[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Bauteils durch Warmumformen
eines Vorproduktes aus Stahl gemäß dem Oberbegriff des Patentanspruches 1. Als Vorprodukte
werden nachfolgend z. B. Bleche vom Coil geschnitten oder als Platinenzuschnitt oder
nahtlose bzw. geschweißte Rohre, die fallweise zusätzlich kaltgezogen sein können,
verstanden.
[0002] Derartige Bauteile werden hauptsächlich in der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie
verwendet, aber auch im Maschinenbau oder Bauwesen bieten sich Einsatzmöglichkeiten.
[0003] Der heiß umkämpfte Markt zwingt die Automobilhersteller ständig nach Lösungen zur
Senkung ihres Flottenverbrauches unter Beibehaltung eines höchstmöglichen Komforts
und Insassenschutzes zu suchen. Dabei spielt einerseits die Gewichtsersparnis aller
Fahrzeugkomponenten eine entscheidende Rolle andererseits aber auch ein möglichst
günstiges Verhalten der einzelnen Bauteile bei hoher statischer und dynamischer Beanspruchung
im Betrieb wie auch im Crashfall.
[0004] Dieser Notwendigkeit versuchen die Vormateriallieferanten dadurch Rechnung zu tragen,
dass durch die Bereitstellung hoch- und höchstfester Stähle die Wanddicken reduziert
werden können bei gleichzeitig verbessertem Bauteilverhalten bei der Fertigung und
im Betrieb.
[0005] Diese Stähle müssen daher vergleichsweise hohen Anforderungen hinsichtlich Festigkeit,
Dehnfähigkeit, Zähigkeit, Energieaufnahme und Korrosionsbeständigkeit sowie ihrer
Verarbeitbarkeit beispielsweise bei der Kaltumformung und beim Schweißen genügen.
[0006] Unter den vorgenannten Aspekten gewinnt die Herstellung von Bauteilen aus warmumformbaren
Stählen zunehmend an Bedeutung, da diese bei geringerem Materialaufwand die gestiegenen
Anforderungen an die Bauteileigenschaften ideal erfüllen. Die Herstellung von Bauteilen
mittels Abschreckung von Vorprodukten aus presshärtbaren Stählen durch Warmumformen
in einem Umformwerkzeug ist aus der
DE 601 19 826 T2 bekannt. Hier wird eine zuvor oberhalb der Austenitisierungstemperatur auf 800 -
1200°C erwärmte und ggf. mit einem metallischen Überzug aus Zink oder auf Basis von
Zink versehene Blechplatine in einem fallweise gekühlten Werkzeug durch Warmumformung
zu einem Bauteil umgeformt, wobei während des Umformens durch schnellen Wärmeentzug
das Blech bzw. Bauteil im Umformwerkzeug eine Abschreckhärtung (Presshärtung) erfährt
und dadurch die geforderten Gefüge- und Festigkeitseigenschaften erreicht.
[0007] Der metallische Überzug wird als Korrosionsschutz üblicherweise im kontinuierlichen
Schmelztauchverfahren auf ein Warm- oder Kaltband bzw. auf das daraus hergestellte
Vorprodukt aufgebracht, z. B. als Feuerverzinkung oder Feueraluminierung.
[0008] Anschließend wird die Platine für das Umformwerkzeug der Warmumformung passend zugeschnitten.
Möglich ist auch, das jeweils umzuformende Werkstück, bzw. den Zuschnitt, mit einem
Schmelztauchüberzug zu versehen.
[0009] Das Aufbringen eines metallischen Überzugs auf das umzuformende Vorprodukt vor dem
Warmumformen ist bei diesem Verfahren von Vorteil, weil durch den Überzug eine Verzunderung
des Grundmaterials und durch eine zusätzliche Schmierwirkung übermäßiger Werkzeugverschleiß
wirksam vermieden werden.
[0010] Bekannte warmumformbare Stähle für diesen Einsatzbereich sind z. B. der Mangan-Bor-Stahl
"22MnB5" und neuerdings auch luftvergütbare Stähle gemäß der
DE 10 2010 024 664 A1.
[0011] Um Bauteile mit sehr hohen Festigkeiten von mehr als 980 MPa bei noch ausreichend
hoher Zähigkeit zu erreichen, ist es aus der
EP 2 546 375 A1 bekannt, einen Stahl mit einem im Ausgangszustand ferritischen Gefüge mittels Pressformhärtung
entsprechend umzuformen und durch eine stufenförmige Prozessführung ein Gefüge aus
Bainit, angelassenem Martensit und Restaustenit am fertigen Bauteil einzustellen.
