[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Rotortrommel für eine Strömungsmaschine gemäß
dem Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie einen Verdichter gemäß Anspruch 8.
[0002] In Rotoren für Strömungsmaschinen können sich im Betrieb in bestimmten Situationen
Flüssigkeitsansammlungen bilden, die sich während des Betriebs der Rotoren in Kavitäten
von Rotortrommeln fliehkraftbedingt ansammeln. Erst im Stillstand der Rotoren kann
diese angesammelte Flüssigkeit in andere Bereich der Rotoren fließen und möglicherweise
verschiedene Nachteile bewirken. Beispielsweise kann sich Öl als Flüssigkeit nach
einem erneuten Starten des Rotors in Bereiche der Strömungsmaschine verteilen, die
für derartige Ölansammlungen erhebliche Nachteile bewirken. Bei einer möglichen Verwendung
der Strömungsmaschine als Flugtriebwerk kann das Öl beispielsweise bei einem Neustart
der Rotoren über Gehäusekanäle in die Kabinenzuluft gelangen und dort zu Ölgeruch
und Kontaminationen führen.
[0003] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Rotortrommel für eine Strömungsmaschine
vorzuschlagen, bei der Fluidansammlungen vermieden werden können. Ferner ist es Aufgabe
der vorliegenden Erfindung, einen Verdichter vorzuschlagen.
[0004] Die erfindungsgemäße Aufgabe wird durch eine Rotortrommel mit den Merkmalen des Anspruchs
1 gelöst. Sie wird ferner durch einen Verdichter gemäß Anspruch 8 gelöst.
[0005] Erfindungsgemäß wird somit eine Rotortrommel für eine Strömungsmaschine vorgeschlagen,
wobei die Rotortrommel Abschnitte von wenigstens einem ersten Rotorgrundkörper und
einem zweiten Rotorgrundkörper umfasst. Der zweite Rotorgrundkörper weist wenigstens
einen Rotorarm auf. Die Rotortrommel weist weiterhin wenigstens eine Öffnung als Durchtrittsöffnung,
insbesondere als Bohrung, zum Durchströmen von Fluiden, insbesondere von Lageröl oder
kondensiertem Lagerölnebel einer Rotorlagerung, aus einem Rotorinnenraum in einen
Rotoraußenraum auf. Die Öffnung ist nach radial außen angeordnet, bezogen auf die
Hauptdurchströmungsachse der Strömungsmaschine. Ferner ist die Öffnung am größten
Radius einer Innenkontur der Rotortrommel angeordnet. Dadurch kann vorteilhaft erreicht
werden, dass sich Lageröl während einer betriebsbedingten Rotation der Rotortrommel
fliehkraftbedingt an der Öffnung sammelt und aus der Rotortrommel in den Hauptdurchströmungskanal
abgeschleudert wird. Das abgeschleuderte Öl kann mit der Hauptdurchströmung aus der
Strömungsmaschine transportiert und ausgetragen werden.
[0006] Vorteilhafte Weiterentwicklungen der vorliegenden Erfindung sind jeweils Gegenstand
von Unteransprüchen und Ausführungsformen.
[0007] Erfindungsgemäße beispielhafte Ausführungsformen können eines oder mehrere der im
Folgenden genannten Merkmale aufweisen.
[0008] Der Begriff "Rotor", wie er hierin verwendet wird, bezeichnet einen Rotationskörper
in einer Strömungsmaschine, der sich im bestimmungsgemäßen Gebrauch um eine Rotationsachse
oder Drehachse der Strömungsmaschine dreht. Der Rotor umfasst wenigstens eine Rotorstufe.
Eine Rotorstufe kann als Laufrad bezeichnet werden oder ein Laufrad umfassen. Eine
Rotorstufe umfasst wenigstens mehrere Laufschaufeln und einen Rotorgrundkörper. Der
Rotorgrundkörper kann als Scheibe, Rotorscheibe, Ring oder Rotorring bezeichnet werden
oder diese umfassen. Ein Rotor kann eine oder mehrere Rotorstufen umfassen.
[0009] Ein Rotor kann in eine Strömungsmaschine, insbesondere in eine Gasturbine, eingebaut
und montiert werden. Ein Flugtriebwerk kann eine Gasturbine sein oder eine Gasturbine
umfassen. Ein Flugtriebwerk kann einen Verdichter mit mehreren Verdichterstufen und
eine Turbine mit mehreren Turbinenstufen umfassen. Verdichterstufen und Turbinenstufen
können jeweils Rotorstufen und Statorstufen aufweisen.
