[0001] Die Erfindung betrifft eine Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung, also eine
Röntgenvorrichtung für eine Phasenkontrastbildgebung. Die Erfindung bezieht sich des
Weiteren auf ein Brechungsgitter für eine solche. Die Röntgenvorrichtung und das Brechungsgitter
sind dabei insbesondere für eine Phasenkontrastbildgebung im Medizinbereich vorgesehen.
[0002] Die Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung im Allgemeinen, und Röntgenstrahlung
im Speziellen, mit einem Medium wird üblicherweise durch Angabe eines komplexen Brechungsindex
beschrieben. Realteil und Imaginärteil des Brechungsindexes sind dabei jeweils abhängig
von der materiellen Zusammensetzung des Mediums, dem der komplexe Brechungsindex zugeordnet
ist. Während der Imaginärteil die Absorption der elektromagnetischen Strahlung in
dem Medium wiedergibt, beschreibt der Realteil des Brechungsindex die materialabhängige
Phasengeschwindigkeit, und damit die Brechung der elektromagnetischen Strahlung.
[0003] Derzeit eingesetzte Röntgenbildgebungsvorrichtungen detektieren meist ausschließlich
die materialabhängige Strahlungsabsorption in einem zu untersuchenden Objekt, wobei
die Intensität der durch das Objekt transmitierten Röntgenstrahlung ortsaufgelöst
aufgezeichnet wird.
[0004] Weniger verbreitet ist derzeit noch die Ausnutzung der von dem Objekt verursachten
Brechung und der damit einhergehenden materialabhängigen Phasenverschiebung zum Zweck
der Bildgebung. Entsprechende Verfahren und Vorrichtungen werden entwickelt.
[0006] Bei einem herkömmlichen Talbot-Lau-Interferometer sind entlang einer optischen Achse
eine Röntgenstrahlungsquelle, ein Kohärenzgitter G
0, ein Phasengitter (oder Beugungsgitter) G
1, ein Analysegitter (oder Absorptionsgitter) G
2 und ein aus einer Vielzahl von Pixeln aufgebauter Röntgendetektor angeordnet. Das
Kohärenzgitter G
0 dient dabei zur Sicherstellung einer ausreichenden räumlichen Kohärenz der Röntgenstrahlungsquelle.
Dementsprechend kann das Kohärenzgitter G
0 im Falle einer annähernd punktförmigen Röntgenstrahlungsquelle entfallen. Mit Hilfe
des Phasengitters G
1, welches typischerweise eine gleichmäßige gestreifte Struktur aufweist, wird ein
Interferenzmuster erzeugt, dessen Intensitätsverteilung mittels des Röntgendetektors
detektiert wird.
[0007] Die Periode dieses Interferenzmusters ist dabei typischerweise deutlich kleiner als
die Größe der Pixel des Röntgendetektors, so dass eine direkte Erfassung des Interferenzmusters
mit dem Röntgendetektor nicht möglich ist. Um dennoch das Interferenzmuster vermessen
zu können, ist dem Röntgendetektor daher üblicherweise das Analysegitter (oder Absorptionsgitter)
G
2 vorgeschaltet, mit dessen Hilfe das Interferenzmuster durch eine räumlich-periodische
Ausblendung von Röntgenstrahlung abgetastet werden kann. Hierzu wird das Analysegitter
G
2 in einer Ebene senkrecht zur optischen Achse und der Struktur des Interferenzmusters
verschoben. Alternativ zu dem Analysegitter G
2 können auch das Kohärenzgitters G
0 oder das Phasengitter G
1 verschoben werden.
[0008] Für die Phasenkontrastbildgebung wird das zu untersuchendes Objekt zwischen der Röntgenstrahlungsquelle
(und dem gegebenenfalls vorhandenen Kohärenzgitter) einerseits und dem Phasengitter
G
1 andererseits positioniert. Alternativ hierzu kann das Objekt auch zwischen dem Phasengitter
G
1 und dem Analysegitter G
2 positioniert werden. In beiden Fällen verursacht das Objekt eine ortsabhängig variierende
Phasenverschiebung der Röntgenstrahlung, die das durch das Phasengitter G
1 erzeugte Interferenzmuster messbar verändert. Das veränderte Interferenzmuster wird
auf die oben beschriebene Weise mittels des Röntgendetektors detektiert. Aus der gemessenen
Intensitätsverteilung des Interferenzmusters wird dann auf die ortsabhängige Phasenverschiebung
zurückgerechnet.
[0009] Die Bildinformation wird entweder unmittelbar aus der Phase gewonnen. Alternativ
kann die Bildinformation auch aus der Dichte (d.h. der integrierten Phase) oder der
Winkelstreuung (Dunkelfeld) ermitteln werden. Ferner wird mitunter das Phasenkontrastbild
mit dem gleichzeitig gewonnenen Absorptionskontrastbild verrechnet, um das Bildrauschen
zu reduzieren.
[0010] Der gewünschte Vorteil der Phasenkontrast-Röntgenbildgebung besteht darin, dass sich
Strukturen im Weichteilgewebe (insbesondere Gewebe, Wasser und Körperfette) im Phasenkontrast
in der Regel stärker voneinander abheben als im Absorptionskontrast.
[0011] Allerdings verursachen Talbot-Lau-Interferometer aufgrund der nötigen Gitter - je
nach Absorptionsverhalten des eingesetzten Analysegitters - entweder einen starken
Intensitätsverlust (und bedingen somit eine hohe Röntgendosis) oder eine schlechte
Sichtbarkeit des Interferenzmusters (und somit einen schlechten Wirkungsgrad der Phasenkontrastmessung).
[0012] Aus
US 2011/0051889 A1 und
US 2012/0201349 A1 ist jeweils ein Brechungsgitter für eine Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung
nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt. Die bekannten Brechungsgitter weisen
jeweils eine im Wesentlichen quer zu einer Strahlungseinfallrichtung auszurichtende
Transversalfläche auf, die durch eine x-Achse und eine hierzu senkrechte y-Achse aufgespannt
ist. Die bekannten Brechungsgitter weisen weiterhin jeweils eine Vielzahl von Brechungsstegen
aus einem optisch vergleichsweise dünnen Basismaterial auf, die alternierend mit optisch
dichteren Zwischenräumen angeordnet sind.
[0013] Aus
EP 1 117 010 A2 ist ferner ein Beugungsgitter für Licht bekannt, das in einem Kalibrationssystem
zur Messung einer lateralen Verschiebung eines Referenzpunktes bei einem lithographischen
Projektionsapparat eingesetzt ist. Die verschiedenen Beugungsordnungen des durch das
Beugungsgitter transmittierten Lichts besitzen beim Verlassen des Beugungsgitters
verschiedene Winkelpositionen, die durch die Gitterformel bestimmt werden. Ein nachgeschaltetes
Linsensystem richtet die verschiedenen Strahlen parallel aus und wandelt ihre jeweiligen
Winkel in verschiedene Positionen in einer Ebene um, so dass die verschiedenen Ordnungen
in dieser Ebene voneinander getrennt werden. Eine Ordnungsblende ist in dieser Ebene
angeordnet. In zumindest einigen Öffnungsblenden der Ordnung umfasst die Ordnungsblende
nicht nur einfach blockierende, ausgewählte Ordnungen, sondern Keile, um den jeweiligen
Ordnungsstrahlen eine festgelegte Ablenkung zu verleihen. Die Ordnungsstrahlen werden
dann auf feststehende Bezugsgitter fokussiert, hinter denen sich jeweils Photodetektoren
befinden. Die Keile sind so angeordnet, dass die entsprechenden geraden und ungeraden
Ordnungen an derselben Ordnung der feststehenden Bezugsgitter zusammenkommen.
[0014] Der Erfindung die Aufgabe zugrunde, die Phasenkontrast-Röntgenbildgebung zu verbessern.
[0015] Bezüglich eines Brechungsgitters für eine Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung
wird diese Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch die Merkmale des Anspruchs 1. Bezüglich
einer Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung wird diese Aufgabe erfindungsgemäß
gelöst durch die Merkmale des Anspruchs 9. Vorteilhafte und teils für sich gesehen
erfinderische Ausgestaltungsformen und Weiterentwicklungen der Erfindung sind in den
Unteransprüchen und der nachfolgenden Beschreibung dargelegt.
Die Erfindung geht aus von der Idee, den üblichen Aufbau eines Talbot-Lau-Interferometers
zu modifizieren, indem anstelle des Analysegitters G
2 oder zusätzlich zu diesem ein (auch als Linsengitter bezeichnetes) Brechungsgitter
G
L in dem Strahlengang der Röntgenstrahlung positioniert wird. Das Brechungsgitter ist
dabei derart gestaltet, dass es jeweils mehrere benachbarte, einander entsprechende
Strukturen (z.B. Intensitätsmaxima oder Intensitätsminima) des Interferenzmusters
auf einen gemeinsamen Fokus bricht, während dazwischen liegende Strukturen (z.B. Intensitätsminima
bzw. Intensitätsmaxima) des Interferenzmusters auf einen davon räumlich verschiedenen
Fokus gebrochen werden. Das Grundkonzept dieser Idee ist bereits in der Vorgänger-Anmeldung
WO 2013/160 153 A1 beschrieben.
Das erfindungsgemäße Brechungsgitter weist hierbei eine Transversalfläche auf, die
durch eine x-Achse und eine hierzu senkrechte y-Achse aufgespannt wird, und die im
Wesentlichen (d.h. exakt oder zumindest näherungsweise) quer zu einer Strahlungseinfallrichtung
auszurichten ist. Die vorgesehene Strahlungseinfallrichtung definiert hierbei eine
z-Achse des Brechungsgitters, die in der vorgesehenen Einbauposition des Brechungsgitters
insbesondere parallel zu einer optischen Achse der Röntgenbildgebungsvorrichtung ausgerichtet
ist. Die Transversalfläche kann hierbei innerhalb des von dem Brechungsgitters eingenommenen
Raumvolumens grundsätzlich an beliebiger z-Position (d.h. Position entlang der z-Achse)
definiert werden. Lediglich beispielhaft wird im Folgenden angenommen, dass die Transversalfläche
durch die "vordere" Stirnfläche des Brechungsgitters gebildet ist, über die die Strahlung
in das Brechungsgitter einfällt.
[0016] Die vorstehend eingeführten Achsen spannen ein karthesisches Koordinatensystem auf.
Die durch die Orientierung der x-, y- und z-Achse definierten Raumrichtungen sind
dabei nachfolgend als (positive) x-, y- bzw. z-Richtung bezeichnet. Die jeweils entgegengesetzten
Raumrichtungen sind als (negative) als x-, y- bzw. z-Richtung bezeichnet. Positionen
auf der x-, y- und z-Achse sind als x-, y, bzw. z-Positionen bezeichnet.
[0017] Entsprechend der gewünschten Eigenschaft, benachbarte verschiedenartige Strukturen
des Interferenzmusters in unterschiedliche Fokusse (d.h. Fokalpunkte oder Fokallinien)
zu brechen, ist die Transversalfläche in jeweils in y-Richtung langgestreckte Brechungsstreifen
gegliedert, die in x-Richtung parallel nebeneinander aufgereiht sind. Benachbarte
Brechungsstreifen unterscheiden sich hierbei dadurch, dass sie hinsichtlich der Brechungseigenschaften
des im Bereich dieses Brechungsstreifens jeweils angeordneten Gittermaterials stets
auf verschiedene Fokusse ausgerichtet sind. Mit anderen Worten ist das Material des
Brechungsgitters, das entlang der z-Achse über und/oder unter einem Brechungsstreifen
angeordnet ist, derart ausgestaltet, dass es Strahlung zumindest einer bestimmten
Designwellenlänge in einen bestimmten Fokus bricht, während das Material des Brechungsgitters,
das entlang der z-Achse über und/oder unter einem benachbarten Brechungsstreifen angeordnet
ist, die Strahlung in einen anderen Fokus bricht. Bei der Transversalfläche und den
darauf gebildeten Brechungsstreifen handelt es dabei sich um mathematisch-abstrakte
Strukturen.
[0018] Die strahlungsbrechende Wirkung des Brechungsgitters wird durch eine Mehrzahl von
Brechungsstegen aus einem optisch vergleichsweise dünnen Basismaterial (also einem
Feststoff mit für Röntgenstrahlen vergleichsweise niedrigem Realteil des Brechungsindex)
erzeugt, wobei diese Brechungsstege alternierend mit optisch vergleichsweise dichten
Zwischenräumen angeordnet sind. Bedingt durch die trennenden Zwischenräume verlaufen
die Brechungsstege innerhalb der Transversalfläche zwangsweise zumindest näherungsweise
parallel. Vorzugsweise sind die Brechungsstege hierbei aus Gold, Nickel oder Silizium
gebildet. Die Zwischenräume sind wahlweise durch (luft-oder flüssigkeitsgefüllte)
Lücken oder durch Zwischenstege aus einem optisch vergleichsweise dichten Material
(also einem Feststoff mit für Röntgenstrahlen vergleichsweise großem Realteil des
Brechungsindex), z.B. aus Photolack, gebildet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
für Röntgenstrahlen der Realteil des Brechungsindex in allen Materialien kleiner als
Eins ist, so dass für Röntgenstrahlen - anders als für sichtbares Licht - Feststoffe
im Vergleich zu Vakuum oder Luft stets das optisch dünnere Medium darstellen.
[0019] Die von den Brechungsstegen innerhalb der Transversalfläche jeweils eingenommenen
Flächenbereiche sind dabei nicht deckungsgleich mit den Brechungsstreifen, die nur
durch die strahlungsbrechenden Eigenschaften des Brechungsgitters definiert. Vielmehr
sind die Brechungsstege erfindungsgemäß derart ausgebildet sind, dass sie innerhalb
der Transversalfläche zumindest abschnittsweise diagonal (also schrägwinklig, d.h.
unter einem 0° übersteigenden und 90° unterschreitenden Winkel zu der y-Achse) verlaufen.
Der zumindest abschnittsweise diagonale Verlauf der Brechungsstege in der Transversalfläche
ist hierbei dadurch charakterisiert, dass für mindestens einen Brechungssteg die diesen
Brechungssteg in x-Richtung begrenzenden Seitenflächen sich innerhalb der Transversalfläche
über mindestens zwei Brechungsstreifen erstrecken. Da die Brechungsstege, bedingt
durch die Zwischenräume, zumindest näherungsweise parallel verlaufen müssen, erstreckt
sich diese Eigenschaft zwangsweise auf alle Brechungsstege (mit Ausnahme von etwigen
Brechungsstegen an den Rändern der Transversalfläche, deren Seitenfläche sich aufgrund
der Randlage nur über einen Brechungsstreifen erstrecken kann). Vorzugsweise erstrecken
sich - von etwaigen Randeffekten abgesehen - die Seitenflächen aller Brechungsstege
regelmäßig über eine Vielzahl von Brechungsstreifen, insbesondere über alle Brechungsstreifen.
[0020] In anderer, aber inhaltlich völlig äquivalenter Formulierung ist der "diagonale Verlauf"
der Brechungsstege in der Transversalfläche dadurch charakterisiert, dass sich mindestens
ein Brechungssteg über mindestens vier Brechungsstreifen erstreckt. Auch diese Eigenschaft
gilt aufgrund des zumindest näherungsweisen Parallelverlaufs der Brechungsstreifen
- von etwaigen Randeffekten abgesehen - zwangsweise für alle Brechungsstege.
[0021] Durch die vorstehend beschriebenen Eigenschaften unterscheiden sich das erfindungsgemäße
"diagonale Layout" der Brechungsstege des Brechungsgitters qualitativ von dem "streifenförmigen
Layout" der Brechungsstege der in
WO 2013/160 153 A1 angegebenen Brechungsgitter. Dort verlaufen die Brechungsstege in Längsrichtung der
Brechungsstreifen, d.h. in y-Richtung. Dabei bleiben die Seitenflächen eines jeden
Brechungsstegs stets jeweils innerhalb des einem einzigen Brechungsstreifen zugeordneten
Raums, wodurch sich die streifenförmigen Brechungsstege nur über zwei oder maximal
drei Brechungsstreifen erstrecken können.
