[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Fahrradhelm mit einem stoßabsorbierenden
Helmkörper und einer Außenschale für den Helmkörper, wobei die Außenschale aus Acrylnitril-Butadien-Styrol
(ABS) gefertigt ist und wobei sich mehrere Belüftungsöffnungen durch die Außenschale
und durch den Helmkörper hindurch erstrecken.
[0002] Fahrradhelme mit harter ABS-Außenschale sind als sogenannte Skater- oder BMX-Helme
erhältlich. Aufgrund der hohen Schlagzähigkeit und der geringen Stoßempfindlichkeit
von ABS sind solche Skater- oder BMX-Helme besonders robust und langlebig. Der Tragekomfort
ist hingegen vergleichsweise gering, insbesondere wegen des relativ hohen Gewichts
sowie der typischerweise lediglich geringen Belüftungswirkung. Herkömmliche Skater-
oder BMX-Helme mit ABS-Außenschale besitzen nämlich typischerweise nur sehr kleine
Belüftungsöffnungen, die beispielsweise schlitzförmig sind und sich in zwei Reihen
nebeneinander erstrecken. Deshalb werden Skater- oder BMX-Helme nach wie vor nur vereinzelt
zum Fahrradfahren auf längeren Strecken verwendet.
[0003] Speziell werden zum Stadtradfahren, Rennradfahren oder Mountainbiking bevorzugt Fahrradhelme
verwendet, die anstatt einer harten ABS-Außenschale einen dünnen Überzug aus Polyvinylchlorid
(PVC), Polyethylenterephtalat (PET) oder einem Polycarbonat (PC) aufweisen, wobei
bisweilen eine Versteifungsstruktur, zum Beispiel in Form einer Gitterstruktur, in
den Helmkörper integriert ist. Derartige Fahrradhelme weisen aufgrund des geringen
Gewichts und der guten Belüftung einen relativ hohen Tragekomfort auf. Zudem kann
der PVC-, PET- oder PC-Überzug als Träger für optisch ansprechende Dekors genutzt
werden. Allerdings sind solche Fahrradhelme an ihrer Außenseite relativ stoßempfindlich
und tragen häufig schon bei schwachen Stößen, wie sie z. B. beim Transport auftreten,
Beschädigungen davon. Fahrradhelme mit PVC-, PET- oder PC-Überzug sind daher für den
rauen Einsatz weniger geeignet.
[0004] Es besteht somit das Bedürfnis, einen Fahrradhelm mit erweiterten Einsatzmöglichkeiten
bereitzustellen.
[0005] Die Lösung der Aufgabe erfolgt gemäß einem ersten Erfindungsaspekt durch einen Fahrradhelm
mit den Merkmalen des Anspruchs 1.
[0006] Gemäß dem ersten Erfindungsaspekt beträgt der Anteil der durch die Belüftungsöffnungen
definierten Freifläche bezogen auf die Gesamtoberfläche der Außenschale wenigstens
12%. In Abkehr von den gängigen Prinzipien der Fahrradhelm-Konstruktion bei Skater-
oder BMX-Helmen mit ABS-Außenschale werden also bei einem Helm mit schlagzäher Außenschale
relativ viele und/oder relativ große Belüftungsöffnungen vorgesehen. Aufgrund der
gesteigerten Belüftungswirkung und des reduzierten Gewichts ist ein derartiger Helm
nicht nur als Skater- oder BMX-Helm für besondere Beanspruchungen geeignet, sondern
auch für den Normalgebrauch, z.B. zum Stadtradfahren. Gegenüber einem herkömmlichen
Rennrad-Helm zeichnet sich ein erfindungsgemäßer Fahrradhelm jedoch durch eine erhöhte
Robustheit und Langlebigkeit aus.
[0007] Unter einer Belüftungsöffnung ist generell eine Öffnung zu verstehen, die sich von
der Außenseite der Außenschale durchgehend bis zu der Innenseite des Helmkörpers erstreckt.
Die Berechnung des genannten Anteils der Freifläche bezieht sich im Zusammenhang mit
der Erfindung auf die Außenseite der Außenschale, insbesondere bis hin zu der jeweiligen
Trennebene zwischen der Außenschale und dem Helmkörper. Falls also die Außenschale
in der Umgebung der jeweiligen Belüftungsöffnung zurückversetzt und/oder in Richtung
der Belüftungsöffnung gewölbt ist, sollen die zurückversetzten oder gewölbten Flächenabschnitte
mit in die Berechnung eingehen.
