[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Sicherungsrohres
für eine Hochspannungssicherung, die insbesondere zur Verwendung im Spannungsbereich
ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen oberhalb 80 A vorgesehen ist, und ein Verfahren
zur Herstellung einer solchen Hochspannungssicherung. Ferner betrifft die Erfindung
ein Sicherungsrohr für eine Hochspannungssicherung, die insbesondere zur Verwendung
im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen oberhalb 80 A vorgesehen ist,
sowie eine Hochspannungssicherung der vorgenannten Art als solche.
[0002] Zum Schutz elektrischer Anlagen vor Fehlerströmen werden in der Regel Schmelzsicherungen
eingesetzt. Diese werden zu den zu schützenden Schaltkreisen in Reihe geschaltet und
bestehen im Wesentlichen aus einem insbesondere sandgefüllten Isolierkörper mit endseitigen
Kontakten, die durch einen oder mehrere innenliegende Schmelzleiter verbunden sind.
Beim Überschreiten eines definierten Stromes oberhalb des Bemessungsstromes wird der
Schmelzleiter so stark erwärmt, dass er schmilzt und der Stromkreis auf diese Weise
unterbrochen wird.
[0003] Schmelzsicherungen der vorgenannten Art exisitieren für verschiedenste Leistungsbereiche.
Bei der vorliegenden Erfindung geht es insbesondere um Hochspannungs-Hochleistungs-Sicherungen,
die kurz als HH-Sicherungen oder allgemein als Hochspannungssicherungen bezeichnet
werden. Insbesondere geht es bei der Erfindung um Hochspannungssicherungen, die zur
Verwendung im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen oberhalb 80 A vorgesehen
sind. So können Hochspannungssicherungen der vorgenannten Art beispielsweise im Spannungsbereich
von 24 kV ab 200 A oder im Spannungsbereich größer 24 kV ab 80 A eingesetzt werden.
[0004] Durch ihren Einsatz zur Übertragung großer elektrischer Leistungen ist bei einigen
Hochspannungssicherungen neben einer großen anliegenden elektrischen Spannung auch
der Betrieb bei vergleichsweise hohen elektrischen Lastströmen vorgesehen. Hochspannungssicherungen
sind auch von ihren Abmessungen her in aller Regel größer dimensioniert als grundsätzlidh
ähnlich aufgebaute Niederspannungssicherungen. Insbesondere bei hohen übertragenen
Leistungen im Kurzschlussfall entsteht beim Auslösen der Sicherung, das heißt beim
Durchschmeizen des Schmelzleiters, ein Lichtbogen im innem, durch den der Strom weiter
fließt. Um ein schnelles Erlöschen des Lichtbogens zu erreichen, sind Hochspannungssicherungen
mit einem isolierenden Material, beispielsweise Quarzsand gefüllt, welcher unmittelbar
nach dem Unterbrechen des oder der Schmelzleiter deren Metalldampf aufnimmt und sich
durch den Lichtbogen zu einem isolierenden Sinterkörper entwickelt.
[0005] In der Hochspannungs-Sicherungstechnik bestehen Sicherungsrohre für Sicherungen und
insbesondere für Hochspannungssicherungen primär aus Keramik oder Kunststoff. Beide
Werkstoffe haben spezifische Vor- und Nachteile, die das ordnungsgemäße Abschalten
der Sicherung bestimmen. Bei der Abschaltung der Sicherung entstehen auf der gesamten
Länge des Schmelzleiters Teillichtbögen. Ist das Sicherungsrohr aus einem Kunststoff
hergestellt, können die Teillichtbögen bei hohen Strömen Kohlenstoff aus der Rohrwandung
freisetzen. Dann kann sich ein Gesamtlichtbogen axial entlang der Rohrinnenwand entwickeln
und die Sicherung versagt.
[0006] Zur Vermeidung der vorliegenden Problematik betrifft die vorliegende Erfindung ein
Sicherungsrohr mit einem Innenrohr aus einem anorganischen, insbesondere keramischen
Material oder Glasmaterial. Ein derartiges Material verhält sich elektrisch neutral
im Falle einer Lichtbogenberührung. Die sich hierbei ergebende Problematik besteht
jedoch darin, dass das anorganische Material in der Regel eine unflexible und spröde
Struktur aufweist. Eine Ausdehnung des Füllmaterials durch eine Materialveränderung
aufgrund kristalliner Vorgänge infolge der hohen Temperaturen beim Auftreten eines
Lichtbogens kann daher zu einer Zerstörung der Sicherung durch ein Bersten des Isolierkörpers
führen. Eine befriedigende Unterbrechung des Fehlerstromes ist dann nicht mehr möglich.
[0007] Aus der
US-A-4 283 700 ist eine Hochspannungssicherung bekannt, bei der ein keramisches Innenrohr vorgesehen
ist, auf das außen ein keramisches Außenrohr aufgebracht ist. Das innere Keramikrohr
weist eine gute Wärmeleitung aber eine schlechte Temperaturschockbeständigkeit auf.
Das äußere Rohr kompensiert dies mit einer guten Temperaturschockbeständigkeit. Da
die beiden Rohre aus unterschiedlichen Materialien hergestellt sind, werden sie in
separaten Schritten hergestellt und dann zusammengebracht. Wegen des spröden Verhaltens
des keramischen Materials sowohl des Innen- als auch des Außenrohrs führen Kurzschlussabschaltungen
im Falle großer Ströme dazu, dass beide Rohre bersten und der dabei freiwerdende Lichtbogen
erhebliche Schäden anrichten kann.
[0008] Um der Zerstörung der Sicherung entgegenzuwirken, ist aus der
DE-Patentschrift 679 328 eine löschpulvergefüllte Schmelzsicherung bekannt, bei der die Ausdehnung des Füllmaterials
durch eine elastische Schicht aus Gummikörpern und Luftzwischenräumen zwischen dem
Füllmaterial und dem äußeren, keramischen Isolierkörper kompensiert wird.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die Nachteile des Standes der Technik
zu vermeiden und insbesondere ein Sicherungsrohr und eine Hochspannungssicherung zur
Verfügung zu stellen, wobei auch bei hohen Stromstärken ein sicheres Löschen eines
Lichtbogens gewährleistet ist.
[0010] Die vorgenannte Aufgabe wird erfindungsgemäß zunächst im Wesentlichen gelöst durch
ein Verfahren zur Herstellung eines Sicherungsrohres für eine Hochspannungssicherung,
insbesondere zur Verwendung im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen
oberhalb 80 A, wdbei das Sicherungsrohr einen rohrförmigen, aus anorganischem Material
gefertigten inneren Isolierkörper und eine außenseitig auf den Isolierkörper aufgebrachte
äußere Verstärkung aus einem, insbesondere flexibel stabilen Kunststoffmaterial aufweist.
