[0001] Die Erfindung betrifft ein Geschoss zum Abfangen einer Kleindrohne.
[0002] Es muss damit gerechnet werden, dass in Zukunft vermehrt Kleindrohnen für terroristische
Angriffe eingesetzt werden. Die Abwehr solcher Kleindrohnen ist mit herkömmlichen
Waffen schon auf Grund der geringen Größe der Kleindrohne problematisch. Insbesondere
bei einem Abschießen einer Kleindrohne mit einem herkömmlichen Geschoss über bewohntem
Gebiet ist mit Kollateralschäden zu rechnen. - Es besteht ein Bedarf, Kleindrohnen
an einem Weiterflug zu hindern.
[0003] Nach dem Stand der Technik sind sogenannte Düppel bekannt. Düppel sind leitfähige
Metallfäden. Sie werden von Flugzeugen abgeworfen, um ein Radar zu täuschen.
[0004] Die Aufgabe der vorgenannten Erfindung besteht darin, ein Mittel zum Abfangen einer
Kleindrohne anzugeben.
[0005] Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Zweckmäßige Ausgestaltungen
der Erfindung ergeben sich aus den Merkmalen der Ansprüche 2 bis 8.
[0006] Nach Maßgabe der Erfindung wird ein Geschoss zum Abfangen einer Kleindrohne vorgeschlagen,
umfassend eine Treibladungshülse mit einer Treibladung und einem Treibladungszünder;
und ein mit der Treibladungshülse verbundenes Projektil, in dem ein Aktivierungsmittel,
ein Ausstoßmittel und ein eine Vielzahl von Fäden umfassender Effektor aufgenommen
ist, wobei das Aktivierungsmittel dazu geeignet ist, das Ausstoßmittel zeitversetzt
nach einem Zünden der Treibladung zu aktivieren, so dass der Effektor in Richtung
zur Kleindrohne hin aus dem Projektil ausgestoßen wird.
[0007] Im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine "Kleindrohne" ein unbemanntes Luftfahrzeug,
welches entweder ferngesteuert wird oder eigenständig anhand von gespeicherten Positionen,
z. B. GPS-Koordinaten (Global Positioning System), navigiert. Bei der Kleindrohne
kann es sich um ein unbemanntes Flugzeug oder einen unbemannten Helikopter handeln.
Insbesondere kann die Kleindrohne ein unbemannter Helikopter mit mehreren Rotoren,
z. B. ein Quadrokopter, sein. Die Kleindrohne hat vorzugsweise ein Gewicht von höchstens
50 kg, vorzugsweise höchstens 20 kg, insbesondere höchstens 10 kg.
[0008] Unter dem Begriff "Abfangen" wird verstanden, dass eine fliegende Kleindrohne an
einem Weiterfliegen gehindert wird, indem sie insbesondere flugunfähig gemacht wird.
[0009] Ein "Effektor" umfasst eine Vielzahl von Fäden. Die Fäden können zweckmäßigerweise
unterschiedliche Längen aufweisen. Die Fäden müssen nicht so ausgestaltet sein, dass
sie radartäuschend sind.
[0010] Mit dem erfindungsgemäßen Geschoss ist es möglich, einen Effektor in die Nähe einer
sich einem Ziel nähernden Kleindrohne zu bringen. Der Effektor bildet nach dem Ausstoßen
aus dem Projektil eine Wolke aus einer Vielzahl von Fäden. Durch die Vielzahl der
Fäden kann ein Weiterflug der Kleindrohne mechanisch behindert werden, indem ein Propeller
der Kleindrohne umwickelt oder ein Düsentriebwerk der Kleindrohne verstopft wird.
Des Weiteren können auch andere bewegliche Elemente der Kleindrohne, z. B. Ruder oder
dgl., in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt werden. Zusätzlich wird das Gewicht der
Kleindrohne durch die eingefangenen Fäden erhöht. Auch das beeinträchtigt die Flugfähigkeit
der Kleindrohne.
[0011] Das Geschoss kann mit einer herkömmlichen Ausstoßeinrichtung, z. B. einem Gewehr,
Mörser oder einer Druckluftwaffe, verschossen werden. Im letzteren Fall kann auch
nur das erfindungsgemäße Projektil verschossen werden, d. h. es kann hier die Treibladungshülse
samt Treibladung und Treibladungszünder weggelassen werden.
[0012] Die Treibladungshülse kann eine herkömmliche Treibladungshülse sein, welche an die
Ausstoßeinrichtung angepasst ist. Ein Durchmesser des Geschosses kann beispielsweise
40 mm betragen. Mittels des Treibladungszünders wird die Treibladung gezündet und
das Projektil in eine Ausstoßrichtung ausgestoßen. Vorteilhafterweise ist das Projektil
für eine Entfernung zwischen 30 und 500 m ausgelegt, insbesondere für eine Reichweite
von 200 bis 350 m.
