[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erzeugung eines Flachprodukts aus einer
eisenbasierten Formgedächtnislegierung, bei welchem eine Schmelze, die zumindest als
Hauptbestandteil Eisen, Legierungselemente und unvermeidbare Verunreinigungen enthält,
in einer Gießeinrichtung zu einem gegossenen Band vergossen und dabei abgekühlt wird.
[0002] Aus dem Stand der Technik, beispielsweise aus der
JP 62 112 751 A ist es bekannt, dass sich Folien oder Drähte durch Bandgussverfahren erzeugen lassen.
Beim Bandgießen wird die Schmelze in einer Gießeinrichtung vergossen, bei der der
Gießbereich bzw. der Stauungsbereich, in dem das gegossene Band geformt wird, an mindestens
einer Längsseite durch eine während des Gießvorgangs kontinuierlich fortbewegte und
gekühlte Wand begrenzt ist.
[0003] Ein Beispiel für ein solches endabmessungsnahes kontinuierliches Gießverfahren bzw.
eine Gießeinrichtung zur Erzeugung beispielsweise eines Stahlflachprodukts ist die
sog. "Zwei-Rollen-Gießeinrichtung" oder auch "Twin-Roll-Caster". Bei einem Twin-Roll-Caster
rotieren im Gießbetrieb zwei achsparallel zueinander ausgerichtete Gießwalzen bzw.
Gießrollen gegenläufig und begrenzen im Bereich ihres engsten Abstands einen den Gießbereich
definierenden Gießspalt. Die Gießrollen sind dabei stark gekühlt, so dass die auf
sie treffende Schmelze zu jeweils einer Schale erstarrt. Die Drehrichtung der Gießrollen
ist so gewählt, dass die Schmelze und mit ihr die aus ihr auf den Gießrollen gebildeten
Schalen in den Gießspalt transportiert werden. Die in den Gießspalt gelangenden Schalen
werden unter Wirkung einer ausreichenden Bandformungskraft zu dem gegossenen Band
zusammengedrückt, wodurch eine zumindest annähernde Durcherstarrung erfolgt.
[0004] Ein anderes Prinzip verwenden die sogenannten "Belt-Caster". Bei einer entsprechenden
Gießeinrichtung wird flüssiger Stahl über ein Zuführsystem auf ein umlaufendes Gießband
gegossen, worauf der Stahl erstarrt. Die Laufrichtung des Bandes ist dabei so gewählt,
dass die Schmelze vom Zuführungssystem weg befördert wird. Oberhalb des unteren Gießbands
kann ein weiteres Gießband angeordnet sein, das gegenläufig zum ersten Gießband umläuft.
Unabhängig davon, ob ein oder zwei Gießbänder vorgesehen sind, begrenzt auch bei den
voranstehend genannten Verfahren mindestens ein Gießband den Bereich, in dem das gegossene
Band gebildet wird. Das jeweilige Gießband wird intensiv gekühlt, so dass die mit
dem betreffenden Gießband in Kontakt kommende Schmelze darauf zu einem Band erstarrt,
das von dem Gießband abgenommen werden kann.
[0005] Das aus der jeweiligen Gießeinrichtung austretende gegossene Band wird abgezogen,
gekühlt und kann einer Weiterverarbeitung zugeleitet werden. Diese Weiterverarbeitung
kann eine Wärmebehandlung und/oder ein Warmwalzen umfassen. Ein Vorteil des Bandgießens
liegt darin, dass die auf das Bandgießen folgenden Arbeitsschritte in einer kontinuierlichen,
unterbrechnungsfreien Abfolge absolviert werden können.
[0006] In der bereits erwähnten japanischen Offenlegungsschrift
JP 62 112 751 A ist eine eisenbasierte Formgedächtnislegierung bekannt, welche neben Eisen insbesondere
Elemente aus der Gruppe "Mn, Si" aufweist und in der neben diesen Elementen zusätzliche
Gehalte an Cr, Ni, Co, Mo, C, Al, Ca und seltene Erden vorhanden sein können. Aus
derart zusammengesetzten Legierungen sollen sich durch Bandgießen gegossene Folien
erzeugen lassen, die temperatur- und auch korrosionsbeständig sind.
[0007] Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, kostengünstige
Verfahren zur Herstellung von Flachprodukten aus einer eisenbasierten Formgedächtnislegierung
vorzuschlagen, die biegesteif und auf Druck und Torsion belastbar sind. Darüber hinaus
soll ein Flachprodukt erzeugt werden, welches sich auf praxisgerechte Weise kostengünstig
herstellen lässt. Als Flachprodukt wird ein gegossenes und/oder gewalztes Band oder
Blech sowie daraus gewonnene Platinen, Zuschnitte oder dergleichen verstanden.
[0008] Gemäß einer ersten Lehre des erfindungsgemäßen Verfahrens wird die Schmelze in einer
Gießeinrichtung zu einem Band gegossen und gekühlt, so dass ein kontinuierlicher Gießbetrieb
gewährleistet werden kann, wobei die Dicke des Bandes größer 1 mm und kleiner 30 mm
beträgt, deren Gießbereich mindestens an einer seiner Längsseiten durch eine sich
während des Gießbetriebes in Gießrichtung bewegende und gekühlte Wand begrenzt wird.
[0009] Erfindungsgemäß wird die Schmelze in Kontakt mit der sich bewegenden Wand oder Gießband
mit einer Abkühlrate von insbesondere mindestens 20 K/s, vorzugsweise 50 K/s, besonders
bevorzugt mindestens 100 K/s gekühlt. Durch die hohe Erstarrungsgeschwindigkeit können
Seigerungsvorgänge, die sich nachteilig auf die Werkstoffeigenschaften auswirken,
verringert werden. Die Abkühlrate ist so gewählt, dass am Ende des Gießprozesses ein
erstarrtes Flachprodukt erzeugt wird, beispielsweise ein eisenbasiertes Band aus einer
Formgedächtnislegierung.
