HINTERGRUND DER ERFINDUNG
GEBIET DER ERFINDUNG
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung zur Herstellung
von geschmiedeten Bauteilen aus TiAl - Legierungen, insbesondere für Strömungsmaschinen,
wie stationäre Gasturbinen oder Flugtriebwerke.
STAND DER TECHNIK
[0002] Bauteile aus TiAl - Werkstoffen, die also als Hauptbestandteile Titan und Aluminium
umfassen, sind für Anwendungen, bei denen Bauteile schnell bewegt werden müssen, wie
beispielsweise als Schaufeln von Strömungsmaschinen, sehr interessant, da sie bei
einem niedrigen spezifischen Gewicht eine hohe Festigkeit aufweisen. Allerdings sind
derartige Werkstoffe schwierig zu verarbeiten, da zur Erzielung des gewünschten Eigenschaftsprofils
der Bauteile, die Werkstoffe ein definiertes Gefüge mit einer bestimmten Mikrostruktur
aufweisen müssen.
[0003] Beim Gießen von TiAI-Werkstoffen kann es jedoch zu Seigerungen und Aluminiumsegregationen
kommen, sodass sich eine inhomogene Mikrostruktur einstellen kann. Außerdem können
sich grobe Gefüge ausbilden, die die mechanischen Eigenschaften negativ beeinflussen.
OFFENBARUNG DER ERFINDUNG
AUFGABE DER ERFINDUNG
[0004] Entsprechend ist es Aufgabe der vorliegenden Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
von TiAl - Bauteilen anzugeben, welches eine effiziente Herstellung von Bauteilen
aus TiAl - Legierungen mit einem definierten Eigenschaftsprofil und einer gewünschten
Mikrostruktur ermöglicht, wobei insbesondere geschmiedete TiAl - Bauteile für den
Einsatz in Strömungsmaschinen bereitgestellt werden soll. Darüber hinaus soll eine
geeignete Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens bereitgestellt werden.
TECHNISCHE LÖSUNG
[0005] Die oben genannte Aufgabenstellung wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen
des Anspruchs 1 sowie eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs 11. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind Gegenstand der abhängigen Ansprüche.
[0006] Die Erfindung schlägt vor, TiAl - Bauteile aus TiAl - Werkstoffen durch Schmieden
zu erzeugen, wobei als Halbzeug für das Schmieden ein TiAl - Gusshalbzeug verwendet
wird, welches durch horizontalen Schleuderguss erzeugt wird. Es hat sich gezeigt,
dass durch horizontalen Schleuderguss hergestellte TiAl - Gusshalbzeuge vorteilhaft
für die weitere Verarbeitung durch Schmieden verwendet werden können, um so auf einfache
und effiziente Weise TiAl - Bauteile mit insbesondere vorteilhaftem Eigenschaftsprofil
für den Einsatz in Strömungsmaschinen bereitzustellen.
[0007] Das horizontale Schleudergießen, welches gemäß der vorliegenden Erfindung zur Herstellung
von TiAl - Gusshalbzeugen für das nachfolgende Schmieden eingesetzt werden soll, zeichnet
sich dadurch aus, dass eine Kokille, in die die Schmelze des abzugießenden Werkstoffs
eingefüllt wird und die die entsprechenden Formen für die Halbzeuge bereitstellt,
um eine horizontale Achse gedreht wird. Horizontal bedeutet hierbei, dass die Achse
quer, insbesondere senkrecht zur Richtung der Schwerkraft ausgerichtet ist, wobei
Abweichungen um einige Grad im Rahmen der technischen Durchführungsgenauigkeit zulässig
sind, also beispielsweise Abweichungen von bis zu +/- 10°, vorzugsweise +/- 5°. Durch
das horizontale Schleudergießen lassen sich bei hohen Rotationsgeschwindigkeiten der
Kokille hohe Abkühlraten erzielen, sodass Entmischungen in der TiAl - Legierung vermieden
werden können und ein feines Gefüge erzeugt werden kann. Außerdem können materialsparend
Halbzeug mit großen Wanddicken bzw. Halbzeuge in Form von Zylindern und Kegeln hergestellt
werden.
