[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Meldung einer Ausdehnung
einer Movement Authority von einer Streckenzentrale an ein Stellwerk zur Auflösung
von Fahrstrassen, die mindestens einen Signalabschnitt umfassen, in Antwort auf die
gemeldete Ausdehnung der Movement Authority.
[0002] Auf dem Gebiet des schienengebundenen Verkehrs werden moderne Zugsicherungssysteme
eingesetzt, mit denen zentral erstellte Daten zur Steuerung und Sicherung des Zugverkehrs
an dezentrale Einheiten übertragen werden, respektive von diesen dezentralen Einheiten
angefordert und zentral verarbeitet werden. Typische Einheiten für die zentrale Datenerstellung
und -anforderung sind Stellwerke und Leitstellen. Für die dezentralen Einheiten können
beispielhaft gleisseitig angeordnete Kontrolleinheiten, wie Einrichtungen zur Signal-und
Weichensteuerung/-überwachung, Einrichtungen zur Steuerung und Überwachung von Gleisfreimeldeeinrichtungen,
Balisen, Linienleitern und Loop-Kabeln genannt werden. Selbst die modernen Zugsicherungssysteme
sind jedoch auch heute noch aufgrund der nationalen Aufstellung der Bahnunternehmungen,
wie Schweizerische Bundesbahnen SBB, Österreichische Bundesbahnen ÖBB, Deutsche Bahn
DB, nationale Zugsicherungssysteme, die beim Übertritt von Land zu Land fahrzeugseitig
gewechselt werden müssen, was auf den Fahrzeugen einen erheblichen Aufwand hinsichtlich
des Einsatzes im grenzüberschreitenden Verkehr bedeutet.
[0003] Aus diesem Grunde hat beispielsweise die Europäische Union beschlossen, ein europaweit
einheitliches Zugsicherungssystem einzuführen, das unter dem Namen ETCS (European
Train Control System) in der Fachwelt bekannt ist. Dieses Zugsicherungssystem verfügt
über drei verschiedene Ausführungslevel, die sich in der Art der Kommunikation von
Schienenfahrzeug und Leitstelle und der Ortung von Zügen unterscheiden. Im ETCS Level
1 werden die notwendigen Informationen von Transparentdaten- und Fixdaten-Balisen
und/oder Linienleitern und/oder Loop-Kabeln drahtlos auf den Führerstand des Schienenfahrzeug
übertragen und beinhalten u.a. Anweisungen zur Geschwindigkeitsüberwachung und erlaubten
Fahrdistanz. Im Level 2 werden die notwendigen Informationen über ein proprietäres
Mobilfunknetz aus sogenannten Radio Block Centern (Streckenzentralen) auf den Führerstand
übertragen und im Level 3 kommt dann noch die Integritätsprüfung sowie Eigenortung
des Zuges mittels Navigationssystem, wie GPS oder Galilei (aktuell im Aufbau), zum
Einsatz.
[0004] Mit der Einführung von Strecken auf dem ETCS Level 2 sind jedoch noch eine Reihe
von Problemen zu lösen und auch nationale Besonderheiten zu berücksichtigen. In diesen
Problemkreis gehört auch die Behandlung der sogenannten Movement Authority - kurz
auch einfach MA genannt. Die von der Streckenzentrale an einem Zug übermittelte MA
erteilt dabei einem Zug eine Fahrerlaubnis von einem Startsignalabschnitt bis zu einem
Zielsignalabschnitt und kann in der Regel mehrere dazwischen liegende Signalabschnitte
umfassen. Die Strecke von Startsignalabschnitt bis zum Zielsignalabschnitt wird auch
Fahrstrasse genannt. Diese Fahrstrasse wird entsprechend von einem Stellwerk eingestellt,
für den Zug reserviert und überwacht. Mit dieser Einstellung der Fahrstrasse werden
Signale und Weichen entsprechend gestellt, z.B. gemäss dem Spurplanprinzip, und auch
gegen anderweitige Verwendung durch andere Züge blockiert. Erst nach der korrekten
Befahrung der eingestellten Fahrstrasse wird diese Fahrstrasse zugbewirkt wieder aufgelöst,
wobei hier in der Regel eine jeweilige Auflösung des zuvor korrekt befahrenen Signalabschnitts
notwendig ist.
[0005] Der Zustand der Movement Authority kann dabei dem Stellwerk mittels der Streckenzentrale
periodisch gemeldet werden. Es existiert aber auch die Möglichkeit die Zustände der
MA (mit Ausnahme des Zugstillstands) nur ereignisorientiert zu aktualisieren. In diesem
Fall wird der Zustand der MA aktiv durch das Stellwerk geändert und von diesem an
das RBC gemeldet. Darauf überprüft das RBC die ihm bekannten MA-Zustände und schickt
ggfs. eine Aktualisierung zum Zug. Der Zustand der aktualisierten MA wird gegenüber
dem Stellwerk rückgemeldet, sobald der Zug den Erhalt der aktualisierten MA bestätigt
hat (End-to-end-Überwachung). Kommt es nun aber auf der Strecke oder im Bahnhof zu
einem Zugstillstand (Defekt der Lokomotive, Türdefekt, Defekt eines Zugsicherungselements,
Zählfehler am Achszähler und dergleichen), ist dieser Zugstillstand ebenfalls unverzüglich
von der Streckenzentrale an das Stellwerk zu melden, damit das Stellwerk in jeder
Situation eine korrekte und gefährdungslose manuelle Auflösung der eingestellten Fahrstrasse
durchführen kann, um die durch die eingestellte Fahrstrasse blockierten Fahrstrassenelement
wieder für die Einstellung anderer Fahrstrassen zur Verfügung stellen zu können.
[0006] Bisher ist es bei Stellwerken ohne Streckenzentrale vorgesehen, dass die manuelle
Auflösung der Fahrstrassen erst nach dem Ablauf einer vorbestimmten Zeit durchgeführt
wird. Diese vorbestimmte Zeit ist dabei so gewählt worden, dass alle von der manuellen
Auflösung betroffenen Züge mit genügend grosser Wahrscheinlichkeit zum Anhalten gekommen
sind. Gerade bei aus mehreren Signalabschnitten bestehenden Fahrstrassen kann daher
die abschnittsweise zeitverzögerte manuelle Auflösung zu unnötig langen Zugstillständen
führen, weil ja eine Einstellung einer neuen Fahrstrasse erst nach der Auflösung der
alten Fahrstrasse vorgenommen werden kann. Bei einem Stellwerk mit Streckenzentrale
bestünde grundsätzlich die Möglichkeit, die genauere Kenntnis der Position der Züge
zu nutzen, um Fahrstrassen im Ereignisfall bedarfsgerechter auflösen zu können.
