[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Fluidikmodul, eine Vorrichtung und
ein Verfahren zum Handhaben von Flüssigkeit, die insbesondere zum Handhaben wie dem
Zurückhalten und Freisetzen bzw. Pumpen von Flüssigkeit in einem zentrifugal-mikrofluidischen
System geeignet sind.
[0002] Die zentrifugale Mikrofluidik beschäftigt sich mit der Handhabung von Flüssigkeiten
im pl bis ml Bereich in rotierenden Systemen. Solche Systeme sind meist Polymer-Einwegkartuschen,
die in oder anstelle von Zentrifugenrotoren verwendet werden, mit der Absicht komplett
neuartige Prozesse zu ermöglichen, die durch manuelle Prozesse oder Pipettierroboter
aufgrund der benötigten Präzission oder Volumenmenge nicht abbildbar sind, oder Laborprozesse
zu automatisieren. Dabei können Standardlaborprozesse, wie Pipettieren, Zentrifugieren,
Mischen oder Aliquotieren in einer mikrofluidischen Kartusche implementiert werden.
Zu diesem Zweck beinhalten die Kartuschen Kanäle für die Fluidführung, sowie Kammern
für das Auffangen von Flüssigkeiten. Die Kartuschen werden mit einer vordefinierten
Abfolge von Drehfrequenzen, dem Frequenzprotokoll, beaufschlagt, so dass die in den
Kartuschen befindlichen Flüssigkeiten durch Trägheitskräfte in entsprechende Kammern
geführt werden können. Anwendung findet die zentrifugale Mikrofluidik hauptsächlich
in der Laboranalytik und in der mobilen Diagnostik.
[0003] Die bislang häufigste Ausführung von Kartuschen sind zentrifugal-mikrofluidische
Scheiben, die beispielsweise unter den Bezeichnungen bzw. Marken "Lab-on-a-disk",
"Lab-Disk", und "Lab-on-CD" bekannt sind, die in spezielle Prozessiergeräte eingesetzt
werden. Andere Formate, wie ein mikrofluidisches Zentrifugenröhrchen, das unter der
Bezeichnung "LabTube" bekannt ist, können in Rotoren bereits bestehender Standardlaborgeräten
eingesetzt werden.
[0004] Eine wesentliche Grundoperation, die in zentrifugal-mikrofluidischen Kartuschen ausgeführt
werden muss, ist das gezielte Zurückhalten und Freisetzen von Flüssigkeiten. Die Problematik
besteht darin, Flüssigkeiten bei definierten Drehfrequenzen oder definierten Änderungen
der Drehfrequenzen von einer ersten Fluidkammer in eine zweite Fluidkammer zu überführen,
beziehungsweise, Flüssigkeiten bei definierten Drehfrequenzen oder definierten Änderungen
der Drehfrequenzen in einer ersten Kammer zurückzuhalten. Für die Verwendung dieser
Grundoperation in einem möglichen Produkt ist die Robustheit des Prozesses von höchster
Bedeutung. Ferner sollte die Grundoperation als monolithisch integriertes Ventil realisiert
sein, so dass keine zusätzlichen Komponenten oder Materialien - die durch Materialkosten
oder zusätzliche Aufbau- und Verbindungstechnik (Assemblierung) die Kosten der Kartusche
wesentlich steigern - erforderlich sind.
[0005] Monolithisch integrierte Ventile in zentrifugal-mikrofluidischen Systemen sind aus
dem Stand der Technik bekannt. So ist bei
R. Gorkin u.a., "Pneumatic Pumping in Centrifugal Microfluidic Platform", Microfluid
Nanofluid, 2010, 9, S. 541-549, ein Verfahren zum peumatischen Pumpen beschrieben, das es ermöglicht, Flüssigkeit
in einer ersten Phase bei definierten, hohen Drehfrequenzen (in der Regel mehrere
10 Hz) in einer ersten Fluidkammer zurückzuhalten, um nachfolgend in einer zweiten
Phase bei definierten, niedrigeren Drehfrequenzen die Flüssigkeit in eine zweite Fluidkammer
zu leiten. Dabei wird Flüssigkeit bei ansteigender Drehfrequenz von einem Reservoir
in eine erste Fluidkammer überführt. Bei erhöhter Drehfrequenz wird die Flüssigkeit
in der ersten Fluidkammer zurückgehalten, wobei ein in der ersten Fluidkammer eingeschlossenes
Gasvolumen komprimiert wird. Bei sinkender Drehfrequenz dehnt sich das eingeschlossene
Gasvolumen wieder aus und verdrängt einen Teil der Flüssigkeit in einen gebogenen,
als Siphon fungierenden Kanal. Nach Überschreiten des Siphonscheitels entsteht ein
zusätzlicher Zentrifugaldruck, der bewirkt, dass die Flüssigkeit von der ersten in
die zweite Fluidkammer transferiert wird. Somit wird in der ersten Phase ein von der
Prozessflüssigkeit eingeschlossenes Gasvolumen in der ersten Fluidkammer komprimiert,
um in der zweiten Phase die entsprechende Ausdehnung des Gasvolumens für die Rückführung
der Flüssigkeit zu nutzen.
[0006] Beim Verfahren des pneumatischen Pumpens muss in der ersten Phase ein bestimmter
Schwellenwert der Drehfrequenz (Schwellenfrequenz) überschritten werden, um die Flüssigkeit
in der ersten Fluidkammer zurückzuhalten. Dieselbe Schwellenfrequenz muss nachfolgend
unterschritten werden, um die Flüssigkeit über den Siphonscheitel rückzuführen und
den Fluidtransfer von der ersten Fluidkammer in die zweite Fluidkammer zu starten.
[0007] Damit die Befüllung des Siphons unabhängig von Kapillarkräften ist, sollte die Schwellenfrequenz
möglichst hoch liegen.
[0008] S. Zehnle, F. Schwemmer, G. Roth, F. von Stetten, R. Zengerle und N. Paust, "Centrifugodynamic
Inward Pumping of Liquids on a Centrifugal Microfluidic Platform", Lab Chip, 2012,
12, S. 5142 - 5145, beschreiben ein Verfahren zum zentrifugo-dynamischen Einwärtspumpen, das es ermöglicht,
Flüssigkeit in einer ersten Phase bei definierten, hohen Drehfrequenzen (in der Regel
mehrere 10 Hz) in einer ersten Fluidkammer zurückzuhalten, um nachfolgend in einer
zweiten Phase bei schnell sinkender Drehfrequenz einen Großteil der Flüssigkeit in
eine zweite, radial innen gelegene Fluidkammer zu leiten. Dabei wird Flüssigkeit bei
ansteigender Drehfrequenz von einem Reservoir in eine erste Fluidkammer überführt.
Bei erhöhter Drehfrequenz wird die Flüssigkeit in der ersten Fluidkammer zurückgehalten,
wobei ein in der ersten Fluidkammer eingeschlossenes Gasvolumen komprimiert wird.
Bei schnell sinkender Drehfrequenz dehnt sich das eingeschlossene Gasvolumen wieder
aus und verdrängt den Großteil der Flüssigkeit durch jenen Kanal, der den geringeren
Flusswiderstand aufweist. Somit wird in der ersten Phase ein von der Prozessflüssigkeit
eingeschlossenes Gasvolumen in der ersten Kammer komprimiert, um in der zweiten Phase
die Energie des komprimierten Gases für das radiale Einwärtspumpen der Flüssigkeit
zu nutzen. Ein entsprechendes Verfahren ist in der
DE 10 2012 202 775 A1 beschrieben.
[0009] Wie oben dargelegt wurde, sollte die Schwellenfrequenz beim pneumatischen Pumpen
möglichst hoch liegen, um den Einfluss von Kapillarkräften gering zu halten. Dies
bedeutet, dass der Siphon in der Regel auch bei hohen Drehfrequenzen befüllt wird
(selbst wenn die Verzögerungsrate mehrere 10 Hz/s beträgt). Die Erfinder haben erkannt,
dass dies Nachteile mit sich zieht. Beim Erreichen der Flüssigkeit des Siphonscheitels
bei höheren Drehfrequenzen kann es zur Instabilität der Flüssigkeits/Gas-Grenzfläche
am Siphonscheitel kommen. Das Einschließen von Luftblasen und somit der Funktionsausfall
des Siphons können die Folge sein. Dieser Effekt könnte in einem Siphon mit kleiner
Querschnittsfläche minimiert werden, was jedoch die Abhängigkeit von Kapillarkräften,
sowie den fluidischen Widerstand und somit die für den Fluidtransfer benötigte Zeit
erhöhen würde. Beim Pumpen von Flüssigkeit durch einen Siphon bei höheren Drehfrequenzen
kann es auch zur Instabilität der Flüssigkeits/Gas-Grenzfläche am äußeren Siphonende
kommen. Auch hier kann das Einschließen von Luftblasen und somit der Funktionsausfall
der Siphons die Folge sein. Je nach Ausführung des Siphons kann bei hoher Drehfrequenz
der Druck im Siphonscheitel so gering werden, dass die Flüssigkeit verdampft und folglich
Gasblasenbildung zum Funktionsausfall des Siphons führen. Selbst bei geringeren Drehfrequenzen
und somit geringeren Unterdrücken kann Gasblasenbildung entstehen, da sich aufgrund
des geringeren Drucks im Scheitelbereich des Siphons die Löslichkeit von Gasen, wie
z.B. Sauerstoff, verringert und somit die nicht mehr lösliche Gasmenge in Form von
Blasen ausgast.
[0010] Wird ein Einwärtspumpen, wie es beispielsweise in der
DE 10 2012 202 775 A1 beschrieben ist, in Funktion eines Ventils verwendet, ist dies nachteilig dahingehend,
dass nie die gesamte Flüssigkeitsmenge von der Kompressionskammer in die Auffangkammer
transferiert werden.
[0011] Eine weitere Möglichkeit, Flüssigkeiten zurückzuhalten ist durch das Ausnutzen der
Kapillarkraft gegeben, welche, durch die Drehfrequenz gesteuert, von der Zentrifugalkraft
überwunden werden muss, um die Flüssigkeit zu bewegen. Solche Methoden sind jedoch
stark von der Oberflächenspannung der Flüssigkeit und von der Oberflächenbeschaffenheit
der fluidischen Kanäle abhängig und können somit nicht als robust eingestuft werden.
