[0001] Die Erfindung betrifft ein Flurförderzeug, insbesondere Gabelstapler, mit einem Rahmen,
einem Hubgerüst, welches zwischen zwei Endstellungen relativ zu dem Rahmen um eine
Neigachse vor- und zurückneigbar ist, einer Hubgerüstneigevorrichtung zur Einstellung
verschiedener Neigestellungen des Hubgerüstes und mit Neigungserfassungsmitteln zur
Bestimmung eines jeweiligen Neigungsmaßes des Hubgerüstes relativ zum Rahmen.
[0002] Derartige Flurförderzeuge sind in diversen Varianten im Einsatz. Sie dienen zum Heben,
Transportieren und Absenken von Lasten, z.B. beladenen Paletten. Als Lastaufnahmemittel
dient hierzu üblicherweise eine Lasttraggabel, die am Hubgerüst mittels einer Hubeinrichtung
auf- und abwärts bewegbar ist. Flurförderzeuge der hier betrachteten Art können z.B.
teleskopierbar ausfahrbare Hubgerüste aufweisen, mittels welcher die Lastaufnahmemittel
besonders hoch bewegt werden können, etwa um Paletten in obere Regalebenen von Hochregalanlagen
einzulagern oder daraus auszubringen. Andere Flurförderzeuge der hier betrachteten
Art können ein einfaches nicht-teleskopierbares Hubgerüst aus einem einzigen Ständerpaar
aufweisen. Bei den gattungsgemäßen Flurförderzeugen liegt jedoch ungeachtet der speziellen
Art des Hubgerüstes die Gemeinsamkeit vor, dass das Hubgerüst um eine üblicherweise
bodennahe Neigachse relativ zur Vertikalen vor- und zurück schwenkbar ist. Durch das
Neigen des Hubgerüstes wird auch die Ausrichtung der Lastaufnahmemittel, also z.B.
der Gabelzinken einer Lasttraggabel, relativ zur Horizontalen geändert. Dies ist bei
verschiedenen Einlagerungs- bzw. Auslagerungsvorgängen erforderlich oder zumindest
hilfreich und kann auch während des Transports mit dem fahrenden Flurförderzeug nützlich
sein, etwa wenn das Hubgerüst in Richtung Rahmen etwas zurückgeneigt ist, so dass
die Lastaufnahmemittel leicht schräg nach oben ausgerichtet sind. Auf diese Weise
ist die Gefahr des Abrutschens der Last von den Lastaufnahmemitteln, insbesondere
bei einem Bremsvorgang des Flurförderzeugs reduziert.
[0003] Für eine Bedienperson eines solchen gattungsgemäßen Flurförderzeugs ist es hilfreich,
wenn sie die Neigestellungen und die Neigebewegungen des Hubgerüstes gut kontrollieren
kann. Auch für automatisierte Vorgänge kann es wichtig sein, die Neigestellungen und
Neigebewegungen des Flurförderzeugs sensorisch zu überwachen. Hierzu dienen die Neigungserfassungsmittel.
Als Sensoren der Neigungserfassungsmittel werden bei bekannten Flurförderzeugen z.B.
Pendelanordnungen verwendet, welche eine unmittelbare Ablesung des Neigewinkels des
Hubgerüstes relativ zur Vertikalen ermöglichen. Auch Winkelgeber unmittelbar an der
Neigachse und elektrische Potentiometersensoren sind zum Einsatz gekommen.
[0004] Neigungserfassungsmittel mit derartigen Sensoren haben unterschiedliche Nachteile.
So zeigen Pendel-basierte Sensoren, Wasserwaagen-basierte Sensoren oder dgl. den Absolutwinkel,
den das Hubgerüst in seiner aktuellen Neigestellung relativ zur Vertikalen eingenommen
hat, nicht aber die Neigeausrichtung des Hubgerüstes relativ zum Rahmen des Flurförderzeugs.
Solche Neigungserfassungsmittel sind daher nicht gut geeignet für die Unterstützung
bestimmter automatisierter Neigefunktionen, etwa das Einstellen bestimmter Haltepositionen
oder die Reduzierung der Neigegeschwindigkeit bei Annäherung an eine Endlage im Sinne
einer Endlagendämpfung. Winkelgeber und Potentiometersensoren haben den Nachteil,
dass sie eine oft komplizierte Montage erfordern und verschleißanfällig sind.
