[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine in den Gehörgang eines Patienten einbringbare
Hörhilfe, mit einem eine mechanische Stimulation des Trommelfells bewirkenden Aktor.
[0002] Derartige Hörhilfen sind aus dem Stand der Technik bekannt.
[0003] Schwerhörigkeit stellt ein schwerwiegendes Gesellschaftsproblem dar, da in Industrienationen
im Durchschnitt etwa 10 bis 20 % der Bevölkerung davon betroffen sind. Schwerhörigkeit
ist in vielen Fällen bis heute nicht heilbar und verursacht dadurch eine Reduktion
der Lebensqualität. Implantierbare und/oder einsetzbare Hörsysteme bieten hier einen
Ausweg.
[0005] Ein akustischer Wandler erzeugt (verstärkte) Schallwellen, die wiederum Vibrationen
in der tympanalen Membran (Trommelfell) hervorruft. Ein Telefonhörer stellt ein sehr
einfaches Beispiel für einen akustischen Wandler dar. Das Ohrstück eines Telefonhörers
wandelt z.B. Sprachsignale in Vibrationen einer Lautsprechermembran um, die es zuvor
per Drahtübertragung empfangen hat. Der Lautsprecher wiederum setzt die tympanale
Membran in Schwingung. Diese Schwingungen resultieren bei variierenden Frequenzen
und Amplituden bei Personen mit einem normal funktionierenden Gehör in einer Schallwahrnehmung.
[0006] Die
DE 692 04 555 T2 beschreibt einen akustischen Wandler. Der akustische Wandler erhält sein Eingangssignal
von einem Infrarotempfänger. Die zur Schallwiedergabe modulierten Signale werden hier
über IR-Strahlung von außerhalb des Ohrs in das Außenohr eingestrahlt, wo sich der
IR-Empfänger mit dem Lautsprecher zur akustischen Kopplung an das Trommelfell befindet.
[0007] Aus der
DE 37 88 529 T2 ist ein elektromagnetischer Wandler bekannt. Derartige elektromagnetische Wandler
werden bei den meisten herkömmlichen Hörimplantaten eingesetzt. Sie wandeln (elektro-)magnetische
Felder, die modulierte Audioinformationen enthalten, in Vibrationen um, die wiederum
auf das Trommelfell oder auf Teile im Mittelohr ausgeübt werden. Der Wandler, üblicherweise
ein Magnet, wird durch das elektromagnetische Feld versetzt bzw. bewegt, um eine vibrierende
Bewegung beispielsweise auf das Trommelfell oder Gehörknöchelchen auszuüben, wodurch
der Nutzer eines solchen elektromagnetisch angetriebenen Systems Schall wahrnimmt.
Diese Art und Weise der Schallwahrnehmung weist einige Vorteile gegenüber akustisch
betriebenen Systemen auf, insbesondere hinsichtlich der Qualität, Effizienz und insbesondere
gegenüber einer Rückkopplung, die allen akustischen Hörsystemen gemein ist.
[0008] Seit mehr als 40 Jahren wird die mechanische Anregung der Gehörknöchelchen als Alternative
zum konventionellen Hörgerät, das den Schalldruck im Gehörgang verstärkt, in der Hörforschung
untersucht, wobei sowohl eine Anregung im Mittelohr als auch am Trommelfell in Frage
kommt. Die mechanische Anregung ist bei hoher erforderlicher Verstärkung gegenüber
der konventionellen akustischen Anregung vorteilhaft hinsichtlich der Klangtreue (Distorsionen).
[0010] Für die Anregung am Trommelfell wurde die Anbringung eines Miniaturmagneten auf dem
Trommelfell vorgeschlagen, der als punktweise wirkender Aktor ausgebildet ist und
am Umbo oder dem zentralen Bereich des Trommelfells angreift. Die Anregung des Magneten
kann mit einer Spule außerhalb oder auch innerhalb des Gehörgangs erfolgen; siehe
DE 20 44 870 A1.
[0011] In der
US 5 259 032 A und der darauf aufbauenden
US 2010/ 0152527 A1 wurde vorgeschlagen, für die punktweise Stimulation am Umbo des Trommelfells eine
sogenannte Trommelfelllinse zu verwenden, die einen Aktor an einer Trägermembran aufweist,
die eine dem individuellen Trommelfell entsprechende Passform aufweist, sodass sie
aufgrund molekularer Kräfte an der hydromechanischen Grenzschicht zum Trommelfell
an demselben haftet. Der Aktor umfasst einen Permanentmagneten, der über ein in den
Gehörgang eingebrachtes Signalerzeugermodul in drahtloser Form elektromagnetisch mit
Signalen und Energie versorgt wird.
[0012] Inzwischen ist dieses System an 16 Probanden getestet worden, wobei von jedem Trommelfell
ein individueller Abguss vorgenommen wurde; siehe
Perkins et al., "The EarLens system: new sound transduction methods", Hear. Res.,
263 (2010), 104-113. Dabei wird der Permanentmagnet in die individuelle Silikonpaßform eingekapselt.
Die Signal- und Energieübertragung wurde alternativ auch in drahtloser Form elektromagnetisch
mittels einer am distalen Ende eines herkömmlichen Hinter-dem-Ohr-(HdO)-Hörgeräts
befindlichen Spule geleistet.
[0013] Diese Ansätze erfordern eine mechanische Fixierung der den Magneten bewegenden Spule
relativ zu dem Trommelfell, also entweder im Gehörgang oder an dem Übergang zwischen
Gehörgang und Trommelfell.
[0014] Die
US 7 867 160 B2 beschreibt eine Variante dieser Hörhilfe, bei der ein an die Form des Außenohres
angepasstes Versorgungsmodul Signale mittels Licht an die Hörhilfe übermittelt, die
an der Außenseite des Trommelfells sitzt. Die Hörhilfe weist eine an dem Umbo anliegende
Trägerstruktur sowie eine bimorphe Struktur auf, die der punktweisen Anregung des
Trommelfells dient.
[0015] Fay et al., "Preliminary Evaluation of a Light-Based Contact Hearing Device for the
Hearing Impaired", (2013) Otol. Neurotol, schlagen ein sich grundsätzlich von den
bisher dominierenden Permanentmagneten unterscheidendes System vor. Dabei wird ein
peritympanaler Abdruck des Trommelfells genommen und dementsprechend eine ringförmige
Silikonstruktur angefertigt, die im ringförmigen Winkel zwischen Gehörgangswand und
Trommelfell aufliegt. An ihr ist eine Aktorstruktur aufgehängt, die gewissermaßen
eine Brücke über das Trommelfell bildet und von dort mit einem Mikroaktor direkt den
Umbo, also den zentralen Bereich stimuliert, in dem die Membrankräfte auf die Gehörknöchelchenkette
übertragen werden.