Hierbei wird das umzuformende Blech zunächst auf eine Temperatur von 750 bis 1000°C
erwärmt und auf dieser Temperatur 5 bis 1000 Sekunden gehalten, anschließend bei 350
bis 900°C umgeformt und auf 50 bis 350°C abgekühlt. Schließlich erfolgt eine Wiedererwärmung
auf eine Temperatur von 350 bis 490°C, die in einem Zeitraum von 5 bis 1000 Sekunden
gehalten wird. Das Gefüge am fertigen Bauteil besteht dabei aus 10 bis 85% Martensit,
5 bis 40% Restaustenit und mindestens 5% Bainit.
[0012] Die Herstellung eines Bauteils durch Warmumformen mittels Presshärtung weist jedoch
mehrere Nachteile auf.
[0013] Zum Einen benötigt dieses Verfahren durch die Aufheizung des Vorproduktes auf Austenitisierungstemperatur
sowie bei der Umwandlung von Ferrit in Austenit sehr viel Energie, was das Verfahren
teuer macht und erhebliche Mengen CO
2 produziert.
[0014] Außerdem ist zur Vermeidung einer übermäßigen Verzunderung der Blechoberfläche wie
oben beschrieben eine zusätzliche metallische Schutzschicht oder eine Schutzschicht
auf Lackbasis erforderlich oder eine erhebliche Nacharbeit der durch Erwärmung und
Umformung verzunderten Oberfläche.
[0015] Da die Umformung bei Temperaturen oberhalb der Ac
3-Temperatur in der Regel deutlich oberhalb 800°C erfolgt, werden zudem extrem hohe
Anforderungen bezüglich der Temperaturstabilität an diese Schichten gestellt.
[0016] Ein weiterer Nachteil ist auch, dass zur Erlangung entsprechender Bauteilfestigkeiten
nach der Presshärtung nur umwandlungsfähige Stähle mit einer ausreichenden Umwandlungsträgheit
eingesetzt werden können, die entsprechend teure Legierungszusätze für die zu erreichende
Gefügestruktur und Härte nach der Umformung aufweisen müssen.
[0017] Zusammengefasst ist festzustellen, dass das bekannte Verfahren zur Herstellung von
Bauteilen aus Stahl durch Warmumformung oberhalb der Austenitisierungstemperatur aufgrund
der erforderlichen großen Öfen verbunden mit langen Aufheizzeiten zu hohen Fertigungs-
und Energiekosten und damit hohen Bauteilkosten führt.
[0018] Zur Verbesserung des Umformvermögens hochfester Stähle ist aus der
DE 10 2004 028 236 B3 außerdem bekannt, Werkstücke anstatt durch Kaltumformung durch Warmumformung bei
Temperaturen von 400 bis 700°C weiter zu einem Bauteil zu verarbeiten (Halbwarmumformung).
Nachteilig ist hierbei, dass das umgeformte Bauteil im Gegensatz zu pressgehärteten
Bauteilen durch die Erwärmung unterhalb der Umwandlungstemperatur eine Erweichung
erfährt, die Festigkeit gegenüber dem Ausgangszustand also verringert wird.
[0019] Aus der
DE 10 2011 108 162 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines Bauteils durch Halbwarmumformen eines Vorproduktes
aus Stahl unterhalb der Ac
1-Umwandlungstemperatur bekannt, bei dem eine Festigkeitssteigerung im Bauteil durch
eine Kaltumformung des Vorproduktes vor der Erwärmung auf Umformtemperatur erreicht
wird. Wahlweise kann eine zusätzliche Festigkeitssteigerung im Bauteil durch Verwendung
höherfester Werkstoffe, wie bainitische, martensitische, mikrolegierte und Dual- oder
Mehrphasenstähle erreicht werden. Nachteilig ist hierbei der zusätzliche Aufwand durch
die notwendige Kaltumformung vor der Erwärmung auf Umformtemperatur. Dualphasenstähle
weisen bei der Warmumformung zudem den Nachteil einer Empfindlichkeit gegen kantenrissinduziertes
Versagen während der Umformung auf.
[0020] Hinweise auf konkret einzuhaltende Legierungszusammensetzungen oder Vorgaben für
das Gefüge des Vorproduktes zur gezielten Einstellung der mechanischen Eigenschaften
des Bauteils nach der Halbwarmumformung bei Einsatz höherfester Stähle werden nicht
offenbart.
