[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine verbesserte Induktionsheizspule, welche insbesondere
geeignet zum Heizen von Niedertemperaturplasmen ist.
Stand der Technik
[0002] Elektromagnetische Spulen sind in der Elektrotechnik Wicklungen und Wickelgüter,
die geeignet sind, ein Magnetfeld zu erzeugen oder zu detektieren. Sie sind dabei
oftmals Teil eines elektrischen Bauelementes oder Gerätes, wie beispielsweise eines
Transformators, Relais, Elektromotors oder Lautsprechers. Ein wichtiges Anwendungsfeld
von Spulen ist der Bereich des induktiven Heizens von elektrisch leitfähigen Materialien.
Spulen umfassen üblicherweise mindestens eine Wicklung eines Stromleiters. Dieser
besteht beispielsweise aus Draht, Kupferlackdraht, versilbertem Kupferdraht oder Hochfrequenzlitze.
Spulen sind oftmals oft auf einen Spulenkörper (Spulenträger) gewickelt. Der Spulenkörper
kann entweder massiv oder hohl sein. Hohle Spulenkörper können einen Kern aus einem
anderen Material (z.B. aus einem weichmagnetischen Material) umfassen. Die Windungsanordnung
und -form, der Drahtdurchmesser, das Wickel- und das Kernmaterial legen den Wert der
Induktivität und weitere (Güte-)Eigenschaften der Spule fest.
[0003] Das Wirkprinzip von Spulen basiert darauf, dass wenn diese vom elektrischen Wechselstrom
durchflossen werden, sich in ihrem Inneren ein magnetisches Feld B aufbaut. Dieses
bewirkt ein elektrisches Feld E, welches eine Beschleunigung der Ladungsträger im
Spuleninneren bewirkt. Dieses Feld umfasst im Wesentlichen die zwei Komponenten E
ϕ und E
z, wenn es sich bei der Spule um eine Zylinderspule handelt. Die erste Komponente E
ϕ bewirkt, dass die Ladungsträger auf einer Kreisbahn senkrecht zur Spulenhauptachse
beschleunigt werden. Die Spulenhauptachse wird auch als z-Achse bezeichnet. Die Ebene
dieser senkrecht zur Spulenhauptachse wird dabei auch als in der Azimutalebene bezeichnet.
Die zweite Komponente E
z bewirkt eine Beschleunigung der Ladungsträger entlang der Spulenhauptachse.
[0004] Die elektrischen Eigenschaften von Spulen werden stark durch die Art und Weise bestimmt,
wie der elektrische Leiter aus dem sie bestehen aufgewickelt ist. Wichtig ist hierbei
die dabei entstehende geometrische Struktur aus einer oder mehreren Windungen oder
Lagen. Diese Struktur wird auch als Wicklung bezeichnet.
[0005] In langen Spulen (Fig.1), deren Länge l üblicherweise mindestens um einen Faktor
10 größer ist als ihr Durchmesser, verlaufen die Feldlinien des Magnetfeldes der Spule
im Wesentlichen parallel. Daraus folgt, dass das aus dem Magnetfeld resultierende
elektrische Feld, im Wesentlichen nur eine Komponente E
ϕ umfasst. Die Komponente E
z und damit die Beschleunigung entlang der Spulenhauptachse kann dadurch vernachlässig
werden. Daraus folgt, dass die Ladungsträger auf einer festen Kreisbahn beschleunigt
werden und sich nicht in einer schraubenförmigen Bewegung in Richtung Spulenende bewegen.
[0006] In vielen Anwendungsfällen gilt diese Idealisierung nicht. In diesen Fällen kann
die Komponente E
z des elektrischen Feldes nicht vernachlässig werden. Dies gilt insbesondere für kurze
Spulen, deren länge nicht wesentlich größer ist als ihr Durchmesser. Diese umfassen
oftmals nur wenige Windungen. In diesen Fällen erfahren Ladungsträger im Inneren der
Spule auch eine Beschleunigung entlang der z-Achse. (Fig. 3)
[0007] Spulen, die als Induktionsheizspulen dienen, umfassen üblicherweise nur wenige Wicklungen
und sind als kurz anzusehen. Das bedeutet, dass Ladungsträger im Spuleninneren üblicherweise
eine nicht zu vernachlässigende Beschleunigung in z-Richtung erfahren. Besteht das
zu erhitzende Material im Spuleninneren aus kondensierter Materie d.h. es liegt als
Feststoff oder Flüssigkeit vor ist die Beschleunigung entlang der z-Achse irrelevant,
da die Ladungsträger dieser Materialien die Spule nicht verlassen können.