[0017] Die optische Übertragung hat gegenüber der elektromechanischen Übertragung den Vorteil,
dass der Energieverlust i.d.R. kaum abhängig ist von der Entfernung und Orientierung
zwischen Sender und Empfänger, und außerdem bei vergleichbaren Übertragungsverhältnissen
deutlich kleiner gebaut werden kann. Dies spielt bei Hörimplantaten, die komplett
(also mit Empfänger) in das relativ enge Mittelohr eingesetzt werden sollen, ein große
Rolle. Darüber hinaus führt die erhebliche Entfernungsabhängigkeit zu unerwünschten
Signalmodulation, wenn die Übertragungsstrecke geometrisch nicht hochgradig stabil
ist.
[0018] Ein Problem aller Hörgeräte, die den Gehörgang nicht verschließen, ist eine akustische
Rückkopplung des verstärkten Schalls auf das Empfangsmikrophon, welches bei HdO-Geräten
i.d.R. hinter dem Ohr angebracht ist. Dieses Problem kann bei Implantaten oder auch
Trommelfelllinsen gemindert sein; so wird in Perkins et al., a.a.O., eine Rückkopplungsverstärkungsschwelle
("feedback gain margin") im Bereich um 3 kHz von 12±8 dB gegenüber einem Mikrophon
im Gehörgang gezeigt.
[0019] Fay et al., a.a.O. berichten ein Mittelwert von ca. 40 dB gegenüber einem Mikrophon
an der konventionellen Position hinter der Ohrmuschel. Ein Mikrophon im Gehörgang
hat bei sog. offener Versorgung den eminent wichtigen Vorteil, die Richtungsinformation,
die sich unter anderem aus der individuellen kopfbezogenen Amplitudenübertragungsfunktion
des Schalls ergibt, unverfälscht beizubehalten.
[0020] Aus der
DE 101 54 390 A1 ist ein nach dem Prinzip des akustischen Wandlers arbeitendes, in den Gehörgang einzusetzendes
Hörgerät bekannt, bei dem ein frequenzabhängiges Schalldämpfungselement vorgesehen
ist, das störendes Rückkopplungspfeifen bei höheren Frequenzen verhindern soll. Diese
Maßnahme soll einen Höreindruck wie bei einem offenen Gehörgang erlauben, obwohl der
Gehörgang durch das Hörgerät verschlossen ist. Das Schalldämpfungselement kann als
akustische Blende ausgebildet sein, die in mehreren Ebenen hintereinander angeordnete
und in Umfangsrichtung zueinander verdrehte, kaskadierte Lamellen aufweist.
[0021] Die
EP 2 362 686 A2 beschreibt einen Schallwandler zur Erzeugung von Schallschwingungen, der in das Ohr
einsetzbar ist und insbesondere in das Mittelohr implantiert wird. Der Schallwandler
weist eine Trägerschicht und eine piezoelektrische Schicht auf, wodurch eine Auslenkung
dieser Membranstruktur nach dem Bimorph-Prinzip erreicht wird, so dass die Membranstruktur
über angelegte elektrische Steuersignale in Schwingung versetzt werden kann und dabei
Schallschwingungen im Bereich zwischen 2 Hz und 20.000 bis 30.000 Hz erzeugt. Der
Schallwandler soll in oder vor das runde oder ovale Fenster im Mittelohr implantiert
werden und dort entsprechende Schallwellen abgeben. Alternativ wird vorgeschlagen,
den Schallwandler in klassischen Hörgeräten zu verwenden, die direkt auf dem Trommelfell
aufsitzen, wobei der Rand des Schallwandlers dann am Übergang zwischen Trommelfell
und Gehörgang zu fixieren wäre. Die Versorgung des Schallwandlers mit den Steuersignalen
und Energie erfolgt über in das Ohr geführte Kabel.
[0022] Vor diesem Hintergrund liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, die
eingangs genannte Hörhilfe derart weiterzubilden, dass sie eine bessere, vorzugsweise
eine rückkopplungsarme Stimulation des Trommelfells ermöglicht.
[0023] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe bei der eingangs genannten Hörhilfe dadurch gelöst,
dass der Aktor eine dem Trommelfell zugeordnete Innenfläche und eine dem Gehörgang
zugeordnete Außenfläche aufweist und als flächiger Scheibenaktor, vorzugsweise als
Piezo-Scheibenaktor ausgebildet ist, dessen Verformung das Trommelfell durch flächige
Verformung stimuliert, , wobei der flächige Scheibenaktor dazu ausgebildet ist, über
den größeren Teil des Trommelfells auf diesem aufzuliegen, und wobei die Innenfläche
derart ausgebildet ist, dass sie flächig an dem Trommelfell durch Adhäsion anlegbar
ist und allein durch die herrschenden Adhäsionskräfte zwischen dem Trommelfell und
dem Aktor auf dem Trommelfell verbleibt, sodass aufgrund der Oberflächenspannung in
der Grenzschicht zwischen der Innenfläche des Aktors und dem Trommelfell die Verformung
auf das Trommelfell übertragen wird.
[0024] Die Erfindung schafft dadurch auf einfache Weise eine verbesserte Hörhilfe.
[0025] Die Stimulation des Trommelfells erfolgt jetzt gemäß einem Aspekt flächig und nicht
mehr über ein Element, wie es aus dem Stand der Technik bekannt ist, das näherungsweise
als punktweise wirkender Aktor angesehen werden kann, der am Umbo oder auch dem zentralen
Bereich des Trommelfells angreift. Erfindungsgemäß erfolgt die Stimulation durch die
Verformung eines Elementes, das über den größeren Teil des Trommelfells auf diesem
aufliegt, und aufgrund der Oberflächenspannung in der Grenzschicht zwischen Innenfläche
des Aktors und Trommelfell die Verformung auf das Trommelfell überträgt.
[0026] Die Stimulation des Trommelfells erfolgt hier erfindungsgemäß nicht über Vibration
eines selbst unverformbaren Aktors sondern durch flächige "in-sich"-Verformung des
Trommelfells mittels eines flächig verformbaren Aktors.
[0027] Hierzu eignet sich beispielsweise eine in ihren Abmaßen angepasste Version des in
der
EP 2 362 686 A2 beschriebenen Piezo-Aktors, der zudem sehr dünn (2-20 µm) gestaltet und hinsichtlich
seiner Impedanz an diejenige des Trommelfells angepasst wird. Dieser Aktor hat damit
den Vorteil, bis zu hohen Frequenzen (f>10 kHz) mit unbeträchtlicher Erhöhung der
effektiv wirkenden trägen Masse zu operieren.