[0008] Allgemein weist ein Fahrradhelm eine konkav gewölbte Innenseite und eine konvex gewölbte
Außenseite auf, so dass sich demgemäß die Begriffe "außen" und "innen" im Zusammenhang
mit der Erfindung auf die entsprechend gewölbten Flächen beziehen. Im Zusammenhang
mit der Erfindung verwendete Orts- und Richtungsangaben beziehen sich generell auf
die bestimmungsgemäße Anordnung des Fahrradhelms an bzw. auf dem Kopf eines Benutzers.
Zum Beispiel bezeichnet der Begriff "Vorderseite" die im Stirnbereich des Benutzers
gelegene und somit in Blickrichtung des Benutzers weisende Seite des Fahrradhelms,
wohingegen sich der Begriff "Rückseite" auf die im Hinterkopf- und Nackenbereich des
Benutzers gelegene und somit entgegen der Blickrichtung des Benutzers weisende Seite
des Fahrradhelms bezieht. Unter der "Längsrichtung" ist diejenige Richtung zu verstehen,
die sich zwischen der Vorderseite und der Rückseite des Fahrradhelms erstreckt.
[0009] Vorzugsweise beträgt der Anteil der durch die Belüftungsöffnungen definierten Freifläche
bezogen auf die Gesamtoberfläche der Außenschale wenigstens 14%, besonders bevorzugt
wenigstens 16%. Mit anderen Worten ist es bevorzugt, dass der Anteil der Freifläche
im Vergleich zum Anteil der Freifläche gängiger Skateroder BMX-Helme deutlich erhöht
ist. Bei gängigen Skater- oder BMX-Helmen beträgt der Anteil der Freifläche bezogen
auf die Gesamtoberfläche der Außenschale typischerweise nur zwischen 4% und 8%. Dementsprechend
ergibt sich eine beträchtliche Erhöhung der Belüftungswirkung.
[0010] Die Lösung der vorstehend angegebenen Aufgabe erfolgt gemäß einem zweiten Erfindungsaspekt
durch einen Fahrradhelm mit den Merkmalen des Anspruchs 3.
[0011] Gemäß dem zweiten Erfindungsaspekt bildet die Außenschale wenigstens zwei Längsverbindungsstege,
welche sich abschnittsweise oder durchgehend entlang einer Längsrichtung des Fahrradhelms
erstrecken, wobei beiderseits der Anordnung von Längsverbindungsstegen und zwischen
den Längsverbindungsstegen eine jeweilige Längsreihe von mehreren Belüftungsöffnungen
vorgesehen ist, wobei die Außenschale ferner wenigstens zwei Querverbindungsstege
bildet, welche die Längsverbindungsstege kreuzen, wobei beiderseits der Anordnung
von Querverbindungsstegen und zwischen den Querverbindungsstegen eine jeweilige Querreihe
von mehreren Belüftungsöffnungen vorgesehen ist, und wobei die Belüftungsöffnungen
der Längsreihen und die Belüftungsöffnungen der Querreihen im Wesentlichen viereckig
sind.
[0012] Die Anordnung aus sich kreuzenden Längsverbindungsstegen und Querverbindungsstegen
bildet gewissermaßen eine Gitterstruktur der Außenschale. Auf diese Weise ergibt sich
trotz des hohen Freiflächen-Anteils eine hohe Stabilität des Fahrradhelms, insbesondere
eine hohe Zugfestigkeit in Längs- und in Querrichtung. Es sind wenigstens drei Längsreihen
von jeweils mehreren Belüftungsöffnungen und wenigstens drei Querreihen von jeweils
mehreren Belüftungsöffnungen vorgesehen, wobei die Belüftungsöffnungen der Längsreihen
zumindest teilweise den Belüftungsöffnungen der Querreihen entsprechen. Dadurch ist
die durch die Belüftungsöffnungen bereitgestellte Freifläche besonders groß. Die Längsverbindungsstege
können ebenso wie die Querverbindungsstege bezogen auf die konvex gewölbte Außenseite
des Fahrradhelms - also in Projektion betrachtet - geradlinig oder kurvenförmig sein.
[0013] Dass die Belüftungsöffnungen der Längsreihen und der Querreihen im Wesentlichen viereckig
sind, bedeutet, dass diese eine viereckige Grundform aufweisen, wobei die Ecken jedoch
abgerundet oder abgeschrägt sein können. Beispielsweise können die Belüftungsöffnungen
eine rautenförmige oder trapezförmige Grundform aufweisen. Durch die im Wesentlichen
viereckige Form der Belüftungsöffnungen wird insbesondere in dem Bereich zwischen
den Längsverbindungsstegen und den Querverbindungsstegen eine Maximierung der Freifläche
der Außenschale erzielt, ohne dass die Stabilität des Fahrradhelms (Zugfestigkeit
in Längs- und Querrichtung) zu sehr beeinträchtigt wird und ohne dass die einzelnen
Belüftungsöffnungen zu groß sind (Gefahr des Eindringens von Objekten).
