[0001] Die Erfindung betrifft ein Wickelverfahren nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie
eine Wickelvorrichtung hierfür.
[0002] Beim Bewickeln von strangförmigen Gütern wie z.B. Metalldraht auf um einen Wickelkörper
- etwa zur Herstellung eines elektromagnetischen Bauteils - kommt es besonders bei
im Querschnitt mehrkantigen Wickelkörpern zu Ausbauchungen des Drahtes. Dies kommt
daher, dass der Draht durch Wickeln in eine bestimmte Richtung eine Spannung aufbaut
und diese Spannung in einer Krümmung resultiert, die im Bereich der Flachseiten des
Wickelkörpers zu den genannten Ausbauchungen führt, weil der Eckenradius des Drahtes
verglichen mit dem Eckenradius unrunder Wickelkörper verhältnismäßig groß ist.
[0003] Dieser Effekt ist bei magnetischen Bauteilen nachteilig, weil zum einen Luftspalte
zwischen Draht und Wickelkörper entstehen, die die Leistung des elektromagnetischen
Bauteils nachteilig beeinflussen. Zum anderen verringert sich der Füllfaktor der Anordnung,
weil eben weniger Wicklungen in ein vorgegebenes Volumen passen.
[0004] Die Ausbauchungen können - wie in
EP 2 309 626 A1 vorgeschlagen - dadurch reduziert werden, dass man mittels eines Vorformelementes
auf den dem Wickelkörper zugeführten Draht auf der dem Wickelkörper abgewandten Seite
eine Kraft ausübt, die den Draht entgegen der zu erwartenden Ausbauchungswölbung "vorbiegt",
so dass der Draht im Ergebnis glatt gegen den Wickelkörper anliegt.
[0005] Eine weitere Möglichkeit, besteht darin, den Drahtzug beim Aufwickeln zu erhöhen,
so dass der Füllfaktor erhöht und die Ausbauchungen verringert werden können. Dies
führt aber dazu, dass der Draht gerade bei einer Vielzahl Windungen sehr straff um
den Wickelkörper herum liegt, so dass die auf den Wickelkörper wirkenden Zugkräfte
unter Umständen dazu führen können, dass der Wickelkörper - z.B. wenn er aus Kunststoff
besteht - zerstört wird. Zum anderen sind dem Drahtzug schon deshalb Grenzen gesetzt,
weil der Draht einen endlichen Querschnitt besitzt und gerade bei kleinen Querschnitten
der Draht leicht dazu neigt, zu reißen, wenn man den Drahtzug erhöht.
[0006] Vor diesem Hintergrund liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Wickelverfahren
der eingangs genannten Art und eine hierzu geeignete Wickelvorrichtung zu schaffen,
mit welchem sich der erforderliche Drahtzug verringern und zudem der Füllfaktor erhöhen
und die Ausbauchungen bei im Querschnitt nicht runden Wickelkörpern reduzieren lassen.
[0007] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Wickelverfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1 und eine Wickelvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 7. Vorteilhafte Ausführungsformen
finden sich in den abhängigen Ansprüchen.
[0008] Der Grundgedanke der Erfindung ist, das strangförmige Gut - z.B. einen Metalldraht
oder einen strangförmigen metallischen Hohlkörper - unmittelbar vor dem Bewickeln
des Wickelkörpers zu erwärmen. Infolge der thermischen Ausdehnung des Wickelguts längt
dieser sich, je nach zugeführter Wärmemenge. Das Wickelgut wird im erwärmten Zustand
um den Wickelkörper gewickelt. Etwaige Ausbauchungen verschwinden bei Erkalten des
Wickelguts auf dem Wickelkörper, da sich das Wickelgut bei Abkühlung wieder zusammenzieht.
Der erwärmte Draht weist eine kleinere mechanische Festigkeit auf, so dass sich speziell
bei unrunden Wickelkörpern der Eckenradius kleiner ausbildet. Zudem ist die Biegespannung
bei erwärmten strangförmigen Gütern kleiner als bei kalten. Folglich lässt sich das
erwärmte Gut, insbesondere der erwärmte metallische Draht, gegenüber einem auf Raumtemperatur
befindlichen Wickelgut infolge der Erwärmung mit wesentlich weniger Widerstand umformen.
