[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Herstellen flammhemmender Wellpappe, bei
dem aus einer ersten Wellpappenrohpapierbahn eine Wellenbahn gefertigt wird und eine
zweite und eine dritte Wellpappenrohpapierbahn auf die Wellenbahn derart geklebt wird,
dass die Wellenbahn zwischen den ebenen Wellpappenrohpapierbahnen angeordnet ist.
Ferner betrifft die Erfindung eine flammhemmende Wellpappe aus einer ebenen Innenbahn,
einer ebenen Außenbahn und einer zwischen der Innenbahn und der Außenbahn angeordneten
Wellenbahn sowie eine flammhemmende Wellpappe aus einer Innenbahn, einer Außenbahn,
einer Zwischenbahn und zwei Wellenbahnen, die zwischen der Innenbahn und der Zwischenbahn
sowie zwischen der Zwischenbahn und der Außenbahn angeordnet sind.
[0002] Standardgemäß wird Wellpappe in mehreren Schritten aus sogenanntem Wellpappenrohpapier
hergestellt. Hierbei wird das Wellpappenrohpapier erwärmt und befeuchtet, um die nötige
Elastizität und Aufnahmebereitschaft für die Verleimung des Papiers zu erreichen.
Zur Herstellung der Wellenbahn wird im weiteren Herstellungsprozess die Wellpappenrohpapierbahn
unter Druckeinwirkung und Hitzeeintrag zwischen zwei zahnradartigen ineinander eingreifenden
Riffelwalzen hindurchgeführt, wodurch die zunächst ebene Wellpappenrohpapierbahn ihre
Wellenform erhält. Die Wellenbahn wird anschließend mit ebenen Wellpappenrohpapierbahnen
verklebt, wobei dieses Verkleben standardmäßig mit einem Klebstoff auf Stärkebasis
unter Hitzeeinwirkung durchgeführt wird. Bei einer einwelligen Wellpappe wird eine
Wellenbahn verwendet, auf die an gegenüberliegenden Seiten zwei ebene Wellpappenrohpapierbahnen,
die Innenbahn und die Außenbahn, geklebt werden.
[0003] Bei zweiwelliger Wellpappe werden drei ebene Wellpappenrohpapierbahnen, die Innenbahn,
die Zwischenbahn und die Außenbahn, sowie zwei Wellenbahnen verwendet, wobei die Wellenbahnen
zwischen der Innenbahn und der Zwischenbahn sowie zwischen der Zwischenbahn und der
Außenbahn angeordnet sind.
[0004] Bei diesem standardgemäßen Herstellungsverfahren wird mit dem Leim relativ viel Feuchtigkeit
in die Wellpappenrohpapierbahnen eingebracht. Darüber hinaus ist bei dem standardgemäßen
Herstellungsverfahren eine hohe Temperatur notwendig, um die gewünschte Formgebung
und Festigkeit zu erreichen.
[0005] Sowohl der hohe Feuchtigkeitseintrag als auch die hohe Temperatur haben zur Folge,
dass wasserlösliche Imprägnierungen der Wellpappenrohpapierbahnen beim Herstellungsprozess
beschädigt werden oder ganz verloren gehen.
[0006] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zum Herstellen von Wellpappe sowie eine
solche Wellpappe anzugeben, wobei die Wellpappe flammhemmende Eigenschaften aufweist.
[0007] Ziel ist es insbesondere, eine flammhemmende qualitativ hochwertige Wellpappe herzustellen,
die auch nach dem Herstellungsprozess/-verfahren die flammhemmenden Eigenschaften
nach DIN 4102 Baustoffklasse B1 aufweist und bei welcher auch die daraus gefertigten
Produkte, im Bereich Verpackungen, Displays, Elemente für Messebau, bedruckte Wellpappe
die entsprechenden flammhemmenden Eigenschaften nach DIN 4102 Baustoffklasse B1 aufweisen.
