[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Werkstücks aus Metall
mit einer darauf aufgebrachten, abschnittsweise umgeschmolzenen Zinn-haltigen Schicht.
[0002] Die
EP 2 468 926 A1 offenbart ein Verfahren zum Umschmelzen mit Zinn (=Sn) beschichteter Metallbänder
oder Werkstücke, bei dem abschnittsweise eine galvanische Beschichtung aus Zinn auf
die Metallbänder aufgebracht wird. Die Beschichtung kann anschließend umgeschmolzen
werden. Durch das Umschmelzen bilden sich intermetallische Phasen aus, deren Härte
größer ist als die Härte von Zinn.
[0003] Das bekannte Verfahren wird z. B. zur Herstellung von Kontaktstiften für Flachstecker
verwendet. Solche Kontaktstifte weisen ein Steckende mit einem großen Querschnitt
und ein Lötende mit einem kleinen Querschnitt auf. Es wird zunächst das Steckende
beschichtet und in einem Ofen umgeschmolzen. Nachfolgend wird das Lötende beschichtet.
Bei gleichzeitiger Beschichtung würde bei nachfolgendem Umschmelzen zuerst die Beschichtung
am dünneren Ende umschmelzen, da ein geringerer Wärmeeintrag auf Grund der Geometrie
nötig ist.
[0004] Das bekannte Verfahren umfasst einen ersten Beschichtungsschritt, für den galvanische
Bäder sowie Werkzeuge benötigt werden. Für den nachfolgenden Heizschritt ist ein Ofen
erforderlich. Nachfolgend umfasst das Verfahren einen weiteren Beschichtungsschritt,
für den weitere galvanische Bäder und Werkzeuge benötigt werden. Die galvanischen
Bäder und Werkzeuge müssen im Durchlaufverfahren zumindest zweifach vorgehalten werden.
Das macht das bekannte Verfahren aufwendig und teuer.
[0005] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung liegt darin, den Nachteil des Stands der Technik
zu beseitigen. Es soll insbesondere ein einfaches und kostengünstiges Verfahren zur
Herstellung eines Werkstücks aus Metall mit einer umgeschmolzenen und einer nichtumgeschmolzenen
Zinn-haltigen Schicht bereitgestellt werden.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruch 1 gelöst. Zweckmäßige Ausgestaltungen
der Erfindung ergeben sich aus den Merkmalen der Patentansprüche 2 bis 14.
[0007] Erfindungsgemäß umfasst ein Verfahren zur Herstellung eines Werkstücks aus Metall
mit einer darauf aufgebrachten, abschnittsweise umgeschmolzenen Zinn-haltigen Schicht
die folgenden Schritte:
Galvanisches Aufbringen der Zinn-haltigen Schicht auf vorgegebene erste Abschnitte
des Werkstücks, nachfolgend
Aufheizen des Werkstücks auf eine erste Temperatur T1 zwischen 100°C und 230°C und
nachfolgend
lokales Aufheizen eines in den ersten Abschnitten enthaltenen zweiten Abschnitts auf
eine zweite Temperatur T2 zwischen 227°C und 380°C, so dass ausschließlich im zweiten
Abschnitt die Zinn-haltige Schicht umgeschmolzen wird. Die zweite Temperatur T2 ist
größer als die erste Temperatur T1.
[0008] Bei einem Werkstück im Sinne der vorliegenden Erfindung kann es sich z. B. um einen
Kontaktstift eines Steckers oder Bauelements oder ein metallisches Band handeln. Ein
solches metallisches Band kann eine Vielzahl zusammenhängender Kontaktstifte umfassen,
die nach dem Umschmelzen vereinzelt werden. Die Zinn-haltige Schicht kann aus Zinn
oder einer Zinnlegierung gebildet sein. Je nach Anwendung hat die Zinn-haltige Schicht
eine Dicke von 1 bis 10 µm, vorzugsweise 2 bis 8 µm, weiter bevorzugt 2 bis 6 µm,
besonders bevorzugt 2 bis 4 µm.
