[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung und simultanen Dekorbeschichtung
einer Holzwerkstoffplatte, insbesondere in Form eines Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs
nach Anspruch 1.
Beschreibung
[0002] Die Verwendung von Holzwerkstoffplatten, z.B. in Form von Holzfaserplatten in unterschiedlichen
Ausgestaltungen zur Verwendung als Laminatboden oder zur Verkleidung von Wänden oder
auch bei der Herstellung von Möbeln ist seit langem bekannt. So werden beispielsweise
Holzfaserplatten in Form von mitteldichten Holzfaserplatten (MDF-Platten) oder hochdichten
Holzfaserplatten (HDF-Platten) verwendet, welche durch Verpressen entsprechender Holzfasern
oder Späne mit einem duroplastischen Kunststoffharz als Bindemittel gewonnen werden.
[0003] Ein besonderes Problem bei der Verwendung der genannten Holzfaserplatten besteht
in der Empfindlichkeit der eingesetzten Holzfasern oder Holzspäne gegenüber hohen
Luftfeuchten und direktem Wasserkontakt. Während dieses Problem bei Möbeln oder Produkten
für den Innenausbau durch konstruktive oder technologische Maßnahmen relativ leicht
beherrscht werden kann, ist dies bei Bodenbelägen z.B. Fussbodenlaminaten auf der
Basis von Holz oder Holzwerkstoffen häufig deutlich problematischer.
[0004] Bodenbeläge auf der Basis von Holz oder Holzwerkstoffplatten wie Laminatböden oder
Parkett reagieren auf Wasserkontakt schnell mit Quellungen und/oder Dimensionsänderungen.
Dies wird u.a. durch Einwirkungen von Pflegemitteln auf Wasserbasis hervorgerufen,
welche teilweise sehr häufig und sehr intensiv verwendet werden. Auch können hohe
Luftfeuchten vergleichbare Prozesse auslösen. Darüber hinaus steht der Bodenbelag
typischerweise auch in einem direkten Kontakt mit den Gebäudeteilen wie z.B. Betondecken/Estrich
oder Wänden, die ebenfalls Feuchtigkeit in dem Bodenbelag transportieren können. Aus
diesem Grund wird bei der Herstellung der obengenannten Holzwerkstoffprodukte auf
quellarme Hölzer oder Holzwerkstoffe zurückgegriffen, was zwar die beschriebenen Probleme
mindern, aber nicht gänzlich verhindern kann. Teilweise kommen auch anorganische Trägerplatten
zur Herstellung von Produkten mit Holzoberflächen zum Einsatz, wobei es hier zu Verklebungs-,
Bearbeitungs- oder Verlegeproblemen kommen kann.
[0005] Als Alternative zur Verwendung von Laminatböden mit dem genannten Quellungsproblem
wurden in der Vergangenheit zunehmend Fußbodenbeläge auf Basis von Polyvinylchlorid
(PVC) eingesetzt, die ein sehr geringes bis gar keine Quellung aufweisen. Nachteilig
bei der Verwendung von PVC-Fußböden ist allerdings deren hohe Kratzanfälligkeit und
Kriechneigung, was insbesondere in hochfrequentierten Bereichen (wie z.B. Verkaufsbereichen)
zu einer schnellen Abnutzung und Unansehnlichkeit des Fußbodenbelages führt.
[0006] Aus diesen Gründen hat man in der Vergangenheit häufig sogenannte Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe
(wood-plastic-composites, WPC) als Trägermaterialien für Holzprodukte verwendet. Diese
Trägermaterialien besitzen eine sehr geringe Quellung von weniger als 3% und eine
hohe Dimensionsstabilität.
[0007] WPCs sind Verbundwerkstoffe auf der Basis von Holzmehl oder Holzspänen und thermoplastischen
Kunststoffen, welchen ggf. noch weitere Additive zugesetzt werden können. Die Gemische
aus Holzfasern und Thermoplasten werden aufgeschmolzen und zu Agglomeraten verarbeitet.
Im weiteren Herstellungsprozess werden die Agglomerate in Extrudern aufgeschmolzen
und zu relativ kleinformatigen Platten verarbeitet. Die Breite der Platten liegt hierbei
meist in einem Bereich von weniger als einem Meter bedingt durch den Herstellungsprozess
in einem Extruder. Auch liegt die Produktivität pro Stunde in einem niedrigen einstelligen
Quadratmeterbereich, so dass die Kombination aus niedriger Produktivität und begrenzter
Plattengröße relativ hohe Kosten der so hergestellten WPC-Platten begründet. Meist
werden die Produkte nur im Endlosverfahren in den entsprechenden Breiten produziert
und auf die benötigte Länge getrennt.
[0008] Bei einem neueren Verfahren (
WO 2014111192 A1) werden die Agglomerate homogen auf ein Band gestreut, in einer Doppelband-Presse
zu einer Platte gepresst und abgekühlt.
[0009] Die WPC-Produkte besitzen eine niedrige Quellung, lassen sich wie Holz bearbeiten
und sind sehr witterungsstabil. Im Außenbereich ist es üblicherweise ausreichend,
wenn die Elemente einfarbig (meist braun) sind. Damit wird sich an die Holzprodukte
angelehnt, die die WPC-Produkte substituieren sollen.
[0010] In den letzten Jahren ist aber auch vermehrt über eine Verwendung dieser WPC-Platten/-
Elemente im Innenbereich nachgedacht. Ein wichtiger Anwendungsbereich ist dabei der
Fußboden, wo es ebenfalls auf eine hohe Stabilität gegenüber Feuchtigkeit und Wasser
ankommt. Allerdings werden im Bodenbelagsbereich normalerweise Produkte mit einer
dekorierten Oberfläche verwendet. Aus diesem Grund müssen die unifarbenen WPC-Platten
bzw. WPC-Elemente mit den üblichen Methoden (lackieren, bedrucken, folieren, Kurztaktbeschichten
usw.) dekoriert werden.
[0011] Dem Dekorierungsvorgang steht aber das Problem der relativ kleinen Formate gegenüber.
Dies bedeutet, dass die kleinformatigen WPC-Platten in der Regel nicht auf den vorhandenen
Anlagen verarbeitet werden können. Selbst die, nach dem in der
WO 2014111192 A1 beschriebenen Verfahren produzierten Platten sind vom Format her nur etwa einen Meter
breit. Damit wird das Standardformat, das in der Holzwerkstoff-Industrie eingesetzt
wird (2,07 m Breite), deutlich unterschritten.