[0007] Da es für dieses konkrete Problem der schnelleren Auflösung von Fahrstrassen noch
keine Lösung gibt, liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
zur Meldung einer Ausdehnung einer Movement Authority von einer Streckenzentrale an
ein Stellwerk und zur Auflösung von Fahrstrassen, die mindestens Teile eines Signalabschnitts
umfassen, in Antwort auf die gemeldete Ausdehnung der Movement Authority anzugeben.
Dieses Verfahren soll eine schnellere Auflösung von einer eingestellten Fahrstrasse
ermöglichen, sodass sich das Abwarten der bisher voreingestellten Zeitdauer erübrigt
und somit die Kapazität von Strecken positiv beeinflusst und die Sicherheit ohne Verlängerung
der Zeit zur manuellen Auflösung erhöht werden kann.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäss durch ein Verfahren zur Meldung einer Ausdehnung
einer Movement Authority von einer Streckenzentrale an ein Stellwerk und zur Auflösung
von Fahrstrassen, die mindestens einen Signalabschnitt umfassen, in Antwort auf die
gemeldete Ausdehnung der Movement Authority gelöst, wobei das Verfahren die folgenden
Schritte umfasst:
- a) mittels der Streckenzentrale werden die dieser Streckenzentrale zugeordnete Signalabschnitte
hinsichtlich einer Fortbewegung von einem in einem der Signalabschnitte etwaig vorhandenen
Zug sowie hinsichtlich einer korrekten Funktion von den Signalabschnitten zugeordneten
Zugsicherungskomponenten überwacht;
- b) Position und/oder Geschwindigkeit eines Zuges werden von einem Fahrzeuggerät an
die Streckenzentrale gemeldet;
- c) die Position und/oder die Geschwindigkeit eines Zuges sowie der Zustand der Zugsicherungskomponenten
werden von der Streckenzentrale an das Stellwerk gemeldet bzw. zunächst in der Streckenzentrale
ausgewertet und als Report an das Stellwerk gemeldet;
- d) eine Stellwerklogik ermittelt in Abhängigkeit von den unter c) gemeldeten Daten,
die vorzugsweise die Daten zur Gleisbelegung (z.B. ermittelt durch Achszähler und/oder
Gleisstromkreis) umfassen, ob eine bereits eingestellte aus mindestens einem Teil
eines Signalabschnitt bestehende Fahrstrasse aufzulösen ist;
- e) im Falle einer aufzulösenden Fahrstrasse wird eine Verkürzung der Movement Authority
auf die Zugspitze oder auf ein Startsignal des Signalabschnitts vom Stellwerk an die
Streckenzentrale und von dieser weiter an das Fahrzeuggerät oder direkt von der Streckenzentrale
an das Fahrzeuggerät gemeldet; und
- f) die bereits eingestellte Fahrstrasse wird aufgelöst, nachdem das Fahrzeuggerät
die Verkürzung der Movement Authority an die Streckenzentrale quittiert und die Streckenzentrale
den Stillstand des Fahrzeuges detektiert und diese Informationen an das Stellwerk
gemeldet hat.
[0009] Auf diese Weise ist nun ein Verfahren geschaffen worden, das ein verlässliches und
sicheres Handling von Zugstillständen gewährleistet und dabei in der Lage ist, eingestellte
Fahrstrassen unmittelbar nach einer Quittierung der Verkürzung der MA durch das Fahrzeug
unverzüglich auflösen zu können. Die manuelle Auflösung erfolgt somit bei Erkennen
des Stillstandes des oder der betroffenen Züge sofort, was sich wegen des Wegfalls
des Abwartens einer Zeit positiv auf die Streckenkapazität auswirkt und in einem Ereignisfall
auch die Anzahl der Verspätungsminuten verringert. Durch die Auswertung des Stillstandes
des Zuges erhöht sich zudem die Sicherheit.
[0010] Neben der Auflösung der Fahrstrasse kann es vorgesehen sein, mit der Auflösung der
Fahrstrasse eine Zuordnung des Zuges zu den diese Fahrstrasse umfassenden Signalabschnitten
im Stellwerk zu löschen. Somit wird diese Zuordnung im Ereignisfall zurückgesetzt
und der Zug muss bei einer Wiederaufnahme der Fahrt zunächst den kompletten sicherheitstechnisch
ausgereiften Prozess der Fahrstrassenanfrage und der nachfolgenden Erteilung einer
MA über die Zugspitze bzw. das nächste Startsignal hinaus durchlaufen.
[0011] Gegenüber den bisher bekannten Verfahren zur manuellen Fahrstrassenauflösung kann
eine besonders schnelle manuelle Auflösung erzielt werden, wenn die Auflösung einer
Fahrstrasse, die mehrere Signalabschnitte umfasst, im Wege einer simultanen Auflösung
aller zu der Fahrstrasse gehörenden Signalabschnitte vorgenommen wird. Somit können
zum Beispiel alle gemäss dem Spurplanprinzip reservierten Zugsicherungskomponenten
für jeden Signalabschnitt gleichzeitig aufgelöst werden, ohne dass es einer Propagierung
der Auslösung von Signalabschnitt zu Signalabschnitte bedürfte. Bei der Bestimmung
der von dem Zugstillstand betroffenen Signalabschnitte wird so auch die durchgehende
Zusammengehörigkeit mehrerer Fahrstrassen für einen Zug zur Auswertung herangezogen.
Ganze Fahrstrassen können so in einer relativ kurzen Zeitperiode aufgelöst werden,
die im Stand der Technik in etwa zur Auflösung eines einzigen Signalabschnitts erforderlich
war.
[0012] Um die Auswirkungen eines Zugstillstands im Fahrplan auf andere Züge, z.B. auf den
unmittelbar nachfolgenden Zug sicher beherrschen zu können, kann die Streckenzentrale
im Falle einer Verkürzung der Movement Authority auf die Zugspitze oder auf das Startsignal
des nächsten Signalabschnitts sicherstellen, dass kein in den von der Streckenzentrale
überwachten Signalabschnitten befindlicher Zug eine über die verkürzte Movement Authority
hinausgehende Movement Authority hat. Dies geschieht unmittelbar durch Meldung der
verkürzten MA an die betroffenen Züge. Somit ist sichergestellt, dass auch diese Züge
sicher rechtzeitig zum Stillstand kommen, ohne dass die bereits eingestellte Fahrstrasse
für diese Züge schon aufgelöst worden sein müsste. Die manuelle Auflösung der Fahrstrasse
wird tatsächlich erst vorgenommen, wenn der Zug, der die MA erhalten hat, die Verkürzung
dieser MA an die Streckenzentrale quittiert, die Streckenzentrale den Stillstand des
Zuges detektiert und diese Informationen an das Stellwerk gemeldet hat.
