[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Patinieren von Bauteilen aus kupferhaltigem
Metall, insbesondere aus Bronze oder Messing, wobei ein Bauteil mit einem zu patinierenden
Bereich in eine Patinaflüssigkeit eingetaucht wird und wobei das Patinieren mit zunehmender
Eintauchdauer bis zum Erreichen eines vollständig patinierten Zustands fortschreitet.
Die Erfindung betrifft auch eine Vorrichtung zum Durchführen des erfindungsgemäßen
Verfahrens.
[0002] Mit der Erfindung soll ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Patinieren von Bauteilen
aus kupferhaltigem Metall hinsichtlich eines Farbverlaufs der entstehenden Patinierung
verbessert werden.
[0003] Erfindungsgemäß ist hierzu ein Verfahren zum Patinieren von Bauteilen aus kupferhaltigem
Metall, insbesondere aus Bronze oder Messing, vorgesehen, wobei ein Bauteil mit einem
zu patinierenden Bereich in eine Patinaflüssigkeit eingetaucht wird, bei dem das Bauteil
über die Länge des zu patinierenden Bereichs gesehen innerhalb eines vordefinierten
Zeitraums von wenigstens drei Minuten mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe und
ohne Stillstand relativ zu der Patinaflüssigkeit bewegt wird.
[0004] Überraschenderweise lassen sich durch ein solches Verfahren, nämlich das Eintauchen
über einen Zeitraum von mindestens drei Minuten mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe
und ohne Stillstand, neuartige Farbverläufe bei der Patinierung erzielen. Speziell
kann ein Farbverlauf erzielt werden, der für das menschliche Auge natürlich wirkt,
da er keinerlei Streifen oder Quermarkierungen aufweist. Es entsteht der Eindruck,
dass das patinierte Bauteil über viele Jahre in natürlicher Umgebung gealtert wurde.
Dies lässt sich durch konventionelle Patinierverfahren nicht erreichen.
[0005] In Weiterbildung der Erfindung wird der zu patinierende Bereich zunächst, insbesondere
vollständig, eingetaucht und dann innerhalb des vordefinieren Zeitraums aus der Patinaflüssigkeit
herausbewegt. Ein solches Verfahren wird vorteilhafterweise angewendet, wenn ohnehin
das vollständige Bauteil unterschiedlich stark patiniert werden soll.
[0006] In Weiterbildung der Erfindung wird der zu patinierende Bereich innerhalb des vordefinierten
Zeitraums in die Patinaflüssigkeit hinein und wieder aus der Patinaflüssigkeit herausbewegt.
[0007] Bei einem solchen Verfahren berechnet sich die Verweildauer aus der Bewegung in die
Patinaflüssigkeit hinein und der Bewegung aus der Patinaflüssigkeit heraus. Der zuunterst
liegende Abschnitt des Bauteils verweilt konsequenterweise am längsten in der Patinaflüssigkeit
und erhält die stärkste Patinierung. Ein solches Verfahren kann innerhalb eines Produktionsprozesses
Vorteile haben, da zum Erzielen der gleichen Verweildauer eine Relativgeschwindigkeit
zwischen Bauteil und Patinaflüssigkeit größer sein kann als dann, wenn das Bauteil
zunächst eingetaucht und dann wieder aus der Patinaflüssigkeit herausgezogen wird.
[0008] In Weiterbildung der Erfindung wird das Bauteil relativ zu einem Behälter mit der
Patinaflüssigkeit bewegt.
[0009] Beispielsweise werden mehrere Bauteile gleichzeitig in einen Trog mit Patinaflüssigkeit
eingetaucht und dann wieder herausgezogen.
[0010] In Weiterbildung der Erfindung wird ein Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit
relativ zu dem Bauteil bewegt. Das erfindungsgemäße Verfahren erfordert eine sehr
gleichmäßige und vor allem sich stetig und ohne Stillstand ändernde Eintauchtiefe.
Dies stellt hohe Anforderungen an eine motorische Bewegung der zu patinierenden Bauteile.