[0005] Aus der
WO 93 / 17 952 A1 ist eine Vorrichtung zur Zentrierung eines Mastes bzw. eines Hubgerüstes bekannt,
welche anzeigt, wann das Hubgerüst bezogen auf das restliche Flurförderzeug in einer
Zentralposition bzw. einer unausgelenkten Position ist.
[0006] Aus der
US 2008 / 0 202 856 A1 ist eine Vorrichtung zur Messung des Abstandes des Hubgerüstes von einem Punkt am
Dach des Flurförderzeugs offenbart, um festzustellen, ob das Hubgerüst in einer aufrechten
Position ist.
[0007] Aus der
DE 44 40 604 A1 ist eine Vorrichtung zum Anzeigen eines Neigungswinkels eines Hubgerüstes gegenüber
der Schwerkraftrichtung bekannt, die einen am Hubgerüst angeordneten Winkelsensor,
der eine Drehwaage umfasst, nutzt. Die Druckschrift schlägt ferner vor, den Relativwinkel
zum Flurförderzeug zu bestimmen, Ferner wird vorgeschlagen, bei Positionierung des
Flurförderzeugs an einer geneigten Fläche die relative Neigung gegenüber dem restlichen
Flurförderzeug zu bestimmen, indem die absolute Neigung in einer unausgelenkten Position
des Hubgerüstes bestimmt wird und auf dieser Grundlage aus einem aktuellen absoluten
Neigungswinkel der aktuelle relative Neigungswinkel berechnet wird. Die Drehwaage
erfordert bei Änderungen der Neigung des Hubgerüst und/oder des Flurförderzeugs eine
gewisse Zeit zum Einschwingen, was die Präzision und Schnelligkeit der Messung verringert.
Gleichzeitig erfordert die Bestimmung des relativen Neigungswinkels das Messen des
absoluten Neigungswinkels in einer unausgelenkten Position, was insbesondere bei vielfacher
Änderung der Neigung des Untergrunds schwierig ist. Sowohl die Eichung anhand der
unausgelenkten Position als auch die Einschwingzeit wirken sich noch erheblich nachteiliger
aus, wenn eine schwere Last transportiert wird.
[0008] Aus der
WO 96 / 06 795 A1 ist ein Flurförderzeug gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bekannt, bei welchem
der relative Neigungswinkel durch einen Abstandssensor gemessen wird. Hierbei ist
allerdings keine Messung des absoluten Neigungswinkels vorgesehen.
[0009] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Flurförderzeug der Eingangs
genannten Art mit einer verbesserten Hubgerüstneigungserfassung bereitzustellen, insbesondere
eine präzise, aber technisch einfach realisierte Messung/Bestimmung sowohl des relativen
als auch des absoluten Neigungswinkels, ohne dass eine Kalibrierung beispielsweise
in der unausgelenkten Position erforderlich ist.
[0010] Zur Lösung dieser Aufgabe ist das erfindungsgemäße Flurförderzeug mit den Merkmalen
gemäß Anspruch 1 ausgestattet, so dass es einen Rahmen, ein Hubgerüst, welches zwischen
zwei Endstellungen relativ zu dem Rahmen um eine Neigachse vor- und zurückneigbar
ist, eine Hubgerüstneigevorrichtung zur Einstellung verschiedener Neigestellungen
des Hubgerüstes und Neigungserfassungsmittel zur Bestimmung eines jeweiligen Neigungsmaßes
des Hubgerüstes relativ zum Rahmen aufweist und die Neigungserfassungsmittel wenigstens
einen rahmenfest oder/und wenigstens einen hubgerüstfest angeordneten Abstandssensor
umfassen, welcher dazu eingerichtet ist, einen sich beim Neigen des Hubgerüstes verändernden
Abstand zwischen einer definierten rahmenfesten Stelle und einer definierten hubgerüstfesten
Stelle des Flurförderzeugs berührungslos zu überwachen und ein von diesem Abstand
abhängiges Messsignal bereitzustellen, wobei das erfindungsgemäße Flurförderzeug dadurch
gekennzeichnet ist, dass das Flurförderzeug ferner eine elektronische Auswerteeinrichtung
umfasst, die eine Anzeigeeinrichtung umfasst und mit den Neigungserfassungsmitteln
in Datenübertragungsverbindung steht, und die dazu eingerichtet ist, das Messsignal
des Abstandssensors zu empfangen, auszuwerten und die entsprechend ausgewerteten Daten
graphisch oder/und akustisch oder/und haptisch-vibratorisch mittels der Anzeigeeinrichtung
als Maß für die Hubgerüstneigung anzuzeigen, wobei das Flurförderzeug ferner eine
Lageerfassungseinrichtung umfasst, die dazu eingerichtet ist, etwaige Schrägstellungen
des Flurförderzeugs relativ zur Horizontalen zu erfassen und betreffende Messsignale
an die Auswerteeinrichtung abzugeben, wobei die Auswerteeinrichtung dazu eingerichtet
ist, Informationen der Lageerfassungseinrichtung über die Ausrichtung des Flurförderzeugs
relativ zur Horizontalen in Kombination mit Informationen der Neigungserfassungsmittel
bzw. -einrichtung über die Neigungsstellung des Hubgerüstes relativ zum Rahmen auszuwerten,
um Daten zur Anzeige der Absolutausrichtung des Hubgerüstes relativ zur Vertikalen
bereitzustellen.
