[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Federvorrichtung zur Aufnahme von Querkräften
zwischen einem Drehgestellrahmen und einem Wagenkasten an einem Schienenfahrzeug sowie
eine Schienenfahrzeug umfassend eine derartige Federvorrichtung gemäss dem Oberbegriff
der unabhängigen Ansprüche.
[0002] In modernen Schienenfahrzeugen sind die Wagenkasten auf zumindest einem Drehgestellrahmen
gelagert und vorzugsweise über eine Vertikalfederung miteinander verbunden. Zur Positionierung
von Drehgestell und Wagenkasten zueinander müssen daher flexible Elemente vorgesehen
werden, insbesondere Querfedersysteme.
[0003] Das Querfedersystem ist ein elementares Bauteile des Fahrwerks. Seine Aufgabe ist
es, die Querkräfte des Wagenkastens bei Bogenfahrten auf den Drehgestellrahmen zu
übertragen; bzw. bei Querstössen durch Weichenablenkungen und Gleislagefehler den
Querweg des Kastens zu begrenzen. Damit wird sichergestellt, dass das Fahrzeug in
jedem Beladungszustand innerhalb eines definierten Lichtraumprofils bleibt.
[0004] Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Arten von Querfederungen bekannt. Die
EP 1 527 976 A1 zeigt beispielsweise eine Querfederung aus einer zweiteiligen Gummifederung. Aus
der
EP 1 610 995 B1 ist ebenfalls eine Vorrichtung bekannt geworden, welche eine Querfederung aufweist.
Diese Querfederung kann aktiv oder passiv sein.
[0005] Nachteilig an den Querfederungen aus dem bekannten Stand der Technik ist ihre aufwendige
Gestaltung und ihr Platzbedarf. Es ist daher Aufgabe der vorliegenden Erfindung, diese
und weitere Nachteile des Standes der Technik zu beheben. Diese Aufgabe wird durch
die in den unabhängigen Patentansprüchen definierten Vorrichtungen gelöst. Weitere
Ausführungsformen ergeben sich aus den abhängigen Patentansprüchen.
[0006] Eine erfindungsgemässe Federvorrichtung zur Aufnahme von Querkräften zwischen einem
Drehgestellrahmen und einem Wagenkasten an einem Schienenfahrzeug umfasst zumindest
eine primäre Federeinheit mit einem ersten Federelement. Das erste Federelement umfasst
und insbesondere besteht zumindest teilweise aus elastischem Material und bevorzugt
aus einem Elastomer. Die Federvorrichtung weist eine sekundäre Federeinheit mit mindestens
einem zweiten Federelement auf. Das zweite Federelement besteht zumindest teilweise
aus elastischem Material und bevorzugt aus einem Elastomer. Das erste Federelement
und die sekundäre Federeinheit sind in Serie geschalten. Zur Überbrückung und insbesondere
zur Begrenzung des Federweges der sekundären Federeinheit weist die Federvorrichtung
wenigstens ein Anschlagelement auf.
[0007] Dies ermöglicht das Bereitstellen einer definierten Federkennlinie für die ganze
Vorrichtung, folgend Systemkennlinie. Dabei kann sie einen ersten Knickpunkt aufweisen
und insbesondere progressiv sein. Insbesondere ist es damit möglich, unterschiedliche
Federkennlinien zu kombinieren und die Wirkdistanz für eine bestimmte Federkennlinie
zu definieren. Das Überbrücken der sekundären Federeinheit ermöglicht es, dass beispielsweise
ab einer bestimmten Federlänge oder ab einem bestimmten Federweg lediglich die Federkraft
des ersten Federelementes wirkt. Dies ermöglicht eine Systemkennlinie, welche einen
Knick aufweist und dabei gesamthaft progressiv sein kann. Die Serieschaltung ermöglicht
dabei die Verlängerung des Federweges auf kurzer Distanz in einer kompakten Einheit.
[0008] Vorzugsweise umfasst die Federvorrichtung ein drittes Federelement. Das dritte Federelement
kann in Serie zum ersten Federelement und parallel zur sekundären Federvorrichtung
angeordnet sein.
[0009] Dies ermöglicht eine weitere Abstufung der Systemkennlinie mit einem zusätzlichen
zweiten Knickpunkt. Somit kann beispielsweise eine abgestufte Federkennlinie mit unterschiedlichen
Steigungen je nach Federweg bereitgestellt werden. Vorzugsweise ist die Systemkennlinie
gesamthaft progressiv. Das heisst, je mehr Federweg, je härter die Federung.