[0013] Eine weitere besonders vorteilhafte Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung kann
erzielt werden, wenn zur Auswertung der Zugbelegung, der Position und/oder der Geschwindigkeit
eines Zuges sowie des Zustandes der Zugsicherungskomponenten von der Stellwerklogik
bzw. der Logik der Streckenzentrale ein erster vordefinierbarer Regelkatalog angewendet
wird. Dieser Regelkatalog erlaubt es, die realen Verhältnisse vollständig abzubilden
und auch modifizieren zu können, ohne dass es ansonsten einer grundlegenden Änderung
der erfindungsgemässen Verfahrens zur manuellen Auflösung der Fahrstrasse bedürfte.
[0014] Ebenso kann es vorgesehen sein, dass die Auflösung einer bereits eingestellten Fahrstrasse
nach einem vordefinierbaren zweiten Regelkatalog durchgeführt wird. Auch hier kann
somit in dem Regelkatalog eine exakte Abbildung der realen Verhältnisse vorgenommen
werden und beispielsweise Ausnahmen von der sofortigen manuellen Fahrstrassenauflösung
definiert werden.
[0015] Bei der Auswertung der Daten von den von der Streckenzentrale überwachten Signalabschnitten
kann die Logik der Streckenzentrale soweit ertüchtigt sein aus der überwachten Gleisbelegung
und der überwachten Fortbewegung zu ermitteln, ob ein Zug zum Stillstand gekommen
ist, und im Falle eines Stillstandes, diesen Stillstand an das Stellwerk zu melden.
Ebenso ist es auch möglich zum Beispiel die Spurplanarchitektur in der Streckenzentrale
zu hinterlegen, sodass die manuelle Auflösung von Fahrstrassen auch direkt aus der
Streckenzentrale heraus ausgeführt werden kann.
[0016] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung können den übrigen Unteransprüchen
entnommen werden.
[0017] Die Erfindung wird nachfolgend anhand der Zeichnung beispielsweise näher erläutert.
Dabei zeigt:
- Figur 1
- schematisch das Verhalten einer Streckenzentrale-nachfolgend als RBC bezeichnet -
bezüglich des Weiterschaltens der Zuordnung und Zuweisung während des Kürzens einer
MA;
- Figur 2
- schematisch einen Meldungsablauf am Beispiel eines Nothalts eines Zuges, wenn sich
der Zug noch vor einem Startsignal befindet;
- Figur 3
- schematisch die Situation eines Nothalts mit zwei betroffenen Signalen; und
- Figur 4
- schematisch eine Propagierung der Zustände von MKS (MA-Kürzung auf Signal bestätigt)
und STS (Stillstand) im Stellwerk durch die Fahrstrassen hindurch.
[0018] In der Figur 1 ist das Verhalten des RBC bezüglich des Weiterschaltens der Zuordnung
und Zuweisung während des Kürzens einer MA für eine Zug dargestellt.
[0019] In (1) wird ein Nothalt auf Signal X102 seitens des Stellwerks bedient. Aufgrund
des Haltfallgrundes "nicht zugbewirkt" an dem Signal X102 sendet das RBC dem Zug eine
Kürzung der MA auf die Position des Signals X102, da sich der Zug noch vor dem Signal
X102 im Abschnitt 102 befindet. Die Zielsignalüberwachung "technischer oder notmässiger
Überwachungsentfall" wirkt sich nicht aus, da einem nachfolgenden Signal X103 kein
Zug zugeordnet ist. Im RBC bleiben die Zuordnungen, Zuweisungen und das Zuweisungsende
bestehen, da der Zug den Empfang der MA-Kürzung noch nicht bestätigt hat.
[0020] In (2) sendet der Zug einen Position-Report an das RBC, wobei er nun mit der minimalen
sicheren Zugspitze (MinSafeFrontEnd) bereits an Signal X102 vorbeigefahren ist. Dadurch
wird die Zug-Zuordnung an das Signal X103 weitergeschaltet. An Signal X102 wird auch
die Zuweisung gelöscht. Das Zuweisungsende an dem Signal X103 bleibt bestehen. Bei
der Zug-Zuordnung am Signal X103 wertet das RBC die aktuelle Zielsignalüberwachung
aus und reagiert entsprechend. In vorliegenden Fall sendet das RBC einen UES (Unconditional
Emergency Stop) an den Zug.
[0021] In (3) bestätigt der Zug den Empfang der auf das Signal X102 gekürzten MA oder des
UES. Dadurch bleibt aber der Zug beim Signal X103 zugeordnet.
Generell gilt Folgendes:
[0022] Fällt das zugeordnete Signal mit HFG (Haltfallgrund) "nicht zugbewirkt" in Halt und
hat das RBC auf die gekürzte MA noch keine Quittung durch das Fahrzeug erhalten, dann
schaltet das RBC die Zuordnung trotzdem zum folgenden Signal in der noch gültigen
MA weiter, wenn es vom Fahrzeug einen Position Report mit MinSafeFrontEnd hinter der
Signalposition erhält. Durch das Zuordnen zum Zielsignal der vom nicht zugbewirkten
Haltfall betroffenen Fahrstrasse wird die Sicherheitsreaktion aufgrund des ZSU (Zielsignalüberwachung)
ausgeführt (oder die zuvor gesendete gekürzte MA führt zum Trip).
Senden der Kommandos
[0023] Das RBC sendet dem Stellwerk die Kommandos aus der nachstehenden Tabelle 1 signalbezogen.
Unterhalb der Tabelle sind die Bedeutungen und Reaktionen auf Zustandsänderungen genauer
erläutert.
[0024] Der Stillstand wird unabhängig von den Stellwerkszuständen als Sammelmeldung aller
dem Signal zugeordneten Züge gemeldet. Wenn kein Zug zugeordnet ist, wird Stillstand
= aus gemeldet. Die anderen Kommandos werden einerseits als Reaktionen auf Zustandsänderungen
vom Stellwerk und andererseits als Reaktion auf Zustandsänderungen vom RBC aktualisiert
(siehe Spalte "Auslösende Zustandsänderung" in Tabelle 1).
