[0001] Die Erfindung betrifft eine Gießkokille zum Vergießen von Stahlschmelze zu einem
kontinuierlichen abgezogenen Strang, wobei an mindestens einer der zu vergießenden
Schmelze zugewandten Innenfläche der Gießkokille eine Oberflächentextur eingeformt
ist, die sich mindestens über den Bereich der Kokille erstreckt, die im Betrieb mit
auf der in die Kokille eingegossenen Schmelze schwimmender Schlacke benetzt ist.
[0002] Beim Stranggießen wird Stahlschmelze aus einer Gießpfanne in einen als Puffer und
gegebenenfalls zum Verteilen der Schmelze auf mehrere Stränge vorgesehenen Verteiler,
auch Tundish genannt, gefüllt und gelangt von dort über ein Tauchrohr in die jeweilige
Gießkokille. Die Gießrichtung entspricht dabei der Schwerkraftwirkung.
[0003] In der Gießkokille wird der Strang geformt. Dabei setzt die Erstarrung der Schmelze
bei Kontakt mit den gekühlten Innenflächen der Gießkokille ein, so dass der aus der
Gießkokille nach wie vor in vertikaler Richtung austretende Strang an seinen Außenseiten
eine dünne Schale aus erstarrtem Stahl aufweist, die die im Innern des Strangs noch
flüssige Schmelze umgrenzt.
[0004] Nach dem Austritt aus der Kokille wird der Strang in einem so genannten "Gießbogen"
gestützt durch Rollen in eine horizontale Förderrichtung umgelenkt. Dabei erfolgt
im Bereich des Gießbogens eine gezielt gesteuerte Kühlung, um eine gesteuerte Erstarrung
des Strangs zu bewirken. Von dem in horizontaler Richtung abgeförderten und vollständig
erstarrten Strang werden anschließend Brammen abgeteilt, die der Weiterverarbeitung
zugeführt werden.
[0005] In der Kokille wird auf die freie Oberfläche der Schmelze Gießpulver gestreut, um
Schlacke zu bilden. Die Schlacke deckt die Schmelze ab und verhindert, dass es im
Bereich des so genannten "Gießspiegels" zu Reaktionen der Schmelze mit der Umgebungsatmosphäre
kommt. Gleichzeitig bindet die Schlacke in der Schmelze aufsteigende Unreinheiten
und dient als Schmiermittel zwischen der erstarrenden Schale des Stahlstrangs und
der Kokille. Alternativ existieren Gießverfahren, bei denen entweder das Gießpulver
vorgeschmolzen zugeführt wird oder bei denen das Gießverfahren eine Verwendung von
so genannten "Gießölen", d. h. flüssigen Gießmedien, anstelle von Gießpulvern vorsieht.
Letztere Technik wird vor allem im Knüppel- oder Rundstrangguss angewandt. Üblicherweise
wird die Kokille oszillierend bewegt, um ein Anbacken des Stahls an den gekühlten
Wänden der Kokille zu verhindern und das Abfördern des sich bildenden Strangs aus
der Kokille zu unterstützen.
[0006] Stranggusskokillen können aus Kokillenplatten zusammengesetzt oder als ein einzelnes
Stück ausgeführt sein. Die Innenseiten der Stranggusskokillen bestehen in der Regel
aus Kupfer. Zur Verbesserung ihrer Verschleißbeständigkeit können ihre mit der Stahlschmelze
und dem sich bildenden Strang in Kontakt kommenden Innenflächen mit einer Nickelbeschichtung
belegt sein (
EP 0 125 509 B1). Die Nickelbeschichtung hat jedoch eine deutliche Minderung der Wärmeabfuhr zur
Folge. Daher wird sie in der Regel erst in einem gewissen Abstand zur dem Verteiler
der Stranggussanlage zugeordneten Kokillenoberkante angebracht.
[0007] Unabhängig davon, ob die Gießkokille an ihren Innenflächen mit einer Nickelbeschichtung
versehen ist oder nicht, wird im Stranggießprozess die Stahlschmelze vor allem im
Bereich des Gießspiegels besonders schnell abgekühlt. Bei empfindlichen Stahlmarken
kann dies dazu führen, dass sich aufgrund der beim Abkühlvorgang entstehenden Eigenspannungen
Oberflächenfehler einstellen.
