GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die Erfindung betrifft Verfahren und Vorrichtungen zum Überprüfen der Baubarkeit
eines virtuellen Prototyps in der Produktentwicklung, beispielsweise in der Kraftfahrzeug-,
Luftfahrt-, Raumfahrt-, Schiffbau-, allgemeinen Maschinenbau- und/oder Konsumgüterindustrie.
HINTERGRUND
[0002] Technische Produkte werden immer komplexer und bestehen heute aus einer Vielzahl
von einzelnen Bauteilen, die miteinander interagieren. Vor Entstehung der ersten Hardware-Prototypen
existiert bereits eine präzise digitale Beschreibung des Produktes im Rechner. Dieser
virtuelle Prototyp wird im Lauf des Entwicklungsprozesses ständig aktualisiert und
auf z.B. geometrische oder technisch-physikalische Baubarkeit überprüft. Dieser kontinuierliche
Prüfungsprozess des virtuellen Prototypen ist heute im Wesentlichen ein kontinuierlich
und zyklisch durchgeführter dreistufiger Prozess:
Stufe 1: Rechnergestütztes Ermitteln einer vollständigen Liste von möglichen Problemstellen.
Dabei ist Vollständigkeit so zu verstehen, dass alle "kritischen" Problemfälle in
der Liste enthalten sein sollen (vgl. Stufe 2). Diese können etwa sein:
- Orte, an welchen Kollisionen und Abstandsunterschreitungen von virtuellen Bauteilen
bei statischer (Ruhezustand) bzw. dynamischer Betrachtung (z.B. Montage oder Betrieb
des Produktes) auftreten.
- Orte, an welchen Kombinationen und räumliche Nachbarschaften von Bauteilen und Materialien
auftreten, welche die audio-visuelle Ästhetik des Endanwenders z.B. durch Knarzen
oder Klappern beeinträchtigen oder die Verwendbarkeit (engl. "usability") stören.
- Orte, an welchen eine simulativ ermittelbare Gefährdung der Produktfunktion vorliegt
(z.B. übermäßige Hitzeentwicklung bei gleichzeitiger Unterschreitung von Mindestabstandsvorgaben,
oder unzureichende Festigkeit von Bauteilen).
Stufe 2: Bewerten der auf der zuvor ermittelten Liste erfassten möglichen Problemstellen
als "kritische" oder "unkritische" Problemstellen. Nur bei den "kritischen" Problemstellen
besteht ein Handlungsbedarf. Ein Rechner ist heute nicht in der Lage, eine selbständige
Bewertung der möglichen Problemstellen vorzunehmen, daher erfolgt eine Einzelbewertung
der möglichen Problemstellen durch menschliche Experten. Die Liste der möglichen Problemstellen
ist dabei ohne weiteres Zutun willkürlich sortiert.
Stufe 3: Dokumentieren der möglichen Problemstellen und Verfolgen ihrer weiteren Entwicklung
bzw. Lösung im Lauf des Produktlebenszyklus (engl. "issue management"), wobei insbesondere
virtuelle Bauteilpaarungen zusammen mit ihrer relativen Lage als mögliche Problemstellen
verfolgt werden. Einmal als "unkritisch" bewertete Problemstellen werden dabei dem
Experten im nächsten Schritt nicht mehr vorgelegt. Allerdings führen Änderungen an
den verfolgten virtuellen Bauteilen des virtuellen Produktes und/oder an deren Lage
zueinander zur Wiedervorlage als eine mögliche Problemstelle (siehe Stufe 2).
[0003] Insbesondere die Bewertung in Stufe zwei des oben beschriebenen Prozesses weist heute
folgende Schwachstellen auf:
- Selbst "einfach zu entscheidende" mögliche Problemstellen werden einem menschlichen
Bewerter vorgelegt.
- Ähnlichkeit oder Identität unter möglichen Problemstellen wird nicht für Bewertungszwecke
genutzt.
- Mögliche Problemstellen können in neuen Entwicklungsprojekten (Erstbewertung) zu Hunderttausenden
oder Millionen anfallen. Ein Experte bewertet jedoch maximal wenige hundert Problemstellen
pro Tag zuverlässig. Dieses Missverhältnis der Größenordnungen kann die Machbarkeit
der Erstbewertung in Frage stellen. In jedem Fall entstehen erhebliche Personalkosten.
- Menschliche Experten neigen bei nachlassender Konzentration zu Fehlbewertungen. Begünstigt
wird dies durch Faktoren wie eine routinemäßige Durchführung einer großen Anzahl von
Bewertungen oder die ungeordnete Vorlage verschiedener möglicher Problemstellen. Fehlbewertungen
in einer so frühen Entwicklungsphase können in einer späteren Produktphase zu hohen
Folgekosten führen.
- Herkömmliche Softwaretools, die ein Experte zur Bewertung nutzt, sind nicht auf die
Aufgabe der Bewertung zugeschnitten und erfordern aufgrund Ihrer Komplexität und unabhängig
von der fachlichen Qualifikation des Experten eine intensive Einarbeitung und Schulung.
Die routinemäßige Durchführung einer Abfolge von immer gleichen Schritten bei der
Bedienung dieser Tools ist zeitintensiv und ermüdend.
[0004] In der
EP 1 111 487 A1 wird zum Überprüfen der Baubarkeit eines aus mehreren Bauteilen bestehenden Produkts,
welches z.B. in der Kraftfahrzeug-, Luft-, Raumfahrt-, Schiffbau- und/oder Konsumgüterindustrie
eingesetzt wird, vorgeschlagen, rechnergestützt, d.h. automatisch, digitale Baugruppendaten,
welche räumliche Geometrieinformationen über eine bereits vorhandene Baugruppe enthalten,
digitale Bauteiledaten, welche räumliche Geometrieinformationen über ein an der Baugruppe
zu montierendes Bauteil enthalten, und digitale Positionsdaten, welche eine Positionssequenz
mit mindestens zwei räumlichen Positionen beschreiben, wobei eine erste Position dem
montierten Zustand des Bauteils und eine zweite Position dem demontierten Zustand
des Bauteils entspricht, auszuwerten, um automatisch einen geeigneten Pfad für die
Montage und/oder Demontage des Bauteils zu ermitteln, welcher eine kollisionsfreie
Bewegung des Bauteils von der ersten Position in die zweite Position und/oder umgekehrt
ermöglicht.
[0005] Die
EP 1 067 479 A1 offenbart eine automatische Verifizierung der an unterschiedlichen Arbeitsplätzen
konstruierten mehreren Bauteile eines Produkts, beispielsweise eines Kraftfahrzeugs,
bei der Erstellung einer digitalen Abbildung des Produkts während dessen Konstruktionsphase.
Zu diesem Zweck werden die bei der rechnergestützten Konstruktion der einzelnen Bauteile
erzeugten digitalen Bilddaten in regelmäßigen Abständen über ein Datenübertragungsnetz
automatisch eingelesen und zu einer digitalen Abbildung des gewünschten Produkts zusammengesetzt.
Anschließend wird automatisch die Passform der einzelnen Bauteile in Bezug auf die
somit erzeugte digitale Abbildung des Produkts verifiziert. Die Verifizierung wird
vorzugsweise ebenfalls automatisch in regelmäßigen Abständen durchgeführt und kann
sowohl zentral als auch dezentral erfolgen.
ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
[0006] Es besteht ein Bedarf an Verfahren und Vorrichtungen, welche das Überprüfen der Baubarkeit
eines virtuellen Prototyps effizienter, schneller und fehlerfreier gestalten.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs
1, einen Datenträger mit den Merkmalen des Anspruchs 16 und eine Vorrichtung mit den
Merkmalen des Anspruchs 17 gelöst. Die abhängigen Ansprüche definieren bevorzugte
und/oder vorteilhafte Ausführungsformen der Erfindung.
[0008] Nach Ausführungsbeispielen werden Verfahren und Vorrichtungen zum Überprüfen der
Baubarkeit eines virtuellen Prototyps angegeben, welche insbesondere das Bewerten
der möglichen Problemstellen, welche beim Zusammenfügen des virtuellen Prototyps aus
virtuellen Bauteilen auftreten können, effizienter, schneller und fehlerfreier gestalten.
[0009] Mit derartigen Verfahren und Vorrichtungen können die Anzahl der durch menschliche
Experten vorzunehmenden Bewertungen, der Arbeits- und Zeitaufwand sowie die Fehlbewertungsquote
reduziert werden.
[0010] Ein Verfahren zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps nach einem
Ausführungsbeispiel umfasst ein automatisches Ermitteln von möglichen Problemstellen,
welche beim Zusammenfügen des virtuellen Prototyps aus virtuellen Bauteilen auftreten
können und vorgegebenen konstruktiven, physikalischen und/oder ästhetischen Anforderungen
nicht genügen. Das Verfahren umfasst ein durch ein Rechnersystem assistiertes Bewerten
mindestens einer der möglichen Problemstellen als eine kritische oder unkritische
Problemstelle in Abhängigkeit von mehreren konstruktiven, physikalischen und/oder
ästhetischen Merkmalen der jeweiligen möglichen Problemstelle.
[0011] Die virtuellen Bauteile eines virtuellen Prototyps liegen als digitale Beschreibung,
insbesondere in Form von CAD-Daten, verallgemeinerten Voxel-Daten oder Triangulierungen
vor. Daten verschiedenen Datenformats können hierbei zunächst in ein einheitliches
Format gebracht werden. Vorzugsweise werden dann zum Überprüfen der Baubarkeit des
virtuellen Prototyps seine virtuellen Bauteile planungsgemäß zueinander platziert,
bevor die vorgegebenen Anforderungen geprüft und demzufolge die möglichen Problemstellen
identifiziert werden. Die möglichen Problemstellen weisen eine Menge von konstruktiven,
physikalischen und/oder ästhetischen Merkmalen auf, welche sich insbesondere aus den
Merkmalen und Eigenschaften der beteiligten virtuellen Bauteile speist und/oder davon
abgeleitet ist.
[0012] Beispiele für konstruktive Merkmale sind Form und Abmessungen einzelner Bauteile.
Physikalische Merkmale können etwa Temperaturwerte sein, welche einer zuvor durchgeführten
thermodynamischen Simulation entnommen sind. Ästhetische Merkmale können z.B. Angaben
zur Geräuschentwicklung bei der Kombination bestimmter Materialien sein.
[0013] Die mehreren Merkmale der möglichen Problemstelle können zum Bewerten derselben als
kritische oder unkritische Problemstellen herangezogen werden.
[0014] Die mehreren Merkmale können ein Schnittvolumen der jeweiligen möglichen Problemstelle,
mit dem sich einige der virtuellen Bauteile in dem virtuellen Prototyp überschneiden,
umfassen.
[0015] Ein Schnittvolumen wird vorzugsweise dadurch ermittelt, dass die Geometrien der an
einer möglichen Problemstelle beteiligten virtuellen Bauteile bezüglich ihrer äußersten
Hülle als Festkörper interpretiert und mengentheoretisch geschnitten werden. Ferner
lassen sich aus dem Schnittvolumen abgeleitete geometrische Merkmale ermitteln. Zudem
können auch den einzelnen beteiligten virtuellen Bauteilen manche dieser vorgenannten
geometrischen Merkmale oder auch Merkmale aus deren MetaDaten entnommen werden (z.B.
Material, Verwendungshinweise, räumliche Position innerhalb der Produktstruktur, Schlüsselwörter
wie etwa "Schraube").
[0016] Vorteilhaft können Schnittvolumina und daraus abgeleitete Merkmale das Bewerten der
zugrunde liegenden möglichen Problemstellen dadurch verbessern, dass sie diese besser
beschreibbar bzw. unterscheidbar machen.
[0017] Das assistierte Bewerten kann ein gemeinsames Bewerten von möglichen Problemstellen
umfassen, welche gleiche mehrere Merkmale aufweisen.
[0018] Vorteilhaft lassen sich solche möglichen Problemstellen, deren Bewertung aufgrund
von Merkmalsidentität zu einem immer gleichen Bewertungsergebnis führen würde, zusammenfassen
und einheitlich bewerten. Dies führt zu einem effizienteren Überprüfen der Baubarkeit
des virtuellen Prototyps. Beispielsweise ist Merkmalsidentität bei numerischer geometrischer
Gleichheit gegeben.
[0019] Das assistierte Bewerten kann ein Klassifizieren der jeweiligen möglichen Problemstelle
anhand der mehreren Merkmale der möglichen Problemstelle in eine von mehreren Problemklassen
umfassen.
[0020] Die mehreren Merkmale einer möglichen Problemstelle sind als Merkmalsvektor interpretierbar.
Bei Wahl einer geeigneten Metrik lassen sich die möglichen Problemstellen so in einen
mehrdimensionalen metrischen Merkmalsraum abbilden.
[0021] Falls geeignete (Unterscheidungs-)Merkmale vorliegen, bilden mögliche Problemstellen
mit ähnlichen Merkmalswerten darin in der Regel unterscheidbare Ballungen (Cluster).
[0022] Zwischen den jeweiligen Merkmalsvektoren von je zwei möglichen Problemstellen kann
mathematisch eine Differenz, d.h. eine Entfernung oder ein Abstand in diesem mehrdimensionalen
Raum, angegeben werden. Dies geschieht durch Wahl einer geeigneten Metrik, so dass
ein geringer Abstand auf Ähnlichkeit möglicher Problemstellen hinweist. Das entspricht
insbesondere einer Gewichtung der Merkmale einer jeweiligen möglichen Problemstelle,
so wie diese auch von einem menschlichen Experten vorgenommen werden würde, um mögliche
Problemstellen als ähnlich zu identifizieren.
[0023] Bevorzugt sind bestimmte Abschnitte des mehrdimensionalen Raums jeweils einer Problemklasse
zuordenbar, in welche solche möglichen Problemstellen fallen, welche zueinander ähnlich
sind. Ähnlichkeit basiert in diesem Zusammenhang vorzugsweise auf ähnlichen Merkmalswerten
bestimmter der mehreren Merkmale der zugrunde liegenden möglichen Problemstellen,
oder auf einer Entfernung zwischen ihren Merkmalsvektoren. Dementsprechend definieren
sich Problemklassen nicht notwendigerweise über sämtliche der mehreren Merkmale der
möglichen Problemstellen.
[0024] Idealerweise fallen unter die Problemklassen bei geeigneter Definition derselben
lediglich solche möglichen Problemstellen, welche einheitlich zu bewerten sind. Sofern
auch nur für eine einzige mögliche Problemstelle eine Bewertung durchgeführt wurde,
steht in der Folge die Bewertung aller anderen möglichen Problemstellen dieser Problemklasse
fest. Dies führt zu einem effizienteren Überprüfen der Baubarkeit des virtuellen Prototyps.
[0025] Zumindest eine der mehreren Problemklassen kann für den Verfahrensablauf vorgegeben
sein.