Tabelle 1
| Kommando |
Zustand |
Bedeutung |
Darstellung in Zeichnungen |
Zustand Systemstart |
Auslösende Zustandsänderung |
| Bit-X |
Bit X |
Bit -X |
Bit X |
| Stillstand (STS) |
0 |
0 |
Neutral, keine Aktion |
- |
|
- |
| 1 |
1 |
| 1 |
0 |
[else] |
STS N |
1 0 |
- |
| 0 |
1 |
Mindestens ein Zug zugeordnet und alle diesem Signal zugeordneten Züge stehen still. |
STS J |
|
- |
| Kein Zug am Start betroffen (KZS) |
0 |
0 |
Neutral, keine Aktion |
- |
|
- |
| 1 |
1 |
| 1 |
0 |
[else] |
KZS N |
1 |
0 |
Signal meldet Halffallgrund "keiner" |
| 0 |
1 |
Das RBC hat keinem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilt. |
KZS J |
|
Signal meldet Haltfallgrund "nicht zugbewirkt" |
| Kein Zug am Ziel betroffen (KZZ) |
0 |
0 |
Neutral, keine Aktion |
- |
|
- |
| 1 |
1 |
| 1 |
0 |
[else] |
KZZ N |
1 |
0 |
Zielsignalüberwachung "kein Überwachungsentfall" oder RBC ordnet dem Signal einen
Zug zu |
| 0 |
1 |
Dem Signal ist kein Zug zugeordnet und kein Zug hat eine MA zu diesem Signal oder
darüber hinaus. Allfällige MA-Kürzungen auf ein Signal und allfällige UES sind durch
den Zug bestätigt. |
KZZ J |
|
Zielsignalüberwachung "NAZ, BAZ, GZF oder technischer oder notmässiger Überwachungsentfall'
" oder RBC löscht letzte Zuordnung am Signal. |
| |
| MA-Kürzung auf Zugspitze bestätigt (MKZ) |
0 |
0 |
Neutral, keine Aktion |
- |
|
- |
| 1 |
1 |
| 1 |
0 |
[else] |
MKZ N |
1 |
0 |
Signal meldet Zielsignalüberwachu ng "kein Überwachungsentfall" oder RBC löscht letzte
Zuordnung am Signal |
| |
0 |
1 |
Dem Signal ist mindestens ein Zug zugeordnet und alle betroffenen Züge haben a) den
Empfang der gekürzten MA bestätigt. oder b) haben den Empfang des UES bestätigt. (Details
dazu siehe Beschreibung des Kommandos MKZ) |
MKZ J |
|
Signal meldet Zielsignalüberwachung (NAZ, BAZ,GZF oder ,technischer oder notmässiger
Überwachungsentfall' " |
| MA-Kürzung auf Signal bestätigt (MKS) |
0 |
0 |
Neutral, keine Aktion |
- |
|
- |
| 1 |
1 |
| 1 |
0 |
[else] |
MKS N |
1 |
0 |
Signal meldet Haltfallgrund "keiner" |
| 0 |
1 |
Kein Zug hat eine MA über das Signal hinaus und allfällige MA-Kürzungen auf das Signal
sind durch den Zug bestätigt. |
MKS J |
|
Signal meldet Haltfallgrund "nicht zugbewirkt" |
Erläuterungen zu Tabelle 1:
Stillstand (STS)
Funktionale Anforderung:
[0025] STS = J bedeutet:
Es befindet sich mindestens ein Zug direkt vor dem Signal und für alle Züge, welche
sich direkt vor dem Signal befinden, hat das RBC den Stillstand erkannt.
Hinweis: Wenn sich kein Zug direkt vor dem Signal befindet (es ist kein Zug dem Signal
zugeordnet), so ist STS = N. Dieses Kommando ist unabhängig vom Haltfallgrund und
der Zielsignalüberwachung.
Kein Zug am Start betroffen (KZS)
Funktionale Anforderung:
[0026] Das Stellwerk meldet Haltfallgrund "nicht zugbewirkt". Hat zu diesem Zeitpunkt das
RBC keinem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilt, so wird KZS (Kein Zug am Start
betroffen) auf J gesetzt.
Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC einem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilt,
so kürzt das RBC beim Zug die MA auf die Signalposition. Das Kommando KZS bleibt dabei
unverändert. Die Bestätigung des Zuges, dass er die MA gekürzt hat, hat keinen Einfluss
auf das Kommando KZS.
Das Stellwerk meldet Haltfallgrund "keiner". KZS wird auf N gesetzt.
[0027] Wenn das RBC KZS = J an das Stellwerk sendet, stellt das RBC sicher, dass es keinem
Zug eine MA über dieses Signal hinaus erteilt hat. Solange das Kommando KZS = J ist,
darf das RBC keinem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilen. Damit das RBC dies
gewährleisten kann, darf das Stellwerk bei bestehendem Haltfallgrund "nicht zugbewirkt"
keine Fahrtstellung an das RBC melden.
Kein Zug am Ziel betroffen (KZZ)
Funktionale Anforderung:
[0028] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "Notauflöschung Zugfahrstrasse (NAZ)",
"Betriebsauflösung Zugfahrstrasse (BAZ)", "Gegenzugfahrstrasse (GZF)" oder ,technischer
oder notmässiger Überwachungsentfall' ". Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC keinem Zug
eine MA bis zu diesem Signal oder darüber hinaus erteilt, wobei allfällige MA-Kürzungen
durch die betroffenen Züge bestätigt worden sind, und befindet sich kein Zug direkt
vor diesem Signal (kein Zug ist zugeordnet) so wird KZZ auf J gesetzt. Hatte das RBC
vor diesem Zeitpunkt einem Zug eine MA bis zu diesem Signal oder darüber hinaus erteilt
und dem Zug bereits eine gekürzte MA auf eine Position vor diesem Signal gesendet,
welche durch den Zug aber noch nicht bestätigt worden ist und es befindet sich kein
Zug direkt vor diesem Signal (kein Zug ist zugeordnet) so wird KZZ auf J gesetzt,
wenn der Zug die Kürzung der MA bestätigt und sich dabei nicht direkt vor diesem Signal
befindet (der Zug ist nicht zugeordnet). Falls die Bestätigung des Zuges erst eintrifft,
wenn er sich bereits direkt vor dem Signal befindet (der Zug ist dem Signal zugeordnet),
so wird KZZ nicht verändert.
[0029] Ein Beispiel eines Nothalts, wenn sich der Zug noch vor dem Startsignal X102 befindet,
ist in Figur 2 gezeigt.