[0008] Dieses Problem ist bereits in der
EP 1 099 496 B1 angesprochen worden. Dort ist die Veröffentlichung "
Über den Zusammenhang zwischen Anfangserstarrung und Beschaffenheit der Strangoberfläche
bei peritektisch erstarrenden Stählen" (Habilitationsschrift M. M. Wolf, Forch 2002,
Seiten 61 - 64) erwähnt, gemäß der insbesondere der Wärmestrom durch die Kokillenwand in deren Badspiegelbereich
eine entscheidende Rolle für die Rissfreiheit der Strangschale spielt. Eine zu große
Wärmeabfuhr bringt demnach eine erhöhte Rissgefahr mit sich. Um den Wärmestrom zwischen
der sich bildenden Strangschale und der Kokillen-Innenfläche wird in der
EP 1 099 496 B1 vorgeschlagen, durch Aufrauen der Kokillenoberfläche den Wärmedurchgangswiderstand
im Bereich des Gießspiegels zu verringern. Auf diese Weise soll die sich in der Kokille
bildende Strangschale länger dünn bleiben und von dem mit zunehmendem Abstand von
dem Badspiegel steigenden ferrostatischen Druck gleichmäßiger an die Kupferplatte
der Stranggusskokille angedrückt werden. Das Aufrauen der Kokillenoberfläche wird
dabei so durchgeführt, dass die Bearbeitungstiefe der Rauheit der Kokilleninnenfläche
in Gießrichtung abnimmt, so dass vom aufgerauten zum glatten Teil der Kokille ein
allmählicher Übergang und damit auch ein allmählicher Übergang vom gedrosselten zum
ungedrosselten Wärmefluss erzielt wird. Ein Vorteil wird dabei darin gesehen, dass
die Makrostruktur der Kokilleninnenfläche durch an sich bekannte Verfahren wie Shot
Blast Texturing (SBT), Electric Discharge Texturing (EDT), Electron Beam Texturing
(EBT), Laser Texturing (LT) oder durch eine gelochte Textur (GLT) oder durch andere
Verfahren verwirklicht werden kann.
[0009] Neben dem voranstehend erläuterten Stand der Technik ist aus der
JP H06-297103 eine Gießkokille bekannt, bei der in die Kokilleninnenfläche eine unregelmäßige Struktur
eingebracht ist, die sich ausgehend von der Oberkante der Kokille über eine Höhe von
20 - 150 mm erstreckt und dabei Vertiefungen aufweist, deren Durchmesser 0,1 - 3 mm
und deren Tiefe 5 - 300 µm beträgt. Die Vertiefungen sind durch materialabhebende
Verfahren, wie Ätzen, Kugelstrahlen oder Laserbearbeitung in die Oberfläche der Kokille
eingebracht.
[0010] Darüber hinaus ist in der
JP S51-50819 vorgeschlagen worden, gleichmäßig Vertiefungen in eine Kokilleninnenfläche einzubringen,
die in regelmäßiger oder unregelmäßiger Anordnung über die jeweilige Fläche verteilt
sein können.
[0011] Vor dem Hintergrund des voranstehend erläuterten Standes der Technik lag der Erfindung
die Aufgabe zu Grunde, eine Gießkokille zu schaffen, bei der mit einfachen Mitteln
ein optimales Erstarrungsverhalten in dem hinsichtlich der Gefahr von Rissbildung
kritischen Bereich der Gießkokille gewährleistet ist.
[0012] Gelöst wird diese Aufgabe erfindungsgemäß durch eine gemäß Anspruch 1 ausgestaltete
Gießkokille.
[0013] Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben
und werden nachfolgend wie der allgemeine Erfindungsgedanke im Einzelnen erläutert.
[0014] Bei einer erfindungsgemäßen Gießkokille zum Vergießen von Stahlschmelze zu einem
kontinuierlichen abgezogenen Strang ist in Übereinstimmung mit dem eingangs erläuterten
Stand der Technik mindestens an einer der der zu vergießenden Schmelze zugewandten
Innenfläche der Gießkokille eine Oberflächentextur eingeformt. Dabei erstreckt sich
die Oberflächentextur mindestens über den Bereich der Kokille, die im Betrieb mit
auf der in die Kokille eingegossenen Schmelze schwimmender Schlacke benetzt ist.
[0015] Erfindungsgemäß ist nun diese Oberflächentextur als geschlossene Struktur mit abgeschlossen
umgrenzten, stochastisch verteilten Vertiefungen ausgebildet.
