[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer Vorform aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung
zur Herstellung eines hochbelastbaren Bauteils für Kolbenmaschinen und Gasturbinen,
insbesondere Flugtriebwerke, durch Schmieden eines Rohlings.
[0002] Legierungen auf TiAI-Basis gehören zur Gruppe der intermetallischen Werkstoffe, die
für Anwendungen im Bereich der Einsatztemperaturen der Superlegierungen entwickelt
wurden. Aufgrund ihrer geringen Dichte von etwa 4g/cm
3 bietet dieser Werkstoff ein erhebliches Potential zur Gewichtseinsparung sowie zur
Reduzierung der Belastungen bewegter Bauteile, z. B. Schaufeln und Scheiben von Gasturbinen
oder Bauteile von Kolbenmotoren, bei Temperaturen bis ca. 700 °C. Stand der Technik
ist das Feingießen von z. B. Turbinenschaufeln für Flugtriebwerke. Für Anwendungen
mit größerer Belastung wie z. B. in schnelllaufenden Turbinen für neuartige Getriebefan-Flugtriebwerke
sind die Eigenschaften des Gussgefüges nicht mehr ausreichend. Durch thermomechanische
Behandlung mittels plastischer Umformung mit definiertem Umformgrad und nachfolgender
Wärmebehandlung lassen sich die statischen und dynamischen Eigenschaften von TiAl-Legierungen
auf die geforderten Werte steigern. Allerdings sind TiAl-Legierungen wegen ihres hohen
Umformwiderstands nicht konventionell schmiedbar. Daher müssen die Umformprozesse
bei hohen Temperaturen im Bereich des α+γ- oder α-Phasengebiets in schützender Atmosphäre
unter Verwendung von aus Molybdän gefertigten Werkzeugen bei sehr niedrigen Umformgeschwindigkeiten
durchgeführt werden. Zum Erreichen der gewünschten Endgeometrie des Schmiedeteils
sind dabei in der Regel mehrere aufeinanderfolgende Schmiedeschritte erforderlich.
[0003] Ein solches Verfahren zur Herstellung hochbelastbarer Bauteile aus α+γ-TiAl-Legierungen
ist beispielsweise aus
DE 101 50 674 B4 bekannt. Die Bauteile, insbesondere für Flugtriebwerke oder stationäre Gasturbinen,
werden hier in einem zweistufigen Verfahren hergestellt. In einem ersten Verfahrensschritt
wird eine Vorform aus einem aus α+γ-TiAl-Legierung bestehenden Rohling hergestellt.
Hierzu wird ein gekapselter TiAI-Rohling globularen Gefüges durch isotherme Umformung
im α+γ-Phasengebiet im Temperaturbereich von 1000 - 1340 °C oder im α-Phasengebiet
im Temperaturbereich von 1340 - 1360 °C durch Schmieden oder Strangpressen verformt.
In einem zweiten, ebenfalls isothermen Sekundärumformprozess unter gleichzeitiger
dynamischer Rekristallisation im α+y- oder α-Phasengebiet in einem Temperaturbereich
von 1000 - 1340 °C wird das Bauteil zur vorgegebenen Form durch Schmieden ausgeformt,
wonach das Bauteil zur Einstellung des Mikrogefüges im α-Phasengebiet lösungsgeglüht
und anschließend schnell abgekühlt wird. Dieses Verfahren sieht also das isotherme
Vorschmieden zur Herstellung der Vorform sowie das isotherme Fertigschmieden im zweiten
Verfahrensschritt vor. Das Ausbilden einer Vorform ist bei den dort beschriebenen
Bauteilen, die über die Längsrichtung stark unterschiedliche Querschnitte aufweisen,
wie z. B. Turbinenschaufeln oder Pleuel, im Hinblick auf die geforderte Volumenverteilung
erforderlich.
[0004] Das Bilden der Vorform in dem isothermen Primärumformprozess ist jedoch sehr aufwändig.
Die Umformung erfolgt mit extrem langsamer Umformgeschwindigkeit, es findet quasi
ein Fließpressen statt. Dies bedingt, dass eine sehr große Presse, die eine Presskraft
von 400 - 500 t auf den Rohling ausüben kann, verwendet werden muss. Weiterhin findet
die Umformung unter Verwendung von Molybdänwerkzeugen statt, was bedingt, die Umformung
in inerter Atmosphäre, also unter Schutzgas, bzw. im Vakuum vorzunehmen. Schließlich
sind relativ große Rohlinge, sogenannte Billets, zu verwenden, um ein hinreichendes
Volumen zu haben, was jedoch dazu führt, dass sich an den Seiten der Vorform Grate
oder Abschnitte ergeben, die anschließend abzutrennen und zu verwerfen sind.
[0005] Der Erfindung liegt damit das Problem zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung einer
Vorform anzugeben, das demgegenüber verbessert ist.
[0006] Zur Lösung dieses Problem ist bei einem Verfahren zur Herstellung einer Vorform der
eingangs genannten Art erfindungsgemäß vorgesehen, dass der in einem Manipulator gehaltene
und über den Manipulator bewegte Rohling durch Reckschmieden mittels eines Reckschmiedewerkszeugs
lediglich partiell umgeformt wird.
