[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung zur Abgabe von Reaktionsmittel
in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine, umfassend eine Reaktionsmitteleinspritzanordnung,
eine Reaktionsmittelförderanordnung zum Fördern von Reaktionsmittel aus einem Reaktionsmittelreservoir
zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung und eine Heizanordnung zum Erwärmen von durch
die Reaktionsmittelförderanordnung zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung gefördertem
Reaktionsmittel. Ferner betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren, mit welchem
vermittels einer derartigen Vorrichtung Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine
abgegeben werden kann.
[0002] Aus der
DE 10 2006 049 591 A1 ist eine Vorrichtung zur Abgabe von Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine
bekannt. Das durch diese Vorrichtung abzugebende Reaktionsmittel ist eine Harnstofflösung.
Um mittels einer Reaktionsmittelförderanordnung zu einer Reaktionsmitteleinspritzanordnung
geförderte Harnstofflösung möglichst effizient mit dem Abgasstrom zu vermischen, wird
bei dieser bekannten Vorrichtung das in Richtung zur Reaktionsmitteleinspritzanordnung
geförderte Reaktionsmittel erwärmt, beispielsweise auf eine Temperatur von etwa 200°C.
Gleichzeitig wird das vor Abgabe in den Abgasstrom in flüssiger Form zugeführte Reaktionsmittel
unter derart hohen Druck gesetzt, dass eine Reaktionsmittelverdampfung vor dem Abgeben
des Reaktionsmittels in den Abgasstrom nicht auftreten kann. Eine derartige Vorrichtung
nutzt den Effekt, dass bei der Abgabe des erwärmten und zunächst unter erhöhtem Druck
stehenden Reaktionsmittels in den Abgasstrom eine spontane Entspannung auftritt, was
einerseits zu einer spontanen Reaktionsmittelverdampfung führt, andererseits zu sehr
feinen Reaktionsmitteltröpfchen des nicht spontan verdampften Anteils des Reaktionsmittels
führt, wodurch eine sehr effiziente und feine Durchmischung des Reaktionsmittels mit
dem in einem Abgasführungssystem strömenden Abgas einer Brennkraftmaschine erreicht
wird.
[0003] Es ist die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung und ein Verfahren
zur Abgabe von Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine bereitzustellen,
mit welcher bei konstruktiv einfacher Ausgestaltung eine effiziente Durchmischung
des Reaktionsmittels mit dem dieses aufnehmenden Abgas einer Brennkraftmaschine erreicht
werden kann.
[0004] Gemäß einem ersten Aspekt wird diese Aufgabe gelöst durch eine Vorrichtung zur Abgabe
von Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine, umfassend eine Reaktionsmitteleinspritzanordnung,
eine Reaktionsmittelförderanordnung zum Fördern von Reaktionsmittel aus einem Reaktionsmittelreservoir
zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung und eine Heizanordnung zum Erwärmen von durch
die Reaktionsmittelförderanordnung zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung gefördertem
Reaktionsmittel.
[0005] Dabei ist weiter vorgesehen, dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung in Abhängigkeit
von einem durch die Reaktionsmittelfördereranordnung erzeugten Reaktionsmitteldruck
zwischen einem Offenzustand zum Abgeben von Reaktionsmittel und einem Sperrzustand
zum Unterbinden der Reaktionsmittelabgabe umschaltbar ist.
[0006] Bei dem erfindungsgemäßen Aufbau wird eine passiv arbeitende Reaktionsmitteleinspritzanordnung
verwendet, also eine Reaktionsmitteleinspritzanordnung, die selbst nicht zur Durchführung
von Einspritzvorgängen angesteuert werden muss. Vielmehr wird abhängig von dem vermittels
der Reaktionsmittelförderanordnung generierten Reaktionsmitteldruck die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
automatisch in den Offenzustand gebracht, um Reaktionsmittel in den Abgasstrom abzugeben,
nämlich dann, wenn der Reaktionsmitteldruck einen Schaltdruck der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
übersteigt. Die Reaktionsmitteleinspritzanordnung kehrt selbsttätig in den Sperrzustand
zurück, wenn der Schaltdruck wieder unterschritten wird. Somit kann alleine durch
Einstellung des Reaktionsmitteldrucks vermittels entsprechender Ansteuerung der Reaktionsmittelförderanordnung
dafür gesorgt werden, dass nicht nur eine Reaktionsmittelverdampfung noch vor Abgabe
in den Abgasstrom verhindert wird, sondern auch dass zum Abgeben des Reaktionsmittels
in den Abgasstrom die Reaktionsmitteleinspritzanordnung in ihren Offenzustand überführt
wird. Dies ermöglicht es, durch die Erwärmung des Reaktionsmittels vermittels der
Heizanordnung auch eine Temperatur, die bei Normalbedingungen, also unter Normaldruck,
eine Verdampfung des Reaktionsmittels zur Folge hätte, der vorangehend beschriebene
Effekt der spontanen Verdampfung bzw. der Erzeugung eines sehr feinen Reaktionsmittelsprays
bei Abgabe aus der Reaktionsmitteleinspritzanordnung genutzt werden kann. Infolgedessen
kann eine derartige Vorrichtung bereits auch bei vergleichsweise niedrigen Abgastemperaturen
zum Einsatz gebracht werden, welche ansonsten für eine ausreichende Reaktionsmittelverdampfung
nicht geeignet wären. Auch wird bei Einsatz der erfindungsgemäßen Vorrichtung eine
verbesserte Umsetzung eines beispielsweise als Harnstoff/Wasser-Lösung ausgebildeten
Reaktionsmittels zu Ammoniak erreicht, verbunden mit einer verbesserten NOx-Umwandlung
und einem geringeren Verbrauch des Reaktionsmittels bei gleichzeitig ermöglichtem
geringeren Volumen eines im Abgasführungssystem der Verbrennungsabgase einer Brennkraftmaschine
vorgesehenen Katalysators. Durch die neben der spontanen Reaktionsmittelverdampfung
auftretende Erzeugung sehr feiner Reaktionsmitteltröpfchen wird aufgrund des besseren
Oberfläche/Volumen-Verhältnisses auch eine schnellere Abdampfung des in Tröpfchenform
abgegebenen Reaktionsmittels erreicht, da die aufzuheizende Masse der Tröpfchen proportional
zu deren Volumen ist. Weitere die Durchmischung des Reaktionsmittels mit dem im Abgasstrom
geführten Abgasen unterstützende technische Maßnahmen, wie z. B. eine Druckluftunterstützung
bei der Sprayerzeugung oder die Durchmischung vermittels im Abgasstrom vorgesehener
Mischelemente, können somit zumindest teilweise entfallen.
[0007] Zum Umschalten zwischen dem Sperrzustand und dem Offenzustand kann die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
ein in Abhängigkeit von dem Reaktionsmitteldruck zwischen einer Sperrstellung und
einer Offenstellung verstellbares Sperrorgan umfassen.
[0008] Um in einfacher Weise eine das Umschalten zwischen dem Sperrzustand und dem Offenzustand
hervorrufende Wechselwirkung des Sperrorgans mit dem Reaktionsmittel bereitstellen
zu können, wird vorgeschlagen, dass das Sperrorgan eine dem Reaktionsmitteldruck ausgesetzte
Druckbeaufschlagungsfläche aufweist, oder/und dass dem Sperrorgan eine Vorspannanordnung,
vorzugsweise Vorspannfeder, zum Vorspannen des Sperrorgans in seine Sperrstellung
entgegen dem auf eine dem Reaktionsmitteldruck ausgesetzte Druckbeaufschlagungsfläche
des Sperrorgans einwirkenden Reaktionsmitteldruck zugeordnet ist.