[0016] Durch die erfindungsgemäß als Oberflächentextur vorgesehene, aus jeweils vollständig
umgrenzten Vertiefungen gebildete Struktur sinkt der Wärmeübergang zwischen Kokille
und flüssiger Schmelze. Dabei belegt ein Teil der erstarrenden Schlacke die Vertiefungen
der stochastischen Oberflächenstruktur und haftet dort, anders als bei offenen Oberflächenstrukturen
förmlich an. Auf diese Weise wirkt die an der Kokilleninnenfläche haftende Schlacke
als Wärmedämmung, die einen direkten Kontakt der Schmelze mit der Innenfläche verhindert.
Diese wärmedämmende Wirkung der Schlackenschicht führt zu einer geringeren und zu
einer über die Kokillenbreite homogeneren Wärmeabfuhr im Gießspiegelbereich. In Folge
der insgesamt verminderten und homogeneren Wärmeabfuhr entstehen während des Abkühlvorganges
bei Einsatz einer erfindungsgemäß oberflächenstrukturierten Kokillenoberfläche im
Vergleich zur konventionellen Kokillenoberfläche weniger Eigenspannungen in der Strangschale.
Die Gefahr der Bildung von Oberflächenfehlern wird folglich gesenkt. Werden Gießöle
verwendet, so wird die hier beschriebene Oberflächentextur benetzt. Die dann in den
Vertiefungen haftende Ölschicht wirkt ebenfalls wärmedämmend.
[0017] Eine durch die beispielsweise in der
EP 1 099 496 B1 angegebenen Verfahren oder durch Kugelstrahlen und ähnliche Verfahren eingebrachte
offene Oberflächen- und Rauheitsstruktur, bei der sich die jeweiligen Vertiefungen
überlappen und dementsprechend nicht gegeneinander abgegrenzt sind, sondern ineinander
übergehen, erhält ihre Rauheit durch Erhebungen im Material, welche durch eine Verschiebung
des Kokillenmaterials entstehen. Die erfindungsgemäß vorgesehene geschlossene Oberflächenstruktur
ist dagegen durch nicht zusammenhängende Vertiefungen und Hohlräume charakterisiert.
Es zeigt sich, dass diese in sich abgeschlossenen und erfindungsgemäß stochastisch
verteilten Vertiefungen eine bessere Schlackenhaftung gewährleisten und ein Abfließen
der Schlacke verhindern.
[0018] Neben dem so entstehenden topographischen Erscheinungsbild sind der Mittenrauwert
Ra und die gemittelte Rautiefe Rz zur Kennzeichnung dieser Oberflächenstruktur von
Bedeutung. Sowohl der Mittenrauwert Ra als auch die gemittelte Rautiefe Rz sind dabei
gemäß DIN EN ISO 4287 zu bestimmen. Bei einer erfindungsgemäßen Oberflächenstruktur
beträgt der Mittenrauwert Ra 10 - 50 µm und die gemittelte Rautiefe Rz 80 - 250 µm.
Bei in diesen Wertbereichen liegenden Mittenrauwerten und gemittelter Rautiefe ergibt
sich eine maximale Reduktion der Oberflächenfehler und eine stabile Prozesssicherheit.
Dies gilt im besonderen Maße dann, wenn der Mittenrauwert Ra 10 - 50 µm, insbesondere
15 - 50 µm, beträgt.
[0019] Eine optimale Haftung der Schlacke an der Oberflächentextur ergibt sich dann, wenn
die maximale Tiefe der Vertiefungen der Oberflächentextur 500 µm beträgt. Mindestens
sollte die Tiefe der Vertiefungen 5 µm betragen, um die angestrebte Rauigkeit sicher
zu erzielen.
[0020] Gießkokillen der hier in Rede stehenden Art bestehen üblicherweise aus einer Nichteisenmetall-Legierung,
die in der Regel auf der der Schmelze abgewandten Seite gekühlt wird. Der Kokillenquerschnitt
kann eckig oder gerundet ausgeführt sein. Um bei Einsatz rechteckiger oder quadratischer
Kokillen Stränge von unterschiedlicher Breite produzieren zu können, kann dabei mindestens
eine der die Schmalseiten der Kokillenöffnung begrenzenden Platten in Breitenrichtung
verstellbar sein (
EP 0 985 471 A1).
