[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils
insbesondere für Kraftfahrzeuge, wobei ein Metallband mit mehreren in einer Walzrichtung
hintereinander angeordneten Gruppen von Ober- und Unterwalzen derart gewalzt wird,
dass das Metallband mit einer variierenden Dicke erzeugbar ist.
[0002] Zur Herstellung von Blechplatinen ist es aus der
DE 199 62 754 A1 bekannt, Metallbänder flexibel so zu Walzen, dass über die Länge des Metallbandes
Bereiche unterschiedlicher Dicke entstehen (Tailored Rolled Blanks TRB).
[0003] Die
EP 2 111 937 A1 offenbart ein Verfahren zur Herstellung von in der Dicke variierenden, flächigen
Blechplatinen, insbesondere zur Fertigung von Bauteilen für Kraftfahrzeuge. Dabei
wird als Ausgangswerkstück eine Blechplatine mit einer variierenden Dicke vorgefertigt.
Daraufhin wird die Blechplatine partiell nachbearbeitet, also mit einem Prägestempel
geprägt, so dass die Dicke der Blechplatine welche bereits eine variable Dicke aufweist
lokal geändert wird.
[0004] In der
EP 2 208 555 B1 ist ein Walzverfahren und eine Walzvorrichtung zum Herstellen eines Metallbandes
mit einer über seine Breite variierenden Dicke beschrieben. Gruppen von Walzen werden
in Walzrichtung von dem Metallband durchlaufen. Kern der
EP 2 208 555 B1 soll sein, dass das Metallband bei einem ersten Einstich entlang einer auf dem Metallband
abrollenden Oberfläche eines am Einstich beteiligten Rollwerkzeuges aus seiner ursprünglichen
Bewegungsrichtung heraus gebogen wird, wobei das Metallband über seine Streckgrenze
hinaus gebogen wird. Dadurch ergäbe sich eine vorteilhafte Gefügeänderung im Material.
Die Biegung müsse dabei aber exakt quer zum Metallband verlaufen, so dass der Breitungswiderstand
gesenkt würde, was zu einem leichten Materialfluss des beim Einstich verdrängten Materials
in Breitenrichtung führe.
[0005] Ein Walzverfahren zur Ausbildung von dickenprofiliertem, einstückigen Walzgut, bei
dem das Ausgangsmaterial mittels über die Walzgutbreite unterschiedlich tief in das
Ausgangsmaterial eindringenden Walzen in Breitenrichtung umgeformt wird, ist in der
DE 101 13 610 C2 offenbart. Dabei wird vorgeschlagen, dass eine Umformung des Ausgangsmaterials bereichsweise
durchgeführt wird und durch definierte Überlagerung der Umformbereiche ein dreidimensionales,
sowohl in Längsrichtung als auch in Breitenrichtung beliebiges Dickenprofil ausgebildet
wird. In einem Ausführungsbeispiel dazu beschreibt die
DE 101 13 610 C2 eine Walzvorrichtung, deren Walzen in Form eines Dreiecks hintereinander angeordnet
sind, wobei sich die Kontaktflächen der Walzen gerade derart ergänzen, dass ein geschlossener
Eindruck in das Blechteil eingebracht wird. Weiter schlägt die
DE 101 13 610 C2 vor, dass profilierte Walzen und flächig im Eingriff stehende Walzen eingesetzt werden
könnten. Als profilierte Walze offenbart die
DE 101 13 610 C2 allenfalls solche, die einen rillenförmigen Eindruck bewirken.
[0006] Aus der
DE 197 48 321 A1 ist ein Verfahren zum Walzen von Blechen bekannt, bei dem die Bleche in Breitenrichtung
einen dünnen Teil und einen dicken Teil aufweisen, die in mehreren Stufen hergestellt
sind. Jede Walzstufe weist einen Satz aus einer konvexen Walze und einer Flachwalze
auf, wobei die konvexe Walze einen konvexen Teil aufweist. Der dünne Teil wird in
Übereinstimmung mit der Ausdehnung in Breitenrichtung durch den konvexen Teil der
konvexen Walze geformt, und der dicke Teil wird in Übereinstimmung mit der Ausdehnung
in Längenrichtung durch einen anderen als den konvexen Teil der konvexen Walze geformt.