[0010] Um ein Flachprodukt aus einer eisenbasierten Formgedächtnislegierung mit Verfestigungen
durch interkristalline Atome (Gruppe 1) der durch Misch-Kristallverfestigung (Gruppe
2) oder mit einem Gefüge aus Austenit, ε-Martensit und feinen Ausscheidungen in Form
von Karbiden, Boriden, Nitriden und/oder deren Mischform bereit zu stellen (Gruppe
1 + Gruppe 2), enthält erfindungsgemäß die Schmelze neben Eisen und herstellungsbedingten
Verunreinigungen Mangan mit 12 Gew.-% bis 45 Gew.-% und Silizium mit 1 Gew.-% bis
12 Gew.-% und mindestens ein weiteres Element einer Gruppe 1, wobei die Gruppe 1 die
Elemente N, B, C umfasst und für die Legierungsanteile der Gruppe 1 in Gew.-% gilt:

und/oder mindestens ein weiteres Element einer Gruppe 2 enthält, wobei die Gruppe
2 die Elemente Ti, Nb, W, V, Zr umfasst und für die Legierungsanteile der Gruppe 2
in Gew.-% gilt:

bevorzugt

[0011] und optional mindestens eine oder mehrere der folgenden Anteile an Legierungsbestandteilen
vorhanden sein können:
Cu ≤ 20 Gew.-%,
Cr ≤ 20 Gew.-%,
Al ≤ 20 Gew.-%,
Mg ≤ 20 Gew.-%,
Ni ≤ 20 Gew.-%,
O ≤ 0,5 Gew.-%,
Co ≤ 20 Gew.-%,
Mo ≤ 20 Gew.-%,
Ca ≤ 0,5 Gew.-%,
P ≤ 0,5 Gew.-%, und/oder
S ≤ 0,5 Gew.-%.
[0012] Erfindungsgemäß ist vorgesehen, dass das aus dem Gießspalt der Gießeinrichtung austretende
oder das auf dem Gießband erstarrte und optional im Anschluss daran zusätzlich warmgewalzte,
optional kaltgewalzte Band abschließend mindestens auf die Martensit-Finish (M
F)-Temperatur der jeweiligen Legierung erwärmt wird. Das so erzeugte Flachprodukt ermöglicht
das Einprägen einer Bauteilgestalt durch entsprechende Beaufschlagung des Flachproduktes
mit einer Last, wobei während des Lastbeaufschlagens die Temperatur auf mindestens
Austenit-Finishtemperatur (A
F) erhöht wird und für mindestens 20 Sekunden die Last und die Temperatur > A
F auf das Flachprodukt einwirkt. Der Formgedächtniseffekt ist somit in dem erfindungsgemäßen
Flachprodukt auf die gewünschte Bauteilgestalt eingestellt.
[0013] Die Banddicken, mit denen das erfindungsgemäße gegossene und abgekühlte Band den
Gießspalt verlässt oder auf das Gießband gegossen wird und erstarrt, betragen zwischen
mehr als 1 mm und 30 mm, insbesondere zwischen 1,5 mm und 20 mm, weiter bevorzugt
zwischen 2 mm und 10 mm.
[0014] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren lassen sich eisenbasierte Formgedächtnislegierungen
auf Basis von Fe-Mn-Si(-Cr(-Ni))-Systemen mittels einer Bandgießrichtung als Flachprodukt
gießen.. Aufgrund ihrer Verwendung vorzugsweise für Schaltzwecke insbesondere in Hochtemperaturbereichen
ist es erforderlich, ein Material zur Verfügung zu stellen, das den jeweiligen Anforderungen
gerecht wird. Abhängig von dem Einsatz wird ein Material verwendet, das eine Mindestdicke
von >1 mm aufweist, um die erforderlichen späteren Bauteileigenschaften, wie z.B.
Widerstandsfähigkeit gegen Knicken und/oder Wirksamkeit bei Biegebeanspruchung gewährleisten
zu können.
[0015] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung des Verfahrens wird als Gießeinrichtung ein Twin-Roll-Caster
oder ein Belt-Caster verwendet. Es hat sich herausgestellt, dass die erfindungsgemäße
Schmelze sich bevorzugt über die genannten Bandgießeinrichtungen herstellen lässt.
Das Bandgießen eignet sich hervorragend für eisenbasierte Formgedächtnislegierungen,
da gegenüber dem konventionellen Gießen, insbesondere Stranggießen kein Gießpulver
verwendet werden muss, so dass verhindert werden kann, dass, wenn insbesondere hoch
reaktive Legierungsbestandteile, wie beispielsweise Mn, Si, Cr und/oder Al in hohen
Gehalten vorhanden sind, Probleme beim Gießen auftreten. Ferner ist das Bandgießen
von Vorteil, insbesondere wenn beispielsweise hohe Legierungsgehalte an stark seigernden
Elementen, wie z.B. Mn, Si, Cr und/oder Ni vorhanden sind. Eine Seigerung kann durch
eine schnelle Erstarrung im Wesentlichen unterdrückt werden. Ferner weisen eisenbasierte
Formgedächtnislegierungen eine niedrige Hochtemperaturduktilität auf, so dass die
Biegung beim Gießen nur für geringen Dicken möglich ist bzw. abhängig von der Gießeinrichtung
nicht unbedingt erforderlich ist. Charakteristisch ist ferner, dass eisenbasierte
Formgedächtnislegierungen einen hohen Warmumformwiderstand haben und dennoch im Wesentlichen
endabmessungsnah dünngegossen werden. Die Einrichtungen können zur energieeffizienten
Herstellung des Flachproduktes mit Formgedächtniseigenschaften eingesetzt werden.
