[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung eines partiell
gehärteten Formteils, insbesondere zur Verwendung als Strukturbauteil eines Kraftfahrzeugs.
[0002] Aus der
DE 10 2005 032 113 B3 ist ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Warmunformen und partiellen Härten eines
Bauteils zwischen zwei Werkzeughälften in einer Presse bekannt. Die Werkzeughälften
sind jeweils in mehrere Segmente unterteilt, die durch eine Wärmeisolierung voneinander
getrennt sind. Die beiden Segmente können durch eine Temperaturregelung beheizt oder
gekühlt werden, so dass in verschiedenen Bereichen des Bauteils unterschiedliche Temperaturen
und damit Abkühlkurven einstellbar sind.
[0003] Aus der
EP 1 715 066 A1 ist eine Vorrichtung zum Umformen und Presshärten von Metallblechen bekannt. In einem
Umformwerkzeug sind Heizelemente integriert, um das Metallblech im Umformraum bereichsweise
zu beheizen und durch gezielte Temperierung das Werkstoffgefüge zu beeinflussen. Die
Heizelemente sind gegenüber den benachbarten Wandungen des Umformwerkzeugs durch eine
Isolierschicht wärmegedämmt.
[0004] Aus der
DE 10 2006 015 666 A1 ist ein Verfahren zur Herstellung eines metallischen Formbauteils durch Warmumformen
mit simultaner Beschneideoperation bekannt. Hierfür wird ein Kombinationswerkzeug
mit einem an einem Pressenstößel befestigten Oberwerkzeug, einer über Kraftelemente
auf einem Pressentisch gelagerten Matrize und mit einem auf einem Schneidstempel fixierten
Schneidwerkzeug verwendet. Der Schneidstempel ist am Rand oder in einer Aussparung
der Matrize angeordnet. Der Beschnitt soll bei einer Temperatur zwischen 400°C und
700°C erfolgen.
[0005] Formteile, insbesondere als Strukturbauteile von Kraftfahrzeugen, sollen unterschiedliche,
einander teilweise widersprechende technische Eigenschaften haben. So sollen Formteile
in Teilbereichen eine hohe Härte beziehungsweise Festigkeit und niedrige Duktilität
aufweisen, während in anderen Teilbereichen wiederum eine niedrige Härte beziehungsweise
Festigkeit und eine hohe Duktilität gewünscht sind. Daraus leitet sich die Anforderung
ab, Formteile endkonturnah und gezielt mit den gewünschten Werkstoffeigenschaften
herzustellen.
[0006] Der vorliegenden Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
von partiell gehärteten Formteilen vorzuschlagen, welches sich einfach und schnell
durchführen lässt und mit dem sich die Formteile endkonturnah herstellen lassen. Die
Aufgabe besteht ferner darin, eine entsprechende Vorrichtung vorzuschlagen, welche
die Herstellung gehärteter Formteile mit hoher Genauigkeit und kurzen Taktzeiten ermöglicht.
[0007] Eine Lösung besteht in einem Verfahren zur Herstellung eines partiell gehärteten
me-tallischen Formteils, mit den Schritten: Erwärmen eines Halbzeugs aus einem härtbaren
warmumformbaren Stahlblech auf eine Härtetemperatur; Warmumformen des erwärmten Halbzeugs
in einer kombinierten Warmumform-Schneide-Vorrichtung zu einem dreidimensionalen Formteil;
Beschneiden des Formteils in der kombinierten Warmumform-Schneide-Vorrichtung; Presshärten
des Formteils in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung zu einem gehärteten Formteil
derart, dass ein erster Teilbereich durch schnelles Abkühlen gehärtet wird, und, dass
ein zweiter Teilbereich des Formteils durch Erwärmen mit einer höheren Duktilität
und niedrigeren Festigkeit erzeugt wird als der erste Teilbereich; wobei das Beschneiden
des Formteils zumindest in einem von dem ersten Teilbereich und dem zweiten Teilbereich
erfolgt.
[0008] Ein Vorteil des Verfahrens besteht darin, dass sich in einem Prozessschritt Formteile
warmumformen, beschneiden und presshärten lassen. Eine Nachbearbeitung durch einen
gesonderten Beschneidevorgang in einem separaten Beschneidewerkzeug kann entfallen.
Ungewünschte Veränderungen hinsichtlich Form und Gefüge der Formteile können minimiert
werden. Es wird auf einfache Weise ein endkonturnahes Formteil mit den gewünschten
Werkstoffeigenschaften erzeugt. Mit zumindest einem von dem ersten und dem zweiten
Teilbereich ist gemeint, dass das Beschneiden in dem ersten Teilbereich und/oder in
dem zweiten Teilbereich erfolgen kann.
[0009] Das Erwärmen auf Härtetemperatur kann derart erfolgen, dass das gesamte Ausgangsbauteil
erhitzt wird oder partiell nur die zu härtenden Teilbereiche. Mit Härtetemperatur
ist in diesem Zusammenhang eine Temperatur des Halbzeugs beziehungsweise Bauteils
gemeint, die mindestens erforderlich ist, um das Bauteil anschließend durch schnelles
Abkühlen (Abschrecken) zu härten. Bei Austenit bildenden Stählen wäre die minimale
Härtetemperatur beispielsweise die Austenisierungstemperatur. Das schnelle Abkühlen
(Abschrecken) erfolgt insbesondere unterhalb der kritischen Abkühlgeschwindigkeit,
so dass es zur Ausbildung eines martensitischen Härtegefüges kommt.
[0010] Das Beschneiden des Formteils kann zumindest in einem zweiten Teilbereich erfolgen,
der erwärmt wird und damit weicher ist als der zu härtende erste Teilbereich. Dies
hat den Vorteil, dass die Schneideoperation einfacher durchgeführt werden kann und
das Schneidwerkzeug nur einem geringen Verschleiß unterliegt. Mit der Formulierung
zumindest ein erster beziehungsweise zweiter Teilbereich soll im Rahmen dieser Offenbarung
insbesondere mit umfasst sein, dass das Formteil jeweils ein oder mehrere erste und
zweite Teilbereiche aufweisen kann. Es ist vorgesehen, dass zumindest einer der weicheren
zweiten Teilbereiche beschnitten wird, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass weitere
zweite Teilbereiche unbeschnitten bleiben können und/oder, dass auch ein oder mehrere
erste Teilbereiche vor dem Presshärten teilweise oder vollständig beschnitten werden.