[0008] Unter TiAl - Legierung wird bei der vorliegenden Erfindung ein Werkstoff verstanden,
der als Hauptbestandteile Titan und Aluminium umfasst, sodass diese die größten Legierungsbestandteile
bilden. Insbesondere werden darunter Werkstoffe verstanden, die intermetallische Phasen,
wie α
2-Ti
3Al und γ-TiAl aufweisen und zwar vorzugsweise ebenfalls als Bestandteile, die volumenmäßig
den größten Anteil eines aus einem derartigen Werkstoff gefertigten Bauteils ausmachen.
[0009] Insbesondere kann die TiAl - Legierung eine sogenannte TNM - Legierung sein, die
als weitere Bestandteile Niob und Molybdän aufweist, da derartige Legierungen besonders
gute mechanische Eigenschaften für den Einsatz in Strömungsmaschinen aufweisen. Insbesondere
kann es sich um eine TNM - Legierung mit der Zusammensetzung 43,5 Gew.% Aluminium,
4 Gew.% Niob, 1 Gew.% Molybdän sowie 0,1 Gew.% Bor und der Rest Titan sowie unvermeidbare
Verunreinigungen und/oder Legierungsbestandteile mit Anteilen von jeweils < 0,5 Gew.%
bis zu einem Gesamtteil von ≤ 5 Gew.%, insbesondere ≤ 2 Gew.% handeln. Der Aluminiumanteil
einer derartigen Legierung kann im Bereich von 40 bis 50 Gew. %, insbesondere 42 bis
45 Gew.% liegen, während der Niobanteil im Bereich von 2 bis 6 Gew.% und insbesondere
3 bis 5 Gew.% liegen kann. Der Molybdänanteil kann wiederum in einem Bereich von 0,5
bis 2 Gew.% liegen, während Bor in einem Bereich von 0,05 Gew.% bis 0,15 Gew.% vorliegen
kann.
[0010] Das TiAl - Gusshalbzeug, das durch den horizontalen Schleuderguss hergestellt werden
kann, kann eine Form aufweisen, welche ausgewählt ist aus der Gruppe, die Zylinder,
Kegel und Ringe umfasst, da diese Formen günstige Vormaterialien für den nachfolgenden
Schmiedeprozess darstellen.
[0011] Das TiAl - Gusshalbzeug kann so im Schleudergussverfahren abgegossen werden, dass
die entsprechenden Formen, wie Zylinder, Kegel, Ringe als separate Gusshalbzeuge entstehen.
Darüber hinaus ist es auch möglich aus einem einzelnen Gussstück oder mehreren Gussstücken
die gewünschten TiAl - Gusshalbzeuge durch Trennen, insbesondere Zerteilen oder Zerspanen
herzustellen. Beispielsweise ist es möglich ein zylindrisches Rohr durch horizontalen
Schleuderguss herzustellen und dieses anschließend durch mechanische Trennverfahren,
wie Schneiden, Sägen, Fräsen oder dergleichen in entsprechende Ringstücke zu zerteilen
bzw. zu trennen und diese Ringstücke als TiAl - Gusshalbzeuge für das nachfolgende
Schmieden zu verwenden.
[0012] Durch das horizontale Schleudergussverfahren können TiAl - Gusshalbzeuge in Form
von Ringen oder Rohren mit einer Länge von 5 bis 300 cm und/oder Wandstärken von 4
bis 30 cm und/oder Innendurchmessern von 10 bis 100 cm als einzelne Gussstücke abgegossen
werden.
[0013] Durch die schnelle Abkühlung, die mittels des Schleudergussverfahrens möglich ist,
kann das Gusshalbzeug mit einer Mikrostruktur hergestellt werden, die Kolonien aus
α - Titan und γ - TiAl in einer β - Titan - Matrix aufweist, wobei in der β - Titan
- Matrix zusätzlich γ-TiAl Ausscheidungen vorliegen können. Die γ-TiAl Ausscheidungen
in der β - Titan - Matrix können linsenförmig ausgebildet sein und/oder die Kolonien
aus α - Titan und γ - TiAl können eine langgestreckte Form aufweisen. Ferner kann
das γ - TiAl in den Kolonien in Form von feinen Lamellen vorgesehen sein.