Wenn beispielsweise eine sehr langsame Relativbewegung zwischen den Bauteilen und
dem Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit erreicht werden soll, kann gegebenenfalls
auch der Flüssigkeitsspiegel relativ zu den Bauteilen bewegt werden. Gerade bei großen
Volumina der Patinaflüssigkeit lässt sich dadurch eine sehr langsame, gleichmäßige
Bewegung des Flüssigkeitsspiegels erzielen.
[0011] Das der Erfindung zugrundeliegende Problem wird auch durch eine Vorrichtung zum Patinieren
von Bauteilen zum Durchführen des erfindungsgemäßen Verfahrens gelöst, wobei die Vorrichtung
einen Behälter mit Patinaflüssigkeit und Mittel zum Bewegen eines Bauteils über die
Länge des zu patinierenden Bereichs gesehen innerhalb eines vordefinierten Zeitraums
von wenigstens drei Minuten mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe und ohne Stillstand
relativ zu der Patinaflüssigkeit aufweist.
[0012] Beispielsweise können die Mittel als Linearachse ausgebildet sein, an der ein oder
mehrere zu patinierende Bauteile befestigt sind und die dann die Bauteile mit sich
stetig ändernder Eintauchtiefe und ohne Stillstand in die Patinaflüssigkeit eintauchen.
Alternativ können die Mittel zum Bewegen eines Bauteils relativ zu der Patinaflüssigkeit
auch so ausgebildet sein, dass sie den Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit verändern.
Hierzu können dann beispielsweise zwei Behälter mit Patinaflüssigkeit vorgesehen sein,
die entweder einen, insbesondere veränderbaren, Höhenunterschied aufweisen oder die
mittels einer Flüssigkeitspumpe verbunden sind.
[0013] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den Ansprüchen und der
nachfolgenden Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung im Zusammenhang
mit der Zeichnung. In der Zeichnung zeigt:
die einzige Figur eine schematische Darstellung einer erfindungsgemäßen Vorrichtung
zum Patinieren.
[0014] Die Darstellung der Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Vorrichtung 10 zum Patinieren
von Bauteilen 12. Die Bauteile 12 sind alle gleich ausgebildet und stellen aus Bronzeguss
gefertigte Grablaternen dar. Die Bauteile 12 sind an einem Querbalken 14 aufgehängt,
der an zwei senkrechten Trägern 16 verschiebbar angeordnet ist. Die Träger 16 sind
jeweils mit einer Linearachse versehen, die mittels eines Antriebsmotors 18 gesteuert
ist. Mittels des Antriebsmotors kann der Querbalken 14 mit den daran hängenden Bauteilen
12 in den Richtungen der Pfeile 20 und 22 bewegt werden, in der einzigen Figur also
nach unten und wieder nach oben.
[0015] Eine solche Bewegung des Querbalkens dient dazu, die Bauteile 12 wenigstens abschnittsweise
in einen Trog 24 mit Patinaflüssigkeit 26 zu tauchen.
[0016] Das Patinieren von Bauteilen 12 ist prinzipiell bekannt. Patiniert werden können
kupferhaltige Legierungen. Beispielsweise können Bronze oder einige Arten von Messing
patiniert werden. Beim Patinieren wird mittels der Patinaflüssigkeit Sauerstoff abgespalten
und das an der Oberfläche des Bauteils befindliche Kupfer in Kupferoxid umgewandelt.
Alternativ kann beim Patinieren die Patinaflüssigkeit Schwefel abspalten und das an
der Oberfläche des Bauteils befindliche Kupfer in Kupfersulfid wandeln. Eine solche
Patinaflüssigkeit wird dann beispielsweise als Schwefelleber bezeichnet.
[0017] Beim Patinieren von Kupfer enthaltenden Metallen tritt mit zunehmender Dauer der
Patinierung eine Färbung der Oberfläche des Bauteils ein. Eine solche Färbung kann
verschiedene Farben aufweisen und ist bei Bronze typischerweise von hellbraun bis
schwarz. Die Einfärbung der Oberfläche des zu patinierenden Bauteils wird umso stärker,
je länger die Eintauchdauer des Bauteils in die Patinaflüssigkeit ist. Wird das Bauteil
sehr lange in der Patinaflüssigkeit gelassen, ist irgendwann das an der Oberfläche
befindliche Kupfer des Bauteils vollständig in Kupferoxid bzw. Kupfersulfid umgewandelt
und ein vollständig patinierter Zustand ist erreicht. Beim Patinieren von Bronze werden
die zu patinierenden Bauteile im vollständig patinierten Zustand annähernd schwarz.