[0021] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur Herstellung eines Bauteils durch
Warmumformung eines Vorproduktes aus Stahl bei Temperaturen unterhalb des A
c1-Umwandlungspunktes anzugeben, welches kostengünstig ist und mit dem vergleichbare
oder verbesserte Eigenschaften des umgeformten Bauteils wie beim bekannten Warmumformen
durch Presshärten erreicht werden. Insbesondere sollen Festigkeiten von mehr als 800
MPa bei Streckgrenzen von über 700 MPa und Bruchdehnungen A
80 von mehr als 8% am fertigen Bauteil bei einem duktilen Versagensverhalten des Bauteils
erreicht werden.
[0022] Nach der Lehre der Erfindung wird diese Aufgabe durch ein Verfahren zur Herstellung
eines Bauteils durch Warmumformen eines Vorproduktes aus Stahl gelöst, bei dem das
Vorprodukt auf Umformtemperatur erwärmt und anschließend umgeformt wird, wobei das
Bauteil nach der Umformung eine bainitische Gefügestruktur mit einer Mindestzugfestigkeit
von 800 MPa aufweist, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass die Erwärmung auf eine
Temperatur unterhalb der A
c1-Umwandlungstemperatur erfolgt, wobei schon das Vorprodukt aus einem
[0023] Stahl mit einem Gefüge aus mindestens 70% Bainit besteht, und wobei das Vorprodukt
folgende Legierungszusammensetzung in Gew.% aufweist:
C: 0,02 bis 0,3
Si: 0,01 bis 0,5
Mn: 1,0 bis 3,0
P: max. 0,02
S: max. 0,01
N: max. 0,01
Al: bis 0,1
Cu: bis 0,2
Cr: bis 3,0
Ni: bis 0,2
Mo: bis 0,2
Ti: bis 0,2
V: bis 0,2
Nb: bis 0,1
B: bis 0,01
[0024] Rest Eisen und erschmelzungsbedingte Verunreinigungen.
[0025] Das erfindungsgemäße Verfahren weist gegenüber dem aus der
DE 601 19 826 T2 oder der
EP 2 546 375 A1 bekannten Verfahren zur Herstellung eines Bauteils mittels Presshärtung den Vorteil
auf, dass bei deutlich geringerem Energiebedarf für die Erwärmung durch den Einsatz
eines schon im Ausgangszustand bainitischen Stahls ein Bauteil mit mechanischen Kennwerten
bereitgestellt wird, die gleich oder sogar besser sind, als die mechanischen Eigenschaften
im Ausgangszustand des Vorproduktes. Dadurch werden Energiekosten eingespart.
[0026] Gegenüber der
DE 10 2011 108 162 A1 kann mit der erfindungsgemäßen Legierungszusammensetzung und einem Vorprodukt, welches
im Ausgangszustand schon ein Gefüge mit mindestens 50% Bainit aufweist, auf den zusätzlichen
Schritt einer Kaltverformung des Vorproduktes zur Festigkeitssteigerung verzichtet
und die geforderten mechanischen Eigenschaften des Bauteils nach der Halbwarmumformung
gezielt eingestellt werden.
[0027] Die Verwendung eines schon am Vorprodukt erzeugten bainitischen Stahls mit der angegebenen
Legierungszusammensetzung ist von großem Vorteil, da schon der Ausgangswerkstoff eine
hohe Zugfestigkeit und Dehnung aufweist, die auch nach der (umwandlungsfreien) Umformung
erhalten bleiben oder sogar höher sind.
[0028] Der für das erfindungsgemäße Verfahren eingesetzte bainitische Stahl erhält sein
Gefüge erfindungsgemäß über eine entsprechende Temperaturführung schon beim Herstellungsprozess
des Vorproduktes. Bei Warmband kann die Gefügeeinstellung z. B. über thermomechanisches
Walzen, bei Kaltband z. B. durch den Glühprozess nach dem Kaltwalzen oder bei der
Feuerverzinkung erfolgen.
[0029] Eine wie bei anderen höherfesten Stählen bekannte "Erweichung" nach der Umformung
konnte bei diesem bainitischen Stahl nicht beobachtet werden. Eine "Erweichung" geht
oftmals einher mit einer Gefügeumwandlung und ist somit zeit- und temperaturkritisch.
Der Einsatz des erfindungsgemäßen Vorproduktes aus mehrheitlich bainitischem Stahl
ist dagegen weitgehend unempfindlich, so dass z. B. beabsichtigte oder unbeabsichtigte
Zeitund Temperaturänderungen bei Erwärmung und Umformung keine Verschlechterungen
der mechanischen Eigenschaften bewirken. Durch dieses vorteilhafte Werkstoffverhalten
können auch anspruchsvolle mehrstufige Prozessschritte reproduzierbar durchgeführt
werden.
