[0001] Die Erfindung betrifft regelbaren Ortsnetztransformator zur Transformation einer
Mittelspannung, typischerweise im kV-Bereich, in einer Ortsnetzspannung, beispielsweise
400 V.
[0002] Energieverteilnetze sind insbesondere durch die Impedanzen der Netzkomponenten und
durch wechselnde Lasten Spannungsschwankungen unterworfen. Es ist erstrebenswert,
die Schwankungen so gering wie möglich zu halten. Dafür wird bei Transformatoren zwischen
der Hoch- und der Mittelspannung eine Umschaltung des Windungsverhältnisses verwendet.
Diese gleicht die bei Belastungsänderungen auftretenden Spannungsschwankungen aus,
indem sie das Übersetzungsverhältnis zwischen der Hoch- und der Mittelspannung ändert.
Zu diesem Zweck ist zumindest eine der Wicklungen des Transformators mit einer Reihe
von Anzapfungen versehen, die elektrisch angebunden werden können. Weiterhin ist ein
Mechanismus vorgesehen, der die Umschaltung zwischen zwei Wählerpositionen unterbrechungsfrei
auch unter Last vornimmt. Ein Windungskurzschluss wird vermieden, indem der Stromfluss
kurzzeitig über Widerstände gezwungen wird.
[0003] Es ist anzunehmen, dass in Zukunft die Energieversorgung im Vergleich zur heutigen
Situation dezentraler erfolgt. Das heißt, die Stromerzeugung findet näher zum Verbraucher
als heute in einer größeren Zahl von jeweils kleineren Anlagen statt. Solche Anlagen
sind beispielsweise Photovoltaikanlagen, Windkraftwerke und Biomasse-Kraftwerken oder
auch kleinere Blockheizkraftwerke. Wenn der erzeugte Strom nicht direkt abgenommen
werden kann, ist eine Einspeisung vom Niederspannungsnetz, d.h. Ortsnetz, in das Mittelspannungsnetz
erforderlich, um eine verlustarme Übertragung über weite Strecken zu ermöglichen.
Hierzu ist es erforderlich, im Ortsnetztransformator ein variables Übersetzungsverhältnis
zur Verfügung zu stellen, d.h. einen regelbaren Ortsnetztransformator zu schaffen.
Es sind regelbare Ortsnetztransformatoren bekannt, mit denen eine Umschaltung des
Übersetzungsverhältnisses unter Last unterbrechungsfrei möglich ist. Dazu wird beispielsweise
in der
DE 10 2008 064 487 A1 ein Nebenweg für den Strom über einen Thyristorkreis bereitgestellt. Der Thyristorkreis
und damit der Nebenweg wird genau dann leitend geschaltet, wenn der eigentliche Leitungsumschalter
den Stromweg unterbricht. Durch eine genaue Ansteuerung des Thyristorkreises wird
dabei die Zeit minimiert, in der ein durch die Windungen getriebener Kreisstrom über
die Anzapfungen, den Thyristorkreis und den Leitungsumschalter fließen kann. Nachteilig
ist hieran der hohe Aufwand, der für die zeitlich sehr genaue Ansteuerung der Thyristoren
erforderlich ist. Aus
CN202068191 U ist ein regelbarer Ortsnetztransformator bekannt, der an jeder Wicklungsanzapfung
ein Schütz aufweist, zu dem ein paralleler Nebenweg mit einer Serienschaltung aus
einem Nebenwegs-Schütz und einem angeordnet sind.
[0004] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen regelbaren Ortsnetztransformator
anzugeben, der besonders einfach aufgebaut ist. Diese Aufgabe wird durch einen regelbaren
Ortsnetztransformator mit den Merkmalen von Anspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen
und Weiterbildungen sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0005] Die Schütze in den Verbindungsleitungen erlauben somit eine Auswahl des Übersetzungsverhältnisses
des Ortsnetztransformators, indem zwischen dem ersten Ausgangsanschluss und verschiedenen
Anzapfungen der Wicklung eine direkte Verbindung herstellbar ist. Um für den Strom
einen Nebenweg zu realisieren, ist die zweite Anzapfung der niederspannungsseitigen
Transformatorwicklung über ein Nebenwegs-Schütz ebenfalls mit dem ersten Ausgangsanschluss
des Ortsnetztransformators verbunden.
