[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Signalverarbeitung für ein Hörgerät, insbesondere
für ein Hörhilfegerät. Des Weiteren betrifft die Erfindung ein Hörgerät sowie ein
Hörgerätesystem. Weiterhin betrifft die Erfindung einen Störquellensender für ein
Hörgerätesystem.
[0002] Der Begriff "Hörgerät" umfasst üblicherweise verschiedene Geräte, die der Ausgabe
von Tonsignalen an ein Ohr oder das Hörzentrum eines Nutzers ("Trägers") des jeweiligen
Geräts dienen. Neben sogenannten Hörhilfegeräten, die für Menschen mit Hörminderung
bereitgestellt werden, fallen unter anderem auch Headsets, Tinnitus Maskers und dergleichen
unter den Begriff "Hörgerät".
[0003] Hörhilfegeräte werden vornehmlich eingesetzt, um bei Personen mit einer Hörminderung
die hieraus resultierenden Einschränkungen des Hörvermögens zumindest teilweise auszugleichen.
Träger von Hörhilfegräten haben in der Regel den Wunsch, das Hörhilfegerät dauerhaft
und möglichst ohne Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität zu tragen. Neben hörtechnischen
(akustischen) Anforderungen müssen Hörhilfegeräte daher auch Anforderungen an (Trage-
und Bedien-) Komfort und Ästhetik gerecht werden. Hierbei kommt insbesondere einer
kleinen und leichten Bauweise in der Hörgerätetechnik besondere Bedeutung zu.
[0004] Hörhilfegeräte umfassen regelmäßig mindestens ein Mikrofon zur Aufnahme akustischer
Eingangssignale. Des Weiteren umfassen Hörhilfegeräte meist als Ausgabeeinheit einen
Hörer (auch als Lautsprecher bezeichnet), mit dem akustische Ausgangssignale - zumeist
in verstärkter Form - an den Träger des Hörhilfegeräts weitergegeben werden. Als Ausgabeeinheiten
kommen teilweise auch Cochlea- oder Knochenleitungsimplantate zum Einsatz.
[0005] Um das Eingangssignal in das Ausgangssignal zu wandeln, weisen Hörhilfegeräte üblicherweise
eine Signalverarbeitungseinheit auf. In dieser wird unter Einsatz von Filter- und
Rechenalgorithmen das Eingangssignal verarbeitet und dabei in das Ausgabesignal umgewandelt.
Zur Bereitstellung der hierfür erforderlichen Energie umfassen Hörhilfegeräte außerdem
meist eine Batterie.
[0006] Bei der Signalverarbeitung werden mittels der Filter- und Rechenalgorithmen in dem
erfassten Eingangssignal insbesondere unerwünschte Störsignale (z. B. Rauschen, störende
Hintergrund- oder Nebengeräusche) detektiert und anschließend reduziert. Die hierbei
erforderlichen Rechenoperationen sind jedoch erkanntermaßen energieintensiv und führen
somit zu einer Reduktion der Lebensdauer der jeweiligen - bauraumbedingt ohnehin meist
kleinen - Batterie.
[0007] Um auf besonders einfache Weise unerwünschte Störsignale ausblenden zu können, ist
beispielsweise
EP 2 312 579 A1 bekannt, im Bereich des Motors eines Fahrzeugs ein separates Mikrofon zu platzieren.
Die mittels dieses Mikrofons erfassten Geräusche werden dann beispielsweise in einer
Telekommunikationseinrichtung zur Störgeräusch-Unterdrückung herangezogen.
[0008] Der Erfindung liegt die Aufgabe zu Grunde, den Energiebedarf eines Hörgeräts zu reduzieren.
[0009] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch ein Verfahren zur Signalverarbeitung
mit den Merkmalen des Anspruchs 1. Des Weiteren wird die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst
durch ein Hörgerät mit den Merkmalen des Anspruchs 9. Weiterhin wird die Aufgabe erfindungsgemäß
gelöst durch ein Hörgerätesystem mit den Merkmalen des Anspruchs 10. Außerdem wird
die Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch einen Störquellensender mit den Merkmalen
des Anspruchs 11. Vorteilhafte und teils für sich erfinderische Ausführungsformen
und Weiterentwicklungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen und der nachfolgenden
Beschreibung dargelegt.
