[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Papier, insbesondere für die Zubereitung von
Lebensmitteln durch Erhitzen, umfassend einen Anteil an Zellulosefasern und einen
Anteil an thermoplastischen, für den Lebensmittelkontakt geeigneten Synthesestapelfasern,
sowie einen Beutel, einen Formkörper und eine Verwendung des Papiers.
[0002] Die
DE 203 06 078 offenbart ein Filtermaterial, das auf einem Langfaserpapier basiert, und eine Mischung
aus Fasern aus Zellulose und Polymerfasern umfasst. Als Polymerfasern wird insbesondere
Polypropylen eingesetzt. Ein solches Filtermaterial ist meist nur bis zu Temperaturen
von ca. 100° C bis 150° C beständig, da die Polymerfasern bei höheren Temperaturen
schmelzen würden. Daher kann das Filtermaterial für Aufgussgetränke eingesetzt werden,
ein Einsatz bei höheren Temperaturen ist allerdings nicht vorgesehen.
[0003] Zudem ist aus der
EP 2 044 842 eine Backunterlage bekannt, die beispielsweise aus Backpapier besteht. Solche Backpapiere
können auch mit einer Silikonbeschichtung versehen sein, damit sie an Lebensmitteln
nicht anhaften. Der Einsatz von Backpapieren zur Zubereitung von Lebensmitteln ist
bekannt und besitzt allerdings den Nachteil, dass diese nur in Blattform vorliegen,
auch wenn über Prägungen eine gewisse Profilierung erhalten werden kann. Solche Backpapiere
werden daher nur als Unterlage oder Einlage eingesetzt.
[0004] Zur Aufbewahrung von Lebensmitteln sind auch Folienbeutel bekannt (
DE 20 2009 002 030), die auch aus einem Laminat aus einer Kunststofffolie und Papier bestehen können
(
EP 2 676 898). Der Einsatz von Kunststofffolie ist für den Lebensmittelbereich wegen der typischen
Kunststoffanmutung wenig beliebt, gerade wenn eine Zubereitung im Backofen erfolgen
soll. Dann bestehen Bedenken, dass der Kunststoffanteil der Verpackung das Lebensmittel
kontaminiert, selbst wenn dieser auch bei Temperaturen von mehr als 200°C hitzebeständig
ist.
[0005] Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, ein Papier zu schaffen, das für
die Zubereitung von Lebensmitteln durch Erhitzen geeignet ist und die oben genannten
Nachteile vermeidet.
[0006] Diese Aufgabe wird mit einem Papier mit den Merkmalen des Anspruches 1 gelöst.
[0007] Erfindungsgemäß wird ein Papier für die Zubereitung von Lebensmitteln durch Erhitzen
bereitgestellt, das einen Anteil an Zellulosefasern und einen Anteil an thermoplastischen,
für den Lebensmittelkontakt geeigneten Synthesestapelfasern umfasst, wobei die Synthesefasern
aus einem Material bestehen, dessen Schmelzpunkt mindestens 200°C beträgt. Dadurch
kann das Papier die vorteilhaften Eigenschaften von Zellulosefasern mit thermoplastischen
Synthesestapelfasern vereinigen, insbesondere kann aufgrund des Anteils der thermoplastischen
Synthesefasern das Papier geformt, geschweißt und/oder gesiegelt werden. Zudem kann
das Papier zur Zubereitung von Lebensmitteln im Backofen eingesetzt werden, da die
Synthesefasern entsprechend einen hohen Schmelzpunkt von mindestens 200°C, insbesondere
mindestens 220°C, besitzen.
[0008] Ein Papier im Sinne der vorliegenden Anmeldung kann aus einer Mischung von Zellulosefasern
und thermoplastischen Synthesestapelfasern bestehen, wobei der Begriff "Papier" auch
dann verwendet wird, wenn nach der Definition der EDANA aufgrund des Anteils der thermoplastischen
Synthesestapelfasern ein Vliesstoff vorliegt. Für die vorliegende Anmeldung ist eine
Differenzierung zwischen Papier und Vliesstoff nicht notwendig, so dass ein Papier
auch dann vorliegt, wenn nur ein kleiner Anteil an Zellulosefasern vorgesehen ist.
[0009] Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung ist das Papier thermoplastisch siegel- und/oder
schweißbar. Dadurch kann das Papier auf einfache Weise weiterverarbeitet werden, beispielsweise
zur Herstellung von Beuteln oder anderen Gegenständen. An den Verbindungsstellen kann
dann das Papier aufeinandergelegt und gesiegelt oder geschweißt werden.
[0010] Vorzugsweise ist der Anteil an Zellulosefasern größer als 30 Gew.-% bezogen auf das
Gesamtgewicht, insbesondere grö0er als 50 %. Der Anteil an Synthesefasern kann größer
als 15 Gew.-%, insbesondere größer als 25 Gew.-%, bezogen auf das Gesamtgewicht des
Papiers sein. Zudem ist es möglich, dass das Papier im Wesentlichen nur aus Zellulosefasern
und Synthesefasern besteht. Das Papier kann dabei vorzugsweise nassgelegt hergestellt
werden.