Dabei sind der Isolierkörper und die äußere Verstärkung unlösbar miteinander verbunden.
[0011] Durch das vorgenannte Verfahren wird ein Sicherungsrohr in Form eines verstärkten
Isolierrohrs erhalten, das im Hinblick auf eine spätere Verwendung bei einer Hochspannungssicherung
bereits sowohl die notwendigen isolierenden Eigenschaften als auch eine hohe Stabilität
gegen mechanische Verformung bzw. auftretende Kräfte aufweist.
[0012] Bei dem erfindungsgemäßen Sicherungsrohr wird eine Materialkombination mit einem
innenliegenden Isolierkörper aus einem anorganischen Material und einer außenseitigen
Verstärkung aus dem vorgenannten Kunststoffmaterial verwendet. Das innenliegende Isolierrohr
weist sehr gute Isoliereigenschaften auf und dient insbesondere als elektrisch neutrale
Isolierstrecke im Falle einer Lichtbogenberührung. Treten im Falle hoher Bemessungsströme
Kurzschlüsse auf, die bei der Abschaltung zu einem Brechen des Innenkörpers führen,
wird dennoch ein Auseinanderfallen des gebrochenen Isolierrohres und damit ein Freisetzen
des Lichtbogens durch die äußere Kunststoff-Verstärkung, die unlösbar mit dem innenliegenden
Isolierkörper verbunden ist, verhindert. Wichtig ist dabei insbesondere, dass die
äußere Verstärkung derart ausgebildet ist, dass sie größere radiale Kräfte aufnehmen
kann, als der innenliegende Isolierkörper, ohne zu zerbrechen. Letztlich wirkt die
äußere Kunststoffverstärkung wie eine Armierung des inneren Rohres, ohne dabei aber
mit dem Lichtbogen in Berührung zu kommen.
[0013] Das erfindungsgemäße Sicherungsrohr hat bei einer bevorzugten Ausführungsform eine
besonders hohe Stabilität gegenüber mechanischen Verformungen insbesondere dann, wenn
die Verstärkung auf die Außenseite des Isolierkörpers über dessen gesamte Länge aufgebracht
und insbesondere fest mit der Außenseite des Isolierkörpers verbunden ist.
[0014] Von besonderem Vorteil ist es, wenn es sich bei dem Kunststoffmaterial, das als Verstärkung
auf den Isolierkörper aufgebracht wird, um ein faserverstärktes Material handelt.
Insbesondere sind hier geeignet glasfaser- und/oder aramidfaserverstärkte Kunststoffmaterialien.
Gerade bei faserverstärkten Materialien für die Verstärkung kann die Verstärkung als
auf den Isolierkörper aufgebrachtes äußeres Rohr wesentlich höhere radialwirkende
Kräfte bzw. Innendrücke aufnehmen, als der Isolierkörper, ohne dass ein Bersten der
Verstärkung zu befürchten ist. Letztlich ist es bei Verstärkungen, die ein faserverstärktes
Kunststoffmaterial aufweisen, so, dass der äußere Mantel bei auftretenden radialwirkenden
Kräften bzw. Innendrücken, die zu einem Brechen / Bersten des Isolierkörpers führen,
noch nicht zu einem Bersten der äußeren Verstärkung führen, so dass die Verstärkung
das "fragmentierte" innere Rohr des Isolierkörpers zusammenhält.
[0015] Die Aufbringung der Verstärkung auf den Isolierkörper zur Herstellung eines festen
Verbunds erfolgt dabei vorzugsweise mittels einer festen Umwicklung mit entsprechender
Adhäsion, insbesondere im Filament-Winding-Verfahren. Dieses Verfahren ist eine verbreitete
Methode, um insbesondere faserförmige Materialen, wie beispielsweise Glasfasern und/oder
Aramidfasern, auf zylinderförmige Bauteile aufzubringen. Das Fasermaterial wird dabei
vorzugsweise in Kreuzlage spulenartig um das Bauteil gewickelt. Alternativ kann die
Verstärkung des Isolierkörpers erfindungsgemäß durch das Aufbringen eines Prepreg-Halbzeugs
erfolgen, bei dem es sich um ein Gewebe aus vorimprägnierten Fasern handelt. Besonders
bevorzugt kommt dabei eine flexible Matte aus faserverstärktem, insbesondere glasfaserverstärktem
Kunststoff (GFK) zum Einsatz, die sich durch eine besonders gute mechanische Stabilität
auszeichnet. Möglich ist darüber hinaus auch, die Verstärkung durch Umspritzen des
Isolierkörpers auf diesen aufzubringen.
[0016] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung dient eine Innenkappe zur Kontaktierung
eines oder mehrerer Schmelzleiter, der oder die in einem späteren Schritt insbesondere
auf einem Einsatz in das Sicherungsrohr eingebracht wird bzw. werden, sowie zur Kontaktierung
von weiteren, äußeren Bauteilen, wie beispielsweise der Kontaktkappe, bei der späteren
Weiterverwendung zur Herstellung einer Hochspannungssicherung als solcher.
[0017] Durch eine endseitige mechanische Bearbeitung des Sicherungsrohres nach dem Aufbringen
der Verstärkung lässt sich dieses in eine Form bringen, von der ausgehend es ohne
weiteres für die Herstellung einer Hochspannungssicherung weiter verwendet werden
kann. Dazu wird zumindest in einem Endbereich des Sicherungsrohrs dessen Außendurchmesser
insbesondere durch abtragende Bearbeitung verringert, um später die Innenkappe und/oder
die äußere Kontaktkappe endseitig aufschieben zu können, Bevorzugt erfolgt die Bearbeitung
des Sicherungsrohres außenseitig an der Verstärkung, da sich die Verstärkung deutlich
leichter bearbeiten lässt als das innere Isolierrohr.
[0018] Die Aufbringung der Innenkappe und/oder Kontaktkappe lässt sich ferner durch eine
endseitige Anfasung des Sicherungsrohres erleichtern. Das Einbringen einer vorzugsweise
umlaufenden Nut im Endbereich des Sicherungsrohres ermöglicht bei einer ersten bevorzugten
Ausführungsform später ein formschlüssiges Eingreifen der Innenkappe, insbesondere
mit ihrer äußeren Randkante, in die Nut zur Ausbildung einer besonders festen Verbindung.
[0019] Alternativ zur mechanischen Bearbeitung des Sicherungsrohres nach dem Aufbringen
der Verstärkung auf den Isolierkörper lässt sich auch der Isolierkörper selbst, dass
heißt vor dem Aufbringen der Verstärkung, bearbeiten, wenn das Material des Isolierkörpers
dies zulässt. Idealerweise passt sich dann die nachfolgend aufgebrachte Verstärkung
der Form des Isolierkörpers an, so dass die Formgebung durch die Bearbeitung auch
beim Sicherungsrohr weiter erhalten bleibt.