[0012] Entsprechend ergeben sich hieraus die Nachteile einer niedrigen Produktivität, begrenzten
Plattengröße und einem somit teuren Verfahren aufgrund notwendiger zusätzlicher Arbeitsschritte
und eines zusätzlichen Maschinenbedarfs.
[0013] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die technische Aufgabe zugrunde, die beschriebenen
Nachteile zu beheben und ein Verfahren zur Verfügung stellen, das wenigstens für einen
Teil der Dekorierungsverfahren eine deutlich einfachere und billigere Produktion ermöglicht.
Dabei soll, wenn möglich ein Verfahrensschritt eingespart werden.
[0014] Diese Aufgabe wird mit einem Verfahren zur Herstellung von Holzwerkstoffplatten nach
Anspruch 1 insbesondere dadurch gelöst, dass das Aufbringen mindestens einer Dekorlage
auf mindestens die Oberfläche bereits während der Herstellung der WPC-Platten erfolgt.
[0015] Entsprechend wird ein Verfahren zur Herstellung einer Holzwerkstoffplatte, insbesondere
in Form eines Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs, bereitgestellt, welche die folgenden
Schritte umfasst:
- Aufbringen eines Gemisches aus Holzpartikeln und Kunststoff auf ein erstes Transportband
unter Ausbildung eines Vorvlieses und Einführen des Vorvlieses in mindestens einen
ersten Temperofen zum Vorverdichten;
- Überführen des vorverdichteten Vorvlieses in mindestens eine Doppelbandpresse unter
simultanem Auftragen mindestens einer Dekorlage mindestens auf der Oberseite des Vorvlieses;
- weiteres Verdichten des vorverdichteten Vorvlieses zu einer Platte aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff;
und
- Abkühlen der verdichteten Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff in mindestens
einer Kühlpresse.
[0016] Es wird demnach ein mehrstufiger Prozess, insbesondere ein dreistufiger Prozess bereitgestellt,
in welchem zunächst aus einem Gemisch von Holzpartikeln, z.B. in Form von Holzfasern,
und Kunststoffen, insbesondere thermoplastischen Kunststoffen, ein Vorvlies bzw. eine
Dämpfstoffmatte mit einer niedrigen Rohdichte hergestellt wird. Dieses Vorvlies bzw.
Dämpfstoffmatte mit einer niedrigen Rohdichte wird anschließend zunächst auf einer
Doppelbandpresse unter hohem Druck und hoher Temperatur verdichtet und anschließend
in einer Kühlpresse abgekühlt. Das vorliegende Verfahren ermöglicht die Herstellung
von Holzwerkstoffplatten in Form von Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffen (WPCs) in
großen Formaten, die sich zur Herstellung von Trägerplatten zur Verwendung als Fußbodenlaminate
eignen, verbunden mit einer hohen Produktivität und somit niedrigeren Kosten.
[0017] In einer Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens wird ein thermoplastischer Kunststoff,
insbesondere in Form von thermoplastischen Granulaten oder Kunststofffasern in dem
Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch verwendet.
[0018] Der thermoplastische Kunststoff ist bevorzugter Weise ausgewählt aus einer Gruppe
enthaltend Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyvinylchlorid (PVC), Polyester,
Polyethylenterephthalat (PET), Polyamid (PA), Polystyrol (PS), Acrylnitril-Butadien-Styrol
(ABS), Polymethylmethacrylat (PMMA), Polycarbonat (PC), Polyetheretherketon (PEEK),
Polyisobutylen (PIB), Polybutylen (PB), Mischungen oder Copolymerisate davon. Insbesondere
ist es bevorzugt, wenn als thermoplastischer Kunststoff PE, PP, PVC oder eine Mischung
davon eingesetzt wird.
[0019] Wie oben erwähnt, kann der thermoplastische Kunststoff in Form von Kunststofffasern
eingesetzt werden. Die Kunststofffasern können dabei als Monokomponentenfasern oder
als Bikomponentenfasern vorliegen. Die thermisch aktivierbaren Kunststoff- bzw. Bindefasern
führen in der Matrix aus Holzfasern bzw. Holzpartikel sowohl eine Binde- als auch
eine Stützfunktion aus. Werden Monokomponentenfasern verwendet, bestehen diese bevorzugt
aus Polyethylen oder anderen thermoplastischen Kunststoffen mit niedrigem Schmelzpunkt.
Bikomponentenfasern (auch als Biko-Stützfasern bezeichnet) werden besonders bevorzugt
eingesetzt. Biko-Fasern erhöhen die Steifigkeit von Holzfaserplatten und verringern
auch die bei thermoplastischen Kunststoffen (wie z.B. PVC-Laminaten) anzutreffende
Kriechneigung.
[0020] Die Biko-Fasern bestehen typischerweise aus einem Tragfilament oder auch einer Kernfaser
aus einem Kunststoff mit höherer Temperaturbeständigkeit, insbesondere Polyester oder
Polypropylen, die von einem Kunststoff mit einem niedrigeren Schmelzpunkt, insbesondere
aus Polyethylen, umhüllt bzw. ummantelt sind. Die Hülle bzw. der Mantel der Biko-Fasern
ermöglicht nach Aufschmelzen bzw. Anschmelzen eine Vernetzung der Holzpartikel miteinander.
Vorliegend werden insbesondere als Bikomponentenfasern solche auf der Basis von Thermoplasten
wie PP/PE, Polyester/PE oder Polyester/Polyester verwendet.
[0021] In einer weiteren Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens wird ein Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch
verwendet, welches ein Mischungsverhältnis von Holzpartikeln zu Kunststoff zwischen
90 Gew% Holzpartikel : 10 Gew% Kunststoffe und 20 Gew% Holzpartikel : 80 Gew% Kunststoffe,
bevorzugt zwischen 70 Gew% Holzpartikel : 30 Gew% Kunststoffe und 40 Gew% Holzpartikel
: 60 Gew% Kunststoffe umfasst. Das verwendete Holzpartikel-Kunststoffgemisch kann
beispielhaft 44 Gew% Holzfasern bzw. Holzpartikel und 56 Gew% Biko-Fasern, z.B. Polyethylenterephthalat/
Polyethylenterephtelat-Coisophtalat-Fasern oder PP/PE-Fasern aufweisen.