[0007] Die Erfindung sieht vor, die Vorform durch Reckschmieden eines Rohlings herzustellen.
Beim Reckschmieden wird unter Verwendung generischer Werkzeuge durch mehrfaches Einwirken
auf das Werkstück inkrementell die gewünschte Form erzeugt. Dieses Umformen findet
partiell statt, das heißt, dass mittels des Reckschmiedewerkszeugs der Rohling nur
lokal bearbeitet wird. Während dieses Mehrfachschmiedevorgangs wird ein Teil des Rohlingmaterials,
das im Querschnitt die größte im späteren Fertigteil zu findende Fläche aufweist,
partiell auf die im fertigen Bauteil an der entsprechenden Stelle zu findende Querschnittsfläche
reduziert. Die Umformung findet derart statt, dass ein angetriebenes Werkzeug, ein
sogenannter Sattel, eine Vielzahl von Hüben mit einem definierten Weg senkrecht zur
Längsachse des Ausgangsmaterials ausübt, wobei der Rohling mittels des programmgesteuerten
Manipulators zwischen zwei Hüben um einen definierten Weg in Längsrichtung des Werkstücks
bewegt wird. Das Werkstück wird mittels des Manipulators zumindest einmal in eine
Richtung durch das Reckschmiedewerkzeug bewegt und hierbei mit einer entsprechenden
Hubanzahl bearbeitet. Sofern erforderlich kann auch eine Rückbewegung respektive eine
mehrfache Wiederholung dieser Zyklen mit einer entsprechenden Anzahl von Hüben, gegebenenfalls
auch mit unterschiedlicher Hubgröße, erfolgen.
[0008] Das Reckschmieden hat im Vergleich zur eingangs genannten, bisher durchgeführten
Art und Weise der Vorformherstellung eine Reihe von Vorteilen. Zum einen kann eine
deutlich kleinere Reckschmiede verwendet werden, verglichen mit den für die isotherme
Umformung zu nutzenden Schmiedepressen. Denn beim Reckschmieden wird pro Schmiedevorgang,
also pro Hub, aufgrund des kleineren umzuformenden Volumens weit weniger Kraft benötigt.
Von daher ist eine Reckschmiede mit einer Schmiedekraft von z.B. 10 t völlig ausreichend,
um die Umformung vorzunehmen. Verglichen mit bisher verwendeten, das isotherme Fließpressen
ermöglichenden Vorrichtungen, die eine Presskraft von mehreren 100 t, z.B. von 400
- 500 t aufbringen müssen, ist folglich eine Reckschmiede mit einer Schmiedekraft
von ca. 10 t wesentlich kleiner und einfacher konzipiert.
[0009] Auch kann der Schmiedevorgang mit besonderem Vorteil an Luft erfolgen, er muss nicht
unter Schutzgas vorgenommen werden. Denn es besteht grundsätzlich die Möglichkeit,
eine Reckschmiedewerkzeug z.B. aus einem keramischen Werkstoff zu verwenden, bevorzugt
aus einem faserverstärkten keramischen Werkstoff, resultierend aus der deutlich geringeren
Schmiedekraft.
[0010] Schließlich können auch kleinere Rohlinge respektive Billets verwendet werden, da
eine partielle, gezielte und lokale Umformung durch das Reckschmieden möglich ist,
ohne dass seitliche Grate oder sonstige abzutrennende Abschnitte an der Vorform gebildet
werden.
[0011] Das Reckschmieden selbst erfolgt bevorzugt im β-Phasengebiet. Zweckmäßigerweise wird
der Rohling während des Reckschmiedens auf einer Temperatur im Bereich von 1070 -
1300 °C gehalten.
[0012] Wie beschrieben wird bevorzugt ein Reckschmiedewerkzeug aus einem, vorzugsweise faserverstärkten,
keramischen Werkstoff verwendet, das ohne Weiteres an Luft verwendet werden kann.
Alternativ besteht natürlich grundsätzlich die Möglichkeit, auch ein Schmiedewerkzeug
aus Molybdän zu verwenden, wobei dann jedoch das Schmieden unter Schutzgasatmosphäre
erfolgen muss.
[0013] Der Rohling und das Reckschmiedewerkzeug selbst werden während des Reckschmiedens
bevorzugt mittels eines Strahlungsheizeinrichtung erwärmt, wobei bevorzugt ein Infrarotstrahler
verwendet wird. Alternativ kann der Rohling auch mittels über ihn fließenden elektrischen
Stroms erwärmt werden. Hierüber kann eine gezielte Temperierung während des Schmiedevorgangs
erfolgen.
[0014] Zweckmäßig ist es ferner, wenn der Rohling vor dem Einbringen in das Reckschmiedewerkzeug
mittels eines Strahlungsheizers, induktiver Erwärmung oder mittels über den Rohling
fließenden elektrischen Stroms erwärmt wird. Demgemäß wird also der Rohling schmiedeextern
bereits vorgewärmt. Dies kann ebenfalls unter Verwendung des Manipulators, der den
Rohling bereits gegriffen hat, erfolgen. Beispielsweise befindet sich unmittelbar
neben der Reckschmiede eine entsprechende Beheizungseinrichtung, in die der Manipulator
den Rohling bewegt, wo er erwärmt wird. Erreicht er seine Schmiedetemperatur, wird
der Rohling über den Manipulator der Reckschmiede zugeführt und zwischen das Reckschmiedewerkzeug
zum Schmieden bewegt.