[0013] Zweckmäßigerweise sind die Fäden aus einem Material hergestellt, welches zum mechanischen
Blockieren von beweglichen Teilen der Kleindrohne geeignet ist. Das Material weist
eine hohe Reißfestigkeit auf, so dass damit eine Rotation eines Propellers unterbunden
werden kann.
[0014] In einer weiteren Ausführung sind die Fäden aus einem elektrisch leitfähigen Material
hergestellt. Durch leitfähige Fäden kann der Empfang von elektromagnetischen Wellen,
insbesondere Signalen für die Positionsbestimmung über ein GNSS (Global Navigation
Satellite System) oder von Funksignalen gestört werden. Damit wird die Navigation
der Kleindrohne gestört, da dann deren Position nicht mehr bestimmt und/oder ein Funksignal
von einem Steuergerät für die Kleindrohne nicht mehr empfangen werden kann.
[0015] Zweckmäßigerweise sind die Fäden aus einem Kunststoff, einem Metall, einer Metalllegierung
oder einem Verbundmaterial hergestellt. Als Kunststoffe sind z. B. Kohlefaser oder
Aramid besonders gut geeignet. Insbesondere nichtleitende Fasern können bei Bedarf
mit einer Metallbedampfung versehen werden, so dass sie gleichzeitig leicht, zugfest
und elektrisch leitfähig sind.
[0016] Die Länge der Fäden liegt zweckmäßigerweise zwischen 1 cm und mehreren hundert Metern,
insbesondere zwischen 10 cm und 10 m.
[0017] Nach einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung ist das Ausstoßmittel
eine pyrotechnische Ladung oder ein mechanisches Spannmittel.
[0018] Bei einem mechanischen Spannmittel kann der Effektor z. B. mittels einer Feder ausgestoßen
werden.
[0019] Der Effektor kann mehrere Fadenpakete umfassen, welche jeweils von einer Hülle umgeben
sind. Solche Fadenpakete können an verschiedenen Stellen im Luftraum freigegeben und
damit die Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens zwischen einer aus Fäden gebildeten
Wolke und Kleindrohne erhöht werden.
[0020] Zweckmäßigerweise umfasst das Aktivierungsmittel einen Abstandssensor, welcher beim
Erreichen eines vorgegebenen Abstands zur Kleindrohne ein das Ausstoßmittel aktivierendes
Aktivierungssignal erzeugt. Der Abstandssensor ist dazu geeignet, einen Abstand zwischen
dem Projektil und der Kleindrohne zu bestimmen und das Ausstoßmittel zu aktivieren.
Ein solcher Abstandssensor kann ein Mittel zum Messen eines Abstands mittels Laser
und/oder elektromagnetischer Wellen und/oder Ultraschall sowie eine Auswerteelektronik
umfassen. Zweckmäßigerweise wird der vorgegebene Abstand zur Kleindrohne so klein
gewählt, dass die Kleindrohne nicht mehr ausweichen kann. Vorzugsweise beträgt der
vorgegebene Abstandswert höchstens 20 m, insbesondere höchstens 10 m. Das Aktivierungsmittel
kann zusätzlich zum Abstandssensor ein Mittel zur Mustererkennung umfassen. Dieses
Mittel ist dazu ausgelegt, die Kleindrohne von anderen Flugobjekten zu unterscheiden,
z. B. durch den Abgleich mit typischen Mustern aus einer Datenbank.
[0021] In einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung der Erfindung umfasst das Aktivierungsmittel
eine Zeitsteuerung, welche nach Ablauf einer vorgegebenen Zeitdauer ein das Aktivierungsmittel
aktivierendes Aktivierungssignal erzeugt. Die Zeitsteuerung ist typischerweise als
elektronische Schaltung ausgelegt. Mithilfe der Zeitsteuerung kann z. B. in Abhängigkeit
von der Entfernung der Ausstoßeinrichtung von der Kleindrohne die Zeit bis zur Aktivierung
des Ausstoßmittels vorgegeben werden.
[0022] In einer weiteren zweckmäßigen Ausgestaltung umfasst das Aktivierungsmittel einen
Empfänger zum Empfang von Funksignalen oder optischen Signalen, welcher beim Empfang
eines vorgegebenen Befehlssignals ein das Ausstoßmittel aktivierendes Aktivierungssignal
erzeugt. Das vorgegebene Befehlssignal kann ein Funksignal oder ein optisches Signal
sein, welches z. B. von einer Basisstation gesendet wird. Das Befehlssignal kann gegen
Missbrauch durch Dritte kodiert sein. Des Weiteren ist es auch möglich, ein weiteres
vorgegebenes Befehlssignal an den Empfänger zu senden, welches das Aktivierungsmittel
deaktiviert. Damit kann der Ausstoß verhindert werden. Zweckmäßigerweise umfasst das
Aktivierungsmittel zusätzlich zum Empfänger eine Zeitsteuerung und/oder einen Abstandssensor.
[0023] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der einzigen Zeichnung
näher erläutert.
[0024] Fig. 1 zeigt eine Explosionsansicht eines Projektils 1. Eine die Treibladung aufnehmende
Treibladungshülse ist hier weggelassen.