[0022] Es ist ebenfalls vorstellbar, dass der Kunststoffanteil selbst auch ein Gemisch von
verschiedenen Kunststoffen ist. So kann ein Kunststoffgemisch aus 20 Gew.% BiKomponentenfasern
: 80 Gew% PE-Fasern bis zu 80 Gew.% Bikomponentenfasern : 20 Gew% PE-Fasern bestehen.
Generell sind auch andere Zusammensetzungen möglich. Durch die Veränderung der Zusammensetzung
der Kunststoffkomponente kann die zur Verdichtung des Vorvlieses bzw. Vlieses benötigte
Temperatur verändert und angepasst werden.
[0023] Unter den vorliegend veränderten Holzpartikeln sind lignocellulosehaltige Zerkleinerungsprodukte
wie z.B. Holzfasern, Holzspäne oder auch Holzmehl zu verstehen. Im Falle der Verwendung
von Holzfasern kommen insbesondere trockene Holzfasern mit einer Länge von 1,0 mm
bis 30 mm, bevorzugt 1,5 mm bis 24 mm und einer Dicke von 0,05 mm bis 1 mm zum Einsatz.
Die Holzfaserfeuchte der verwendeten Fasern liegt dabei in einem Bereich zwischen
5 und 15 %, bevorzugt 6 und 12 % bezogen auf das Gesamtgewicht der Holzfasern. Es
ist ebenfalls möglich, die verwendeten Holzpartikel in Bezug auf den mittleren Korndurchmesser
zu bestimmen, wobei der mittlere Korndurchmesser d50 zwischen 0,05 mm und 1 mm, bevorzugt
0,1 und 0,8 mm betragen kann.
[0024] Entsprechend der gewünschten Zusammensetzung des Holzpartikel-Kunststoff-Gemisches
werden die einzelnen Komponenten (Holzpartikel und Kunststoff) in einem Mischer innig
vermischt. Das Vermischen der Komponenten kann auch durch Eingeben in eine Blasleitung
erfolgen. Hier erfolgt auf dem Weg von der Zugabe der Komponenten bis zum Vorratsbehälter
eine intensive Vermischung durch die eingeblasene Luft als Transportmittel. Die intensive
Vermischung der Komponenten wird im Vorratsbehälter durch die eingeblasene Transportluft
noch fortgesetzt.
[0025] Aus dem Vorratsbehälter wird das Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch, z.B. nach Abwiegen
auf einer Flächenwaage, auf ein erstes Transportband über seine Breite gleichmäßig
aufgeblasen. Die Menge an zugeführtem Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch richtet sich
nach der gewünschten Schichtdicke und der gewünschten Rohdichte des herzustellenden
Vorvlieses. Typische Flächengewichte des gestreuten Vorvlieses können dabei in einem
Bereich zwischen 3.000 und 10.000 g/m
2, bevorzugt zwischen 5.000 bis 7.000 g/m
2, liegen. Wie bereits erwähnt wird die Breite des gestreuten Vorvlieses durch die
Breite des ersten Transportbandes bestimmt, und kann z.B. in einem Bereich bis zu
3.000 mm, bevorzugt 2.800 mm, insbesondere bevorzugt bis zu 2.500 mm liegen.
[0026] Nach dem Aufbringen des Holzpartikel-Kunststoff-Gemisches auf ein erstes Transportband
unter Ausbildung eines Vorvlieses, wird das Vorvlies in mindestens einem ersten Temperofen
zum Vorverdichten eingeführt. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens
wird das Vorvlies aus Holzpartikeln und Kunststoff in dem mindestens einen Temperofen
auf eine Temperatur erhitzt, die der Schmelztemperatur des verwendeten Kunststoffes
entspricht oder darüber liegt.
[0027] Die Temperaturen im Temperofen können zwischen 130 und 200°C, bevorzugt 150 und 180°C,
insbesondere bevorzugt 160 und 170°C liegen. Die Kerntemperatur des Vorvlieses liegt
bevorzugt in einem Bereich zwischen 100 und 150°C, insbesondere bevorzugt bei ca.
130°C. Während des Erhitzens im Temperofen erfolgt ein Anschmelzen des Kunststoffmaterials,
wodurch eine innige Verbindung zwischen dem Kunststoffmaterial wie z.B. den Kunststofffasern
mit den Holzfasern hervorgerufen wird und gleichzeitig eine Verdichtung des Vorvlieses
erfolgt. Dabei gilt, je höher die Kerntemperatur des Vorvlieses desto schneller kann
die Presse gefahren werden, da der Verdichtungsprozess beschleunigt wird.
[0028] Die Temperaturen im Temperofen werden beispielsweise durch eingeblasene Heißluft
erhalten.
[0029] In einer weiteren Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens weist das vorverdichtete
Vorvlies nach Austritt aus dem Temperofen eine Rohdichte (bzw. ein Raumgewicht) zwischen
40 und 200 kg/m
3, bevorzugt 60 und 150 kg/m
3, insbesondere bevorzugt zwischen 80 und 120 kg/m
3 auf. Die Dicke des vorverdichteten Vorvlieses kann dabei zwischen 20 und 100 mm,
bevorzugt 30 und 50 mm, insbesondere bevorzugt 35 und 45 mm liegen.
[0030] Es ist insbesondere bevorzugt, wenn der Vorschub des Förderbandes bzw. Transportbandes
im Temperofen in einem Bereich zwischen 5 und 15 m/min, bevorzugt zwischen 6 und 12
m/min liegt.
[0031] Nach dem Verlassen des Temperofens kann das vorverdichtete Vorvlies abgekühlt und
konfektioniert werden. Typische Konfektionierungsmaßnahmen sind z.B. die Besäumung
des Vorvlieses. Der dabei anfallende Abfall, insbesondere die anfallenden Randstreifen,
können verkleinert werden und in den Verfahrensprozess zurückgeführt werden. Da das
gewünschte Mischungsverhältnis gegeben ist, kann das Material direkt in den Vorratsbehälter
eingespeist werden.
[0032] In einer weiteren Variante des vorliegenden Verfahrens wird das vorverdichtete Vorvlies
in der mindestens einen Doppelbandpresse auf eine Dicke zwischen 2 und 20 mm, bevorzugt
3 und 15 mm, insbesondere bevorzugt 4 und 10 mm verdichtet.