[0028] Gemäß der Erfindung ist der Aktor dazu angepasst, mit Hilfe von Adhäsionskräften
auf der dem Gehörgang zugewandten Seite des Trommelfells flächig angebracht zu werden.
[0029] Auf diese Weise wird der Aktor am Trommelfell selbst gehalten, einer Fixierung seines
Randes an der Wand des Gehörganges oder eines anderweitigen mechanischen Gegenlagers
bedarf es nicht. Dennoch ist es nach Erkenntnis der Erfinder möglich, eine flächige
Verformung des Trommelfells zu erreichen, wobei die Kräfte zwischen dem Aktor und
dem Trommelfell rein über Adhäsion übertragen werden. Dies war anhand der bekannten
Hörhilfen nicht zu erwarten.
[0030] Dieses Merkmal dient der einfachen und schnellen Einsetzbarkeit der Hörhilfe. Um
die Hörhilfe einzusetzen, ist keine invasive Operation erforderlich. Entweder der
behandelnde Arzt oder ein Techniker können die Hörhilfe auf dem Trommelfell anbringen,
wozu vorzugsweise weder Kleber oder ähnliche Fixierungsmittel eingesetzt werden müssen.
[0031] Das proximale Ende des Außenohrs in unmittelbarer Nähe des Trommelfells verfügt nämlich
gerade nicht über den körpereigenen Mechanismus, Fremdpartikel vom Inneren des Außenohrs
in Richtung des Äußeren des Außenohrs zu transportieren. Ist die Hörhilfe richtig
auf dem Trommelfell platziert, wird es durch die herrschenden Adhäsionskräfte zwischen
dem Trommelfell und dem Aktor fest an dem gewünschten Ort verbleiben. Sollte es erforderlich
sein, dass die Hörhilfe ausgetauscht werden muss, so kann dies einfach durch Abziehen
vom Trommelfell geschehen. In der Regel wird das Trommelfell dadurch nicht verletzt.
Dieser Austausch kann relativ schnell und ambulant erfolgen.
[0032] Es versteht sich, dass alle eingesetzten Materialien biokompatibel sind.
[0033] Gemäß einem anderen Aspekt der Erfindung wird durch Aufsatz einer starren, vorzugsweise
gewölbten Blendscheibe, auf die dem Trommelfell abgewandte Außenfläche des Aktors
eine Hörhilfe mit einer bevorzugt linsenförmigen, hohlen Struktur gebildet. Diese
Blendscheibe übernimmt die Funktion einer akustischen Blende, benötigt jedoch keine
kaskadierten Elemente, wie es aus der eingangs erwähnten
DE 101 54 390A1 bekannt ist. Da die Blendscheibe nur mit der je nach Durchmesser vernachlässigbaren
Amplitude der äußersten Peripherie des Trommelfells schwingt, wird die Rückkopplung
der in der Hörgeräteanwendung typisch um 30-40 dB verstärkten Vibration des Trommelfells
in das Mikrophon des Hörgerätes deutlich abgeschwächt. Dieses Mikrophon kann im Gehörgang
oder hinter dem Ohr angeordnet sein.
[0034] Mathematische Simulationen zeigen, dass die Steifigkeit des Luftvolumens innerhalb
des Aktors, das bei dieser Konzeption eine akustische Lastimpedanz für den Aktor darstellt,
bei einem etwa 1 mm hohen Innenraum einer mechanischen Lastimpedanz von 190 N/m entspricht.
Sie entspricht damit etwa 1/10 der mechanischen Eingangssteifigkeit am Umbo, die etwa
1,9 kN/m beträgt.
[0035] Die Blendscheibe kann aus einem starren Material bestehen, und flach oder gewölbt
ausgebildet sein. Neben der Funktion als akustische Blende kann die Blendscheibe zusätzlich
als Träger für mikroelektronische Elemente und Schaltkreise dienen, und vorzugsweise
eine Chip-Batterie tragen, die der elektrischen Versorgung der Schaltkreise dient.
[0036] Die der Erfindung zugrunde liegende Aufgabe wird auf diesen beiden alternativen Wegen
jeweils vollkommen gelöst.
[0037] Besonders bevorzugt ist es jedoch, wenn beide Maßnahmen vorgesehen sind, so dass
die effektive Ankopplung mit einer effektiven Verringerung der Rückflexe einhergeht.
[0038] Weiter ist es bevorzugt, wenn die Hörhilfe zumindest einen ersten Empfänger für Energiesignale
aufweist, der vorzugsweise zumindest einen optoelektronischen Sensor umfasst, der
Lichtenergie in elektrische Energie umwandelt, wobei weiter vorzugsweise der zumindest
eine erste Empfänger ein flächiges Array von optoelektronischen Sensoren umfasst.
[0039] Hier ist von Vorteil, dass die Energieversorgung der Hörhilfe drahtlos erfolgt, wobei
die optische Übertragung der Energie den weiteren Vorteil bietet, dass die Energieverluste
gering sind, weil Lichtstrahlen auch im Gehörgang gerichtet zu dem Empfänger geführt
werden können. Die Lichtstrahlen können über Lichtleiter in den Gehörgang eingebracht
werden oder in einem in dem Gehörgang angeordneten Versorgungsmodul erzeugt werden,
das unter bestimmten Umständen auch vom Patienten selbst entnommen und wieder eingesetzt
werden kann.
[0040] Das Versorgungsmodul kann beispielsweise extrakorporal mit elektrischer Energie aufgeladen
werden, die dann im Einsatz in optische Energie konvertiert und vom weiter außen im
Gehörgang sitzenden Versorgungsmodul zu der innen im Gehörgang am Trommelfell sitzenden
Hörhilfe geleitet und dort wieder in elektrische Energie umgewandelt wird.
[0041] Wenn der erste Empfänger ein flächiges Array von optoelektronischen Sensoren umfasst,
ist die optische Energieübertragung zudem gegen Fehlausrichtung zwischen Sender und
Empfänger weitgehend unempfindlich.
[0042] Weiter ist es bevorzugt, wenn die Hörhilfe zumindest einen zweiten Empfänger für
Hörsignale aufweist, die vorzugsweise eine Mikrophoneinheit umfasst, die als Hörsignale
akustische Signale empfängt und in elektrische Steuersignale für den Aktor umwandelt.
[0043] Hier ist von Vorteil, dass auch die Übertragung der Hörsignale drahtlos erfolgt.