[0012] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Fluidikmodul, eine Vorrichtung
und ein Verfahren zum Handhaben, insbesondere Pumpen, einer Flüssigkeit zu schaffen,
die ein zeitgesteuertes und von der Zentrifugendynamik entkoppeltes Pumpen über eine
bestimmte radiale Distanz ermöglichen.
[0013] Diese Aufgabe wird durch ein Fluidikmodul nach Anspruch 1, eine Vorrichtung nach
Anspruch 10 und ein Verfahren nach Anspruch 12 gelöst.
[0014] Ausführungsbeispiele der Erfindung schaffen ein Fluidikmodul, das um ein Rotationszentrum
drehbar ist, mit folgenden Merkmalen:
einer ersten Kompressionskammer mit einem Fluideinlass und einem Fluidauslass;
einer zweiten Kompressionskammer mit einem Fluideinlass;
einem ersten Fluidkanal, der über den Fluideinlass der ersten Kompressionskammer mit
der ersten Kompressionskammer verbunden ist; und
einem zweiten Fluidkanal, der den Fluidauslass der ersten Kompressionskammer mit dem
Fluideinlass der zweiten Kompressionskammer verbindet,
wobei durch eine Drehung des Fluidikmoduls eine Flüssigkeit zentrifugal durch den
ersten Fluidkanal in die erste Kompressionskammer und in den zweiten Fluidkanal treibbar
ist, und dadurch ein kompressibles Medium in der zweiten Kompressionskammer einschließbar
und komprimierbar ist,
wobei durch Absenken der Drehfrequenz und dadurch bedingtes Ausdehnen des kompressiblen
Mediums Flüssigkeit aus dem zweiten Fluidkanal in die erste Kompressionskammer, aus
der ersten Kompressionskammer in einen Auslasskanal und durch den Auslasskanal treibbar
ist,
wobei zumindest eines der folgenden Merkmale erfüllt ist:
der zweite Fluidkanal weist einen höheren Strömungswiderstand auf als der Auslasskanal,
und
der Fluideinlass der zweiten Kompressionskammer ist bezüglich des Rotationszentrums
radial weiter außen angeordnet ist als der Fluidauslass der ersten Kompressionskammer.
[0015] Ausführungsbeispiele der Erfindung schaffen eine Vorrichtung zum Handhaben, insbesondere
Pumpen, von Flüssigkeit mit einem Fluidikmodul wie es hierin beschrieben ist und einer
Antriebsvorrichtung, die ausgelegt ist, um das Fluidikmodul mit Rotationen bei unterschiedlichen
Drehfrequenzen zu beaufschlagen. Die Antriebsvorrichtung ist ausgelegt, um in einer
ersten Phase das Fluidikmodul mit einer Rotation bei einer Drehfrequenz bei oder oberhalb
einer ersten Drehfrequenz zu beaufschlagen, bei der Flüssigkeit zentrifugal durch
den ersten Fluidkanal in die erste Kompressionskammer getrieben wird, bei der die
erste Kompressionskammer mit der Flüssigkeit gefüllt wird und bei der Flüssigkeit
aus der ersten Kompressionskammer in den zweiten Fluidkanal getrieben wird, um dadurch
das kompressible Medium in der zweiten Kompressionskammer einzuschließen und zu komprimieren.
Die Antriebsvorrichtung ist ferner ausgelegt, um in einer zweiten Phase nach der ersten
Phase die Drehfrequenz unter eine zweite Drehfrequenz abzusenken, bei der die durch
das komprimierte Medium in der zweiten Kompressionskammer auf die Flüssigkeit ausgeübte
Kraft die durch die Flüssigkeit ausgeübte Zentrifugalkraft überwiegt, so dass sich
das kompressible Medium ausdehnt und dadurch Flüssigkeit aus dem zweiten Fluidkanal
in die erste Kompressionskammer, aus der ersten Kompressionskammer in den Auslasskanal
und durch den Auslasskanal getrieben wird.
[0016] Ausführungsbeispiele der Erfindung schaffen ein Verfahren zum Handhaben von Flüssigkeit
mit einem Fluidikmodul wie es hierin beschrieben ist. In einer ersten Phase wird das
Fluidikmodul mit einer Rotation bei einer Drehfrequenz bei oder oberhalb einer ersten
Drehfrequenz gedreht, um Flüssigkeit zentrifugal durch den ersten Fluidkanal in die
erste Kompressionskammer zu treiben, um die erste Kompressionskammer mit der Flüssigkeit
zu füllen, und um Flüssigkeit aus der ersten Kompressionskammer in den zweiten Fluidkanal
zu treiben, um dadurch das kompressible Medium in der zweiten Kompressionskammer einzuschließen
und zu komprimieren. In einer zweiten Phase nach der ersten Phase wird die Drehfrequenz
unter eine zweite Drehfrequenz abgesenkt, bei der die durch das komprimierte Medium
in der zweiten Kompressionskammer auf die Flüssigkeit ausgeübte Kraft die durch die
Flüssigkeit ausgeübte Zentrifugalkraft überwiegt, so dass sich das kompressible Medium
ausdehnt und dadurch Flüssigkeit aus dem zweiten Fluidkanal in die erste Kompressionskammer,
aus der ersten Kompressionskammer in den Auslasskanal und durch den Auslasskanal getrieben
wird.
[0017] Ausführungsbeispiele der Erfindung beziehen sich somit auf Fluidikmodule, Vorrichtungen
und Verfahren, die zur kontrollierten Freisetzung und zum kontrollierten Leiten einer
Flüssigkeit durch einen Kanal geeignet sind, und insbesondere solche Fluidikmodule,
Vorrichtungen und Verfahren, die zum zeitgeschalteten Pumpen einer Flüssigkeit in
Zentrifugenrotoren geeignet sind.
[0018] Ausführungsbeispiele der Erfindung basieren auf der Erkenntnis, dass es durch das
Vorsehen einer ersten Kompressionskammer, einer zweiten Kompressionskammer und eines
zweiten Fluidkanals, der die erste und die zweite Kompressionskammer fluidisch verbindet,
sowie eine entsprechende Auslegung des Verlaufs und der Dimensionen des zweiten Fluidkanals
möglich ist, die Dynamik des Pumpvorgangs durch den Auslasskanal während und nach
der Absenkung der Drehfrequenz passiv, das heißt ohne weitere Änderung der Drehfrequenz
zu steuern.
[0019] So kann bei Ausführungsbeispielen der Erfindung der zweite Fluidkanal einen höheren
Strömungswiderstand aufweisen als der Auslasskanal. Beispielsweise kann der Querschnitt
des zweiten Fluidkanals klein genug sein, um einen Strömungswiderstand für die Flüssigkeit
darzustellen, der höher ist, als der Strömungswiderstand des Auslasskanals. Die Viskosität
der Flüssigkeit (z.B. Wasser) kann signifikant höher sein, als die Viskosität des
kompressiblen Mediums (z.B. Luft). Somit ermöglichen Ausführungsbeispiele der Erfindung
aufgrund der höheren Viskosität der Flüssigkeit eine Verzögerung des Pumpvorgangs
durch den Auslasskanal, solange der zweite Fluidkanal mit Flüssigkeit gefüllt ist.
Erst sobald der zweite Fluidkanal teilweise oder ganz mit dem niederviskosen kompressiblen
Medium gefüllt ist, findet der Pumpvorgang durch den Auslasskanal mit einer deutlich
höheren Flussrate statt, die nicht durch den Strömungswiderstand im zweiten Fluidkanal
begrenzt wird. Durch die Verzögerung des Pumpvorgangs kann das Leiten der Flüssigkeit
durch den Auslasskanal somit bei einer beliebigen Drehfrequenz, insbesondere auch
bei Stillstand, stattfinden.
[0020] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann das Ende des zweiten Fluidkanals radial
weiter außen liegen, als der Anfang des zweiten Fluidkanals, sodass eine Ausdehnung
des kompressiblen Mediums in der zweiten Kompressionskammer und im zweiten Fluidkanal
bewirkt, dass beim Leerpumpen des zweiten Fluidkanals der zentrifugale Gegendruck
auf das sich ausdehnende kompressible Medium aufgrund dieses Verlaufs des zweiten
Fluidkanals signifikant absinkt. Dabei wird dieser Abfall des zentrifugalen Gegendrucks
durch eine nur geringere Volumenänderung des kompressiblen Mediums herbeigeführt,
was bedeutet, dass dem fast konstant bleibenden Überdruck des kompressiblen Mediums
eine signifikante Änderung des zentrifugalen Gegendrucks gegenüber steht. Diese Druckänderung
wird ausgeglichen, indem die Flüssigkeit in der ersten Kompressionskammer mit hoher
Flussrate in den Auslasskanal gepumpt wird. Somit ermöglichen Ausführungsbeispiele
der Erfindung eine hohe Dynamik beim Entleeren der Flüssigkeit aus der ersten Kompressionskammer.
Aufgrund der starken Änderung des zentrifugalen Gegendrucks beim Entleeren, aber auch
beim Befüllen des zweiten Fluidkanals wird nicht nur die Dynamik der Entleerung der
ersten Kompressionskammer, beziehungsweise die Dynamik der Befüllung der zweiten Kompressionskammer
beeinflusst, sondern auch die Drehfrequenz, bei welcher - ausgehend davon, dass die
Flüssigkeitsfüllstände sich im Gleichgewicht befinden - die Entleerung der ersten
Kompressionskammer stattfindet. Somit ermöglichen Ausführungsbeispiele der Erfindung,
aufgrund der unterschiedlichen radialen Positionen des Fluidauslasses der ersten Kompressionskammer
und des Fluideinlasses der zweiten Kompressionskammer das Einstellen der Schaltfrequenzen.
[0021] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann der Auslasskanal zumindest teilweise
durch den ersten Fluidkanal gebildet sein. So ist bei Ausführungsbeispielen der Erfindung
der erste Kanal der Auslasskanal. Bei alternativen Ausführungsbeispielen der Erfindung
weist der Auslasskanal einen Teil des ersten Fluidkanals und einen dritten Fluidkanal,
der von dem ersten Fluidkanal abzweigt, auf. Bei alternativen Ausführungsbeispielen
ist der Auslasskanal ein von dem ersten Fluidkanal separater Fluidkanal, der an einem
radial äußeren Abschnitt oder dem radial äußeren Ende derselben in die erste Kompressionskammer
mündet. Bei Ausführungsbeispielen weist der Auslasskanal einen geringeren Strömungswiderstand
auf als der erste Fluidkanal. Bei Ausführungsbeispielen weist der Auslasskanal einen
Siphon auf, wobei ein Auslassende des Siphons bezüglich des Rotationszentrums radial
weiter außen angeordnet ist als die Position, an der der Auslasskanal in die erste
Kompressionskammer mündet.
