[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Pressumformwerkzeug gemäß den Merkmalen im
Oberbegriff von Patentanspruch 1.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zum Betreiben eines Pressumformwerkzeuges
gemäß den Merkmalen im Patentanspruch 9.
[0003] Aus dem Stand der Technik sind Pressumformwerkzeuge zur Herstellung von Blechumformbauteilen
bekannt. Hierzu wird eine Blechplatine in das Pressumformwerkzeug eingelegt und dann
durch aufeinander zu bewegen eines Oberwerkzeuges und eines Unterwerkzeuges umgeformt.
Hierzu wird zumeist ein Oberwerkzeug mit Hilfe eines Pressenstößels abgesenkt, wobei
bei Anlagenkontakt von Oberwerkzeug mit Platine sowie Platine mit Unterwerkzeug eine
Umformung der Platine beginnt, bis Oberwerkzeug und Unterwerkzeug derart geschlossen
sind, dass unter Eingliederung der Platine zwischen dem Oberwerkzeug und Unterwerkzeug
ein Formhohlraum verbleibt. In dem Formhohlraum wird die umgeformte Platine dann endgeformt
zu dem durch die Pressumformung herzustellenden Bauteil. Hierbei kann es bei mehrfach
nebeneinander angeordneten Oberwerkzeugen in einer Presse, so dass gleichzeitig zwei,
drei oder mehr Platinen parallel zu einem Bauteil umgeformt werden, zu einem voneinander
verschiedenen Anlagenkontakt zwischen den einzelnen Werkzeugen kommen. Die gleichzeitig
hergestellten Bauteile unterliegen somit minimalen Produktionstoleranzen, aufgrund
eines Verzuges von Oberwerkzeug, Unterwerkzeug, Pressentisch und/oder Pressenstößel
sowie Abweichungen der Toleranzen von den Oberwerkzeugen bzw. den Unterwerkzeugen
zueinander.
[0004] Weiterhin sind im Stand der Technik die Warmumformung und Presshärtung für härtbare
Stahllegierungen bekannt. Hierbei werden Platinen aus einer härtbaren Stahllegierung
auf eine Temperatur über AC3 erwärmt, so dass diese vollständig austenitisiert sind.
Diese erwärmten Platinen werden dann in das Pressumformwerkzeug eingelegt und im warmen
Zustand umgeformt. Nach Abschluss der Pressumformung, bei vollständig geschlossenem
Pressumformwerkzeug wird das Bauteil dann bevorzugt in dem Pressumformwerkzeug derart
schnell abgekühlt, dass eine Abschreckhärtung erfolgt. Dieser Vorgang ist auch als
Presshärten bekannt. Ist nunmehr aufgrund oben genannter Toleranzen ein nicht unmittelbarer
und direkter Anlagenkontakt zwischen Oberfläche in dem Pressumformwerkzeug befindlichen
Bauteil sowie Innenseite der Werkzeugoberflächen zu verzeichnen, so ist die Abkühlleistung
aufgrund minimaler Luftspalte in diesen Bereichen gesenkt und es stellt sich eine
geringere Abkühlrate ein. Dies hat Auswirkungen auf die Taktzeit zur Herstellung des
Bauteils, wobei längere Zuhaltezeiten vorgesehen werden müssen, je mehr und/oder größere
Luftspalte existieren.
[0005] Aus der
DE 196 05 782 A1 ist ein Pressumformwerkzeug bekannt, welches ein Oberwerkzeug und ein Unterwerkzeug
aufweist, die aufeinander zu bewegbar sind, wobei bei geschlossenem Pressumformwerkzeug
zwischen Oberwerkzeug und Unterwerkzeug ein Formhohlraum ausgebildet ist. Zwischen
dem Unterwerkzeug und einer Gegenplatte ist ein Druckausgleichsraum vorgesehen, so
dass das Unterwerkzeug schwimmend gelagert ist. In dem Druckausgleichsraum wird ein
Hydraulikmedium aufgenommen.
[0007] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher ein Pressumformwerkzeug aufzuzeigen,
bei dem eine Ausgleichsmöglichkeit von Oberwerkzeug und/oder Unterwerkzeug bereitgestellt
wird, so dass bei der Pressumformung auftretende Produktionstoleranzen, insbesondere
bei mehrfach fallenden Werkzeugen gesenkt werden.
[0008] Die zuvor genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Pressumformwerkzeug gemäß
den Merkmalen im Patentanspruch 1 gelöst.
[0009] Der verfahrenstechnische Teil der Aufgabe wird weiterhin mit einem Verfahren gemäß
den Merkmalen im Patentanspruch 9 gelöst.