[0026] Vorteilhaft lassen sich so beispielsweise Problemklassen mit bekannten Bewertungen
aus bereits bewältigten Entwicklungsprojekten übernehmen. Dies führt zu einem effizienteren
Überprüfen der Baubarkeit des virtuellen Prototyps, weil sich bekannte Bewertungen
in das aktuelle Entwicklungsprojekt übernehmen lassen.
[0027] Das Klassifizieren der jeweiligen möglichen Problemstelle in die vorgegebene Problemklasse
kann ein vollautomatisches Klassifizieren anhand einer heuristischen Bewertungsfunktion
umfassen, welche für die vorgegebene Problemklasse spezifisch ist.
[0028] Vorteilhaft für den Bewertungsdurchsatz insbesondere bei Erstbewertungen in einem
Entwicklungsprojekt ist, wenn in bestimmte Problemklassen fallende mögliche Problemstellen,
welche einer vollautomatischen Bewertung zugänglich sind, dem menschlichen Experten
letztlich nicht mehr zur Bewertung vorzulegen sind, weil sie einer vorgegebenen Problemklasse
mit bekannter Bewertung zuzuordnen sind.
[0029] Eine heuristische Bewertungsfunktion ist vorliegend eine Bewertungsfunktion, welche
auf Erfahrung basiert und ein Zuversichtsmaß für die richtige Klassifikation liefert.
[0030] Zumindest eine der mehreren Problemklassen kann während des Verfahrensablaufs vollautomatisch
ermittelt werden.
[0031] Ein vollautomatisches Ermitteln von Problemklassen kann von dem Rechnersystem anhand
von unüberwachtem ("unsupervised") maschinellen Lernen selbständig durchgeführt werden.
Hierbei wird die Menge aller möglichen Problemstellen automatisch geclustert, d.h.
Problemklasse ergeben sich aufgrund der gegenseitigen Lage der in dem metrischen Merkmalsraum
abgebildeten Merkmalsvektoren der möglichen Problemstellen.
[0032] Vorteilhaft wird hierdurch insbesondere eine Erstbewertung in einem Entwicklungsprojekt
beschleunigt, für welches zunächst keine geeignete Problemklassifizierung gegeben
ist, die besagt, welche der mehreren Merkmale und welche Wertebereiche dieser Merkmale
sich am besten zur Bildung einheitlich zu bewertender Problemklassen eignen.
[0033] Das assistierte Bewerten kann ein vollautomatisches Verknüpfen der jeweiligen möglichen
Problemstelle anhand eines Verweises auf eine bereits bewertete Problemstelle umfassen,
welche die gleichen mehreren Merkmale und/oder die gleiche Problemklasse aufweist.
[0034] Vorteilhaft kann durch ein Verweisen auf ähnliche Problemstellen (d.h. Problemklassen)
oder identische Problemstellen aus vorausgegangenen Bewertungen diesen ein Bewertungshinweis
oder eine fertige Bewertung entnommen werden.
[0035] Die vorausgegangene Bewertung kann beispielsweise im gleichen oder einem früheren
Entwicklungsprojekt getätigt worden sein.
[0036] Das assistierte Bewerten kann ein Bereitstellen weiterer konstruktiver, physikalischer
und/oder ästhetischer Informationen umfassen, welche für die Problemklasse der jeweiligen
möglichen Problemstelle spezifisch und von den mehreren Merkmalen der möglichen Problemstelle
abgeleitet sind.
[0037] Die Anreicherung durch zusätzliche Informationen kann dem menschlichen Experten darin
unterstützen, in kurzer Zeit sämtliche Aspekte der zur Bewertung vorgelegten möglichen
Problemstelle zu erfassen.
[0038] Vorteilhaft lässt sich zudem die Menge der für das Überprüfen der Baubarkeit des
virtuellen Prototyps in einem Speicher vorzuhaltenden Daten minimieren und diese erst
im Bedarfsfall durch Details anreichern, wenn sich der menschliche Experte der konkret
zu bewertenden möglichen Problemstelle zuwendet.
[0039] Die weiteren Informationen können mindestens eine räumliche Ansicht und/oder mindestens
eine Schnittebene der jeweiligen möglichen Problemstelle umfassen.
[0040] Auch die Anreicherung durch zusätzliche räumliche Ansichten und/oder Schnittebenen
kann den menschlichen Experten darin unterstützen, in kurzer Zeit sämtliche Aspekte
der zur Bewertung vorgelegten möglichen Problemstelle zu erfassen. Aussagekräftige
räumliche Ansichten von Schnittvolumen und/oder Schnittebenen sind dabei insbesondere
aus den Hauptachsen des Schnittvolumens und/oder der beteiligten virtuellen Bauteile
bestimmbar.
[0041] Das assistierte Bewerten kann ein Sortieren der möglichen Problemstellen in eine
Bewertungsreihenfolge anhand der Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle
umfassen.
[0042] Vorteilhaft für die Fehlbewertungsquote und den Bewertungsdurchsatz des menschlichen
Bewerters ist, wenn zueinander ähnliche mögliche Problemstellen aufeinanderfolgend
zur Bewertung vorgelegt werden, so dass sich der Kontext der zur Bewertung vorgelegten
möglichen Problemstellen nicht ständig ändert.
[0043] Die Problemklasse ist als Kriterium für eine Sortierung der möglichen Problemstellen
nutzbar, da unter diese per Definition zueinander ähnliche mögliche Problemstellen
fallen.
[0044] Zusätzlich ist auch innerhalb von Problemklassen eine Sortierung vornehmbar, beispielsweise
anhand der Werte zumindest eines Merkmals der jeweiligen möglichen Problemstelle.
[0045] Das assistierte Bewerten kann ferner ein Sortieren der möglichen Problemstellen in
eine Bewertungsreihenfolge anhand einer von mehreren Prioritätsstufen umfassen, welche
für die Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch ist, wobei
jede der mehreren Prioritätsstufen einer unterschiedlich kritischen Problemstelle
entspricht.
[0046] Vorteilhaft für die frühzeitige Elimination besonders kritischer möglicher Problemstellen
im Entwicklungsprozess ist, wenn diese vorrangig zur Bewertung vorgelegt werden. Mithin
können dadurch auch weniger kritische mögliche Problemstellen hinfällig werden.
[0047] Die mehreren Prioritätsstufen werden bevorzugt im Rahmen eines Rückgriffs auf bereits
bewältigte Entwicklungsprojekte abgeleitet. Alternativ ist auch eine feste Vorgabe
möglich.
[0048] Das assistierte Bewerten kann ein Zuordnen der möglichen Problemstellen zu verfügbaren
Bewertungszeiträumen anhand einer von mehreren Komplexitätsstufen umfassen, welche
für die Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch ist, wobei
jede der mehreren Komplexitätsstufen einem unterschiedlichen Komplexitätsgrad beim
Bewerten der jeweiligen möglichen Problemstelle entspricht.
[0049] Vorteilhaft für die Fehlbewertungsquote und den Bewertungsdurchsatz des menschlichen
Experten ist, wenn dieser entscheiden (lassen) kann, wann er welche Problemklassen
bewerten möchte. So eignen sich für schwierig zu bewertende Problemklassen insbesondere
Phasen hoher Konzentrationsfähigkeit (z.B. morgens), während einfach zu bewertende
Problemklassen auch zwischendurch bewertbar sind.
