[0001] Die Erfindung betrifft eine Schraubeinheit sowie ein Verfahren zum Einschrauben von
Schrauben in ein Werkstück, wobei die Schraubeinheit eine Steuereinheit umfasst, die
zur Erkennung einer Kopfauflage eines Schraubenkopfes auf dem Werkstück ausgebildet
ist und hierzu ein Überwachungsmodul aufweist, welches zur Erfassung von aktuellen
Drehmomentwerten sowie zur Überwachung eines Drehmomentverlaufs während eines jeweiligen
Einschraubvorgangs ausgebildet ist.
[0002] Bei automatisierten Einschraubvorgängen mit Hilfe von motorisch angetriebenen Schraubeinheiten,
auch kurz als Schrauber bezeichnet, wird der Schraubvorgang häufig in Abhängigkeit
einer Kenngröße gesteuert und überwacht. Hierdurch soll eine zuverlässige Schraubverbindung
gewährleistet werden. Insbesondere bei automatisierten Schraubvorgängen, beispielsweise
in einer Fertigungsstraße mit hohen Taktraten, kommt es hierbei entscheidend auf eine
zuverlässige Steuerung des Schraubvorgangs mit hoher Fehlersicherheit an.
[0003] Der Schraubvorgang lässt sich allgemein in eine erste Phase des Einschraubens der
Schraube bis zur sogenannten Kopfauflage und einer anschließenden zweiten Phase, bei
der die Schraube festgezogen wird, unterteilen. Nach Erreichen der Kopfauflage, wenn
also die Schraube mit ihrem Schraubenkopf auf einer Werkstückoberseite zum Anliegen
kommt, verändert sich die Drehmomentcharakteristik üblicherweise markant und es erfolgt
häufig auch ein Umstellen des Schrauberantriebs von einem ersten Modus in einen zweiten
Festzieh-Modus. Insbesondere beim Festziehen der Schraube steigt das Drehmoment an.
Bei automatischen Schraubvorgängen kommt es dabei darauf an, den Schraubvorgang beispielsweise
bei einem definierten Abschaltdrehmoment zu beenden. Aus der
EP 0 559 937 A1 wird zur Bestimmung eines Abschaltdrehmoments ein Verfahren beschrieben, bei dem
das Erkennen eines linearen Anstiegs während des Festziehens der Schraube innerhalb
eines vorgegebenen Toleranzschlauches zur Bestimmung eines Abschaltdrehmoments herangezogen
wird.
[0004] Dabei ist das Erkennen der Kopfauflage bzw. das Erkennen des bei Kopfauflage vorliegenden
Drehmoments häufig ein entscheidendes Kriterium für das nachfolgende Anziehen der
Schraube, welches beispielsweise winkelgesteuert erfolgt.
[0005] Das sichere Erkennen der Kopfauflage stellt insbesondere dann ein Problem dar, wenn
die Schraubeinheit für eine Vielzahl von unterschiedlichen Anwendungsfällen eingesetzt
wird, bei denen also unterschiedlichste Drehmomentverläufe während des Einschraubvorgangs
auftreten können. Üblicherweise wird zur Erkennung der Kopfauflage das Drehmoment
im Hinblick auf eine charakteristische Änderung überwacht, d.h. es wird der Gradient
des Drehmomentverlaufs betrachtet. Ein steiler Anstieg des Drehmoments wird dann häufig
als Erreichen der Kopfauflage identifiziert.
[0006] Die Bestimmung der Kopfauflage mit einem derartigen Konzept ist jedoch insbesondere
bei sogenannten selbstformenden Schrauben nur mit Aufwand umzusetzen. Unter selbstformenden
Schrauben werden allgemein derartige Schrauben verstanden, die beim Einschrauben in
das Werkstück das Gewinde im Werkstück formen. Dies kann spanlos oder auch spanend,
wie beispielsweise bei den sogenannten selbstschneidenden Schrauben erfolgen. Bei
derartigen selbstformenden Schrauben treten naturgemäß beim Einschraubvorgang während
der ersten Phase bis zum Erreichen der Kopfauflage deutlich höhere und insbesondere
auch fluktuierende Drehmomente auf als beispielsweise beim Einschrauben einer Schraube
in ein vorgefertigtes Gewinde. Hinzu kommt, dass die erforderlichen Drehmomente auch
stark vom jeweiligen Anwendungsfall, insbesondere von der Materialwahl des Werkstücks
aber auch von der geometrisch-konstruktiven Ausgestaltung der Schraubverbindung abhängen.
[0007] Für einen jeweiligen Anwendungsfall muss gegenwärtig die Schraubeinheit für eine
zuverlässige Kopfauflage-Erkennung aufwändig parametriert werden, also auf den jeweiligen
Anwendungsfall eingelernt werden. Dies ist zum einen mit einem nicht unerheblichen
Zeitaufwand verbunden. Zum anderen setzt dies auch ein besonderes Know how voraus.
Sofern das Bedienpersonal nicht über ausreichendes Know how verfügt, kann dies zu
Fehlverschraubungen führen.
[0008] Ausgehend hiervon liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein prozesssicheres automatisiertes
Einschrauben von Schrauben in ein Werkstück, insbesondere von selbstformenden Schrauben
in ein Werkstück zu gewährleisten.
[0009] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch eine Schraubeinheit mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 sowie durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 15. Bevorzugte
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen enthalten. Die im Hinblick auf die Schraubeinheit
angeführten Vorteile und bevorzugten Ausgestaltungen sind sinngemäß auch auf das Verfahren
zu übertragen.
[0010] Die Schraubeinheit dient allgemein zum automatisierten Einschrauben von Schrauben
in ein Werkstück und weist hierzu eine Steuereinheit auf, die zur Erkennung einer
Kopfauflage eines Schraubenkopfes auf dem Werkstück ausgebildet ist. Die Steuereinheit
weist hierzu ein Überwachungsmodul auf, welches zur Erfassung von aktuellen Drehmomentwerten
sowie zur Überwachung eines Drehmomentverlaufs, also des zeitlichen Verlaufs der Drehmomentwerte,
während eines jeweiligen Einschraubvorgangs ausgebildet ist. Grundsätzlich wird hierbei
der Drehmomentverlauf in Abhängigkeit eines Drehwinkels erfasst, mit dem die Schraube
eingedreht wird. Sofern vorliegend von Erfassung des Drehwinkels gesprochen wird,
so sind hierunter auch mit dem Drehwinkel korrelierte Parameter, wie z.B. Drehgeschwindigkeit
und / oder Zeit zu verstehen.
[0011] Sofern vorliegend von "Drehmomentwerten" oder "Drehmomentverlauf" gesprochen wird,
so werden hierunter zwar vorzugsweise die tatsächlichen absoluten Drehmomentwerte
und der tatsächliche absolute Drehmomentverlauf verstanden.
[0012] Grundsätzlich werden jedoch unter "Drehmomentwerten" auch weitere Parameter verstanden,
die in Korrelation zu den Drehmomentwerten stehen. Dies sind beispielsweise Motorparameter
eines insbesondere elektrischen Antriebsmotors, die mit dem tatsächlich ausgeübten
Drehmoment korreliert sind, und zwar insbesondere derart, dass sich aus diesen weiteren
Parametern der Drehmomentverlauf ermitteln lässt, beispielsweise mit Hilfe eines mathematischen
Modells. Bei einem derartigen Parameter kann es sich auch beispielsweise um einen
Motorstrom eines Elektromotors handeln.