Wenn die Hörsignale dabei als akustische Signale zu der Mikrophoneinheit übertragen
werden, muss nur die Energie drahtlos zur Hörhilfe übertragen werden. Die Versorgungseinheit
muss dann im Wesentlichen lediglich die benötigte elektrische Energie, beispielsweise
durch einen aufladbaren Energiespeicher bereitstellen und einen Lichtsender für die
optische Energieübertragung umfassen. Die Lichtsignale können dabei beispielsweise
im nahen Infrarotbereich ausgesendet werden, beispielsweise bei ca. 800 nm.
[0044] Die Mikrophoneinheit kann dabei ein oder mehrere Elekretmikrophone umfassen, die
in den erforderlichen kleinen Abmaßen mit hinreichender Klangqualität hergestellt
werden können.
[0045] Wenn zumindest die Membran der Mikrophoneinheit auf der Gehörgangseite neben oder
auf der Blendscheibe angeordnet ist, sich also oberhalb der durch die Blendscheibe
gebildeten akustischen Blende befindet, ist nach Erkenntnis der Erfinder trotz der
räumlichen Nähe von Mikrophon und Aktor eine gute Abschirmung des Mikrophons vor Rückkopplungssignalen
gewährleistet.
[0046] Weiter ist von Vorteil, dass das Mikrophon dicht vor dem Trommelfell sitzt, so dass
die Aufnahme der akustischen Signale durch die Hörhilfe dort erfolgt, wo auch das
gesunde Ohr die akustischen Signale mit dem Trommelfell aufnimmt. Die natürliche Richtcharakteristik
des Gehörganges wird somit trotz der Hörhilfe weiterhin genutzt, so dass insbesondere
das Orientierungshören nach wie vor nahezu unbeeinträchtigt möglich ist.
[0047] Die Blendscheibe und die flächige Ankopplung des Scheibenaktors an das Trommelfell
ermöglichen es jeweils bereits für sich, insbesondere aber in ihrer Kombination, dass
eine Mikrophoneinheit unmittelbar an der in den Gehörgang am Trommelfell eingesetzten
Hörhilfe angeordnet sein kann, ohne dass es zu einer störenden Rückkopplung der auf
das Trommelfell übertragenen Schwingungen zu dem Mikrophon kommt.
[0048] Dabei ist es dann bevorzugt, wenn die Mikrophoneinheit eine Membran aufweist, auf
der der zumindest eine erste Empfänger zumindest zum Teil angeordnet ist.
[0049] Hier ist von Vorteil, dass die gesamte Fläche der Membran für beide Funktionen zur
Verfügung steht, was nicht nur der Empfindlichkeit des Mikrophons zu Gute kommt, sondern
auch der Positionsunempfindlichkeit der optischen Energieübertragungsstrecke. Dazu
können als erste Empfänger Dünnschicht-Photodioden eingesetzt werden, die auf der
Membran des Mikrophons angeordnet oder als Teil der Membran ausgebildet werden.
[0050] Ein Beispiel für Photodioden, die in einem flexiblen, gitterartigen Substrat ausgebildet
sind, findet sich in der
EP 0 696 907 B1.
[0051] Weiter ist es bevorzugt, wenn zwischen dem flächigen Aktor und der Blendscheibe ein
Distanzring angeordnet ist, vorzugsweise die Blendscheibe verglichen mit dem Aktor
starr ausgebildet ist, weiter vorzugsweise in der Blendscheibe zumindest eine in den
Hohlraum führende Entlüftungsöffnung vorgesehen ist, die vorzugsweise einen Durchmesser
aufweist, der einen Luftaustausch zwischen dem Gehörgang und dem Hohlraum nur für
niedrige Frequenzen von vorzugsweise unterhalb 20 Hz ermöglicht, wobei der Durchmesser
der Entlüftungsöffnung weiter vorzugsweise zwischen 0,01 und 0, 1 mm liegt.
[0052] Hier ist von Vorteil, dass Scheibenaktor, Blendscheibe und Distanzring ein für akustische
Frequenzen geschlossenes Luftvolumen bildet.
[0053] Weiter ist von Vorteil, dass die winzige Entlüftungsöffnung einen niederfrequenten
Luftaustausch zwischen dem Inneren des Hohlraumes und der Luft im Gehörgang ermöglicht,
um statische Druckdifferenzen zu vermeiden.
[0054] Die Hörhilfe weist dabei einen Durchmesser zwischen 4 und 10 mm auf, so dass ein
großer Teil der Fläche eines Trommelfells eines Patienten sowohl für die Stimulation
als auch für den Empfang der Energiesignale und die Membran der Mikrophoneinheit zur
Verfügung steht.
[0055] Die gesamte Dicke der Hörhilfe, gemessen quer zu ihrem Durchmesser, beträgt in einer
Ausgestaltung ca. 2mm, wobei der Anteil der Blendscheibe an dieser Dicke nicht mehr
als ca. 0,2 mm beträgt.
[0056] Die Innenfläche des Aktors ist bevorzugt derart an die Form des Trommelfells angepasst,
dass die Innenfläche zentrisch zu dem Umbo an das Trommelfell anfügbar ist.
[0057] Dies ermöglicht eine einfache Positionierung der Hörhilfe an dem Trommelfell und
sorgt für eine effiziente Ankopplung des Aktors an das Trommelfell.
[0058] Allgemein ist es bevorzugt, wenn die Hörhilfe eine Steuereinheit umfasst, die Energiesignale
zumindest eines ersten Empfängers und Hörsignale zumindest eines zweiten Empfängers
in Steuersignale für den Aktor umwandelt. Diese Steuereinheit kann auf der starren
Blendscheibe angeordnet sein.
[0059] Diese Steuereinheit dient in einer Ausgestaltung dazu, die erforderliche Umwandlung
der elektrischen Ausgangssignale der Mikrophoneinheit in die Ansteuersignale für den
Scheibenaktor und die benötigte elektrische Energie breitzustellen. In der Steuereinheit
kann ferner eine Signalverarbeitung erfolgen, bei der z.B. die Tonhöhen der empfangenen
akustischen Signale verändert und/oder bestimmte Frequenzbereiche unterschiedlich
verstärkt werden, um den individuellen Bedürfnissen des Patienten gerecht zu werden.
[0060] Vor diesem Hintergrund betrifft die vorliegende Erfindung auch ein Hörhilfe-System,
das ein Versorgungsmodul und die in den Gehörgang eines Patienten einbringbare neue
Hörhilfe aufweist, wobei an der Hörhilfe ein erster Empfänger für Energiesignale und
zumindest ein zweiter Empfänger für Hörsignale angeordnet sind, und wobei das Versorgungsmodul
zumindest einen Sender für Energiesignale aufweist, der vorzugsweise einen Lichtsender
umfasst, der vorzugsweise ausgewählt ist aus der Gruppe, die Lichtleiter, Laser, LEDs
und OLEDs enthält.