[0050] Die mehreren Komplexitätsstufen und die dafür jeweils am besten geeigneten tageszeitlichen
Bewertungszeiträume sind vorzugsweise aus bereits bewältigten Entwicklungsprojekten
abzuleiten oder alternativ vorzugeben.
[0051] Das assistierte Bewerten kann eine Nutzerführung, welche für die Problemklasse der
jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch ist, zur Unterstützung eines Nutzers
beim Bewerten der jeweiligen möglichen Problemstelle umfassen.
[0052] Vorteilhaft für den Bewertungsdurchsatz des menschlichen Experten ist, wenn durch
eine Nutzerführung eine geführte Bewertung erfolgt, welche auf die Problemklasse der
zu bewertenden möglichen Problemstelle zugeschnitten ist. Dabei wird der menschliche
Experte bei der Durchführung seiner Bewertungsaufgabe ähnlich einer Wizard-Funktion
durch eine Reihe von für die zugrunde liegende Problemklasse spezifischen Bedienschritten
führt.
[0053] Vorzugsweise entfallen dabei auch Einarbeitungs- und Schulungsaufwände des menschlichen
Experten für herkömmlicherweise verwendete, funktionell überdimensionierte CAD-Anwendungen.
[0054] Das assistierte Bewerten kann ein vollautomatisches Bewerten der jeweiligen möglichen
Problemstelle anhand einer unter Überwachung durch einen Nutzer gelernten Bewertungsfunktion
umfassen, welche für die Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch
ist.
[0055] Eine vollautomatische Bewertung kann dementsprechend auch mittels einer auf maschinellem
Lernen basierenden, überwacht ("supervised") gelernten Bewertungsfunktion erfolgen.
Bevorzugt findet dies unter Vorgabe einer Reihe von Problemklassen mit zugehörigen
Bewertungen statt, welche dann anhand von Trainingsdaten gelernt werden. Die Trainingsdaten
sind prinzipiell jedem System zur Problemstellenverwaltung entnehmbar.
[0056] Vorzugsweise ist die Bewertungsfunktion nach dem Training in der Lage, zu neuen,
aber den gelernten Trainingsdaten ähnlichen Merkmalsvektoren korrekte Bewertungen
zu liefern. Diese Bewertungen können bei Fehlbewertungsquoten, welche unter jenen
menschlicher Bewerter liegen, direkt übernommen werden. Alternativ können Stichprobenkontrollen
durch den menschlichen Bewerter vorgenommen werden.
[0057] Ein Datenträger mit rechnerlesbaren Anweisungen nach einem Ausführungsbeispiel kann
derart ausgestaltet sein, dass diese bei Ausführung durch ein Rechnersystem dieses
veranlassen, das Verfahren gemäß einem Ausführungsbeispiel durchzuführen.
[0058] Eine Vorrichtung zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps nach einem
Ausführungsbeispiel umfasst eine Problemstellen-Ermittlungseinrichtung, welche dazu
eingerichtet ist, den virtuellen Prototyp aus virtuellen Bauteilen zusammenzufügen
und mögliche Problemstellen automatisch zu ermitteln, welche beim Zusammenfügen auftreten
können und vorgegebenen konstruktiven, physikalischen und/oder ästhetischen Anforderungen
nicht genügen. Die Vorrichtung ist gekennzeichnet durch eine Bewertungseinrichtung,
welche dazu eingerichtet ist, ein Bewerten mindestens einer der möglichen Problemstellen
als eine kritische oder unkritische Problemstelle in Abhängigkeit von mehreren konstruktiven,
physikalischen und/oder ästhetischen Merkmalen der jeweiligen möglichen Problemstelle
zu assistieren.
[0059] Die Bewertungseinrichtung kann durch ein Rechnersystem gebildet sein.
[0060] Insbesondere ist ein nach der Von-Neumann-Architektur, der Harvard-Architektur oder
einer Mischform dieser Architekturen gestaltetes Rechnersystem als Bewertungseinrichtung
einsetzbar.
[0061] Die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung kann zugleich die Bewertungseinrichtung
sein.
[0062] Ein Zusammenlegen von Problemstellen-Ermittlungseinrichtung und Bewertungseinrichtung
kann insbesondere dann vorteilhaft sein, wenn nicht bereits eine separate Problemstellen-Ermittlungseinrichtung
für das Zusammenzufügen des virtuellen Prototyps aus virtuellen Bauteilen und das
automatische Ermitteln der möglichen Problemstellen zum Einsatz kommt. Dadurch ist
es möglich, die vorzuhaltende IT-Infrastruktur zu vereinfachen.
[0063] Die Bewertungseinrichtung kann zur Durchführung des Verfahrens gemäß einem Ausführungsbeispiel
ausgestaltet sein.
[0064] Demzufolge sind die oben genannten Verfahrensmerkmale in der Vorrichtung analog nutzbar.
[0065] Verfahren und Vorrichtungen nach Ausführungsbeispielen können insbesondere den Schritt
des Bewertens möglicher Problemstellen, welche beim Zusammenfügen des virtuellen Prototyps
aus virtuellen Bauteilen auftreten können, effizienter, schneller und fehlerfreier
gestalten.
[0066] Verschiedene Wirkungen können mit Verfahren und Vorrichtungen nach Ausführungsbeispielen
erzielt werden. Insbesondere können der Anteil der durch menschliche Experten vorzunehmenden
Bewertungen, der Arbeits- und Zeitaufwand für das Bewerten sowie die Fehlbewertungsquote
reduziert werden.
[0067] Verfahren und Vorrichtungen nach Ausführungsbeispielen erlauben somit eine weitergehende
Automatisierung der virtuellen Produktentwicklung.
KURZE BESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0068] Die Erfindung wird nachfolgend unter Bezugnahme auf die Zeichnungen anhand bevorzugter
Ausführungsformen näher erläutert. In den Zeichnungen bezeichnen identische Bezugszeichen
identische Elemente.
Figur 1 zeigt ein Flussdiagramm eines Verfahrens nach einem Ausführungsbeispiel.
Figur 2 zeigt ein Flussdiagramm eines zweiten Verfahrensschritts des Verfahrens nach
dem Ausführungsbeispiel.
Figur 3 zeigt ein schematisches Blockschaltbild eines Systems mit einer Vorrichtung
nach einem Ausführungsbeispiel.
Figur 4 zeigt eine schematische Ansicht eines Schnittvolumens einer beispielhaften
möglichen Problemstelle.
Figur 5 zeigt eine schematische Ansicht einer mehrstufigen Bewertungsreihenfolge für
mögliche Problemstellen nach einem Ausführungsbeispiel.
Figur 6 zeigt ein Flussdiagramm einer Nutzerführung beim Bewerten einer möglichen
Problemstelle nach einem Ausführungsbeispiel.
DETAILLIERTE BESCHREIBUNG VON AUSFÜHRUNGSBEISPIELEN
[0069] Nachfolgend wird die vorliegende Erfindung anhand bevorzugter Ausführungsformen unter
Bezugnahme auf die Zeichnungen näher erläutert. In den Figuren bezeichnen gleiche
Bezugszeichen gleiche oder ähnliche Elemente. Die Figuren sind schematische Darstellungen
verschiedener Ausführungsformen der Erfindung. In den Figuren dargestellte Elemente
sind nicht notwendigerweise maßstabsgetreu dargestellt. Vielmehr sind die verschiedenen
in den Figuren dargestellten Elemente derart wiedergegeben, dass ihre Funktion und
ihr Zweck dem Fachmann verständlich werden.