[0021] Die erfindungsgemäß vorgesehene Oberflächenstruktur ist mindestens an einer der die
Gießkokillenöffnungen begrenzenden Innenflächen vorgesehen. Dies schließt selbstverständlich
die Möglichkeit ein, eine entsprechende Oberflächenstruktur an allen oder zumindest
einander gegenüberliegenden Innenflächen der Gießkokille einzuformen. Auch bei breitenverstellbaren
Gießkokillen sollte die erfindungsgemäß strukturierte Oberflächentextur an mindestens
einer der Innenflächen vorhanden sein. Der Bereich, der beim Verstellen von der dabei
relativ zu dieser Innenfläche bewegten Seite der Kokille überstrichen wird, kann dabei
frei von der erfindungsgemäßen Oberflächenstruktur bleiben, wenn dies im Hinblick
auf die Abdichtung der Eckbereiche zweckmäßig ist, an denen die die Kokillenöffnung
begrenzenden Flächen aneinander stoßen. Dementsprechend erstreckt sich dann bei einer
Gießkokille, die durch Verschieben mindestens einer ihrer Seiten dicken- oder breitenverstellbar
ist, die Oberflächentextur über diejenige Breite der mit ihr versehenen Innenfläche,
über die die Innenfläche mit der zu vergießenden Schmelze in Kontakt kommt, wenn die
kleinste Dicke oder Breite der Gießkokille eingestellt ist.
[0022] Die erfindungsgemäß strukturierte Oberflächentextur soll sich mindestens über den
Bereich der jeweiligen Innenfläche der Gießkokille erstrecken, der im Gießbetrieb
von der den Gießspiegel abdeckenden Schlacke benetzt wird. Für heute eingesetzte Gießkokillen
hat sich hier bewährt, wenn sich die Oberflächentextur über einen Bereich erstreckt,
der, jeweils gemessen in Gießrichtung, in einem Abstand von mindestens 10 mm unterhalb
der oberen Kokillenkante beginnt und in einem Abstand von höchstens 600 mm endet.
[0023] Im Fall, dass die mit der Oberflächenstruktur versehene Innenfläche über einen in
einem Abstand von der Kokillenoberkante beginnenden Abschnitt mit einer Nickelschicht
belegt ist, hat es sich im Hinblick auf die Reduzierung von Oberflächenfehlern des
Gießstrangs als besonders günstig erwiesen, wenn die erfindungsgemäß ausgebildete
Oberflächentextur den der Kokillenoberkante zugeordneten Randbereich der Nickelschicht
überlappt. In der Praxis haben sich hier Überlappungsbereiche bewährt, die, in Gießrichtung
gemessen, mindestens 50 mm betragen. Durch die Überlappung der erfindungsgemäßen Oberflächentextur
mit der Nickelbeschichtung wird ein harter Bruch der Wärmeleitfähigkeit beim Übergang
von dem nicht beschichteten zum nickelbeschichten Abschnitt der jeweiligen Innenfläche
vermieden.
[0024] Die erfindungsgemäße Struktur der auf der jeweiligen Kokillenoberfläche vorgesehenen
Oberflächentextur kann durch Prägen (Druck) oder durch einen Stoß- oder Schlagimpuls,
beispielsweise durch Nadeln, in die Oberfläche eingebracht werden. Das Einbringen
der Struktur erfolgt durch eine Verformung der Kokillenoberfläche, ohne dass dabei
Material abgetragen wird. Die in Folge der schlagenden oder drückenden Belastung an
der jeweiligen Kokilleninnenfläche bewirkte Kaltverfestigung kann zu einer höheren
Kokillenlebensdauer beitragen.
[0025] Wird ein Prägeverfahren verwendet, so wird zunächst ein Negativ der zu erzeugenden
Struktur auf eine Matrix, eine Kugel oder Walze aufgebracht. Mit diesem Negativ wird
anschließend die Oberflächenstruktur, abhängig von Druck und Werkzeugoberfläche, auf
die Kokille aufgebracht. Wenn die Struktur durch ein Verfahren erzeugt wird, welches
auf einem Stoß- oder Schlagimpuls basiert, wird durch ein mit hohem Impuls auf die
jeweilige schlagenden Werkzeug die erfindungsgemäß vorgegebene Struktur erzeugt. Hierzu
eignet sich das so genannte "Nadeln" mit dem sich, wie beispielsweise in der
DE 199 07 827 A1 gezielt Oberflächenrauigkeiten erzeugen lassen.