[0010] Das erfindungsgemäße Verfahren dient zur (insbesondere akustischen) Signalverarbeitung
für ein Hörgerät. Dazu wird mittels eines Mikrofons des Hörgeräts ein akustisches
Geräuschsignal empfangen und vorzugsweise in ein elektrisches Signal ("Eingangssignal")
umgewandelt. Zusätzlich wird über eine Empfangseinheit ein elektromagnetisches Informationssignal
empfangen. Aus diesem Informationssignal wird eine Information über ein akustisches
Störsignal abgeleitet, das in dem empfangenen Geräuschsignal enthalten ist. Mittels
einer Signalverarbeitungseinheit des Hörgeräts wird das Geräuschsignal, vorzugsweise
das daraus erzeugte Eingangssignal zur Ausgabe an einen Hörgerätenutzer verarbeitet.
Hierbei wird die aus dem Informationssignal gewonnene Information über das Störsignal
berücksichtigt, um das (in dem Geräuschsignal bzw. dem Eingangssignal enthaltene)
Störsignal zu reduzieren. Vorzugsweise wird anschließend das verarbeitete Eingangssignal
als Ausgangssignal an eine Ausgabeeinheit des Hörgeräts, vorzugsweise an einen Lautsprecher,
zur Ausgabe an das Hörzentrum des Hörgerätenutzers weitergeleitet .
[0011] Unter akustischer Signalverarbeitung wird hier und im Folgenden die Verarbeitung
des erfassten akustischen Geräuschsignals auf insbesondere elektronischem Weg verstanden.
D. h. das akustische Geräuschsignal wird in Form des elektrischen Eingangssignals
vorzugsweise mittels der (elektronischen) Signalverarbeitungseinheit verarbeitet.
Die Signalverarbeitung umfasst dabei vorzugsweise eine (auf Rechenoperationen gestützte)
Analyse des Eingangssignals insbesondere im Hinblick auf störende Geräusche - Rauschen
oder sonstige störende Hintergrundgeräusche -, eine Reduktion derartiger störender
Geräusche sowie zweckmäßigerweise eine Verstärkung von relevanten ("Nutz"-) Signalen,
die in dem Eingangssignal enthalten sind, wie z. B. Gesprächen, Musik und dergleichen.
[0012] Als Störsignal, auf das die aus dem Informationssignal abgeleitete charakteristische
Information gerichtet ist, wird hier und im Folgenden ein von einer insbesondere elektrischen
Quelle ("Störquelle"), d. h. einem elektrischen Gerät, oder einer vergleichbaren Quelle
ausgegebenes Geräusch verstanden, das für einen Hörgerätenutzer regelmäßig lediglich
einen vernachlässigbaren Informationsgehalt aufweist und insbesondere meist zu einer
Verminderung der Verständlichkeit von in dem akustischen Geräuschsignal enthaltenen
Nutzsignalen wie z. B. Sprache führt.
[0013] Dadurch, dass die Information über das Störsignal, das in dem empfangenen Geräuschsignal
enthalten ist, aus dem Informationssignal abgeleitet wird, kann vorteilhafterweise
eine rechen- und energieintensive Ermittlung des Störsignals insbesondere durch Analyse
des Eingangssignals in der Signalverarbeitungseinheit entfallen. Vielmehr wird anhand
der aus dem Informationssignal abgeleiteten Information das einer spezifischen Störquelle
zugeordnete Störsignal vorzugsweise direkt (d. h. ohne vorherige Analyseschritte)
reduziert. Dies führt vorteilhafterweise zu einer Einsparung von Rechenleistung und
zu einer Reduktion des Energiebedarfs des Hörgeräts.
[0014] In einer vorteilhaften Ausführung des Verfahrens wird aus dem Informationssignal
als Information über das Störsignal ein akustisches Schallprofil des Störsignals abgeleitet.
Ein solches Schallprofil ist vorzugsweise durch einen Frequenzverlauf über der Zeit
gebildet. Dadurch kann das abgeleitete Schallprofil (insbesondere der Frequenzverlauf)
auf einfache und energiesparende Weise unmittelbar zur Reduktion des Störsignals in
dem Eingangssignal berücksichtigt werden - z. B. indem die in dem Schallprofil enthaltenen
Signalanteile, insbesondere die enthaltenen Frequenzen aus dem Eingangssignal gefiltert
(insbesondere abgeschwächt oder ausgeblendet) werden.