[0008] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1 sowie durch
Wellpappen mit den Merkmalen der unabhängigen Vorrichtungsansprüche gelöst. Vorteilhafte
Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0009] Erfindungsgemäß wird zunächst eine Wellenbahn aus einer ersten Wellpappenrohpapierbahn
aus flammhemmendem Papier gefertigt. Dies kann insbesondere mit den üblichen Verfahren
erfolgen. Anschließend wird auf die Wellenbahn eine ebene zweite Wellpappenrohpapierbahn
aus flammhemmendem Papier geklebt. Ferner wird auf die Wellenbahn eine ebene dritte
Wellpappenrohpapierbahn aus flammhemmendem Papier so geklebt, dass die Wellenbahn
zwischen der zweiten und der dritten Wellpappenrohpapierbahn angeordnet ist. Als Klebstoff
wird eine mit einem Rheologiemodifizierer versetzte Stärke verwendet, wobei der Rheologiemodifizierer
derart ausgebildet ist, dass ein beim Klebstoffauftrag entstehender Film schneller
reißt als bei reiner Stärke und/oder der Feststoffgehalt des Klebstoffs größer ist
als bei reiner Stärke.
[0010] Durch die Verwendung von ausschließlich flammhemmendem Papier als Wellpappenrohpapierbahnen
wird erreicht, dass auch die sich ergebende Wellpappe selbst die gleichen flammhemmenden
Eigenschaften aufweist. Die Verwendung einer mit dem Rheologiemodifizierer versetzten
Stärke ermöglicht es, dass beim Herstellungsverfahren weniger Feuchtigkeit in die
Wellpappenrohpapierbahnen eingebracht wird und insgesamt die Wellpappenherstellungsmaschine
auf geringerer Temperatur gefahren werden kann. Beides hat zur Folge, dass wasserlösliche
Imprägnierungen, über die standardmäßig bei flammhemmendem Papier diese flammhemmenden
Eigenschaften erreicht werden, beim Herstellungsprozess nicht beschädigt werden. Würde
man eine Stärke ohne einen Rheologiemodifizierer verwenden, wäre der Feuchtigkeitseintrag
so stark, dass sich die flammhemmende Imprägnierung zumindest teilweise lösen würde
und somit die Wellpappe nicht die flammhemmenden Eigenschaften aufweisen würde.
[0011] Insbesondere wird durch diese modifizierte Stärke erreicht, dass der beim Auftrag
des Klebstoffs entstehende Film zwischen der Auftragswalze, mit der der Auftrag des
Klebstoffs durchgeführt wird, und der Wellenbahn schneller abreißt. Somit kann die
Leimauftragsmenge minimiert werden, wodurch wiederum der Feuchtigkeitsgehalt, der
in die Wellenbahn und in die aufgeklebte ebene Wellpappenrohpapierbahn eingebracht
wird, verringert wird.
[0012] Darüber hinaus ermöglicht der Rheologiemodifizierer, dass der Klebstoff einen höheren
Feststoffgehalt hat, wodurch der Gelierpunkt des Klebstoffes sinkt, was wiederum zur
Folge hat, dass während der Produktion eine geringere Erwärmung erfolgen muss und
somit die Hitzezufuhr minimiert wird.
[0013] Insbesondere kann die standardmäßige Wellpappenerzeugungsanlage für die Wellpappe
auf einer schonenderen Stufe gefahren werden. Insbesondere kann der Dampfdruck und/oder
die Dampfzufuhr der Wellpappenerzeugungsanlage reduziert werden und/oder die Heizpartie
mit einer geringeren Temperatur betrieben werden bzw. die Kontaktbereiche, über die
die Wellpappenrohpapierbahnen über solche Heizpartien geführt werden und diese umschlingen,
minimiert werden.
[0014] Dies führt dazu, dass die flammhemmenden Eigenschaften des verwendeten Wellpappenrohpapieres
erhalten bleiben.
[0015] Der Rheologiemodifizierer umfasst insbesondere mindestens ein Tannin und/oder mindestens
ein Kohlenhydrat. Bei diesem Kohlenhydrat handelt es sich insbesondere nicht um Stärke.
Vorzugsweise wird ein chemisch verändertes Tannin und/oder ein chemisch verändertes
Kohlenhydrat verwendet.
