[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen vollabgefederten Einzelradantrieb eines
Niederflurschienenfahrzeuges gemäß dem Oberbegriff des Anspruches 1.
[0002] Bei Niederflur-Schienenfahrzeugen ist der Antrieb regelmäßig außen am Antriebsrad
angebracht. Weil aber bei Schienenfahrzeugen eine bestimmte Breite nicht überschritten
werden darf, ist der vorhandene Platz für den Antrieb begrenzt. Dies hat zur Folge,
dass die Leistung des Antriebes ebenfalls begrenzt ist, weil für einen größeren Elektromotor
und eine dementsprechend größere Bremsvorrichtung kein Platz ist. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass auch bei Niederflur-Schienenfahrzeugen eine größtmögliche Bodenfreiheit angestrebt
wird, damit Bodenwellen, eventuell vorhandene Schneeanhäufungen oder dergleichen zuverlässig
überfahren werden können.
[0003] Aus der
EP 0 698 540 B1 ist ein Antrieb für ein Niederflur-Schienenfahrzeug bekannt, bei dem ein elektromechanischer
Antrieb über eine Antriebswelle auf ein Winkelgetriebe mit einem Kegelrad wirkt, und
wobei zwischen dem Kegelrad und dem Rad eine als Keilpaketkupplung ausgeführte kardanische
Doppelkupplung vorgesehen ist. Zwischen dem elektromechanischen Antrieb und dem Winkelgetriebe
ist an der Antriebswelle eine Bremsvorrichtung vorgesehen. Diese Bremsvorrichtung
und der Elektroantrieb sind innerhalb eines Gehäuses zwischen den angetriebenen Rädern
angeordnet. Damit das Niederflur-Schienenfahrzeug eine für den Betrieb ausreichende
Bodenfreiheit aufweist, können der Antriebsmotor und die Bremsvorrichtung nur einen
geringen Durchmesser aufweisen. Der aus der
EP 0 698 540 B1 bekannte Antrieb mit seiner begrenzten Antriebsleistung ist im innerstädtischen Betrieb
auf ebenen Strecken und bei gut ausgebauten Schienenwegen mit nur geringen Bodenwellen
und bei nur wenig Schnee verwendbar.
[0004] Um dem Wunsch nach größeren Zügen gerecht zu werden oder damit die Niederflur-Schienenfahrzeuge
auch auf Steigungsstrecken einsetzbar sind, wird eine größere Motorleistung benötigt,
wobei zwangsläufig der Antriebsmotor und die Bremsvorrichtung größer ausgebildet werden
müssen. Mit dem aus der
EP 0 698 540 B1 bekannten Antrieb ist dies aber nicht möglich, weil dann die für den Betrieb erforderliche
Bodenfreiheit nicht mehr realisiert werden kann.
[0005] Andererseits ist es aber auch nicht möglich, bei gleicher Antriebs- und Bremsleistung
die Bodenfreiheit zu vergrößern, damit das Niederflur-Schienenfahrzeug auch auf schlecht
ausgebauten Strecken mit großen Bodenwellen und/oder bei großen Schneemengen eingesetzt
werden kann.
[0006] Davon ausgehend liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zu Grunde, eine Antriebsvorrichtung
der eingangs genannten Art zu schaffen, die eine größer Motorleistung bei gleichzeitig
hoher Bodenfreiheit erlaubt, bzw. die bei gleicher Motorleistung eine erhöhte Bodenfreiheit
besitzt.
[0007] Als technische Lösung dieser Aufgabe wird erfindungsgemäß eine Antriebsvorrichtung
der eingangs genannten Art mit den Merkmalen des Anspruches 1 vorgeschlagen. Vorteilhafte
Weiterbildungen dieser Antriebsvorrichtung sind den Unteransprüchen zu entnehmen.
[0008] Eine nach dieser technischen Lehre ausgebildete Antriebsvorrichtung hat den Vorteil,
dass die Anbringung der Bremsvorrichtung außerhalb des Antriebsstranges den Einsatz
einer größeren Bremsscheibe erlaubt, weil außerhalb des Gehäuses des Getriebes mehr
Platz zur Verfügung steht, was letztendlich zu einer höheren Bremsleistung führt.
[0009] Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass eine außerhalb des Getriebes/Antriebsstranges
angeordnete Bremsscheibe besser belüftet wird, weil ein einfacherer Luftaustausch
als innerhalb des Getriebes/Antriebsstranges vorliegt. Dies führt bei gleicher Größe
der Bremsscheibe zu einer verbesserten Bremsleistung oder bei gleicher Bremsleistung
zu einer kleineren Bremsscheibe, was zu einer erhöhten Bodenfreiheit führt.