[0015] In einer bevorzugten Ausführung des Verfahrens stellt das aus dem Informationssignal
abgeleitete Schallprofil insbesondere eine zeitinvariante Information dar. Unter einer
zeitinvarianten Information wird hier und im Folgenden eine statische Information
verstanden, die sich über einen insbesondere vergleichsweise langen Zeitraum (z. B.
mehrere Minuten) nicht ändert oder vorzugsweise vollständig unveränderlich ist. In
diesem Fall handelt es sich bei dem abgeleiteten Schallprofil beispielsweise um einen
als "Sample" bezeichneten vergleichsweise kurzen (z. B. 1 bis 3 Sekunden dauernden)
Frequenzverlauf des Störsignals, der insbesondere fortlaufend wiederholt aus dem Informationssignal
ermittelt wird. Dieser Frequenzverlauf bzw. das Sample gibt das Störsignal (insbesondere
wiederholt aneinandergereiht) über einen vergleichsweise langen Betrachtungszeitraum
(von beispielsweise 20 Sekunden bis mehrere Minuten) näherungsweise zeitlich konstant
wieder. Alternativ ist es im Rahmen der Erfindung aber auch denkbar, dass als Schallprofil
aus dem Informationssignal ein (insbesondere unveränderlicher) Frequenzbereich (ein
"Frequenzband") ermittelt wird, in dem das Störsignal liegt.
[0016] In einer bevorzugten Ausführung des Verfahrens wird das im Geräuschsignal enthaltene
Störsignal bei der Signalverarbeitung gedämpft. D. h. bei der Reduktion des Störsignals
handelt es sich um eine Dämpfung. Unter Dämpfung wird hier und im Folgenden insbesondere
verstanden, dass das Störsignal um einen Faktor größer 0 und kleiner 1 abgeschwächt
wird. Das heißt, dass die Leistung des Störsignals im Vergleich zu seiner Eingangsleistung
verringert wird. Dadurch bleibt das Klangspektrum des erfassten Geräuschsignals weitestgehend
erhalten, wobei jedoch das Störsignal auf einen vernachlässigbaren oder zumindest
den Hörgerätenutzer nicht behindernden Grad abgeschwächt ist.
[0017] In einer alternativen Ausführung des Verfahrens wird das im Geräuschsignal enthaltene
Störsignal aus dem Eingangssignal vollständig ausgeblendet ("gelöscht"). Dem Hörgerätenutzer
wird somit ein Ausgangssignal mit einem gegenüber dem erfassten Geräuschsignal reduzierten
Klangspektrum zur Verfügung gestellt, so dass der Hörgerätenutzer nicht durch irrelevante
(Stör-)Geräusche abgelenkt wird.
[0018] Vorzugsweise werden in beiden Fällen (d. h. bei der Dämpfung oder Ausblendung des
Störsignals) bei der Signalverarbeitung Frequenzen, die nicht in dem Informationssignal
bzw. dem daraus gewonnenen Schallprofil enthalten sind und für die eine geringe Störung
zu erwarten ist, betont (z. B. verstärkt).
[0019] In einer weiteren vorteilhaften Ausführung des Verfahrens wird aus dem Informationssignal
(anstelle der vorstehend beschriebenen zeitinvarianten Information) insbesondere eine
zeitvariante ("dynamische") Information über das Störsignal abgeleitet. Unter einer
zeitvarianten oder dynamischen Information wird hier und im Folgenden verstanden,
dass diese eine Aussage über eine zeitliche Veränderung eines Signals beinhaltet.
Die Ermittlung einer zeitvarianten Information aus dem Informationssignal ermöglicht
somit die Berücksichtigung eines (insbesondere in einem Zeitraum von 5 Sekunden bis
wenige Minuten) veränderlichen Signalverlaufs (insbesondere Frequenzverlaufs). Zweckmäßigerweise
wird dabei ein fortlaufender, insbesondere über einen vergleichsweise langen Zeitraum
fluktuierender Frequenzverlauf aus dem Informationssignal ermittelt, der vorzugsweise
den Istzustand des Störsignals zu jedem Zeitpunkt (d. h. fortlaufend aktualisiert)
wiedergibt. Beispielsweise werden als zeitvariante Information auch Aussagen über
Start, Ende und/oder Änderungen des Schallprofils der jeweiligen (elektrischen) Störquelle
ermittelt, die insbesondere in einem kurzen Zeitraum, z. B. in den nächsten 1 bis
3 Sekunden, auftreten werden. Insbesondere wird im Rahmen der Erfindung in diesem
Fall beispielsweise ermittelt, dass das Störsignal in einem vorgegebenen Zeitraum
in einen anderen Frequenzbereich wechselt oder das Schallprofil der Störquelle ab
einem vorgegebenen Zeitpunkt einem "anderen" (ebenfalls aus dem Informationssignal
ermittelten) Sample entspricht. Mithin werden im Fall der Ermittlung einer zeitvarianten
Information aus dem Informationssignal nicht nur Aussagen über den aktuellen (veränderlichen)
Istzustand des Störsignals, sondern vorzugsweise auch über zu erwartende Änderungen
des Störsignals zu bestimmten Zeitpunkten abgeleitet. Dadurch können vorteilhafterweise
Verzögerungen in der Signalverarbeitung zwischen dem Auftreten (bzw. der Änderung)
eines Störsignals und dessen Berücksichtigung in der Signalverarbeitung reduziert
werden.