[0033] In einer bevorzugten Variante des vorliegenden Verfahrens wird bei diesem Verdichtungsprozess
in der mindestens einen Doppelbandpresse mindestens auf der Oberseite des vorverdichteten
Vorvlieses simultan eine Dekorlage aufgebracht. Dies kann auf einfache Art und Weise
durch Zuführung der Dekorlage zu der mindestens einen Doppelbandpresse mittels einer
Abwickelvorrichtung erfolgen.
[0034] Das Aufbringen der Dekorlage auf das vorverdichtete Vorvlies kann, wie bei einem
herkömmlichen Laminat, durch Aufbringen einer Dekorlage auf Zellulosebasis, wie beispielweise
durch das Aufbringen von Dekorpapier, erfolgen, wobei der Vielfältigkeit an verschieden
gemusterten Dekorpapieren keine Grenzen gesetzt sind. Vorzugsweise werden Dekorpapiere
mit einer Imprägnierung, wie beispielsweise einer wärmehärtbaren Kunstharzimprägnierung
oder einem strahlenhärtbaren Lack, für das Herstellen der Dekorlage auf den Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff-Platten
verwendet.
[0035] In einer weiteren Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens kann das Aufbringen der
Dekorlage auf das vorverdichtete Vorvlies durch Aufbringen mindestens einer Kunststoff-,
Finish- und/oder Grundierfolie erfolgen. Auch das Aufbringen mehrerer Folien, beispielsweise
von 2, 3, 4 oder 5 Folien, ausgewählt aus den Kunststoff-, Finish- und/oder Grundierfolien,
ist möglich. Besonders bevorzugt ist es, wenn zum Aufbringen der Dekorlage eine dekorative
Finishfolie verwendet wird.
[0036] Weiterhin ist es möglich, wenigstens die Oberseite der Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff
mit einer Oberflächenstruktur, beispielsweise unter Verwendung von Strukturgebern,
zu versehen, wobei der Strukturgeber neben der Strukturierungs- auch die Schutzfunktion
wahrnehmen kann.
[0037] Die Ausbildung der Oberflächenstruktur wenigstens an der Oberseite der Platte aus
dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff kann insbesondere erfolgen durch:
- a) Verwendung einer bereits strukturierten Dekorfolie;
- b) Verwendung eines Strukturgeberpapiers, das zwischen dem oberen Band der Doppelbandpresse
und der Oberseite des vorverdichteten Vorvlieses mitgeführt wird; oder
- c) Einprägen einer Struktur während des Durchlaufs durch die Doppelbandpresse durch
Verwendung eines oberen Bandes der Doppelbandpresse, das seinerseits eine Struktur
aufweist.
[0038] Die strukturierte Dekorfolie gemäß der Möglichkeit a) kann beispielsweise eine Kunststofffolie
sein, die ihrerseits bereits strukturiert ist.
[0039] Weiterhin kann das erfindungsgemäße Verfahren das simultane Auftragen einer Overlaylage
oberhalb der Dekorlage während der Überführung des vorverdichteten Vorvlieses in die
Doppelbandbandpresse umfassen. Bei einer nachfolgenden Strukturgebung, wie beispielsweise
bei Verwendung eines Strukturgeberpapiers oder eines strukturierten oberen Bandes
in der Doppelbandpresse kann diese Overlaylage entsprechend mitstrukturiert werden.
[0040] Im Falle der zuvor beschriebenen Möglichkeit a) ist keine nachträgliche Strukturierung
der Overlaylage mehr nötig, da die Dekorlage bereits strukturiert ist.
[0041] Die Overlaylage kann gefüllt oder nicht gefüllt sind, d. h. mit Teilchen großer Härte
ausgerüstet sein, um die Abriebfestigkeit zu erhöhen. Vorzugsweise wird bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren ein Overlaypapier verwendet, das ebenfalls mit einem wärmehärtbaren Kunstharz
oder einem strahlenhärtbaren Lack imprägniert ist. Besonders bevorzugt ist es, wenn
die imprägnierten Overlaypapiere zusätzlich mit abriebfesten Partikeln ausgerüstet
sind. Die abriebfesten Partikel sind vorzugsweise ausgewählt aus der Gruppe enthaltend
Aluminiumoxide, Borcarbide, Siliziumdioxide, Siliziumcarbide und Glaspartikel.
[0042] In einer anderen Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann als Overlaylage
auch eine Kunststofffolie, beispielsweise eine PP-Folie, verwendet werden.
[0043] In einer weiteren Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens kann auf die Unterseite
der Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff-Platte ein Gegenzug aufgebracht werden. Dadurch
werden insbesondere die durch die auf der Oberseite der Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff-Platte
aufgebrachten Dekor- und Overlaylagen wirkenden Zugkräfte ausgeglichen. In einer bevorzugten
Ausführungsform wird der Gegenzug als Zelluloselage ausgeführt, die imprägniert ist.
Beispielsweise kann der Gegenzug als mit einem wärmehärtbaren Kunstharz imprägniertes
Papier ausgeführt sein. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform entspricht
der Schichtaufbau des Gegenzugs dem Schichtaufbau und der jeweiligen Schichtdicke
genau der auf der Oberseite aufgebrachten Schichtfolge aus Dekor- und Overlaylagen.
[0044] Vorzugsweise sind die Dekor-, Overlay- und die Gegenzuglage alle als Zelluloselage
ausgeführt. Besonders bevorzugt ist es, wenn die Zelluloselagen für die Herstellung
der Dekor-, Overlay und der Gegenzuglage mit einem wärmehärtbaren Kunstharz oder oder
strahlenhärtbaren Lack imprägniert sind.
[0045] Das wärmehärtbare Kunstharz für die Imprägnierung der Zelluloselagen ist deshalb
vorzugsweise ausgewählt aus Harnstoffharz, Phenolharz, Melaminharz oder Gemischen
daraus.
[0046] Der strahlenhärtbare Lack ist typischerweise ein nicht wasserverträglicher Lack,
z.B. ausgewählt aus der Gruppe der Acrylate, modifizierte Acrylate und/oder Epoxide.
[0047] In einer weiteren Variante des erfindungsgemäßen Verfahrens können mindestens auf
der Oberseite Trennpapiere oder Trennfolien eingesetzt werden, um Verklebungen oder
thermische Überlastungen der Dekorlage mit bzw. durch die Metallbänder der Doppelbandpresse
zu vermeiden.