[0013] Um nunmehr eine Kopfauflage bei einem jeweiligen Einschraubvorgang zuverlässig zu
identifizieren ist das Überwachungsmodul derart ausgebildet, dass es während des Einschraubens
bis zur Kopfauflage für den Drehmomentverlauf eine Trendlinie ableitet sowie eine
Toleranzlinie vorgibt. Weiterhin ist das Überwachungsmodul derart ausgebildet, dass
es das Erreichen der Kopfauflage identifiziert, wenn die Trendlinie (L) oder der Drehmomentverlauf
die Toleranzlinie an einem Schnittpunkt schneidet. Ausgehend von der derart identifizierten
Kopfauflage veranlasst dann das Überwachungsmodul, dass die Schraube definiert festgezogen
wird.
[0014] Allgemein wird die Trendlinie aus vorhergehenden Drehmomentwerten abgeleitet und
kontinuierlich angepasst, sodass also der aktuelle Verlauf kontinuierlich berücksichtigt
wird, um die Trendlinie zu ermitteln.
[0015] Von wesentlicher Bedeutung ist, dass ein Schnittpunkt des Verlaufs der Trendlinie
oder des Drehmoments mit der Toleranzlinie ermittelt und dadurch die Kopfauflage identifiziert
wird. Dies beruht auf der Überlegung, dass beim Erreichen der Kopfauflage eine charakteristische
Veränderung des Drehmomentverlaufs eintritt, die sich in der Trendlinie oder direkt
im Drehmomentverlauf niederschlägt. Durch das Festlegen einer Toleranzlinie werden
natürliche Schwankungen beim Drehmomentverlauf nicht fälschlicherweise als Erreichen
der Kopfauflage identifiziert.
[0016] In bevorzugter Ausgestaltung wird der Schnittpunkt zwischen der Trendlinie und der
Toleranzlinie für die Ermittlung der Kopfauflage herangezogen. Insbesondere wird für
die Ermittlung der Trendlinie dabei eine Änderung der Steigung des Drehmomentverlaufs
berücksichtigt. Dies beruht auf der Überlegung, dass sich bei Erreichen der Drehmomentauflage
die Steigung des Verlaufs des Drehmoments, sich deutlich und markant ändert und dies
daher als ein besonders sicheres Indiz für das Erreichen der Kopfauflage unter Vermeidung
von Fehlergebnissen ausgewertet werden kann. Für die Ermittlung der Trendlinie wird
daher allgemein zuerst die Steigung des Drehmomentverlaufes bestimmt und zusätzlich
die Änderung dieser Steigung betrachtet, d. h. für die Trendlinie wird kontinuierlich
während des Schraubvorgangs ein vom Drehwinkel abhängiger Wert als momentaner Trendlinien-Wert
ermittelt, in den jeweils die aktuell ermittelte Änderung der Steigung des Drehmomentverlaufs
(bezogen auf die Steigung bei einem vorhergehenden Drehwinkelbereich) eingeht. Die
Trendlinie wird daher während des Einschraubvorgangs sukzessive und kontinuierlich
durch die einzelnen ermittelten Trendlinie- Werte und in Abhängigkeit des Drehwinkels
aufgebaut.
[0017] Die Berücksichtigung der Änderung der Steigung führt insgesamt dazu, dass die Trendlinie
bei Erreichen der Kopfauflage eine besonders starke Reaktion zeigt, welche dann zuverlässig
und sicher zur Identifizierung der Kopfauflage führt.
[0018] Zur Ermittlung der Änderung der Steigung wird dabei insbesondere auf mathematische
Funktionen oder Operationen zurückgegriffen.
[0019] In bevorzugter Ausgestaltung werden dabei eine erste Steigung des Drehmomentverlaufs
innerhalb eines ersten Bereichs des Drehwinkels sowie eine momentane Steigung des
Drehmomentverlaufs innerhalb eines momentanen Bereichs des Drehwinkels ermittelt.
Der momentane Bereich des Drehwinkels ist ein Winkelbereich von beispielsweise mehreren
Grad, insbesondere bis zum aktuellen Drehwinkel beim Einschraubvorgang. Aus der so
ermittelten ersten Steigung und der momentanen Steigung wird die Änderung abgeleitet,
aus der dann der momentane Trendlinien-Wert bestimmt wird. Die beiden Bereiche erstrecken
sich dabei vorzugsweise über einen gleichen Winkelbereich.
[0020] In zweckdienlicher Weise wird weiterhin für die Bestimmung des jeweiligen momentanen
Werts der Trendlinie die erste (frühere) Steigung sowie die momentane Steigung in
Relation zueinander gesetzt und zwar vorzugsweise durch Quotientenbildung oder durch
Subtraktion.
[0021] Durch diese Maßnahme wird der besondere Vorteil erreicht, dass die Trendlinie während
des normalen Einschraubvorgangs bis zum Erreichen der Kopfauflage einen mehr oder
weniger konstanten Verlauf zeigt, da üblicherweise während des Einschraubvorgangs
das Drehmoment typischerweise kontinuierlich ansteigt, d. h. die Steigung des Drehmomentverlaufs
ist konstant. Bei einer Quotientenbildung führt dies zu einem konstanten Wert. Bei
einer Subtraktion führt dies typischerweise zu einer Null-Linie. Erst bei Erreichen
der Kopfauflage nimmt die Steigung des Drehmoments deutlich zu, was sich in einem
besonders steilen Anstieg der Trendlinie niederschlägt, sodass der Schnittpunkt mit
der Toleranzlinie eindeutig das Erreichen der Kopfauflage identifiziert.
[0022] Zur Ermittlung der jeweiligen Steigung im ersten Bereich bzw. im momentanen Bereich
wird dabei über den jeweiligen Winkelbereich gemäß einer ersten Variante eine mathematische
Mittelwertbildung vorgenommen. Alternativ zu der mathematischen Mittelwertbildung
werden lediglich die Endpunkte dieses Bereichs betrachtet und aus diesen die Steigung
bestimmt.
[0023] Der insbesondere feste Winkelbereich für die Bestimmung der ersten bzw. der momentanen
Steigung erstreckt sich dabei vorzugweise jeweils über mehrere 10 Grad und erstreckt
sich beispielsweise auch über eine viertel (90 Grad), halbe (180 Grad), dreiviertel
(270 Grad) oder auch vollständige (360 Grad) Umdrehung.
[0024] Die für die Ermittlung der Änderung der Steigung berücksichtigten Bereiche (erster
Bereich sowie momentaner Bereich) des Drehwinkels sind weiterhin vorzugsweise voneinander
beabstandet und zwar insbesondere um einen festen Drehwinkel. Die beiden Bereiche
überlappen sich nicht. Da sich der momentane Bereich kontinuierlich mit dem Einschraubvorgang
verschiebt gilt dies auch für den ersten Bereich. Der Abstand zwischen den beiden
Bereichen (bezogen jeweils auf den Anfangs- oder Endpunkt des Bereiches) beträgt dabei
vorzugsweise mehrere 10 Grad und liegt insbesondere bei 60, 90, 120, 180, oder 360
Grad.
[0025] Vor dem Hintergrund der bis zum Erreichen der Kopfauflage üblicherweise konstanten
Trendlinie wird für die Toleranzlinie vorzugsweise ein fester, konstanter Wert vorgegeben.