[0009] Unter den vorgegebenen ersten Abschnitten des Werkstücks werden alle Abschnitte verstanden,
die mit einer Zinn-haltigen Schicht beschichtet werden sollen. Die Beschichtung kann
in einem Verfahrensschritt oder in direkt aufeinander folgenden Verfahrensschritten
erfolgen. Damit wird im Durchlaufverfahren nur noch eine Anlage zur galvanischen Beschichtung
mit der Zinn-haltigen Schicht benötigt.
[0010] Die erste Temperatur T1 wird zwischen 100°C und 223°C, vorzugsweise zwischen 200°C
und 230°C, gewählt. Eine Obergrenze der ersten Temperatur T1 ist so gewählt, dass
noch kein Umschmelzen der Schicht einsetzt. Vorzugsweise wird das Werkstück als Ganzes
auf die Temperatur T1 in einem Ofen erhitzt.
[0011] Der mindestens eine zweite Abschnitt ist in zumindest einem ersten Abschnitt enthalten.
Im zweiten Abschnitt werden durch das Umschmelzen intermetallische Phasen gebildet.
Es können nacheinander auch mehrere zweite Abschnitte umgeschmolzen werden. Vorzugsweise
erfolgt das lokale Aufheizen des zweiten Abschnitts mittels einer Heißluftquelle.
[0012] Die zweite Temperatur T2 wird zwischen 227°C und 380°C, vorzugsweise zwischen 227°C
und 260°C, so gewählt, dass der Umschmelzvorgang ausschließlich im zweiten Abschnitt
einsetzt. Dabei kann die Temperatur T2 über der eigentlichen Schmelztemperatur der
Zinn-haltigen Schicht liegen. Der zweite Abschnitt wird erfindungsgemäß für eine Dauer
t von 1 s bis 10 s, vorzugsweise 2 s bis 5 s, auf die zweite Temperatur T2 aufgeheizt.
[0013] Die Temperatur T2 sowie die Dauer t werden so gewählt, dass sich die gewünschten
intermetallischen Phasen bilden und die Schichtdicke möglichst homogen bleibt. Insbesondere
soll die Bildung unerwünschter Phasen, die z. B. durch eine Verfärbung der umgeschmolzenen
Schicht erkennbar ist, vermieden werden.
[0014] Wegen des relativ geringen Temperaturgradienten zwischen den Temperaturen T1 und
T2 und der kurzen Dauer t kann eine vorgegebene Geometrie des zweiten Abschnitts genau
eingehalten werden. Ein weiterer Vorteil des Verfahrens liegt darin, dass zweite Abschnitte
in Bereichen mit unterschiedlichen Querschnitt bereichsweise mit verschiedenen zweiten
Temperaturen T2 und verschiedenen Dauern t beaufschlagt werden können.
[0015] Beim Metall handelt es sich vorzugsweise um Kupfer oder eine Kupferlegierung. Als
Kupferlegierung wird vorzugsweise eine der folgenden Legierungen verwendet: CuFe,
CuFe
2P, CuNiSn, Cu-NiSi, Messing (CuZn), CuBe, CuSnZn, CuSn
4, CuSn
6 oder CuSn
8.
[0016] Auf das Werkstück kann vor dem Aufbringen der Zinn-haltigen Schicht zumindest eine
Zwischenschicht, vorzugsweise galvanisch, aufgebracht werden. Vorzugsweise ist die
Zwischenschicht aus Nickel und/oder Kupfer gebildet. Die Dicke der Zwischenschicht
liegt vorzugsweise im Bereich von 0,1 µm bis 4 µm. Die Zwischenschicht kann auf dem
Werkstück vollflächig oder abschnittsweise aufgebracht sein. Verschiedene erste Abschnitte
können unterschiedliche Zwischenschichten aufweisen.
