[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Warmumformwerkzeug gemäß den Merkmalen im
Oberbegriff von Patentanspruch 1.
[0002] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren gemäß Patentanspruch 16.
[0003] Im Stand der Technik ist es bekannt, zur Herstellung von Blechumformbauteilen die
Warmumform- und Presshärtetechnologie einzusetzen. Insbesondere wird ein solches Verfahren
zur Herstellung von Kraftfahrzeugbauteilen und hier ganz besonders bevorzugt von Kraftfahrzeugsicherheits-
sowie Kraftfahrzeugstrukturbauteilen eingesetzt.
[0004] Zunächst wird eine Platine aus einer härtbaren Stahllegierung bereitgestellt und
diese zumindest partiell auf über Austenitisierungstemperatur erwärmt. Die zumindest
teilweise austenitisierte Blechplatine besitzt im warmen Zustand höhere Umformfreiheitsgrade,
so dass diese in einem Pressumformwerkzeug zum Blechbauteil umgeformt wird. Bereits
während oder nach Abschluss des Umformvorganges wird dann besonders bevorzugt das
Pressumformwerkzeug gekühlt derart, dass eine Härtung des warmumgeformten noch in
dem Warmformwerkzeug befindlichen Blechbauteils erfolgt. Insbesondere wird das hergestellte
Blechformbauteil derart rasch abgekühlt, dass das austenitische Gefüge in im Wesentlichen
martensitisches Gefüge oder aber in ein Mischgefüge überführt wird. Alternativ ist
es auch möglich, das noch warme Blechumformbauteil in ein separates Haltewerkzeug
zu überführen und in diesem dann durch rasches Abkühlen abschreckzuhärten.
[0005] Insbesondere bei der partiellen Härtung eines Bauteils ist es von Nöten, einen scharf
berandeten Übergangsbereich zwischen gehärteten Bereichen und ungehärteten Bereichen
herzustellen. Aufgrund von Wärmeleitung innerhalb der Platine aber auch Wärmeleitung
innerhalb des Pressumformwerkzeuges hat es sich als besonders vorteilig erwiesen,
das Pressumformwerkzeug selbst segmentiert auszubilden. Dies bedeutet, dass beispielsweise
das Oberwerkzeug bzw. das Unterwerkzeug in mindestens zwei voneinander verschiedene
Segmente aufgeteilt ist und zwischen den Segmenten eine physische Trennung, beispielweise
in Form eines Luftspaltes, vorhanden ist. Hierdurch wird eine Wärmeleitung innerhalb
des Werkzeuges unterbunden. Nachteilig dabei ist jedoch, dass die separaten Segmente
aufgrund der verschiedenen eingestellten Temperaturen sich unterschiedlich stark ausdehnen.
[0007] Weiterhin ist bei der Herstellung von warmumgeformten und pressgehärteten Bauteilen
mit partiell voneinander verschiedenen Festigkeitsbereichen die Übergangszone von
hartem zu duktilem Bereich aufgrund von Wärmeleitung in der umzuformenden Platine
bzw. in dem umgeformten Bauteil mitunter nicht hinreichend scharf berandet.
[0008] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ausgehend vom Stand der Technik ein segmentiertes
Warmumformwerkzeug dahingehend zu verbessern, dass die Ausdehnungen aufgrund voneinander
verschiedener Temperaturen, die sich in den Segmenten von Oberwerkzeug bzw. Unterwerkzeug
einstellen, kompensiert werden und ein hinreichender Anlagenkontakt zwischen den Formoberflächen
von Oberwerkzeug und Unterwerkzeug und der umzuformenden Blechplatine bzw. dem geformten
Blechbauteil hergestellt ist. Es ist weiterhin Aufgabe der Erfindung ein Verfahren
aufzuzeigen, um bei einem warmumgeformten und pressgehärteten Bauteil mit voneinander
verschiedenen Festigkeitsbereichen einen Übergangsbereich scharf zu beranden.
[0009] Die zuvor genannte Aufgabe wird erfindungsgemäß mit einem Warmumformwerkzeug gemäß
den Merkmalen im Patentanspruch 1 gelöst.
[0010] Der verfahrenstechnische Teil der Aufgabe wird erfindungsgemäß weiterhin mit einem
Verfahren zur Herstellung eines warmgeformten und pressgehärteten Bauteilen gemäß
den Merkmalen im Patentanspruch 16 gelöst.
[0011] Vorteilhafte Ausführungsvarianten des erfindungsgemäßen Warmumformwerkzeuges sind
Gegenstand der abhängigen Patentansprüche.
[0012] Das Warmumformwerkzeug weist ein Oberwerkzeug und ein Unterwerkzeug auf, die aufeinander
zu bewegbar sind und bei geschlossenem Warmumformwerkzeug zwischen Oberwerkzeug und
Unterwerkzeug ein Formhohlraum ausgebildet ist, wobei das Oberwerkzeug und/oder das
Unterwerkzeug mindestens in zwei Segmente unterteilt ist/sind. In dem Formhohlraum
liegt das hergestellte Blechumformbauteil mit der jeweiligen Formoberfläche von Oberwerkzeug
bzw. Unterwerkzeug im Anlagenkontakt.
[0013] Das Warmumformwerkzeug ist erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, dass mindestens
ein Segment als Heizsegment ausgebildet ist und dass das Heizsegment auf einer dem
Formhohlraum gegenüberliegenden Seite ein Ausgleichselement aufweist, so dass eine
thermische Ausdehnung des Heizsegmentes in Pressenhubrichtung kompensiert wird.
[0014] Das Warmumformwerkzeug wird dabei im Rahmen der Erfindung insbesondere zum Umformen
von Blechplatinen eingesetzt, wobei die Blechplatinen eine gegenüber der Raumtemperatur
höhere Temperatur aufweisen. Blechplatinen können dabei aus einer Stahllegierung ausgebildet
sein aber auch aus einer Leichtmetalllegierung, beispielsweise einer Aluminiumlegierung.
