[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Herstellung von Mehrschichttabletten
aus festen Ausgangsstoffen, insbesondere aus Pulvern, Granulaten und/oder aus geometrisch
begrenzten Zwischenprodukten, umfassend mehrere Bearbeitungsstationen sowie eine Fördereinheit
mit mehreren Förderbehältern. Weiters werden im Rahmen der Erfindung auch Mehrschichttabletten
angegeben, welche mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung hergestellt werden, sowie
Verfahrensvarianten zur Herstellung von Mehrschichttabletten.
[0002] Aus dem Stand der Technik sind unterschiedliche Varianten zur Herstellung von Mehrschichttabletten
bekannt. Der hier im Weiteren verwendete Begriff von Mehrschichttabletten bezieht
sich allgemein auf Festkörper, welche mehrere Schichten aus Pulvern, Granulaten und/oder
aus geometrisch begrenzten Zwischenprodukten, wie beispielsweise einlagige Tabletten,
aufweisen, die miteinander zu einer Einheit verbunden sind. Somit sind unter Mehrschichttabletten
im Rahmen der Erfindung neben pharmazeutischen Tabletten, die beispielsweise zur oralen
Einnahme oder als lösliche Brausetabletten vorgesehen sind, weiters auch sogenannte
Reinigungstabs, wie sie beispielsweise für Geschirrspüler oder zur Reinigung für Zahnprothesen
("dritte Zähne") verwendet werden, sowie diverse Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform
zu verstehen.
[0003] Üblicherweise werden bei der Herstellung von Mehrschichttabletten zwei oder mehrere
Schichten unterschiedlicher Ausgangsstoffe, beispielsweise Granulate oder Pulver,
zu einer Einheit verpresst. Dazu werden beispielsweise Rundläuferpressen mit mindestens
zwei Füll- und Pressstationen verwendet. Der Pressvorgang läuft dabei meist wie folgt
ab: Das Granulat oder Pulver, welches eine erste Tabletten-Schicht bildet, wird dabei
in eine Matrize gefüllt und von einem Pressstempel unter relativ niedrigem Pressdruck
kompaktiert. Danach wird dieser Teil in der Matrize abgesenkt, indem der untere Stempel
in eine tiefere Position fährt, und das Pulver oder Granulat der zweiten Schicht darüber
gefüllt. Zuletzt werden diese Schicht und die beiden Lagen mit der vollen Presskraft
kompaktiert. Die Befüllung erfolgt aus verschiedenen Füllschuhen mit entsprechenden
Vorlagebehältern. Als Alternative können die Granulate auch hintereinander in die
Matrize gefüllt und in einem einzigen Schritt verpresst werden.
[0004] Vorrangig werden dazu sogenannte Rundläufer-Tablettiermaschinen bzw. Rundläuferpressen
verwendet, in denen beide Stempel gegeneinander bewegt werden. Nachteilig an den bekannten
Tablettiermaschinen ist unter anderem, dass zum Pressen mehrlagiger bzw. mehrschichtiger
Tabletten meist hohe Presskräfte erforderlich sind, wodurch es oftmals während des
Pressvorgangs zu unerwünschten Lagenverschiebungen der einzelnen Tablettenschichten
bzw. Tablettenlagen zueinander und somit zu einem erhöhten Anteil an Ausschussproduktion
kommt.
[0005] Weiters ist von Nachteil, dass die derzeit bekannten Tablettiermaschinen jeweils
für ein bestimmtes Produktionsverfahren festgelegt und entsprechend assembliert sind.
Eine einfache Umrüstung bestehender Tablettiermaschinen, um damit erforderlichenfalls
neue bzw. geänderte Produkte herstellen zu können, ist meist gar nicht möglich oder
erfordert zumindest einen hohen Umbauaufwand samt den damit verbundenen Umrüstkosten
sowie unwirtschaftlich langen Stillstandszeiten, bis eine entsprechend umgerüstete
Tablettiermaschine wiederum in Betrieb genommen werden kann. Weshalb bisher die Anschaffung
einer jeweils maßgeschneiderten, neuen Tablettiermaschine meist die einzige wirtschaftliche
Alternative zur Fertigung neuer bzw. geänderter Mehrschichttabletten war. Insbesondere
bei der Herstellung von Kleinserien von Mehrschichttabletten beispielsweise als Prototypen
im Rahmen von klinischen Forschungsprogrammen ist die fehlende Flexibilität bzw. mangelnde
Möglichkeit zur raschen und kostengünstigen Umrüstung bestehender Tablettiermaschinen
besonders störend.
[0006] Auch die Gestaltung von Mehrschichttabletten mit aus dem Stand der Technik bekannten
Tablettiermaschinen ist Beschränkungen unterworfen. So sind bei herkömmlichen Tablettiermaschinen
die möglichen Schichtdicken abhängig von der Feinheit der Granulation bzw. einer Korngröße
der Pulverteilchen sowie von der Auslegung der Tablettenpresse vorgegeben. Derzeit
übliche Schichtdicken betragen zumindest 1 mm, weshalb mit herkömmlichen Tablettiermaschinen
üblicherweise auch nicht mehr als drei Schichten miteinander verpresst werden.
[0007] Weiters ist es derzeit bei den bekannten Vorrichtungen erforderlich, dass die zu
pressenden Ausgangs- oder Zwischenstoffe jeweils trocken sind oder zumindest nur einen
sehr geringen Feuchtegehalt aufweisen. Außerdem muss der Einsatz von problematischen
Ausgangsmaterialien wie beispielsweise von Schmiermitteln, die eine Schmierwirkung
auch auf dem Rundteller bekannter Rundläufer-Tablettiermaschinen haben, bei den derzeit
bekannten Tablettiermaschinen nach Möglichkeit vermieden werden. Ebenso können Granulate,
welche unter einer Druckbelastung leicht brechen, mit herkömmlichen Tablettiermaschinen
bei den derzeit üblichen, hohen Pressdrücken, welche meist zwischen 5 kN und 20 kN
liegen, wobei aber auch Pressen mit einem Hauptdruck von bis zu 200 kN eingesetzt
werden, nicht verarbeitet werden.
[0008] Überdies ist aus dem Stand der Technik bekannt, dass es nach dem Verpressen von unterschiedlichen
Pulvern, Granulaten und/oder von geometrisch begrenzten Zwischenprodukten miteinander
zum schichtförmigen Ablösen von verpresster Masse vom hergestellten Pressling kommen
kann. Dieser Ablösevorgang, bei dem sich die einzelnen verpressten Schichten einer
Mehrschichttablette meist nach längerer Zeit wieder voneinander trennen, wird als
"Deckeln" - bzw. auf Englisch als "capping" - bezeichnet.
[0009] Weiters ist bei derzeit aus dem Stand der Technik bekannten Mehrschichttabletten
zu beachten, dass es innerhalb der Mehrschichttablette zwischen unterschiedlichen
Ausgangsmaterialien und/oder Wirkstoffen in aneinander grenzenden Schichten zu unerwünschten
Reaktionen bzw. zu einer unerwünschten gegenseitigen Beeinflussung kommen kann.
[0010] Es ist somit Aufgabe der vorliegenden Erfindung eine Vorrichtung zur Herstellung
von Mehrschichttabletten aus festen Ausgangsstoffen bereitzustellen, die die geschilderten
Nachteile des Standes der Technik vermeidet.
[0011] Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung gemäß dem Oberbegriff von Anspruch 1 mit
den Merkmalen des kennzeichnenden Teiles des Anspruchs 1 gelöst. Die Unteransprüche
betreffen weitere besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung.
[0012] Bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Herstellung von Mehrschichttabletten
aus festen Ausgangsstoffen, insbesondere aus Pulvern, Granulaten und/oder aus geometrisch
begrenzten Zwischenprodukten, umfassend mehrere Bearbeitungsstationen sowie eine Fördereinheit
mit mehreren Förderbehältern, sind die einzelnen Bearbeitungsstationen in ihrer Anordnung
modular variierbar.
[0013] Vorteilhaft ist bzw. sind bei einer Herstellungsvorrichtung gemäß der Erfindung eine
Anzahl und/oder eine Abfolge der Bearbeitungsstationen modular variierbar. Somit ist
es möglich, ein und dieselbe erfindungsgemäße Vorrichtung rasch und mit vergleichsweise
geringem Aufwand sowie in kurzer Rüstzeit durch modulare Variation der entsprechend
benötigten Bearbeitungsstationen beispielsweise von der Fertigung für Zweischichttabletten
auf die Fertigung für Drei- oder Mehrschichttabletten umzurüsten. Durch die vorteilhafte
Trennung der jeweiligen Prozessschritte in einzelne Bearbeitungsstationen können die
Abfolge sowie die Anzahl der Prozessschritte variabel eingestellt werden. Somit kann
eine erfindungsgemäße Herstellungsvorrichtung besonders flexibel zur Herstellung unterschiedlichster
Mehrschichttabletten verwendet werden.