Der so geschaffene regelbare Ortsnetztransformator weist gegenüber bekannten Ortsnetztransformatoren
den Vorteil eines vereinfachten Aufbaus auf. So ist beispielsweise bei der Verwendung
eines Thyristorschaltelements im Nebenweg eine Steuerung für die Thyristoren zweckmäßig,
die mit einer zeitlichen Auflösung im Bereich von 10 - 100 µs arbeitet. Das Nebenwegs-Schütz
hingegen benötigt lediglich eine Steuergenauigkeit im Bereich von 10 - 20 ms. Da mit
dem Nebenwegs-Schütz ein Kreisstrom nicht so gut verhindert werden kann wie mit einem
Thyristorkreis im Strom-Nebenweg, umfasst der Ortsnetztransformator im Nebenweg ein
strombegrenzendes Element, das beispielsweise als Widerstand oder Induktivität realisiert
sein kann.
[0006] Erfindugsgemäß ist das Nebenwegs-Schütz eines der Gebrauchskategorien AC3 oder AC4.
Wegen der kurzen Zeit, die das Nebenwegs-Schütz eingeschaltet bleibt, ist es möglich,
hierfür ein Schütz zu verwenden, dessen Belastbarkeit geringer ist als der Nennstrom
im Ortsnetztransformator. Ein solches Schütz ist verhältnismäßig klein und verringert
somit den Bauraum, der im Ortsnetztransformator benötigt wird, deutlich.
[0007] In einer Ausgestaltung der Erfindung ist die zweite Anzapfung eine der ersten Anzapfungen.
Mit anderen Worten greift der Strom-Nebenweg an einer der ersten Anzapfungen an.
[0008] Damit wird eine zusätzliche Anzapfung nur für den Strom-Nebenweg unnötig und kann
eingespart werden. Der Ortsnetztransformator umfasst bevorzugt drei Anzapfungen, von
denen die mittlere - in Bezug auf ihre Lage an der Wicklung - mit dem Nebenwegs-Schütz
verbunden ist. Alternativ kann auch eine andere Anzahl an Anzapfungen vorgesehen sein,
beispielsweise fünf Anzapfungen oder sieben Anzapfungen. Das Nebenwegs-Schütz ist
bevorzugt mit der mittleren der Anzapfungen verbunden.
[0009] Zweckmäßig, aber nicht zwangsläufig, enthält der Ortsnetztransformator eine Steuerungseinrichtung,
die selbsttätig eine Steuerung der Lastumschaltung vornimmt. Dazu weist die Steuerungseinrichtung
zweckmäßig Mittel auf, die eine Erkennung ermöglichen, wann eine Umschaltung erfolgen
sollte. Beispielsweise kann es sich dabei um Mittel zur Bestimmung von Spannung und/oder
Strom auf der Eingangs- oder Abgangsseite handeln. Durch diese wird ermittelt, ob
eine Umschaltung nötig ist, indem beispielsweise bei erhöhter abgangsseitiger Last
die entsprechende leichte Senkung der Ausgangsspannung detektiert wird. Alternativ
kann die Steuerung der Lastumschaltung auch von außerhalb des Ortsnetztransformators
vorgenommen werden. In diesem Fall weist der Ortsnetztransformator zweckmäßig Mittel
auf, die eine Steuerung von außen ermöglichen. Dabei kann es sich um eine indirekte,
beispielsweise digitale Fernsteuerung handeln, die im Ortsnetztransformator durch
eine Steuereinrichtung umgesetzt wird in die tatsächliche Ansteuerung des Schalters.
Es kann sich auch um eine direkte, analoge Steuerung von außen handeln, die ggfs.
sogar ohne interne Steuereinrichtung erfolgen kann, beispielsweise durch direkte Beaufschlagung
eines Aktors des Schaltelements von außen mit Strom.