[0011] Die Reißdehnung des erfindungsgemäßen Papiers beträgt nach DIN EN ISO 527 mehr als
1 %, insbesondere mehr als 1,5 %. Dadurch wird eine sichere Verpackung von Lebensmitteln
gewährleistet.
[0012] Die Zellulosefasern können für die Papierherstellung auch besonders fein gemahlen
werden, beispielsweise mit einer Länge von kleiner 1 mm, so dass aufgrund der Auswahl
des Mahlgrades das hergestellte Papier transluzent ist.
[0013] Als Synthesefasern können Kunststoffe mit einem hohen Schmelzpunkt von über 200°
C, insbesondere mehr als 220 oder 240°C, eingesetzt werden, wobei die Synthesefasern
aus Materialien aus der Gruppe PTE (Polytetraflourethylen), PET (Polyethylenterephthalat),
PSU (Polysulfon), PEEK (Polyetheretherketon) PA6 (Polyamid 6), PA66 (Polyamid 66)
oder Mischungen daraus hergestellt sind.
[0014] Das Flächengewicht des Papiers beträgt vorzugsweise zwischen 35 bis 150 g/m
2, insbesondere 50 bis 120 g/m
2.
[0015] Vorzugsweise weist das Papier eine Siegelnaht auf, wobei die Siegelnahtfestigkeit
nach DIN 55529 mehr als 4 N, insbesondere mehr als 5 N, beträgt.
[0016] Mit dem erfindungsgemäßen Papier kann insbesondere ein Beutel zur Aufbewahrung oder
Zubereitung von Lebensmitteln bereitgestellt werden. Alternativ kann ein Formkörper
durch das Papier hergestellt werden, beispielsweise durch ein Präge- oder Ziehverfahren,
beispielsweise um eine Backform herzustellen.
[0017] Das erfindungsgemäße Papier kann insbesondere zur Zubereitung von Lebensmitteln,
insbesondere durch Erhitzen, eingesetzt werden.
[0018] Die Erfindung wird nachfolgend anhand mehrerer Ausführungsbeispiele mit Bezug auf
die beigefügten Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Ansicht eines aus einem Papier hergestellten Beutels;
- Figur 2
- eine Ansicht einer modifizierten Ausgestaltung eines Beutels;
- Figur 3
- eine Ansicht mehrerer zusammenhängender Beutel gemäß einem weiteren Ausführungsbeispiel,
und
- Figuren 4A und 4B
- zwei Ansichten eines Verfahrens zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Formkörpers.
[0019] In Figur 1 ist ein Beutel 1 oder ein Behälter gezeigt, der aus einem Beutelkörper
aus zwei übereinander angeordneten Lagen gebildet ist, die an gegenüberliegenden Längsseiten
durch eine streifenförmige Siegelschicht 5 miteinander verbunden sind. An einer Stirnkante
ist eine Bodenfalte 4 vorgesehen, die die beiden Lagen miteinander verbindet. An der
zur Bodenfalte 4 gegenüberliegenden Seite ist eine Beutelöffnung 3 zum Befüllen des
Beutels 1 ausgebildet.
[0020] Bei dem in Figur 2 gezeigten Beutel 1' ist statt der Bodenfalte 4 eine weitere Siegelrandschicht
4' im Bodenbereich vorgesehen, so dass die beiden Lagen an drei Seiten über streifenförmige
Siegelrandschichten 4' und 5 aneinander festgelegt sind.
[0021] In Figur 3 sind mehrere aneinanderhängende Beutel 1" gezeigt, die jeweils aus einem
Beutelkörper 2 gebildet sind, der über Siegelschichten 5 an den Längsseiten und einen
Siegelrand 4" im Bodenbereich zwei Lagen miteinander verbindet, die an einer Beutelöffnung
3 offen ausgestaltet sind. Zwei benachbarte Beutelkörper 2 sind im Bereich einer längsseitigen
Siegelschicht 5 über eine Perforation aneinander gehalten und können durch Auftrennen
der Perforation 6 gelöst werden. Dadurch lassen sich die Beutel 1" auf eine Rolle
zusammenhängend aufwickeln und dann vom Benutzer abreißen.
[0022] Die Beutel 1,1' und 1" bestehen aus Papier, das einen Anteil an Zellulosefasern und
einen Anteil an thermoplastischen, für den Lebensmittelkontakt geeigneten Synthesefasern
enthält, wobei diese Synthesefasern aus einem Material bestehen, dessen Schmelzpunkt
mindestens 200° C beträgt. Als Zellulosefasern können insbesondere Pflanzenfasern,
Holz, Zellstoff oder andere zellulosehaltige Stoffe eingesetzt werden.