[0014] Beispielsweise können mit ein und derselben Vorrichtung nach entsprechender Adaptierung
Mehrschichttabletten mit unterschiedlichen Konturen in ovaler, kreisförmiger und/oder
in eckiger bzw. quadratischer Form hergestellt werden. Ebenso können bei der erfindungsgemäßen
Herstellung verschiedene Verbindungsmittel zum Einsatz kommen, welche je nach Art
bzw. Eigenschaft des gewählten Verbindungsmittels gegebenenfalls auch jeweils unterschiedliche
Verarbeitungsmethoden zum Aufbringen der Verbindungsmittel auf Pulver, Granulate und/oder
geometrisch begrenzte Zwischenprodukte beispielsweise mittels Aufsprühen, Betropfen,
usw., erfordern. Dazu werden die jeweils erforderlichen Bearbeitungsstationen ausgewählt
und erforderlichenfalls in entsprechender Abfolge angeordnet oder es werden einzelne
Bearbeitungsstationen entsprechend durch andere Bearbeitungsstationen ausgetauscht.
Somit gelingt es, bei gleicher oder gegebenenfalls entsprechend adaptierter Anordnung
der Bearbeitungsstationen mit ein und derselben Vorrichtung unterschiedliche Produkte
zu fertigen.
[0015] Ein weiterer Vorteil der modular variierbaren Anordnung der Bearbeitungsstationen
ist, dass eine erfindungsgemäße Vorrichtung bei gleichem Grundaufbau zur Herstellung
verschiedener Produkte aus unterschiedlichen Industriebereichen verwendet werden kann.
So können mit einer Vorrichtung bei gleichem Grundaufbau beispielsweise sowohl Mehrschichttabletten
für pharmazeutische Anwendungen, als auch beispielsweise Reinigungstabletten, die
für Reinigungszwecke für Geschirrspüler oder zur Reinigung von Zahnprothesen dienen,
oder aber Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform hergestellt werden.
[0016] Außerdem bietet die neuartige, modular variierbare Anordnung der einzelnen Bearbeitungsstationen
bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung den Vorteil, dass einzelne Bearbeitungsstationen
erforderlichenfalls getrennt voneinander gewartet oder erneuert werden können. Somit
sind bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung auch die Kosten für Service und Instandhaltung
vorteilhaft niedriger, als dies bei derzeit aus dem Stand der Technik bekannten Maschinen
zur Tablettenherstellung der Fall ist. Auch die Koppelung einzelner Bearbeitungsstationen
mit weiteren externen Aggregaten und Einrichtungen innerhalb einer Prozesskette wird
durch die modulare Anordnung der erfindungsgemäßen Vorrichtung erleichtert. Somit
lassen sich einzelne Bearbeitungsstationen bzw. auch die gesamte erfindungsgemäße
Vorrichtung besonders einfach und flexibel in bereits bestehende Abläufe und Einrichtungen
eines komplexen Herstellungsverfahrens integrieren. Beispielsweise können bereits
bestehende Verpackungsmaschinen, Beladestationen und/oder Entladestationen flexibel
mit den entsprechenden Bearbeitungsstationen der erfindungsgemäßen Vorrichtung gekoppelt
werden.
[0017] Besonders vorteilhaft sind bei einer Vorrichtung gemäß der Erfindung die mehreren
Bearbeitungsstationen seriell entlang einer im Wesentlichen linearen Bearbeitungsbahn
angeordnet. In dieser Ausführungsvariante sind die jeweils zur Herstellung einer individuellen
Mehrschichttablette erforderlichen Bearbeitungsstationen besonders kompakt und übersichtlich
linear angeordnet. Somit lässt sich die Abfolge der einzelnen Herstellungsschritte
auch besonders einfach überwachen. Aufgrund der übersichtlichen Anordnung sowie der
einfachen Zugänglichkeit ist bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung neben einer Überwachung
von ein- bzw. ausgehenden Materialien erforderlichenfalls auch die Überwachung von
Qualitätsparametern der laufenden Produktion beispielsweise mit externen Überwachungseinrichtungen
besonders komfortabel möglich. Ebenso können Überwachungseinrichtungen zur Überwachung
von Qualitätsparametern der laufenden Produktion, insbesondere zur Überwachung von
Durchfluss, Masse bzw. Gewicht, Dichte, Temperatur und/oder Zusammensetzung im Rahmen
der erfindungsgemäßen Vorrichtung vorgesehen sein. Dazu können erforderlichenfalls
auch externe Überwachungseinrichtungen, Messgeräte, Analysengeräte, Sensoren etc.
verwendet und mit den entsprechenden Bearbeitungsstationen gekoppelt oder in diese
integriert werden.
[0018] Erforderliche Änderungen in der Abfolge und/oder Anzahl der Bearbeitungsstationen
entlang der im Wesentlichen linearen Bearbeitungsbahn sind ebenfalls einfach zu bewerkstelligen.
[0019] In einer besonders zweckmäßigen Ausführung sind bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
die mehreren Bearbeitungsstationen seriell entlang einer kurvenförmigen Bearbeitungsbahn,
vorzugsweise entlang einer geschlossenen kurvenförmigen Bearbeitungsbahn, angeordnet.
Diese Ausführungsvariante bietet den Vorteil einer besonders kompakten, platzsparenden
Anordnung der Bearbeitungsstationen. Weiters ist diese Anordnung besonders vorteilhaft
für Herstellungsverfahren, bei denen ein zumindest teilweise mehrfacher Durchlauf
einzelner Bearbeitungsstationen bzw. eine Wiederholung bestimmter Bearbeitungsschritte
erforderlich ist. Die Fördereinheit bzw. die entsprechenden Förderbehälter können
dazu erforderlichenfalls über eine ganze Umdrehung hinausgehend mehrfach im Kreis
entlang der kurvenförmigen Bearbeitungsbahn bewegt werden, um dabei einzelne Bearbeitungsstationen
auch mehrfach zu durchlaufen.
[0020] Alternativ oder in Ergänzung dazu ist es im Rahmen der Erfindung weiters möglich,
zur mehrfachen Wiederholung eines bestimmten Bearbeitungsschritts, beispielsweise
des Bearbeitungsschritts des Verbindens von zumindest zwei Tablettenschichten miteinander,
an geeigneten Positionen entlang der Bearbeitungsbahn die entsprechende selbe Bearbeitungsstation,
beispielsweise hier eine Verbundstation zum Verbinden der Tablettenschichten, an geeigneten
Stellen mehrfach hintereinander vorzusehen.
[0021] Je nach Platzbedarf bzw. Platzangebot können die geschlossenen kurvenförmigen Bearbeitungsbahnen
beispielsweise eine Kreisform oder elliptische Form aufweisen.
[0022] In einer Weiterbildung der Erfindung sind bei einer Vorrichtung die Bearbeitungsstationen
in einer Ebene, vorzugsweise in einer im Wesentlichen horizontalen Ebene, angeordnet.
Durch die Anordnung der Bearbeitungsstationen in einer Ebene werden ebenfalls Vorteile
des modularen Aufbaus der erfindungsgemäßen Vorrichtungen unterstrichen. Beim Umrüsten
der Vorrichtung zwischen unterschiedlichen Herstellungsverfahren ist ein gegebenenfalls
erforderlicher Wechsel einzelner Bearbeitungsstationen aufgrund deren Anordnung in
einer gemeinsamen Ebene, vorzugsweise in einer gemeinsamen horizontalen Ebene, besonders
einfach möglich.
[0023] Zweckmäßig ist bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Herstellung von Mehrschichttabletten
zumindest eine der Bearbeitungsstationen mehrfach durchlaufbar. Eine Mehrschichttablette
bzw. deren Ausgangsstoffe und/oder deren geometrisch begrenzte Zwischenprodukte und/oder
deren mehrschichtiger Tablettenkörper durchläuft bzw. durchlaufen dabei zumindest
eine der Bearbeitungsstationen der erfindungsgemäßen Vorrichtung mehrmals. Vorteilhaft
kann die Vorrichtung in dieser Ausführungsvariante kompakt gebaut sowie besonders
wirtschaftlich betrieben werden. In dieser Ausführung können beispielsweise Mehrschichttabletten
mit mehr als zwei miteinander verbundenen Schichten durch mehrere Umläufe bzw. Durchläufe
auch mit einer für die Herstellung einer zweischichtigen Tablette vorbereiteten Vorrichtung
hergestellt werden. So lassen sich beispielsweise sechslagige Mehrschichttabletten
durch dreimaligen Durchlauf der entsprechenden Bearbeitungsstationen mit einer an
sich zur Herstellung einer zweischichtigen Tablette vorbereiteten Vorrichtung herstellen.
