Technisches Gebiet
[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine Überwachungseinrichtung mit zumindest einer Gruppe
von Kameras, die über je eine Ethernet-Leitung an einem Switch angeschlossen sind,
welcher seinerseits über eine Ethernet-Leitung mit einer Überwachungszentrale verbunden
ist, wobei weiters eine Bildauswerteeinrichtung vorgesehen ist.
Stand der Technik
[0002] Solche Einrichtungen sind bekannt. Meist kommen PoE-Kameras (PoE=power over Ethernet,
Stromversorgung über Ethernet) zum Einsatz, bei denen es genügt, sie an eine Datenleitung
(eine Ethernet-Leitung) anzuschließen, weil diese auch die Energieversorgung übernimmt.
Das Ethernet-Netzwerk ist meist als Baumstruktur aufgebaut, wobei jeweils eine Gruppe
von PoE-Kameras an einem Switch angeschlossen ist, und jeder Switch an der Überwachungszentrale
angeschlossen ist. Die Überwachungszentrale wertet dann die Signale jeder Kamera aus
und detektiert insbesondere Änderungen des Bildes, weil diese oft auf sich bewegende,
sicherheitsrelevante Objekte (Personen, Fahrzeuge) schließen lassen.
[0003] Unter einem Switch (im Deutschen manchmal auch als "Netzwerkweiche" bezeichnet) versteht
man ein Kopplungselement, das Netzwerksegmente miteinander verbindet. Es leitet Datenframes
entsprechend den enthaltenen Hardware-Adressen jeweils an das entsprechende Gerät
weiter. Im Falle einer Überwachungseinrichtung mit einer Baumstruktur werden die Datenframes
jeder PoE-Kamera vom zugehörigen Switch über das Netzwerk an die Überwachungszentrale
weitergeleitet.
[0004] Da dies gleichzeitig von vielen Switches geschieht, ergibt sich der Nachteil, dass
in größeren Einrichtungen gleichzeitig hunderte Kameras mit hoher Bandbreite Videostreams
über das Netzwerk zur Überwachungszentrale senden, wo dann nach einer Videoanalyse
ca. 99% der Daten wieder verworfen werden.
[0005] Das Problem, das dabei auftritt, besteht darin, dass - wenn viele Kameras an einem
Switch angeschlossen werden - die Leitung vom Switch zur
[0006] Überwachungszentrale überlastet wird. Da in der Regel dieses Netzwerk auch für die
interne Kommunikation zwischen Rechnern verwendet wird, kann dies dazu führen, dass
die gesamte Überwachungseinrichtung handlungsunfähig wird, da das Netzwerk durch die
Bildsignale blockiert ist und somit Alarmmeldungen nicht rechtzeitig weitergeleitet
werden können.
[0007] Daher ist eine nachträgliche Erweiterung solch einer Überwachungseinrichtung durch
Anschließen weiterer Kameras an einen Switch nur begrenzt möglich.
[0008] Es ist daher auch schon vorgeschlagen worden, jede Kamera mit einer Bildauswerteeinrichtung
zu versehen. Da die Kameras von Überwachungseinrichtungen meist (wenn sich keine Personen
oder Fahrzeuge im zu überwachenden Bildausschnitt bewegen) keine sicherheitsrelevanten
Bilder liefern, kann sich die Bildauswerteeinrichtung darauf beschränken, nur im Falle
von Bewegungen Bilder zu übertragen. Es ist offensichtlich, dass dadurch das Datenvolumen
drastisch reduziert wird. Über die Ethernetleitung von der Kamera zum Switch (und
natürlich dann auch in der Folge über die Ethernetleitung vom Switch zur Überwachungszentrale)
wird somit ganz erheblich weniger Datenvolumen übertragen, sodass das Netzwerk nicht
mehr so leicht lahm gelegt werden kann.
[0009] Bei dieser Lösung ergibt sich allerdings das Problem, dass für eine gute Bildauswerteeinrichtung
sehr hohe Prozessorleistungen benötigt werden, um komplizierte Bildauswertungen zu
realisieren. Da der Rechner der Kameras sehr stark mit der Bildverbesserung und Komprimierung
belastet ist, ist für eine komplexe Bildauswertung nicht genügend Rechenleistung vorhanden.
Zusätzliche Recheneinheiten machen die Kamera kompliziert und kostspielig. Nur durch
Komprimierungsverfahren (MPEG4, H264) ist es möglich, mehrere Kameras an einem Netzwerk
zu betreiben. Dies verhindert jedoch eine gute Bildanalyse im Videoserver, da viele
Details durch die Komprimierung verloren gehen.
