[0001] Die Erfindung betrifft einen Schichtstoff zum Beschichten eines plattenförmigen Holzwerkstoffs
und ein Verfahren zum Herstellen des Schichtstoffs.
[0002] Es besteht ein Bedarf an hochwertig kaschierten plattenförmigen Holzwerkstoffen,
beispielsweise an plattenförmigen Holzwerkstoffen mit einer hochglänzenden, spiegelglänzenden
oder supermatten Oberfläche oder mit einer Oberfläche, die keine Fingerabdrücke zeigt,
was mit einer Anti-Fingerprint-Oberfläche gewährleistet wird.
[0003] Bei Beschichtungen von Holzwerkstoffoberflächen wird zwischen laminierten Oberflächen
und kaschierten Oberflächen unterschieden. Laminierte Oberflächen werden in einer
Presse erzeugt, die eine Kunstharzschicht, häufig in Form eines mit Kunstharz imprägnierten
Papiers, auf der Oberfläche des Holzwerkstoffs unter der Einwirkung von Druck und
Temperatur chemisch aushärtet. Das Kaschieren erfolgt, indem eine Folie, die ggf.
beschichtet ist, oder ein Schichtstoff mit Klebstoff auf der Oberfläche eines plattenförmigen
Holzwerkstoffs fixiert wird.
[0004] In der
HOB Holzbearbeitung, herausgegeben vom AGT Verlag Thum GmbH, Ludwigsburg, Ausgabe
9 aus 2013, Seiten 42 bis 46 "Von Supermatt bis Hochglanz", Jens Fandrey, werden verschiedene Verfahren zum erzeugen qualitativ hochwertiger Oberflächen auf
plattenförmigen Holzwerkstoffen beschrieben, darunter auch das Kaschieren der Holzwerkstoffplatte
mit einer Folie, die mit Lack beschichtet ist, wobei die Lackoberfläche supermatt,
hochglänzend oder auch mit einer Anti-Fingerprint-Beschichtung versehen sein kann.
Die
EP 2 146 805 B1 schildert das Bearbeiten einer Lackoberfläche, die auf eine Holzwerkstoffplatte aufgetragen
ist.
[0005] An dem Aufbringen einer Folie mit hochwertiger Oberfläche auf eine plattenförmige
Holzwerkstoffoberfläche ist nachteilig, dass die Folie außerordentlich biegsam ist
und nur mit großem Aufwand faltenfrei auf die Oberfläche der Holzwerkstoffplatte aufgebracht
werden kann. Es besteht daher die Aufgabe, einen einfacher zu verarbeitenden Werkstoff
mit hochwertiger Oberfläche zum Kaschieren eines plattenförmigen Holzwerkstoffes bereitzustellen.
[0006] Dieser Nachteil wird behoben mit dem Schichtstoff nach Anspruch 1 und mit dem Verfahren
zum Herstellen eines Schichtstoffs nach Anspruch 12.
[0007] Der erfindungsgemäße Schichtstoff ist eine mit Kunstharz imprägnierte Papierbahn,
die eine Lackschicht aufweist. Die Lackschicht ist auf einer Seite des Schichtstoffs
aufgetragen, die nachfolgend als die Oberseite des Schichtstoffs bezeichnet wird.
Die entgegengesetzte Seite des Schichtstoffs, die Unterseite, liegt nach dem Aufbringen
auf eine Holzwerkstoffplatte auf der Oberfläche der Holzwerkstoffplatte auf. Die Unterseite
des Schichtstoffs wird bevorzugt mit Klebstoff auf der Oberfläche der Holzwerkstoffplatte
angebracht. Der Schichtstoff kann aus einer einer oder mehreren Papierbahnen hergestellt
sein, häufig besteht der Schichtstoff aus mehrlagigen Papierbahnen, typisch zwei bis
vier Lagen.
[0008] Als Schichtstoff wird erfindungsgemäß eine einlagige oder mehrlagige, mit Kunstharz
imprägnierte Papierbahnen eingesetzt, die auch als Continuous Pressed Laminate (CPL)
oder als High Pressure Laminate (HPL) bekannt sind. CPL und HPL können eine einzige
Papierbahn aufweisen, die mit Kunstharz imprägniert wurde, das nachfolgend ausgehärtet
wurde. Üblicherweise bestehen CPL und HPL jedoch aus mehreren Lagen Papier, meist
von unterschiedlicher Qualität und mit unterschiedlichem Gewicht. Typisch wird - von
der Unterseite zur Oberseite des Schichtstoffs- ein festes Kraftpapier als Trägerpapier
eingesetzt, auf dem ein dünnes, eingefärbtes oder häufig bedrucktes Dekorpapier angeordnet
wird. Das Dekorpapier kann von einem sehr dünnen Papier, dem Overlaypapier, überdeckt
werden, das transparent erscheint und daher das Dekorpapier sichtbar lässt. Insbesondere
dann, wenn unterschiedliche Kunstharze oder Kunstharzgemische zum Tränken der verschiedenen
Papiere eingesetzt werden, kann ein sogenanntes Underlaypapier zwischen Kraftpapier
und Dekorpapier eingesetzt sein. Jedes dieser Papiere ist mit Kunstharz getränkt.
Die Papier werden nach dem Tränken bzw. Imprägnieren mit Kunstharz zu einem Schichtstoff
zusammengeführt und bei Temperaturen von ca. 150 °C bis 180 °C entweder kontinuierlich
in einer Doppelbandpresse (CPL) oder in einzelnen Bögen in einer Etagenpresse zu einem
Schichtstoff (HPL) verpresst, bei dem eine oder mehrere Papierbahnen mit ausgehärtetem
Kunststoff imprägniert sind.