[0010] Vorteilhafte Ausgestaltungsvarianten der vorliegenden Erfindung sind Gegenstand der
abhängigen Patentansprüche.
[0011] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Pressumformwerkzeug aufweisend ein Oberwerkzeug
und ein Unterwerkzeug, wobei Oberwerkzeug und Unterwerkzeug aufeinander zu bewegbar
sind. Bei geschlossenem Pressumformwerkzeug verbleibt zwischen dem Oberwerkzeug und
dem Unterwerkzeug ein Formhohlraum. Der Formhohlraum entspricht dabei mit seiner Innenkontur
der Außenkontur des herzustellenden Bauteils, so dass eine umgeformte Platine in dem
Formhohlraum am Oberwerkzeug und auch am Unterwerkzeug im Wesentlichen vollflächig
zur Anlage kommt. Um nunmehr Produktionstoleranzen auszugleichen, insbesondere zur
Erzielung eines vollflächigen Anlagenkontaktes bei geschlossenem Pressumformwerkzeug,
sieht die vorliegende Erfindung vor, dass zwischen Oberwerkzeug und einem Pressenstößel
und/oder zwischen dem Unterwerkzeug und einem Pressentisch ein hydraulisches Ausgleichskissen
angeordnet ist, wobei das Oberwerkzeug und/oder das Unterwerkzeug über das hydraulische
Ausgleichskissen schwimmend gelagert sind.
[0012] Das erfindungsgemäße Pressumformwerkzeug ist als Warmumform- und Presshärtewerkzeug
ausgebildet. Es wird somit ermöglicht, dass aufgrund des vollständigen Anlagenkontaktes
eine homogene Abkühlung der Platine erfolgt. Hierdurch ist es insbesondere möglich
die Gefügeeigenschaften des Werkstoffes gezielt und homogen einzustellen.
[0013] Ein weiterer wesentlicher Vorteil bei Durchführung des Presshärtevorganges ist, dass
aufgrund des vollflächigen Anlagenkontaktes eine Verkürzung der Abschreckzeit ermöglicht
wird, da der bessere Wärmeübergang aufgrund des vollständigen Anlagenkontaktes prozesssicher
ist. Die Taktzeit eines erfindungsgemäß ausgerüsteten Pressumformwerkzeuges kann somit
verringert werden, wobei gleichzeitig sichergestellt ist, dass eine vollständige Presshärtung
stattgefunden hat.
[0014] Im Rahmen der Erfindung wird somit insbesondere ermöglicht einen nahezu spaltfreien
Anlagenkontakt zwischen umgeformter Blechplatine sowie Werkzeugoberfläche von Oberwerkzeug
und/oder Unterwerkzeug herzustellen. Im Falle eines Presshärtens ist somit ein besonders
guter Wärmeübergang zu verzeichnen, aufgrund des vollflächigen Anlagekontaktes. Erfindungsgemäß
kommt es somit zu einer Verkürzung der Taktzeit. Das Presshärten kann schneller beendet
werden, da aufgrund des verbesserten Wärmeüberganges eine sichere Abkühlung auf die
Solltemperatur aller Bereiche hergestellt wird.
[0015] Im Rahmen der Erfindung ergibt sich somit die Möglichkeit, dass aufgrund der schwimmenden
Lagerung das Oberwerkzeug unter Eingliederung des Ausgleichskissens schwimmend gegenüber
dem Pressenstößel gelagert ist und/oder das Unterwerkzeug unter Eingliederung des
Ausgleichskissens schwimmend gegenüber dem Pressentisch gelagert ist. Hierdurch wird
es im Rahmen der Erfindung ermöglicht, dass aufgrund der schwimmenden Lagerung ein
Verkanten von Oberwerkzeug zu Unterwerkzeug und somit ein nicht vollflächiges Anliegen
der zu dem Bauteil umgeformten Platine in dem Formhohlraum vermieden wird. Ebenfalls
wird es ermöglicht, dass im Falle eines mehrfach fallenden Werkzeuges, mithin nebeneinander
angeordneter Oberwerkzeuge und/oder Unterwerkzeuge sich die jeweils korrespondierenden
Oberwerkzeuge und Unterwerkzeuge bei Schließen des Werkzeuges und/oder vollständig
geschlossenem Werkzeug zueinander ausrichten. Im Rahmen der Erfindung ist unter schwimmender
Lagerung somit zum einen die schwimmende Lagerung des Unterwerkzeuges auf dem Pressentisch
zu verstehen, so dass das Unterwerkzeug aufgrund der Erdanziehungskraft unter Eingliederung
des Ausgleichskissens schwimmend auf den Pressentisch bzw. auf einer auf dem Pressentisch
angeordneten Spannplatte gelagert ist. Für das Oberwerkzeug gilt die Definition entsprechend,
wobei in Offenstellung des Pressumformwerkzeuges das Oberwerkzeug zunächst an einer
Spannplatte hängt und zwischen dem Ausgleichskissen und dem Oberwerkzeug ein Luftspalt
ausgebildet ist. Erst wenn das Oberwerkzeug durch Zufahren des Pressumformwerkzeuges
an das Ausgleichskissen und wiederum an dem Pressenstößel bzw. eine an dem Pressenstößel
befestigte Spannplatte angedrückt wird, ist auch hier dann die schwimmende Lagerung
ausgebildet derart, dass eine Relativbewegung zwischen Oberwerkzeug und Pressenstößel
bzw. Spannplatte ermöglicht wird.
