[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Teilen einer laufenden Materialbahn in
Transportrichtung in mehrere Nutzen. Derartige Vorrichtungen finden sich sowohl bei
der Produktion von Materialbahnen (z. B. Folienextrusionsanlagen) als auch bei der
Weiterverarbeitung von Materialbahnen (z. B. Druckmaschinen).
[0002] Eine Vorrichtung zum Teilen einer laufenden Materialbahn in Transportrichtung in
mehrere Nutzen umfasst typischerweise einen Längsschneider und einen Wickler. Um die
einzelnen Nutzen nach dem Längsschneider und vor dem Wickler aufzufächern (d. h. die
geschnittenen Bahnen werden auseinander geführt und vor dem Wickeln wieder parallel
geführt), ist aus
EP 2 703 326 A1 außerdem eine sogenannte Breitstreckwalzen-Einheit bekannt.
[0003] Die Verfahrensparameter an dem Längsschneider (insb. die Schnittpositionen), an der
Breitstreckwalzen-Einheit und an dem Wickler werden von dem Bediener der betreffenden
Anlage eingestellt. Die Einstellung der gesamten Verfahrensparameter ist zeitaufwendig
und aufgrund der verschiedenen Einflussgrößen zusätzlich auch fehleranfällig.
[0004] Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine Vorrichtung der eingangs genannten Art zu
schaffen, deren Verfahrensparameter möglichst schnell und zuverlässig einstellbar
sind.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Patentanspruchs 1 gelöst. Als erfindungsgemäße
Vorrichtung ist eine Vorrichtung vorgesehen mit einem Längsschneider, der mindestens
ein Messer umfasst, das mittels einer Stellvorrichtung quer zur Transportrichtung
elektronisch verstellbar ist und mit dem an der laufenden Materialbahn ein Längsschnitt
in Transportrichtung produzierbar ist, mit einem Kamerasystem, mit dem die Position
des Längsschnitts erfassbar ist und das dazu geeignet ist, ein Positionssignal über
die Position des Längsschnitts auszugeben, und mit einer Steuereinheit, mit der die
in Abhängigkeit von dem Positionssignal und in Abhängigkeit von einer vorgegebenen
Ist-Position die Stellvorrichtung ansteuerbar ist.
[0006] Nach einer bevorzugten Ausführungsform ist dem Längsschneider in Transportrichtung
eine Breitstreckwalzen-Einheit zur Auffächerung der Nutzen nachgeschaltet. Die Auffächerung
bewirkt, dass die einzelnen Nutzen erst auseinander und dann wieder parallel geführt
werden, sodass zwischen den einzelnen Nutzen ein Abstand entsteht, der die Weiterverarbeitung
erleichtert. Vorzugsweise weist die Breitstreckwalzen-Einheit einen ersten Steuereingang
zum Einstellen der Auffächerung durch die Steuereinheit auf. Hiermit kann die Einstellung
des Abstandes der einzelnen Nutzen beispielsweise über ein Bedienpult erfolgen.
[0007] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform ist der Breitstreckwalzen-Einheit
ein Wickler zum Aufwickeln der Nutzen nachgeschaltet. Vorzugsweise weist der Wickler
einen zweiten Steuereingang zum Einstellen der Wickelparameter durch die Steuereinheit
auf. Hiermit kann auch die Einstellung der Wickelparameter beispielsweise über ein
Bedienpult erfolgen.