[0022] Ausführungsbeispiele der Erfindung stellen zentrifugo-pneumatische Verzögerungsschalter
dar. Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung findet zunächst eine Verzögerung einer
Entleerung einer ersten Kompressionskammer statt, woraufhin dynamisch eine Entleerung
ohne weitere Änderung der Drehfrequenz stattfinden kann. Diese Effekte können entweder
durch den Verlauf des zweiten Fluidkanals (Verbindungskanals) im zentrifugalen Kraftfeld
oder durch den höheren Strömungswiderstand des zweiten Fluidkanals gegenüber dem Auslasskanal
oder durch beides erreicht werden.
[0023] Ausführungsbeispiele der Erfindung werden nachfolgend bezugnehmend auf die beigefügten
Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1A
- bis 1D schematische Draufsichten auf Fluidikstrukturen eines Ausführungsbeispiels
eines Fluidikmoduls, wobei ein Fluideinlass der zweiten Kompressionskammer radial
weiter außen angeordnet ist als ein Fluidauslass der ersten Kompressionskammer;
- Fig. 2
- ein Diagramm zur Erläuterung von dem in den Fig. 1A bis 1D gezeigten Ausführungsbeispiel
zugrundeliegenden Effekten;
- Fig. 3
- eine schematische Draufsicht auf Fluidikstrukturen gemäß einem Ausführungsbeispiel
eines Fluidikmoduls, bei dem der zweite Fluidkanal einen größeren Fluidwiderstand
aufweist als der Auslasskanal;
- Fig. 4
- eine schematische Draufsicht auf Fluidikstrukturen gemäß einem Ausführungsbeispiel
eines Fluidikmoduls, bei dem der erste Kanal auch den Auslasskanal bildet;
- Fig. 5
- eine schematische Draufsicht auf Fluidikstrukturen gemäß einem Ausführungsbeispiel
eines Fluidikmoduls, bei dem der Auslasskanal einen Siphon aufweist;
- Fig. 6
- und 7 schematische Seitenansicht zur Erläuterung von Ausführungsbeispielen von Vorrichtungen
zum Handhaben von Flüssigkeit.
[0024] Bevor Ausführungsbeispiele der Erfindung näher erläutert werden, sei zunächst darauf
hingewiesen, dass Beispiele der Erfindung insbesondere auf dem Gebiet der zentrifugalen
Mikrofluidik Anwendung finden können, bei der es um die Prozessierung von Flüssigkeiten
im Picoliter- bis Milliliterbereich geht. Entsprechend können die Fluidikstrukturen
geeignete Abmessungen im Mikrometerbereich für die Handhabung entsprechender Flüssigkeitsvolumina
aufweisen. Insbesondere können Ausführungsbeispiele der Erfindung auf zentrifugal-mikrofluidischen
Systemen Anwendung finden, wie sie beispielsweise unter der Bezeichnung "Lab-on-a-Disk"
bekannt sind.
[0025] Wird hierin der Ausdruck radial verwendet, so ist jeweils radial bezüglich des Rotationszentrums,
um das das Fluidikmodul bzw. der Rotor drehbar ist, gemeint. Im Zentrifugalfeld ist
somit eine radiale Richtung von dem Rotationszentrum weg radial abfallend und eine
radiale Richtung zu dem Rotationszentrum hin ist radial ansteigend. Ein Fluidkanal,
dessen Anfang näher am Rotationszentrum liegt als dessen Ende, ist somit radial abfallend,
während ein Fluidkanal, dessen Anfang weiter vom Rotationszentrum entfernt ist als
dessen Ende, radial ansteigend ist. Ein Kanal, der einen radial ansteigenden Abschnitt
aufweist weist also Richtungskomponenten auf, die radial ansteigen bzw. radial nach
innen verlaufen. Es ist klar, dass ein solcher Kanal nicht exakt entlang einer radialen
Linie verlaufen muss, sondern in einem Winkel zu der radialen Linie oder gebogen verlaufen
kann.
[0026] Unter Kompressionskammer ist hierin eine Kammer zu verstehen, die das Komprimieren
eines kompressiblen Mediums ermöglicht. Bei Ausführungsbeispielen der vorliegenden
Erfindung kann es sich dabei um eine nicht entlüftete Kammer handeln. Bei Ausführungsbeispielen
kann es sich um eine Kammer handeln, die zwar eine Entlüftung aufweist, wobei die
Entlüftung aber für das kompressible Medium einen so hohen Strömungswiderstand aufweist,
dass durch eine einströmende Flüssigkeit dennoch ein Komprimieren des kompressiblen
Mediums erfolgt und dass durch ein durch eine solche Entlüftung auftretender Druckabbau
in der Kompressionskammer (in dem relevanten Zeitraum) vernachlässigbar ist. Als solches
könnten die hierein beschriebene erste und die zweite Kompressionskammer auch als
eine Kompressionskammer betrachtet werden, die zwei Bereiche aufweist, die über den
zweiten Fluidkanal verbunden sind. Bei Ausführungsbeispielen weisen die Kompressionskammern
mit Ausnahme der beschriebenen Einlässe und Auslässe keine weiteren Fluidöffnungen
auf. Bei alternativen Ausführungsbeispielen können die Kompressionskammer über einen
oder mehrere optionale zusätzliche Kanäle mit zusätzlichem Kompressionsvolumen gekoppelt
sein. Bei wiederum alternativen Ausführungsbeispielen kann eine oder können mehrere
Kompressionskammern eine verschließbare Entlüftungsöffnung aufweisen.
[0027] Allgemein können bei Ausführungsbeispielen der Erfindung unterschiedliche Strömungswiderstände
(hydraulische Widerstände) jeweiliger Fluidkanäle über unterschiedliche Strömungsquerschnitte
erreicht werden. Bei alternativen Ausführungsbeispielen können unterschiedliche Strömungswiderstände
auch durch andere Mittel erreicht werden, beispielsweise unterschiedliche Kanallängen,
in die Kanäle integrierte Hindernisse und dergleichen. Ist hierin von einem Fluidkanal
die Rede, so ist eine Struktur gemeint, deren Längenabmessung von einem Fluideinlass
zu einem Fluidauslass größer ist, beispielsweise mehr als 5-mal oder mehr als 10-mal
größer, als die Abmessung bzw. Abmessungen, die den Strömungsquerschnitt definiert
bzw. definieren. Somit weist ein Fluidkanal einen Strömungswiderstand für ein Durchströmen
desselben von dem Fluideinlass zu dem Fluidauslass auf. Dagegen ist eine Fluidkammer
hierein eine Kammer die solche Abmessungen aufweist, dass ein relevanter Strömungswiderstand
in derselben nicht auftritt.
[0028] Bezug nehmend auf die Fig. 6 und 7 werden zunächst Beispiele von zentrifugal-mikrofluidischen
Systemen beschrieben, bei denen die Erfindung verwendet werden kann.
[0029] Fig. 6 zeigt eine Vorrichtung mit einem Fluidikmodul 10 in Form eines Rotationskörpers,
der ein Substrat 12 und einen Deckel 14 aufweist. Das Substrat 12 und der Deckel 14
können in Draufsicht kreisförmig sein, mit einer mittigen Öffnung, über die der Rotationskörper
10 über eine übliche Befestigungseinrichtung 16 an einem rotierenden Teil 18 einer
Antriebsvorrichtung 20 angebracht sein kann. Das rotierende Teil 18 ist drehbar an
einem stationären Teil 22 der Antriebsvorrichtung 20 gelagert. Bei der Antriebsvorrichtung
20 kann es beispielsweise um eine herkömmliche Zentrifuge mit einstellbarer Drehgeschwindigkeit
oder auch ein CD- oder DVD-Laufwerk handeln. Eine Steuereinrichtung 24 kann vorgesehen
sein, die ausgelegt ist, um die Antriebsvorrichtung 20 zu steuern, um den Rotationskörper
10 mit Rotationen mit unterschiedlichen Drehfrequenzen zu beaufschlagen. Die Steuereinrichtung
24 kann, wie für Fachleute offensichtlich ist, beispielsweise durch eine entsprechend
programmierte Recheneinrichtung oder eine anwenderspezifische integrierte Schaltung
implementiert sein. Die Steuereinrichtung 24 kann ferner ausgelegt sein, um auf manuelle
Eingaben durch einen Benutzer hin die Antriebsvorrichtung 20 zu steuern, um die erforderlichen
Rotationen des Rotationskörpers zu bewirken. In jedem Fall kann die Steuereinrichtung
24 konfiguriert sein, um die Antriebsvorrichtung 20 zu steuern, um den Rotationskörper
mit den erforderlichen Drehfrequenzen zu beaufschlagen, um Ausführungsbeispiele der
Erfindung, wie sie hierin beschrieben sind, zu implementieren. Als Antriebsvorrichtung
20 kann eine herkömmliche Zentrifuge mit nur einer Drehrichtung verwendet werden.
[0030] Der Rotationskörper 10 weist die erforderlichen Fluidikstrukturen auf. Die erforderlichen
Fluidikstrukturen können durch Kavitäten und Kanäle in dem Deckel 14, dem Substrat
12 oder in dem Substrat 12 und dem Deckel 14 gebildet sein. Bei Ausführungsbeispielen
können beispielsweise Fluidikstrukturen in dem Substrat 12 abgebildet sein, während
Einfüllöffnungen und Entlüftungsöffnungen in dem Deckel 14 gebildet sind. Bei Ausführungsbeispielen
ist das strukturierte Substrat (inklusive Einfüllöffnungen und Entlüftungsöffnungen)
oben angeordnet und der Deckel unten angeordnet.
[0031] Bei einem alternativen in Fig. 7 gezeigten Ausführungsbeispiel sind Fluidikmodule
32 in einen Rotor 30 eingesetzt und bilden zusammen mit dem Rotor 30 den Rotationskörper
10. Die Fluidikmodule 32 können jeweils ein Substrat und einen Deckel aufweisen, in
denen wiederum entsprechende Fluidikstrukturen gebildet sein können. Der durch den
Rotor 30 und die Fluidikmodule 32 gebildete Rotationskörper 10 ist wiederum durch
eine Antriebsvorrichtung 20, die durch die Steuereinrichtung 24 gesteuert wird, mit
einer Rotation beaufschlagbar.