[0016] Aufgrund der schwimmenden Lagerung wird somit insbesondere eine Relativbewegung von
Oberwerkzeug und/oder Unterwerkzeug von wenigen zehntel Millimetern bis hin zu einigen
Millimetern ermöglicht. Zusätzlich erfolgt eine Homogenisierung der aufgebrachten
Pressenkraft bei vollständig geschlossenem Werkzeug. Eine eventuelle Durchbiegung
von Pressentisch und/oder Pressenstößel wird durch die schwimmende Lagerung ausgeglichen,
derart, dass Oberwerkzeug und Unterwerkzeug in ihrer Relativposition zueinander optimal
ausgerichtet werden und die aufgebrachte Pressenkraft auf das Oberwerkzeug und/oder
das Unterwerkzeug durch die schwimmende Lagerung insbesondere homogen eingebracht
wird. Das Ausgleichskissen befindet sich somit jeweils auf der Rückseite des Oberwerkzeuges
und/oder Unterwerkzeuges und ist bevorzugt mit im Falle des Oberwerkzeuges einer Spannplatte
an dem Pressenstößel und im Falle des Unterwerkzeuges mit einer auf den Pressentisch
angeordneten Spannplatte gekoppelt. Der Pressenstößel weist dazu insbesondere eine
flächig ausgebildete Pressenplatte auf, die mit diesem schubstarr verbunden ist, wobei
dann entsprechend das hydraulische Ausgleichskissen mit der Pressenplatte gekoppelt
ist. Im Folgenden wird dies abgekürzt als Pressenstößel bezeichnet.
[0017] Das hydraulische Ausgleichskissen selbst ist dabei im Rahmen der Erfindung, insbesondere
durch eine einlagige Ausgleichskissenhülle ausgebildet und weist eine flexible Oberfläche
bzw. flexible Wandung auf. Im Rahmen der Erfindung kann die Ausgleichskissenhülle
auch mehrlagig ausgebildet sein. Hierzu ist insbesondere das Ausgleichskissen selbst
aus einem dünnwandigen Blechwerkstoff ausgebildet. Im Rahmen der Erfindung ist es
jedoch auch vorstellbar das Ausgleichskissen aus einem gummiartigen und/oder kunststoffartigen
Werkstoff auszubilden. Im Rahmen der Erfindung kann weiterhin auch ein faserverstärkter
Werkstoff zum Einsatz kommen, so dass dieser, der insbesondere durch das Pressumformen
selbst aufgebrachten Druckkraft stand hält.
[0018] Weiterhin besonders bevorzugt ist das Ausgleichskissen dann auf einer Rückseite mithin
einer Seite, welche dem Oberwerkzeug bzw. dem Unterwerkzeug zugewandt ist, mit einem
Grundblech bzw. Dichtblech ausgestattet, insbesondere bildet das Grundblech die Rückseite
des Ausgleichskissens. Das Grundblech wird dann bevorzugt an einem Spanntisch befestigt
und es ist wiederum mit der Ausgleichskissenhülle fluiddicht gekoppelt, so dass in
dem Ausgleichskissen ein fluiddichter Raum zwischen Ausgleichskissenhülle und Grundblech
bereitgestellt ist. Bevorzugt ist weiterhin ein umlaufender Rahmen bzw. eine umlaufende
Leiste vorgesehen, die die Ausgleichskissenhülle und das Grundblech in einem vorgegebenen
Abstand miteinander koppelt, wobei der Abstand insbesondere in seiner Höhe den nachfolgend
beschriebenen Aufsetzleisten entspricht. Das Ausgleichskissen kann dann im Falle eines
Pressentisches die gleiche Dimensionierung in Breite und Tiefe des Pressentisches
selbst aufweisen. Das Ausgleichskissen kann jedoch auch nur partiell auf dem Pressentisch
ausgebildet sein, insbesondere bei der Anordnung von mehreren Unterwerkzeugen auf
einem Pressentisch, so dass das Ausgleichskissen dann bevorzugt die Breite und Tiefe
einer Unterseite des Unterwerkzeuges aufweist. Jedes Unterwerkzeug kann dann unter
Eingliederung eines individuellen Ausgleichskissens auf dem Pressentisch befestigt
sein. Um eine bevorzugte Koppelung und insbesondere einen einfachen und schnellen
Werkzeugwechsel zu ermöglichen, wird ferner auf dem Pressentisch eine Spannplatte
vorgesehen, auf welcher das Ausgleichskissen, insbesondere die Grundplatte des Ausgleichskissens
befestigt wird. Für das Oberwerkzeug gelten oben genannte Ausführungen analog.