[0020] Durch ein erfindungsgemäßes Verfahren zur Herstellung einer Hochspannungssicherung,
insbesondere zur Verwendung im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen
oberhalb 80 A, wobei die Hochspannungssicherung einen rohrförmigen, aus einem anorganischen
Material, insbesondere keramischen Material oder Glasmaterial, gefertigten inneren
Isolierkörper, eine auf den Isolierkörper aufgebrachte äußere Verstärkung aus einem
Kunststoffmaterial und endseitig eine aufgebrachte Kontaktkappe aufweist und wobei
erst nach dem Aufbringen der Verstärkung auf den Isolierkörper die Kontaktkappe aufgebracht
wird, kann letztlich eine Hochspannungssicherung auf einfache und kostengünstige Weise
bereitgestellt werden. Im weiteren Verlauf der Herstellung kann in das Sicherungsrohr
ein den oder die Schmelzleiter aufweisendes Schmelzleitersystem entsprechend der gewünschten
Spezifikation der Hochspannungssicherung eingesetzt und, vorzugsweise, der Schmelzleiter
mit der Innenkappe elektrisch leitend verbunden werden.
[0021] Um ein schnelles Erlöschen eines beim Auslösen der Hochspannungssicherung entstehenden
Lichtbogens zu bewirken, wird der Hohlraum des Isolierkörpers, vorzugsweise, nach
Einsetzen des Schmelzleiters mit einem elektrisch nicht leitenden Material gefüllt,
wobei insbesondere ein quarzhaltiges Material von Vorteil ist. Ein solches Material
entzieht einem brennenden Lichtbogen in hohem Maße thermische Energie, so dass es
rasch zu einem Erlöschen des Lichtbogens kommt. Darüber hinaus erfolgt eine Umwandlung
der kristallinen Struktur des quarzhaltigen Materials, infolge derer ein elektrisch
isolierender Sinterkörper entsteht, der ein erneutes Auftreten eines Lichtbogens verhindert.
[0022] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist neben den zuvor beschriebenen Herstellungsverfahren
auch ein Sicherungsrohr für eine wenigstens eine Kontaktkappe aufweisende Hochspannungssicherung
der vorgenannten Art, mit einem rohrförmigen inneren Isolierkörper aus einem anorganischen
Material, insbesondere einem keramischen Material oder einem Glasmaterial, und einer
auf den Isolierkörper aufgebrachten äußeren Verstärkung aus einem Kunststoffmaterial.
Bevorzugt erstreckt sich die Verstärkung über eine solche Länge des Isolierkörpers,
dass die Kontaktkappe im aufgebrachten Zustand die Verstärkung außenseitig zumindest
bereichsweise übergreift.
[0023] Wie bereits ausgeführt, zeichnet sich ein Sicherungsrohr der vorgenannten Art durch
eine hohe mechanische Stabilität aus und weist gleichzeitig eine für ein Isolierrohr
einer Hochspannungssicherung erforderliche hohe dielektrische Festigkeit auf. Dabei
gewährleistet die äußere Kunststoffverstärkung, dass selbst bei einem Brechen des
Innenrohres dessen Fragmente zusammengehalten werden, da die äußere Kunststoffverstärkung
aufgrund ihrer flexibleren Struktur wesentlich höhere radial wirkende Kräfte bzw.
Innendrücke als das Innenrohr aufnehmen kann, ohne zu bersten.
[0024] Die Widerstandsfähigkeit des Sicherungsrohres ist dann besonders hoch, wenn die Verstärkung
als sich über die gesamte Länge des Isolierkörpers erstreckende, äußere Ummantelung
ausgebildet ist.
[0025] Der rohrförmige Isolierkörper, der letztlich das Innenrohr darstellt, besteht, wie
zuvor ausgeführt, aus einem anorganischen Material, insbesondere einem keramischen
Material oder einem Glasmaterial. Ein derartiges anorganisches Material hat eine relativ
hohe thermische Festigkeit und gibt bei Lichtbogenberührung keine leitfähigen Bestandteile
frei. Der Isolierkörper weist in diesem Zusammenhang vorzugsweise einen einschichtigen
Aufbau auf.
[0026] Der Isolierkörper kann gemäß einer ersten bevorzugten Ausführungsform eine Wandstärke
zwischen 3 mm und 10 mm, bevorzugt zwischen 4,5 mm und 8,5 mm und weiter bevorzugt
zwischen 6 mm und 7 mm, aufweisen.
[0027] Bevorzugt wird im Zusammenhang mit dem erfindungsgemäßen Kunststoffmaterial der äußeren
Verstärkung, die letztlich das Außenrohr darstellt, ein faserverstärktes Kunststoffmaterial
verwendet. Als Material für die Verstärkung des Isolierkörpers eignet sich insbesondere
ein glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK). Eine aus GFK bestehende oder zumindest
GFK aufweisende Verstärkung zeichnet sich durch eine extrem hohe mechanische Stabilität
aus und ist darüber hinaus in hohem Maße temperaturstabil. In gleicher Weise gilt
dies auch für einen Kunststoff, der über Aramidfasern verstärkt ist. Als Matrixmaterial
bzw. Binder des faserverstärkten Kunststoffs wird bevorzugt Polyester oder Epoxidharz
eingesetzt. Eine Alternative zu faserverstärktem Kunststoff wäre ein thermoplastischer
Kunststoff mit hoher Einsatztemperatur, der beispielsweise durch Spritzverfahren zu
verarbeiten ist, oder ein Duroplast. Bei einer alternativen Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Sicherungsrohres weist die Verstärkung daher einen thermoplastischen Kunststoff und/oder
einen Duroplast auf, oder besteht aus; einem solchen.
[0028] Wenngleich ein mehrschichtiger Aufbau der Verstärkung möglich ist, ist diese vorzugsweise
einschichtig, aber bevorzugt mehrlagig, aufgebaut. Dadurch ist das Aufbringen der
Verstärkung auf den Isolierkörper und damit letztlich die Herstellung des Sicherungsrohres
als solchem mit einem deutlich geringeren Aufwand verbunden. Bei einer entsprechenden
Beschaffenheit des eingesetzten Materials der Verstärkung ist auch bei einem solchen
einschichtigen Aufbau eine ausreichende Materialstabilität des Sicherungsrohres gegeben.
[0029] Hinsichtlich einer möglichst einfachen Aufbringung auf den Isolierkörper und einer
möglichst hohen mechanischen Belastbarkeit ist die Verstärkung vorzugsweise als geschlossene
Schicht ausgebildet. Denkbar ist bei einer alternativen Ausführungsform der vorliegenden
Erfindung allerdings auch beispielsweise ein grobmaschiges Gewebe, eine Netzstruktur
oder ähnliche, nicht geschlossene Ausgestaltungen der Verstärkungsschicht.