[0024] Vorteilhaft sind bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung in einer Bearbeitungsstation
gleichzeitig mehrere feste Ausgangsstoffe und/oder mehrere geometrisch begrenzte Zwischenprodukte
bearbeitbar. Je nach Anforderung können somit einzelne Bearbeitungsstationen auch
parallel zueinander angeordnet und/oder parallel beschickt werden. Dies ist insbesondere
bei Bearbeitungsstationen für einzelne Herstellungsschritte mit vergleichsweise langer
Bearbeitungsdauer zweckmäßig.
[0025] In einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung sind bei einer Vorrichtung von der
Fördereinheit in einem Herstellungszyklus die festen Ausgangsstoffe und/oder die geometrisch
begrenzten Zwischenprodukte jeweils von einer vorhergehenden Bearbeitungsstation an
eine in Transportrichtung nachfolgende Bearbeitungsstation übergebbar. Für die Übergabe
von einer vorhergehenden an eine nachfolgende Bearbeitungsstation dient die Fördereinheit
mit den entsprechenden Förderbehältern.
[0026] Zweckmäßig verbleiben bei einer Vorrichtung gemäß der Erfindung die festen Ausgangsstoffe
und/oder die geometrisch begrenzten Zwischenprodukte zumindest zwischen zwei benachbarten
Bearbeitungsstationen innerhalb ihres jeweiligen Förderbehälters. Je nach individuellem
Herstellungsverfahren ist es im Rahmen der Erfindung möglich, Herstellungsschritte
in einzelnen Bearbeitungsstationen jeweils direkt im Förderbehälter durchzuführen.
Beispielsweise ist es denkbar, dass ein Bearbeitungsschritt, bei dem ein Ausgangsstoff
als Pulver oder Granulat zu einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt gepresst
und kompaktiert wird, innerhalb des entsprechenden Förderbehälters, der dazu beispielsweise
eine Matrizenform mit den Konturen des Zwischenprodukts aufweist, durchgeführt wird.
[0027] Ebenso ist es im Rahmen der Erfindung vorgesehen, dass erforderlichenfalls Zwischenprodukte
und/oder Tablettenkörper dem jeweiligen Förderbehälter entnommen und einer entsprechenden
Bearbeitungsstation zur Durchführung des jeweiligen Bearbeitungsschrittes zugeführt
werden, um danach nach erfolgtem Bearbeitungsschritt wiederum demselben Förderbehälter
oder aber einem anderen Förderbehälter zugeführt bzw. an diesen übergeben zu werden.
Ebenso ist es im Rahmen der Erfindung möglich, dass Mischformen der beiden vorgenannten
Regime innerhalb einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. eines Herstellungsverfahrens
durchgeführt werden. Somit können - wenn dies zweckmäßig ist - mit der erfindungsgemäßen
Vorrichtung einzelne Bearbeitungsschritte direkt an den innerhalb der Förderbehälter
jeweils befindlichen Medien durchgeführt werden, während für andere Bearbeitungsschritte
die Stoffe oder Stoffgemische aus den Förderbehältern entnommen werden und die folgende
Behandlung und/oder Bearbeitung dann außerhalb der Förderbehälter in den jeweiligen
Bearbeitungsstationen erfolgt. Besonders zweckmäßig ist bei einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung zumindest eine Auftragestation für das Aufbringen zumindest eines Verbindungsmittels
auf einem festen Ausgangsstoff und/oder einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt
vorgesehen. Durch den Einsatz eines oder mehrerer Verbindungsmittel, welche auf einem
Ausgangsstoff oder einem Zwischenprodukt, beispielsweise einem bereits zu einem Tablettenpressling
kompaktierten Ausgangsstoff oder einem mehrlagigen Tablettenkörper, aufgebracht werden,
können die sonst meist erforderlichen hohen Pressdrücke zum Pressen der Tabletten
bzw. von deren Bestandteilen deutlich reduziert werden.
[0028] Aufgrund der beim Einsatz entsprechender Verbindungsmittel geringeren erforderlichen
Pressdrücke werden eine unerwünschte Lagenverschiebung und/oder ein Brechen einzelner
Lagen bei der Herstellung von Mehrschichttabletten reduziert bzw. vermieden, und somit
wird vorteilhaft die Ausschussrate an während der Herstellung zerbrochenen oder verformten
Mehrschichttabletten verringert. Vorteilhaft können durch den Einsatz von Verbindungsmitteln
und die damit zur Tablettenherstellung erforderlichen, geringeren Pressdrücke auch
Mehrschichttabletten mit einer größeren Anzahl von miteinander verbundenen Schichten
bzw. mit Schichten mit geringeren Schichtdicken hergestellt werden. Beispielsweise
können Schichtdicken von Verbindungsmitteln, die zwischen einzelnen Lagen von Pulvern,
Granulaten und/oder geometrisch begrenzten Zwischenprodukten angebracht werden, wenige
Nanometer bzw. Mikrometer betragen. Ebenso ist es im Rahmen der Erfindung vorgesehen,
je nach Anforderung Mehrschichttabletten mit Schichtdicken - abhängig von den eingesetzten
Pulvern, Granulaten und/oder geometrisch begrenzten Zwischenprodukten - im Mikrometerbereich
bzw. Millimeterbereich zu realisieren.
[0029] Besonders vorteilhaft werden bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung in der zumindest
einen Auftragestation für das Aufbringen von Verbindungsmittel auf einem festen Ausgangsstoff
und/oder einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt Matrizenformen mit Aufnahmebohrungen
mit einem Untermaß verwendet, innerhalb welcher Matrizenformen die geometrisch begrenzten
Zwischenprodukte eingesetzt und miteinander verklebt werden. Durch den Einsatz entsprechender
Matrizenformen wird eine besonders exakte, verschiebungsfreie Positionierung der einzelnen
Tablettenschichten während des Verklebens gewährleistet.
[0030] Als Verbindungsmittel kommen an sich sämtliche aus dem Stand der Technik bekannte
Bindemittel in Frage, welche den Zusammenhalt in den Ausgangsstoffen, beispielsweise
in Pulvern oder Granulaten bzw. in den geometrisch begrenzten Zwischenprodukten verbessern
und somit insgesamt die Festigkeit der Tabletten erhöhen.
[0031] Durch den Einsatz entsprechender Verbindungsmittel wird erforderlichenfalls auch
die Verwendung von Schmiermitteln in Mehrschichttabletten ermöglicht, da durch die
eingesetzten Verbindungsmittel eine ausreichende Haftung zwischen den einzelnen Schichten
trotz der verwendeten Schmiermittel gewährleistet ist. Beispielsweise können so auch
metallische Stearate, welche üblicherweise als Schmiermittel problematisch bei der
Tablettenfertigung sind, in mit Verbindungsmitteln gefestigten Mehrschichttabletten
eingesetzt werden.
[0032] Eines oder mehrere Verbindungsmittel können bei der Herstellung einer Mehrschichttablette
auch derart aufgebracht werden, dass die Verbindungsmittelschicht zwischen zwei benachbarten
Schichten als Trennschicht wirkt und unterschiedliche Wirkstoffe in den jeweils benachbarten
Tablettenschichten einander nicht beeinflussen können.
[0033] In einer bevorzugten Ausführungsvariante der Erfindung weist bei einer Vorrichtung
zur Herstellung von Mehrschichttabletten das zumindest eine Verbindungsmittel eine
bei Umgebungstemperatur flüssige oder feste Formulierung auf. Verbindungsmittel können
als sogenannte Trockenbindemittel - beispielhaft seien mikrokristalline Cellulose
oder Stärke genannt - oder als Feuchtebindemittel bzw. Klebstoffe eingesetzt werden.
Als mögliche Vertreter von aus dem Stand der Technik bekannten Feuchtebindemittel
bzw. Klebstoffen seien hier beispielhaft Stärkekleister, Celluloseether, Kollidon
und Gelatine genannt.