[0022] Wie bereits in
WO 2013/160 153 A1 beschrieben ist, kann das Brechungsgitter erfindungsgemäß anstelle des Analysegitters
des herkömmlichen Talbot-Lau-Interferometers eingesetzt werden. Das Brechungsgitter
wird hierbei in seinem Fokusabstand zu dem Röntgendetektor angeordnet, so dass die
Röntgenstrahlung durch das Brechungsgitter direkt auf die einzelnen Pixel oder Pixelspalten
des Röntgendetektors fokussiert wird. Alternativ hierzu kann das Brechungsgitter,
wie ebenfalls bereits in
WO 2013/160 153 A1 beschrieben ist, dem Phasengitter und dem Analysegitter zwischengeordnet werden.
In diesem Fall wird die Röntgenstrahlung durch das Brechungsgitter auf die Schlitze
und Stege des Analysegitters fokussiert.
[0023] Durch die Eigenschaft des Brechungsgitters, jeweils mehrere benachbarte, einander
entsprechende Strukturen (z.B. Intensitätsmaxima oder Intensitätsminima) des Interferenzmusters
auf einen gemeinsamen Fokus zu brechen, wirkt das Brechungsgitter als periodische
Anordnung von Sammellinsen, durch die das Interferenzmuster vergröbert wird. Dies
ermöglicht den Einsatz eines entsprechend gröberen und in den Gitterstegen besser
absorbierenden Analysegitters, wodurch die Sichtbarkeit (Visibilität) verbessert wird.
Dies ermöglicht wiederum - insbesondere bei hochenergetischer (kurzwelliger) Röntgenstrahlung
- eine Reduzierung des Bildrauschens und der Röntgendosis. Wird in alternativer Ausführung
der Erfindung das Analysegitter weggelassen, so entfällt die hierdurch verursachte
Absorption, wodurch - insbesondere bei niederenergetischer (langwelliger) Röntgenstrahlung
- ebenfalls eine Reduzierung des Bildrauschens und der Röntgendosis erreicht wird.
[0024] Da ein Brechungsgitter regelmäßig mit kleinerer Bauhöhe gefertigt werden kann als
ein Analysegitter, kann die Streifenbreite des Brechungsgitters im Vergleich zu der
typischen Streifenbreite eines Analysegitters kleiner gewählt werden. Hierdurch kann
zwischen dem Phasengitter und dem Brechungsgitter ein größerer (d.h. einem höheren
Vielfachen des Talbot-Abstands entsprechender) Abstand eingestellt werden als zwischen
dem Phasengitter und dem Analysegitter eines gewöhnlichen Talbot-Lau-Interferometers.
Hierdurch ergibt sich eine höhere (Winkel-)Empfindlichkeit, wodurch der Nachteil einer
etwas geringeren Sichtbarkeit überwogen wird. Die ermöglicht eine weitere Verbesserung
des Bildrauschens und/oder eine weitere Verringerung der Röntgendosis.
[0025] Wie bereits in
WO 2013/160 153 A1 beschrieben ist, ist das Brechungsgitter vorzugsweise in einem photolithographischen
Herstellungsverfahren, insbesondere dam sogenannten LIGA(Lithographie-Galvanik-Abformung-)-Verfahren
oder mittels reaktivem Ionen-Ätzen hergestellt.
[0026] Ein einschränkender Faktor für die Herstellung der Brechungsgitter ist dabei das
durch Herstellungsverfahren begrenzte Aspektverhältnis, das bei gegebener Gitterhöhe
in z-Richtung durch die herstellbaren Minimalabstände zwischen den Seitenwänden der
Brechungsstege bestimmt ist, nämlich - je nach dem konkreten Herstellungsverfahren
- durch die minimale Stärke der Brechungsstege und/oder die minimale Stärke der Zwischenräume.
[0027] Erkanntermaßen können durch das diagonale Layout der Brechungsstege bei gegebener
Gitterhöhe und gegebenen Brechungseigenschaften der Brechungsstreifen besonders große
Minimalabstände zwischen den Seitenwänden der Brechungsstege - sowohl innerhalb der
Brechungsstege als auch zwischen benachbarten Brechungsstegen - eingehalten werden.
Dies ermöglicht wiederum die Fertigung von Brechungsgittern mit besonders großer Gitterhöhe
in z-Richtung oder besonders geringer Breite der Brechungsstreifen. Solche Brechungsgitter
ermöglichen die Realisierung von Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtungen mit
besonders geringer Einbaulänge und besonders hoher Empfindlichkeit.
[0028] In bevorzugter Ausführung sind die Brechungsstege jeweils nach Art von in y-Richtung
geneigten schiefen Prismen geformt, deren Grundfläche und Deckfläche jeweils in den
zur Transversalfläche parallelen Stirnflächen des Brechungsgitters liegen. In dieser
Ausführung wird das Brechungsgitter insbesondere, wie an sich bereits in
WO 2013/160 153 A1 beschrieben ist, durch ein photolithographisches Verfahren, insbesondere LIGA, unter
Schrägbelichtung der Photolackschicht durch Röntgenstrahlung hergestellt. Die Grundfläche
und die gegenüberliegende Deckfläche des Prismas haben hierbei in der Regel jeweils
eine komplexe, polygonale Form. An den Seitenrändern des Brechungsgitters können die
Brechungsstege - abweichend von einer reinen Prismenform - zur Bildung von in z-Richtung
ausgerichteten Randflächen abgeschnitten sein. Durch die Ausführung der Brechungsstege
als zur Transversalfläche schiefe Prismen wird eine vergleichsweise starke Brechung
erzielt, ohne andere optische Eigenschaften, insbesondere die Absorption und die Sichtbarkeit
(Visibility) wesentlich zu verschlechtern.
[0029] Die Brechungsstege sind insbesondere derart angeordnet, dass in jedem Brechungsstreifen
eine sich in y-Richtung mit einer y-Periodenlänge wiederholende Materialstruktur ergibt.
Die Brechungsstege sind also derart gestaltet, dass sie in jedem Brechungsstreifen
stets parallelverschobene, kongruente und gleichmäßig beabstandete Flächenabschnitte
einnehmen. Die Brechungsstege sind dabei derart in y-Richtung geneigt, dass die zu
der Grundfläche entgegengesetzte Deckfläche eines jeden Brechungsstegs gegenüber der
Grundfläche um eine ganze Anzahl von Periodenlängen, insbesondere um genau eine Periodenlänge
versetzt ist. Die beiden in z-Richtung gegenüberliegenden Stirnflächen des Brechungsgitters
weisen somit ein identisches Layout, also eine identische aus Brechungsstegen und
Zwischenräumen gebildete Materialstruktur auf.
[0030] Vorzugweise sind die Seitenflächen der Brechungsstege jeweils alternierend aus aktiven
Teilflächen mit vergleichsweise starker Brechungswirkung in x-Richtung und passiven
Teilflächen mit geringer oder verschwindender Brechungswirkung in x-Richtung zusammengesetzt.
Die aktiven Teilflächen können hierbei als brechende Flächen von (Teil-)Prismen betrachtet
werden, die mit ihren nicht-brechenden Rückenflächen zu einem den jeweiligen Brechungssteg
bildenden Multi-Prisma zusammengesetzt sind.
[0031] Die aktiven und passiven Teilflächen sind hierbei vorzugsweise jeweils durch ebene
(ungekrümmte) Flächenabschnitte gebildet. Die Brechungswirkung einer jeden Teilfläche
wird dabei durch den zugehörigen Gradienten bestimmt. Als Gradient wird hierbei die
Steigung g = Δz / Δx bzeichnet, den diese Teilfläche in einem Schnitt entlang einer
xz-Ebene (also einer durch die x-Achse und die z-Achse aufgespannten Ebene) aufweist.
Je größer der Gradient g, je steiler also die jeweilige Teilfläche gegen die Transversalfläche
angestellt ist, desto stärker wird das einfallende Röntgenlicht in x-Richtung gebrochen.
[0032] Jede aktive oder passive Teilfläche erstreckt sich innerhalb der Transversalfläche
in x-Richtung dabei vorzugsweise über eine ganze Anzahl von Brechungsstreifen. Der
Übergang zwischen aktiven und passiven Teilflächen einer Seitenfläche fällt somit
vorzugsweise jeweils mit dem Übergang zwischen zwei Brechungsstreifen zusammen. Aktive
und passive Teilflächen sind dabei vorzugsweise an den beiden Seitenflächen eines
Brechungsstegs versetzt zueinander angeordnet. In einem Brechungsstreifen, in dem
eine erste Seitenfläche eines jeden jeden Brechungsstegs eine aktive Teilfläche aufweist,
hat die andere Seitenfläche desselben Brechungsstegs somit eine passive Teilfläche
und umgekehrt. Ene Ausnahme von dieser Regel bilden hierbei Brechungsstreifen ohne
Brechungswirkung in x-richtung (neutrale Brechungsstreifen), in denen beide Seitenflächen
eines Brechungsstegs jeweils passive Teilflächen aufweisen.
[0033] Die passiven Teilflächen können exakt in der Transversalfläche parallel zur x-Achse
ausgerichtet sein (g = 0). Vorzugsweise weisen auch die passiven Teilflächen aber
einen kleinen Gradienten (Offset-Steigung) auf. Diese Offset-Steigung ist insbesondere
derart bemessen, dass die dadurch verursachte Steigung Δy der passiven Teilflächen
über einem Brechungsstreifen - in y-Richtung gemessen - etwa zwischen 20% und 50%,
vorzugweise etwa 25% der in x-Richtung gemessenen Streifenbreite s
L entspricht (0,2 ≤ Δy/s
L ≤ 0,5).
[0034] Durch die Offset-Steigung der passiven Teilflächen können bei gegebener Gitterhöhe
und gegebenen Brechungseigenschaften der Brechungsstreifen die Minimal-Abstände zwischen
den Seitenwänden der Brechungsstege - sowohl innerhalb der Brechungsstege als auch
zwischen benachbarten Brechungsstegen - vorteilhafterweise weiter vergrößert werden.
[0035] Die Offset-Steigung der passiven Teilflächen bewirkt des Weiteren eine Abflachung
der zwischen den aktiven und passiven Teilflächen gebildeten Winkel, was die technische
Herstellbarkeit des Brechungsgitters begünstigt.
[0036] Da die Offset-Steigung jeweils die obere und die untere Materialkante einer Spalte
gleichermaßen betrifft, ändert es die dadurch codierte Phasenverschiebung nicht. Aus
einem Rechteck ("Gradient 0") wird durch die Offset-Steigerung ein Parallelogramm.
Das Parallelogramm wirkt genauso auf die Phase des hindurchtretenden Lichts wie ein
Rechteck. Die Offset-Steigung ist zweckmäßigerweise zwischen Oberkante und darunterliegender
Unterkante des Materials gleich gewählt. Unterschiedliche Spalten dürfen auch unterschiedliche
zusätzliche Gradienten erhalten für Kanten, die eine x-Komponente besitzen (rein vertikale
Sprünge in y-Richtung werden nicht beeinflusst). Auch kann eine Spalte im linken und
im rechten Teil (in x-Richtung) eine unterschiedliche Offset-Steigung besitzen, wenn
dazwischen ein Knick erfolgt.
[0037] In einer zweckmäßigen Ausführungsform des Brechungsgitters verläuft jeder Brechungssteg
innerhalb der Transversalfläche in alternierenden Abschnitten diagonal in positiver
y-Richtung und in negativer y-Richtung. Die Brechungsstege weisen also Knickstellen
auf. Bevorzugt sind die Brechungsstege in regelmäßigen Abständen entlang der x-Achse
alternierend gegensätzlich geknickt, so dass der jeweilige Brechungssteg innerhalb
der Transversalfläche mäandrierend in Richtung der x-Achse verläuft. Durch das ein-
oder mehrfach geknickte Layout für die Brechungsstege werden bei der Herstellung des
Brechungsgitters im LIGA-Verfahren die zunächst durch Belichtung mit Röntgenstrahlung
und anschließende Entwicklung herausgearbeiteten Zwischenstege aus Photolack mechanisch
stabilisiert. Die Knickstellen sind vorzugsweise jeweils im Bereich von neutralen
oder schwach brechenden Brechungsstreifen vorgesehen. Der Verlauf eines jeden Brechungsstegs
innerhalb der Transversalfläche ändert somit jeweils an Brechungsstreifen mit geringer
oder verschwindender Brechungswirkung die Richtung.
[0038] Zweckmäßigerweise sind stets jeweils eine einheitlich vorgegebene Anzahl von Brechungsstreifen
auf einen gemeinsamen Fokus ausgerichtet. Die auf einen gemeinsamen Fokus ausgerichteten
Brechungsstreifen werden hierbei zusammenfassend als Fokussierungsgruppe bezeichnet.
Die Fokussierungsgruppen umfassen hierbei vorzugsweise jeweils eine ungeradzahlige
Anzahl von Brechungsstreifen, z.B. 3, 5, 7 oder 9 Brechungsstreifen. Eine solche Fokussierungsgruppe
umfasst einen neutralen Brechungsstreifen mit verschwindender Brechungswirkung, um
den herum symmetrisch die weiteren Brechungsstreifen der Fokussierungsgruppe angeordnet
sind, wobei deren Brechungswirkung in x-Richtung mit zunehmenden Abstand zu dem neutralen
Brechungsstreifen ansteigt. Die Brechungsstreifen benachbarter Fokussierungsgruppen
sind hierbei ineinander verschachtelt.
[0039] In bevorzugten Ausführungsformen des Brechungsgitters sind ferner ein oder mehrere
der vorstehend beschriebenen Ausgestaltungsmerkmale vorgesehen, um die Minimal-Abstände
innerhalb der Brechungsstege und zwischen benachbarten Brechungsstegen weiter zu vergrößern
und/oder um die optischen Eigenschaften des Brechungsgitters zu optimieren:
- F1 - "Gradientenkompression": Dieses Ausgestaltungsmerkmal wird insbesondere auf die
stärksten Teilprismen (also die aktiven Teilflächen der Brechungsstege mit den jeweils
größten Gradienten) angewandt, wenn bei gegebener Gitterhöhe h und gegebener Streifenbreite
sL der Brechungstreifen durch eine aktive Teilfläche, die innerhalb der xz-Ebene linear
über die gesamte Streifenbreite sL und Gitterhöhe h verläuft (g = h/sL), eine hinreichend starke Brechung nicht erzielt werden kann. Die Gradientenkompression
wird realisiert, indem die aktive Teilfläche nicht über die volle Streifenbreite sL geführt ist, sondern lediglich über einen Anteil 1/c (mit c > 1) dieser Streifenbreite
sL, während sich die aktive Teilfläche in z-Richtung vorzugsweise über die gesamte Gitterhöhe
h erstreckt. Der Gradient g erhöht sich in diesem Fall auf g = c·h/sL. An der maximalen Visibilität ändert die Gradientenkompression zumindest dann wenig,
wenn die Intensität in dem verbleibenden Rand des Brechungsstreifens relativ gering
ist. Wenn beispielsweise die Streifen hoher Intensität des durch das Phasengitter
G1 gebildeten Interferenzmusters in dem Brechungsgitter GL genau auf einen Streifen fallen, so fließt die Hauptintensität in der Streifenmitte
(=Spaltmitte) und der Rand bleibt vergleichsweise dunkel. Durch den durch Gradientenkompression
erhöhten Gradient wird ermöglicht, den Abstand zwischen dem Patienten und dem Röntgendetektor
vergleichsweise klein zu halten, was auch die Empfindlichkeit verbessert. Der kleinere
Abstand führt dazu, dass jeder Brechungsstreifen auf einen schmäleren Bereich abgebildet
wird, dies verbessert die Sichtbarkeit für geringe Kompression (z.B. bei c2 < 2). Bei größerer Kompression (z.B. c2 > 2) überwiegt dagegen die Reduktion der Sichtbarkeit durch die Randverluste in den
am stärksten brechenden Teilprismen. In zweckmäßiger Dimensionierung ist c im Bereich
4/3 ≤ c ≤ 3/2 wie z.B. c = 21/2 gewählt. Die Gradientenkompression wird vorzugsweise symmetrisch bezüglich des zugehörigen
Brechungsstreifens durchgeführt. Die in ihrer Breite (in x-Richtung) reduzierte aktive
Teilfläche wird also bezüglich des zugehörigen Brechungsstreifens zentriert.