[0020] Verfahrensgemäß wird zusätzlich zu der vorstehend beschriebenen, auf die akustischen
Eigenschaften des Störsignals gerichteten Information eine Zusatzinformation (auch
als Hintergrundinformation bezeichnet) zu dem Störsignal aus dem Informationssignal
abgeleitet. Diese Zusatzinformation beinhaltet insbesondere keine Aussage über das
Schallprofil des Störsignals. Vorzugsweise handelt es sich bei dieser Zusatzinformation
um die Identität der Störquelle, d. h. die Art der Störquelle, insbesondere das spezifische
die Störquelle bildende Gerät. Beispielsweise wird als Zusatzinformation ermittelt,
dass es sich bei der Störquelle um ein Küchengerät (z. B. ein Kühlschrank), einen
Automotor oder eine Klimaanlage handelt. Vorzugsweise wird bei dieser Ausführung des
Verfahrens außerdem auf (in der Signalverarbeitungseinheit) hinterlegte Vorgaben zurückgegriffen,
die für unterschiedliche Arten von Störquellen unterschiedliche Werte (Faktoren) zur
Reduktion des entsprechenden Störsignals vorgeben. Mit anderen Worten wird bei der
Signalverarbeitung in Abhängigkeit von der ermittelten Zusatzinformation das dieser
zugeordnete Störsignal insbesondere um einen jeweils spezifisch vorgegebenen Wert
reduziert. Dadurch wird eine besonders hohe Anpassbarkeit der Signalverarbeitung,
insbesondere der Störsignalreduktion, an eine Vielzahl von Störsignalen bei dennoch
geringem Rechenaufwand ermöglicht.
[0021] In einer vorteilhaften Weiterbildung des Verfahrens werden, insbesondere für den
Fall, dass aus dem Informationssignal die Zusatzinformation (vorzugsweise die Identität
der Störquelle) abgeleitet wird, bei der Signalverarbeitung, insbesondere bei der
Reduktion des Störsignals nutzerspezifische Vorgaben berücksichtigt. Dies ist insbesondere
vorteilhaft, da das persönliche Empfinden von Geräuschen, insbesondere von Hintergrund-
oder Umgebungsgeräuschen zwischen einzelnen Nutzern (Hörgerätenutzern) häufig unterschiedlich
ist. Beispielsweise empfindet ein einzelner Nutzer Geräusche im Frequenzbereich elektrischer
Geräte wie z. B. Lüfter, Klimaanlagen etc. als unangenehm, wohingegen ein anderer
Nutzer derartige Geräusche gedämpft wahrnehmen möchte. Durch die Berücksichtigung
der nutzerspezifischen Vorgaben bei der Reduktion des jeweiligen Störsignals kann
somit der individuelle Nutzungskomfort des Hörgeräts gesteigert werden.
[0022] In einer zweckmäßigen Ausführung des Verfahrens wird als Informationssignal ein von
einem als Störquellensender bezeichneten Sender bereitgestelltes (d. h. ausgegebenes)
elektromagnetisches Signal herangezogen. Ein solcher Störquellensender ist beispielsweise
in ein elektrisches Gerät integriert, das eine Störquelle darstellt. Alternativ ist
ein solcher Störquellensender an diesem Gerät z.B. in Form eines (aufklebbaren) "Tags"
angebracht. Vorzugsweise ist die Empfangseinheit dazu eingerichtet, auch mehrere unterschiedliche
Informationssignale (gleichzeitig) zu empfangen, so dass je nach Anzahl der im Empfangsbereich
des Hörgeräts angeordneten Störquellensender somit auch unterschiedliche Störsignale
bei der Signalverarbeitung berücksichtigt werden können.