[0026] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen jeweils schematisch:
- Fig. 1
- eine Stranggießanlage in einer seitlichen Ansicht;
- Fig. 2
- eine in der Stranggießanlage gemäß Fig. 1 eingesetzte Gießkokille in einem Längsschnitt;
- Fig. 3
- einen Ausschnitt einer erfindungsgemäß beschaffenen Oberflächentextur in perspektivischer
7,5-fach vergrößerter Ansicht.
[0027] Zum Vergießen einer Stahlschmelze M zu einem Strang S in der in Fig. 1 dargestellten,
in an sich bekannter Weise aufgebauten Stranggussanlage 1 wird die Stahlschmelze M
in einer Pfanne 2 zu einem Verteiler 3 transportiert und über ein Schattenrohr 4 in
den Verteiler 3 gefüllt. An einen Bodenauslass des Verteilers 3 ist ein weiteres vertikal
ausgerichtetes Tauchrohr 5 angeschlossen, das durch einen Stopfen 6 verschlossen und
geregelt werden kann.
[0028] Bei geöffnetem Tauchrohr 5 strömt die Stahlschmelze M in eine Gießkokille 7, die
aus gekühlten Platten 8, 9, 10, 11 zusammengesetzt ist, welche aus einem Nichteisenmetall
oder einer Nichteisenmetalllegierung bestehen. Vorzugsweise werden Kupfer oder Kupferlegierungen
verwendet. Die Gießkokille 7 weist einen in Draufsicht im Wesentlichen rechteckigen
Öffnungsquerschnitt auf, dessen Breitseiten jeweils durch eine breite Kokillenplatte
8,9 und dessen Schmalseiten jeweils durch eine schmale Kokillenplatte 10, 11 begrenzt
ist.
[0029] An ihren jeweils der Gießkokillenöffnung 12 zugeordneten Innenflächen 13 können die
Kokillenplatten 8 - 11 häufig mit einer Nickelschicht 14 belegt sein, die gemessen
in der vertikal ausgerichteten Förderrichtung F der Stahlschmelze M in einem Abstand
variabel zur dem Verteiler 3 zugeordneten Kokillenoberkante 15 der Gießkokille 7 beginnt.
Der Abstand A1 beträgt im vorliegenden Fall 300 mm, kann jedoch generell variable
gestaltet sein. Als Beispiel wird hier eine rechteckige Kokille mit einer Nickelschicht
verwendet. Darüber hinaus sind jedoch auch weitere Kokillenformen mit unterschiedlichen
Beschichtungen denkbar.
[0030] Der sich in der Gießkokille 7 aus der Stahlschmelze M bildende Strang S tritt in
vertikal ausgerichteter Förderrichtung F aus der Gießkokille 7 aus und wird über einen
Gießbogen 16 in eine horizontal ausgerichtete Förderrichtung Fh geleitet. Im Bereich
des Gießbogens 16 wird der Strang S an Rollen 19,20 geführt. Gleichzeitig erfolgt
eine intensive Kühlung, so dass der Strang S am Ende des Gießbogens 16 weitestgehend
vollständig durcherstarrt ist und der Weiterverarbeitung zugeführt werden kann.
[0031] In einem der Kokillenoberkante 15 zugeordneten Abschnitt 21 ist an den Innenflächen
13 der die Kokillenöffnung 12 begrenzenden Kokillenplatten 8 - 11 eine Oberflächentextur
22 ausgebildet. Die Oberflächentextur 22 beginnt in diesem Ausführungsbeispiel in
Förderrichtung F in einem Abstand A2 von 10 mm und endet in einem Abstand A3 von 400
mm von der Kokillenoberkante 15 entfernt. Dementsprechend überlappt die Oberflächentextur
22 die Nickelschicht 14 in einem Überlappungsbereich Ü über eine in Förderrichtung
F gemessene Länge von 100 mm. Generell kann die Oberflächentextur auch bis zu einem
Abstand A3 von 600 mm von der Kokillenoberkante 15 aus gesehen eingebracht werden.
In dem von der Oberflächentextur 22 abgedeckten Abschnitt benetzt die im Gießbetrieb
auf dem Gießspiegel der zu vergießenden Schmelze M schwimmende Schlacke K die Innenfläche
13 der Kupferplatten 8 - 11.