Damit können Bleche mit unterschiedlichen Dicken quer zur Walzrichtung hergestellt
werden, jedoch ist dieses Verfahren nicht geeignet, um Blechen mit unterschiedlichen
Dicken und Formen in Walzrichtung zu erzeugen.
[0007] Ein weiteres Verfahren zur Herstellung von Blechprofilen mit unterschiedlichen Dicken
quer zur Walzrichtung ist in der
WO 2014 975 115 A1 offenbart. Dabei wird die Materialaufdickung mittels mehrerer hintereinander liegenden
Walzenpaarungen erzeugt. Auch dieses Verfahren ist nur geeignet, um Blechprofile mit
unterschiedlichen Dicken quer zur Walzrichtung herzustellen. Es können jedoch nicht
Blechprofile mit unterschiedlichen Dicken und Konturen in Walzrichtung erzeugt werden.
[0008] Mit zunehmender Verwendung von Leichtmetallen, wie z.B. Aluminium für Strukturbauteile
von Kraftfahrzeugen stellen sich besonders hohe Anforderungen an die Fügetechnologie
zur Verbindung des betreffenden Strukturbauteils mit anderen Komponenten oder Strukturbauteilen
des Kraftfahrzeuges. Bekannt ist zur Verbindung zweier Bauteile miteinander mechanische
oder thermische Fügeverfahren (Pressschweißen und Schmelzschweißen) zu wählen. Bei
den mechanischen Fügeverfahren kann eine Nietverbindung gewählt werden, welche zum
Beispiel als Halbhohlstanznieten (Self Pierce Riveting (SPR)) bekannt ist. Dabei werden
zwei Verbindungsabschnitte flächig übereinandergelegt. Mittels des Niets werden beide
Bauteile verformt, und so miteinander formschlüssig verbunden. Bei den thermischen
Fügeverfahren ist beispielsweise das Widerstandspunktschweißen (Resistance Spot Welding
(RSW)), bekannt. Dabei werden die beiden Verbindungsabschnitte wiederum flächig aufeinander
gelegt, und zwischen zwei Elektroden, die meistens aus Kupfer bestehen, gehalten.
Zwischen beiden Elektroden wird ein Strom angelegt, so dass der Punktbereich zwischen
beiden Elektroden aufgeschmolzen wird.
[0009] Bei dem mechanischen Verfahren mittels der Nietverbindung müssen ersichtlich hohe
Kräfte aufgebracht werden, um die Verbindung mittels der Nietbolzen dauerhaft herstellen
zu können, da im Gegensatz zu thermischen Fügeverfahren die Unterstützung der Wärme
fehlt. Zudem treten Korrosionserscheinungen, also Kontaktkorrosion aufgrund unterschiedlicher
Materialien auf, wenn z.B. der Niet aus Stahl und Verbindungsabschnitte aus Aluminium
bestehen, was die Dauerhaltbarkeit nachteilig beeinflussen kann. Bei der Widerstandpunktschweißmethode,
bezogen auf Aluminium, müssen sehr hohe Schweißströme angelegt werden, um ein ausreichendes
Aufschmelzen erreichen zu können, das wiederum zu einem hohen Kappenverschleiß der
Kupferelektroden führen kann. Dies bedingt einen hohen Energieverbrauch mit den zu
erwartenden hohen Energiekosten. Der hohe Wärmeeintrag kann das Gefüge des Materials
nachteilig hinsichtlich der Dauerhaltbarkeit beeinflussen.
[0010] Ein weiteres Verfahren zum Herstellen einer stoffschlüssigen Verbindung ist das Reibpunktschweißverfahren,
die Schweißstelle wieder aufgefüllt wird (Refill Friction Stir Spot Welding (RFSSW)).
Dies ist ein Schweißverfahren, bei welchem wenig Wärme in das Material eingebracht
wird. Durch ein rotierendes Werkzeug wird eine Reibungswärme erzeugt, um den Werkstoff
zu plastifizieren. So werden Schweißungen bei ca. 400-450°C bei Aluminiumlegierungen
durchgeführt und somit die Heißrissbildung und die hohe Wasserstofflöslichkeit beim
Aluminium verhindert, das eine Schmelztemperatur von ca. 660°C aufweist. Bei Aluminiumlegierungen
sollte ein wärmearmes Fügeverfahren bevorzugt werden, um eine hohe Qualität der Fügestelle
sichern zu können.