[0018] Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren und der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist es
nun möglich, einen natürlich wirkenden Farbverlauf auf den zu patinierenden Bauteilen
zu erzeugen. Speziell kann am Beispiel der in der einzigen Figur dargestellten Bauteile
12, die als Bronzelaternen ausgebildet sind, ein Farbverlauf erreicht werden, bei
dem die Bauteile 12 in ihrem unteren Bereich annähernd schwarz sind, in ihrem oberen
Bereich aber noch die metallisch glänzende Bronzefarbe aufweisen. Wesentlich bei dem
erfindungsgemäßen Verfahren ist dabei, dass ein natürlich wirkender Farbverlauf erzielt
werden kann, der insbesondere keine Querlinien oder für das menschliche Auge sichtbare
streifenförmige und voneinander abgesetzte Farbbereiche hat. Dies wird gemäß der Erfindung
dadurch erreicht, dass die Bauteile 12 über die Länge des zu patinierenden Bereichs
gesehen innerhalb eines vordefinierten Zeitraums von wenigstens drei Minuten mit sich
stetig ändernder Eintauchtiefe und ohne Stillstand relativ zu der Patinaflüssigkeit
bewegt werden.
[0019] Eine solche gleichmäßige und vor allem ohne Stillstand und mit sich stetig ändernder
Eintauchtiefe durchgeführte Bewegung lässt sich manuell nicht erzielen. Der Zeitraum
von drei Minuten, der gemäß der Erfindung erforderlich ist, ist für die Bewegung einer
menschlichen Hand, auch dann, wenn beispielsweise Flaschenzüge oder Seilumlenkungen
verwendet werden, zu lang, um eine Bewegung mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe
und ohne Stillstand durchzuführen. Die mit der Erfindung erzielbaren überraschend
natürlich wirkenden Farbverläufe lassen sich nur durch maschinell gesteuerte Relativbewegungen
oder Fließbewegungen beim Zulauf in oder Ablauf aus einem Behälter zwischen den Bauteilen
und dem Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit erzielen.
[0020] Es ist im Rahmen der Erfindung dabei nicht erforderlich, dass die relative Bewegung
zwischen den Bauteilen und dem Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit mit konstanter
Geschwindigkeit erfolgt. Wesentlich ist, dass eine sich stetig ändernde Eintauchtiefe
ohne Stillstand vorliegt. Wenn die Geschwindigkeit nicht konstant ist, ist dabei zu
bevorzugen, dass sich die Geschwindigkeit der Bewegung ohne Vorzeichenwechsel stetig
ändert. Beispielsweise kann das Herausziehen aus der Patinaflüssigkeit mit sich stetig
verringernder Geschwindigkeit aber ohne Stillstand erfolgen. In gleicher Weise ist
umgekehrt eine sich stetig erhöhende Geschwindigkeit beim Herausziehen der Bauteile
möglich. Wie ausgeführt wurde, können auch das Eintauchen oder das Eintauchen und
das Herausziehen gemäß der Erfindung mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe und ohne
Stillstand erfolgen.
[0021] Anhand der Darstellung der Fig. 1 erfolgt eine Steuerung des Antriebsmotors 18 der
Linearachsen in den Trägern 16, die den Querbalken 14 bewegen, mittels einer Steuerung
28. An der Steuerung 28 kann, entweder manuell oder mittels eines vorgegebenen Programms,
ein Bewegungsablauf des Querbalkens relativ zu einem Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit
26 eingestellt werden.
[0022] Dabei sind verschiedene Verfahren möglich.