[0040] Variante: Eine aus der Anmeldung
US 2012/0041679 A1 beschriebene Methode zielt darauf ab, alle Gitter bei einem auf Phasenkontrastbildgebung
beruhenden Computertomographen so auszurichten, dass in Abwesenheit des Patienten
im Strahl die hellen Streifen des von dem Phasengitter G
1 erzeugten Interferenzmusters genau auf die Streifengrenzen des Analysegitters ausgerichtet
sind. Bei einer vollen Umdrehung des Computertomographen (in Anwesenheit des Patienten)
wird dann durch den Patient der Streifen einmal nach z.B. rechts und (nach 180° Gantry-Drehung)
einmal in die Gegenrichtung (hier z.B. nach links) verschoben. Dies kann ohne jede
Gitterverschiebung abgetastet und in Bilder umgerechnet werden.
[0041] In Übertragung dieser Idee auf die erfindungsgemäße Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung
wird die Gradientenkompression zweckmäßigerweise asymmetrisch durchgeführt. In diesem
Fall wird zweckmäßigerweise vorher festgelegt, welche Spaltgrenzen des Brechungsgitters
die hohe Intensität erhalten sollen. Der komprimierte Gradient wird von der Streifenmitte
an diese Spaltgrenze verschoben. Die asymmetrische Kompression hat also den gradientenfreien
Teil der Breite
sL(1-1/
c) zusammenhängend auf der zunächst unbeleuchteten Seite des Brechungsstreifens und
den Gradienten bis zum Rand der beleuchteten Spaltengrenze.
- F2 - Gradienten-Variation: Bei den in WO 2013/160153 A1 beschriebenen Brechungsgittern sind die Teilprismen bzw. Teilflächen stets derart
ausgerichtet, dass alle Teilprismen bzw. Teilflächen eine Design-Wellenlänge λD bzw. Design-Photonenenergie möglichst exakt auf einen gemeinsamen Fokus fokussieren,
in dem die Mitte des zugehörigen Elements des Analysegitters G2 (Spalt bzw. Steg) bzw. Detektor-Pixels platziert wird. Dies beschränkt allerdings
das Layout stärker als notwendig:
[0042] Die stärksten Teilprismen verteilen aufgrund von Dispersion die Licht-Intensität
über einen weiten Bereich (oft über mehr als eine Pixelbreite bzw. S
2-Spaltbreite). Ihre Gradienten sind daher nicht variierbar ohne weitere Sichtbarkeitsverluste
in den zugehörigen Brechungsstreifen. Je schwächer jedoch die Teilprismen werden (je
näher die Teilprismen entlang der x-Achse an dem zugehörigen Fokus liegen), desto
näher zueinander werden die einzelnen Wellenlängen abgebildet, desto schmäler wird
also insgesamt der beleuchtete Bereich. Dies bietet die Freiheit, den Gradienten dieser
Prismen leicht zu erhöhen oder zu verringern, ohne die Sichtbarkeit signifikant zu
verschlechtern. Die schwächsten Teilprismen befinden sich regelmäßig (entlang der
x-Achse) zwischen den stärksten Teilprismen und den zweitstärksten Teilprismen der
benachbarten Fokussierungsgruppe. Hier lassen sich durch leichte Verstärkung dieser
schwächsten Teilprismen die Minimal-Abstände innerhalb der Brechungsstege und zwischen
den Brechungsstege vergrößern, indem die zugehörigen Teilflächen in z-Richtung gestaucht
werden. Oft können auch Gradienten nunmehr gleich starker Nachbar-Teilprismen reduziert
werden, was die Absorption durch das Brechungsgitter reduziert.
- F3 - Variation der Grundhöhe: Die Grundhöhe (d.h., der über die volle Streifenbreite
im Layout vorhandene rechteckige oder parallelogrammförmige Teil des Materials) kann
verändert werden, um das Material-Aspektverhältnis zu verbessern. Das Aspektverhältnis
wird hierbei verringert, indem die Grundhöhe durch Hinzufügen von Material im Layout
über die volle Streifenbreite erhöht wird. Alternativ hierzu kann das Freiraum-Aspektverhältnis
verbessert werden, indem die Grundhöhe reduziert wird - dies kann bei gegebenem und
übererfülltem Aspektverhältnis auch zur Reduzierung des Material-Anteils und damit
der Absorption genutzt werden. Diese Änderung betrifft vorwiegend schwache Teilprismen
(mit kleinem Gradienten) und mittelstarke Teilprismen.
[0043] Bei schwachen Teilprismen empfiehlt sich, zur materialsparenden Optimierung des Aspektverhältnisses,
anstelle einer Erhöhung der Grundhöhe eine Gradientenerhöhung (siehe F2) einzusetzen,
solange Sichtbarkeit nicht signifikant reduziert ist.
- F4 - Zentrale Spalte: Bei den in WO 2013/160153 beschriebenen Brechungsgittern ist der zentrale (und optisch neutrale) Brechungsstreifen
einer jeden Fokussierungsgruppe stets komplett mit Material gefüllt. Dies bedingt
eine vergleichsweise starke Absorption in den zentralen Brechungsstreifen, wo eigentlich
aus optischen Gründen gar nichts erforderlich wäre (da in den zentralen Brechungsstreifen
keinerlei Gradient realisiert werden muss).
[0044] Hier ist die denkbar, den Aufbau an der zentralen Spalte komplett zu spiegeln (d.h.,
Aufbau achsensymmetrisch zur y-Achse in der Mitte der zentralen Spalte) und dafür
rechteckige Materiallücken über die volle Breite der zentralen Brechungsstreifen (oder
etwas mehr oder etwas weniger) einzubauen. Diese Lücken sind von der Brechung her
neutral, reduzieren aber die Absorption. Sie sind so zu bemessen, dass minimale Materialbreiten
nicht unterschritten werden. Vorzugsweise entsprechen sie einer Phasenverschiebung
des hindurchtretenden Lichtes entlang der z-Achse um ein ganzzahliges Vielfaches an
vollen Wellenlängen (analog F6 bzw. F7, für eine Wellenlänge des Spektrums nahe der
Design-Wellenlänge).
- F5 "Gradienten-Verschmälerung": Diese Maßnahme ist sehr ähnlich zu der unter Punkt
F1 beschriebenen Gradientenkompression, wird aber nicht auf die stärksten Teilprismen,
sondern vorwiegend auf die schwächsten Teilprismen angewandt. Wird deren Gradient
im streifenförmigen Layout am äußeren und/oder inneren Material-Rand in Richtung der
Streifenmitte des Brechungsstreifens mit Streifenbreite sL zurechtgeschnitten, so können damit die Mindestabstände erhöht werden.
[0045] Wird der äußere Rand zurechtgeschnitten (das sei der Rand, in dem sich in y-Richtung
wenig oder kein Material befindet), so wird der mäanderförmige Materialstreifen aus
zwei benachbarten Spalten insgesamt schmäler. Der Freiraum-Mindestabstand kann so
zunehmen. Wird der innere Rand zurechtgeschnitten (das sei der Rand, in dem sich in
y-Richtung viel Material befindet), so wird letztlich die Spaltengrenze zwischen den
benachbarten Brechungsstreifen des mäanderförmigen Materialstreifens in Richtung des
schwächeren Teilprismas verschoben. Der Material-Mindestabstand kann auf diese Weise
vergrössert werden. Dabei sollte (um die maximale Sichtbarkeit wenig zu beeinflussen)
maximal 10-15% der Streifenbreite beeinflusst werden.
- F6 - Dispersionskorrektur: Durch die unter Punkt F1 erläuterte Gradientenkompression
wird eine Erhöhung des geometrischen Gradienten der stärksten Teilprismen erreicht.
Allerdings nimmt die Licht-Ablenkung der Brechungsstreifen nicht in demselben Maße
zu. Dieser Effekt lässt sich zur Dispersionskorrektur bei den stärksten Teilprismen
einsetzen. Da der Brechungsindex δ ∝ λ2 ∝ 1/E2 und der Ablenkwinkel γ ≈ δ × g ist, folgt, dass γ ∝ λ2 ∝ 1/E2 ist. Gegeben sei ein starker Gradient, der die Materialhöhe (und damit die Phase
aufgrund der höheren Phasengeschwindigkeit durch das Material) in Richtung positiver
x-Achse steigert (und das Licht damit in negativer x-Richtung ablenkt). Der x-Abstand
Δx sei nun passend zum Gradient g so gewählt, dass ΔΦ = 2π (δ/λ)g Δx = 2π gilt, dass
sich also entlang von Δx die Phase durch den Gradient genau um ΔΦ = 2π ändert bzw.
die Wellenfront um Δz = +λD in Ausbreitungsrichtung verschoben wird (für eine vorzugsweise nahe der Mitte des
Auslegungs-Spektrums liegende einer Design-Wellenlänge +λD). Wenn hier in der positiven x-Richtung der steigender Materialhöhe nun die Materialhöhe
sprunghaft um Δh = g·Δx reduziert wird, so dass ein Phasensprung von ΔΦ = -2π bzw.
Δz = -λD entsteht, so ist dies für die Design-Wellenlänge λD ohne jede Auswirkung (da nur die Phase modulo 2π relevant ist). Für eine um einen
Faktor f geänderte Wellenlänge λ = f·λD gilt jedoch δ(λ)/λ ∝ f·λD, so dass wegen ΔΦ = 2n (δ/λ)Δh lokal an der Sprungstelle eine Phasen-Abweichung von
2π-(1-f) verbleibt. Falls man Abweichungen von ±π/4 toleriert, so muss also 3/4 ≤ f ≤ 5/4
gelten. Das Spektrum hat also eine Bandbreite vom Faktor 5/3=167% (was gut zur bisherigen
Bandbreite des Brechungsgitters vom Faktor 31/2=173% passt). Wird alle Δx ein dem Gradient entgegengesetzter Phasensprung erzeugt
(wodurch die Materialhöhe eine Sägezahnkurve ohne jede mittlere Steigung beschreibt),
so kompensieren sich jedoch die Phasen-Abweichung von 2π durch den Gradient mit der
durch den Phasensprung, so dass sich die Phase (bis auf die lokale Abweichung von
2π-(1-f)) im Mittel durch die Gerade ΔΦ = 2π·x/Δx annähern lässt, und zwar unabhängig von
f bzw. λ. Für die Röntgenstrahlung sieht es also wie eine fehlerbehaftete kontinuierliche
Steigung bei δ ∝ λ1 oc 1/E1 aus. Es resultieren Ablenkungswinkel linear zu f: γ ∝ λ1 oc 1/E1 oc f. Der Farbfehler kann so also um eine Größenordnung reduziert werden. Wird in
kürzeren Abständen als Δx ein Phasensprung eingefügt, so wird ggf. überkompensiert,
was in geringem Umfang sinnvoll sein kann. Es empfiehlt sich der Einsatz von Phasensprüngen
erst zur Korrektur von Farbfehlern, wenn (δ/λ)g·sL größer oder zumindest nicht wesentlich kleiner als 1 ist.
[0046] Zahlenbeispiele: Für E=62 keV-Photonen entspricht ein voller Phasensprung einer Gold-Höhe
von h=25 µm (Transmission 85%) oder einer Nickel-Höhe von 43 µm (Transmission 95%).
Bei E=29 keV dagegen ist es eine Nickel-Höhe von 20 µm (Transmission 82%) oder eine
Silizium-Höhe von 75µm (Transmission 98%). Bei E=19 keV Photonen entspricht der Sprung
um eine Phase einer Silizium-Höhe von 50 µm (Transmission 95%).
[0047] Ein Problem dieser Strategie ist es, dass an der Sprungstelle genug Material verbleiben
muss, um die Mindestbreiten des Layouts zu erfüllen. Deshalb spart der negative Phasensprung
einerseits Material, es muss andererseits aber auch Material hinzugefügt werden, um
an den Sprungstellen noch genug Material zu haben. Letzten Endes kann das bedeuten,
dass man Material hinzufügen muss.
- F7 - Zusätzliche Phasensprünge: Im Gegensatz zu der unter Punkt F6 diskutierten Dispersionskorrektur
wird hier die Dispersion erhöht (und ist bei kleinen Gradienten dann näherungsweise
unabhängig von einer Variation des Gradienten). Zweckmäßigerweise wird die die Dispersion
der schwächsten Teilprismen durch einen oder mehrere zusätzliche 2n-Sprünge (Sprünge
um jeweils eine Wellenlänge) erhöht. Dadurch nimmt der Materialanteil im Layout zunächst
zu, und der Material-Mindestabstand kann dadurch - erwünschtermaßen - auch zunehmen.
Diese Maßnahme erlaubt allerdings, die unter Punkt F3 disktierte Grundhöhe zu reduzieren
und so den Freiraum-Mindestabstand zu reduzieren. Letztlich nähert sich die Material/Freiraum-Grenze
im Streifen der schwächsten Teilprismen damit der Material/Freiraum-Grenze der gegenüberliegenden
stärksten Teilprismen in grober Näherung an. Durch die Wahl der x-Positionen der λ-Phasensprünge
innerhalb des Streifens kann man beeinflussen, ob der Freiraum-Abstand (in Richtung
der gegenüberliegenden stärksten Teilprismen) stärker oder weniger stark als der Materialabstand
(innerhalb des mäanderförmigen Materialstreifens mit der benachbarten Prismenspalte)
beeinflusst werden soll. Bei größeren Gitterhöhen kann es auch sinnvoll sein, mehrere
komplette Phasensprünge relativ gleichmäßig über die Spaltenbreite zu verteilen (z.B.
drei Phasensprünge an den Positionen 12,5%, 50%, 87,5% der Teilprismenbreite oder
an den x-Positionen 25%, 50%, 75% von sL). Dies gilt entsprechend auch für die unter Punkt F6 diskutierte Dispersionskorrektur.
Die unter den Punkten F1 bis F6 diskutierten Ausgestaltungsmerkmale der Brechungsstege
und der darin enthaltenen aktiven Teilflächen (Teilprismen) können vorteilhaft sowohl
bei diagonalen Layouts der Brechungsstege gemäß der vorliegenden Erfindung als auch
bei streifenförmigen Layouts gemäß
WO 2013/160153 A1 eingesetzt werden, um die Minimal-Abstände innerhalb der Brechungsstege und zwischen
benachbarten Brechungsstegen weiter zu vergrößern und/oder um die optischen Eigenschaften
des Brechungsgitters zu optimieren.
[0048] Wie vorstehend erwähnt, umfasst die erfindungsgemäße (Phasenkontrast-Röntgenbildgebungs-)Vorrichtung
eine Röntgenstrahlungsquelle, ein Phasengitter und einen Röntgendetektor, der eine
eindimensionale oder zweidimensionale Anordnung von Pixel aufweist. Die erfindungsgemäße
Vorrichtung umfasst des Weiteren ein zwischen dem Phasengitter und dem Röntgendetektor
angeordnetes Brechungsgitter der vorstehend beschriebenen Art.