[0030] Besonders vorteilhaft für eine Weiterverarbeitung des erfindungsgemäßen Sicherungsrohres
zu einer vollständigen Hochspannungssicherung ist es, wenn endseitig jeweils ein Endbereich
mit einem verringertem Außendurchmesser vorgesehen ist. Letztlich geht es auch darum,
den Außendurchmesser an den Enden zu beschleifen, um eine niedrige Durchmessertoleranz,
eine Anrollnut und eine Endfase zu erhalten. Insbesondere ist dazu im Endbereich die
Verstärkung in ihrer Schichtdicke reduziert. Durch den verringerten Außendurchmesser
lässt sich bei einer ersten bevorzugten Ausführungsform der Erfindung eine Kontaktkappe
derart auf das Sicherungsrohr mit einer aufgebrachten Innenkappe aufschieben, dass
sich ein insgesamt zumindest im Wesentlichen bündiger Verlauf der Außenkante entlang
der Sicherung ergibt. Bei einer zweiten bevorzugten Ausführungsform wird eine Kontaktkappe
ohne Innenkappe auf das Sicherungsrohr aufgeschoben.
[0031] Wenngleich die Endbereiche des Sicherungsrohres bevorzugt in symmetrischer Weise
ausgebildet sind, ist es für bestimmte Anwendungssituationen auch möglich, dass die
Endbereiche unterschiedlich ausgebildet sein können.
[0032] Bevorzugt weist der mittige Bereich der Verstärkung zwischen den Endbereichen des
Sicherungsrohres eine zumindest im Wesentlichen konstante Schichtdicke auf. Bei einer
endseitig eingespannten Sicherung ist die Berstgefahr im mittigen Bereich am größten,
so dass eine größtmögliche und gleichmäßige Stabilisierung dieses Bereichs von Vorteil
ist.
[0033] Die Schichtdicke der Verstärkung im mittleren Bereich kann zwischen 2 mm und 8 mm,
bevorzugt zwischen 3 mm und 6 mm und weiter bevorzugt zwischen 3,5 mm und 4,5 mm,
betragen. Im Endbereich weist die Verstärkung vorzugsweise eine Schichtdicke zwischen
0,5 mm und 4 mm, bevorzugt zwischen 1 mm und 3 mm und weiter bevorzugt zwischen 1,5
mm und 2,5 mm, auf.
[0034] Durch eine vorzugweise umlaufende Nut, die insbesondere im mittigen Teil des Endbereichs
vorgesehen ist, lässt sich ein fester Sitz einer später aufgebrachten Innenkappe und/oder
Kontaktkappe durch die Möglichkeit einer formschlüssigen Verbindung erreichen.
[0035] Die Innenkappe greift dabei insbesondere mit ihrer äußeren Randkante zumindest bereichsweise
in die Nut formschlüssig ein. Zusätzlich oder alternativ dazu kann die Innenkappe
jedoch auch reib- und/oder stoffschlüssig mit dem Endbereich vierbunden sein.
[0036] Im Fall einer ohne Innenkappe aufgeschobenen Kontaktkappe gemäß der oben genannten
zweiten bevorzugten Ausführungsform wird die Kontaktkappe vorzugsweise direkt in die
Nut eingerollt. Dabei versteht es sich, dass es grundsätzlich auch andere Möglichkeiten
gibt, den Formschluss zwischen der Kontaktkappe und dem Sicherungsrohr zu realisieren,
beispielsweise durch eine Magnetumformung.
[0037] Eine Anfasung der Verstärkung am außenseitigen Ende des Endbereichs ermöglicht es,
die Innenkappe und/oder die Kontaktkappe bei der Montage in einfacher Weise aufzusetzen.
[0038] Bevorzugt stellen die Nut und die Anfasung Ausnahmen einer im Endbereich zumindest
im Wesentlichen konstanten Schichtdicke der Verstärkung dar.
[0039] Die Länge des Endbereichs kann zwischen 30 mm und 60 mm, bevorzugt zwischen 40 mm
und 50 mm und weiter bevorzugt zwischen 42 mm und 48 mm, betragen und ist insbesondere
unabhängig von der Gesamtlänge des Sicherungsrohres, die zwischen 180 mm und 600 mm
betragen kann.
[0040] Die erwähnte Innenkappe dient bei einer ersten bevorzugten Ausführungsform zur Herstellung
eines elektrischen Kontakts zwischen dem eingesetzten Schmelzleiter bzw. einem Schmelzleitersystem
und einer äußeren Kontaktkappe, wenn das Sicherungsrohr letztlich zu einer vollständigen
Hochspannungssicherung montiert wird. Es versteht sich, dass zu diesem Zweck die Innenkappe
vorzugsweise aus einem elektrisch leitenden Material besteht. Insbesondere Kupfer
oder Kupferlegierungen, beispielsweise Messing mit unterschiedlichen Kupfer-Zink-Verhältnissen,
zeichnen sich diesbezüglich durch besonders vorteilhafte Eigenschaften aus.
[0041] Bei einer zweiten bevorzugten Ausführungsform ohne Innenkappe wird der Schmelzleiter
bzw. das Schmelzleitersystem direkt mit einer aufgeschobenen Kontaktkappe elektrisch
leitend verbunden.
[0042] Ein Sicherungsrohr der vorgenannten Art und mit den zuvor beschriebenen Eigenschaften
lässt sich als Bauteil für eine Hochspannungssicherung verwenden, die ihrerseits ebenfalls
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist.
[0043] Eine Hochspannungssicherung der vorgenannten Art weist in der Regel neben einem erfindungsgemäßen
Sicherungsrohr einen innenliegenden Schmelzleiter auf, bzw. ein Schmelzleitersystem,
bei dem der Schmelzleiter von einem Wickelkörper getragen wird. Der Schmelzleiter
bzw. das Schmelzleitersystem ist bei einer erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung
vorzugsweise mit einem Lichtbogenlöschmittel umgeben, das den Hohlraum des Sicherungsrohres
zumindest im Wesentlichen ausfüllt. Bei dem Lichtbogenlöschmittel handelt es sich
insbesondere um ein quarzhaltiges Material. Ferner weist die erfindungsgemäße Hochspannungssicherung
endseitig jeweils eine Kontaktkappe auf, die zur äußeren Kontaktierung der Hochspannungssicherung
dient und die innenseitig über die Innenkappe elektrisch leitend mit dem Schmelzleiter
verbunden ist.
