[0001] Die Erfindung betrifft eine Zündvorrichtung für eine Sprengladung eines Wirkkörpers
umfassend wenigstens einen Zündkreis und eine Einrichtung zur Weiterleitung der erfolgten
Initiierung.
[0002] Derartige Zündvorrichtungen, die in der Regel wenigstens einen Zündschaltkreis mit
einem Energiespeicher (Kondensator) und einen Schalter aufweisen, mit dem die gespeicherte
Energie durch Schließen des Schalters zur Auslösung eines Bauteils verwendet wird.
[0003] Aus der
DE 10 2011 108 000 A1 ist ein EFI-Zündmodul bekannt geworden, das nach diesem Prinzip funktioniert, wobei
letztlich ein Kunststoffpressling gezündet wird. Im Zündmodul ist eine Zündbrücke
vorgesehen, die mittels Zuführung elektrischer Energie aus einem Kondensator schlagartig
verdampft und dabei aus der darüber angeordneten Folie mit Hilfe des darüber befindlichen
Barrels einen kleinen Teil heraussprengt. Dieser Teil weist genügend Stoßwellenenergie
zur Auslösung des Kunststoffpresslings auf.
[0004] Nachdem diese Druckschrift keine weiteren Hinweise auf Möglichkeiten zu weiteren
Verkleinerung eines Zündmoduls zu entnehmen sind ergibt sich hieraus die Aufgabe,
eine Bauweise zu finden, welche eine weitere Verringerung des Bauvolumens ermöglicht
ohne dass eine Einschränkung der benötigten Entladeströme ( >1000 A) und Spannungen
( >1 kV) stattfindet.
[0005] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die Zündvorrichtung als kompaktes
Bauelement ausgeführt ist und zwei dünne, durch eine elektrisch isolierende Kunststoffschicht
voneinander getrennte, streifenförmige Metallschichten umfasst. Weitere Ausgestaltungen
der Erfindung sind den nachgeordneten Ansprüchen zu entnehmen.
[0006] Die besonderen Vorteile der Zündvorrichtung sind darin zu sehen, dass zunächst eine
erhebliche Verringerung des Raumbedarfs gegenüber der bekannten Ausführungsform erzielt
wird. Verbunden damit wird auch eine nicht geringe Senkung der Herstellkosten erreicht.
Weiterhin wird die Streuung der Kennwerte reduziert und die Langzeitstabilität erheblich
erhöht. Hinsichtlich der benötigten Versorgungsspannung ist positiv anzumerken, dass
diese gegenüber dem Stand der Technik auf keinen Fall erhöht werden muss, da keine
besonderen Funkenstrecken verwendet werden müssen.
[0007] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Figuren der Zeichnung schematisch
vereinfacht dargestellt und werden im Folgenden näher beschrieben. Es zeigen:
- Fig. 1a:
- eine erste Ausführungsform für die Initiierung eines niederohmigen Verbrauchers in
der Ruhephase,
- Fig. 1b:
- die Zündvorrichtung aus Figur 1 a in der ersten Aktivierungsphase,
- Fig. 1c:
- die Zündvorrichtung aus Figur 1 a in der Zündphase.
- Fig. 2a:
- eine weitere Ausführungsform mit integriertem EFI in der Ruhephase,
- Fig. 2b:
- die Zündvorrichtung aus Figur 2a in der ersten Aktivierungsphase,
- Fig. 2c:
- die Zündvorrichtung aus Fig. 2a in der zweiten Aktivierungsphase,
- Fig. 2d:
- die Zündvorrichtung aus Fig. 2a in der Zündphase.
[0008] In den Figuren 1a, 1b und 1c ist ein erstes Ausführungsbeispiel dargestellt. Anhand
der Figur 1a, in der der Ruhezustand der Zündvorrichtung gezeigt ist, werden zunächst
die Bestandteile der Zündvorrichtung erläutert. Die obere Hälfte der Figur 1 zeigt
die einzelnen, voneinander separierten Teile in der Draufsicht und auch vereinfacht
deren äußere Beschaltung. Die untere Hälfte stellt einen Schnitt entlang der gedachten
Mittellinie der Teile aus der oberen Hälfte dar und verdeutlicht, dass die Teile zusammen
ein kompaktes Bauelement ergeben.