[0019] Damit nunmehr das Oberwerkzeug und/oder das Unterwerkzeug mit dem Pressenstößel bzw.
Pressentisch unverlierbar verbunden sind, ist insbesondere eine formschlüssige Lagerung,
welche ein Relativspiel zulässt, vorzusehen. Insbesondere wird dies durch Nutensteine,
ganz besonders bevorzugt durch T-förmige Nutensteine an einer Spannplatte ausgebildet.
Die T-Form des Nutensteines zeichnet sich dabei insbesondere derart aus, dass ein
Hals sowie ein quer zu dem Hals stehender T-förmiger Steg ausgebildet sind. Über die
Länge des Halses kann dann eine Relativbewegung von Oberwerkzeug zu Pressenstößel
stattfinden. Durch den T-förmigen Steg sowie durch eine Auflagefläche des Pressenstößels
bzw. der Spannplatte wird diese Relativbewegung abgegrenzt. Gleiches gilt in umgekehrter
Reihenfolge dann für den Pressentisch.
[0020] Ebenfalls können die Nutensteine derart positioniert sein, dass auch eine Relativbewegung
des Oberwerkzeuges quer zum Pressenstößel und im Falle des Unterwerkzeuges quer zum
Pressentisch durchgeführt werden kann.
[0021] Damit ein metallisches Schlagen bei Öffnen und Schließen des erfindungsgemäßen Pressformwerkzeuges
vermieden wird, ist besonders bevorzugt vorgesehen, dass zwischen Oberwerkzeug und
Nutenstein eine elastische Lagerung, insbesondere ein elastischer Anschlag bzw. Dämpfer
vorgesehen ist. Hierfür kann beispielsweise ein Teflonwerkstoff oder aber auch ein
gummiartiger Kunststoffwerkstoff genutzt werden. Gegebenenfalls ist es möglich den
elastischen Anschlag auch aus einem relativ weichen metallischen Werkstoff in Relation
zu dem für die Werkzeuge und/oder Pressenstößel und/oder Pressentisch eingesetzten
Werkzeugstählen zu nutzen.
[0022] Das erfindungsgemäße Pressumformwerkzeug kann dabei auf zwei verschiedenen Verfahrenswegen
betrieben werden. Ein erster Verfahrensweg sieht vor, dass die schwimmende Lagerung
passiv betrieben wird. Dies bedeutet in dem Ausgleichskissen herrscht ein gleichbleibender
immer vorherrschender Hydraulikdruck. Das Ausgleichskissen ist somit mit einem Hydraulikmedium
befüllt, wobei dann die Relativbewegung von Oberwerkzeug zu Pressenstößel oder von
Unterwerkzeug zu Pressentisch zu einer Verschiebung des Ausgleichskissens führen.
Der vorherrschende Hydraulikdruck innerhalb des Ausgleichskissens ist mithin gleichbleibend
und wird bei vollständig geschlossenem Pressumformwerkzeug nur durch die Pressenkraft
erhöht, bzw. verteilt diese gleichmäßig.
[0023] Eine dazu alternative Ausgestaltungsvariante sieht vor, dass der Hydraulikdruck in
dem Ausgleichskissen aktiv gesteuert wird. Hierzu herrscht besonders bevorzugt in
dem Ausgleichskissen ein Basisdruck. Bei Schließen oder kurz nach vollständig geschlossenem
Pressumformwerkzeug kann dann der Basisdruck um einen Betriebsdruck erhöht werden.