[0070] In den Figuren dargestellte Verbindungen und Kopplungen zwischen funktionellen Einheiten
und Elementen können auch als indirekte Verbindung oder Kopplung implementiert werden.
Eine Verbindung oder Kopplung kann drahtgebunden oder drahtlos implementiert sein.
[0071] Nachfolgend werden Verfahren und Vorrichtungen zum Überprüfen der Baubarkeit eines
virtuellen Prototyps etwa aus der Kraftfahrzeug-, Luftfahrt-, Raumfahrt-, Schiffbau-,
allgemeinen Maschinenbau- und/oder Konsumgüterindustrie detailliert beschrieben.
[0072] Figur 1 zeigt ein Flussdiagramm eines Verfahrens 10 nach einem Ausführungsbeispiel.
[0073] Darin sind die beiden Verfahrensschritte 11 und 12 dargestellt. Dabei werden im ersten
Schritt 11 mögliche Problemstellen, welche beim Zusammenfügen des virtuellen Prototyps
aus virtuellen Bauteilen auftreten können und vorgegebenen konstruktiven, physikalischen
und/oder ästhetischen Anforderungen nicht genügen, automatisch ermittelt. Beispiele
für solche Anforderungen sind "Abstand zu gering", "Temperatur zu hoch" oder auch
"Materialien X und Y aneinander stoßend".
[0074] Der zweite Schritt 12 umfasst ein durch ein Rechnersystem assistiertes Bewerten von
mindestens einer der ermittelten möglichen Problemstellen. Das Ziel ist hierbei eine
Unterscheidung in kritische oder unkritische Problemstellen. Dies geschieht in Abhängigkeit
von mehreren Merkmalen der jeweiligen möglichen Problemstelle, welche, wie bereits
weiter oben erwähnt, ebenfalls konstruktiver, physikalischer und/oder ästhetischer
Natur sein können.
[0075] Figur 2 zeigt ein Flussdiagramm des zweiten Verfahrensschritts 12 des Verfahrens
10 nach dem Ausführungsbeispiel.
[0076] Ausgangspunkt des weiteren Verfahrensablaufs ist eine der ermittelten möglichen Problemstellen
20.
[0077] Für ein durch ein Rechnersystem assistiertes Bewerten ist es zunächst erforderlich,
die mögliche Problemstelle 20 mit Merkmalen so zu beschreiben, dass sie von andersartigen
möglichen Problemstellen 20 differenzierbar ist.
[0078] Einerseits können hierzu Eigenschaften 21 aus den Metadaten der an der jeweiligen
möglichen Problemstelle 20 beteiligten Bauteile als Merkmale entnommen werden, wie
etwa Materialart, Verwendungshinweise, räumliche Position innerhalb der Produktstruktur
oder Schlüsselwörter wie beispielsweise "Schraube".
[0079] Andererseits weist jede mögliche Problemstelle 20 eine räumlich-geometrische Erstreckung
auf, welche auf Basis einer Schnittberechnung 22 als Schnittvolumen und/oder in Form
von Schnittebenen darstellbar ist. Ein Beispiel für ein Schnittvolumen an einer möglichen
Problemstelle 20, welche durch eine aus einer Schraube und einem Bohrloch bestehenden
Bauteilpaarung zustande kommt, ist weiter unten in Fig. 4 dargestellt. Vom Ergebnis
der Schnittberechnung 22 sind geometrische Eigenschaften 23 ableitbar, welche ebenso
als Merkmale zur Beschreibung der möglichen Problemstelle 20 dienen können. Diese
sind z.B. eine punktweise Durchdringungstiefe, ein Verdrängungsvolumen der Kollision,
Eigenschaften der Oberfläche, ein Verhältnis von Oberfläche und Volumen, eine räumliche
Dichte- und Volumensverteilung der Schnittgeometrie sowie daraus ermittelte Fourierkoeffizienten,
Hauptachsen und Verhältnisse der Ausdehnung, Rückzugsvektoren (d.h. Verschiebungen
der beteiligten virtuellen Bauteile, welche eine ermittelte Bauteilüberschneidung
beseitigen) sowie Eigenschaften der Schnittlinie.
[0080] Diese Menge oder eine Teilmenge der ermittelten Merkmale der möglichen Problemstelle
20 bildet einen Merkmalsvektor 24, welcher im weiteren Ablauf die Unterscheidbarkeit
der möglichen Problemstellen 20 sicherstellt.
[0081] Mittels einer geeigneten Metrik, welche zur Gewichtung der einzelnen Merkmale eines
Merkmalvektors 24 dient, werden die jeweiligen Merkmalsvektoren 24 von zueinander
ähnlichen oder gleichen möglichen Problemstellen 20 auch in räumlicher Nähe zueinander
in einem mehrdimensionalen metrischen Merkmalsraum abgebildet. Jeder Unterraum des
Merkmalsraums, welcher eine solche Ballung von Merkmalsvektoren 24 umfasst, kann eine
Problemklasse von zueinander ähnlichen oder gleichen möglichen Problemstellen 20 darstellen,
welche insbesondere ähnlich oder gleich zu bewerten sind.
[0082] Ein durch ein Rechnersystem assistiertes Bewerten einer möglichen Problemstelle basiert
daher auf einem Klassifizieren 25 der möglichen Problemstelle 20 in eine von mehreren
derartiger Problemklassen.
[0083] Einzelne Problemklassen können dabei vorgegeben sein. Beispielsweise ist für die
häufig auftretende mögliche Problemstelle 20 der Bauteilpaarung aus Schraube und Bohrloch
die Vorgabe einer eigenen Problemklasse denkbar. Das Klassifizieren 25 der möglichen
Problemstelle 20 in die für die Bauteilpaarung aus Schraube und Bohrloch vorgegebene
Problemklasse kann beispielsweise durch eine heuristische Bewertungsfunktion erfolgen,
welche darauf abstellt, dass in den Metadaten eines der beiden virtuellen Bauteile
das Schlüsselwort "Schraube" enthalten ist, und dass ein Zuversichtsmaß für die geometrische
Übereinstimmung zwischen der Modellvorstellung eines "Rohrstücks" (siehe Figurenbeschreibung
zur Fig. 4) und dem ermittelten Schnittvolumen eine vorgegebene Schwelle übersteigt.
Prinzipiell sind dabei Falschklassifikationen erlaubt, diese sollten allerdings seltener
als bei einem menschlichen Bewerter vorkommen.
[0084] Einzelne Problemklassen können auch vollautomatisch ermittelt werden. Diese entsprechen
den weiter oben erwähnten Ballungen von Merkmalsvektoren 24 im mehrdimensionalen Merkmalsraum,
welche etwa ohne Überwachung durch einen Nutzer erlernbar sind (engl. unsupervised
learning), beispielsweise mit dem sogenannten Expectation-Maximization-Algorithmus
(EM-Algorithmus).
[0085] In Abhängigkeit von der Klassifizierung 25 können einzelne der mehreren Problemklassen
bereits einem vollautomatischen Bewerten 26 zugänglich sein, welches anhand einer
durch einen Nutzer gelernten Bewertungsfunktion erfolgt (engl. supervised learning).
[0086] Das vollautomatische Bewerten 26 assoziiert unbekannte Eingabeparameter (hier die
Elemente des Merkmalsvektors 24) mit dem jeweils richtigen Ausgabeparameter (Bewertung
als "kritisch" oder "unkritisch"), sofern in einer vorgelagerten, überwachten Trainingsphase
unter Vorgabe von Lerndaten eine solche Assoziation (Bewetungsfunktion) gelernt wurde.
