[0001] Kabinen von Kreuzfahrtschiffen und anderen Wasserfahrzeugen bieten in der Regel nur
wenig Platz und haben häufig relativ kleine Fensteröffnungen, sodass ein längerer
Aufenthalt bei Tag in der Kabine nur wenig Komfort bietet.
[0002] Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Außenwandkonstruktion
für Kabinen von Wasserfahrzeugen zu schaffen, die für mehr Lichteinfall und Frischluftzufuhr
in die Kabine sorgt als dies bei herkömmlichen Kabinen bekannt ist.
[0003] Die Aufgabe wird gelöst durch eine Außenwandkonstruktion für Kabinen von Wasserfahrzeugen
mit einer sich über die Kabinenbreite und die untere Hälfte der Kabinenhöhe erstreckenden
ersten Glasscheibe und mit einer zweiten Glasscheibe zumindest annähernd gleicher
Höhe, die in Schienen an den Seitenwänden der Kabine derart verschiebbar gelagert
ist, dass sie in ihrer obersten Position die Öffnung zwischen der ersten Glasscheibe
und einer Kabinendecke wasserdicht verschließt und in ihrer untersten Position parallel
zur ersten Glasscheibe angeordnet ist und die Öffnung oberhalb der ersten Glasscheibe
freigibt.
[0004] Diese Außenwandkonstruktion bietet im geschlossenen Zustand eine vollständig verglaste
Öffnung zum Wasser hin, die einen optimalen Lichteinfall und ungehinderte Sicht nach
draußen gewährleistet. Im geöffneten Zustand der zweiten Glasscheibe werden Verhältnisse
wie bei einer Loggia erreicht. Die zweite Glasscheibe kann außerdem zwischen ihrer
obersten und untersten Position in jeder Zwischenstellung arretiert werden, sodass
die gewünschte Luftzufuhr zur Kabine einfach geregelt werden kann.
[0005] Besondere Vorteile ergeben sich, wenn die Außenwandkonstruktion an der Außenseite
eines Balkons angeordnet ist, wobei sich die Seitenwände der Kabine bis zur Außenseite
des Balkons erstrecken.
[0006] Kabinen mit Balkonen haben bislang den Nachteil, dass der Balkon nur bei warmem Wetter
und bei nicht zu starkem Wind genutzt werden kann, d.h. der Balkon für die meiste
Zeit der Reise nicht genutzter Raum ist. Wird nun die erfindungsgemäße Außenwandkonstruktion
auf der Außenseite eines Balkons angeordnet, so kann der Balkonraum auch bei schlechterem
Wetter genutzt werden und vergrößert somit den nutzbaren Raum der Kabine. Im geöffneten
Zustand der zweiten Glasscheibe ergeben sich dennoch nahezu die gleichen Verhältnisse
wie bei einem klassischen Balkon. Luft, Sonne und die Aussicht können ungehindert
genossen werden.
[0007] Ein optisch besonders ansprechendes Aussehen erhält die Außenwandkonstruktion, wenn
die zweite Glasscheibe in ihrer obersten Position in derselben Ebene angeordnet ist
wie die erste Glasscheibe. Im Unterschied zu einem klassischen Schiebefenster ergibt
sich im geschlossenen Zustand der Wandkonstruktion der Eindruck einer gläsernen Wand,
die auf halber Höhe lediglich durch ein dünnes Rahmenteil, das die Oberkante der ersten
Glasscheibe abdeckt, unterbrochen ist.
[0008] Wenn beide Glasscheiben in einem Rahmen angeordnet sind, der auch die Schienen für
die zweite Glasscheibe enthält, ergibt sich eine sehr stabile und einfach zu verbauende
Außenwandkonstruktion für die Kabinen eines Wasserfahrzeugs. Dabei kann die zweite
Glasscheibe vorzugsweise durch einen Motor und einen Kettenantrieb zwischen ihrer
obersten und der untersten Position hin und her bewegbar sein. Zur Bedienung des Motors
kann ein Bedienungsknopf in der Kabine vorgesehen werden. Der Gast kann damit selbst
entscheiden, ob und wie weit er die verglaste Außenwand der Kabine öffnen will.
[0009] Um sicherzustellen, dass die zweite Glasscheibe auch bei einem Ausfall des Motors
geöffnet und geschlossen werden kann, ist es außerdem von Vorteil, wenn eine Welle
des Motors mit einer Handkurbel verbindbar ist.