[0010] Die Laufschaufeln können als Schaufeln bezeichnet werden und weisen wenigstens jeweils
ein Schaufelblatt, einen Schaufelfuß und eine Schaufelplattform auf. Die Schaufeln
können separat, beispielsweise formschlüssig mittels einer wieder lösbaren sogenannten
Schwalbenschwanzverbindungen, oder integral mit dem Rotorgrundkörper verbunden sein.
Separate Schaufeln können wieder lösbar und/oder formschlüssig und/oder stoffschlüssig
mit dem Rotorgrundkörper verbunden sein. Eine integrale Verbindung ist insbesondere
eine materialschlüssige Verbindung. Eine integrale Verbindung kann mittels eines generatives
Herstellungsverfahrens gefertigt werden. Ein Rotorgrundkörper mit integral mit dem
Rotorgrundkörper verbundenen Schaufeln kann als integral beschaufelter Rotor bezeichnet
werden. Ein integral beschaufelter Rotor kann ein sogenannter BLISK (Bladed Disk)
oder ein BLING (Blade Ring) sein.
[0011] Der Rotorgrundkörper kann nach radial innen gerichtete Rotorscheiben und/oder axial
ausgerichtete Rotorarme umfassen. Die nach radial innen gerichteten Rotorscheiben
können als Verlängerungen oder T-förmige Verlängerungen der Laufschaufeln bezeichnet
werden.
[0012] Die Rotorarme können als Trommelkörper bezeichnet werden. Der Rotor ist zum direkten
oder indirekten Verbinden mit einer Welle der Strömungsmaschine ausgestaltet oder
vorbereitet. Eine indirekte Verbindung kann mittels Nabe und/oder mittels weiterer
Rotoren ausgeführt sein. Bei einer direkten Verbindung kann der Rotor direkt an die
Welle angeflanscht sein.
[0013] Der Begriff "Rotortrommel", wie er hierin verwendet wird, bezeichnet Abschnitte von
wenigstens zwei axial miteinander verbundenen Rotorgrundkörpern. Insbesondere Rotorarme
können eine Rotortrommel ausbilden. Eine Rotortrommel kann gleichfalls über mehr als
zwei Rotorgrundkörper sowie optional über mehrere Rotorarme und Rotorscheiben ausgebildet
sein. Beispielsweise können mehrere Rotorgrundkörper eines achtstufiger Verdichters
in einer Strömungsmaschine eine Rotortrommel ausbilden.
[0014] Die Begriffe "Rotorinnenraum und Rotoraußenraum", wie sie hierin verwendet werden,
bezeichnen die Räume innerhalb und außerhalb der Rotortrommel von Rotoren. Der Rotorinnenraum
wird somit nach radial außen im Wesentlichen durch einen oder mehrere Rotorarme begrenzt.
In axialer Richtung wird der Rotorinnenraum im Wesentlichen durch Rotorscheiben begrenzt,
wobei zwischen einer Welle, mit der die Rotortrommel direkt oder indirekt verbunden
ist und den Rotorscheiben im Allgemeinen ein Spalt ausgebildet ist. Der Rotoraußenraum
wird nach radial innen im Wesentlichen durch einen oder mehrere Rotorarme begrenzt.
Der Rotoraußenraum umfasst im Wesentlichen den Hauptdurchströmungskanal der Strömungsmaschine.
Zwischen einem Rotorarm und dem Hauptdurchströmungskanal können weiterhin beispielsweise
Leitradinnenringe, mit oder ohne Einlaufdichtungen, angeordnet sein. Der Rotorinnenraum
und/oder der Rotoraußenraum kann mehrere Rotorstufen umfassen.
[0015] Axial hintereinander angeordnete Rotorgrundkörper können mittels Rotorarmen und/oder
Rotorscheiben miteinander verbunden sein. Die Verbindung ist insbesondere formschlüssig
und/oder kraftschlüssig.
[0016] Innerhalb der Rotortrommel können ringförmige Wuchtbünde, insbesondere an der Innenseite
der Rotorarme angeordnet sein. Die Wuchtbünde können kraftschlüssig mit den Rotorarmen
verbunden sein. Weiterhin können innerhalb der Rotortrommel alternativ oder zusätzlich
weitere Wuchtvorrichtungen, beispielsweise Flansche mit über dem Umfang befestigten
Wuchtgewichten, angeordnet sein.
