[0001] Die Erfindung betrifft ein Industrieofensystem mit den Merkmalen des Oberbegriffs
des Anspruchs 1.
[0002] Öfen und wärmetechnische Anlagen werden in fast allen Bereichen von Industrie und
Forschung für thermische Prozesse eingesetzt. Die Bandbreite des Einsatzes dieser
Anlagen durchdringt nahezu alle Branchen und Abläufe bei der Herstellung von Produkten.
Es resultiert daraus eine Vielzahl von Ofenbauformen und -technologien. Vorgefertigte
Standardlösungen sind hierbei in vielen Fällen nicht brauchbar. Es ist oft eine sehr
spezifische Herangehensweise an die jeweilige Aufgabenstellung gefordert, was für
die Hersteller mit einem hohen Entwicklungs- und Engineeringaufwand verbunden ist.
Hinzu kommt, dass der Endanwender bei der Anschaffung eines solchen Ofens abwägen
muss, inwiefern Größe und Leistungskapazität der Anlage nicht nur für den momentanen
Bedarf sondern auch für mögliche zukünftige Anforderungen ausgelegt sein sollen. Nicht
selten werden Anlagen hierdurch überdimensioniert, was zu unnötig hohem Platz- und
Energiebedarf führt. Wenn sich technische oder maßliche Anforderungen nachträglich
ändern, können bestehende Ofenanlagen meist nur mit unverhältnismäßigem Aufwand angepasst
werden, sehr oft muss in neue Öfen investiert werden.
[0003] Dokument
EP 72081 A1 offenbart zum Beispiel ein isolierendes Modul zur Verwendung in einem Elektroofen
aus einer feuerfesten Fasermatte aus diskreten feuerfesten Fasern, die mit einem anorganischen
Bindemittel miteinander verbunden sind. Das Modul hat eine heiße Seite, eine kalte
Seite und eine Vielzahl von Seitenflächen. Eine Vielzahl von einzelnen keramischen
Trägern sind teilweise in der Matte eingebettet und ragen von der Heißseite nach außen.
Die eingebetteten Abschnitte sind fest in der Matte verankert. Die vorstehenden Abschnitte
unterstützen ein elektrisches Widerstandsheizungsband im Inneren des Ofens. Die Faserschichten
bauen auf einer unteren Blende in Ebenen senkrecht zu der heißen Seite des Moduls
auf.
[0004] DE 3326463 offenbart elektrische Heizplattenmodule mit einem stabilen Tragrahmen aus feuerfestem
Steinmaterial. Tragrohre in einem Faserkern bilden ein leichtes, stabiles und vielseitig
einsetzbares elektrisches Heizplattenmodul.
[0005] Die Komponenten des Standes der Technik müssen immer in eine individuell zu planende
Ofengesamtkonstruktion integriert werden, was einschlägige Expertenkenntnisse voraussetzt
und die Ofengesamtkonstruktion teuer und aufwändig macht.
[0006] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Industrieofensystem zu schaffen, mit dem die Nachteile
des Standes der Technik vermieden werden.
[0007] Die Lösung erfolgt mit einem Industrieofensystem mit den Merkmalen des Anspruchs
1. Erfindungsgemäße Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen dargestellt.
[0008] Die Erfindung betrifft ein Industrieofensystem aus einem modular integrierten Baukastensystem
für elektrisch beheizte Industrieöfen mit Gehäuserahmen, mindestens einer Wärmeisolationsschicht
und hitzebeständigen Halterungen als Grundmodule für mindestens ein Wandflächenmodul,
mindestens ein Kantenmodul und/oder mindestens ein Eckenmodul, Abdichtungselementen
und/oder mindestens einem System-Adapter zur Integration individueller Sonderelemente.