[0023] Die Synthesefasern sind vorzugsweise Synthesestapelfasern mit einer Länge zwischen
1 mm und 20 mm, vorzugsweise 4 mm bis 8 cm. Bei Bedarf können die Synthesefasern auch
kleiner 1 mm gemahlen werden. Das Material der Synthesefasern ist aus der Gruppe PTFE,
PET, PSU, PEEK, PA6 und/oder PA66 ausgewählt, wobei die Synthesefasern mit den Zellulosefasern
gemischt werden, um kontinuierliche Materialeigenschaften zu gewährleisten. Das erfindungsgemäße
Papier ist durch den Anteil an thermoplastischen Synthesestapelfasern siegel- oder
schweißbar, so dass die Siegelschicht 5 ohne Klebemittel auskommt.
[0024] Die Zellulosefasern und synthetischen Stapelfasern können im Wesentlichen die gleiche
Dicke und Länge aufweisen, beispielsweise in einem Toleranzbereich von +/- 20 %. Die
Synthesefasern weisen dabei vorzugsweise eine Temperaturbeständigkeit von -20° C bis
über 200° C auf, so dass im gesamten Bereich eine Aufbewahrung oder Zubereitung von
Lebensmitteln möglich ist.
[0025] Das Papier weist ein Flächengewicht zwischen 35 bis 150 g/m
2 auf und kann bei Bedarf unbeschichtet oder ein- oder beidseitig beschichtet werden,
beispielsweise mit Silikon.
[0026] Die Reißdehnung des Papiers ist nach DIN EN ISO 527 größer 1,5 % und die Reißfestigkeit
des Papiers größer als 15 N/mm
2.
[0027] Die streifenförmige Siegelschicht 5 kann eine Siegelnahtfestigkeit von größer 5 N
aufweisen.
[0028] In den Figuren 4A und 4B ist ein modifiziertes Ausführungsbeispiel für die Verwendung
des erfindungsgemäßen Papiers gezeigt. Ein blattförmiges Papier 10 wird in eine Pressvorrichtung
mit einer Matrize 11 und einer Patrize 12 eingefügt und dann durch Druck, gegebenenfalls
unter Zuführung von Wärme, umgeformt. Aus dem Blatt 10 wird dann ein Formkörper 10'
hergestellt, der in Figur 4B schalenförmig ausgebildet ist und eine Höhe von beispielsweise
mehr 2 cm aufweist. Ein solcher dreidimensionaler Formkörper kann zur Aufbewahrung
oder Zubereitung von Lebensmitteln, beispielsweise im Backofen, eingesetzt werden.
[0029] Der Formkörper 10' kann dabei als Backform eingesetzt werden und für die Zubereitung
der Lebensmittel direkt befüllt werden.
Bezugszeichenliste
[0030]
- 1,1',1"
- Beutel
- 2
- Beutelkörper
- 3
- Beutelöffnung
- 4
- Bodenfalte
- 4'
- Siegelrandschicht
- 4"
- Siegelrand
- 5
- Siegelschicht
- 6
- Perforation
- 10
- Papier
- 10'
- Formkörper
- 11
- Matrize
- 12
- Patrize
1. Papier, insbesondere für die Zubereitung von Lebensmitteln durch Erhitzen, umfassend:
a) einen Anteil an Zellulosefasern, und
b) einen Anteil an thermoplastischen, für den Lebensmittelkontakt geeigneten Synthesestapelfasern,
dadurch gekennzeichnet, dass die Synthesefasern aus einem Material bestehen, dessen Schmelzpunkt mindestens 200°
C beträgt.
2. Papier nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier thermoplastisch siegel- und/oder schweißbar ist.
3. Papier nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Zellulosefasern großer als 30 Gew.-%, insbesondere größer als 50 Gew.-%,
ist.
4. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Synthesefasern grö0er als 15 Gew.-%, insbesondere größer als 25 Gew.-%,
ist.
5. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier ausschließlich aus Zellulosefasern und Synthesefasern besteht.
6. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Reißdehnung des Papiers nach DIN EN ISO 527 größer als 1 %, insbesondere größer
als 1,5 %, ist.
7. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Synthesefasern aus einem oder mehreren der Materialien aus der Gruppe: PTFE,
PET, PSU, PEEK, PA6, PA66 oder Mischungen daraus hergestellt sind.
8. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier ein Flächengewicht zwischen 35 bis 150 g/m2, insbesondere 50 bis 120 g/m2, aufweist.
9. Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Papier eine Siegelnaht aufweist und die Siegelnahtfestigkeit nach DIN 55529 mehr
als 5 N beträgt.
10. Beutel (1, 1', 1") zur Aufnahme von Lebensmitteln, dadurch gekennzeichnet, dass der Beutel aus einem Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche hergestellt ist.
11. Formkörper (10') mit einer dreidimensionalen Form, dadurch gekennzeichnet, dass der Formkörper (10') aus einem Papier nach einem der vorhergehenden Ansprüche, hergestellt
ist.
12. Formkörper nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Formkörper (10') als Backform ausgebildet ist.
13. Verwendung des Papiers nach einem der Ansprüche 1 bis 9 zur Zubereitung von Lebensmitteln.