[0030] Aufgrund des Nothalts sendet das Stellwerk an das Signal X102 den Haltfallgrund "nicht
zugbewirkt". Dadurch kürzt das RBC die MA auf die Position des Signals X102. Weiter
sendet das Stellwerk dem Signal X103 die Zielsignalüberwachung "technischer oder notmässiger
Überwachungsentfall". In diesem Fall darf das RBC am Signal X103 das Kommando KZZ
erst auf J setzen, wenn der Zug die Kürzung der MA bestätigt und sich dabei noch vor
dem Signal X102 befindet.
[0031] Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC mindestens einem Zug eine MA bis zu diesem Signal
oder darüber hinaus erteilt, so kürzt das RBC bei diesen Zügen die MA auf die Zugspitze
oder das davorliegende Signal (dies geschieht über den Haltfallgrund) oder sendet
einen UES. Wenn alle diese Züge die Kürzung der MA resp. den Erhalt des UES bestätigt
haben und wenn sich zu diesem Zeitpunkt kein Zug direkt vor dem Signal (kein Zug ist
zugeordnet) befindet, so wird KZZ auf J gesetzt. Hinweis: Es ist eher unwahrscheinlich,
dass aufgrund der Zielsignalüberwachung "BAZ oder GZF" das KZZ auf J gesetzt wird.
Damit BAZ bedient oder eine Gegenzugfahrstrasse eingestellt werden kann, muss sich
ein Zug in der Fahrstrasse befinden, d.h. dem Signal ist ein Zug zugeordnet. Damit
danach das KZZ auf J gesetzt wird, darf dem Signal kein Zug mehr zugeordnet sein.
Dies ist z.B. dann der Fall, wenn der entsprechende Zug ein "End of Mission" durchführt,
also den Führerstand abrüstet.
[0032] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "kein Überwachungsentfall"; KZZ wird auf
N gesetzt.
[0033] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "Ziel aufgelöst"; KZZ bleibt unverändert.
[0034] Wird an einem Signal die letzte Zuordnung gelöscht und hat das RBC keinem Zug eine
MA zu diesem Signal oder darüber hinaus erteilt, wobei sämtliche MA-Kürzungen resp.
der Erhalt vom UES von den betroffenen Zügen bestätigt sind, so wird KZZ auf J gesetzt.
Dies muss nur dann geschehen, wenn am Signal die Zielsignalüberwachung "NAZ, BAZ,
GZF oder ,technischer oder notmässiger Überwachungsentfall' " anliegt.
[0035] Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Zug vor dem Signal in den Mode Post-Trip wechselt.
Dadurch kann das RBC den Stillstand des Zuges nicht mehr feststellen.
[0036] Wird einem Signal ein Zug zugeordnet, so muss KZZ auf N gesetzt werden. In diesem
Fall befindet sich ein Zug in der Fahrstrasse, welcher potentiell noch fahren kann.
Dies ist z.B. der Fall, wenn der Zug in Figur 2 bis zum Signal X102 nicht anhalten
kann. Er wird beim Überfahren von Signal X102 getrippt. Aufgrund des Position-Reports
wird der Zug am Signal X103 zugeordnet. Da das KZZ nun nach N wechselt, kann die Fahrstrasse
X102-X103 manuell nicht aufgelöst werden. Nachdem der Zug angehalten hat, kann er
durch den Lokführer in den Mode "Post Trip" wechseln. Dadurch wird die Zuordnung an
X103 wieder gelöscht und das KZZ auf J gesetzt. Nun kann die Fahrstrasse X102-X103
mit manuell aufgelöst werden.
[0037] Dieses Verhalten wird zudem im Stellwerk benötigt, damit es am Zielsignal einer Fahrstrasse
die vom Startsignal propagierten Zustände MKSamStart und STSamStart korrekt aktualisieren
kann.
[0038] Wenn das RBC KZZ = J an das Stellwerk sendet, stellt das RBC sicher, dass es keinem
Zug eine MA zu diesem Signal hin erteilt hat. Allfällige MA-Kürzungen resp. UES sind
durch die Züge bestätigt. Solange das Kommando KZZ = J ist, darf das RBC keinem Zug
eine MA zu diesem Signal hin erteilen. In diesem Fall wird aufgrund der Zugzuordnung
vor der MA-Vergabe wie oben beschrieben KZZ wieder auf N gesetzt.
MA-Kürzung auf Zugspitze bestätigt (MKZ)
Funktionale Anforderung:
[0039] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "NAZ, BAZ oder GZF".
Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC mindestens einem Zug eine MA bis zu diesem Signal
oder darüber hinaus erteilt, so
- a) kürzt das RBC bei allen diesen Zügen, welche sich direkt vor dem Signal befinden
(Zug muss dem Signal zugeordnet sein) und stillstehen, die MA auf die Zugspitze
und
- b) kürzt das RBC bei einem gegebenenfalls betroffenen Zug, welcher sich vor dem Startsignal
der Fahrstrasse befindet,
die MA auf das Startsignal (dies geschieht über den Haltfallgrund)
Wenn alle diese Züge aus a) und b) die Kürzung der MA bestätigt haben und befindet
sich zu diesem Zeitpunkt mindestens ein Zug direkt vor dem Signal (mindestens ein
Zug ist zugeordnet), so wird MKZ auf J gesetzt.
[0040] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "technischer oder notmässiger Überwachungsentfall"'.
Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC mindestens einem Zug eine MA bis zu diesem Signal
oder darüber hinaus erteilt, so sendet das RBC an alle Züge, welche sich direkt vor
dem Signal befinden (zugeordnete Züge), einen UES. Wenn alle diese Züge den Erhalt
des UES bestätigt haben und befindet sich zu diesem Zeitpunkt mindestens ein Zug direkt
vor dem Signal (mindestens ein Zug ist zugeordnet), so wird MKZ auf J gesetzt.
[0041] Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "kein Überwachungsentfall"; MKZ wird auf
N gesetzt. Das Stellwerk meldet Zielsignalüberwachung "Ziel aufgelöst"; MKZ bleibt
unverändert.
[0042] Wird an einem Signal die letzte Zuordnung gelöscht und liegt beim Signal eine Zielsignalüberwachung
"'technischer oder notmässiger Überwachungsentfall', NAZ, BAZ oder GZF" an, so wird
MKZ auf N gesetzt.
[0043] Wenn das RBC MKZ = J an das Stellwerk sendet, stellt das RBC sicher, dass es keinem
Zug eine MA zu diesem Signal hin erteilt hat. Allfällige MA-Kürzungen resp. UES sind
durch die Züge bestätigt. Solange das Kommando MKZ = J ist, darf das RBC keinem Zug
eine MA zu diesem Signal hin erteilen.