Die Ausbauchung in der Wicklungsmitte, beispielsweise an der Längsseite einer Zahnspule,
bildet sich bei gleichem Drahtzug somit kleiner aus, wobei eine Reduzierung von ca.
20% erreicht werden kann. Dieser Effekt vergrößert somit auch den elektrischen Füllfaktor.
[0009] Auf diese Weise wird einerseits erreicht, dass die Ausbauchungen des Wickelguts reduziert
werden, andererseits, dass die Bewicklung mit einem geringeren Drahtzug durchgeführt
werden kann, weil das Wickelgut sich selbst zusammenzieht. Auf diese Weise kann der
Drahtzug bei gleicher Packungsdichte der Spule reduziert werden. Das hat den Vorteil,
dass die zu bewickelnden Bauteile nicht so stark mechanisch gestresst werden müssen
und die Wandstärken des Wickelkörpers kleiner dimensioniert werden können oder auch
eine andere - günstigere - Materialauswahl für den Wickelkörper getroffen werden kann.
[0010] Durch das erfindungsgemäße Verfahren lassen sich Verbackspulen schneller herstellen.
Verbackspulen sind meist freitragende Spulen ohne Wickelkörper. In konventioneller
Fertigung wird eine Spule erst gewickelt und dann elektrisch verbacken. Mit dem erfindungsgemäßen
Verfahren ist es möglich, während des Wickelns den Backlack des Drahtes zu erwärmen.
Dies war nach konventioneller Technik nur bei dünnen Drähten (mit Durchmessern von
ca. 0,3 mm) möglich, die während des Wickelns durch einen Heißluftstrom erwärmt werden,
so dass man eine freitragende Spule erhält. Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist
man bei der Wahl der Drahtdurchmesser nicht mehr begrenzt.
[0011] Bei als Stanzpakete ausgebildeten, T-Segment förmigen Wickelkörpern wird auf die
oben beschriebene Weise auch eine Reduzierung des Axialdrucks auf das Stanzpaket erreicht,
der in der Praxis häufig zu Problemen führt, da das Stanzpaket sich setzt und dabei
"bananenförmig" verformt, so dass das Einbauen solcher Spulen nur mit großen Toleranzen
und großen magnetischen Verlusten möglich ist.
[0012] Wie oben erwähnt, richtet sich der Grad des Erwärmens nach der gewünschten thermischen
Ausdehnung des Wickelguts. Bevorzugt wird dieses so erwärmt, dass die Temperatur des
strangförmigen Guts am Auslass der Auslassdüse unterhalb der Schmelztemperatur des
Materials des strangförmigen Guts liegt und wenigstens 50°C, bevorzugt wenigstens
120°C, beträgt.
[0013] Je nach gewünschter Temperatur gibt es mehrere Möglichkeiten, das strangförmige Gut
zu erwärmen, z.B. induktiv mittels einer Induktionsschleife und/oder durch Heißgas
und/ oder durch Bestromung. Auch der Ort der Erwärmung ist beliebig, solange sichergestellt
ist, dass das Wickelgut unmittelbar vor dem Aufwickeln eine Temperatur aufweist, die
messbar oberhalb der Umgebungstemperatur liegt. Es ist zur Unterstützung oder zum
Halten der Erwärmung auch möglich, dass die Auslassdüse erwärmt wird.
[0014] Bevorzugt ist der Wickelkörper unrund, und weist wenigstens eine Kante auf, wobei
bevorzugt Wickelkörper mit wenigstens abschnittweise etwa rechteckigem Querschnitt
eingesetzt werden.