[0017] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die Strömungsmaschine eine axiale
Strömungsmaschine, insbesondere eine Gasturbine, insbesondere eine Fluggasturbine.
[0018] Die erfindungsgemäße Rotortrommel kann für eine Anwendung in einem Hochdruckverdichter,
in einem Niederdruckverdichter, in einer Hochdruckturbine oder in einer Niederdruckturbine
eines Flugtriebwerks ausgestaltet sein.
[0019] Ein Rotorarm kann eine oder mehrere Öffnungen aufweisen. Die Öffnungen können radial
(senkrecht zur Mittelachse der Rotortrommel) oder in einem anderen Winkel in oder
an dem Rotorarm angeordnet sein. Die Öffnungen sind zum Rotortrommelinnenraum und
zum Rotortrommelaußenraum hin offen und bilden eine Öffnung zwischen diesen beiden
Räumen oder Bereichen. Die Öffnung durchstößt somit den Rotorarm von radial innen
nach radial außen.
[0020] Die Öffnung am radial weitesten oder größten Radius der Innenkontur der Rotortrommel
kann vorteilhaft ein fliehkraftbedingtes Abfließen während einer Rotation, insbesondere
im betriebsbedingten Einsatz der Rotortrommel, von Fluiden, insbesondere von Lageröl,
aus der Rotortrommel in den Rotortrommelaußenraum (radial außerhalb der Rotortrommel)
ermöglichen oder bewirken. Beispielsweise kann bei einer Anwendung der erfindungsgemäßen
Rotortrommel in einem Flugtriebwerk vermieden, oder zumindest die Gefahr verringert
werden, dass Öl nach einem Stillstand des Triebwerks aus der Rotortrommel in das Triebwerksgehäuse
abläuft. Bei einem erneuten Starten des Flugtriebwerks könnte dieses Öl im Triebwerksgehäuse
anschließend in die Zuluft der Kabinenluft gelangen und auf diese Weise die Kabinenluft
kontaminieren.
[0021] Der Innenraum der Rotortrommel ist insbesondere derart geformt, dass fliehkraftbedingte
Ölansammlungen durch eine oder mehrere Öffnungen in den Außenraum der Rotortrommel
abfließen oder austreten können. Der Innenraum ist dazu insbesondere strömungsoptimiert
ausgestaltet.
[0022] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen kann Lageröl, beispielsweise bei einer
sogenannten Front-hub und/oder Rear-hub Lagerung eines Rotors, im Lagerbereich aufgrund
erhöhter Reibungswärme im Lager verdunsten und anschließend in der erfindungsgemäßen
Rotortrommel wieder kondensieren. Insbesondere in einer Rotortrommel, die in unmittelbarer
Nähe zur Lagerung angeordnet ist, kann der Kondensationsprozeß eintreten. Das kondensierte
Lageröl kann während Betriebs der Strömungsmaschine, also bei einer Rotation der Rotortrommel,
durch die radiale Öffnung der erfindungsgemäßem Rotortrommel austreten bzw. in den
Hauptströmungskanal herausgeschleudert werden und anschließend mit der Hauptströmung
aus der Strömungsmaschine vorteilhaft austreten. Damit kann vorteilhaft verhindert
werden, dass sich in der Rotortrommel in Kavitäten angesammeltes Öl bei einem Starten
nach einem zwischenzeitlichen Anhalten der Strömungsmaschine das Öl austritt und anschließend,
aufgrund niedriger Drehzahlen und einer geringen Hauptdurchströmung, in die Zapfluft,
die von der Hauptdurchströmung abgezweigt oder abgezapft wird, gelangt. Die unter
anderem für die Kabinenluft in Flugzeugen vorgesehene Zapfluft könnte durch zugesetztes
oder beigemengtes Öl kontaminiert werden.
[0023] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen kann ein Lagerölnebel durch die radiale
Öffnung der erfindungsgemäßem Rotortrommel austreten. Der Lagerölnebel kann während
des Betriebs der Strömungsmaschine in den Hauptströmungskanal austreten und mit der
Hauptströmung aus der Strömungsmaschine austreten.
[0024] In gewissen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist der Rotorarm wenigstens eine
Dichtspitze zum Ausbilden einer Spaltdichtung gegen einen Stator auf. Der Stator kann
eine Statorstufe oder ein Leitrad sein, insbesondere ein Leitrad mit verstellbaren
Leitschaufeln.