Bevorzugt wird mit dem erfindungsgemäßen Warmumformwerkzeug jedoch eine warmumformbare
und härtbare Stahllegierung bearbeitet, so dass das Warmumformwerkzeug insbesondere
als Warmumform- und Presshärtewerkzeug ausgebildet ist. Die Temperatur des warmumzuformenden
Bauteils weist dann zumindest partiell eine Temperatur oberhalb der Austenitisierungstemperatur,
mithin über AC3 auf.
[0015] Bevorzugt ist das Ausgleichselement in Verbindung mit einer schwimmenden Lagerung
mit einem linearen Freiheitsgrad, insbesondere in Pressenhubrichtung in Verbindung
mit einer Feder ausgebildet. Das Heizsegment selber ist bevorzugt aktiv beheizt, so
dass beispielsweise insbesondere in das Heizsegment selbst, eine Heizquelle integriert
ist.
[0016] Bevorzugt ist ein Heizsegment im Oberwerkzeug und ein korrespondierend dazu angeordnetes
Heizsegment im Unterwerkzeug vorgesehen. Es kann jedoch auch nur im Oberwerkzeug ein
Heizsegment oder nur im Unterwerkzeug ein Heizsegment vorgesehen sein. Es können auch
jeweils in Oberwerkzeug und Unterwerkzeug mehrere Heizsegmente vorgesehen sein.
[0017] Die restlichen Segmente, insbesondere die dem Heizsegment benachbarten Segmente sind
dann mit Kühlkanälen versehen und werden temperiert, so dass die umgeformte Blechplatine
derart rasch abgekühlt wird, dass sich beispielsweise bei einem austenitischen Gefüge
der Platine ein gehärtetes Gefüge, insbesondere martensitisches Gefüge einstellt.
In der Folge weist das Heizsegment eine höhere Temperatur während des Schichtbetriebs
auf gegenüber den restlichen Segmenten des Warmumformwerkzeuges und dehnt sich stärker
aus. Auch die Temperatur und die Abmessung des Heizsegmentes vor und während des Kontakts
mit der Platine unterscheiden sich voneinander. Das Ausgleichselement auf der Rückseite
des Heizsegmentes ermöglicht es, dass eine thermische Ausdehnung in Pressenhubrichtung
von dem Heizsegment im Oberwerkzeug bzw. im Unterwerkzeug, mithin eine thermische
Ausdehnung in Richtung des Formhohlraumes durch das Ausgleichselement kompensiert
wird. Insbesondere ist dazu das Heizsegment federnd gelagert, so dass eine Ausdehnung
des Heizsegmentes dazu führt, dass das Ausgleichselement zusammengedrückt wird sowie
eine Kontraktion des Heizsegmentes zu einer Ausdehnung des Ausgleichselementes führt.
Im Ergebnis ist die Absolutposition der Formoberfläche des Heizsegmentes im Formhohlraum
annähernd konstant, wobei sich ein gleichmäßiger Anlagenkontakt der Formoberfläche
des Heizsegmentes sowie der Formoberfläche der benachbarten Segmente an der Platine
einstellt.
[0018] Im Ergebnis kann ein scharf berandeter Übergangsbereich zwischen gezielt eingestellten
Gefügezuständen in den einzelnen Abschnitten des hergestellten Bauteils mit voneinander
verschiedenen Härten erreicht werden.
[0019] Als Heizquelle in dem Heizsegment können verschiedene Wärmequellen eingesetzt werden.
Beispielsweise vorstellbar sind Heizpatronen oder aber auch Widerstandsheizungen in
Form von Heizdrähten. Auch vorstellbar ist eine induktive Heizquelle, die dann in
das Heizsegment integriert sein kann oder aber auch extern, in Bezug auf den Formhohlraum
hinter dem Heizsegment angeordnet ist.
[0020] Weiterhin besonders bevorzugt ist das Heizsegment bei Raumtemperatur untermaßig ausgebildet.
Dies bedeutet, dass das Istmaß des Heizsegmentes im Zustand bei Raumtemperatur kleiner
dem Sollmaß des Heizsegmentes bei Betriebstemperatur ist. Die Maßangaben beziehen
sich auf die Absolutposition der Formoberfläche des Heizsegmentes im Formhohlraum.
Bei Erwärmung des Heizsegmentes durch eine aktive Heizquelle dehnt sich das Heizsegment
dann in Folge der Wärmeinwirkung aus. Bei Betriebstemperatur erreicht das Heizsegment
bevorzugt sein Sollmaß und/oder ein geringfügig über dem Sollmaß liegendes Maß. Hier
stellt sich dann durch das Ausgleichselement jeweils die Absolutposition der Formoberfläche
des Heizsegmentes bezogen auf den Formhohlraum exakt passiv ein. Eventuelle Schwankungen
in Folge von verschiedenen Temperaturen während des Produktionsprozesses werden dann
durch das geringe Übermaß und/oder das Ausgleichselement ausgeglichen.
[0021] Bevorzugt ist das Ausgleichselement als mechanisch passives Element mit einem linearen
Bewegungsfreiheitsgrad, insbesondere in Pressenhubrichtung ausgebildet. Weiterhin
bevorzugt ist das Ausgleichselement ein federelastisches Element, insbesondere eine
Feder, ganz besonders bevorzugt eine Schraubendruckfeder. Weiterhin besonders bevorzugt
sind mehrere Ausgleichselemente, insbesondere mehrere Federn derart verteilt, dass
ein Verkanten des Heizsegmentes bei Einfedern des Ausgleichselementes vermieden ist.
Die Anzahl und Lage und/oder Federrate der Ausgleichselemente, insbesondere der Federn
kann dann in Abhängigkeit der Umformgrade und/oder der auf den jeweiligen Flächenabschnitt
wirkenden Flächenpressung an dem Heizsegment ausgelegt werden. Bei einem dünnen Abschnitt
des Heizsegmentes ist beispielsweise nur ein Ausgleichselement ausreichend, wohingegen
bei einem breiteren Abschnitt drei, vier oder fünf Ausgleichselemente in einem Abstand
zueinander positioniert angeordnet sind. Das Ausgleichselement kann jedoch auch ein
Kissen sein, insbesondere ein hydraulisches Kissen, welches mit einem komprimierbaren
Fluid gefüllt ist.