[0015] Die erfindungsgemäße Wickelvorrichtung weist eine Zuführeinrichtung für strangförmiges
Gut mit der Auslassdüse zum Zuführen eines auf den Wickelkörper aufzuwickelnden strangförmigen
Guts und eine Wickelkörperaufnahme zur Aufnahme des zu bewickelnden Wickelkörpers
auf. Die Aufnahme und die Auslassdüse sind dabei relativ zueinander beweglich ausgebildet,
so dass der Wickelvorgang vollzogen werden kann. Erfindungsgemäß weist die Wickelvorrichtung
ferner ein Erwärmungsmittel auf, welches z.B. eine Induktionsschleife und/oder eine
das strangförmige Gut bestromende Bestromungseinrichtung und/oder eine Heißgasvorrichtung
ist und welches bevorzugt in Zuführrichtung des strangförmigen Guts zumindest vor
der Auslassdüse angeordnet und dazu ausgelegt ist, das in die Auslassdüse geführte
strangförmige Gut auf eine vorgegebene Temperatur zu erwärmen.
[0016] Bevorzugt wird die Temperatur im erfindungsgemäßen Verfahren über eine Temperatureinstellvorrichtung
geregelt. Die Temperatureinstellvorrichtung stellt oder regelt die Temperatur des
strangförmigen Guts auf einen vorgegebenen Sollwert ein. Dazu weist die Wickelvorrichtung
bevorzugt eine Temperaturerfassungseinrichtung zur Messung der Temperatur des strangförmigen
Guts auf. Diese erfasst fortlaufend die Temperatur des strangförmigen Gutes, welche
von der Temperatureinstellvorrichtung als Istwert übernommen und mit einem Sollwert
verglichen wird. Die Temperatureinstellvorrichtung berechnet dann aus diesem Vergleich
eine Stellgröße und verändert ggf. die Einstellung des Erwärmungsmittels, um die vorgegebene
Solltemperatur einzustellen.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand des in den Figuren 1 und 2 gezeigten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
- Figur 1
- - zeigt eine erfindungsgemäße Wickelvorrichtung in perspektivischer Darstellung,
- Figur 2
- - zeigt eine Seitenansicht der in Figur 1 gezeigten Wickelvorrichtung.
[0018] Die in den Figuren 1 und 2 beispielhaft gezeigte Wickerlvorrichtung 100 weist eine
(nicht gezeigte) Aufnahme zum Aufspannen des Wickelkörpers 2 auf. Aus einer Drahtauslassdüse
wird ein strangförmiges Wickelgut 1 (im Folgenden nicht einschränkend Draht genannt)
in einer Zuführrichtung Z durch eine Auslassdüse 103 geführt und in Zuführrichtung
Z hinter der Auslassdüse 103 auf den Wickelkörper 2 durch relatives Bewegen von Düse
103 und Wickelkörperaufnahme aufgewickelt.
[0019] Erfindungsgemäß ist ein Erwärmungsmittel 102 vorgesehen, welches im gezeigten Beispiel
als Induktionsschleife 102 ausgebildet ist. Die Induktionsschleife wird über eine
Speisevorrichtung 105 elektrisch gespeist und erzeugt ein Magnetfeld. Der Draht 1
durchläuft dieses Magnetfeld und wird dadurch erwärmt und der erwärmte Abschnitt 1'
des Drahtes wird auf den Wickelkörper aufgewickelt. Bevorzugt ist die Induktionsschleife
ein Rohr, welches von einem Fluid, insbesondere Wasser, zur Kühlung durchströmt wird.
[0020] Vorteilhafterweise wird die in den Draht 1, 1' induzierte Temperatur auf einen Sollwert
eingeregelt. Dieser Sollwert wird anwenderseitig vorgegeben, je nach Materialeigenschaften
des Drahtes oder Wickelgutes und dem angestrebten Füllfaktor. Die Ist-Temperatur wird
über eine Messeinrichtung 104 erfasst. Diese ist im gezeigten Beispiel etwa auf der
Höhe der Induktionsschleife 102 vorgesehen, kann aber genauso gut auch etwa am Ausgang
der Auslassdüse 103 positioniert sein, um die Ist-Temperatur unmittelbar vor dem Aufwickeln
des erwärmten Drahtes 1' auf den Wickelkörper 2 zu erfassen. Durch einen Vergleich
der Ist-Temperatur und der Soll-Temperatur wird eine Stellgröße ermittelt, die dann
gegebenenfalls die Bestromung der Induktionsschleife 102 bzw. allgemein die durch
Erwärmungsmittel übertragene Energiemenge entsprechend anpasst und die Temperatur
des Drahtes auf den vorgegebenen Sollwert einregelt.