[0025] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist die Öffnung axial zwischen der
wenigstens einen Dichtspitze und einer nach radial innen ausgerichteten Rotorscheibe
des zweiten Rotorgrundkörpers angeordnet.
[0026] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist der wenigstens eine Rotorarm
der erfindungsgemäßen Rotortrommel einen Wuchtring auf. Der Wuchtring ist insbesondere
radial außen am Rotorarm angeordnet. Mittels eines radial außen am Rotorarm angeordneten
Wuchtrings können vorteilhaft Rotortrommelkavitäten innerhalb der Rotortrommel vermieden
werden.
[0027] Ein Wuchtring kann als Wuchtbund bezeichnet werden.
[0028] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtring am stromauf und/oder
stromab angeordneten Ende oder Endbereich des Rotorarms angeordnet. Die Begriffe stromauf
und stromab beziehen sich auf die Hauptdurchströmungsrichtung der Strömungsmaschine.
Der Endbereich oder die Endbereiche der Rotorarme können Bereiche zum Verbinden mit
weiteren Bauteilen der Strömungsmaschine sein. Insbesondere können die Endbereiche
formschlüssige Verbindungen zu weiteren Rotorgrundkörpern aufweisen. Ebenso können
die Endbereiche mittels Verschraubungen an weitere Rotorgrundkörper angeflanscht werden.
Ein Endbereich eines Rotorarms kann einen Wuchtring aufweisen und gleichzeitig eine
formschlüssige Verbindung zu einer weitere Rotorscheibe aufweisen. Ein derartiger
Endbereich kann als integraler Endbereich bezeichnet werden, da zwei Funktionen, das
Auswuchten und das Verbinden, gleichzeitig erzielt werden.
[0029] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist ein Rotorgrundkörper, der keinen
Rotorarm aufweist, keine Wuchtvorrichtung auf. Eine Wuchtvorrichtung kann beispielsweise
ein Wuchtring oder an einem Flansch angeordnete Wuchtgewichte sein.
[0030] In bestimmten erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtring kraftschlüssig
mit dem Rotorarm verbunden. Eine kraftschlüssige Verbindung kann beispielsweise durch
Aufschrumpfen erreicht werden. Eine kraftschlüssige Verbindung kann eine Verbindung
mittels einer Preßpassung sein. Insbesondere weist die Verbindung des Wuchtrings mit
dem Rotorarm keine Schraubverbindung auf. Ein mittels einer kraftschlüssigen Verbindung
aufgebrachter Wuchtring kann vorteilhaft mit Hilfe eines materialabtragenden Verfahrens,
z. B. Fräsen, Bohren oder Schleifen, ausgewuchtet werden, ohne dass der Wuchtring
von dem Rotorarm demontiert werden muss.
[0031] In gewissen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Wuchtring materialschlüssig
mit dem Rotorarm verbunden. Eine materialschlüssige Verbindung ist beispielsweise
eine Klebverbindung, eine Schweißverbindung oder eine Verbindung mittels eines generativen
Herstellungsverfahrens.
[0032] In manchen erfindungsgemäßen Ausführungsformen ist der Rotorarm aus einem ersten
Material hergestellt ist oder weist ein erstes Material auf. Der Wuchtring kann aus
einem zweiten Material hergestellt sein oder ein zweites Material aufweisen. Das erste
Material und das zweite Material sind dabei unterschiedlich. Dadurch kann beispielsweise
ein Aufschrumpfprozess des Wuchtrings auf den Rotorarm und/ oder ein Materialabtrag
des Wuchtrings zum Zweck des Auswuchten vorteilhaft vereinfacht werden.
[0033] In einigen erfindungsgemäßen Ausführungsformen weist der Wuchtring wenigstens einen
Bereich zur Materialentnahme zum Auswuchten des Rotors auf dem Umfang des Wuchtrings
auf. Materialabtragende Verfahren zur Materialentnahme des Wuchtrings sind beispielsweise
Fräsen, Bohren oder Schleifen.
[0034] Der Begriff Wuchtvorrichtung kann einen oder mehrere Wuchtringe, einen oder mehrere
Wuchtgewichte sowie weitere Vorrichtungen zum Wuchten oder Auswuchten eines Bauteils
umfassen.