[0030] Der besondere Vorteil der Verwendung dieses Legierungskonzeptes und der bainitischen
Gefügestruktur besteht weiterhin in einer sehr feinen und homogenen Gefügestruktur
mit mindestens 70% Bainit und nur geringen Anteilen an Ferrit, Restaustenit und Martensit.
Notwendig zur Erreichung der geforderten mechanischen Eigenschaften ist es, dass das
Gefüge mindestens 70% Bainit aufweist und die Anteile an Restaustenit + Martensit
<10% sind und der Rest aus Ferrit besteht.
[0031] Besonders gleichmäßige und homogene Werkstoffeigenschaften können erreicht werden,
wenn der bainitische Stahl des Vorproduktes folgende Legierungszusammensetzung in
Gew. % aufweist:
C: 0,02 bis 0,11%
Si: 0,01 bis 0,5%
Mn: 1,0 bis 2,0%
P: max. 0,02%
S: max. 0,01%
N: max. 0,01%
Almin: 0,015 bis 0,1%
B: max. 0,004%
Nb+V+Ti: max. 0,2%
[0032] In einer weiter verbesserten Ausgestaltung der Erfindung weist der Stahl des Vorproduktes
folgende Legierungszusammensetzung in Gew.% auf:
C: 0,05 bis 0,11%
Si: 0,1 bis 0,5%
Mn: 1,0 bis 2,0%
P: max. 0,02%
S: max. 0,01%
N: 0,003 bis 0,01%
Almin: 0,03 bis 0,1%
B: max. 0,004%
Mo: 0,04 bis 0,2
Ti: 0,04 bis 0,2
Nb+V+Ti: 0,1 bis 0,2%
[0033] Die Zugabe von Stickstoff von mindestens 0,003 bis 0,01 Gew.-% sorgt in Kombination
mit Kohlenstoff und einem Mindestgehalt an Titan von 0,04 bis 0,2 Gew.-% durch die
Bildung von Titancarbonitriden vorteilhaft für ein feinkörniges Gefüge mit hohen Festigkeits-
und Zähigkeitseigenschaften. Durch die Zugabe von Molybdän in Gehalten von 0,04 bis
0,2 Gew.-% werden zudem die sich bildenden Ausscheidungen vorteilhaft sehr klein gehalten.
[0034] Vergleichsuntersuchungen wurden an Stählen mit den in Tabelle 1 abgegebenen Legierungszusammensetzungen
durchgeführt. Die Ergebnisse für die mechanischen Eigenschaften vor und nach der Halbwarmumformung
zeigt die Tabelle 2.
[0035] Untersucht wurden Bleche mit einer Dicke von 1,8 bis 2,25 mm die im Ofen bei einer
Temperatur von 600°C für 3 Minuten aufgeheizt und im Anschluss zwischen zwei ebenen
Werkzeugkomponenten in einer Umformpresse abgekühlt wurden.
[0036] Die untersuchten Werkstoffe sind in den Tabellen 1 und 2 mit den Buchstaben a, b,
c, d, e und f bezeichnet. Die Legierungszusammensetzungen der Werkstoffe entsprechen
der erfindungsgemäßen, wobei die Gefüge aber im Ausgangszustand unterschiedlich eingestellt
waren. Stahl a wies im Ausgangszustand also vor der Erwärmung auf Umformtemperatur
ein ferritisch-bainitisches Grundgefüge "FB", Stahl b ein bainitisches "B", Stahl
c ein Mischgefüge aus Martensit, Bainit und Ferrit "MBF", wobei der Martensitanteil
dominant ist. Die Stähle d und e wiesen ein ferritisches "F" und der Stahl f ein martensitisches
Grundgefüge "M" auf. Bei den Stählen a und c lag der Bainitanteil im Gefüge unter
50% und bei Stahl b über 50%. Ersichtlich ist aus Tabelle 2, dass nur der Stahl b
mit einem mehrheitlich bainitischen Ausgangsgefüge des Vorproduktes, die Anforderungen
an die mechanischen Eigenschaften mit einer Mindestzugfestigkeit von 800 MPa und einer
Mindestbruchdehnung A80 von mehr als 8% nach der Halbwarmumformung erfüllt.
[0037] Typische Anwendungen zur Ausnutzung des hohen Festigkeitspotentials bei gleichzeitiger
Gewichtseinsparung am Bauteil sind der Mobilkranbau, Längs- und Querträger in Lastwagen
und Anhängern, Sicherheits- und Fahrwerksteile im Pkw und der Waggonbau.