Wie schon ausgeführt, bilden bei einem Twin-Roll-Caster die achsparallel angeordneten
Rollen jeweils eine sich im Gießbetrieb in Gießrichtung kontinuierlich fortbewegende,
gekühlte Begrenzung des Gießbereichs, mit welchen zumindest zwei Längsseiten des Bandes
geformt werden. Damit kann eine ausreichend hohe Kapazität mit einer einzigen Gießeinrichtung
bereit gestellt werden, da die Austrittsgeschwindigkeiten des gegossenen Bandes relativ
hoch sind.
[0016] Bei dem Belt-Caster übernimmt diese Funktion ein horizontal bewegtes Gießband, auf
welches die Schmelze zur Herstellung des Bandes gegossen wird. Der Vorteil der Verwendung
dieser Bandgießeinrichtungen liegt darin, dass andere Verfahrensschritte, wie beispielsweise
ein Warmwalzen, sich unmittelbar anschließen können und insbesondere der Walzaufwand
wegen der geringen Gießdicken niedrig ist und aufgrund des kompakten Charakters der
entsprechenden Gießeinrichtungen eine Prozessführung mit dem werkstoffseitig geforderten
Parametern, vor allem bezüglich der Temperatur, besonders vorteilhaft möglich ist.
Da die Schmelze im Belt-Caster in der Horizontalen gegossen und abgekühlt wird, erfährt
das erstarrte Band keine Umlenkung und im Ergebnis sind im Band selbst nur geringe
Spannungen vorhanden, so dass insbesondere die Rissentstehungsgefahr im Hochtemperaturbereich
des erzeugten Flachprodukts minimiert wird.
[0017] Wird während des Gießens beim Twin-Roll-Caster ein legierungsabhängiger Rollendruck,
ausgedrückt durch die sog. RSF (Roll separating force) oder Bandformungskraft (BFK)eingestellt,
kann gewährleistet werden, dass mit hoher Prozesssicherheit das Band nach dem Austritt
aus dem Gießbereich im Wesentlichen völlig durcherstarrt ist. Der spezifische Rollendruck
kann empirisch ermittelt werden und gewährleistet einen sicheren Bandgießprozess.
[0018] Durchläuft das Band vor dem Warmwalzen eine Aufwärmvorrichtung, kann ein evtl. beim
Austritt des Bandes aus der Gießeinrichtung auftretender Wärmeverlust wieder ausgeglichen
werden und die spezifische Warmwalztemperatur prozesssicher erreicht werden.
[0019] Die Bandgeschwindigkeiten, mit denen das gegossene Band aus dem Gießspalt austritt
liegen in der Praxis typischerweise im Bereich von 0,06 bis 3,0 m/s.
[0020] Ein besonders effektives und wirtschaftliches Herstellverfahren kann dadurch bereitgestellt
werden, dass das aus dem Gießbereich austretende, gegossene Band mindestens einem
Walzgerüst kontinuierlich zugeführt wird. Die Gießeinrichtung kann somit unmittelbar
mindestens ein Walzgerüst mit einem gegossenen Band zum Auswalzen versorgen, so dass
kein Handling der gegossenen Bänder zwischen Gießen und Walzen erfolgen muss. Alternativ
kann das gegossene Band entsprechend auch abgekühlt und zu einem späteren Zeitpunkt
ggf. wieder erwärmt und gewalzt werden. Schließlich wird das Warmband optional kaltgewalzt,
wobei das Kaltwalzen in mindestens einem Walzstich erfolgt.
[0021] Um einer Versprödung während der folgenden Fertigungs- und Verarbeitungsschritte
entgegenzuwirken, kann erfindungsgemäß eine Glühbehandlung in warm- und/oder kaltgewalztem
Zustand bei einer Temperatur oberhalb der Schalttemperatur für einen Zeitraum von
20 Sekunden bis 48 Stunden durchgeführt werden.
[0022] Nach dem Gießen des Bandes kann das gegossene Band einem Warmwalzen unterzogen werden,
bei dem die Warmwalzanfangstemperatur zwischen 500°C und T
Solidus-50°C betragen sollte. Durch die inline auf den Gieß- und Abkühlvorgang folgenden
Warmwalzschritte kann einerseits die gewünschte Enddicke des Bandes und andererseits
die Oberflächenbeschaffenheit eingestellt sowie die Mikrostruktur optimiert werden,
indem beispielsweise in gegossenem Zustand noch vorhandene Kavitäten geschlossen werden.
Das Warmband kann auch einem Kaltwalzen unterzogen werden und somit in seiner Dicke
weiter reduziert werden.