Sofern vorliegend von einem oder dem ersten Teilbereich oder einem oder dem zweiten
Teilbereich die Rede ist, soll dies stets im Sinne von zumindest einem der jeweiligen
Teilbereiche gemeint sein.
[0011] Als auch als Halbzeug bezeichnetes Ausgangsmaterial für das herzustellende Formteil
kann insbesondere eine Platine aus Stahlblech verwendet werden. Die Platine kann eine
einheitliche oder variable Blechdicke über der Länge und/oder Breite aufweisen. Die
Herstellung einer Platine mit variabler Blechdicke kann beispielsweise durch Flexibles
Walzen von Bandmaterial und anschließendes Ausschneiden der Platine aus dem flexibel
gewalzten Bandmaterial erfolgen, oder durch Aneinanderschweißen von Teilplatinen mit
unterschiedlicher Blechdicke.
[0012] Nach einer bevorzugten Ausgestaltung wird das Halbzeug beziehungsweise Bauteil während
des Warmumformens in einem randseitigen zweiten Teilbereich erwärmt. Das heißt mindestens
einer der weicheren zweiten Teilbereiche bildet eine Randzone des Formteils, welche
im Rahmen des kombinierten Warmumform-, Schneide- und Presshärteprozesses beschnitten
wird. Auf diese Weise erhält das Formteil seine Endkontur, so dass ein separater Beschneidevorgang
entfallen kann. Der zweite Teilbereich kann optional vor, während und/oder nach dem
Warmumformen mit Luft beströmt werden. Dies gilt alternativ oder in Ergänzung auch
für den zu härtenden ersten Teilbereich, der zumindest partiell mit Luft beströmt
werden kann. In dem zu härtenden ersten Teilbereich hat das kurzzeitige Beströmen
mit Luft die Funktion, dass eine übermäßige Wanddickenreduktion aufgrund hoher Temperaturen
verhindert wird.
[0013] Nach einer Ausführungsform kann die kombinierte Warmumform-Schneide-Vorrichtung zumindest
ein oberes Werkzeugteil und zumindest ein unteres Werkzeugteil aufweisen, die zum
Warmumformen des Bauteils geschlossen werden, wobei das Beschneiden insbesondere während
oder nach dem Schließen der Werkzeugteile erfolgt. Das Schließen der Werkzeugteile
kann dadurch erfolgen, dass nur eines der beiden Werkzeugteile bewegt wird, während
das andere ortsfest ist, oder dadurch, dass beide Werkzeugteile aufeinander zu bewegt
werden. Zum Warmumformen wird das Halbzeug, welches zumindest in Teilbereichen auf
Härtetemperatur erwärmt ist, zwischen das obere und untere Werkzeugteil eingelegt.
Beim Zusammenpressen der beiden Werkzeugteile überträgt sich die Kontur des Formwerkzeugs
auf das Halbzeug, welches somit zum Formteil umgeformt wird. Sofern zu härtende erste
Teilbereiche zu beschneiden sind, erfolgt deren Beschnitt vorzugsweise bevor die Werkzeugteile
vollständig geschlossen sind. Die zweiten Teilbereiche mit höherer Duktilität können
prinzipiell zu jeder Zeit beschnitten werden, das heißt vor, während und/oder nach
dem vollständigen Schließen. Durch das vollständige Schließen, was dem Ende des Pressenhubes
entspricht, kommen diese in flächigen Anlagekontakt mit dem Formteil, so dass der
erste Teilbereich schnell abgekühlt und damit gehärtet wird. Der zweite Teilbereich
wird während des Umformens und Pressens in dem Werkzeug erwärmt. Hierfür hat zumindest
eines der Werkzeugteile eine entsprechende Temperiereinrichtung, mit der das Werkzeug
in dem mit dem zweiten Teilbereich in Kontakt kommenden Abschnitt erwärmt werden kann.
[0014] Nach dem Schließen der Werkzeugteile kann das Formteil in dem zweiten Teilbereich
auf einer definierten Temperatur gehalten werden, die insbesondere zwischen 3000C
und 600°C liegt. Die Haltedauer des Formteils zwischen den geschlossenen Werkzeugteilen
kann zwischen 0,5 Sekunden bis 360 Sekunden liegen. Am Ende des Pressenhubes, das
heißt wenn das Bauteil zumindest weitestgehend umgeformt ist, wird der zweite Teilbereich
beschnitten. Das Formteil hat nunmehr seine Endkontur und kann nach dem erneuten Öffnen
der Werkzeugteile aus der Vorrichtung entnommen werden. Nach dem Öffnen der Werkzeugteile
kann der zweite Teilbereich des Formteils mit Luft beströmt werden. Um ein Überhitzen
des temperierten Werkzeugteiles zu vermeiden, kann als weiterer Prozessschritt vorgesehen
sein, dass ein oder mehrere der Werkzeugteile zeitweise oder permanent gekühlt wird,
das heißt vor, während und/oder nach dem Warmumformen. Dies kann sowohl für einen
erwärmten zweiten Werkzeugabschnitt als auch für einen ersten Werkzeugabschnitt gelten.
[0015] Die oben genannte Aufgabe wird ferner gelöst durch eine Warmumform-Schneide-Vorrichtung
zur Herstellung eines metallischen Formteils, umfassend: ein oberes Werkzeugteil;
ein unteres Werkzeugteil; wobei das obere Werkzeugteil und das untere Werkzeugteil
geschlossen werden können, um ein zwischen das obere Werkzeugteil und das untere Werkzeugteil
eingelegtes Halbzeug zu einem Formteil umzuformen; wobei zumindest eines von dem oberen
und dem unteren Werkzeugteil einen ersten Werkzeugabschnitt aufweist, der beim Schließen
mit einem ersten Teilbereich des Halbzeugs Kontakt kommt, wobei der erste Werkzeugabschnitt
eine erste Temperiereinrichtung umfasst, mit der der erste Werkzeugabschnitt auf eine
erste Temperatur einstellbar ist; wobei zumindest eines von dem oberen und dem unteren
Werkzeugteil einen zweiten Werkzeugabschnitt aufweist, der beim Schließen mit einem
zweiten Teilbereich des Halbzeugs Kontakt kommt; wobei der zweite Werkzeugabschnitt
eine zweite Temperiereinrichtung umfasst, mit der der zweite Werkzeugabschnitt auf
eine zweite Temperatur einstellbar ist, die höher ist als die erste Temperatur des
ersten Werkzeugabschnitts; wobei zumindest eines von dem oberen und dem unteren Werkzeugteil
in zumindest einem von dem ersten Werkzeugabschnitt und dem zweiten Werkzeugabschnitt
zumindest ein Schneidwerkzeug aufweist, welches ausgestaltet ist, um das Formteil
in dem jeweiligen ersten beziehungsweise zweiten Teilbereich zu beschneiden.