[0015] Im Hinblick auf übliche Geometrien der aus dieser TiAl-Legierung herzustellenden
Bauteile für Kolbenmaschinen und Gasturbinen, die zumeist schaufelartig sind, wird
der Rohling durch das Reckschmieden bevorzugt derart bearbeitet, dass die Längung
größer als die Breitung ist. Über das Reckschmieden wird wie beschrieben der Rohling
nur partiell umgeformt. Der zwischen den Sätteln geschmiedete Rohling wird während
jedes Hubes umgeformt. Das Verhältnis der Länge des Werkzeugs respektive der Sättel
in Längsrichtung des Rohlings, die sogenannte "Sattelbreite", zur aktuellen Breite
des Rohlings bestimmt, ob die bevorzugte Umformung eher in die Länge (Längung) oder
eher in die Breite (Breitung) des Rohlings erfolgt. Zur Bildung beispielsweise einer
Schaufelvorform wird ein relativ kurzer, beispielsweise zylindrischer Rohling verwendet,
der durch das Reckschmieden beispielsweise im mittleren Bereich zwar einerseits geringfügig
verbreitert wird, bis die Mindestbreite, die die Schaufel in ihrer Endform aufweisen
soll, zumindest näherungsweise erreicht ist. Insbesondere erfährt der Rohling aber
eine Längung, damit der reckgeschmiedete Formabschnitt der Länge des Schaufelblattes
entspricht. Während des Schmiedens wird das Material entsprechend umgeformt, also
verdrängt, so dass ohne Weiteres die entsprechenden Breitungen und Längungen erreicht
werden können. Die durch das Reckschmieden erzielte Längung sollte zwischen 50 - 100
% betragen, sie sollte wenigstens 70 % betragen.
[0016] Der Rohling wird gemäß einer Weiterbildung der Erfindung nur in einem mittleren Bereich
durch Reckschmieden bearbeitet, so dass ein erster freier Endabschnitt und ein zweiter,
im Manipulator gehaltener Endabschnitt anderer Geometrie oder anderen Durchmessers
als der reckgeschmiedete Bereich verbleiben. Diese beiden Endabschnitte, aus denen
am Fertigteil das Deckband und der Fuß geschmiedet werden, werden erst nach dem Reckschmieden,
also im zweiten Fertigschmiedevorgang, in die Endform umgeformt. Denkbar ist es jedoch,
während des Reckschmiedevorgangs auch den ersten freien Endabschnitt, der nicht im
Manipulator aufgenommen ist, in einem geringeren Maß als den mittleren Bereich umzuformen,
mithin also beispielsweise abzuflachen oder Ähnliches.
[0017] Besonders zweckmäßig ist es, wenn der Rohling mittels des Manipulators derart durch
das Reckschmiedewerkzeug bewegt wird, dass die Werkzeugsättel einen in einem vorherigen
Hub geschmiedeten Abschnitt z. B. zur Hälfte überschmieden. Das heißt, dass der Rohling
mittels des Manipulators nach jedem Hub um die halbe Sattelbreite bewegt wird, so
dass im nächsten Hub die Hälfte des zuvor geschmiedeten Bereichs ein zweites Mal überschmiedet
wird. Über diesen sogenannten "Bißversatz" lässt sich der Umformgrad über den Querschnitt
des Bauteils einstellen und eine gleichmäßige Verteilung desselben erreichen.
[0018] Dabei kann der Rohling bei Bedarf mittels des Manipulators auch um seine Längsachse
gedreht werden, um einen runden Querschnitt zu erzeugen respektive eine Torsion einzubringen
und Ähnliches.
[0019] Es können Reckschmiedewerkzeuge unterschiedlicher Geometrie verwendet werden. Denkbar
ist es, ein Reckschmiedewerkzeug mit Schmiedesätteln mit einer ebenen Schmiedefläche
zu verwenden. Alternativ können auch Schmiedesättel mit einer konkav ausgerundeten
Schmiedefläche verwendet werden. Über solche Schmiedesättel ist es möglich, dem geschmiedeten
Bereich eine dem Schaufelblattquerschnitt genäherte gewölbte Form zu verleihen.
[0020] Schließlich ist es möglich, ein Reckschmiedewerkzeug zu verwenden, dessen Schmiedesättel
eine dreidimensional tordierte Schmiedefläche aufweisen. Mit solchen Schmiedesätteln
ist es möglich, eine definierte Torsion um die Vorformlängsachse einzuschmieden. Soll
sich beispielsweise die fertiggeschmiedete Schaufel vom Fuß zum Deckband um 30° tordieren,
so kann die dreidimensional tordierte Schmiedefläche eine Torsion um beispielsweise
3° aufweisen. Werden zehn in Längsrichtung aufeinanderfolgende Schmiedehübe durchgeführt,
so addieren sich die jeweils über das Schmiedewerkzeug eingebrachten 3°-Umformungen,
so dass sich im Endeffekt das Deckband relativ zum Fuß um 30° verdreht. Es kann also
ein definierter Drall in dem überschmiedeten Bereich des Rohlings oder Werkstücks
entstehen, resultierend aus dem Stofffluss in der Wirkfuge.