[0023] In einer zweckmäßigen Ausführung des Verfahrens wird das jeweilige Informationssignal
passiv empfangen. Das heißt, dass die Empfangseinheit insbesondere kontinuierlich
in einem Empfangsmodus betrieben wird. Somit wird, sofern ein Informationssignal von
der Empfangseinheit erfasst wird, dieses auch bei der Signalverarbeitung des akustischen
Geräuschsignals berücksichtigt.
[0024] In einer alternativen Ausführung des Verfahrens wird dagegen ("aktiv") ein Abfragesignal
gesendet, um (bei einem gegebenenfalls in der Reichweite des Abfragesignals angeordneten
Störquellensender) die Übertragung des Informationssignals zu aktivieren. Mit anderen
Worten sucht in diesem Fall das Hörgerät aktiv nach vorhandenen Störquellensendern.
Dies ist insbesondere für den Fall von Vorteil, dass es sich bei dem Störquellensender
nicht um einen "kontinuierlich sendenden" Sender handelt, sondern beispielsweise um
einen RFID-Chip oder dergleichen. In diesem Fall wird das Informationssignal von dem
Störquellensender somit nur dann gesendet, wenn auch ein Empfänger (d. h. das Hörgerät)
in Reichweite ist.
[0025] Bei dem erfindungsgemäßen Hörgerät handelt es sich insbesondere um ein Hörhilfegerät.
Das Hörgerät umfasst mindestens ein Mikrofon zum Empfang akustischer Geräuschsignale.
Des Weiteren umfasst das Hörgerät eine Empfangseinheit zum Empfang eines elektromagnetischen
Informationssignals. Bei dieser Empfangseinheit handelt es sich vorzugsweise um eine
Antenne, beispielsweise um eine Drahtspule. Außerdem umfasst das Hörgerät eine Signalverarbeitungseinheit,
die dazu eingerichtet ist, das vorstehend beschriebene Verfahren durchzuführen. Das
heißt, dass die Signalverarbeitungseinheit dazu eingerichtet ist, aus dem mittels
der Empfangseinheit empfangenen Informationssignal die (zeitinvariante oder dynamische)
Information über das in dem Geräuschsignal enthaltene Störsignal zu ermitteln. Des
Weiteren ist die Signalverarbeitungseinheit dazu eingerichtet, diese Information bei
der Signalverarbeitung des Geräuschsignals (bzw. des daraus generierten Eingangssignals)
zur Reduktion des Störsignals zu berücksichtigen.
[0026] Das erfindungsgemäße Hörgerätesystem umfasst das vorstehend beschriebene Hörgerät.
Des Weiteren umfasst das Hörgerätesystem mindestens einen Störquellensender. Dieser
ist dazu eingerichtet ein Informationssignal auszugeben (zu senden), das wenigstens
eine Information über das akustische Störsignal enthält. Der oder jeder Störquellensender
ist vorzugsweise einem spezifischen Gerät, das ein akustisches Störsignal ausgibt,
zugeordnet, insbesondere in dieses integriert. Alternativ ist der Störquellensender
dazu eingerichtet, an einem solchen Gerät angebracht zu werden. In letzterem Fall
handelt es sich bei dem Störquellensender insbesondere um einen "Tag", der als Aufkleber
mit integrierter Antenne und Mikrochip ausgebildet ist. Vorzugsweise ist der Mikrochip
des jeweiligen Tags auf ein spezifisches Störsignal programmierbar. Das heißt, dass
in einem Auslieferungszustand der Tag (noch) kein Signal sendet, sondern erst, wenn
durch einen Programmierschritt ein spezifisch auszugebendes Informationssignal in
dem Mikrochip hinterlegt ist. Dieser Programmierschritt kann beispielsweise durch
einen Hörgeräteakustiker erfolgen. Alternativ ist es im Rahmen der Erfindung aber
auch denkbar, dass der Störquellensender ein Mikrofon aufweist und dazu eingerichtet
ist, das von der Störquelle ausgehende akustische Störsignal zu erfassen und in elektromagnetischer
Form als Informationssignal an das Hörgerät auszugeben. Durch den Einsatz eines oder
mehrerer Störquellensender ist die Erfassung und Berücksichtigung von Störsignalen
besonders einfach. Beispielsweise ist es denkbar, dass zumindest in einem Wohnraum
und/oder am Arbeitsplatz des Hörgerätenutzers wenigstens den Störquellen, die der
Hörgerätenutzer als besonders störend empfindet, jeweils ein Störquellensender zugeordnet
wird.