1. Wickelverfahren, bei dem strangförmiges Gut, insbesondere ein Draht (1), und ein Wickelkörper
(2) bereitgestellt werden, wobei das strangförmige Gut durch eine Auslassdüse (103)
geführt und anschließend auf den Wickelkörper (2) aufgewickelt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass das strangförmige Gut (1) vor dem Aufwickeln erwärmt wird.
2. Wickelverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass das strangförmige Gut (1) so erwärmt wird, dass die Temperatur des strangförmigen
Gutes (1) am Auslass der Auslassdüse (103) unterhalb der Schmelztemperatur des Materials
des strangförmigen Gutes (1) liegt und wenigstens 50° C, bevorzugt wenigstens 120°C,
beträgt.
3. Wickelverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das strangförmige Gut (1) induktiv und/oder durch Heißgas und/oder durch Bestromung
erwärmt wird.
4. Wickelverfahren nach einem der vorigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Wickelkörper (2) Kanten aufweist.
5. Wickelverfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Wickelkörper (2) mit wenigstens abschnittweise etwa rechteckigem Querschnitt
ausgebildet ist.
6. Wickelverfahren nach einem der vorigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass als strangförmiges Gut (1) ein Metalldraht oder ein strangförmiger metallischer Hohlkörper
verwendet wird.
7. Wickelverfahren nach einem der vorigen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Auslassdüse (103) erwärmt wird.
8. Wickelvorrichtung (100) zur Durchführung einer Wickelverfahrens nach einem der vorigen
Ansprüche, aufweisend eine Zuführeinrichtung für strangförmiges Gut (1), insbesondere
Draht, mit einer Auslassdüse (103) zum Zuführen eines auf einen Wickelkörper (2) aufzuwickelnden
strangförmigen Gutes (1) und eine Wickelkörperaufnahme (101) zur Aufnahme des zu bewickelnden
Wickelkörpers, wobei die Aufnahme (101) und die Auslassdüse (103) relativ zueinander
beweglich ausgebildet sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wickelvorrichtung (100) ein Erwärmungsmittel (102) aufweist, welches dazu ausgelegt
ist, das in die Auslassdüse (103) geführte strangförmige Gut (1) auf eine vorgegebene
Temperatur zu erwärmen.
9. Wickelvorrichtung (100) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Erwärmungsmittel (102) so ausgebildet ist, dass die Temperatur am Auslass der
Auslassdüse (103) auf eine Temperatur unterhalb der Schmelztemperatur des Materials
des strangförmigen Gutes (1) und wenigstens auf 50° C, bevorzugt wenigstens auf 120°C,
eingestellt werden kann.
10. Wickelvorrichtung (100) nach einem der Ansprüche 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie eine Temperatureinstellvorrichtung aufweist, die die Temperatur des strangförmigen
Gutes (1) auf einen vorgegebenen Sollwert einstellt oder einregelt.
11. Wickelvorrichtung (100) nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Erwärmungsmittel (102) eine Induktionsschleife und/oder eine das strangförmige
Gut (1) bestromende Bestromungseinrichtung und/oder eine Heißgasvorrichtung ist.
12. Wickelvorrichtung (100) nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass sie eine Temperaturerfassungseinrichtung (104) zur Messung der Temperatur des strangförmiges
Gutes (1) aufweist.
13. Wickelvorrichtung (100) nach einem der Ansprüche 8 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Erwärmungsmittel (102) in Zuführrichtung (Z) des strangförmigen Gutes (1) zumindest
vor der Auslassdüse (103) angeordnet.