[0010] Wenn die beiden Glasscheiben im geschlossenen Zustand der Außenwandkonstruktion in
einer Ebene liegen, können die Schienen für die zweite Glasscheibe zweckmäßigerweise
eine Kulissenführung aufweisen, mit der die zweite Glasscheibe in ihrer obersten Position
zunächst horizontal aus der Ebene der ersten Glasscheibe herausbewegbar und dann absenkbar
ist. Beim Schließen der Öffnung oberhalb der ersten Glasscheibe sorgt die Horizontalbewegung
der zweiten Glasscheibe außerdem dafür, dass sie gegen eine Dichtung gepresst wird
und somit ein Eindringen von Luft oder Wasser durch die geschlossene Außenwandkonstruktion
zuverlässig verhindert wird.
[0011] Weiter ist es vorteilhaft, wenn die zweite Glasscheibe zumindest in ihrer obersten
Position verriegelbar ist. Hierdurch kann ein ungewolltes Verändern der Position der
zweiten Glasscheibe beispielsweise durch Bewegungen des Schiffes vermieden werden.
Die Verriegelung kann mechanisch oder auch durch einen Zylinder erfolgen.
[0012] Zur Erleichterung der Reinigung der transparenten Außenwandkonstruktion kann außerdem
eine Reinigungseinrichtung mit einer sich über die Breite der Glasscheiben erstreckenden
Leiste vorgesehen sein, die eine Waschflüssigkeit aufweist und mit der Antriebseinrichtung
für die zweite Glasscheibe über die Glasscheiben in vertikaler Richtung hinwegbewegbar
ist. Die Leiste wird dazu anstelle der zweiten Glasscheibe, die sich in ihrer obersten
Position befindet, in den Kettenantrieb eingehängt. Diese Reinigung kann auch vom
Gast selbst vorgenommen werden.
[0013] Nachfolgend wird ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemäßen Außenwandkonstruktion
mit Bezug auf die Zeichnung näher beschrieben.
[0014] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Innenansicht auf eine Außenwandkonstruktion im geschlossenen Zustand;
- Fig. 2
- eine perspektivische Ansicht der Außenwandkonstruktion in geöffnetem Zustand;
- Fig. 3
- eine schematische Ansicht der Antriebsvorrichtung für die zweite Glasscheibe der Außenwandkonstruktion
nach Fig. 1;
- Fig. 4
- eine Detailansicht einer Schiene mit Kulissenführung für die zweite Glasscheibe der
Außenwandkonstruktion nach Fig. 1.
[0015] Fig. 1 zeigt eine Außenwandkonstruktion 10 mit einem Rahmen 11, in den eine erste
und untere Glasscheibe 12 fest eingesetzt ist. Oberhalb der Glasscheibe 12 ist eine
zweite Glasscheibe 13 im Rahmen 11 in Richtung des Doppelpfeils 14 verschiebbar angeordnet.
In der in Fig. 1 gezeigten obersten Position ist die Glasscheibe 13 dabei in der gleichen
Ebene wie die erste Glasscheibe 12 angeordnet. Es ergibt sich somit eine einheitliche
transparente Wand, die nur durch ein Rahmenteil 16, das die Oberkante der ersten Glasscheibe
12 umfasst, unterbrochen ist.
[0016] Fig. 2 zeigt die Glasscheibe 13 in ihrer untersten Position, in der sie parallel
zur ersten Glasscheibe 12 liegt und eine Öffnung 15 zwischen einem oberen Rahmenteil
11.1 und dem Rahmenteil 16 vollständig freigibt. Eine nicht näher dargestellte Kabine
eines Wasserfahrzeugs, das mit der Außenwandkonstruktion 10 in geöffnetem Zustand
versehen ist, bildet eine Loggia. Dabei kann die Außenwandkonstruktion auch als äußerer
Abschluss eines Balkons der Kabine vorgesehen werden. Dies hat den Vorteil, dass der
Balkonraum vollständig zu Wohnzwecken genutzt werden kann und somit das Raumangebot
der Kabine erhöht.
[0017] In Fig. 3 ist der Antriebsmechanismus für die Glasscheibe 13 schematisch verdeutlicht.