[0014] Die Phasenzusammensetzung des TiAl - Gusshalbzeugs kann bereits nahe der Gleichgewichtsphasenzusammensetzung
bei Raumtemperatur sein und lediglich bis zu 10 Vol.% und insbesondere bis zu 8 Vol.%
von der Gleichgewichtszusammensetzung bei Raumtemperatur abweichen. Dies bedeutet,
dass das Gusshalbzeug lediglich in der Größenordnung von bis zu 10 Vol.% bzw. bis
zu 8 Vol.% andere Phasen aufweist als dies für die Gleichgewichtszusammensetzung bei
Raumtemperatur der Fall sein sollte.
[0015] Nach dem Herstellen des TiAl - Gusshalbzeugs kann dieses mit einem oder mehreren
Umformschritten durch Schmieden und/oder mit mindestens einer Wärmebehandlung zu einem
TiAl - Bauteil bzw. TiAl - Halbzeug gefertigt werden, welches lediglich durch geringfügige
Nacharbeit zum gewünschten TiAl - Bauteil gefertigt werden kann, wobei die Nachbearbeitung
insbesondere die entsprechende Oberflächenbearbeitung bzw. das Entgraten oder Entkanten
umfassen kann.
[0016] Insbesondere kann ein TiAl - Gusshalbzeug in Form eines Ringes zu einer Ringscheibe
geschmiedet werden, aus welcher entsprechende Schaufeln für Strömungsmaschinen herausgetrennt
werden können.
[0017] Um sicherzustellen, dass die TiAl - Schmelze mit ausreichend hoher Temperatur, d.h.
in einem überhitzten Zustand in die Kokille eingeführt werden kann, wird zudem vorgeschlagen,
bei der Vorrichtung für den horizontalen Schleuderguss einen induktiv beheizbaren
Speiser vorzusehen, mittels dem die Schmelze in die Kokille eingebracht wird. Zur
induktiven Beheizung kann der Speiser von mindestens einer Spule umgeben sein.
[0018] Der Speiser kann als eine oben offene Rinne ausgeführt sein, die durch ein Fluid,
wie beispielsweise Wasser kühlbar sein kann und die vorzugsweise aus Kupfer-, Niob-
oder Molybdänwerkstoffen gebildet sein kann. Unter Kupfer -, Niob - oder Molybdänwerkstoffen
werden diejenigen Werkstoffe verstanden, die als Hauptbestandteil Kuper, Niob oder
Molybdän aufweisen.
[0019] Die Kokille kann aus einem Stahl - und/oder Kupfer - und/oder Niobwerkstoff gebildet
sein, um eine schnelle Wärmeableitung zu ermöglichen. Unter Kupfer - und Niobwerkstoffen
werden wiederum Werkstoffe verstanden, die als Hauptbestandteil Kupfer bzw. Niob aufweisen.
[0020] Zur Verbesserung der Wärmeableitung aus der Kokille kann die Kokille auch geeignete
Kühlkanäle für Fluide, wie Wasser und dergleichen, umfassen.