[0016] Mit der genannten Vorrichtung ergeben sich dieselben im Zusammenhang mit dem Verfahren
bereits genannten Vorteile. Insbesondere lassen sich mit der Vorrichtung Formteile
in einem Schritt warmumformen, beschneiden und partiell härten. Die Vorrichtung ermöglicht
die Herstellung eines endkonturnahen Formteils mit den gewünschten Werkstoffeigenschaften.
Es versteht sich, dass Verfahren und Vorrichtung insoweit zusammengehören, als dass
sämtliche verfahrensbezogene Merkmale auf die Vorrichtung übertragbar sind und umgekehrt,
sämtliche vorrichtungsbezogenen Merkmale auf das Verfahren. Ein mit der Vorrichtung
beziehungsweise dem Verfahren hergestelltes Formteil eignet sich besonders als Strukturbauteil
zur Verwendung in einer Fahrzeugkarosserie oder einem Fahrwerk eines Kraftfahrzeugs.
[0017] Es ist vorgesehen, dass die erste Temperiereinrichtung ausgestaltet ist, um den ersten
Werkzeugabschnitt derart schnell zu kühlen, dass das Formteil in dem ersten Teilbereich
gehärtet wird. Hierfür kann die erste Temperiereinrichtung eine Kühlkanalanordnung
aufweisen, die von einem Kühlmedium durchströmbar ist. Die Kühlkanäle verlaufen derart
durch das Werkzeug, dass die mit dem ersten Teilbereich in Kontakt kommende Werkzeugoberfläche
abgekühlt wird. Als Kühlmedium kann beispielsweise Wasser verwendet werden. Es ist
ferner vorgesehen, dass die zweite Temperiereinrichtung ausgestaltet ist, um den zweiten
Werkzeugabschnitt zu erwärmen, so dass das Formteil in dem zweiten Teilbereich eine
höhere Duktilität erhält als in dem ersten Teilbereich. Als Temperiereinrichtung können
Heizpatronen verwendet werden, die in entsprechenden Hohlräumen des zweiten Werkzeugabschnitts
angeordnet sind. Die Heizpatronen sind in den Bereichen des Werkzeugs anordnet, in
denen das Bauteil durch Erwärmung eine höhere Duktilität erhalten soll. Dabei überträgt
sich die Wärme der Heizpatronen auf das Werkzeug und von diesem auf das Bauteil.
[0018] Zusätzlich zur Temperiereinrichtung zum Erwärmen des Werkzeugs kann im zweiten Werkzeugabschnitt
auch eine Kanalanordnung zum Kühlen vorgesehen sein, die von einem Fluid durchströmbar
ist. Hiermit kann ein Überhitzen des Werkzeugs verhindert werden. Es versteht sich,
dass eine solche Kanalanordnung auch im ersten Werkzeugabschnitt vorgesehen sein kann.
Der erste und der zweite Werkzeugabschnitt weisen jeweils zumindest eine Formfläche
auf, die beim Schließen mit dem Bauteil in Kontakt kommt, wobei zumindest eine Teilzahl
von Kanälen der Kanalanordnung so gestaltet sein kann, dass sie in eine der Formflächen
münden. In diesem Fall wird vorzugsweise Luft als Fluid verwendet, die an das Bauteil
angeblasen werden kann. Hierdurch wird das Formteil gekühlt, wobei die Luft gleichzeitig
auch eine Kühlwirkung für das Formteil hat. Es ist auch eine Ausgestaltung denkbar,
bei der die Kühlkanäle keine Mündung zur Formfläche aufweisen, sondern lediglich im
Innern des Werkzeugs mit Abstand zur Oberfläche verlaufen. Dabei können die Kühlkanäle
insbesondere mit tieferem Abstand zur Werkzeugoberfläche angeordnet sein als Teile
der Temperiereinrichtung zum Erwärmen des Werkzeugs.
[0019] Nach einer Ausführungsform können ein zweiter Werkzeugabschnitt und ein erster Werkzeugabschnitt
durch ein Isoliermaterial oder einen Spalt voneinander getrennt sein. In letzterem
Fall wirkt der Spalt als Isolierung zwischen den zwei Werkzeugabschnitten, so dass
diese sich hinsichtlich der einzustellenden Temperatur nicht gegenseitig in ungewünschter
Weise beeinflussen. Alternativ oder in Ergänzung können ein erster und ein zweiter
Werkzeugabschnitt unmittelbar, das heißt spaltlos aneinander anschließen.
[0020] Ein Schneidwerkzeug zum Beschneiden des umgeformten Formteils kann prinzipiell an
jeder gewünschten Stelle der Warmumform-Schneide-Vorrichtung angeordnet sein, in der
ein Beschneiden des Formteils erforderlich ist. Insbesondere kann ein Schneidwerkzeug
in einem Randbereich des ersten und/oder zweiten Werkzeugabschnitts angeordnet sein,
so dass ein überstehender Rand des Formteils abgeschnitten wird. Auf diese Weise lassen
sich die Formteile in vorteilhafter Weise endkonturnah in der kombinierten Warmumform-Schneide-Vorrichtung
herstellen. Es versteht sich, dass ein weiteres Schneidwerkzeug auch in einem zentralen
Bereich des herzustellenden Formteils, das heißt mit Abstand zum Rand, angeordnet
sein kann, beispielsweise um dort Durchgangsöffnungen oder Bohrungen herzustellen.