Sie ist jeweils mit zwei Führungen 17 auf jeder Seite in einer in Fig. 4 dargestellten
Schiene 18 im Rahmen 11 geführt. Die eigentliche Bewegung wird durch einen Motor 19
mit Bremse verursacht, wobei der Motor 19 im Rahmenteil 11.1 in der Mitte oberhalb
der Glasscheibe 13 angeordnet ist. Die Motorwelle treibt über ein Getriebe 20 beidseitig
im Rahmen 11 geführte Endlosketten 21 an. Mit den Endlosketten 21 wird eine aus Fig.
4 ersichtliche Antriebsplatte 22 auf oder ab bewegt. Die Antriebsplatte 22 weist oben
und unten jeweils Steuerkurven 23 für Bolzen 24 auf, die mit der Glasscheibe 13 verbunden
sind. Die Steuerkurven 23 sind im Wesentlichen schräg von unten nach oben verlaufend
und sorgen somit dafür, dass bei einem Absenken der Antriebsplatte 22 die Bolzen 24
und damit die Glasscheibe 13 zunächst in Pfeilrichtung 25 horizontal und anschließend
nach unten in entsprechend geformten Führungen 26, 27 in der Schiene 18 bewegt werden.
Beim Absenken der Glasscheibe 13 wird diese daher zunächst in eine Ebene parallel
zur Ebene der ersten Glasscheibe 12 versetzt und dann nach unten bewegt. Dadurch kommt
sie im geöffneten Zustand parallel zur Glasscheibe 12 zu liegen.
[0018] Es versteht sich, dass insbesondere die Antriebsvorrichtung für die Glasscheibe 13
lediglich beispielhaft ist. Der Antrieb könnte auch rein mechanisch erfolgen. Das
Versetzen der Ebene der Glasscheibe 13 ist ebenfalls nicht zwingend erforderlich.
Die Glasscheiben 12 und 13 könnten auch wie bei einem klassischen Schiebefenster in
verschiedenen Ebenen liegen.
1. Außenwandkonstruktion für Kabinen von Wasserfahrzeugen mit einer sich über die Kabinenbreite
und die untere Hälfte der Kabinenhöhe erstreckenden ersten Glasscheibe (12) und mit
einer zweiten Glasscheibe (13) zumindest annähernd gleicher Höhe, die in Schienen
(18) an den Seitenwänden der Kabine derart verschiebbar gelagert ist, dass sie in
ihrer obersten Position eine Öffnung (15) zwischen der ersten Glasscheibe (12) und
einer Kabinendecke wasserdicht verschließt und in ihrer untersten Position parallel
zur ersten Glasscheibe (12) angeordnet ist und die Öffnung (15) oberhalb der ersten
Glasscheibe (12) freigibt.
2. Außenwandkonstruktion nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie an der Außenseite eines Balkons angeordnet ist, wobei sich die Seitenwände der
Kabine bis zur Außenseite des Balkons erstrecken.
3. Außenwandkonstruktion nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Glasscheibe (13) in ihrer obersten Position in derselben Ebene angeordnet
ist wie die erste Glasscheibe (12).
4. Außenwandkonstruktion nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass beide Glasscheiben (12, 13) in einem Rahmen (11) angeordnet sind, der auch die Schienen
(18) für die zweite Glasscheibe (13) enthält.
5. Außenwandkonstruktion nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Glasscheibe (13) durch einen Motor (19) und einen Kettenantrieb (21) zwischen
ihrer obersten und der untersten Position bewegbar ist.
6. Außenwandkonstruktion nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass eine Welle des Motors (19) mit einer Handkurbel verbindbar ist.
7. Außenwandkonstruktion nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Schienen (18) für die zweite Glasscheibe (13) eine Kulissenführung (22, 23) aufweist,
mit der die zweite Glasscheibe (13) in ihrer obersten Position zunächst horizontal
aus der Ebene der ersten Glasscheibe herausbewegbar und dann absenkbar ist.
8. Außenwandkonstruktion nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die zweite Glasscheibe (13) in ihrer obersten Position verriegelbar ist.
9. Außenwandkonstruktion nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass eine Reinigungseinrichtung mit einer sich über die Breite der Glasscheiben (12, 13)
erstreckenden Leiste vorgesehen ist, die eine Waschflüssigkeit aufweist und mit der
Antriebseinrichtung (19, 21) für die zweite Glasscheibe (13) über die Glasscheiben
(12, 13) in vertikaler Richtung hinwegbewegbar ist.