[0009] Zum Verhindern einer Reaktionsmittelabgabe im Sperrzustand einerseits und zum Freigeben
des Reaktionsmittelstroms im Offenzustand andererseits wird vorgeschlagen, dass dem
Sperrorgan ein Sperrorgansitz mit einem Sperrorgansitz-Verschlussbereich zugeordnet
ist, und dass bei in der Sperrstellung positioniertem Sperrorgan das Sperrorgan mit
einem Sperrorgan-Verschlussbereich im Wesentlichen fluiddicht an dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich
anliegt und bei in der Offenstellung positionierten Sperrorgan ein Durchströmbereich
für das Reaktionsmittel zwischen dem Sperrorgan und dem Sperrorgansitz gebildet ist.
[0010] Dabei kann gemäß einer erfindungsgemäßen Ausgestaltungsform vorgesehen sein, dass
in der Reaktionsmitteleinspritzanordnung bei in der Offenstellung positioniertem Sperrorgan
auf den Durchströmbereich kein Bereich mit größerem Strömungswiderstand für das Reaktionsmittel
als im Durchströmbereich folgt. Bei dieser Ausgestaltung wird in besonders vorteilhafter
Weise der Effekt genutzt, dass folgend auf den Durchströmbereich kein Restvolumen
von Reaktionsmittel verbleibt, in welchem im Bereich der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
bereits eine zu Nebenprodukten führende Reaktionsmittelabdampfung stattfinden kann,
bevor das Reaktionsmittel vollständig entspannt und in den Abgasstrom eingeleitet
wird.
[0011] Bei einer alternativen Ausgestaltungsform kann vorgesehen sein, dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
stromabwärts des Reaktionsmitteldurchströmbereichs eine Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung
mit größerem Strömungswiderstand für das Reaktionsmittel als im Reaktionsmitteldurchströmbereich
aufweist. Diese Ausgestaltungsvariante nutzt den besonders vorteilhaften Aspekt, dass
das Abgabeverhalten, insbesondere die Sprühnebelausbildung, primär durch die Gestaltung
der Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung beeinflusst werden kann und weniger stark
beeinflusst ist beispielsweise durch den tatsächlich vorhandenen Reaktionsmitteldruck.
Somit kann im Wesentlichen unabhängig vom Reaktionsmitteldruck und somit beispielsweise
auch im Wesentlichen unabhängig von der Temperatur des Reaktionsmittels eine für verschiedenste
Betriebszustände weitestgehend gleiche Abgabecharakteristik erreicht werden.
[0012] Um in zuverlässiger Weise das Reaktionsmittel zur Reaktionsmitteleinspritzanordnung
fördern zu können, wird vorgeschlagen, dass die Reaktionsmittelförderanordnung eine
erste Reaktionsmittelpumpe zum Fördern von Reaktionsmittel zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
umfasst, wobei die erste Reaktionsmittelpumpe dazu ausgebildet ist, einen über einem
Schaltdruck zum Schalten der Reaktionsmitteleinspritzanordnung aus dem Sperrzustand
in den Offenzustand liegenden Reaktionsmitteldruck zu erzeugen.
[0013] Dabei kann beispielsweise die Reaktionsmittelpumpe als Hubkolbenpumpe ausgebildet
sein, welche es gestattet, durch definierte Einstellung des Hubausmaßes und der Bewegungsgeschwindigkeit
des Kolbens die Druckverhältnisse bzw. die Menge des abgegebenen Reaktionsmittels
einzustellen. Gemäß einem weiteren vorteilhaften Aspekt kann zum Verhindern eines
Rückströmens des Reaktionsmittels der ersten Reaktionsmittelpumpe ein stromabwärts
derselben und stromaufwärts der Heizanordnung angeordnetes Rückschlagventil zugeordnet
sein. Beispielsweise kann dieses Rückschlagventil in den Ausgangsbereich der Reaktionsmittelpumpe
integriert sein.
[0014] Die Reaktionsmittelförderanordnung der erfindungsgemäß aufgebauten Vorrichtung kann
ferner eine zweite Reaktionsmittelpumpe zum Bereitstellen von Reaktionsmittel mit
einem unter dem Schaltdruck und über einem Dampfdruck des Reaktionsmittels im Bereich
der Heizanordnung liegenden Basisdruck umfassen. Somit kann durch diese zweite Reaktionspumpe
grundsätzlich dafür gesorgt werden, dass das Reaktionsmittel im Bereich der erfindungsgemäßen
Vorrichtung unter ausreichend hohem Druck gehalten wird, so dass eine Reaktionsmittelverdampfung
in der Vorrichtung selbst verhindert wird. Den dann erforderlichen höheren Druck zum
Überführen der Reaktionsmitteleinspritzanordnung in ihren Offenzustand generiert die
erste Reaktionsmittelpumpe, welche somit im Wesentlichen nur in Abgabephasen aktiv
sein muss, also in Phasen, in welchen tatsächlich Reaktionsmittel in den Abgasstrom
eingeleitet werden soll.
[0015] Die zweite Reaktionsmittelpumpe kann beispielsweise als Zahnradpumpe ausgebildet
sein, kann also grundsätzlich als eine Pumpe ausgebildet sein, die dazu geeignet ist,
in einen im Wesentlichen kontinuierlichen Förder- bzw. Pumpbetrieb den Basisdruck
bereitzustellen. Diesem kontinuierlichen Betrieb der zweiten Reaktionsmittelpumpe
kann dann der beispielsweise diskontinuierliche Betrieb der ersten Reaktionsmittelpumpe
in Abgabephasen überlagert werden.
[0016] Um zu gewährleisten, dass der vermittels der zweiten Reaktionsmittelpumpe generierte
Reaktionsmitteldruck den Basisdruck nicht übersteigt, wird vorgeschlagen, dass der
zweiten Reaktionsmittelpumpe ein stromabwärts derselben angeordnetes Überdruckventil
zugeordnet ist, wobei das Überdruckventil ein Ansteigen des durch die zweite Reaktionsmittelpumpe
erzeugten Reaktionsmitteldrucks über den Basisdruck unterbindet.
[0017] Um die Zusammenwirkung der beiden Reaktionsmittelpumpen insbesondere in den Abgabephasen
zu ermöglichen, wird gemäß einer Ausgestaltungsvariante vorgeschlagen, dass die erste
Reaktionsmittelpumpe, vorzugsweise mit dem Rückschlagventil, und die zweite Reaktionsmittelpumpe,
vorzugsweise mit dem Überdruckventil, zueinander parallel angeordnet sind. Bei dieser
Ausgestaltung können also beide Reaktionsmittelpumpen dazu ausgebildet sein, das durch
diese zu fördernde Reaktionsmittel aus einem Reservoir abzuziehen und in Richtung
zur Heizanordnung bzw. zur Reaktionsmitteleinspritzanordnung zu fördern.
[0018] Bei einer alternativen Ausgestaltungsart kann vorgesehen sein, dass die erste Reaktionsmittelpumpe
und die zweite Reaktionsmittelpumpe zueinander seriell angeordnet sind, wobei die
erste Reaktionsmittelpumpe stromabwärts der zweiten Reaktionsmittelpumpe angeordnet
ist. Bei dieser Ausgestaltungsart nimmt also die erste Reaktionsmittelpumpe das von
der zweiten Reaktionsmittelpumpe geförderte Reaktionsmittel auf bzw. erhöht insbesondere
in Abgabephasen den Reaktionsmitteldruck, so dass der Schaltdruck erreicht bzw. überschritten
wird und die Reaktionsmitteleinspritzanordnung zum Abgeben von Reaktionsmittel in
ihren Offenzustand gebracht wird. Bei dieser Ausgestaltungsform kann das Überdruckventil
zwischen der zweiten Reaktionsmittelpumpe und der ersten Reaktionsmittelpumpe angeordnet
sein.