[0010] Es können auch keine kombinierten Bildauswertungen von Ereignissen, die von mehreren
Kameras aufgenommen werden, durchgeführt werden. Dies verhindert eine bessere Bewertung
von Gefahrensituationen und die Vermeidung von Fehlalarmen.
[0011] Es wurde zwar auch schon vorgeschlagen, durch den Einsatz von rudimentärer Videomotiondetektion
mit Änderung der Bildrate im Alarmfall die Probleme zu reduzieren. Dabei ergeben sich
jedoch Latenzzeiten und niedrige Bildraten sowie eine hohe Kompression, die in manchen
Fällen die Aufzeichnungen in einem Alarmfall für eine weitere Verwendung unbrauchbar
machen.
Kurzbeschreibung der Erfindung
[0012] Ziel der Erfindung ist es, diese Nachteile zu vermeiden und eine Einrichtung der
eingangs erwähnten Art vorzuschlagen, die wenig kostenaufwändig ist und bei der dennoch
eine Überlastung des Netzwerkes vermieden wird.
[0013] Erfindungsgemäß wird dies bei einer Überwachungseinrichtung der eingangs erwähnten
Art dadurch erreicht, dass der Switch mit einer Bildauswerteeinrichtung für jede Kamera
versehen ist, die mit den Signalleitungen der Kameras eingangsseitig verbunden sind,
und dass Datenframes, die das Ergebnis der Bildauswerteeinrichtungen darstellen, über
den Switch an die Überwachungszentrale übertragen werden.
[0014] Erfindungsgemäß erfolgt die (erste) Bilddatenanalyse nicht erst in der Überwachungszentrale,
sondern bereits im Switch, sodass die Datenmenge, die vom Switch über das Netzwerk
zur Überwachungszentrale übertragen wird, gering ist. Andererseits erfolgt die (erste)
Bilddatenanalyse auch nicht in der Kamera, sodass kostengünstige Standardkameras zum
Einsatz kommen können. Von zusätzlichem Vorteil ist weiters, dass auch die Anforderungen
an die Überwachungszentrale reduziert werden; auch diese würde sonst bei einer nachträglichen
Erweiterung der Anlage oft überlastet werden. Will man keine gemeinsame Auswertung
von Kameras, die an verschiedene Switches angeschlossen sind, durchführen, braucht
man in der Überwachungszentrale eventuell gar keine weitere Bildauswertung mehr; dann
sind in der Überwachungszentrale z.B. nur Bildschirme zur Darstellung der Bilder der
relevanten Kameras und ein Netzwerkvideorekorder vorgesehen.
[0015] Von besonderem Vorteil ist dabei, dass IP-Kameras verwendbar sind. Derartige Kameras
sind Standardprodukte, die kostengünstig erhältlich sind. Wenn es sich um PoE-Kameras
handelt, ist es nicht einmal notwendig, Stromleitungen zu den Kameras zu verlegen
und für jede Kamera ein zusätzliches Netzgerät vorzusehen.
[0016] Jeder Switch kann über n 100 Mbit-PoE-Schnittstellen (für n PoE-Kameras) und eine
1000 Mbit-Glasfaser-Schnittstelle (für die Überwachungszentrale) verfügen, sodass
beliebige PoE-Kameras (also auch sehr kostengünstige Standardkameras) angeschlossen
werden können. n ist typischerweise 16.
[0017] Die Videostreams der n Kameras können in n Hochleistungsprozessoren analysiert werden,
und nur die Resultate der Videoanalyse werden über eine einzelne Netzwerkschnittstelle
über das Netzwerk an den Videoserver gesendet. Die Signale werden üblicher Weise in
der Überwachungszentrale von einem Netzwerkvideorecorder zu Dokumentationszwecken
aufgezeichnet.
[0018] Durch die Analyse im Bereich des Switch's werden sowohl das Netzwerk als auch die
Überwachungszentrale stark entlastet. Da auch ein herkömmlicher Switch ein Netzteil
und eine eigene Stromversorgung benötigt, ist auch diesbezüglich der Aufwand gering:
es muss nur ein leistungsstärkeres Netzteil verwendet werden.
[0019] Durch die vorliegende Erfindung können bestehende Überwachungseinrichtungen einfach
ausgebaut werden, ohne dass aufwändige Installationsarbeiten erforderlich wären: es
müssen nur die Standard-Switches gegen erfindungsgemäße Switches getauscht werden.