[0021] Es ist insbesondere vorgesehen, dass ein Schneidwerkzeug der Warmumform-Schneide-Vorrichtung
einen Schneidstempel aufweist, die mit einem von dem oberen und unteren Werkzeugteil
verbunden ist, und eine Schneidmatrize, die mit dem anderen von dem oberen und unteren
Werkzeugteil verbunden ist, sowie eine Freistellung für Platinenabfall. Die Warmumform-Schneide-Vorrichtung
ist hinsichtlich der Bewegungsmechanik für den Warmumform- und Schneidevorgang so
gestaltet, dass das Schneiden vor dem Presshärten des Formteils erfolgt. Hierfür ist
vorgesehen, dass das Schneidwerkzeug den Schnitt am Formteil durchführt, bevor das
Formteil durch vollständigen flächigen Kontakt mit den gekühlten Werkzeugteilen abgekühlt
wird. Durch diese Ausgestaltung kann ein kosten- und energieintensives Beschneiden
des gehärteten Bauteils entfallen.
[0022] Bevorzugte Ausführungsbeispiele werden nachstehend anhand der Zeichnungsfiguren erläutert.
Hierin zeigt:
- Figur 1
- eine erfindungsgemäße Warmumform-Schneide-Vorrichtung zur Herstellung eines metallischen
Formteils in einer ersten Ausführungsform;
- Figur 2
- ein Detail der Warmumform-Schneide-Vorrichtung aus Figur 1 in vergrößerter Darstellung;
- Figur 4
- ein Ausgangsbauteil in Draufsicht;
- Figur 5
- ein aus dem Ausgangsbauteil nach Figur 4 erfindungsgemäß hergestelltes Formteil als
B-Säule;
- Figur 6
- ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung eines metallischen Formteils;
- Figur 7
- schematisch eine erfindungsgemäße Warmumform-Schneide-Vorrichtung zur Herstellung
eines metallischen Formteils in einer zweiten Ausführungsform;
- Figur 8
- schematisch eine erfindungsgemäße Warmumform-Schneide-Vorrichtung zur Herstellung
eines metallischen Formteils in einer abgewandelten Ausführungsform.
[0023] Die Figuren 1 bis 6 werden nachstehend gemeinsam beschrieben.
[0024] In den Figuren 1 und 2 ist eine Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 im Querschnitt
gezeigt, welche zur Herstellung eines dreidimensionalen metallischen Formteils dient.
Ausgangsmaterial zur Herstellung des dreidimensionalen Formteils 20 ist ein Halbzeug
19, insbesondere eine Platine aus Stahlblech, die auch als Formschnitt oder flächiges
Bauteil bezeichnet werden kann.
[0025] Das Halbzeug 19 kann aus Bandmaterial aus Stahlblech hergestellt werden. Das Bandmaterial
kann durch Walzen nach vorherigem Erwärmen erzeugt werden (Warmband) und/oder das
Bandmaterial kann kaltgewalzt werden, wobei die letzte Dickenabnahme durch Walzen
ohne vorhergehendes Erwärmen erfolgt (Kaltband). Das umzuformende Halbzeug kann eine
einheitliche Blechdicke über der Länge beziehungsweise Breite des Bauteils aufweisen.
Es ist auch möglich, dass das Halbzeug Bereiche unterschiedlicher Dicke aufweist.
Diese lassen sich auf mehrere Weisen herstellen, beispielsweise mittels Flexiblem
Walzen (Tailor Rolled Blanks), Bandprofilwalzen oder durch Verschweißen einzelner
Blechtafeln mit verschiedener Blechdicke (Tailor Welded Blanks).
[0026] Beim Flexiblen Walzen wird Bandmaterial mit im Wesentlichen einheitlicher Blechdicke
durch Verändern des Walzspalts während des Prozesses zu Bandmaterial mit variabler
Blechdicke über der Länge ausgewalzt. Die durch das Flexible Walzen erzeugten Abschnitte
unterschiedlicher Dicke erstrecken sich quer zur Längsrichtung beziehungsweise zur
Walzrichtung des Bandmaterials. Beim Bandprofilwalzen wird Blechmaterial, das heißt
Bandmaterial oder einzelne Blechelemente, mit im Wesentlichen einheitlicher Dicke
durch ein Walzprofil zu Blechmaterial mit variabler Dicke über der Breite des Materials
ausgewalzt. Die durch Bandprofilwalzen erzeugten Abschnitte unterschiedlicher Dicke
erstrecken sich dabei in Längsrichtung des Blechmaterials. Beim Bandprofilwalzen,
das auch als Walzprofilieren bezeichnet wird, werden einzelne Bereiche des Blechmaterials
nach außen abgestreckt.
[0027] Mit der Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 lassen sich beliebig hergestellte Platinen
19 zum Formteil 20 weiterverarbeiten. Dabei richtet sich die konkrete Ausgestaltung
der Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 nach der Kontur des herzustellenden Formteils.
Die vorliegend gezeigte Vorrichtung 2 dient zur Herstellung eines Formteils für die
B-Säule eines Kraftfahrzeugs. Ein Formschnitt 19 zur Herstellung der B-Säule ist in
Draufsicht in Figur 3 gezeigt. Die aus dem flächigen Formschnitt 19 hergestellte dreidimensionale
B-Säule 20 ist in Figur 4 gezeigt. Die B-Säule 20 hat im Querschnitt betrachtet ein
etwa hutförmiges Profil.
[0028] Die zur Herstellung der B-Säule 20 gezeigte Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 weist
mehrere obere Werkzeugteile 3, 4, 5, und mehrere untere Werkzeugteile 6, 7, 8 auf,
zwischen denen das flächige Halbzeug eingelegt und durch relative Bewegung der Werkzeugoberteile
3, 4, 5 in Richtung Werkzeugunterteile 6, 7, 8 zum dreidimensionalen Formteil umgeformt
wird. Die unteren Werkzeugteile 6, 7, 8 sind auf Trägerelementen 9, 10 befestigt.