[0044] Aufgrund der Verwendung eines vorgefertigten Sicherungsrohres aus einem Isolierkörper
und einer aufgebrachten Verstärkung ist es bei einer bevorzugten Ausgestaltung der
erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung so, dass die Kontaktkappe die Verstärkung
außenseitig zumindest bereichsweise übergreift, da sie im abschließenden Prozessschritt
aufgesetzt wilrd.
[0045] Die Kontaktkappe übergreift dabei vorzugsweise den derart bearbeiteten Endbereich
des Sicherungsrohres, dass sich im Ergebnis ein zumindest im Wesentlichen bündiger
Verlauf der Außenkontur der erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung ergibt.
[0046] Die Innenkappe, die gemäß einer ersten bevorzugten Ausführungsform der Herstellung
des elektrischen Kontakts zwischen der Kontaktkappe und dem innenliegenden Schmelzleiter
dient, wird dabei ebenfalls, von der Kontaktkappe übergriffen. Es besteht dadurch
eine sichere, elektrisch leitende, reibschlüssige Verbindung zwischen der Kontaktkappe
und der Innenkappe.
[0047] Ähnlich wie die Innenkappe ist auch die Kontaktkappe reib-, form- und/oder stoffschlüssig
auf den Endbereich des Sicherungsrohres aufgesetzt, so dass sich ein fester Sitz der
Kontaktkappe ergibt.
[0048] Weitere Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung
ergeben sich aus den nachfolgenden Beschreibungen von Ausführungsbeispielen anhand
der Zeichnung und der Zeichnung selbst. Dabei bilden alle beschreibenden und/oder
bildlich dargestellten Merkmale für sich oder in beliebiger Kombination den Gegenstand
der vorliegenden Erfindung, unabhängig von ihrer Zusammenfassung in den Ansprüchen
oder deren Rückbeziehung.
[0049] Es zeigt
- Fig. 1
- eine schematische Schnittdarstellung einer ersten Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Sicherungsrohres,
- Fig. 2
- eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung einer ersten Ausführungsform einer erfindungsgemäßen
Hochspannungssicherung,
- Fig. 3
- eine perspektivische, schematische Darstellung eines aufgeschnittenen Isolierkörpers
mit aufgebrachter Verstärkung zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Sicherungsrohres,
- Fig. 4
- eine der Fig. 3 entsprechende Darstellung einer ersten Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Sicherungsrohres mit aufgesetzter Innenkappe,
- Fig. 5
- eine den Figuren 3 und 4 entsprechende Darstellung einer ersten Ausführungsform eines
erfindungsgemäßen Sicherungsrohres mit eingesetztem Schmelzleitersystem,
- Fig. 6
- eine den Figuren 3 bis 5 entsprechende Darstellung einer ersten Ausführungsform einer
erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung,
- Fig. 7
- eine der Fig. 2 entsprechende Darstellung einer zweiten bevorzugten Ausführungsform
einer erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung,
- Fig. 8
- eine schematische Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 7 in axialer Ansicht,
- Fig. 9
- eine schematische Darstellung einer zweiten bevorzugten Ausführungsform eines erfindungsgemäßen
Sicherungsrohres in seitlicher Ansicht,
- Fig. 10
- eine schematische Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 9 in axialer Ansicht,
- Fig. 11
- eine der Fig. 9 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 9 mit aufgesetzter
Kontaktkappe,
- Fig. 12
- einer der Fig. 10 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 11,
- Fig. 13
- eine der Fig. 9 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 11 mit eingesetztem
Schmelzleitersystem,
- Fig. 14
- eine der Fig. 10 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 13,
- Fig. 15
- eine der Fig. 9 entsprechende Darstellung einer zweiten bevorzugten Ausführungsform
einer erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung,
- Fig. 16.
- eine der Fig. 10 entsprechende Darstellung der Hochspannungssicherung aus Fig. 15,
- Fig. 17
- eine perspektivische, schematische Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 9,
- Fig. 18
- eine der Fig. 17 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 11,
- Fig. 19
- eine der Fig. 17 entsprechende Darstellung des Sicherungsrohres aus Fig. 13 und
- Fig. 20
- eine der Fig. 17 entsprechende Darstellung der Hochspannungssicherung aus Fig. 15.
[0050] Die in Fig. 1 gezeigte Schnittdarstellung eines erfindungsgemäßen Sicherungsrohres
1 für eine in Fig. 2 in gleicher Weise dargestellte Hochspannungssicherung 2 verdeutlicht
den grundsätzlich zweischichtigen Aufbau des Sicherungsrohres 1 aus einem rohrförmigen
inneren Isolierkörper 3 und einer auf den Isolierkörper 3 aufgebrachten äußeren Verstärkung
4. Zur besseren Erkennbarkeit der endseitigen Beschaffenheit des Sicherungsrohres
1 wird in Fig. 1 auf die Darstellung einer endseitig aufgebrachten Innenkappe 5 verzichtet.
[0051] Der Isollerkörper 3 weist eine rohrartige, dass heißt im Wesentlichen zylinderförmige,
Form mit einem vorliegend einschichtigen Aufbau auf. Im Hinblick auf eine hohe Lichtbogenfestigkeit
besteht der Isolierkörper 3 aus einem anorganischen Material, wobei insbesondere eine
Keramik oder ein Glasmaterial in Frage kommt.
[0052] Mit einer Wandstärke von vorliegend 6,5 mm verleiht der Isolierkörper 3 dem Sicherungsrohr
1 eine für die Verwendung als Hochspannungssicherung 2 ausreichende strukturelle Stabilität
und Steifigkeit.
[0053] Als zweite Schicht des Sicherungsrohres 1 ist außen auf den Isolierkörper 3 umlaufend
eine Verstärkung 4 aufgebracht. Vorliegend handelt es sich bei der Verstärkung 4 um
eine GFK-Armierung, die als Filament-Wicklung in Kreuzlage aufgebracht wurde. Glasfaserverstärkter
Kunststoff (GFK) auf Basis von Polyester und/oder Epoxidharz besitzt eine hohe mechanische
Stabilität, um den Isolierkörper 3 vor dem Bersten aufgrund von radial nach außen
wirkenden Kräften in seinem Innern zu schützen. Darüber hinaus weist GFK eine hohe
Temperaturstabilität auf.
[0054] Die Verstärkung 4 ist bei der in Fig. 1 gezeigten Ausführungsform einschichtig auf
den Isolierkörper 3 aufgebracht. Anhand der unterschiedlichen Schichtdicke der Verstärkung
4 lassen sich vorliegend Endbereiche 6 des Sicherungsrohrs 1 definieren, in denen
das Sicherungsrohr 1 einen verringerten Außendurchmesser aufweist.
[0055] Bei der in Fig. 1 dargestellten Ausführungsform beträgt die Schichtdicke der Verstärkung
4 im Endbereich 6 zumindest im Wesentlichen 2 mm.