[0023] Es hat sich herausgestellt, dass durch endabmessungsnahe Gießverfahren Flachprodukte
aus einer eisenbasierten Formgedächtnislegierung erzeugt werden können, die je nach
Legierungsbestandteile Verfestigungen durch interkristalline Atome (Gruppe 1) oder
durch Misch-Kristallverfestigung (Gruppe 2) oder ein Gefüge aus Austenit, ε-Martensit
und optional feinen Ausscheidungen (Gruppe 1 + Gruppe 2) besitzen. Dabei sind die
erfindungsgemäß jeweils verarbeiteten Legierungen so zusammengesetzt, dass sich der
gewünschte Gefügezustand sicher einstellt. Es hat sich herausgestellt, dass Flachprodukte
aus eisenbasierten Formgedächtnislegierungen auch über eine Gießeinrichtung zu einem
gegossenen Band vergossen werden können, so dass ein endabmessungsnahes Stahlflachprodukt
hergestellt werden kann. Bei dem angewandten Bandgussverfahren wird ein Band erzeugt,
welches beispielsweise aufgrund der Gehalte der Legierungsbestandteile gemäß der Gruppe
1 N, C, B in Verbindung mit den Elementen der Gruppe 2 Ti, Nb, W, V, Zr Ausscheidungspaare
in Form von Karbiden, Nitriden, Boriden oder deren Mischform enthält, welche in Verbindung
mit dem Eisen-, Mangan- und Siliziumgehalt der Legierung die gewünschte Gefügekombination
zur Erzielung eines Formgedächtniseffektes bereitstellt. Als möglicher Bestandteil
enthält die Legierung wenigstens eines der Elemente Bor, Stickstoff und/oder Kohlenstoff
und wenigstens eines der Elemente Titan, Niob, Wolfram, Vanadium oder Zirkonium sowie
als Rest Eisen, Mangan, Silizium und unvermeidliche Verunreinigungen. Die Elemente
der Gruppe 1 und 2 erweisen sich als besonders vorteilhaft, weil sie zu den gewünschten
Ausscheidungen führen, die an den entsprechenden Stellen als Keimzellen für die erwünschte
Phasentransformation dienen. Mit den in den Ansprüchen genannten Gehalten an diesen
Elementen ermöglicht das erfindungsgemäße Herstellungsverfahren eine betriebssichere
Herstellung eines Flachproduktes mit Formgedächtniseffekt. Mangan in Gehalten von
12 Gew.-% bis 45 Gew.-% fördert in dem erfindungsgemäß erzeugten Stahlflachprodukt
eine Stabilisierung des Austenits des Werkstoffs. Um diesen Effekt sicher zu erreichen,
kann der Mn-Gehalt zwischen 20 Gew.-% und insbesondere 35 Gew.-% liegen. Si-Gehalte
von 1 Gew.-% bis zu 12 Gew.-% dienen der Sicherstellung der Reversibilität der Umwandlung
von Martensit in Austenit in den erfindungsgemäßen Flachprodukten. Bevorzugte Si-Gehalte
betragen 3 Gew.-% bis 10 Gew.-%. Für die Praxis zweckmäßige Einstellungen der Gehalte
an N, B, C bzw. Ti, Nb, W, Zr ergeben sich dann, wenn der C-Gehalt auf max. 0,5 Gew.-%,
insbesondere auf max. 0,2 Gew.-% beschränkt wird. Der B-Gehalt wird zweckmäßigerweise
auf max. 0,5 Gew.-%, insbesondere auf max. 0,05 Gew.-% beschränkt. Der N-Gehalt wird
zweckmäßigerweise auf 0,5 Gew.-%, insbesondere auf max. 0,2 Gew.-% beschränkt. Bevorzugt
wird darüber hinaus der Gehalt an Elementen der Gruppe 2 (Ti, Nb, W, V, Zr) auf max.
2,0 Gew.-%, insbesondere auf max. 1,5 Gew.-% einzeln beschränkt. Dabei kann es günstig
sein, jeweils eines oder mehrere der Elemente der Gruppe 1 (N, B, C) in Verbindung
mit einem oder mehreren der Elemente der Gruppe 2 (Ti, Nb, W, V, Zr) in den angegebenen
enger eingegrenzten Gehalten zuzugeben, während die anderen Elemente der Gruppe 1
(N, B, C) innerhalb der erlaubten maximalen Vorgaben zugegeben werden. Gleiches kann
bezüglich der beiden Gruppen auch umgekehrt gelten.
[0024] Auch wenn es als möglich angesehen wird, die Gruppe der Legierungselemente einer
eisenbasierten Formgedächtnislegierung neben Fe, Mn, Si und unvermeidbaren Verunreinigungen
auf mindestens ein Element der Gruppe 1 und mindestens ein weiteres Element der Gruppe
2 zu beschränken, kann es unter bestimmten Umständen für die Einstellung bestimmter
Eigenschaften der erhaltenen Stahlflachprodukte zweckmäßig sein, der Formgedächtnislegierung
optional eines oder mehrere der Elemente aus der Gruppe Cu, Cr, Al, Mg, Mo, Co, Ni,
O, P, S, Ca zuzugeben. Die hierzu jeweils in Frage kommenden Gehaltsbereiche lauten:
Cu: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Cr: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Al: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Mg: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Mo: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Co: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
Ni: ≤ 20 Gew.-%, vorzugsweise ≤ 10 Gew.-%,
O: ≤ 0,5 Gew.-%,
P: ≤ 0,5 Gew.-%,
S: ≤ 0,5 Gew.-%,
Ca: ≤ 0,5 Gew.-%.
[0025] Durch die Zugabe von Cu, Mo und Co kann einzeln oder in Kombination der Formgedächtniseffekt
verbessert werden, wohingegen die Wirkung von Cr, Al und Mg einzeln oder in Kombination
hauptsächlich in einer Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit liegt. Die einzeln
genannten Elemente können bis zu 20 Gew.-%, vorzugsweise bis zu 10 Gew.-% zulegiert
werden. Um negative Einflüsse von S, P und O zu vermeiden, sind diese auf max. 0,5
Gew.-%, bevorzugt max. 0,2 Gew.-%, besonders bevorzugt auf max. 0,1 Gew.-% beschränkt.
Ni unterstützt die Stabilisierung des Austenits im Gefüge und verbessert die Umformbarkeit
des Materials. Ca kann bei Vorhandensein von S mit maximal 0,5 Gew.-% zulegiert werden,
um eine unerwünschte Bindung von Mn in Form von MnS zu unterdrücken. Der Gehalt wird
auf max. 0,5 Gew.-%, bevorzugt max. 0,2 Gew.-%, besonders bevorzugt auf max. 0,1 Gew.-%
beschränkt.