[0008] Dies ist nicht der Fall, wenn Plasmen, insbesondere auch Niedertemperaturplasmen
induktiv erzeugt und erhitzt werden. Hier sind die Ladungsträger frei beweglich. Dies
ist beispielsweise bei Radiofrequenz-Ionentriebwerken (RIT) der Fall.
[0009] Hier können die Ladungsträger die Induktionsheizspule verlassen und damit dem Heizprozess
verloren gehen. Dadurch sinkt der Wirkungsgrad des Heizprozesses. Bislang wird der
Einfluss der entlang der Spulenhauptachse entweichenden und damit nicht zur Heizung
beitragenden Ladungsträger durch eine Erhöhung der eingespeisten elektromagnetischen
Energie gelöst. Diese Lösung ist aber energieaufwändig und senkt die Effizienz der
Induktionsheizspule.
Aufgabe
[0010] Hiervon ausgehend liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, eine Induktionsheizspule
zum induktiven Heizen bereitzustellen, welche eine verringerte Beschleunigung der
in ihr befindlichen Ladungsträger entlang der z-Achse aufweist.
Lösung der Aufgabe
[0011] Gelöst wird diese Aufgabe durch eine Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1. Vorteilhafte Ausführungsformen und Weiterbildungen der vorliegenden Erfindung ergeben
sich aus den Unteransprüchen.
[0012] Die erfindungsgemäße Induktionsheizspule, weist eine erste innere Wicklung W
1 und wenigstens eine weitere äußere Wicklung W
2 auf. Dabei weist die innere Wicklung W
1 einen Radius r
1 und die äußeren Wicklung W
2, einen Radius r
2 auf (Fig. 3). r
1 ist dabei kleiner als r
2. Weiterhin liegt innere Wicklung W
1 innerhalb der äußeren Wicklung W
2. Die Wicklungen W
1 und W
2 sind an einer Stelle 100 an einem Ende der Spule verbunden, sodass an dieser Stelle
100 ein Stromfluss i durch die Spule seine axiale Richtung in z-Richtung wechselt.
[0013] Das bewirkt, dass sich die Komponenten E
z und E
-z des resultierenden elektrischen Feldes entlang der z-Achse aufheben. Durch die Überlagerung
der Ströme an jeder Stelle, wird zudem eine größere Feldstärke E
ϕ bewirkt. Das heißt zum einen, dass weniger Ladungsträger beim induktiven Heizen die
Spule entlang der z-Achse verlassen und zum anderen, dass mit derselben Stromstärke
eine höhere Heizleistung erreicht wird.
[0014] Die Radien r
1 und r
2 der Wicklungen W
1 und W
2 liegen bei bevorzugt 10 mm bis 100 mm.
[0015] Die Länge der Induktionsheizspule beträgt bevorzugt zwischen 10 mm und 100 mm.
[0016] Die Windungszahl N der Wicklungen W
1 und W
2 der Induktionsheizspule liegt vorzugsweise bei 3 bis 20, besonders bevorzugt bei
5 bis 10. Spulen mit kleineren Windungszahlen weisen eine größere z-Komponente des
resultierenden elektrischen Feldes auf. Bei größeren Windungszahlen sinkt durch den
größeren elektrischen Widerstand der Wirkungsgrad der Induktionsheizspule.
[0017] In besonders vorteilhaften Ausführungsarten der Induktionsheizspule weist diese eine
rechteckige, runde oder ellipsoide Form auf. Das erlaubt eine Anpassung der Spule
an den Spulenkörper. Des Weiteren führt so eine regelmäßige Form der Spule zu einem
homogeneren Feld im Spuleninneren.
[0018] Eine Verwendung der erfindungsgemäßen Induktionsheizspule liegt in induktiv oder
induktiv-kapazitiv angeregten lonen- oder Elektronenquellen. Hier dient sie der Einkopplung
von elektromagnetischer Energie.
[0019] Bei diesen Quellen befindet sich ein Gas (z.B. Xenon) und hochfrequent anzuregende
Elektronen innerhalb eines isolierten Gefäßes, des Entladungsgefäßes. Um das Entladungsgefäß
ist eine Induktionsheizspule zur Einspeisung einer zur Plasma-Anregung notwendigen
Hochfrequenz-Energie gewickelt. Aus dem Stromfluss in der Spule resultiert ein Magnetfeld,
welches Elektronen im Spuleninneren beschleunigt. Diese Elektronen stoßen nun auf
die im Entladungsgefäß befindlichen Gasatome oder Gasmoleküle und ionisieren diese.