[0019] Um die für den Reaktionsmittelabgabebetrieb gewünschte Temperatur des Reaktionsmittels
einerseits bzw. den zum Verhindern einer Reaktionsmittelverdampfung in der erfindungsgemäßen
Vorrichtung selbst erforderlichen Basisdruck bzw. den zum Abgeben von Reaktionsmittel
erforderlichen über dem Schaltdruck liegenden Druck andererseits bereitstellen zu
können, wird vorgeschlagen, dass eine Ansteuervorrichtung vorgesehen ist zum Ansteuern
der Heizanordnung, vorzugsweise auf Grundlage einer Reaktionsmitteltemperatur im Bereich
der Heizanordnung oder/und der Reaktionsmittelabgabeanordnung oder/und auf Grundlage
einer Soll-Reaktionsmitteltemperatur, oder/und zum Ansteuern der Reaktionsmittelförderanordnung,
vorzugsweise auf Grundlage eines Reaktionsmitteldrucks im Bereich der Heizanordnung
oder/und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung oder/und auf Grundlage eines Soll-Reaktionsmitteldrucks.
[0020] Gemäß einem weiteren Aspekt wird die eingangs genannte Aufgabe gelöst durch ein Verfahren
zum Abgeben von Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine vermittels
einer erfindungsgemäßen Vorrichtung, umfassend die Maßnahmen:
- a) Betreiben der Heizeinrichtung zum Erwärmen von durch die Reaktionsmittelförderanordnung
gefördertem Reaktionsmittel auf eine Überhitzungstemperatur,
- b) Betreiben der Reaktionsmittelförderanordnung in einer Nicht-Abgabephase derart,
dass der Reaktionsmitteldruck wenigstens im Bereich der Heizanordnung bei einem Basisdruck
über einem Dampfdruck des Reaktionsmittels im Bereich der Heizanordnung und unter
einem Schaltdruck der Reaktionsmitteleinspritzanordnung zum Schalten der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
von dem Sperrzustand zu dem Offenzustand liegt,
- c) Betreiben der Reaktionsmittelförderanordnung in einer Abgabephase derart, dass
der Reaktionsmitteldruck über dem Schaltdruck liegt.
[0021] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren wird also während des Erwärmens des Reaktionsmittels
auf eine Überhitzungstemperatur, also eine Temperatur, welche beispielsweise bei Normaldruckbedingungen
eine Verdampfung des Reaktionsmittels zur Folge hätte, die Reaktionsmittelförderanordnung
so betrieben, dass der Reaktionsmitteldruck zumindest über dem Dampfdruck des Reaktionsmittels
bei dieser Temperatur liegt und in Abgabephasen den Schaltdruck übersteigt, um vermittels
der dann in den Offenzustand gebrachten Reaktionsmitteleinspritzanordnung das Reaktionsmittel
in den Abgasstrom abzugeben.
[0022] Beispielsweise kann bei der Maßnahme a) die Heizanordnung derart betrieben werden,
dass die Temperatur des Reaktionsmittels zwischen von 100 °C bis 370 °C liegt, vorzugsweise
im Bereich von 120 °C bis 300 °C, weiter bevorzugt im Bereich von 130 °C bis 250 °C,
am meisten bevorzugt im Bereich von 150 °C bis 200 °C.
[0023] Das Reaktionsmittel kann bei einer vorteilhaften Ausführungsform eine Harnstoff/Wasser-Lösung
umfassen. Selbstverständlich können auch andere Reaktionsmittel, wie z. B. Denoxium
oder Isocyansäure, zum Einsatz gebracht werden.
[0024] Um sicherzustellen, dass während einer Nicht-Abgabephase der Reaktionsmitteldruck
ausreichend hoch ist, um eine Reaktionsmittelverdampfung zu verhindern, jedoch noch
ausreichend nieder ist, um sicherzustellen, dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
in ihrem Sperrzustand verbleibt, wird vorgeschlagen, dass bei der Maßnahme b) die
Reaktionsmittelförderanordnung derart betrieben wird, dass der Reaktionsmitteldruck
im Bereich des 1,1-1,2-Fachen des Dampfdrucks des Reaktionsmittels im Bereich der
Heizanordnung liegt oder/und dass der Schaltdruck im Bereich des 1,1-1,5-Fachen, vorzugsweise
1,2-1,4-Fachen des Basisdrucks liegt.
[0025] Zum Überführen der Reaktionsmitteleinspritzanordnung in ihren Offenzustand kann weiter
vorgesehen sein, dass bei der Maßnahme c) die Reaktionsmittelförderanordnung derart
betrieben wird, dass der Reaktionsmitteldruck um 0,2-2 bar über den Schaltdruck liegt.
[0026] Bei einer vorteilhaften Ausgestaltungsvariante des erfindungsgemäßen Verfahrens kann
während einer Nicht-Abgabephase, also bei der Durchführung der Maßnahme b), nur die
zweite Reaktionsmittelpumpe zum Bereitstellen des Reaktionsmitteldrucks betrieben
werden. Soll in einer Abgabephase dann Reaktionsmittel abgegeben werden, kann bei
der Durchführung der Maßnahme c) dann zusätzlich, ggf. auch ausschließlich, die erste
Reaktionsmittelpumpe betrieben werden, um den dann über dem Schaltdruck liegenden
Reaktionsmitteldruck zu generieren und Reaktionsmittel in einer definierten Menge
und unter definierten Druckverhältnissen abzugeben.
[0027] Bei einer alternativen Ausgestaltungsvariante kann sowohl bei der Maßnahme b) als
auch bei der Maßnahme c) der Reaktionsmitteldruck ausschließlich durch die erste Reaktionsmittelpumpe
bereitgestellt werden.
[0028] Bei Ausgestaltung der ersten Reaktionsmittelpumpe als Hubkolbenpumpe wird gemäß einem
besonders vorteilhaften Aspekt weiter vorgeschlagen, dass bei der Maßnahme c) die
erste Reaktionsmittelpumpe einen einzigen Kolbenhub während einer Abgabephase durchführt.
Es kann somit sichergestellt werden, dass während einer gesamten Abgabephase ein ausreichend
hoher Druck beibehalten bleibt, um die Reaktionsmitteleinspritzanordnung in ihrem
Offenzustand zu halten.
[0029] Um über eine längere Zeitdauer hinweg Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer Brennkraftmaschine
abgeben zu können, wird vorgeschlagen, dass während Durchführung der Maßnahme a) die
Reaktionsmittelförderanordnung alternierend gemäß Maßnahme b) in einer Nicht-Abgabephase
und gemäß Maßnahme c) in einer Abgabephase betrieben wird. Es findet somit ein getakteter
Betrieb statt, welcher ermöglicht, definierte Reaktionsmittelmengen während der Abgabephasen
abzugeben, während der Nichtabgabephasen jedoch dafür zu sorgen, dass ein ausreichender
Reaktionsmitteldruck zum Verhindern einer Reaktionsmittelverdampfung in der erfindungsgemäßen
Vorrichtung selbst aufrechterhalten werde kann.
[0030] Um die Menge des in den Abgasstrom abgegebenen Reaktionsmittel an den für die damit
durchzuführende katalytische Reaktion bestehenden Bedarf anpassen zu können, wird
vorgeschlagen, dass eine Dauer der Nicht-Abgabephasen oder/und eine Dauer der Abgabephasen
oder/und der Reaktionsmitteldruck bei der Maßnahme c) in Abhängigkeit von einem Betriebszustand
einer Brennkraftmaschine eingestellt wird.