[0038] Der erfindungsgemäße Stahl oder das daraus hergestellte Bauteil zeichnet sich durch
eine sehr hohe Streckgrenze und Zugfestigkeit von über 800 MPa bei einer ausreichend
hohen Dehnung aus. Aufgrund der chemischen Zusammensetzung ist zudem eine gute Schweißbarkeit
gegeben.
[0039] Der vorab genannte Stahl kann weiterhin in bekannter Weise mit einer zunder- bzw.
korrosions-hemmenden Schicht auf Lackbasis oder mit einem metallischen Überzug versehen
sein. Der metallische Überzug kann Zink und/oder Magnesium und/oder Aluminium und/oder
Silizium enthalten.
[0040] Im Gegensatz zu gängigen Fertigungsrouten kann bereits oberflächenveredeltes Warm-
oder Kaltband für die Umformung im Anschluss an eine Erwärmung eingesetzt werden,
da die Haftung und die Duktilität eine Halbwarmumformung mit geringen Umformgraden
erträgt. Der metallische Überzug ist gegen kurzzeitige Wiedererwärmungen der Kombination
Substrat/Beschichtung (Stahlband/Beschichtung) unterhalb der Ac
1-Temperatur des Substrats resistent, um die Wiedererwärmung vor der Halbwarmformung
und der eigentlichen Halbwarmformung zu überstehen.
[0041] Aufgrund der vergleichsweise geringen Wärmemenge kann auf großräumige Wiedererwärmungsaggregate,
wie z. B. auf Tunnelöfen oder Kammeröfen, zugunsten schnell und direkt wirkender Systeme
(induktiv, konduktiv und insbesondere Strahlung) verzichtet werden.
[0042] Außerdem kommt das beschriebene neue Verfahren mit erheblich weniger Wärmeenergie
aus, bzw. der energetische Wirkungsgrad ist höher als beim Presshärten. Dadurch sind
die Prozesskosten geringer und der CO
2 Ausstoß wird reduziert.
[0043] Bevorzugt erfolgt die Wiedererwärmung vor dem Halbwarmformen mittels Strahlung, da
hier der Wirkungsgrad deutlich höher ist als bei einer Erwärmung in einem Ofen oder
bei konduktiver Erwärmung und der Energieeintrag in das Material je nach Oberflächenbeschaffenheit
schneller und effektiver erfolgt.
[0044] Der Werkstoff ist auch sehr gut für eine partielle Erwärmung geeignet. Durch den
Einsatz von z. B. Strahlern können gezielt einzelne Bereiche des umzuformenden Vorprodukts
erwärmt werden, um umformbarkeitsoptimierte Zonen zu erhalten. Dies ermöglicht vorteilhaft
die Nutzung von konventionellen Pressen zur Kaltumformung, so dass auf eine komplexe
Warmumformanlage, wie sie beim Presshärten notwendig ist, verzichtet werden kann.
[0045] Für den Transport zwischen Wärmequelle und Umformwerkzeug kann es weiterhin sinnvoll
sein, besonders im Falle von sehr dünnen Blechen (z. B. <0,8mm), eine Profilierung
der Zuschnitte zur Erhöhung der lokalen Steifigkeit vorzusehen. Dies ist beim konventionellen
Presshärten nicht möglich, da die zu erzielende Festigkeit eine schroffe Abkühlung
erfordert, welche sich über Leibung im Werkzeug aufgrund der Profilierung ausschließt.
[0046] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das Vorprodukt auf eine Temperatur von unterhalb
720°C vorteilhaft in einem Temperaturbereich von 400 - 700°C erwärmt und anschließend
zu einem Bauteil umgeformt. Die optimale Umformtemperatur ist abhängig von der geforderten
Festigkeit des Bauteils und liegt bevorzugt etwa zwischen 500°C und 700°C. Lange Haltezeiten,
um ein bainitisches Gefüge zu erhalten wie in der
EP 2 546 375 A1 beschrieben, sind nicht erforderlich, so dass die Prozesszeit für die Herstellung
des Bauteils deutlich verkürzt wird.
[0047] In einer vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung wird bei Erwärmung des Vorproduktes
auf Umformtemperatur eine lokale Überschreitung des Temperaturbereichs des Halbwarmformens
in den Austenitisierungsbereich vorgenommen, um gezielt lokale Eigenschaftsänderungen
vorzunehmen (z. B. lokale Härtung), die in Kombination mit der Festigkeitssteigerung
des restlichen Materials den späteren Beanspruchungen des Bauteils angepasst sind.