[0009] Der Lack wird flüssig auf die Oberseite des Schichtstoffs aufgebracht, vorzugsweise
in einer Menge zwischen 5 g/m
2 bis 300 g/m
2, typisch in einer Menge von 25 g/m
2 bis 70 g/m2, besonders bevorzugt zwischen 30 g/m
2 und 60 g/m
2 wenn die Oberfläche hochglänzend oder spiegelglänzend sein soll. Angestrebt wird
ein möglichst minimaler Lackauftrag, um Material einzusparen. Andererseits muss ausreichend
Lack aufgetragen werden, um eine ebene Oberfläche zu erhalten und um ggf. Strukturen
in den Lack einbringen zu können. Sollen flache Strukturen, d. h. Vertiefungen, nur
an der Oberfläche bzw. mit einer Tiefe von nicht mehr als 20 µm, in die Lackschicht
eingeprägt werden, entweder um supermatte oder um Anti-Fingerprint-Strukturen zu erzeugen,
dann kann eine dünne Lackschicht ebenfalls genügen. Sollen jedoch tiefere Strukturen
oder Vertiefungen bis zu 150 µm in die Oberfläche eingeprägt werden, dann kann es
erforderlich sein, eine dickere Lackschicht aufzutragen oder mehrere dünnere Lackschichten
mit einer Gesamtdicke von bis zu 300 µm. Dabei können die Lackschichten nass-in-nass
oder jeweils für sich ausgehärtet werden, wobei aber die Strukturen bevorzugt in nicht
oder in noch nicht vollständig ausgehärteten Lack geprägt werden können. Es ist auch
möglich, flache Strukturen mit Vertiefungen bis zu 20 µm an der Oberfläche mit tieferen
Strukturen zu überlagern, so dass z. B. eine supermatte Oberfläche zusätzlich mit
Vertiefungen von bis zu 150 µm versehen ist, um profilierte Phantasiedekore oder Naturdekore
mit einer supermatten Oberfläche oder einer Anti-Fingerprint-Oberfläche zu erzeugen,
die sowohl ein meist farbiges Dekor als auch eine meist dreidimensionale Struktur
an der Oberfläche aufweisen. Ein besonderer Vorteil ist, dass weder die Oberfläche
des Schichtstoffs noch die Lackschicht vor dem Bearbeiten der Lackschicht geschliffen
werden müssen. Der erfindungsgemäße Schichtstoff mit Lackschicht ist also mit außerordentlich
geringem Aufwand herzustellen bei gleichzeitig außerordentlich hochwertiger Oberfläche
der Lackschicht.
[0010] Vorzugsweise werden UV-Licht- und strahlungshärtende Lacke eingesetzt, meist auf
Acrylat-Basis. Typisch kann es sich um reine Acrylate oder um modifizierte Acrylate
handeln, z. B. Acrylate modifiziert mit Urethanen, Epoxiden, Polyestern oder Siliziumverbindungen.
Der Lack wird in flüssiger Form aufgebracht. Die Lacke können auf beliebige Weise
aufgebracht werden, bevorzugt durch Walzen, aber auch durch Gießen oder Rakeln. Bevorzugt
ist die Oberfläche der Lackschicht nach dem Aushärten des flüssigen Lacks als hochglänzende,
insbesondere spiegelglänzende oder spiegelnde Oberfläche (mit einem Glanzgrad von
90 GE oder mehr) oder als supermatte Oberfläche (mit einem Glanzgrad von maximal 15
GE) oder auch als Anti-Fingerprint-Oberfläche ausgebildet. Die Glanzgrade werden bestimmt
nach DIN EN ISO 2813, gemessen je nach Glanzgrad der Oberfläche mit einem Messwinkel
von 20° (hochglänzend), 60° (glänzend bis seidenmatt) oder 85° (matt).
[0011] Durch das Aufbringen des Lacks entsteht ein verbesserter Schichtstoff mit einer hochwertigen
Oberfläche. Die Materialstärke des verbesserten Schichtstoffs beträgt zwischen 0,2
mm und 2 mm, typisch zwischen 0,5 mm und 1,5 mm. Dieser Schichtstoff kann trotz der
aufgetragenen Lackschicht noch gerollt werden. Damit ist der erfindungsgemäß lackierte
Schichtstoff auch für die Endlos-Verarbeitung geeignet.
[0012] Der Lack, der erfindungsgemäß auf die Oberseite des Schichtstoffs aufgetragen wird,
haftet gut auf dem ausgehärteten Kunstharz, insbesondere auf einer Aminoplastoberfläche.
Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass eine Haftvermittlerschicht auf das Kunstharz
aufgebracht wird, um die Lackschicht besonders fest an das Kunstharz anzubinden. Als
Haftvermittler können z. B. Silanverbindungen eingesetzt werden.
[0013] Das Papier des Schichtstoffs, das mit Kunstharz imprägniert wird, besteht in der
Regel aus Cellulosefasern. Es kann allgemein aus natürlichen und synthetischen Fasern
aufgebaut sein. Typische geeignete Fasern sind außer Cellulosefasern auch Mineralfasern,
Glasfasern, Viskosefasern, Kohlenstofffasern, Metallfasern, aber auch Fasern aus Kunststoff,
insbesondere Aramidfasern. Ein Papier kann auch aus einer Mischung von Fasern, insbesondere
einer Mischung von natürlichen und synthetischen Fasern aufgebaut sein. Die Fasern
werden unter technischen, aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgewählt.
So sind Cellulosefasern preiswert und in der Regel von ausreichender Festigkeit. Andere
Fasern sind von höherer Festigkeit, z. B. Aramidfasern, sind leitfähiger (Kohlenstoff-
und Metallfasern) oder sie sind noch transparenter als Cellulosefasern (Kunststofffasern,
Glasfasern, Mineralfasern), so dass auch bei Einsatz höherer Fasermengen ein transparentes
Erscheinungsbild verbleibt. Das Papier weist bevorzugt ein Blattgewicht von 10 g/m
2 bis 360 g/m
2 auf, wobei angestrebt wird, ein möglichst leichtes Papier, z. B. 20 g/m
2 bis 40 g/m
2, zu wählen, um Material zu sparen.