[0010] Das dritte Federelement ist vorzugsweise derart angeordnet, dass es im unbelasteten
Zustand zu einer Gegenkulisse beabstandet ist. Damit ist das dritte Federelement erst
ab einem bestimmten Federweg im Eingriff oder in Eingriff bringbar.
[0011] Durch die Beabstandung und insbesondere auch durch das vorgängige Einstellen des
Abstandes des Federelementes zu der Gegenkulisse können für unterschiedliche Betriebszustände
und/oder für unterschiedliche Einsatzorte unterschiedliche Systemkennlinien geschaffen
werden.
[0012] Die Gegenkulisse kann ein Verschleisselement aufweisen.
[0013] Damit ist es möglich, Verschleisserscheinungen an der Feder zu vermeiden. Es wäre
ebenfalls vorstellbar, dass das Verschleisselement ebenfalls ein elastisches Material
und damit Federeigenschaften aufweist.
[0014] Es ist vorstellbar, dass der Abstand zwischen dem dritten Federelement und der Gegenkulisse
durch unterschiedlich dicke Verschleisselemente einstellbar ist. Dies ermöglicht ein
vorgängiges Einstellen des zweiten Knickpunktes. Eine nachträgliche Justierung der
Federvorrichtung ist ebenfalls möglich durch Austausch des Verschleisselementes.
[0015] Zumindest eines der Federelemente kann als Schraubenfeder, als Tellerfeder, als Schubfeder
oder als Elastomerfeder ausgebildet sein. Eine Kombination verschiedener Elemente
ist ebenfalls möglich. Schubfedern sind Federn, die im Wesentlichen nicht auf Zug
oder Druck beansprucht sind, sondern auf Schub.
[0016] Je nach ausgewählten Werkstoffen oder ausgewählter Ausbildung des Federelementes
können die entsprechenden Eigenschaften eingebracht werden.
[0017] Die Federeinheiten können jeweils auch aus mehreren Federelementen bestehen, welche
vorzugsweise parallel angeordnet sind.
[0018] Dies ermöglicht kompakte Bauformen und weitere Variabilität bei der Festlegung der
Federkonstanten.
[0019] Die vorliegende Federvorrichtung umfasst vorzugsweise eine Befestigungsanordnung
zum Befestigen der Federvorrichtung an einem Gestell und/oder an einem Wagenkasten.
[0020] Dies ermöglicht das Bereitstellen der Federvorrichtung als eine kompakte Baueinheit,
welche beispielsweise schnell auswechselbar ist und nach dem Ausbau keine weiteren
Schritte zum Einstellen benötigt.
[0021] Die Befestigungsanordnung kann beispielsweise als Rahmen ausgebildet sein, wobei
der Rahmen vorzugsweise einstückig ist. Der Rahmen kann als offener Rahmen ausgebildet
sein und eine U-Form aufweisen. Dabei sind die Federelemente vorzugsweise zwischen
den Schenkeln des U angeordnet. An der Befestigungsanordnung können Befestigungsmittel
wie Öffnungen oder Schrauben vorgesehen sein.
[0022] Vorzugsweise ist das erste Federelement der Federvorrichtung und bevorzugt die primäre
Federeinheit auf der sekundären Federeinheit der Federvorrichtung mittels einer Lagerung
gelagert. Es ist dabei insbesondere vorstellbar, dass die Lagerung als bewegliche
Lagerung ausgeführt ist.
[0023] Dies ermöglicht, die Federwege in Abhängigkeit zueinander zu bringen. Das heisst,
ein erstes Federelement ist mit der sekundären Federeinheit federnd gelagert. Dabei
sind die einzelnen Federkonstanten des ersten Federelementes und der sekundären Federeinheit
überlagert.
[0024] Dabei ist es vorstellbar, die Lagerung mit Schnittstellen zur Befestigung der zweiten
Federelemente zu versehen. Dabei kann die Lagerung beispielsweise als verwindungsteife
Halterung ausgeführt sein. Die Lagerung kann dabei aus einem oder mehreren miteinander
verbunden Teilen gefertigt sein. Die Schnittstellen zur Befestigung der zweiten Federelemente
können als einzelne Elemente gefertigt sein, welche sich in einer erfindungsgemässen
Lage im Wesentlichen parallel der Schenkel eines U-förmigen Befestigungselementes
erstrecken und sich vorzugsweise mittig der Schenkel befinden.