[0032] In den Figuren 6 und 7 ist ein Rotationszentrum, um das das Fluidikmodul bzw. der
Rotationskörper drehbar ist, mit R bezeichnet.
[0033] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung können das Fluidikmodul bzw. der Rotationskörper,
das bzw. der die fluidischen Strukturen aufweist, aus einem beliebigen geeigneten
Material gebildet sein, beispielsweise einem Kunststoff, wie PMMA (Polymethylmethacrylat),
PC (Polycarbonat), PVC (Polyvinylchlorid) oder PDMS (Polydimethylsiloxan), Glas oder
dergleichen. Der Rotationskörper 10 kann als eine zentrifugal-mikrofluidische Plattform
betrachtet werden.
[0034] Im Folgenden wird Bezug nehmend auf die Fig. 1A bis 1D ein Ausführungsbeispiel eines
Fluidikmoduls mit entsprechenden Fluidikstrukturen beschrieben, wobei in den Fig.
1A bis 1D die Fluidikstrukturen, die in einem entsprechenden Fluidikmodul gebildet
sind, während unterschiedlicher Betriebsphasen gezeigt sind.
[0035] Die Fluidikstrukturen weisen einen ersten Fluidkanal 2, der einen Einlasskanal darstellt,
eine erste Kompressionskammer 3 und eine zweite Kompressionskammer 5, die über einen
zweiten Fluidkanal 4 miteinander verbunden sind, sowie einen dritten Fluidkanal 1,
der einen Teil eines Auslasskanals darstellt, auf. Genauer gesagt zweigt bei dem in
den Fig. 1A bis 1D gezeigten Beispiel der dritte Fluidkanal 1 an einer Verzweigung
50 von dem ersten Fluidkanal 2 ab, so dass ein Teil des ersten Fluidkanals zwischen
der ersten Kompressionskammer 3 und der Verzweigung 50 und der dritte Fluidkanal den
Auslasskanal darstellen. Der dritte Fluidkanal 1 kann einen geringeren Strömungswiderstand
(also beispielsweise einen größeren Flussquerschnitt) aufweisen als der erste Fluidkanal
2, so dass eine Entleerung der ersten Kompressionskammer 3 zu einem größeren Teil
durch den dritten Fluidkanal 1 stattfindet.
[0036] Ein Fluideinlass 6 der ersten Kompressionskammer 3, der in dem Ausführungsbeispiel
an einem radial äußeren Ende der ersten Kompressionskammer 3 angeordnet ist, ist mit
dem ersten Fluidkanal 2 und somit auch dem dritten Fluidkanal 1 fluidisch verbunden.
Ein Fluidauslass 7 der ersten Kompressionskammer 3, der in dem Ausführungsbeispiel
an einem radial inneren Ende der ersten Kompressionskammer 3 angeordnet ist, ist mit
dem zweiten Fluidkanal 4 fluidisch verbunden.
[0037] Ein Fluideinlass 8 der zweiten Kompressionskammer 5, der in dem Ausführungsbeispiel
an einem radial äußeren Ende der zweiten Kompressionskammer 5 angeordnet ist, ist
mit dem zweiten Fluidkanal 4 fluidisch verbunden. Der Fluideinlass 8 der zweiten Kompressionskammer
5, befindet sich radial weiter außen als der Fluidauslass 7 der ersten Kompressionskammer
3. Somit erstreckt sich ein Abschnitt des zweiten Fluidkanals zwischen dem radial
innersten Abschnitt 4a und dem radial äußersten Abschnitt 4b des zweiten Fluidkanals
bezüglich des Rotationszentrums, das in Fig. 1A mit R bezeichnet ist, radial nach
außen.
[0038] Nachfolgend wird bezugnehmend auf die Fig. 1A bis 1D und das Diagramm in Fig. 2 der
Betrieb des Ausführungsbeispiels der Fig. 1A bis 1D detailliert erläutert.
Phase 1: Befüllvorgang
[0039] Im Betrieb werden in einer ersten Phase zunächst bei hoher Drehfrequenz die erste
Kompressionskammer 3 und der dritte Kanal (Fluidauslasskanal) 1 über den ersten Kanal
(Fluideinlasskanal) 2 teilweise gefüllt. Beispielsweise kann ein radial inneres Ende
des ersten Fluideinlasskanals zu diesem Zweck mit einer Einlasskammer (nicht gezeigt)
fluidisch gekoppelt sein. Dabei wird in der ersten und in der zweiten Kompressionskammer
3, 5 sowie im zweiten Fluidkanal (Fluidverbindungskanal) 4 eine kompressibles Medium
eingeschlossen, das von der in die erste Kompressionskammer einströmenden Flüssigkeit
komprimiert wird, Fig. 1A. Dabei baut sich im kompressiblen Medium ein Überdruck auf,
der durch den Zentrifugaldruck der Flüssigkeit im Fluideinlasskanal 2 und im Fluidauslasskanal
1 ausgeglichen wird. Wird eine Drehfrequenz
f1 überschritten, so wird die erste Kompressionskammer 3 komplett gefüllt, und die Flüssigkeit
fließt über den Verbindungskanal 4 in die zweite Kompressionskammer 5. Nach ausreichend
langer Zeit der Befüllung erreicht das System den Gleichgewichtszustand, in welchem
die Flüssigkeitsfüllstände sich bei gegebener Drehfrequenz nicht mehr ändern. Bei
sinkender Drehfrequenz dehnt sich das eingeschlossene komprimierte kompressible Medium
(Gasvolumen) wieder aus und Flüssigkeit wird durch den ersten Fluidkanal 2 und den
dritten Fluidkanal 1 rückgepumpt.
Phase 2a: Entleerungsvorgang mit Dynamik durch Hystereseverhalten
[0040] In dem Fall, dass der Fluideinlass 8 der zweiten Kompressionskammer 5 radial weiter
außen liegt, als der Fluidauslass 7 der ersten Kompressionskammer 3, wie bei den Fig.
1A bis 1D, befindet sich das System bei Erreichen der Drehfrequenz
f1 außerhalb des Gleichgewichts von zentrifugalem Druck und pneumatischem (im Falle
von Gas als kompressiblem Medium) Gegendruck des kompressiblen Mediums. Dieses Ungleichgewicht
wird, wie in Fig. 2 gezeigt ist, durch schnelles (,dynamisches') Befüllen der zweiten
Kompressionskammer 5 ausgeglichen, bis der Gleichgewichtszustand wieder erreicht ist.
Fig. 1B zeigt den Zustand bei einer Drehung oberhalb der Drehfrequenz
f1.
[0041] Wird nachfolgend die Drehfrequenz wieder verringert, so entleert sich die zweite
Kompressionskammer 5 vollständig erst bei Erreichen der Drehfrequenz
f2, wobei
f2 < f1. Sobald
f2 unterschritten wird, entleert sich auch der Verbindungskanal 4, wodurch sich das
System wiederum außerhalb des Gleichgewichts von zentrifugalem Druck und pneumatischem
(im Falle von Gas als kompressibles Medium) Gegendruck des kompressiblen Mediums befindet.
Dieses Ungleichgewicht wird gemäß Fig. 2 durch schnelles (,dynamisches') Entleeren
der ersten Kompressionskammer 3 ausgeglichen, bis der Gleichgewichtszustand wieder
erreicht ist.
[0042] Dieses durch den pneumatischen Druck bewirkte dynamische Entleeren erzeugt hohe Flussraten
im ersten Fluidkanal 2 und im dritten Fluidkanal 1. Somit kann die Flüssigkeit im
dritten Fluidkanal 1 radial innere Positionen erreichen, die im Gleichgewichtszustand
nicht erreichbar sind. Anders ausgedrückt erhöht sich bei der Entleerung das zweiten
Fluidkanals 3 die Dynamik des Entleerungvorgangs, wodurch in den ersten und dritten
Fluidkanälen 2 und 1 höhere Füllhöhen erreicht werden als im Gleichgewichtszustand.
Bei Ausführungsbeispielen kann der dritte Fluidkanal als Siphon ausgestaltet sein,
dessen Auslassende radial weiter außen angeordnet ist als der Fluideinlass der ersten
Kompressionskammer 3, um ein Abfließen der gesamten Flüssigkeit zu ermöglichen.
[0043] Wie aus Fig. 2 ersichtlich, unterliegen die Flüssigkeitsvolumina in den Fluidkammern
3 und 5 einem Hystereseverhalten bezüglich der Drehfrequenz. Für den Fall, dass der
Fluideinlass 8 der Fluidkammer radial weiter außen liegt als der Fluidauslass 7 der
Fluidkammer 3, erfolgt bei ansteigender Drehfrequenz, die in Fig. 2 durch Pfeile mit
+ gekennzeichnet ist, ein dynamisches "schlagartiges" Befüllen der Fluidkammer 5 sobald
die Drehfrequenz
f1 überschritten wird. Bei absinkender Drehfrequenz, die in Fig. 2 durch Pfeile mit
- gekennzeichnet ist, erfolgt ein dynamisches "schlagartiges" Entleeren der Fluidkammer
3 sobald die Drehfrequenz
f2 unterschritten wird.
Phase 2b: Entleerungsvorgang mit Dynamik durch hohen Strömungswiderstand
[0044] Fig. 3 zeigt ein alternatives Ausführungsbeispiel der Erfindung, bei dem der Fluideinlass
8 der zweiten Kompressionskammer 5 nicht radial weiter außen angeordnet ist als der
Fluidauslass der ersten Kompressionskammer. Vielmehr liegt bei dem in Fig. 3 gezeigten
Ausführungsbeispiel der Fluideinlass 8 der zweiten Kompressionskammer 5 radial weiter
innen als der Fluidauslass 7 der ersten Kompressionskammer 3. Es sei zu beachten,
dass das Rotationszentrum in den Figuren jeweils oberhalb der Fluidikstruktur liegt,
wie in Fig. 3 wiederum durch dass mit dem Bezugszeichen R bezeichnete Rotationszentrum
angedeutet ist.