[0022] Weiterhin besonders bevorzugt ist das Oberwerkzeug an einem Stößeltisch gelagert
und/oder das Unterwerkzeug an einem Pressentisch. Die Rückseite der Segmente sind
bevorzugt jeweils formschlüssig im Falle des Oberwerkzeuges an dem Stößeltisch und
im Falle des Unterwerkzeuges an dem Pressentisch bevorzugt unter Eingliederung einer
Spannplatte lagefixiert. Das jeweilige Heizsegment ist dann schwimmend gelagert und
weist besonders bevorzugt eine lineare Führung auf. Die lineare Führung ist insbesondere
derart ausgebildet, dass der lineare Bewegungsfreiheitsgrad in Richtung des Pressenhubs
erfolgt. Insbesondere ist die Führung als Führungsstab, welche in ein Führungsloch
eingreift ausgeführt, mithin als formschlüssige Gleitführung.
[0023] Besonders bevorzugt ist die lineare Führung bezogen auf eine Ebene senkrecht zur
Pressenhubrichtung des Warmumformwerkzeuges mittig an dem Heizsegment angeordnet.
Eine Längenausdehnung des Heizsegmentes in alle Richtungen der Ebene von der im Wesentlichen
mittigen Zentrierung wird somit ermöglicht. Die Ausdehnung in Pressenhubrichtung selbst
wird wiederum durch das Ausgleichselement realisiert.
[0024] Weiterhin besonders bevorzugt ist an der Rückseite des Heizsegmentes eine Isolierlage
angeordnet und/oder an den Seitenrändern bzw. Seitenflächen des Heizsegmentes sind
Isolierlagen angeordnet. Aufgrund der Isolierlage kann ein Wärmeverlust sowohl bei
aktivem Heizsegment vermindert werden, da der Wärmefluss nur auf die Blechplatine
konzentriert werden soll, die Wärmeleitung jedoch in dem Heizsegment selber in alle
Richtungen erfolgt, mithin auch zu der Rückseite des Heizsegmentes. Durch einen Einsatz
einer Isolierlage kann der Energieeinsatz zum aktiven Beheizen des Heizsegmentes verringert
werden. Die Isolierlage an den Seitenrändern bzw. Seitenflächen des Heizsegmentes
sind so ausgebildet, dass eine Wärmeleitung an das dem Heizsegment benachbarten Segment
unterbunden wird. Auch hier wird der Energieeinsatz zum Erwärmen und Heizen des Heizsegmentes
gering gehalten und gleichzeitig ein scharf berandeter Übergangsbereich an dem herzustellenden
Bauteil erreicht.
[0025] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsvariante ist das Heizsegment aus einem Werkstoff
ausgebildet, der eine geringere Wärmeleitfähigkeit gegenüber dem restlichen Oberwerkzeug
und/oder Unterwerkzeug aufweist. Mithin ist die Wärmeleitfähigkeit des Werkstoffes
des Heizsegmentes geringer als die Wärmeleitfähigkeit der Werkstoffe der dem Heizsegment
benachbarten Segmente.
[0026] Besonders bevorzugt weist der Werkstoff des Heizsegmentes eine höhere Warmfestigkeit
auf. Bei dem den Heizsegment benachbarten Segmenten ist es Ziel, eine hohe Wärmeabfuhr
zu realisieren, so dass der Presshärteprozess durchgeführt wird. Bei dem Heizsegment
selbst soll jedoch maßgeblich keine oder nur deutlich geringere Wärme abgeführt werden,
so dass keine Härtung oder allenfalls eine Teilhärtung stattfindet. Dadurch, dass
das Heizsegment nur geringere Wärme abführen muss, weist dies eine höhere Warmfestigkeit
auf. Unter Warmfestigkeit ist die Formstabilität bei Temperierung des Heizsegmentes
zu verstehen.
[0027] Optional ergänzend ist einer weiteren bevorzugten Ausführungsform auch vorgesehen,
dass in dem Heizsegment Kühlkanäle ausgebildet sind, so dass auch der Bereich des
hergestellten Blechumformbauteils an dem das Heizsegment anliegt, zumindest teilweise
kühlbar ist. Hierdurch kann beispielsweise gezielt ein teilgehärtetes Mischgefüge
eingestellt werden. Zudem kann damit erreicht werden, dass bei einer Wartung schnell
ein handwarmer Zustand im Heizsegment erreicht wird oder das Heizsegment nicht überhitzt.
[0028] Weiterhin besonders bevorzugt ist zwischen dem Heizsegment und mindestens einem der
benachbarten Segmente des Heizsegmentes ein Spalt, insbesondere ein Luftspalt, ausgebildet.
Dieser Luftspalt hat zwei Vorteile. Zum einen erfolgt aufgrund des Spaltes, mithin
der physischen Trennung, keine Wärmeleitung von dem Heizsegment zu einem benachbarten
Segment. Mithin kann der Übergangsbereich schärfer berandet werden.
[0029] Als zweiter Vorteil ist jedoch die dadurch geschaffene horizontale Ausdehnungsmöglichkeit
des Heizsegmentes zu sehen. Das Heizsegment kann sich in Pressenhubrichtung aufgrund
des Ausgleichselementes ausdehnen, wobei die Pressenhubrichtung zumeist vertikal orientiert
ist
[0030] Aufgrund des Spaltes kann sich das Heizsegment horizontal ausdehnen, mithin quer
zur Pressenhubrichtung während es bevorzugt aufgrund der linearen Führung in der Mitte
in Horizontalrichtung verschiebfest gelagert ist.