[0061] Das Versorgungsmodul dient hier dazu, die Hörhilfe mit elektrischer Energie zu versorgen
und wird dazu bevorzugt selbst auch in den Gehörgang eingesetzt, an dessen Innenform
er angepasst ist. Es kann aber auch hinter dem Ohr angeordnet werden, wobei dann die
Lichtstrahlung über Lichtleiter in den Gehörgang geleitet wird.
[0062] Das Versorgungsmodul kann auch einen Lichtsender, vorzugsweise eine LED oder einen
Laser für Hörsignale aufweisen, wobei dann an der Hörhilfe keine Mikrophoneinheit
sondern weitere Lichtempfänger angeordnet sind, die die optisch übertragenen Hörsignale
in elektrische Signale umwandeln, die dann für die Anregung des Aktors verwendet werden.
[0063] Weitere Vorteile ergeben sich aus der Beschreibung und der beigefügten Zeichnung.
[0064] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten und die nachstehend noch zu erläuternden
Merkmale nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern auch in anderen
Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden
Erfindung zu verlassen.
[0065] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der beigefügten Zeichnung dargestellt
und werden in der nachfolgenden Beschreibung näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1
- ein teilweise geschnitten dargestelltes, menschliches Ohr;
- Fig. 2
- ein in das Ohr aus Fig. 1 eingesetztes Hörhilfe-System mit Hörhilfe und Versorgungsmodul;
- Fig.3
- das Hörhilfe-System aus Fig. 2 in schematischer Seitendarstellung;
- Fig. 4
- eine vergrößerte und schematische Darstellung der Hörhilfe aus Fig. 3; und
- Fig. 5
- eine vergrößerte Darstellung der Blendscheibe in der Hörhilfe aus Fig. 4.
[0066] In Figur 1 ist ein menschliches Ohr 10 eines Patienten P schematisiert und teilweise
geschnitten dargestellt. Schall (Töne und Geräusche) werden durch die Ohrmuschel 11
gebündelt und entlang des Gehörgangs (Außenohr) 12 in Richtung des Trommelfells 14
geleitet. Der Schall trifft auf das Trommelfell 14 und wird in die Cochlea (Innenohrschnecke)
15 über ein System von Knochen (Gehörknöchelchenkette bzw. Ossikelkette) 16 übertragen,
die als Hebel dienen, um eine Verstärkung und akustische Anpassungstransformation
an einen Stempel bzw. eine Membran 17, genannt das "ovale Fenster", zu ermöglichen.
[0067] Die Cochlea 15 ist eine spiralförmig gewundene Röhre ähnlich einem Schneckenhaus,
die im abgewinkelten Zustand etwa 35 mm lang ist und die über den größten Teil ihrer
gesamten Länge durch eine Zwischenwand unterteilt ist, genannt die "Basilarmembran".
Eine untere Kammer der Cochlea wird "Scala Tympani" genannt, und eine obere Kammer
wird "Scala Vestibuli" genannt. Die Cochlea 15 ist mit einem Fluid (Perilymphe) mit
einer Viskosität gefüllt, die etwa der Viskosität von Wasser entspricht. Die Scala
Tympani ist mit einer weiteren Membran 18, genannt "rundes Fenster", ausgestattet,
das dazu dient, den Versatz des Fluids aufzunehmen, wenn das ovale Fenster 17 ausgelenkt
wird.
[0068] Wenn das ovale Fenster 17 akustisch über die Gehörknöchelchen 16 betätigt wird, so
wird korrespondierend dazu die Basilarmembran versetzt und diese vibriert durch die
Bewegung des Fluids in der Cochlea 15. Der Versatz der Basilarmembran regt Haarzellen
(Sinneszellen) an, die in einer besonderen Struktur auf der Basilarmembran liegen
(nicht gezeigt). Bewegungen dieser Sinneshaare erzeugen elektrische Entladungen in
Fasern des Hörnervs 19, und zwar durch die Vermittlung von Zellen des Spiralganglion,
die in der Modiolus- oder Modiolarwand positioniert sind.
[0069] Das menschliche Ohr 10 lässt sich grob in drei Bereiche unterteilen, nämlich das
Außenohr mit dem Gehörgang 12, das Mittelohr 21 und das Innenohr 22.
[0070] Ein Druck der Gehörknöchelchen 16 auf das ovale Fenster 17 läuft als Schwingung die
Scala Vestibuli hinauf zur Spitze der Cochlea 15 und über ein Schneckenloch (nicht
dargestellt) entlang der Scala Tympani wieder hinab zum runden Fenster 18, das den
eingetragenen Druck durch Dehnung bzw. Schwingung ausgleichen kann.
[0071] Fig. 2 zeigt eine in das Ohr 10 eingesetzte Ausführungsform eines Hörhilfe-Systems
24 gemäß der vorliegenden Erfindung.
[0072] Das erfindungsgemäße Hörhilfe-System 24 umfasst ein im Gehörgang 12 angeordnetes
und an diesen angepasstes Versorgungsmodul 25 sowie eine Hörhilfe 26, die ausschließlich
durch Adhäsionskräfte auf dem Trommelfell 14 angebracht ist. Die Hörhilfe 26 ist auf
der Seite des Trommelfells 14 angebracht, die zum Gehörgang 12 gerichtet ist.
[0073] Während das Versorgungsmodul 25 auch vom Patienten selbst jederzeit entfernt werden
kann, beispielsweise um es zu reinigen oder elektrische Energiespeicher aufzuladen,
verbleibt die Hörhilfe 26 dauerhaft im Gehörgang 12, kann aber ebenfalls nicht-invasiv
entnommen und wieder eingesetzt werden.
[0074] Das Versorgungsmodul 25 versorgt die Hörhilfe 26 über eine optische Verbindung 27
mit elektrischer Energie. Über die optische Verbindung 27 können auch Hörsignale übertragen
werden, die den wiederzugebenden Schall repräsentieren. Die optische Verbindung 27
kann also sowohl zur Signal- als auch zur Energieübertragung, vorzugsweise simultan,
eingesetzt werden.
[0075] Üblicherweise gelangt der Schall von außen in die Ohrmuschel, wird über den Gehörgang
12 zum Trommelfell 14 geleitet und von dort über die Ossikelkette 16 an das hier schneckenförmig
dargestellte Innenohr 22 weitergeleitet. Bei dem erfindungsgemäßen Hörhilfe-System
24 ist die Hörhilfe 26 auf die Seite des Trommelfells 14 "geklebt", die dem Gehörgang
12 zugewandt ist. Die Ossikelkette 16 wird also weiterhin zur Signalübertragung vom
Trommelfell 14 an das Innenohr 22 verwendet.