[0027] Vorzugsweise ist der auch als eigenständige Erfindung angesehene, jeweilige Störquellensender
dazu eingerichtet, mit einer Leistung und Frequenz zu senden, die im Bereich sogenannter
Nahbereichskommunikation liegen. Als Nahbereich wird hierbei ein Bereich bis etwa
5 m um den jeweiligen Störquellensender verstanden. In einer solchen Entfernung zu
der Störquelle werden übliche, von dieser Störquelle (z. B. einem Kühlschrak, einer
Klimaanlage oder einem Lüfter) erzeugte Nebengeräusche in dem erfassten Geräuschsignal
in der Regel als störend empfunden.
[0028] Des Weiteren ist der Störquellensender zweckmäßigerweise auch dazu eingerichtet und
vorgesehen, in dem Informationssignal vorzugsweise unmittelbar das Schallprofil der
jeweiligen zugeordneten Schallquelle zu übertragen. Insbesondere ist der Störquellensender
dazu eingerichtet, das Schallprofil als Frequenzverlauf zu übertragen. Dadurch ist
die Berücksichtigung des Schallprofils in dem Geräuschsignal besonders einfach, da
die jeweilige "Störfrequenz" aus dem Eingangssignal insbesondere mittels Subtraktion
ausgeblendet oder gedämpft werden kann. Optional ist der Störquellensender auch dazu
eingerichtet, in dem Informationssignal zusätzlich die Identität der Störquelle zu
übertragen.
[0029] Nachfolgend werden Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
beschrieben. Darin zeigen
- Fig. 1
- in einer schematischen Darstellung ein Hörgerätesystem, und
- Fig. 2
- in einem schematischen Ablaufdiagramm ein Verfahren zur Signalverarbeitung in einem
Hörgerät des Hörgerätesystems.
[0030] Einander entsprechende Teile und Größen sind in allen Figuren stets mit gleichen
Bezugszeichen versehen.
[0031] In Fig. 1 ist ein Hörgerätesystem 1 dargestellt. Das Hörgerätesystem 1 umfasst ein
Hörgerät 2. Das Hörgerät 2 weist zwei Mikrofone 3 zur Erfassung eines akustischen
Geräuschsignals G (vgl. schematisch angedeutete Schallwellen) und Wandlung desselben
in ein elektrisches Eingangssignal E auf. Zur Verarbeitung des erfassten Geräuschsignals
G bzw. des Eingangssignals E weist das Hörgerät 2 eine Signalverarbeitungseinheit
4 auf, die zur Übertragung des Eingangssignals E mit den Mikrofonen 3 verschaltet
ist. Zur Ausgabe des verarbeiteten Eingangssignals E an ein Ohr eines Hörgerätenutzers
weist das Hörgerät 2 einen der Signalverarbeitungseinheit 4 nachgeschalteten Lautsprecher
5 (auch als "Hörer" bezeichnet) auf. Des Weiteren weist das Hörgerät 2 eine Empfangseinheit
in Form einer Antenne 6 zur Erfassung von elektromagnetischen Signalen auf. Zur Energieversorgung
weist das Hörgerät 2 ferner eine Batterie 7 auf.
[0032] Neben dem Hörgerät 2 umfasst das Hörgerätesystem 1 einen Störquellensender 10. Der
Störquellensender 10 ist dazu eingerichtet und vorgesehen, an einer akustischen Störquelle
- einem Gerät, dass ein akustisches Geräusch ausgibt, das (in dem Geräuschsignal G
enthaltene) "gewünschte" Nutzsignale wie Sprache und/oder Musik überlagert und so
deren Hörbarkeit herabsetzt - angeordnet zu werden und ein Informationssignal I auszusenden.
Dieses Informationssignal I enthält eine Information über die akustischen Eigenschaften
des von der Störquelle ausgegebenen Geräuschs. Letzteres wird im Folgenden als akustisches
Störsignal bezeichnet. Konkret enthält das Informationssignal I ein Schallprofil des
Störsignals in Form eines Frequenzverlaufs (über der Zeit). Der Störquellensender
10 weist ein als Chip 11 bezeichnetes Bauelement auf, in dem das Informationssignal
Igespeichert ist und der eine Energiequelle enthält. Zur Übertragung (Ausgabe) des
Informationssignals I weist der Störquellensender 10 außerdem eine Sendeantenne 12
auf. Der Chip 11 sowie die Sendeantenne 12 sind auf einer Klebefolie 13 appliziert,
mittels derer der Störquellensender 10 an der entsprechenden Störquelle befestigt
werden kann.