[0031] Die vorliegende Erfindung wird nachfolgend mit Bezug auf die beiliegenden Figuren
detailliert beschrieben. Es zeigt:
- Fig.1
- in prinzipartiger Darstellung eine Vorrichtung zur Abgabe von Reaktionsmittel in den
Abgasstrom einer Brennkraftmaschine mit zwei zueinander parallel wirkenden Reaktionsmittelpumpen
einer Reaktionsmittelförderanordnung;
- Fig. 2
- eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung mit zwei zueinander seriell wirkenden Reaktionsmittelpumpen
einer Reaktionsmittelförderanordnung;
- Fig. 3
- eine der Fig. 1 entsprechende Darstellung mit einer Reaktionsmittelförderanordnung
mit einer einzigen Reaktionsmittelpumpe;
- Fig.4
- eine vereinfachte Längsschnittansicht einer passiv, also druckgesteuert arbeitenden
Reaktionsmitteleinspritzanordnung;
- Fig. 5
- eine der Fig. 4 entsprechende Darstellung einer alternativen Ausgestaltungsart einer
passiv wirkenden, also druckgesteuerten Reaktionsmitteleinspritzanordnung.
[0032] In Fig. 1 ist eine Vorrichtung zur Abgabe von Reaktionsmittel in den Abgasstrom einer
Brennkraftmaschine allgemein mit 10 bezeichnet. Die Vorrichtung 10 umfasst eine Reaktionsmittelförderanordnung
12, vermittels welcher Reaktionsmittel R aus einem Reaktionsmittelreservoir 14, also
beispielsweise einem Speicherbehälter, entnommen und über eine Reaktionsmittelleitung
16 zu einer beispielsweise elektrisch erregbaren Heizanordnung 18 gefördert werden
kann. In der Heizanordnung 18 wird das vermittels der Reaktionsmittelförderanordnung
12 geförderte bzw. unter Druck gesetzte Reaktionsmittel R auf eine Überhitzungstemperatur
erwärmt und zu einer Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 weiter gefördert. Vermittels
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung wird das Reaktionsmittel R in den schematisch
dargestellten Abgasstrom A abgegeben bzw. eingespritzt.
[0033] Bei der in Fig. 1 dargestellten Vorrichtung 10 ist die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 passiv wirksam. Dies bedeutet, sie steht zur Abgabe von Reaktionsmittel R in den
Abgasstrom A nicht unter der Ansteuerung einer Ansteuervorrichtung oder dergleichen,
sondern schaltet druckabhängig, und zwar abhängig vom Reaktionsmitteldruck im Bereich
der Reaktionsmittelleitung 16 bzw. im Bereich der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 zwischen einem die Reaktionsmittelabgabe verhindernden Sperrzustand und einem die
Reaktionsmittelabgabe ermöglichenden Offenzustand. Dabei ist der Schaltdruck, bei
welchem die Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 zwischen dem Sperrzustand und dem
Offenzustand umschaltet, so gewählt, dass er über dem Dampfdruck des im Bereich der
Heizanordnung 18 erwärmten Reaktionsmittel R liegt. Beispielsweise kann durch die
Heizanordnung 20 das Reaktionsmittel auf eine Temperatur zwischen 100 °C und 370 °C,
also auf eine Überhitzungstemperatur, erwärmt werden. Bei einer derartigen Temperatur
würde bei Normaldruck, also Umgebungsdruck, das Reaktionsmittel bereits in der Vorrichtung
10 verdampfen. Um dies zu verhindern, ist die Reaktionsmittelförderanordnung 12 dazu
ausgebildet, nicht nur den zur Abgabe von Reaktionsmittel R erforderlichen Schaltdruck
zu generieren, sondern auch in Nicht-Abgabephasen, also dann, wenn die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 in ihrem Sperrzustand ist, im Bereich der Reaktionsmittelleitung 16 und somit insbesondere
auch im Bereich der Heizanordnung 18 bzw. der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20
einen über dem Dampfdruck des auf die Überhitzungstemperatur erwärmten Reaktionsmittels
R liegenden beispielsweise im Wesentlichen konstanten Basisdruck bereitzustellen.
[0034] Um dies zu erreichen, umfasst die Reaktionsmittelförderanordnung 12 bei der in Fig.
1 dargestellten Ausgestaltungsform eine erste Reaktionsmittelpumpe 22 in einer vom
Reaktionsmittelreservoir 14 zur Reaktionsmittelleitung 16 führenden ersten Förderleitung
24 sowie eine zweite Reaktionsmittelpumpe 26 in einer vom Reaktionsmittelreservoir
14 ebenfalls zur Reaktionsmittelleitung 16 führenden zweiten Förderleitung 28. Die
Förderleitungen 24 und 28 führen somit parallel zur Reaktionsmittelleitung 16, so
dass die beiden Reaktionsmittelpumpen 22, 26 in dieser Ausgestaltungsvariante grundsätzlich
parallel zueinander wirksam sind.
[0035] Die zweite Reaktionsmittelpumpe 26 ist grundsätzlich dazu ausgebildet, den Basisdruck
bereitzustellen, welcher erforderlich ist, eine Reaktionsmittelverdampfung in dem
stromabwärts der zweiten Reaktionsmittelpumpe 26 liegenden Leitungsbereich zu verhindern.
Beispielsweise kann die zweite Reaktionsmittelpumpe 26 als eine im Wesentlichen in
einem kontinuierlichen Förderbetrieb arbeitende Pumpe, beispielsweise als Zahnradpumpe,
ausgebildet sein. Um den Basisdruck in definierter Art und Weise einstellen zu können,
beispielsweise so, dass er im Bereich des 1,1 bis 1,2-Fachen des Dampfdrucks des Reaktionsmittels
R insbesondere im Bereich der Heizanordnung 18 liegt, ist der zweiten Reaktionsmittelpumpe
26 ein Überdruckventil 30 zugeordnet, welches stromabwärts derselben in der zweiten
Förderleitung 28 vorgesehen ist, beispielsweise aber auch in die zweite Reaktionsmittelpumpe
26 integriert sein kann. Von dem Überdruckventil 30 führt eine Rückführleitung 32
zurück zum Reaktionsmittelreservoir 14. Durch einen bei entsprechendem Reaktionsmittelbedarf
im Wesentlichen kontinuierlichen Betrieb der zweiten Reaktionsmittelpumpe 26 kann
somit sichergestellt werden, dass in dem stromabwärts des Überdruckventils 30 vorhandenen
Bereich der zweiten Förderleitung 28, ebenso wie in der Reaktionsmittelleitung 16
und den darauf folgenden Systembereichen, also der Heizanordnung 18 und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20, sowie in dem an die Reaktionsmittelleitung 16 bzw. zweite Förderleitung 28 anschließenden
Bereich der ersten Förderleitung 24 zumindest immer der über dem Dampfdruck des Reaktionsmittels
R liegende Basisdruck aufrecht erhalten wird. Dabei kann die Förderleistung bzw. Förderrate
der zweiten Reaktionsmittelpumpe 26 durch entsprechende Ansteuerung derselben eingestellt
werden und somit an den tatsächlichen Bedarf des Reaktionsmittels bzw. den zu erzeugenden
Druck angepasst werden.