MA-Kürzung auf Signal bestätigt (MKS)
Funktionale Anforderung:
[0044] Das Stellwerk meldet Haltfallgrund "nicht zugbewirkt". Hat zu diesem Zeitpunkt das
RBC keinem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilt, so bleibt MKS unverändert.
Hat zu diesem Zeitpunkt das RBC einem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilt,
so kürzt das RBC beim Zug die MA auf die Signalposition. Wenn der Zug die Kürzung
der MA bestätigt, wird MKS auf J gesetzt. Das Stellwerk meldet Haltfallgrund "keiner".MKS
wird auf N gesetzt.
[0045] Fährt ein Zug, welchem die MA auf die Signalposition gekürzt werden soll, ohne die
Kürzung der MA zu bestätigen, am Signal vorbei (Zug ist dem Signal nicht mehr zugeordnet
und damit auch nicht mehr zugewiesen), dann wird MKS auf J gesetzt. Soll einem Zug
die MA auf die Signalposition gekürzt werden, dann wird MKS auf J gesetzt, falls der
Zug die Kürzung der MA auf eine rückliegenden Signalposition bestätigt. Dies kann
z.B. der Fall sein, wenn auf ein rückliegendes Signal ebenfalls ein Nothalt bedient
worden ist, und der Zug die MA-Kürzung auf die rückliegende Signalposition bestätigt,
bevor er die Kürzung auf die betrachtete Signalposition bestätigt.
Hinweis zu Situationen mit mehreren Fahrstrassen:
[0046] Figur 3 zeigt die Situation eines Nothalts mit zwei betroffenen Signalen. Am Anfang
hat der Zug eine MA bis zum Signal X104. Nun wird auf dem Signal X103 ein Nothalt
bedient. Das Stellwerk sendet für das Signal X103 den Haltfallgrund "nicht zugbewirkt",
worauf das RBC dem Zug die MA auf die Signalposition X103 kürzt. Bevor der Zug die
Kürzung der MA bestätigt hat, wird auf X102 der Nothalt bedient. Das Stellwerk sendet
für X102 den Haltfallgrund "nicht zugbewirkt", worauf das RBC dem Zug die MA auf die
Signalposition X102 kürzt. Nun bestätigt der Zug die Kürzung der MA auf die Signalposition
X102. Jetzt muss an X102 MKS auf J gesetzt werden.
[0047] Damit das MKS für die bestätigte Halt-Ausleuchtung an einem Bedienplatz benutzt werden
kann, muss das RBC am Signal X103 das MKS auch auf J setzen. Für die Fahrstrassenauflösung
wäre dies nicht nötig gewesen, da diese Information der gekürzten MA durch das Stellwerk
an das Signal X103 weiterpropagiert wird.
[0048] Wenn das RBC MKS = J an das Stellwerk sendet, stellt das RBC sicher, dass es keinem
Zug eine MA über dieses Signal hinaus erteilt hat. Allfällige MA-Kürzungen müssen
durch den Zug bestätigt sein. Solange das Kommando MKS = J ist, darf das RBC keinem
Zug eine MA über das Signal hinaus erteilen.
[0049] Im Folgenden wird die Reaktion des Stellwerks auf das vorgängig beschriebene Verhalten
des RBC beschrieben.
Allgemeines
[0050] Wenn das RBC KZS = J oder MKS = J an das Stellwerk sendet, stellt das RBC sicher,
dass es keinem Zug eine MA über dieses Signal hinaus erteilt hat. Solange das Kommando
KZS = J oder MKS = J ist, darf das RBC keinem Zug eine MA über das Signal hinaus erteilen.
[0051] Die Bedienungen BAZ, NAZ und GZF werden durch das Stellwerk primär aufgrund stellwerkinterner
Zustände akzeptiert bzw. abgelehnt. Der Verbindungszustand zwischen Stellwerk und
RBC (insbesondere der Verbindungszustand zwischen Interlocking&Interface Component
(IIC) / Overhead Management Component (OMC) und RBC) wird dabei nur mittelbar berücksichtigt,
da nicht explizit als solcher bekannt.
[0052] Der Verbindungszustand Achszähler (ACC) und IIC/OMC ist implizit bei jeder Bedienung
berücksichtigt, da die Bedienung dann entweder die ACC nicht erreicht bzw. die Quittierung
der Zulassungsprüfung ausbleibt.
Verhalten BAZ:
[0053] Hier werden für die Zulassungsprüfung nur stellwerkinterne Kriterien berücksichtigt.
Bei einer akzeptierten Bedienung BAZ wird im Stellwerk durch die Anschaltung BAZ die
Auflösebedingungen überwacht (unmittelbar bevor Haltfallgründe und Zielsignalüberwachungen
an das RBC gesendet werden). Sobald MKZ = J und STS = J eingetroffen sind, wird die
Auflösung durchgeführt, sofern die stellwerkinternen Kriterien weiterhin erfüllt sind.
[0054] Option: Wechselt während der Überwachung der Auflösebedingungen das Kommando MKZ
von J auf N (d.h. es wurde bereits mit J empfangen), dann wird dies als Verbindungsausfall
IIC/OMC zum RBC gewertet und die Überwachung der Auflösebedingungen wird abgebrochen.
STS und "STS am Start" werden dabei nicht bewertet, da ein mehrfacher Wechsel regulär
möglich ist.
Verhalten NAZ:
[0055] Hier werden für die Zulassungsprüfung nur stellwerkinterne Kriterien berücksichtigt.
Bei einer akzeptierten Bedienung "manuelle Auflösung" wird im Stellwerk durch die
Anschaltung NAZ die Notauflösezeit für die verzögerte Auflösung gestartet (unmittelbar
bevor Haltfallgründe und Zielsignalüberwachungen an das RBC gesendet werden). Wenn
danach eine Regel für die unverzögerte Auflösung erfüllt ist, so wird die Notauflösezeit
abgebrochen und die Fahrstrasse aufgelöst.
[0056] Wenn die Notauflösezeit abläuft, so prüft das Stellwerk, ob eine Regel für die verzögerte
Auflösung erfüllt ist. Ist dies gegeben, so wird die Fahrstrasse aufgelöst. Anderenfalls
findet keine Auflösung statt. Falls zu diesem Zeitpunkt noch mindestens ein relevanter
Zug fährt, so kann die manuelle Auflösung nochmals bedient werden. Nach Stillstand
aller relevanten Züge wird aufgelöst, sofern alle Stillstände glaubwürdig sind. Anderenfalls
muss die Fahrstrasse mittels Einzelauflösung aufgelöst werden.