[0020] Durch die Dämpfung der elektrischen Feldkomponente, die parallel zur z-Achse wirkt,
wird das induktiv-gekoppelte Plasma effizienter geheizt, da verhältnismäßig mehr Feldenergie
in die azimutale Ebene induziert wird und nicht durch die Beschleunigung entlang der
z-Achse verloren geht. Dies führt dazu, dass die durch die elektrischen Felder beschleunigten
Elektronen auf Spiralbahnen gezwungen werden, deren axiale Steigung immer geringer
wird. Letzteres bewirkt, dass ein größerer Anteil der beschleunigten Elektronen innerhalb
der Spule bleibt und bei der Heizung des Plasmas mitwirkt.
[0021] In einer weiteren Ausführungsform umfasst ein Radiofrequenz-Ionentriebwerk (RIT)
die erfindungsgemäße Induktionsheizspule. Bei einem Radiofrequenz-Ionen-Triebwerk
befindet sich ein hochfrequent anzuregendes Plasma innerhalb eines isolierten Gefäßes,
des sog. Entladungsgefäßes. Um das Entladungsgefäß ist eine oft auch als Koppelspule
bezeichnete Induktionsheizspule zur Einspeisung einer zur Plasma-Anregung notwendigen
Energie gewickelt. Das Plasma befindet sich damit innerhalb der Spule. Wenn ein Ionentriebwerk
die erfindungsgemäße Induktionsspule umfasst, ist sie effizienter, da nahezu alle
Elektronen in der Plasmaentladung zur Erhaltung dieser beitragen, da sie gehindert
werden, die geheizten Bereiche zu verlassen.
[0022] Die erfindungsgemäße Induktionsheizspule führt dazu, dass sich die axial induzierten
Felder in z-Richtung aufgrund der Symmetrie nahezu aufheben, da derselbe Strom sowohl
in positiver als auch in negativer z-Richtung fließt. Das heißt, dass die Komponente
E
z des resultierenden elektrischen Feldes gedämpft wird. Da der Strom durch beide Wicklungen
der Induktionsheizspule parallel fließt, überlagern sich gleichzeitig die resultierenden
Feldkomponenten E
ϕ und werden damit verstärkt. Zusätzlich wird bedingt durch die steigende Spuleninduktivität
L, eine geringere Stromstärke Strom I zur Bereitstellung des magnetischen Feldes benötigt.
Dies begünstigt das thermische Verhalten der Spule, da kleinere Ströme zu weniger
Ohm'scher Verlustleistung führen. Dies ist trotz nahezu doppelter Länge des stromdurchflossenen
Leiters der Spule der Fall, da sich die Verlustleistung zu P = I
2 R, linear zum Widerstand R und somit zur Länge des stromdurchflossenen Leiters wächst,
aber gleichzeitig quadratisch mit der kleineren benötigten Stromstärke I sinkt.
[0023] Der Radius der äußeren Wicklung W
2 ist größer als der Radius der inneren Wicklung W
1, dadurch ist das durch W
2 induzierte Feld betragsmäßig etwas kleiner als das durch W
1 induzierte. Dennoch ist die Komponente E
z des resultierenden elektrischen Feldes vernachlässigbar klein.
Ausführungsbeispiel:
[0024] Ein Ausführungsbeispiel ist ein Ionentriebwerk umfassend die erfindungsgemäße Spule
als Induktionsheizspule.
[0025] Hierzu wurden Vergleichsmessungen an einem ersten unmodifizierten Ionentriebwerk
RIM-4 mit einer Induktionsspule mit konventioneller Wicklung und einem weiteren modifizierten
Ionentriebwerk RIM-4 mod. mit erfindungsgemäßer Induktionsheizspule jeweils bei einem
Ionenstrom I
b = 10 mA bei einem Volumenstrom des verwendeten Gases von 0,2 sccm vorgenommen. Die
Vergleichswerte der elektrischen Parameter sowie der Leistungsdaten sind hierbei Fig.
5 zu entnehmen. Der Unterschied zwischen unmodifiziertem und modifiziertem Triebwerk
hinsichtlich der benötigten Spulenleistung P
s beträgt 1.5 W bei einer Gesamtleistung P
s von 15,23 W. Damit ist das Triebwerk, welches die erfindungsgemäße Induktionsheizspule
umfasst, ca. 10 % effizienter.