[0036] Die erste Reaktionsmittelpumpe 22 ist bei einer bevorzugten Ausgestaltungsvariante
als Hubkolbenpumpe ausgebildet und dient dazu, zur Abgabe von Reaktionsmittel R aus
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 den zum Überführen derselben in den Offenzustand
erforderlichen Schaltdruck zu generieren bzw. einen über diesem Schaltdruck liegenden
Reaktionsmitteldruck während einer jeweiligen Abgabephase aufrecht zu erhalten. Dabei
kann die erste Reaktionsmittelpumpe nach Art einer zur Zufuhr von flüssigem Brennstoff
zu brennstoffbetriebenen Fahrzeugheizungen aufgebauten Dosierpumpe mit einem in einer
Pumpenkammer hin- und herbewegbaren Pumpenkolben aufgebaut sein, wie sie beispielsweise
aus der deutschen Patentanmeldung
DE 10 2004 034 231 A1 bekannt ist. Um zu verhindern, dass während eines Ansaugtaktes der ersten Reaktionsmittelpumpe
22 das in einer Nicht-Abgabephase unter Basisdruck stehende Reaktionsmittel über die
erste Reaktionsmittelpumpe 22 in das Reaktionsmittelreservoir 14 zurückströmt, ist
der ersten Reaktionsmittelpumpe 22 ein Rückschlagventil 34 zugeordnet, welches stromabwärts
der ersten Reaktionsmittelpumpe 22 angeordnet ist, beispielsweise auch in diese integriert
ist, wie es gleichermaßen bei Brennstoffdosierpumpen des aus dem Stand der Technik
bekannten Aufbaus bekannt ist.
[0037] Um vermittels der in Fig. 1 dargestellten Vorrichtung 10 intermittierend, also in
alternierenden Abgabephasen und Nicht-Abgabephasen, Reaktionsmittel R in einem an
einen kontinuierlichen Reaktionsmittelstrom angenäherten, gleichwohl diskontinuierlichen
Reaktionsmittelstrom abgeben zu können, wird bei nicht erregter erster Reaktionsmittelpumpe
22 während der Nicht-Abgabephasen durch entsprechende Ansteuerung der Reaktionsmittelpumpe
26 der Basisdruck aufrecht erhalten und somit eine Verdampfung des auf die Überhitzungstemperatur
erwärmten Reaktionsmittels R in der Vorrichtung 10 selbst während der Nicht-Abgabephasen
verhindert. Zum Abgeben von Reaktionsmittel R, also während der Abgabephasen, wird
die erste Reaktionsmittelpumpe 22 aktiviert. Diese erzeugt beispielsweise bei Ausgestaltung
derselben als Hubkolbenpumpe durch kontinuierliche Bewegung des Kolbens derselben
und damit Ausstoßen von Reaktionsmittel aus einer Pumpenkammer einen den Schaltdruck
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 übersteigenden Reaktionsmitteldruck, so dass
die Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 in ihren Offenzustand überführt wird. Vorzugsweise
liegt dieser Schaltdruck um einen Faktor 1,1 bis 1,5 über dem Basisdruck. Der durch
die zweite Reaktionsmittelpumpe 22 in den Abgabephasen generierte Reaktionsmitteldruck
liegt vorzugsweise in etwa 0,2 bis 2 bar über dem Schaltdruck. Insbesondere bei Ausgestaltung
der erste Reaktionsmittelpumpe 22 als Hubkolbenpumpe kann durch definierte Ansteuerung
derselben und somit definierte Bewegungsgeschwindigkeit des Kolbens derselben und
definiertes Hubausmaß der Reaktionsmitteldruck eingestellt und aufrecht erhalten werden,
so dass während der Abgabephasen nicht nur die Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20
in ihrem Offenzustand gehalten wird, sondern durch entsprechende Einstellung des Reaktionsmitteldrucks
auch eine definierte Reaktionsmittelmenge in den Abgasstrom A abgegeben werden kann.
[0038] Um einen weiteren Einfluss auf die Menge des in den Abgasstrom A abgegebenen Reaktionsmittels
R zu erreichen, kann weiterhin die Abfolge der Abgabephasen und Nicht-Abgabephasen
durch Einstellung der Dauer der Abgabephasen bzw. Einstellung der Dauer der Nicht-Abgabephasen
eingestellt werden. Bei größerem Reaktionsmittelbedarf können auf kürzere Nicht-Abgabephasen
längere Abgabephasen folgen, während bei geringerem Reaktionsmittelbedarf die Nicht-Abgabephasen
länger sein können, während die Abgabephasen grundsätzlich kürzer sein können, als
dann, wenn größerer Bedarf besteht. Vorteilhafterweise wird in Abstimmung auf die
Dimensionierung der ersten Reaktionsmittelpumpe 22 die maximale Dauer der Abgabephasen
derart bestimmt, dass die als Hubkolbenpumpe ausgebildete erste Reaktionsmittelpumpe
22 während einer jeweiligen Abgabephase nur einen einzigen Kolbenhub durchführt. Somit
kann gewährleistet werden, dass im Verlaufe eines derartigen Kolbenhubs der über dem
Schaltdruck liegende Reaktionsmitteldruck kontinuierlich aufrecht erhalten werden
kann.
[0039] Mit der in Bezug auf die Fig. 1 beschriebenen Vorrichtung wird es möglich, während
der Nicht-Abgabephasen das Reaktionsmittel R insbesondere im Bereich der Heizanordnung
18 und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 auf dem Basisdruck über dem Dampfdruck
zu halten, wobei dieser Dampfdruck jeweils in Zuordnung zu einer im Bereich der Heizanordnung
18 jeweils bereitzustellenden Überhitzungstemperatur unter Berücksichtigung der Dampfdruckkurve
eines jeweils eingesetzten Reaktionsmittels bestimmt werden kann. Während der Abgabephasen
wird das unter erhöhtem Druck stehende Reaktionsmittel R in überhitztem Zustand aus
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 abgegeben. Dabei tritt eine spontane Entspannung
des Reaktionsmittels R auf, welche dazu führt, dass ebenso spontan ein Teil des Reaktionsmittels
R verdampft, somit also in Dampfform in den Abgasstrom A eingeleitet wird. Der verbleibende,
also nicht verdampfte Teil des aus der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 abgegebenen
Reaktionsmittels R wird in Form sehr kleiner Tröpfchen mit einer Größe im Sub-Mikrometerbereich
in den Abgasstrom A abgegeben. Diese geringe Tröpfchengröße unterstützt die schnelle
Verteilung des Reaktionsmittels R im Abgasstrom einerseits und unterstützt andererseits
die schnelle Verdampfung dieses zunächst noch in Tröpfchenform, also grundsätzlich
in flüssiger Form vorliegenden Reaktionsmittels, da in jedem dieser Tröpfchen mit
sehr geringer Größe nur ein sehr kleines Reaktionsmittelvolumen zu erwärmen und zu
verdampfen ist. Aufgrund dieser spontan auftretenden Verdampfung bzw. der nachfolgend
sehr schnell auftretenden Verdampfung des in Tröpfchenform abgegebenen Reaktionsmittels
ist die Verweilzeit von flüssigem Reaktionsmittel im Bereich der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 sehr kurz, so dass die Gefahr der Entstehung von Reaktionsnebenprodukten, die zu
einer Beeinträchtigung der Funktionalität der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20
führen könnten, weitestgehend eliminiert ist. Auf eine Druckluftunterstützung zur
Sprayerzeugung ist somit nicht erforderlich, und auch weitere zur Durchmischung des
Reaktionsmittels mit dem Abgasstrom A eingesetzte Maßnahme, wie z. B. das Bereitstellen
von Mischelementen im stromabwärtigen Bereich eines Abgasführungssystems, kann weitestgehend
verzichtet werden.