[0014] Der erste Erfindungsaspekt eines hohen Freiflächen-Anteils gemäß Anspruch 1 und der
zweite Erfindungsaspekt der Bildung von Längsverbindungsstegen, Querverbindungsstegen,
Längsreihen von Belüftungsöffnungen und Querreihen von Belüftungsöffnungen gemäß Anspruch
3 stellen zwei alternative Aspekte der gemeinsamen übergeordneten Idee dar, einen
Fahrradhelm sowohl mit einer harten und stabilen Außenschale als auch mit einer großflächigen
Anordnung von Belüftungsöffnungen zu versehen. Die beiden Erfindungsaspekte können
in vorteilhafter Weise kombiniert werden.
[0015] Von Vorteil ist es, wenn ein zwischen einem Paar von Belüftungsöffnungen gelegener
Abschnitt eines jeweiligen Längsverbindungsstegs in Verlängerung eines anderen Abschnitts
des jeweiligen Längsverbindungsstegs angeordnet ist, welcher zwischen einem benachbarten
Paar von Belüftungsöffnungen gelegen ist. Ebenso ist es von Vorteil, wenn ein zwischen
einem Paar von Belüftungsöffnungen gelegener Abschnitt eines jeweiligen Querverbindungsstegs
in Verlängerung eines anderen Abschnitts des jeweiligen Querverbindungsstegs angeordnet
ist, welcher zwischen einem benachbarten Paar von Belüftungsöffnungen gelegen ist.
Mit anderen Worten erstreckt sich der jeweilige Längsverbindungssteg oder Querverbindungssteg
der Außenschale vorzugsweise durchgehend dergestalt, dass ein Abschnitt des Längsverbindungsstegs
oder Querverbindungsstegs in Flucht eines benachbarten Abschnitts des Längsverbindungsstegs
oder Querverbindungsstegs angeordnet ist (und nicht etwa seitlich versetzt hierzu
angeordnet ist). Dies schließt jedoch nicht aus, dass der jeweilige Längsverbindungssteg
oder Querverbindungssteg entlang der Außenseite des Fahrradhelms einen Richtungswechsel
vollzieht (z.B. als Kurvenbahn).
[0016] Die Querverbindungsstege können sich insbesondere zumindest abschnittsweise entlang
einer Querrichtung des Fahrradhelms erstrecken, welche rechtwinklig zur Längsrichtung
verläuft. Weiterhin ist es bevorzugt, dass die Längsverbindungsstege nebeneinander
verlaufen und sich nicht kreuzen. Auch die Querverbindungsstege verlaufen bevorzugt
nebeneinander und kreuzen sich nicht.
[0017] Eine spezielle Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die Außenschale zwei weitere
Längsverbindungsstege bildet, welche sich beiderseits der genannten Anordnung von
Längsreihen von Belüftungsöffnungen erstrecken, wobei die Querverbindungsstege auch
die zwei weiteren Längsverbindungsstege kreuzen. Bei dieser Ausgestaltung liegt eine
nochmals erweiterte Gitterstruktur vor.
[0018] Die wenigstens zwei Längsverbindungsstege können sich bis zu einem vorderseitigen
Randabschnitt der Außenschale und/oder bis zu einem rückseitigen Randabschnitt der
Außenschale erstrecken. Hierdurch wird eine besonders hohe Zugfestigkeit der Außenschale
in Längsrichtung des Fahrradhelms erzielt.
[0019] Alternativ oder zusätzlich kann vorgesehen sein, dass die wenigstens zwei Querverbindungsstege
sich durchgehend zwischen einem linksseitigen Randabschnitt und einem rechtsseitigen
Randabschnitt der Außenschale erstrecken. Hierdurch wird eine besonders hohe Zugfestigkeit
der Außenschale in Querrichtung des Fahrradhelms erzielt.
[0020] Die Längsverbindungsstege bzw. die Querverbindungsstege stellen bei diesen Ausgestaltungen
also wesentliche Strukturmerkmale des Fahrradhelms dar.