Bei diesem Wert kann es sich um einen parametrisierbaren Wert handeln, d. h. seitens
des Bedieners ist dieser Wert für die Toleranzlinie einstellbar. Grundsätzlich kann
dieser jedoch unabhängig von dem jeweiligen Anwendungsfall herstellerseitig festgelegt
werden, so dass keine anwenderseitige Einstellung mehr erforderlich ist. Durch die
hier beschriebene spezielle Maßnahme mit dem charakteristischen Anstieg der Trendlinie
lediglich bei Erreichen der Kopfauflage ist der Wert für die Toleranzlinie für eine
zuverlässige Bestimmung der Kopfauflage weniger kritisch.
[0026] Insgesamt zeigt sich dadurch auch ein besonderer Vorteil dieses Verfahrens, dass
dieses eben keine Parametrisierung verlangt, die vom Anwender vorgenommen werden muss.
Bei automatischen Überwachungsfunktionen für automatisierte Einschraubvorgänge ist
nämlich häufig erforderlich, dass vom Benutzer Parametrisierungen / Einstellungen
beispielsweise zu Fensterbreiten etc. erforderlich sind, um diese z.B. für mathematische
Operationen wie Filterfunktionen oder Mittelwertbildungen vorzugeben. Diese Parametrisierungen
wirken sich jedoch häufig sehr sensitiv auf die Fehlerquote aus, sodass derartige
Parametrisierungen ein gewisses Know-How und Kenntnis über die hinterlegten Berechnungsvorgänge
erfordert.
[0027] In zweckdienlicher Weiterbildung wird zur Ermittlung des momentanen Trendlinien-Werts
die Änderung der Steigung mit einem Überhöhungsfaktor multipliziert. Zur Ermittlung
des momentanen Werts der Trendlinie wird daher die ermittelte Änderung der Steigung
mit einem zusätzlichen Faktor multipliziert, sodass die charakteristische Änderung
und der charakteristische Anstieg im Verlauf der Trendlinie noch deutlicher hervorgehoben
werden. Auch dies dient zur zuverlässigen Vermeidung von Fehlern bei der Erkennung
der Kopfauflage.
[0028] Zweckdienlicherweise nimmt dabei der Überhöhungsfaktor mit zunehmendem Drehwinkel
zu. Ergänzend oder alternativ wird der momentane Wert des Drehmoments und/ oder die
Ableitung hiervon verwendet. Insbesondere wird der Überhöhungsfaktor aus einem Produkt
mehrerer dieser Größen gebildet, insbesondere aus einem Produkt des momentanen Werts
für das Drehmoment sowie dessen Ableitung. Zumindest geht ein solches Produkt in den
Überhöhungsfaktor ein. Diese Ausgestaltung beruht allgemein darauf, dass der Drehmomentverlauf
kontinuierlich zunimmt und dass das Erreichen der Kopfauflage typischerweise erst
nach einigen Umdrehungen der Schraube, also bei einem späteren Drehwinkel erfolgt
und dass zudem bei Erreichen der Kopfauflage auch die Steigung stark zunimmt. Durch
diese Maßnahme werden daher eventuell auftretende Schwankungen beim normalen Eindrehen
der Schraube vor Erreichen der Kopfauflage mit einem geringeren Faktor gewichtet,
sodass selbst bei einem ungünstigen Drehmomentverlauf die Trendlinie allenfalls geringfügig
ansteigt. Auch dies dient zur Vermeidung von Fehlern bei der Erkennung der Kopfauflage.
[0029] Alternativ zu dieser bevorzugten ersten Methode zur Ermittlung des Schnittpunkts
zwischen der Trendlinie (als charakteristisches Maß für eine Änderung der Steigung
des Drehmomentverlaufs) und der Toleranzlinie wird gemäß einer zweiten Variante der
Schnittpunkt zwischen dem Drehmomentverlauf und der Toleranzlinie ermittelt. Die Trendlinie
gibt dabei einen angenommenen Verlauf des Drehmoments wider und die Toleranzlinie
ist um einen Toleranzabstand von der Trendlinie beabstandet.
[0030] Bei dieser Ausgestaltung wird daher insbesondere lediglich der absolute Drehmomentverlauf
betrachtet und mit einer zu erwartenden Trendlinie für die erste Phase des Schraubvorgangs
bis zum Erreichen der Kopfauflage verglichen. Durch die Festlegung eines Toleranzabstands
wird quasi ein "Trendkanal" vorgegeben, innerhalb dessen der tatsächliche Drehmomentverlauf
schwanken darf, ohne dass das Erreichen einer Kopfauflage identifiziert wird. Es wird
lediglich überprüft, wann der tatsächliche Momentanwert für das Drehmoment den Trendkanal
verlässt. Von besonderem Vorteil hierbei ist, dass für die Erkennung der Kopfauflage
keine Gradientenbildung für das Drehmoment erforderlich und auch nicht vorgesehen
ist. Kurzzeitige sprunghafte Änderungen im Drehmoment, beispielsweise bedingt durch
Materialinhomogenitäten, die beim selbstformenden Einschrauben bereits vor der Kopfauflage
zu einem kurzfristigen Drehmomentanstieg führen, führen daher nicht zu einem falschen
Erkennen einer Kopfauflage, wie dies bei der reinen Auswertung des Gradienten des
Drehmomentverlaufs erfolgen würde.
[0031] Im einfachsten Fall handelt es sich bei der Trendlinie um eine Gerade mit einer festgelegten
Steigung und die Toleranzlinie verläuft um einen fest definierten Toleranzabstand
parallel hierzu. Für unterschiedliche Anwendungsfälle sind hierzu beispielsweise unterschiedliche
Trendlinien, die sich im Hinblick auf ihren Anfangswert und/oder ihrer Steigung unterscheiden,
sowie ergänzend oder alternativ auch unterschiedliche Toleranzabstände hinterlegt.
[0032] Zur Durchführung dieser Überwachung ist das Überwachungsmodul geeignet ausgebildet.
Insbesondere handelt es sich hierbei um einen implementierten Algorithmus, welcher
als Eingangswert ein zum aktuellen Drehmomentwert korreliertes Eingangssignal erfasst
und auswertet. Der Algorithmus ist daher im Überwachungsmodul und dadurch in der Steuereinheit
integriert und definiert diese insofern funktional-gegenständlich.
[0033] Auch bei dieser Variante wird die Trendlinie während des Schraubvorgangs aus vorhergehenden
Drehmomentwerten abgeleitet und kontinuierlich angepasst. Unter vorhergehendem Drehmoment
werden solche Drehmomentwerte verstanden, die beim aktuellen Schraubvorgang bereits
erfasst wurden. Es erfolgt daher insgesamt eine dynamische, kontinuierliche Anpassung
der Trendlinie an die aktuellen Gegebenheiten während des Schraubvorgangs selbst.
Dadurch wird insgesamt ein Selbstlerneffekt erreicht. Durch diese kontinuierliche
Anpassung werden daher auch die Bedingungen für die Erkennung der Kopfauflage und
damit beispielsweise die Umschaltbedingungen für das Umschalten von der ersten Phase
in die zweite Phase kontinuierlich angepasst und insbesondere zusehends verbessert.
Bei dieser Variante der Adaption der Trendlinie an die aktuellen Gegebenheiten wird
dabei insbesondere auf die Hinterlegung von Trendlinien verzichtet.