[0026] Um die positiven Einflüsse der optional zugegebenen Legierungselemente Cr und Ni
nutzen zu können, kann die Schmelze jeweils optional mindestens 0,1 Gew.-% Ni und
mindestens 0,2 Gew.-% Cr enthalten.
[0027] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung weist die Formgedächtnislegierung folgende Legierungsbestandteile
in Gewichtsprozent auf:
25,0 Gew.-% ≤ Mn ≤ 32,0 Gew.-%,
3,0 Gew.-% ≤ Si ≤ 10,0 Gew.-%,
3,0 Gew.-% ≤ Cr ≤ 10,0 Gew.-%,
0,1 Gew.-% ≤ Ni ≤ 6,0 Gew.-%, vorzugsweise 4,0 Gew.-%,
P ≤ 0,1 Gew.-%,
S 0,1 Gew.-%,
Mo ≤ 0,5 Gew.-%,
Cu ≤ 0,5 Gew.-%,
Al ≤ 5,0 Gew.-%,
Mg ≤ 5,0 Gew.-%,
O 0,1 Gew.-%,
Ca ≤ 0,1 Gew.-%,
Co ≤ 0,5 Gew.-%,
wobei mindestens ein Element einer Gruppe 1 von Elementen vorhanden ist, die Gruppe
1 aus den Elementen N, C, B mit folgenden Gehalten
N ≤ 0,1 Gew.-%,
C ≤ 0,1 Gew.-%,
B ≤ 0,1 Gew.-%
besteht und für die Summe der Gehalte der Legierungsbestandteile der Gruppe 1 gilt:

und/oder wobei mindestens ein Element einer Gruppe 2 von Elementen vorhanden ist,
die Gruppe 2 aus den Elementen Ti, Nb, W, V, Zr mit folgenden Gehalten
Ti ≤ 1,5 Gew.-%,
Nb ≤ 1,5 Gew.-%,
W ≤ 1,5 Gew.-%,
V ≤ 1,5 Gew.-%,
Zr ≤ 1,5 Gew.-% besteht und für die Summe der Gehalte der Legierungsbestandteile der
Gruppe 2 gilt:

bevorzugt

und darauf aufbauend gemäß einer weiteren erfindungsgemäßen Ausgestaltung für das
Verhältnis der Summe der Legierungsbestandteile der Gruppe 1 und der Gruppe 2 in Atom-%
gilt:

mit Rest Eisen und unvermeidbaren Verunreinigungen.
[0028] Neben den genannten möglichen Bestandteilen der Formgedächtnislegierung, der Legierungsbestandteile
Mn, Si, Cr, Ni sowie eines der Elemente der Gruppe 1 (N, C, B) und/oder eines der
Elemente der Gruppe 2 (Ti, Nb, W, V, Zr) kann die Formgedächtnislegierung zusätzlich
die Elemente P, S, Mo, Cu, Al, Mg, O, Ca oder Co optional enthalten, welche bis zu
den angegebenen Werten vorteilhafte Wirkungen entfalten können. Die den Formgedächtniseffekt
beeinflussenden Ausscheidungen, deren Bildung durch das Verhältnis der beiden Elementgruppen,
Gruppe 1 und Gruppe 2 zueinander beeinflusst wird, zeigen einen deutlichen, positiven
Einfluss auf den Formgedächtniseffekt, sofern die Summe der Bestandteile der Elemente
der Gruppe 2 in Atom-% der Legierung im Verhältnis zu der Summe der Legierungsbestandteile
der Gruppe 1 in Atom-%, im Bereich von 0,5 bis 2,0 liegt. Hierdurch wird ein gezieltes
stöchiometrisches Verhältnis der Legierungselemente der Gruppe 1 und Gruppe 2 eingestellt.
Es wurde festgestellt, dass gerade bei diesem Verhältnis der Legierungsbestandteile
in Atom-% der Gruppe 2 zu der Gruppe 1 die Ausscheidungsbildung besonders günstig
ist und den Formgedächtniseffekt unterstützt. Ist das angegebene Verhältnis beispielsweise
kleiner als 0,5, können die Ausscheidungselemente in Form von N, C und/oder B nicht
abgebunden werden und der Formgedächtniseffekt wird reduziert, da die Elemente der
Gruppe 1 in gelöster Form im Gefüge vorliegen. Im Ergebnis wird zudem ein negativer
Effekt auf die Reversibilität der Phasentransformation, d.h. der Rückumwandlung von
Martensit in Austenit, beobachtet. Wird das so gebildete Verhältnis der Summen der
Legierungsbestandteile größer als 2, stellen sich unerwünschte Verfestigungen aufgrund
der Elemente der Gruppe 2 ein, die sich als freie Atome im Gefüge einlagern und damit
wiederum den Formgedächtniseffekt behindern.
[0029] Der Mangangehalt von 25 Gew.-% bis 32 Gew.-% dient zur Stabilisierung des Austenits
im Gefüge und hat insbesondere Einfluss auf die Schalttemperatur des Formgedächtnismaterials.
Unterhalb eines Mn-Gehalts von 25,0 Gew.-% wird vermehrt Ferrit gebildet, der sich
nachteilig auf den Formgedächtniseffekt auswirkt. Erhöht man den Mn-Gehalt oberhalb
von 32 Gew.-%, verringert sich die gewünschte Schalttemperatur zu sehr, so dass sich
die Schalttemperatur und die möglichen Einsatztemperaturen eines entsprechenden Bauteils
zu stark annähern.
[0030] Silizium dient der Sicherstellung der Reversibilität der Phasenumwandlung von Martensit
in Austenit. Gehalte unterhalb von 3,0 Gew.-% Si führen zu einer Reduzierung des Formgedächtniseffekts.