[0029] Die Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 weist ferner mehrere Schneidwerkzeuge 11, 12
auf, die ausgestaltet sind, um das Formteil 20 zu beschneiden. Die Schneidwerkzeuge
11, 12 umfassen jeweils eine Schneide 31, 32 und eine Gegenschneide 33, 34, die beim
Schließen der Vorrichtung zusammenwirken, um einen überstehenden Teil des Formteils
abzuschneiden. Die Schneiden, respektive Gegenschneiden, welche auch als Schneidstempel
und Schneidmatrize bezeichnet werden können, sind vorzugsweise aus einem gehärteten
Werkstoff hergestellt. Es ist erkennbar, dass die Scheiden 31, 33 jeweils in seitlichen
Ausnehmungen des Werkzeugunterteils 7 angeordnet und mit diesem fest verbunden sind.
Dies erfolgt über beispielsweise mittels Schraubverbindungen, wie die Bohrungen 22
im Werkzeugteil 7 erkennen lassen, wobei andere gängige Verbindungsarten ebenso denkbar
sind.
[0030] Die oberen Werkzeugteile 3, 4, 5 und die unteren Werkzeugteile 6, 7, 8 haben jeweils
oberflächennahe Werkzeugabschnitte 13, 14, 15; 16, 17, 18, die beim Schließen des
Werkzeugs mit dem Halbzeug in Kontakt kommen. Durch die Schließbewegung der oberen
Werkzeugteile relativ zu den unteren Werkzeugteilen wird die dazwischen angeordnete
flächige Platine zum dreidimensionalen Formteil 20 umgeformt. Die Schneidwerkzeuge
11, 12 sind im Verhältnis zu den formgebenden Werkzeugabschnitten so angeordnet, dass
das Beschneiden erfolgt, wenn das Halbzeug 19 bereits weitestgehend zum Formteil 20
umgeformt ist, aber bevor die Vorrichtung 2 vollständig geschlossen ist, das heißt
bevor das Formteil 20 bei vollständigem Flächenkontakt mit den Werkzeugteilen pressgehärtet
wird.
[0031] Es sind Temperiereinrichtungen 23, 24, 25; 26, 27, 28 vorgesehen, um die oberflächennahen
Werkzeugabschnitte zu temperieren, wobei das Temperieren ein Kühlen und/oder Erwärmen
sein kann. Es ist vorgesehen, dass zumindest eines der oberen und unteren Werkzeugteile
3, 4, 5; 6, 7, 8 zwei unterschiedliche Temperiereinrichtung derart aufweist, dass
eine erste Temperiereinrichtung des Werkzeugteils zur Kühlung und eine zweite Temperiereinrichtung
zur Erwärmung des Werkzeugteils ausgestaltet ist.
[0032] Dies wird beispielhaft am oberen Werkzeugteil 3 erläutert, dessen Temperiereinrichtung
23 eine erste Temperiereinrichtung 23A aufweist, welche zum gezielten Kühlen des zugehörigen
ersten Werkzeugabschnitts 13A auf eine erste Temperatur T1 dient, und eine zweite
Temperiereinrichtung 23B aufweist, welche zum Erwärmen des zugehörigen zweiten Werkzeugabschnitts
13B auf eine zweite Temperatur T2 dient, die höher liegt als die erste Temperatur
T1. Die erste Temperatur T1 für den ersten Werkzeugabschnitt 13A wird derart eingestellt,
dass das Formteil 20 in diesem Bereich beim Pressen zwischen den oberen Werkzeugteilen
3, 4, 5 und den unteren Werkzeugteilen 6, 7, 8 gehärtet wird. Durch den auf die erste
Temperatur T1 gekühlten ersten Werkzeugabschnitt 13A wird das Bauteil 19 ausgehend
von der Härtetemperatur derart schnell mit kritischer Abkühlgeschwindigkeit gekühlt,
dass ein Werkstoffgefüge mit hoher Härte beziehungsweise hoher Festigkeit entsteht.
[0033] Demgegenüber wird der zweite Werkzeugabschnitt 13B auf die zweite Temperatur T2 erwärmt,
die beispielsweise zwischen 300°C und 600°C liegen kann. Durch das Erwärmen des zweiten
Werkzeugabschnitts 13B erhält das Formteil 20 in diesem Bereich eine höhere Duktilität
und niedrigere Festigkeit als im gehärteten ersten Bereich. Die Werkzeugunterteile
6, 7, 8 sind entsprechend den gewünschten Gefügeeigenschaften des Formteils 20 gegengleich
zu den Werkzeugoberteilen 3, 4, 5 gestaltet. Das heißt der dem gekühlten ersten Werkzeugabschnitts
13A des oberen Werkzeugteils 3 gegenüberliegende erste Werkzeugabschnitt 17A des unteren
Werkzeugteils 7 wird ebenfalls gekühlt, während der dem erwärmten zweiten Werkzeugabschnitts
13B des oberen Werkzeugteils 3 gegenüberliegende zweite Werkzeugabschnitt 17B des
unteren Werkzeugteils 7 ebenfalls erwärmt wird.
[0034] Die ersten Temperiereinrichtungen 23A, 27A des Werkzeugoberteils 3 und des Werkzeugunterteils
7 weisen jeweils eine Kühlkanalanordnung mit mehreren Kühlkanälen auf, die von einem
Kühlmedium durchströmbar sind. Die Kühlkanäle verlaufen derart durch das Werkzeugoberteil
3 beziehungsweise das Werkzeugunterteil 7, dass die mit dem zu kühlenden Teilbereich
21 B des Halbzeugs beziehungsweise Bauteils 19 in Kontakt kommende Werkzeugoberfläche
abgekühlt wird. Als Kühlmedium kann beispielsweise Wasser verwendet werden.
[0035] Als zweite Temperiereinrichtungen 23B, 27B, welche zum Erwärmen der zweiten Werkzeugabschnitte
13B, 17B dienen, können Heizpatronen verwendet werden, die in entsprechenden Hohlräume
der zweiten Werkzeugabschnitte eingeschoben werden. Dabei überträgt sich die Wärme
der Heizpatronen auf die zweiten Werkzeugabschnitte 13B, 17B und von diesen auf das
dazwischen liegende Halbzeug beziehungsweise Bauteil 19.