[0035] Manche oder alle erfindungsgemäßen Ausführungsformen können einen, mehrere oder alle
der oben und/oder im Folgenden genannten Vorteile aufweisen.
[0036] Mittels der erfindungsgemäßen Rotortrommel können Ölansammlungen, beispielsweise
Lagerölansammlungen, innerhalb der Rotortrommel vorteilhaft vermieden werden. Lageröl
oder Lagerölnebel kann in einer rotierenden, erfindungsgemäßen Rotortrommel unmittelbar
durch die Öffnung am größten Radius der Innenkontur der Rotortrommel in den Hauptstrom
der Leit- und Laufradbeschaufelung transportiert und zum Auslass der Strömungsmaschine
weitergeleitet werden. Aufgrund dieses raschen Abtransports kann eine mögliche Feuergefahr
durch das Öl zumindest verringert werden. Ein Sammeln von Öl und/oder ein Kondensieren
eines Ölnebels während eines Stillstands der Rotortrommel mit einem anschließenden
möglichen Transport des Öls aus der Hauptströmung in Abzweigungen für die Zapfluft,
z. B. für die Kabinenluft in Flugzeugen, kann vorteilhaft vermieden werden.
[0037] Die vorliegende Erfindung wird im Folgenden anhand der beigefügten Zeichnungen, in
welcher identische Bezugszeichen gleiche oder ähnliche Bauteile bezeichnen, exemplarisch
erläutert. In den jeweils schematisch vereinfachten Figuren gilt:
- Fig. 1
- zeigt eine erfindungsgemäße Rotortrommel mit zwei Rotorgrundkörpern, einem Rotorarm
und einer Abschleuderbohrung in Schnittdarstellung; und
- Fig. 2
- zeigt eine weitere erfindungsgemäße Rotortrommel mit einer gegenüber Fig. 1 veränderten
Anordnung der Abschleuderbohrung.
[0038] Fig. 1 zeigt eine erfindungsgemäße Rotortrommel 100 mit einer Öffnung als Abschleuderbohrung
1, einem ersten Rotorgrundkörper 3, einem zweiten Rotorgrundkörper 5, einem Rotorarm
7 und einem Wuchtring 9 in Schnittdarstellung. Die Abschleuderbohrung 1 ist eine Öffnung
der Rotortrommel 100 in deren Begrenzung nach radial außen. Die Rotortrommel 100 weist
eine nach radial innen offene Form auf.
[0039] Die nach radial innen (entgegen der Radialrichtung r, zur Drehachse 11 der Rotortrommel
100 hin gerichtete) offene, erfindungsgemäße Rotortrommel 100 wird in Axialrichtung
a durch eine erste Rotorscheibe 13 und eine zweite Rotorscheibe 15 begrenzt. Die beiden
Rotorscheiben 13, 15 sind Abschnitte der beiden Rotorgrundkörper 3, 5. Die erste Rotorscheibe
13 ist stromaufwärts, die zweite Rotorscheibe 15 stromabwärts angeordnet, wobei die
Hauptdurchströmungsrichtung 17 durch einen Pfeil dargestellt ist.
[0040] Die Abschleuderbohrung 1 ist am größten Radius 19 einer Innenkontur 21 der Rotortrommel
100 angeordnet.
[0041] Es können weitere Abschleuderbohrungen 1 (in Fig. 1 nicht dargestellt), insbesondere
in dem Rotorarm 7, angeordnet sein.
[0042] Die Rotortrommel 100 kann sich in weiteren Ausführungsformen stromauf und/oder stromab
weiter erstrecken bzw. ausdehnen und weitere Rotorarme umfassen. Ebenso können weitere
Abschleuderbohrungen in den weiteren Rotorarmen angeordnet sein. Beispielsweise kann
ein mehrstufiger Hochdruckverdichter (oder Niederdruckverdichter, Hochdruckturbine,
Niederdruckturbine) eines Flugtriebwerks eine Rotortrommel umfassen.
[0043] Durch die Abschleuderbohrung 1 kann während einer Rotation der Rotortrommel 100 um
die Drehachse 11 (im Rahmen eines vorgesehenen Betriebs der Rotortrommel 100 beispielsweise
in einem Flugtriebwerk) Lageröl, Lagerölnebel oder andere Fluide aus der Rotortrommel
100 in einen Rotoraußenraum 23 transportiert werden. Dieses Transportieren oder Abfließen
eines Fluids wird durch die Fliehkraft des Fluids bedingt oder verursacht. Die Fließeigenschaften
werden beispielsweise durch die Viskosität und Temperatur beeinflusst. Weiterhin beeinflusst
die Größe eines Öffnungsquerschnitts (oder der Durchmesser) der Abschleuderbohrung
1 den Abfluss eines Fluids aus der Rotortrommel 100 in den Rotoraußenraum 23.