Oberhalb von 10 Gew.-% kann eine Versprödung des Materials beobachtet werden. Zudem
findet bei Si-Gehalten oberhalb von 10 Gew.-% die vermehrte Ausbildung des ungünstigen
ferritischen Gefüges statt.
[0031] Um eine ausreichende Korrosionsbeständigkeit sicherzustellen, enthält die Formgedächtnislegierung
mindestens 3,0 Gew.-% Cr. Eine Steigerung des Cr-Gehaltes auf oberhalb von 10 Gew.-%
begünstigt wiederum die Ferritbildung, welche sich, wie bereits ausgeführt, negativ
auf den Formgedächtniseffekt auswirkt.
[0032] Nickel dient nun schließlich zur Stabilisierung des austenitischen Gefüges und verbessert
zudem die Umformbarkeit des Materials. Ein Ni-Gehalt von unterhalb von 0,1 Gew.-%
hat allerdings keinen signifikanten Einfluss auf die Eigenschaften des Materials.
Ni-Gehalte von mehr als 6,0 Gew.-% führen jedoch lediglich in Zusammenhang mit einem
erhöhten Cr-Anteil zu geringfügigen Verbesserungen der vorgenannten Eigenschaften,
so dass zur Kosteneinsparung der Ni-Gehalt auf maximal6,0 Gew.-%, vorzugsweise auf
maximal 4,0 Gew.-% beschränkt wird.
[0033] Um zu gewährleisten, dass die gewünschten Ausscheidungen erfolgen, ohne sich negativ
auf weitere Eigenschaften der Formgedächtnislegierung auszuwirken, ist als Obergrenze
für alle Elemente der Gruppe 1, also N, C und B maximal 0,1 Gew.-% vorgesehen. Die
Elemente der Gruppe 2 (Ti, Nb, W, V, Zr) können mit einem Mindestgehalt von 0,01 Gew.-%
vorhanden sein, wobei dies mindestens für ein Element dieser Gruppe gilt. Mit einem
Gewichtsanteil von mindestens 0,01 Gew.-%, vorzugsweise mindestens 0,1 Gew.-% für
Ti, Nb, W, V und/oder Zr wird der Formgedächtniseffekt positiv beeinflusst. Insbesondere
die Reversibilität der Phasentransformation kann durch einen entsprechenden Gehalt
eines der Gruppe 2 Elemente sichergestellt werden. Bevorzugt überschreitet jedes einzelne
Element der Gruppe 2 den maximalen Gehalt von 1,5 Gew.-% nicht, besonders bevorzugt
liegt der maximale Gehalt jedes einzelnen Elementes bei 1,2 Gew.-% bzw. bei maximal
1,0 Gew.-%, um unerwünschte Verfestigungen entgegen zu wirken.
[0034] Gemäß einer Ausgestaltung der Formgedächtnislegierung beträgt der Cr-Gehalt in Gewichtsprozent
3,0 Gew.-% ≤ Cr ≤ 10,0 Gew.-%, so dass ein guter Kompromiss zwischen Ferritbildung
und Korrosionsbeständigkeit der Formgedächtnislegierung erreicht wird. Die Ferritbildung
wirkt gegen den Formgedächtniseffekt, da Ferrit keine Phasentransformation eingeht
und zur vorzeitigen plastischen Verformung neigt.
[0035] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Formgedächtnislegierung gilt für die Differenz
des Cr-Gehalts und des Ni-Gehalts: 0 Gew.-% ≤ Cr-Ni ≤ 6,0 Gew.-%. Die maximale Differenz
der Gehalte von Cr und Ni ist insofern auf 6 Gew.-% beschränkt. Es hat sich gezeigt,
dass ein Ansteigen der Differenz des Chrom- und Nickelgehaltes auf über 6 Gew.-% zu
keinen nennenswerten Verbesserungen der mechanischen Eigenschaften, sondern vielmehr
zur Versprödung des Materials führt. Ein Absinken der Differenz auf unterhalb von
0 Gew.-%, d.h. dass der Nickel-Gehalt größer ist als der Chrom-Gehalt kann sich dagegen
negativ auf die Schalttemperatur auswirken, in dem diese abgesenkt wird und sich der
Einsatztemperatur des Werkstoffes annähert.
[0036] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Formgedächtnislegierung gilt für das Verhältnis
in Atom-% der Summe der Legierungsbestandteile der Gruppe 1 und Gruppe 2:

so dass einerseits der Formgedächtniseffekt durch ausreichende Bildung von Ausscheidungen
vollständig gewährleistet werden kann und andererseits Verfestigungen aufgrund von
freien Atomen der Gruppe 2 im Gefüge deutlich reduziert werden können.
[0037] Eine weitere Ausgestaltung der Formgedächtnislegierung weist N, C und/oder B in folgender
Menge in Gewichtsprozent:
0,005 Gew.-% ≤ N ≤ 0,1 Gew.-%,
0,005 Gew.-% ≤ C ≤ 0,1 Gew.-% und/oder
0,0005 Gew.-% ≤ B ≤ 0,1 Gew.-%
auf. Enthält die Formgedächtnislegierung die Elemente N und/oder C in Gehalten von
mindestens 0,005 Gew.-% und/oder B in einem Gehalt von mindestens 0,0005 Gew.-%, kann
durch die Mindestgehalte die Bildung der Ausscheidungen verbessert werden. Durch die
Obergrenze von 0,1 Gew.-%, vorzugsweise von 0,05 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,01
Gew.-% von B, wird gewährleistet, dass die Oxidationsbeständigkeit der Formgedächtnislegierung
nicht zu stark herabsinkt.