[0011] Alles in allem ist die Widerstandspunktschweißmethode in Bezug auf die Dauer der
Verbindungsherstellung die schnellste im Vergleich zu SPR und RFSSW. Die Widerstandspunktschweißmethode
weist aber eine nicht besonders gute Schweißqualität auf, aufgrund des vollständigen
Aufschmelzens der Fügestelle bei Aluminiumlegierungen. Eine Verbindung mittels SPR
ist zwar schneller als eine Verbindung mittels RFSSW, jedoch ist SPR aufgrund der
immensen Nietbolzenkosten sowie der möglichen Kontaktkorrosion sehr unattraktiv. Des
Weiteren müssten mehrere Niete abhängig von der Dicke der Verbindungsstelle eingesetzt
werden. Das Verbindungsverfahren mittels RFSSW stellt insofern eine besonders gute
Alternative zu dem Verbindungsverfahren mittels SPR dar. Dies insbesondere, wenn die
Verbindungsflächen in ihrer Dicke abnehmen. Zwar ist die Dauer zur Herstellung der
Verbindung bei den beiden Verfahren SPR und RFSSW annährend gleich, jedoch entfällt
bei dem Verfahren mittels RFSSW die schädliche Kontaktkorrosion und auch die besonders
hohen Materialkosten der Vielzahl von Nietbolzen entfallen.
[0012] Allen Verbindungsverfahren ist gemeinsam, dass die Verbindungsfläche, also z.B. ein
randseitiger Flansch möglichst gering, also dünn sein sollte. Die Vorteile einer möglichst
dünnen Verbindungsfläche sind, neben kürzeren Schweiß-/Fügezeiten, in einem geringen
Materialverbrauch sowie der erzielbaren Gewichtsreduzierung zu sehen, was insbesondere
in der Kraftfahrzeugindustrie vorteilhaft ist. Bei den im Stand der Technik bekannten
Walzverfahren ist zwar ein Metallband mit in Längsrichtung unterschiedlichen Dicken
herstellbar. Zudem ist noch bekannt, dass das Metallband auch in Breitenrichtung unterschiedliche
Dicken aufweisen kann. Dabei sind also auch dreidimensionale Dickenprofilierungen
möglich, wie die
DE 101 13 601 C2 lehrt. Jedoch sind dafür mehrere Einstiche und hintereinander sowie nebeneinander
angeordnete Rollen erforderlich, wobei noch komplizierte Höhen und Positionseinstellungen
notwendig sind. Insofern ist bei Verfahren zur Herstellung von Strukturbauteilen für
Kraftfahrzeuge noch Raum zur Verbesserungen erkennbar.
[0013] Von daher liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der eingangs genannten
Art anzugeben, mit dem ein Metallband in allen Richtungen, also in X- und Y-Richtung,
mit unterschiedlichen Dicken herstellbar ist. Der Erfindung liegt aber auch die Aufgabe
zugrunde, eine Walzvorrichtung anzugeben, welche sich zur Durchführung des Verfahrens
eignet.
[0014] Erfindungsgemäß gelingt die Lösung der Aufgabe mit einem Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1. Die Lösung der vorrichtungstechnischen Aufgabe gelingt mit einer
Walzvorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 8. Weitere, besonders vorteilhafte
Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die jeweiligen Unteransprüche.
[0015] Es ist darauf hinzuweisen, dass die in der nachfolgenden Beschreibung einzeln aufgeführten
Merkmale und Maßnahmen in beliebiger, technisch sinnvoller Weise miteinander kombiniert
werden können und dadurch weitere Ausgestaltungen der Erfindung aufzeigen können.
Die Beschreibung charakterisiert und spezifiziert die Erfindung zusätzlich.
[0016] Bei einem Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils insbesondere für ein Kraftfahrzeug
wird ein Metallband mit mehreren in einer Walzrichtung hintereinander angeordneten
Gruppen von Ober- und Unterwalzen derart gewalzt, dass das Metallband mit einer variierenden
Dicke erzeugbar ist. Dabei kann das Metallband in allen Richtungen, also in X-, Y-
und Z-Richtung eine unterschiedliche Dicke aufweisen. Erfindungsgemäß ist in einem
ersten Schritt vorgesehen, dass die Ober- und/oder Unterwalzen einer jeden Gruppe
mit in Walzrichtung sich formverändernden Profilierungen versehen werden, wobei die
sich jeweils formverändernde Profilierung einer jeden Gruppe ein jeweils gleichbleibendes
Volumen aufweist. Dabei kann die Profilierung entweder nur auf der Oberwalze, nur
auf der Unterwalze oder auf Ober- und Unterwalze aufgebracht sein. In einem folgenden
Schritt wird ein Metallband vorgefertigt, welches aufgrund der sich formverändernden
Profilierungen erzeugte Teilkonturen bis zu einer gewünschten Endkontur hat. In einem
darauf folgenden Schritt wird das die gewünschte Endkontur aufweisende Metallband
Weiterverarbeitungsschritten zugeführt.