Tab. 1
| |
Werkstoff |
C |
Si |
Mn |
P |
S |
N |
Al |
Cu |
Cr |
Ni |
V |
Ti |
Nb |
Mo |
B |
|
| FB |
a |
|
0,07 |
0,08 |
1,4 |
0,01 |
0,002 |
0,005 |
0,041 |
0,03 |
0,04 |
0,04 |
0,05 |
- |
0,04 |
- |
- |
| B |
b |
|
0,08 |
0,47 |
1,9 |
0,01 |
0,001 |
0,006 |
0,066 |
0,03 |
0,03 |
0,04 |
0,01 |
0,12 |
0,05 |
0,14 |
- |
| MBF |
C |
|
0,23 |
0,25 |
1,2 |
0,01 |
0,002 |
0,005 |
0,038 |
0,04 |
0,16 |
0,04 |
0,01 |
0,03 |
- |
- |
0,003 |
| F |
d |
|
0,10 |
0,28 |
2,0 |
0,01 |
0,001 |
0,006 |
0,041 |
0,02 |
0,33 |
0,04 |
0,01 |
0,04 |
0,04 |
- |
0,003 |
| M |
f |
|
0,15 |
0,12 |
1,7 |
0,01 |
0,001 |
0,005 |
0,045 |
0,02 |
0,33 |
0,04 |
0,01 |
0,02 |
- |
- |
- |
| F |
e |
|
0,09 |
0,25 |
1,8 |
0,01 |
0,001 |
0,005 |
0,041 |
0,03 |
0,33 |
0,04 |
0,01 |
- |
0,01 |
- |
- |
Tabelle 2
| |
Werkstoff |
Zugfestigkeit Rm[MPa] |
Streckgrenze Rp0,2[MPa] |
Bruchdehnung A80[%] |
|
| |
|
|
vor HWU |
nach HWU |
vor HWU |
nach HWU |
vor HWU |
nach HWU |
| FB |
a |
|
591 |
632 |
552 |
589 |
19 |
16 |
| B |
b |
|
788 |
854 |
678 |
833 |
14 |
12 |
| MBF |
C |
|
982 |
979 |
915 |
922 |
7 |
7 |
| F |
d |
|
855 |
778 |
644 |
767 |
13 |
12 |
| M |
f |
|
1343 |
1246 |
1047 |
1173 |
6 |
1 |
| F |
e |
|
676 |
650 |
407 |
498 |
22 |
18 |
1. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils durch Warmumformen eines Vorproduktes aus
Stahl bei dem das Vorprodukt auf Umformtemperatur erwärmt und anschließend umgeformt
wird, wobei das Bauteil nach der Umformung eine bainitische Gefügestruktur mit einer
Mindestzugfestigkeit von 800 MPa aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung auf eine Temperatur unterhalb der Ac1-Umwandlungstemperatur erfolgt,
wobei schon das Vorprodukt aus einem Stahl mit einem Gefüge aus mindestens 70% Bainit
besteht und die Anteile an Restaustenit + Martensit <10% sind und der Rest aus Ferrit
besteht., und wobei das Vorprodukt folgende Legierungszusammensetzung in Gew.% aufweist:
C: 0,02 bis 0,3
Si: 0,01 bis 0,5
Mn: 1,0 bis 3,0
P: max. 0,02
S: max. 0,01
N: max. 0,01
Al: bis 0,1
Cu: bis 0,2
Cr: bis 3,0
Ni: bis 0,2
Mo: bis 0,2
Ti: bis 0,2
V: bis 0,2
Nb: bis 0,1
B: bis 0,01
Rest Eisen und erschmelzungsbedingte Verunreinigungen.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Stahl eine Legierung mit folgender Zusammensetzung in Gew.% aufweist:
C: 0,02 bis 0,11%
Si: 0,01 bis 0,5%
Mn: 1,0 bis 2%
P: max. 0,02%
S: max. 0,01%
Al: 0,015 bis 0,1%
B: max. 0,004%
Nb+V+Ti: max.0,2%
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Stahl eine Legierung mit folgender Zusammensetzung in Gew.% aufweist:
C: 0,05 bis 0,11%
Si: 0,1 bis 0,5%
Mn: 1,0 bis 2,0%
P: max. 0,02%
S: max. 0,01%
N: 0,003 bis 0,01%
Almin: 0,03 bis 0,1 %
B: max. 0,004%
Mo: 0,04 bis 0,2
Ti: 0,04 bis 0,2
Nb+V+Ti: 0,1 bis 0,2%
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung des Vorproduktes auf Warmumformtemperatur nur partiell und die partielle
Erwärmung wahlweise oberhalb der Ac1-Umwandlungstemperatur erfolgt.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung des Vorproduktes auf eine Temperatur von unterhalb 720°C erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung des Vorproduktes in einem Temperaturbereich von 400 bis 700°C erfolgt.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung des Vorproduktes in einem Temperaturbereich von 500 bis 700°C erfolgt.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Vorprodukt vor der Erwärmung mit einem metallischen oder lackartigen Überzug
versehen wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass der metallische Überzug Zn und/oder Mg und/oder Al und/oder Si enthält.