[0076] Bei dem in Fig. 3 schematisch gezeigten Hörhilfe-System 24 erfolgt die Übertragung
von Hörsignalen an die Hörhilfe 26 nicht über die optische Verbindung 27, sondern
die akustischen Signale 28, also Schall in Form von Tönen und Geräuschen, gelangen
direkt zu der Hörhilfe 26, wo sie von einer Mikrophoneinheit 29 aufgefangen und in
elektrische Steuersignale 30 umgesetzt werden, die einen Aktor 31 ansteuern, der mit
seiner Innenfläche 32 direkt am Trommelfell 14 anliegt und dieses entsprechend dem
Schall verformt, also mechanisch stimuliert.
[0077] An der Hörhilfe 26 ist dem Versorgungsmodul 25 zugewandt ein Array 33 von optoelektronischen
Sensoren 34 angeordnet, die über die optische Verbindung 27 Energiesignale in Form
von Lichtstrahlen 35 empfängt, die von einem Lichtsender 36 ausgesendet werden, der
an dem Versorgungsmodul 25 angeordnet ist. Als Lichtsender 36 werden vor allem LEDs
eingesetzt, die Lichtstrahlen 35 im Wellenlängenbereich von 800 nm aussenden.
[0078] Die optoelektronischen Sensoren 34 konvertieren die Lichtstrahlen 35 in elektrische
Energie, die in der Hörhilfe 26 verwendet wird, um das Trommelfell 14 mechanisch zu
stimulieren.
[0079] In dem Versorgungsmodul 25 ist noch ein Speicherelement 37 für elektrische Energie
vorhanden, das den Lichtsender 36 mit der erforderlichen Energie versorgt. Das Speicherelement
37 wird induktiv entweder
in situ über elektromagnetische Strahlung oder extrakorporal in einer Ladestation mit elektrischer
Energie versorgt.
[0080] Die Hörhilfe 26 weist eine Steuereinheit 38 auf, die mittels der von dem Array 33
bereitgestellten elektrischen Energie, die in einem bei Bedarf vorgesehenen Speicherelement
39 zwischengespeichert werden kann, und in Abhängigkeit von den Ausgangssignalen der
Mikrophoneinheit 29 den Aktor 31 über die Steuersignale 30 ansteuert.
[0081] In Fig. 4 ist die Hörhilfe 26 in einem vergrößerten und schematisch dargestellten
Ausführungsbeispiel gezeigt. Die Hörhilfe 26 ist innen in dem Gehörgang 12 unmittelbar
am Trommelfell 14 angeordnet, das den Gehörgang 12 von dem Mittelohr 21 abgrenzt.
[0082] Der Aktor 31 ist ein Piezo-Scheibenaktor, dessen Innenfläche 32 zentrisch zu dem
Umbo 41 des Trommelfells 14 und flächig an dem Trommelfell 14 durch Adhäsion anliegt.
Mit seiner Außenfläche 42 weist der Aktor 31 auf eine in Richtung des Gehörganges
12 in dem gezeigten Beispiel nach außen gewölbte Blendscheibe 43, mit dessen Rand
44 der Aktor 31 an seinem Rand 45 über einen Distanzring 46 verbunden ist, der der
Hörhilfe 26 einen Außendurchmesser 47a von 4 bis 8 mm und eine Dicke 47b von ca. 2
mm verleiht.
[0083] Aktor 31, Blendscheibe 43 und Distanzring 46 begrenzen in diesem Beispiel einen linsenförmigen
Hohlraum 48, der über eine kleine Entlüftungsöffnung 49 in der Blendscheibe 43 mit
dem Gehörgang 12 verbunden ist. Die Entlüftungsöffnung 49 weist einen derart kleinen
Durchmesser 50 (von etwa 0,01 mm) auf, dass sie einen Luftaustausch zwischen dem Gehörgang
12 und dem Hohlraum 48 nur für niedrige Frequenzen von vorzugsweise unterhalb 20 Hz
ermöglicht.
[0084] Der Aktor 31 weist eine Membranstruktur 51 aus einer inneren Trägerschicht 52 aus
Silizium, einer auf der Trägerschicht 52 angeordneten äußeren Schicht 53 aus Piezomaterial,
einer Elektrodenschicht 54 zwischen Trägerschicht 52 und Schicht 53, und einer Elektrodenschicht
55 auf der Innenfläche 32 auf. Durch die Elektrodenschichten 54, 55 kann an die Schicht
53 eine elektrische Spannung angelegt werden, die je nach ihrer Polarität dazu führt,
dass die Membranstruktur 51 nach außen, also in Fig. 4 nach rechts, oder nach innen
schwingt, also in den Hohlraum 48 hinein, wodurch das Trommelfell 14 entsprechend
flächig verformt wird. Wird eine Wechselspannung an die Elektrodenschichten 54, 55
angelegt, wird die Membranstruktur 51 in Schwingung versetzt.
[0085] Der Piezo-Scheibenaktor kann eine segmentierte oder eine nicht segmentierte Membranstruktur
51 aufweisen.
[0086] Ein derartiger Piezo-Scheibenaktor ist prinzipiell aus der eingangs genannten
EP 2 362 686 A2 bekannt. Wegen weiterer Einzelheiten wird auf die eingangs genannte
EP 2 362 686 A2 verwiesen.
[0087] Verglichen mit der Membranstruktur 51 ist die Blendscheibe 43 so hinreichend starr,
dass die Blendscheibe 43 bei Schwingungen der Membranstruktur 51 im akustischen Frequenzbereich
(20 bis 30.000 Hz) über dadurch hervorgerufene Druckänderungen im Hohlraum 48 nicht
verformt wird. Die Entlüftungsöffnung 49 ermöglicht dabei einen niederfrequenten Luftaustausch
zwischen dem Hohlraum 48 und der Luft im Gehörgang 12, um statische Druckdifferenzen
zu vermeiden.
[0088] Die Blendscheibe 43 trägt auf ihrer dem Gehörgang 12 zugewandten Außenseite 56 das
Array 33, die Steuereinheit 38 und die Mikrophoneinheit 29, wie es schematisch und
nicht maßstabsgetreu in Fig. 5 dargestellt ist, in der die Blendscheibe 43 vergrößert
und im Ausschnitt gezeigt ist.