[0011] Bei der erfindungsgemäßen Lösung können die Neigungserfassungsmittel jeweilige Neigestellungen
des Hubgerüstes relativ zum Rahmen überwachen, so dass das von dem Abstandssensor
gelieferte Messsignal auch dann ein korrektes Maß für diese Neigestellung liefert,
wenn das Flurförderzeug schräg bzw. auf einer Rampe steht. Hinzu kommt, dass der berührungslose
Abstandssensor keinem nennenswerten Verschleiß unterliegt. Ein berührungsloser Abstandssensor
ist auf einfache Weise an einem Flurförderzeug zu montieren, so dass er auch leicht
bei einem schon vorhandenen Flurförderzeug als Nachrüstoption infrage kommt. Bevorzugt
wird der berührungslose Abstandssensor an einer rahmenfesten Stelle, also z.B. unmittelbar
am Rahmen, befestigt, so dass bei den Neigebewegungen des Hubgerüstes der Abstandssensor
nicht mitbewegt werden muss. Dies schont bei leitungsgebundenen Abstandssensoren die
Stromversorgungs- und Signalkabel. Vorzugsweise hat der Anbringungsort des berührungslosen
Abstandssensors nur einen relativ kleinen radialen Abstand zur Neigachse, so dass
der zu überwachende Abstand zwischen den Endstellungen des Hubgerüstes möglichst kleiner
50 mm, vorzugsweise kleiner 10 mm ist.
[0012] Es existieren diverse berührungslos messende Abstandssensoren, die innerhalb derartig
kleiner Distanzen hinreichend hochauflösende Messergebnisse liefern. Hierzu zählen
als bevorzugt im Rahmen der Erfindung verwendete Abstandssensoren induktive Abstandssensoren
und kapazitive Abstandssensoren.
[0013] Im Rahmen der Erfindung können jedoch auch Ultraschallsenoren oder optoelektronische
Sensoren zum Einsatz kommen, wobei Letztere jedoch derzeit mit Nachteilen bezüglich
Verschmutzung, Bauraum und mit einem höheren Kostenaufwand verbunden sind.
[0014] Bevorzugt erfolgt die Anzeige der ausgewerteten Daten durch die Auswerteeinrichtung
graphisch an einem Display der Anzeigeeinrichtung im Sichtbereich des Fahrerplatzes
des Flurförderzeugs. Denkbar sind auch akustische Signale, die ausgelöst werden, wenn
das Hubgerüst in bestimmte Neigestellungen einrückt, etwa in die Vertikalstellung
oder eine Endstellung. Eine haptisch-vibratorische Anzeige kann z.B. realisiert werden,
indem das Bedienelement, mit dem die Bedienperson des Flurförderzeugs die Neigbewegungen
des Hubgerüstes auslöst und steuert, zum Vibrieren angeregt wird, wenn das Hubgerüst
in solche bestimmten Neigungsstellungen einrückt.
[0015] Aus Sicherheitsgründen können mehrere, z.B. zwei redundante Abstandssensoren zur
Überwachung der Neigeoperationen des Hubgerüstes in der vorstehend beschriebenen Art
vorgesehen sein.
[0016] Das System aus Abstandssensor(en) und elektronischer Auswerteeinrichtung sollte dazu
eingerichtet sein, Sensorstörungen, wie Kurzschlüsse oder Kabelbrüche, zu erkennen.