[0021] Die Längsverbindungsstege und die Querverbindungsstege können in dem Bereich zwischen
zwei Belüftungsöffnungen, welche durch den jeweiligen Längsverbindungssteg oder Querverbindungssteg
voneinander getrennt sind und sich somit bezüglich des jeweiligen Längsverbindungsstegs
oder Querverbindungsstegs gegenüber liegen, eine Breite von mindestens 1,5 cm und
höchstens 4 cm aufweisen. Der genannte Minimalwert gewährleistet hierbei die erforderliche
Stabilität des Fahrradhelms. Die Einhaltung des genannten Maximalwerts bedeutet hingegen
einen relativ großen Anteil der durch die Belüftungsöffnungen definierten Freifläche
bezogen auf die Gesamtoberfläche der Außenschale.
[0022] Bezüglich der beiden genannten Erfindungsaspekte ist es bevorzugt, dass die minimale
Weite einer jeweiligen Belüftungsöffnung mindestens 2 cm beträgt. Unter der minimalen
Weite einer Belüftungsöffnung ist derjenige Minimalwert der lichten Weite der jeweiligen
Belüftungsöffnung zu verstehen, der auf sämtliche möglichen Betrachtungsrichtungen
entlang der Oberfläche des Fahrradhelms bezogen ist. Es ist also bevorzugt, relativ
große Belüftungsöffnungen vorzusehen, die nicht etwa in einer Richtung besonders schmal
ausgebildet sind (z.B. als Belüftungsschlitze). Große Belüftungsöffnungen sorgen nicht
nur für einen erhöhten Tragekomfort, sondern verleihen dem Fahrradhelm auch ein optisch
ansprechendes Aussehen. Insbesondere kann durch große Belüftungsöffnungen erreicht
werden, dass der Fahrradhelm trotz ABS-Schale nicht wie ein typischer Skater- oder
BMX-Helm, sondern eher wie ein Rennrad-Helm aussieht.
[0023] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung sind wenigstens 16 und bevorzugt
wenigstens 18 Belüftungsöffnungen vorgesehen. Das Vorsehen derart vieler Belüftungsöffnungen
trägt zu einer besonders guten Belüftungswirkung bei und verleiht dem Fahrradhelm
ein ansprechendes Aussehen.
[0024] Die Belüftungsöffnungen können im Wesentlichen gleichmäßig über die Oberfläche des
Fahrradhelms verteilt angeordnet sein, was hinsichtlich der Stabilität und der Belüftungswirkung
günstig ist. Bei Betrachtung eines jeweiligen Bereichs der Oberfläche des Fahrradhelms,
welcher größer als eine einzelne Belüftungsöffnung, jedoch kleiner als die gesamte
Oberfläche des Fahrradhelms ist, ergibt sich somit innerhalb des Bereichs stets ungefähr
derselbe Anteil der Freifläche, welche durch die innerhalb des Bereichs befindliche
Belüftungsöffnung oder die mehreren innerhalb des Bereichs befindlichen Belüftungsöffnungen
definiert ist, bezogen auf die Gesamtoberfläche des betrachteten Bereichs. Dies gilt
unabhängig davon, an welcher Stelle der Oberfläche des Fahrradhelms der betrachtete
Bereich gewählt wird. Der Ausdruck "im Wesentlichen gleichmäßig über die Oberfläche
des Fahrradhelms verteilt" ist in diesem Sinne zu verstehen.
[0025] Es ist bevorzugt, dass wenigstens eine jeweilige Belüftungsöffnung in einem Vorderseitenbereich,
einem Rückseitenbereich, einem linken Seitenbereich, einem rechten Seitenbereich und
in einem Oberseitenbereich des Fahrradhelms angeordnet ist. Das heißt es ist bevorzugt,
dass der Fahrradhelm rundum mit Belüftungsöffnungen versehen ist und nicht wie bei
Skater- oder BMX-Helmen üblich lediglich an einzelnen isolierten Bereichen.
[0026] Es ist ferner bevorzugt, dass die Außenschale vollständig aus Acrylnitril-Butadien-Styrol
(ABS) gefertigt ist. Dies gewährleistet eine hohe Schlagzähigkeit sowie eine geringe
Stoßempfindlichkeit. Zudem eignet sich ABS gut zum Aufbringen von hochwertigen Dekorschichten.
[0027] Eine Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, dass die Außenschale als eigensteife
Hartschale ausgeführt ist und/oder eine Dicke von wenigstens 2 mm aufweist. Eine solche
Außenschale ist wesentlich robuster und langlebiger als die zum Beispiel bei Rennrad-Helmen
gebräuchlichen PVC-, PET- oder Polycarbonat-Überzüge. Eine derartige eigensteife und/oder
dicke Außenschale aus ABS kann besonders vorteilhaft durch ein Spritzverfahren hergestellt
werden.
[0028] Der Helmkörper kann aus einem expandierten Polystyrol-Hartschaum (EPS) gefertigt
sein. Derartige Helmkörper können Stöße besonders gut aufnehmen.