Als Lerndaten dienen insbesondere in der Vergangenheit getätigte Bewertungen von möglichen
Problemstellen 20. Die Bewertungsfunktion lässt sich z.B. mit einem künstlichen neuronalen
Netz realisieren. Das vollautomatische Bewerten 26 kann damit nicht nur zuvor explizit
trainierte Paarungen aus Eingabe- und Ausgabeparametern beurteilen, sondern insbesondere
auch unbekannte Paarungen (Lerntransfer).
[0087] Ist ein vollautomatisches Bewerten 26 für die Problemklasse der möglichen Problemstelle
20 noch nicht möglich, so erfolgt nach Möglichkeit ein Verknüpfen 27 der mögliche
Problemstelle 20 mit einer in der Vergangenheit bewerteten Problemstelle der gleichen
Problemklasse. Das Verknüpfen 27 kann dabei implizit auch bereits durch die Klassifikation
25 erfolgen. Es findet also ein Rückgriff auf bekannte Bewertungen statt, welcher
nicht durch Lernen sondern durch ein Zuordnen auf Grundlage der Problemklasse der
vorliegenden möglichen Problemstelle 20 erfolgt. Wurde eine ähnliche oder gleiche
Problemstelle bereits in der Vergangenheit identisch klassifiziert und einer Bewertung
unterzogen, so ist diese Bewertung dann auch für die vorliegende mögliche Problemstelle
20 nutzbar.
[0088] Somit kann das Verknüpfen 27 weitere der mehreren Problemklassen einem vollautomatischen
Bewerten 28 zugänglich machen, welches die Bewertung der in der Vergangenheit bewerteten
Problemstelle nutzt. Schlägt das Verknüpfen 27 der möglichen Problemstelle 20 jedoch
fehl, so muss ein menschlicher Bewerter das Bewerten übernehmen.
[0089] Dem vorgelagert erfolgt zunächst ein Bereitstellen 29 weiterer konstruktiver, physikalischer
und/oder ästhetischer Informationen, welche für die Problemklasse der jeweiligen möglichen
Problemstelle 20 spezifisch sind. Insbesondere sind dies automatisch aus einer für
die zugrundeliegende Problemklasse relevanten Perspektive aufgenommene räumliche Ansichten
und/oder Schnittebenen.
[0090] Die zusätzlichen Informationen können die Entscheidungsgrundlagen aussagekräftiger
machen und dem menschlichen Nutzer zeitraubende Wechsel zwischen verschiedenen Entwicklungstools
und/oder Zeichnungsansichten ersparen.
[0091] Bevorzugt wird die mögliche Problemstelle 20 dem menschlichen Nutzer nicht wahllos,
sondern zusammen mit gleichartigen möglichen Problemstellen 20 vorgelegt. Hierzu kann
ein Sortieren 30 der möglichen Problemstellen 20 in eine Bewertungsreihenfolge und/oder
zu verfügbaren Bewertungszeiträumen stattfinden.
[0092] Das Sortieren 30 kann mehrere Sortierkriterien umfassen, darunter eine Prioritätsstufe,
die Problemklasse und/oder eine Komplexitätsstufe der jeweiligen möglichen Problemstelle
20.
[0093] Das Sortierkriterium der Prioritätsstufe ermöglicht ein Priorisieren des Bewertens
bestimmter Problemklassen zulasten anderer. Insbesondere für den Entwicklungsprozess
dringliche Bewertungen lassen sich so vorziehen.
[0094] Alternativ oder zusätzlich ist die Problemklasse als Sortierkriterium einsetzbar.
Dies stellt sicher, dass sich nicht mit jeder neu vorgelegten möglichen Problemstelle
20 der Bewertungskontext ändert, sondern gleichartige mögliche Problemstellen 20 aufeinander
folgend zur Bewertung vorgelegt werden.
[0095] Als weiteres Sortierkriterium steht die Komplexitätsstufe der möglichen Problemstelle
20 zur Verfügung. Damit findet jedoch kein lineares Sortieren, sondern ein Zuordnen
30 der möglichen Problemstellen 20 zu verfügbaren Bewertungszeiträumen statt. Komplexere
mögliche Problemstellen 20 lassen sich so in Zeiträumen bewerten, in welchen menschliche
Bewerter am leistungsfähigsten sind.
[0096] Schließlich erfolgt mittels eines Bewertungswerkzeugs, welches eine für die Problemklasse
der möglichen Problemstelle 20 spezialisierte Nutzerführung realisiert, das Bewerten
31 der möglichen Problemstelle 20 durch den menschlichen Bewerter. Dabei können zueinander
ähnliche oder gleiche mögliche Problemstellen 20 gemeinsam bewertet werden. Beispielsweise
spricht nichts dagegen, eine Vielzahl von Schrauben-Bohrloch-Bauteilpaarungen, welche
in eine dafür vorgesehene Problemklasse klassifiziert wurden, gemeinsam als "unkritisch"
einzustufen.
[0097] Figur 3 zeigt ein schematisches Blockschaltbild eines Systems mit einer Vorrichtung
43 zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps nach einem Ausführungsbeispiel.
[0098] Bei dem in Fig. 3 gezeigten System werden die einzelnen Bauteile eines Produkts,
beispielsweise eines Fahrzeugs, an verschiedenen Arbeitsplätzen rechnergestützt konstruiert.
Die dargestellten Arbeitsplatzrechner 40 sind dabei CAD-Systeme, welche digitale 3D-Konstruktionsdaten
des jeweiligen Bauteils erzeugen und diese in Speichern 41 ablegen, welche in der
Regel handelsübliche Massenspeicher (Festplatten) sind. Diese sind dezentral am jeweiligen
Arbeitsplatz 40 und/oder zentral, beispielsweise in Rechenzentren, vorgesehen.
[0099] Die Arbeitsplatzrechner 40 und Speicher 41 können prinzipiell weltweit verteilt und
mittels entsprechender Kommunikationsschnittstellen einem Datenaustausch zugänglich
sein. Dabei verbindet ein Kommunikationsnetz 42 die Speicher 41 mit einer zentralen
Vorrichtung 43 zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps nach einem
Ausführungsbeispiel, welche ebenfalls über entsprechende Kommunikationsschnittstellen
in das Kommunikationsnetz 42 eingebunden ist. Das Kommunikationsnetz 42 ist kabelgebunden
und/oder kabellos ausgestaltet. Insbesondere ist in diesem Zusammenhang auch ein Datenaustausch
über das Internet oder eine Funkübertragung, beispielsweise über ein Mobilfunknetz,
denkbar.
[0100] Die Vorrichtung 43 weist zu den Merkmalen des Verfahrens 10 analoge Vorrichtungsmerkmale
auf. Diese umfassen, wie in Fig. 3 dargestellt, zumindest eine Problemstellen-Ermittlungseinrichtung
44 sowie eine Bewertungseinrichtung 45.
[0101] Die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung 44 ist dazu eingerichtet, die vorgehaltenen
digitalen 3D-Konstruktionsdaten der einzelnen Bauteile zu einer digitalen Abbildung
des Gesamtprodukts, dem sogenannten virtuellen Prototypen, zusammenzufügen und diesen
in einer dafür vorgesehenen zentralen Speichereinrichtung 46 abzulegen. Die Einrichtung
44 kann hierzu auf die in den Speichern 41 vorgehaltenen digitalen 3D-Konstruktionsdaten
der jeweiligen Bauteile zugreifen.