[0017] Günstig ist im Sinne der Erfindung, dass das Metallblech mit der gewünschten Endkontur
in einem kontinuierlichen Walzprozess erzeugt wird. Dies bedeutet, dass zwar hintereinander
angeordnete Gruppen von Ober- und Unterwalzen vorgesehen sind, jedoch wird die Endkontur
in einem Durchlauf des Metallbandes erzeugt, wobei ein Blech mit sowohl in Längsrichtung
als auch in Querrichtung unterschiedlichen Dicken gewalzt ist, wobei diese Dickenverteilung
beliebig, also optimiert ist
[0018] Ist das Metallband mit der gewünschten Endkontur erzeugt, kann dieses zu einem Coil
aufgerollt werden, und so einem Weiterverarbeitungsschritt zugeführt werden.
[0019] Das mit der Endkontur erzeugte Metallband kann in einem Weiterverarbeitungsschritt
umgeformt und/oder gehärtet werden. Insbesondere kann das mit der Endkontur erzeugte
Metallband Warmformgehärtet bzw. pressgehärtet werden (hot forming quenching, HFQ).
[0020] Das mit der Endkontur erzeugte Metallband kann in einem Weiterverarbeitungsschritt
beschnitten werden, um z.B. so das Strukturbauteil mit seinen Endmaßen zu erhalten.
Dazu kann ein Laserschneidverfahren eingesetzt werden, welches besonders präzise Schnitte
erlaubt. Zielführend ist, wenn in diesem Weiterverarbeitungsschritt die Endkontur
zusammen mit einer Verbindungsfläche herausgetrennt wird. Die Verbindungsfläche kann
als Flansch bezeichnet werden, welcher mit dem erfindungsgemäßen Verfahren besonders
dünn ausgeführt sein kann. Aber auch andere Bereiche des mit der Endkontur versehenen
Metallbandes sind, wie erfindungsgemäß vorgesehen, in ihrer Dicke variabel.
[0021] So können vielfältige Strukturbauteile für Kraftfahrzeuge mittels des erfindungsgemäßen
Verfahrens hergestellt werden. Beispielsweise können B-Säulen hergestellt werden.
Diese weisen mittig Verdickungen, also Verstärkungen auf, um den entsprechend auftretenden
Belastungen Stand zu halten. Seitlich dazu sind die Verbindungsflächen bzw. Flansche
angeordnet, welche dünner sind als der Bereich der Verstärkung. Aber auch die Verstärkung
selbst kann in ihrer Dicke variieren. Mit der Erfindung ist es nun möglich den Bereich
der Verstärkung nicht nur linear auszuführen, sondern entsprechend dem vorher berechneten,
am besten geeigneten Verstärkungsprofil ggfls. auch kurvig verlaufend auszuführen.
Möglich ist auch ein unstetiger Verlauf des Verstärkungsbereiches. Dabei kann eine
beispielhafte B-Säule an einem unteren Bereich lediglich beispielhaft einen in Aufsicht
gesehen größeren, also breiteren Verstärkungsbereich aufweisen als an einem oberen,
wobei die Breite in Aufsicht gesehen nicht kontinuierlich abnimmt, sondern nach einer
Einschnürung auch wieder zunehmen kann. Selbstverständlich können auch andere Strukturbauteile
für Kraftfahrzeuge mit dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellt, also erzeugt werden.
[0022] Denkbar ist auch eine Herstellung von crashoptimierten Strukturbauteilen. Beispielsweise
Längsträger können mit dem erfindungsgemäßen Verfahren an bestimmten, also vorher
definierten Stellen mit geringeren Materialstärken erzeugt werden, so dass das Bauteil
bei einem Crash an dieser optimierten Stelle versagt. Hinsichtlich des derzeitigen
Vorgehens, Versagensstellen nachträglich durch Abknickungen oder Umformen an dem Längsträger
anzuordnen, also nachträglich einzubringen, ist das erfindungsgemäße Verfahren durchaus
vorteilhaft, da der zusätzliche, also nachträgliche Schritt entfällt. Dies ist weiter
kostensenkend, aber auch durch geringeren Materialverbrauch Energie und Ressourcen
schonend.