[0025] Bevorzugt ist die sekundäre Federeinheit aus vier Federelementen gebildet, wobei
diese Federelemente vorzugsweise als Schubfedern ausgebildet sind. Besonders bevorzugt
sind diese vier Federelemente parallel angeordnet.
[0026] Dies ermöglicht eine geometrisch einfache und günstige Anordnung und eine gleichmässige
und insbesondere symmetrische Kraftverteilung. Schubfedern zeichnen sich durch eine
relativ geringe Baugrösse und eine kompakte Bauform aus. Dies ermöglicht somit ebenfalls
eine kompakte Bauform der Federvorrichtung.
[0027] Dabei ist es vorstellbar, dass die Federelemente der sekundären Federeinheit zwischen
den Schnittstellen und den Schenkeln des U-förmigen Befestigungselementes im Wesentlichen
parallel angeordnet sind.
[0028] Eine Belastung der Federelemente auf Schub ist damit möglich.
[0029] Die Lagerung des ersten Federelementes auf der sekundären Federeinheit kann eine
Drehachse aufweisen. Vorzugsweise sind dabei das erste Federelement und das dritte
Federelement an der Drehachse beweglich angeordnet. Dabei ist es vorstellbar, dass
das erste und das dritte Federelement an einer Rolle angeordnet sind, welche um die
Drehachse drehbar ausgebildet ist.
[0030] Damit ist es möglich, das erste und das dritte Federelement einstückig zu fertigen,
wobei sich die Unterteilung in eine erstes und ein drittes Federelement durch die
relative Position zur Drehachse ergibt.
[0031] Eine leichte und einfache Fertigung ist möglich. Austausch- und Wartungshäufigkeit
der Federelemente verringert sich, und durch die Anordnung an einer Drehachse und
daher durch die Möglichkeit, dass sich die Rolle drehen kann, wird der Verschleiss
verringert. Die Standzeiten können erhöht werden. Ungünstige oder ungewollte Querkräfte
können somit ebenfalls vermieden oder zumindest verringert werden.
[0032] Bei einem mehrteiligen Aufbau des Lagerelementes kann es vorgesehen sein, eine erste
und eine zweite Schnittstelle bereitzustellen, welche mit einer Achse miteinander
verbunden sind.
[0033] Das erste und das dritte Federelement bilden dabei die primäre Federeinheit und sind
insbesondere einstückig ausgebildet. Eine einfache Fertigung und/oder der Einsatz
von Halbfabrikaten oder Normteilen ist möglich.
[0034] Das Anschlagelement zur Überbrückung des sekundären Federelementes und zur Begrenzung
des Federweges der sekundären Federeinheit ist vorzugsweise am Lagerelement angeordnet.
[0035] Dies ermöglicht eine stabile Fixierung des Lagerelementes und damit eine stabile
Lagerung der primären Federeinheit ab dem Zeitpunkt, an dem die sekundäre Federeinheit
überbrückt ist und nur noch das erste Federelement der primären Federeinheit wirkt.
Dies ermöglicht in Abhängigkeit vom Federweg einen definierten Zustand. Eine Überlastung
der zweiten Federelemente kann damit verhindert werden. Ausserdem kann eine Systemkennlinie
mit einem Knick bereitgestellt werden.
[0036] Es wäre ebenfalls vorstellbar, die Anschlagelemente am Befestigungselement anzuordnen,
wobei diese ab einem bestimmten Federweg mit dem Lagerelement in Wirkverbindung sind.
[0037] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft ein Schienenfahrzeug welches eine Federvorrichtung
wie vorliegend beschrieben umfasst. Die Federvorrichtung ist mit dem Drehgestell oder
dem Wagenkasten des Schienenfahrzeuges fest verbunden.
[0038] Das Schienenfahrzeug kann als komplette Einheit ausgeliefert werden, wobei die Federelemente
entsprechend den Anforderungen eingestellt werden können und/oder vorkonfektioniert
sind. Dies ermöglicht eine für den Fahrgast komfortable Federung, insbesondere bei
Kurvenfahrten.
[0039] Vorzugsweise umfasst das Schienenfahrzeug mindestens zwei Federvorrichtungen, wobei
durch die erste Federvorrichtung Querkräfte in einer ersten Richtung aufnehmbar sind
und durch die zweite Federvorrichtung Querkräfte in einer zweiten, der ersten Richtung
im Wesentlichen entgegengesetzten Richtung, aufnehmbar sind.