[0034] Ein entscheidender Vorteil dieser kontinuierlichen, dynamischen Anpassung ist darin
zu sehen, dass hierdurch quasi eine Auto-Parametrierung auf die aktuell vorhandenen
Bedingungen erfolgt. Bei diesem Selbstlernprozess gehen daher infolge der Auswertung
des aktuellen Drehmomentverlaufs und der Prognose für die weitere Trendlinie die den
Schraubvorgang charakterisierenden Parameterwerte, wie beispielsweise Materialeigenschaften
des Werkstücks und/oder Material- sowie Geometrieeigenschaften der Schraube, automatisch
ein und werden berücksichtigt, ohne dass es einer expliziten Parametrierung und Erfassung
dieser verschiedenen Parameterwerte bei unterschiedlichen Anwendungen bedarf.
[0035] Zur Bestimmung der Trendlinie aus den vorhergehenden Drehmomentwerten werden vorzugsweise
an sich bekannte, insbesondere mathematische Methoden ergriffen. So besteht die Möglichkeit,
die bisher erfassten Messwerte durch einen geeigneten Kurvenfit zu approximieren und
anhand des Kurvenfits die zukünftige Trendlinie festzulegen. Im einfachsten Fall wird
bei diesem Kurvenfit der Drehmomentverlauf durch eine Gerade mit definierter Steigung
approximiert. Hierbei wird vorzugsweise jeweils ein definiertes Auswerteintervall
vorgegeben, welches für die Ermittlung und Prognose der weiteren Trendlinie herangezogen
wird.
[0036] Der Drehmomentverlauf wird hierbei in Abhängigkeit eines Verlaufsparameters erfasst.
Bei diesem handelt es sich insbesondere um einen Drehwinkel, mit dem die Schraube
eingedreht wird. Als Verlaufsparameter können grundsätzlich auch andere Parameter,
wie beispielsweise die Drehzahl, herangezogen werden. Es wird daher ein Intervallbereich
für diesen Verlaufsparameter festgelegt, welcher zur Bestimmung der zukünftigen Trendlinie
ausgewertet wird. Vorzugsweise wird für die Prognose der Trendlinie beispielsweise
ein Winkelintervall von zumindest 60° und vorzugsweise von zumindest 120° und maximal
von 180° oder 360° ausgewertet.
[0037] Gemäß einer zweckdienlichen Weiterbildung wird die Trendlinie dabei vorzugsweise
durch eine gleitende Mittelwertbildung aus dem Drehmomentverlauf abgeleitet. Hierunter
wird verstanden, dass kontinuierlich aus den erfassten Drehmomentwerten ein Mittelwert
eines vorgegebenen Intervalls des Verlaufsparameters gebildet wird. Der aktuell ermittelte
Mittelwert zuzüglich des Toleranzabstandes definiert dann den Wert der Toleranzlinie
für den nachfolgenden, aktuell erfassten Drehmomentwert.
[0038] Vorzugsweise wird ergänzend oder alternativ auch der Toleranzabstand aus vorhergehenden
Drehmomentwerten abgeleitet. Auch hier werden unter vorhergehenden Drehmomentwerten
wiederum insbesondere die während des jeweiligen Schraubvorgangs erfassten Drehmomentwerte
bis zum aktuellen Zeitpunkt verstanden. Auch der Toleranzabstand wird daher ergänzend
insbesondere kontinuierlich angepasst. Insgesamt ergibt sich dadurch quasi ein doppelter
Selbstlerneffekt, nämlich einerseits für den Verlauf der Trendlinie und andererseits
auch für den zulässigen Toleranzbereich. Die dynamische Anpassung des Toleranzabstands
beruht dabei auf der Überlegung, dass anhand des erfassten Drehmomentverlaufs zunehmend
sichere Aussagen über die Streuung und Varianz der erfassten Drehmomentwerte getroffen
werden können und dass daher der Toleranzabstand - ausgehend von einem Initial- oder
Anfangswert - kontinuierlich zur Verbesserung der Genauigkeit angepasst werden kann.
[0039] Zweckdienlicherweise wird der Toleranzabstand entsprechend auch mit Hilfe einer statistischen
Funktion als Maß für eine statistische Abweichung, z.B. Standardabweichung aus dem
zuvor erfassten Drehmomentverlauf ermittelt.
[0040] Insgesamt wird durch diese doppelte Anpassung eine zunehmend bessere Charakterisierung
der Schraubpaarung während des jeweiligen Schraubvorgangs erreicht, was zu einer Identifizierung
der Kopfauflage mit hoher Genauigkeit führt. Es werden daher quasi die aktuellen Gegebenheiten
der Schraubpaarung individuell für jeden Schraubvorgang über die Auswertung des tatsächlichen
Drehmomentverlaufs unter Anpassung einerseits der Trendlinie und andererseits des
Toleranzabstands ermittelt.
[0041] In bevorzugter Ausgestaltung ist für beide grundlegenden Varianten vorgesehen, dass
zur Erkennung der Kopfauflage keine werkstückspezifische und/oder schraubenspezifische
Parametrierung für die Bestimmung der Kopfauflage im Vorfeld erfolgt. Es ist daher
kein spezielles, geschultes Bedienpersonal und kein besonderes Know how erforderlich.
Bisher mussten anwendungsbezogen in Abhängigkeit der aktuellen Schraubverbindung Parameter
festgelegt werden, die für die Bestimmung der Kopfauflage wesentlich waren. Dies ist
nunmehr bei der hier vorgestellten Methode nicht erforderlich und auch nicht vorgesehen.
Es brauchen lediglich allgemeine Standard-Parameter für den Schraubvorgang vorgegeben
werden, die jedoch nicht für die Bestimmung der Kopfauflage relevant sind. Diese Standard-Parameter
sind insbesondere und vorzugsweise abschließend die Vorgabe einer Soll-Drehzahl, die
Vorgabe einer maximalen Überwachungszeit bis der Schraubvorgang abgebrochen wird sowie
die Vorgabe eines Weiterdrehmoments bzw. Weiterdrehwinkels ab Kopfauflage.
[0042] In bevorzugter Weiterbildung wird zu Beginn eines jeden Schraubvorgangs ein fester
Initialwert für den Toleranzbereich herangezogen. Dieser Toleranzbereich wird dabei
ausreichend groß gewählt, um zuverlässig zu Beginn des Schraubvorgangs auszuschließen,
dass der tatsächliche Drehmomentverlauf die Toleranzlinie schneidet. Bevorzugt ist
lediglich ein einziger Initialwert hinterlegt. Alternativ können auch typisierte unterschiedliche
Initialwerte beispielsweise in Abhängigkeit von typischen Schraubpaarungen oder in
Abhängigkeit von typischen Materialien für das Werkstück hinterlegt sein.
[0043] Da üblicherweise zu Beginn des Schraubvorgangs Störeffekte wirken, welche nicht zu
dem eigentlichen Schraubvorgang zählen, ist in bevorzugter Weiterbildung vorgesehen,
dass ein Anfangsintervall des Drehmomentverlaufs unberücksichtigt bleibt. Hierunter
wird verstanden, dass die ersten Drehmomentwerte sowohl für die Erkennung der Kopfauflage
als auch für die dynamische Anpassung der Trendlinie und/oder des Toleranzabstands
unberücksichtigt bleiben. Das Anfangsintervall ist durch die ersten Werte des Verlaufsparameters,
also insbesondere des Drehwinkels, definiert. Das Anfangsintervall erstreckt sich
dabei vorzugsweise über einen Winkelbereich von 180° oder auch 360° (halbe bzw. volle
Umdrehung), beginnend ab einem ersten Drehmomentanstieg infolge des Kontakts der Schraube
mit dem Werkstück.