[0034] Weiters haben sich im Rahmen der Erfindung der Einsatz einer oder mehrerer der folgenden
Komponenten bzw. Bestandteile in einem Verbindungsmittel als vorteilhaft erwiesen:
- Fischgelatine, 40%
- Polyvinylpyrrolidon (PVP), 20%
- Natrium-Carboxymethylcellulose (Molekulargewicht 90000, Low Molecular (LM)), 10%
- Natrium-Carboxymethylcellulose (Molekulargewicht 250000, High Molecular (HM), 5%
- Cellulose (Hydroxypropylmethylcellulose HPMC), 10%
[0035] In einer weiteren Ausführungsvariante der Erfindung umfasst bei einer Vorrichtung
zur Herstellung von Mehrschichttabletten die Auftragestation eine Temperiereinrichtung
zum Einstellen einer Temperatur des Verbindungsmittels. Dies ist insbesondere bei
einem Verbindungsmittel von Vorteil, das beispielsweise eine bei Umgebungstemperatur
hochviskose, dickflüssige Formulierung aufweist und das in erwärmtem Zustand bei niedriger
Viskosität wesentlich einfacher und gleichmäßiger auf einem festen Ausgangsstoff oder
Zwischenprodukt aufgebracht werden kann.
[0036] In einer Weiterbildung der Erfindung enthält das Verbindungsmittel zumindest einen
Wirkstoff, vorzugsweise einen pharmazeutischen Wirkstoff. Weiters ist es im Rahmen
der Erfindung denkbar, einem Verbindungsmittel auch einen oder mehrere Wirkstoffe
beizumengen, welche gemeinsam mit dem Verbindungsmittel aufgebracht werden.
[0037] Besonders zweckmäßig ist bei einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zumindest eine Reinigungsstation
vorgesehen. Mittels einer Reinigungsstation ist eine zyklische Reinigung der gesamten
Fördereinheit oder zumindest von einzelnen Förderbehältern besonders einfach möglich.
Eine regelmäßige Reinigung der Medienberührten Teile der Vorrichtung ist insbesondere
beim Einsatz von Verbindungsmitteln unerlässlich, um eine gleichbleibende Qualität
der Produkte zu gewährleisten und Querkontaminationen durch Anlagerungen von Verbindungsmittel
und/oder Zwischenprodukten in den Förderbehältern zu vermeiden. Erforderlichenfalls
kann die zumindest eine Reinigungsstation eine separate Trocknungsstation umfassen,
um sicherzustellen, dass die gereinigten Vorrichtungsteile vor einem neuerlichen Einsatz
in einem nachfolgenden Herstellungszyklus auch wieder getrocknet sind. Ebenso ist
es im Rahmen der Erfindung vorgesehen, dass eine oder mehrere Reinigungsstationen
sowie eine oder mehrere Trocknungsstationen jeweils an geeigneten Stellen im Ablauf
der Bearbeitungsstationen angeordnet sind. Weiters ist es bei einer erfindungsgemäßen
Vorrichtung möglich, zumindest eine Reinigungsstation und/oder zumindest eine Trocknungsstation
neben der Fördereinheit bzw. - je nach Ausführung der erfindungsgemäßen Vorrichtung
- neben einem Rundtakttisch oder neben einem Taktband anzuordnen. Somit können Bearbeitungsstationen,
die zur Reinigung von Förderbehältern bzw. der Fördereinheit dienen, auch seitlich,
neben, oberhalb oder unterhalb der Fördereinheit positioniert sein.
[0038] Die modulare Anordnung der Bearbeitungsstationen ermöglicht weiters eine regelmäßige
komplette Reinigung einzelner oder erforderlichenfalls sämtlicher im Einsatz befindlicher
Bearbeitungsstationen der Vorrichtung bzw. eines Komplettsystems zur Herstellung von
Mehrschichttabletten.
[0039] Bevorzugt sind die einzelnen Bearbeitungsstationen derart ausgeführt, dass sie in
einem Autoklav gereinigt und/oder sterilisiert werden können.
[0040] Bei einer Mehrschichttablette, welche mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung hergestellt
ist, ist zumindest ein Verbindungsmittel auf einem festen Ausgangsstoff und/oder einem
geometrisch begrenzten Zwischenprodukt aufgebracht. Vorteilhaft werden bei der Herstellung
von Mehrschichttabletten mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung eines oder mehrere
Verbindungsmittel eingesetzt, um die vorhin beschriebenen Vorteile des Einsatzes von
Verbindungsmitteln nutzen zu können.
[0041] Ein Verfahren zur Herstellung von Mehrschichttabletten, bei dem eine erfindungsgemäße
Vorrichtung eingesetzt wird, kann durch die folgenden Herstellungsschritte angegeben
werden:
- Zuführen eines ersten festen Ausgangsstoffs und/oder eines ersten geometrisch begrenzten
Zwischenprodukts an eine erste Beladestation;
- Übergeben des ersten festen Ausgangsstoffs und/oder des ersten geometrisch begrenzten
Zwischenprodukts von der ersten Beladestation an eine Fördereinheit;
- Gegebenenfalls Überwachen der Zufuhr und/oder der Übergabe des ersten Ausgangsstoffs
und/oder des ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts an die erste Beladestation
und/oder an die Fördereinheit;
- Transport des ersten Ausgangsstoffs und/oder des ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts
an eine erste Auftragestation;
- Aufbringen zumindest eines Verbindungsmittels auf dem ersten Ausgangsstoff und/oder
dem ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukt in der ersten Auftragestation;
- Gegebenenfalls Durchlaufen einer oder mehrerer Zwischenstationen zum Kühlen, Erwärmen,
Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten;
- Zuführen eines zweiten festen Ausgangsstoffs und/oder eines zweiten geometrisch begrenzten
Zwischenprodukts an eine zweite Beladestation;
- Übergeben des zweiten festen Ausgangsstoffs und/oder des zweiten geometrisch begrenzten
Zwischenprodukts von der zweiten Beladestation an die Fördereinheit bzw. an einen
mit dem ersten Ausgangsstoff und/oder dem ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukt
beladenen Förderbehälter;
- Gegebenenfalls Überwachen der Zufuhr und/oder Übergabe des zweiten Ausgangsstoffs
und/oder des zweiten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts an die zweite Beladestation
und/oder die Fördereinheit;
- Transport des ersten Ausgangsstoffs und/oder des ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts
an eine Verbundstation;
- Verbinden des zweiten Ausgangsstoffs und/oder des zweiten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts
mit dem ersten Ausgangsstoff und/oder dem ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukt
in der Verbundstation erforderlichenfalls durch Zugabe eines weiteren Verbindungsmittels;
- Gegebenenfalls weiteres Behandeln der verbundenen Ausgangsstoffe und/oder der verbundenen
Zwischenprodukte in der Verbundstation oder in einer oder mehreren Zwischenstationen
durch Kühlen, Erwärmen, Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten zu einem mehrschichtigen
Tablettenkörper;
- Gegebenenfalls neuerliches Durchführen oder Wiederholen eines oder mehrerer vorgenannter
Verfahrensschritte zur Verbindung eines oder mehrerer weiterer Ausgangsstoffe und/oder
eines oder mehrerer weiterer geometrisch begrenzter Zwischenprodukte mit dem mehrschichtigen
Tablettenkörper;
- Gegebenenfalls Beschichten, Färben, Trocknen, Glätten, Polieren und/oder Härten des
mehrschichtigen Tablettenkörpers in einer Beschichtungsstation zu einer Mehrschichttablette;
- anschließender Transport der Mehrschichttabletten zu einer Entladestation;
- Entnehmen der Mehrschichttabletten aus der Fördereinheit;
- Gegebenenfalls Verpacken der Mehrschichttabletten in der Entladestation oder in einer
Verpackungsstation;
- Optional Durchlaufen einer Reinigungsstation zur Reinigung zumindest eines Abschnitts
der Fördereinheit;
- Optional Durchlaufen einer Trocknungsstation zum Trocknen zumindest eines Abschnitts
der Fördereinheit.
[0042] Im Rahmen der Erfindung ist es vorgesehen, dass auch nur eine Abfolge einzelner Teilschritte
des genannten Herstellungsverfahrens durchlaufen werden kann. Ebenso ist es denkbar,
das genannte Herstellungsverfahren in sämtlichen Teilschritten oder in einer Auswahl
einiger Teilschritte auch mehrfach zu durchlaufen, um mit derselben Vorrichtung beispielsweise
in einem ersten Verfahrensdurchlauf einen zweischichtigen bzw. zweilagigen Tablettenkörper
zu erhalten, um diesen Tablettenkörper anschließend in einem weiteren, zweiten (teilweisen)
Verfahrensdurchlauf zu einer vierschichtigen bzw. vierlagigen Mehrschichttablette
zu konfektionieren. Weiters können erforderlichenfalls auch ein Teilschritt oder mehrere
Teilschritte zum genannten Herstellungsverfahren hinzugefügt werden. So kann es vorteilhaft
sein, im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens Zwischenarbeitsschritte wie beispielsweise
ein Voraushärten des aufgebrachten Verbindungsmittels oder ein Reinigen von Abrieb
durchzuführen.
[0043] Weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden
Erläuterung von in den Zeichnungen schematisch dargestellten Ausführungsbeispielen.