[0038] Gleichzeitig wird der Gehalt von N und C jeweils auf maximal 0,1 Gew.-%, vorzugsweise
maximal 0,07 Gew.-% beschränkt, so dass die Ausscheidungen nicht zu groß werden und
diese sich negativ auf mechanischen Eigenschaften der Legierung auswirken können.
[0039] Bei einer weiteren Ausgestaltung der Legierung werden die Legierungsgehalte der Legierungsbestandteile
der Elemente der Gruppe 2 beschränkt. Gemäß dieser Ausführungsform betragen die Legierungsbestandteile
der Elemente der Gruppe 2
Ti ≤ 1,2 Gew.-%,
Nb ≤ 1,2 Gew.-%,
W ≤ 1,2 Gew.-%,
V ≤ 1,2 Gew.-%,
Zr ≤ 1,2 Gew.-%,
wobei bevorzugt die Obergrenze auf 1,0 Gew.-% für jedes einzelne Element der Gruppe
2 herabgesenkt wird. Die Entstehung von Verfestigungen wird hierdurch weiter verringert,
so dass die Formgedächtnislegierung ein gutes Umformverhalten aufweist.
[0040] Schließlich sollten gemäß einer weiteren Ausführungsform der Formgedächtnislegierung
Schwefel, Phosphor und Sauerstoff auf Gehalte von maximal 0,1 Gew.-%, bevorzugt auf
maximal 0,05 Gew.-% und besonders bevorzugt auf maximal 0,03 Gew.-% beschränkt werden,
um deren negative Einflüsse, beispielsweise auf die Korrosionsbeständigkeit, zu verringern.
Molybdän, Kupfer und Kobalt können einzeln oder in unterschiedlicher Kombination zur
Verbesserung des Formgedächtniseffekts zulegiert werden. Ein entsprechender Einfluss
ist jeweils auf Gehalte von maximal 0,5 Gew.-% beschränkt. Aluminium und Magnesium
können einzeln oder in Kombination zur Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit beitragen
und bewirken zugleich auch eine Dichtereduzierung der Legierung. Ihr Gehalt ist auf
maximal 5 Gew.-%, vorzugsweise auf maximal 2,0 Gew.-%, besonders bevorzugt auf maximal
1,0 Gew.-% beschränkt.
[0041] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung kann Kalzium zur Abbindung von vorhandenem Schwefel
zulegiert werden, um eine unerwünschte Bindung von Schwefel mit Mangan in Form von
MnS zu vermeiden. Um die Korrosionsbeständigkeit nicht zu vermindern und zu große
Verunreinigungen durch Ca zu vermeiden, wird der Gehalt von Ca auf maximal 0,015 Gew.-%,
vorzugsweise auf maximal 0,01 Gew.-% beschränkt.
[0042] Gemäß einer zweiten Lehre der vorliegenden Erfindung wird die oben aufgezeigte Aufgabe
auch durch ein Flachprodukt mit Formgedächtniseffekt bestehend aus einer Legierung,
welche neben Eisen und herstellungsbedingten Verunreinigungen Mangan mit 12 Gew.-%
bis 24 Gew.-%, Silizium mit einem Gew.-% bis 12 Gew.-% aufweist, gelöst, wobei mindestens
ein weiteres Element einer Gruppe 1 enthalten ist, wobei die Gruppe 1 die Elemente
(N, B, C) umfasst und für die Legierungsanteile der Gruppe 1 in Gew.-% gilt:

und/oder mindestens ein weiteres Element einer Gruppe 2 enthalten ist, wobei die
Gruppe 2 die Elemente (Ti, Nb, W, V, Zr) umfasst und für die Legierungsanteile der
Gruppe 2 in Gewichtsprozent gilt:

[0043] und die folgenden Anteile an Legierungsbestandteilen vorhanden sein können:
Cu ≤ 20 Gew.-%,
Cr ≤ 20 Gew.-%,
Al ≤ 20 Gew.-%,
Mg ≤ 20 Gew.-%,
Ni ≤ 20 Gew.-%,
O ≤ 0,5 Gew.-%,
Co ≤ 20 Gew.-%,
Mo ≤ 20 Gew.-%,
Ca ≤ 0,5 Gew.-%,
P ≤ 0,5 Gew.-%,
S ≤ 0,5 Gew.-%
und das Flachprodukt bandgegossen ist.
[0044] Weitere Ausgestaltungen, insbesondere der Legierungszusammensetzung des Flachproduktes
und Fertigungsparameter zur Erzeugung ergeben sich aus der oben genannten Beschreibung
des Herstellverfahrens.
[0045] Im Weiteren soll die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen in Verbindung mit
der Zeichnung näher erläutert werden. Die Figuren 1 und 2 zeigen schematisch jeweils
eine Vorrichtung zur Erzeugung eines Flachproduktes durch Bandgießen in einer schematischen
Schnittansicht.
[0046] Die in Tabelle 1 aufgelisteten Ausführungsbeispiele wurden unter Verwendung der in
Fig. 1 dargestellten Gießeinrichtung (Twin-Roll-Caster) gegossen und deren Formgedächtniseffekt
überprüft. Es zeigte sich, dass die Ausführungsbeispiele im Vergleich zum Stand der
Technik eine geringere Neigung zu unerwünschten Verfestigungen zeigten und gleichzeitig
einen guten Formgedächtniseffekt bei ausreichend hoher Schalttemperatur. Bei Simulationsversuchen
mit identischen Schmelzen zeigte sich, dass die Ausführungsbeispiele auch durch Bandgießen
in einem Belt-Caster hergestellt werden können, wie in Fig. 2 dargestellt.