[0040] Querkräfte sind Kräfte, welche im Wesentlichen Quer zur Fahrtrichtung auftreten.
[0041] Das Schienenfahrzeug kann somit ein in sich geschlossenes System bilden.
[0042] Sowohl das Drehgestell als auch der Wagenkasten können zumindest eine Federanschlagsfläche
umfassen, an die die Federvorrichtung anschlagbar ist.
[0043] Die folgenden Figuren zeigen ein erstes Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen
Vorrichtung.
- Figur 1:
- zeigt schematisch eine Serie verschiedener Zustände während des Einfederungsvorganges
an einer erfindungsgemässen Federvorrichtung.
- Figur 2:
- zeigt eine dreidimensionale Ansicht einer erfindungsgemässen Federvorrichtung.
- Figur 3:
- zeigt eine Schnittansicht entlang der Drehachse.
- Figur 4:
- zeigt eine qualitative Systemkennlinie.
[0044] Figur 1 zeigt eine Serie verschiedener Zustände während des Einfederungsvorganges
und damit eine Abfolge von unterschiedlichen Betriebszuständen einer erfindungsgemässen
Federvorrichtung 1.
[0045] Zur besseren Übersicht sind lediglich in Figur 1 alle Elemente bezeichnet, in den
weiteren Figuren lediglich die relevanten Bezugszeichen gezeigt.
[0046] Figur 1a zeigt eine Federvorrichtung 1 in unbelastetem Zustand. Die Federvorrichtung
1 weist ein erstes Federelement 11, zwei zweite Federelemente 12 sowie ein drittes
Federelement 13 auf. Das erste Federelement 11 und das dritte Federelement 13 bilden
die primäre Federeinheit 2. Die zwei zweiten Federelemente 12 bilden die sekundäre
Federeinheit 3. Das erste Federelement 11 und das dritte Federelement 13 sind an einer
Lagerung 21 angeordnet. An der Lagerung 21 befinden sich zwei Anschlagelemente 20.
Das Anschlagelement 20 ist über die Lagerung 21 mit den zweiten Federelementen 12
verbunden, welche wiederum auf der Befestigungsanordnung 30 angeordnet sind. Das heisst,
mittels der Lagerung 21 wirkt das Anschlagelement 20 mit den zweiten Federelementen
12 zusammen. Gemäss der Figur 1a unterhalb des dritten Federelementes 13 befindet
sich eine Gegenkulisse 31 mit einem Verschleisselement 32. Die Gegenkulisse 31 ist
vorliegend integral mit der Befestigungsanordnung 30 gezeigt. Das Verschleisselement
32 ist direkt an der Befestigungsanordnung 30 angeordnet. Das Verschleisselement 31
definiert, ab welchem Zeitpunkt / Federweg das dritte Federelement 13 in Eingriff
kommt.
[0047] Wirkt nun eine Kraft F auf die Federvorrichtung ein (Figur 1b) so wird zuerst das
erste Federelement 11 und in Serie dazu das zweite Federelement 12 gedrückt. Durch
die unterschiedlichen Eigenschaften der einzelnen Federelemente 11 und 12 entsteht
eine gemeinsame Federkonstante. Das zweite Federelement 12 wird dabei zusammengedrückt.
Der Angriffspunkt des ersten Federelementes 11 und damit die Lagerung 21 verschiebt
sich dabei entsprechend des Federweges des zweiten Federelementes 12. Die Federkonstante
von in Serie geschalteten Federn ist naturgemäss kleiner als von einzelnen Federn.
Die Systemkonstante ist für diesen Fall eher flach.
[0048] Wird die Kraft F grösser (Figur 1c) so kommt das dritte Federelement 13 in Eingriff
mit der Gegenkulisse 31, da sich die Lagerung 21 in Kraftrichtung verschiebt. Damit
wirkt nun das zweite und das dritte Federelement 12 und 13 parallel und diese zusammen
in Serie zum ersten Federelement 11. Die Parallelschaltung erhöht die Federkonstante.
Die Systemkonstante wird für diesen Bereich steiler.
[0049] Wenn die Kraft F noch grösser wird (Figur 1d) so kommen die Anschlagelemente 20 in
Kontakt mit der Befestigungsanordnung 30. Das zweite und dritte Federelement 12 und
13 sind damit überbrückt. Sämtliche Kraft wird durch das erste Federelement 11 aufgenommen.