[0017] Vorteilhaft an dem erfindungsgemäßen Flurförderzeug ist das einerseits eine Messung
des relativen Winkelwertes des Hubgerüstes erfolgen kann, während sich gleichzeitig
der absolute Winkelwert des Hubgerüstes aus dem relativen Winkelwert sowie der Ausrichtung
des Flurförderzeugs einfach bestimmen lässt, Andererseits erfolgt dies ohne Präzisions-
und Zeitverlust ständig und insbesondere ist eine Eichung an einer unausgelenkten
Position nicht erforderlich. Damit ist insbesondere der Nachteil bisheriger Systeme
überwunden, dass Änderungen der Neigung des Untergrunds beim Bewegen des Flurförderzeugs
bisher erheblich die Winkelmessungen beeinflussten, während bei vorliegender Erfindung
ein solcher Einfluss erheblich gerin ger oder gar nicht mehr vorhanden ist. Somit
ist beim erfindungsgemäßen Flurförderzeug die Messung von sowohl relativen als auch
absoluten Winkelwert des Hubgerüstes konstruktiv einfacher und gleichzeitig zuverlässiger
realisiert als dies bei bisherigen Systemen oder Kombinationen bisheriger Systeme
erfolgen konnte. Insbesondere können schwere Lasten leichter transportiert werden,
ohne dass die Winkelmessungen bei Neigungsänderungen des Untergrundes erheblich unpräziser
werden.
[0018] Ferner sollte die elektronische Auswerteeinrichtung dazu eingerichtet sein, bei Erreichen
wenigstens einer vorbestimmten Neigungsstellung des Hubgerüstes oder/und bei Annäherung
des Hubgerüstes an eine solche vorbestimmte Neigungsstellung dieses in spezifischer
Weise hervorgehoben anzuzeigen. Bei den vorbestimmten Neigungsstellungen kann es sich
z.B. um die neutrale Vertikalstellung des Hubgerüstes und/oder um eine jeweilige Endlage
des Hubgerüstes handeln. Eine in spezifischer Weise hervorgehobene Anzeige kann z.B.
darin bestehen, dass auf einem Display ein auffälliger Farbwechsel stattfindet. Gemäß
einer Ausführungsform der Erfindung erfolgt die Displaydarstellung dadurch, dass ein
stilisiertes Hubgerüst in den betreffenden verschiedenen Neigestellungen des realen
Hubgerüstes auf dem Display dargestellt wird. Bei Erreichen der Vertikalstellung oder
der Mittelstellung des Hubgerüstes zwischen den Endstellungen wird das Hubgerüst auf
dem Display in einer anderen Farbe dargestellt als in den übrigen Neigestellungen.
Entsprechendes geschieht vorzugsweise bei Annäherung des Hubgerüstes an eine der Endstellungen.
[0019] Gemäß einer Weiterbildung der Erfindung ist zur Steuerung der Hubgerüstneigevorrichtung
eine mit der elektronischen Auswerteeinrichtung kommunizierende Steuereinrichtung
vorgesehen, die bei Erreichen wenigstens einer vorbestimmten Neigungsstellung des
Hubgerüstes oder/und bei Annäherung des Hubgerüstes an eine solche vorbestimmte Neigungsstellung
eine spezifische Reaktion der Hubgerüstneigevorrichtung auslöst. Die spezifische Reaktion
kann gemäß einer Variante der Erfindung darin bestehen, dass die Hubgerüstneigevorrichtung
das Hubgerüst in der vorbestimmten Neigestellung, etwa in der neutralen Vertikalstellung
bzw. in der Mittelstellung des Hubmastes zwischen den beiden Endstellungen stoppt.
[0020] Weiterhin wird vorgeschlagen, dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, die
Hubgerüstneigevorrichtung so zu steuern, dass diese bei Annäherung des Hubgerüstes
an eine der Endstellungen die Geschwindigkeit der Neigebewegung des Hubgerüstes nach
und nach, vorzugsweise in linearer Weise in Abhängigkeit vom Abstand der aktuellen
Neigestellung des Hubgerüstes zu der betreffenden Endstellung reduziert. Hierbei handelt
es sich um einen sog. Endlagendämpfungsvorgang. Als Hubgerüstneigevorrichtung kommt
z.B. wenigstens ein hydraulischer Neigezylinder infrage. Hydraulikzylinder als Neigeantriebe
sind im Stand der Technik in diversen Ausgestaltungen und Anordnungen bekannt und
bedürfen für den Fachmann keiner näheren Erläuterung mehr. Die Geschwindigkeitsreduzierung
bei Annäherung des Hubgerüstes an eine der Endlagen wird durch entsprechende Steuerung
der hydraulischen Beaufschlagung des wenigstens einen Neigezylinders bewirkt.