[0014] Der Schichtstoff kann eine einzige Papierbahn aufweisen, die mit Kunstharz getränkt
ist. Meist wird der Schichtstoff jedoch zwei oder mehr Papierbahnen aufweisen. Allgemein
wird meist ein Trägerpapier eingesetzt, dass eine möglichst hohe Festigkeit aufweisen
soll. Ein Dekorpapier soll bei möglichst geringem Materialeinsatz dennoch entweder
eingefärbt werden können und/oder bedruckt werden können. Ein Overlaypapier soll möglichst
transparent sein, ein in manchen Fällen verwendetes Underlaypapier möglichst materialsparend.
Gemäß einer weiter bevorzugten Ausführung weist das Dekorpapier an seiner Oberseite
ein Dekor auf, das meist als Farbdruck ausgeführt ist. Das Dekor kann ein Phantasiedekor
sein oder es kann eine Holz- oder Steinoberfläche nachahmen. Das Dekor kann z. B.
aus einer Grundierung und einer oder mehr Farbaufträgen bestehen, die abschnittsweise
auf die Grundierung aufgetragen sind und deren Farbe von der Farbe der Grundierung
abweicht.
[0015] Das Kunstharz oder die Mischungen von Kunstharzen können Hartstoff-Partikel enthalten,
z. B. um die Kratzfestigkeit der Oberfläche zu verbessern. Das Papier bzw. das Kunstharz
kann auch leitfähige Elemente, z. B. Fasern oder Partikel, enthalten, die die Leitfähigkeit
der Beschichtung verbessern. Wird ein Overlay eingesetzt, so sind Hartstoffpartikel,
meist Korund, aber auch Salze dem Kunstharz zugesetzt, mit dem das Overlay imprägniert
wird. Leitfähige Partikel oder Fasern können auch dem Kunstharz zugesetzt sein, mit
dem das Trägerpapier oder das Dekorpapier bzw. das Underlay imprägniert werden.
[0016] Das erfindungsgemäße Papier ist mit einem Kunstharz imprägniert. Typische, geeignete
Kunstharze sind Melaminharz, Harnstoff-Formaldehydharz und Phenol-Formaldehydharz.
Es können aber auch Polyurethan-Dispersionen, Wasserglas oder Silanverbindungen eingesetzt
werden, die im Zusammenhang mit dieser Erfindung auch als Kunstharze bezeichnet werden.
Auch Mischungen dieser Harze können eingesetzt werden. Es ist ebenfalls möglich, die
zu imprägnierende Papierbahn zuerst mit z. B. Harnstoff-Formaldehydharz zu imprägnieren
und anschließend ein- oder beidseitig ein anderes Kunstharz, z. B. Melaminharz aufzutragen.
Das Kunstharz oder die Mischung von Kunstharzen können in einer Menge eingesetzt werden,
dass die Oberfläche des Papiers Fasern und Kunstharz aufweist. Es ist aber auch möglich,
dass das Papier bzw. die Fasern des Papiers vollständig in Papier eingebettet sind,
so dass die Oberfläche des kunstharzimprägnierten Papiers vollständig aus Kunstharz
besteht. Typisch beträgt der Einsatz von Kunstharz ca. 80Gew.-% bis 100 Gew.-% des
Blattgewichts des eingesetzten Papiers.
[0017] Der erfindungsgemäße Schichtstoff kann als kontinuierliche Bahn mittels einer Doppelbandpresse
(CPL) oder bogenweise in einer Etagenpresse (HPL) hergestellt werden. Beide Verfahren
sind industriell üblich und bekannt. Der Schichtstoff, sowohl CPL als auch HPL, ist
mit einem Kunstharz imprägniert, der ausgehärtet ist. Damit unterscheidet sich das
erfindungsgemäße Papier von dem Papier, das zum Laminieren von Holzwerkstoffoberflächen
eingesetzt wird, und bei dem das Kunstharz lediglich getrocknet, nicht aber ausgehärtet
ist. Der fertige Schichtstoff weist eine ebene, dichte und harte Oberfläche auf, die
ohne weitere Beschichtung auf Holzwerkstoffe aufgebracht werden kann. Die Oberfläche
des Schichtstoffs ist ohne weiteres gleichzusetzen mit einer geschliffenen lackierten
Oberfläche, die für eine hochglänzende Lackierung vorberetiet ist, ohne dass jedoch
aufwändige Schleifvorgänge durchzuführen sind. Die Erfindung betrifft eine weitere
Behandlung eines solchen Schichtstoffs, insbesondere eine Veredlung, die eine noch
hochwertiger anmutende Oberfläche schafft.
[0018] Der Schichtstoff ist nach einer vorteilhaften Weiterbildung auf der Oberfläche eines
plattenförmigen Holzwerkstoffs fixiert. Typische Holzwerkstoffe sind Spanplatten,
Faserplatten, Sperrholzplatten, Tischlerplatten, aber auch Massivholzplatten. Insbesondere
plattenförmige Holzwerkstoffe, die im Möbelbau oder hochwertigen Innenausbau eingesetzt
werden, können mit dem erfindungsgemäßen Schichtstoff beschichtet werden. Da das Kunstharz
bereits ausgehärtet ist, wird der Schichtstoff durch Verkleben auf der Holzwerkstoffoberfläche
befestigt. Als Klebstoff kann ein Schmelzkleber, z. B. ein Polyurethanklebstoff oder
ein Polyvinylacetatklebstoff eingesetzt werden. Der Klebstoff kann entweder auf die
Holzwerkstoffoberfläche aufgetragen werden oder der Klebstoff kann auf die Unterseite
des kunstharzimprägnierten Papiers aufgebracht sein. Das Aufkleben oder Kaschieren
von Schichtstoffen auf die Oberfläche von Plattenförmigen Holzwerkstoffen ist Stand
der Technik.