[0021] Als Legierung wird bevorzugt eine TiAl-Legierung folgender Zusammensetzung (in Atom%)
verwendet:
40 - 48% Al,
2 - 8% Nb,
0,1 - 9% wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo, V,
Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0 - 0,5% B,
sowie einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0022] Über das oder die eingebrachten, die β-Phase stabilisierenden Elemente wird sichergestellt,
dass der β-Phasenbereich im Schmiedetemperaturfenster stabilisiert ist.
[0023] Besonders bevorzugt werden als die β-Phase stabilisierenden Elemente Mo, V oder Ta
oder eine Mischung davon verwendet.
[0024] Der Gehalt des die β-Phase stabilisierenden Elements sollte 0,1 - 2 %, insbesondere
0,8 - 1,2 % betragen. Dies insbesondere, wenn Mo, V und/oder Ta verwendet werden,
da diese eine besonders hohe stabilisierende Eigenschaft besitzen und daher deren
Gehalt relativ niedrig gehalten werden kann.
[0025] Bevorzugt wird eine Legierung folgender Zusammensetzung verwendet:
41 - 47 % Al,
1,5-7 % Nb,
0,2 - 8 % wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo,
V, Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0 - 0,3 % B,
und einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0026] In weiterer Konkretisierung wird bevorzugt eine Legierung folgenden Zusammensetzung
verwendet:
42 - 46 % Al,
2 - 6,5 % Nb,
0,4 - 5 % wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo,
V, Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0 - 0,2 % B,
und einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0027] Besonders bevorzugt wird eine Legierung folgenden Zusammensetzung verwendet:
42,8 - 44,2% Al,
3,7 - 4,3% Nb,
0,8 - 1,2% Mo,
0,07 - 0,13% B,
sowie einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
[0028] Neben dem Verfahren betrifft die Erfindung eine Vorform, herstellt nach dem beschriebenen
Verfahren.
[0029] Des Weiteren betrifft die Erfindung neben dem Verfahren zur Herstellung der Vorform
ein Verfahren zur Herstellung eines hochbelastbaren Bauteils aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung
für Kolbenmaschinen und Gasturbienen, insbesondere Flugtriebwerke, das sich dadurch
auszeichnet, dass eine nach dem Verfahren der zuvor beschriebenen Art hergestellte
Vorform in einem einstufigen Umformschritt in eine vorgegebene Kontur umgeformt wird,
wobei die Vorform im β-Phasenbereich isotherm mit einer logarithmischen Umformgeschwindigkeit
von 0,01 - 0,5 1/s umgeformt wird.
[0030] Die erfindungsgemäß zuvor hergestellte Vorform wird in einem langsamen, isothermen
Umformvorgang mit sehr niedriger Umformgeschwindigkeit umgeformt. Die Umformung erfolgt
ebenfalls bei entsprechender Temperatur im β-Phasenbereich. Bei der Umformung werden
die in der kubisch-raumzentrierten β-Phase existierenden zwölf Gleitebenen aktiviert
und eine dynamische Rekristallisation angestoßen. Durch stetig weiter zugeführte Umformenergie
wird diese über den gesamten Umformweg aufrechterhalten. Hierbei entsteht bei niedrigerer
Fließspannung ein feinkörniges Mikrogefüge. Da die Vorform durch das Reckschmieden
bereits relativ endkonturnah ausgeschmiedet wurde, kann dieser zweite Schmiedevorgang
trotz der geringen Umformgeschwindigkeit von 10
-3 s
-1 bis 10
-1s
-1 hinreichend zügig erfolgen.
[0031] Die Umformtemperatur im β-Phasenbereich beträgt bevorzugt 1070 - 1250 °C. Bei diesem
isothermen Umformvorgang wird ein Werkzeug aus einem höchstwarmfesten Werkstoff verwendet,
vorzugsweise aus einer Mo-Legierung, wobei die Werkzeuge in diesem Fall während des
Umformvorgangs durch eine inerte Atmosphäre geschützt sind, es wird also unter Schutzgas
gearbeitet. Alternativ kann auch die Oxidation durch Arbeiten im Vakuum vermieden
werden.
[0032] Weiterhin ist es zweckmäßig, die zur Umformung verwendeten Werkzeuge aktiv zu beheizen,
wobei diese Beheizung bevorzugt induktiv erfolgt.
[0033] Auch die Vorform wird zweckmäßigerweise bereits vor der Umformung erwärmt, was in
einem Ofen, induktiv oder durch Widerstandsbeheizung, erfolgen kann.