[0009] Im Einzelnen umfasst die Zündvorrichtung eine erste dünne Metallschicht M1 und eine
weitere dünne Metallschicht M2 zwischen denen eine dünne elektrisch isolierende Kunststoffschicht
K angeordnet ist. Die erste Metallschicht weist darüber hinaus noch eine Zündbrücke
ZB bekannter Bauart auf. Genau über dieser Zündbrücke ist in der weiteren Metallschicht
M2 ein Barrel B angeordnet. Darunter wird eine scharfkantige durchgehende Öffnung
verstanden. Beide Metallstreifen sind streifenförmig geformt und bilden somit Längsseiten
und Schmalseiten aus. Somit unterteilt die Zündbrücke ZB des Ausführungsbeispiels
die Längsseiten etwa in deren Mitte.
[0010] An den Schmalseiten der ersten Metallschicht M1 sind im Ausführungsbeispiel die Anschlüsse
für die Elemente des so genannten Triggerkreises vorgesehen, der im Wesentlichen aus
einer Serienschaltung des Schalters S und eines Kondensators C1 besteht. In der Ruhephase
ist der Schalter S geöffnet, so dass im Triggerkreis kein Strom fließen kann. Der
Kondensator ist für mittels Halbleitern schaltbaren Betriebsspannungen (< ~1000 V)
ausgelegt und weist eine für das Verdampfen der Zündbrücke ausreichende Kapazität
auf.
[0011] Darüber hinaus ist vom ersten Metallstreifen M1 eine Serienschaltung des Verbrauchers
V und des Zündkondensators C2 zum weiteren Metallstreifen M2 vorgesehen. Der Verbraucher
V ist das zu zündende Element, beispielsweise der Zündkreis einer Sprengladung (EFI).
Der Zündkondensator C2 weist eine hohe Betriebsspannung ( > 1000 V) sowie eine entsprechend
hohe Kapazität auf.
[0012] Figur 1b zeigt den Zeitpunkt, an dem der Schalter S geschlossen wird und der Kondensator
C1 sich entladen kann. Damit fließt entsprechender Strom und die Zündbrücke ZB verdampft.
[0013] Daran schließt sich die in Figur 1c gezeigte Situation an. Durch das Verdampfen der
Zündbrücke ZB entsteht ein enormer Druck, der unmittelbar auf die anliegende Kunststofffolie
K einwirkt. Der Teil T der Kunststofffolie K wird dadurch nach oben gedrückt und von
dem Barrel B in der weiteren Metallschicht M2 ausgestanzt und durch das Barrel B beschleunigt,
wie dies in der Figur 1c gut zu erkennen ist.
[0014] Aufgrund der geringen Dicke der Kunststofffolie K entsteht gleichzeitig ein Zündfunke
ZF durch die Öffnung, welche das Teil T der Kunststofffolie hinterlassen hat. Damit
ist der Zündkreis mittels dieses Hochspannungsschalters über die beiden Metallschichten
M1 und M2 und den Kondensator C2 und den Verbraucher V geschlossen und der Verbraucher
V wird initiiert.
[0015] Eine andere Ausführungsform der Erfindung, die jedoch nach dem gleichen Prinzip arbeitet,
ist in einzelnen Phasen in den Figuren 2a, 2b, 2c und 2d dargestellt. Die Figuren
sind wiederum in eine in der oberen Hälfte angeordnete Darstellung der einzelnen Bestandteile
in der Draufsicht und eine in der unteren Hälfte dargestellten Schnitt entlang der
gedachten Mittellinie der oben dargestellten Bauteile aufgeteilt. In der oberen Hälfte
ist auch die externe Beschaltung mit Kondensatoren angedeutet.
[0016] Diese Ausführungsform der Zündvorrichtung umfasst ebenfalls eine erste dünne Metallschicht
M12, die wiederum eine Zündbrücke ZB aufweist, sowie eine weitere dünne Metallschicht
M22, die von der ersten Metallschicht durch eine dünne isolierende Kunststofffolie
K getrennt ist. Eine Serienschaltung (Triggerkreis) aus dem Schalter S und der Kondensator
C1 ist mit den beiden Enden der Zündbrücke ZB verbunden.
[0017] Die Situation unmittelbar nach dem Schließen des Schalters S ist in der Figur 2b
dargestellt. Die Ladung des Kondensators C1 bewirkt das Verdampfen der Zündbrücke
ZB. Aufgrund des erzeugten Drucks wird wiederum ein Teil T der Kunststofffolie K ausgestanzt
und durch das Barrel B beschleunigt.