[0019] Der erfindungsgemäße Schichtstoff bietet zahlreiche Vorteile. Zum einen kann ein
vorhandenes und technisch ausgereiftes Produkt auf einfache Weise veredelt werden.
Zum anderen kann die gesamte Bandbreite der Dekore mit weiter verbesserten, insbesondere
hochglänzenden, spiegelglänzenden oder supermatten Oberflächen angeboten werden, alternativ
auch mit Anti-Fingerprint-Oberflächen angeboten werden. Außerdem wird ein im Vergleich
zu Polymerfolien besseres Produkt verfügbar gemacht, weil der erfindungsgemäße Schichtstoff
eine höhere Biegefestigkeit und Härte aufweist. Dadurch kann der erfindungsgemäße
Schichtstoff zum einen einfacher verarbeitet werden, weil sowohl einzelne Bögen des
Schichtstoffs als auch ein gerollter Schichtstoff besser zu verlegen und zu positionieren
sind als eine biegsame, weiche Folie. Der steifere, härtere Schichtstoff gemäß der
Erfindung kann zudem Unebenheiten in der Oberfläche des Holzwerkstoffs besser ausgleichen,
ohne dass dies zu einem Verformen der Oberseite des Schichtstoffs führt, so dass insbesondere
bei sehr hochwertigen glänzenden, insbesondere hochglänzenden und spiegelglänzenden
Oberflächen Unebenheiten auf der Oberfläche des zu beschichtenden Holzwerkstoffs nicht
den optisch hochwertigen Eindruck der Schichtstoff-Oberfläche verderben und zu Ausschuss
führen. Schließlich ist die Oberfläche auch des lackierten Schichtstoffs widerstandsfähiger
als die Oberfläche einer lackierten Polymerfolie. Mit dem erfindungsgemäß lackierten
Schichtstoff ist es insbesondere auf sehr einfache Weise möglich, nicht nur hochglänzende
sondern auch spiegelglänzende Oberflächen zu erzeugen. Spiegelglänzende Oberflächen
reflektieren ein vor der Oberfläche befindliches Objekt besonders präzise und konturenscharf.
Zum Erzeugen spiegelglänzender Oberflächen ist es vermutlich erforderlich, die Lackschicht
auf einem besonders ebenen Untergrund aufzubringen, der mit einem Schichtstoff, insbesondere
mit einem Schichtstoff mit glänzender oder hochglänzender Oberfläche, produktionsbedingt
auf einfache Weise herstellbar ist.
[0020] Die Erfindung betrifft weiter ein Verfahren zum Herstellen eines Schichtstoffs zum
Beschichten eines plattenförmiges Holzwerkstoffes mit den Schritten: Aufbringen von
Kunstharz auf eine Papierbahn, Aushärten des Kunstharzes, Aufbringen eines Lacks,
Bearbeiten der Lackoberfläche und Aushärten des Lacks.
[0021] Das Aufbringen von Kunstharz auf eine Papierbahn (das Beharzen) führt zum Imprägnieren
der Papierbahn, weil das üblicherweise flüssige Kunstharz die Papierbahn durchdringt.
Das Kunstharz, das die Papierbahn imprägniert, wird dann ausgehärtet, das heißt, es
wird, z. B. unter dem Einfluss von Temperatur und/oder Druck, z. B. in einer Doppelbandpresse
oder in einer Etagenpresse eine chemische Reaktion ausgelöst, durch die das Kunstharz
zu einer inerten, nicht mehr reaktiven Masse ausreagiert. Dem Aushärten kann ein Trocknen
des Kunstharzes vorgeschaltet sein. Das ausgehärtete, mit Kunstharz imprägnierte Papier
weist eine deutlich höhere Steifigkeit auf als die nicht imprägnierte Papierbahn und
auch eine höhere Steifigkeit als eine Folie, die zum Kaschieren von Plattenförmigen
Holzwerkstoffen eingesetzt wird. Trotzdem lässt sich die Schichtstoffbahn ohne weiteres
Aufrollen. Sie ist also für Endlos-Veredelungs- und - Fertigungsverfahren gut geeignet.
[0022] Auf den Schichtstoff wird dann flüssiger Lack aufgetragen. Der Lack wird vorteilhaft
auf die gesamte Oberfläche der Papierbahn aufgetragen. Die mit Lack beschichtete Seite
der Papierbahn wird als Oberseite bezeichnet. Die Lackschicht wird aus flüssigem Lack
mit möglichst gleichmäßiger Schichtdicke auf den Schichtstoff aufgetragen. Optional
kann in einem Zwischenschritt ein Egalisieren der Lackschicht erfolgen.
[0023] Die Lackoberfläche wird bearbeitet, vorzugsweise bevor sie ausgehärtet ist. Das Bearbeiten
erfolgt im einfachsten Fall durch einen Strukturgeber, meist eine glatte oder eine
strukturierte Materialbahn, aber auch durch eine glatte oder strukturierte Walze.