[0034] Nach Durchführung dieses zweiten, isothermen Schmiedevorgangs wird zweckmäßigerweise
eine Wärmebehandlung des umgeformten Bauteils durchgeführt, um die geforderten Gebrauchseigenschaften
einzustellen und hierfür die für die Umformung günstige β-Phase durch eine geeignete
Wärmebehandlung in ein feinlamellares α+γ-Gefüge umzuwandeln. Hierzu kann die Wärmebehandlung
eine Rekristallisationsglühung bei einer Temperatur von 1230 - 1270 °C umfassen. Die
Haltezeit während der Rekristallisationsglühung beträgt bevorzugt 50 - 100 min. Die
Rekristallisaitonsglühung erfolgt im Bereich der γ-α-Umwandlungstemperatur. Wird,
wie erfindungsgemäß ferner vorgesehen ist, nach der Rekristallisationsglühung das
Bauteil auf eine Temperatur von 900 - 950 °C in 120 s oder schneller abgekühlt, so
kommt es zur Bildung kleinerer Lamellenabstände der α+γ-Phase.
[0035] Bevorzugt schließt sich ein zweiter Wärmebehandlungsschritt an, in dem das Bauteil
zunächst auf Raumtemperatur abgekühlt und anschließend auf eine Stabilisierungs- oder
Entspannungstemperatur von 850 - 950° erwärmt wird. Alternativ kann auch direkt von
der nach der Rekristallisationsglühung schnell erreichten Temperatur von 900 - 950
°C (wie zuvor beschrieben) auf die Stabilisierungs- und Entspannungstemperatur von
850 - 950 °C gegangen werden. Die bevorzugte Haltezeit auf der Stabilisierungs- und
Entspannungstemperatur, unabhängig, wie diese erreicht wurde, beträgt bevorzugt 300
- 360 min.
[0036] Nach Ablauf der Haltezeit wird bevorzugt mit einer definierten Abkühlrate die Bauteiltemperatur
auf eine Temperatur unterhalb 300 °C reduziert. Die Abkühlrate beträgt bevorzugt 0,5
- 2 K/min, das heißt, die Abkühlung erfolgt relativ langsam, was zur Stabilisierung
und Entspannung des Gefüges dient. Bevorzugt beträgt die Abkühlrate 1,5 K/min.
[0037] Die jeweilige Abkühlung kann in einer Flüssigkeit, z. B. in Öl, oder in Luft oder
einem Inertgas erfolgen.
[0038] Neben dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung des Bauteils betrifft die Erfindung
ferner ein Bauteil aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung, insbesondere für eine Kolbenmaschine,
ein Flugtriebwerk oder eine Gasturbine, das in einem Verfahren der beschriebenen Art
hergestellt ist. Ein solches Bauteil kann beispielsweise eine Schaufel oder eine Scheibe
einer Gasturbine oder Ähnliches sein.
[0039] Weitere Vorteile und Merkmale der Einzelheiten der Erfindung ergeben sich aus den
im Folgenden beschriebenen Ausführungsbeispielen sowie anhand der Zeichnungen. Dabei
zeigen:
- Fig. 1
- eine Prinzipdarstellung zur Erläuterung des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung
einer Vorform sowie des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Herstellung eines Fertigbauteils,
und
- Fig. 2
- eine Prinzipdarstellung des Rohlings vor und beim Reckschmieden, der Vorform und des
fertiggeschmiedeten Bauteils.
[0040] Fig. 1 zeigt ein Ablaufdiagramm zur Erläuterung des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Vorform- und zur Fertigteilherstellung. Gezeigt ist ein Rohling 1 in zylindrischer
Form. Dieser besteht aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung einer Zusammensetzung,
wie sie vorstehend angegeben ist. Insbesondere enthält die TiAl-Legierung ein die
β-Phase stabilisierendes Element, vorzugsweise Mo, V oder Ta, da die nachfolgenden
Umformvorgänge im β-Phasenbereich der TiAI-Legierung erfolgen.
[0041] Der Rohling 1 ist, siehe den Schritt a), in einem programmgesteuerten Manipulator
2 respektive Roboter fixiert. Im Schritt a) wird er zunächst einer ersten Heizeinrichtung
3 zugeführt, bei der es sich um einen Infrarot-Heizstrahler, einen Ofen oder eine
elektrische Heizeinrichtung handeln kann. In dieser Heizeinrichtung 3 wird der Rohling
1 auf eine Temperatur im Bereich von 1070 - 1330 °C aufgeheizt, mithin also eine Temperatur,
in der sich eine β-Phase im Legierungsgefüge ausbildet.
[0042] Nach Erreichen dieser Temperatur, siehe Schritt b), wird der Rohling 1 mittels des
Manipulators 2 in eine benachbart zur Heizeinrichtung 3 angeordnete Reckschmiede 4
bewegt. Diese Reckschmiede 4 weist ein Schmiedewerkzeug 5 umfassend einen beweglichen
Schmiedesattel 6 sowie einen feststehenden Schmiedesattel 7 auf. Die Schmiedesättel
6, 7 sind bevorzugt aus einem keramischen, insbesondere faserverstärkten, Werkstoff,
so dass ein Reckschmieden an Luft möglich ist. Die Reckschmiede 4 ist beispielsweise
für eine Schmiedekraft von 10 t ausgelegt.
[0043] Der Reckschmiede 4 ist eine Heizeinrichtung 8 zugeordnet, vorzugsweise ein Infrarotstrahler,
mittels dem es möglich ist, den zwischen den Schmiedesätteln 6, 7 befindlichen Rohling
1 wie auch die Schmiedesättel 6, 7 selbst während des Schmiedevorgangs zu erwärmen,
so dass insbesondere der Rohling auf der entsprechenden Schmiedetemperatur gehalten
wird.