Sofern die Röntgenquelle nicht bereits von Haus aus hinreichend kohärente Röntgenstrahlung
emittiert, umfasst die Vorrichtung zusätzlich ein Kohärenzgitter, das der Röntgenquelle
und dem Phasengitter zwischengeschaltet ist.
In einer zweckmäßigen Ausgestaltungsvariante umfasst die Vorrichtung zusätzlich ein
Analysegitter, das dem Brechungsgitter und dem Röntgendetektor zwischengeschaltet
ist. Wie vorstehend erwähnt, kann das Brechungsgitter dem Röntgendetektor in einer
alternativen Ausführung der Vorrichtung aber auch unmittelbar vorgeschaltet sein.
In bevorzugten Verfahrensvarianten sind bei der Vorrichtung ferner ein oder mehrere
der nachstehend beschriebenen Ausgestaltungsmerkmale verwirklicht
- F8 - Filterung der Spektren: Je schmäler das verwendete Röntgenspektrum ist, desto
besser lässt sich die Geometrie auf dieses Spektrum optimieren (z.B. durch Wahl einer
Design-Wellenlänge nahe der Mitte des Spektrums). Der spektrale Breite, die das Prismengitter
verträgt, muss aufgrund der Abhängigkeit des Ablenkwinkels von der Wellenlänge (α
= δ·g) die Bedingung λmax/λmin = Emax / Emin ≤ 31/2 erfüllen (aus der fremden Pixelmitte muss mindestens eine halbe Pixelbreite s2/2 und höchstens 3s2/2 abgelenkt werden. Es muss daher αmax/αmin ≤ 3 gelten. Je schmäler das Spektrum ist, desto besser fokussiert das Brechungsgitter
und desto bessere Sichtbarkeit ergibt sich bei größerem Schlitzanteil von z.B. 25%.
Um ein möglichst schmales Spektrum zu erreichen, kann z.B. nahe der Röntgenröhre gefiltert
werden (z.B mittels einer flächigen Filterfolie oder Filterplatte) mit Materialien,
welche das Spektrum anhand ihrer Kα-Kante begrenzen (also höhere Photonenenergien abschneiden). Im nieder-energetischen
Bereich (z.B. bei einer Design-Wellenlänge von λD ≈ 25 keV) bietet sich z.B. eine
Filterung mit Antimon an, welches Wellenlängen > 30,5 keV stark absorbiert (beispielsweise
Filterung mit 100µm Sb), bei Iod wird dagegen > 33,2 keV gedämpft. Im höherenergetischen
Bereich bieten sich z.B. Tantal (67,4 keV), Wolfram (69,5 keV) oder Rhenium (71,7
keV) an, wenn die Design-Wellenlänge z.B. 60-65 keV beträgt. Natürlich gibt es bei
anderen Design-Wellenlängen andere sinnvolle Materialien.
- F9 - "Zweidimensionale Formulierung des Phasenkontrastes": Optional werden die Phasenänderungen
entlang der x-Achse und entlang der y-Achse gleichzeitig gemessen, z.B. unter Verwendung
eines Kohärenzgitters G0, das zeilenweise und spaltenweise filtert. Bei einem Öffnungsanteil von 0 < q < 1
in jeder der beiden Dimensionen passiert also lediglich q2 der Intensität die Löcher in G0 (z.B. mit q = 30% oder q = 50%). In diesem Fall wird ein zweidimensionales Phasengitter
G1 eingesetzt, so dass ein schachbrettartiges Interferenzmuster (z.B. schwarze Schachbrettfelder
dunkel, weiße hell) am Ort des Brechungsgitters GL entsteht. Ein entsprechendes Brechungsgitter ist beispielsweise aus zwei Brechungsgittern
der vorstehend beschriebenen Art mit diagonalem Layout gebildet, wobei diese Brechungsgitter
um 90° gedreht übereinandergelegt sind, so dass sich überlappende stückweise Linsen
in x-Richtung durch eines der beiden Brechungsgitter und überlappende stückweise Linsen
in y-Richtung durch das andere Gitter ergeben.
[0049] Der Vorteil dieser Konstruktion liegt darin, dass es nun für jedes Pixel im Inneren
des gemessenen Bildes mehrere Pfade gibt, entlang derer die Phase aufintegriert werden
kann (je weiter in der Bildmitte, desto mehr Pfade lohnen sich oder haben größere
Gewichte). Entsprechend lässt sich das Bildrauschen gegenüber dem eindimensionalen
Fall durch Mittellung dieser Ergebnisse entlang verschiedener Pfade (in der Regel
Linien) reduzieren.
[0050] Auch die in den Punkten F8 und F9 offenbarten Ausgestaltungsmerkmale können sowohl
bei Brechungsgittern mit diagonalem Layout und Brechungsgittern mit streifenförmigem
Layout eingesetzt werden und werden daher als eigenständige Erfindungen angesehen.
[0051] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Darin zeigen:
- FIG 1
- in einer grob schematischen Schnittdarstellung eine Phasenkontrast-Röntgenbildgebungsvorrichtung
mit einem Brechungsgitter,
- FIG 2
- in schematischer Ansicht auf eine Transversalfläche ausschnitthaft eine Ausführungsform
des Brechungsgitters, wobei die Transversalfläche von diagonal verlaufenden Brechungsstegen
und dazwischen angeordneten Zwischenräumen durchzogen ist, und wobei die Transversalfläche
in eine Anzahl paralleler Brechungsstreifen gegliedert sind, wobei je fünf Brechungsstreifen
auf einen gemeinsamen Fokus ausgerichtet sind (N = 5),
- FIG 3
- in Darstellung gemäß FIG 2 eine alternative Ausführung des Brechungsgitters für N
= 9,
- FIG 4
- in Darstellung gemäß FIG 2 eine Variante des Brechungsgitters gemäß FIG 3, bei der
der Verlauf der Brechungsstege innerhalb der Transversalfläche in gleichmäßig beabstandeten
Knickstellen die Richtung ändert,
- FIG 5
- in Darstellung gemäß FIG 2 eine weitere Variante des Brechungsgitters gemäß FIG 3,
bei der der Verlauf der Brechungsstege innerhalb der Transversalfläche in gleichmäßig
beabstandeten Knickstellen die Richtung ändert,
- FIG 6
- in neun Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
in denen eine Offset-Steigung des Brechungsgitters variiert ist,
- FIG 7
- in sechs Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
an denen der Einfluss der Gradientenkompression (Punkt F1) demonstriert ist,
- FIG 8
- in acht Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
an denen die Optimierung des Aspektverhältnisses und der optischen Eigenschaften des
Brechungsgitters mittels Gradientenvariation (Punkt F2), Änderung der Grundhöhe (Punkt
F3), Einführung zentraler Spalte (Punkt F4) und Gradientenverschmälerung (Punkt F
5) demonstriert ist,
- FIG 9
- in einem schematischen Diagramm die Auslegung von Gradienten bei Einsatz von Gradientenkompression
(Punkt F1) und Gradientenvariation (Punkf F2),
- FIG 10
- in vier Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
an denen die Optimierung des Aspektverhältnisses und der optischen Eigenschaften des
Brechungsgitters mittels Dispersionskorrektur (Punkt F6) und Einführung zusätzlicher
Phasensprünge (Punkf F7) demonstriert ist,
- FIG 11
- in schematischer Darstellung möglichkeiten zur Vermeidung von Materialengstellen bei
Brechungsstegen mit negativen Phasensprüngen,
- FIG 12
- in schematischer Darstellung möglichkeiten zur Vermeidung von Materialengstellen bei
Brechungsstegen mit positiven Phasensprüngen,
- FIG 13
- in schematischer Darstellung für eine zweidimensionale Formulierung einer Phasenkontrast-Röntgenbildgebung
die Zusammenwirkung zweier um 90° gegeneinander verdrehter Brechungsgitter,
- FIG 14
- in einem Diagramm die Sichtbarkeit (Visibilität) für verschiedene Ausführungsformen
der Vorrichtung,
- FIG 15
- in zwei Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
an denen die Realisierung besonders großer Minimal-Abstände innerhalb der Brehungsstege
mittels Gradientenvariation (Punkt F2) demonstriert ist,
- FIG 16
- in drei Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Ausführungsformen des Brechungsgitters,
an denen die Realisierung von das Aspektverhältnis übersteigenden Gradienten demonstriert
ist,
- FIG 17
- in zwei Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 eine für die Anwendung in der Mammographie
ausgebildete Ausführungsform des Brechungsgitter mit N = 17, wobei zur Einhaltung
von Mindest-Abständen innerhalb der Brechungsstege zusätzliche Phasensprünge vorgesehen
sind,
- FIG 18
- in zwei Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 verschiedene Varianten einer weiteren Ausführungsformen
des Brechungsgitters für N = 17, an denen die Realisierung besonders großer Minimal-Abstände
innerhalb der Brehungsstege mittels Gradientenvariation (Punkt F2) demonstriert ist,
- FIG 19
- in zwei Einzeldarstellungen gemäß FIG 2 weitere Varianten des Brechungsgitters gemäß
FIG 18, bei denen zusätzlich eine Dispersionskorrektur (Punkt F6) vorgesehen ist,
- FIG 20
- in zwei Einzeldarstellungen zwei Varianten eines Brechungsstegs in einem zentralen
Bereich eines diagonalen Layouts, wobei der Brechungssteg jeweils aufgelöst in einzelne
Teilprismen dargestellt ist.
[0052] Einander entsprechende Teile und Größen sind in allen Figuren stets mit gleichen
Bezugszeichen versehen.
[0053] Die in FIG 1 schematisch dargestellte (Phasenkontrast-Röntgenbildgebungs-)Vorrichtung
2 umfasst eine Röntgenquelle 4, ein Kohärenzgitter G
0, ein Phasengitter G
1, ein Brechungsgitter G
L, ein Analysegitter G
2 sowie einen aus einer Vielzahl von Pixeln P aufgebauten Röntgendetektor 6.
[0054] Dem Aufbau lässt sich dabei eine Systemachse (nachfolgend als optische Achse 8 bezeichnet)
zuordnen, welche im Falle des Ausführungsbeispiels in einer z-Richtung ausgerichtet
ist. Die einzelnen optischen Elemente der Röntgenvorrichtung 2 sind im Ausführungsbeispiel
eben ausgestaltet, entlang dieser optischen Achse 8 angeordnet und jeweils senkrecht
zu dieser ausgerichtet.
[0055] Die Röntgenvorrichtung 2 ist zur Gewinnung medizinischer differentieller Phasenkontrastbilder
vorgesehen. Zur Bildaufnahme wird ein Patient zwischen dem Kohärenzgitter G
0 und dem Phasengitter G
1, bevorzugt unmittelbar vor dem Phasengitter G
1, positioniert. Die messtechnische Erfassung oder vielmehr die Ermittlung der durch
den Patienten verursachten räumlichen Verteilung der Phasenverschiebung erfolgt bei
der hier vorgestellten Röntgenvorrichtung 2 nach an sich bekanntem und beispielsweise
in "
X-ray phase imaging with a grating interferometer, T. Weitkamp at al., 8. August 2005/
Vol. 13, No. 16/OPTICS EXPRESS" beschriebenen Prinzip.
[0056] Das Kohärenzgitter G
0 weist eine Gitterkonstante (Gitterperiode) p
0 und eine (in z-Richtung gemessene) Gitterhöhe h
0 auf und dient zur Sicherstellung einer ausreichenden räumlichen Kohärenz der für
die interferometrische Messmethode genutzten Röntgenstrahlung. Das Kohärenzgitter
G
0 ist dabei typischerweise in einem Abstand von etwa 10cm zur Röntgenquelle 4 positioniert
und weist in typischer Dimensionierung etwa die Abmessungen einer Briefmarke auf.
In alternativer Ausgestaltung der Vorrichtung 2 ist anstelle einer räumlich ausgedehnten
Röntgenstrahlungsquelle 4 eine in guter Näherung punktförmige Röntgenstrahlungsquelle
eingesetzt, die bereits hinreichend kohärente Röntgenstrahlung emittiert. In diesem
Fall entfällt das Kohärenzgitter G
0.
[0057] Im Betrieb der Vorrichtung 2 emittiert die Röntgenstrahlungsquelle 4 Röntgenstrahlung
mit einer Photonenenergie bis etwa 100keV. Für das vorzugsweise aus Gold (Au, Z=79)
bestehende Kohärenzgitter G
0 ist in zweckmäßiger Dimensionierung eine Höhe h
0 von 1000µm und eine Gitterkonstante p
0 von 26,83µm gewählt.
[0058] In einem Abstand d
01 von z.B. 1000mm in z-Richtung versetzt zum Kohärenzgitter G
0 ist das Phasengitter G
1 angeordnet. Dieses dient wie bei einem herkömmlichen Talbot-Lau-Interferometer zur
Erzeugung eines streifenförmigen Interferenzmusters und weist hierzu eine streifenförmige
Struktur mit Stegen und dazwischen gebildeten Schlitzen auf, wobei sich die Stege
und Schlitze parallel zueinander in einer (senkrecht zu der z-Achse ausgerichteten)
y-Richtung erstrecken. In der Darstellung gemäß FIG 1 ist die y-Achse senkrecht zur
Zeichnungsebene ausgerichtet.
[0059] Das Phasengitter G
1 ist dabei derart ausgestaltet, dass die einfallende Röntgenstrahlung durch die Stege
bei einer Photonenenergie von z.B. 65 keV eine Phasenverschiebung um ein Viertel der
Wellenlänge, also um π/2, erfährt, während die im Bereich der Schlitze einfallende
Röntgenstrahlung das Phasengitter G
1 ohne signifikante Phasenänderung durchläuft. Für die Höhe h
1 des Phasengitters G
1 wurde ein Wert von 42 µm gewählt. Der Wert der Gitterkonstante (Gitterperiode) p
1 des aus Silizium (SI, Z=14) gefertigten Phasengitters G
1 beträgt in diesem Ausführungsbeispiel 1,42 µm. Alternativ kann das Phasengitter G
1 auch so gestaltet sein, dass es im Bereich seiner Stege eine Phasenverschiebung der
Röntgenstrahlung um eine halbe Wellenlänge erzeugt. In diesem Fall ist die Gitterkonstante
p
1 zu 2,84 µm.
[0060] In einem Abstand d
1L von z.B. 55,91 mm versetzt zum Phasengitter G
1 ist das Brechungsgitter G
L positioniert. Die Geometrie des Brechungsgitters G
L ist charakterisiert durch drei Achsen, die - entsprechend der bestimmungsgemäßen
Orientierung des Brechungsgitters G
L in der Vorrichtung 2 - als x-Achse, y-Achse und z-Achse bezeichnet sind. Bestimmungsgemäß
wird das Brechungsgitter G
L im Rahmen der Vorrichtung 2 derart angeordnet, dass seine z-Achse parallel zur optischen
Achse 8, und somit zur z-Richtung und der gemittelten Strahlungsausbreitungsrichtung
innerhalb der Vorrichtung 2 angeordnet ist. Die x-Achse und die y-Achse des Brechungsgitters
G
L, die sowohl zur z-Achse als auch zueinander senkrecht ausgerichtet sind, spannen
somit eine sich senkrecht zur Strahlungseinfallrichtung erstreckende Transversalfläche
10 auf. In z-Richtung weist weist das Brechungsgitter G
L eine Gitterhöhe h
L von etwa 60 µm auf.
[0061] Das Brechungsgitter G
L dient zur Manipulation des vom Phasengitter G
1 ausgehenden Röntgenstrahlungsfeldes und weist hierzu eine Gitterkonstante p
L von z.B. 1,5µm auf, die der Periodizität des durch das Phasengitter G
1 am Ort des Brechungsgitters G
L erzeugten Interferenzmusters entspricht. Die Periodizität der Struktur des Brechungsgitters
G
L ist durch N x p
L gegeben, wobei N eine natürliche, vorzugsweise ungerade Zahl (N = 3, 5, ...) ist.