[0044] Durch das hier gewählte Prinzip für die Erkennung der Kopfauflage anhand des Schnittpunkts
zwischen der Toleranzlinie und der Trendlinie (erste Variante) oder zwischen der Toleranzlinie
und dem tatsächlichen Drehmomentverlauf (zweite Variante) gibt - je nach Wahl des
aktuellen Toleranzabstands - der Schnittpunkt die tatsächliche Kopfauflage nur verzögert
wieder. Um eine Identifizierung des Erreichens der tatsächlichen Kopfauflage möglichst
genau zu erfassen, ist in bevorzugter Ausgestaltung weiterhin vorgesehen, dass ausgehend
von dem erfassten Drehmomentverlauf und ausgehend von dem ermittelten Schnittpunkt
auf das tatsächliche Erreichen der Kopfauflage zurückgeschlossen, insbesondere zurückgerechnet
wird. Es wird hierbei insbesondere ein Kopfauflage-Punkt, nämlich ein Kopfauflage-Drehwinkel
und/ oder ein Kopfauflage-Drehmoment ermittelt. Auch hier werden insbesondere mathematische
Methoden, wie beispielsweise ein Kurvenfit, etc., eingesetzt. Durch das Zurückrechnen
bzw. Zurückschließen wird ein definierter Wert des Verlaufsparameters, insbesondere
des Drehwinkels oder des Drehmoments ermittelt, welcher die tatsächliche Kopfauflage
angibt.
[0045] Hierzu erfolgt beispielsweise eine Interpolation des Drehmomentverlaufs im Bereich
des Schnittpunkts und Approximation des Verlaufs insbesondere durch eine Gerade. Ergänzend
wird der Drehmomentverlauf in einem definierten Intervall vor dem Schnittpunkt ebenfalls
interpoliert und insbesondere durch eine Gerade approximiert. Der Schnittpunkt dieser
beiden Geraden wird dann beispielsweise als die tatsächliche Kopfauflage identifiziert.
Für die Interpolation des Drehmomentverlaufs vor dem Schnittpunkt wird vorzugsweise
ein Intervallbereich vor dem Schnittpunkt unberücksichtigt gelassen. Dieser Intervallbereich
liegt dabei beispielsweise bei mehreren 10°, beispielsweise bei 30° oder auch bei
60°.
[0046] Alternativ zu dieser Interpolation zur Bestimmung eines Schnittpunkts wird in zweckdienlicher
Ausgestaltung der Gradient, also die Änderung des Drehmomentverlaufs vor dem Erreichen
des Schnittpunkts ausgewertet. Dabei wird - wie bei bisherigen Drehmomentüberwachungen
- eine charakteristische Änderung der Steigung des Drehmomentverlaufs als Erreichen
der tatsächlichen Kopfauflage identifiziert. Im vorliegenden Fall wird dies jedoch
nur einmalig durchgeführt, wenn nämlich bereits zuvor aufgrund des Schnittpunkts die
Kopfauflage grundsätzlich identifiziert wurde. Die Gradientenbildung dient daher lediglich
zur Bestimmung des genauen Zeitpunkts der Kopfauflage, nicht jedoch zum grundsätzlichen
Erkennen der Kopfauflage.
[0047] Für das weitere Festziehen der Schraube wird anschließend in zweckdienlicher Ausgestaltung
diese ermittelte tatsächliche Kopfauflage als Ausgangspunkt für das weitere Festziehen,
also die zweite Phase des Schraubvorgangs, herangezogen. Dieses Festziehen erfolgt
dabei in herkömmlicher Weise beispielsweise winkelgesteuert oder drehmomentgesteuert.
[0048] Bei der Schraubeinheit handelt es sich insbesondere um eine mit einem zweckdienlicherweise
elektrischen Antriebsmotor versehene Einheit und das Überwachungsmodul wertet einen
Motorkennwert zur Ermittlung des Drehmomentverlaufs aus. Hierbei handelt es sich beispielsweise
um den Motorstrom als Basis für die Berechnung des abgegebenen Drehmoments. Alternativ
wird das Drehmoment direkt mit Hilfe eines geeigneten Messwertaufnehmers gemessen.
Hierbei handelt es sich beispielsweise um einen Dehn-Messstreifen oder auch um eine
sogenannte Drehmomentmesswelle.
[0049] Ausführungsbeispiele werden nachfolgend anhand der Figuren näher erläutert. Diese
zeigen teilweise in stark vereinfachten Darstellungen:
- Fig. 1
- eine stark vereinfachte Darstellung einer Schraubeinheit zusammen mit einer selbstformenden
Schraube zur Illustration eines Einschraubvorgangs der Schraube in ein Werkstück,
- Fig. 2
- eine Blockbilddarstellung umfassend eine Steuereinheit der Schraubeinheit sowie eine
Antriebseinheit
- Fig. 3
- ein Diagramm zur Erläuterung der zuvor beschriebenen zweiten Variante, bei dem ein
erfasster Drehmomentverlauf, eine durch Mittelwertbildung gebildete Toleranzlinie
sowie eine hiervon beabstandete Toleranzlinie gegenüber einem Drehwinkel der Schraubeinheit
aufgetragen sind, sowie
- Fig. 4
- ein Diagramm zur Erläuterung der zuvor beschriebenen ersten Variante, bei dem ein
erfasster Drehmomentverlauf, ein hieraus abgeleitete Trendlinie sowie eine konstante
Toleranzline gegenüber einem Drehwinkel der Schraubeinheit aufgetragen sind.
[0050] Zur Ausführung eines automatisierten Einschraubvorgangs einer Schraube 2 in ein Werkstück
4 ist gemäß Fig. 1 eine Schraubeinheit 6 vorgesehen. Mit Hilfe der Schraube 2 wird
beispielsweise ein hier nicht näher dargestelltes Bauteil am Werkstück 4 befestigt.
Diese weist eine insbesondere als Elektromotor ausgebildete Antriebseinheit 8 auf,
die mit Hilfe einer Steuereinheit 10 angesteuert wird. Über die Antriebseinheit 8
wird eine Spindel in eine Drehbewegung um eine Rotationsachse versetzt. Beim Einschraubvorgang
wird diese Drehbewegung mit Hilfe eines stirnseitig angeordneten Angriffelements 12,
beispielsweise ein Schrauberbit oder ein Werkzeugschlüssel, auf die Schraube 2 übertragen.
[0051] Bei der Schraube 2 handelt es sich insbesondere um eine selbstformende Schraube 2,
welche also in das Werkstück 4 eingeschraubt wird, ohne dass in diesem vorhergehend
ein Gewinde eingebracht ist. Die Schraube 2 weist hierzu einen Schraubenkopf 14 sowie
einen Gewindeschaft 16 auf. Die Unterseite des Schraubenkopfes 14 bildet eine Kopfauflagefläche
18 aus.