[0036] Es ist erkennbar, dass das Schneidwerkzeug 11 im Bereich der erwärmten zweiten Werkzeugabschnitte
23B, 27B des oberen und unteren Werkzeugteils 3, 7 angeordnet ist. Das Beschneiden
des Formteils 20 erfolgt damit in einem Teilbereich 21 B, der aufgrund der Erwärmung
eine höhere Duktilität hat als in den gekühlten Teilbereichen 21 A. Dies hat den Vorteil,
dass das Schneidwerkzeug 11, 12 in diesem erwärmten Abschnitt auch nur einem geringen
Verschleiß unterliegt. Es versteht sich jedoch, dass ein oder mehrere weitere Schneidwerkzeuge
auch in Werkzeugabschnitten vorgesehen sein können, die zum Presshärten des Formteils
ausgestaltet sind, was insoweit aber für den Verschleiß des Schneidwerkzeugs unkritisch
ist als das Beschneiden beim Pressenhub zeitlich vor dem vollständigen flächigen Anliegen
der Werkzeugteile 3, 4, 5; 6, 7, 8 an dem Bauteil und damit vor dem Härten des Formteils
erfolgt.
[0037] Die Haltedauer des Formteils 20 zwischen den vollständig geschlossenen Werkzeugteilen
3, 4, 5; 6, 7, 8 kann zwischen 0,5 Sekunden bis 360 Sekunden liegen. Nach Ablauf der
Haltedauer hat das Formteil 20 seine Endkontur und das gewünschte Gefüge und kann
nach dem erneuten Öffnen der Werkzeugteile 3, 4, 5; 6, 7, 8 aus der Vorrichtung entnommen
werden.
[0038] Ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung eines partiell gehärteten metallischen
Formteils 20 mit einem gehärteten ersten Teilbereich 21 A und einem duktilen zweiten
Teilbereich 21 B umfasst somit folgende Schritte, wie in Figur 5 schematisch gezeigt:
Erwärmen des Halbzeugs 19, das aus einem härtbaren warmumformbaren Stahlblech hergestellt
ist, zumindest in dem ersten Teilbereich 21 B auf eine Härtetemperatur (Schritt S10).
Dies kann beispielsweise induktiv oder in einem Ofen erfolgen. Anschließend wird das
Halbzeug 19 in der kombinierten Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 zum dreidimensionalen
Formteil 20 warmumgeformt (Schritt S20); wenn das Halbzeug zumindest weitestgehend
zum Formteil 20 umgeformt ist, wird das Formteil 20 in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung
2 beschnitten (Schritt S30). In einem weiteren Verfahrensschritt (S40) wird das Formteil
20 in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 derart pressgehärtet, dass ein erster
Teilbereich 21 A durch schnelles Abkühlen gehärtet wird, und, dass ein zweiter Teilbereich
21 B des Formteils 20 durch Erwärmen mit einer höheren Duktilität und niedrigeren
Festigkeit erzeugt wird als der erste Teilbereich 21 A. Anschließend wird das Bauteil
19 in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 zumindest in dem zweiten Teilbereich 21
B von dem Schneidewerkzeug 11 beschnitten, was zeitlich vorzugsweise vor dem Härten
erfolgt. Um ein Überhitzen der erwärmten Werkzeugteile zu vermeiden, kann als weiterer
Prozessschritt vorgesehen sein, dass diese zeitweise oder permanent gekühlt werden.
[0039] Eine in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 gemäß dem Verfahren hergestellte B-Säule
als Formteil 20 ist in Figur 4 dargestellt. Diese weist Bereiche 21 B mit erhöhter
Duktilität und geringer Festigkeit auf, welche zeichnerisch dunkel abgesetzt sind,
sowie einen gehärteten Bereich 21 A mit erhöhter Festigkeit und geringer Duktilität.
Zumindest Teile der Bereiche 21 B sind warmgeschnitten. Es versteht sich, dass diese
Ausführungsform nur beispielhaft ist und dass die konkrete Ausgestaltung des Formteils
20 sich nach den daran gestellten technischen Anforderungen richtet.
[0040] Figur 5 zeigt eine erfindungsgemäße Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 in einer abgewandelten
Ausführungsform. Diese entspricht weitestgehend der Ausführungsform gemäß den Figuren
1 und 2, so dass hinsichtlich der Gemeinsamkeiten auf die obige Beschreibung Bezug
genommen wird. Dabei sind gleiche beziehungsweise einander entsprechende Einzelheiten
mit denselben Bezugszeichen versehen wie in den Figuren 1 und 2.
[0041] Ein Unterschied der vorliegenden Ausführungsform besteht darin, dass lediglich ein
Werkzeugoberteil 3 und ein Werkzeugunterteil 6 vorgesehen sind. Das Werkzeugoberteil
3 und das Werkzeugunterteil 6 haben jeweils einen ersten Werkzeugabschnitt 13A, 17A
welcher zum Presshärten des Formteils 20 gekühlt wird, wobei die Kühlkanäle der Einfachheit
halber nicht eingezeichnet sind. Ferner haben das Werkzeugoberteil 3 und das Werkzeugunterteil
6 jeweils einen zweiten Werkzeugabschnitt 13B, 17B, die jeweils mit Temperiereinrichtungen
23B, 27B zum Erwärmen des Bauteils 19 ausgestattet sind. Die Temperiereinrichtungen
23B, 27B sind vorliegend in Form von Heizplatten gestaltet, deren Temperatur T2 sich
über entsprechende Temperaturregler einstellen lassen. Die erwärmten zweiten Werkzeugabschnitte
13B, 17B sind gegenüber den gekühlten ersten Werkzeugabschnitten 13A, 17A durch Isolationsmaterial
37, 38 oder Luftspalte isoliert.
[0042] Es sind ferner ein Schneidwerkzeug 11 im Bereich der erwärmten zweiten Werkzeugabschnitte
13B, 17B des oberen und unteren Werkzeugteils 3, 7 erkennbar. Die Schneide 31 ist
mit dem oberen Werkzeugteil 3 fest verbunden, beispielsweise durch eine Schraubverbindung,
und die Gegenschneide 33 ist mit dem unteren Werkzeugteil 7 zugeordnet beziehungsweise
fest verbunden. Im zur Gegenschneide 33 seitlich benachbarten Randbereich des Werkzeugteils
7 ist eine Ausnehmung 35 vorgesehen, die als Freistellung für den abgeschnittenen
Rand des Bauteils 19 dient. Außerdem ist ein zweites Schneidwerkzeug 12 im Randbereich
der gekühlten ersten Werkzeugabschnitte 13A, 17A des oberen und unteren Werkzeugteils
3, 7 erkennbar. Dabei ist die Schneide 32 mit dem oberen Werkzeugteil 3 fest verbunden,
während die Gegenschneide 34 mit dem unteren Werkzeugteil 7 verbunden ist. Seitlich
benachbart zur Gegenschneide 34 ist eine Ausnehmung 36 als Freistellung für Platinenabfall
vorgesehen.