[0008] Nach einer weiteren bevorzugten Ausführungsform umfasst das Kamerasystem eine Matrixkamera,
die dazu geeignet ist, mehrere Zustände der laufenden Materialbahn zu erfassen und
an die Steuereinheit weiterzuleiten. Bei der Matrixkamera kann es sich um eine hochauflösende
Kamera handeln. Aufgrund der hohen Auflösung ist eine nachgeschaltete Bildverarbeitung
in der Lage, die verschiedenen Bereiche vor und hinter dem Längsschneider zu erfassen
und die Zustände zu analysieren. Zusätzlich oder alternativ ist es auch möglich, dass
die Matrixkamera mit einem Positioniersystem jeweils an diejenige Position der laufenden
Materialbahn verfahren wird, deren Zustand gerade erfasst werden soll. Schließlich
ist es auch denkbar, dass mehrere Matrixkameras eingesetzt werden, sodass verschiedene
Bereiche gleichzeitig erfasst werden können. In jedem Fall ermöglicht der Einsatz
des Kamerasystems einen geschlossenen Regelkreis zur Einstellung der jeweiligen Verfahrensparameter
an dem Längsschneider, an der Breitstreckwalzen-Einheit und an dem Wickler.
[0009] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung werden anhand der beigefügten Zeichnung
beschrieben. In dieser zeigt
- Fig. 1
- eine Draufsicht auf die erfindungsgemäße Vorrichtung zum Teilen einer laufenden Materialbahn
in mehrere Nutzen.
[0010] Die laufenden Materialbahn 101 wird in Transportrichtung A einem Längsschneider 111
zugeführt, der zwei Messer 103 und 104 umfasst, die die Materialbahn 101 in die Nutzen
112, 113 und 114 aufteilt. Die Messer 103 und 104 sind auf einer ortsfesten Traverse
102 verschieblich geführt und können dabei auf der Traverse 102 mit einer nicht näher
gezeigten Stellvorrichtung elektronisch verstellt werden.
[0011] Hinter dem Längsschneider 111 werden die Nutzen 112, 113 und 114 einer Breitstreckwalzen-Einheit
115 zugeführt. Die Breitstreckwalzen-Einheit umfasst die beiden Breitstreckwalzen
105 und 106, die die Nutzen 112, 113 und 114 in der gezeigten Weise erst auseinander
und dann wieder parallel führen. Zur elektronischen Einstellung dieser Auffächerung
weisen die Breitstreckwalzen 105 und 106 einen nicht näher gezeigten ersten Steuereingang
auf.
[0012] Hinter der Breitstreckwalzen-Einheit 115 werden die Nutzen 112, 113 und 114 schließlich
einem Wickler 116 zugeführt. Der Wickler 116 weist einen nicht näher gezeigten zweiten
Steuereingang auf, mit dem die einzelnen Wickelparameter (Wickelgeschwindigkeit, Spannung
der Materialbahn bzw. der einzelnen Nutzen, etc.) elektronisch eingestellt werden
können.
[0013] Über der gezeigten Vorrichtung bestehend aus Längsschneider 111, Breitstreckwalzen-Einheit
115 und Wickler 116 ist eine Kamera 108 montiert, die an einer Traverse 107 quer zur
Transportrichtung A verschieblich geführt ist. Die Traverse 107 ist wiederum auf den
ortsfesten Schienen 109 und 110 in der Transportrichtung A verschieblich geführt,
sodass im Ergebnis mit der Kamera 108 jeder Punkt der gezeigten Vorrichtung angefahren
werden kann. Gleichzeitig verfügt das Kamerasystem 117 aufgrund der verschieblich
geführten Traverse 107 und den ortsfesten Schienen 109 und 110 über ein eigenes Koordinatensystem,
das zur Einstellung der verschiedenen Verfahrensparameter der gezeigten Vorrichtung
als Referenz-Koordinatensystem dienen kann.
[0014] Zur automatisierten Einstellung der verschiedenen Verfahrensparameter der gezeigten
Vorrichtung kann wie folgt verfahren werden:
Zunächst gibt der Bediener auf dem nicht näher gezeigten Bedienpult die Schnittpositionen
ein, an denen die laufende Materialbahn 101 geteilt werden soll. Die ebenfalls nicht
näher gezeigte Steuereinheit gibt daraufhin entsprechende Stellsignale an die Stellvorrichtung
der ortsfesten Traverse 102 aus, sodass die Messer 103 und 104 an die gewünschten
Positionen gefahren werden und die Nutzen 112, 113 und 114 produzieren.
