[0001] Diese Anmeldung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zum Erhitzen und/oder
Abkühlen von Werkstücken mit einem Heiz- bzw. Kühlmedium.
[0002] Das Erhitzen von Werkstücken wird etwa zum Trocknen oder Aushärten von Klebstoffen,
Lacken und anderen Beschichtungen durchgeführt. Bei der Herstellung von Automobilkarosserien
wird zunehmend auf Klebeverfahren zurückgegriffen, da diese verschiedene Vorteile
gegenüber den konventionellen Fügeverfahren bieten. Insbesondere können auf diese
Weise komplexere Bauteile, auch aus unterschiedlichen Werkstoffen, unter Einhaltung
sehr geringer maßlicher Toleranzen gefügt werden. Weiterhin sind die Gewichtsersparnis,
sowie eine gleichmäßige Verteilung von mechanischen Spannungen zu nennen.
[0003] Die eingesetzten Klebstoffe härten unter Temperatureinwirkung aus. Somit wird ein
Verfahren erforderlich, in dem die gefügten Bauteile auf die benötigte Temperatur
erwärmt werden. Bisher wurden zu diesem Zweck sogenannte Durchlauftrockner verwendet,
welche ebenfalls bei der Trocknung von lackierten bzw. beschichteten Karosseriebestandteilen
zum Einsatz kommen. Hierbei werden die Karosserieteile auf Warenträgern ("Skids")
mittels aufwändiger Fördertechnik durch die Aufheiz- und die Haltezone des Trockners
befördert. Nach der Aushärtung der Klebstoffe müssen die Bauteile zur weiteren Bearbeitung
auf ein niedriges Temperaturniveau heruntergekühlt werden. Daher werden die Warenträger
im Anschluss durch eine Kühlzone gefahren. Um die Form- und Maßhaltigkeit der Bauteile
zu gewährleisten, müssen bei komplexen Bauteilen die Warenträger mit einer Vielzahl
von Spannvorrichtungen ausgerüstet sein, welche automatisiert betätigt werden, um
die jeweiligen Bauteile mechanisch zu verspannen. Ebenfalls zum Zwecke der Maßhaltigkeit
wird von den Warenträgern ein hohes Maß an Steifigkeit verlangt. Diese erhalten somit
eine Masse, welche über der des eigentlichen Bauteils liegt. Diese Masse muss bei
jedem Durchlauf miterwärmt und wieder abgekühlt werden, woraus eine energetische Ineffizienz
resultiert. Die Be- und Entladung der Warenträger erfolgt jeweils durch einen automatisierten
Roboter. Aus Gründen der Anlagenverfügbarkeit wird des Weiteren eine Pufferzone für
die leeren Warenträger erforderlich.
[0004] Mit abnehmender Auslastung arbeiten herkömmliche Trockner immer ineffizienter, da
für eine gleichmäßige Trocknung eine turbulente Luftströmung durch einen hohen Luftdurchsatz
aufrechterhalten werden muss. Die Fördertechnik im Trockner, etwa Tragkettenförderer
oder Heber, muss durch ein Schmiersystem geschmiert werden, das zum Eintrag von Kohlenwasserstoffen
in die Luft im Trockner und letztlich in die Abluft führt. Die Förderung der Bauteile
durch den Trockner führt zu Vibrationen, die sich nachteilig auf die Qualität der
Bauteile auswirken können.
[0005] Durch die Vorrichtung, die Anlage und das Verfahren gemäß den nachfolgenden Patentansprüchen
lassen sich diese Nachteile vermeiden. Erfindungsgemäß ist keine Förderung der Werkstücke
in der Vorrichtung, d.h. im Heißbereich, nötig, so dass etwa die Nachteile durch Vibration
und Eintrag von Kohlenwasserstoffen entfallen. Die Annahme der Werkstücke, das Einlegen
der Werkstücke in die Vorrichtung, das Entladen der Vorrichtung sowie die Abgabe der
Bauteile können durch eine einzige Fördereinrichtung im kalten Bereich, etwa einen
Roboter erfolgen. Das Öffnen des Deckels der Vorrichtung kann etwa per Hydraulik oder
Pneumatik durch Anheben oder Aufklappen erfolgen.
[0006] An Stelle eines großen Durchlauftrockners können mehrere Vorrichtungen zum Erhitzen
bzw. eine Anlage mit mehreren Vorrichtungen verwendet werden, so dass, abhängig von
der aktuellen Produktionsmenge, nur die notwendige Zahl an Vorrichtungen betrieben
werden muss, so dass die notwendigen Luftströme und somit die verbrauchte Energiemenge
bedarfsgerecht angepasst werden können. Darüber hinaus führt der Ausfall einer Vorrichtung
nicht zu einem kompletten Produktionsstop.
[0007] Eine geeignete Wärmedämmung erlaubt es, den Großteil der Masse der Vorrichtung außerhalb
der Wärmedämmung anzubringen, so dass die aufzuheizenden und abzukühlenden Massen
innerhalb der Vorrichtung, und damit der entsprechende Aufheiz- und Abkühlungsenergiebedarf,
gering gehalten werden können, auch wenn die gesamte Spannvorrichtung, d.h. die Spannelemente
gemeinsam mit den Gehäuseteilen, für ein hohes Maß an Steifigkeit massiv ausgeführt
sind. Dazu kann eine Wärmedämmung an den Innenseiten des Gehäuses der Vorrichtung
angebracht sein. Die Spannelemente können durch Wärmedämmelemente vom Gehäuse thermisch
getrennt werden.