Aus dieser Abfolge ergibt sich eine immer steiler werdende Kurve für die Federkonstante
und daher eine progressive Systemkonstante.
[0050] Figur 2 zeigt eine perspektivische Ansicht einer erfindungsgemässen Federvorrichtung
1. Die Federelemente 11 und 13 sind vorliegend als eine Rolle 22 ausgebildet, welche
mit der Lagerung 21 an vier parallelen zweiten Federelementen 12 befestigt ist. Die
Rolle 22 bildet somit die primäre Federeinheit 2 und die vier zweiten Federelemente
12 bilden die sekundäre Federeinheit 3. Die Rolle 22 besteht aus einem Rollenkörper
und aus einem Elastomer als Bandage, welche die Federelemente 11 und 13 bilden. Die
zweiten Federelemente 12 sind so angeordnet, dass sie als Schubfeder wirken. Sie sind
somit als zweiteilige Schubfedern ausgebildet, welche ebenfalls aus einem Elastomer
mit Blecheinlage gefertigt sind. Die zweiten Federelemente 12 sind an der Befestigungsanordnung
30 angeordnet. Die Befestigungsanordnung 30 ist vorliegend als einstückiges U-Profil
ausgebildet. Wie aus der Figur 3 ersichtlich, ist die Gegenkulisse 31 ebenfalls einstückig
aus der Befestigungsanordnung 30 ausgebildet. An der Lagerung 21 erstreckt sich ein
Anschlagelement 20 in Richtung einer Bodenplatte der Befestigungsanordnung 30. Die
Lagerung ist dreiteilig ausgeführt, wobei sich auf beiden Seiten der Rolle 22 je ein
Lagerbock befindet, die mittels einer Achse, auf der die Rolle 22 drehbar gelagert
ist, miteinander verbunden sind. An jedem Lagerbock sind zwei Federelemente 12 der
sekundären Federeinheit 3 befestigt. Damit ergibt sich für die Rolle 22 eine im Wesentlichen
symmetrische Aufhängung am Befestigungselement 30. Dieses ist vorliegend einstückig
ausgebildet.
[0051] Figur 3 zeigt einen Querschnitt entlang der Drehachse der Rolle 22 aus Figur 2. Im
Querschnitt durch die Rolle 22 ist das erste Federelement 11 und das dritte Federelement
13 deutlich sichtbar. Zwischen der Unterkante des dritten Federelementes 13 und der
Gegenkulisse 31 mit dem Verschleisselement 32 ist ein Abstand a eingezeichnet. Dieser
ist beispielsweise durch Verändern der Dicke des Verschleisselementes 32 einstellbar.
Eine gewünschte Systemkennlinie kann vorab konfiguriert werden. Zwischen der Unterkante
des Anschlagelementes 20 und der Bodenplatte der Befestigungsanordnung 30 ist ein
Abstand b eingezeichnet. Über diesen Abstand kann ebenfalls die Systemkennlinie vorab
konfiguriert werden.
[0052] Im Ausführungsbeispiel aus den Figuren 2 und 3 weist die Rolle einen Durchmesser
von 160mm auf, wobei ein Grössenbereich von beispielsweise 50mm bis 400mm vorstellbar
ist. Der Abstand b ist vorliegend grösser als der Abstand a. Das heisst, bewegt sich
die Lagerung 21 nach unten kommt zuerst das dritte Federelement 13 in Eingriff mit
der Gegenkulisse 31. Wenn sich die Lagerung 21 weiter nach unten bewegt, kommt das
Anschlagelement 20 in Eingriff mit der Befestigungsanordnung 30. Dann sind das zweite
und das dritte Federelement 12 und 13 überbrückt, lediglich das erste Federelement
11 verformt sich weiter.
[0053] Im Ausführungsmodell nach den Figuren 2 und 3 ist die sekundäre Federeinheit 3 aus
vier Elastomerfedern ausgebildet. Die primäre Federeinheit 2 mit dem ersten und dem
dritten Federelement 11, 13 weist ebenfalls ein Elastomer auf, welches die Federelemente
11 und 13 bilden. Das erste und das dritte Federelement 11 und 13 sind als Rollenbandage
ausgebildet.