Anders als beim vorstehend beschriebenen Egalisieren der Lackschicht wird beim Bearbeiten
der Lackoberfläche gezielt die Oberfläche, also die Grenzfläche der Lackschicht zur
Umgebung gestaltet. Sie wird z. B. möglichst weitgehend geglättet durch eine glatte
Materialbahn oder Walze oder sie wird alternativ mit einer strukturierten Materialbahn
oder Walze mit einer matten, ggf. supermatten Oberfläche oder mit einer Anti-Fingerprint-Oberfläche
versehen. Die Materialbahn schließt die Oberfläche der Lackschicht gegenüber der Umgebung
ab; sie hält also auch Sauerstoff fern. Das Bearbeiten der Oberfläche der Lackschicht
kann in dieser Ausführung als Inert-Verfahren bezeichnet werden, weil es unter Sauerstoffabschluss
geschieht. Der Lack wird nach dem Auftragen, insbesondere während bzw. unmittelbar
nach dem Bearbeiten ausgehärtet, vorzugsweise durch an sich bekannte UV-Bestrahlung
oder durch Elektronenstrahlhärtung.
[0024] Bevorzugt erfolgt das Aushärten der Lackschicht während des Bearbeitens der Lackoberfläche.
So kann das Aushärten der Lackschicht bevorzugt während des Einwirkens der Materialbahn
oder der Walze erfolgen, beispielsweise kann nach einer ersten Alternative eine Aushärtevorrichtung,
typisch eine an sich bekannte UV-Licht oder Elektronenstrahlungseinheit, gegenüber
oder unmittelbar nach der Materialbahn oder der Walze angeordnet sein. Wenn das Bearbeiten
der Lackoberfläche mit einem transparenten Schichtstoff erfolgt, kann die Aushärtevorrichtung
also auf derselben Seite angeordnet sein wie der Schichtstoff. Ansonsten ist die Aushärtevorrichtung
nach einer zweiten Alternative auf der gegenüberliegenden Seite des Schichtstoffs
angeordnet. In diesem Fall ist die Materialbahn zweckmäßig transparent. Eine Materialbahn
aus einem Polymer, ggf. als faserverstärkte Polymerbahn zum Bearbeiten von Lackoberflächen
ist z. B. in der
EP 2 146 805 B1 offenbart.
[0025] Die Materialbahn kann glatt oder strukturiert sein. Sie ist vorzugsweise transparent.
Sie besteht in der Regel aus einer Polymerfolie, ggf. ist sie durch Fasern verstärkt.
Eine Materialbahn kann für eine einmalige Verwendung vorgesehen sein, sei kann aber
auch mehrfach verwendbar sein. Die Materialbahn wird in der Regel als Endlos-Materialbahn
z. B. von einer Rolle verfügbar sein, es ist aber auch möglich, die Materialbahn in
Bögen zur Verfügung zu stellen. Durch das Auflegen und ggf. Aufdrücken der Materialbahn
auf die Oberfläche der flüssigen Lackschicht wird diese Oberfläche bearbeitet. Sie
wird entweder durch eine glatte Materialbahn geglättet und in diesem geglätteten Zustand
ausgehärtet oder die Materialbahn bringt eine auf der Oberfläche der Materialbahn
aufgebrachte Struktur als Negativstruktur in die Oberfläche der zunächst noch flüssigen
Lackschicht ein, wobei sich diese Struktur der Materialbahn dann durch das Aushärten
des flüssigen Lacks zu einer festen Lackschicht als abgeformte und fixierte Oberfläche
zeigt. Die bearbeitete, ausgehärtete Oberfläche des Lacks zeigt also ein Negativ der
Oberfläche der Materialbahn. Im Rahmen der Erfindung kann die Materialbahn vorteilhaft
als Einweg-Materialbahn auf der Lackschicht verbleiben und so als Schutz vor Beschädigungen
der Lackschicht während der Lagerung und des Transports dienen. Gerade bei hochglänzenden
oder spiegelglänzenden Oberflächen erweist sich diese Maßnahme als besonders wertvoll.
Da die Materialbahn ohnehin zum Bearbeiten der Oberfläche auf die Lackschicht aufgebracht
wird, wird mit dieser Maßnahme ohne weitere Kosten oder technischen Mittel ein Zusatznutzen
erschlossen.
[0026] Das Aufbringen einer Lackschicht auf einen Schichtstoff bewirkt, dass eine besondere
Tiefenwirkung der lackierten Oberfläche erreicht wird. Das Kunstharz, insbesondere,
wenn es nach dem Imprägnieren des Papiers z.B. durch die Pressen geglättet und damit
in der Regel auch verdichtet wird, bietet der Lackschicht einen Untergrund, der sich
optisch als Fortsetzung der Lackschicht präsentiert und so eine besondere Tiefenwirkung
der Lackschicht vermittelt. Dies verleiht insbesondere Hochglanz-Lackoberflächen eine
hochwertige Anmutung. Zudem ermöglicht die ebene Oberfläche des Schichtstoffs, die
durch das Pressen des Schichtstoffs beim Aushärten erfolgt, die Herstellung von spiegelnden
Oberflächen, die, in etwa vergleichbar der Präzision eines Spiegels vor der Oberfläche
befindliche Objekte konturenscharf abbilden, also einen auch nach Reflexion weitgehend
parallelen Strahlengang gewährleisten.
[0027] Gegenüber bekannten Lackoberflächen für Holzwerkstoffe benötigt die erfindungsgemäße
Lösung wenige Materialien und ist damit umweltfreundlich. Sie kann mit bekannten Herstellungsanlagen
vorbereitet werden und sie ist preiswert, obwohl die Oberfläche eine sehr hochwertige
Anmutung hat.