Die Grundmodule sind formstabil und mit gleichartigen, äußeren Verbindungspunkten
montierbar zu einer kompletten Ofenkammer mit einem quadratischen Grundraster. Mit
diesen Grundmodulen ist es möglich, in sehr variabler Weise vielfältige Ofengeometrien
aufzubauen. Die einzelnen Module sind dabei so dimensioniert und gestaltet, dass sie
dauerhaft formstabil und leicht handhabbar sind. Die Abmessungen der Wandmodule werden
durch ein vorgegebenes, quadratisches Grundraster bestimmt, die Kanten- und Eckmodule
sind ebenfalls auf dieses Raster abgestimmt. Durch die gleichartigen Verbindungspunkte
an den Außenseiten ist es leicht möglich, die Grundmodule miteinander zu einer kompletten
Ofenkammer zu kombinieren, wobei Größe und Formgebung hierbei im Prinzip keine Grenzen
gesetzt sind. Vorteile des erfindungsgemäßen Industrieofensystems aus einem modular
integrierten Baukastensystem gegenüber konventionell geplanten und hergestellten Öfen
sind:
Für den Hersteller
- Rationalisierung durch Serienfertigung
- Erschließung neuer Geschäftsmodelle denkbar, z.B. Dienstleistungs- oder Leihsysteme
Für den Ofenbauer/Systemintegrator
- geringerer Planungsaufwand
- kürzere Lieferzeiten
- einfacher Transport
Für den Anwender
- bessere Anlagenverfügbarkeit
- rationelle Lagerhaltung
- schnelle Reparatur durch Austausch ganzer Module
- Investitionskosten orientieren sich nur am aktuellen Bedarf
- leichte Anpassbarkeit des Ofens an geänderte Rahmenbedingungen
- flexible Einsatzmöglichkeiten
- Weiterverwertbarkeit von Modulen am Gebrauchtmarkt
- ortsunabhängige Verwendung möglich.
[0009] Vorzugsweise können zu den Grundmodulen mindestens eine Heizeinrichtung und elektrische
Anschlusselemente, z.B. Stecker kommen für beheizte Wandflächenmodule.
[0010] Durch ergänzende, systemkonforme Baukastenelemente können vorzugsweise weitere Funktionen
erfüllt werden:
- Türmodule, beheizt oder unbeheizt
- Herdmodule zur Ablage der Ofencharge, beheizt oder unbeheizt
- Wandmodule mit Zusatzfunktionen, z.B. Messdurchführungen, Kühlklappen, Anschlussstutzen,
Schaugläser, etc.
- Innenkanten- und Inneneckmodule für komplexere Ofengeometrien
[0011] Weiter vorzugsweise funktional ergänzt wird das System durch die Bereitstellung von
ebenfalls modularen Mess-, Regel- und Steuereinheiten. Diese ermöglichen es, jedes
heizbare Ofenmodul einzeln anzusteuern und zu regeln, so dass hiermit auch anspruchsvolle
Aufgaben bezüglich gezielter und homogener Wärmeeinbringung und Temperaturregelung
problemlos gelöst werden können.
[0012] Mittels einer übergeordneten, intelligenten Steuerung und Bedienung können hiermit
komplexe Thermoprozesse programmiert, durchgeführt und dokumentiert werden. Ohne weiteres
sind hiermit auch einfachere Applikationen durch Zusammenschaltung mehrerer Module
machbar.
[0013] Die Erfindung wird im Folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels dargestellt.
Es zeigen:
- Abbildung 1:
- einen Querschnitt und eine Draufsicht eines eines beheizten Wandmoduls, und
- Abbildung 2:
- eine Draufsicht auf eine aus Grundmodulen aufgebaute und einen Querschnitt durch eine
solche Ofenkammer.
[0014] Abbildung 1: Ein Modul-Gehäuserahmen 5 aus Stahl gibt eine äußere Grundmodulabmessung
vor. Der Modul-Gehäuserahmen 5 hat vierseitig umlaufende Montagepunkte 6, über die
die Verbindung zu Modul-Gehäuserahmen 5 benachbarter Module erfolgt. Der Modul-Gehäuserahme
5 dient als äußeres "Stützkorsett" zur Befestigung innenseitiger Modulkomponenten
wie Heizung 2 und Temperaturmessfühler 1, Halterung der Heizelemente 3 und einer hitzebeständigen,
wärmeisolierten Innenkassette 4. Der Modul-Gehäuserahmen 5 bildet außenseitig einen
Hohlraum, in dem elektrische Anschlüsse, wie Steckverbindungen 8 für die Heizung 2
und Temperaturmessfühler 1 untergebracht sind. Der Hohlraum für die elektrischen Anschlüsse
wird von außen durch eine Abdeckung 7 für den Berührungsschutz abgeschlossen.