[0056] Zwischen den Endbereichen 6 ist ein mittiger Bereich 7 vorgesehen, in dem die Verstärkung
eine zumindest im wesentlichen konstante Schichtdicke aufweist, die vorliegend 4 mm
beträgt.
[0057] Auch in den Endbereichen 6 weist die Verstärkung 4 zumindest im Wesentlichen eine
konstante Schichtdicke auf, die infolge einer mechanischen Bearbeitung jedoch geringer
ist als im mittigen Bereich 7. Ausnahmen von der vorgenannten Schichtdicke stellen
beispielsweise eine ebenfalls durch mechanische Bearbeitung eingebrachte Nut 8 sowie
eine Anfasung 9 dar.
[0058] Die Nut 8 ist als umlaufende Nut mit einem kreisbogenförmigen Profil ausgebildet.
Mögliche Ausgestaltungen der Nut 8 umfassen allerdings auch andere Profile, wie beispielsweise
ein Rechteck- oder ein Dreieckprofil. Darüber hinaus versteht es sich, dass erfindungsgemäß
auch mehr als eine Nut 8 vorgesehen sein kann oder die Nut 8 nicht umlaufend, sondern
beispielsweise segmentiert oder spiralförmig ausgebildet sein kann.
[0059] Die Anfasung 9 der Verstärkung 4 ist am außenseitigen Ende des Endbereichs 6 vorgesehen
und dient dem erleichterten Aufschieben einer in Fig. 4 dargestellten Innenkappe 5.
Durch die Anfasung 9 wird die Schichtdicke der Verstärkung 4 am Ende des Endbereichs
6 vorliegend über eine Länge von 3 mm um 1 mm verringert.
[0060] Eine Verringerung der Schichtdicke der Verstärkung 4 verfolgt auch am Übergang 10
vom mittigen Bereich 7 bis zum Endbereich 6, wobei die Verstärkung 4 im Bereich des
Übergangs 10 vorliegend einen kreisbogenförmigen Verlauf aufweist. Ebenso möglich
ist jedoch auch beispielsweise eine geradlinig schräge oder eine stufenartige Verringerung
der Schichtdicke.
[0061] Die Länge des Endbereichs 6 des Sicherungsrohres 1 beträgt bei der hier dargestellten
Ausführungsform zwischen 30 mm und 60 mm. Bevorzugt beträgt sie zwischen 40 mm und
50 mm und weiter bevorzugt zwischen 42 mm und 48 mm.
[0062] Die Länge des Endbereichs 6 ist insbesondere unabhängig von der Länge des Sicherungsrohres
1, die abhängig von der letztlichen Ausführungsform der HH-Sicherung üblicherweise
zwischen 180 mm und 600 mm beträgt.
[0063] Von der Länge des Sicherungsrohres 1 unabhängig ist auch der Durchmesser des Sicherungsrohres
1. Bei der in Fig. 1 gezeigten Ausführungsform beträgt der Außendurchmesser des Sicherungsrohres
1 im mittigen Bereich 7 etwa 75 mm. Mit der vorgenannten Schichtdicke der Verstärkung
4 und der Wandstärke des Isolierkörpers 3 ergibt sich daraus ein Innendurchmesser
von etwa 54 mm. Der Außendurchmesser ist damit so dimensioniert, dass er gewohnten
Standard-Abmessungen entspricht, was insbesondere für den Einbau in standardisierten
Schaltanlagen von Vorteil ist.
[0064] Die hier gezeigte Ausführungsform des erfindungsmäßen Sicherungsrohres 1 weist eine
hohe Formstabilität sowie geringe Fertigungstoleranzen auf. Seine Ovalität beträgt
max. 1,0, seine Durchbiegung 0,5 %, und die nicht tolerierten Maße ergeben sich nach
DIN 40680 mittel.
[0065] Ausgehend von einem Sicherungsrohr 1 der in Fig. 1 dargestellten Form lässt sich
in nachfolgenden Prozessschritten, die in den Figuren 3 bis 6 zur Erläuterung dargestellt
sind, eine Hochspannungssicherung 2 entsprechend der Darstellung in den Figuren 2
und 6 herstellen.
[0066] Nach Aufbringen der Verstärkung 4 auf den Isolierkörper 3 und entsprechender Bearbeitung
der Endbereiche 6 wird zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Sicherungsrohres 1
gemäß einer ersten Ausführungsform endseitig jeweils eine Innenkappe 5 auf die Armierung,
d.h. auf die Verstärkung 4 gepresst und in der Nut 8 angerollt, wodurch sich eine
formschlüssige Verbindung der Innenkappe 5 mit dem Endbereich 6 des Sicherungsrohres
1 durch ein Eingreifen der Innenkappe 5 mit ihrer äußeren Randkante 11 in die Nut
8 ergibt. Die Innenkappe 5 wird derart nach innen eingerollt, dass sie die Wandung
des Sicherungsrohres 1, d.h. des Isolierkörpers 3 mit der aufgebrachten Verstärkung
4, endseitig umgreift. Zusätzlich wird die Innenkappe 5 reibschlüssig auf dem Endbereich
6 des Sicherungsrohres 1 gehalten. Alternativ oder zusätzlich ist außerdem eine stoffschlüssige
Verbindung, beispielsweise durch Verkleben, möglich.
[0067] Durch das Aufbringen der Innenkappe 5 auf den Endbereich 6 erhält das Sicherungsrohr
1 die in Fig. 4 dargestellte Form. Lagertechnisch werden, vorzugsweise, dagegen nur
die reinen Sicherungsrohre 1 gemäß Fig. 3 bzw. Fig. 9 und 17 bevorratet.
[0068] Zur nachfolgenden Herstellung einer erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung 2 wird
zunächst ein Schmelzleitersystem 12 in den Hohlraum 13 des Sicherungsrohres 1 eingebracht.
Das Schmelzleitersystem 12 weist einen Träger 14 auf, der als Wickelkörper für einen
oder mehrere Schmelzleiter 15 dient.
[0069] Je nach dem späteren Einsatzgebiet der herzustellenden Hochspannungssicherung 2 können
für unterschiedliche Nennströme ausgelegte Schmelzleiter 15 bzw, Schmelzleitersysteme
12 verwendet werden, während jeweils ein identisches Sicherungsrohr 1 aus einem Lagerbestand
verwendet wird.
[0070] Zur Kontaktierung ist der bzw. sind die Schmelzleiter 15, wie in Fig. 5 gezeigt,
über einen Kontaktstreifen 16 mittels Widerstandsschweißen mit der Innenkappe 5, die
vorliegend aus Kupfer oder einer Kupferlegierung besteht, elektrisch leitend verbunden.