[0026] Es wird weniger Leistung für das Heizen des Plasmas benötigt, da weniger Elektronen
verloren gehen. Ebenfalls von hoher Bedeutung ist, dass mit etwa der halben Stromamplitude
I
c gearbeitet werden kann, was auch zu einer besseren elektromagnetischen Verträglichkeit
(EMV) führt. So werden die anderen Triebwerkskomponenten weniger durch die Induktionsheizspule
beeinflusst.
Kurze Beschreibung der Abbildungen
[0027]
Fig. 1 zeigt eine lange Spule. Die Feldlinien des inneren Magnetfeldes sind hier über
einen weiten Bereich der Länge I parallel. Dies bewirkt, dass auf die Ladungsträger
im Inneren nur in den Randbereichen der Spule eine Beschleunigung entlang der z-Achse
erfolgt.
Fig. 2 zeigt eine typische kurze Spule mit wenigen Windungen. In dieser Art von Spulen
erfahren die Ladungsträger eine Beschleunigung entlang der z-Achse. Im Fall eines
induktiv geheizten Plasmas innerhalb der Spule würden diese Ladungsträger die Spule
verlassen.
Fig. 3 zeigt die erfindungsgemäße Induktionsheizspule. In dieser Spule heben sich
durch die gegenläufige Wicklung die auf die Ladungsträger wirkenden Kräfte entlang
der z-Achse auf. Dadurch bleiben auch frei bewegliche Ladungsträger in der Spule.
Aufgrund leicht unterschiedlicher Radien der beiden Spulen heben sich die Felder nicht
vollständig auf. In guter Näherung kann allerdings davon ausgegangen werden, dass
die Ladungsträger nahezu keine Beschleunigung in z-Richtung erfahren und die Elektronen
auf der Achse verschwinden.
Fig. 4 zeigt in Teilabbildung 4a die axial in z-Richtung induzierte elektrische Feldstärkenkomponente
Ez einer konventionellen einfach gewickelten Induktionsheizspule in einem Ionentriebwerk
und in Teilabbildung 4b die axial in z-Richtung induzierte elektrische Feldstärkenkomponente
einer erfindungsgemäßen Spule.
Fig. 5 zeigt die Betriebsparameter des Ionentriebwerkes RIM-4 und des modifizierten
Ionentriebwerkes RIM-4 mod. ηm bezeichnet hier den Massenwirkungsgrad, ηel den elektrischen Wirkungsgrad, Rs den elektrischen Widerstand der Induktionsspule, Hs die magnetische Feldstärke der Spule, ζ den Koppelfaktor und t die Übertragungseffizienz.
1. Induktionsheizspule dadurch gekennzeichnet, dass diese eine erste innere Wicklung W1 und wenigstens eine weitere äußere Wicklung W2 aufweist, wobei die innere Wicklung W1 einen Radius r1 aufweist und die äußeren Wicklung W2 einen Radius r2 aufweist, wobei r1 kleiner als r2 ist, wobei die die innere Wicklung W1 innerhalb der äußeren Wicklung W2 liegt und die Wicklungen W1 und W2 an einem Ende der Spule an einer Stelle (100) verbunden sind, so dass an dieser Stelle
(100) ein Stromfluss i durch die Spule seine Flussrichtung bezogen auf die z-Achse
der Induktionsheizspule wechselt.
2. Induktionsheizspule gemäß Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass die Radien r1 und r2 zwischen 10 mm und 100 mm betragen.
3. Induktionsheizspule gemäß Anspruch 1 oder 2 dadurch gekennzeichnet, dass die Länge der Induktionsheizspule zwischen 10 mm und 100 mm beträgt.
4. Induktionsheizspule gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3 dadurch gekennzeichnet, dass diese eine rechteckige, runde oder ellipsoide Form aufweist.
5. Induktionsheizspule gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 dadurch gekennzeichnet, dass die Windungszahl der Wicklungen W1 und W2 zwischen 3 bis 20 liegt.
6. Radiofrequenz-Ionentriebwerk (RIT) dadurch gekennzeichnet, dass es eine Induktionsheizspule gemäß einem der vorigen Ansprüche umfasst.
7. Verwendung einer Induktionsheizspule gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5 zur Einkopplung
von elektromagnetischer Energie in einer induktiv oder induktiv-kapazitiv angeregte
lonen- oder Elektronenquelle.