[0010] Noch ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die außen liegende Bremsvorrichtung
besser zugänglich ist, so dass Wartungs- oder Reparaturarbeiten einfacher ausgeführt
werden können.
[0011] In einer bevorzugten Ausführungsform sind sowohl der Bremssattel, als auch die Bremsscheibe
am Antriebsstrang, insbesondere am Getriebe gehalten. Dies hat den Vorteil, dass zwischen
dem Bremssattel und der Bremsscheibe keine Relativbewegung stattfindet mit der Folge,
dass die gesamte Fläche der Bremsscheibe genutzt werden kann. Dies wiederum ermöglicht
bei gleicher Bremswirkung den Einsatz einer kleineren Bremsscheibe und führt zu einer
kompakteren Bauweise der Antriebsvorrichtung, wobei die Breite der Antriebsvorrichtung
reduziert und die Bodenfreiheit vergrößert ist.
[0012] Die Befestigung der Bremsscheibe an der Getriebewelle mittels einer Stirnverzahnung
und/oder einer zentralen Schraube erleichtert die Montage und die Demontage der Bremsscheibe,
was zu einer weiteren Reduzierung der Wartungs- und Reparaturkosten beiträgt.
[0013] In einer weiteren, bevorzugten Ausführungsform ist das Getriebe zweistufig ausgeführt,
wobei zwischen der ersten und der zweiten Stufe eine Getriebewelle vorgesehen ist.
Diese Getriebewelle ist vorzugsweise als Kegelritzelwelle ausgeführt. Mit dieser zweistufigen
Ausführung des Getriebes, insbesondere wenn ein Stirnrad und ein Kegelrad eingesetzt
wird, kann eine kompaktere Bauweise der Antriebsvorrichtung realisiert werden.
[0014] Weitere Vorteile der erfindungsgemäßen Antriebsvorrichtung ergeben sich aus der beigefügten
Zeichnung und den nachstehend beschriebenen Ausführungsformen. Ebenso können die vorstehend
genannten und die noch weiter ausgeführten Merkmale erfindungsgemäß jeweils einzeln
oder in beliebigen Kombinationen miteinander verwendet werden. Die erwähnten Ausführungsformen
sind nicht als abschließende Aufzählung zu verstehen, sondern haben vielmehr beispielhaften
Charakter. Es zeigen:
- Fig. 1
- eine perspektivisch dargestellte Seitenansicht eines erfindungsgemäßen Einzelradantriebes
eines Niederflur-Schienenfahrzeuges;
- Fig. 2
- eine vergrößerte Detailansicht des Antriebsstranges des Einzelradantriebes gemäß Fig.
1;
- Fig. 3
- eine teilweise geschnitten dargestellte Detailansicht des Antriebsstranges gemäß Fig.
2, jedoch ohne den Bremssattel.
[0015] Die Figs. 1 bis 3 zeigen in schematischer Weise einen Teil voll abgefederten Einzelantrieb
eines Niederflur-Schienenfahrzeuges mit einem schematisch angedeuteten Chassis 10,
welches auf einem Drehgestell 12 gehalten ist. An dem Drehgestell 12 ist ein Antriebsstrang
14 gehalten, welcher eine auf einer hier nicht dargestellten Schiene laufendes Antriebsrad
16 antreibt. Der Antriebsstrang 14 selbst umfasst insbesondere einen elektromechanischen
Antrieb 18, eine Antriebswelle 20, ein Getriebe 22, eine Kupplung 24, einen Radadapter
26 und eine Bremsvorrichtung 28.
[0016] In Fig. 3 ist der elektromechanische Antrieb 18 nur angedeutet, der die Antriebswelle
20, antreibt. Dabei ist zwischen dem elektromechanischen Antrieb 18 und der Antriebswelle
20 eine Stahl-Membrankupplung 30 vorgesehen, um etwaige relative Bewegungen zwischen
dem elektromechanischen Antrieb 18 und dem Getriebe 22 auszugleichen.
[0017] Abtriebseitig ist die Antriebswelle 20 mit einem Stirnrad 32 versehen, welches mit
einer Kegelritzelwelle 34 in Wirkverbindung steht. Abtriebseitig ist die Kegelritzelwelle
34 als Kegelrad 35 ausgeführt und steht in Wirkverbindung mit einer entsprechend ausgebildeten,
hier nicht näher dargestellten Getriebehohlwelle.
