bis 300 N/cm
2, verwendet wird. Derartige Drücke stellen eine besonders gute Verklebung der lignocellulosehaltigen
Partikel miteinander sicher. Zudem kann mit einem solchen Pressdruck eine hohe Festigkeit
der lignocellulosehaltigen Holzspanwerkstoffe erreicht werden.
[0096] Hierin beschrieben ist ferner auch die Verwendung des Verfahrens oder einer seiner
Ausführungsformen zur Herstellung eines quellreduzierten Holzwerkstoffs.
[0097] Hierin beschrieben auch die Verwendung von Phosphorsäure, einem ihrer Salze, Ester
oder Addukte zur Herstellung eines quellreduzierten Holzwerkstoffs.
[0098] Hierin beschrieben ist auch eine Faserplatte, die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
oder einer seiner Ausführungsformen erhältlich ist sowie ein durch Weiterverarbeitung
der Faserplatte erhältliches Laminat, ein Bodenbelag, eine Arbeitsplatte, Tischplatte
oder Palette.
[0099] Nachfolgend wird die Erfindung beispielhaft anhand von Ausführungsbeispielen näher
beschrieben.
Beispiel 1
[0100] Es wird eine quellreduzierte Holzfaserplatte nach dem in der Holzindustrie gebräuchlichen
MDF-Verfahren hergestellt.
[0101] Die Hackschnitzel gelangen zur hydrothermischen Vorbehandlung in einen Vorwärmbehälter,
wo sie zusammen mit 1 Gew.-%
ortho-Phosphorsäure (bezogen auf die Gesamtmenge Wasser und Hackschnitzel) bei atmosphärischem
Druck bei einer Temperatur von bis zu 100 °C "vorgedämpft" werden. Die teilweise plastifizierten
und modifizierten Hackschnitzel gelangen dann über den Vibrationsaustragsboden und
eine Förderschnecke in den Kocher. Die Steigung der Schneckenwendel verringert sich
kontinuierlich, wodurch sie die Hackschnitzel zu einem relativ druckdichten Pfropfen
komprimiert. Mit diesem Pfropfen findet die Abdichtung zum Kocher statt. Hier werden
die Hackschnitzel bei einem Dampfdruck zwischen 6 und 10 bar bei 140 bis 180 °C "gekocht".
Im Kocher bleiben die Hackschnitzel etwa 1 bis 6 Minuten, bevor sie durch eine Förderschnecke
(Austragsschnecke) und über die Einspeiseschnecke in den Refiner (Zerfaserer) in gespeist
und bei einem Dampfdruck von 6 bis 10 bar zu Fasern zermahlen werden. In der an den
Refiner anschließenden Blowline können neben den zugesetzten Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harz
(Bindemittel) noch weitere Hydrophobierungsmitteln als auch Oberflächen-modifizierende
Agenzien aufgesprüht werden, welche die Oberfläche neutralisieren oder die Faser verkapseln.
Die beleimten Fasern gelangen nun in den Trockner und werden zur gewünschten Restfeuchte
getrocknet. Durch Streuwalzen werden die Fasern auf ein umlaufendes Formband gestreut
und die Höhe der so entstehenden Fasermatte wird durch Kalibrierwalzen (Skalper) eingestellt.
Nach einer Vorverdichtung wird die endlose Fasermatte in einer kontinuierlichen Heißpresse
bei 200°C und 30 bar für etwa 3 Minuten auf ihre gewünschte Dicke gepresst.
[0102] Die so erhaltene Holzfaserplatte weist eine signifikant reduzierte Dickenquellung
auf.
Beispiel 2
[0103] Es wird eine Holzfaserplatte nach dem in der Holzindustrie gebräuchlichen MDF-Verfahren
hergestellt.
[0104] Die Hackschnitzel gelangen zur hydrothermischen Vorbehandlung in einen Vorwärmbehälter,
wo sie bei atmosphärischem Druck einer Temperatur von bis zu 100 °C "vorgedämpft"
werden. Die teilweise plastifizierten und modifizierten Hackschnitzel gelangen dann
über den Vibrationsaustragsboden und/oder eine Förderschnecke in den Kocher. Die Steigung
der Schneckenwendel verringert sich kontinuierlich, wodurch sie die Hackschnitzel
zu einem relativ druckdichten Pfropfen komprimiert. Mit diesem Pfropfen findet die
Abdichtung zum Kocher statt. Hier werden die Hackschnitzel bei einem Dampfdruck zwischen
6 und 10 bar bei 140 bis 180 °C "gekocht". Im Kocher bleiben die Hackschnitzel etwa
1 bis 6 Minuten, bevor sie durch eine Förderschnecke (Austragsschnecke) zusammen mit
ortho-Phosphorsäure in einer Menge von 10 Gew.-%, bezogen auf die Menge des Holzmaterials,
in den Refiner (Zerfaserer) eingespeist und bei einem Dampfdruck von 6 bis 10 bar
zu Fasern zermahlen werden. In der an den Refiner anschließenden Blowline können neben
den zugesetzten Melamin-Harnstoff-Phenol-Formaldehyd-Harz (Bindemittel) noch weitere
Hydrophobierungsmitteln, als auch Oberflächen-modifizierende Agenzien aufgesprüht
werden, welche die Oberfläche neutralisieren oder die Faser verkapseln. Die beleimten
Fasern gelangen nun in den Trockner und werden zur gewünschten Restfeuchte getrocknet.