Im Ausführungsbeispiel gemäß FIG 2 weist N beispielsweise den Wert 5 auf (N = 5).
Entsprechend der Gitterkonstante p
L ist die in FIG 2 ausschnitthaft in größerem Detail dargestellte Transversalfläche
10 des Brechungsgitters G
L in einzelne langgestreckte Brechungsstreifen 12 (FIG 2) gegliedert, die sich in y-Richtung
jeweils über die gesamte Transversalfläche 10 erstrecken und in x-Richtung parallel
nebeneinander aufgereiht sind. Die Brechungsstreifen 12 weisen eine einheitliche (in
x-Richtung gemessene) Streifenbreite s
L auf, die der Hälfte der Gitterkonstante p
L entspricht (S
L = 0,5·p
L). Je zwei benachbarte Brechungsstreifen 12 haben somit zusammen eine der Gitterkonstante
p
L entsprechende Breite. Wie vorstehend erwähnt, wird exemplarisch diejenige Stirnfläche
des Brechungsgitters G
L mit der Transversalfläche 10 identifiziert, die der Röntgenquelle 4 zugewandt ist
und an der somit die Röntgenstrahlung in das Brechungsgitter G
L einfällt.
Wie in FIG 1 angedeutet, ist jeder Brechungsstreifen 12 auf einen zugeordneten Fokus
F ausgerichtet. Mit anderen Worten ist die in z-Richtung über dem jeweiligen Brechungsstreifen
12 angeordnete Materialstruktur des Brechungsgitters G
L der-art gewählt, dass die in diesem Brechungsstreifen 12 einfallende Röntgenstrahlung
in den zugehörigen Fokus F gebrochen wird. Benachbarte Brechungsstreifen 12 sind dabei
stets auf verschiedene Fokusse F ausgerichtet.
Die Zahl N beschreibt dabei die Anzahl der Brechungsstreifen 12, die auf einen gemeinsamen
Fokus F ausgerichtet sind. Diese auf einen gemeinsamen Fokus F ausgerichten Brechungsstege
12 sind - wie bereits vorstehend - als Fokussierungsgruppe bezeichnet. Die Zahl N
ist für alle Fokussierungsgruppen einheitlich gewählt und stellt somit eine globale
Eigenschaft des Brechungsgitters G
L dar. Mit anderen Worten umfasst jede Fokussierungsgruppe des Brechungsgitters G
L die gleiche Anzahl (im Beispiel gemäß FIG N=5) an zugehörigen Brechungsstreifen 12.
[0062] Sofern die Anzahl N ungerade ist, weist jede Fokussierungsgruppe einen neutralen
Brechungstreifen 12a auf, in dem einfallende Röntgenstrahlung nicht oder nur in vernachlässigbarem
Ausmaß gebrochen wird. Um den neutralen Brechungsstreifen 12a sind symmetrisch die
weiteren Brechungsstreifen 12 der Fokussierunggruppe (bei N=5 beidseitig je zwei weitere
Brechungsstreife 12b und 12c) angeordnet, deren Brechungswirkung mit zunehmenden Abstand
zu dem neutralen Brechungsstreifen 12a zunimmt. Da das einfallende Interferenzmuster
streifenförmig ist und daher keine oder nur geringe Änderung in y-Richtung aufweist,
wird hier und im Folgenden nur die Strahlungsbrechung in x-Richtung betrachtet. Etwaige
Anteile der Strahlungsbrechung in y-Richtung werden vernachlässigt.
[0063] Da die Gitterkonstante p
L des Brechungsgitters G
L der Periode des von dem Phasengitters P
1 am Ort des Brechungsgitters G
L erzeugten Interferenzmusters entspricht, werden Interferenzmaxima und Interferenzminima
des Interferenzmusters in jeweils verschiedene Fokusse F gebrochen. Die benachbarten
Fokussierungsgruppen sind hierbei, wie in FIG 1 schematisch angedeutet ist, gleichmäßig
ineinander verschachtelt.
[0064] Die dem Brechungsgitter G
L zugeordneten Fokusse F sind in einer (in z-Richtung von dem Brechungsgitter G
L um einen Abstand d
L2 von z.B. 43,92µm beabstandeten) Fokusebene angeordnet, in der das Analysegitter G
2 positioniert wird. Die Abstände der Fokusse F entsprechen dabei der halben Gitterkonstante
p
2 des Analysegitters G
2, das eine streifenförmige Struktur aus Stegen und Schlitzen (Spalten) aufweist, so
dass die Fokusse F alternierend in den Stegen und Schlitzen des Analysegitters G
2 liegen. Somit werden durch das Brechungsgitter G
L - je nach der relattiven x-Position des Kohärenzgitters G
1, des Brechungsgitters G
L und des Analysegitters G
2 - je N Interferenzmaxima (oder Interferenzminima) auf einen Schlitz des Analysegitters
G
2 fokussiert, während die dazwischen liegenden Interferenzminima (bzw. Interferenzmaxima)
auf die benachbarten Stege des Analysegitters G
2 fokussiert werden. Die Gitterhöhe h
2 des Analysegitters G
2 beträgt beispielsweise 400µm, die Gitterkonstante p
2 beispielsweise 7,81µm.
[0065] Die Ausdehnungen der Gitter G
1, G
L, G
2 in x-Richtung und in y-Richtung sind im Ausführungsbeispiel gemäß FIG 1 im Wesentlichen
gleich. Abweichend von der schematischen Darstellung gemäß FIG 1 entspricht die Ausdehnung
des Brechungsgitters G
L und des Analysegitters G
2 in x-Richtung und in y-Richtung vorzugsweise etwa der Ausdehnung des Röntgendetektors
6, genauer der von den Pixeln P des Röntgendetektors 6 aufgespannten Detektorfläche.
Ebenso wie bei dem Kohärenzgitter G
0 bestehen auch bei dem Phasengitter G
1 und dem Anlysegitter G
2 die jeweiligen Stege vorzugsweise aus Gold.
[0066] Aufgrund der Wirkung des Brechungsgitters G
L, Interferenzmaxima und Interferenzminima des Interferenzmusters zu separieren und
jeweils gruppenweise zu fokussieren, lässt sich das Analysegitter G
2 gröber strukturieren als bei einem herkömmlichen Talbot-Lau-Interferometer, ohne
dass sich hierdurch die Sichtbarkeit (Visibilität) des Interferenzmusters signifikant
verändert. Während also bei einem herkömmlichen Talbot-Lau-Interferometer nach dem
Stand der Technik bei einem vergleichbaren Aufbau, allerdings ohne Brechungsgitter
G
L, ein Wert für die Gitterkonstante p
2 von etwa 1,5 bis 2 µm gewählt werden würde, liegt der Wert der Gitterkonstante p
2 bei der Vorrichtung 2 gemäß FIG 1 und N = 5 bei dem Fünffachen dieses Wertes.
[0067] Betrachtet man die Wirkung des Brechungsgitters G
L auf fünf unmittelbar benachbarte Strahlen gleicher Phase, dann entspricht diese der
Wirkung einer Sammellinse, in deren Fokus F das Analysegitter G
2 positioniert ist. Das Brechungsgitter G
L ist deshalb auch als Linsengitter bezeichnet.
[0068] Zur Erzielung der strahlungsbrechenden Wirkung ist das Brechungsgitter G
L aus einer Anzahl von näherungsweise parallelen Brechungsstegen 14 aus Gold gebildet,
zwischen denen Zwischenräume 16 gebildet sind. Bei den Zwischenräumen 16 kann es sich
um luftgefüllte Lücken handeln. Alternativ können die Zwischenräume 16 allerdings
auch durch Zwischenstege aus Photolack ausgefüllt sein. Die Brechungsstege 14 und
die gegebenenfalls vorhandenen Zwischenstege sind auf einer Grundplatte 17 (FIG 1)
des Brechungsgitters G
L aufgebaut, die parallel zu der Transversalfläche 10 ausgerichtet ist und im Beispiel
gemäß FIG 1 exemplarisch die hintere (von der Röntgenquelle 4 abgewandte) Stirnfläche
des Brechungsgitters G
L bildet.
Das Brechungsgitter G
L wird vorzugsweise mittels des LIGA-Verfahrens hergestellt. Hierzu wird eine strahlungsabsorbierende
Maske (z.B. aus Gold) über einer auf die Grundplatte 17 aufgebrachten, beispielsweise
etwa 100µm dicken, Photolackschicht positioniert und mit Röntgenstrahlung (Belichtungsstrahlung)
belichtet. Durch anschließende Entwicklung lösen sich aus der Photolackschicht Füllbereiche
in Form von Löchern oder Gräben heruas, die eine Negativform für die herzustellenden
Brechungsstege 14 bilden. Diese Füllbereiche werden in einem nachfolgenden Galvanik-Prozessschritt
mit Metall, insbesondere Gold aufgefüllt. Der in den Zwischenräumen 16 verbleibende
Photolack kann nach der Herstellung der Brechungsstege 14 zur Bildung der Zwischenstege
belassen oder zur Bildung der Lücken herausgelöst werden.
Die Struktur der im LIGA-Verfahren verwendeten Maske entspricht der Materialstruktur,
die an der Transversalfläche 10 des fertigen Brechungsgitters G
L sichtbar ist. Ein Beispiel für diese (nachfolgend auch als Layout bezeichnete) Materialstruktur
ist ausschnitthaft in FIG 2 dargestellt. Die (den Goldstrukturen der Maske entsprechenden)
Brechungsstege 14 sind hierbei als dunkle Flächen dargestellt. Die (den Lücken der
Maske) entsprechenden Zwischenräume 16 sind als weiße Flächen dargestellt.
[0069] Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, dass sich die Brechungsstege 14 (und entsprechend
auch die Zwischenräume 16) diagonal - also unter einem 0° überschreitenden und 90°
unterschreitenden Winkel gegen die - Achse - über die Transversalfläche 10 ziehen.
Alle Brechungsstege 14 haben bis auf etwaige Randeffekte (d.h. abgeschnittene Teilvolumina
an den Rändern des Brechungsgitters G
L) die gleiche Form. Die Brechungsstege 14 sind dabei in y-Richtung parallelverschoben
zueinander angeordnet, so dass die Materialstruktur in der Transversalfläche 10 eine
Periodizität mit einer Periodenlänge p
y aufweist.
[0070] Die beiden Seitenflächen 18, über die jeder Brechungssteg 14 von dem benachbarten
Zwischenraum 16 abgegrenzt ist, sind gegliedert durch eine Abfolge von "steilen" Teilflächen
20, sich mit vergleichweise starker Steigung durch die Transversalfläche 10 ziehen,
und "flachen" Teilflächen 22, die in der Transversalfläche 10 eine nur geringe (Offset-)Steigung
aufweisen (oder z.B. im Ausführungsbeispiel gemäß FIG 4) teilweise sogar horizontal
(d.h. in der Transversalebene 10 in x-Richtung) verlaufen.
[0071] In jeder der Seitenflächen 18 folgen die steilen Teilflächen 20 und flachen Teilflächen
22 in der Regel alternierend aufeinander, wobei sich jede Teilfläche 20 oder 22 jeweils
über die volle Streifenbreite s
L eines Brechungsstreifens 14 erstreckt. Die steilen Teilflächen 20 und flachen Teilflächen
22 der beiden Seitenflächen 18 eines Brechungsstegs 14 sind dabei streifenweise versetzt
zueinander angeordnet. In Brechungsstreifen 12, in denen eine der beiden Seitenflächen
18 eines Brechungsstegs 14 eine steile Teilfläche 22 aufweist, hat die andere Seitenfläche
18 eine flache Teilfläche 20, und umgekehrt.
[0072] Eine Ausnahme von dieser Regel bilden die neutralen Brechungsstreifen 12a, im Bereich
derer jeweils beide Seitenflächen 18 flache Teilflächen 22 aufweisen. In der Umgebung
der neutralen Brechungsstreifen 12a erstrecken sich die flachen Teilflächen 22 daher
über jeweils über die volle Breite zweier Brechungsstreifen 12.
[0073] Den steilen Teilflächen 20 und flachen Teilflächen 22 sind mitunter senkrechte Sprungflächen
24 zwischengeschaltet, die in der Transversalfläche 10 in y-Richtung verlaufen.
[0074] Das Brechungsgitter G
L ist im LIGA-Verfahren unter Schrägbelichtung hergestellt. Die Maske wird hierbei
mit Belichtungsstrahlung belichtet, deren Strahlverlauf schräg in der z-Ebene ausgerichtet
ist. Die Neigung des Strahlverlaufs gegen die z-Richtung beträgt dabei in zweckmäßiger
Ausführung zwischen 2° und 30° und insbesondere zwischen 5° und 15°.
[0075] Die Brechungsstege 14 haben daher im dreidimensionalen Raum jeweils die Form eines
schrägen Prismas. Bis auf etwaige Randeffekte haben die Brechungsstege 14 daher in
der Transversalebene 10 und der dieser in z-Richung gegenüberliegenden Stirnfläche
des Brechungsgitters G
L - der Grundfläche bzw. Deckfläche eines Prismas entsprechend - parallele, kongruente
und polygonale Flächenabschnitte, die zueinander in y-Richtung verschoben sind. Die
Kanten der Seitenflächen 18 sind in z-Ebene um einen dem Einstrahlwinkel der Belichtungsstrahlung
entsprechenden Winkel geneigt. Diese Neigung ist derart auf die Gitterhöhe h
L abgestimmt, dass sich die Kanten der Seitenflächen 18 in y-Richtung über genau eine
Periodenlänge p
y erstrecken. Hierdurch ergibt sich in der Transversalfläche 10 und der gegenüberliegeden
Stirnfläche des Brechungsgitters G
L eine identische, in Blickrichtung entlang der z-Achse exakt überlappende (fluchtende)
Materialstruktur.
[0076] Zur Visualisierung der optischen Eigenschaften des Brechungsgitters G
L lassen sich die Brechungsstege 14 gedanklich untergliedern in
- aktive Teilprismen mit jeweils dreieckiger Grundfläche, wobei jeweils eine Kante dieser
Grundfläche eine der steilen Teilflächen 20 begrenzt, sowie in
- passive Teilprismen mit parallelogrammförmiger (oder rechteckiger) Grundfläche, wobei
jeweils eine Kante dieser Grundfläche eine der flachen Teilflächen 22 begrenzt.
[0077] Im Rahmen der Vorrichtung 2 erzeugt die steile Teilfläche 20 jedes aktiven Teilprismas
eine vergleichsweise starke Brechung der entlang der optischen Achse 8 einfallenden
Röntgenstrahlung in x-Richtung. Die steilen Teilflächen 20 sind daher auch als "aktive"
Teilflächen 20 bezeichnet.
[0078] Die flache Teilfläche 22 eines jeden passiven Teilprismas erzeugt andererseits keine
oder nur eine vernachlässigbare Brechung der entlang der optischen Achse 8 einfallenden
Röntgenstrahlung in x-Richtung. Die flachen Teilflächen 22 sind daher auch als "passive"
Teilflächen 22 bezeichnet. Die passiven Teilprismen dienen zur mechanischen Verbindung
der aktiven Teilprismen und sind aus herstellungstechnischen Gründen vorgesehen, um
die minimal fertigbaren Materialbreiten einzuhalten.
[0079] Die Gliederung der Brechungsstege 14 in aktive und passive Teilprismen ist in der
Darstellung gemäß FIG 2 im Bereich des zweiten Brechungsstreifens 12 von links - dort
an dem mittleren Brechungssteg 14 veranschaulicht. Aus der Darstellung ist erkennbar,
dass das dortige aktive Teilprisma in y-Richtung eine Materialhöhe y
g hat, während das passive Teilprisma eine Materialhöhe y
m hat. Die benachbarten Zwischenräume 16 haben hier jeweils eine in y-Richtung gemessene
Breite y
f.