[0015] In einem nächsten Schritt erfasst die Kamera 108 nacheinander die tatsächlichen Positionen
der Längsschnitte und gibt entsprechende Positionssignale an die Steuereinheit aus.
Die Positionssignale können beispielsweise durch eine Bildverarbeitung gewonnen werden,
indem eine entsprechende Software die tatsächlichen Schnittpositionen mit den vorgegebenen
Schnittpositionen anhand eines Referenzbildes vergleicht. In Abhängigkeit von den
Positionssignalen und der vorgegebenen Ist-Positionen steuert die Steuereinheit wiederum
die Stellvorrichtung derart an, dass die laufende Materialbahn genau an den gewünschten
Positionen geteilt wird. Auf diese Weise ist somit ein geschlossener Regelkreis zur
genauen Positionierung der Messer 103 und 104 hergestellt.
[0016] Aufgrund der eingegebenen Schnittpositionen sowie der Materialeigenschaften der laufenden
Materialbahn 101 berechnet die Steuereinheit außerdem die optimale Auffächerung der
Breitstreckwalzen-Einheit 115 sowie die optimalen Wickelparameter des Wicklers 116
und leitet diese Parameter an den ersten Steuereingang der Breitstreckwalzen-Einheit
115 und den zweiten Steuereingang des Wicklers 116 weiter. Die tatsächlichen Zustände
der Parameter an der Breitstreckwalzen-Einheit 115 und an dem Wickler 116 werden wiederum
durch die Kamera 108 erfasst und an die Steuereinheit weitergeleitet, sodass auch
hinsichtlich der Parameter der Breitstreckwalzen-Einheit 115 und der Parameter des
Wicklers 116 ein geschlossener Regelkreis entsteht.
[0017] Im Ergebnis ist es mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung somit möglich, dass sämtliche
Vorgänge zum Teilen einer laufenden Materialbahn in Transportrichtung automatisiert
und gleichzeitig sehr zuverlässig durchgeführt werden können.
1. Vorrichtung zum Teilen einer laufenden Materialbahn in Transportrichtung in mehrere
Nutzen,
mit einem Längsschneider, der mindestens ein Messer umfasst, das mittels einer Stellvorrichtung
quer zur Transportrichtung elektronisch verstellbar ist und mit dem an der laufenden
Materialbahn ein Längsschnitt in Transportrichtung produzierbar ist,
mit einem Kamerasystem, mit dem die Position des Längsschnitts erfassbar ist und das
dazu geeignet ist, ein Positionssignal über die Position des Längsschnitts auszugeben,
und
mit einer Steuereinheit, mit der die in Abhängigkeit von dem Positionssignal und in
Abhängigkeit von einer vorgegebenen Ist-Position die Stellvorrichtung ansteuerbar
ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, wobei dem Längsschneider in Transportrichtung eine Breitstreckwalzen-Einheit
zur Auffächerung der Nutzen nachgeschaltet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, wobei die Breitstreckwalzen-Einheit einen ersten Steuereingang
zum Einstellen der Auffächerung durch die Steuereinheit aufweist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 2 oder 3, wobei der Breitstreckwalzen-Einheit ein Wickler
zum Aufwickeln der Nutzen nachgeschaltet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, wobei der Wickler einen zweiten Steuereingang zum Einstellen
der Wickelparameter durch die Steuereinheit aufweist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 5, wobei das Kamerasystem eine Matrixkamera
umfasst, die dazu geeignet ist, mehrere Zustände der laufenden Materialbahn zu erfassen
und an die Steuereinheit weiterzuleiten.
7. Folienextrusionsmaschine zum Produzieren einer Folienbahn, dadurch gekennzeichnet, dass die produzierte Folienbahn einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 6 zugeführt
wird.
8. Flexodruckmaschine zum Bedrucken einer laufenden Materialbahn, dadurch gekennzeichnet, dass die bedruckte Materialbahn einer Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 6 zugeführt
wird.