Durch Streuwalzen werden die Fasern auf ein umlaufendes Formband gestreut und die
Höhe der so entstehenden Fasermatte wird durch Kalibrierwalzen (Skalper) eingestellt.
Nach einer Vorverdichtung wird die endlose Fasermatte in einer kontinuierlichen Heißpresse
bei 200°C und 30 bar für etwa 3 Minuten auf ihre gewünschte Dicke gepresst.
[0105] Die so erhaltene Holzfaserplatte weist eine signifikant reduzierte Dickenquellung
auf.
Beispiel 3:
[0106] Es wurde der quellvermindernde Effekt einer 85 %-igen Phosphorsäure (m/m) auf Holzfasern
bestimmt.
[0107] Die Holzfasern wurden einem Zerfaserungsprozess unterzogen. Dazu wurden Holzhackschnitzel
in einem Vorkocher gekocht. Die Holzfasern wurden aus dem Vorkocher mittels einer
Austragsschnecke unter Abpressen von Wasser dem Refiner zugeführt. Noch bevor die
Holzfasern den Refiner erreichten, wurde Phosphorsäure zugegeben. Die so erhaltenen
Holzfasern wurden auf ihre Quelleigenschaften untersucht. Dazu wurden in einem Becherglas
Holzfasern, sowohl die Referenzfasern (0 % Phosphorsäure) als auch diejenigen, die
mit Phosphorsäure behandelt wurden, eingewogen (Einwaage, EW) und mit Wasser überschichtet,
sodass diese vollständig bedeckt waren. Der Anteil der Phosphorsäure ist in Tabelle
1 als Gew.-% Phosphorsäure bezogen auf Gesamtgewicht der Holzfasern (atro) angegeben.
Nach unterschiedlichen Einwirkzeiten wurde das Wasser der Proben über einem Papierfilter,
der auf einem 800 µm Sieb lag, 15 Minuten lang abgetropft. Danach wurden die Holzfasern
gewogen (Auswaage, AW) und das Wasseraufnahmevermögen (WAV) wie folgt bestimmt:

[0108] Weiterhin wurde die Quellverminderung der Holzfasern (Proben 1-1 bis 3-3) im Vergleich
zu den jeweiligen Referenzplatten 1 bis 3 bestimmt.
[0109] Die Quellverminderung wurde wie folgt berechnet:

[0110] Die Einwaagen, Auswaagen, Einwirkzeiten und die Ergebnisse sind in untenstehender
Tabelle 1 aufgeführt.
Tabelle 1:
| Probennummer |
Anteil Phosphorsäure |
EW |
AW |
WAV |
Einwirkzeit |
Quellverminderung |
| |
[Gew.-%] |
[g] |
[g] |
[%] |
[min] |
[%] |
| Referenz-1 |
0 |
2,1103 |
37,127 |
1659,3 |
30 |
Referenz-1 |
| Referenz-2 |
0 |
2,1361 |
38,865 |
1719,4 |
150 |
Referenz-2 |
| Referenz-3 |
0 |
3,2543 |
61,2541 |
1782,3 |
390 |
Referenz-3 |
| Nr. 1 |
2,5 |
2,4143 |
36,919 |
1429,2 |
30 |
13,8 |
| Nr. 2 |
2,5 |
2,5567 |
41,7506 |
1533 |
150 |
10,8 |
| Nr. 3 |
5 |
3,1985 |
45,899 |
1335 |
30 |
19,5 |
| Nr. 4 |
5 |
2,6354 |
40,864 |
1450,6 |
150 |
15,6 |
| Nr. 5 |
5 |
2,5597 |
42,1079 |
1545 |
390 |
13,3 |
| Nr. 6 |
10 |
2,8525 |
40,2027 |
1309,4 |
30 |
21,1 |
| Nr. 7 |
10 |
2,6235 |
41,725 |
1490,4 |
390 |
16,4 |
[0111] Insgesamt zeigte sich eine deutliche Quellverminderung der mit Phosphorsäure behandelten
Holzfasern (Proben 1 bis 7) im Vergleich zu den unbehandelten Holzfasern (Referenz
1 bis 3).