[0045] Für den Fall, dass der Fluideinlass der zweiten Kompressionskammer 5 nicht radial
weiter außen liegt, als der Fluidauslass der ersten Kompressionskammer 3 (vgl. Fig.
3), tritt das in Phase 2a beschriebene Hystereseverhalten nicht auf: es gilt
f2 ≥
f1. Ein schnelles, ,schlagartiges' Entleeren der Kompressionskammer 3 wird dennoch erreicht,
wenn der zweite Fluidkanal (Verbindungskanal) 4 einen ausreichend hohen Strömungswiderstand
für die Flüssigkeit darstellt. In diesem Fall wird beim Befüllen der Kompressionskammer
5 der Befüllvorgang zunächst durch den hohen Strömungswiderstand im Verbindungskanal
4 verzögert. Nach ausreichend langer Zeit der Befüllung erreicht das System den Gleichgewichtszustand,
in welchem die Flüssigkeitsfüllstände sich bei gegebener Drehfrequenz nicht mehr ändern.
[0046] Wird nachfolgend die Drehfrequenz verringert, so wird das Rückströmen der Flüssigkeit
durch den hohen Strömungswiderstand in zweiten Fluidkanal 4 limitiert. Bei ausreichend
hohem Strömungswiderstand im zweiten Fluidkanal 4 ist die Flussrate der Flüssigkeit
während des Rückströmens auch bei Stillstand des Zentrifugenrotors so gering, dass
sich die Flüssigkeitsfüllhöhen in den Fluidkanälen 1 und 2 nur geringfügig ändern.
Während diesem Rückströmvorgang können beliebige Drehfrequenzen gefahren werden. Insbesondere
kann die Drehfrequenz den kritischen Wert
f1 deutlich unterschreiten oder gar 0 betragen. Wird die Drehfrequenz
f1 lange genug unterschritten, so entleert sich zunächst die zweite Kompressionskammer
5, gefolgt vom zweiten Fluidkanal 4. Während sich der zweite Fluidkanal 4 entleert,
verringert sich der Strömungswiderstand im zweiten Fluidkanal 4 (aufgrund der geringeren
Viskosität des kompressiblen Mediums), sodass die Flussrate der Flüssigkeit während
des Rückströmens steigt. Bei entsprechender Auslegung der Geometrie der Fluidkanäle
und der Kompressionskammern und bei entsprechend angewandten Drehfrequenzen kann die
die Flussrate während und nach der Entleerung des zweiten Fluidkanals 4 stark genug
ansteigen, um im dritten Fluidkanal (Fluidauslasskanal) 1 eine radial innere Position
zu erreichen, die im Gleichgewichtszustand nicht erreichbar ist.
[0047] Bei Ausführungsbeispielen können der hohe Strömungswiderstand und das Hystereseverhalten
kombiniert werden. Die Dynamik des Entleerungsvorgangs kann erhöht oder maximiert
werden, indem sowohl ein Verbindungskanal mit einem höheren Strömungswiderstand als
der Auslasskanal ausgelegt wird als auch der Fluideinlass der zweiten Kompressionskammer
radial weiter außen angeordnet wird als der Fluidauslass der ersten Kompressionskammer.
Dadurch kann eine Kombination der oben beschriebenen Effekte erreicht werden, wodurch
es möglich ist, Flüssigkeit im Auslassfluidkanal radial noch weiter nach innen zu
pumpen.
[0048] Fig. 4 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel der Erfindung, bei dem der Fluideinlasskanal
2 auch den Fluidauslasskanal darstellt. Die oben beschriebenen Effekte können in analoger
Weise auch erreicht werden, wenn der Fluideinlasskanal 2 auch als Fluidauslasskanal
betrieben wird.
[0049] Fig. 5 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel, bei dem der Fluidauslasskanal 1 als
Siphon 60 gestaltet ist, so dass zumindest ein Bereich, beispielsweise ein Auslassende
62 des Fluidauslasskanals 1 radial weiter außen liegt als der Fluideinlass 6 der ersten
Kompressionskammer. Dadurch ist es möglich, die gesamte Flüssigkeit aus der Fluidikstruktur,
die die beschriebenen Fluidkanäle und Kompressionskammern aufweist, zu entleeren.
[0050] Bei weiteren Ausführungsbeispielen kann die zweite Kompressionskammer in mehrere
Kompressionskammern unterteilt sein, die über jeweilige Fluidkanäle hintereinandergeschaltet
sind. Es ist somit möglich, dass die zweite Kompressionskammer wiederum in mehrere
Kammern unterteilt ist. Dadurch ist es möglich, dass bestimmte Kammern ausschließlich
mit dem kompressiblen Medium gefüllt sind, während andere Kammern sowohl mit dem kompressiblen
Medium als auch mit der Flüssigkeit gefüllt sind.
[0051] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung können mehrere Flüssigkeiten, die nacheinander
über die erste Fluidleitung zugeführt werden, für den beschriebenen Betrieb verwendet
werden, wobei eine oder mehrere der Flüssigkeiten auch kompressibel sein können.
[0052] Bei weiteren Ausführungsbeispielen können mehrere der beschriebenen Fluidikstrukturen
parallelgeschaltet werden. Durch unterschiedliche Kanalgeometrien der jeweiligen zweiten
Fluidkanäle (Verbindungskanäle) kann dann ein sequentielles Schalten der Fluide zu
vordefinierten Zeitpunkten erreicht werden. Dies ist nützlich für die Automatisierung
verschiedenster bio-chemischer Verfahren.
[0053] Bei Ausführungsbeispielen muss der Auslasskanal nicht gemeinsam mit dem Einlasskanal
in die erste Kompressionskammer münden. Der Auslasskanal kann auch separat in einem
radial äußeren Abschnitt, beispielsweise dem radial äußeren Ende, in die erste Kompressionskammer
münden, solange durch die Ausgestaltung gewährleistet bleibt, dass das kompressible
Medium in der Kompressionskammer komprimiert werden kann. Beispielsweise kann der
separate Auslasskanal ausgebildet sein, um beim Befüllen der ersten Kompressionskammer
durch den ersten Fluidkanal durch die Flüssigkeit verschlossen zu werden.
[0054] Beispielhafte typische Werte und Geometrien werden nun angegeben, wobei jedoch klar
ist, dass die vorliegende Erfindung nicht auf solche Werte und Geometrien beschränkt
ist.
[0055] Bei einer typischen Ausführung kann der Verbindungskanal 4 einen Durchmesser von
20 µm bis 200 µm. Das Volumen der Kompressionskammer 3 kann zwischen 25 und 75 µl,
beispielsweise 50 µl, liegen und das Volumen der Kompressionskammer 4 kann bei 150
µl bis 360 µl liegen. Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung ist das Volumen der
ersten Kompressionskammer kleiner, beispielsweise um einen Faktor von 2 bis 6, als
das Volumen der zweiten Kompressionskammer. Typische Fluidvolumina der prozessierten
Flüssigkeit können bei 100 µl liegen, wobei Volumina von 100 nl bis 5 ml bei entsprechender
Ausführung der Kammern denkbar sind.
[0056] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann der Auslasskanal (inklusive Fluideinlass
6) einen fluidischen Widerstand (Strömungswiderstand) aufweisen, welcher mindestens
um den Faktor 2 oder mindestens um den Faktor 10 kleiner ist als der fluidische Widerstand
des Verbindungskanals. Dies ist, wie beschrieben wurde, nicht in jeder Ausführung
erforderlich. Die Viskosität der prozessierten Flüssigkeit (z.B. Wasser) kann eine
um einen Faktor von 30 bis 90 höhere Viskosität als das kompressible Medium aufweisen.
Beispielsweise hat Wasser als zu prozessierende Flüssigkeit eine etwa um den Faktor
60 höhere Viskosität als Luft als kompressibles Medium.
[0057] Die Fluidikstrukturen müssen nicht die dargestellten Formen aufweisen, Beispielsweise
müssen die Kammern nicht rechtwinklig sein, sondern können jede Form annehmen und
können typischerweise abgerundete Ecken haben.
[0058] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann das maximale Volumen des Verbindungskanals
auf ca. 0,3 µl bis 0,5 µl begrenzt sein. Das minimale Volumen der ersten Kompressionskammer
sollte in diesem Fall ca. 5 µl betragen. Grundsätzlich kann der Verbindungskanal auch
mit einer großen Länge ausgeführt werden, wobei dann auch höhere Kanalvolumen denkbar
wären. Dies wäre allerdings mit technischen Nachteilen beispielsweise einem höheren
Totvolumen und einem größeren Fertigungsaufwand verbunden.
[0059] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung findet ein dynamisches Befüllen und Entleeren
einer Kompressionskammer statt. Ein solches dynamisches Befüllen und Entleeren kann
durch die über den Verbindungskanal verbundenen ersten und zweiten Kompressionskammern
erreicht werden. Durch diesen Aufbau kann ein Befüllen und Entleeren erreicht werden,
dass sich vom dynamischen Befüllen und Entleeren in Kompressionskammern, wie sie dem
Stand der Technik bekannt sind, unterscheidet.
[0060] Bei einer Kompressionskammer, wie sie dem Stand der Technik bekannt ist, ist der
Gleichgewichtsfüllstand als Funktion der Drehfrequenz stetig, d.h. dass mit einer
sehr kleinen Drehfrequenzänderung (z.B. 0.1 Hz) geht immer eine sehr kleine Änderung
des Füllstandes der Kompressionskammer (z.B. < 1%) einher. Der Gleichgewichtsfüllstand
ist definiert als der Füllstand, der sich bei unendlich lang anhaltender gleichbleibender
Drehfrequenz einstellt.
[0061] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann ein dynamisches Befüllen bzw. eine dynamische
Entleerung mit einem Hystereseverhalten erreicht werden. Für einen bestimmten Drehfrequenzbereich
kann, aufgrund der geometrischen Anordnung eines Kammersystems (bestehend aus mind.
zwei Kompressionskammern bzw. Pneumatikkammern) keiner Drehfrequenz im Gleichgewichtszustand,
d.h. bei unendlich lang andauernder Zentrifugation, ein definierter Flüssigkeitsfüllstand
zugewiesen werden. Je nachdem, ob ein Kammersystem gerade befüllt oder entleert wird,
kann sich ein erster oder ein zweiter Gleichgewichtsfüllstand einstellen. Wird dieser
Drehfrequenzbereich verlassen, kann ein neuer Gleichwichtsfüllstand angestrebt werden,
welcher vom aktuellen Füllstand stark abweicht. Diese starke Abweichung kann ausgeglichen
werden, indem der Befüll- bzw. Entleervorgang, angetrieben durch Zentrifugalkraft
oder pneumatische Kraft, beschleunigt wird. Bei dieser Art der dynamischen Befüllung
bzw. Entleerung ist der Gleichgewichtsfüllstand als Funktion der Drehfrequenz unstetig,
d.h. dass eine sehr kleine Änderung der Drehfrequenz (z.B. 0.1 Hz) kann zu einer starken
Änderung des Füllstands (z.B. > 20%) der Kompressionskammer führen.