[0016] Ferner kann der Rheologiemodifizierer insbesondere ein Biopolymer umfassen.
[0017] Als Rheologiemodifizierer wird insbesondere Cargill C*Rhem™ der Firma Cargill verwendet.
Insbesondere wird als Klebstoff eine Spezialstärke mit diesem Rheologiemodifizierer
namens Cargill C*GUM 037C5 eingesetzt.
[0018] Bei einer bevorzugten Ausführungsform kann eine weitere Wellenbahn aus einer vierten
Wellpappenrohpapierbahn aus flammhemmendem Papier gefertigt werden, wobei diese weitere
Wellenbahn auf die dritte Wellpappenrohpapierbahn geklebt wird. Ferner wird auf die
weitere Wellenbahn eine ebene fünfte Wellpappenrohpapierbahn aus flammhemmendem Papier
derart geklebt, dass die weitere Wellenbahn zwischen der dritten und der fünften Wellpappenrohpapierbahn
angeordnet ist. Hierbei wird als Klebstoff wiederum mit dem Rheologiemodifizierer
versetzte Stärke verwendet. Auf diese Weise wird eine zweiwellige Wellpappe erreicht,
die flammhemmende Eigenschaften aufweist.
[0019] Als Wellpappenrohpapierbahn wird insbesondere flammhemmendes Papier mit einer flammhemmenden
Imprägnierung, vorzugsweise einer wasserlöslichen flammhemmenden Imprägnierung verwendet.
Über solche Imprägnierungen kann auf einfache Weise zuverlässig die gewünschte flammhemmende
Eigenschaft erreicht werden. Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform wird
als Wellpappenrohpapier flammhemmendes Papier nach DIN 4102 Baustoffklasse B1 verwendet.
Hierdurch wird erreicht, dass auch die hergestellte Wellpappe die Normen nach DIN
4102 Baustoffklasse B1 erfüllt.
[0020] Während des Herstellungsverfahrens wird zumindest ein Teil der Wellpappenrohpapierbahnen
befeuchtet und/oder erwärmt. Durch die Verwendung des Rheologiemodifizierers wird
erreicht, dass trotzdem die flammhemmenden Eigenschaften des Wellpappenrohpapieres
erhalten bleiben. Die Befeuchtung erfolgt insbesondere über eine Bedampfung mit Wasserdampf.
[0021] Die Erwärmung erfolgt vorzugsweise über mindestens eine Heizeinheit, wobei in einem
ersten Bereich der Heizeinheit ein Dampfdruck zwischen 2,5 und 3,5 bar, in einem zweiten
Bereich zwischen 1,0 und 2,0 bar und/oder in einem dritten Bereich zwischen 0,1 und
0,5 bar verwendet wird. Würde man als Klebstoff reine Stärke verwenden, wie dies standardmäßig
bei der Wellpappenherstellung erfolgt, so würde in dem ersten Bereich ein Dampfdruck
zwischen 6 und 7 bar, im zweiten Bereich zwischen 3 und 4 bar und im dritten Bereich
zwischen 1 und 2 bar notwendig sein. Durch die modifizierte Stärke werden somit der
Dampfdruck und damit die eingebrachte Feuchtigkeit deutlich reduziert.
[0022] Die Herstellung der Wellpappenbahn aus der ersten ebenen Wellpappenrohpapierbahn
erfolgt insbesondere dadurch, dass unter Druck und/oder Hitzeeinwirkung diese erste
Wellpappenrohpapierbahn zwischen zwei Riffelwalzen hindurchgeführt wird.
[0023] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft eine flammhemmende Wellpappe, die eine
ebene Innenbahn, eine ebene Außenbahn und eine zwischen der Innenbahn und der Außenbahn
angeordnete Wellenbahn umfasst, wobei die Innenbahn, die Außenbahn und die Wellenbahn
jeweils aus einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier gefertigt sind. Hierdurch wird
erreicht, dass auch die sich so ergebende einwellige Wellpappe selbst flammhemmend
ist.