[0017] Eine bevorzugte Anwendung des Verfahrens ist die Beschichtung eines Kontaktstifts
eines Flachsteckers, wobei ein erster Endabschnitt des Kontaktstiftes als Lötende
und ein zweiter Endabschnitt des Kontaktstiftes als Steckende dient. Auf den ersten
Endabschnitt und den zweiten Endabschnitt wird galvanisch eine Zinn-haltige Schicht
aufgebracht. Nachfolgend wird ausschließlich die auf den zweiten Endabschnitt aufgebrachte
Zinn-haltige Schicht umgeschmolzen. Insbesondere eignet sich das Verfahren, wenn der
Querschnitt des Steckendes mindestens die Dicke des Querschnitts des Lötendes aufweist.
[0018] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand der Zeichnungen näher
erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Schnittansicht eines Kontaktstifts eines Flachsteckers und
- Fig. 2
- ein Band aus Kontaktstiften.
[0019] Das Werkstück 1 in Fig. 1 ist ein Kontaktstift-Rohling, welcher vorzugsweise aus
Kupfer hergestellt ist. Dieser weist einen ersten Endabschnitt 1 a, welcher das Lötende
bildet, einen Verbindungsabschnitt 1 b und einen zweiten Endabschnitt 1 c, welcher
das Steckende bildet, auf. Der erste Endabschnitt 1 a weist einen geringeren Querschnitt
als der zweite Endabschnitt 1 c auf.
[0020] Im ersten Endabschnitt 1a und im zweiten Endabschnitt 1c befinden sich jeweils zu
beschichtende erste Abschnitte 2. Der erste Endabschnitt 1 a wird galvanisch mit einer
Zwischenschicht 3 aus Nickel beschichtet, die eine Dicke von vorzugsweise 0,1 µm bis
4 µm aufweist. Darauffolgend wird der im ersten Endabschnitt 1 a enthaltende erste
Abschnitt 2 galvanisch mit einer Zinnschicht 4 beschichtet, die eine Dicke zwischen
1 µm und 10 µm, vorzugsweise 5 µm bis 8 µm, aufweist. Nachfolgend wird der im zweiten
Endabschnitt 1c enthaltene erste Abschnitt 2 galvanisch mit einer Zinnschicht 4 beschichtet,
die eine Dicke von 1 µm bis 10 µm, vorzugsweise 2 µm bis 4 µm aufweist. Alle ersten
Abschnitte 2 sind damit mit einer Zinn-haltigen Schicht 4 beschichtet.
[0021] Das Werkstück 1 wird dann in einem Ofen auf eine Temperatur T1 zwischen 100°C und
230°C, vorzugsweise zwischen 200°C und 230°C, erhitzt. Anschließend wird ein zweiter
Abschnitt 5 lokal z. B. mittels Heißluft auf eine höhere Temperatur T2 zwischen 227°C
und 380°C, vorzugsweise zwischen 220°C und 260°C für eine Dauer t von 1 bis 10 s,
vorzugsweise 2 bis 5 s erhitzt, so dass im zweiten Abschnitt 5 die Zinnschicht umschmilzt
und die umgeschmolzene Zinnschicht 6 entsteht. Die Wärmeübertragung reicht bei der
lokalen Erhitzung im zweiten Abschnitt 5 auf die Temperatur T2 nicht aus, um ein Umschmelzen
des ersten Abschnitts 2 im ersten Endabschnitt 1 a zu bewirken.