KURZBESCHREIBUNG DER FIGUREN
[0021] Die beigefügten Zeichnungen zeigen in rein schematischer Weise in
- Fig. 1
- eine Darstellung des horizontalen Schleudergussverfahrens zur Herstellung von kegelförmigen
oder zylinderförmigen TiAl - Gusshalbzeugen,
- Fig. 2
- eine Schnittdarstellung einer Kokille nach dem Schleuderguss,
- Fig. 3
- eine perspektivische Darstellung der Kokille aus den Figuren 1 und 2,
- Fig. 4
- eine weitere Darstellung einer Schleudergussvorrichtung zur Durchführung eines Schleudergussverfahrens
gemäß einer zweiten Ausführungsform der Erfindung,
- Fig. 5
- eine Schnittdarstellung der Kokille aus Figur 4 nach Beendigung des Schleudergusses,
- Fig. 6
- eine perspektivische Darstellung der Kokille aus den Figuren 4 und 5,
- Fig. 7
- eine Darstellung des Ablaufs des Schleudergussverfahrens in den Teilbildern a) bis
e) bei der Ausführungsform, die in den Figuren 4 bis 6 dargestellt ist,
- Fig. 8
- eine schematische Darstellung des Gefüges eines TiAl - Gusshalbzeugs nach dem Schleuderguss
und in
- Fig. 9
- eine Darstellung eines Schmiedeschritts zur Umformung eines Rings zu einer Scheibe.
AUSFÜHRUNGSBEISPIELE
[0022] Weiter Vorteile, Kennzeichen und Merkmale der vorliegenden Erfindung werden bei der
nachfolgenden detaillierten Beschreibung von Ausführungsbeispielen deutlich, wobei
die Erfindung nicht auf die entsprechenden Ausführungsformen beschränkt ist.
[0023] Die Figur 1 zeigt in einer schematischen Schnittdarstellung eine Vorrichtung und
ein Verfahren zum Schleuderguss von TiAl - Gusshalbzeugen gemäß der vorliegenden Erfindung,
aus welchen anschließend durch Umformen mittels Schmieden TiAl - Bauteilen hergestellt
werden, die insbesondere bei Strömungsmaschinen, wie Flugtriebwerken, eingesetzt werden
können.
[0024] Die Vorrichtung umfasst eine Kokille 1, die eine Vielzahl von Formen 3, 3' aufweist,
in die der Gusswerkstoff eingefüllt wird. Bei der Kokille 1 der Ausführungsform, die
in Figur 1 dargestellt ist, handelt es sich bei den Formen 3, 3' um Formen zur Herstellung
von Kegeln und Zylindern, die entlang der Längsachse 2 der Kokille 1 und entlang der
Umfangswand der Kokille 1 beabstandet zueinander angeordnet sind.
[0025] Die Kokille 1 wird beim Schleuderguss, mit dem die Formen 3, 3' der Kokille 1 mit
entsprechender Schmelzflüssigkeit befüllt werden, um die Kokillenlängsachse 2 gedreht,
sodass der Gusswerkstoff z.B. in Form einer TiAl - Legierung, der schmelzflüssig in
die Kokille 1 eingeführt wird, durch die Zentrifugalkraft in die Formen 3, 3' gedrückt
wird.
[0026] Die schmelzflüssige TiAl - Legierung 9 wird aus einem Schmelztiegel 6, der durch
eine Heizung 7 beheizt werden kann, bereitgestellt, wobei die schmelzflüssige TiAl
- Legierung über einen Speiser 5 in die Kokille 1 eingeführt wird.
[0027] Wie der Figur 1 zu entnehmen ist, wird der Speiser 5 in der Kokille 1 entlang der
Längsachse 2 bewegt, sodass nacheinander die entlang der Längsachse 2 beabstandet
angeordneten Formen 3, 3' befüllt werden können.
[0028] Um eine möglichst schnelle Erstarrung der TiAl - Legierung in der Kokille 1 bzw.
in den Formen 3, 3' zu gewährleisten, sind in der Kokille 1 Kühlkanäle 4 vorgesehen,
durch die Kühlflüssigkeit, wie beispielsweise Wasser, fließen kann.
[0029] Um sicherzustellen, dass die geschmolzene TiAl - Legierung 9 in einem geschmolzenen,
überhitzten Zustand in die Kokille 1 bzw. die Formen 3, 3' eingebracht werden kann,
ist der Speiser 5 mit einer Induktionsheizung 8 versehen, wobei für die Induktionsheizung
8 eine Spule vorgesehen ist, die um eine nach oben offene Rinne des Speisers 5 angeordnet
ist. Durch die Spule 8 kann die schmelzflüssige TiAl - Legierung 9 auf ihrem Weg über
den Speiser 5 zu den Formen 3, 3' induktiv auf Temperatur gehalten werden.