[0080] Im Beispiel gemäß FIG 2 geben y
m die minimal fertigbare Materialhöhe, und y
g die minimal fertigbare Zwischenraumbreite in y-Richtung an.
[0081] Die vertikale Periodelänge
py im Layout besteht dabei also
- erstens aus einem festen y-Anteil an Material, nämlich hier der Materialhöhe ym,
- zweitens einem variablen Anteil je Brechungsstreifen 12, hier der Materialhöhe yg, der den eigentlichen Gradienten sowie etwaige Phasensprünge (z.B. im Rahmen einer
Dispersionskorrektur gemäß Punkt F6 oder im Rahmen zusätzlicher Phasensprünge gemäß
Punkt F7) und die Grundhöhe codiert und zwischen Materialanteilen 0% bis 100% variieren
kann, sowie
- drittens einem festen y-Anteil an Freiraum mit der Breite yf.
Es gilt also:

Die Höhe
(h/
py)(y
m + y
f) repräsentiert dabei eine zusätzliche Höhe, die nichts zum maximalen Gradient beiträgt
und somit quasi "verschnitt" bildet. Der Verschnitt-Anteil sinkt mit steigender y-Periode
p
y, also mit steigender Materialhöhe h bzw. zunehmender Abweichung von der senkrechten
Belichtungsrichtung, da er im wesentlichen vom Fertigungsprozess abhängt, also weitgehend
unabhängig von Materialhöhe h und Belichtungswinkel ist. Bei z.B. g = 70 (stärkster
Gradient Δz/Δx) und einem Belichtungswinkel, der 15° von der Senkrechten abweicht,
sowie y
m = y
f = s
L ergibt sich beispielsweise

also
h =77,46 s
L = (70+2/tan(15°)) S
L
und damit
einen Anteil des Gradienten an der Gesamthöhe von

Bei einem diagonalen Materialstreifen (z.B. von links unten nach rechts oben in der
Transversalebene 10, wie in FIG 2 abgebildet) codiert in jedem x-Streifen der Breite
S
L von G
L eine Kante (hier z.B. die obere) von links nach rechts kontinuierlich oder sprunghaft
zunehmende Materialdicke, die andere Kante (hier z.B. die untere) von links nach recht
kontinuierlich oder sprunghaft abnehmende Materialdicke.
[0082] Jede der Kanten verläuft dabei zunächst (in der 'reinen' Formulierung) entweder von
links nach rechts oder von unten nach oben oder in einer Mischung der beiden Richtungen,
jedoch vorzugsweise niemals nach rechts-unten oder nach links-oben. Dies wird erreicht,
indem benachbarte Spalten passend aneinandergefügt werden (alle Strukturen und damit
alle Kanten wiederholen sich natürlich in y-Richtung periodisch wie für die Schrägbelichtung
gefordert). Wenn an einer Streifengrenze in y-Richtung dabei die Materiallänge in
y in der linken Spalte größer ist als in der rechten, so werden die Spalten am oberen
(positiven Ende in y-Richtung) aufeinander ausgerichtet (unten entsteht dann ggf.
ein Sprung in y), ansonsten am unteren Ende (dem in negativer y-Richtung) aneinandergefügt
(es kann ein Sprung am oberen Ende entstehen). Dadurch werden alle Winkel im Layout
rechtwinklig oder flacher, was die Auswirkungen von Ecken-Verrundungen aufgrund des
prozessbedingten Radius reduziert.
[0083] Das Brechungsgitter G
L hat in jedem Brechungsstreifen 12 überall den gleichen optisch wirksamen Gradienten
g = Δz/Δx, also die gleiche Steigung der jeweiligen aktiven Teilflächen 20 der Brechungsstege
14 in der xz-Ebene (für die neutralen Brechungsstreifen 12a gilt hierbei g ≈ 0). In
den einer Fokussierungsgruppe zugeordneten Brechungsstreifen 12 ist der Gradient regelmäßig
unterschiedlich stark ausgeprägt. Um dies zu veranschaulichen, sind die aktiven Teilflächen
20 der fünf einer Fokussierungsgruppe zugeordneten Brechungsstreifen 12a, 12b und
12c in FIG 2 jeweils durch rechteckige Rahmen hervorgehoben.
[0084] FIG 3 zeigt eine Variante des Brechungsgitters G
L mit ähnlichem Layout wie in FIG 2, allerdings für N = 9.
[0085] FIG 4 und 5 zeigen Varianten des Brechungsgitters G
L gemäß FIG 3 (ebenfalls für N = 9 und einer Offset-Steigung von 50%), bei denen Knickstellen
DK in dem diagonalen Layout vorgesehen sind, so dass die Brechungsstege 14 in der
Transversalebene 10 um die x-Achse mäandrieren und somit alternierend abschnittsweise
diagonal in positive y-Richtung und in negative y-Richtung verlaufen. In der Ausführungsform
gemäß FIG 4 sind die Knickstellen DK in den neutralen Brechungsstreifen 12a vorgesehen.
In der Ausführungsform gemäß FIG 5 sind die Knickstellen DK jeweils in den Brechungsstreifen
12 mit dem schwächsten aktiven Teilprismen, also dem kleinsten von Null verschiedenen
Gradienten g vorgesehen. Den schwächsten aktiven Teilprismen ist gemäß FIG 5 zusätzlich
Grundhöhe (Punkt F3) hinzugefügt für ein besseres Material-Aspektverhältnis in Richtung
der Brechungsstreifen 12 mit den zweitstärksten Teilprismen.
[0086] In den Spalten der FIG 6 sind verschiedene diagonale Layouts für N=5 mit unterschiedlicher
Offset-Steigung der passiven Teilflächen 22 dargestellt (Offset-Steigung von der linken
Spalte zur rechten Spalte: 0%, 50%, 100%). In der oberen Zeile sind hierbei jeweils
diagonale Layouts ohne Knickstellen DK dargestellt, in der mittleren Zeile - analog
zu FIG 4 - diagonale Layouts mit Knickstellen DK in den neutralen Brechungsstreifen
12a und in der unteren Zeile - analog zu FIG 5 - diagonale Layouts mit Knickstellen
DK in den Brechungsstreifen 12 mit dem schwächsten aktiven Teilprismen.
[0087] In FIG 7 ist die Wirkung der vorstehend unter Punkt F1 erläuterten Gradientenkompression
dargestellt. In der linken Spalte ist dieser Effekt für streifenförmige Layouts gezeigt,
wie sie grundsätzlich in
WO 2013/160 153 A1 offenbart sind. In der rechten Spalte ist die Wirkung der Gradientenkompression für
diagonale Layouts veranschaulicht. In der oberen Zeile sind die jeweiligen Layouts
ohne Grdientenkompression dargestellt. Darunter ist in der mittleren Spalte jeweils
das entsprechende Layout mit Gradientenkompression (c=150%) dargestellt. Die hier
eingefügten Pfeile weisen auf die im Vergleich zu den Layouts der oberen Zeile verschobenen
Ecken hin. In der unteren Zeile sind Ausschnitte der jweils darüber liegenden Layouts
vergrößert dargestellt.
[0088] Es ist erkennbar, dass die - in der Transversalebene 10 gebildeten - Gradienten Δy/Δx
aller aktiven Teilflächen 20 infolge der Gradientenkompression auf 150% gesteigert
werden. Bei den stärksten Teilprismen ("++P") sowie - weniger ausgeprägt - auch bei
den zweitstärksten Teilprismen ("+P") wird der Gradient dadurch auf weniger als die
Streifenbreite eingeschränkt. Dargestellt ist der Fall, dass der Gradient in der Mitte
des jeweiligen Brechungsstreifens 12 realisiert wird, dass also der Gradient in x-Richtung
von beiden Seiten gleichmäßig komprimiert wird. Eine Verschiebung des Gradienten zu
einem der Ränder des jeweiligen Brechungsstreifens 12 ist alternativ auch möglich.
[0089] In FIG 8 sind Optionen zur Verbesserungen der Aspektverhältnisse für streifenförmige
Layouts gemäß
WO 2013/160 153 A1 (linke Spalte) bzw. diagonale Layouts (rechte Spalte) mittels folgender Maßnahmen
veranschaulicht:
- F2: Gradientenvariation,
- F3: Variation der Grundhöhe,
- F4: Einführung zentraler Spalte und
- F5: Gradientenverschmälerung
[0090] In der oberen Zeile der FIG 8 sind hierbei reguläre Layouts für N=9 ohne aspektverhältnisoptimierende
Maßnahmen dargestellt. Die hier hinzugefügten Pfeile deuten Stellen an, an denen in
den darunter abgebildeten Layouts mittels der Maßnahmen F2 und F3 Minimal-Abstände
im Material der Brechungsstege 14 bzw. in den Zwischenräumen 16 verbessert sind. Kritische
Minimalabstände sind durch Radien veranschaulicht.
[0091] In der zweiten Zeile von oben sind entsprechende Layouts abgebildet, in denen die
kritischen Minimalabstände mittels Gradienten-Variation (Punkt F2) verbessert sind
(die hier eingetragenen Pfeile deuten Veränderungen gegenüber der oberen Zeile an).
Bei dem diagonalen Layout (rechte Spalte) werden Gradienten auch verringert, um Material
zu reduzieren oder Gradienten einander anzunähern.
[0092] In der dritten Zeile von oben sind entsprechende Layouts abgebildet, in denen die
kritischen Minimalabstände durch Variation der Grundhöhe (Punkt F3) verbessert sind
(die hier eingetragenen Pfeile deuten Veränderungen gegenüber der oberen Zeile an).
Hierdurch werden der Freiraum-Abstand zum stärksten Teilprisma vergrößert und Material
reduziert.
[0093] In der unteren Zeile sind entsprechende Layouts abgebildet, in denen in denen die
kritischen Minimalabstände durch Gradienten-Verschmälerung (Punkt F5) verbessert wurden.
Die hier eingefügten Pfeile deuten wiederum Veränderungen gegenüber der oberen Zeile
an). Ferner wurden bei dem streifenförmigen Layout in der linken Spalte in den zentralen
Spalten, also den neutralen Brechungsstreifen 12a gemäß der vorstehend unter dem Punkt
F4 beschriebenen Maßnahme Zwischenräume eingefügt.
[0094] FIG 9 verdeutlicht in einem Diagramm die Auslegung von Gradienten für Gradientenkompression
(Punkt F1) und Gradienten-variation (Punkt F2). Gezeigt ist, wie sich im Standardfall
("Zielposition=0%", dicke schwarze Linie) die Gradienten der Streifen von c (h/s
L) linear bis zur zentralen Spalte auf 0 reduzieren. Für den Fall der Gradientenvariation
(Punkt F2) sieht man, dass sich die Gradienten auch linear bis auf andere Positionen
als den zentralen Streifen auf 0 absenken lassen. Dies führt zu einer Situation, in
der alle Streifen die dort vom extremen Streifen (d.h. den stärksten Teilprismen)
abgebildete Wellenlänge ebenfalls dorthin abbilden. Bei schwächeren Teilprismen sinkt
aber der Bereich, in dem die unterschiedlichen Wellenlängen abgebildet werden stark,
so dass man in der Praxis beispielsweise Zielpositionen zwischen -35% und +35% (bezogen
auf Radius eines "Pixels" in G
2, also N s
L/
2) wählen kann, um die Fertigung des Layouts zu erleichtern bzw. zu verbessern. Optimistisch
gesehen erlauben alle Ziel-Positionen zwischen -100% und +100%, dass die Intensitäts-Maxima
aller Wellenlängen für alle Teilprismen im Zielbereich der Breite s
2 bleiben. Allerdings führen die Breite des Beugungsbereiches und die Anzahl an Öffnungen
in G
0 häufig zu einer engeren Wahl der Zielpositionen. Als besonders geeignet werden Zielpositionen
zwischen -35% und +35% empfohlen.
[0095] In FIG 10 ist die Optimierung von streifenförmigen Layouts gemäß
WO 2013/160 153 A1 (linke Spalte, S
L) bzw. diagonalen Layouts (rechte Spalte D
L) durch folgenden Maßnahmen veranschaulicht:
- F6: Dispersionskorrektur und
- F7: Einführung zusätzlicher Phasensprünge.
[0096] In der oberen Zeile der FIG 10 sind hierbei wiederum reguläre Layouts für N=7 ohne
aspektverhältnisoptimierende Maßnahmen dargestellt. In der unteren Zeile sind die
entsprechenden, durch die Maßnahmen F6 und F7 optimierten Layouts dargestellt.
[0097] Wie erkennbar, wird durch die Maßnahme F6 Material weggenommen, was die Dispersion
reduziert, aber an sich zu schwer fertigbaren Engstellen führen würde. Durch die Maßnahme
F7 wird an anderer Stelle Material hinzugefügt, wodurch diese Engstellen zur Erleichterung
der Fertigung verbreitert werden. Die dadurch wiederum erhöhte Dispersion ist im Bereich
der kleinen Gradienten - wo diese Maßnahme eingesetzt wird - tolerabel.
[0098] In der Abbildung wurde jeweils ein einziger Sprung gewählt der sich in der Spaltmitte
befindet. Dies kann natürlich variiert werden.
[0099] Die FIG 11 und 12 zeigen schematisch Möglichkeiten zur Veränderung der Form der Brechungsstege
14 zur Realisierung von negativen und positiven Phasensprüngen unter Vermeidung von
schwer zu fertigenden Engstellen.
[0100] FIG 13 zeigt schematisch zwei aufeinandergelegte und um 90° gegeneinander verdrehte
Brechungsgitter G
L für eine zweidimensionale Formulierung des Phasenkontrastes (wie vorstehend unter
Punkt F9 erläutert). Gezeigt sind Wirkungsbereiche 26a-26c der einzelnen Fokussierungsgruppen,
d.h. derjenigen Bereiche, auf die diese fokussieren. Mit einem Kreuz aus durchgezogenen
Linien gekennzeichnet sind diejenigen Wirkungsbereiche 26a, in die aus beiden Brechungsgittern
G
L jeweils die in der FIG 13 dunkel unterlegten Brechungsstreifen 12d fokussieren. Mit
einem Kreuz aus gestrichelten Linien gekennzeichnet sind diejenigen Wirkungsbereiche
26b, in die aus beiden Brechungsgittern G
L jeweils die in der FIG 12 weiß unterlegten Brechungsstreifen 12e fokussieren. Gemischte
Wirkungsbereiche 26c, in die aus einem der Brechungsgitter G
L die dunkel unterlegten Brechungsstreifen 12d, und aus dem anderen Brechungsgitter
G
L die weiß unterlegten Brechungsstreifen 12e fokussieren, sind mit einem Kreuz aus
einer durchgezogenen und einer gestrichelten Linie gekennzeichnet.
[0101] Die in FIG 13 gezeigten Brechungsgitter G
L sind mit jeweils einem streifenförmigen Layout ausgestaltet, wie es in
WO 2013/160 153 A1 beschrieben ist. Alternativ hierzu können die gekreuzten Brechungsgitter G
L auch mit diagonalem, z.B. gemäß einem der FIG 2 bis 6 gestaltetem Layout ausgeführt
sein.
[0102] Die FIG 14 bis 19 zeigen konkrete Simulationen.
[0103] FIG 14 zeigt zunächst Simulationsergebnisse, die den Einfluss des Brechungsgitters
G
L und der hieran gegebenenfalls vorgenommenen Gradientenkompression (Punkt F1) auf
die Sichtbarkeit verdeutlichen. Simuliert wurde eine Vorichtung 2 mit d
01=500mm, einer Design-Energie der Röntgenstrahlung von 19,5 keV, einer Wolfram-Röhre
mit 30 kVp und einer Filterfolie aus 70µm Palladium, wobei in der Vorrichtung 2 teilweise
ein Brechungsgitter G
L mit N=5 eingesetzt wurde.