Option: Wechselt nach dem Start der Notauflösezeit, ohne dass die Auflösung bereits
durchgeführt werden konnte, eines der Kommandos MKZ, KZZ bzw. "MKS am Start", "KZS
am Start" von J auf N (d.h. es wurde bereits mit J empfangen), dann wird dies als
Verbindungsausfall IIC/OMC zum RBC gewertet und die Notauflösezeit wird gestoppt und
damit jeglicher Auflöseversuch abgebrochen. STS und "STS am Start" werden dabei nicht
bewertet, da ein mehrfacher Wechsel dort möglich und nicht unbedingt unzulässig ist.
Diese Auswertung muss aber noch genauer überprüft werden.
Verhalten GZF:
[0057] Hier wird für die Zulassungsprüfung ein spezielles "Kriterium GZF" berücksichtigt,
das u.a. auch STS = J enthält. Ist die Verbindung zwischen IIC/OMC und RBC ausgefallen,
wurde dem Signal in der ACC STS = N mitgeteilt, womit GZF nicht zulässig ist.
Fällt diese Verbindung unmittelbar nach positiver Zulassungsprüfung aus, kann die
angeschaltete GZF nicht festlegen, da noch MKZ = J erwartet wird.
Bearbeiten der Kommandos vom RBC
[0058] Das Stellwerk meldet die RBC-Zustände von Kein Zug am Start Betroffen "KZS J" und
"KZS N" vom Startsignal einer Zugfahrstrasse über die Spur zum Zielsignal, solange
der Start nicht aufgelöst ist.
[0059] Figur 4 zeigt beispielhaft, wie die Zustände von MKS und STS im Stellwerk durch die
Fahrstrassen propagiert werden. Dazu ist zu erwähnen, dass nun die Fahrstrasse 103
und anschliessend auch noch die Fahrstrasse 104 bei einer manuellen Fahrstrassenauflösung
unverzögert aufgelöst werden. Die Fahrstrasse 104 löst unverzögert auf, da bei X104
die Zustände von MKS und STS vom Signal X102 auch nach der Auflösung der Fahrstrasse
103 gespeichert bleiben.
[0060] Das Stellwerk meldet die RBC-Zustände von MA-Kürzung auf Signal bestätigt "MKS J"
und "MKS N" der Rolle Ziel vom Startsignal einer Zugfahrstrasse über die Spur zum
Zielsignal, solange der Start nicht aufgelöst ist. Falls das Zielsignal unterbruchsfrei
beansprucht und festgelegt ist (Ziel- und Startbeanspruchung/-festlegung (ein)), wird
die Information auch zum nächsten Signal weitergemeldet. Bei einer Fahrstrassenverlängerung
(nächste Zugfahrstrasse wird eingestellt und festgelegt) muss der Zustand "MKS am
Start" nach der Fahrstrassenfestlegung auch an das Zielsignal dieser Verlängerung
propagiert werden. Dies gilt auch für weitere Fahrstrassenverlängerungen.
Ausnahme: Ein in eine FZF oder BES hinein propagierter RBC-Zustand "MKS J" darf nur
an das nächste Ziel (also Ziel FZF/BES) propagiert werden. Die bestätigte MA-Kürzung
auf das Signal kann max. bis zum Ziel einer FZF/BES gültig sein.
[0061] Das Stellwerk meldet die RBC-Zustände des Stillstands "STS J" und "STS N" der Rolle
Ziel vom Startsignal einer Zugfahrstrasse über die Spur zum Zielsignal, solange der
Start nicht aufgelöst ist. Falls das Zielsignal unterbruchs-frei beansprucht und festgelegt
ist (Ziel- und Startbeanspruchung/-festlegung (ein)), wird die Information auch zum
nächsten Signal weitergemeldet. Bei einer Fahrstrassenverlängerung (nächste Zugfahrstrasse
wird eingestellt und festgelegt) muss der Zustand "STS am Start" nach der Fahrstrassenfestlegung
auch an das Zielsignal dieser Verlängerung propagiert werden. Dies gilt auch für weitere
Fahrstrassenverlängerungen.
Ausnahme: Ein in eine FZF oder BES hinein propagierter RBC-Zustand "STS J" darf nur
an das nächste Ziel (also Ziel FZF/BES) propagiert werden. Der Stillstand des Zuges
kann max. bis zum Ziel einer FZF/BES gültig sein.
[0062] Solange bei der Fahrstrasse der Start nicht aufgelöst ist, müssen am Ziel die Zustände
"KZS am Start", "MKS am Start" und "STS am Start" dauernd aktualisiert werden. Diese
Informationen müssen am Ziel erhalten bleiben, bis das Ziel aufgelöst worden ist bzw.
erneut als Ziel festgelegt worden ist (bei FZF relevant).
Von diesen drei Werten könnte "STS am Start" nach Auflösung des Starts genau genommen
nicht mehr der Realität entsprechen (ein still stehender Zug kann angefahren sein
oder ein fahrender Zug angehalten haben). Auf das Verhalten am Ziel hat dies allerdings
keinen Einfluss. Die Kombination "Start aufgelöst" = J und "STS am Start" = J kommt
nur in wenigen Sonderfällen vor. Wenn das "STS am Start" bei Auflösung des Startsignals
auf N gesetzt wird, so wirken entsprechend andere Regeln des Regelkatalogs.
[0063] Das Auflöseverhalten ist jeweils identisch, das "Start aufgelöst" = J dominiert ("STS
am Start" ist nicht mehr entscheidend).
[0064] Wenn die Fahrstrasse weder angefahren noch das Startsignal aufgelöst ist und wechselt
dann am Startsignal KZZ von J nach N, so muss die Fahrstrasse die aktuell beim Startsignal
anliegenden Zustände von MKS und STS an das Zielsignal propagieren. Damit werden etwaige,
von rückliegenden Signalen propagierte MKS und STS, obsolet, da die Bewertung dieser
Zustände für einen neu zugeordneten Zug erfolgen muss.
[0065] Sobald das Signal am Ziel einer Fahrstrasse aufgelöst wird oder erneut als Ziel einer
Fahrstrasse festgelegt (bei FZF relevant) wird, müssen am Ziel die Zustände mit den
Defaultwerten "KZS am Start" = N (auch bei Auflösung ist ein J nicht mehr erforderlich,
es kann gleich auf N gesetzt werden), "MKS am Start" = N und "STS am Start" = N überschrieben
werden.