[0030] Die Figur 2 zeigt die Kokille 1 nach dem horizontalen Schleudergießen, wobei alle
Formen 3, 3' mit dem abgegossenen TiAl - Material gefüllt sind und die TiAl - Gusshalbzeuge
in Form von Kegeln 10 und Zylindern 11 entnommen werden können, wobei die Kokille
1, wie später noch in einem anderen Ausführungsbeispiel gezeigt wird, in entsprechende
Einzelteile zerlegt werden kann, um die TiAl - Gusshalbzeuge entnehmen zu können.
[0031] Die Figur 3 zeigt die Kokille 1 in einer perspektivischen Darstellung, wobei hier
die einzelnen Formen 3, 3' und ihre beabstandete Anordnung in Umfangsrichtung und
Längsrichtung der zylinderförmigen Kokille 1 deutlich zu erkennen ist. Darüber hinaus
erkennt man in der Figur 3, dass in der Umfangswand der Kokille 1 mehrere Kühlkanäle
4 nebeneinander angeordnet sind und in Längsrichtung der Kokille 1 verlaufen.
[0032] Die Figuren 4 bis 7 zeigen ein weiteres Ausführungsbeispiel für das erfindungsgemäße
Verfahren und die Vorrichtung zur Herstellung von schleudergegossenen TiAl - Gusshalbzeugen
als Vorstufe für die Herstellung von geschmiedeten TiAl - Bauteilen. Die zweite Ausführungsform
unterscheidet sich von der vorangegangenen Ausführungsform lediglich darin, dass anders
geformte TiAl - Gusshalbzeuge 12 gebildet werden und entsprechend die Kokille 1 andere
Formen 3" aufweist. Statt den Kegeln und Zylindern, wie sie im Ausführungsbeispiel
der Figuren 1 bis 3 hergestellt werden, wird gemäß dem Ausführungsbeispiel der Figur
4 eine Vielzahl von Ringen bzw. Rohren 12 (siehe Figur 5) gebildet, wobei die entsprechenden
Formen 3" durch umlaufende Vertiefungen in der Kokillenwand 1 gebildet sind. Darüber
hinaus unterscheidet sich das Verfahren bzw. die Vorrichtung gemäß Figur 4 nicht weiter
gegenüber der Ausführungsform der Figur 1, sodass die gleichen Komponenten mit gleichen
Bezugszeichen versehen sind und auf eine wiederholte Beschreibung dieser identischen
Komponenten verzichtet wird.
[0033] Die Figur 7 verdeutlicht in einer Zusammenstellung in den Teilbildern a) bis e) den
Ablauf des erfindungsgemäßen Verfahrens hinsichtlich des Schleudergusses zur Herstellung
von Ti-Al - Gusshalbzeugen als Vorstufe für das Schmieden von TiAl - Bauteilen aus
den TiAl - Gusshalbzeugen.
[0034] Die Teilbilder a) bis d) entsprechen den Darstellungen der Figuren 4 bis 6, wobei
im Teilbild a) der Beginn des Schleudergusses gezeigt ist, bei dem der Speiser 5 die
erste Reihe der Formen 3" mit dem Gusswerkstoff füllt, während im Teilbild b) der
Speiser 5 bereits entlang der Längsachse 2 der Kokille 1 bewegt worden ist und die
dritte Reihe der Formen 3" mit geschmolzener TiAl - Legierung füllt.
[0035] Das Teilbild e) der Figur 7 zeigt wie die Kokille 1 aus mehreren Teilen, nämlich
verschiedenen Ringsegmenten 13 bis 15 aufgebaut ist, die zum Entnehmen der gefertigten
TiAl - Gusshalbzeuge in Form von Ringen 12 auseinander gebaut werden. Die Kokille
1 besteht in dem gezeigten Ausführungsbeispiel der Figur 7 e) aus jeweils einer Endplatte
13 und einer Vielzahl von ringförmigen Formsegmenten 14 und Trennsegmenten 15, die
abwechselnd nebeneinander angeordnet werden, um so die Formen 3" zu bilden. Im gezeigten
Ausführungsbeispiel der Figur 7 e) sind fünf Formen zur Bildung von Ringen 12 vorgesehen,
wobei die Kokille 1 mit mehr Ringsegmenten 14, 15 auch länger ausgebildet sein kann,
um mehr Ringe 12 zu bilden.