Mithin wird der hydraulische Druck in dem Ausgleichskissen erhöht. Der Basisdruck
kann auch gleich null sein. Somit wird bei geschlossen gehaltenem Pressumformwerkzeug
der auf das Bauteil wirkende Druck durch den Betriebsdruck des Hydraulikmediums nochmals
erhöht. Aufgrund der schwimmenden Lagerung von Oberwerkzeug zu Pressenstößel und/oder
Unterwerkzeug zu Pressentisch sorgt dies insbesondere dafür, dass eventuelle Spalte
und/oder Freiräume zwischen der Werkzeugoberfläche und der Oberfläche der umgeformten
Platine derart geschlossen werden, dass ein nahezu vollständiger Anlagenkontakt erreicht
wird.
[0024] Eine besonders bevorzugte Ausführungsform sieht vor, dass bei Beginn des Umformhubes
der in dem Ausgleichskissen vorherrschende Druck gleich Null ist. Die Umformkraft
wird somit zunächst ausschließlich über das Pressumformwerkzeug übertragen, wobei
Oberwerkzeug und Unterwerkzeug die Pressenkraft über die Aufsetzleisten an die umzuformende
Platine übertragen. Wenn der Pressenstößel im unteren Totpunkt steht, wird das Ausgleichskissen
mit einem vorgegebenen definierten Volumen eines Öl-Hydraulikfluid befüllt. Der Pressenstößel
selbst hält dabei seine Haltekraft, wird jedoch leicht durch die auf das Ausgleichskissen
aufgebrachte Hydraulikkraft angehoben. Hierzu wird beispielsweise ein Hydraulikdruck
zwischen 1 und 2 MPa, bevorzugt zwischen 1,3 und 1,7 MPa, verwendet. Wird beispielsweise
ein Pressentisch mit einer Breite und Tiefe von 3000x2000 mm verwendet, so ergibt
sich daraus eine Haltekraft des Stößels von 1000 Tonnen. Hierzu kann dann beispielsweise
in das Ausgleichskissen ein Öldruck von 1,6 MPa mit einem Ölvolumen für ein 2 mm hohes
Anheben des Stößels von 12 Liter eingebracht werden.
[0025] Besonders bevorzugt ist hierzu ein Hydraulikzylinder an dem Pressumformwerkzeug angeordnet,
mit dem Volumen und Druck in das einzubringende Fluid genau steuerbar ist und gegebenenfalls
bei Werkzeugwechsel anpassbar ist. Besonders bevorzugt wird als Hydraulikmedium ein
Öl verwendet.
[0026] Im Rahmen der Erfindung können insbesondere mehrere nebeneinander gelagerte Oberwerkzeuge
und/oder Unterwerkzeuge auf einem Pressenstößel oder auf einem Pressentisch angeordnet
sein. Ein jeweiliges Oberwerkzeug und ein jeweiliges Unterwerkzeug richten sich dann
aufgrund der schwimmenden Lagerung passgenau zueinander aus.
[0027] Im Rahmen der Erfindung ist es jedoch auch möglich, dass ein Oberwerkzeug und/oder
ein Unterwerkzeug in mehrere Teile segmentiert ausgebildet ist. Dieser segmentierte
Werkzeugaufbau bietet sich insbesondere zur Warmumformung von großflächigen Bauteilen,
wie Längsträger, Tunnelverstärkung, Fahrzeugsäulen und Stoßstangen an. Die einzelnen
Segmente sind dann relativbeweglich zueinander sowie relativbeweglich, an dem Pressenstößel
bzw. dem Pressentisch gelagert.
[0028] Zur Übertragung der Pressenkraft ist im Rahmen der Erfindung ferner vorgesehen, dass
auf dem Pressentisch und/oder dem Pressenstößel Aufsetzleisten angeordnet sind. Die
Aufsetzleisten sorgen bei vollständig geschlossenem Pressformwerkzeug durch zumindest
bereichsweise ausgebildeten Kontakt mit dem jeweiligen Oberwerkzeug oder Unterwerkzeug
für eine vollständige Übertragung der Pressenkraft. Sofern das Oberwerkzeug bzw. Unterwerkzeug
eine entsprechende Schieflage bzw. Fehlstellung zum Pressentisch und/oder Pressenstößel
aufweist, wird die Pressenkraft über das Ausgleichskissen sowie den darin vorherrschenden
Hydraulikdruck übertragen.