[0018] Zur Reduzierung der Baugröße des Antriebsstranges 14 trägt auch der Umstand bei,
dass die gesamte Bremsvorrichtung 28 außerhalb des Getriebes 22 angeordnet ist. Diese
Bremsvorrichtung 28 umfasst unter anderem eine Bremsscheibe 36 und einen Bremssattel
38. Dabei sind sowohl die Bremsscheibe 36 als auch der Bremssattel 38 direkt am Getriebe
22 befestigt, wobei die Bremsscheibe 36 über eine zentrale Schraube 40 an einem dem
Kegelrad 35 gegenüberliegenden Ende der Kegelritzelwelle 34 befestigt ist. Zusätzlich
ist zwischen der Bremsscheibe 36 und dem stirnseitigen Ende der Kegelritzelwelle 34
eine Stirnverzahnung 42 vorgesehen, um eine gute Kraftübertragung von der Bremsscheibe
36 auf die Kegelritzelwelle 34 zu ermöglichen. Über die zentrale Schraube 42 kann
die freiliegende Bremsscheibe 36 in einfacher Weise montiert und demontiert werden,
was die Wartungskosten reduziert.
[0019] Durch die Anordnung sowohl der Bremsscheibe 36, als auch des Bremssattels 38 direkt
am Getriebe 22 wird eine Relativbewegung zwischen der Bremsscheibe 36 und dem Bremssattel
38 vermieden, so dass die gesamte Fläche der Bremsscheibe 36 zum Bremsen benutzt werden
kann. Dies wiederum ermöglicht eine kleinere Bauweise. So wird sowohl der Breite der
gesamten Antriebsvorrichtung verringert und als auch deren Bodenfreiheit vergrößert.
[0020] Gleichzeitig wird die außen liegende Bremsscheibe besser belüftet und damit besser
gekühlt, so dass die Bremswirkung verbessert wird. Auch dies ermöglicht den Einsatz
einer kleineren Bremsscheibe 36 und führt ebenfalls zu einer kompakten Bauweise der
Antriebsvorrichtung 14.
1. Voll abgefederter Einzelradantrieb eines Niederflurschienenfahrzeuges, insbesondere
zur Personenbeförderung, mit einem auf einer Schiene geführten Rad (16), mit einer
Bremsvorrichtung (28) für dieses Rad (16) und mit einem auf das Rad (16) wirkenden
Antriebsstrang (14), wobei der Antriebsstrang (14) einen elektromechanischen Antriebsmotor
(18) und ein Getriebe (22) mit integrierter Radlagerung (24), sowie eine vom Antriebsmotor
(18) auf das Getriebe (22) wirkende Antriebswelle (20) und eine vom Getriebe (22)
auf die Radlagerung (24) wirkende Getriebewelle (34) umfasst und wobei der Antriebsstrang
(14) und die Bremsvorrichtung (28) auf einer Radaußenseite angeordnet sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremsvorrichtung (28) außerhalb des Antriebsstranges (14) vorgesehen ist und
dass die Bremsvorrichtung (28) an der Getriebewelle (34) oder an der Antriebswelle
(20) angreift.
2. Einzelradantrieb nach Anspruch 1
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremsvorrichtung (28) eine Bremsscheibe (36) und einen die Bremsscheibe teilweise
umgreifenden Bremssattel (38) umfasst und dass sowohl die Bremsscheibe (63), als auch
der Bremssattel (38) am Antriebsstrang (14) gehalten sind.
3. Einzelradantrieb nach Anspruche 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass sowohl die Bremsscheibe (36), als auch der Bremssattel (38) an einem Gehäuse des
Getriebes (22) gehalten sind.
4. Einzelradantrieb nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremsvorrichtung (28) eine Bremsscheibe (36) aufweist, welche an einer Stirnseite
der Getriebewelle (34) angreift ist.
5. Einzelradantrieb nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremsscheibe (36) über eine Stirnverzahnung (42) an der Stirnseite der Getriebewelle
(34) angreift.
6. Einzelradantrieb nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Bremsscheibe (36) über eine einzige, zentrale Schraube (40) an der Stirnseite
der Getriebewelle (34) gehalten ist.
7. Einzelradantrieb nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Antriebswelle (20) und die Getriebewelle (34) koaxial angeordnet sind.
8. Einzelradantrieb nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Getriebe (22) zweistufig ausgeführt ist, wobei die Getriebewelle (34) zwischen
einer ersten Getriebestufe und einer zweiten Getriebestufe angeordnet ist.