[0071] Um ein verlässliches, schnelles und dauerhaftes Erlöschen eines Lichtbogens im Auslösefall
zu erreichen, wird der Hohlraum 13 des Sicherungsrohres 1, nachdem eine Seite des
Sicherungsrohres 1 verschlossen worden ist, insbesondere mit einem quarzhaltigen,
granularen Lichtbogenlöschmittel gefüllt, das den Schmelzleiter 15 bzw. das Schmelzleitersystem
12 umgibt. In einem anschließenden Prozessschritt zur Herstellung der Hochspannungssicherung
2 wird auf den noch offenen Endbereich 6 des Sicherungsrohres 1 eine metallische Kontaktkappe
17 aufgesetzt, wodurch eine vollständige, erfindungsgemäße Hochspannungssicherung
2 entsprechend der Darstellung in Fig. 6 erhalten wird.
[0072] Die Kontaktkappe 17 ist so auf die Innenkappe 5 gepresst, dass sich insbesondere
ein leitfähiger Relbschluss ergibt. Für einen festeren Sitz der Kontaktkappe 17 kann
zudem eine form- und/oder stoffschlüssige Verbindung vorgesehen sein.
[0073] Da die Kontaktkappe 17 im abschließenden Prozessschritt zur Herstellung der Hochspannungssicherung
2 auf den Endbereich 6 des Sicherungsrohres 1 aufgesetzt wird, wobei das Sicherungsrohr
1 bereits eine auf den Isolierkörper 3 aufgebrachte Verstärkung 4 aufweist, übergreift
die Kontaktkappe 17 die Verstärkung 4 außenseitig zumindest bereichsweise. Ein nachträgliches
Umwickeln mit einem Verstärkungsmaterial entfällt bei einer Hochspannungssicherung
2 im Sinne der vorliegenden Erfindung.
[0074] Die Kontaktkappe 17 übergreift die Innenkappe 5, jedoch übergreift sie ansonsten
lediglich den Endbereich 6 des Sicherungsrohres 1, wobei sich aufgrund des verringerten
Außendurchmessers des Sicherungstohres 1 in seinem Endbereich 6 ein zumindest im Wesentlichen
bündiger Verlauf entlang der Außenkante bei der erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung
2 ergibt.
[0075] Fig. 7 zeigt eine zweite Ausführungsform einer erfindungsgemäßen Hochspannungssicherung.
Diese ähnelt vom Aufbau her grundsätzlich der ersten Ausführungsform, die anhand der
Fig. 1 bis 6 beschrieben wird.
[0076] Auch im vorliegenden Fall wird auf einen Isolierkörper 3 eine Verstärkung 4 aufgebracht,
und es findet eine mechanische Bearbeitung des Sicherungsrohres 1 im Endbereich 6
statt. Es ist jedoch bei der vorliegenden Ausführungsform keine Innenkappe 5 vorgesehen.
Stattdessen wird die Kontaktkappe 17 direkt in die Nut 8 eingerollt. Die Kontaktkappe
17 ist zudem anders geformt, nämlich zumindest im Wesentlichen rohrförmig und endseitig
offen.
[0077] In Fig. 7 ist ein erfindungsgemäßes, einseitig geschlossenes Sicherungsrohr 1 mit
eingesetztem Schmelzleitersystem 12 und aufgebrachten Kontaktkappen 17 dargestellt,
wobei der in den Hohlraum 13 eingefüllte Quarzsand aus Darstellungsgründen nicht gezeigt
ist. Dementsprechend ist in der axialen Ansicht gemäß Fig. 8 des Sicherungsrohres
1 aus Fig. 7 das in den Hohlraum 13 des Sicherungsrohres 1 eingebrachte Schmelzleitersystem
12 zu erkennen.
[0078] Das endseitige Verschließen erfolgt erst im letzten Schritt (vgl. Fig. 15, 16, 20)
bei der Herstellung einer Hochspannungssicherung 2 unter Verwendung des Sicherungsrohres
1 in der hier gezeigten Ausführungsform.
[0079] Die dazu erforderlichen Herstellungsschritte sind in den Fig. 9 bis 16 jeweils in
seitlicher und axialer Ansicht sowie in den Fig. 17 bis 20 in perspektivischer Schnittdarstellung
gezeigt, analog zu den Fig. 3 bis 6 für eine erste bevorzugte Ausführungsform des
erfindungsgemäßen Sicherungsrohres 1 mit einer Innenkappe 5.
[0080] Auch im Fall der zweiten bevorzugten Ausfühnungsform wird zunächst ein rohrförmiger
Isolierkörper 3 aus einem anorganischen Material mit einer äußeren Verstärkung 4 umwickelt.
Anschließend wird das Sicherungsrohr 1 in seinen Endbereichen 6 derart mechanisch
bearbeitet, dass der Außendurchmesser verringert wird und eine Nut 8 sowie eine Anfasung
9 eingebracht werden (Fig. 9, 10, 17).
[0081] Anschließend wird jeweils endseitig eine Kontaktkappe 17 direkt aufgebracht und ihrerseits
in die Nut 8 eingerollt, so dass sich eine reib- und formschlüssige Verbindung der
Kontaktkappe 17 zum Sicherungsrohr 1 ergibt (Fig. 11, 12, 18).
[0082] Nachfolgend wird ein Schmelzleitersystem 12 mit einem Träger 14 und einem oder mehreren
Schmelzleitern 15 in den Hohlraum 13 des Sicherungsrohres 1 mit aufgebrachten Kontaktkappen
17 eingebracht. Mittels eines Kontaktstreifens 16 wird eine elektrisch leitende Verbindung
des Schmelzleiter 15 zur Kontaktkappe 17, die der äußeren Kontaktierung der erfindungsgemäßen
Hochspannungssicherung 2 dient, hergestellt. Der Kontaktstreifen 16 ist insbesondere
in den Fig. 14 und 19 erkennbar.
[0083] Nach dem Vertüllen des den Schmelzleiter 15 umgehenden Hohlraums 13 mit einem Lichtbogenlöschmittel,
insbesondere mit Quarzsand, wird abschließend die Hochspannungssicherung 2 endseitig,
d.h. an den Kontaktkappen 17, mittels eines Deckels 18 verschlossen. Der Deckel 18
kann dabei reib-, form- und/oder stoffschlüssig mit der Kontaktkappe 17 verbunden
sein.
[0084] Für die zwei hier ausführlich behandelten bevorzugten Ausführungsformen des erfindungsgemäßen
Sicherungsrohres 1 gilt, ebenso wie für alle weiteren Ausführungsformen, die Gegenstand
der vorliegenden Erfindung sind, dass eine lagertechnische Bevorratung des Sicherungsrohres
1 ohne aufgebrachte Innenkappen 5 und/oder Kontaktkappen 17 bevorzugt ist.