[0020] Es ist zweckmäßig, wenn die Bildauswerteeinrichtung Änderungen der Bildsignale der
einzelnen Kameras detektiert und diese Änderungen darstellende Datenframes generiert.
Für die Überwachung eines zu schützenden Bereiches werden das Netzwerk und die Überwachungszentrale
nur dann mit zu verarbeitenden Signalen belastet, wenn dies erforderlich ist. Nimmt
eine Kamera keine Veränderungen des Bildes wahr, so kann die Bildauswerteeinrichtung
beispielsweise nur ein Bild pro Sekunde übertragen, um die Funktion der Kamera zu
beweisen, oder überhaupt nur ein Signal senden, das die Funktion der Kamera und der
Bildauswerteeinrichtung anzeigt. Da die Kameras normalerweise (zumindest) 25 Bilder
pro Sekunde liefern, ist dies eine Verringerung der Datenmenge um rund einen Faktor
10. (Ähnliche Bilder werden im H264-Standard oder im H265-Standard auch schon recht
gut komprimiert, d.h. 25 ähnliche Bilder benötigen nicht das 25fache Datenvolumen
eines Einzelbildes.)
[0021] Von besonderem Vorteil ist es, wenn zusätzlich ein Kommunikationsrechner zur gemeinsamen
Bildauswertung vorgesehen ist, der Signale mehrerer Kameras gemeinsam auswertet. So
ist oft der Fall, dass ein kritischer Bereich von zwei Kameras aus verschiedenen Blickrichtungen
erfasst wird. Wenn nun eine dieser Kameras eine schnelle Bewegung detektiert, die
andere aber nicht, dann kann man dieses Ereignis verwerfen, denn dann erfolgte die
Bewegung nicht im kritischen Bereich, sondern in unmittelbarer Nähe einer der beiden
Kameras, z.B. durch einen vorbeifliegenden Vogel.
[0022] Schließlich ist es zweckmäßig, wenn im Switch zusätzlich zur Bildauswerteeinrichtung
für jede Kamera ein Ringspeicher zum Speichern der Bilder der letzten Sekunden einer
jeden Kamera vorgesehen ist. Im Falle eines Alarms können dann diese Bilder abgerufen
werden (z.B. die letzten 10 Sekunden vor dem Alarm), sodass sichergestellt ist, dass
die gesamte Information der Kamera zur Überwachungszentrale gelangt und nicht eventuell
zum Teil von der Bildauswerteeinrichtung verworfen wurde. Der Netzwerkvideorekorder
wird somit entlastet, weil dadurch eine permanente Videoübertragung überflüssig ist
und nur im Alarmfall erfolgt. Kostspielige (eventuell überlastete) Netzwerkvideorekorder
mit (eventuell ungenügender) Bildanalyse werden überflüssig, man kann mit einfacheren
Geräten das Auslangen finden.
[0023] Es wird also der im Normalfall mit 25 fps (fps=frames per second, Bilder pro Sekunde)
anfallende Videostream auf z.B. 1 fps reduziert, und nur im Alarmfall werden die zwischengespeicherten
Bilder abgerufen und vom Netzwerkvideorekorder aufgezeichnet. Somit steht in der Zeit
von einigen Sekunden vor dem Alarm (entsprechend der Größe des Ringspeichers) bis
zu einer beliebigen Zeit nach dem Alarm die volle Information der entsprechenden Kamera
zur Verfügung.
Kurze Beschreibung der Zeichnungsfiguren
[0024] Die Erfindung wird nun anhand der Zeichnung näher erläutert, wobei Fig. 1 schematisch
einen Switch, wie er bei einem erfindungsgemäßen Überwachungssystem zum Einsatz kommt,
zeigt.
Beschreibung der Ausführungsarten
[0025] Der Switch weist sechzehn Netzwerkschnittstellen 1 mit PoE-Spannungsversorgung 2
auf, die mit jeweils einer Bildauswerteeinrichtung 4 verbunden sind. Diese enthält
jeweils eine Hochleistungsrecheneinheit mit mehreren Rechenkernen und wertet die übertragene
Bildfolge im Hinblick auf Veränderungen aus.