[0023] Mit der Erfindung ist das Metallband mit der gewünschten Endkontur in einem Durchlauf
herstellbar, wobei auch vorher bestimmte, dreidimensionale Endkonturen erzeugt werden
können. Dabei übergreifen die Walzen das Metallband quer zur Walzrichtung vollständig,
wobei die Ober- und Unterwalzen der einzelnen Gruppen seitlich bevorzugt über das
Metallband überstehen. So kann auf einen Einsatz einer Vielzahl dünner Walzen, die
nacheinander folgen und seitlich versetzt sein müssen verzichtet werden. Mit der Erfindung
ist es vielmehr möglich lediglich jeweils nur eine Oberwalze und Unterwalze als Walzengruppe
einzusetzen.
[0024] Bei der zur Durchführung des Verfahrens eingerichteten Walzeinrichtung weisen die
Ober- und/oder Unterwalzen einer jeden Gruppe in Walzrichtung sich formverändernden
Profilierungen auf, wobei die sich jeweils formverändernde Profilierung einer jeden
Gruppe ein jeweils gleichbleibendes Volumen aufweist.
[0025] Zielführend ist, wenn die in Walzrichtung gesehene erste profilierte Ober- und/oder
Unterwalze eine schmalere aber tiefere Profilierung aufweist als die darauf folgenden
Ober- und/oder Unterwalzen der folgenden Gruppen. Zweckmäßig ist weiter, dass die
Profilierungen der, der ersten Gruppe von Ober- und/oder Unterwalzen jeweils nachfolgenden
Ober- und/oder Unterwalzen breiter und schmaler sind als die Profilierungen der in
Walzrichtung jeweils vorgelagerten Ober- und/oder Unterwalzen. Dabei ist es besonders
günstig, dass die aufeinander folgenden Profilierungen trotz der Formänderungen ein
unverändertes Volumen aufweisen.
[0026] Dies bedeutet im Sinne der Erfindung, dass die Ober- und/oder Unterwalzen der ersten
Gruppe eine schmalere aber tiefere Profilierung aufweist als die nachfolgende Gruppe
von Ober- und/oder Unterwalze, welche eine breitere und flachere Profilierung aufweist.
Mit anderen Worten sind die Profilierung als Vertiefung in die Ober- und/oder Unterwalze
eingebracht. Natürlich können auch Erhöhungen vorgesehen sein, wobei auch bei Erhöhungen
deren Volumen in Walzrichtung bleichbleibt, wobei sich die Form ändert.
[0027] Der Walzspalt zwischen der Ober- und Unterwalze ist entsprechend ausgeführt, also
eingestellt. Sowohl die Unterwalze, als auch die Oberwalze weisen eine Profilierung
auf. So weist das Metallband nach dem Durchlauf der ersten Gruppe von Ober- und Unterwalze
eine Teilkontur auf, welche relativ dick und schmal ist, wenn die Profilierung als
Vertiefung in die betreffende Walze eingebracht ist. Mit dem Durchlauf des Metallbandes,
welches nun die Teilkontur aufweist, durch die folgenden Gruppen von Ober- und Unterwalzen,
wird die Teilkontur immer breiter, aber auch flacher, was so auch für das Metallband
gilt. Zumindest die in Walzrichtung gesehen letzten Ober- und Unterwalzen haben eine
solche Breite, dass die Walzen das Metallband seitlich übergreifen. Mit dieser letzten
Gruppe von Ober- und Unterwalzen ist die Endkontur herstellbar.
[0028] Beispielsweise für die Herstellung einer B-Säule mit dünnen Flanschen sind mit der
Erfindung keine zwei unterschiedlichen bzw. mehrere Verfahren/Prozessschritte notwendig.