[0032] Die Oberflächentextur 22 ist durch eine Vielzahl von Vertiefungen 23 gebildet, die
jeweils vollständig von einem Steg 24 umgrenzt sind. Jeder der Stege 24 grenzt dabei
zwei benachbart zueinander angeordnete Vertiefungen 23 ab. Die Vertiefungen 23 können
dabei als einzelne lochartige Einprägungen mit im Wesentlichen rundem Öffnungsquerschnitt
oder aus mehreren solcher ineinander übergehenden Einprägungen gebildet sein, die
dann wiederum gemeinsam von einem in sich geschlossen um die betreffende Vertiefung
23 umlaufenden Steg 24 umgrenzt sind. Materialaufschiebungen, wie sie beispielsweise
beim Kugelstrahlverfahren erzeugt werden, sind in dieser Struktur unerwünscht, da
diese Aufschiebungen von der Strangschale abgetragen werden. Eine Rückbildung der
Struktur unter Verringerung der Rauheitskenngrößen wäre die Folge. Vielmehr werden
Vertiefungen in das Kokillenmaterial eingebracht um eine Kaltverfestigung zu erzielen
und die Oberflächenstruktur zu erhalten. Bei den die Kokillenöffnung 12 an ihren Breitseiten
begrenzenden Kokillenplatten 8,9 ist die Breite B der Oberflächentextur 22 auf den
schmalsten Bereich beschränkt, der, wenn die die Kokillenöffnung 12 an ihren Schmalseiten
begrenzenden Kokillenplatten 10, 11 in Breitenrichtung verstellt werden, von den Kupferplatten
10, 11 nicht überstrichen wird.
[0033] Die bis zu 500 µm tiefen Vertiefungen 23 sind durch Nadeln mittels eines handelsüblichen,
hier nicht gezeigten Nadelgerätes erzeugt worden. Die Nadeln des Nadlers haben dabei
mit hoher Energie auf die Innenfläche 13 eingeschlagen und das von ihnen getroffene
Material unter Ausbildung der jeweiligen Vertiefung 23 verdichtet. Ein Materialabtrag
erfolgte nicht. Um die in Figur 3 abgebildete Struktur aus Vertiefungen 23 und Stegen
24 zu erhalten, wurden Einstellungen an folgenden Parametern vorgenommen:
- Abstand zwischen Nadlergehäuse und zu bearbeitender Oberfläche,
- Vorschubgeschwindigkeit und Vorschubrichtung,
- Bewegungsform des Nadlergehäuses/Nadelgerätes sowie
- Energie, mit der die Nadeln auf die zu bearbeitende Oberfläche treffen.
[0034] Die für zwei auf diese Weise erzeugte Oberflächentexturen innerhalb und außerhalb
des Überlappungsbereichs von Oberflächentextur 22 und Nickelschicht 14 der Innenflächen
13 ermittelten gemittelten Rautiefe Rz und Mittenrauwerte Ra sind in Tabelle 1 angegeben.
Tabelle 1
| Beispiel |
Kokille vernickelt? |
Rauheitskenngröße |
Rauheitsprobe aus unvernickeltem Bereich |
Rauheitsprobe aus vernickeltem Bereich |
| 1 |
Nein |
Ra |
26,42 µm |
- |
| Rz |
120,34 µm |
- |
| 2 |
Ja |
Ra |
22,31 µm |
16,99 µm |
| Rz |
121,20 µm |
95,39 µm |
| 3 |
Ja |
Ra |
41,28 µm |
18,91 µm |
| Rz |
187,33 µm |
93,66 µm |
BEZUGSZEICHEN
[0035]
- 1
- Stranggussanlage
- 2
- Pfanne
- 3
- Verteiler
- 4
- Schattenrohr
- 5
- Tauchrohr
- 6
- Stopfen
- 7
- Gießkokille
- 8-11
- Kupferplatten
- 12
- Gießkokillenöffnung
- 13
- Innenflächen der Gießkokille 7
- 14
- Nickelschicht
- 15
- Kokillenoberkante
- 16
- Gießbogen
- 19,20
- Rollen
- 21
- Abschnitt der Innenflächen 13
- 22
- Oberflächentextur
- 23
- Vertiefungen
- 24
- Steg
- A1-A3
- Abstände, gemessen in Förderrichtung F
- B
- Breite des mit der Oberflächentextur versehenen Abschnitts der Innenfläche 13
- F
- Förderrichtung der Stahlschmelze M in der Gießkokille 7
- Fh
- horizontale Förderrichtung
- K
- Schlacke
- M
- Stahlschmelze
- S
- Strang
- Ü
- Überlappungsbereich
1. Gießkokille zum Vergießen von Stahlschmelze (M) zu einem kontinuierlichen abgezogenen
Strang (S), wobei an mindestens einer der der zu vergießenden Schmelze (M) zugewandten
Innenfläche (13) der Gießkokille (7) eine Oberflächentextur (22) eingeformt ist, die
sich mindestens über den Bereich (A3) der Gießkokille (7) erstreckt, der im Betrieb
mit auf der in die Gießkokille (7) eingegossenen Schmelze (M) schwimmender Schlacke
(K) benetzt ist, wobei die Oberflächentextur (22) als geschlossene Struktur mit abgeschlossen
umgrenzten, stochastisch verteilten Vertiefungen (23) ausgebildet ist, dadurch gekennzeichnet, dass der Mittenrauwert Ra der Oberflächentextur (22) 10 - 50 µm und die gemittelte Rautiefe
Rz der Oberflächentextur (22) 80 - 250 µm beträgt.