[0044] Weiterhin ist der Wuchtring 9 in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1 an der Außenseite
(in Bezug auf die Radialrichtung r) der Rotortrommel 100 angeordnet. Dies begünstigt
ein Abfließen von Öl in der Rotortrommel 100 durch die Abschleuderbohrung 1. Wäre
der Wuchtring 9 auf der Innenseite der Rotortrommel 100 an dem Rotorarm 7 angeordnet
(in Fig. 1 nicht dargestellt), könnte sich das Öl im Rotorinnenraum 22 fliehkraftbedingt
stauen. Dieses angestaute Öl würde dann erst bei einem Stillstand der Rotortrommel
100 in den Innenraum abfließen. Bei einem erneuten Starten der Drehbewegung der Rotortrommel
100 könnte dann dieses Öl durch die Abschleuderbohrung 1 austreten. Bei diesem Vorgang
könnte dann betriebsbedingt das Öl aus dem Rotoraußenraum 23 durch die Zapfluft, die
aus der Hauptströmung abgeführt, abgezweigt oder abgezapft wird, in die Kabinenluft
eines Flugzeug eintreten und Kontaminationen verursachen. Diese Gefahr von Kontaminationen
wird durch die Anordnung des Wuchtrings 9 auf der Außenseite der Rotortrommel 100
vorteilhaft verhindert oder zumindest verringert.
[0045] Der erste Rotorgrundkörper 3 ist formschlüssig im Bereich des Wuchtrings 9 mit dem
zweiten Rotorgrundkörper 5 über den Rotorarm 7 verbunden (dargestellt mittels des
gestrichelten Kreises 25).
[0046] Die Rotorgrundkörper 3, 5 sind in dem Ausführungsbeispiel der Fig. 1 integral mit
Laufschaufeln 27 verbunden.
[0047] Weiterhin weist der Rotorarm 7 Dichtspitzen 29 auf, die mit einer sogenannten Einlaufdichtung
31 einen Spalt zur Minimierung einer Leckageströmung zwischen der Rotortrommel 100
und einem Leitrad 200 ausbilden können. Die Einlaufdichtung 31 ist mit einem Innenring
33 verbunden. Der Innenring 33 ist mit verstellbaren Leitschaufeln 35 des Leitrads
200 verbunden. Die Leitschaufeln 35 sind mittels eines Innenzapfens 37 um ihre Längsachse
drehbar angeordnet und gelagert.
[0048] Fig. 2 zeigt eine weitere erfindungsgemäße Rotortrommel 100 mit einer gegenüber Fig.
1 veränderten Anordnung der Abschleuderbohrung 1. Die Längsausrichtung der Abschleuderbohrung
1 ist senkrecht zur Mittelachse oder Drehachse der Rotortrommel 100 ausgerichtet.
Bezugszeichenliste
[0049]
- 100
- Rotortrommel
- 200
- Leitrad
- a
- axial; Axialrichtung
- r
- Radial; Radiahichtung
- 1
- Abschleuderbohrung
- 3
- erster Rotorgrundkörper
- 5
- zweiter Rotorgrundkörper
- 7
- Rotorarm
- 9
- Wuchtring
- 11
- Drehachse
- 13
- erste Rotorscheibe
- 15
- zweite Rotorscheibe
- 17
- Hauptdurchströmungsrichtung
- 19
- größter Radius der Innenkontur der Rotortrommel
- 21
- Innenkontur der Rotortrommel
- 22
- Rotorinnenraum
- 23
- Rotoraußenraum
- 25
- formschlüssige Verbindung
- 27
- Laufschaufel
- 29
- Dichtspitzen
- 31
- Einlaufdichtung
- 33
- Innenring
- 35
- verstellbare Leitschaufel
- 37
- Innenzapfen
1. Rotortrommel (100) für eine Strömungsmaschine, wobei die Rotortrommel (100) Abschnitte
von wenigstens einem ersten (3) und einem zweiten (5) Rotorgrundkörper umfasst, und
wobei der zweite Rotorgrundkörper (5) wenigstens einen Rotorarm (7) aufweist, dadurch gekennzeichnet, dass die Rotortrommel (100) wenigstens eine Öffnung (1) als Durchtrittsöffnung zum Durchströmen
von Fluiden aus einem Rotorinnenraum (22) in einen Rotoraußenraum (23) aufweist, wobei
die Öffnung (1) nach radial außen und am größten Radius (19) einer Innenkontur (21)
der Rotortrommel (100) angeordnet ist.