[0026] Zusätzlich ist ein Kommunikationsrechner 7 vorgesehen, der mit allen Bildauswerteeinrichtungen
4 verbunden ist und Bildauswertungen unter Berücksichtigung der Bildfolgen mehrerer
Kameras ermöglicht. Der Kommunikationsrechner 7 hat eine Schnittstelle zum Gebäudetechnikbus
12 zur Übertragung von Sicherheitsereignissen an die Bildauswerteeinrichtungen 4 und
steuert auch das Energiemanagement der sechzehn PoE-Spannungsversorgungen 2 und der
Bildauswerteeinrichtungen 4. Die Bildauswerteeinrichtungen 4 sind ihrerseits an einen
herkömmlichen Switch 8 angeschlossen, der dementsprechend sechzehn 100 Mbit-Ethernetschnittstellen
aufweist und zusätzlich einen 1000 Mbit-Glasfaseranschluss 9 aufweist, an den eine
Glasfaser-Ethernetleitung 10 angeschlossen werden kann, die zur Überwachungszentrale
führt.
[0027] Jede Bildauswerteeinrichtung 4, die PoE-Spannungsversorgungen 2, der Kommunikationsrechner
7 und der Switch 8 werden von einem Netzteil 5 über Leitungen 6 mit Strom versorgt.
Dabei ist für jede Bildauswerteeinrichtung 4 und die zugehörige PoE-Spannungsversorgung
2 ein Schalter 3 vorgesehen, um den Energieverbrauch zu reduzieren: wenn eine Kamera
nicht benötigt wird, werden die entsprechende Bildauswerteeinrichtung 4 und die zugehörige
PoE-Spannungsversorgung 2 durch den Schalter 3 abgeschaltet. Dadurch wird auch die
Privatsphäre gewahrt, beispielsweise während der Arbeitsstunden des Betriebes, und
die Überwachung erfolgt nur außerhalb der Arbeitsstunden. Das Abschalten und Einschalten
kann über Netzwerkfunktionen erfolgen; selbstverständlich sind diese gegen Manipulation
zu sichern, beispielsweise durch ein Passwort.
[0028] Der gemeinsame Kommunikationsrechner 7 kann über den Gebäudetechnikbus 12 Ergebnisse
der Videoanalyse direkt an eine Gebäude- und Sicherheitstechnik-Zentrale weiterleiten.
Über den Gebäudetechnikbus 12 können Alarmmeldungen und Informationen, die für die
Gebäudetechnik, Videoverarbeitung und Aufzeichnung relevant sind, in Echtzeit gesendet
und empfangen werden. Natürlich können auch zusätzlich zur Busverbindung (oder statt
dieser) über die Ethernet-Leitungen und das TCP/IP-Protokoll von der Videoanalyse
detektierte Ereignisse weitergeleitet werden bzw. auch Meldungen von anderen Gewerken
zur Integration in der Bildverarbeitung empfangen werden. Auf diese Weise werden Reaktionszeiten
im Bereich von wenigen Millisekunden möglich, was eine Vielzahl neuer Einsatzgebiete
eröffnet.
[0029] Der erfindungsgemäße Switch kann im Falle eines Stromausfalls leicht mit einer Notstromversorgung
weiter betrieben werden, weil er nur 24 V benötigt. Damit auch in diesem Fall keine
Daten verloren gehen, ist jede Bildauswerteeinrichtung 4 mit einer Speicherkarte 11
versehen, auf der die Bildinformationen im Falle eines Stromausfalls abgespeichert
werden.
1. Überwachungseinrichtung mit zumindest einer Gruppe von Kameras, die über je eine Ethernet-Leitung
an einem Switch (8) angeschlossen sind, welcher seinerseits über eine Ethernet-Leitung
(10) mit einer Überwachungszentrale verbunden ist, wobei weiters eine Bildauswerteeinrichtung
(4) vorgesehen ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Switch (8) mit einer Bildauswerteeinrichtung (4) für jede Kamera versehen ist,
die mit den Signalleitungen der Kameras eingangsseitig verbunden sind, und dass Datenframes,
die das Ergebnis der Bildauswerteeinrichtungen (4) darstellen, über den Switch (8)
an die Überwachungszentrale übertragen werden.
2. Überwachungseinrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Kameras IP-Kameras sind.
3. Überwachungseinrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Bildauswerteeinrichtung (4) Änderungen der Bildsignale der einzelnen Kameras
detektiert und diese Änderungen darstellende Datenframes generiert.
4. Überwachungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich ein Kommunikationsrechner (7) zur gemeinsamen Bildauswertung vorgesehen
ist, der Signale mehrerer Kameras gemeinsam auswertet.
5. Überwachungseinrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass im Switch (8) zusätzlich zur Bildauswerteeinrichtung (4) für jede Kamera ein Ringspeicher
zum Speichern der Bilder der letzten Sekunden einer jeden Kamera vorgesehen ist.