[0033] Im Betrieb des Hörgerätesystems 1 wird von dem Hörgerät 2 ein nachfolgend anhand
von Fig. 2 näher beschriebenes Verfahren durchgeführt. Dabei ist der Störquellensender
10 bestimmungsgemäß an einer Störquelle (nicht näher dargestellt) angeordnet und derart
programmiert, dass mittels der Sendeantenne 12 das auf die Störquelle abgestimmte
elektromagnetische Informationssignal I (bei einer Frequenz von 866 MHz im UHF-Band)
ausgegeben wird. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel handelt es sich bei der Störquelle
konkret um einen Kühlschrank, der einen Kompressor zur Erzeugung der Kühlleistung
umfasst. Dieser Kompressor erzeugt im Betrieb das Störsignal in Form eines "Brummens".
Das Informationssignal I enthält somit einen das Brummen des Kompressors widerspiegelnden
Frequenzverlauf.
[0034] Das Hörgerät 2 empfängt in einem Verfahrensschritt 20 mittels der Mikrofone 3 das
Geräuschsignal G, das sich im vorliegenden Beispiel aus einem Nutzsignal (Sprache)
und dem Störsignal des Kühlschranks zusammensetzt. Die Mikrofone 3 wandeln das akustische
Geräuschsignal G in das elektrische Eingangssignal E und leiten letzteres an die Signalverarbeitungseinheit
4 weiter. In einem Verfahrensschritt 30 empfängt das Hörgerät 2 mittels der Antenne
6 das Informationssignal I. Dieses wird ebenfalls an die Signalverarbeitungseinheit
4 weitergeleitet. Die Signalverarbeitungseinheit 4 ermittelt in einem weiteren Verfahrensschritt
40 aus dem Informationssignal I eine Information über das Störsignal, konkret das
Schallprofil des Störsignals.
[0035] In einem weiteren Verfahrensschritt 50 reduziert die Signalverarbeitungseinheit 4
das Störsignal in dem Eingangssignal E, indem der in dem Informationssignal enthaltene
Frequenzverlauf aus dem Eingangssignal E ausgeblendet wird. Das nach dieser Ausblendung
verbleibende Nutzsignal wird anschließend derart verstärkt, dass es oberhalb der individuellen
Hörschwelle des Hörgerätenutzers liegt und somit von diesem wahrgenommen werden kann.
Anschließend wird in einem nachfolgenden Verfahrensschritt 60 das derart verarbeitete
Eingangssignal E als Ausgangssignal A an den Lautsprecher 5 zur akustischen Ausgabe
an das Ohr des Hörgerätenutzers weitergegeben.
[0036] Dadurch, dass das Hörgerät 2 die akustischen Eigenschaften (das Schallprofil) des
Störsignals unmittelbar aus dem Informationssignal Ientnimmt, können vorteilhafterweise
aufwändige Rechenoperationen zur Erkennung von Störsignalen und Bereinigung derer
in dem Eingangssignal E entfallen. Somit ist ein energiesparender Betrieb bei zusätzlich
besonders präziser Reduktion von Störsignalen möglich.
[0037] In einem weiteren Ausführungsbeispiel enthält das Informationssignal Ineben dem Schallprofil
des Störsignals zusätzlich eine Angabe darüber, von welcher Art von Störquelle das
Störsignal ausgegeben wird. Das heißt, dass das Informationssignal Ineben dem das
Brummen des Kompressors widerspiegelnden Frequenzverlauf auch die Zusatzinformation
enthält, dass es sich bei der Störquelle um den Kühlschrank handelt. Diese Zusatzinformation
entnimmt die Signalverarbeitungseinheit 4 in dem Verfahrensschritt 40 aus dem Informationssignal
I. In dem Verfahrensschritt 50 entnimmt die Signalverarbeitungseinheit 4 aus einem
nicht näher dargestellten Datenspeicher einen Parametersatz, der der Störquelle "Kühlschrank"
zugeordnet ist und der Werte für die Reduktion eines von einem Kühlschrank ausgegebenen
Störsignals enthält. Dieser Parametersatz ist in dem Datenspeicher außerdem nutzerspezifisch
hinterlegt und ist somit auf Präferenzen des Hörgerätenutzers im Hinblick auf unterschiedliche
Störquellen angepasst. Im vorliegenden Ausführungsbeispiel enthält der Parametersatz
konkret Werte zur Dämpfung, d. h. nicht vollständigen Ausblendung, des Störsignals
in dem Eingangssignal E gemäß den Wünschen des Hörgerätenutzers. In diesem Fall bleibt
das Störsignal in dem Ausgangssignal abgeschwächt erhalten, so dass der Hörgerätenutzer
den Kühlschrank leise hören kann, ohne dass das Nutzsignal verfälscht wird.