[0029] Der Helmkörper ist bevorzugt ohne Dämpfungsaussparungen und/oder ohne in den Helmkörper
integrierte Versteifungsstruktur ausgeführt. Dämpfungsaussparungen wie zum Beispiel
Schwächungsrippen sind bei gängigen Skater- oder BMX-Helmen üblich oder sogar zwingend
erforderlich, um eine erwünschte Dämpfungscharakteristik zu erreichen. Hierzu sind
jedoch spezielle Anpassungen an dem Werkzeug zur Herstellung des Helmkörpers üblich.
Hingegen ist es bei Rennrad-Helmen erforderlich, eine Versteifungsstruktur, zum Beispiel
in Form einer Gitterstruktur, in den Helmkörper zu integrieren (z.B. durch Umspritzen
oder Umschäumen der Versteifungsstruktur während der Herstellung des Helmkörpers),
um eine ausreichende Stabilität sicherzustellen. Im Rahmen der Erfindung wurde erkannt,
dass es bei Bereitstellung einer schlagzähen Außenschale mit hohem Freiflächenanteil
und/oder mit Längs- und Querstegen möglich ist, sowohl auf in den Helmkörper integrierte
Versteifungselemente als auch auf Dämpfungsaussparungen im Helmkörper zu verzichten.
Die Herstellungskosten für einen Fahrradhelm können somit gesenkt werden.
[0030] Eine weitere Ausführungsform der Erfindung sieht vor, dass die Innenseite der Außenschale
konkav ist und entlang einer Längsrichtung des Fahrradhelms einen Erstreckungswinkel
aufweist, der größer als 180° ist. Eine derartige Gestaltung wird auch als "negative
Krümmung" bezeichnet. In einer Mittenlängsschnittebene betrachtet schneidet hierbei
die Orthogonale, welche auf dem Verlauf der Innenseite der Außenschale in einem Vorderseitenbereich
des Fahrradhelms gebildet wird, diejenige Orthogonale, welche auf dem Verlauf der
Innenseite der Außenschale in einem Rückseitenbereich des Fahrradhelms gebildet wird,
in einem überstumpfen Winkel, das heißt in einem Winkel von mehr als 180°. Hierdurch
wird ein besonders weites Umschließen des Kopfes des Benutzers erreicht (in Längsrichtung
des Fahrradhelms betrachtet).
[0031] Bei der Herstellung kann der Helmkörper in eine solche Außenschale mit negativer
Krümmung eingeschoben und anschließend mit dieser verklebt werden. Grundsätzlich kann
ein erfindungsgemäßer Fahrradhelm jedoch auch im sogenannten In-Mold-Verfahren hergestellt
werden, wobei die Außenschale in eine Spritzgießform eingelegt wird, wobei das den
Helmkörper bildende EPS an die Außenschale angespritzt oder angeschäumt wird.
[0032] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung sind der Helmkörper und die Außenschale
als separate und miteinander verklebte Elemente ausgeführt. Diese Bauweise ist insbesondere
dann von Vorteil, wenn die Außenschale eine negative Krümmung aufweist.
[0033] Gemäß einer weiteren Ausführungsform der Erfindung kann an der Außenschale und/oder
an dem Helmkörper ein Schirm angebracht sein.
[0034] Die Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Herstellen eines Fahrradhelms, der
wie vorstehend beschrieben gestaltet ist.
[0035] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass - im Unterschied zu einem üblichen Tiefziehverfahren
- die Außenschale durch Spritzen erzeugt wird und der Helmkörper an einer Innenseite
der gespritzten Außenschale angebracht wird. Diese Art der Herstellung ist besonders
kostengünstig. Zudem besteht bei Spritzprozessen eine vergleichsweise große Flexibilität
hinsichtlich der Gestaltung, sodass z. B. Außenschalen in unterschiedlichen Dicken
und insbesondere in relativ großen Dicken leicht herstellbar sind.
[0036] Der Helmkörper kann durch Kleben, oder in einem In-Mold-Verfahren durch Anspritzen
oder Anschäumen an der Innenseite der Außenschale angebracht werden.
[0037] Weiterbildungen der Erfindung sind auch in den abhängigen Ansprüchen, der Beschreibung
sowie den beigefügten Zeichnungen angegeben.
[0038] Die Erfindung wird nachfolgend beispielhaft unter Bezugnahme auf die Zeichnungen
beschrieben.
- Fig. 1
- zeigt einen Fahrradhelm gemäß einer Ausführungsform der Erfindung in einer perspektivischen
Ansicht schräg von vorne und oben.