[0021] Die Lageerfassungseinrichtung kann einen sog. Inklinometer umfassen, der in Form
einer elektrischen Wasserwaage die absolute horizontale Position erkennen kann. Auch
Beschleunigungssensoren können zur Erfassung der Gesamtausrichtung des Flurförderzeugs
relativ zum Lot verwendet werden. Die mit einer Lageerfassungseinrichtung ausgestattete
Ausführungsform der Erfindung ermöglicht somit das Einstellen gewünschter Absolutausrichtungen
des Hubgerüstes und der daran angeordneten Lasttragmittel, so z.B. das automatische
Einstellen der Horizontalausrichtung der Gabelzinken einer Lasttraggabel.
[0022] Die Ausführungsform, bei der der berührungslose Abstandssensor nur einen relativ
kleinen radialen Abstand zur Neigachse aufweist, so dass der zu überwachende Abstand
zwischen den Endstellungen des Hubgerüstes kleiner 50 mm, vorzugsweise kleiner 10
mm ist, ist insbesondere vorteilhaft, da so der Sensor besser vor Schäden und Verschmutzung
geschützt ist.
[0023] In einer anderen, aber auch mit der vorherigen kombinierbaren Ausführungsform ist
der Abstandssensor näher an der Neigachse angeordnet als ein hydraulischer Neigezylinder
zum Vorwärtsneigen und Rückwärtsneigen des Hubgerüstes. Dadurch ist der Abstandssensor
besonders geschützt, da vor allem Gegenstände, die den Abstandssensor beschädigen
könnten, viel eher nur mit dem im Vergleich erheblich unempfindlicheren hydraulischen
Neigezylinder kollidieren.
[0024] Die Erfindung wird nachstehend unter Bezugnahme der Figuren näher erläutert.
- Figur 1
- zeigt ein Ausführungsbeispiel eines Flurförderzeugs nach der Erfindung in einer Seitenansicht.
- Figur 2
- zeigt einen Rahmenabschnitt des Flurförderzeugs aus Figur 1 in einer isolierten Darstellung
mit dem daran angeordneten Hubgerüst, wobei das Hubgerüst in seinen beiden Neigungsendstellungen
dargestellt ist.
- Figur 3
- zeigt ein in Figur 2 mit B gekennzeichnetes Detail, welches den berührungslosen Abstandssensor
umfasst.
[0025] Bei dem Flurförderzeug gemäß Figur 1 handelt es sich um einen Gabelstapler, der auf
seinem durch Räder 2 am Boden abgestützten Chassis 4 eine Fahrerkabine 6 trägt. In
der Fahrerkabine ist ein Fahrerplatz 8 vorgesehen, von dem aus eine Bedienungsperson
diverse Bedienelemente 10 zur Steuerung der Fahr-, Neige- und Hubfunktionen des Staplers
bedienen kann. Das Chassis 4 umfasst einen Rahmenabschnitt 12, wie er in Figur 2 zu
erkennen ist. An diesem Rahmenabschnitt 12 ist das Hubgerüst 14 angelenkt, so dass
es um eine quer zur Geradeausfahrtrichtung des Gabelstaplers nahe dem unteren Ende
des Rahmenabschnitts 12 und des Hubgerüstes 14 verlaufende Neigachse 16 zurück- und
vorneigbar ist. In Figur 2 ist das Hubgerüst in seiner zurückgeneigten Endstellung
mit durchgezogenen Linien dargestellt, wohingegen es in seiner vorgeneigten Endstellung
mit Strichpunktlinien eingezeichnet ist.
[0026] Die Neigebewegungen des Hubgerüstes werden mittels einer Hubgerüstneigevorrichtung
in Form von hydraulischen Neigezylindern durchgeführt, die in Figur 2 nicht eingezeichnet
sind. In Figur 2 sind allerdings die Anlenkaugen 18, 20 erkennbar, an denen ein hydraulischer
Neigezylinder mit seinen entgegengesetzten Enden anzubringen ist. Ein Ausfahren der
Kolbenstange eines solchen Neigezylinders führt dann zum Vorwärtsneigen des Hubgerüstes
14 (im Uhrzeigersinn gemäß Figur 2), wohingegen das Einziehen der Kolbenstange des
hydraulischen Neigezylinders zum Rückwärtsneigen des Hubgerüstes 14 (entgegen dem
Uhrzeigersinn in Figur 2) führt. Die Neigezylinder sind in an sich bekannter Weise
hydraulisch steuerbar.