[0040] Eine alternative Ausgestaltungsform der Vorrichtung 10 ist in Fig. 2 gezeigt. Bei
dieser Ausgestaltungsform ist die Reaktionsmittelförderanordnung 12 mit zwei seriell
angeordneten Reaktionsmittelpumpen 22, 26 aufgebaut. Dabei ist die erste Reaktionsmittelpumpe
22 mit dem dieser zugeordneten Rückschlagventil 34 im stromabwärtigen Bereich der
zweiten Förderleitung 28, also stromabwärts der zweiten Reaktionsmittelpumpe 26 und
des darauf folgenden Überdruckventils 30 angeordnet. Bei dieser Ausgestaltungsform
der Vorrichtung 10 wird die zweite Reaktionsmittelpumpe 26 betrieben, um den Basisdruck
bereitzustellen, insbesondere den Basisdruck in einer Startphase aufzubauen, in welcher
zunächst Reaktionsmittel R zur Heizanordnung 18 und zur Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 gefördert wird und die Heizanordnung 18 betrieben wird, um das Reaktionsmittel
auf die Überhitzungstemperatur zu erwärmen.
[0041] Die erste Reaktionsmittelpumpe 22, die auch hier wieder als Hubkolbenpumpe in der
vorangehend beschriebenen Art und Weise aufgebaut sein kann, dient dazu, den durch
die zweite Reaktionsmittelpumpe 26 generierten Reaktionsmitteldruck dann zu erhöhen,
wenn während einer Abgabephase Reaktionsmittel in den Abgasstrom A abgegeben werden
soll. Dies bedeutet, dass die erste Reaktionsmittelpumpe 22 nur eine geringere Druckerhöhung
des Reaktionsmittels generieren muss, als im Falle der in Fig. 1 dargestellten Ausgestaltungsform,
was zur Folge haben kann, dass am Beginn einer jeweiligen Abgabephase ausgehend vom
Basisdruck der Schaltdruck und der dann über dem Schaltdruck liegende und aufrecht
zu erhaltende Druck schneller erreicht wird als in einem Fall, in welchem, wie dies
bei der Ausgestaltungsform gemäß Fig. 1 zutrifft, die erste Reaktionsmittelpumpe 22
am Beginn einer jeweiligen Abgabephase zunächst den Basisdruck aufbauen bzw. gegen
diesen Basisdruck arbeiten muss.
[0042] Bei der in Fig. 2 dargestellten Ausgestaltungsform wird während eines alternierenden
Umschaltens zwischen Abgabephasen und Nicht-Abgabephasen der Druck im Bereich zwischen
dem Rückschlagventil 34 und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 nur geringfügig
unter den Schaltdruck abfallen. Ist während einer Abgabephase die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 in ihrem Offenzustand und soll die Abgabephase beendet werden, erfolgt dies dadurch,
dass der Betrieb der ersten Reaktionsmittelpumpe 22 zum fortgesetzten Erhöhen bzw.
Aufrechterhalten des Reaktionsmitteldrucks eingestellt wird. Die Reaktionsmittelabgabe
dauert dann so lange an, bis in dem stromabwärts des Rückschlagventils 34 liegenden
Bereich der Vorrichtung 10 durch fortgesetzte Entspannung der Reaktionsmitteldruck
unter den Schaltdruck fällt und die Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 in ihren
Sperrzustand zurückkehrt. Da das Rückschlagventil 34 eine weitere Entspannung des
Reaktionsmitteldrucks in Richtung zur ersten Reaktionsmittelpumpe 22 bzw. zum Reaktionsmittelreservoir
14 verhindert, wird in dem stromabwärts des Rückschlagventils 34 liegenden Bereich
ein weiterer Druckabfall nicht auftreten. Dies bedeutet, dass auch während des intermittierenden
Reaktionsmittelabgabebetriebs, also beim alternierenden Umschalten zwischen Abgabephasen
und Nicht-Abgabephasen im Leitungsbereich stromabwärts des Rückschlagventils 34 ein
über dem Basisdruck, somit auch über dem Dampfdruck des Reaktionsmittels R insbesondere
im Bereich der Heizanordnung 18 liegender, gleichwohl unter dem Schaltdruck liegender
Reaktionsmitteldruck aufrecht erhalten bleibt, während in dem stromaufwärts des Rückschlagventils
34 liegenden Bereich, insbesondere im Bereich zwischen dem Rückschlagventil 34 und
der zweiten Reaktionsmittelpumpe 26, im Wesentlichen der Basisdruck aufrecht erhalten
wird.
[0043] Die Abgabe des Reaktionsmittels mit spontaner Verdampfung und Erzeugung sehr kleiner
Reaktionsmitteltröpfchen, also die Erzeugung einer so genannten Flash-Verdampfung,
entspricht der vorangehend mit Bezug auf die Fig. 1 Beschriebenen, so dass auf diese
Ausführungen verwiesen werden kann.
[0044] Eine weitere alternative Ausgestaltungsform ist in Fig. 3 gezeigt. Bei dieser Ausgestaltungsform
der Vorrichtung 10 umfasst die Reaktionsmittelförderanordnung 12 nur eine einzige
Reaktionsmittelpumpe, also beispielsweise die als Hubkolbenpumpe ausgebildete erste
Reaktionsmittelpumpe 22, welcher wieder das Rückschlagventil 34 stromabwärts derselben
zugeordnet sein kann. Die erste Reaktionsmittelpumpe 22 nimmt über die erste Förderleitung
24 Reaktionsmittel R aus dem Reaktionsmittelreservoir 14 auf und fördert dieses in
Richtung zur Heizanordnung 18 bzw. zur Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20. Dabei
wird während der Nicht-Abgabephasen die erste Reaktionsmittelpumpe 22 derart betrieben,
dass durch ein, ggf. mehrfaches Hin- und Herbewegen des Kolbens derselben der Basisdruck
aufgebaut wird. In Abgabephasen wird der Druck im stromabwärts folgenden Bereich der
Vorrichtung 10 auf den Schaltdruck bzw. einen über dem Schaltdruck liegenden Druck
erhöht, um somit Reaktionsmittel R auszustoßen. Dabei kann vorteilhafterweise die
erste Reaktionsmittelpumpe 22 wieder als Hubkolbenpumpe ausgebildet sein, so dass
während einer jeweiligen Abgabephase mit einem einzigen vollständig oder auch nur
teilweise durchgeführten Kolbenhub einerseits der erforderliche Druck aufgebaut wird,
andererseits die erforderliche Reaktionsmittelmenge nachgefördert wird, um diesen
Druck aufrecht zu erhalten und in gefordertem Ausmaß Reaktionsmittel in den Abgasstrom
A einzuleiten.
[0045] Auch bei dieser Ausgestaltungsform sorgt das Rückschlagventil 34 stromabwärts der
ersten Reaktionsmittelpumpe 22 bzw. ggf. in diese integriert dafür, dass der Druck
insbesondere im Bereich der Heizanordnung 18 und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 nicht unter den Basisdruck, insbesondere nicht unter den Dampfdruck des auf Überhitzungstemperatur
erwärmten Reaktionsmittels R abfällt. Insbesondere wird auch bei dieser Ausgestaltungsform
der Druck im Bereich stromabwärts des Rückschlagventils 34 während der Nicht-Abgabephasen
nur geringfügig unter den Schaltdruck der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 liegen.
Während dieser Nicht-Abgabephasen kann durch entsprechendes Betreiben der ersten Reaktionsmittelpumpe
22 dafür gesorgt werden, dass im Leitungsbereich stromaufwärts des Rückschlagventils
34 der über dem Dampfdruck des Reaktionsmittels, jedoch unter dem Schaltdruck liegende
Basisdruck aufgebaut wird.