Die B-Säule wird durch einen kontinuierlichen Walzprozess hergestellt, d.h. dass mit
aneinander folgenden Walzen gezielte Dickenbereiche eingestellt werden können, so
dass am Ende nur präzise geschnitten werden muss, um das gewünschte B-Säulenprofil
erhalten zu können. Dabei handelt es sich um spezielle Walzen mit unterschiedlichen
Konturen, die definierte Tiefenbereiche aufweisen, so dass die endgültige Form einer
B-Säule schrittweise in "einem" Prozess erzeugt werden kann. Jede aufeinander folgende
Gruppe von Walzen ist aufeinander abgestimmt und besitzt eine andere, also formveränderte
Profilierung. Die formveränderte Profilierung wird in die Walzenoberfläche hineingearbeitet,
so dass tatsächlich eine Vertiefung vorliegt. Natürlich können auch Erhöhungen vorgesehen
sein.
[0029] Weitere vorteilhafte Einzelheiten und Wirkungen der Erfindung sind im Folgenden anhand
eines, in den Figuren schematisch dargestellten Ausführungsbeispiels näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Walzeinrichtung von der Oberwalzen mit erfindungsgemäßer Profilierung dargestellt
sind,
- Fig. 2
- ein Metallband mit Endkontur und vorgesehener Schnittkante, und
- Fig. 3
- ein nach dem erfindungsgemäßen Verfahren und mit der erfindungsgemäßen Walzeinrichtung
erzeugtes Strukturbauteil in der beispielhaften Ausgestaltung als B-Säule.
[0030] Es ist darauf hinzuweisen, dass in den unterschiedlichen Figuren gezeigte gleiche
Teile stets mit denselben Bezugszeichen versehen sind, so dass diese in der Regel
auch nur einmal beschrieben werden.
[0031] Figur 1 zeigt eine Walzeinrichtung 1, von der lediglich Oberwalzen 2 dargestellt.
Weitere Bestandteile der Walzeinrichtung 1, wie zum Beispiel Gerüste, Steuerzylinder,
aber auch den Oberwalzen zugeordnete Unterwalzen sind in Figur 1 nicht gezeigt. Die
Oberwalzen und Unterwalzen bilden in Walzrichtung (Pfeil 3) aufeinanderfolgende Gruppen
4 von Ober- und Unterwalzen. Zwischen den Oberwalzen 2 und den Unterwalzen ist ein
Walzspalt gebildet, in dem ein Metallband 5 durchläuft.
[0032] Die Oberwalzen 2, aber auch die Unterwalzen weisen eine Profilierung 6 auf, welche
sich in Walzrichtung 3 gesehen in ihrer Form jeweils ändert, wobei das Volumen gleichbleibt.
[0033] Die Profilierungen 6 werden in Walzrichtung 3 in der Zeichnungsebene von links nach
rechts mit 6a, 6b und 6c bezeichnet. Gleiches gilt für die Oberwalzen 2, welche also
in Walzrichtung 3 in der Zeichnungsebene von links nach rechts mit den Bezugszeichen
2a, 2b und 2c bezeichnet werden.
[0034] In der, der betreffenden Oberwalze 2 jeweils zugeordneten Unterwalze ist zur Profilierung
6 der Oberwalze 2 eine identische Profilierung 6 eingebracht.
[0035] Wie erkennbar weist die in Walzrichtung 3 gesehen erste Oberwalze 2a eine tiefere
aber schmalere Profilierung 6a auf, als die in Walzrichtung 3 folgende Oberwalze 2b.
Deren Profilierung 6b der Oberwalze 2b ist wiederum tiefer und schmaler als die wiederum
in Walzrichtung 3 folgende Profilierung 6c der Oberwalze 2c. Die Volumen der Profilierungen
6a, 6b und 6c sind identisch, wobei die Volumina in Figur 1 mit den Bezugszeichen
Va, Vb und Vc dargestellt sind. Insofern gilt bei der Erfindung Va=Vb=Vc.
[0036] Erkennbar ist, dass die Oberwalzen 2 entlang der Walzrichtung 3 seitlich über das
Metallband 5 überstehen. Gleiches gilt für die betreffenden Unterwalzen.
[0037] Mit den Profilierungen 6 werden in dem Metallband 5 Konturen 7 erzeugt, welche in
Walzrichtung 3 in der Zeichnungsebene von links nach rechts mit den Bezugszeichen
7a, 7b und 7c bezeichnet werden. Die Konturen 7a und /b sollen dabei Teilkonturen
7a und 7b sein, wobei die Kontur 7c als Endkontur 7c bezeichnet werden kann.