[0048] Besonders gute Ergebnisse bei dem simultanen Aufbringen der Dekorlage und ggf. der
Gegenzuglage auf das vorverdichtete Vorvlies und das weitere Verdichten des vorverdichteten
Vorvlieses in der mindestens einen Dopelbandpresse können erzielt werden, wenn in
dem Kunststofffaser-Anteil des Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs der Anteil an PE-
oder PP-Fasern mindestens bei 40 Gew.%, beispielsweise bei 45 Gew.%, 50 Gew.%, 55
Gew%, 60 Gew.% oder höher liegt. Die übrigen Kunststoffe können z. B. aus niedrigschmelzenden
BiCo-Fasern (siehe oben) bestehen. Ein bevorzugtes Kunststofffasergemisch kann aus
60 Gew.% BiKomponentenfasern : 40 Gew% PE- oder PP-Fasern bis zu 40 Gew.% Bikomponentenfasern
: 60 Gew% PE- oder PP-Fasern bestehen.
[0049] Beim Verdichten des Vorvlieses in der Doppelbandpresse wird vorzugsweise in einem
Temperaturfenster gearbeitet, in dem die Kunststoffkomponente im Vlies bis in den
Kern hinein mindestens plastifiziert wird, aber die thermische Stabilität der verwendeten
Dekorlage, wie beispielsweise einer Folie, nicht überschritten wird. Damit wird im
Herstellprozess ein direktes Verkleben der Dekorlage mit der aufgeschmolzenen bzw.
mindestens plastifizierten Kunststoffkomponente im Vorvlies erreicht. Dabei kann entweder
eine symmetrische Erwärmung des Vorvlieses mit der Dekorlage durch die beiden umlaufenden
Metallbänder der Doppelbandpresse erfolgen oder eine unsymmetrische Erwärmung von
der Unterseite her, um die thermische Belastung der Dekorlage zu minimieren. Die während
des Verdichtens des Vorvlieses in der mindestens einen Doppelbandpresse angelegte
Temperatur liegt zwischen 150 und 250°C, beispielsweise bei 160°C, bevorzugt zwischen
180 und 230°C oder 200 und 220°C. Der in der mindestens einen Doppelbandpresse angewendete
Druck kann zwischen 2 MPa und 10 MPa, bevorzugt 3 MPa und 8 MPa, insbesondere bevorzugt
5 und 7 MPa liegen. Der Vorschub der Doppelbandpresse beträgt zwischen 5 und 15 m/min,
bevorzugt zwischen 6 und 12 m/min.
[0050] Nach Verlassen der mindestens einen Doppelbandpresse wird die die Doppelbandpresse
verlassende verdichtete Holzwerkstoffplatte in mindestens eine Kühlpresse eingeführt,
in welcher ein Abkühlen der verdichteten Holzwerkstoffplatte auf Temperaturen zwischen
10 und 100°C, bevorzugt 15 und 70°C, insbesondere bevorzugt 20 und 40°C erfolgt. Dabei
wird in der mindestens einen Kühlpresse ein Druck angewendet, der identisch oder zumindest
fast identisch ist zu dem Druck in der Doppelbandpresse, d.h. in der Kühlpresse herrscht
ein Druck zwischen 2 MPa und 10 MPa, bevorzugt 3 MPa und 8 MPa, insbesondere bevorzugt
5 und 7 MPa.
[0051] Das Einführen der verdichteten Holzwerkstoffplatte in eine Kühlpresse ist notwendig,
da die Rückstellkräfte der Fasern so groß sein können, dass die Platte ohne des Schritts
des Kühlpressens nach dem Verdichten in der Doppelbandpresse wieder aufgehen würde.
[0052] Nach dem Verlassen der Kühlpresse weisen die verdichteten Holzwerkstoffplatten eine
Dicke zwischen 2 und 15 mm, bevorzugt 3 und 12 mm, insbesondere bevorzugt 4 und 10
mm auf.
[0053] Die Rohdichte der verdichteten Holzwerkstoffplatten nach Verlassen der Kühlpresse
liegt in einem Bereich zwischen 500 und 1500 kg/m
3, bevorzugt zwischen 650 und 1300 kg/m
3, insbesondere bevorzugt zwischen 800 und 1100 kg/m
3.
[0054] Zur Herstellung einer Holzwerkstoffplatte mit einer Rohdichte von 850 kg/m
3 wird z.B. vorteilhafterweise ein Pressdruck in der Doppelbandpresse (und auch Kühlpresse)
von 4,5 bis 5 MPa (45-50 bar) bei einer Presstemperatur in der Doppelbandpresse des
Vorlaufes von 235°C und einer Presstemperatur auf der Oberfläche der Platte von 220°C
angelegt. Im Falle der Herstellung einer Holzwerkstoffplatte mit einer Rohdichte von
950 kg/m
3 wird vorteilhafterweise ein Pressdruck in der Doppelbandpresse (und auch Kühlpresse)
von 5,5 bis 6 MPa (55-60 bar) bei einer Presstemperatur in der Doppelbandpresse des
Vorlaufes von 235°C und einer Presstemperatur auf der Oberfläche der Platte von 220°C
angelegt.
[0055] Die mit dem vorliegenden Verfahren hergestellten Holzwerkstoffplatten bzw. Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffe
(WPC) sind durch eine Quellung von weniger als 5%, bevorzugt weniger als 3%, insbesondere
bevorzugt weniger als 1% gekennzeichnet.
[0056] Im Anschluss an die Herstellung der Holzwerkstoffplatten im Format von WPCs kann
bevorzugt eine direkte Weiterverarbeitung der Platten zu geeigneten Dekorpaneelen
bzw. Fußbodenbelägen erfolgen.
[0057] Gemäß einer weiteren Ausgestaltung kann es auch vorgesehen sein, dass die Holzwerkstoffplatte
in Form eines WPC zumindest in einem Randbereich der Platte eine Profilierung aufweist,
wobei das Profil beispielsweise die Einbringung eines Nut- und/oder Federprofils in
eine Kante bzw. Seitenfläche der Holzwerkstoffplatte ermöglicht, wobei die so erhaltenen
Paneele bzw. Holzwerkstoffplatten miteinander verbunden werden können und eine schwimmende
Verlegung und Abdeckung eines Bodens ermöglichen.