[0024] Die Innenbahn und die Außenbahn sind insbesondere mit Hilfe eines Klebstoffs auf
die Wellenbahn geklebt, wobei der Klebstoff mit einem Rheologiemodifizierer versetzte
Stärke umfasst, wobei dieser Rheologiemodifizierer derart ausgebildet ist, dass ein
beim Klebstoffauftrag entstehender Film schneller reißt als bei reiner Stärke und/oder
der Feststoffgehalt des Klebstoffs größer ist als bei reiner Stärke. Durch diesen
modifizierten Klebstoff wird erreicht, dass der Feuchtigkeitseintrag in das Wellpappenrohpapier
und/oder die notwendige Temperatur reduziert werden, so dass die flammhemmenden Eigenschaften
des Wellpappenrohpapieres während der Herstellung der Wellpappe nicht verlorengehen.
[0025] Die Innenbahn, die Außenbahn und die Wellenbahn bestehen bei einer bevorzugten Ausführungsform
jeweils aus flammhemmendem Rohpapier nach DIN 4102 Baustoffklasse B1, so dass auch
die sich ergebende einwellige Wellpappe diese Normen erfüllt.
[0026] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft eine flammhemmende Wellpappe, die eine
ebene Innenbahn, eine ebene Zwischenbahn, eine ebene Außenbahn sowie eine zwischen
der Innenbahn und der Zwischenbahn angeordnete erste Wellenbahn und eine zwischen
der Zwischenbahn und der Außenbahn angeordnete zweite Wellenbahn umfasst. Die Innenbahn,
die Zwischenbahn, die Außenbahn und die erste und die zweite Wellenbahn sind jeweils
aus einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier gefertigt, so dass auch die sich ergebende
zweiwellige Wellpappe flammhemmende Eigenschaften aufweist.
[0027] Die Innenbahn, die Zwischenbahn und die Außenbahn sind insbesondere mit Hilfe eines
Klebstoffs auf die jeweilige Wellenbahn geklebt, wobei der Klebstoff mit einem Rheologiemodifizierer
versetzte Stärke umfasst. Der Rheologiemodifizierer ist derart ausgebildet, dass ein
beim Klebstoffauftrag entstehender Film schneller reißt als bei reiner Stärke und/oder
der Feststoffgehalt des Klebstoffes größer ist als bei reiner Stärke. Hierdurch wird
erreicht, dass durch die Minimierung des Feuchtigkeitseintrages und der notwendigen
Temperatur die flammhemmenden Eigenschaften der Wellpappenrohpapierbahn, insbesondere
eine Imprägnierung, auch während des Herstellungsprozesses erhalten bleiben.
[0028] Die Innenbahn, die Zwischenbahn, die Außenbahn und die erste und die zweite Wellenbahnen
sind vorzugsweise jeweils aus einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier nach DIN 4102
Baustoffklasse B1 hergestellt, so dass auch die sich ergebende zweiwellige Wellpappe
die Normen dieser DIN erfüllt.
[0029] Bei weiteren Ausführungsformen können auch mehr als zweiwellige flammhemmende Wellpappen
hergestellt werden, bei denen jeweils weitere Wellenbahnen und weitere ebene Wellpappenrohpapierbahnen
aufgeklebt werden, wobei auch hierbei vorzugsweise jeweils als Klebstoff mit diesem
Rheologiemodifizierer versetzte Stärke verwendet wird.
[0030] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der folgenden Beschreibung,
die die Erfindung anhand von Ausführungsbeispielen im Zusammenhang mit den beigefügten
Figuren näher erläutert.
[0031] Es zeigen:
- Fig.1
- eine schematische Darstellung einer einwelligen Wellpappe;
- Fig.2
- eine schematische Darstellung einer zweiwelligen Wellpappe;
- Fig.3
- ein Diagramm der Stapelfeuchte bei der Verwendung von modifizierter Stärke und der
Verwendung von Standardstärke; und
- Fig.4
- ein Diagramm des Dampfdruckes einer Heizeinheit einer Wellpappenherstellungsanlage
bei der Verwendung von Standardstärke und der Verwendung von modifizierter Stärke.