In den Zeichnungen zeigen:
- Fig. 1 eine erste Ausführung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Herstellung von
Mehrschichttabletten in einer Draufsicht;
- Fig. 2 eine zweite Ausführung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung zur Herstellung
von Mehrschichttabletten in einer Draufsicht;
- Fig. 3 in einer isometrischen Ansicht von vorne eine erste Ausführung einer zylindrischen
Mehrschichttablette, welche mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. mittels eines
erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurde;
- Fig. 4 in einer isometrischen Ansicht von vorne eine zweite Ausführung einer bikonvexen
Mehrschichttablette, welche mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. mittels eines
erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurde.
[0044] In Fig. 1 wird in einer Draufsicht eine erfindungsgemäße Vorrichtung 10 mit einer
kurvenförmigen Bearbeitungsbahn 20 veranschaulicht. Die Vorrichtung 10 weist eine
Fördereinheit 50 mit mehreren Förderbehältern 51 auf und ist hier beispielhaft als
Rundtakttisch 52 ausgeführt. Die Förderbehälter 51 werden in einer Transportrichtung
55, welche hier mit einem Pfeil 55 gekennzeichnet ist, entlang der im Wesentlichen
kreisförmigen Bearbeitungsbahn 20 bewegt. Entlang der Bearbeitungsbahn 20 sind mehrere
Bearbeitungsstationen 100 seriell angeordnet, und eine Abfolge von mehreren, nacheinander
ablaufenden Prozessschritten zur Herstellung von Mehrschichttabletten lässt sich somit
an einzelnen, seriell angeordneten Bearbeitungsstationen 100 der Reihe nach abarbeiten.
Vorteilhaft sind dabei die Anzahl und/oder die Abfolge der Bearbeitungsstationen 100
modular variierbar.
[0045] Erforderlichenfalls sind bei einzelnen Bearbeitungsstationen 100 Überwachungseinrichtungen
57, beispielsweise Vorrichtungen zur automatischen Sichtkontrolle, angeordnet. Ebenso
können Überwachungseinrichtungen 57 zur Überwachung von Qualitätsparametern der laufenden
Produktion, insbesondere zur Überwachung von Durchfluss, Masse bzw. Gewicht, Dichte,
Temperatur und/oder Zusammensetzung im Rahmen der erfindungsgemäßen Vorrichtung 10
vorgesehen sein. Dazu können erforderlichenfalls auch externe Überwachungseinrichtungen,
Messgeräte, Analysengeräte, Sensoren etc. verwendet und mit den entsprechenden Bearbeitungsstationen
100 gekoppelt oder in diese integriert werden.
[0046] Ausgangsstoffe werden wahlweise entweder als pulverförmige Ausgangsstoffe bzw. als
Granulate 210, oder aber als geometrisch begrenzte Zwischenprodukte 220, beispielsweise
als bereits verpresste Pulver oder Pulvergemische, in Pfeilrichtung 70, wobei ein
Pfeil 70 eine Zufuhrrichtung symbolisiert, einer Beladestation 110 zugeführt. Weiters
werden die Ausgangsstoffe in Pfeilrichtung 75, welche eine Übergaberichtung 75 von
der Beladestation 110 an die Fördereinheit 50 angibt, an die Fördereinheit 50 bzw.
an einen oder an mehrere Förderbehälter 51 dieser Fördereinheit 50 übergeben.
[0047] Die Förderbehälter 51 werden von der Fördereinheit 50 in Transportrichtung 55 weiterbefördert
und gelangen zur nächsten Bearbeitungsstation 100, welche hier als Auftragestation
120 dient. In der Auftragestation 120 wird ein Verbindungsmittel 230 auf dem festen
Ausgangsstoff 210 oder dem beispielsweise bereits zu einem geometrisch begrenzten
Zwischenprodukt 220 verpressten Pulver aufgebracht. Ein Auftragen bzw. Aufbringen
des Verbindungsmittels 230 ist dabei als Pfeil 80 symbolisiert. Als Verfahren zum
Auftragen bzw. Aufbringen 80 des Verbindungsmittels 230 können beispielsweise Transferverfahren
zum Einsatz kommen. Ebenso kann je nach Anwendungsfall das Verbindungsmittel 230 durch
Sprühen, Auftropfen oder mittels eines Siebdruckverfahrens aufgebracht werden. Die
Auftragestation 120 ist hier in Fig. 1 mit einer Temperiereinrichtung 125 ausgestattet,
welche Temperiereinrichtung 125 zum Einstellen der Temperatur des Verbindungsmittels
230 dient. Dies ist insbesondere bei einem Verbindungsmittel 230 von Vorteil, das
beispielsweise eine bei Umgebungstemperatur hochviskose, dickflüssige Formulierung
aufweist und das in erwärmtem Zustand bei niedriger Viskosität wesentlich einfacher
und gleichmäßiger auf dem festen Ausgangsstoff aufgebracht werden kann. Gemeinsam
mit dem Verbindungsmittel 230, das hier im erwärmten Zustand bzw. mit niedriger Viskosität
auf den im Förderbehälter 51 befindlichen festen Ausgangsstoff 210 aufgesprüht wird,
wird zusätzlich auch ein Wirkstoff 240 auf den Ausgangsstoff 210 gesprüht, der im
Verbindungsmittel 230 enthalten ist bzw. diesem beigemengt wurde.
[0048] In weiterer Abfolge werden die Transportbehälter 51 in Transportrichtung 55 weiter
gefördert und durchlaufen anschließend eine Zwischenstation 130, in der hier beispielsweise
das aufgebrachte Verbindungsmittel 230 durch Einblasen von getrockneter Luft getrocknet
und somit vorgehärtet wird. Im Rahmen der Erfindung ist es weiters denkbar, dass mehrere
Zwischenstationen 130, 131, 132, 133, etc. seriell durchlaufen werden, die beispielsweise
zum Kühlen, Erwärmen, Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten der in den Förderbehältern
51 befindlichen Medien dienen. Diese weiteren Zwischenstationen sind in Fig. 1 nicht
explizit dargestellt.
[0049] In einer nachfolgenden Bearbeitungsstation 100, die hier als weitere bzw. als zweite
Beladestation 111 dient, erfolgt die Übergabe 75 eines zweiten festen Ausgangsstoffs
211 oder eines zweiten bereits zu einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt 220
gepressten Pulvers oder Granulats an die Fördereinheit 50 bzw. an die jeweiligen Förderbehälter
51. Die Zufuhr des zweiten festen Ausgangsstoffs 211 bzw. des zweiten bereits zu einem
geometrisch begrenzten Zwischenprodukt 220 geformten Pulvers oder Granulats ist mit
einem Pfeil 70 symbolisiert. Ebenso ist es denkbar, an dieser mit dem Pfeil 70 gekennzeichneten
Stelle einen weiteren Wirkstoff 241 der Vorrichtung 10 zuzuführen. Der weitere Wirkstoff
241 kann je nach Anwendungsfall bzw. abhängig von der Formulierung wahlweise als Additiv
dem zweiten festen Ausgangsstoff 211 bzw. dem zweiten bereits zu einem geometrisch
begrenzten Zwischenprodukt 220 gepressten Pulver oder Granulat zugegeben werden. Ebenso
kann der Wirkstoff 241 bereits als Komponente im Ausgangsstoff 211 bzw. im Zwischenprodukt
220 enthalten sein.
[0050] Weiter in Transportrichtung 55 befördert gelangt der Förderbehälter 51 anschließend
zu einer Verbundstation 140. In der Verbundstation 140 werden der zweite Ausgangsstoff
211 und/oder das zweite geometrisch begrenzte Zwischenprodukt 221 mit dem ersten Ausgangsstoff
210 und/oder dem ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukt 220 erforderlichenfalls
durch Zugabe eines weiteren Verbindungsmittels 231 miteinander verbunden.
[0051] Gegebenenfalls werden die miteinander verbundenen Ausgangsstoffe 210, 211 und/oder
verbundenen Zwischenprodukte 220, 221 in der Verbundstation 140 und/oder in einer
oder mehreren, weiteren Zwischenstationen 131, 132, 133, etc. durch Kühlen, Erwärmen,
Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten noch weiter behandelt und solcherart
zu einem mehrschichtigen Tablettenkörper 250 konfektioniert.
[0052] In einer nachfolgenden Beschichtungsstation 150 können die Tablettenkörper 250 erforderlichenfalls
noch beschichtet, gefärbt, getrocknet, geglättet, poliert und/oder gehärtet werden,
um somit eine fertige Mehrschichttablette 200 zu erhalten.