[0015] Die hitzebeständige, wärmeisolierte Innenkassette 4 ist mit dem äußeren Rahmen 5
kraftschlüssig verbunden und dient dazu, einen inneren Isolationsaufbau des Grundmoduls
einzufassen und abzustützen. Der Isolationsaufbau ist optimiert in Bezug auf gute
Wärmedämmung und niedrige Wärmespeicherkapazität. Gleichzeitig stellt die Innenkassette
4 die konstruktive Verbindung zur Halterung der Heizelemente 3 her. Durch die konstruktive
Ausführung der Innenkassette 4 wird Formstabilität des Grundmoduls bei gleichzeitiger
Minimierung von Wärmebrücken erreicht. Über Außenflächen der Innenkassette 4 erfolgt
mittels spezieller Dichtstreifen (nicht dargestellt) die thermische Abdichtung zu
benachbarten Modulen.
[0016] Das Heizelement 1 ist metallisch und mit keramischer Halterung 3 versehen. Das metallische
Heizelement 1 aus spiralförmig gewickeltem Heizleiterdraht ist mäanderförmig und zwängungsfrei
auf keramischen Tragrohren aufgefädelt und kann dadurch seine Heizenergie intensiv
und gleichmäßig frei abstrahlen. Die keramischen Tragrohre werden ihrerseits von einem
umlaufenden keramischen Rahmen aufgenommen, welcher an den Ecken durch Steckverbindungen
gefügt und mit der Innenkassette 4 verbunden ist. Das spannungsführende Heizelement
1 ist durch die keramischen Bauteile elektrisch gegenüber der Innenkassette 4 isoliert.
Bezugsziffernliste:
Abbildung 1
[0017]
- 1
- Temperaturmessfühler
- 2
- Heizelement
- 3
- Halterung Heizelemente
- 4
- Wärmeisolierte Innenkassette
- 5
- Gehäuserahmen
- 6
- Verbindungspunkte
- 7
- Schutzabdeckung
- 8
- Anschlussstecker
Abbildung 2
[0018]
- 1
- Beheiztes Wandmodul
- 2
- Eckmodul
- 3
- Kantenmodul
- 4
- Unbeheiztes Wandmodul
1. Industrieofensystem aus einem modular integrierten Baukastensystem für elektrisch
beheizte Industrieöfen mit Gehäuserahmen (5), mindestens einer Wärmeisolationsschicht
(4) und hitzebeständigen Halterungen (3) als Grundmodule für mindestens ein Wandflächenmodul,
mindestens ein Kantenmodul und/oder mindestens ein Eckenmodul, mit Abdichtungselementen
und/oder mindestens einem System-Adapter zur Integration individueller Sonderelemente,
dadurch gekennzeichnet, dass die Grundmodule formstabil und mit gleichartigen, äußeren Verbindungspunkten (6)
montierbar sind zu einer kompletten Ofenkammer mit einem quadratischen Grundraster.
2. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Heizeinrichtung (2) und elektrische Anschlusselemente (8), z.B. Stecker
vorgesehen sind zur Integration mit den Grundmodulen.
3. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1 und/oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Wandflächenmodul beheizt oder unbeheizt ist.
4. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1 und/oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Wandflächenmodul als beheiztes oder unbeheiztes Türmodul ausgebildet
ist.
5. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1 und/oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Wandflächenmodul als beheiztes oder unbeheiztes Herdmodul zur
Ablage einer Ofencharge ausgebildet ist.
6. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das mindestens eine Wandflächenmodul mit Messdurchführungen, Kühlklappen, Anschlussstutzen,
Schaugläsern, etc. ausgebildet ist.
7. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass für komplexere Ofengeometrien das mindestens eine Kantenmodul als Innenkantenmodul
und/oder das mindestens eine Eckenmodul als Inneneckenmodul ausgebildet ist.
8. Industrieofensystem gemäß Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, dass modulare Mess-, Regel- und Steuereinheiten vorgesehen sind zur einzelnen Ansteuerung
und Regelung jedes heizbaren Grundmoduls.
9. Industrieofensystem gemäß Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Grundmodule zusammenschaltbar sind.