[0029] Weitere Vorteile, Merkmale, Eigenschaften und Aspekte der vorliegenden Erfindung
sind Gegenstand der nachfolgenden Beschreibung. Bevorzugte Ausgestaltungsvarianten
werden in den schematischen Figuren dargestellt. Diese dienen dem einfachen Verständnis
der Erfindung. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Querschnittsansicht durch ein erfindungsgemäßes Pressformwerkzeug,
- Figur 2
- eine Teilansicht an einem erfindungsgemäßen Oberwerkzeug im oberen Totpunkt
- Figur 3
- eine Teilansicht während der Zuhaltezeit,
- Figur 4
- eine Draufsicht auf eine Pressenplatte als erfindungsgemäßer Pressenstößel und
- Figur 5
- ein Teilschnitt durch ein erfindungsgemäßes Ausgleichskissen.
[0030] In den Figuren werden für gleiche oder ähnliche Bauteile dieselben Bezugszeichen
verwendet, auch wenn eine wiederholte Beschreibung aus Vereinfachungsgründen entfällt.
[0031] Figur 1 zeigt ein erfindungsgemäßes Pressumformwerkzeug 1 aufweisend einen oben gelagerten
Pressenstößel 2 sowie einen unten gelagerten Pressentisch 3. Auf dem Pressentisch
3 ist ein Unterwerkzeug 4 angeordnet. Das Unterwerkzeug 4 selbst weist vier Unterwerkzeugteile
4.1, 4.2, 4.3, 4.4 auf. An dem Pressenstößel 2 selbst sind vier Oberwerkzeuge 5.1,
5.2, 5.3, 5.4 aufgehangen. Die vier Oberwerkzeuge 5.1, 5.2, 5.3, 5.4 sind an dem Pressenstößel
2 unter Eingliederung eines erfindungsgemäßen hydraulischen Ausgleichskissens 6 schwimmend
gelagert. Es wird hierdurch jedem einzelnen Oberwerkzeug 5.1, 5.2, 5.3, 5.4 ermöglicht
eine Relativbewegung R sowohl gegenüber dem Unterwerkzeug 4 als auch gegenüber dem
Pressenstößel 2 durchzuführen, so dass sich jeweils ein optimaler Formhohlraum 7.1,
7.2, 7.3, 7.4 zwischen Oberwerkzeug 5.1, 5.2, 5.3, 5.4 und Unterwerkzeug 4 bzw. der
jeweiligen Werkzeugoberflächen 8, 9 von Oberwerkzeug 5.1, 5.2, 5.3, 5.4 und Unterwerkzeug
4 einstellt. Eine nicht näher dargestellte dazwischen eingegliederte Platine, hat
somit einen nahezu vollständigen Anlagenkontakt an den Werkzeugoberflächen 8, 9, was
im Falle eines gekühlten Presshärtewerkzeugs zu einer verkürzten Abkühldauer führt.
Hierzu sind angedeutet sowohl in dem Oberwerkzeug 5.1, 5.2, 5.3, 5.4 als auch in dem
Unterwerkzeug 4 ausgebildete Kühlkanäle 10. Figur 2 zeigt dabei eine Detailansicht
von zwei nebeneinander aufgehangenen Oberwerkzeugen 5.1, 5.2. Die Oberwerkzeuge 5.1,
5.2 sind dabei relativbeweglich an einem T-förmigen Nutenstein 11 aufgehangen, so
dass das Oberwerkzeug 5.1, 5.2 auf einer Auflagefläche 12 eines T-förmigen Steges,
bezogen auf die Vertikalrichtung V im in Figur 2 dargestellten oberen Totpunkt, aufliegt.
Das Ausgleichskissen 6 selbst ist dabei an einer Stößelplatte 13 des Pressenstößels
2 anliegend ausgebildet. Angedeutet ist an einer Seitenfläche ein elastisches Mittel,
so dass zum einen eine Führung in Querrichtung Q erfolgt, zum anderen jedoch ein Metallschlag
gleichsam durch das elastische Mittel gedämpft wird. Ebenfalls ist es im Rahmen der
Erfindung vorstellbar zwischen Auflagefläche 12 sowie Oberwerkzeug 5.1, 5.2 ein elastisches
Mittel einzugliedern. Bei dem angedeuteten Pfeil kann mit einem Hydraulikblockspanner
der T-Stein in Richtung zu dem Pressenstößel 2 gespannt werden. Dargestellt in Figur
3 können auf der Auflagefläche 12 entsprechende Gummiblöcke 22 positioniert werden,
so dass bei einer Aufwärtsbewegung kein Metallschlag erfolgt und eine entsprechende
Dämpfung vorhanden ist.
[0032] Die zwei nebeneinander aufgehangenen Oberwerkzeuge 5.1, 5.2 sind zum Unterwerkzeug
4 mit einer Gleitführung geführt. Eine seitliche Bewegung eines Oberwerkzeuges 5 kann
dabei nur im Rahmen eines Gleitspaltes erfolgen.