[0036] Die Figur 8 zeigt schematisch ein Schliffbild zur Darstellung der Mikrostruktur eines
TiAl - Gusshalbzeugs nach dem Schleuderguss. In Figur 8 ist dargestellt, dass die
Mikrostruktur aus einer Vielzahl von Kolonien 16 aus α - Titan und γ - TiAl gebildet
ist, wobei das γ - TiAl in Form von Lamellen 18 in den Kolonien 16 vorliegt. Die Kolonien
16 sind länglich gestreckt ausgebildet und in einer β - Titan - Matrix 17 eingelagert,
die zusätzlich linsenförmige γ - TiAl - Ausscheidungen 19 aufweist. Das Gefüge weist
keine globularen γ - TiAl - Körner auf und verleiht dem Werkstoff eine Zugfestigkeit
von 650 bis 800 MPa bei einer Gesamtdehnung von 0,2 bis 0,9 %. Das Gefüge liegt bereits
sehr nahe an der Gleichgewichtsphasenzusammensetzung bei Raumtemperatur, wobei die
Abweichung von der Gleichgewichtsphasenzusammensetzung bei Raumtemperatur lediglich
bis zu 10 Vol.%, vorzugsweise bis zu 8 Vol.% des Gefüges betrifft.
[0037] Die durch horizontalen Schleuderguss hergestellten TiAl - Gusshalbzeuge sind in hervorragender
Weise für die Weiterverarbeitung zu TiAl - Schmiedebauteilen geeignet, wie dies in
Figur 9 dargestellt ist. Gemäß der Figur 9 werden die TiAl - Gusshalbzeuge in Form
von Ringen 12, wie sie beispielsweise gemäß dem Verfahren nach Figur 7 hergestellt
worden sind, in einer Schmiede mit entsprechenden Schmiedewerkzeugen 20, 21 zu einem
TiAl - Schmiedebauteil in Form einer ringförmigen Scheibe 22 (siehe Teilbild b) der
Figur 9) umgeformt, aus welchem gemäß der Darstellung in Figur 9 c) entsprechende
TiAl - Bauteile 23, wie Schaufeln oder dergleichen herausgetrennt werden können, wie
dies durch die gestrichelten Linien in Figur 9 c) angedeutet ist.
[0038] Obwohl die vorliegende Erfindung anhand der Ausführungsbeispiele detailliert beschrieben
worden ist, ist für den Fachmann selbstverständlich, dass die Erfindung nicht auf
diese Ausführungsbeispiele beschränkt ist, sondern dass vielmehr Abwandlungen in der
Weise möglich sind, dass einzelne Merkmale weggelassen oder andersartige Kombinationen
von Merkmalen verwirklicht werden können, solange der Schutzbereich der beigefügten
Ansprüche nicht verlassen wird. Die vorliegende Offenbarung schließt sämtliche Kombinationen
der vorliegenden Einzelmerkmale mit ein.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0039]
- 1
- Kokille
- 2
- Kokillenlängsachse
- 3,3',3"
- Form
- 4
- Kühlkanal
- 5
- Speiser
- 6
- Schmelztiegel
- 7
- Heizung
- 8
- Induktionsspule
- 9
- Schmelze
- 10
- Kegel
- 11
- Zylinder
- 12
- Ring
- 13
- Endplatte
- 14
- Formsegment
- 15
- Trennsegment
- 16
- Kolonie
- 17
- Matrix
- 18
- Lamelle
- 19
- linsenförmige Ausscheidung
- 20
- Schmiedewerkzeug
- 21
- Schmiedewerkzeug
- 22
- Scheibe
- 23
- Bauteil
1. Verfahren zur Herstellung von geschmiedeten Bauteilen aus TiAl - Legierungen, bei
welchem eine Schmelze (9) einer TiAl - Legierung bereitgestellt wird, welche in einem
horizontalen Schleuderguss vergossen wird, sodass mindestens ein TiAl - Gusshalbzeug
(10,11,12) erzeugt wird, wobei das TiAl - Gusshalbzeug durch Schmieden zu einem TiAl
- Schmiedeteil (22) umgeformt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