[0023] Beispielsweise können die Bauteile 12 zunächst mit vergleichsweise hoher Geschwindigkeit
in die Patinaflüssigkeit 26 vollständig oder abschnittsweise eingetaucht werden. Das
Herausbewegen in Richtung des Pfeils 20 erfolgt dann über einen Zeitraum von wenigstens
drei Minuten mit sich stetig verringernder Eintauchtiefe und ohne Stillstand. Die
in der Figur untersten Abschnitte der Bauteile 12 verweilen dann am längsten in der
Patinaflüssigkeit 26 und sind infolgedessen dann am dunkelsten gefärbt. Am oberen
Ende der Bauteile 12 ist dahingegen noch der metallische Glanz der Bronze der Bauteile
12 erhalten.
[0024] Alternativ können die Bauteile 12 mit dem Querbalken 14 über einen Zeitraum von mindestens
1,5 Minuten mit stetig zunehmender Eintauchtiefe und ohne Stillstand in die Patinaflüssigkeit
26 hineinbewegt werden, bis sie vollständig in der Patinaflüssigkeit 26 angeordnet
sind. Daraufhin erfolgt eine Richtungsumkehr und die Bauteile 12 werden wieder in
Richtung des Pfeils 20 über einen Zeitraum von wenigstens 1,5 Minuten mit stetig zunehmender
Eintauchtiefe und ohne Stillstand aus der Patinaflüssigkeit 26 herausgezogen. Auch
in diesem Fall verweilen die untersten Abschnitte der Bauteile 12 am längsten in der
Patinaflüssigkeit 26 und werden dadurch eine sehr dunkle Färbung aufweisen, wohingegen
die oberen Abschnitte der Bauteile 12 am kürzesten in die Patinaflüssigkeit 26 eingetaucht
sind und infolgedessen noch einen metallischen Glanz aufweisen können.
[0025] Als weitere Alternative kann mittels in der Figur nicht dargestellter Mittel der
Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit 26 angehoben und abgesenkt werden. Die Bauteile
12 bzw. der Querbalken 14 werden dann oberhalb des abgesenkten Flüssigkeitsspiegels
angeordnet und der Flüssigkeitsspiegel im Trog 24 wird dann langsam angehoben, so
dass eine Relativbewegung des Flüssigkeitsspiegels zu den Bauteilen 12 erfolgt.
[0026] Falls dies erforderlich sein sollte, kann auch eine Bewegung des Querbalkens 14 mit
einer Bewegung des Flüssigkeitsspiegels der Patinaflüssigkeit 26 kombiniert werden.
1. Verfahren zum Patinieren von Bauteilen (12) aus kupferhaltigem Metall, insbesondere
aus Bronze oder Messing, wobei ein Bauteil (12) mit einem zu patinierenden Bereich
in eine Patinaflüssigkeit (26) eingetaucht wird, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (12) über die Länge des zu patinierenden Bereichs gesehen innerhalb eines
vordefinierten Zeitraums von wenigstens drei Minuten mit sich stetig ändernder Eintauchtiefe
und ohne Stillstand relativ zu der Patinaflüssigkeit (26) bewegt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zu patinierende Bereich zunächst eingetaucht und dann innerhalb des vordefinierten
Zeitraums aus der Patinaflüssigkeit (26) herausbewegt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der zu patinierende Bereich innerhalb des vordefinierten Zeitraums in die Patinaflüssigkeit
(26) hinein und wieder aus der Patinaflüssigkeit (26) herausbewegt wird.
4. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (12) relativ zu einem Behälter (24) mit der Patinaflüssigkeit (26) bewegt
wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass ein Flüssigkeitsspiegel der Patinaflüssigkeit (26) relativ zu dem Bauteil (12) bewegt
wird.
6. Vorrichtung zum Patinieren von Bauteilen zur Durchführung eines Verfahrens nach einem
der vorstehenden Ansprüche, mit einem Behälter (24) mit Patinaflüssigkeit (26), gekennzeichnet durch Mittel zum Bewegen eines Bauteils (12) über die Länge des zu patinierenden Bereichs
gesehen innerhalb eines vordefinierten Zeitraums von wenigstens drei Minuten mit sich
stetig ändernder Eintauchtiefe und ohne Stillstand relativ zu der Patinaflüssigkeit
(26).