[0033] Figur 3 zeigt die Ansicht in einem unteren Totpunkt. Zu erkennen ist, dass bezogen
auf die Vertikalrichtung V das jeweilige Oberwerkzeug 5.1, 5.2 mit dem Ausgleichskissen
6 in Anlagekontakt gebracht ist und durch weiteres Absenken der Stößelplatte 13 bzw.
des nicht näher dargestellten Pressenstößels 2 entsprechend eine Kraft F der Presse
übertragen wird an die nicht näher dargestellte Platine. Im Rahmen der Erfindung wird
besonders bevorzugt eine Relativbewegung R von Oberwerkzeug 5.1, 5.2 zu Stößelplatte
13 von weniger als 10 mm, insbesondere weniger als 5 mm durchgeführt. Gegenüber dem
Ausgleichskissen 6 ist das jeweilige Oberwerkzeug 5.1, 5.2 dann nochmals schwimmend
gelagert, so dass es sich bei vollständig geschlossenem Pressumformwerkzeug 1 ideal
bezogen auf das Unterwerkzeug sowie den herzustellenden Anlagenkontakt zu der umgeformten
Platine ausrichten kann. Eine Homogenisierung des Kontaktdruckes im geschlossenen
Zustand wird ebenfalls erreicht.
[0034] Figur 4 zeigt eine Draufsicht auf die in Figur 2 und Figur 3 angedeutete Oberfläche
15 der Stößelplatte 13 eines Pressenstößels. Auf der Oberfläche 15 des Grundblechs
23 ist ein außen umlaufender Rahmen 16, welcher das Ausgleichskissen 6 fluiddicht
mit der Oberfläche 15 des Grundblechs 23 koppelt. Der Rahmen 16 selbst weist eine
Anschlussöffnung bzw. eine Ventilöffnung auf, um zum einen das in Fig. 2 näher dargestellte
Hydraulikmedium 19 zwischen Oberfläche 15 und Ausgleichskissenhülle 18 einzuführen
sowie einen aktiven Druckregler anzuschließen, um den zwischen Ausgleichskissenhülle
18 und Oberfläche 15 anliegenden Druck des Hydraulikmediums 19 aktiv einzustellen.
[0035] Weiterhin dargestellt ist in Figur 5 das Ausgleichskissen 6 in einer Querschnittsansicht.
Zu erkennen ist hier das erfindungsgemäße Ausgleichskissen 6 mit seiner Ausgleichskissenhülle
18 und dem außen umlaufenden Rahmen. Ferner gut zu erkennen ist, dass die Höhe H16
des Rahmens 16 der Höhe H20 der Aufsetzleiste entspricht. Der Rahmen 16 und das Grundblech
23 sowie die Ausgleichskissenhülle 18 sind bevorzugt durch ein thermisches Fügeverfahren
miteinander gekoppelt. Hierzu sind alle Bauteile aus einem metallischen Werkstoff
ausgebildet.
[0036] Ferner dargestellt sind Aufsetzleisten 20, wobei eine Aufsetzleiste 20 ebenfalls
in Figur 3 angedeutet dargestellt ist. Durch vollständiges Absenken des Pressenstößels
2 kommt so mit die Aufsetzleiste 20 mit einer Rückseite 21 des jeweiligen Oberwerkzeuges
5.1, 5.2 zumindest bereichsweise in formschlüssigen Kontakt und überträgt somit die
Kraft F des Pressenstößels 2 auf die umzuformende Platine vollständig. In einem eventuellen
Bereich in dem kein Kontakt hergestellt wird, wird zumindest ein Teil bevorzugt ebenfalls
ein gleicher Anteil der aufgebrachten Kraft F durch den Pressenstößel 2 aufgrund des
Drucks des Hydraulikmediums 19 übertragen.