[0028] Details der Erfindung werden an Hand von Figuren erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer CPL-Produktionsanlage mit einer Vorrichtung zum
Lackieren und Bearbeiten der Lackschicht
- Fig. 2
- einen Schichtstoff mit Lackschicht
[0029] Fig. 1 zeigt eine kontinuierliche Anlage 1, bei der der Schichtstoff 2 in unmittelbar
aufeinander folgenden Arbeitsgängen erst durch Imprägnieren mit flüssigem Kunstharz
3 und anschließendem Aushärten entsteht und anschließend einseitig mit einer Lackschicht
4 versehen wird. Dieselben Verfahrensschritte können auch in separaten Anlagen erfolgen,
zuerst das Imprägnieren mit Kunstharz 3 und das Aushärten des Kunstharzes, also das
Herstellen des an sich bekannten Schichtstoffs, hier eines CPL, aber alternativ genauso
eines High Pressure Laminates (HPL) und dann, getrennt von diesem, das erfindungswesentliche
Aufbringen, Bearbeiten und Aushärten der Lackschicht 4.
[0030] Die Anlage, die in Fig. 1 gezeigt ist, zeigt von links nach rechts in Produktionsrichtung
eine Rolle 5 mit Rohpapier 6 mit einem Blattgewicht von 80 g/m
2, das abgerollt und über eine Rolle 7 durch ein Bad 8 geführt wird, in dem sich als
Kunstharz flüssiges Melaminharz 3 befindet. Das Rohpapier 6 nimmt 100% des Blattgewichts
von 80 g/m
2 an Melaminharz auf. Das Rohpapier 6 ist optional mit einem Dekor bedruckt, z. B.
mit einem Holzdekor oder mit einem Phantasiedekor. Das Melaminharz 3 dringt in das
Rohpapier 6 ein, so dass einen Schichtstoff 2 entsteht. Dieser Vorgang wird auch als
Beharzen bezeichnet. Nicht alles Melaminharz kann in dem Rohpapier 6 aufgenommen werden,
so dass auf beiden Seiten die Oberfläche des kunstharzbeschichteten Papiers 2 ausschließlich
aus Melaminharz 3 besteht. Wird eine geringere Menge Kunstharz eingesetzt, kann die
Oberfläche des kunstharzimprägnierten Papiers auch aus einer Mischung aus Fasern und
Kunstharz bestehen. Der Schichtstoff wird in der Doppelbandpresse 9, die mit dem Obertrum
10 und dem Untertrum 11 schematisch dargestellt ist, bei 160 °C in ca. 20 Sekunden
zu einem Schichtstoff verpresst. Optional kann die Doppelbandpresse Mittel zum Kühlen
des Schichtstoffs 2 enthalten, die den ausgehärteten Schichtstoff schneller abkühlen.
Ebenfalls optional kann zwischen dem Bad 8 und der Doppelbandpresse 9 eine Trocknungsvorrichtung
angeordnet sein, die überschüssige Flüssigkeit aus dem Kunstharz entfernt. Der Schichtstoff
2 gemäß Fig. 1 ist transparent.
[0031] Alternativ (hier nicht dargestellt) kann ein mehrlagiger Schichtstoff hergestellt
werden, bei dem ein 90 g/m
2 Kraftpapier (hergestellt aus besonders festem Kraftzellstoff) mit Phenol-Formaldehydharz
(80 % Kunstharz bezogen auf ein Blattgewicht des Kraftpapiers von 90 g/m
2) imprägniert wird und mit einem mit Melaminformaldehydharz imprägnierten Underlaypapier
von 50 g/m
2 (80 % Kunstharz bezogen auf ein Blattgewicht des Underlaypapiers von 50 g/m
2), mit einem mit einer Grundierung und einem aufgedruckten Farbdekor versehenem Dekorpapier
von 65 g/m
2, das mit Melaminharz imprägniert ist (90 % Kunstharz bezogen auf ein Blattgewicht
des Dekorpapiers von 65 g/m
2) und mit einem Overlaypapier von 15 g/m2, das mit Melaminharz (100 % Kunstharz bezogen
auf ein Blattgewicht des Overlaypapiers von 15 g/m
2)imprägniert ist, in einer Walzenanordnung zusammengeführt werden und entweder als
endloses Band in einer Doppelbandpresse zu einem mehrlagigen CPL-Schichtstoff verpresst
werden oder als Bögen in einer Etagenpresse zu einem HPL-Schichtstoff verpresst werden.
Diese Verfahren sind an sich aus dem Stand der Technik bekannt.
[0032] Der Schichtstoff ist nach dem Verlassen der Doppelband- oder Etagenpresse nicht nur
außergewöhnlich glatt und hart sondern auch besonders eben. Er kann zudem auch hochglänzend
ausgebildet sein. Es ist damit ausgezeichnet geeignet, mit einer gleichmäßigen Schicht
Lack beschichtet zu werden.
[0033] An die Imprägnierung mit Kunstharz schließt sich, entweder unmittelbar oder als separate
Bearbeitungseinheit, das Aufbringen einer Lackschicht 4 auf eine Oberseite des Schichtstoffs
2 an. Bei einem mehrlagigen Schichtstoff wird die Lackschicht auf die Oberseite aufgebracht,
die ein Dekorpapier oder ein Overlaypapier zeigt. Der Schichtstoff 2 wird an einer
Walzenanordnung 12 vorbeigeführt, die eine flüssige Lackschicht von 40 g/m
2 aufträgt. Da der Schichtstoff 2 sehr glatt und eben ist, kann die flüssige Lackschicht
4 auch sehr gleichmäßig und eben auf dessen Oberseite aufgetragen werden. Aufgetragen
wird ein acrylbasierter Lack, der mittels UV-Licht aushärtet. Häufig finden auch modifizierte
Acryllacke Verwendung, beispielsweise mit Urethan-, Epoxy- oder Siliziumverbindungen
modifizierte Acryllacke. Dem Fachmann ist geläufig, welche Acryllacke zur Verfügung
stehen und er findet mit wenigen Orientierungsversuchen geeignete Lacke.