[0053] Anschließend erfolgt der Transport 55 der Mehrschichttabletten 200 zu einer Entladestation
160, wo die Mehrschichttabletten 200 aus der Fördereinheit 50 entnommen werden. Gegebenenfalls
werden die Mehrschichttabletten 200 in der Entladestation 160 oder in einer nachfolgenden
Verpackungsstation 170 verpackt.
[0054] Daran anschließend durchlaufen die leeren Förderbehälter 51 eine optionale Reinigung
in einer eigenen Reinigungsstation 180 sowie - ebenfalls optional - einen Trocknungsschritt
in einer Trocknungsstation 190, bevor die entsprechend von Verbindungsmittelresten
bzw. von anhaftendem Feststoff gereinigten Förderbehälter 51 für einen neuen Herstellungszyklus
zur Verfügung stehen.
[0055] Erforderlichenfalls können einer oder mehrere der vorgenannten Verfahrensschritte
innerhalb eines Herstellungszyklus auch mehrfach wiederholt bzw. die entsprechenden
Bearbeitungsstationen 100 dazu mehrfach durchlaufen werden. In Fig. 1 sind dazu die
Positionsnummern der betreffenden Bearbeitungsstationen jeweils aufsteigend in Klammer
gesetzt angeführt, wobei sich bei mehrfachem, wiederholtem Durchlauf die entsprechenden
Positionsnummern entsprechend erhöhen.
[0056] Beispielsweise ist es denkbar, zur Herstellung einer sogenannten Multi-Layer-Tablette
mit drei Schichten an jeweils festen Ausgangsstoffen die Förderbehälter 51 am Rundtakttisch
52 in Transportrichtung 55 mehr als eine ganze Umdrehung zu bewegen und somit zumindest
einzelne Bearbeitungsstationen 100 auch mehrfach zu durchlaufen. Beispielsweise wird
dazu bei der erfindungsgemäßen Vorrichtung 10 in einem ersten Durchlauf - wie zuvor
beschrieben - in der ersten Beladestation 110 ein pulverförmiger erster Ausgangsstoff
210 samt einem ersten Wirkstoff 240 in einen Förderbehälter 51 geladen. Dieser erste
Ausgangsstoff 210 samt dem ersten Wirkstoff 240 wird anschließend in einer Auftragestation
120 mit einem ersten Verbindungsmittel 230 beispielsweise besprüht und gelangt danach
weiter in eine erste Zwischenstation 130, in welcher die im entsprechenden Förderbehälter
51 befindlichen Stoffe gepresst und gekühlt werden, wobei ein erstes geometrisch begrenztes
Zwischenprodukt 220 - ein einlagiger Tablettenpressling umfassend den festen Ausgangsstoff
210, den Wirkstoff 240 sowie das Verbindungsmittel 230 - erhalten wird.
[0057] Anschließend gelangt das Zwischenprodukt 220 im entsprechenden Förderbehälter 51
zu einer zweiten Beladestation 110, in der beispielsweise ein bereits geometrisch
begrenztes Zwischenprodukt 221, welches ein kompaktiertes Granulat eines festen Ausgangsstoffs
221 sowie einen weiteren Wirkstoff 241 enthält, zum Zwischenprodukt 220 hinzugefügt
wird.
[0058] In der nachfolgenden Verbundstation 140 werden die beiden Zwischenprodukte 220 und
221 durch Zugabe eines Verbindungsmittels 231, welches beispielsweise auch einen Wirkstoff
140 enthält, miteinander verbunden. Anschließend wird der Rundtakttisch 52 in Transportrichtung
55 weiterbefördert, bis der betreffende Förderbehälter 51 erneut zur Position der
ursprünglichen ersten Beladestation 110 gelangt, die nunmehr als Beladestation 112
ein zweites Mal durchlaufen wird und in der ein weiterer fester Ausgangsstoff 212
bzw. ein weiteres geometrisch begrenztes Zwischenprodukt 222 beladen werden. In der
Auftragestation 120, die nunmehr als Auftragestation 121 ebenfalls ein zweites Mal
durchlaufen wird, wird ein weiteres Verbindungsmittel 232 auf den mittlerweile dreischichtigen
Tablettenkörper 251 aufgebracht. Daran anschließend durchläuft der betreffende Förderbehälter
51 mit dem darin befindlichen Tablettenkörper 251 gegebenenfalls noch weitere Zwischenstationen
132, 133, in denen der Tablettenkörper 251 beispielsweise gepresst und mittels UV-Lichtbestrahlung
gehärtet wird, bevor der Tablettenkörper 251 in der Beschichtungsstation 150 beschichtet
wird, wodurch eine fertige Mehrschichttablette 201 erhalten wird. Abschließend wird
die Mehrschichttablette 201 in Pfeilrichtung 85 von der Fördereinheit 50 an die Entladestation
160 übergeben und gelangt von der Entladestation 160 weiter an die Verpackungsstation
170, in der die Mehrschichttabletten 201 in entsprechenden Packungsgrößen verpackt
werden.
[0059] Wie vorhin beispielhaft angeführt, können mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung 10
besonders flexibel unterschiedliche Abfolgen von Bearbeitungsschritten zur Herstellung
von Mehrschichttabletten durchgeführt werden. Die Bearbeitungsstationen 100 können
dazu in ihrer Anordnung und Reihenfolge entlang der Bearbeitungsbahn 20 modular variiert
werden. Besonders beim Einsatz diverser Verbindungsmittel sind die Reinigungsstation
180 sowie die Trocknungsstation 190 besonders vorteilhaft zur Reinigung des Rundtakttisches
52 bzw. zur Reinigung der Förderbehälter 51.
[0060] Optionale Bearbeitungsstationen 100, beispielsweise eine oder mehrere Zwischenstationen
130 (bzw. 131, 132, 133, etc.), die Verpackungsstation 170 oder die Reinigungsstation
180 sowie Trocknungsstation 190 sind in Fig. 1 jeweils strichliert gezeichnet.
[0061] Anstelle zur Herstellung von Mehrschichttabletten, welche pulverförmige Ausgangsstoffe
mit pharmazeutischen Wirkstoffen beinhalten, kann die Vorrichtung 10 beispielsweise
auch zur Herstellung von löslichen Brausetabletten, von Nahrungsergänzungsmitteln
oder von Reinigungstabletten für Geschirrspüler, für Zahnprothesen, oder für vergleichbare
Anwendungen verwendet werden.
[0062] Fig. 2 zeigt eine zweite Ausführung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung 11 zur Herstellung
von Mehrschichttabletten in einer Draufsicht. Bei dieser Vorrichtung 11 sind die einzelnen
Bearbeitungsstationen 100 seriell entlang einer im Wesentlichen linearen Bearbeitungsbahn
21 angeordnet.
[0063] Die Vorrichtung 11 weist eine Fördereinheit 60 mit mehreren Förderbehältern 61 auf
und ist hier beispielhaft als Taktband 62 ausgeführt. Die Förderbehälter 61 werden
in einer Transportrichtung 65, welche hier mit einem Pfeil 65 gekennzeichnet ist,
entlang der im Wesentlichen linearen Bearbeitungsbahn 21 bewegt. Entlang der Bearbeitungsbahn
21 sind mehrere Bearbeitungsstationen 100 seriell angeordnet, und eine Abfolge von
mehreren, nacheinander ablaufenden Prozessschritten zur Herstellung von Mehrschichttabletten
lässt sich somit an einzelnen, seriell angeordneten Bearbeitungsstationen 100 der
Reihe nach abarbeiten. Vorteilhaft sind dabei die Anzahl und/oder die Abfolge der
Bearbeitungsstationen 100 modular variierbar. Wie in Fig. 1 schematisch dargestellt,
befinden sich die Bearbeitungsstationen 100 beispielsweise seitlich neben dem Taktband
62, weshalb die Ausgangsstoffe 210 (bzw. 211, 212, etc.) und/oder die Zwischenprodukte
220 (bzw. 221, 222, etc.) jeweils den betreffenden Bearbeitungsstationen 100 zugeführt
werden müssen. Die Zuordnung der einzelnen Bearbeitungsstationen 100 zur jeweiligen
Position der Förderbehälter 61 am Taktband 62 ist hier in Fig. 2 strichpunktiert angedeutet.
[0064] Ebenso ist es denkbar, bei der Vorrichtung 11 die Bearbeitungsstationen 100 derart
neben oder über dem Taktband 62 anzuordnen, dass im laufenden Betrieb die Förderbehälter
61 am Taktband 62 direkt durch die Bearbeitungsstationen 100 hindurch bewegt werden.