[0104] Dargestellt ist die Sichtbarkeit in Abhängigkeit von Randbedingungen. Im Einzelnen
wurden die nachfolgend von links nach rechts aufgezählten Messpunkte für folgende
Randbedingungen simuliert:
- "0% p0 + GL": Punktquelle mit Brechungsgitter GL,
- "0% p0 Point Source": Punktquelle ohne Brechungsgitter GL, sondern nur mit den Gittern G0, G1 und G2,
- "1x30% p0 slit": G0 mit 30% offenen Schlitzen ohne Brechungsgitter GL,
- "1x30% + GL (IrM, grad=60)": G0 mit einem offenem 30%-Schlitz mit Brechungsgitter GL (Photolack, Gradient=60, also sehr schwache Brechung),
- "1x30% + GL 117%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=117%,
- "1x30% + GL 133%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=133%,
- "1x30% + GL 150%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=150%,
- "1x30% + GL 167%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=167%,
- "1x30% + GL 183%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=183%,
- "1x30% + GL 200%": wie "1x30% + GL (IrM, grad=60)" mit Kompression c=120%.
[0105] Aus dem Diagramm ist ersichtlich, dass bei Einsatz des Brechungsgitters G
L eine optimale Sichtbarkeit für eine Gradientenkompression von c=117% erreicht wird.
Eine stärkere Gradientenkompression von c=133% verschlechtert die Sichtbarkeit allerdings
nur wenig (ca. 2%).
[0106] FIG 15 zeigt das Ergebnis einer Simulation für s
L=1,0µm, in der durch Gradientenvariation (Punkt F2) mit einem diagonalen Layout Minimalabstände
von 1,7µm sowohl in den Zwischenräumen als auch im Material der Brechungsstege 14
realisiert wurden (in der Darstellung wurden die Längen in y-Richtung auf 80% ihrer
tatsächlichen Länge gestaucht für größtmögliche Darstellung).
[0107] Das obere Bild zeigt hierbei ein Layout mit einer Gradientenkompression von c=133%
und geringer Grundhöhe, aber ohne Gradientenvariation. Eingefügte 1,7µm-Radien veranschaulichen
die erforderlichen Mindestabstände. Die ebenfalls eingefügten Pfeile zeigen Verletzungen
dieser Mindestabstände an. Das untere Bild zeigt ein durch zusätzliche Gradientenvariation
(Punkt F2) optimiertes Layout. Der Mindestabstand von 1,7µm ist hier überall eingehalten.
[0108] FIG 16 zeigt streifenförmige Layouts für N=7, einer Streifenbreite von 1,0µm, Minimalbreiten
von 0,88µm und einer Bauhöhe von 87µm, bei denen der maximale Gradient größer als
das Aspektverhältnis ist. In den Bildern sind wiederum Mindestradien eingetragen.
Eingefügte Pfeile weisen wiederum auf deren Verletzung hin.
[0109] Das linke obere Bild zeigt ein theoretisches Layout, bei dem die Brechungsstege 14
nur Gradienten ausbilden und keinerlei Grundhöhe vorhanden ist. Es ist erkennbar,
dass hier an zahlreichen Stellen der Transversalfläche 10 die Mindestabstände nicht
eingehalten sind. Das rechte obere Bild zeigt ein durch Gradientenvariation (Punkt
F2), Variation der Grundhöhe (Punkt F3) und Gradientenverschmälerung (Punkt F5) verbessertes
Layout, das aber noch keine Phasensprünge aufweist. Das untere Bild zeigt ein optimiertes
Layout, in dem durch zusätzliche Phasensprüge (Punkt F7) die Einhaltung der Mindestabstände
sichergestellt wurde. Mit diesem Layout ist ein maximaler Gradient von 130 bei einem
symmetrischen Aspektverhältnis von 100 realisierbar.
[0110] FIG 17 zeigt ein streifenförmiges Layout eines für die Anwendung in der Mammographie
optimierten Brechungsgitters G
L mit N=17, s
L=1,00 µm, symmetrischen Minimalabständen von 0,76 µm, einem symmetrischen Aspektverhältnis
von 48 und einer Höhe von 36 µm. Die Simulation wurde für ein Brechungsgitter G
L mit Brechungsstegen 14 aus Nickel und photolackgefüllten Zwischenräumen 16 durchgeführt.
[0111] Das obere Bild zeigt hierbei eine bereits durch Gradientenkompression (Punkt F1),
Gradientenvariation (Punkt F2) und Einstellung der Grundhöhe (Punkt F3) optimierte
Variante des Layouts. Den schwächsten und zweitschwächsten Teilprismen ist hierbei
eine Zielposition von 35% zugeordnet. Trotz der vorstehend genannten Maßnahmen werden
- wie wieder durch eingetragene Radien verdeutlicht ist - die Mindestabstände nicht
überall eingehalten.
[0112] Das mittlere Bild zeigt eine verbesserte Variante des Layouts, bei dem zur Einhaltung
der Mindestabstände in den schwächsten Prismen ein zusätzlicher Phasensprung (Punkt
F7) eingeführt wurde.
[0113] Das untere Bild zeigt einen vergrößerten Ausschnitt des mittleren Bilds.
[0114] Die FIG 18 und 19 zeigen Varianten eines diagonalen Layout eines für die Anwendung
in der Mammographie optimierten Brechungsgitters G
L mit N=17. Die in dem oberen Bild der FIG 18 dargestellte Layoutvariante wurde dabei
ohne Gradienten-variation (Punkt F2) realisiert. Die in dem unteren Bild der FIG 18
dargestellte Layoutvariante wurde (zur Erreichung größerer Minimal-Abstände) mit Gradientenvariation
(Punkt F2) realisiert. Das obere Bild aus FIG 19 zeigt eine Layoutvariante, in der
die Brechungsstege 14 zusätzlich mit einem negativem Phasensprung (Punkt F6) zur Reduzierung
von Farbfehlern versehen wurde. Das untere Bild aus FIG 19 zeigt schließlich die Reduktion
von Farbfehlern in 6 von 17 Streifen je Pixel. In je drei innerhalb der Fokussierungsgruppe
aufeinanderfolgenden Brechungsstegen 14 ist dabei zur Dispersionskorrektur ein Phasensprung
eingefügt.
[0115] FIG 20 zeigt schließlich schematisch in zwei Varianten einen Teil eines Brechungsstegs
14 in einem zentralen Bereich eines diagonalen Layouts. Verschiedene Teilprismen des
Brechungsstegs 14 sind hierbei zur Verdeutlichung durch unterschiedliche Füllung bzw.
Schraffierung hervorgehoben. Wie in den voranstehenden Beispielen sind diese Teilprismen
auch hier aus dem gleichen Material und sind miteinander einstückig zur Bildung des
Brechungsstegs 14 verbunden.
[0116] Die in der rechten Bildhälfte dargestellte Variante des Brechungsstegs 14 unterscheidet
sich von der in der rechten Bildhälfte dargestellten Variante durch hinzugefügtes
Material zur Realisierung einer Dispersionskorrektur (Punkt F6) und zusätzlicher Phasensprünge
(Punkt F7).
[0117] Dargestellt ist, dass sich die Dispersionskorrektur durch Hinzufügen von Material
auf der Hälfte des Brechungstreifens 12 mit dem geringeren Materialanteil (insbesondere
dem Brechungsstreifen 14 mit dem stärkstem Teilprisma) erreichen lässt und dass der
Einsatz von Streifen sinnvoll sein kann, in denen sich die Wirkungen der Maßnahmen
F6 und F7 gegenseitig aufheben. Das ist in der rechts dargestellten LayoutVariante
beim schwächsten Teilprisma gezeigt, wo in der linken Hälfte zusätzliches Material
für die Dispersionskorrektur (Punkt F6), und in der rechten Hälfte genauso viel zusätzliches
Material zur Realisierung eines zusätzlichen Phasensprungs (Punkt F7) hinzugefügt
wurde.
[0118] Konkretes Beispiel A (hohe Energie, große Minimalabstände):
[0119] FIG 15 zeigt für
sL=1,0µm, dass sich mit einem diagonalen Layout trotz Gradientenkompression (c=133%)
Minimalbstände von 1,7µm (>
sL) symmetrisch (=sowohl für Freiraum als auch für Material) realisieren lassen. Das
obere Teilbild zeigt die Situation ohne Gradientenvariation. Hier ergeben sich Minimal-Abstände
von lediglich 1,3µm für das Material (Pfeile zeigen Verletzungen des Minimalabstands
von 1,7µm an).
[0120] Brechungsgitter Rahmendaten: N=7, diagonales Layout mit Offset-Steigung von 50%,
Belichtungswinkel α = 12°, S
L=1,0µm, p
y = 18,47µm = y
m (=5,2µm) + (=7,97µm) + y
f (=5,3µm), Aspektverhältnis symmetrisch (d.h., sowohl für Freiraum als auch für Material)
r = 53, Minimal-Abstände symmetrisch 1,7µm, Gitterhöhe h = 86,9µm (maximale Materialhöhe
62µm, durchschnittliche Materialhöhe 42,8µm), Maximaler Material-Gradient 50:1 = c
× 37,5 : 1. In der Grafik entspricht 100% Gradient dem Gradienten 37,5 : 1. Das obere
Bild (Teilbild a)) verwendet Zielpositionen von 0%. Das untere Bild (Teilbild b))
verwendet Zielpositionen von 0% (stärkste Teilprismen), -37% (mittelstarke Teilprismen
werden abgeschwächt) und +35% (schwächste Teilprismen werden verstärkt).
[0121] Gesamtaufbau Rahmendaten der optischen Simulation: Röntgenröhre mit Wolfram-Anode,
100 kVp, Filterung flächig 20µm Gold + 200µm Rhenium (K(α)=71,7 keV).
[0122] G
0: P
0=20,881µm, Stege als komplett absorbierend simuliert ("schwarz"), jeweils zwei benachbarte
von q=7 Schlitzen in G
0 geöffnet zu 30% Öffnungsanteil (d.h., G
0 wiederholt sich in x-Richtung alle q P
0=146,168µm. Je mehr Schlitze geöffnet sind, desto heller wird das Bild, aber desto
mehr verbreitern sich die Streifen in G2 und verschlechtern die Sichtbarkeit). d
01=1000mm.
[0123] G1: p
1=1,8252 µm, h
1=41,93µm Silizium (alternativ 11,4µm Nickel) für einen Phasensprung von π/2 ↔ λ/4
bei λ
D=65 keV; d
1L=95,78 mm.
[0124] G
L: Material Gold, Luft als Freiraum, Lichtbrechung 1:14100 für 47keV bis 1:32600 für
71keV; d
L2=116,071 mm.
[0125] G
2: p
2=15,4829 µm bzw. Detektor-Pixelbreite ca. 7,74µm, Höhe h
2=774µm Gold, Aspektverhältnis 100.
[0126] Optische Leistung (simuliert mit 21 diskreten Wellenlängen 38keV, 41 keV,...,98keV
mit 3keV Energie-Abstand jeweils), hier anhand von Sichtbarkeiten verschiedener Randbedingungen
und Abschnitten (Spalten). Bei den Sichtbarkeiten für einen Streifen (den zentralen)
bzw. zwei Streifen (je zwei Streifen gleicher Prismen-Geometrie) wurden die anderen
Spalten als komplett absorbierend ("schwarz") simuliert.
| Randbedingung (diagonales Layout F1 c=133% |
1. Gesamtsichtbarkeit |
Sichtbarkeit in den Spalten mit dem ... Teilprismen |
Zentrale |
| 2. stärksten |
3. mittleren |
4. schwächsten |
5. Spalte |
| a) Ohne F2 |
55,8% |
39,4% |
58,8% |
64,5% |
64,5% |
| b) Mit F2 |
53,7% |
52,4% |
64% |
[0127] Wird bei 2. (stärkste Prismen) auf F1 verzichtet (c=100%) und d
L2=169,7mm entsprechend erhöht, so ergibt sich erneut 2. 39,4%. Die stärksten Prismen
haben immer mit Dispersion bzw. Farbfehlern zu kämpfen. Die Gradientenkompression
ist nicht der Grund für die schlechte Leistung.
[0128] Wird stattdessen ein Phasensprung zur Dispersionkorrektur (Punkt F6) um -24µm Höhe
Gold eingeführt, so steigt die Sichtbarkeit der Spalten stärkster Prismen von 39,4%
auf 42,2%. Wird zusätzlich die Distanz von 116,071 mm auf d
L2=137,85 mm erhöht (was nun wegen den geringeren Farbfehler möglich ist), so steigt
die Sichtbarkeit stark an auf 48,6%. Die Dispersionskorrektur ist somit hier der dominierende
Effekt.
[0129] Konkretes Beispiel B (hohe Energie, hoher Gradient):
[0130] FIG 16 zeigt, dass bei streifenförmigen Layouts, wie sie grundsätzlich in
WO 2013/160 153 A1 offenbart sind, Gradienten möglich sind, die das Aspektverhältnis übersteigen.
[0131] N=7: Mittels der Maßnahmen F1, F2, F3, F5 und F7 (Phasensprung) ist ein maximaler
Gradient von 130 bei einem symmetrischen Aspektverhältnis von 100 realisierbar.
[0132] Brechungsgitter Rahmendaten: N=7, streifenförmiges Layout, Belichtungswinkel α =
9°, s
L=1,0µm, p
y = 13,73µm, Aspektverhältnis symmetrisch r = 100, Minimal-Abstände symmetrisch 0,88
µm, Gitterhöhe h = 86,7 µm (maximale Materialhöhe 86,7 µm), Maximaler Material-Gradient
130:1 = c × 86,7: 1 mit Kompression (Punkt F1) c=150%. In der Grafik entspricht 100%
Gradient dem Gradienten 86,67 : 1. Das obere linke Bild (Teilbild a)) verwendet Zielpositionen
von 0%. Das obere rechte Bild (Teilbild b))) und das untere Bild (Teilbild c)) verwenden
Zielpositionen von 0% (stärkste Teilprismen), -20% (mittelstarke Teilprismen werden
abgeschwächt) und +35% (schwächste Teilprismen werden verstärkt). Das untere Teilbild
enthält zusätzlich einen zusätzlichen Phasensprung (Punkt F7) von Δh=25µm Gold.
[0133] Gesamtaufbau Rahmendaten der optischen Simulation (nur Unterschiede zu der der FIG
15 zugrundeliegenden Simulation angegeben):
G0: Jeweils vier benachbarte von q=17 Schlitzen in G0 geöffnet zu 30% Öffnungsanteil (d.h., G0 wiederholt sich in x alle q p0=17 x 20,881µm = 354,98µm), Stege wiederum perfekt absorbierend ("schwarz") simuliert.
GL: Lichtbrechung 1:5400 für 47keV bis 1:12500 für 71keV; dL2=44, 9907mm.
G2: p2=14,575 µm bzw. Detektor-Pixelbreite ca. 7,3 µm, wie G0 als perfekt absorbierend angenommen zur Vergleichbarkeit mit der Situation ohne Brechungsgitter
(vgl. Zeile 4 in folgender Tabelle).
[0134] Optische Leistung (Spektrum wie im Beispiel A, FIG 15), hier anhand von Sichtbarkeiten
verschiedener Randbedingungen und Abschnitten (Spalten):
| Randbedingung [G0, G2 perfekt absorbierend] |
Gesamtsichtbarkeit |
Sichtbarkeit in den Spalten mit dem ... Teilprismen |
Zentrale Spalte |
| Stärksten |
mittleren |
schwächsten |
| a) Nur Gradienten |
58,4% |
39,3% |
64,5% |
65,6% |
65,3% |
| b) Mit F2, F3, F5, ohne F7 |
57,2% |
39,3% |
64,0% |
64,4% |
67,0% |
| c) Mit allem / 4x30% G0 |
56,4% |
39,3% |
64,0% |
62,7% |
67,0% |
| Ohne Brechungs-gitter |
65,0% |
--- |
--- |
--- |
65,0% |
[0135] Um den Sichtbarkeitsverlust durch das Brechungsgitter G
L zu zeigen, ist als letzte Zeile in der vorstehenden Tabelle die Situation ohne Brechungsgitter
G
L (d.h., G
2 an Stelle von G
L) dargestellt. Dabei wurde darauf verzichtet, die Absorption insbesondere von G
2 zu modellieren.