[0085] Nach dem Aufbringen der Verstärkung 4 auf den Isolierkörper 3 und einer mechanischen
Bearbeitung im Endbereich 6 wird ein Sicherungsrohr 1 erhalfien, das ohne nennenswerte
Alterungserscheinungen lagertechnisch bevorratet werden kann. Die zur Kontaktierung
dienenden Innenkappen 5 und/oder Kontaktkappen 17 werden bevorzugt erst kurz vor der
Herstellung einer Hochspannungssicherung 2 unter Verwendung des Sicherungsrohres 1
aufgebracht, um beispielsweise die Bildung von elektrisch isolierenden Oxidschichten
auf der Oberfläche der Kappen zu vermeiden.
Bezugszeichenliste:
| 1 |
Sicherungsrohr |
10 |
Übergang |
| 2 |
Hochspannungssicherung |
11 |
äußere Randkante |
| 3 |
Isolierkörper |
12 |
Schmelzleitersystem |
| 4 |
Verstärkung |
13 |
Hohlraum |
| 5 |
Innenkappe |
14 |
Träger |
| 6 |
Endbereich |
15 |
Schmelzleiter |
| 7 |
mittiger Bereich |
16 |
Kontaktstreifen |
| 8 |
Nut |
17 |
Kontaktkappe |
| 9 |
Anfasung |
18 |
Deckel |
1. Verfahren zur Herstellung eines Sicherungsrohres (1) für eine Hochspannungssicherung
(2), insbesondere zur Verwendung im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen
oberhalb 80 A, wobei das Sicherungsrohr (1) einen rohrförmigen, aus einem anorganischen
Material, insbesondere keramischen Material oder Glasmaterial, gefertigten inneren
Isolierkörper (3) und eine auf den Isolierkörper (3) aufgebrachte äußere Verstärkung
(4) aus einem, insbesondere flexibel stabilen Kunststoffmaterial aufweist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass ein faserverstärktes, insbesondere glasfaser- und/oder aramidfaserverstärktes Kunststoffmaterial
insbesondere auf Polyester- und/oder Epoxidhärzbasis als Verstärkung (4) auf den Isolierkörper
(3) aufgebracht wird, insbesondere wobei die Aufbringung im Filament-Winding-Verfahren,
durch Umspritzen und/oder durch Aufbringen eines Prepreg-Halbzeugs, insbesondere in
Form einer Matte, erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstärkung (4) auf die Außenseite des Isolierkörpers (3) über dessen gesamte
Länge aufgebracht wird, und/oder dass der Isolierkörper (3), insbesondere vor dem
Aufbringen der Verstärkung (4), und/oder das Sicherungsrohr (1), insbesondere nach
Aufbringen der Verstärkung (4), endseitig zur Verringerung des Außendurchmessers und/oder
zur Glättung der Oberfläche und/oder zur Einbringung einer vorzugsweise umlaufenden
Nut (8) und/oder zum Bewirken einer Anfasung (9) mechanisch bearbeitet wird.
4. Verfahren zur Herstellung einer Hochspannungssicherung (2). insbesondere zur Verwendung
im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen oberhalb 80 A, wobei die Hochspannungssicherung
(2) einen rohrförmigen, aus einem anorganischen Material, insbesondere keramischen
Material oder Glasmaterial, gefertigten inneren Isolierkörper (3), eine auf den Isolierkörper
(3) aufgebrachte äußere Verstärkung aus einem Kunststoffmaterial (4) und endseitig
wenigstens eine aufgebrachte Kontaktkappe (17) aufweist, wobei die Kontaktkappe (17)
erst nach dem Aufbringen der Verstärkung (4) auf den Isolierkörper (3) aufgebracht
wird und im montierten Zustand die Verstärkung (4) zumindest bereichsweise übergreift.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei das Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3 realisiert
wird, und wobei, vorzugsweise, das Sicherungsrohr (1) vor der Herstellung der Hochspannungssicherung
(2) lagertechnisch bevorratet wird.
6. Sicherungsrohr (1) für eine Hochspannungssicherung (2) ), insbesondere zur Verwendung
im Spannungsbereich ab 3,6 kV und/oder bei Nennströmen oberhalb 80 A, mit einem rohrförmigen,
aus anorganischem Material, insbesondere keramischen Material oder Glasmaterial, gefertigten
inneren Isolierkörper (3) und mit einer auf den Isolierkörper (3) aufgebrachten äußeren
Verstärkung (4) aus einem Kunststoffmaterial.
7. Sicherungsrohr nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Kunststoffmaterial der Verstärkung (4) faserverstärkt, insbesondere glasfaser-
und/oder aramidfaserverstärkt ist, insbesondere wobei als Binder Polyester und/oder
Epoxidharz vorgesehen ist und/oder dass das Kunsltstoffmaterial der Verstärkung einen
thermoplastischen Kunststoff und/oder einen Duroplast aufweist oder aus einem solchen
besteht.
8. Sicherungsrohr nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Verstärkung (4) als sich über die gesamte Länge des Isolierkörpers (3) erstreckende,
äußere Ummantelung ausgebildet ist, und/oder dass der Isolierkörper (3) einschichtig
ausgebildet ist, und/oder dass die Verstärkung (4) ein- oder mehrschichtig und/oder
als geschlossene Schicht ausgebildet ist.
9. Sicherungsrohr nach einem der vorhergehenden Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass endseitig jeweils ein Endbereich (6) mit verringertem Außendurchmesser, insbesondere
der Verstärkung (4), vorgesehen ist.
10. Sicherungsrohr nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass auf den Endbereich (6) eine Innenkappe (5) aus einem elektrisch leitenden Material,
insbesondere aus Kupfer oder einer Kupferlegierung, aufgebracht ist, vorzugsweise
wobei die Innenkappe (5) außenseitig zumindest bereichsweise die Verstärkung (4) übergreift.
11. Sicherungsrohr nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass im Endbereich (6) eine vorzugsweise umlaufende Nut (8) vorgesehen ist, vorzugsweise
wobei die Innenkappe (5), insbesondere mit ihrer äußeren Randkante (11) zumindest
bereichsweise in die Nut (8) formschlüssig eingreift.
12. Sicherungsrohr nach Anspruch 9, 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass am außenseitigen Ende des Endbereichs (6) eine Anfasung (9) der Verstärkung (4) vorgesehen
ist.
13. Hochspannungssicherung (2) mit einem Sicherungsrohr (1) nach einem der vorhergehenden
Ansprüche 6 bis 13 und mit zwei Kontaktkappen (17) und/oder wenigstens einer Innenkappe
(5).
14. Hochspannungssicherung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, dass die Kontaktkappe (17) die Verstärkung (4) außenseitig zumindest bereichsweise und/oder
lediglich den Endbereich (6) des Sicherungsrohres (1) übergreift.