[0046] Es sei darauf hingewiesen, dass bei dem erfindungsgemäßen Aufbau der Vorrichtung
10 die Heizanordnung 18 in beliebiger Weise ausgebildet sein kann, beispielsweise
einen in einen Leitungsabschnitt integrierten Heizleiter, ggf. auch einen von dem
Reaktionsmittel umströmbaren und somit in direkte thermische Wechselwirkung damit
bringbaren Heizleiter umfassen kann, der unter Ansteuerung einer Ansteuervorrichtung
35 erregbar ist, um das Reaktionsmittel insbesondere in dem Bereich nahe der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 auf die Überhitzungstemperatur zu erwärmen. Dabei kann beispielsweise eine Temperaturregelung
stattfinden, wozu beispielsweise auch im Bereich der Heizanordnung 18, also z. B.
in diese integriert oder geringfügig stromaufwärts oder stromabwärts davon, ein Temperatursensor
vorgesehen sein kann, um die Temperatur des Reaktionsmittels zu erfassen und über
eine Signalleitung S1 entsprechende Information in die Ansteuervorrichtung einzugeben.
Vorteilhafterweise ist die Heizanordnung 18 sehr nahe an der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20, beispielsweise unmittelbar an diese anschließend vorgesehen. Somit wird gewährleistet,
dass das Volumen des überhitzten Reaktionsmittels möglichst gering gehalten ist bzw.
auch die Verweilzeit des Reaktionsmittels auf der Überhitzungstemperatur möglichst
kurz ist und somit einer thermisch bedingten Alterung des Reaktionsmittels vorgebeugt
werden kann. Grundsätzlich könnte die Heizanordnung 18 auch in mehrere Bereiche aufgegliedert
sein, beispielsweise einen Bereich unmittelbar angrenzend an die Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20, ggf. auch in diese integriert, sowie einen weiter stromaufwärts liegenden Bereich.
[0047] Über eine Signalleitung S
2 kann ein Ausgangssignal eines Drucksensors zur Ansteuervorrichtung 35 geleitet werden,
um somit auch Information über den im Bereich der Heizanordnung 18 bzw. der Reaktionsmittelabgabeanordnung
20 liegenden Reaktionsmitteldruck bereitzustellen. Beruhend auf den über die Signalleitungen
S
1 und S
2 gelieferten Informationen kann die Ansteuervorrichtung 35 dann einerseits die Heizanordnung
18 ansteuern, um die gewünschte Überhitzungstemperatur des Reaktionsmittels R bereitzustellen
bzw. aufrecht zu erhalten, und kann die Reaktionsmittelförderanordnung 12, im Ausgestaltungsbeispiel
der Fig. 3 nur die erste Reaktionsmittelpumpe 26, im Ausgestaltungsbeispiel der Fig.
1 und 2 beide Reaktionsmittelpumpen 22, 26, ansteuern, um einerseits den Basisdruck
während der Nicht-Abgabephasen einzustellen bzw. aufrecht zu erhalten, andererseits
den Schaltdruck bzw. den über dem Schaltdruck liegenden Druck einzustellen bzw. aufrecht
zu erhalten, wenn während der Abgabephasen das Reaktionsmittel R abgegeben werden
soll.
[0048] Der Ansteuervorrichtung 35 kann ferner beispielsweise Information über den Betriebszustand
einer Brennkraftmaschine zugeführt werden, um beruhend darauf die Druckverhältnisse
entsprechend einstellen zu können und die gewünschte Menge des Reaktionsmittels angepasst
an den Betriebszustand der Brennkraftmaschine abgeben zu können. Die Funktionalität
der Ansteuervorrichtung 35 kann beispielsweise auch direkt in ein Motorsteuergerät
integriert werden.
[0049] Bei einer alternativen Ausgestaltungsform könnte der Drucksensor im stromabwärts
der Heizanordnung 18 liegenden Bereich, also beispielsweise zwischen der Heizanordnung
18 und der Reaktionsmittelabgabeanordnung 20 angeordnet sein. Auch eine Integration
der Sensoren in die Heizanordnung 18 oder/und die Reaktionsmittelabgabeanordnung 20
ist möglich.
[0050] Mit Bezug auf die Fig. 3 und 4 werden nachfolgend verschiedene Ausgestaltungsformen
einer passiv wirksamen, also druckabhängig schaltenden Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 beschrieben. Die in den Fig. 4 und 5 dargestellten Reaktionsmitteleinspritzanordnungen
20 können auf einen an einer Abgasanlage einer Brennkraftmaschine vorgesehenen Injektorstutzen
montiert werden, um somit das daraus abgegebene Reaktionsmittel in den in der Abgasanlage
geführten Abgasstrom abzugeben. Sofern erforderlich, kann in der Abgasanlage stromabwärts
dieses Einspritzbereichs ein Element zur Sekundärdispergierung, allgemein auch als
Mischelement bezeichnet, vorgesehen sein. Dieses kann Prallflächen aufweisen, auf
welchen die darauf auftretenden Reaktionsmitteltröpfchen zerplatzen bzw. dessen Oberflächen
durch den Abgasstrom erwärmt sind, um somit die Reaktionsmittelverdampfung weiter
zu unterstützen.
[0051] Die in Fig. 4 dargestellte Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 umfasst ein Gehäuse
36 mit einem dem Abgasstrom zugewandt zu positionierenden Abgabeöffnungsbereich 38.
In einer in dem Gehäuse 36 beispielsweise zentral ausgebildeten und dieses durchsetzenden
Öffnung 40 ist ein Sperrelement 42 in Richtung einer Gehäuselängsachse L bewegbar
aufgenommen. Das Sperrelement 42 ist in Richtung zu einer dem Sperrzustand der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 entsprechenden Sperrstellung desselben vorgespannt. Dazu stützt sich eine beispielsweise
als Schraubendruckfeder ausgebildete Vorspannfeder 44 an einer stufenartigen Erweiterung
46 der zentralen Öffnung 40 einerseits und an einem Abstützbereich 48 des Sperrelements
42 andererseits ab, so dass das Sperrelement 42 in der Darstellung der Fig. 4 nach
links und somit in Richtung in das Gehäuse 36 hinein vorgespannt ist. An einem vom
Abgabeöffnungsbereich 38 abgewandt liegenden Anschlussbereich 50 des Gehäuses 36 kann
eine beispielsweise von der Heizanordnung 18 herführende Reaktionsmittelleitung 52
angeschlossen sein.
[0052] In einem sich beispielsweise konisch erweiternden Bereich 53 der zentralen Öffnung
40 ist ein um die Gehäuselängsachse L ringartig umlaufender Sperrorgansitz 54 mit
einem entsprechend ringartig umlaufenden Sperrorgansitz-Verschlussbereich 56 bereitgestellt.
Am Sperrorgan 42 selbst ist in Zuordnung zu dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich ein
entsprechender Sperrorgan-Verschlussbereich 58 ausgebildet, beispielsweise in Form
eines ringartig umlaufenden Kantenbereichs. Bei in der Sperrstellung positioniertem
Sperrorgan 42 liegt der Sperrorgan-Verschlussbereich 58 auf dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich
56 des Sperrorgansitzes 54 auf, so dass durch den in Umfangsrichtung um die Gehäuselängsachse
L unterbrechungsfrei durchgehenden Anlagekontakts zwischen dem Sperrorgan 42 und dem
Gehäuse 36 das Austreten von Reaktionsmittel R aus der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 unterbunden ist.