[0027] An dem Hubgerüst 14 ist als Lastaufnahmemittel eine Lasttraggabel 22 auf- und abwärts
bewegbar. Als Hubantrieb kommt vorzugsweise ein hydraulischer Hubzylinder infrage,
wie dies ebenfalls an sich aus dem Stand der Technik bekannt ist. In Figur 1 ist die
Lasttraggabel 22 in ihrer untersten Stellung bei in Mittelstellung zwischen den beiden
Neigeendstellungen befindlichem Hubgerüst 14 gezeigt. Die Gabelzinken 24 der Lasttraggabel
22 sind in dieser Stellung horizontal ausgerichtet, wenn das Flurförderzeug auf horizontalem
ebenem Boden steht. Beim Zurückneigen bzw. beim Vorneigen des Hubgerüstes ändert sich
in entsprechender Weise auch die Ausrichtung der Gabel 24 relativ zur Horizontalen.
[0028] Zur Erfassung eines jeweiligen Neigungsmaßes des Hubgerüstes 14 relativ zum Rahmenabschnitt
12 ist ein berührungsloser Abstandssensor 26 mittels eines Halterungsbleches 28 so
an dem Rahmenabschnitt 12 befestigt, dass er mit seiner definierten Vorderseite 30
einem rückwärtigen Flächenabschnitt 32 des Hubgerüstes 14 gegenüberliegt. Die Vorderseite
30 des Abstandssensors stellt somit eine definierte rahmenfeste Stelle dar, wohingegen
der Flächenabschnitt 32 des Hubgerüstes eine hubgerüstfeste Stelle darstellt. Wie
aus Figur 3 gut zu ersehen ist, befindet sich der berührungslose Abstandssensor 26
mit seiner Vorderseite 30 relativ nahe an der Neigachse 16, so dass der rückwärtige
Flächenabschnitt 32 des Hubgerüstes 14 bei dessen Übergang von der rückwärtig geneigten
Endstellung zur vorwärts geneigten Endstellung eine Distanz L2 von ca. 6 mm überwindet.
Der Abstandssensor oder Näherungssensor 26 ist im Beispielsfall ein induktiver Sensor,
der den genutzten Abstandsmessbereich in einem Spannungsmessbereich von z.B. 0,5 bis
4,5 V umsetzen kann. Der Abstandssensor 26 ist an einer geschützten Stelle angebracht,
an der im normalen Staplerbetrieb wenig mechanische Verformung an dem Rahmenabschnitt
12 und auch an dem Hubgerüst 14 zu erwarten ist. Ein nur beispielsweise bei 31 in
Figur 1 eingezeichnete Auswerteeinrichtung erhält das elektrische Messsignal von dem
Abstandssensor 26 und wertet dieses aus, um auf einem Display 33 das jeweilige Neigungsmaß
des Hubgerüstes 14 entsprechend der ausgewerteten Signale darstellen zu können. Eine
mit der elektronischen Auswerteeinrichtung 31 kommunizierende Steuereinrichtung (nicht
gezeigt) kann die hydraulische Versorgung der Neigezylinder so steuern, dass sie auf
einen entsprechenden Bedienungsbefehl hin das Hubgerüst 14 in die in Figur 1 gezeigte
Neutralstellung bewegen und dann stoppen. In dieser Neutralstellung ist das Hubgerüst
14 vertikal - und sind die Gabelzinken 24 horizontal ausgerichtet, sofern der Stapler
auf horizontalem Boden steht.
[0029] Nicht eingezeichnet in den Figuren ist eine Lageerfassungseinrichtung, die etwaige
Schrägstellungen des Flurförderzeugs relativ zur Horizontalen erfasst und betreffende
Messsignale an die Auswerteeinrichtung 31 abgibt. Damit kann die Auswerteeinrichtung
31 Informationen der Lageerfassungseinrichtung über die Ausrichtung des Gabelstaplers
relativ zur Horizontalen in Kombination mit Informationen der Neigungserfassungseinrichtung
über die Neigungsstellung des Hubgerüstes 14 relativ zum Rahmen 12 auswerten, um Daten
zur Anzeige der Absolutausrichtung des Hubgerüstes 14 relativ zur Vertikalen bereitzustellen.