[0034] Im Anschluss auf die Walzenanordnung 12 wird die Oberfläche 13 der Lackschicht 4,
genauer gesagt, der noch flüssigen Lackschicht 4 bearbeitet. In der Ausführung gemäß
Fig. 1 geschieht dies durch Aufbringen einer Endlos-Materialbahn 16, die in der Breite
des Schichtstoffs auf die Oberfläche 13 der noch flüssigen Lackschicht durch Abrollen
von einer Vorratsrolle 14 aufgebracht wird. Die Materialbahn 16 liegt nach dem Passieren
einer Andruckrolle 15 blasenfrei auf der Oberfläche 13 der Lackschicht 4 auf, so dass
die Oberfläche 13 der Lackschicht völlig eben und glatt ist, insbesondere frei von
unerwünschten Markierungen ist. Außerdem ist die Oberfläche 13 der Lackschicht 4 dadurch
nicht dem Luftsauerstoff ausgesetzt, weshalb dieser Verfahrensschritt auch als Inert-Verfahren
bezeichnet werden kann.
[0035] Während die Materialbahn 16 auf der Oberfläche 13 der Lackschicht 4 aufliegt, wirken
durch den transparenten Schichtstoff 2 hindurch UV-Lampen 17 auf die Lackschicht 4
ein und härten diesen aus. Die Lackschicht 4 härtet dabei vom Schichtstoff 2 zur Oberfläche
13 der Lackschicht her aus und wird während des Aushärtens durch die Materialbahn
16 abgeschlossen, mit der Folge, dass eine bis zur Oberfläche 13, also bis zur Grenzfläche
der Lackschicht 4 zur Materialbahn eine gleichmäßige Vernetzung bzw. Aushärtung erfolgt.
So entsteht eine Oberfläche 13 mit einem Glanzgrad von 90 GE oder mehr. Alternativ
können die UV-Lampen 17 auch auf derselben Seite angeordnet sein wie die Andruckrolle
15.
[0036] Nachdem die Lackschicht 4 ausgehärtet ist, ist der mit der Lackschicht 4 versehene
Schichtstoff 2 eben und mit einer spiegelglänzenden Oberfläche 13 versehen.
[0037] Die Endlos-Materialbahn 16 kann nach dem Aushärten der Lackschicht 4 wahlweise entweder
sofort abgezogen und z. B. wieder verwendet werden. Alternativ kann die Materialbahn
16 auf der ausgehärteten Lackschicht 4 verbleiben und die Oberfläche 13 der Lackschicht
4 schützen, bei Bedarf über das Kaschieren auf eine Holzwerkstoffplatte hinaus bis
zur Verwendung der mit dem lackierten Schichtstoff kaschierten Holzwerkstoffplatte.
[0038] Fig. 2 zeigt einen Schichtstoff 2 gemäß Fig. 1 mit einer Papierbahn aus Fasern 19,
der mit Kunstharz, hier mit Melaminharz 3 imprägniert ist. Das Melaminharz 3 durchdringt
die Papierbahn mit den Fasern 19 vollständig, so dass die Oberfläche der Papierbahn
auf beiden Seiten vollständig von Melaminharz 3 gebildet ist. Anders ausgedrückt steht
das Melaminharz 3 auf beiden Seiten der Papierbahn über. Einseitig auf die Oberseite
20 des Schichtstoffs 2 ist eine Lackschicht 4 aufgetragen, die eine außerordentlich
glatte Oberfläche 13 und eine spiegelglänzende Oberfläche mit einem Glanzgrad von
90 GE oder mehr aufweist. Die Unterseite 21 des Schichtstoffs 2 kann optional mit
einer Schicht Klebstoff (hier nicht dargestellt) versehen sein. Wenn der Schichtstoff
2 nicht unverzüglich auf eine Holzwerkstoffoberfläche aufgebracht wird, dann empfiehlt
es sich, eine solche Klebstoffschicht mit einem Trennpapier abzudecken. Der lackierte,
ggf. mit einer Klebstoffschicht und einem Trennpapier versehene Schichtstoff kann
aufgerollt werden für eine spätere Verwendung. Alternativ zum Aufrollen kann der lackierte,
mit Kunstharz imprägnierte Schichtstoff auch in Bögen geschnitten, gestapelt und weiter
verarbeitet werden.
[0039] Das Aufbringen des erfindungsgemäß lackierten Schichtstoffs 2 auf die Oberfläche
eines plattenförmigen Holzwerkstoffs erfolgt auf die gleiche Weise wie mit nicht-lackiertem
Schichtstoff, vorzugsweise durch Kleben. Durch die Härte des Schichtstoffs drücken
sich Unebenheiten der Oberfläche des Holzwerkstoffs oder auch Schleifrückstände (Staubkörner)
nicht wie bei einer Beschichtung mit einer weichen Folie durch sondern das Kaschieren
lässt eine fehlerfreie Oberfläche entstehen mit weitaus weniger Ausschuss als bei
einer Folienkaschierung. Alternativ benötigt die mit dem erfindungsgemäßen Schichtstoff
zu kaschierende Holzwerkstoffoberfläche eine einfachere Vorbereitung, weil der Schichtstoff
nach der Erfindung kleinere Unebenheiten wesentlich besser ausgleicht.
[0040] Eine mit dem vorstehend beschriebenen Schichtstoff 2 beschichtete Holzwerkstoffoberfläche
weist eine spiegelglänzende, alternativ hochglänzende, supermatte oder mit einer Anti-Fingerprint-Struktur
versehene Oberfläche mit besonderer Tiefenwirkung auf, weil sich Lack und Kunstharz
so verbinden, das eine insgesamt besonders transparente Beschichtung auf einem sehr
ebenen Untergrund entsteht, die eine außerordentlich hochwertige Anmutung aufweist.