[0058] In einer weiteren Ausführungsform des vorliegenden Verfahrens hat es sich als vorteilhaft
erwiesen, dem Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch vor dem Verdichten weitere Substanzen
wie Füllstoffe oder Additive zuzugeben, die der Holzwerkstoffplatte spezielle Eigenschaften
verleihen.
[0059] Als geeignete Additive können Flammenschutzmittel, lumineszierende oder antibakterielle
Stoffe dem Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch zugegeben werden. Geeignete Flammschutzmittel
können ausgewählt sein aus der Gruppe enthaltend Phosphate, Borate, insbesondere Ammoniumpolyphosphat,
Tris(tri-bromneopentyl)phospat, Zinkborat oder Borsäurekomplexe von mehrwertigen Alkoholen.
[0060] Weitere Additive können die UV-Beständigkeit, das Alterungsverhalten oder die elektrische
Leitfähigkeit der Holzwerkstoffplatte beeinflussen. Zur Erhöhung der UV-Beständigkeit
ist es z.B. bekannt, Kunststoffen sogenannte UV-stabilisierende Verbindungen wie die
sogenannten HALS-Verbindungen zuzusetzen. Als Antifungizide und antibakterielle Mittel
können u.a. Polyimine verwendet werden.
[0061] Auch ist es vorteilhaft, dem Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch einen anorganischen
Füllstoff zuzugeben. Als anorganischer Füllstoff können z.B. Materialien wie Talkum,
Kreide, Titandioxid oder andere verwendet werden, die der Platte eine spezifische
Färbung verleihen.
[0062] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Figur der Zeichnung an einem
Ausführungsbeispiel näher erläutert. Es zeigt:
- Figur 1
- eine schematische Darstellung einer Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens.
[0063] Das in Figur 1 gezeigte Verfahrensschema umfasst eine Mischvorrichtung 1, in welche
Holzfasern H und Kunststoff K, z.B. Biko-Fasern eingebracht werden. Die Mischvorrichtung
1 kann z.B. in Form einer Blasleitung vorliegen, in welcher durch die eingeblasene
Luft eine intensive Vermischung der Holzfasern und Biko-Fasern erfolgt.
[0064] Aus der Mischvorrichtung 1 gelangt das Fasergemisch in eine Streuvorrichtung 2, aus
welcher das Fasergemisch mechanisch ausgetragen wird und unter Bildung eines Vorvlieses
auf ein Transportband 3 gestreut wird. Die Streuvorrichtung 2 kann z.B. in Form eines
Walzenstreukopfes ausgebildet sein. Unterhalb des Transportbandes kann eine Waage
z.B. in Form einer Bandwaage angeordnet sein, welche kontinuierlich das Gewicht des
Vorvlieses ermittelt.
[0065] Das Transportband 3 führt das Vorvlies in einen Temperofen 4 z.B. in Form eines Durchströmungsofens
mit einem Vorschub von bis zu 15 m/min ein. Im Temperofen erfolgt bei Temperaturen
von bis zu 200 °C ein Vorverdichten des Vorvlieses, wobei die Biko-Fasern angeschmolzen
werden und eine Verbindung der Biko-Fasern mit den Holzfasern bewirkt wird. Die Dicke
des den Temperofen verlassenen Vorvlieses kann zwischen 20 und 100 mm betragen.
[0066] Nach Verlassen des Temperofens 4 wird das vorverdichtete Vorvlies unmittelbar in
eine Doppelbandpresse 8 mit einem Vorschub von bis zu 12 m/min eingeführt. Gleichzeitig
werden mittels der Abwickelvorrichtung 5 eine dekorative Finishfolie auf die Oberseite
des Vorvlieses und mittels der Abwickelvorrichtung 7 ein Gegenzugpapier auf die Unterseite
des Vorvlieses aufgetragen. Wahlweise kann nach Auftragen des dekorierten Papiers
mit der Abwickelvorrichtung 5 noch ein Trennpapier oder eine Trennfolie aufgetragen
werden mit der Abwickelvorrichtung 6. In der Doppelbandpresse 8 erfolgt die weitere
Verdichtung des Vlieses bzw. Vorvlieses bei einem Druck von z.B. 3 MPa und einer Temperatur
von z.B. 160° auf eine Dicke zwischen 2 und 15 mm, beispielsweise auf 4,5 mm.
[0067] Nach dem Anschmelzen der Biko-Fasern muss der Verdichtungszustand der die Doppelbandpresse
8 verlassende Platte so lange konstant gehalten werden, bis die Biko-Fasern soweit
abgekühlt sind, dass die Erweichungstemperatur der selbigen sicher unterschritten
ist, um ein "Aufgehen" der verdichteten Platte bedingt durch die Rückstellkräfte der
Biko-Fasern zu verhindern. Hierzu wird die die Doppelbandpresse 8 verlassende verdichtete
Platte unmittelbar in eine Kühlpresse 10 eingeführt, in welcher eine Abkühlung der
verdichteten Platte auf Temperaturen zwischen 15 und 40°C erfolgt. Die Kühlung der
Kühlpresse kann z.B. mittels Wasserkühlung erfolgen. Beim Verlassen der Doppelbandpresse
8 wird das optional aufgebrachte Trennpapier bzw. die Trennfolie mittels der Aufwickelvorrichtung
9 wieder entfernt.
[0068] Nach Verlassen der Kühlpresse 10 weist die verdichtete (WPC) Platte eine Dicke zwischen
2 und 12 mm und eine Rohdichte von z.B. 800 bis 1100 kg/m
3 auf. Die WPC-Platte kann anschließend beliebig weiterverarbeitet und konfektioniert
werden.
[0069] Das erfindungsgemäße Verfahren unterscheidet sich von den herkömmlichen Herstellungsverfahren
für dekorierte Fußboden-, Decken- oder Wandplatten, wie z.B. Laminate, dadurch, dass
der Auftrag der Dekorlage, gegebenenfalls der Overlaylage und der Gegenzuglage bereits
viel früher im Produktionsprozess, nämlich simultan in dem Verfahrensschritt der Verdichtung
des Vorvlieses zu einer Trägerplatte, in diesem Fall der Verdichtung des Vorvlieses
zu einer WPC-Platte, durchgeführt wird.