[0032] In Fig.1 ist die schematische Darstellung einer einwelligen Wellpappe 10 dargestellt.
Die Wellpappe 10 umfasst eine ebene Innenbahn 12 und eine ebenfalls ebene Außenbahn
16, zwischen denen eine Wellenbahn 14 angeordnet ist. Die in der Praxis gebräuchlichen
Bezeichnungen "Innenbahn" und "Außenbahn" sind beliebig, d.h. dass auch die Außenbahn
bei der Verwendung innen angeordnet sein kann und umgekehrt.
[0033] Bei der Herstellung der flammhemmenden einwelligen Wellpappe 10 wird sowohl für die
Innenbahn 12, die Wellenbahn 14 als auch für die Außenbahn 16 flammhemmendes Wellpappenrohpapier
verwendet. Insbesondere wird ein Wellpappenrohpapier verwendet, das eine Imprägnierung
aufweist, durch die das Wellpappenrohpapier die Anforderungen nach DIN 4102 Klasse
B1 erfüllt.
[0034] Bei der Herstellung der einwelligen flammhemmenden Wellpappe 10 wird zunächst eine
erste Wellpappenrohpapierbahn 14 erwärmt und befeuchtet, um die notwendige Elastizität
und Aufnahmebereitschaft für die spätere Verklebung der Bahn zu erzielen. Die erste
Wellpappenrohpapierbahn 14 wird unter Druck und Hitzeeinwirkung zwischen zwei zahnradartig
ineinandergreifenden Riffelwalzen hindurchgeführt, so dass aus der zuvor ebenen ersten
Wellpappenrohpapierbahn die Wellenbahn 14 entsteht. Anschließend werden an die Wellenbahn
14 mit Hilfe eines Klebstoffs die ebenen Wellpappenrohpapierbahnen 12 und 16 als Innen-
und Außenbahn unter Hitzeeinwirkung angeklebt.
[0035] Als Klebstoff wird mit einem Rheologiemodifizierer versetzte Stärke verwendet. Der
Rheologiemodifizierer dient dazu, dass beim Auftrag des Klebstoffes dieser dünner
auf die Wellenbahn 14 aufgetragen werden kann als bei der Verwendung von Standardstärke,
so dass insgesamt weniger Klebstoff aufgetragen werden muss. Dies hat zur Folge, dass
auch weniger Feuchtigkeit in die Bahnen 12 bis 16 eingebracht wird.
[0036] Darüber hinaus dient der Rheologiemodifizierer dazu, dass der Klebstoff verglichen
mit Standardstärke, die üblicherweise zur Herstellung von Wellpappe verwendet wird,
einen geringeren Gelierpunkt aufweist, so dass bei der Herstellung eine geringere
Wärmezufuhr notwendig ist.
[0037] Beides dient dazu, dass die Anlage, mit der die Wellpappe 10 hergestellt wird, auf
einer sehr schonenden Fahrweise betrieben werden kann. Insbesondere kann der Dampfdruck
bzw. die Dampfzufuhr reduziert werden und eine Heizeinheit mit einer geringeren Temperatur
betrieben werden bzw. der Umschlingungswinkel der Bahnen um die Heizeinheit reduziert
werden. Insgesamt wird durch den geringeren Feuchtigkeitseintrag und die geringere
Temperatur erreicht, dass die Imprägnierung, über die die flammhemmenden Eigenschaften
des Wellpappenrohpapieres erreicht werden, bei der Herstellung der Wellpappe 10 nicht
verlorengeht. Somit weist auch die einwellige Wellpappe 10 die entsprechenden flammhemmenden
Eigenschaften auf und erfüllt die Anforderungen nach DIN 4102 Baustoffklasse B1.
[0038] In Fig.2 ist eine schematische Darstellung einer flammhemmenden zweiwelligen Wellpappe
100 gezeigt. Die Wellpappe 100 weist eine Innenbahn 112, eine Zwischenbahn 116 und
eine Außenbahn 120 auf, wobei zwischen der Innenbahn 112 und der Zwischenbahn 116
eine erste Wellenbahn 114 und zwischen der Zwischenbahn 116 und der Außenbahn 120
eine zweite Wellenbahn 118 angeordnet sind. Alle fünf Bahnen 112 bis 120 sind aus
einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier gefertigt, so dass auch die zweiwellige Wellpappe
100 die entsprechenden flammhemmenden Eigenschaften aufweist. Als Stärke wird auch
hierbei wiederum insbesondere eine mit einem entsprechenden Rheologiemodifizierer
versetzte Stärke verwendet.