[0102] An den jeweiligen Arbeitsplatzrechnern 40 wird für jedes Bauteil vorzugsweise dasjenige
CAD-System verwendet, welches am besten für die Konstruktion dieses Bauteils geeignet
ist. Demzufolge liegen von den einzelnen Bauteilen digitale 3D-Konstruktionsdaten
vor, welche unterschiedliche Datenformate aufweisen können und zumeist ein sehr großes
Datenvolumen umfassen. Die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung 44 kann diese das
jeweilige Bauteil exakt beschreibenden digitalen 3D-Konstruktionsdaten in ein neutrales,
angenähertes Datenformat, das sogenannte Voxelformat, umsetzen, welches auf das Wesentliche
reduziert ist. Die CAD-Modelle der Bauteile des zu entwickelnden Produkts werden beispielsweise
in entsprechende Voxel-Modelle, Triangulierungen oder dergleichen umgesetzt, was gleichzeitig
das anfallende Datenvolumen stark reduziert. Damit wird beispielsweise eine Visualisierung
kompletter Produkte, wie etwa Fahrzeuge, machbar.
[0103] Ferner ist die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung 44 dazu eingerichtet, beim Zusammenfügen
von Bauteilpaarungen des virtuellen Prototypen auftretende mögliche Problemstellen
automatisch zu ermitteln, welche vorgegebenen konstruktiven, physikalischen und/oder
ästhetischen Anforderungen nicht genügen.
[0104] Die Aufgabe der Bewertungseinrichtung 45 ist es hingegen, beim Bewerten mindestens
einer der möglichen Problemstellen als eine kritische oder unkritische Problemstelle
in Abhängigkeit von mehreren konstruktiven, physikalischen und/oder ästhetischen Merkmalen
der jeweiligen möglichen Problemstelle zu assistieren.
[0105] Bezüglich der Vorrichtung 43 sind vielfältige Modifikationen denkbar. Beispielsweise
kann die Bewertungseinrichtung 45 durch ein Rechnersystem gebildet sein. Ferner kann
die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung 44 zugleich die Bewertungseinrichtung 45
sein. Die Bewertungseinrichtung 45 kann insbesondere zur Durchführung des Verfahrens
10 gemäß dem Ausführungsbeispiel ausgestaltet sein.
[0106] Figur 4 zeigt eine schematische Ansicht eines Schnittvolumens 50 einer beispielhaften
möglichen Problemstelle 20.
[0107] In dem gezeigten Beispiel handelt es sich um das Schnittvolumen 50 einer Bauteilpaarung
aus Schraube und Bohrloch. Das Schraubengewinde ist typischerweise nicht auskonstruiert,
sondern von außen durch einen Zylinder angenähert, dessen Radius größer ist als jener
des zugehörigen Bohrlochs. Das im Schritt der Schnittberechnung 22 (vgl. Fig. 2) ermittelte
Schnittvolumen 50 der Bauteilpaarung bildet daher die Form eines an beiden Enden offenen,
durch zwei Zylinder und zwei Ebenen begrenzten Rohrstücks. Die Differenz S der Zylinderradien
entspricht dabei der Gewindestärke, und der Abstand T der beiden Begrenzungsebenen
der Eindringtiefe der Schraube. Dieses einfach zu beschreibende räumlich-geometrische
Modell des Schnittvolumens einer solchen Bauteilpaarung kann mit der räumlich-geometrischen
Erstreckung einer möglichen Problemstelle 20 verglichen werden, um diese als zur Problemklasse
"Schraube-Bohrloch" zugehörig zu klassifizieren.
[0108] Figur 5 zeigt eine schematische Ansicht einer mehrstufigen Bewertungsreihenfolge
60 für mögliche Problemstellen 20 nach einem Ausführungsbeispiel. Dabei sind der Übersichtlichkeit
halber lediglich die Sortierkriterien der möglichen Problemstellen 20 dargestellt.
[0109] Im Beispiel der Fig. 5 sind von oben nach unten die vier kaskadierten Sortierkriterien
der Prioritätsstufe P
i, der Komplexitätsstufe C
i, der Problemklasse K
i und des Werts V
i eines Merkmals der möglichen Problemstellen 20 abgebildet.
[0110] Die Prioritätsstufe P
i kann eine priorisierte Bewertung der möglichen Problemstellen 20 herbeiführen. Diese
lineare Art der Sortierung ist in dem schematischen Diagramm 61, welches nach rechts
die Prioritätsstufe P
i und nach unten die Bewertungsreihenfolge widerspiegelt, angedeutet.
[0111] Ferner zeigt Fig. 5 innerhalb einer Prioritätsstufe P
i eine anhand der jeweiligen Komplexitätsstufe C
i erfolgende Zuordnung der jeweiligen möglichen Problemstelle 20 zu verschiedenen tageszeitlichen
Bewertungszeiträumen, in welchen die Leistungsfähigkeit der menschlichen Bewerter
unterschiedlich hoch ist. Das schematische Diagramm 62 zeigt nach rechts eine Leistungsfähigkeit
durchschnittlicher menschlicher Bewerter über einer nach unten angetragenen Tageszeit
t. Eine optimale Zuordnung von möglichen Problemstellen 20 zu tageszeitlichen Bewertungszeiträumen
ist als typische Optimierungsaufgabe entsprechenden Lösungsansätzen zugänglich.
[0112] Fig. 5 zeigt des Weiteren innerhalb einer Gruppe von möglichen Problemstellen 20
mit gleicher Komplexitätsstufe C
i eine Sortierung gemäß der Problemklasse K
i der möglichen Problemstellen 20, sowie innerhalb einer Gruppe von möglichen Problemstellen
20 mit gleicher Problemklasse K
i eine Sortierung nach den Werten V
i eines beliebigen Merkmals der möglichen Problemstellen 20.
[0113] Figur 6 zeigt ein Flussdiagramm einer Nutzerführung 70 beim Bewerten einer möglichen
Problemstelle 20 nach einem Ausführungsbeispiel.
[0114] Dabei wird am Startpunkt 71 beginnend eine Folge von Nutzerdialogen 72, 73, 74 durchlaufen,
welche jeweils über Bedienelemente 75, 76, 77 verfügen. Durch Betätigen des Bedienelements
75 erfolgt eine Verzweigung in den jeweils folgenden Nutzerdialog 73, 74, 72. Der
menschliche Bewerter kann beliebig oft zwischen diesen Nutzerdialogen 72, 73, 74 wechseln,
um beispielsweise verschiedene Ansichten oder Informationen zu einer möglichen Problemstelle
20 in Augenschein zu nehmen.
[0115] Aus den Nutzerdialogen 72, 73, 74 heraus kann jeweils durch Betätigen des Bedienelements
76 ein Bewerten 78 als unkritische Problemstelle oder durch Betätigen des Bedienelements
77 ein Bewerten 79 als kritische Problemstelle stattfinden. In beiden Fällen ist damit
der Endpunkt 80 der Nutzerführung 70 für das Bewerten der möglichen Problemstelle
20 erreicht.
[0116] Während Ausführungsbeispiele unter Bezugnahme auf die Figuren detailliert beschrieben
wurden, können bei weiteren Ausführungsbeispielen alternative oder zusätzliche Merkmale
verwendet werden.
[0117] Verfahren und Vorrichtungen nach Ausführungsbeispielen wurden mit Bezug zur Entwicklung
einzelner Produkte beschrieben, sind jedoch auch bei der Entwicklung ganzer Produktlinien
und/oder -plattformen einsetzbar.