Damit ist es auch möglich, die Gabelzinken 24 automatisch absolut horizontal auszurichten,
wenn der Stapler mit seinen Rädern 2 auf einer Schräge, etwa einer Rampe, aufsteht.
[0030] Die Auswerteeinrichtung 31 umfasst einen elektronischen Controller mit einem Speicher,
in dem Stützstellen von bestimmten Messsignalwerten des Abstandssensors 26 in Zuordnung
zu bestimmten Neigungswinkeleinstellungen des Hubgerüstes 14 abgespeichert sind. Diese
Stützstellen sind zuvor durch Teach-in-Messungen definiert worden, bei denen bestimmte
Neigungswinkelwerte des Hubgerüstes 14 relativ zum Rahmen 12 mittels einer unabhängigen
Winkelmessmethode gemessen und die dabei vom Abstandssensor 26 gelieferten Messspannungswerte
erfasst und den betreffenden Winkelwerten zugeordnet sowie in der entsprechenden Zuordnung
abgespeichert wurden. Zwischenwerte zwischen solchen abgespeicherten Stützstellen
werden durch Interpolation ausgewertet. Die entsprechende Programme liegen in der
Auswerteeinrichtung 31 vor.
[0031] Ferner kann der Gabelstapler mit einer sog. Endlagendämpfung bei der Neigungsverstellung
ausgestattet sein, wobei eine die Neigezylinder steuernde Steuereinrichtung die Neigegeschwindigkeit
reduziert, wenn das Hubgerüst 14 sich einer der in Figur 2 angedeuteten Endlagen z.B.
ab einem bestimmten Näherungswinkel nähert. Die dazu erforderlichen Informationen
über die aktuelle Neigungsstellung erhält die Auswerteeinrichtung 31 und die damit
kommunizierende Steuereinrichtung (nicht gezeigt) von dem berührungslosen Abstandssensor
26.
[0032] Die kennzeichnende Lösung des erfindungsgemäßen Flurförderzeugs ist mit sehr einfachen
Mitteln preiswert realisierbar und liefert zuverlässige und störunanfällige Ergebnisse.
1. Flurförderzeug mit einem Rahmen (12), einem Hubgerüst (14), welches zwischen zwei
Endstellungen relativ zu dem Rahmen (12) um eine Neigachse (16) vor- und zurückneigbar
ist, einer Hubgerüstneigevorrichtung zur Einstellung verschiedener Neigestellungen
des Hubgerüstes (14) und mit Neigungserfassungsmitteln (26, 32) zur Bestimmung eines
jeweiligen Neigungsmaßes des Hubgerüstes (14) relativ zum Rahmen (12),wobei die Neigungserfassungsmittel
(26, 32) wenigstens einen rahmenfest oder/und wenigstens einen hubgerüstfest angeordneten
Abstandssensor (26) umfassen, welcher dazu eingerichtet ist, einen sich beim Neigen
des Hubgerüstes (14) verändernden Abstand zwischen einer definierten rahmenfesten
Stelle (30) und einer definierten hubgerüstfesten Stelle (32) des Flurförderzeugs
berührungslos zu überwachen und ein von diesem Abstand abhängiges Messsignal bereitzustellen,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Flurförderzeug ferner eine elektronische Auswerteeinrichtung (31) umfasst, die
eine Anzeigeeinrichtung (33) umfasst und mit den Neigungserfassungsmitteln (26, 32)
in Datenübertragungsverbindung steht, und die dazu eingerichtet ist, das Messsignal
des Abstandssensors (26) zu empfangen, auszuwerten und die entsprechend ausgewerteten
Daten graphisch oder/und akustisch oder/und haptisch-vibratorisch mittels der Anzeigeeinrichtung
(33) als Maß für die Hubgerüstneigung anzuzeigen,
wobei das Flurförderzeug ferner eine Lageerfassungseinrichtung umfasst, die dazu eingerichtet
ist, etwaige Schrägstellungen des Flurförderzeugs relativ zur Horizontalen zu erfassen
und betreffende Messsignale an die Auswerteeinrichtung (31) abzugeben, wobei die Auswerteeinrichtung
(31) dazu eingerichtet ist, Informationen der Lageerfassungseinrichtung über die Ausrichtung
des Flurförderzeugs relativ zur Horizontalen in Kombination mit Informationen der
Neigungserfassungsmittel (26, 32) über die Neigungsstellung des Hubgerüstes (14) relativ
zum Rahmen (12) auszuwerten, um Daten zur Anzeige der Absolutausrichtung des Hubgerüstes
relativ zur Vertikalen bereitzustellen
2. Flurförderzeug nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Abstandssensor (26) ausgewählt ist aus der Gruppe der folgenden
berührungslos funktionierenden Sensoren:
- induktiver Abstandssensor;
- kapazitiver Abstandssensor;
- Ultraschallsenor;
- optoelektronischer Sensor.