[0070] Im Gegensatz dazu erfolgt bei herkömmlichen Verfahren zunächst die komplette Herstellung
der Trägerplatten. Diese Trägerplatten werden dann unmittelbar oder gegebenenfalls
erst nach einer Zwischenlagerung weiterverarbeitet. Erst bei der Weiterverarbeitung
erfolgen das Auftragen des Dekors, das Auftragen von Schutzschichten und wahlweise
auch einer Gegenzuglage. In einem weiteren separaten Schritt muss dann noch das Verpressen
dieses Schichtaufbaus zu einem Laminat und wahlweise die Strukturgebung der dekorierten
Oberfläche in einer Kurztaktpresse erfolgen. Die Dekor- und Overlaylagen und die Gegenzuglage
können jedoch nicht einfach ohne weitere Vorbehandlung auf die Trägerplatte aufgetragen
werden. Es ist mindestens ein Anschleifen der Oberflächen der Trägerplatte notwendig.
Zum Fixieren der Dekor- und Overlaylagen und der Gegenzuglage ist der Einsatz von
Klebstoffen notwendig.
[0071] Gegenüber diesem herkömmlichen Verfahren hat das Verfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung zahlreiche Vorteile. Die Verfahrensschritte "Vorbehandlung der Trägerplatte
durch Anschleifen" sowie das sehr energieaufwendige Verpressen des Schichtaufbaus
zu einem Laminat in einer Kurztaktpresse können entfallen. Dadurch kann das Herstellungsverfahren
von dekorierten Trägerplatten stark vereinfacht werden. Dies führt zu hohen Energie-
und Kosteneinsparungen. Weitere Einsparungsmöglichkeiten bestehen darin, dass kein
Einsatz von Klebstoffen für das Fixieren der Dekor- und Overlaylagen und des Gegenzugs
mehr notwendig ist.
[0072] Gegenüber diesem herkömmlichen Verfahren hat das Verfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung zahlreiche Vorteile. Die Verfahrensschritte "Vorbehandlung der Trägerplatte
durch Anschleifen" sowie das sehr energieaufwendige Verpressen des Schichtaufbaus
zu einem Laminat in einer Kurztaktpresse können entfallen. Dadurch kann das Herstellungsverfahren
von dekorierten Trägerplatten stark vereinfacht werden. Dies führt zu hohen Energie-
und Kosteneinsparungen.
Ausführungsbeispiel
[0073] Faserkuchenzuschnitte bestehend aus 54 Gew.% Kunststofffasern ( 27 Gew.% PE-Fasern
und 27 Gew.% PET-Bico-Fasern ), 44 Gew.% Holz und 2 Gew.% Paraffin mit einem Flächengewicht
von 3150 g/m
2, einer Dicke von 35 mm und einem Format von 1300 x 1400 mm wurden auf ein Transportband
vor einer Doppelbandpresse aufgelegt. Die Doppelbandpresse besaß eine Heizzone mit
einer Länge von drei Metern und eine Kühlzone mit einer Länge von sechs Metern.
[0074] Von oben wurde über eine Abwickelvorrichtung eine dekorative Finishfolie auf den
Faserkuchen aufgelegt, das auf der Oberseite mit einem korundhaltigen, strahlenhärtenden
Lack ablackiert war. Das Gewicht des lackierten Papiers lag bei ca. 200 g/m
2. Mit einer zweiten Abwickelvorrichtung wurde auf die dekorative Folie ein Trennpapier
aufgebracht. Auf die Unterseite des Faserkuchens wurde über eine Abwickelvorrichtung
ein Gegenzugpapier (Grammatur: 80 g/m
2) zugeführt.
[0075] Der Faserkuchen lief dann in die Doppelbandpresse ein und wurde bei einem Vorschub
von 2 m/min., einem Druck von 30 bar und einer Temperatur am oberen und unteren Stahlband
von 160 °C auf eine Stärke von 4,5 mm komprimiert. Mit einem mitlaufenden Thermoelement
wurde die Temperatur in der Faserkuchenmitte bestimmt. Sie lag am Ende der Heizzone
bei 140 °C.
[0076] Hinter der Presse wurde das Trennpapier aufgewickelt. Das dekorative Papier und das
Gegenzugpapier waren homogen und faltenfrei auf die während des Pressvorgangs entstandene
WPC-Platte (WPC = wood plastic composite, Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff) aufgepresst
worden. Beim Gitterschnitttest konnte das dekorative Papier nur mit vollflächigem
Faserbesatz auf der Rückseite abgeschält werden, was auf eine sehr gute Verbindung
zwischen Folie und WPC-Platte schließen lässt.
1. Verfahren zur Herstellung einer Holzwerkstoffplatte, insbesondere in Form eines Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs,
umfassend die Schritte:
- Aufbringen eines Gemisches aus Holzpartikeln und Kunststoff auf ein erstes Transportband
unter Ausbildung eines Vorvlieses und Einführen des Vorvlieses in mindestens einen
ersten Temperofen zum Vorverdichten;
- Überführen des vorverdichteten Vorvlieses in mindestens eine Doppelbandpresse unter
simultanem Aufbringen mindestens einer Dekorlage mindestens auf der Oberseite des
Vorvlieses;
- weiteres Verdichten des vorverdichteten Vorvlieses zu einer Platte aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff;
und
- Abkühlen der verdichteten Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff in mindestens
einer Kühlpresse.