[0039] Als Rheologiemodifizierer wird bei allen Ausführungsformen insbesondere Cargill C*Rhem™
der Firma Cargill verwendet.
[0040] In Fig.3 ist ein Diagramm dargestellt, in dem zwei Messreihen der Feuchte der Wellpappe
nach der Fertigung gezeigt sind. Die mit dem Bezugszeichen 30 bezeichnete Linie stellt
hierbei die Feuchte bei der Verwendung von Standardstärke und die Linie 32 die Feuchte
bei der Verwendung von modifizierter Stärke, also von Stärke, der der Rheologiemodifizierer
zugesetzt ist, dar. Wie Fig.3 entnommen werden kann, wird durch die Verwendung von
modifizierter Stärke als Klebstoff die Feuchtigkeit von ungefähr 95 % auf nur 70 %
reduziert.
[0041] Fig.4 zeigt ein Diagramm des Dampfdruckes einer Heizeinheit der Wellpappenherstellungsanlage,
über die das Wellpappenrohpapier erwärmt und befeuchtet wird. Die Linie 40 zeigt hierbei
wiederum den notwendigen Dampfdruck bei der Verwendung von Standardstärke, die Linie
42 den notwendigen Dampfdruck bei der Verwendung der modifizierten Stärke. Hierbei
ist die Heizeinheit in drei Bereiche eingeteilt, in denen sie mit unterschiedlichem
Dampfdruck betrieben ist. Auch hierbei zeigt sich wiederum, dass der Dampfdruck bei
der modifizierten Stärke wesentlich geringer ist als bei der Standardstärke.
Bezugszeichenliste
[0042]
- 10, 100
- Wellpappe
- 12, 16, 112, 116, 120
- ebene Wellpappenrohpapierbahn
- 14, 114, 118
- Wellenbahn
- 30, 32, 40, 42
- Linie
1. Verfahren zum Herstellen flammhemmender Wellpappe,
bei dem eine Wellenbahn (14, 114) aus einer ersten Wellpappenrohpapierbahn aus flammhemmendem
Papier gefertigt wird,
auf die Wellenbahn (14, 114) eine ebene zweite Wellpappenrohpapierbahn (12, 112) aus
flammhemmendem Papier geklebt wird, und
wobei auf die Wellenbahn (14, 114) eine ebene dritte Wellpappenrohpapierbahn (16,
116) aus flammhemmendem Papier derart geklebt wird, dass die Wellenbahn (14, 114)
zwischen der zweiten und der dritten Wellpappenrohpapierbahn (12, 112, 16, 116) angeordnet
ist,
wobei als Klebstoff mit einem Rheologiemodifizierer versetzte Stärke verwendet wird,
wobei der Rheologiemodifizierer derart ausgebildet ist, dass ein beim Klebstoffauftrag
entstehender Film schneller reißt als bei Standardstärke und/oder der Feststoffgehalt
des Klebstoffs größer ist als bei Standardstärke.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Rheologiemodifizierer mindestens einTannin und/oder mindestens ein Kohlenhydrat
umfasst.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass eine weitere Wellenbahn (118) aus einer vierten Wellpappenrohpapierbahn aus flammhemmendem
Papier gefertigt wird, dass diese weitere Wellenbahn (118) auf die dritte Wellpappenrohpapierbahn
(16, 116) geklebt wird, dass auf die weitere Wellenbahn (118) eine ebene fünfte Wellpappenrohpapierbahn
(120) aus flammhemmendem Papier derart geklebt wird, dass die weitere Wellenbahn (118)
zwischen der dritten und der fünften Wellpappenrohpapierbahn (120) angeordnet ist,
wobei der gleiche Klebstoff wie für das Ankleben der zweiten Wellpappenrohpapierbahn
(12, 112) verwendet wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Wellpappenrohpapierbahn (12, 14, 16, 112 bis 120) flammhemmendes Papier mit einer
flammhemmenden Imprägnierung, insbesondere einer wasserlöslichen flammhemmenden Imprägnierung,