3. Flurförderzeug nach einem der vorher gehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der wenigstens eine Abstandssensor (26) neigachsennah so angeordnet ist, dass der
von ihm überwachte und sich beim Neigen des Hubgerüstes (14) ändernde Abstand zwischen
der definierten rahmenfesten Stelle (30) und der definierten hubgerüstfesten Stelle
(32) des Flurförderzeugs in einem Bereich kleiner 50 mm, vorzugsweise kleiner 10 mm,
variiert, wenn das Hubgerüst (14) zwischen den Endstellungen um die Neigachse (16)
verschwenkt wird.
4. Flurförderzeug nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Neigungserfassungsmittel (26, 32) mehrere mit der elektronischen Auswerteeinrichtung
(31) in Datenübertragungsverbindung stehende Abstandssensoren aufweisen, die dazu
eingerichtet sind, einen jeweiligen Abstand zwischen einer definierten rahmenfesten
Stelle und einer definierten hubgerüstfesten Stelle des Flurförderzeugs berührungslos
zu überwachen und ein von diesem Abstand abhängiges Messsignal zur Auswertung durch
die elektronische Auswerteeinrichtung (31) bereitzustellen.
5. Flurförderzeug nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die elektronische Auswerteeinrichtung (31) dazu eingerichtet ist, bei Erreichen wenigstens
einer vorbestimmten Neigungsstellung des Hubgerüstes (14) oder/und bei Annäherung
des Hubgerüstes (14) an eine solche vorbestimmte Neigungsstellung dieses in spezifischer
Weise hervorgehoben anzuzeigen.
6. Flurförderzeug nach einem der vorher gehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zur Steuerung der Hubgerüstneigevorrichtung eine mit der elektronischen Auswerteeinrichtung
(31) kommunizierende Steuereinrichtung vorgesehen ist, welche dazu eingerichtet ist,
bei Erreichen wenigstens einer vorbestimmten Neigungsstellung des Hubgerüstes (14)
oder/und bei Annäherung des Hubgerüstes (14) an eine solche vorbestimmte Neigungsstellung
eine spezifische Reaktion der Hubgerüstneigevorrichtung auszulösen.
7. Flurförderzeug nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die spezifische Reaktion darin besteht, dass die Hubgerüstneigevorrichtung das Hubgerüst
(14) in der vorbestimmten Neigestellung stoppt.
8. Flurförderzeug nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die vorbestimmte Neigestellung eine Mittelstellung des Hubgerüstes zwischen den beiden
Endstellungen ist.
9. Flurförderzeug nach Anspruch 6, 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Steuereinrichtung dazu eingerichtet ist, die Hubgerüstneigevorrichtung so zu
steuern, dass diese bei Annäherung des Hubgerüstes (14) an eine der Endstellungen
die Geschwindigkeit der Neigebewegung des Hubgerüstes (14) nach und nach, vorzugsweise
in linearer Weise in Abhängigkeit vom Abstand der aktuellen Neigestellung des Hubgerüstes
(14) zu der betreffenden Endstellung reduziert.
10. Flurförderzeug nach einem der vorher gehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der berührungslose Abstandssensor (26) nur einen relativ kleinen radialen Abstand
zur Neigachse (16) aufweist, so dass der zu überwachende Abstand zwischen den Endstellungen
des Hubgerüstes (14) kleiner 50 mm, vorzugsweise kleiner 10 mm ist.
11. Flurförderzeug nach einem der vorher gehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Abstandssensor (26) näher an der Neigachse (16) angeordnet ist als ein hydraulischer
Neigezylinder zum Vorwärtsneigen und Rückwärtsneigen des Hubgerüstes (14).