[0031] Die vorliegende Erfindung betrifft weiterhin ein Verfahren zur Herstellung eines
umzuformenden und pressgehärteten Stahlbauteils, insbesondere eines Kraftfahrzeugbauteils,
mit partiell voneinander verschiedenen Festigkeitseigenschaften. Das Verfahren kennzeichnet
sich durch folgende Verfahrensschritte:
- Erwärmen einer Platine aus einer härtbaren Stahllegierung in einer Erwärmungsstation,
wobei mindestens ein erster Bereich auf über Austenitisierungstemperatur (AC3) erwärmt
wird und mindestens ein zweiter Bereich auf unterhalb Austenitisierungstemperatur,
vorzugsweise kleiner AC1 erwärmt wird und zwischen beiden Bereichen ein Übergangsbereich
ausgebildet wird,
- Überführen der so erwärmten Platine in eine Temperierstation oder ein Warmumform-
und Presshärtewerkzeug, wobei die Temperierstation oder das Warmumform- und Presshärtewerkzeug
segmentiert ausgebildet ist und mindestens ein Temperiersegment aufweist, wobei das
Temperiersegment im Bereich des sich ergebenden Übergangsbereichs der erwärmten Platine
angeordnet ist,
- Temperieren des Übergangsbereichs mit dem Temperiersegment auf eine Temperatur unterhalb
der Ac1 Temperatur, bevorzugt jedoch auf einer Temperatur größer 450°C, insbesondere
größer 550°C,
- Warmumformen und Presshärten des Stahlbauteils mit mindestens einem harten Bereich
und einem weichen Bereich sowie einer dazwischen liegenden Übergangszone.
[0032] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es möglich eine besonders scharf berandete
schmale Übergangszone zwischen vollständig gehärtetem Bereich des hergestellten Stahlbauteils
und demgegenüber weicheren Bereich des Stahlbauteils herzustellen. Der vollständig
gehärtete Bereich besteht vorzugsweise annähernd vollständig aus martensitischem Gefüge,
welches von über AC3 Temperatur entsprechend schnell abgeschreckt wurde. Der demgegenüber
weichere Bereich weist bevorzugt ein Mischgefüge auf, mit den einzelnen zusätzlichen
bzw. jeweiligen Gefügebestandteilen Bainit, Ferrit, Perlit und/oder Restaustenit.
Dies wird insbesondere dadurch hergestellt, dass entweder der duktilere und somit
weichere Bereich des Stahlbauteils vor dem Warmumformen zunächst nicht vollständig
austenitisiert ist und/oder während des Presshärtens nicht derart schnell abgeschreckt
wird, so dass ein vollständig martensitisches Gefüge vermieden wird, bevorzugt kein
martensitisches Gefüge ausgebildet wird.
[0033] Der Übergangsbereich ist während der Erwärmung der Platine zunächst recht breit,
beispielsweise mit einer Breite von über 100 mm und bevorzugt zwischen 100 und 200
mm ausgebildet. Dies bedingt sich dadurch, dass zum einen in der Erwärmungsstation,
beispielsweise in Form eines Durchlaufofens oder eines Etagenofens eine Trennwand
angeordnet ist, die zur thermischen Isolierung zwischen zwei Temperaturzonen, beispielsweise
900°C und 600°C eine entsprechende Breite, beispielsweise von mehreren cm aufweist,
so dass ein Übergangsbereich an der Platine von mehr als 100 mm bereits durch die
verschiedenen Temperatureinwirkungen in beiden Temperaturzonen der Erwärmungsstation
erzeugt wird. Ein weiterer Faktor ist die Wärmeleitung innerhalb der Platine selbst.
Die Platine ist aus einer härtbaren Stahllegierung ausgebildet, welche zudem hohe
Wärmeleitfähigkeiten aufweist. Wird beispielsweise ein Bereich der Platine auf mehr
als 900°C erwärmt und ein anderer Bereich auf unter 700°C erwärmt, so entsteht eine
Wärmeleitung von wärmerem Bereich zu kühlerem Bereich innerhalb der Platine selbst.
Auch hierdurch wird ein Übergangsbereich erzeugt, der eine entsprechende Breite von
mehr als 100 mm aufweist. Die Erwärmungszeiten in der Erwärmungsstation betragen bevorzugt
zwischen 1 und 20 min. und insbesondere zwischen 3 und 7 min.
[0034] Genau hier setzt das erfindungsgemäße Verfahren an, dass ein Warmumform- und Presshärtewerkzeug
oder alternativ zunächst eine Temperierstation verwendet werden, die ein Temperiersegment
aufweisen. Das Temperiersegment selbst ist bezogen auf die Gesamtfläche der Platine
bzw. des umzuformenden Bauteils nur einen geringen Bereich überdeckend ausgebildet,
so dass im Wesentlichen das Temperiersegment annähernd nur den Übergangsbereich der
erwärmten Platine abdeckt. Das Temperiersegment wird in Kontakt mit dem Übergangsbereich
gebracht und kann dann aufgrund von Konktakttemperierung den Übergangsbereich entweder
nacherwärmen oder aber kühlen bzw. während des Abschreckhärtens im Falle eines Presshärtewerkzeuges
warm halten, so dass eine geringere Abkühlrate erzeugt wird. Im Falle einer Temperierstation
wird zunächst die aus der Erwärmungsstation wärmebehandelte Platine in die Temperierstation
verbracht, in der Temperierstation zumindest der Übergangsbereich durch Kontakttemperierung
temperiert, wodurch ein scharf berandeter, nunmehr schmaler Übergangsbereich eingestellt
wird, welcher nach dem Presshärten eine scharf berandete Übergangszone ausbildet.
Anschließend wird die Platine direkt in ein Warmumform- und Presshärtewerkzeug eingelegt,
so dass eine weitere Wärmeleitung in der Platine und dadurch bedingt eine Vergrößerung
des Übergangsbereichs unterbunden wird. Das Warmformwerkzeug kann dann besonders vorteilhaft
homogen gekühlt ohne Heizsegmente ausgebildet werden.