[0010] Ein bevorzugtes, jedoch keinesfalls einschränkendes Ausführungsbeispiel für die Erfindung
wird nunmehr anhand der Zeichnung näher erläutert. Dabei sind die Merkmale stark schematisiert
und nicht maßstäblich dargestellt. Dabei zeigt Figur 1 einen Leitungsumschalter in
einem regelbaren Ortsnetztransformator 10, der für die bessere Übersicht einphasig
dargestellt ist. Der Ortsnetztransformator 10 weist eine Primärwicklung 100 und eine
niederspannungsseitige Sekundärwicklung 101 auf. Die Spannung auf Seite der Primärwicklung
100 beträgt beispielhaft 10 kV, während auf der Seite der Sekundärwicklung 101 eine
Spannung von 400 V AC ausgegeben wird.
[0011] Ein erster Ausgangsanschluss 19 des Ortsnetztransformators 10 ist auf komplexere
Weise mit den Anzapfungen 13, 14, 15 verbunden, um eine Umschaltung des Übersetzungsverhältnisses
im Ortsnetztransformator 10 zu realisieren. Mit dem Anfang 11 der Sekundärwicklung
101 ist ein zweiter Ausgangsanschluss 12 des Ortsnetztransformators 10 verbunden.
[0012] Die Sekundärwicklung 101 weist eine erste Anzapfung 13 bei 9/11, eine zweite Anzapfung
14 bei 10/11 und eine dritte Anzapfung 15 bei 11/11 ihrer Länge auf; letztere also
am Ende der Sekundärwicklung 101. Bei dieser Lage der Anzapfungen 13, 14, 15 kann
also die Länge der verwendeten Sekundärwicklung 101 um 10% erhöht oder verringert
werden, wenn man von der mittleren der drei Anzapfungen 14 ausgeht.
[0013] Für die Umschaltung des Übersetzungsverhältnisses sind Schütze 16a, b, c vorgesehen,
deren Ausgangsanschlüsse mit dem ersten Ausgangsanschluss 19 verbunden sind. Die Schütze
16a, b, c stellen eine Verbindung zwischen dem ersten Ausgangsanschluss 19 und der
ersten, zweiten oder dritten Anzapfung 13, 14, 15 her. Zweckmäßig ist nur eines der
Schütze 16a, b, c zu einer Zeit geschlossen und die verbleibenden Schütze sind geöffnet.
[0014] Die zweite Anzapfung 14 weist eine weitere Verbindung zum ersten Ausgangsanschluss
19 parallel zum zweiten Schütz 16b über ein Nebenwegs-Schütz 17 auf. Diese Verbindung
dient dazu, eine unterbrechungsfreie Umschaltung zu ermöglichen, in dem der Strom
kurzzeitig über das Nebenwegs-Schütz 17 geleitet wird. In Serie zum Nebenwegs-Schütz
17 ist ein strombegrenzender Widerstand 20 angeordnet.
[0015] Im normalen Betriebsfall ist das Nebenwegs-Schütz 17 geöffnet, während über eines
der Schütze 16a, b, c eine Verbindung mit einer der Anzapfungen 13, 14, 15 hergestellt
ist. Soll eine Umschaltung stattfinden, so wird das Nebenwegs-Schütz 17 geschlossen,
um den Stromfluss unterbrechungsfrei zu halten. Nach Ablauf einer kurzen, beispielsweise
in einer Steuerung hinterlegten Wartezeit wird das derzeit geschlossene Schütz 16a,
b, c geöffnet und ein anderes der Schütze 16a, b, c geschlossen, d.h. die Verbindung
zur derzeit aktiven Anzapfung 13, 14, 15 unterbrochen und dann die Verbindung zu einer
anderen der Anzapfungen 13, 14, 15 hergestellt. Danach wird das Nebenwegs-Schütz 17
wieder geöffnet. Zwischen dem Beginn der einzelnen Schaltvorgänge wird zweckmäßig
eine kurze Wartezeit eingehalten, beispielsweise in der Größe der mittleren Schaltzeiten
der Schütze 16a, b, c. Dadurch werden unbeabsichtigte Kurzschlüsse vermieden. Alternativ
kann auch ein Signal der Betätigungsspulen ausgewertet werden, um einen geeigneten
Schaltzeitpunkt zu ermitteln.