[0062] Bei Ausführungsbeispielen der Erfindung kann ein dynamisches Befüllen bzw. eine dynamische
Entleerung durch Einsatz hoher Strömungswiderstände erreicht werden. Der zeitliche
Verlauf des Befüll- bzw. Entleervorgangs kann dabei maßgeblich durch Kanalquerschnitte
bestimmt werden. Somit können aufgrund viskoser Kräfte auch bei konstanter Drehfrequenz
Durchflussraten ungleich Null erzielt. Insbesondere kann der Austausch verschiedener
Medien in engen Kanälen und die damit verbundenen Viskositätsänderungen zu hohen Durchflussratenänderungen
führen, welche den Befüll- bzw. Entleervorgang auch bei konstanter Drehfrequenz beschleunigen
können.
[0063] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung schaffen ein Fluidikmodul, das um
ein Rotationszentrum drehbar ist, mit folgenden Merkmalen: einem ersten Fluidkanal;
einer ersten Kompressionskammer, die mit dem ersten Fluidkanal fluidisch gekoppelt
ist; einer zweiten Kompressionskammer, die über einen zweiten Fluidkanal mit der ersten
Kompressionskammer fluidisch gekoppelt ist; und einem dritten Fluidkanal, der mit
der ersten Kompressionskammer fluidisch gekoppelt ist. Eine Flüssigkeit ist zentrifugal
durch den ersten Fluidkanal in die erste Kompressionskammer treibbar. Bei einer Drehung
des Fluidikmoduls ist ein kompressibles Medium in der zweiten Kompressionskammer durch
eine Flüssigkeit, die durch die Zentrifugalkraft durch den ersten Fluidkanal in die
erste Kompressionskammer, in den zweiten Fluidkanal und in die zweite Kompressionskammer
getrieben wird, einschließbar und komprimierbar. Flüssigkeit ist durch Absenken der
Drehfrequenz und dadurch bedingtes Ausdehnen des kompressiblen Mediums aus der zweiten
Kompressionskammer und aus dem zweiten Fluidkanal durch den dritten Fluidkanal treibbar.
[0064] Ausführungsbeispiele der Erfindung schaffen eine zentrifugal-mikrofluidische Struktur
mit einer durch einen Fluidkanal in einen ersten Teil und einen zweiten Teil geteilten
Kompressionskammer, wobei beide Teile reversibel zumindest teilweise mit Flüssigkeit
gefüllt und entleert werden können. Im Betrieb weisen Ausführungsbeispiele der vorliegenden
Erfindung die Erzeugung hochdynamischer fluidischer Schaltvorgänge auf, bei welchen
keine schnellen Änderungen der Rotationsfrequenz erforderlich sind. Ferner weisen
Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung im Betrieb die Erzeugung hochdynamischer
fluidischer Schaltvorgänge auf, bei welchen weder schnelle Änderungen der Rotationsfrequenz,
noch hohe fluidische Widerstände erforderlich sind. Des Weiteren zeigen Ausführungsbeispiele
der Erfindung die Aufrechterhaltung der Kompression eines kompressiblen Mediums in
einem Zentrifugenrotor über einen bestimmten Mindestzeitraum bei beliebiger Variation
der Drehfrequenz.
[0065] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung ermöglichen das Einhalten von Flüssigkeiten
in Fluidkammern, während für eine bestimmte Zeit ein beliebiges Drehfrequenzprotokoll
angewandt werden kann. Dies ermöglicht die Durchführung paralleler Prozesse während
dem Einhalten der Flüssigkeit und somit die Automatisierung komplexerer Prozesse als
sie dem Stand der Technik bisher bekannt sind.
[0066] Ferner ermöglichen Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung auch ein Einhalten
von Flüssigkeiten oberhalb einer definierten Drehfrequenz, die deutlich unterhalb
der Drehfrequenz liegen kann, die zur Aktivierung der Einhaltung der Flüssigkeit verwendet
wird.
[0067] Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung ermöglichen eine hochdynamische Freisetzung
von Flüssigkeit aus Fluidkammern auch wenn nur sehr geringe Beschleunigungsraten zur
Verfügung stehen. Das ist vor allem für den Betrieb in Standardlaborzentrifugen nützlich.
Ferner ermöglichen sie den Flüssigkeitstransfer über einen Fluidauslasskanal, insbesondere
über einen Siphon, bei geringen Drehfrequenzen. Somit können die eingangs genannten
Nachteile des Entleerens bei hohen Drehfrequenzen umgangen werden.
1. Fluidikmodul (10, 32), das um ein Rotationszentrum (R) drehbar ist, mit folgenden
Merkmalen:
einer ersten Kammer (3) mit einem Fluideinlass (6) und einem Fluidauslass (7);
einer zweiten Kompressionskammer (5) mit einem Fluideinlass (8);
einem ersten Fluidkanal (2), der über den Fluideinlass (6) der ersten Kammer (3) mit
der ersten Kammer (3) verbunden ist; und
einem zweiten Fluidkanal (4), der den Fluidauslass (7) der ersten Kammer (3) mit dem
Fluideinlass (8) der zweiten Kompressionskammer (5) verbindet,
wobei durch eine Drehung des Fluidikmoduls (10, 32) eine Flüssigkeit zentrifugal durch
den ersten Fluidkanal (2) in die erste Kammer (3), in den zweiten Fluidkanal (4) und
in die zweite Kompressionskammer (5) treibbar ist, und dadurch ein kompressibles Medium
in der zweiten Kompressionskammer (5) einschließbar und komprimierbar ist,
wobei zumindest eines der folgenden Merkmale erfüllt ist:
der zweite Fluidkanal (4) weist für die Flüssigkeit einen höheren Strömungswiderstand
auf als der Auslasskanal (1, 2), und
der Fluideinlass (8) der zweiten Kompressionskammer (5) ist bezüglich des Rotationszentrums
(R) radial weiter außen angeordnet als der Fluidauslass (7) der ersten Kammer (3),
dadurch gekennzeichnet, dass
die erste Kammer (3) eine erste Kompressionskammer (3) ist, und
durch Absenken der Drehfrequenz und dadurch bedingtes Ausdehnen des kompressiblen
Mediums Flüssigkeit aus der zweiten Kompressionskammer (5) und dem zweiten Fluidkanal
(4) in die erste Kompressionskammer (3), aus der ersten Kompressionskammer (3) in
einen Auslasskanal (1, 2) und durch den Auslasskanal (1, 2) treibbar ist.
2. Fluidikmodul (10, 32) nach Anspruch 1, bei dem der erste Fluidkanal (2) der Auslasskanal
(2) ist.
3. Fluidikmodul (10, 32) nach Anspruch 1, bei dem der Auslasskanal (1, 2) einen Teil
des ersten Fluidkanals (2) und mindestens einen dritten Fluidkanal (1), der von dem
ersten Fluidkanal (2) abzweigt, aufweist.
4. Fluidikmodul (10, 32) nach Anspruch 3, bei dem der mindestens eine dritte Fluidkanal
(1) einen geringeren Strömungswiderstand für die Flüssigkeit aufweist als der erste
Fluidkanal (2).
5. Fluidikmodul (10, 32) nach Anspruch 1 bis 4, bei dem der Auslasskanal (1, 2) einen
Siphon (60) aufweist, wobei ein Auslassende (60) des Siphons (60) bezüglich des Rotationszentrums
(R) radial weiter außen angeordnet ist als die Position, an der der Auslasskanal (1,
2) in die erste Kompressionskammer (3) mündet.
6. Fluidikmodul (10, 32) nach Anspruch 1, bei dem der Auslasskanal ein von dem ersten
Fluidkanal (2) separater Fluidkanal ist, der an einem radial äußeren Abschnitt oder
dem radial äußeren Ende derselben in die erste Kompressionskammer (3) mündet.
7. Fluidikmodul (10, 32) nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei dem der Fluidauslass (7)
der ersten Kompressionskammer (3) an einem bezüglich des Rotationszentrums (R) radial
inneren Abschnitt oder radial inneren Ende der ersten Kompressionskammer (3) angeordnet
ist.
8. Fluidikmodul (10, 32) nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem der Fluideinlass (8)
der zweiten Kompressionskammer (5) an einem bezüglich des Rotationszentrums (R) radial
äußeren Abschnitt oder radial äußeren Ende der zweiten Kompressionskammer (5) angeordnet
ist.
9. Fluidikmodul (10, 32) nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei dem der zweite Fluidkanal
(4) in Flussrichtung von der zweiten Kompressionskammer (5) zu der ersten Kompressionskammer
(4) bezüglich des Rotationszentrums (R) einen Abschnitt aufweist, dessen Anfang weiter
von dem Rotationszentrum (R) entfernt ist als dessen Ende.