[0025] Das Projektil 1 umfasst einen Projektilkopf 2 und ein Heckteil 3. Der Projektilkopf
2 ist zweckmäßigerweise gebildet aus einer Hülle 2a und einer Ringscheibe 2b. In der
Hülle 2a sind der Effektor 4 und das (hier nicht näher gezeigte) Ausstoßmittel aufgenommen.
Das Heckteil 3 setzt sich zweckmäßigerweise aus mehreren Heckabschnitten 3a, 3b, 3c,
3d zusammen. Im vordersten Heckabschnitt 3a ist zweckmäßigerweise das Aktivierungsmittel
aufgenommen. Der hinterste Heckabschnitt 3d ist zweckmäßigerweise als Treibspiegel
ausgestaltet. Die weiteren Heckabschnitte dienen der Aerodynamik des Projektils 1.
[0026] Der Effektor 4 enthält vorzugsweise Kunststofffäden mit einer Metallbedampfung, wobei
die Kunststofffäden unterschiedliche Längen aufweisen. Das Ausstoßmittel kann eine
pyrotechnische Ladung sein, welche durch das Aktivierungsmittel im vordersten Heckabschnitt
3a gezündet wird, sobald das Projektil 1 sich in einem vorbestimmten Abstand zur Kleindrohne
befindet. Dadurch löst sich der Projektilkopf 2 und die Hülle 2a wird nach vorne abgesprengt.
Infolgedessen werden die Fäden des Effektors 4 freigesetzt und verteilen sich nach
Art einer Wolke.
[0027] Ein Einsatz des erfindungsgemäßen Geschosses kann wie folgt ablaufen:
Die Kleindrohne tritt in ein überwachtes Zielgebiet ein. Ein Schütze schießt mit dem
erfindungsgemäßen Geschoss auf die Kleindrohne. Das Projektil 1 wird zur Kleindrohne
hin beschleunigt. Mittels eines Abstandssensors wird der Abstand zwischen Projektil
1 und Kleindrohne überwacht. Sobald ein vorgegebener Abstandswert, z. B. von 30 m,
unterschritten wird, wird das Ausstoßmittel durch das Aktivierungsmittel aktiviert.
Das Ausstoßmittel ist hier zweckmäßigerweise eine pyrotechnische Ladung, welche gezündet
wird. Mittels der pyrotechnischen Ladung werden die Fäden des Effektors 4 im Luftraum
in der Nähe der Kleindrohne verteilt. Sobald die Kleindrohne in den Bereich der Fäden
fliegt, wird ein Teil der Fäden vom Ansaugstrom der Propeller der Kleindrohne angesaugt,
so dass die Fäden den Propeller der Kleindrohne umwickeln. Die Kleindrohne wird flugunfähig
und stürzt ab.
Bezugszeichenliste
[0028]
- 1
- Projektil
- 2
- Projektilkopf
- 2a
- Hülle
- 2b
- Ringscheibe
- 3
- Heckteil
- 3a, 3b, 3c, 3d
- Heckabschnitt
- 4
- Effektor
1. Geschoss zum Abfangen einer Kleindrohne, umfassend
eine Treibladungshülse mit einer Treibladung und einem Treibladungszünder; und
ein mit der Treibladungshülse verbundenes Projektil (1), in dem ein Aktivierungsmittel,
ein Ausstoßmittel und ein eine Vielzahl von Fäden umfassender Effektor (4) aufgenommen
ist, wobei das Aktivierungsmittel dazu geeignet ist, das Ausstoßmittel zeitversetzt
nach einem Zünden der Treibladung zu aktivieren, so dass der Effektor (4) in Richtung
zur Kleindrohne hin aus dem Projektil (1) ausgestoßen wird.
2. Geschoss nach Anspruch 1,
wobei die Fäden aus einem zum mechanischen Blockieren von beweglichen Teilen der Kleindrohne
geeigneten Material hergestellt sind.
3. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei die Fäden aus einem elektrisch leitfähigen Material hergestellt sind.
4. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei die Fäden aus einem Kunststoff, einem Metall, einer Metalllegierung oder einem
Verbundmaterial hergestellt sind.
5. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei das Ausstoßmittel eine pyrotechnische Ladung oder ein mechanisches Spannmittel
umfasst.
6. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei das Aktivierungsmittel einen Abstandssensor umfasst, welcher beim Erreichen
eines vorgegebenen Abstands zur Kleindrohne ein das Ausstoßmittel aktivierendes Aktivierungssignal
erzeugt.
7. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei das Aktivierungsmittel eine Zeitsteuerung umfasst, welche nach Ablauf einer
vorgegebenen Zeitdauer ein das Ausstoßmittel aktivierendes Aktivierungssignal erzeugt.
8. Geschoss nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
wobei das Aktivierungsmittel einen Empfänger zum Empfang von Funksignalen oder optischen
Signalen umfasst, welcher bei Empfang eines vorgegebenen Befehlssignals ein das Aktivierungsmittel
aktivierendes Aktivierungssignal erzeugt.