- Fig. 2
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 schräg von hinten und oben.
- Fig. 3
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 von vorn.
- Fig. 4
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 von hinten.
- Fig. 5
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 von oben.
- Fig. 6
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 von unten.
- Fig. 7
- zeigt den Fahrradhelm gemäß Fig. 1 von der Seite.
[0039] Der in den Fig. 1 bis 7 in verschiedenen Ansichten gezeigte Fahrradhelm 10 weist
einen stoßabsorbierenden Helmkörper 11 aus einem expandierten Polystyrol-Hartschaum
(EPS) und eine mit dem Helmkörper 11 verbundene Außenschale 13 auf. Die Außenschale
13 ist vollständig aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) gefertigt und weist eine
Dicke von etwa 2 mm auf. Demzufolge ist die Außenschale 13 eigensteif. Die Herstellung
der Außenschale 13 erfolgt bevorzugt durch Spritzen, wobei der Helmkörper 11 nach
dem Spritzprozess an der Außenschale 13 angebracht wird. Der Helmkörper 11 kann speziell
mit der Außenschale 13 verklebt oder im Rahmen eines In-Mold-Prozesses direkt an diese
angeschäumt sein. Mehrere Belüftungsöffnungen 15 sind über die Oberfläche der Außenschale
13 verteilt angeordnet und erstrecken sich durch die Außenschale 13 und durch den
Helmkörper 11 hindurch. Die Belüftungsöffnungen 15 sind in einer speziellen Weise
angeordnet, wie nachfolgend genauer ausgeführt wird.
[0040] Speziell ist die Anordnung der Belüftungsöffnungen 15 derart gewählt, dass die Außenschale
13 vier Längsverbindungsstege 17 bildet, welche sich entlang einer Längsrichtung L
des Fahrradhelms 10 ausgehend von einem vorderseitigen Randabschnitt 19a der Außenschale
13 in Richtung eines rückseitigen Randabschnitts 19b der Außenschale 13 erstrecken.
Weiterhin bilden die Belüftungsöffnungen 15 insgesamt fünf Längsreihen 20 (gestrichelt
dargestellt). Die Längsreihen 20 von Belüftungsöffnungen 15 sind derart angeordnet,
dass sich zwischen den vier Längsverbindungsstegen 17 und beiderseits der Anordnung
von vier Längsverbindungsstegen 17 eine jeweilige Längsreihe 20 von mehreren Belüftungsöffnungen
15 erstreckt. Beiderseits der Anordnung von fünf Längsreihen 20 von Belüftungsöffnungen
15 ist ferner ein jeweiliger Diagonalverbindungssteg 18 vorgesehen, der sich ausgehend
von einem linksseitigen Randabschnitt 22a bzw. von einem rechtsseitigen Randabschnitt
22b der Außenschale 13 schräg zu der Längsrichtung L in Richtung der Rückseite des
Fahrradhelms 10 erstreckt.
[0041] Die Außenschale 13 bildet auch zwei kurvenförmig gekrümmte Querverbindungsstege 21,
welche die Längsverbindungsstege 17 kreuzen. Ferner liegen aufgrund der Anordnung
der Belüftungsöffnungen 15 auch drei kurvenförmig gekrümmte Querreihen 23 von Belüftungsöffnungen
15 vor (ebenfalls gestrichelt dargestellt), wobei wiederum zwischen den beiden Querverbindungsstegen
21 und beiderseits der Anordnung von zwei Querverbindungsstegen 21 eine jeweilige
Querreihe 23 von Belüftungsöffnungen 15 vorhanden ist. Die Querverbindungsstege 21
erstrecken sich quer zu der Längsrichtung L (d.h. abschnittsweise senkrecht oder schräg
zu der Längsrichtung L) zwischen dem linksseitigen Randabschnitt 22a der Außenschale
13 und dem rechtsseitigen Randabschnitt 22b der Außenschale 13.
[0042] Insgesamt weist die Außenschale 13 des Fahrradhelms 10 somit eine gitterartige Grundstruktur
auf. Die Belüftungsöffnungen 15 sind im dargestellten Ausführungsbeispiel rautenförmig
oder trapezförmig ausgebildet und weisen abgerundete Ecken auf. Am vorderseitigen
Randabschnitt 19a der Außenschale 13 ist ein Schirm 25 angeordnet. Bei Bedarf kann
anstelle des Schirms 25 oder zusätzlich zu dem Schirm 25 ein Visier vorgesehen sein.