[0052] In Fig. 1 sind drei unterschiedliche Zustände während eines jeweiligen Schraubvorgangs
dargestellt. Auf der linken Bildseite ist die Situation zu Beginn des Schraubvorgangs
dargestellt, bei der also die Schraube 2 erstmalig in Kontakt mit dem Werkstück 4
kommt. Durch einen geeigneten Anpressdruck sowie der von der Antriebseinheit 8 ausgeübten
Drehbewegung wird anschließend während einer ersten Phase des Schraubvorgangs die
Schraube 2 sukzessive in das Werkstück 4 eingedreht, bis die sogenannte Kopfauflage
K erreicht wird, die in der Bildmitte der Fig. 1 dargestellt ist. Bei dieser sogenannten
Kopfauflage K erreicht der Schraubenkopf 14 mit seiner Kopfauflagefläche 18 die Oberfläche
des Werkstücks 4, kommt also auf dieser zum Aufliegen. Das Erreichen der Kopfauflage
K ist dabei mit einem deutlichen Drehmomentanstieg verbunden.
[0053] Anschließend erfolgt dann noch ein Festziehen der Schraube 2 in einer anschließenden
zweiten Phase des Schraubvorgangs bis der Einschraubvorgang beendet ist, wie dies
auf der rechten Bildhälfte der Fig. 1 dargestellt ist. Zur Illustrierung des Festziehens
der Schraube ist beispielhaft der Schraubenkopf 14 als in das Werkstück 4 eingezogen
dargestellt.
[0054] Bei den hier insbesondere interessierenden Verschraubungen handelt es sich insbesondere
um Werkstücke 4 aus einem vergleichsweise weichen Material, insbesondere Holz, Kunststoff
oder auch Leichtmetalle wie Aluminium und Magnesium.
[0055] Die Steuerung und Überwachung des Schraubvorgangs erfolgt mit Hilfe der Steuereinheit
10, wie dies grob vereinfacht anhand der Blockbild-Darstellung in Fig. 2 dargestellt
ist. Die Steuereinheit 10 gibt ein geeignetes Steuersignal S an die Antriebseinheit
8 ab. Hierbei kann es sich entweder um ein Steuersignal im engeren Sinne handeln oder
auch um die Freigabe oder das Abschalten der Stromversorgung für den Elektromotor.
Hierzu weist die Steuereinheit 10 beispielsweise ein integriertes Steuermodul 20 auf.
Dieses erfasst beispielsweise auch den vom Elektromotor aufgenommenen Motorstrom als
charakteristischen Wert für ein aktuell vom Elektromotor auf die Schraube 2 ausgeübtes
Drehmoment m.
[0056] Die Steuereinheit 10 umfasst weiterhin ein Überwachungsmodul 22, welches beispielsweise
vom Steuermodul 20 als Eingangssignal jeweils einen aktuellen Drehmomentwert m
i oder zumindest eine zu diesem korrelierte Kenngröße erhält. Anhand der übermittelten
Drehmomentwerte m
i überwacht das Überwachungsmodul 22 den Schraubvorgang insbesondere im Hinblick auf
das Erreichen der Kopfauflage K. Sobald das Überwachungsmodul 22 die Kopfauflage K
identifiziert hat, gibt sie ein Schaltsignal k
s ab. Dieses wird beispielsweise an das Steuermodul 20 übermittelt, welches anschließend
anhand des Schaltsignals k
s die zweite Phase des Schraubvorgangs einleitet und durchführt.
[0057] Das Überwachungsmodul 22 ist zur Auswertung der Drehmomentwerte m
i geeignet ausgebildet. Das Überwachungsmodul 22 umfasst hierzu üblicherweise einen
Mikroprozessor mit einem integrierten Algorithmus, über den die Drehmomentwerte m
i in geeigneter Weise ausgewertet werden.
[0058] Das Prinzip der Erkennung und Bestimmung der Kopfauflage K wird nachfolgend anhand
der Fig. 3 näher erläutert. Anhand der jeweils aktuell erfassten Drehmomentwerte m
i ergibt sich insgesamt ein Drehmomentverlauf M. Die einzelnen Drehmomentwerte m
i werden dabei vorzugsweise in Abhängigkeit eines Drehwinkels α erfasst. Dieser Drehwinkel
α gibt die jeweilige Drehposition des Angriffselements 12 und damit auch der Schraube
2 an. Anhand des Drehwinkels α ist also die Drehbewegung der Schraube 2 charakterisiert.
Eine Drehbewegung um 360° bedeutet eine volle Umdrehung der Schraube 2 um ihre Rotationsachse.
[0059] Zur Identifizierung der Kopfauflage K werden eine sogenannte Trendlinie L sowie ein
Toleranzabstand t festgelegt und vorzugsweise während des jeweiligen Schraubvorgangs
kontinuierlich angepasst. Um den Toleranzabstand t beabstandet zur Trendlinie L verläuft
eine obere Toleranzlinie T, welche also quasi eine Obergrenze eines zulässigen Drehmoments
m für den jeweils aktuell erfassten Drehmomentwert m
i angibt.
[0060] Zu Beginn des Schraubvorgangs wird ein initialer Toleranzabstand t vorgegeben, der
zunächst ausreichend groß gewählt ist. Zweckdienlicherweise bleiben die ersten Drehmomentwerte
m
i sowohl für die Ermittlung der Trendlinie L als auch für die daraus abgeleitete Toleranzlinie
T außer Betracht. Die Toleranzlinie T wird beispielsweise erst im Anschluss nach einem
Anfangsintervall a, beispielsweise nach einem Winkelbereich von 60°, ermittelt. Der
erste Punkt der Toleranzlinie T ergibt sich dabei aus dem erfassten aktuellen Drehmomentwert
m
i zuzüglich des initialen Toleranzabstands t.
[0061] Wird der Toleranzabstand t beidseitig der Trendlinie L zur Ausbildung auch einer
unteren Toleranzlinie angetragen, so ergibt sich beidseitig der Trendlinie L ein Toleranzbereich
und damit insgesamt ein Trendkanal, innerhalb dessen die Drehmomentwerte m
i schwanken können, ohne dass auf Kopfauflage K erkannt wird.
[0062] Während des Schraubvorgangs wird die Trendlinie L dynamisch angepasst. Hierzu wird
beispielsweise eine gleitende Mittelwertbildung vorgenommen. Im Ergebnis ergibt sich
daher für die Trendlinie L insgesamt eine im Vergleich zum Drehmomentverlauf M geglättete
Kurve, welche dem Drehmomentverlauf M folgt.
[0063] Ergänzend erfolgt auch eine dynamische Anpassung des Toleranzabstands t ausgehend
von dem Initialwert zu Beginn. Zur Bestimmung des Toleranzabstands t wird insbesondere
eine statistische Auswertung des Drehmomentverlaufs M vorgenommen und es wird beispielsweise
ein Wert für eine zulässige Abweichung, beispielsweise die Standardabweichung, aus
dem bisher erfassten Drehmomentverlauf M ermittelt. Der Toleranzabstand t ist daher
insbesondere mit einer statistischen Streuung / Abweichung der erfassten Drehmomentwerte
m
i direkt korreliert. Dadurch ergibt sich eine dynamische Veränderung des Toleranzabstands
t, insbesondere eine Verringerung im Laufe des Schraubvorgangs. Der Toleranzabstand
t gibt daher ein Maß für eine zulässige Streuung der einzelnen Drehmomentwerte m
i an.