[0035] Im Falle der Entnahme aus der Erwärmungsstation und des direkten Verbringens in ein
Warmumform- und Presshärtewerkzeug ist das Temperiersegment in dem Warmumform- und
Presshärtewerkzeug selbst angeordnet. Hier ist das Temperiersegment insbesondere als
Heizsegment ausgebildet und temperiert, insbesondere heizt es den Übergangsbereich
der Platine während des Presshärtens.
[0036] Der Übergangsbereich wird derart temperiert, dass an dem fertig hergestellten Bauteil
dieser zu dem weicheren bzw. duktileren Bereich gehört. Dies bedeutet wiederrum, dass
der in der Erwärmungsstation erzeugte Übergangsbereich in der Platine zunächst von
ca. 700°C bis 800°C auf unter AC1 Temperatur, insbesondere auf 500°C bis 650°C gekühlt
wird und/oder während des Presshärteprozesses derart geheizt wird, dass eine geringere
Abkühlrate und somit annähernd keine Martensitbildung im Übergangsbereich erzeugt
wird.
[0037] Im Rahmen der Erfindung ist es somit möglich, einen Übergangsbereich, welcher eine
Breite zwischen 50 mm und 200 mm bei der in der Erwärmungsstation temperierten Platine
aufweist, in prozessoptimierter und energetisch einfacher Weise als Übergangszone
mit einer Breite zwischen 1 mm und 50 mm, insbesondere zwischen 15 mm und 40 mm, besonders
bevorzugt zwischen 20 mm und 30 mm an dem nach dem Presshärteprozess hergestellten
Bauteil scharf berandet zu erzeugen.
[0038] Hierzu ist das Temperiersegment im Oberwerkzeug und/oder Unterwerkzeug der Temperierstation
oder aber des Warmumform- und Presshärtewerkzeuges angeordnet. Das Temperiersegement
hat eine derartige Dimensionierung, dass es einen Flächenanteil von 50 bis 95% des
Übergangsbereichs der erwärmten Platine überdeckt.
[0039] In weiterer vorteilhafter Ausgestaltungsvariante ist das Temperiersegment derart
dimensioniert, dass es zusätzlich den auf unter AC3, insbesondere unter AC1 Temperatur
erwärmten Bereich von dem Übergangsbereich aus, weiterhin bis zu 70 mm, insbesondere
bis zu 60 mm und besonders bevorzugt bis zu 50 mm überlappt. Insgesamt wird dann von
dem Temperiersegment ein Flächenbereich überdeckt, der 70 bis 140% des Übergangsbereichs
entspricht.
[0040] Insbesondere wird das Verfahren auf einem eingangs beschrieben Warmumformwerkzeug
durchgeführt, wobei weiterhin besonders bevorzugt ein Ausgleichselement hinter dem
Temperiersegment angeordnet wird, so dass die unterschiedlichen thermischen Ausdehnungen
des Temperiersegmentes, insbesondere in Pressenhubrichtung des Warmumformwerkzeuges
kompensiert bzw. ausgeglichen werden.
[0041] Weitere Vorteile, Merkmale, Eigenschaften und Aspekte der vorliegenden Erfindung
sind Gegenstand der nachfolgenden Beschreibung. Bevorzugte Ausgestaltungsvarianten
werden in den schematischen Figuren dargestellt. Diese dienen dem einfachen Verständnis
der Erfindung. Es zeigen:
- Figur 1a und b
- ein erfindungsgemäßes Warmumformwerkzeug in Querschnittsansicht und Seitenansicht,
- Figur 2a und b
- eine alternative Ausgestaltungsvariante zu Figur 1a und b mit innenliegenden Heizsegment
und
- Figur 3
- das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung eines warmumgeformten und pressgehärteten
Stahlbauteils mit voneinander verschiedenen Festigkeitsbereichen.
[0042] In den Figuren werden für gleiche oder ähnliche Bauteile dieselben Bezugszeichen
verwendet, auch wenn eine wiederholte Beschreibung aus Vereinfachungsgründen entfällt.
[0043] Figur 1 zeigt ein erfindungsgemäßes Warmumformwerkzeug 1 im Falle von Figur 1 b in
einer Seitenansicht und im Falle von Figur 1a in einer Querschnittsansicht gemäß der
Schnittlinie a-a. Das Warmumformwerkzeug 1 weist ein Oberwerkzeug 2 und ein Unterwerkzeug
3 auf, wobei das Oberwerkzeug aus drei Segmenten 4, 5, 6 ausgebildet ist, welche zwei
normale Segmente 4, 5 und ein Heizsegment 6 umfassen und das Unterwerkzeug 3 ebenfalls
aus drei Segmenten 7, 8, 9 ausgebildet ist, wobei auch dieses zwei Segmente 7, 8 und
ein Heizsegment 9 umfassen.
[0044] Die Heizsegmente 6, 9 weisen jeweils zwei Heizquellen 10 auf, beispielsweise Medienleitungen
zum Durchführen eines Erwärmungsmediums oder aber auch Heizspiralen oder ähnliches.
Die restlichen Segmente 4, 5, 7, 8 weisen jeweils Kühlkanäle 11 auf. Die Segmente
4, 5 des Oberwerkzeuges 2 sind dabei unter Eingliederung eines Spannbetts 12 an einem
Stößeltisch 13 befestigt. Die Segmente 7, 8 des Unterwerkzeuges 3 sind an einem Spannbett
14 festgelegt, welches wiederum an einem Pressentisch 15 gelagert ist. Die Befestigung
erfolgt beispielsweise jeweils mittels Nutensteinen.
[0045] Erfindungsgemäß ist nunmehr vorgesehen, dass das Heizsegment 9 des Unterwerkzeuges
3 über Ausgleichselemente 16 schwimmend gelagert ist, wobei die Ausgleichselemente
16 zumindest teilweise als Feder ausgebildet sind. Zusätzlich sind gut erkennbar ist
in den Figuren 1a und 1b die mittig angeordnete lineare Führung 17, die in Pressenhubrichtung
18 einen axialen Bewegungsfreiheitsgrad aufweist. Quer zur Pressenhubrichtung 18 ist
die lineare Führung 17 jeweils mittig an dem Heizsegment 9 angeordnet, so dass sich
das Heizsegment 9 in alle Richtungen quer zur linearen Führung 17 aufgrund thermischer
Einwirkung ausdehnen kann bzw. zusammenziehen kann.