[0008] Die Werkstücke werden beim Schließen des Deckels zwischen den ersten Spannelementen
am Gehäusebasisteil und den zweiten Spannelementen am Deckel punktuell, linienförmig
(etwa am Rand des Werkstücks) oder (voll)flächig eingespannt, um Form- und Maßtoleranzen
beim Erhitzen und/oder Abkühlen einzuhalten. Beim Öffnen des Deckels erfolgt die Freigabe
der Werkstücke. Die Spannelemente am Deckel oder am Gehäusebasisteil können Federspannelemente
sein. Optional können die Spannelemente mit einer externen motorischen Betätigung
ausgerüstet sein.
[0009] Als Medium zum Heizen und Kühlen wird bevorzugt Luft oder ein anderes Gas, etwa Stickstoff,
verwendet. Flüssige Medien können ebenfalls verwendet werden. Die Beheizung der Vorrichtungen
kann durch Umluft erfolgen, die in einem Umluftaggregat von einem gasbrennerbeheizten
Wärmetauscher erhitzt wird. Die Umluft zirkuliert in einem dafür vorgesehenen Rohrsystem
und wird den Vorrichtungen nach der Beladung mit Werkstücken durch das Öffnen von
Zu- und Abluftklappen, die zu der jeweiligen Vorrichtung gehören, zugeführt. Dem Umluftkreislauf
kann ständig eine bestimmte Menge an Frischluft zugeführt und die entsprechende Abluftmenge
abgeführt werden. Die Wärmeenergie aus der Abluft lässt sich dabei zu einem großen
Teil durch einen Abluftrekuperator auf die Frischluft übertragen. Die Umluft-, Frischluft-
und Abluftvolumenströme lassen sich bedarfsgerecht, je nach Anzahl der genutzten Vorrichtungen,
etwa durch frequenzgeregelte Ventilatoren anpassen. Nach dem Erhitzen kann eine Abkühlung
der Bauteile durch gekühlte Umluft stattfinden.
[0010] Die erfindungsgemäße Vorrichtung, Anlage und das erfindungsgemäße Verfahren eignen
sich besonders zum Aushärten und Trocknen von Klebstoffen, Beschichtungen, Lacken
und Verbundmaterialien. Werkstücke im Sinne der Erfindung sind etwa Bauteile, Baugruppen
und andere Gegenstände.
[0011] Die Figuren 1 und 2 zeigen eine Ausführungsform der Erfindung. Figur 1 zeigt vier
erfindungsgemäße Vorrichtungen, die in der Figur als Härteeinheiten bezeichnet werden,
einen Roboter, wie oben beschrieben, sowie einen Teil der Gasführung für Heißgas und
Kühlgas. Figur 2 zeigt weitere Teile der Gasführung mit den zugehörigen Vorrichtungen
zur Bereitstellung von Heißgas und Kühlgas.
1. Vorrichtung zum Erhitzen und/oder Abkühlen von Werkstücken, wobei die Vorrichtung
Folgendes umfasst:
- ein Gehäuse, das einen Gehäusebasisteil und einen Deckel aufweist, der sich öffnen
und schließen lässt,
- ein oder mehrere erste Spannelemente, die am Gehäusebasisteil angebracht sind,
- ein oder mehrere zweite Spannelemente, die am Deckel angebracht sind,
- eine Fluidleitvorrichtung, die so gestaltet ist, dass im Inneren des Gehäuses ein
turbulenter Strom eines Heiz- oder Kühlmediums erzeugt werden kann,
wobei die Vorrichtung so gestaltet ist, dass ein oder mehrere Werkstücke beim Schließen
des Deckels zwischen den ersten und zweiten Spannelementen eingespannt und beim Öffnen
des Deckels freigegeben werden.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Innenseiten des Gehäusebasisteils und/oder
des Deckels eine Wärmedämmung aufweisen.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, bei der die ersten und/oder zweiten Spannelemente
zur thermischen Trennung mit Wärmedämmelementen am Gehäusebasisteil bzw. am Deckel
angebracht sind.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der das Gehäuse eine oder
mehrere Zufuhröffnungen und eine oder mehrere Abfuhröffnungen zum Zuführen bzw. Abführen
des Heiz- oder Kühlmediums aufweist und das geschlossene Gehäuse, bis auf diese Öffnungen,
im Wesentlichen dicht bezüglich des eingesetzten Heiz- oder Kühlmediums ist.
5. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei der die ersten oder die zweiten
Spannelemente Federspannelemente sind.
6. Anlage, die eine oder mehrere Vorrichtungen nach einem der vorhergehenden Ansprüche
umfasst sowie
- eine erste Fördervorrichtung zum Zuführen des Heizmediums, bevorzugt Heißluft,
- eine zweite Fördervorrichtung zum Zuführen des Kühlmediums, bevorzugt Kaltluft,
- Steuerklappen zur Regelung der Ströme des Heiz- und Kühlmediums und zum Umschalten
zwischen Heiz- und Kühlbetrieb.
7. Verfahren zum Erhitzen und Abkühlen von Werkstücken in einer Vorrichtung nach einem
der Ansprüche 1 bis 5 mit den Schritten:
- Einlegen eines, oder mehrerer, Werkstücke in das geöffnete Gehäuse, sodass das Werkstück
an den ersten Spannelementen oder den zweiten Spannelementen anliegt,
- Schließen des Deckels, sodass das Werkstück zwischen den ersten und zweiten Spannelementen
eingespannt wird,
- Zuführen von Heizmedium zum Erhitzen des Werkstücks und gegebenenfalls Halten der
Temperatur,
- Umschalten von Zuführen des Heizmediums auf Zuführen von Kühlmedium zum Abkühlen
des Werkstücks,
- Öffnen des Deckels, sodass das Werkstück von den Spannelementen freigegeben wird.