2. Gießkokille nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Oberflächentextur (22) über einen Bereich erstreckt, der, jeweils gemessen
in Gießrichtung (F), in einem Abstand (A2) von mindestens 10 mm unterhalb der oberen
Kokillenkante (15) beginnt und in einem Abstand (A3) von höchstens 600 mm endet.
3. Gießkokille nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die maximale Tiefe der Vertiefungen (23) der Oberflächentextur (22) 500 µm beträgt.
4. Gießkokille nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießkokille (7) einen eckigen oder gerundeten Öffnungsquerschnitt aufweist und
dass die Oberflächentextur (22) mindestens an einer der Innenflächen (13) der Gießkokille
(7) ausgebildet ist, die den Öffnungsquerschnitt an einer seiner Breitseiten begrenzt.
5. Gießkokille nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Gießkokille (7) durch Verschieben mindestens einer ihrer Schmalseiten (10,11)
breitenverstellbar ist und dass sich die Oberflächentextur (22) über diejenige Breite (B) der mit ihr versehenen
Innenfläche (13) erstreckt, über die die Innenfläche (13) mit der zu vergießenden
Schmelze (M) in Kontakt kommt, wenn die kleinste Breite (B) der Gießkokille (7) eingestellt
ist.
6. Gießkokille nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächentextur (22) durch schlagende Bearbeitung in die jeweilige Innenfläche
(13) der Gießkokille (7) eingebracht ist.
7. Gießkokille nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächentextur (22) durch Nadeln in die Innenfläche (13) eingebracht ist.
8. Gießkokille nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächentextur (22) in die jeweilige Innenfläche (13) der Gießkokille (7)
eingeprägt ist.
9. Gießkokille nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die mit der Oberflächentextur (22) versehene Innenfläche (13) über einen in einem
Abstand (A1) von der Kokillenoberkante (15) beginnenden Abschnitt mit einer Nickelschicht
(14) belegt ist und dass die Oberflächentextur (22) einen der Kokillenoberkante (15) zugeordneten Randbereich
(Ü) der Nickelschicht (14) überlappt.
10. Gießkokille nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Oberflächentextur (22) die Nickelschicht (14) gemessen in Gießrichtung (F) um
mindestens 50 mm überlappt.
1. Casting mould for casting steel melt (M) into a continuously drawn strand (S) wherein
a surface texture (22) is formed on at least one of the inner surfaces (13) of the
casting mould (7) facing towards the melt (M) to be cast, said surface texture extending
at least over the region (A3) of the casting mould (7), which, during operation, is
wetted with slag (K) floating on the melt (M) that has been poured into the casting
mould (7), wherein the surface texture (22) is designed as a closed structure with
completely bordered, randomly distributed indentations (23), characterised in that the mean roughness value Ra of the surface texture (22) is between 10 µm and 50 µm
and the mean roughness depth Rz of the surface texture (22) is between 80 µm and 250
µm.
2. Casting mould according to Claim 1, characterised in that the surface texture (22) extends over an area, which, measured in the casting direction
(F), begins at a distance (A2) of at least 10 mm below the upper edge of the mould
(15) and ends at a maximum distance (A3) of 600 mm.
3. Casting mould according to either of the preceding claims, characterised in that the maximum depth of the indentations (23) of the surface texture (22) is 500 µm.
4. Casting mould according to any one of the preceding claims, characterised in that the casting mould (7) has a square or rounded opening cross-section and in that the surface texture (22) is formed on at least one of the inner surfaces (13) of
the casting mould (7), which defines the opening cross-section on one of the long
sides thereof.