[0054] Eine qualitative Systemkennlinie einer Vorrichtung ist in einem Kraft- Weg- Diagramm
in Figur 4 gezeigt. Deutlich erkennbar sind die zwei Knicke an den Punkten, an denen
zuerst das dritte Federelement 13 mit der Gegenkulisse in Eingriff komm, P1, und an
der Stelle, an der das Anschlagelement 20 mit der Befestigungsanordnung in Eingriff
kommt, P2.
1. Federvorrichtung (1) zur Aufnahme von Querkräften zwischen
einem Drehgestellrahmen und einem Wagenkasten an einem Schienenfahrzeug umfassend
eine primäre Federeinheit (2) mit einem ersten Federelement (11), welches zumindest
teilweise aus elastischem Material, bevorzugt einem Elastomer, besteht oder ein elastisches
Material umfasst
eine sekundäre Federeinheit (3) mit mindestens einem zweiten Federelement (12) welches
zumindest teilweise aus elastischem Material, bevorzugt einem Elastomer, besteht oder
ein elastisches Material umfasst
wobei das erste Federelement (11) und die sekundäre Federeinheit (3) in Serie geschaltet
sind,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Federvorrichtung (1) wenigstens ein Anschlagelement (20) zur Überbrückung der
sekundären Federeinheit und insbesondere zur Begrenzung des Federweges des sekundären
Federeinheit (3) aufweist.
2. Federvorrichtung (1) nach Anspruch 1, umfassend ein drittes Federelement (13) welches
vorzugsweise in Serie zum ersten Federelement (11) und parallel zur sekundären Federvorrichtung
(3) angeordnet ist.
3. Federvorrichtung (1) nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass das dritte Federelement (13) im unbelasteten Zustand zu einer Gegenkulisse (31) beabstandet
angeordnet ist, so dass das dritte Federelement (13) erst ab einem bestimmten Federweg
eingreift oder in Eingriff bringbar ist.
4. Federvorrichtung (1) nach Anspruch 3, wobei die Gegenkulisse (31) ein Verschleisselement
(32) aufweist.
5. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Federelemente (11, 12, 13) als Schraubenfeder ausgebildet ist.
6. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Federelemente (11, 12, 13) als Tellerfeder ausgebildet ist.
7. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Federelemente (11, 12, 13) als Schubfeder ausgebildet ist.
8. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eines der Federelemente (11, 12, 13) als Elastomerfeder ausgebildet ist.
9. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest eine Federeinheit (2, 3) aus mehreren parallel angeordneten Federelementen
ausgeführt ist.
10. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 9 umfassend eine Befestigungsanordnung
(30) zum Befestigen der Federvorrichtung an einem Drehgestell oder einem Wagenkasten.
11. Federvorrichtung (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Federelement (11), bevorzugt die primäre Federeinheit (2), auf der sekundären
Federeinheit (3) durch eine Lagerung (21) gelagert ist.
12. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die sekundäre Federeinheit (3) aus vier Federelementen gebildet ist, wobei die Federelemente
vorzugsweise als Schubfedern ausgebildet sind.
13. Federvorrichtung (1) nach Anspruch 11 oder 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Lagerung (21) eine Drehachse aufweist, wobei das erste Federelement (11) und
das dritte Federelement (13) an der Drehachse (21) beweglich angeordnet sind und insbesondere
an einer Rolle (22) angeordnet sind, welche um die Drehachse drehbar ausgebildet ist.
14. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Federelement (11) und das dritte Federelement (13) die primäre Federeinheit
bilden und insbesondere einstückig ausgebildet sind.
15. Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 10 bis 14, wobei das Anschlagelement
(20) an der Lagerung (21) angeordnet ist.
16. Schienenfahrzeug umfassend eine Federvorrichtung (1) nach einem der Ansprüche 1 bis
15, wobei die Federvorrichtung mit dem Drehgestell oder mit dem Wagenkasten fest verbunden
ausgebildet ist.
17. Schienenfahrzeug nach Anspruch 16, umfassend zwei Federvorrichtungen, wobei durch
die erste Federvorrichtung Querkräfte in einer ersten Richtung aufnehmbar sind und
durch die zweite Federvorrichtung Querkräfte in einer zweiten, der ersten Richtung
entgegengesetzten, Richtung, aufnehmbar sind.
18. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 16 oder 17, dadurch gekennzeichnet, dass das Drehgestell oder der Wagenkasten zumindest eine Federanschlagfläche umfassen,
an die die Federvorrichtung anschlagbar ist.