[0046] Das Warmumformwerkzeug 1 ist im geschlossenen Zustand dargestellt, so dass sich zwischen
Oberwerkzeug 2 und Unterwerkzeug 3 ein Formhohlraum 19 ergibt und in dem Formhohlraum
19 ein Blechumformbauteil 20 bei geschlossenem Warmumformwerkzeug 1 im Anlagenkontakt
mit der jeweiligen Oberfläche der Segmente 4, 5 liegt. Die eventuell voneinander verschiedene
Ausdehnung in Pressenhubrichtung 18 des Heizsegmentes 9 gegenüber dem diesen benachbarten
Segment 8 wird durch die Ausgleichselemente 16 kompensiert.
[0047] Zusätzlich ist ein Spalt 21 zwischen Heizsegment 9 und Segment 8 sowie zwischen Heizsegment
6 und Segment 5 vorgesehen, der eine Wärmeleitung von Heizsegment 6, 9 zu Segment
5, 8 unterbindet.
[0048] Das Heizsegment 6 ist in diesem Falle am Oberwerkzeug 2 nicht federnd gelagert. An
der dem Formhohlraum 19 abgewandten Seite der Heizsegmente 6, 9 sind Isolierlagen
22 angeordnet, so dass ein Wärmetransport an die jeweiligen Spannbetten 12, 14 aufgrund
von Wärmeleitung weitestgehend unterbunden wird. Ferner sind auch an den außenliegenden
Seitenflächen der Heizsegmente 6, 9 Isolierlagen 22 angeordnet, so dass eine Wärmeabfuhr
an die Umgebung U ebenfalls unterbunden wird.
[0049] Figur 2a und b zeigen eine analoge Ausführungsvariante zu Figur 1 mit den nachfolgend
beschriebenen Unterschieden. Die Heizsegmente 6, 9 sind jeweils bezogen auf die Darstellung
in Figur 2b innenliegend angeordnet. Auch hier ist wiederum das Heizsegment 6, 9 des
Unterwerkzeuges 3 mittels Ausgleichselementen 16 schwimmend bzw. elastisch gelagert,
so dass eine voneinander verschiedene Wärmeausdehnung in Pressenhubrichtung 18 unterbunden
wird. Zusätzlich ist zwischen dem jeweiligen Heizsegment 6, 9 und dem diesen benachbarte
Segment 4, 5, 7, 8 eine entsprechende Isolierlage 22 angeordnet. Ferner ist gemäß
Figur 2a ersichtlich, dass keine Führung vorgesehen ist, sondern die Ausgleichselemente
zusätzlich eine Führungsfunktion übernehmen sowie ebenfalls Isolierlagen 22 gegenüber
der Umgebung U angeordnet sind.
[0050] In Figur 3 dargestellt ist der Verfahrensablauf des erfindungsgemäß beschriebenen
Verfahrens. Zunächst wird eine Platine 100 aus einer härtbaren Stahllegierung bereitgestellt.
Diese weist hier bereits einen Platinenzuschnitt auf, zur Herstellung eines Stahlbauteils
101 in Form einer B-Säule für ein Kraftfahrzeug. Die Platine 100 wird in eine Erwärmungsstation
102 verbracht, hier beispielsweise in Form eines Durchlaufofens. Die Erwärmungsstation
102 weist zwei unterschiedliche Temperaturzonen 103, 104 auf, auf die Bildebene bezogen
eine obere Temperaturzone 103 über AC3 Temperatur und die auf die Bildebene bezogen
untere Temperaturzone 104 mit einer Temperatur unterhalb von AC1. In der Folge wird
ein erster Bereich 105 der Platine 100 auf AC3 Temperatur oder höher erwärmt und ein
zweiter Bereich 106 auf unterhalb AC1 Temperatur erwärmt. Zwischen erstem Bereich
105 und zweitem Bereich 106 ist dann ein breiter Übergangsbereich 107 ausgebildet,
der zum einen aufgrund von Wärmeleitung innerhalb der Platine 100 selbst erzeugt wird,
zum anderen aufgrund der Tatsache, dass eine Trennwand 108 der Erwärmungsstation 102
eine gewisse Breite aufweist, um eine thermische Isolierung zwischen Temperaturzone
über AC3 103 und Temperaturzone unter AC1 104 bereitzustellen.
[0051] Nach Entnahme aus der Erwärmungsstation 102 steht eine temperierte Platine 109 bereit,
in der ein erster Bereich 105 über Austenitisierungstemperatur und ein zweiter Bereich
106 unterhalb der AC1 Temperatur ausgebildet sind sowie ein dazwischen sich erstreckender
Übergangsbereich 107 mit einer Breite b107 von 50 mm bis 200 mm.
[0052] Die so temperierte Platine 109 wird in ein Warmumform- und Presshärtewerkzeug 110
eingelegt, welches hier exemplarisch durch die Draufsicht auf ein Unterwerkzeug dargestellt
ist. Darin ist zumindest ein Segment angeordnet, welches als Temperiersegment 111
und insbesondere Heizsegment ausgebildet ist. Das Temperiersegment 111 überdeckt dabei
flächenmäßig einen Großteil des Übergangsbereiches 107 und überlappt ebenfalls von
dem Übergangsbereich 107 ausgehend einen Teil des zweiten Bereiches 106, welcher sich
auf unter AC1 Temperatur befindet. Mit dem Temperiersegment 111 wird es ermöglicht
während des Presshärteprozesses die Abkühlgeschwindigkeit zu steuern und insbesondere
eine geringere Abkühlrate zu erzielen, so dass in dem Übergangsbereich 107 eine Martensitbildung
weitestgehend vermieden wird. In der Folge wird in dem zweiten Bereich 106 ein weicher
Bereich 112 gegenüber einem harten Bereich 113 eingestellt, wobei sich der weiche
Bereich 112 auch über einen Großteil des zunächst vorhandenen Übergangsbereiches 107
erstreckt und eine scharf berandete Übergangszone 114 mit einer Breite b114 von bevorzugt
10 mm bis 35 mm, insbesondere zwischen 20 mm und 30 mm eingestellt wird. Mit gestrichelter
Linie dargestellt, ist bei dem fertig hergestellten Stahlbauteil 101 die theoretische
Lage des Temperiersegmentes 111.