[0038] Der Gegenstand der Erfindung ist nicht auf die vorstehend beschriebenen Ausführungsbeispiele
beschränkt. Vielmehr können weitere Ausführungsformen der Erfindung von dem Fachmann
aus der vorstehenden Beschreibung abgeleitet werden. Insbesondere können die anhand
der verschiedenen Ausführungsbeispiele beschriebenen Einzelmerkmale der Erfindung
und deren Ausgestaltungsvarianten auch in anderer Weise miteinander kombiniert werden.
Bezugszeichenliste
[0039]
- 1
- Hörgerätesystem
- 2
- Hörgerät
- 3
- Mikrofon
- 4
- Signalverarbeitungseinheit
- 5
- Lautsprecher
- 6
- Antenne
- 7
- Batterie
- 10
- Störquellensender
- 11
- Chip
- 12
- Sendeantenne
- 20
- Verfahrensschritt
- 30
- Verfahrensschritt
- 40
- Verfahrensschritt
- 50
- Verfahrensschritt
- 60
- Verfahrensschritt
- G
- Geräuschsignal
- E
- Eingangssignal
- I
- Informationssignal
- A
- Ausgangssignal
1. Verfahren zur Signalverarbeitung für ein Hörgerät (2), bei dem verfahrensgemäß
- mittels eines Mikrofons (3) ein akustisches Geräuschsignal (G) empfangen und mittels
einer Signalverarbeitungseinheit (4) zur Ausgabe an einen Hörgerätenutzer verarbeitet
wird,
- mittels einer Empfangseinheit (6) ein elektromagnetisches Informationssignal (I)
empfangen wird,
- aus dem elektromagnetischen Informationssignal (I) eine Information über ein akustisches
Störsignal, das in dem akustischen Geräuschsignal (G) enthalten ist, abgeleitet wird,
und
- wobei aus dem elektromagnetischen Informationssignal (I) eine Zusatzinformation
abgeleitet wird, die eine Quelle des Störsignals betrifft,
wobei die Information über das akustische Störsignal und die Zusatzinformation, die
die Quelle des Störsignals betrifft, bei der Verarbeitung des akustischen Geräuschsignals
(G) zur Reduktion des akustischen Störsignals berücksichtigt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
wobei aus dem elektromagnetischen Informationssignal (I) als Information über das
akustische Störsignal ein akustisches Schallprofil abgeleitet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
wobei das Störsignal zur Reduktion gedämpft wird.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
wobei das Störsignal zur Reduktion ausgeblendet wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
wobei aus dem elektromagnetischen Informationssignal (I) eine zeitvariante Information
abgeleitet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
wobei zur Reduktion des Störsignals nutzerspezifische Vorgaben berücksichtigt werden.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
wobei als elektromagnetisches Informationssignal (I) ein von einem Störquellensender
(10) übertragenes Signal herangezogen wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
wobei ein Abfragesignal ausgegeben wird, um die Übertragung des elektromagnetischen
Informationssignals (I) zu aktivieren.
9. Hörgerät (2),
- mit einem Mikrofon (3) zum Empfang eines akustischen Geräuschsignals (G),
- mit einer Empfangseinheit (6) zum Empfang eines elektromagnetischen Informationssignals
(I), und
- mit einer Signalverarbeitungseinheit (4), die dazu eingerichtet ist, das Verfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 8 durchzuführen.
10. Hörgerätesystem (1),
- mit einem Hörgerät (2) nach Anspruch 9, und
- mit einem Störquellensender (10), der dazu eingerichtet ist, ein elektromagnetisches
Informationssignal (I) zu übertragen, wobei das Informationssignal (I) eine Information
über ein in einem mittels des Hörgeräts (2) erfassten akustischen Geräuschsignal (G)
enthaltenes akustisches Störsignal enthält sowie eine Zusatzinformation, die eine
Quelle des Störsignals betrifft.
11. Störquellensender (10) für ein Hörgerätesystem (1) nach Anspruch 10, der dazu eingerichtet
ist, ein elektromagnetisches Informationssignal (I) zu übertragen, wobei das Informationssignal
(I) eine Information über ein in einem mittels des Hörgeräts (2) erfassten akustischen
Geräuschsignal (G) enthaltenes akustisches Störsignal enthält sowie eine Zusatzinformation,
die eine Quelle des Störsignals betrifft.