[0089] Die Mikrophoneinheit 29 ist als Elektretmikrophon ausgebildet und umfasst einen auf
der Außenseite 56 angeordnete Mikrophonwandler 57, der durch die akustischen Signale
28 hervorgerufene Schwingungen einer Membran 58 in elektrische Signale umsetzt. Auf
der Membran 58 ist das Array 33 von optoelektronischen Sensoren 34 angeordnet. Auf
diese Weise steht die gesamte Fläche der Membran 58 sowohl für Aufnahme der akustischen
Signale 28 als auch für die Aufnahme der Lichtstrahlen 35 zur Verfügung, was nicht
nur für eine hohe Empfindlichkeit des Elektretmikrophons sondern auch für eine Positionsunempfindlichkeit
der optischen Energieübertragungsstrecke 27 sorgt.
[0090] Dazu können als Sensoren 34 Dünnschicht-Photodioden eingesetzt werden, wie sie in
der eingangs genannten
EP 0 696 907 B1 beschrieben sind. Wegen weiterer Einzelheiten wird auf die eingangs genannte
EP 0 696 907 B1 verwiesen.
1. In den Gehörgang (12) eines Patienten einbringbare Hörhilfe (26), mit einem eine mechanische
Stimulation des Trommelfells (14) bewirkenden Aktor (31), wobei der Aktor (31) eine
dem Trommelfell (14) zugeordnete Innenfläche (32) und eine dem Gehörgang (12) zugeordnete
Außenfläche (42) aufweist und als flächiger Scheibenaktor ausgebildet ist, dessen
Verformung das Trommelfell (14) durch flächige Verformung stimuliert, wobei der flächige
Scheibenaktor dazu ausgebildet ist, über den größeren Teil des Trommelfells (14) auf
diesem aufzuliegen, und wobei die Innenfläche derart ausgebildet ist, dass sie flächig
an dem Trommelfell (14) durch Adhäsion anlegbar ist und allein durch die herrschenden
Adhäsionskräfte zwischen dem Trommelfell (14) und dem Aktor (31) auf dem Trommelfell
verbleibt, sodass aufgrund der Oberflächenspannung in der Grenzschicht zwischen der
Innenfläche des Aktors (31) und dem Trommelfell (14) die Verformung auf das Trommelfell
(14) übertragen wird.
2. Hörhilfe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass an dem Aktor (31) im Abstand zu der Außenfläche (42) eine Blendscheibe (43) angeordnet
ist, die mit der Außenfläche (42) einen Hohlraum (48) begrenzt.
3. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, dass sie zumindest einen ersten Empfänger (33, 34) für Energiesignale (35) umfasst.
4. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sie zumindest einen zweiten Empfänger (29) für Hörsignale (28) aufweist.
5. Hörhilfe nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass der zumindest eine zweite Empfänger (29) eine Mikrophoneinheit (29) umfasst, die
als Hörsignale akustische Signale (28) empfängt und in elektrische Steuersignale (30)
für den Aktor (31) umwandelt.
6. Hörhilfe nach Anspruch 5 und Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Mikrophoneinheit (29) eine Membran (58) aufweist, auf der der zumindest eine
erste Empfänger (33, 34) zumindest zum Teil angeordnet ist.
7. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 2 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen dem flächigen Aktor (31) und der Blendscheibe (43) ein Distanzring (46)
angeordnet ist.
8. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 2 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass in der Blendscheibe (43) zumindest eine in den Hohlraum (48) führende Entlüftungsöffnung
(49) vorgesehen ist.
9. Hörhilfe nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Entlüftungsöffnung (49) einen Durchmesser (50) aufweist, der einen Luftaustausch
zwischen dem Gehörgang (12) und dem Hohlraum (48) nur für niedrige Frequenzen ermöglicht.
10. Hörhilfe nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Durchmesser (50) der Entlüftungsöffnung (49) zwischen 0,01 und 0, 1 mm liegt.
11. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass sie einen Durchmesser (47a) aufweist, der zwischen 4 und 10 mm liegt.
12. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Innenfläche (32) des Aktors (31) derart an die Form des Trommelfells (14) angepasst
ist, dass die Innenfläche(32) zentrisch zu dem Umbo (41) an das Trommelfell (14) anfügbar
ist.
13. Hörhilfe nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass sie eine Steuereinheit (38) umfasst, die Energiesignale (35) zumindest eines ersten
Empfängers (33, 34) und Hörsignale (28) zumindest eines zweiten Empfängers (29) in
Steuersignale (30) für den Aktor (31) umwandelt.
14. Hörhilfe-System, das ein Versorgungsmodul (25) und eine in den Gehörgang (12) eines
Patienten einbringbare Hörhilfe (26) aufweist, wobei an der Hörhilfe (26) ein erster
Empfänger (33, 34) für Energiesignale (35) und zumindest ein zweiter Empfänger (29)
für Hörsignale (28) angeordnet sind, und wobei das Versorgungsmodul (25) zumindest
einen Sender (36) für Energiesignale (35) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Hörhilfe (26) die Hörhilfe (26) nach einem der Ansprüche 1 bis 13 ist.
15. Hörhilfe-System nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Versorgungsmodul (25) als in den Gehörgang (12) des Patienten einbringbare Einheit
ausgebildet ist.
1. Hearing aid (26) that can be inserted into the ear canal (12) of a patient, comprising
an actuator (31) effecting a mechanical stimulation of the tympanic membrane (14),
wherein the actuator (31) comprises an inner surface (32) associated with the tympanic
membrane (14) and an outer surface (42) associated with the ear canal (12) and is
configured as an areal disk actuator, whose deformation stimulates the tympanic membrane
(14) by areal deformation, wherein the areal disk actuator is configured to contact
the greater part of the tympanic membrane (14), and wherein the inner surface is configured
to be applied over an area at the surface of the tympanic membrane (14) by adhesion
and to remain fixed at the tympanic membrane solely by the adhesive forces between
the tympanic membrane (14) and the actuator (31), such that based on the surface tension
in the boundary layer between the inner surface of the actuator (31) and the tympanic
membrane the deformation is transferred to the tympanic membrane (14).
2. Hearing aid according to claim 1, characterized in that a cover plate (43) is arranged on the actuator (31) at a distance from the outer
surface (42) which together with the outer surface (42) delimits a cavity (48).
3. Hearing aid according to any one of claims 1 to 2, characterized in that it comprises at least a first receiver (33, 34) for energy signals (35).
4. Hearing aid according to any one of claims 1 to 3, characterized in that it comprises at least a second receiver for hearing signals (28).
5. Hearing aid according to claim 4, characterized in that the at least one second receiver (29) comprises a microphone unit (29), which receives
acoustic signals as hearing signals (28) and converts them into electrical control
signals (30) for the actuator (31).