[0066] Das Stellwerk meldet zudem die Zustände "Fahrstrasse angefahren" 'Ermitteln des Zustandes
"Fahrstrasse angefahren" = J') und "Start aufgelöst" (Regelauflösung oder manuelle
Auflösung) vom Startsignal einer Zugfahrstrasse über die Spur zum Zielsignal. Sobald
das Signal am Ziel einer Fahrstrasse aufgelöst wird oder erneut als Ziel einer Fahrstrasse
festgelegt (bei FZF relevant) wird, müssen am Ziel diese Zustände wieder gelöscht,
d.h. auf N gesetzt werden.
[0067] Bei einem Verbindungsunterbruch zum RBC müssen im Stellwerk alle Kommandos die Defaultzustände
einnehmen (STS, KZS, KZZ, MKZ und MKS müssen auf N gesetzt werden).
[0068] Hiermit zeigen die vergleichsweise einfachen vorstehend geschilderten Beispiele das
Zusammenspiel von Stellwerk und RBC zur Auflösung von Fahrstrassen. Zentral ist dabei,
dass das RBC die diesem RBC zugeordneten Signalabschnitte hinsichtlich einer Gleisbelegung
und einer Fortbewegung von einem in einem der Signalabschnitte etwaig vorhandenen
Zug sowie hinsichtlich einer korrekten Funktion von den Signalabschnitten zugeordneten
Zugsicherungskomponenten, wie z.B. Achszähler, Gleisstromkreis, überwacht. Dabei wird
die Position und/oder die Geschwindigkeit eines Zuges von dem Fahrzeuggerät an das
RBC gemeldet. Die Gleisbelegung, die Position und/oder die Geschwindigkeit eines Zuges
sowie der Zustand der Zugsicherungskomponenten werden vom RBC an das Stellwerk gemeldet
bzw. zunächst im RBC mit der RBC-Logik ausgewertet und als Report/Telegramm an das
Stellwerk gemeldet. Die Stellwerklogik ermittelt in Abhängigkeit von den vorstehend
genannten gemeldeten Daten, ob eine bereits eingestellte aus mindestens einem Signalabschnitt
bestehende Fahrstrasse aufzulösen ist. Im Falle einer aufzulösenden Fahrstrasse wird
eine Verkürzung der Movement Authority auf die Zugspitze oder auf ein Startsignal
des nächsten Signalabschnitts vom Stellwerk an das RBC und von dieser weiter an das
Fahrzeuggerät oder direkt vom RBC an das Fahrzeuggerät gemeldet. Die bereits eingestellte
Fahrstrasse wird genau dann aufgelöst, nachdem das Fahrzeuggerät die Verkürzung der
Movement Authority an die Streckenzentrale quittiert und die Streckenzentrale den
Stillstand des Fahrzeuges detektiert und diese Informationen an das Stellwerk gemeldet
hat.
1. Verfahren zur Meldung einer Ausdehnung einer Movement Authority von einer Streckenzentrale
an ein Stellwerk und zur Auflösung von Fahrstrassen, die mindestens einen Teil eines
Signalabschnittes umfassen, in Antwort auf die gemeldete Ausdehnung der Movement Authority,
umfassend die Schritte:
a) mittels der Streckenzentrale werden die dieser Streckenzentrale zugeordneten Signalabschnitte
hinsichtlich einer Gleisbelegung und einer Fortbewegung von einem in einem der Signalabschnitte
etwaig vorhandenen Zug sowie hinsichtlich einer korrekten Funktion von den Signalabschnitten
zugeordneten Zugsicherungskomponenten, wie z.B. Achszähler, Gleisstromkreis, überwacht;
b) Position und/oder Geschwindigkeit eines Zuges werden von einem Fahrzeuggerät an
die Streckenzentrale gemeldet;
c) die Gleisbelegung, die Position und/oder die Geschwindigkeit eines Zuges sowie
der Zustand der Zugsicherungskomponenten werden von der Streckenzentrale an das Stellwerk
gemeldet bzw. zunächst in der Streckenzentrale ausgewertet und als Report an das Stellwerk
gemeldet;
d) eine Stellwerklogik ermittelt in Abhängigkeit von den unter c) gemeldeten Daten,
die vorzugsweise die Daten zur Gleisbelegung (z.B. ermittelt durch Achszähler und/oder
Gleisstromkreis) umfassen, ob eine bereits eingestellte aus mindestens einem Teil
eines Signalabschnitt bestehende Fahrstrasse aufzulösen ist;
e) im Falle einer aufzulösenden Fahrstrasse wird eine Verkürzung der Movement Authority
auf die Zugspitze oder auf ein Startsignal des nächsten Signalabschnitts vom Stellwerk
an die Streckenzentrale und von dieser weiter an das Fahrzeuggerät oder direkt von
der Streckenzentrale an das Fahrzeuggerät gemeldet; und
f) die bereits eingestellte Fahrstrasse wird aufgelöst, nachdem das Fahrzeuggerät
die Verkürzung der Movement Authority an die Streckenzentrale quittiert und die Streckenzentrale
den Stillstand des Fahrzeuges detektiert und diese Informationen an das Stellwerk
gemeldet hat.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
mit der Auflösung der Fahrstrasse eine Zuordnung des Zuges zu den diese Fahrstrasse
umfassenden Signalabschnitten im Stellwerk gelöscht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Auflösung einer Fahrstrasse, die mehrere Signalabschnitte umfasst, im Wege einer
simultanen Auflösung aller zu der Fahrstrasse gehörenden Signalabschnitte vorgenommen
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Streckenzentrale im Falle einer Verkürzung der Movement Authority auf die Zugspitze
oder auf das Startsignal des nächsten Signalabschnitts sicherstellt, dass kein in
den von der Streckenzentrale überwachten Signalabschnitten befindlicher Zug eine über
die verkürzte Movement Authority hinausgehende Movement Authority hat.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet, dass
zur Auswertung der Zugbelegung, der Position und/oder der Geschwindigkeit eines Zuges
sowie des Zustandes der Zugsicherungskomponenten von der Stellwerklogik ein erster
vordefinierbarer Regelkatalog angewendet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Auflösung einer bereits eingestellten Fahrstrasse nach einem vordefinierbaren
zweiten Regelkatalog durchgeführt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Streckenzentrale aus der überwachten Gleisbelegung und der überwachten Fortbewegung
ermittelt, ob ein Zug zum Stillstand gekommen ist, und im Falle eines Stillstandes,
diesen Stillstand an das Stellwerk meldet.