Bezugszeichen:
[0037]
- 1 -
- Pressumformwerkzeug
- 2 -
- Pressenstößel
- 3 -
- Pressentisch
- 4 -
- Unterwerkzeug
- 5 -
- Oberwerkzeug
- 6 -
- Ausgleichskissen
- 7 -
- Formhohlraum
- 8 -
- Werkzeugoberfläche zu 5
- 9 -
- Werkzeugoberfläche zu 4
- 10 -
- Kühlkanal
- 11 -
- Nutenstein
- 12 -
- Auflagefläche
- 13 -
- Stößelplatte
- 14 -
- Gleitlager
- 15 -
- Oberfläche
- 16 -
- Rahmen
- 17 -
- Ventilöffnung
- 18 -
- Ausgleichskissenhülle
- 19 -
- Hydraulikmedium
- 20 -
- Aufsetzleiste
- 21 -
- Rückseite
- 22 -
- Gummiblock
- 23 -
- Grundblech
- F -
- Kraft
- H16 -
- Höhe zu 16
- H20 -
- Höhe zu 20
- Q -
- Querrichtung
- R -
- Relativbewegung
- V -
- Vertikalrichtung
1. Pressumformwerkzeug (1) aufweisend ein Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und ein Unterwerkzeug
(4), welche aufeinander zu bewegbar sind und bei geschlossenem Pressumformwerkzeug
(1) zwischen Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und Unterwerkzeug (4) ein Formhohlraum
(7) ausgebildet ist, und zwischen dem Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und einem
Pressenstößel (2) und/oder zwischen dem Unterwerkzeug (4) und einen Pressentisch (3)
ein hydraulisches Ausgleichskissen (6) angeordnet ist, wobei das Oberwerkzeug (5.1,
5.2, 5.3, 5.4) und/oder das Unterwerkzeug (4) über das hydraulische Ausgleichskissen
(6) schwimmend gelagert sind und das Pressumformwerkzeug (1) als Warmumform- und Presshärtewerkzeug
ausgebildet ist.
2. Pressumformwerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Ausgleichskissen (6) eine flexible Ausgleichskissenhülle (18) aufweist, wobei
die Ausgleichskissenhülle (18) aus einem Blechwerkstoff oder einem gummiartigen Werkstoff
und/oder Kunststoff ausgebildet ist und/oder dass als Rückseite des Ausgleichskissens
(6) ein Grundblech (23) ausgebildet ist, wobei das Grundblech (23) fluiddicht insbesondere
unter Eingliederung eines Rahmens (16) mit der Ausgleichskissenhülle (18) gekoppelt
ist.
3. Pressumformwerkzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Ausgleichskissen (6) ein Hydraulikmedium (19) fluiddicht aufgenommen ist.
4. Pressumformwerkzeug nach dem vorhergehenden Anspruch, dadurch gekennzeichnet, dass das Hydraulikmedium (19) einen konstanten Druck aufweist oder dass der Druck des
Hydraulikmediums (19) aktiv steuerbar ist.
5. Pressumformwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und/oder das Unterwerkzeug (4) an Nutensteinen
(11), insbesondere T-förmigen Nutensteinen (11) gelagert ist, wobei über die Nutensteine
(11) eine Relativverschiebung (R) in Pressenrichtung zu dem Pressenstößel (2) oder
dem Pressentisch (3) ermöglicht ist.
6. Pressumformwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass im Kontaktbereich von Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und Nutenstein (11) und/oder
Unterwerkzeug (4) und Nutenstein (11) ein Gleitlager (14) und/oder ein Gummiblock
(22) angeordnet ist.
7. Pressumformwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und/oder das Unterwerkzeug (4) in mindestens
zwei nebeneinanderliegende Segmente geteilt ist oder dass mindestens zwei Oberwerkzeuge
(5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und/oder mindestens zwei Unterwerkzeuge (4) nebeneinander angeordnet
sind, wobei bevorzugt jedem Segment und/oder jedem Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4)
und/oder jedem Unterwerkzeug (4) ein eigenes Ausgleichskissen (6) zugeordnet ist.
8. Pressumformwerkzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Oberwerkzeug (5.1, 5.2, 5.3, 5.4) und dem Pressenstößel und/oder zwischen
dem Unterwerkzeug (4) und dem Pressentisch (3) Aufsetzleisten (20) angeordnet sind,
wobei die Aufsetzleisten (20) die beim Umformen auftretende Pressenkraft (F) durch
zumindest bereichsweisen formschlüssigen Kontakt unter Eingliederung der Ausgleichskissenhülle
(18) überträgt.
9. Verfahren zum Betreiben eines Pressumformwerkzeuges (1) nach mindestens einem der
Patentansprüche 1, bis 8 dadurch gekennzeichnet, dass das Pressumformwerkzeug (1) geschlossen wird und bei oder unmittelbar nach dem Schließen
mit einem Betriebsdruck beaufschlagt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass beim Öffnen des Pressumformwerkzeuges (1) das Ausgleichskissen (6) dekomprimiert
wird und dabei oder zeitlich danach der Pressenstößel angehoben wird.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Ausgleichskissen (6) ein Basisdruck anliegend ist und der Basisdruck für den
Pressumformvorgang insbesondere den Pressvorgang, besonders bevorzugt für einen Abschreckhärtevorgang
auf einen Betriebsdruck erhöht wird, insbesondere ist der Basisdruck im Wesentlichen
null.