[0044] Während des Schmiedevorgangs wird der Rohling 1, wie durch den horizontalen Doppelpfeil
dargestellt ist, in intermittierenden Schritten durch das Schmiedewerkzeug 5 bewegt.
Hierbei wird der Schmiedesattel 6 in einzelnen Hüben angehoben und zum Schmieden auf
den Rohling 1 abgesenkt, der Rohling wird zwischen den Schmiedesätteln 6, 7 umgeformt.
Zwischen jeweils zwei Hüben wird der Rohling 1 über den Manipulator 2 um ein inkrementelles
Stück verschoben. Die Verschiebung erfolgt beispielsweise um die halbe Breite der
gleichbreit ausgelegten Schmiedesättel 6, 7, so dass mit jedem Hub der Rohling 1 in
dem halben, zuvor geschmiedeten Bereich nochmals überschmiedet wird.
[0045] Mittels des Manipulators 2 wird der Rohling 1 zumindest einmal in einer Richtung
durch die Reckschmiede 4 bewegt. Sofern erforderlich wird er in die entgegengesetzte
Richtung zur Durchführung eines weiteren Schmiedezyklus bewegt. Während dieser Bewegung
kann der Rohling 1 auch, sofern erforderlich, um seine Längsachse gedreht werden,
um eine Torsion oder Rundungen einzuschmieden etc.
[0046] Die verwendeten Schmiedesättel 6, 7 können eine ebene Schmiedefläche oder eine dreidimensional
verformte Schmiedefläche, beispielsweise konkav ausgebildete Schmiedeflächen oder
dreidimensional tordierte Schmiedeflächen aufweisen, um gezielte Geometrien einzuschmieden.
[0047] Der Schritt c) zeigt exemplarisch die Situation während des Schmiedevorgangs. Der
Rohling 1 ist zwischen den beiden Schmiedesätteln 6, 7 aufgenommen, wobei die Schmiedesättel
exemplarisch zugefahren sind. Ersichtlich wird der Rohling 1 nur partiell umgeformt,
das heißt, dass ein erster freier Endabschnitt 9 und ein zweiter, im Manipulator 2
bzw. der Manipulatorzange gehaltener zweiter Endabschnitt 10 stehenbleibt, zwischen
denen sich der reckgeschmiedete Bereich 11 erstreckt. Diese Endabschnitte 9, 10 dienen
zur Bildung des Deckbandes und des Fußes einer später herzustellenden Schaufel, worauf
nachfolgend noch eingegangen wird.
[0048] Dem Schritt c) folgend ist exemplarisch vergrößert der fertiggeschmiedete Rohling,
also die reckgeschmiedete Vorform 12 gezeigt. Dargestellt sind die beiden Endabschnitte
9, 10 sowie der flachgeschmiedete mittlere Bereich 11, aus dem im nachfolgenden zweiten
Umformschritt der Schaufelbereich geformt wird. Dieser Bereich 11 ist durch das Reckschmieden
bereits in seinen mechanischen Eigenschaften umformbedingt verändert, er weist aufgrund
der Mehrfachschmiedung eine sehr feine Gefügestruktur auf, etwaige Poren sind zwangsläufig
geschlossen. Dies ist für die mechanischen Eigenschaften respektive auch den Umformvorgang
zur Herstellung des Fertigbauteils zweckmäßig.
[0049] Diese Vorform 12 wird nun zur Herstellung eines Fertigbauteils 13 in Form einer Turbinenschaufel
in einem zweiten isothermen Umformschritt weiterbearbeitet. Dies ist im Schritt d)
gezeigt, wo die - gegebenenfalls vorher nochmals auf die Schmiedetemperatur in einer
nicht gezeigten Heizeinrichtung erwärmte - Vorform 12 in eine formgebende zweite Schmiede
19 mit einem Oberteil 14 und einem Unterteil 15 eingebracht ist. Hier findet ein isothermer
Schmiedevorgang statt, bei dem das Ober- und Unterteil 14, 15 erwärmt werden. Die
Schmiedetemperatur beträgt auch hier zwischen 1070 - 1250°, die Umformung erfolgt
im β-Phasenbereich.
[0050] Die Umformung erfolgt hier jedoch isotherm mit einer sehr langsamen Umformgeschwindigkeit,
die logarithmische Umformgeschwindigkeit liegt im Bereich von 0,01 - 0,5 1/s. Es findet
also quasi ein Fließpressen statt. Die hier verwendeten Werkzeuge respektive Formteile
14, 15 sind aus einer Mo-Legierung, weshalb die Umformung in einer Schutzgasatmosphäre
erfolgt. Die Umformwerkzeuge werden aktiv beheizt, bevorzugt induktiv.
[0051] Das fertige Bauteil ist im Schritt e) gezeigt, wobei dies eine reine Prinzipdarstellung
ist. Das Bauteil 13 ist eine Turbinenschaufel mit einem Deckband 16 und einem Fuß
17, wie hinlänglich bekannt. Der mittlere Bereich 18, also der eigentliche Schaufelbereich
ist in an sich bekannter Weise entsprechend gewölbt respektive tordiert.