10. Verfahren nach mindestens einem der Anspruch 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Erwärmung auf Umformtemperatur induktiv, konduktiv oder mittels Strahlung erfolgt.
11. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Vorprodukt eine Blechplatine oder ein Rohr verwendet wird.
12. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Blechplatine aus Warmband oder Kaltband besteht.
13. Verfahren nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Rohr ein nahtlos warmgewalztes oder ein aus Warm- oder Kaltband hergestelltes
geschweißtes Rohr ist.
14. Verfahren nach Anspruch 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Rohr ein nahtlos warmgewalztes oder ein aus Warm- oder Kaltband hergestelltes
geschweißtes Rohr ist, dass nochmals einem oder mehrfachen Zieh- und/oder Glühprozessen
unterzogen worden ist..
1. A method for producing a component by hot forming a pre-product made of steel, in
which the pre-product is heated to forming temperature and then formed, wherein the
component after forming has a bainitic microstructure with a minimum tensile strength
of 800 MPa,
characterised in that
the heating takes place to a temperature below the Ac1 transformation temperature,
wherein the pre-product already consists of a steel having a structure of at least
70% bainite and the contents of residual austenite + martensite are <10% and the remainder
consists of ferrite, and wherein the pre-product has the following alloy composition
in wt. %:
C: 0.02 to 0.3
Si: 0.01 to 0.5
Mn: 1.0 to 3.0
P: max 0.02
S: max 0.01
N: max 0.01
Al: up to 0.1
Cu: up to 0.2
Cr: up to 3.0
Ni: up to 0.2
Mo: up to 0.2
Ti: up to 0.2
V: up to 0.2
Nb: up to 0.1
B: up to 0.01
remainder iron and impurities associated with smelting.
2. The method according to claim 1,
characterised in that
the steel comprises an alloy with the following composition in wt.%:
C: 0.02 to 0.11%
Si: 0.01 to 0.5%
Mn: 1.0 to 2%
P: max 0.02%
S: max 0.01%
Al: 0.015 to 0.1%
B: max. 0.004%
Nb+V+Ti: max 0.2%.
3. The method according to claim 1,
characterised in that
the steel comprises an alloy with the following composition in wt.%:
C: 0.05 to 0.11%
Si: 0.1 to 0.5%
Mn: 1.0 to 2.0%
P: max. 0.02%
S: max 0.01%
N: 0.003 to 0.01%
Al min: 0.03 to 0.1%
B: max 0.004%
Mo: 0.04 to 0.2
Ti: 0.04 to 0.2
Nb+V+Ti: 0.1 to 0.2%.
4. The method according to one of claims 1 to 3,
characterised in that
the heating of the pre-product to hot forming temperature takes place only partially
and the partial heating optionally takes place above the Ac1 transformation temperature.
5. The method according to at least one of claims 1 to 4,
characterised in that
the heating of the pre-product takes place to a temperature below 720°C.
6. The method according to claim 5,
characterised in that
the heating of the pre-product takes place to a temperature in a range from 400 to
700°C.
7. The method according to claim 6,
characterised in that
the heating of the pre-product takes place to a temperature in a range from 500 to
700°C.
8. The method according to one of claims 1 to 7,
characterised in that
prior to the heating step, the pre-product is provided with a metallic or lacquer-like
coating.
9. The method according to claim 8,
characterised in that
the metallic coating contains Zn and/or Mg and/or Al and/or Si.
10. The method according to at least one of claims 1 to 9,
characterised in that
the heating to forming temperature is accomplished inductively, conductively or by
means of radiation.
11. The method according to at least one of claims 1 to 10,
characterised in that
a sheet metal blank or a tube is used as the pre-product.
12. The method according to claim 11,
characterised in that
the sheet metal blank consists of hot-rolled strip or cold-rolled strip.
13. The method according to claim 11,
characterised in that
the tube is a seamlessly hot rolled tube or a welded tube made of hot-rolled strip
or cold-rolled strip.
14. The method according to claim 13,
characterised in that
the tube is a seamlessly hot rolled tube or a welded tube made of hot-rolled strip
or cold-rolled strip which has been subjected again to one or multiple drawing and/or
annealing processes.