[0064] Erreicht die Schraube 2 die Kopfauflage K, so steigt das Drehmoment m sprunghaft
an. Dies führt dazu, dass der Drehmomentverlauf M die Toleranzlinie L in einem Schnittpunkt
P schneidet. Dies wird von dem Überwachungsmodul 22 als Indiz für das Erreichen der
Kopfauflage K ausgewertet.
[0065] Im nächstfolgenden Schritt wird anschließend auf das Erreichen der tatsächlichen
Kopfauflage K zurückgeschlossen, da prinzipbedingt der Schnittpunkt P nachfolgend
und damit verzögert zur tatsächlichen Kopfauflage K auftritt. Hierzu wird der Drehmomentverlauf
M in geeigneter Weise im Bereich des Schnittpunkts S ausgewertet. Speziell wird beispielsweise
in einem definierten Winkelintervall vor Erreichen des Schnittpunkts P die Veränderung
Δm/Δα des Drehmoments m im Hinblick auf einen charakteristischen Anstieg ausgewertet,
welcher dann als das Erreichen der tatsächlichen Kopfauflage K bei einem definierten
KopfauflageDrehwinkel α (K) und / oder einem definierten Kopfauflage-Drehwinkel m(K)
gewertet wird.
[0066] Ausgehend von der so bestimmten tatsächlichen Kopfauflage K erfolgt dann für den
weiteren Schraubvorgang die Steuerung in der zweiten Phase zum Festziehen der Schraube
2. Dies erfolgt insbesondere winkelgesteuert, d.h. ausgehend von dem ermittelten Kopfauflage-Drehwinkel
α (K) wird die Schraube noch um einen definierten Winkel α weiter gedreht, bevor dann
der Schraubvorgang abgebrochen wird und der Schrauber 2 zurückgezogen wird. Alternativ
wird die Schraube ausgehend vom Kopfauflage-Drehmoment m(K) drehmomentgesteuert angezogen.
[0067] In der Darstellung der Figur 4 ist der Verlauf des Drehmoments M, eine Toleranzlinie
T mit festem Wert (waagrechte Gerade) sowie eine Trendlinie L gegenüber dem Drehwinkel
α aufgetragen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei die spezielle Ermittlung der Trendlinie
L, die auch als Bewertungsfunktion bezeichnet wird. Wie gut zu erkennen ist, ist diese
während des Einschraubens bis zur Kopfauflage K, repräsentiert z.B. durch den Kopfauflage-Drehwinkel
α (K) nahezu konstant und weist nur geringe Schwankungen auf. Erst bei Erreichen der
Kopfauflage steigt die Trendlinie L sprunghaft an, sodass die konstante Toleranzlinie
T am Schnittpunkt P geschnitten wird.
[0068] Zur Ermittlung dieser Toleranzlinie L wird maßgebend die Änderung der Steigung des
Verlaufs des Drehmoments M ausgewertet. Da sich bis zum Erreichen der Kopfauflage
die Steigung des Verlaufs des Drehmoments M kaum oder nur geringfügig ändert, weist
die Trendlinie bis zur Kopfauflage K einen weitgehend konstanten Verlauf auf. Erst
bei Erreichen der Kopfauflage K führt dies zu dem dargestellten sprunghaften Anstieg
der Trendlinie L.
[0069] Zur Ermittlung der Trendlinie L wird fortlaufend, also in definierten Drehwinkel--
Abständen von beispielsweise weniger als 10 Grad (z.B. 5-10 Grad) ein jeweiliger momentaner
Wert für die Trendlinie L ermittelt. Hierzu wird die Steigung eines momentanen Drehwinkelbereichs
mit der Steigung eines ersten Drehwinkelbe- reichs verglichen. Bei dem momentanen
Drehwinkelbereich handelt es sich dabei insbesondere um einen Drehwinkelbereich ausgehend
von dem aktuellen erreichten Drehwinkeln α beim Eindrehen der Schraube. Der Drehwinkelbereich
erstreckt sich dabei typischerweise über mehrere 10 Grad oder alternativ auf über
eine viertel Umdrehung (90 Grad), eine halbe Umdrehung (180 Grad), eine dreiviertel
Umdrehung (270 Grad) oder auch eine ganze Umdrehung (360 Grad). Der erste Drehwinkel-Bereich
ist von dem momentanen Drehwinkel-Bereich beabstandet, und vorzugsweise ebenfalls
um mehrere 10 Grad oder auch 90 Grad, 180 Grad, 270 Grad oder 360 Grad. Unter Abstand
wird vorliegend der Abstand zwischen den Anfangswerten (oder zwischen den Endwerten)
der beiden Drehwinkel- Bereiche verstanden.
[0070] Für beide Drehwinkel-Bereiche, also dem ersten, früheren Drehwinkel-Bereich, sowie
dem momentanen Drehwinkel-Bereich wird dann jeweils die Steigung des Verlaufs des
Drehmoments berechnet. Hierzu wird beispielsweise der Mittelwert der Steigung für
den jeweiligen Drehwinkel-Bereich bestimmt oder es werden aus den beiden Endpunkten
des jeweiligen Drehwinkel-Bereichs die Steigungen abgeleitet. Aufgrund der zumindest
weitgehend konstanten Steigung bis zum Erreichen der Kopfauflage sind die dabei ermittelten
Steigungswerte für den ersten Bereich und den momentanen Bereich bis zum Erreichen
der Kopfauflage K üblicherweise zumindest nahezu identisch. Die beiden Steigungen
werden dann in Relation zueinander gesetzt und zwar vorzugsweise durch Quotientenbildung
oder durch Subtraktion, sodass der gewünschte konstante Wert erhalten wird, wie er
aus dem Diagramm zu entnehmen ist.
[0071] Zweckdienlicherweise wird der so erhaltene Wert noch gewichtet mit einem Erhöhungsfaktor.
Dies ist beispielsweise der momentane Wert m
i für das Drehmoment M. Da dieser Wert typischerweise kontinuierlich ansteigt, werden
Ausschläge mit zunehmendem Drehwinkel α stärker gewichtet und überhöht. Diese Maßnahme
verstärkt daher den charakteristischen Anstieg der Trendlinie bei Erreichen der Kopfauflage
K.
[0072] Insgesamt führt dies zu einem sehr sicheren Erkennen der Kopfauflage. Der besondere
Vorteil dieser Maßnahme ist darin zu sehen, dass Schwankungen und Störungen in der
Eindrehphase bis zur Erkennung der Kopfauflage stark gedämpft werden. Gleichzeitig
ist eine sehr abrupte und unverzögerte Reaktion bei Erreichen der Kopfauflage vorhanden,
was zu einem schnellen Identifizieren der Kopfauflage mit nur geringem Rechenaufwand
führt.
[0073] Von besonderem Vorteil ist weiterhin, dass ein sehr hoher Signal-Rauschabstand vorliegt,
d. h. zwischen der Eindreh-Phase bis zum Erreichen der Kopfauflage und der Phase ab
Kopfauflage besteht ein deutlicher Unterschied in den Werten für die Trendlinie L.
Darüber hinaus ist insbesondere auch aufgrund dieses guten Signal/Rauschabstands diese
Auswertemethode sehr robust und unabhängig von der speziellen Anwendung sowie der
jeweiligen Paarung aus Schraube und Werkstück. Diese Auswertemethode lässt sich daher
universell ohne Parametrisierungsaufwand implementieren und erfordert von dem Benutzer
keine zusätzlichen Einstellungen oder Parametrisierungen.