[0053] Die Breite b114 der Übergangszone 114 entspricht dabei bevorzugt weniger als der
Hälfte der Breite b107 des Übergangsbereichs 107, insbesondere weniger als ein Drittel
der Breite b107 und bevorzugt weniger als ein Viertel der Breite b107. Weiterhin dargestellt
ist in dem Warmumform- und Presshärtewerkzeug 110, dass das Temperiersegment 111 einen
oberen Teil 107o des Übergangsbereiches 107 nicht überdeckt, jedoch einen unteren
Teil 107u des Übergangsbereiches 107 überdeckt, wobei der untere Teil 107u des Übergangsbereiches
107 bevorzugt 50 bis 95% der Fläche des Übergangsbereichs 107 entspricht. Ferner erstreckt
sich das Temperiersegment 111 dann von dem Übergangsbereich 107 aus, in Richtung zu
dem zweiten Bereich 106 mit einer Breite von bevorzugt 70 mm, insbesondere 60 mm und
besonders bevorzugt 50 mm. Dieser überdeckte zweite Bereich 106ü wird mit dem Bezugszeichen
106ü beschrieben. Hierdurch wird sichergestellt, dass auch der Grenzbereich 115 zwischen
zweitem Bereich 106 und Übergangsbereich 107 ein homogenes Werkstoffgefüge während
des Presshärteprozesses erhält.
[0054] In dem Warmumform- und Presshärtewerkzeug 110 kann somit durch eine einfache und
effektive Maßnahme mit einer konventionellen Erwärmungsstation 102 sowie einem modifizierten
Warmumform- und Presshärtewerkzeug 110 ein scharf berandeter, höchst präziser Übergangszone
114 zwischen voneinander verschiedenen Festigkeitsbereichen 112, 113 an einem Stahlbauteil
101 eingestellt werden.
[0055] Weiterhin bevorzugt werden A-Säulen, Dachbau, Hintertürfenster oder ähnliche Kraftfahrzeugbauteile
hergestellt, welche insbesondere großflächige weiche Bereiche aufweisen.
Bezugszeichen:
[0056]
- 1 -
- Warmumformwerkzeug
- 2 -
- Oberwerkzeug
- 3 -
- Unterwerkzeug
- 4 -
- Segment zu 2
- 5 -
- Segment zu 2
- 6 -
- Heizsegment zu 2
- 7 -
- Segment zu 3
- 8 -
- Segment zu 3
- 9 -
- Heizsegment zu 3
- 10 -
- Heizquelle
- 11 -
- Kühlkanal
- 12 -
- Spannbett zu 2
- 13 -
- Stößeltisch
- 14 -
- Spannbett zu 3
- 15 -
- Pressentisch
- 16 -
- Ausgleichselement
- 17 -
- Führung
- 18 -
- Pressenhubrichtung
- 19 -
- Formhohlraum
- 20 -
- Platine
- 21 -
- Spalt
- 22 -
- Isolierlage
- 23 -
- Rückseite zu 6, 9
- 100 -
- Platine
- 101 -
- Stahlbauteil
- 102 -
- Erwärmungsstation
- 103 -
- Temperaturzone über AC3
- 104 -
- Temperaturzone unter AC1
- 105 -
- erster Bereich zu 100
- 106 -
- zweiter Bereich zu 100
- 106ü -
- überdeckter zweiter Bereich
- 107 -
- Übergangsbereich zu 100
- 107o -
- oberer Teil zu 107
- 107u -
- unterer Teil zu 107
- 108 -
- Trennwand
- 109 -
- temperierte Platine
- 110 -
- Warmumform- und Presshärtewerkzeug
- 111 -
- Temperiersegment
- 112 -
- weicher Bereich
- 113 -
- harter Bereich
- 114 -
- Übergangszone zu 101
- 115 -
- Grenzbereich
- b107 -
- Breite zu 107
- b114 -
- Breite zu 114
- U -
- Umgebung
1. Warmumformwerkzeug (1) aufweisend ein Oberwerkzeug (2) und ein Unterwerkzeug (3),
welche aufeinander zu bewegbar sind und bei geschlossenem Warmumformwerkzeug (1) zwischen
Oberwerkzeug (2) und Unterwerkzeug (3) ein Formhohlraum (19) ausgebildet ist, wobei
das Oberwerkzeug (2) und/oder das Unterwerkzeug (3) in mindestens zwei Segmente (4,
5, 6, 7, 8, 9) unterteilt ist/sind, dadurch gekennzeichnet, dass ein Segment als Heizsegment (6, 9) ausgebildet ist und das Heizsegment (6, 9) auf
einer dem Formhohlraum (19) gegenüberliegenden Seite ein Ausgleichselement (16) aufweist,
so dass eine thermische Ausdehnung des Heizsegmentes (6, 9) in Pressenhubrichtung
(18) kompensiert wird.
2. Warmumformwerkzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizsegment (6, 9) aktiv beheizt ist, insbesondere durch eine in das Heizsegment
(6, 9) integrierte Heizquelle (10).
3. Warmumformwerkzeug nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizsegment (6, 9) bei Raumtemperatur untermaßig ausgebildet ist.
4. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Ausgleichselement (16) ein mechanisches passives Element mit einem linearen Bewegungsfreiheitsgrad
ist, insbesondere eine Feder, wobei das Heizsegment (6, 9) bevorzugt schwimmend gelagert
ist.
5. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Ausgleichselement (16) ein Kissen ist, insbesondere ein hydraulisches Kissen.
6. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Oberwerkzeug (2) an einem Stößeltisch (13) gelagert ist und/oder dass das Unterwerkzeug
(3) an einem Pressentisch (15) gelagert ist.
7. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass an der Rückseite (23) des Heizsegmentes (6, 9) eine Isolierlage (22) angeordnet ist
und/oder dass an den Seitenrändern des Heizsegmentes (6, 9) Isolierlagen (22) angeordnet
sind.
8. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizsegment (6, 9) mit mindestens einer linearen Führung (17) gelagert ist.
9. Warmumformwerkzeug nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die lineare Führung (17) einen axialen Freiheitsgrad in Pressenhubrichtung (18) aufweist
und bezogen auf eine Ebene quer zur Pressenhubrichtung (18) an dem Heizsegment (9)
mittig angeordnet ist, so dass sich das Heizsegment (9) ausgehend von der linearen
Führung (17) in alle Richtungen der Ebene thermisch ausdehnen kann.
10. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizsegment (6, 9) aus einem Werkstoff ausgebildet ist, der eine geringere Wärmeleitfähigkeit
gegenüber den benachbarten Segmenten (4, 5, 7, 8) des Oberwerkzeugs (2) und/oder Unterwerkzeugs
(3) aufweist, insbesondere weist der Werkstoff des Heizsegmentes (6, 9) eine höhere
Warmfestigkeit auf.
11. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass in den Segmenten (4, 5, 7, 8) des Oberwerkzeuges (2) und/oder des Unterwerkzeuges
(3) Kühlkanäle (11) zur Durchleitung eines Kühlmediums angeordnet sind.
12. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Heizsegment (6, 9) Kühlkanäle (11) ausgebildet sind.
13. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem Heizsegment (6, 9) und dem diesen benachbarten Segment (4, 5, 7, 8)
ein Spalt (21), insbesondere ein Luftspalt ausgebildet ist.
14. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass eine Platine aus einer Stahllegierung umgeformt wird oder dass eine Platine aus einer
Leichtmetalllegierung umgeformt wird.
15. Warmumformwerkzeug nach einem der Ansprüche 1 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass es als Warmumform- und Presshärtewerkzeug ausgebildet ist.
16. Verfahren zur Herstellung eines warmumgeformten und pressgehärteten Stahlbauteils
(101), insbesondere Kraftfahrzeugbauteils, mit partiell voneinander verschiedenen
Festigkeitseigenschaften,
gekennzeichnet, durch folgende Verfahrensschritte:
- Erwärmen einer Platine (100) aus einer härtbaren Stahllegierung in einer Erwärmungsstation
(102), wobei mindestens ein erster Bereich (105) auf über Austenitisierungstemperatur
erwärmt wird und mindestens ein zweiter Bereich (106) auf unterhalb Austenitisierungstemperatur,
vorzugsweise kleiner Ac1 erwärmt wird und zwischen beiden Bereichen ein Übergangsbereich
(107) ausgebildet wird,
- Überführen der so erwärmten Platine (100) in eine Temperierstation oder ein Warmumform-
und Presshärtewerkzeug, wobei die Temperierstation oder das Warmumform- und Presshärtewerkzeug
(110) segmentiert ausgebildet ist und mindestens ein Temperiersegment (111) aufweist,
wobei das Temperiersegment (111) im Bereich des sich ergebenden Übergangsbereichs
(107) der partiell voneinander verschieden temperierten Platine (109) angeordnet ist,
- Temperieren des Übergangsbereichs (107) vor oder während des Presshärtens,
- Warmumformen und Presshärten des Stahlbauteils (101) mit mindestens einem harten
Bereich (113) und einem weichen Bereich (112) sowie einer dazwischen liegenden Übergangszone
(114), wobei die Übergangszone (114) flächenmäßig kleiner ist als der Übergangsbereich
(107).
17. Verfahren nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass die Erwärmungsstation (103) ein Etagenofen oder ein Durchlaufofen mit voneinander
verschiedenen Temperaturzonen (103, 104) ist, wobei die Temperaturzonen (103, 104)
insbesondere durch eine Trennwand (108) thermisch voneinander isoliert sind.
18. Verfahren nach Anspruch 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass in der Erwärmungsstation (103) ein Übergangsbereich (107) zwischen dem ersten Bereich
(105) und dem zweiten Bereich (106) mit einer Breite zwischen 50 mm und 200 mm erzeugt
wird.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Temperiersegment (111) einen Flächenanteil des Übergangsbereiches (107) von 50
bis 95% überdeckt.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 19, dadurch gekennzeichnet, dass das Temperiersegment (111) als Heizsegment ausgebildet ist und der Übergangsbereich
(107) während des Warmumform- und Presshärteprozesses durch das Heizsegment derart
geheizt wird, dass keine vollständige Härtung eintritt, insbesondere so dass bei dem
pressgehärteten Stahlbauteil (101) in dem von dem Temperiersegment (111) überdeckten
Übergangsbereich (107) ein mit dem weichen Bereich (112) gleiches Werkstoffgefüge
eingestellt wird.
21. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 20, dadurch gekennzeichnet, dass eine Übergangszone (114) zwischen dem harten Bereich (113) und dem weichen Bereich
(112) mit einer Breite (b114) zwischen 1 mm und 50 mm, insbesondere mit einer Breite
zwischen 10 mm und 40 mm und besonders bevorzugt zwischen 20 mm und 30 mm erzeugt
wird.
22. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 21, dadurch gekennzeichnet, dass das Heizsegment den auf unter Ac1 erwärmten Bereich (106) von dem Übergangsbereich
(107) aus bis zu 70 mm, insbesondere bis zu 60 mm und bevorzugt bis zu 50 mm überlappt.
23. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 22, dadurch gekennzeichnet, dass ein Warmumformwerkzeug (1) gemäß Anspruch 1 verwendet wird.