2. Verfahren nach Anspruch 1, weiterhin umfassend das simultane Aufbringen einer Overlaylage
oberhalb der Dekorlage während der Überführung des vorverdichteten Vorvlieses in die
mindestens eine Doppelbandpresse.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, weiterhin umfassend das simultane Aufbringen einer
Trennlage oberhalb der Dekorlage und/oder Overlaylage während der Überführung des
vorverdichteten Vorvlieses in die mindestens eine Doppelbandpresse.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiterhin umfassend das simultane
Aufbringen einer Gegenzuglage auf der Unterseite des vorverdichteten Vorvlieses während
der Überführung in die mindestens eine Doppelbandpresse.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet dass die Dekorlage ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Kunststofffolien, Finishfolien,
Grundierfolien und Dekorpapiere auf Zellulosebasis.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorlage und/oder die Gegenzuglage mit einem wärmehärtbaren Kunstharz oder einem
strahlenhärtbaren Lack imprägniert sind.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, weiterhin umfassend die Ausbildung
einer Oberflächenstruktur wenigstens an der Oberseite der Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff,
insbesondere durch:
a) Verwendung einer bereits strukturierten Dekorfolie;
b) Verwendung eines Strukturgeberpapiers, das zwischen dem oberen Band der Doppelbandpresse
und der Oberseite des vorverdichteten Vorvlieses mitgeführt wird; oder
c) Einprägen einer Struktur während des Durchlaufs durch die Doppelbandpresse durch
Verwendung eines oberen Bandes der Doppelbandpresse, das seinerseits eine Struktur
aufweist.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die gemäß a) strukturierte Dekorfolie eine bereits strukturierte Kunststofffolie
ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Kunststoff ein Gemisch aus Polyethylen (PE)- oder Polypropylen (PP)- und Bikomponentenfasern
verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch ein Mischungsverhältnis zwischen 90 Gew% Holzpartikel
/ 10 Gew% Kunststoff und 20 Gew% Holzpartikel / 80 Gew% Kunststoff, bevorzugt zwischen
70 Gew% Holzpartikel / 30 Gew% Kunststoff und 40 Gew% Holzpartikel / 60 Gew% Kunststoff
umfasst.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Kunststofffaser-Anteil des Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs der Anteil an
PE- oder PP-Fasern mindestens 40 Gew.%, beträgt.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies nach dem Verlassen des Temperofens abgekühlt und konfektioniert
wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies in der mindestens einen Doppelbandpresse auf eine Dicke
zwischen 2 und 20 mm, bevorzugt 3 und 15 mm, insbesondere bevorzugt 4 und 10 mm verdichtet
wird.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies in der mindestens einen Doppelbandpresse bei Temperaturen
zwischen 150 und 250°C und/oder bei einem Druck zwischen 2 MPa und 10 MPa, bevorzugt
3 MPa und 8 MPa verdichtet wird.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die verdichteten Platten aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff nach Verlassen
der Kühlpresse eine Dicke zwischen 2 und 15 mm, bevorzugt 3 und 12 mm, insbesondere
bevorzugt 4 und 10 mm aufweisen.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Verfahren zur Herstellung einer Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffplatte, umfassend
die Schritte:
- Aufbringen eines Gemisches aus Holzpartikeln und Kunststoff auf ein erstes Transportband
(3) unter Ausbildung eines Vorvlieses und Einführen des Vorvlieses in mindestens einen
ersten Temperofen (4) zum Vorverdichten;
- Überführen des vorverdichteten Vorvlieses in mindestens eine Doppelbandpresse (8)
unter simultanem Aufbringen mindestens einer Dekorlage mindestens auf der Oberseite
des Vorvlieses;
- weiteres Verdichten des vorverdichteten Vorvlieses zu einer Platte aus einem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff;
und
- Abkühlen der verdichteten Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff in mindestens
einer Kühlpresse (10)
dadurch gekennzeichnet, dass die verwendeten Holzpartikel lignocellulosehaltige Zerkleinerungsprodukte wie zum
Beispiel Holzfasern, Holzspäne oder Holzmehl sind.
2. Verfahren nach Anspruch 1, weiterhin umfassend das simultane Aufbringen einer Overlaylage
oberhalb der Dekorlage während der Überführung des vorverdichteten Vorvlieses in die
mindestens eine Doppelbandpresse (8).
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, weiterhin umfassend das simultane Aufbringen einer
Trennlage oberhalb der Dekorlage und/oder Overlaylage während der Überführung des
vorverdichteten Vorvlieses in die mindestens eine Doppelbandpresse (8).
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, weiterhin umfassend das simultane
Aufbringen einer Gegenzuglage auf der Unterseite des vorverdichteten Vorvlieses während
der Überführung in die mindestens eine Doppelbandpresse (8).
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet dass die Dekorlage ausgewählt ist aus der Gruppe enthaltend Kunststofffolien, Finishfolien,
Grundierfolien und Dekorpapiere auf Zellulosebasis.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Dekorlage und/oder die Gegenzuglage mit einem wärmehärtbaren Kunstharz oder einem
strahlenhärtbaren Lack imprägniert sind.
7. Verfahren nach einem der vorherigen Ansprüche, weiterhin umfassend die Ausbildung
einer Oberflächenstruktur wenigstens an der Oberseite der Platte aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff,
insbesondere durch:
a) Verwendung einer bereits strukturierten Dekorfolie;
b) Verwendung eines Strukturgeberpapiers, das zwischen dem oberen Band der Doppelbandpresse
(8) und der Oberseite des vorverdichteten Vorvlieses mitgeführt wird; oder
c) Einprägen einer Struktur während des Durchlaufs durch die Doppelbandpresse (8)
durch Verwendung eines oberen Bandes der Doppelbandpresse, das seinerseits eine Struktur
aufweist.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die gemäß a) strukturierte Dekorfolie eine bereits strukturierte Kunststofffolie
ist.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass als Kunststoff ein Gemisch aus Polyethylen (PE)- oder Polypropylen (PP)- und Bikomponentenfasern
verwendet wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Holzpartikel-Kunststoff-Gemisch ein Mischungsverhältnis zwischen 90 Gew% Holzpartikel
/ 10 Gew% Kunststoff und 20 Gew% Holzpartikel / 80 Gew% Kunststoff, bevorzugt zwischen
70 Gew% Holzpartikel / 30 Gew% Kunststoff und 40 Gew% Holzpartikel / 60 Gew% Kunststoff
umfasst.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in dem Kunststofffaser-Anteil des Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoffs der Anteil an
PE- oder PP-Fasern mindestens 40 Gew.%, beträgt.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies nach dem Verlassen des Temperofens (4) abgekühlt und
konfektioniert wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies in der mindestens einen Doppelbandpresse (8) auf eine
Dicke zwischen 2 und 20 mm, bevorzugt 3 und 15 mm, insbesondere bevorzugt 4 und 10
mm verdichtet wird.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das vorverdichtete Vorvlies in der mindestens einen Doppelbandpresse (8) bei Temperaturen
zwischen 150 und 250°C und/oder bei einem Druck zwischen 2 MPa und 10 MPa, bevorzugt
3 MPa und 8 MPa verdichtet wird.
15. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die verdichteten Platten aus dem Holz-Kunststoff-Verbundwerkstoff nach Verlassen
der Kühlpresse (10) eine Dicke zwischen 2 und 15 mm, bevorzugt 3 und 12 mm, insbesondere
bevorzugt 4 und 10 mm aufweisen.