10. Vorrichtung zum Handhaben von Flüssigkeit, mit folgenden Merkmalen:
einem Fluidikmodul (10, 32) nach einem der Ansprüche 1 bis 9; und
einer Antriebsvorrichtung (20), die ausgelegt ist, um das Fluidikmodul (10, 32) mit
Rotationen bei unterschiedlichen Drehfrequenzen zu beaufschlagen,
wobei die Antriebsvorrichtung (20) ausgelegt ist, um in einer ersten Phase das Fluidikmodul
(10, 32) mit einer Rotation bei einer Drehfrequenz bei oder oberhalb einer ersten
Drehfrequenz zu beaufschlagen, bei der Flüssigkeit zentrifugal durch den ersten Fluidkanal
(2) in die erste Kompressionskammer (3) getrieben wird, bei der die erste Kompressionskammer
(3) mit der Flüssigkeit gefüllt wird und bei der Flüssigkeit aus der ersten Kompressionskammer
(3) in den zweiten Fluidkanal (4) und die zweite Kompressionskammer (5) getrieben
wird, um dadurch das kompressible Medium in der zweiten Kompressionskammer (5) einzuschließen
und zu komprimieren,
wobei die Antriebsvorrichtung (20) ausgelegt ist, um in einer zweiten Phase nach der
ersten Phase die Drehfrequenz unter eine zweite Drehfrequenz abzusenken, bei der die
durch das komprimierte Medium in der zweiten Kompressionskammer (5) auf die Flüssigkeit
ausgeübte Kraft die durch die Flüssigkeit ausgeübte Zentrifugalkraft überwiegt, so
dass sich das kompressible Medium ausdehnt und dadurch Flüssigkeit aus der zweiten
Kompressionskammer (5) und dem zweiten Fluidkanal (4) in die erste Kompressionskammer
(3), aus der ersten Kompressionskammer (3) in den Auslasskanal (1, 2) und durch den
Auslasskanal (1, 2) getrieben wird.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, bei der der Fluideinlass (8) der zweiten Kompressionskammer
(5) bezüglich des Rotationszentrums (R) radial weiter außen angeordnet ist als der
Fluidauslass (7) der ersten Kompressionskammer (3), wobei die zweite Drehfrequenz
geringer ist als die erste Drehfrequenz und bei dem die Antriebsvorrichtung ausgelegt
ist, um in einer Zwischenphase zwischen der ersten Phase und der zweiten Phase das
Fluidikmodul (10, 32) mit einer Drehfrequenz zu beaufschlagen, die zwischen der ersten
Drehfrequenz und der zweiten Drehfrequenz liegt, ohne dass Flüssigkeit aus dem zweiten
Fluidkanal (4) in die erste Kompressionskammer (3) getrieben wird.
12. Verfahren zum Handhaben von Flüssigkeit mit einem Fluidikmodul (10, 32) nach einem
der Ansprüche 1 bis 9, mit folgenden Merkmalen:
in einer ersten Phase, Drehen des Fluidikmoduls (10, 32) mit einer Rotation bei einer
Drehfrequenz bei oder oberhalb einer ersten Drehfrequenz, um Flüssigkeit zentrifugal
durch den ersten Fluidkanal (2) in die erste Kompressionskammer (3) und die zweite
Kompressionskammer (5) zu treiben, um die erste Kompressionskammer (3) mit der Flüssigkeit
zu füllen, und um Flüssigkeit aus der ersten Kompressionskammer (3) in den zweiten
Fluidkanal (4) zu treiben, um dadurch das kompressible Medium in der zweiten Kompressionskammer
(5) einzuschließen und zu komprimieren,
in einer zweiten Phase nach der ersten Phase, Absenken der Drehfrequenz unter eine
zweite Drehfrequenz, bei der die durch das komprimierte Medium in der zweiten Kompressionskammer
(5) auf die Flüssigkeit ausgeübte Kraft die durch die Flüssigkeit ausgeübte Zentrifugalkraft
überwiegt, so dass sich das kompressible Medium ausdehnt und dadurch Flüssigkeit aus
der zweiten Kompressionskammer (5) und dem zweiten Fluidkanal (4) in die erste Kompressionskammer
(3), aus der ersten Kompressionskammer (3) in den Auslasskanal (1, 2) und durch den
Auslasskanal (1, 2) getrieben wird.
13. Verfahren nach Anspruch 12, bei dem der Fluideinlass (8) der zweiten Kompressionskammer
(5) bezüglich des Rotationszentrums (R) radial weiter außen angeordnet ist als der
Fluidauslass (7) der ersten Kompressionskammer (3), wobei die zweite Drehfrequenz
geringer ist als die erste Drehfrequenz, und das in einer Zwischenphase zwischen der
ersten Phase und der zweiten Phase ein Drehen des Fluidikmoduls mit einer Drehfrequenz,
die zwischen der ersten Drehfrequenz und der zweiten Drehfrequenz liegt, aufweist,
ohne dass Flüssigkeit aus dem zweiten Fluidkanal (4) in die erste Kompressionskammer
(3) getrieben wird.
14. Verfahren nach Anspruch 12 oder 13, das ein Verwenden eines Fluidikmoduls aufweist,
dessen Fluideinlass (8) bezüglich des Rotationszentrums (R) radial weiter außen angeordnet
ist als der Fluidauslass (7) der ersten Kompressionskammer (3), wobei in der ersten
Phase bei ansteigender Drehfrequenz ein dynamisches Befüllen der zweiten Kompressionskammer
(5) beginnt, sobald eine erste Drehfrequenz f1 überschritten wird, und wobei in der zweiten Phase bei absinkender Drehfrequenz ein
dynamisches Entleeren der ersten Kompressionskammer (3) beginnt, sobald eine zweite
Drehfrequenz f2 unterschritten wird, wobei f2 < f1.
1. Fluidic module (10, 32) which may be rotated about a center of rotation (R), comprising:
a first chamber (3) having a fluid inlet (6) and a fluid outlet (7);
a second compression chamber (5) having a fluid inlet (8);
a first fluid channel (2) connected to the first chamber (3) via the fluid inlet (6)
of the first chamber (3); and
a second fluid channel (4) connecting the fluid outlet (7) of the first chamber (3)
to the fluid inlet (8) of the second compression chamber (5),
wherein due to rotation of the fluidic module (10, 32) a liquid may be centrifugally
driven into the first chamber (3), into the second fluid channel (4) and into the
second compression chamber (5) through the first fluid channel (2), and thereby a
compressible medium may be entrapped and compressed within the second compression
chamber (5),
wherein at least one of the following features is met:
the second fluid channel (4) has a flow resistance for the liquid that is larger than
that of the outlet channel (1, 2), and
the fluid inlet (8) of the second compression chamber (5) is arranged, in relation
to the center of rotation (R), radially further outward than is the fluid outlet (7)
of the first chamber (3),
characterized in that
the first chamber (3) is a first compression chamber (3), and
wherein, by lowering the rotary frequency and due to the resultant expansion of the
compressible medium, liquid may be driven out of the second compression chamber (5)
and of the second fluid channel (4) into the first compression chamber (3), out of
the first compression chamber (3) into an outlet channel (1, 2) and through said outlet
channel (1, 2),
2. Fluidic module (10, 32) as claimed in claim 1, wherein the first fluid channel (2)
is the outlet channel (2).
3. Fluidic module (10, 32) as claimed in claim 1, wherein the outlet channel (1, 2) comprises
part of the first fluid channel (2) and at least a third fluid channel (1) branching
off from the first fluid channel (2).
4. Fluidic module (10, 32) as claimed in claim 3, wherein the at least one third fluid
channel (1) has a flow resistance for the liquid that is lower than that of the first
fluid channel (2).
5. Fluidic module (10, 32) as claimed in claims 1 to 4, wherein the outlet channel (1,
2) comprises a siphon (60), an outlet end (60) of the siphon (60) being arranged radially
further outward, in relation to the center of rotation (R), than is the position where
the outlet channel (1, 2) leads into the first compression chamber (3).
6. Fluidic module (10, 32) as claimed in claim 1, wherein the outlet channel is a fluid
channel which is separate from the first fluid channel (2) and which leads into the
first compression chamber (3) at a radially outer portion or at the radially outer
end thereof.
7. Fluidic module (10, 32) as claimed in any of claims 1 to 6, wherein the fluid outlet
(7) of the first compression chamber (3) is arranged at a portion or end, of the first
compression chamber (3), that is arranged radially inward in relation to the center
of rotation (R).
8. Fluidic module (10, 32) as claimed in any of claims 1 to 7, wherein the fluid inlet
(8) of the second compression chamber (5) is arranged at a portion or end, of the
second compression chamber (5), that is arranged radially outward in relation to the
center of rotation (R).
9. Fluidic module (10, 32) as claimed in any of claims 1 to 8, wherein the second fluid
channel (4) comprises, in the direction of flow from the second compression chamber
(5) to the first compression chamber (4), in relation to the center of rotation (R),
a portion, the beginning of which is further apart from the center of rotation (R)
than is its end.
10. Device for handling liquid, comprising:
a fluidic module (10, 32) as claimed in any of claims 1 to 9; and
a drive device (20) configured to subject the fluidic module (10, 32) to rotations
at different rotary frequencies,
the drive device (20) being configured to subject the fluidic module (10, 32), during
a first phase, to a rotation at a rotary frequency at or above a first rotary frequency
at which liquid is centrifugally driven through the first fluid channel (2) into the
first compression chamber (3), at which the first compression chamber (3) is filled
with the liquid and at which liquid is driven out of the first compression chamber
(3) into the second fluid channel (4) and into the second compression chamber (5)
so as to thereby entrap and compress the compressible medium within the second compression
chamber (5),
the drive device (20) being configured to lower, during a second phase following the
first phase, the rotary frequency to a value smaller than that of a second rotary
frequency at which the force exerted on the liquid by the compressed medium within
the second compression chamber (5) outweighs the centrifugal force exerted by the
liquid, so that the compressible medium expands and so that consequently, liquid is
driven out of the second compression chamber (5) and the second fluid channel (4)
into the first compression chamber (3), out of the first compression chamber (3) into
the outlet channel (1, 2) and through said outlet channel (1, 2).
11. Device as claimed in claim 10, wherein the fluid inlet (8) of the second compression
chamber (5) is located, in relation to the center of rotation (R), radially further
outward than is the fluid outlet (7) of the first compression chamber (3), the second
rotary frequency being lower than the first rotary frequency, and wherein the drive
device is configured to subject the fluidic module (10, 32), during an intermediate
phase between the first phase and the second phase, to a rotary frequency ranging
between the first rotary frequency and the second rotary frequency, without liquid
being driven out of the second fluid channel (4) into the first compression chamber
(3).
12. Method of handling liquid, comprising a fluidic module (10, 32) as claimed in any
of claims 1 to 9, comprising:
during a first phase, rotating the fluidic module (10, 32) with a rotation at a rotary
frequency at or above a first rotary frequency so as to centrifugally drive liquid
through the first fluid channel (2) into the first compression chamber (3) and into
the second compression chamber (5) so as to fill the first compression chamber (3)
with the liquid, and to drive liquid from the first compression chamber (3) into the
second fluid channel (4) so as to thereby entrap and compress the compressible medium
within the second compression chamber (5),
during a second phase following the first phase, lowering the rotary frequency to
a value smaller than that of a second rotary frequency at which the force exerted
on the liquid by the compressed medium within the second compression chamber (5) outweighs
the centrifugal force exerted by the liquid, so that the compressible medium expands
and so that consequently, liquid is driven out of the second compression chamber (5)
and the second fluid channel (4) into the first compression chamber (3), out of the
first compression chamber (3) into the outlet channel (1, 2) and through said outlet
channel (1, 2).