[0065] Die hier in Fig. 2 veranschaulichte Abfolge der Bearbeitungsstationen 100 ist beispielsweise:
- eine erste Beladestation 110 zum Beladen eines ersten festen Ausgangsstoffs 210 bzw.
eines ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts 220 gemeinsam mit einem ersten
Wirkstoff 240 in Übergaberichtung 75 an einen Förderbehälter 61; anschließend
- eine Auftragestation 120 zum Auftragen 80 eines ersten Verbindungsmittels 230; danach
- eine optionale Zwischenstation 130 (strichliert gezeichnet) zum Voraushärten des Verbindungsmittels
230 beispielsweise unter Einblasen von trockener Luft; weiters
- eine zweite Beladestation 111 zum Beladen eines weiteren festen Ausgangsstoffs 211
bzw. eines weiteren geometrisch begrenzten Zwischenprodukts 221 gemeinsam mit einem
weiteren Wirkstoff 241 in Übergaberichtung 75 an den entsprechenden Förderbehälter
61;
- eine Verbundstation 140 zum Pressen und Aushärten der Zwischenprodukte 220, 221 zu
einem mehrschichtigen Tablettenkörper 251; anschließend
- eine Beschichtungsstation 150 zum Beschichten und gegebenenfalls Färben des mehrschichtigen
Tablettenkörpers 251, wobei eine fertige Mehrschichttablette 201 erhalten wird; abschließend
- eine Entladestation 160, in welcher die Mehrschichttablette 201 der Fördereinheit
60 bzw. dem entsprechenden Förderbehälter 61 entnommen wird bzw. an die Entladestation
160 übergeben 85 wird; und
- eine optionale Verpackungsstation 170 (strichliert gezeichnet) zur Verpackung der
Mehrschichttabletten 201 in entsprechenden Packungsgrößen;
- zur Reinigung der leeren Förderbehälter 61 zwischen den einzelnen Herstellzyklen weiters
eine optionale Reinigungsstation 180 kombiniert mit einer optionalen Trocknungsstation
190 (strichliert gezeichnet).
[0066] Erforderlichenfalls sind auch hier bei einzelnen Bearbeitungsstationen 100 Überwachungseinrichtungen
57, beispielsweise Vorrichtungen zur automatischen Sichtkontrolle, angeordnet. Weitere
Bearbeitungsstationen 100 können auch hier bei der Vorrichtung 11 mit linearer Bearbeitungsbahn
21 besonders flexibel modular ergänzt werden. Ebenso kann die Abfolge der Bearbeitungsstationen
100 einfach verändert und variiert werden, um mit der Vorrichtung 11 die jeweiligen
individuellen Erfordernisse zur Herstellung von unterschiedlichen Mehrschichttabletten
erfüllen zu können.
[0067] Fig. 3 veranschaulicht in einer isometrischen Ansicht von vorne eine erste Ausführung
einer Mehrschichttablette 200, welche mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw.
mittels eines erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurde. Diese Mehrschichttablette
200 besteht aus drei Schichten an Tablettenpresslingen bzw. zu Zwischenprodukten 220,
221, 222 verbundenen pulverförmigen Ausgangsstoffen 210, 211, 212. Das Zwischenprodukt
220 umfasst neben dem pulverförmigen, festen Ausgangsstoff 210 weiters einen pharmazeutischen
Wirkstoff 240. Ebenso umfasst das Zwischenprodukt 221 neben dem pulverförmigen, festen
Ausgangsstoff 211 einen weiteren pharmazeutischen Wirkstoff 241. Auch das Zwischenprodukt
222 umfasst neben dem pulverförmigen, festen Ausgangsstoff 212 weiters einen dritten
pharmazeutischen Wirkstoff 242. Die geometrisch begrenzten Zwischenprodukte 220, 221
bzw. 222 weisen hier jeweils eine im Wesentlichen zylindrische Form auf. Zwischen
den Tablettenpresslingen bzw. zwischen den Zwischenprodukten 220, 221, 222 befinden
sich jeweils dünne Zwischenschichten eines Verbindungsmittels 230. Die hier gezeigte
Mehrschichttablette 200 wurde nach dem Auftragen von Verbindungsmittel 230 gepresst,
getrocknet und durch UV-Bestrahlung gehärtet.
[0068] Fig. 4 betrifft in einer isometrischen Ansicht von vorne eine zweite Ausführung einer
Mehrschichttablette 201, welche ebenfalls mit einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
bzw. mittels eines erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellt wurde. Diese Mehrschichttablette
201 besteht ebenfalls aus drei Schichten an Tablettenpresslingen bzw. zu Zwischenprodukten
220, 221, 223 verbundenen pulverförmigen Ausgangsstoffen 210, 211 sowie 213. Das Zwischenprodukt
220 umfasst neben dem pulverförmigen, festen Ausgangsstoff 210 weiters einen ersten
pharmazeutischen Wirkstoff 240. Ebenso umfasst das in der Mitte der Mehrschichttablette
201 angeordnete Zwischenprodukt 221 neben dem pulverförmigen, festen Ausgangsstoff
211 einen weiteren pharmazeutischen Wirkstoff 242. Das Zwischenprodukt 223 umfasst
außer dem pulverförmigen, festen Ausgangsstoff 213 weiters keinen zusätzlichen pharmazeutischen
Wirkstoff. Die Mehrschichttablette 201 weist hier eine im Wesentlichen bikonvexe Form
mit rundem Querschnitt auf und ist an ihrer Oberseite sowie an ihrer Unterseite jeweils
gewölbt.
[0069] Zwischen den Zwischenprodukten 220, 221 befindet sich eine dünne Zwischenschicht
eines ersten Verbindungsmittels 230. Zwischen den Zwischenprodukten 221, 223 befindet
sich eine dünne Zwischenschicht eines zweiten Verbindungsmittels 232, welches selbst
einen Wirkstoff 242 enthält. Die hier gezeigte Mehrschichttablette 201 wurde nach
dem Auftragen von Verbindungsmittel 230 bzw. 232 gepresst, getrocknet und durch UV-Bestrahlung
gehärtet. Weiters sind eine mögliche Beschichtung bzw. ein Bedrucken und/oder Färben
der Mehrschichttablette 201 hier nicht explizit dargestellt.
[0070] Im Rahmen der Erfindung können auch geometrisch begrenzte Zwischenprodukte 220, 221,
222, 223 mit gleichen oder unterschiedlichen Formen bzw. Konturen miteinander kombiniert
werden, um weitere Mehrschichttabletten-Strukturen zu bilden. Die erfindungsgemäßen
Ausführungsformen an Mehrschichttabletten können alle Arten von Tabletten in jeder
gewünschten Form bzw. Kontur umfassen. Somit können Mehrschichttabletten, welche mit
dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt sind, beispielsweise eine kreisförmige,
ovale oder polygonale Draufsicht aufweisen und/oder können abgerundete oder scharfe
Kanten haben.
[0071] Ebenso können Mehrschichttabletten, welche mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt
sind, Trennstellen bzw. Trennflächen zwischen angrenzenden Tablettenschichten aufweisen,
welche in komplementär zusammenpassenden Eingriffsstrukturen ausgeführt werden, um
einen Formschluss zu erzielen. Zum Beispiel können einzelne oder sämtliche Schichten
bzw. geometrisch begrenzten Zwischenprodukte einer Mehrschichttablette durch eine
oder mehrere Verzahnungen in Stufenform, Zackenform, Schwalbenschwanzform und/oder
Wellenform formschlüssig miteinander verbunden sein. Vorteilhaft wird somit eine Mehrschichttablette
hergestellt, bei welcher ein unerwünschtes Auftrennen ("Deckeln") von aneinander angrenzenden
Schichten zuverlässig verhindert wird.
Liste der Positionszeichen:
[0072]
- 10
- Vorrichtung (bzw. 11)
- 20
- kurvenförmige Bearbeitungsbahn
- 21
- lineare Bearbeitungsbahn
- 50
- Fördereinheit (bzw. 60)
- 51
- Förderbehälter (bzw. 61)
- 55
- Transportrichtung (Pfeil) (bzw. 65)
- 52
- Rundtakttisch
- 57
- Überwachungseinrichtung (zur Sichtkontrolle)
- 62
- Taktband
- 70
- Zufuhr zur Beladestation (Pfeil)
- 75
- Übergabe von der Beladestation an die Fördereinheit (Pfeil)
- 80
- Auftragen bzw. Aufbringen eines Verbindungsmittels (Pfeil)
- 85
- Übergabe aus der Fördereinheit an die Entladestation (Pfeil)
- 100
- Bearbeitungsstation
- 110
- Beladestation (bzw. 111, 112, 113, ...)
- 120
- Auftragestation (bzw. 121, 122, 123, ...)
- 125
- Temperiereinrichtung
- 130
- Zwischenstation (bzw. 131, 132, 133, ...)
- 140
- Verbundstation (bzw. 141, 142, 143, ...)
- 150
- Beschichtungsstation (bzw. 151, 152, 153, ...)