verwendet wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Wellpappenrohpapier (12, 14, 16, 112 bis 120) flammhemmendes Papier nach DIN
4102 Baustoffklasse B1 verwendet wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest ein Teil der Wellpappenrohpapierbahnen (12, 14, 16, 112 bis 120) befeuchtet
und/oder erwärmt wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Befeuchtung über eine Bedampfung mit Wasserdampf erfolgt.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Erwärmung über mindestens eine Heizeinheit erfolgt, und dass in einem ersten
Bereich der Heizeinheit ein Dampfdruck zwischen 2,5 und 3,5 bar, in einem zweiten
Bereich zwischen 1,0 und 2,0 bar und/oder in einem dritten Bereich zwischen 0,1 und
0,5 bar verwendet wird.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Wellpappenrohpapierbahn (14, 114) zur Wellung unter Druck- und/oder Hitzeeinwirkung
zwischen zwei Riffelwalzen hindurchgeführt wird.
10. Flammhemmende Wellpappe (10),
mit einer ebenen Innenbahn (12),
einer ebenen Außenbahn (16), und
mit einer zwischen der Innenbahn (12) und der Außenbahn (16) angeordneten Wellenbahn
(14),
wobei die Innenbahn (12), die Außenbahn (16) und die Wellenbahn (14) jeweils aus einem
flammhemmenden Wellpappenrohpapier gefertigt sind.
11. Flammhemmende Wellpappe (10) nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenbahn (12) und die Außenbahn (16) mit Hilfe eines Klebstoffs auf die Wellenbahn
(14) geklebt sind, wobei der Klebstoff mit einem Rheologiemodifizierer versetzte Stärke
umfasst, und wobei der Rheologiemodifizierer derart ausgebildet ist, dass ein beim
Klebstoffauftrag entstehender Film schneller reißt als bei Standardstärke und/oder
der Feststoffgehalt des Klebstoffs größer ist als bei Standardstärke.
12. Flammhemmende Wellpappe (10) nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenbahn (12), die Außenbahn (16) und die Wellenbahn (14) jeweils aus einem
flammhemmenden Wellpappenrohpapier nach DIN 4102 Baustoffklasse B1 bestehen.
13. Flammhemmende Wellpappe (100),
mit einer ebenen Innenbahn (112),
einer ebenen Zwischenbahn (116),
einer ebenen Außenbahn (120),
einer zwischen der Innenbahn (112) und der Zwischenbahn (116) angeordneten ersten
Wellenbahn (114), und
mit einer zwischen der Zwischenbahn (116) und der Außenbahn (120) angeordneten zweiten
Wellenbahn (118),
wobei die Innenbahn (112), die Zwischenbahn (116), die Außenbahn (120) und die erste
und zweite Wellenbahn (114, 118) jeweils aus einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier
gefertigt sind.
14. Flammhemmende Wellpappe (100) nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenbahn (112), die Zwischenbahn (116) und die Außenbahn (120) mit Hilfe eines
Klebstoffs auf die jeweilige Wellenbahn (114, 118) geklebt sind, wobei der Klebstoff
mit einem Rheologiemodifizierer versetzte Stärke umfasst, und wobei der Rheologiemodifizierer
derart ausgebildet ist, dass ein beim Klebstoffauftrag entstehender Film schneller
reißt als bei Standardstärke und/oder der Feststoffgehalt des Klebstoffs größer ist
als bei Standardstärke.
15. Flammhemmende Wellpappe (100) nach Anspruch 13 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenbahn (112), die Zwischenbahn (116), die Außenbahn (120) und die erste und
zweite Wellenbahn (114, 118) jeweils aus einem flammhemmenden Wellpappenrohpapier
nach DIN 4102 Baustoffklasse B1 bestehen.