[0043] Bei der vorliegenden Ausführungsform erfolgt das Beschneiden des Formteils 20 folglich
sowohl in einem zum Härten des Formteils gekühlten Werkzeugabschnitt 13A, 17A, als
auch in einem zur Duktilitätserzeugung erwärmten Werkzeugabschnitt 13B, 17B.
[0044] Die Figur 6 zeigt eine erfindungsgemäße Warmumform-Schneide-Vorrichtung 2 in einer
abgewandelten weiteren Ausführungsform. Diese entspricht weitestgehend der Ausführungsform
gemäß Figur 5, beziehungsweise den Figuren 1 und 2, so dass hinsichtlich der Gemeinsamkeiten
auf die obige Beschreibung Bezug genommen wird. Dabei sind gleiche beziehungsweise
einander entsprechende Einzelheiten mit denselben Bezugszeichen versehen wie Figur
5, respektive den Figuren 1 und 2.
[0045] Eine Besonderheit der vorliegenden Ausführungsform besteht darin, dass die zweiten
Werkzeugabschnitte 13B, 17B jeweils mit einer Kühlvorrichtung ausgestattet sind. Die
Kühlvorrichtung umfasst eine Kanalanordnung 39, 40 mit mehreren Kanälen, die durch
die zweiten Werkzeugabschnitte 13B, 17B hindurch verlaufen und in die formgebende
Oberläche münden. Insofern hat die Kühlvorrichtung zweierlei Funktionen, nämlich das
Kühlen der zweiten Werkzeugabschnitte 13B, 17B, um hier ein Überhitzen zu vermeiden,
sowie das Anblasen des Bauteils, um dieses nach dem erneuten Öffnen der Vorrichtung
2 zu kühlen. Als Kühlmedium wird Luft verwendet.
[0046] Insgesamt bieten die erfindungsgemäßen Vorrichtungen und das damit durchgeführte
Verfahren als einen Vorteil, dass sich Formteile in einem Prozessschritt warmumformen,
beschneiden und presshärten lassen. Es wird ein endkonturnahes Formteil mit den gewünschten
Werkstoffeigenschaften erzeugt.
Bezugszeichenliste
[0047]
- 2
- Warmumform-Schneide-Vorrichtung
- 3
- oberes Werkzeugteil
- 4
- oberes Werkzeugteil
- 5
- oberes Werkzeugteil
- 6
- unteres Werkzeugteil
- 7
- unteres Werkzeugteil
- 8
- unteres Werkzeugteil
- 9
- Trägerelement
- 10
- Trägerelement
- 11
- Schneidwerkzeug
- 12
- Schneidwerkzeug
- 13, 13A, 13B
- Werkzeugabschnitt
- 14
- Werkzeugabschnitt
- 15
- Werkzeugabschnitt
- 16
- Werkzeugabschnitt
- 17, 17A, 17B
- Werkzeugabschnitt
- 18
- Werkzeugabschnitt
- 19
- Halbzeug
- 20
- Formteil
- 21A
- erster Teilbereich
- 21B
- zweiter Teilbereich
- 22
- Bohrung
- 23, 23A, 23B
- Temperiereinrichtung
- 24
- Temperiereinrichtung
- 25
- Temperiereinrichtung
- 26
- Temperiereinrichtung
- 27
- Temperiereinrichtung
- 28
- Temperiereinrichtung
- 31
- Schneide
- 32
- Schneide
- 33
- Gegenschneide
- 34
- Gegenschneide
- 35
- Ausnehmung
- 36
- Ausnehmung
- 37
- Isolationsmaterial
- 38
- Isolationsmaterial
- 39
- Kanalanordnung
- 40
- Kanalanordnung
- S
- Verfahrensschritt
- T
- Temperatur
1. Verfahren zur Herstellung eines partiell gehärteten metallischen Formteils, mit den
Schritten:
Erwärmen (S10) eines Halbzeugs (19) aus einem härtbaren warmumformbaren Stahlblech
auf eine Härtetemperatur;
Warmumformen (S20) des erwärmten Halbzeugs (19) in einer kombinierten Warmumform-Schneide-Vorrichtung
(2) zu einem dreidimensionalen Formteil (20);
Beschneiden (S30) des Formteils (20) in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2);
Presshärten (S40) des Formteils (20) in der Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) zu
einem gehärteten Formteil (20) derart, dass ein erster Teilbereich (21 A) durch schnelles
Abkühlen gehärtet wird, und, dass ein zweiter Teilbereich (21 B) des Formteils (20)
durch Erwärmen mit einer höheren Duktilität und niedrigeren Festigkeit erzeugt wird
als der erste Teilbereich (21 A),
dadurch gekennzeichnet, dass das Beschneiden (S30) des Formteils (20) zumindest in einem von dem ersten Teilbereich
(21 A) und dem zweiten Teilbereich (21 B) erfolgt.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die kombinierte Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) ein oberes Werkzeugteil (3, 4,
5) und ein unteres Werkzeugteil (6, 7, 8) aufweist, die zum Warmumformen des Halbzeugs
(19) geschlossen werden,
wobei das Beschneiden (S30) während des Schließens der Werkzeugteile (3, 4, 5; 6,
7, 8) und vor dem Presshärten (S40) erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Halbzeug (19) in dem zweiten Teilbereich (21 B) nach dem Schließen der Werkzeugteile
(3, 4, 5; 6, 7, 8) auf einer Temperatur (T2) gehalten wird, die zwischen 300°C und
600°C liegt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Werkzeugteile (3, 4, 5; 6, 7, 8) über eine Dauer von 0,5 Sekunden bis 360 Sekunden
geschlossen gehalten werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest eines von dem oberen Werkzeugteil (3, 4, 5) und dem unteren Werkzeugteil
(6, 7, 8) einen ersten Werkzeugabschnitt (13A, 27A) aufweist, der beim Warmumformen
(S20) und Presshärten (S40) mit dem ersten Teilbereich (21 A) des Formteils (20) in
Kontakt kommt, wobei der erste Werkzeugabschnitt (13A, 27A) gekühlt wird, und
dass zumindest eines von dem oberen Werkzeugteil (3, 4, 5) und dem unteren Werkzeugteil
(6, 7, 8) einen zweiten Werkzeugabschnitt (13B, 27B) aufweist, der beim Warmumformen
(S20) und Presshärten (S40) mit dem zweiten Teilbereich (21 B) des Halbzeugs (19)
in Kontakt kommt, wobei der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 27B) erwärmt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest einer von dem ersten Werkzeugabschnitt (13A, 27A) und dem zweiten Werkzeugabschnitt
(13B, 27B) vor, während und/oder nach dem Warmumformen gekühlt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest einer von dem ersten Teilbereich (21 A) und dem zweiten Teilbereich (21
B) des Formteils (20) vor, während und/oder nach dem Öffnen der Werkzeugteile (3,
4, 5; 6, 7, 8) mit Luft beströmt wird.
8. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) zur Herstellung eines metallischen Formteils,
umfassend:
ein oberes Werkzeugteil (3, 4, 5),
ein unteres Werkzeugteil (6, 7, 8),
wobei das obere Werkzeugteil (3, 4, 5) und das untere Werkzeugteil (6, 7, 8) geschlossen
werden können, um ein zwischen das obere Werkzeugteil (3, 4, 5) und das untere Werkzeugteil
(6, 7, 8) eingelegtes Halbzeug (19) zu einem Formteil (20) umzuformen,
wobei zumindest eines von dem oberen Werkzeugteil (3, 4, 5) und dem unteren Werkzeugteil
(6, 7, 8) einen ersten Werkzeugabschnitt (13A, 17A) aufweist, der beim Schließen mit
einem ersten Teilbereich (21 A) des Halbzeugs (19) in Kontakt kommt, wobei der erste
Werkzeugabschnitt (13A, 17A) eine erste Temperiereinrichtung (23A, 27A) umfasst, mit
der der erste Werkzeugabschnitt (13A, 17A) auf eine erste Temperatur (T1) einstellbar
ist,
wobei zumindest eines von dem oberen Werkzeugteil (3, 4, 5) und dem unteren Werkzeugteil
(6, 7, 8) einen zweiten Werkzeugabschnitt (13B, 17B) aufweist,
der beim Schließen mit einem zweiten Teilbereich (21 B) des Halbzeugs (19) in Kontakt
kommt, wobei der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 17B) eine zweite Temperiereinrichtung
(23B, 27B) umfasst, mit welcher der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 17B) auf eine zweite
Temperatur (T2) einstellbar ist, die höher ist als die erste Temperatur (T1) des ersten
Werkzeugabschnitts (13A, 17A),
wobei zumindest eines von dem oberen Werkzeugteil (3, 4, 5) und dem unteren Werkzeugteil
(6, 7, 8) in zumindest einem von dem ersten Werkzeugabschnitt (13A, 17A) und dem zweiten
Werkzeugabschnitt (13B, 17B) zumindest ein Schneidwerkzeug (11, 12) aufweist, welches
ausgestaltet ist, um das Formteil zu beschneiden.
9. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Temperiereinrichtung (23A, 27A) ausgestaltet ist, um den ersten Werkzeugabschnitt
(13A, 17A) derart schnell zu kühlen, dass das Formteil (20) in dem ersten Teilbereich
(21 A) gehärtet wird, und
dass die zweite Temperiereinrichtung (23B, 27B) ausgestaltet ist, um den zweiten Werkzeugabschnitt
(13B, 17B) zu erwärmen, so dass das Formteil (20) in dem zweiten Teilbereich (21 B)
eine höhere Duktilität erhält als in dem ersten Teilbereich (21 A).
10. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die erste Temperiereinrichtung (23A, 27A) eine Kühlkanalanordnung umfasst, die die
von einem Kühlmedium durchströmbar ist und/oder dass die zweite Temperiereinrichtung
(23B, 27B) mehrere Heizpatronen umfasst, die in Hohlräumen des zweiten Werkzeugabschnitts
(13B, 17B) aufgenommen sind.
11. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach einem der Ansprüche 8 bis 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 17B) eine Kanalanordnung (39, 40) aufweist, die
von einem Fluid durchströmbar ist.
12. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach einem der Ansprüche 8 bis 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass der erste Werkzeugabschnitt (13A, 17A) und der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 17B)
jeweils eine Formfläche aufweisen, die beim Schließen mit dem Halbzeug (19) in Kontakt
kommt, wobei zumindest eine Teilzahl der Kanäle der Kanalanordnung (39, 40) in die
Formfläche münden, so dass die aus den Kanälen austretende Luft an das Halbzeug angeblasen
werden kann.
13. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach einem der Ansprüche 8 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass der zweite Werkzeugabschnitt (13B, 17B) und der erste Werkzeugabschnitt (13A, 17A)
durch ein Isolationsmaterial (37, 38) voneinander getrennt sind.
14. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach einem der Ansprüche 8 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Schneidwerkzeug (11, 12) in einem Randbereich des ersten Werkzeugabschnitts (13A,
17A) beziehungsweise zweiten Werkzeugabschnitts (13B, 17B) angeordnet ist, und sich
zumindest über einen Teilumfangsabschnitt der Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2)
erstreckt.
15. Warmumform-Schneide-Vorrichtung (2) nach einem der Ansprüche 8 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Schneidwerkzeug (2) einen Schneidstempel (31) aufweist, der mit einem von dem
oberen und unteren Werkzeugteil (3, 4, 5; 6, 7, 8) verbunden ist, und eine Schneidmatrize
(33), die mit dem anderen von dem oberen und unteren Werkzeugteil (6, 7, 8; 3, 4,
5) verbunden ist, sowie eine Ausnehmung (35, 36) für Platinenabfall.