6. Hearing aid according to claim 5 and claim 3, characterized in that the microphone unit (29) comprises a membrane (58), on which the at least one first
receiver (33, 34) is arranged at least in part.
7. Hearing aid according to any one of claims 2 to 6, characterized in that a spacer ring is arranged between the areal actuator (31) and the cover plate (43).
8. Hearing aid according to any one of claims 2 to 7, characterized in that in the cover plate (43) at least one vent opening (49) leading into the cavity (48)
is provided.
9. Hearing aid according to claim 8, characterized in that the vent opening (49) has a diameter (50) allowing an exchange of air between the
ear canal (12) and the cavity (48) only for low frequencies.
10. Hearing aid according to claim 9, characterized in that the diameter (50) of the vent opening (49) is between 0.01 und 0.1 mm.
11. Hearing aid according to any one of claims 1 to 10, characterized in that it has a diameter (47a) between 4 und 10 mm.
12. Hearing aid according to any one of claims 1 to 11, characterized in that the inner surface (32) of the actuator (31) is adapted to the form of the tympanic
membrane (14) such that die inner surface(32) is attachable to the tympanic membrane
(14) centrically to the umbo (41).
13. Hearing aid according to any one of claims 1 to 12, characterized in that it comprises a control unit (38), which converts energy signals (35) of at least
one first receiver (33, 34) and hearing signals (28) of at least one second receiver
(29) into control signals (30) for the actuator (31).
14. Hearing aid system, comprising a supply module (25) and a hearing aid (26) that can
be inserted into the ear canal (12) of a patient, wherein at least a first receiver
(33, 34) for energy signals (35) and at least one second receiver (29) for hearing
signals (29) are arranged on the hearing aid (26), and wherein the supply module (25)
comprises at least one emitter (36) for energy signals (35),
characterized in that the hearing aid (26) is the hearing aid (26) according to any one of claims 1 to
13.
15. Hearing aid system according to claim 14, characterized in that the supply module (25) is configured as an entity that can be inserted into the ear
canal (12) of the patient.
1. Aide auditive (26) pouvant être introduite dans le conduit auditif (12) d'un patient,
comprenant un actionneur (31) qui provoque une stimulation mécanique du tympan (14),
l'actionneur (31) possédant une surface intérieure (32) associée au tympan (14) et
une surface extérieure (42) associée au conduit auditif (12) et étant réalisé sous
la forme d'un actionneur à disque plat dont la déformation stimule le tympan (14)
par une déformation à plat, l'actionneur à disque plat étant configuré pour reposer
sur le tympan (14) au-dessus de la plus grande partie de celui-ci et la surface intérieure
étant configurée de telle sorte qu'elle peut être appliquée à plat par adhérence contre
le tympan (14) et demeure sur le tympan uniquement par les forces d'adhérence régnant
entre le tympan (14) et l'actionneur (31), de sorte que la déformation est transmise
au tympan (14) du fait de la tension superficielle dans la couche d'interface entre
la surface intérieure de l'actionneur (31) et le tympan (14).
2. Aide auditive selon la revendication 1, caractérisée en ce qu'un disque obturateur (43) est disposé sur l'actionneur (31) à l'écart de la surface
extérieure (42), lequel délimite un espace creux (48) avec la surface extérieure (42).
3. Aide auditive selon l'une des revendications 1 et 2, caractérisée en ce qu'elle comprend au moins un premier récepteur (33, 34) pour des signaux d'énergie (35).
4. Aide auditive selon l'une des revendications 1 à 3, caractérisée en ce qu'elle comprend au moins un deuxième récepteur (29) pour des signaux auditifs (28).
5. Aide auditive selon la revendication 4, caractérisée en ce que l'au moins un deuxième récepteur (29) comporte une unité de microphone (29) qui reçoit,
en tant que signaux auditifs, des signaux acoustiques (28) et les convertit en signaux
de commande électriques (30) pour l'actionneur (31).
6. Aide auditive selon la revendication 5 et la revendication 3, caractérisée en ce que l'unité de microphone (29) possède une membrane (58) sur laquelle est disposé au
moins en partie l'au moins un premier récepteur (33, 34).
7. Aide auditive selon l'une des revendications 2 à 6, caractérisée en ce qu'une bague d'écartement (46) est disposée entre l'actionneur (31) plat et le disque
obturateur (43).
8. Aide auditive selon l'une des revendications 2 à 7, caractérisée en ce qu'au moins une ouverture de purge d'air (49) menant dans l'espace creux (48) se trouve
dans le disque obturateur (43).
9. Aide auditive selon la revendication 8, caractérisée en ce que l'ouverture de purge d'air (49) présente un diamètre (50) qui ne rend possible un
échange d'air entre le conduit auditif (12) et l'espace creux (48) que pour les basses
fréquences.
10. Aide auditive selon la revendication 9, caractérisée en ce que le diamètre (50) de l'ouverture de purge d'air (49) est compris entre 0,01 et 0,1
mm.
11. Aide auditive selon l'une des revendications 1 à 10, caractérisée en ce qu'elle présente un diamètre (47a) qui est compris entre 4 et 10 mm.
12. Aide auditive selon l'une des revendications 1 à 11, caractérisée en ce que la surface intérieure (32) de l'actionneur (31) est adaptée à la forme du tympan
(14) de telle sorte que la surface intérieure (32) peut être jointe contre le tympan
(14) en étant centrée par rapport à l'ombilic (41).
13. Aide auditive selon l'une des revendications 1 à 12, caractérisée en ce qu'elle comprend une unité de commande (38) qui convertit des signaux d'énergie (35)
d'au moins un premier récepteur (33, 34) et des signaux auditifs (28) d'au moins un
deuxième récepteur (29) en signaux de commande (30) pour l'actionneur (31).
14. Système d'aide auditive, qui possède un module d'alimentation (25) et une aide auditive
(26) pouvant être introduite dans le conduit auditif (12) d'un patient, un premier
récepteur (33, 34) pour des signaux d'énergie (35) et au moins un deuxième récepteur
(29) pour des signaux auditifs (28) étant disposés au niveau de l'aide auditive (26),
et le module d'alimentation (25) possédant au moins un émetteur (36) pour des signaux
d'énergie (35),
caractérisé en ce que l'aide auditive (26) est l'aide auditive (26) selon l'une des revendications 1 à
13.
15. Système d'aide auditive selon la revendication 14, caractérisé en ce que le module d'alimentation (25) est réalisé sous la forme d'une unité qui peut être
introduite dans le conduit auditif (12) du patient.