[0052] An den im Schritt d) gezeigten sekundären Umformvorgang schließt sich nun eine Wärmebehandlung
des umgeformten Bauteils 13 an, beispielsweise eine Rekristallisationsglühung bei
einer Temperatur von 1230 - 1270°, mit einer Haltezeit zwischen 50 - 100 min, wonach
das Bauteil auf eine Temperatur im Bereich von 900 - 950° relativ schnell abgekühlt
wird. Hieran schließt sich eine Stabilisierungs- und Entspannungsglühung bei einer
Temperatur im Bereich von 850 - 950° an, wozu das Bauteil entweder nochmals erwärmt
werden kann, oder die vorherige Abkühlung findet bereits auf diesem Temperaturbereich
statt. Die Haltezeit hier beträgt ca. 300 - 360 min, wonach das Bauteil endgültig
auf eine Temperatur unter 300 °C mit einer Abkühlrate im Bereich von 0,5 - 2 K/min
abgekühlt wird.
[0053] Fig. 2 zeigt in einer vergrößerten Prinzipdarstellung den Rohling, die Vorform und
das fertiggeschmiedete Bauteil. Im Figurenteil a) ist der zylindrische Rohling direkt
nach dem Einbringen in die Reckschmiede gezeigt, die beiden Schmiedesättel beginnen
die Umformarbeit.
[0054] Im Figurenteil b) ist der bereits teilumgeformte Rohling gezeigt. Wie dargestellt
ist das Verhältnis von Sattelbreite (gesehen in Längsrichtung des Rohlings) zur Rohlingbreite
so gewählt, dass es primär zu einer Längung und nur zu einer unwesentlichen Breitung
kommt.
[0055] Der Figurenteil c) zeigt die fertig reckgeschmiedete Vorform 12 mit den Endabschnitten
9, 10 und dem umgeformten Bereich 11. Ersichtlich ist die Vorform deutlich länger
als der Rohling in Ausgangszustand.
[0056] Diese Vorform wird sodann in der zweiten Schmiede 19 endkonturnah isotherm durch
Fließpressen geschmiedet. Es zeigt sich die aus dem Bereich 11 ausgeschmiedete Turbinenschaufel
18 mit dem Schaufelblatt und dem Deckband 16 und dem Fuß 17, die beide aus den Endabschnitten
9, 10 geschmiedet wurden. Lediglich randseitig sind noch abzutrennende Grate gegeben.
1. Verfahren zur Herstellung einer Vorform aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung zur
Herstellung eines hochbelastbaren Bauteils für Kolbenmaschinen und Gasturbinen, insbesondere
Flugtriebwerke, durch Schmieden eines Rohlings, dadurch gekennzeichnet, dass der in einem Manipulator (2) gehaltene und über den Manipulator (2) bewegte Rohling
(1) durch Reckschmieden mittels eines Reckschmiedewerkzeugs (5) lediglich partiell
umgeformt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das Reckschmieden im β-Phasengebiet erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) während des Reckschmiedens eine Temperatur im Bereich von 1070 -
1300 °C aufweist.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Reckschmiedewerkzeug (5) aus einem keramischen Werkstoff, insbesondere aus einem
faserverstärkten keramischen Werkstoff, verwendet werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass Reckschmiedewerkzeuge (5) aus Molybdän verwendet werden und das Reckschmieden unter
einer Schutzgasatmosphäre oder im Vakuum erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) und das Reckschmiedewerkzeug (5) während des Reckschmiedens mittels
eines Strahlungsheizeinrichtung (8) , oder dass der Rohling (1) mittels über den Rohling
(1) fließenden elektrischen Stroms erwärmt wird, und/oder dass der Rohling (1) vor
dem Einbringen in das Reckschmiedewerkzeug (5) mittels einer Heizeinrichtung (3) ,
insbesondere eines Strahlungsheizers, oder mittels über den Rohling fließenden elektrischen
Stroms oder induktiv erwärmt wird.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) durch das Reckschmieden derart bearbeitet wird, dass die Längung
größer als die Breitung ist.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die durch das Reckschmieden erzielte Längung zwischen 50 - 100 % beträgt.
9. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) nur in einem mittleren Bereich (11) durch Reckschmieden bearbeitet
wird, so dass ein erster freier Endabschnitt (9) und ein zweiter, im Manipulator (2)
gehaltener Endabschnitt (10) anderer Geometrie oder anderen Durchmessers als der reckgeschmiedete
Bereich (11) verbleiben.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass während des Reckschmiedevorgangs auch der erste freie Endabschnitt (9) durch das
Reckschmieden umgeformt wird, jedoch in einem geringeren Maß als der mittlere Bereich
(11).
11. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) mittels des Manipulators (2) derart durch das Reckschmiedewerkzeug
(5) bewegt wird, dass die Werkzeugsättel (6, 7) einen in einem vorherigen Hub geschmiedeten
Abschnitt, vorzugsweise zur Hälfte, überschmieden.
12. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Rohling (1) mittels des Manipulators (2) um seine Längsachse gedreht wird.
13. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass ein Reckschmiedewerkzeug (5) mit Schmiedesätteln (6, 7) mit einer ebenen Schmiedefläche
verwendet wird, oder dass ein Reckschmiedewerkzeug (5) mit Schmiedesätteln (6, 7)
mit einer konkav ausgerundeten Schmiedefläche verwendet wird, oder dass ein Reckschmiedewerkzeug
(5) mit Schmiedesätteln (6, 7) mit einer dreidimensional tordierten Schmiedefläche
verwendet wird.
14. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass als Legierung eine TiAl-Legierung folgender Zusammensetzung verwendet wird (in Atom%):
40 - 48% Al,
2 - 8% Nb,
0,1 - 9% wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo, V,
Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0-0,5% B,
sowie einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass als die β-Phase stabilisierende Element nur Mo, V, Ta oder eine Mischung davon in
der Legierung vorliegt.
16. Verfahren nach Anspruch 14 oder 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Gehalt des die β-Phase stabilisierenden Elements 0,1 - 2 %, insbesondere 0,8
- 1,2 % beträgt.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 14 bis 16,
dadurch gekennzeichnet, dass eine TiAl-Legierung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
41 - 47 % Al,
1,5-7 % Nb,
0,2 - 8 % wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo,
V, Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0 - 0,3 % B,
und einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
18. Verfahren nach einem der Ansprüche 14 bis 17,
dadurch gekennzeichnet, dass eine TiAl-Legierung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
42 - 46 % Al,
2 - 6,5 % Nb,
0,4 - 5 % wenigstens eines die β-Phase stabilisierenden Elements, gewählt aus Mo,
V, Ta, Cr, Mn, Ni, Cu, Fe, Si,
0 - 0,2 % B,
und einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 14 bis 18,
dadurch gekennzeichnet, dass eine Legierung folgender Zusammensetzung verwendet wird:
42,8 - 44,2% Al,
3,7 - 4,3% Nb,
0,8 - 1,2% Mo,
0,07 - 0,13% B,
sowie einem Rest aus Ti und erschmelzungsbedingten Verunreinigungen.
20. Vorform, hergestellt nach einem Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche.
21. Verfahren zur Herstellung eines hochbelastbaren Bauteils aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung
für Kolbenmaschinen und Gasturbinen, insbesondere Flugtriebwerke, dadurch gekennzeichnet, dass eine nach dem Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 18 hergestellte Vorform (12)
in einem einstufigen Umformschritt in eine vorgegebene Kontur umgeformt wird, wobei
die Vorform im β-Phasenbereich isotherm mit einer logarithmischen Umformgeschwindigkeit
von 0,01 - 0,5 1/s umgeformt wird.
22. Verfahren nach Anspruch 21, dadurch gekennzeichnet, dass die Umformtemperatur im β-Phasenbereich 1070 - 1250 °C beträgt.
23. Verfahren nach Anspruch 21 oder 22, dadurch gekennzeichnet, dass Werkzeuge (14, 15) aus einer Mo-Legierung verwendet werden.
24. Verfahren nach Anspruch 23, dadurch gekennzeichnet, dass die Werkzeuge (14, 15) während des Umformvorgangs durch eine inerte Atmosphäre geschützt
sind, oder dass im Vakuum gearbeitet wird.
25. Verfahren nach einem der Ansprüche 21 bis 24, dadurch gekennzeichnet, dass die zur Umformung verwendeten Werkzeuge (14, 15) aktiv beheizt werden.
26. Verfahren nach einem der Ansprüche 21 bis 25, dadurch gekennzeichnet, dass die Vorform (12) in einem Ofen, induktiv oder durch Widerstandsbeheizung vor der
Umformung erwärmt wird.
27. Verfahren nach einem der Ansprüche 21 bis 26, dadurch gekennzeichnet, dass der Umformung eine Wärmebehandlung des umgeformten Bauteils (13) folgt.
28. Verfahren nach Anspruch 27, dadurch gekennzeichnet, dass die Wärmebehandlung eine Rekristallisationsglühung bei einer Temperatur von 1230
- 1270 °C umfasst, wobei die Haltezeit während der Rekristallisationsglühung 50 -
100 min beträgt, wobei nach der Rekristallisationsglühung das Bauteil (13) auf eine
Temperatur von 900 - 950 °C in 120s oder schneller abgekühlt wird.
29. Verfahren nach Anspruch 28, dadurch gekennzeichnet, dass das Bauteil (13) anschließend auf Raumtemperatur abgekühlt wird und anschließend
auf eine Stabilisierungs- und Entspannungstemperatur von 850 - 950 °C erwärmt wird,
oder dass das Bauteil ohne vorherige Abkühlung auf einer Stabilisierungs- und Entspannungstemperatur
von 850 - 950 °C gehalten wird, wobei die Haltezeit auf der Stabilisierungs- und Entspannungstemperatur
300 - 360 min beträgt, wobei vorzugsweise anschließend eine Abkühlung des Bauteils
(13) auf eine Temperatur unter 300 °C mit einer Abkühlrate von 0,5 - 2 K/min, insbesondere
1,5 K/min erfolgt.
30. Bauteil aus einer α+γ-Titanaluminid-Legierung, insbesondere für eine Kolbenmaschine,
ein Flugtriebwerk oder eine Gasturbine, hergestellt nach dem Verfahren nach einem
der Ansprüche 21 bis 29.