[0074] Auch bei dieser bevorzugten Methode wird ausgehend von dem ermittelten Schnittpunkt
P zurückgerechnet auf das tatsächliche Erreichen der Kopfauflage K beim Kopfauflage-Punkt
also beim Kopfauflage-Drehwinkel α (K) und / oder beim Kopfauflage-Drehmoment m(K).
Hierzu wird insbesondere eine den Drehmomentverlauf approximierende Gerade für den
Verlauf des Drehmoments M nach Erreichen des Schnittpunkts P sowie eine entsprechende
Gerade vor Erreichen des Schnittpunkts P bestimmt und deren Schnittpunkt als Kopfauflage-Punkt
α (K), m(K) gewertet. Ausgehend von diesem Kopfauflage-Punkt α (K), m(K) erfolgt dann
das Festziehen der Schraube, beispielsweise drehwinkel- oder auch drehmomentgesteuert.
Bezugszeichenliste
[0075]
- 2
- Schraube
- 4
- Werkstück
- 6
- Schraubeinheit
- 8
- Antriebseinheit
- 10
- Steuereinheit
- 12
- Angriffselement
- 14
- Schraubenkopf
- 16
- Gewindeschaft
- 18
- Kopfauflagefläche
- 20
- Steuermodul
- 22
- Überwachungsmodul
- a
- Anfangsintervall
- α
- Drehwinkel
- α (K)
- Kopfauflage-Drehwinkel
- m(K)
- Kopfauflage-Drehmoment
- K
- Kopfauflage
- ks
- Schaltsignal
- L
- Trendlinie
- M
- Drehmomentverlauf
- m
- Drehmoment
- mi
- Drehmomentwert
- P
- Schnittpunkt
- S
- Steuersignal
- T
- Toleranzlinie
- t
- Toleranzabstand
1. Schraubeinheit (6) zum Einschrauben von Schrauben (2) in ein Werkstück (4) umfassend
eine Steuereinheit (10), die zur Erkennung einer Kopfauflage (K) eines Schraubenkopfes
(14) auf dem Werkstück (4) ausgebildet ist und hierzu ein Überwachungsmodul (22) aufweist,
welches zur Erfassung von aktuellen Drehmomentwerten (m
i) in Abhängigkeit eines Drehwinkels sowie zur Überwachung eines Drehmomentverlaufs
(M) während eines jeweiligen Einschraubvorgangs ausgebildet ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22)
- aus dem Drehmomentverlauf (M) während des Einschraubens bis zur Kopfauflage (K)
eine Trendlinie (L) ableitet
- sowie eine Toleranzlinie (T) vorgibt und
- auf das Erreichen der Kopfauflage (K) erkennt, wenn die Trendlinie (L) oder der
Drehmomentverlauf (M) die Toleranzlinie (T) an einem Schnittpunkt (P) schneidet und
dass das Überwachungsmodul (22) weiterhin derart ausgebildet ist, dass
- ausgehend von der Kopfauflage (K) die Schraube (2) definiert festgezogen wird.
2. Schraubeinheit (6) nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass die Trendlinie (L) aus vorhergehenden
Drehmomentwerten (mi) abgeleitet und kontinuierlich angepasst wird.
3. Schraubeinheit (6) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass für die Ermittlung der Trendlinie
(L) die Änderung der Steigung des Drehmomentverlaufs (M) berücksichtigt wird und der
Schnittpunkt (P) der Trendlinie (L) mit der Toleranzlinie (T) bestimmt wird.
4. Schraubeinheit (6) nach einem der beiden vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass zur Ermittlung der Änderung
der Steigung des Drehmomentverlaufs (M) eine erste Steigung des Drehmomentverlaufs
(M) innerhalb eines ersten Bereichs des Drehwinkels sowie eine momentane Steigung
des Drehmomentverlaufs (M) innerhalb eines momentanen Bereichs des Drehwinkels ermittelt
werden und die erste Steigung sowie die momentane Steigung durch Quotientenbildung
oder Subtraktion in Relation zueinander gesetzt werden.
5. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 3 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass der erste Bereich und der
momentane Bereich voneinander insbesondere um einen fixen Drehwinkel von vorzugsweise
mehr als 10° beabstandet sind.
6. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 3 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass die Toleranzlinie durch einen
festen Wert gebildet ist.
7. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 3 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass die Änderung der Steigung
mit einem Überhöhungsfaktor multipliziert wird.
8. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 3 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass der Überhöhungsfaktor mit
zunehmendem Drehwinkel (α) zunimmt und/ oder der momentane Wert des Drehmoments (mi) und/oder die Ableitung hiervon verwendet wird.
9. Schraubeinheit (6) nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass die Trendlinie (L) insbesondere
durch eine gleitende Mittelwertbildung aus dem Drehmomentverlauf (M) abgeleitet wird,
dass die Toleranzlinie (T) von der Trendlinie um einen Toleranzabstand (t) beabstandet
ist und dass der Schnittpunkt (P) zwischen dem Drehmomentverlauf (M) und der Toleranzlinie
(T) bestimmt wird.
10. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 1, 2 oder 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass der Toleranzabstand (t) aus
vorhergehenden Drehmomentwerten (mi) abgeleitet wird.
11. Schraubeinheit (6) nach einem der Ansprüche 1, 2 oder 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass der Toleranzabstand (t) mit
Hilfe einer statistischen Funktion als Maß einer Abweichung des erfassten Drehmomentverlaufs
(M) ermittelt wird.
12. Schraubeinheit (6) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass das Erkennen der Kopfauflage
(K) ohne eine vorhergehende werkstückspezifische und/ oder schraubenspezifische Parametrierung
für die Bestimmung der Kopfauflage (K) erfolgt.
13. Schraubeinheit (6) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass ausgehend von dem Schnittpunkt
(P) auf einen Kopfauflage-Punkt (α(K), m(K)) für das tatsächliche Erreichen der Kopfauflage
(K) zurückgeschlossen wird.
14. Schraubeinheit (6) nach dem vorhergehenden Anspruch,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Überwachungsmodul (22) derart ausgebildet ist, dass zur Ermittlung des Kopfauflage-Punktes
(α(K), m(K)) eine Steigung des Drehmomentverlaufs (M) vor / und oder nach dem Schnittpunkt
(P) ausgewertet wird und dass als Kopfauflage-Punkt (α(K), m(K)) insbesondere ein
weiterer Schnittpunkt zweier Geraden herangezogen wird, die die Steigung vor und nach
dem weiteren Schnittpunkt repräsentieren.
15. Verfahren zum Einschrauben einer insbesondere selbstformenden Schraube (2) in ein
Werkstück (4) mit Hilfe einer Schraubeinheit (6) nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem während des Einschraubvorgangs ein Drehmomentverlauf (M) erfasst und überwacht
wird,
dadurch gekennzeichnet,
- dass
- aus dem Drehmomentverlauf (M) während des Einschraubens bis zu einer Kopfauflage
(K) eine Trendlinie (L) abgeleitet wird,
- eine Toleranzlinie (T) festlegt wird,
- auf das Erreichen der Kopfauflage (K) erkannt wird, wenn die Trendlinie (L) oder
der Drehmomentverlauf (M) die Toleranzlinie (T) an einem Schnittpunkt (P) schneidet
und dass
- ausgehend von der Kopfauflage (K) die Schraube (2) definiert festgezogen wird.