[0047] Die Anlage 1 zum Erzeugen eines gegossenen Bands B umfasst eine Gießeinrichtung 2,
die als konventioneller Twin-Roll-Caster aufgebaut ist und dementsprechend zwei gegeneinander
um achsparallel zueinander und auf gleicher Höhe ausgerichtete Achsen X1, X2 rotierende
Rollen 3,4 umfasst. Die Rollen 3,4 sind mit einem die Dicke D des zu produzierenden
gegossenen Bands B festlegenden Abstands angeordnet und begrenzen so an dessen Längsseiten
einen als Gießspalt ausgebildeten Gießbereich 5, in dem das gegossene Band B geformt
wird. An seinen Schmalseiten ist der Gießbereich 5 in ebenso bekannter Weise durch
hier nicht sichtbare Seitenplatten abgedichtet, die gegen die Stirnseiten der Rollen
3,4 gedrückt werden.
[0048] Während des Gießbetriebs rotieren die beispielsweise intensiv gekühlten Rollen 3,4
und bilden auf diese Weise eine Begrenzung der Längsseiten einer durch die Rollen
3,4 und die Seitenplatten gebildeten Gießkokille, die sich im Gießbetrieb kontinuierlich
fortbewegen. Die Drehrichtung der Rollen 3,4 ist dabei in Schwerkraftrichtung R in
den Gießbereich 5 hinein gerichtet, so dass in Folge der Rotation Schmelze S aus einem
im Raum oberhalb des Gießbereichs 5 zwischen den Rollen 3,4 anstehenden Schmelzenpool
in den Gießbereich 5 gefördert wird. Dabei erstarrt die Schmelze S, wenn sie die Umfangsfläche
der Rollen 3,4 berührt, aufgrund der dort stattfindenden intensiven Wärmeabfuhr zu
jeweils einer Schale. Die auf den Rollen 3,4 haftenden Schalen werden durch die Rotation
der Rollen 3,4 in den Gießbereich 5 gefördert und dort unter Wirkung einer Bandformungskraft
BFK zu dem gegossenen Band B zusammengepresst. Die im Gießbereich 5 wirksame Kühlleistung
und die Bandformungskraft BFK sind dabei so aufeinander abgestimmt, dass das kontinuierlich
aus dem Gießbereich 5 austretende gegossene Band B weitestgehend vollständig erstarrt
ist.
[0049] Das aus dem Gießbereich 5 austretende Band B wird zunächst in Schwerkraftrichtung
vertikal abgefördert und anschließend in bekannter Weise in einem kontinuierlich gekrümmten
Bogen in eine horizontal ausgerichtete Förderstrecke 6 umgelenkt. Auf der Förderstrecke
6 kann das gegossene Band B anschließend eine Erwärmungseinrichtung 8 durchlaufen,
in der das Band B auf mindestens Warmwalzanfangstemperatur erwärmt wird. Das entsprechend
aufgewärmte gegossene Band B wird anschließend in mindestens einem Warmwalzgerüst
9 zu Warmband WB gewalzt. Durch eine gezielte Abkühlung 7 nach dem Warmwalzgerüst
kann Einfluss auf die Ausbildung des Gefüges genommen werden. Durch Kühlung des Bandes
auf ca. 400°C kann eine Vergröberung der Ausscheidungen unterdrückt werden. Im Anschluss
kann das Warmband WB gehaspelt und anderweitig zum Abtransport vorbereitet werden.
[0050] Aus den drei in Tabelle 1 angegebenen Stahlschmelzen Z1, Z2 und Z3 wurde jeweils
ein Band B mit der in Fig. 1 dargestellten Gießeinrichtung gegossen. Es zeigte sich,
dass das gegossene Band B hinter der Kühlbehandlung ein Gefüge aus Austenit, ε-Martensit
und fein verteilten Ausscheidungen in Form NbC, NbN, VC, VN, TiN, TiC und/oder deren
Mischformen aufwies, so dass ein gute Formgedächtniseigenschaften ermittelt werden
konnten.
[0051] Die beschriebene Wärmebehandlung mittels der Erwärmungseinrichtung 8 sowie das Warmwalzen
mit dem Warmwalzgerüst 9 bzw. der Kühlschritt unter Verwendung der Kühleinrichtung
7 sind nur optionale Verfahrensschritte.
[0052] Der in Fig. 2 dargestellte Belt-Caster 1' verwendet ein Gießband 10, auf welches
die Stahlschmelze 11 mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung gegossen wird. Dies
erfolgt im Bereich der ersten Umlenkrolle 10a des Gießbandes. Über die zweite Umlenkrolle
10b wird das stark gekühlte Gießband wieder zurückgeführt. Über Abdeckmittel 12 wird
ermöglicht, dass der weitere Transport des gegossenen Bandes 13 möglichst ohne Wärmeverlust
und optional unter Schutzgasatmosphäre zum Warmwalzen 9 erfolgt. Anstelle des Abdeckmittels
12 kann alternativ ein zweites dem ersten Gießband 10 gegenläufiges Gießband (hier
nicht dargestellt) vorgesehen sein. Unmittelbar vor dem Warmwalzgerüst 9 können auch
Erwärmungsmittel 8 vorgesehen sein, welche das gegossene Band 13 auf mindestens Warmwalzanfangstemperatur
erwärmen.
[0053] Über die Abschreckung 7 nach dem Warmwalzen kann ein gewünschtes Gefüge im Band eingestellt
werden, so dass ein Flachprodukt aus einer Formgedächtnislegierung entsteht, welches
im Anschuss gehaspelt oder anderweitig zum Abtransport vorbereitet werden kann.
[0054] Selbstverständlich ist ein Warmwalzgerät, wie in den Fig. 1 und 2 beispielhaft dargestellt,
nicht zwingend erforderlich. Um das gemischte Gefüge einzustellen, kann das aus dem
Gießbereich austretende, gegossene Band direkt ohne Walzung gekühlt werden.