[0038] Das Metallband 5 wird in Walzrichtung 3 gesehen fortlaufend breiter, aber auch dünner,
was auch für die Konturen 7a, 7b und 7c gilt.
[0039] Mit der Walzeinrichtung 1 ist so in einem Walzdurchgang ein Strukturbauteil für ein
Kraftfahrzeug herstellbar, welches Gewichtsoptimiert und Belastungsoptimiert ist.
Das Strukturbauteil kann dreidimensional ausgestaltet sein, also in jeder Richtung
(X-, Y-, Z- und/oder Schrägrichtung) unterschiedliche Dicken aufweisen. Dies bedingt
einen besonders reduzierten Materialverbrauch, wobei das Strukturbauteil in einem
Walzdurchgang, zum Beispiel in der Ausgestaltung als B-Säule quasi in seiner endgültigen
Form herstellbar ist. Bei dem Ausführungsbeispiel zu den Figuren 1 und 2 wird beispielhaft
eine B-Säule in einem Walzdurchgang hergestellt, wobei lediglich beispielhaft drei
Gruppen 4 von Oberwalzen 2 und Unterwalzen dargestellt sind. Natürlich kann die Walzeinrichtung
auch mehr oder weniger als drei aufeinander folgende Gruppen von Walzen aufweisen.
Wie in Figur 2 zu erkennen, wird die Endkontur 6c entlang einer präzisen Schnittkante
8 aus dem Metallband 5 präzise so herausgetrennt, dass die z.B. die B-Säule ohne weitere
Maßnahmen montiert werden kann. Insbesondere ein Randbereich, also Flansch oder Verbindungfläche
9 kann sehr dünn ausgeführt sein, so dass eine schweißtechnische Verbindung des Strukturbauteils
mit anderen Komponenten mittels dem RFSSW (Refill Friction Stir Spot Welding) besonders
vorteilhaft durchführbar ist.
[0040] In Figur 3 ist das nach dem erfindungsgemäßen Verfahren und mit der erfindungsgemäßen
Walzeinrichtung 1 hergestellte Strukturbauteil 10 in der beispielhaften Ausgestaltung
als B-Säule gezeigt, wobei ein Blech mit sowohl in Längsrichtung als auch in Querrichtung
unterschiedlichen Dicken gewalzt ist, wobei diese Dickenverteilung beliebig, also
optimiert ist.
[0041] Wie in Figur 3 zu erkennen, weist die beispielhafte in der gewählten Aufsicht den
Randbereich 9 sowie einen Verstärkungsbereich 11 auf. Der Verstärkungsbereich 11 weist
ein sich in der Zeichnungsebene von unten nach oben ändernde Kontur auf. Die Kontur
kann crashoptimiert aber auch gewichtsoptimiert sein, was bedeutet, dass über die
in der Zeichnungsebene gesehene Hocherstreckung der B-Säule Bereiche in ihrer Materialstärke
dicker sind als andere, wobei gewollt im crashfalle wirkende Versagenszonen vorgesehen
sind. Zudem ist ein sehr dünner Randbereich 9 herstellbar, was die Schweißzeit mittels
RFSSW deutlich reduziert. Dabei sind die in der Zeichnungsebene z.B. jeweils unten
und oben angeordneten Randbereiche 9 als Schweißflansche mit einer konstanten Dicke
hergestellt, während der Mittelteil eine beliebige, also optimierte Dickenverteilung
aufweist. Die Kontur der B-Säule kann im Verstärkungsbereich 11 auch Einschnürungen
12 aufweisen, wobei auch nicht nur bezogen auf die Einschnürungen 12 wiederum Verbreiterungen
13 ausgestaltet sind. Die B-Säule ist so wie in Figur 3 beispielhaft dargestellt in
einem Walzdurchgang mit dem Walzverfahren und der Walzeinrichtung 1 nach der Erfindung
hergestellt, wobei noch lediglich ein präzises heraustrennen entlang der in Figur
2 erkennbaren Schnittkante 8 aus dem Metallband durchgeführt wurde. Die Schnittkante
8 ist in Figur 3 angedeutet.
[0042] Das Metallband 5 kann ein Metallblech oder ein Leichtmetallband, wie z.B. ein Aluminiumblech
sein. Der Figur 2 ist weiter zu entnehmen, dass die Profilierung 6 quasi vollumfänglich
in der Oberwalze 2, also auch in der Unterwalze eingebracht ist. Lediglich ein Übergangssteg
14 ist vorgesehen.