das TiAl - Gusshalbzeug ausgewählt ist aus der Gruppe, die Zylinder (11), Kegel (10)
und Ringe (12) umfasst.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
das TiAl - Gusshalbzeug durch Trennen, insbesondere Zerteilen oder Zerspannen eines
Gussstücks erzeugt wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2,
dadurch gekennzeichnet, dass
die TiAl - Legierung in einer Kokille (1) zu mehreren getrennten TiAl - Gusshalbzeugen
gegossen wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die TiAl - Legierung zu TiAl - Gusshalbzeug in Form von Ringen (12) oder Rohren mit
einer Länge von 5 bis 300 cm und/oder Wandstärken von 4 bis 30 cm und/oder Innendurchmessern
von 10 bis 100 cm abgegossen wird.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die TiAl - Legierung eine TNM - Legierung mit Bestandteilen an Niob und Molybdän,
insbesondere eine Ti - 43,5 Al- 4 Nb - 1 Mo - 0,1 B Legierung ist, die 43,5 Gew.%
Al, 4 Gew.% Nb, 1 Gew.% Mo, 0,1 Gew.% B und Rest Ti sowie unvermeidbare Verunreinigungen
und/oder Legierungsbestandteile mit Anteilen von jeweils kleiner 0,5 Gew.% bis zu
einem Gesamtanteil von kleiner oder gleich 5 Gew.%, insbesondere kleiner oder gleich
2 Gew.% aufweist.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das TiAl - Gusshalbzeug eine Mikrostruktur aufweist, die durch insbesondere langgestreckte
Kolonien (16) aus α - Ti und γ - TiAl gebildet ist, die in β - Ti eingelagert sind,
wobei insbesondere linsenförmige γ - TiAl - Ausscheidungen (19) im β - Ti ausgebildet
sind.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Phasenzusammensetzung des TiAl - Gusshalbzeugs von der Gleichgewichtsphasenzusammensetzung
bei Raumtemperatur bis zu 10 Vol.%, insbesondere bis zu 8 Vol.% abweicht.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das TiAl - Gusshalbzeug mehreren Umformschritten durch Schmieden und/oder mindestens
einer Wärmebehandlung unterzogen wird.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass
das TiAl - Gusshalbzeug in Form eines Ringes (12) zu einer Ringscheibe (22) geschmiedet
wird, aus welcher Schaufeln (23) für Strömungsmaschinen herausgetrennt werden.
11. Vorrichtung für den horizontalen Schleuderguss von TiAl - Halbzeugen, insbesondere
zur Durchführung des Verfahrens nach einem der vorhergehenden Ansprüche mit mindestens
einer Kokille (1), die um eine horizontal angeordnete Drehachse drehbar ist, und mindestens
einem Speiser (5), der in die Kokille hineinragen kann, um eine Schmelze (9) in die
Kokille einzubringen,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Speiser (5) induktiv beheizbar ist.
12. Vorrichtung nach Anspruch 11,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Speiser (5) eine oben offene Rinne umfasst, die insbesondere durch ein Fluid kühlbar
ist und vorzugsweise aus Kupfer - oder Niob - oder Molybdänwerkstoffen gebildet ist.
13. Vorrichtung nach Anspruch 11 oder 12,
dadurch gekennzeichnet, dass
der Speiser von mindestens einer Spule (8) umgeben ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 11 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Kokille aus Stahl und/oder Kupfer - Werkstoffen und/oder Niob - Werkstoffen gebildet
ist.