1. Regelbarer Ortsnetztransformator (10), aufweisend:
- eine Transformatorwicklung (101) auf der Seite der Ortsnetzspannung, wobei ein Endbereich
der Transformatorwicklung (101) wenigstens zwei erste Anzapfungen (13, 14, 15) aufweist
und das andere Ende der Transformatorwicklung (101) mit einem zweiten Ausgangsanschluss
(12) für die Ortsnetzspannung verbunden ist,
- eine Verbindungsleitung zwischen jeder der Anzapfungen (13, 14, 15) und einem ersten
Ausgangsanschluss (19) für die Ortsnetzspannung, wobei in jeder der Verbindungsleitungen
ein Schütz (16a, b, c) angeordnet ist,
- genau eine zweite Anzapfung (14) im Endbereich der Transformatorwicklung (101),
die über genau ein Nebenwegs-Schütz (17) mit dem ersten Ausgangsanschluss (19) verbunden
ist,
- ein strombegrenzendes Element (20) in Serie zum Nebenwegs-Schütz (17),
wobei das Nebenwegs-Schütz (17) eines der Klasse AC3 oder AC4 ist.
2. Regelbarer Ortsnetztransformator (10) gemäß Anspruch 1, bei dem die zweite Anzapfung
(14) eine der ersten Anzapfungen (13, 14, 15) ist.
3. Regelbarer Ortsnetztransformator (10) gemäß einem der vorangehenden Ansprüche, bei
dem das strombegrenzende Element (20) ein Widerstand (20) ist.
4. Regelbarer Ortsnetztransformator (10) gemäß einem der vorangehenden Ansprüche mit
genau drei ersten Anzapfungen (13, 14, 15).
1. Controllable local grid transformer (10), having:
- a transformer winding (101) on the side of the local grid voltage, wherein an end
region of the transformer winding (101) has at least two first taps (13, 14, 15) and
the other end of the transformer winding (101) is connected to a second output terminal
(12) for the local grid voltage,
- a connecting line between each of the taps (13, 14, 15) and a first output terminal
(19) for the local grid voltage, wherein a contactor (16a, b, c) is arranged in each
of the connecting lines,
- exactly one second tap (14) in the end region of the transformer winding (101) that
is connected to the first output terminal (19) via exactly one bypass contactor (17),
- a current-limiting element (20) in series with the bypass contactor (17),
wherein the bypass contactor (17) is from the AC3 or AC4 class.
2. Controllable local grid transformer (10) according to Claim 1, in which the second
tap (14) is one of the first taps (13, 14, 15).
3. Controllable local grid transformer (10) according to either of the preceding claims,
in which the current-limiting element (20) is a resistor (20).
4. Controllable local grid transformer (10) according to one of the preceding claims,
having exactly three first taps (13, 14, 15).
1. Transformateur (10) de réseau local réglable, comportant :
- un enroulement (101) de transformateur du côté de la tension de réseau local, une
partie d'extrémité de l'enroulement (101) du transformateur ayant au moins deux premières
prises (13, 14, 15) et l'autre extrémité de l'enroulement (101) du transformateur
étant reliée à une deuxième borne (12) de sortie pour la tension de réseau local,
- une ligne de liaison entre chacune des prises (13, 14, 15) et une première borne
(19) de sortie pour la tension de réseau local, un contacteur (16a, b, c) étant monté
dans chacune des lignes de liaison,
- exactement une deuxième prise (14) dans la partie d'extrémité de l'enroulement (101)
du transformateur, qui est reliée à la première borne (19) de sortie par exactement
un contacteur (17) de circuit parallèle,
- un élément (20) de limitation du courant en série avec le contacteur (17) de circuit
parallèle,
le contacteur (17) de circuit parallèle étant un contacteur de la classe AC3 ou AC4.
2. Transformateur (10) de réseau local réglable suivant la revendication 1, dans lequel
la deuxième prise (14) est l'une des premières prises (13, 14, 15).
3. Transformateur (10) de réseau local réglable suivant l'une des revendications précédentes,
dans lequel l'élément (20) de limitation du courant est une résistance (20).
4. Transformateur (10) de réseau local réglable suivant l'une des revendications précédentes,
ayant exactement trois premières prises (14, 14, 15).