[0018] Wie in Figur 2c dargestellt kann sich aufgrund der aus der Kunststofffolie ausgestanzten
Öffnung der Zündfunke ZF ausbilden. Damit wird der Zündkreis von der ersten Metallfolie
M12 über den Kondensator C2 zur weiteren Metallfolie M22 geschlossen und der in der
ersten Metallfolie M12 außerhalb der Triggerschaltung angeordnete EFI (Exploding Foil
Initiator) wird gezündet.
[0019] Auch der EFI stanzt aus der Kunststofffolie K einen Kunststoffflyer KF aus. Hierfür
weist die weitere Metallfolie M22 ebenfalls ein Bauteil mit der Funktion B2 eines
Barrels auf, welches genau über dem EFI angeordnet ist. Der Kunststoffflyer KF ist
hinsichtlich seiner Dynamik so dimensioniert, dass er mit seinem Impuls den Booster
( Sekundärsprengstoffe z.B. HNS ) initiieren kann.
[0020] Die beschriebene Ausführungsform ist beispielhaft und vereinfacht dargestellt. In
einer Realisierung ist es vorgesehen, eine Bauform zu entwickeln, die neben dem EFI
und dem als Sprengstoffpressling ausgeführten Booster auch der Schalter und der Kondensator
des Zündkreises integrale Bestandteile der erfindungsgemäßen Zündvorrichtung sind.
Bezugszeichenliste
[0021]
- M1, M12
- erste Metallschicht
- M2, M22
- weitere Metallschicht
- K
- Kunststoffschicht
- B, B2
- Barrel
- T
- Teil (der Kunststoffschicht)
- KF
- Kunststoffflyer
- S
- Schalter
- C1
- Kondensator ( < 300 V )
- C2
- Kondensator ( > 1500 V )
- V
- Verbraucher
- ZB
- Zündbrücke
- ZF
- Zündfunke
- EFI
- Exploding Foil Initiator
- FL
- Flyer
- HNS
- Booster (Sprengstoffpressling; Sekundärsprengstoff )
1. Zündvorrichtung für eine Sprengladung eines Wirkkörpers umfassend wenigstens einen
Zündkreis mit einer Zündbrücke (ZB), über der eine Folie (K) angeordnet ist, wobei
nach Initiierung der Zündbrücke mittels eines Teils (T) der Folie über eine Bohrung
im nachgeschalteten Barrel (B, B2) ein Sprengstoffelement (HNS evtl. nur allgemein
"Sekundärsprengstoff" z.B. HNS) auslösbar ist, dadurch gekennzeichnet, dass die Zündvorrichtung als kompaktes Bauelement ausgeführt ist und zwei dünne, durch
eine elektrisch isolierende Kunststoffschicht (K) voneinander getrennte, streifenförmige
Metallschichten (M1, M12; M2, M22) umfasst.
2. Zündvorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Zündbrücke (ZB) als Teil der ersten Metallschicht (M1, M12) ausgeführt ist und
Element eines ersten elektrischen Zündkreises (Triggerkreis) (S, C1) ist.
3. Zündvorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die weitere Metallschicht (M2, M22), welche parallel zur ersten Metallschicht (M1,
M12) angeordnet ist und mittels einer dünnen Kunststoffschicht (K) von dieser elektrisch
isoliert ist, ein Barrel (B) umfasst, das genau über der Zündbrücke (ZB) angeordnet
ist.
4. Zündvorrichtung nach Anspruch 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Metallschicht (M1, M12) in einer Serienschaltung über einen Energiespeicher
(C2) und einen Verbraucher V zur weiteren Metallschicht (M2, M22) als zweiter elektrischer
Zündkreis angeordnet ist.
5. Zündvorrichtung nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass beim Verdampfen der Zündbrücke (ZB) der mit dem Barrel (B) korrespondierende Teil
(T) der dünnen Kunststoffschicht (K) ausstanzbar ist und damit der Weg für einen Zündfunken
(ZF) zwischen der ersten und der weiteren Metallschicht frei wird.
6. Zündvorrichtung nach wenigstens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Verbraucher V als EFI (Exploding Foil Initiator) ausgeführt ist, der in der ersten
Metallschicht (M12) benachbart zur Zündbrücke (ZB) angeordnet ist, wobei nach dessen
Auslösung die von ihm durch das Barell beschleunigte Folie (KF) zur Initiierung eines
über der weiteren Metallschicht (M22) angeordneten pyrotechnischen Boosters/Pellets
(Sekundärsprengstoffs z.B HNS) dient.