[0118] Verschiedene Wirkungen können mit Vorrichtungen und Verfahren nach Ausführungsbeispielen
erzielt werden. Insbesondere betrifft dies ein Reduzieren des Anteils der durch menschliche
Experten vorzunehmenden Bewertungen, des Arbeits- und Zeitaufwands für das Bewerten
sowie der Fehlbewertungsquote.
BEZUGSZEICHEN
[0119]
- 10
- Verfahren
- 11-12
- Verfahrensschritte
- 20
- Mögliche Problemstelle
- 21
- Eigenschaften aus Metadaten
- 22
- Schnittberechnung
- 23
- Geometrische Eigenschaften
- 24
- Merkmalsvektor
- 25
- Klassifizieren
- 26
- Vollautomatisches Bewerten anhand gelernter Bewertungsfunktion
- 27
- Vollautomatisches Verknüpfen
- 28
- Vollautomatisches Bewerten anhand Verknüpfung
- 29
- Bereitstellen weiterer Informationen
- 30
- Sortieren in eine Bewertungsreihenfolge, Zuordnen zu Bewertungszeiträumen
- 31
- Nutzergeführtes Bewerten
- 40
- Arbeitsplatzrechner
- 41, 46
- Speicher
- 42
- Kommunikationsnetzwerk
- 43
- Vorrichtung
- 44
- Problemstellen-Ermittlungseinrichtung
- 45
- Bewertungseinrichtung
- 50
- Schnittvolumen
- 61, 62
- Diagramme
- 70
- Nutzerführung
- 71
- Startpunkt
- 72, 73, 74
- Nutzerdialoge
- 75, 76, 77
- Bedienelemente
- 78
- Bewerten als unkritische Problemstelle
- 79
- Bewerten als kritische Problemstelle
- 80
- Endpunkt
- S
- Gewindestärke
- T
- Eindringtiefe
- Pi
- Prioritätsmaße
- Ci
- Komplexitätsmaße
- Ki
- Problemklassen
- Vi
- Merkmalswerte
- t
- Tageszeit
1. Verfahren zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps, umfassend:
automatisches Ermitteln von möglichen Problemstellen, welche beim Zusammenfügen des
virtuellen Prototyps aus virtuellen Bauteilen auftreten können und vorgegebenen konstruktiven,
physikalischen und/oder ästhetischen Anforderungen nicht genügen, gekennzeichnet durch:
durch ein Rechnersystem assistiertes Bewerten mindestens einer der möglichen Problemstellen
als eine kritische oder unkritische Problemstelle in Abhängigkeit von mehreren konstruktiven,
physikalischen und/oder ästhetischen Merkmalen der jeweiligen möglichen Problemstelle.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die mehreren Merkmale ein Schnittvolumen der jeweiligen möglichen Problemstelle,
mit dem sich einige der virtuellen Bauteile in dem virtuellen Prototyp überschneiden,
umfassen.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein gemeinsames Bewerten von möglichen Problemstellen umfasst,
welche gleiche mehrere Merkmale aufweisen.
4. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein Klassifizieren der jeweiligen möglichen Problemstelle
anhand der mehreren Merkmale der möglichen Problemstelle in eine von mehreren Problemklassen
umfasst.
5. Verfahren gemäß Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine der mehreren Problemklassen für den Verfahrensablauf vorgegeben ist.
6. Verfahren gemäß Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass das Klassifizieren der jeweiligen möglichen Problemstelle in die vorgegebene Problemklasse
ein vollautomatisches Klassifizieren anhand einer heuristischen Bewertungsfunktion
umfasst, welche für die vorgegebene Problemklasse spezifisch ist.
7. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine der mehreren Problemklassen während des Verfahrensablaufs vollautomatisch
ermittelt wird.
8. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein vollautomatisches Verknüpfen der jeweiligen möglichen
Problemstelle anhand eines Verweises auf eine bereits bewertete Problemstelle umfasst,
welche die gleichen mehreren Merkmale und/oder die gleiche Problemklasse aufweist.
9. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein Bereitstellen weiterer konstruktiver, physikalischer
und/oder ästhetischer Informationen umfasst, welche für die Problemklasse der jeweiligen
möglichen Problemstelle spezifisch und von den mehreren Merkmalen der möglichen Problemstelle
abgeleitet sind.
10. Verfahren gemäß Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass die weiteren Informationen mindestens eine räumliche Ansicht und/oder mindestens
eine Schnittebene der jeweiligen möglichen Problemstelle umfassen.
11. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein Sortieren der möglichen Problemstellen in eine Bewertungsreihenfolge
anhand der Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle umfasst.
12. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein Sortieren der möglichen Problemstellen in eine Bewertungsreihenfolge
anhand einer von mehreren Prioritätsstufen umfasst, welche für die Problemklasse der
jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch ist, wobei jede der mehreren Prioritätsstufen
einer unterschiedlich kritischen Problemstelle entspricht.
13. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein Zuordnen der möglichen Problemstellen zu verfügbaren
Bewertungszeiträumen anhand einer von mehreren Komplexitätsstufen umfasst, welche
für die Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch ist, wobei
jede der mehreren Komplexitätsstufen einem unterschiedlichen Komplexitätsgrad beim
Bewerten der jeweiligen möglichen Problemstelle entspricht.
14. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten eine Nutzerführung, welche für die Problemklasse der jeweiligen
möglichen Problemstelle spezifisch ist, zur Unterstützung eines Nutzers beim Bewerten
der jeweiligen möglichen Problemstelle umfasst.
15. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 4 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass das assistierte Bewerten ein vollautomatisches Bewerten der jeweiligen möglichen
Problemstelle anhand einer unter Überwachung durch einen Nutzer gelernten Bewertungsfunktion
umfasst, welche für die Problemklasse der jeweiligen möglichen Problemstelle spezifisch
ist.
16. Datenträger mit rechnerlesbaren Anweisungen, welche derart ausgestaltet sind, dass
sie bei Ausführung durch ein Rechnersystem dieses veranlassen, das Verfahren gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 15 durchzuführen.
17. Vorrichtung (43) zum Überprüfen der Baubarkeit eines virtuellen Prototyps, umfassend:
eine Problemstellen-Ermittlungseinrichtung (44), welche dazu eingerichtet ist, den
virtuellen Prototyp aus virtuellen Bauteilen zusammenzufügen und mögliche Problemstellen
automatisch zu ermitteln, welche beim Zusammenfügen auftreten können und vorgegebenen
konstruktiven, physikalischen und/oder ästhetischen Anforderungen nicht genügen,
gekennzeichnet durch:
eine Bewertungseinrichtung (45), welche dazu eingerichtet ist, ein Bewerten mindestens
einer der möglichen Problemstellen als eine kritische oder unkritische Problemstelle
in Abhängigkeit von mehreren konstruktiven, physikalischen und/oder ästhetischen Merkmalen
der jeweiligen möglichen Problemstelle zu assistieren.
18. Vorrichtung (43) gemäß Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewertungseinrichtung (45) durch ein Rechnersystem gebildet ist.
19. Vorrichtung (43) gemäß Anspruch 17 oder 18, dadurch gekennzeichnet, dass die Problemstellen-Ermittlungseinrichtung (44) zugleich die Bewertungseinrichtung
(45) ist.
20. Vorrichtung (43) gemäß einem der Ansprüche 17 - 19, dadurch gekennzeichnet, dass die Bewertungseinrichtung (45) zur Durchführung des Verfahrens gemäß einem der Ansprüche
1 - 15 ausgestaltet ist.