5. Casting mould according to Claim 4, characterised in that the casting mould (7) is width-adjustable by moving at least one of the short sides
(10,11) thereof and in that the surface texture (22) extends over the respective width (B) of the inner surface
(13) provided with said surface texture (22), by means of which the inner surface
(13) comes into contact with the melt (M) to be cast, if the casting mould (7) is
set to the smallest width (B).
6. Casting mould according to any one of the preceding claims, characterised in that the surface texture (22) is introduced into the respective inner surface (13) of
the casting mould (7) by impact treatment.
7. Casting mould according to Claim 6, characterised in that the surface texture (22) is introduced into the inner surface (13) needling.
8. Casting mould according to any one of the preceding claims, characterised in that the surface texture (22) is embossed into the respective inner surface (13) of the
casting mould (7).
9. Casting mould according to any one of the preceding claims, characterised in that the inner surface (13) provided with the surface texture (22) is covered with a layer
of nickel (14) over a section beginning at a distance (A1) from the upper edge of
the mould (15) and in that the surface texture (22) overlaps an edge region (U) of the nickel layer (14) assigned
to the upper edge of the mould (15).
10. Casting mould according to Claim 9, characterised in that the surface texture (22) overlaps the nickel layer (14) measured in the casting direction
(F) by at least 50 mm.
1. Moule de coulée destiné à couler de l'acier en fusion (M) en une ligne de coulée (S)
démoulée en continu, une texture de surface (22) étant façonnée au niveau d'au moins
une surface intérieure (13) du moule de coulée (7) qui fait face à la matière fondue
(M) à couler, laquelle s'étend au moins sur la zone (A3) du moule de coulée (7) qui,
en fonctionnement, est mouillée par la scorie (K) qui flotte sur la matière fondue
(M) coulée dans le moule de coulée (7), la texture de surface (22) étant réalisée
sous la forme d'une structure fermée avec des creux (23) à délimitation fermée distribués
de manière stochastique, caractérisé en ce que la valeur de rugosité moyenne Ra de la texture de surface (22) est de 10 à 50 µm
et la moyenne calculée de la profondeur de rugosité Rz de la texture de surface (22)
est de 80 à 250 µm.
2. Moule de coulée selon la revendication 1, caractérisé en ce que la texture de surface (22) s'étend sur une zone qui, respectivement mesurée dans
le sens de la coulée (F), commence à une distance (A2) d'au moins 10 mm au-dessous
du bord supérieur du moule (15) et se termine à une distance (A3) maximale de 600
mm.
3. Moule de coulée selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la profondeur maximale des creux (23) de la texture de surface (22) est de 500 µm.
4. Moule de coulée selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que le moule de coulée (7) possède une section transversale d'ouverture polygonale ou
arrondie et en ce que la texture de surface (22) est formée au moins au niveau de l'une des surfaces intérieures
(13) du moule de coulée (7) qui délimite la section transversale d'ouverture au niveau
de l'un de ses côtés larges.
5. Moule de coulée selon la revendication 4, caractérisé en ce que le moule de coulée (7) est réglable en largeur par coulissement d'au moins l'un de
ses côtés étroits (10, 11) et en ce que la texture de surface (22) s'étend sur la largeur (B) de la surface intérieure (13)
qui en est pourvue, avec laquelle entre en contact la surface intérieure (13) avec
la matière fondue (M) à couler lorsque la plus petite largeur (B) du moule de coulée
(7) est réglée.
6. Moule de coulée selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la texture de surface (22) est pratiquée dans la surface intérieure (13) respective
du moule de coulée (7) par un usinage frappant.
7. Moule de coulée selon la revendication 6, caractérisé en ce que la texture de surface (22) est pratiquée dans la surface intérieure (13) par des
aiguilles.
8. Moule de coulée selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la texture de surface (22) est estampée dans la surface intérieure (13) respective
du moule de coulée (7).
9. Moule de coulée selon l'une des revendications précédentes, caractérisé en ce que la surface intérieure (13) pourvue de la texture de surface (22) est occupée par
une couche de nickel (14) sur une portion qui commence à une distance (A1) du bord
supérieur du moule (15) et en ce que la texture de surface (22) chevauche une zone de bordure (Ü) de la couche de nickel
(14) qui est associée au bord supérieur du moule (15).
10. Moule de coulée selon la revendication 9, caractérisé en ce que la texture de surface (22) chevauche la couche de nickel (14) sur au moins 50 mm,
mesurés dans le sens de la coulée (F).