[0043] Die minimale Weite einer jeden Belüftungsöffnung 15, die durch einen Längsverbindungssteg
17 oder einen Querverbindungssteg 21 begrenzt ist, beträgt mindestens 2 cm. Dies gilt
bei dem gezeigten Ausführungsbeispiel auch für die drei zusätzlich im Nackenbereich
des Fahrradhelms 10 vorgesehenen Belüftungsöffnungen 15. Weiterhin weisen die Längsverbindungsstege
17 und die Querverbindungsstege 21 in dem Bereich zwischen zwei Belüftungsöffnungen
15, welche durch den jeweiligen Längsverbindungssteg 17 oder Querverbindungssteg 21
voneinander getrennt sind, jeweils eine Breite zwischen 1,5 cm und 4 cm auf.
[0044] Aufgrund der Anzahl und der Größe der Belüftungsöffnungen 15 ist der Anteil der durch
die Belüftungsöffnungen 15 definierten Freifläche des Fahrradhelms 10 bezogen auf
die Gesamtoberfläche der Außenschale 13 relativ groß. Bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel
beträgt dieser Anteil etwa 17 %. Die einschlägigen Vorgaben hinsichtlich der Vermeidung
von Verletzungen aufgrund von durch die Belüftungsöffnungen dringenden Gegenständen
sind dennoch erfüllt. Wegen der weitgehend gleichmäßigen Verteilung der Belüftungsöffnungen
15 über die gesamte Oberfläche der Außenschale 13 ist bei dem Fahrradhelm 10 eine
gute Belüftungswirkung für alle Bereiche des Kopfes sichergestellt. Aufgrund der eigensteifen,
aus hartem ABS gefertigten Außenschale 13 ist es nicht erforderlich, in den Helmkörper
11 integrierte Versteifungselemente vorzusehen. Weiterhin ist es aufgrund der gitterartigen
Struktur der Außenschale 13 nicht wie bei herkömmlichen Skater- oder BMX-Helmen erforderlich,
Dämpfungsaussparungen wie Schwächungsrippen oder dergleichen im Helmkörper 11 vorzusehen.
Aufgrund der hohen Schlagzähigkeit von ABS ist die Außenschale 13 nicht nur bei Stürzen
vor Beschädigungen geschützt, sondern beispielsweise auch bei geringfügigen Stößen
während des Transports.
[0045] Insgesamt wird durch die Erfindung ein Fahrradhelm bereitgestellt, welcher sich sowohl
von Skater- oder BMX-Helmen als auch von Rennrad-Helmen abhebt und sich speziell durch
eine Kombination von großer Robustheit einerseits und hohem Tragekomfort andererseits
auszeichnet.
Bezugszeichenliste
[0046]
- 10
- Fahrradhelm
- 11
- Helmkörper
- 13
- Außenschale
- 15
- Belüftungsöffnung
- 17
- Längsverbindungssteg
- 18
- Diagonalverbindungssteg
- 19a
- vorderseitiger Randabschnitt
- 19b
- rückseitiger Randabschnitt
- 20
- Längsreihe
- 21
- Querverbindungssteg
- 22a
- linksseitiger Randabschnitt
- 22b
- rechtsseitiger Randabschnitt
- 23
- Querreihe
- 25
- Schirm
- L
- Längsrichtung
1. Fahrradhelm (10), mit einem stoßabsorbierenden Helmkörper (11) und einer Außenschale
(13) für den Helmkörper (11), wobei die Außenschale (13) aus Acrylnitril-Butadien-Styrol
(ABS) gefertigt ist und wobei sich mehrere Belüftungsöffnungen (15) durch die Außenschale
(13) und durch den Helmkörper (11) hindurch erstrecken,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Anteil der durch die Belüftungsöffnungen (15) definierten Freifläche bezogen auf
die Gesamtoberfläche der Außenschale (13) wenigstens 12% beträgt.
2. Fahrradhelm nach Anspruch 1,
wobei der Anteil der durch die Belüftungsöffnungen (15) definierten Freifläche bezogen
auf die Gesamtoberfläche der Außenschale (13) wenigstens 16% beträgt.