[0043] Möglich ist natürlich an die Verbindungsfläche 9 des mit der Endkontur 7c versehenen
Metallbandes 5 mittels Schweißverfahren Anbauelemente, wie z.B. Flansche anzubringen.
Zur Verbindung kann ein Laserschweißen vorgesehen sein. Diese Bauteil kann lösungsgeglüht
und abgeschreckt werden, um die Materialeigenschaften z.B. des als Werkstoff verwendeten
Aluminiums beibehalten zu können.
Bezugszeichenliste
[0044]
- 1
- Walzeinrichtung
- 2
- Oberwalze
- 3
- Walzrichtung
- 4
- Gruppe von Ober- und Unterwalze
- 5
- Metallband
- 6
- Profilierung in 2
- 7
- Kontur in 5
- 8
- Schnittkante
- 9
- Randbereich/Flansch/Verbindungsfläche
- 10
- Strukturbauteil
- 11
- Verstärkungsbereich
- 12
- Einschnürung in 11
- 13
- Verbreiterung in 11
- 14
- Übergangssteg
1. Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils (10), wobei ein Metallband (5) mit
mehreren in einer Walzrichtung (3) hintereinander angeordneten Gruppen (4) von Ober-
und Unterwalzen derart gewalzt wird, dass das Metallband (5) mit einer variierenden
Dicke erzeugbar ist, aufweisend zumindest folgende Schritte:
- Versehen von Ober- und/oder Unterwalzen einer jeden Gruppe (4) mit in Walzrichtung
(3) sich formverändernden Profilierungen (6), wobei die sich jeweils formverändernde
Profilierung (6) einer jeden Gruppe (4) ein jeweils gleichbleibendes Volumen aufweist;
- Vorfertigen des Metallbandes (5) mit der aufgrund der sich formverändernden Profilierungen
(6) erzeugten Teilkonturen (7a,7b) bis zu einer gewünschten Endkontur (7c); und
- Zuführen des vorgefertigten Metallbandes (5) mit der gewünschten Endkontur (7c)
zu Weiterverarbeitungsschritten.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Endkontur (7c) des Metallbandes (5) in einem kontinuierlichen Walzprozess erzeugt
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das vorgefertigte Metallband (5) zu einem Coil aufgerollt wird, welches den Weiterverarbeitungsschritten
zugeführt wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mit der Endkontur (7c) versehene Metallband (5) in einem Weiterverarbeitungsschritt
umgeformt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mit der Endkontur (7c) versehene Metallband (5) in einem Weiterverarbeitungsschritt
gehärtet wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mit der Endkontur (7c) versehene Metallband (5) in einem Weiterverarbeitungsschritt
beschnitten wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
das mit der Endkontur (7c) versehene Metallband (5) in einem Weiterverarbeitungsschritt
so beschnitten wird, dass die Endkontur (7c) zusammen mit einer Verbindungsfläche
(9) herausgetrennt wird.
8. Walzeinrichtung zum Walzen eines Metallbandes (5) mit mehreren in einer Walzrichtung
(3) hintereinander angeordneten Gruppen (4) von Ober- und Unterwalzen, womit das Metallband
(5) mit variierenden Dicke erzeugbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass
die Ober- und/oder Unterwalzen einer jeden Gruppe (4) mit in Walzrichtung (3) sich
formverändernden Profilierungen (6) aufweisen, wobei die sich jeweils formverändernde
Profilierung (6) einer jeden Gruppe ein jeweils gleichbleibendes Volumen aufweist.
9. Walzeinrichtung nach Anspruch 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
die in Walzrichtung (3) gesehene erste profilierte Ober- und/oder Unterwalze eine
schmalere aber tiefere Profilierung (6a) aufweist als die darauf folgenden Ober- und/oder
Unterwalzen der folgenden Gruppen (4).
10. Walzeinrichtung nach Anspruch 8 oder 9,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Profilierungen (6) der einer ersten Gruppe (4) von Ober- und Unterwalzen jeweils
nachfolgenden Ober- und Unterwalzen breiter und tiefer sind als die Profilierungen
(6) der in Walzrichtung (3) jeweils vorgelagerten Ober- und Unterwalzen.
11. Walzeinrichtung nach einem der Ansprüche 8 bis 10, eingerichtet zur Durchführung eines
Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 7.