2. Rotortrommel (100) nach Anspruch 1, wobei der Rotorarm (100) die Öffnung (1) umfasst.
3. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Rotorarm (7)
wenigstens eine Dichtspitze (29) zum Ausbilden einer Spaltdichtung gegen einen Stator
(200) aufweist.
4. Rotortrommel (100) nach Anspruch 3, wobei die Öffnung (1) zwischen der wenigstens
einen Dichtspitze (29) und einer nach radial innen ausgerichteten Rotorscheibe (15)
des zweiten Rotorgrundkörpers (5) angeordnet ist.
5. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei ein Wuchtring (9)
radial außen am Rotorarm (7) angeordnet ist.
6. Rotortrommel (100) nach Anspruch 5, wobei der Wuchtring (9) am stromauf und/oder stromab
angeordneten Endbereich des Rotorarms (7) des zweiten Rotorgrundkörpers (5) angeordnet
ist.
7. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die Rotorgrundkörper
(3, 5) zur Aufnahme von Laufschaufeln (27) zum Ausbilden einer ersten und einer zweiten
Rotorstufe vorbereitet sind.
8. Verdichter einer Strömungsmaschine, wobei der Verdichter wenigstens eine Rotortrommel
(100) nach einem der Ansprüche 1 bis 7 aufweist
9. Verdichter nach Anspruch 8, wobei der Verdichter ein Hochdruckverdichter eines Flugtriebwerks
ist.
Geänderte Patentansprüche gemäss Regel 137(2) EPÜ.
1. Rotortrommel (100) für einen Verdichter einer Strömungsmaschine, wobei die Rotortrommel
(100) Abschnitte von wenigstens einem ersten (3) und einem zweiten (5) Rotorgrundkörper
umfasst, und wobei der zweite Rotorgrundkörper (5) wenigstens einen Rotorarm (7) aufweist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Rotortrommel (100) wenigstens eine Öffnung (1) als Durchtrittsöffnung zum Durchströmen
von Fluiden aus einem Rotorinnenraum (22) in einen Rotoraußenraum (23) aufweist, wobei
die Öffnung (1) nach radial außen und am größten Radius (19) einer Innenkontur (21)
der Rotortrommel (100) angeordnet ist.
2. Rotortrommel (100) nach Anspruch 1, wobei der Rotorarm (100) die Öffnung (1) umfasst.
3. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei der Rotorarm (7)
wenigstens eine Dichtspitze (29) zum Ausbilden einer Spaltdichtung gegen einen Stator
(200) aufweist.
4. Rotortrommel (100) nach Anspruch 3, wobei die Öffnung (1) zwischen der wenigstens
einen Dichtspitze (29) und einer nach radial innen ausgerichteten Rotorscheibe (15)
des zweiten Rotorgrundkörpers (5) angeordnet ist.
5. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei ein Wuchtring (9)
radial außen am Rotorarm (7) angeordnet ist, wobei der Wuchtring kraftschlüssig und/oder
materialschlüssig mit dem Rotorarm (7) verbunden ist.
6. Rotortrommel (100) nach Anspruch 5, wobei der Wuchtring (9) am stromauf und/oder stromab
angeordneten Endbereich des Rotorarms (7) des zweiten Rotorgrundkörpers (5) angeordnet
ist.
7. Rotortrommel (100) nach einem der vorangegangenen Ansprüche, wobei die Rotorgrundkörper
(3, 5) zur Aufnahme von Laufschaufeln (27) zum Ausbilden einer ersten und einer zweiten
Rotorstufe vorbereitet sind.
8. Verdichter einer Strömungsmaschine, wobei der Verdichter wenigstens eine Rotortrommel
(100) nach einem der Ansprüche 1 bis 7 aufweist
9. Verdichter nach Anspruch 8, wobei der Verdichter ein Hochdruckverdichter eines Flugtriebwerks
ist.