3. Fahrradhelm (10), mit einem stoßabsorbierenden Helmkörper (11) und einer Außenschale
(13) für den Helmkörper (11), wobei die Außenschale (13) aus Acrylnitril-Butadien-Styrol
(ABS) gefertigt ist und wobei sich mehrere Belüftungsöffnungen (15) durch die Außenschale
(13) und durch den Helmkörper (11) hindurch erstrecken,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Außenschale (13) wenigstens zwei Längsverbindungsstege (17) bildet, welche sich
zumindest abschnittsweise entlang einer Längsrichtung (L) des Fahrradhelms (10) erstrecken,
wobei beiderseits der Anordnung von Längsverbindungsstegen (17) und zwischen den Längsverbindungsstegen
(17) eine jeweilige Längsreihe (20) von mehreren Belüftungsöffnungen (20) vorgesehen
ist, wobei die Außenschale (13) ferner wenigstens zwei Querverbindungsstege (21) bildet,
welche die Längsverbindungsstege (17) kreuzen, wobei beiderseits der Anordnung von
Querverbindungsstegen (21) und zwischen den Querverbindungsstegen (21) eine jeweilige
Querreihe (23) von mehreren Belüftungsöffnungen (15) vorgesehen ist, wobei die Belüftungsöffnungen
(15) der Längsreihen (20) und die Belüftungsöffnungen (15) der Querreihen (23) im
Wesentlichen viereckig sind.
4. Fahrradhelm nach Anspruch 3,
wobei die Außenschale (13) zwei weitere Längsverbindungsstege (17) bildet, welche
sich beiderseits der Anordnung von Längsreihen (20) von Belüftungsöffnungen (15) erstrecken,
wobei die Querverbindungsstege (21) auch die zwei weiteren Längsverbindungsstege (17)
kreuzen.
5. Fahrradhelm nach Anspruch 3 oder 4,
wobei die wenigstens zwei Längsverbindungsstege (17) sich bis zu einem vorderseitigen
Randabschnitt (19a) der Außenschale (13) und/oder bis zu einem rückseitigen Randabschnitt
(19b) der Außenschale (13) erstrecken.
6. Fahrradhelm nach zumindest einem der Ansprüche 3 bis 5,
wobei die wenigstens zwei Querverbindungsstege (21) sich durchgehend zwischen einem
linksseitigen Randabschnitt (22a) und einem rechtsseitigen Randabschnitt (22b) der
Außenschale (13) erstrecken.
7. Fahrradhelm nach zumindest einem der Ansprüche 3 bis 6,
wobei die Längsverbindungsstege (17) und die Querverbindungsstege (21) in dem Bereich
zwischen zwei Belüftungsöffnungen (15), welche durch den jeweiligen Längsverbindungssteg
(17) oder Querverbindungssteg (21) voneinander getrennt sind, jeweils eine Breite
von mindestens 1,5 cm und höchstens 4 cm aufweisen.
8. Fahrradhelm nach zumindest einem der Ansprüche 3 bis 7,
wobei der Anteil der durch die Belüftungsöffnungen (15) definierten Freifläche bezogen
auf die Gesamtoberfläche der Außenschale (13) wenigstens 12% und bevorzugt wenigstens
16% beträgt.
9. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die minimale Weite
einer jeden Belüftungsöffnung (15) mindestens 2 cm beträgt;
und/oder
wobei wenigstens 16 und bevorzugt wenigstens 18 Belüftungsöffnungen (15) vorgesehen
sind.
10. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die Belüftungsöffnungen
(15) im Wesentlichen gleichmäßig über die Oberfläche des Fahrradhelms (10) verteilt
angeordnet sind;
und/oder
wobei wenigstens eine jeweilige Belüftungsöffnung (15) in einem Vorderseitenbereich,
einem Rückseitenbereich, einem linken Seitenbereich, einem rechten Seitenbereich und
in einem Oberseitenbereich des Fahrradhelms (10) angeordnet ist.
11. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche, wobei die Außenschale
(13) vollständig aus Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) gefertigt ist;
und/oder
wobei der Helmkörper (11) aus einem expandierten Polystyrol-Hartschaum (EPS) gefertigt
ist.
12. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Helmkörper (11) ohne Dämpfungsaussparungen und/oder ohne in den Helmkörper
(11) integrierte Versteifungselemente ausgeführt ist.
13. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei die Innenseite der Außenschale konkav ist und entlang einer Längsrichtung (L)
des Fahrradhelms (10) einen Erstreckungswinkel aufweist, der größer als 180° ist.
14. Fahrradhelm nach zumindest einem der vorstehenden Ansprüche,
wobei der Helmkörper (11) und die Außenschale (13) als separate und miteinander verklebte
Elemente ausgeführt sind.
15. Verfahren zum Herstellen eines Fahrradhelms (10), der gemäß einem der vorstehenden
Ansprüche gestaltet ist,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Außenschale (13) durch Spritzen erzeugt wird und
der Helmkörper (11) an einer Innenseite der gespritzten Außenschale (13) angebracht
wird;
wobei der Helmkörper (11) vorzugsweise durch Kleben, Anspritzen oder Anschäumen an
der Innenseite der Außenschale (13) angebracht wird.