[0022] Das Werkstück 1 in Fig. 2 ist ein Band mit einer Vielzahl von Kontaktstiften, die
erste und zweite Endabschnitte 1 a, 1 c aufweisen, welche - wie beim ersten Ausführungsbeispiel
- mittels der Verbindungsabschnitte 1 b miteinander verbunden sind. Die zu beschichtenden
ersten Abschnitte 2, im Bereich der ersten und zweiten Endabschnitte 1 a, 1 c, werden
galvanisch mit einer Zinn-haltigen Schicht beschichtet. Darauffolgend wird das Werkstück
1 in einem Ofen auf die Temperatur T1 erhitzt. Anschließend werden ausschließlich
die zweiten Abschnitte 5 im Bereich der zweiten Endabschnitte 1 c auf die höhere Temperatur
T2 erhitzt, so dass dort die umgeschmolzene Zinn-haltige Schicht 6 entsteht. Die Kontaktstifte
werden nachfolgend im Bereich der Trennfläche 7 getrennt.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0023]
- 1
- Werkstück
- 1a
- erster Endabschnitt
- 1b
- Verbindungsabschnitt
- 1c
- zweiter Endabschnitt
- 2
- erster Abschnitt
- 3
- Zwischenschicht
- 4
- Zinn-haltige Schicht
- 5
- zweiter Abschnitt
- 6
- umgeschmolzene Zinn-haltige Schicht
- 7
- Trennfläche
1. Verfahren zur Herstellung eines Werkstücks (1) aus Metall mit einer darauf aufgebrachten,
abschnittsweise umgeschmolzenen Zinn-haltigen Schicht (6) mit folgenden Schritten:
a) galvanisches Aufbringen der Zinn-haltigen Schicht (4) auf vorgegebene erste Abschnitte
(2) des Werkstücks, nachfolgend
b) Aufheizen des Werkstücks (1) auf eine erste Temperatur T1 zwischen 100°C und 230°C
und nachfolgend
c) lokales Aufheizen eines in den ersten Abschnitten (2) enthaltenen zweiten Abschnitts
(5) auf eine zweite Temperatur T2 zwischen 227°C und 380°C, so dass ausschließlich
im zweiten Abschnitt (5) die Zinn-haltige Schicht (4) umgeschmolzen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei die Zinn-haltige Schicht (4) mit einer Dicke von
1 bis 10 µm, vorzugsweise 2 bis 8 µm, vorzugsweise 2 bis 6 µm, vorzugsweise 2 bis
4 µm aufgebracht wird.
3. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die erste Temperatur T1 zwischen
200°C und 230°C gewählt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei mehrere zweite Abschnitte
(5) nacheinander umgeschmolzen werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das lokale Aufheizen mittels
einer Heißluftquelle erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die zweite Temperatur T2
zwischen 227°C und 260°C gewählt wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der zweite Abschnitt (5)
für eine Dauer t von 1 s bis 10s, vorzugsweise 2s bis 5s, auf die zweite Temperatur
T2 aufgeheizt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei es sich bei dem Metall um
Kupfer oder eine Kupferlegierung handelt.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei als Kupferlegierung eine
der folgenden Legierungen verwendet wird: CuFe, CuFe2P, CuNiSn, Cu-NiSi, Messing (CuZn), CuBe, CuSnZn, CuSn4, CuSn6 oder CuSn8.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei vor dem Aufbringen der Zinn-haltigen
Schicht (4) zumindest eine Zwischenschicht (3) auf das Werkstück (1) aufgebracht wird.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Zwischenschicht (3) aus
Nickel und/oder Kupfer gebildet ist.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei die Zwischenschicht (3) mit
einer Dicke von 0,1 µm bis 4 µm aufgebracht wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Werkstück (1) als Kontaktstift
eines Flachsteckers ausgebildet ist, wobei ein erster Endabschnitt (1a) des Kontaktstiftes
als Lötende und ein zweiter Endabschnitt (1c) des Kontaktstiftes als Steckende dient,
wobei auf den ersten Endabschnitt (1 a) und den zweiten Endabschnitt (1 c) galvanisch
eine Zinn-haltige Schicht (4) aufgebracht wird, und
wobei nachfolgend ausschließlich die auf den zweiten Endabschnitt aufgebrachte Zinn-haltige
Schicht (4) umgeschmolzen wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, wobei der Querschnitt des Steckendes mindestens die Dicke
des Querschnitts des Lötendes aufweist.