[0136] Der Sichtbarkeitsverlust entsteht im Wesentlichen durch die hohe Kompression c=150%
und die Anzahl geöffneter Spalten in G
0 (ein äquivalentes Layout mit c=117%, in dem nur einer von dann 14 Spalten in G
0 geöffnet ist, hat eine GesamtSichtbarkeit von 62,7%).
[0137] Zu erkennen ist, dass der zentrale Streifen der Layouts gemäß den den Teilbildern
b) und c) höhere Sichtbarkeiten aufweist als die Situation ohne Brechungsgitter G
L. Der Grund ist, dass eine Aufhärtung durch 87µm Gold erfolgt, welche die niederenergetischen
Anteile und die über 80,7 keV (Gold Kα) entfernt, die durch Beugung zwischen G
L und G
2 weniger gut durch G
L abgebildet werden. Es verbleibt daher relativ mehr Intensität nahe der Design-Wellenlänge.
[0138] Konkretes Beispiel C (niedrigere Energie, große Minimalabstände, begrenzter Bauhöhe):
[0139] FIG 17 zeigt eine Mammographie-Konfiguration mit N=17 und streifenförmigem Layout,
Gradientenkompression (Punkt F1), Gradientenvariation (Punkt F2) und Grundhöhe (Punkt
F3) sowie zusätzlichem Phasensprung (Punkt f7), s
L=1,0µm, Minimalabstände symmetrisch 0,76 µm, Aspektverhältnisse symmetrisch 48, Höhe
36µm. Die Brechungsstege 14 bestehen aus Nickel. Die Zwischenräume 16 sind mit Photolack
gefüllt.
[0140] Je größer N ist, desto stärker sind die Gradienten-Unterschiede zwischen dem Streifen
mit dem kleinsten Gradienten (schwächsten Teilprisma) und den Nachbarstreifen (der
eine Nachbarstreifen ist durch Freiraum getrennt, der andere mit Material verbunden).
[0141] Brechungsgitter Rahmendaten: N=17, streifenförmiges Layout wie grundsätzlich in
WO 2013/160 153 A1 offenbart, Belichtungswinkel α = 10°, s
L=1,00 µm, p
y = 6,348 µm, Aspektverhältnis symmetrisch r = 48, Minimal-Abstände symmetrisch 0,76
µm, Gitterhöhe h = 36,00µm (durchschnittliche Materialhöhe 18,7 µm, bei kleineren
Minimalabständen kann dies und damit die Absorption reduziert werden), Maximaler Material-Gradient
48:1 = c × 36: 1 mit c=133%, in der Grafik entspricht 100% Gradient dem Gradienten
36: 1.
[0142] Die Zielpositionen zur Auslegung der Prismen sind (von der Spalte bzw. dem Streifen
der stärksten Prismen ("1.") zum Streifen der schwächsten Prismen ("8.") hin absteigend,
zentraler Streifen 9. immer 0%):
- Oberes Bild (Teilbild a)), Minimal-Abstände 0,63µm (0,76µm eingezeichnet):
Zielpositionen 1. 0%, 2. 0%, 3. 0%, 4. 0%, 5. 25%, 6. 35%, 7. 35%, 8. 35%
- Mittleres Bild (Teilbild b)), Minimal-Abstände wie eingezeichnet 0,76µm:
Zielpositionen 1. 0%, 2. 0%, 3. -30%, 4. +25%. 5. +25%, 6. +25%, 7. +35%, 8. +25%,
dabei bei 7. (zweitschwächste Prismen-Spalten): Gradienten-Verschmälerung (Punkt F5)
auf 88% der Spaltbreite (6% der Streifenbreite rechts und links abgeschnitten), sowie
bei 8. (schwächste Prismen-Streifen) ein Phasensprung (Punkt F7) von Δh=20µm Höhe
(Δy=3,53µm), aufgeteilt in zwei Teile je py, um die Spalte der Geometrie den benachbarten Spalten anzunähern.
[0143] Gesamtaufbau Rahmendaten der optischen Simulation: Röntgenröhre mit Wolfram-Anode,
40 kVp, Filterung 100µm "Sb" Antimon (K(α)=30,5 keV).
[0144] G
0: p
0=26,6573µm, Stege sind komplett absorbierend ("schwarz") (oder bestehen in guter Näherung
aus Gold mit Höhe h
0 ≥ 130µm). Jeweils fünf benachbarte von q=17 Schlitzen in G
0 geöffnet zu 30% Öffnungsanteil (d.h., G
0 wiederholt sich in x-Richtung alle q p
0=453,174 µm); d
01=1500mm.
[0145] G1: p
1=3,7208µm, h
1=8,4µm Nickel für einen Phasensprung von n ↔ λ/2 bei λ
D= =25keV; d
1L=112,54 mm.
[0146] G
L: Wie beschrieben, Material Nickel, Photolack als Freiraum (reduziert Brechkraft von
Nickel um ca. 2/13 = 15,5% auf ca. 11/13), Lichtbrechung 1:5000 für 19 keV bis 1:12500
für 30 keV; d
L2=130,796mm.
[0147] G
2: p2=36,758µm bzw. Detektor-Pixelbreite ca. 18,38µm, als perfekt absorbierend simuliert
für Vergleichbarkeit mit Situation ohne Linsengitter.
[0148] Optische Leistung (21 diskrete Photonen-Energien zu 18 keV, 19 keV,..., 38 keV mit
Abständen von jeweils 1 keV), hier anhand von Sichtbarkeiten verschiedener Randbedingungen
und Abschnitten (Streifen). Die Transmission liegt bei etwa 74% mit Linsengitter und
bei etwa 94,5% ohne Linsengitter. #
| Randbedingung [G0, G2 perfekt absorbierend] |
Gesamtsichtbarkeit |
Sichtbarkeit in den Spalten mit dem ... Teilprismen |
Zentrale Spalte |
| 1. stärksten |
5. mittleren |
8. schwächsten |
| a) Ohne F7 / Zielposition 35% |
46,1% |
33,0% |
50,2% |
50,1% |
51,2% |
| b) Mit F7, Minimalabstand 0,76µm |
45,1% |
47,2% |
| Ohne Brechungs-gitter |
51,7% |
--- |
--- |
--- |
51,7% |
Konkretes Beispiel D (niedrigere Energie, Dispersionskorrektur) :
[0149] Die FIG 18 und 19 zeigen für N=17 diagonale Layouts mit dem Ziel, im niederenergetischeren
Bereich direkt auf die Pixelgröße eines feinen Detektors zu vergröbern. Das obere
Bild (Teilbild a)) in FIG 18 ist ohne Gradientenvariation (Punkt F2) realisiert. Das
untere Bild (Teilbild b)) in FIG 18 ist zur Erreichung größerer Minimal-Abstände mit
Gradientenvariation realisiert. Das obere Bild (Teilbild c)) in FIG 19 ist zusätzlich
mit einem negativem Phasensprung zur Reduzierung von Farbfehlern (Punkt F6) versehen.
Das untere Bild (Teilbild d)) aus FIG 19 zeigt schließlich die Reduktion von Farbfehlern
in 6 von 17 Streifen je Pixel.
[0150] Brechungsgitter Rahmendaten: N=17, diagonales Layout, Belichtungswinkel α=12°, s
L=1,00µm, p
y =7,653µm (Teilbilder a) und b)) bzw. 10,083 µm (Teilbild c)) bzw. 10,098µm (Teilbild
d)), Aspektverhältnis r und Minimal-Abstände Δxy symmetrisch, aber je nach Teilabbildung
unterschiedlich (ebenso wie die Gitterhöhe), Maximaler Material-Gradient 30:1 = c
× 22,5: 1 mit c=133%. In den FIG 18 und 19 entspricht 100% Gradient jeweils dem Gradienten
22,5: 1. Aspektverhältnisse r, Minimal-Abstände Δxy, Gitterhöhen h, Zielpositionen
je Teilabbildung:
- Teilbild a) ohne Gradientenvariation (Punkt F2) und ohne Dispersionskorrektur (Punkt
F6):
r=50, Δxy=0,74 µm, h=36 µm, durchschnittl. Materialhöhe 14,94 µm, alle Zielpositionen
0%.
- Teilbild b) mit Gradientenvariation (Punkt F2), aber ohne Dispersionskorrektur (Punkt
F6):
r=46, Δxy=0,80µm, h=36µm, durchschnittl. Materialhöhe 14,38 µm, Zielpositionen 1.
0%, 2. 0%, 3. -20%, 4. -20%. 5. -25%, 6. +7%, 7. +35%, 8. +35%.
- Teilbild c) mit Gradientenvariation (Punkt F2) und mit 1x Dispersionskorrektur (Punkt
F6):
r=97, Δxy=0,50 µm, h=47,4 µm, durchschnittl. Materialhöhe 13,53 µm, Zielpositionen
wie bei Teilbild b).
- Teilbild d) mit Gradientenvariation (Punkt F2) und Dispersionskorrektur (Punkt F6)
in 3 Spalten:
r=97, Δxy=0,50µm, h=47,5µm, durchschnittl. Materialhöhe 14,46 µm, Zielpositionen 1.
0%, 2. 0%, 3. 0%, 4. +10%. 5. -5%, 6. -15%, 7. +25%, 8. +30%.
[0151] Gesamtaufbau Rahmendaten der optischen Simulation (nur Unterschiede zu der der FIG
17 zugrundeliegenden Simulation angegeben, insbesondere sind p
0, p
1, d
01, d
1L unverändert) :
G0: Jeweils drei benachbarte von q=11 Schlitzen in G0 geöffnet zu 30% Öffnungsanteil (d.h., G0 wiederholt sich in x-Richtung alle q p0=11 x 26,6574µm = 293,23 µm).
G1: wie im Beispiel C
GL: Nickel/Photolack wie im Beispiel C, Lichtbrechung 1:8000 für 19 keV bis 1:20 000
für 30 keV; dL2=211,496 mm.
G2: p2=38,4593µm bzw. Detektor-Pixelbreite ca. 19.23µm (perfekt absorbierend simuliert).
[0152] Optische Leistung (Spektrum wie im Beispiel C), wiederum anhand von Sichtbarkeiten
verschiedener Randbedingungen und Abschnitten (Spalten). Die Transmission liegt bei
etwa 75,8% mit Brechungsgitter (77% bei Teilbild c)) und bei etwa 94,2% ohne Brechungsgitter.
| Randbedingung [G0, G2 perfekt absorbierend] |
Gesamtsichtbarkeit |
Sichtbarkeit in den Spalten mit dem ... Teilprismen |
Zentrale Spalte |
| 1. stärksten |
5. mittleren |
8. schwächsten |
| b) Ohne F6, Δxy=0,8µm |
42,5% |
29,4% |
43,6% |
48,1% |
49,8% |
| b) Mit F6, Δxy=0,5µm |
43,6% |
36,6 |
| Ohne Brechungs-gitter |
50,9% |
--- |
--- |
--- |
50, 9% |
[0153] Die Sichtbarkeit bei den stärksten Teilprismen nimmt ca. 7% zu. Das gesamte Gitter
profitiert nur mit 1% Zuwachs, da nur zwei von 17 Spalten zu den Stärksten zählen.
Es soll nun gezeigt werden, wie sich der Sichtbarkeitsabstand zu der Situation ohne
Brechungsgitter verringern lässt. Dabei wird gemäß der folgenden Tabelle vertikal
das Layout und horizontal die Anzahl offener Schlitze je q p
0 in G
0 variiert. Für die vorhergehenden Tabelle war dieser Wert 3 (eine Reduktion der Gradientenkompression
von c=4/3 auf c=7/6 würde eine weitere Verbesserung bringen).
| Randbedingung [G0, G2 perfekt absorbierend] |
Gesamtsichtbarkeit bei ... Spalten in G0 je q p= 203,23µm |
| 1 |
2 |
3 |
4 |
| a) Ohne F2/F6, 0,74µm |
48,4% |
46,5% |
43,4% |
39,3% |
| b) Ohne F6, Δxy=0,8µm |
47,5% |
45,6% |
42,5% |
38,4% |
| c) 1x F6, Δxy=0,5µm |
48,9% |
46,8% |
43,6% |
39,3% |
| d) 3x F6, Δxy=0,5µm |
50,4% |
48,5% |
45,4% |
41,1% |
| e) wie d), aber dL2=191,78mm ↔ q=12 q p0= 319,89µm |
50,5% |
48,8% |
46,2% |
42,6% |
[0154] Die Verkürzung des Abstands verbessert die Sichtbarkeit nur leicht und lediglich
zwischen d) und e), weil die höchsten Photonenenergien etwas stärker gebrochen werden.
[0155] Die Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele beschränkt.
Vielmehr können auch andere Varianten der Erfindung von dem Fachmann hieraus abgeleitet
werden, ohne den Gegenstand der Erfindung zu verlassen. Insbesondere sind ferner alle
im Zusammenhang mit den Ausführungsbeispielen beschriebenen Einzelmerkmale auch auf
andere Weise miteinander kombinierbar, ohne den Gegenstand der Erfindung zu verlassen.
Der Gegenstand der Erfindung wird von den Ansprüchen definiert.
Anhang: Physikalische Grundlagen
[0156] Der Phasenkontrast einer Röntgenaufnahme visualisiert unterschiedliche Phasengeschwindigkeiten
c
p = c
0/(1 - δ) = c
0(1 + δ) aufgrund des materialabhängigen Brechungsindex n = 1-δ + iβ.
[0157] Die Transmission T hinter dem Patienten ist durch das Intensitätsverhältnis T = I
/ I
0 bestimmt, wobei I
0 die durchschnittliche Intensität ohne G
1 und G
2 ist. Das Rauschen (repräsentiert durch die Standardabweichung σ
ϕ) ist proportional zu (Δt I
0)
-2. Um das Rauschen zu halbieren, wird also die vierfache Dosis Δt I
0 benötigt. Bei differentiellem Phasenkontrast (sowie auch bei Dunkelfeldaufnahmen)
ergibt sich eine proportionale Abhängigkeit des Rauschens σ
ϕ von der Streifen-Phase ϕ (dabei ist V die (Streifen-)Sichtbarkeit oder Visibilität
mit

[0158] Die Größen I
max und I
min bezeichnen dabei die maximalen/minimalen Intensitäten abhängig von der x-Position
eines verschiebbaren G
0:

wobei Sichtbarkeit V und die Transmission T jeweils in den Grenzen 0-100% variieren
können.
[0159] Um das Rauschen auf einem bestimmten Wert zu halten, muss also Δt I
0 V
2 T unverändert bleiben. Es kann eine Effizienz η der Optik hinter dem Patienten definiert
werden als:

[0160] Ein Ziel der vorliegenden Anmeldung ist, η
ϕ zu optimieren, d.h., eine Dosisminimierung bei gegebenem σ
ϕ (im Unterschied zu σ
Φ' oder σ
Φ) zu erreichen, wobei Φ die Phase der tatsächlichen Wellenfront und Φ' deren räumliche
Änderung Φ' = ∂Φ/∂x bezeichnen. Φ' ist gegeben durch

[0161] Mit der Definition der Empfindlichkeit S als S = d
1L / P
L gilt bei gegebener Design-Wellenlänge λ = λ
D 
[0162] Je höher die Empfindlichkeit, desto geringer ist somit das Rauschen. Aus

folgt wie oben bei vorgegebenem Rauschen σ
Φ' dass die Dosis Δt·I
0 proportional ist mit η
Φ mit