- 160
- Entladestation (bzw. 161, 162, 163, ...)
- 170
- Verpackungsstation
- 180
- Reinigungsstation
- 190
- Trocknungsstation
- 200
- Mehrschichttablette (bzw. 201)
- 210
- fester Ausgangsstoff (bzw. 211, 212, 213)
- 220
- geometrisch begrenztes Zwischenprodukt (bzw. 221, 222, 223)
- 230
- Verbindungsmittel (bzw. 231, 232, 233)
- 240
- Wirkstoff (bzw. 241, 242, 243)
- 250
- mehrschichtiger Tablettenkörper (bzw. 251)
1. Vorrichtung (10, 11) zur Herstellung von Mehrschichttabletten (200, 201) aus festen
Ausgangsstoffen (210, 211, 212, 213), insbesondere aus Pulvern, Granulaten und/oder
aus geometrisch begrenzten Zwischenprodukten (220, 221, 222, 223), umfassend mehrere
Bearbeitungsstationen (100) sowie eine Fördereinheit (50, 60) mit mehreren Förderbehältern
(51, 61), dadurch gekennzeichnet, dass die einzelnen Bearbeitungsstationen (100) in ihrer Anordnung modular variierbar sind.
2. Vorrichtung (11) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bearbeitungsstationen (100) seriell entlang einer im Wesentlichen linearen Bearbeitungsbahn
(21) angeordnet sind.
3. Vorrichtung (10) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Bearbeitungsstationen (100) seriell entlang einer kurvenförmigen Bearbeitungsbahn
(20), vorzugsweise entlang einer geschlossenen kurvenförmigen Bearbeitungsbahn, angeordnet
sind.
4. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Bearbeitungsstationen (100) in einer Ebene, vorzugsweise in einer im Wesentlichen
horizontalen Ebene, angeordnet sind.
5. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zur Herstellung von Mehrschichttabletten (200, 201) zumindest eine der Bearbeitungsstationen
(100) mehrfach durchlaufbar ist.
6. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass in einer Bearbeitungsstation (100) gleichzeitig mehrere feste
Ausgangsstoffe (210, 211, 212, 213) und/oder mehrere geometrisch begrenzte Zwischenprodukte
(220, 221, 222, 223) bearbeitbar sind.
7. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass von der Fördereinheit (50, 60) in einem Herstellungszyklus die festen Ausgangsstoffe
(210, 211, 212, 213) und/oder die geometrisch begrenzten Zwischenprodukte (220, 221,
222, 223) jeweils von einer vorhergehenden Bearbeitungsstation (100) an eine in Transportrichtung
(55, 65) nachfolgende Bearbeitungsstation (100) übergebbar sind.
8. Vorrichtung (10, 11) nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die festen Ausgangsstoffe (210, 211, 212, 213) und/oder die geometrisch begrenzten
Zwischenprodukte (220, 221, 222, 223) zumindest zwischen zwei benachbarten Bearbeitungsstationen
(100) innerhalb ihres jeweiligen Förderbehälters (51, 61) verbleiben.
9. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Auftragestation (120, 121, 122, 123) für das Aufbringen zumindest
eines Verbindungsmittels (230, 231, 232, 233) auf einem festen Ausgangsstoff (210,
221, 212, 213) und/oder einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt (220, 221, 222,
223) vorgesehen ist.
10. Vorrichtung (10, 11) nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass das zumindest eine Verbindungsmittel (230, 231, 232, 233) eine bei Umgebungstemperatur
flüssige oder feste Formulierung aufweist.
11. Vorrichtung (10, 11) nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Auftragestation (120, 121, 122, 123) eine Temperiereinrichtung (125) zum Einstellen
einer Temperatur des Verbindungsmittels (230, 231, 232, 233) umfasst.
12. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das Verbindungsmittel (230, 231, 232, 233) zumindest einen Wirkstoff (240, 241, 242,
243), vorzugsweise einen pharmazeutischen Wirkstoff, enthält.
13. Vorrichtung (10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Reinigungsstation (180) vorgesehen ist.
14. Mehrschichttablette (200, 201), hergestellt mit einer Vorrichtung (10, 11) nach einem
der Ansprüche 1 bis 13, gekennzeichnet durch zumindest ein Verbindungsmittel (230, 231, 232, 233), das auf einem festen Ausgangsstoff
(210, 211, 212, 213) und/oder einem geometrisch begrenzten Zwischenprodukt (220, 221,
222, 223) aufgebracht ist.
15. Verfahren zur Herstellung von Mehrschichttabletten (200, 201) mit einer Vorrichtung
(10, 11) nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
gekennzeichnet durch die folgenden Herstellungsschritte:
- Zuführen (70) eines ersten festen Ausgangsstoffs (210) und/oder eines ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (220) an eine erste Beladestation (110);
- Übergeben (75) des ersten festen Ausgangsstoffs (210) und/oder des ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (220) von der ersten Beladestation (110) an eine Fördereinheit
(50, 60);
- Gegebenenfalls Überwachen (57) der Zufuhr (70) und/oder der Übergabe (75) des ersten
Ausgangsstoffs (210) und/oder des ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts (220)
an die erste Beladestation (110) und/oder an die Fördereinheit (50, 60);
- Transport (55, 65) des ersten Ausgangsstoffs (210) und/oder des ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (220) an eine erste Auftragestation (120);
- Aufbringen (80) zumindest eines Verbindungsmittels (230) auf dem ersten Ausgangsstoff
(210) und/oder dem ersten geometrisch begrenzten Zwischenprodukt (220) in der ersten
Auftragestation (120);
- Gegebenenfalls Durchlaufen einer oder mehrerer Zwischenstationen (130, 131, 132,
133) zum Kühlen, Erwärmen, Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten;
- Zuführen (70) eines zweiten festen Ausgangsstoffs (211) und/oder eines zweiten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (221) an eine zweite Beladestation (111);
- Übergeben (75) des zweiten festen Ausgangsstoffs (211) und/oder des zweiten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (221) von der zweiten Beladestation (111) an die Fördereinheit
(50, 60) bzw. an einen mit dem ersten Ausgangsstoff (210) und/oder dem ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukt (220) beladenen Förderbehälter (51, 61);
- Gegebenenfalls Überwachen (57) der Zufuhr (70) und/oder Übergabe (75) des zweiten
Ausgangsstoffs (211) und/oder des zweiten geometrisch begrenzten Zwischenprodukts
(221) an die zweite Beladestation (111) und/oder die Fördereinheit (50, 60);
- Transport (55, 65) des ersten Ausgangsstoffs (210) und/oder des ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukts (220) an eine Verbundstation (140);
- Verbinden des zweiten Ausgangsstoffs (211) und/oder des zweiten geometrisch begrenzten
Zwischenprodukts (221) mit dem ersten Ausgangsstoff (210) und/oder dem ersten geometrisch
begrenzten Zwischenprodukt (220) in der Verbundstation (140) erforderlichenfalls durch Zugabe eines weiteren Verbindungsmittels (231, 232);
- Gegebenenfalls weiteres Behandeln der verbundenen Ausgangsstoffe (210, 211) und/oder
der verbundenen Zwischenprodukte (220, 221) in der Verbundstation (140) oder in einer
oder mehreren Zwischenstationen (130, 131, 132) durch Kühlen, Erwärmen, Pressen, Trocknen, Bestrahlen und/oder Härten zu einem mehrschichtigen
Tablettenkörper (250, 251);
- Gegebenenfalls neuerliches Durchführen oder Wiederholen eines oder mehrerer vorgenannter
Verfahrensschritte zur Verbindung eines oder mehrerer weiterer Ausgangsstoffe (212,
213) und/oder eines oder mehrerer weiterer geometrisch begrenzter Zwischenprodukte
(222, 223) mit dem mehrschichtigen Tablettenkörper (250, 251);
- Gegebenenfalls Beschichten, Färben, Trocknen, Glätten, Polieren und/oder Härten
des mehrschichtigen Tablettenkörpers (250, 251) in einer Beschichtungsstation (150)
zu einer Mehrschichttablette (200, 201);
- anschließender Transport (55, 65) der Mehrschichttabletten (200, 201) zu einer Entladestation
(160);
- Entnehmen der Mehrschichttabletten (200, 201) aus der Fördereinheit (50, 60);
- Gegebenenfalls Verpacken der Mehrschichttabletten (200, 201) in der Entladestation
(160) oder in einer Verpackungsstation (170);
- Optional Durchlaufen einer Reinigungsstation (180) zur Reinigung zumindest eines
Abschnitts der Fördereinheit (50, 60);
- Optional Durchlaufen einer Trocknungsstation (190) zum Trocknen zumindest eines
Abschnitts der Fördereinheit (50, 60).