1. Procédé pour la fabrication d'une pièce structurelle par formage à chaud d'un produit
semi-fini en acier, dans lequel le produit semi-fini est chauffé à une température
de formage et ensuite mis en forme, dans lequel la pièce structurelle présente, après
la mise en forme, une structure bainitique avec une résistance à la traction minimum
de 800 MPa,
caractérisé en ce que
le chauffage a lieu jusqu'à une température au-dessous de la température de transition
Ac1, dans lequel le produit semi-fini est déjà constitué d'un acier avec une structure
comprenant au moins 70 % de bainite et les parts d'austénite restante et de martensite
< 10 % et le reste est constitué de ferrite, et dans lequel le produit semi-fini présente
la composition d'alliage suivante, en pourcentage en poids :
| C |
0,02 à 0,3 |
| Si |
0,01 à 0,5 |
| Mn |
1,0 à 3,0 |
| P |
0,02 au maximum |
| S |
0,01 au maximum |
| N |
0,01 au maximum |
| Al |
jusqu'à 0,1 |
| Cu |
jusqu'à 0,2 |
| Cr |
jusqu'à 3,0 |
| Ni |
jusqu'à 0,2 |
| Mo |
jusqu'à 0,2 |
| Ti |
jusqu'à 0,2 |
| V |
jusqu'à 0,2 |
| Nb |
jusqu'à 0,1 |
| B |
jusqu'à 0,01 |
le reste étant du fer et des impuretés provenant de la fusion.
2. Procédé selon la revendication 1
caractérisé en ce que l'acier est un alliage avec la composition suivante, en pourcentage en poids :
| C |
0,02 à 0,11 % |
| Si |
0,01 à 0,5 % |
| Mn |
1,0 à 2 % |
| P |
0,02 % au maximum |
| S |
0,01 % au maximum |
| Al |
0,015 à 0,1 % |
| B |
0,004 % au maximum |
| Nb+V+Ti |
0,2 % au maximum. |
3. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que l'acier est un alliage avec la composition suivante, en pourcentage en poids :
| C |
0,05 à 0,11 % |
| Si |
0,1 à 0,5 % |
| Mn |
1,0 à 2,0% |
| P |
0,02 % au maximum |
| S |
0,01 % au maximum |
| N |
0,003 à 0,01 % |
| Al |
0,03 à 0,1 % au minimum |
| B |
0,04 % au maximum |
| Mo |
0,04 à 0,2 |
| Ti |
0,04 à 0,2 |
| Nb+V+Ti |
0,1 à 0,2 %. |
4. Procédé selon l'une des revendications 1 à 3
caractérisé en ce que le chauffage du produit semi-fini à la température de formage à chaud a lieu uniquement
partiellement et le chauffage partiel a lieu sélectivement au-dessus de la température
de transition Ac1.
5. Procédé selon l'une au moins des revendications 1 à 4,
caractérisé en ce que le chauffage du produit semi-fini a lieu à une température au-dessous de 720 °C.
6. Procédé selon la revendication 5,
caractérisé en ce que le chauffage du produit semi-fini a lieu dans une plage de température de 400 à 700
°C.
7. Procédé selon la revendication 8,
caractérisé en ce que le chauffage du produit semi-fini a lieu dans une plage de température de 500 à 700
°C.
8. Procédé selon l'une des revendications 1 à 7,
caractérisé en ce que le produit semi-fini est doté d'un revêtement métallique ou d'un revêtement semblable
à une laque avant le chauffage.
9. Procédé selon la revendication 8,
caractérisé en ce que le revêtement métallique contient Zn et/ou Mg et/ou Al et/ou Si.
10. Procédé selon l'une au moins des revendications 1 à 9,
caractérisé en ce que le chauffage à la température de formage a lieu par voie inductive, conductive ou
au moyen d'un rayonnement.
11. Procédé selon l'une au moins des revendications 1 à 10,
caractérisé en ce que l'on utilise à titre de produit semi-fini une plaque de tôle ou un tube.
12. Procédé selon la revendication 11,
caractérisé en ce que la plaque de tôle est une bande produite à chaud ou à froid.
13. Procédé selon la revendication 11,
caractérisé en ce que le tube est un tube sans soudure laminé à chaud ou un tube soudé produit à partir
d'une bande laminée à chaud ou à froid.
14. Procédé selon la revendication 13,
caractérisé en ce que le tube est un tube sans soudure laminé à chaud ou un tube soudé produit à partir
d'une bande laminée à chaud ou à froid, qui a été à nouveau soumis à un ou à plusieurs
processus d'étirage et/ou de recuit.