[0041] Wird ein transparenter Schichtstoff, z. B. aus einer einzelnen, dünnen Papierlage,
die mit Melaminharz imprägniert ist, mit einer erfindungsgemäß darauf aufgebrachten
Lackschicht eingesetzt, dann kann ein solcher Schichtstoff auf eine mit einem Dekor
versehene, z. B. bedruckte Holzwerkstoffoberfläche aufkaschiert werden. Durch die
große Transparenz des lackierten Schichtstoffs wirkt das Dekor auf der Holzwerkstoffoberfläche
nahezu ohne optische Einschränkung.
1. Schichtstoff zum Beschichten eines plattenförmigen Holzwerkstoffs, aufweisend mindestens
eine mit Kunstharz (3) imprägnierte Papierbahn (6) und eine auf der Papierbahn (6)
aufgetragene Lackschicht (4).
2. Schichtstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackschicht (4) mit einem Flächengewicht von mindestens 5 g/m2 bis zu 300 g/m2 aufgetragen ist.
3. Schichtstoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Papierbahn (6) aus einer der in der folgenden Gruppe aufgeführten Fasern oder
einer Mischung solcher Fasern hergestellt ist: Cellulosefasern, Mineralfasern, Glasfasern,
Viskosefasern, Kohlenstofffasern, Fasern aus Kunststoff, insbesondere Aramidfasern.
4. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Papierbahn (6) ein Blattgewicht von 10 g/m2 bis 360 g/m2 aufweist.
5. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Papierbahn (6) ein Dekor aufweist.
6. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Schichtstoff (2) zwei oder mehr Papierbahnen (6) aufweist.
7. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Kunstharz (3) Melaminharz, Harnstoff-Formaldehydharz oder Phenol-Formaldehydharz,
eine Polyurethan-Dispersion, Wasserglas, eine Silanverbindung oder eine Mischung dieser
Kunstharze eingesetzt ist.
8. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass dem Kunstharz (3) Feststoff-Partikel, insbesondere Hartstoff-Partikel zugesetzt sind.
9. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackschicht (4) einen Glanzgrad von 90 GE oder mehr oder von 15 GE oder weniger
oder eine Anti-Fingerprint-Struktur aufweist.
10. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Schichtstoff (2) auf einen plattenförmigen Holzwerkstoff aufgebracht ist.
11. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Schichtstoff (2) mit der ausgehärteten Lackschicht (4) mit einer Materialbahn
(16) abgedeckt ist.
12. Verfahren zum Herstellen eines Schichtstoffs (2) zum Beschichten eines plattenförmigen
Holzwerkstoffs, mit den Schritten:
- Aufbringen von Kunstharz (3) auf eine Papierbahn (6)
- Aushärten des Kunstharzes (3)
- Aufbringen eines Lacks (4)
- Bearbeiten der Lackoberfläche (17)
- Aushärten des Lacks (4).
13. Verfahren nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Papierbahn (6) nach dem Aufbringen des Kunstharzes (3) und/oder dem Aushärten
des Kunstharzes (3) auf die Papierbahn (6) geglättet wird.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass das Bearbeiten der Lackoberfläche (17) durch eine glatte oder durch eine strukturierte
Materialbahn (16) oder durch eine Walze erfolgt.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Schichtstoff zum Beschichten eines plattenförmigen Holzwerkstoffs, aufweisend mindestens
eine mit Kunstharz (3) imprägnierte Papierbahn (6) und eine auf der Papierbahn (6)
aufgetragene Lackschicht (4), dadurch gekennzeichnet, dass der Schichtstoff (2) mit der ausgehärteten Lackschicht (4) mit einer Materialbahn
(16) abgedeckt ist.
2. Schichtstoff nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackschicht (4) mit einem Flächengewicht von mindestens 5 g/m2 bis zu 300 g/m2 aufgetragen ist.
3. Schichtstoff nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Papierbahn (6) aus einer der in der folgenden Gruppe aufgeführten Fasern oder
einer Mischung solcher Fasern hergestellt ist: Cellulosefasern, Mineralfasern, Glasfasern,
Viskosefasern, Kohlenstofffasern, Fasern aus Kunststoff, insbesondere Aramidfasern.
4. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Papierbahn (6) ein Blattgewicht von 10 g/m2 bis 360 g/m2 aufweist.
5. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mindestens eine Papierbahn (6) ein Dekor aufweist.
6. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Schichtstoff (2) zwei oder mehr Papierbahnen (6) aufweist.
7. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Kunstharz (3) Melaminharz, Harnstoff-Formaldehydharz oder Phenol-Formaldehydharz,
eine Polyurethan-Dispersion, Wasserglas, eine Silanverbindung oder eine Mischung dieser
Kunstharze eingesetzt ist.
8. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass dem Kunstharz (3) Feststoff-Partikel, insbesondere Hartstoff-Partikel zugesetzt sind.
9. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Lackschicht (4) einen Glanzgrad von 90 GE oder mehr oder von 15 GE oder weniger
oder eine Anti-Fingerprint-Struktur aufweist.
10. Schichtstoff nach mindestens einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Schichtstoff (2) auf einen plattenförmigen Holzwerkstoff aufgebracht ist.
11. Verfahren zum Herstellen eines Schichtstoffs (2) zum Beschichten eines plattenförmigen
Holzwerkstoffs, mit den Schritten:
- Aufbringen von Kunstharz (3) auf eine Papierbahn (6)
- Aushärten des Kunstharzes (3)
- Aufbringen eines Lacks (4)
- Bearbeiten der Lackoberfläche (17) durch eine glatte oder durch eine strukturierte
Materialbahn (16) oder durch eine Walze
- Aushärten des Lacks (4).
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Papierbahn (6) nach dem Aufbringen des Kunstharzes (3) und/oder dem Aushärten
des Kunstharzes (3) auf die Papierbahn (6) geglättet wird.