13. Method as claimed in claim 12, wherein the fluid inlet (8) of the second compression
chamber (5) is located, in relation to the center of rotation (R), radially further
outward than is the fluid outlet (7) of the first compression chamber (3), the second
rotary frequency being lower than the first rotary frequency, and which method comprises
rotating, during an intermediate phase between the first phase and the second phase,
of the fluidic module at a rotary frequency ranging between the first rotary frequency
and the second rotary frequency, without liquid being driven out of the second fluid
channel (4) into the first compression chamber (3).
14. Method as claimed in claim 12 or 13, which comprises using a fluidic module, the fluid
inlet (8) of which is arranged, in relation to the center of rotation (R), radially
further outward than is the fluid outlet (7) of the first compression chamber (3),
wherein during the first phase, when the rotary frequency increases, dynamic filling
of the second compression chamber (5) starts as soon as a first rotary frequency f1 is exceeded, and wherein during the second phase, when the rotary frequency decreases,
dynamic emptying of the first compression chamber (3) starts as soon as a second rotary
frequency f2 is fallen below, wherein f2 < f1.
1. Module fluidique (10, 32) pouvant tourner autour d'un centre de rotation (R), aux
caractéristiques suivantes:
une première chambre (3) avec une entrée de fluide (6) et une sortie de fluide (7);
une deuxième chambre de compression (5) avec une entrée de fluide (8);
un premier canal de fluide (2) qui est relié à travers l'entrée de fluide (6) de la
première chambre (3) à la première chambre (3); et
un deuxième canal de fluide (4) qui relie la sortie de fluide (7) de la première chambre
(3) à l'entrée de fluide (8) de la deuxième chambre de compression (5),
dans lequel, par une rotation du module fluidique (10, 32), un liquide peut être entraîné
par centrifugation à travers le premier canal de fluide (2) vers la première chambre
(3), vers le deuxième canal de fluide (4) et vers la deuxième chambre de compression
(5) et un milieu compressible peut ainsi être renfermé et comprimé dans la deuxième
chambre de compression (5),
dans lequel au moins l'une des caractéristiques suivantes est remplie:
le deuxième canal de fluide (4) présente une résistance à l'écoulement du liquide
supérieure à celle du canal de sortie (1, 2), et
l'entrée de fluide (8) de la deuxième chambre de compression (5) est disposée, par
rapport au centre de rotation (R), radialement plus à l'extérieur que la sortie de
fluide (7) de la première chambre (3),
caractérisé par le fait que
la première chambre (3) est une première chambre de compression (3), et
par réduction de la fréquence de rotation et l'expansion du milieu compressible qui
en résulte, du liquide peut être entraîné de la deuxième chambre de compression (5)
et du deuxième canal de fluide (4) vers la première chambre de compression (3), de
la première chambre de compression (3) vers un canal de sortie (1, 2) et à travers
le canal de sortie (1, 2).
2. Module fluidique (10, 32) selon la revendication 1, dans lequel le premier canal de
fluide (2) est le canal de sortie (2).
3. Module fluidique (10, 32) selon la revendication 1, dans lequel le canal de sortie
(1, 2) présente une partie du premier canal de fluide (2) et au moins un troisième
canal de fluide (1) qui est dérivé du premier canal de fluide (2).
4. Module fluidique (10, 32) selon la revendication 3, dans lequel l'au moins un troisième
canal de fluide (1) présente une résistance à l'écoulement de liquide plus faible
que le premier canal de fluide (2).
5. Module fluidique (10, 32) selon la revendication 1 à 4, dans lequel le canal de sortie
(1, 2) présente un siphon (60), dans lequel une extrémité de sortie (60) du siphon
(60) est disposée, par rapport au centre de rotation (R), radialement plus à l'extérieur
que la position à laquelle le canal de sortie (1, 2) débouche dans la première chambre
de compression (3).
6. Module fluidique (10, 32) selon la revendication 1, dans lequel le canal de sortie
est un canal de fluide, séparé du premier canal de fluide (2), qui débouche dans la
première chambre de compression (3) à un segment radialement extérieur ou à l'extrémité
radialement extérieure de cette dernière.
7. Module fluidique (10, 32) selon l'une des revendications 1 à 6, dans lequel la sortie
de fluide (7) de la première chambre de compression (3) est disposée à un segment
radialement intérieur ou une extrémité radialement intérieure, par rapport au centre
de rotation (R), de la première chambre de compression (3).
8. Module fluidique (10, 32) selon l'une des revendications 1 à 7, dans lequel l'entrée
de fluide (8) de la deuxième chambre de compression (5) est disposée à un segment
radialement extérieur ou une extrémité radialement extérieure, par rapport au centre
de rotation (R), de la deuxième chambre de compression (5).
9. Module fluidique (10, 32) selon l'une des revendications 1 à 8, dans lequel le deuxième
canal de fluide (4) présente, dans la direction d'écoulement de la deuxième chambre
de compression (5) vers la première chambre de compression (4) par rapport au centre
de rotation (R), un segment dont le début est plus éloigné du centre de rotation (R)
que sa fin.
10. Dispositif de manipulation de liquide, aux caractéristiques suivantes:
un module fluidique (10, 32) selon l'une des revendications 1 à 9; et
un dispositif d'entraînement (20) qui est conçu pour soumettre le module fluidique
(10, 32) à des rotations à différentes fréquences de rotation,
dans lequel le dispositif d'entraînement (20) est conçu pour soumettre le module fluidique
(10, 32), dans une première phase, à une rotation à une fréquence de rotation égale
ou supérieure à une première fréquence de rotation à laquelle le liquide est entraîné
par centrifugation à travers le premier canal de fluide (2) vers la première chambre
de compression (3), à laquelle la première chambre de compression (3) est remplie
par le liquide et à laquelle le liquide est entraîné de la première chambre de compression
(3) vers le deuxième canal de fluide (4) et la deuxième chambre de compression (5),
pour ainsi renfermer et comprimer le milieu compressible dans la deuxième chambre
de compression (5),
dans lequel le dispositif d'entraînement (20) est conçu pour faire descendre, dans
une deuxième phase après la première phase, la fréquence de rotation au-dessous d'une
deuxième fréquence de rotation à laquelle la force exercée sur le liquide par le milieu
comprimé dans la deuxième chambre de compression (5) prédomine sur la force centrifuge
exercée par le fluide, de sorte que le milieu compressible se dilate et que, de ce
fait, du liquide soit entraîné de la deuxième chambre de compression (5) et du deuxième
canal de fluide (4) vers la première chambre de compression (3), de la première chambre
de compression (3) vers le canal de sortie (1, 2) et à travers le canal de sortie
(1, 2).
11. Dispositif selon la revendication 10, dans lequel l'entrée de fluide (8) de la deuxième
chambre de compression (5) est disposée, par rapport au centre de rotation (R), radialement
plus à l'extérieur que la sortie de fluide (7) de la première chambre de compression
(3), dans lequel la deuxième fréquence de rotation est inférieure à la première fréquence
de rotation et dans lequel le dispositif d'entraînement est conçu pour soumettre,
dans une phase intermédiaire entre la première phase et la deuxième phase, le module
fluidique (10, 32) à une fréquence de rotation qui se situe entre la première fréquence
de rotation et la deuxième fréquence de rotation, sans que du liquide ne soit entraîné
du deuxième canal de fluide (4) vers la première chambre de compression (3).
12. Procédé de manipulation de fluide par un module fluidique (10, 32) selon l'une des
revendications 1 à 9, aux caractéristiques suivantes consistant à:
dans une première phase, faire tourner le module fluidique (10, 32) selon une rotation
à une fréquence de rotation égale ou supérieure à une première fréquence de rotation
pour entraîner du liquide par centrifugation à travers le premier canal de fluide
(2) vers la première chambre de compression (3) et la deuxième chambre de compression
(5), pour remplir la première chambre de compression (3) par le liquide, et pour entraîner
du liquide de la première chambre de compression (3) vers le deuxième canal de fluide
(4), pour renfermer et comprimer ainsi le milieu compressible dans la deuxième chambre
de compression (5),
dans une deuxième phase après la première phase, faire descendre la fréquence de rotation
au-dessous d'une deuxième fréquence de rotation à laquelle la force exercée sur le
liquide par le milieu comprimé dans la deuxième chambre de compression (5) prédomine
sur la force centrifuge exercée par le liquide, de sorte que le milieu compressible
se dilate et que, de ce fait, du liquide soit entraîné de la deuxième chambre de compression
(5) et du deuxième canal de fluide (4) vers la première chambre de compression (3),
de la première chambre de compression (3) vers le canal de sortie (1, 2) et à travers
le canal de sortie (1, 2).
13. Procédé selon la revendication 12, dans lequel l'entrée de fluide (8) de la deuxième
chambre de compression (5) est disposée, par rapport au centre de rotation (R), radialement
plus à l'extérieur que la sortie de fluide (7) de la première chambre de compression
(3), dans lequel la deuxième fréquence de rotation est inférieure à la première fréquence
de rotation, et qui présente, dans une phase intermédiaire entre la première phase
et la deuxième phase, une rotation du module fluidique à une fréquence de rotation
qui se situe entre la première fréquence de rotation et la deuxième fréquence de rotation,
sans que du fluide ne soit entraîné du deuxième canal de fluide (4) vers la première
chambre de compression (3).
14. Procédé selon la revendication 12 ou 13, qui présente une utilisation d'un module
fluidique dont l'entrée de fluide (8) est disposée, par rapport au centre de rotation
(R), radialement plus à l'extérieur que la sortie de fluide (7) de la première chambre
de compression (3), dans lequel, dans la première phase commence, à une fréquence
de rotation croissante, un remplissage dynamique de la deuxième chambre de compression
(5) dès qu'une première fréquence de rotation f1 est excédée, et dans lequel, dans la deuxième phase commence, à une fréquence de
rotation décroissante, un vidage dynamique de la première chambre de compression (3)
dès qu'il est descendu au-dessous d'une deuxième fréquence de rotation f2, où f2 < f1.