[0053] Das Sperrorgan 42 ist in der Öffnung 40 dem Druck des im Gehäuse 36 grundsätzlich
auch vorhandenen Reaktionsmittels R ausgesetzt. Dieser Druck wirkt auf alle in axialer
Ansicht zum Inneren des Gehäuses 36 hin frei liegenden Oberflächenbereiche des Sperrorgans
42, welche in ihrer Gesamtheit eine Druckbeaufschlagungsfläche 60 bereitstellen. Übersteigt
der Reaktionsmitteldruck im Inneren des Gehäuses 36, selbstverständlich unter Berücksichtigung
des von der anderen Seite her auf das Sperrelement 42 einwirkenden Drucks, die Vorspannkraft
der Vorspannfeder 44, liegt also zumindest der Schaltdruck an, so kann das Vorspannelement
42 entgegen der Vorspannwirkung der Vorspannfeder 44 in der Fig. 4 nach rechts bewegt
werden, um somit in eine dem Offenzustand der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20
entsprechende Offenstellung zu gelangen. Das Ausmaß der Verschiebung hängt von der
Höhe des Reaktionsmitteldrucks ab. Je höher der Reaktionsmitteldruck, desto stärker
ist die auf das Sperrelement 42 einwirkende und dieses entgegen der Vorspannwirkung
der Vorspannfeder 44 verschiebende Kraft. Bei derartiger Verschiebung des Sperrelements
42 hebt der Sperrorgan-Verschlussbereich 58 vom Sperrorgansitz-Verschlussbereich 56
ab, so dass zwischen diesen ein ringartiger Durchströmbereich gebildet wird. Die Strömungsquerschnittsfläche
des Durchströmbereichs hängt vom Ausmaß der Verschiebung des Sperrorgans 42 und somit
auch vom Reaktionsmitteldruck ab. Man erkennt in Fig. 4, dass in Strömungsrichtung
auf diesen zwischen dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich 56 und den Sperrorgan-Verschlussbereich
58 gebildeten Durchströmbereich der dann sich ausbildende Strömungsquerschnitt zunimmt,
so dass der Bereich größten Strömungswiderstands in diesem Durchströmbereich gebildet
ist. Die vorangehend angesprochene spontane Verdampfung bzw. Erzeugung sehr kleiner
Tröpfchen des Reaktionsmittels tritt also sehr nahe an diesem Durchströmbereich bzw.
in Strömungsrichtung unmittelbar folgend auf diesen Durchströmbereich auf. Da keine
weiteren Drosselstellen folgen, kann das gesamte so abgegebene Reaktionsmittel in
den Abgasstrom gelangen. Es ist also kein Restvolumen vorhanden, in welchem eine Ablagerung
des Reaktionsmittels aufgrund einer Harnstoffzersetzung auftreten kann.
[0054] Bei der in Fig. 5 dargestellten Ausgestaltungsform der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
20 ist das in der zentralen Öffnung 40 des Gehäuses 36 in Richtung der Gehäuselängsachse
L verschiebbar aufgenommene Sperrorgan 42 in entgegengesetzter Richtung vorgespannt.
Das Sperrorgan 42 steht auch hier unter Vorspannung der Vorspannfeder 44, die sich
am Sperrorgan 42 einerseits und einem in die zentrale Öffnung 40 fest eingesetzten
Abstützelement 62 andererseits abstützt.
[0055] In einem axialen Endbereich des Gehäuses 36 ist eine Abgabekammer 64 für das abzugebende
Reaktionsmittel R gebildet, in welche ein das Reaktionsmittel R beispielsweise von
der Heizanordnung 18 heranführender Kanal 66 einmündet. In einem kuppelartigen Bereich
68 des Gehäuses 36 ist eine Öffnung 70 gebildet, über welche die Abgabekammer 64 grundsätzlich
nach außen offen ist. Ein die Öffnung 70 umgebender Randbereich 72 bildet bei dieser
Ausgestaltungsform den Sperrorgansitz-Verschlussbereich 56 des allgemein mit 54 bezeichneten
Sperrorgansitzes. An einem in der Sperrstellung des Sperrorgans 42 am Randbereich
72 sich abstützenden Spitzenbereich 74 des Sperrorgans 42 ist der Sperrorgan-Verschlussbereich
58 gebildet, welcher in der Sperrstellung auf dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich
54 aufliegt und somit die Abgabekammer 64 gegen die Abgabe von Reaktionsmittel R absperrt.
[0056] In der in Fig. 5 dargestellten Offenstellung, in welcher das Sperrelement 42 durch
das auf die Druckbeaufschlagungsfläche 60 desselben einwirkende Reaktionsmittel in
das Innere des Gehäuses 36 zurückverschoben ist, ist zwischen dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich
56 und dem Sperrorgan-Verschlussbereich 58 der vorangehend bereits mit Bezug auf die
Fig. 4 erläuterte Durchströmbereich 76 gebildet, welcher sich auch hier als im Wesentlichen
ringartiger Querschnittsflächenbereich darstellt, und durch welchen hindurch das abgegebene
Reaktionsmittel R in den Bereich der Öffnung 70 gelangt.
[0057] An der Außenseite des Gehäuses 36 ist, die Öffnung 70 überdeckend, eine allgemein
auch als Spritzlochplatte bezeichnete Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung 78 vorgesehen.
Diese umfasst eine Mehrzahl von mit der Öffnung 70 in Verbindung stehenden und das
Reaktionsmittel nach außen hin abgebenden Düsenöffnungen 80. Um hier eine Düsenwirkung
zu erzielen, ist der Strömungswiderstand der Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung 78,
also der durch alle Düsenöffnungen 80 bereitgestellte Strömungswiderstand, für das
Reaktionsmittel R größer, als der im Bereich des Durchtrittsbereichs 76 bei in der
Offenstellung positioniertem Sperrorgan 42 bereitgestellte Strömungswiderstand. Dies
kann beispielsweise dadurch erreicht werden, dass der gesamte Strömungsquerschnitt
aller Düsenöffnungen 80 kleiner ist, als der Strömungsquerschnitt im Durchtrittsbereich
76.
[0058] Gelangt bei in der Offenstellung positioniertem Sperrorgan 42 das zunächst noch unter
höherem Druck stehende überhitzte Reaktionsmittel R durch den Durchtrittsbereich 76
in den Bereich der Öffnung 70, so kann bereits eine geringfügige Entspannung des Reaktionsmitteldrucks
auftreten. Eine vollständige Entspannung tritt jedoch erst dann auf, wenn das durch
die Öffnung 70 und die Düsenöffnungen 80 hindurchgetretene Reaktionsmittel R in den
Abgasstrom abgegeben wird. Ein substantieller Vorteil dieser Ausgestaltung liegt darin,
dass die Ausgestaltung des Sprühnebels im Wesentlichen bestimmt ist durch die Gestaltung
der Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung 78 und weniger beeinflusst ist durch die Ausgestaltung
bzw. Positionierung des Sperrorgans 42. Dies bedeutet, dass für verschiedenste Reaktionsmitteldrücke
und damit einhergehend verschiedenste Positionierungen des Sperrorgans 42 in dessen
Offenstellung zwar die Menge des abgegebenen Reaktionsmittels variieren kann, die
Abgabecharakteristik, also die räumliche Ausgestaltung des Sprühnebels, davon jedoch
unbeeinflusst ist.
[0059] Obgleich bei dieser Ausgestaltungsform der Reaktionsmitteleinspritzanordnung 20 auf
den Durchströmbereich 76 noch ein weiterer Drosselbereich mit größerem Strömungswiderstand
folgt, also grundsätzlich ein im Wesentlichen auch durch das Volumen der Öffnung 70
bereitgestelltes Restvolumen besteht, in welchem abgegebenes und teilweise verdampftes
Reaktionsmittel sich ansammeln kann, ist die Gefahr der Entstehung von Reaktionsmittelablagerungen
vergleichsweise gering, da dieses Restvolumen unmittelbar benachbart ist zu demjenigen
Bereich, in welchem das Reaktionsmittel in den Abgasstrom geleitet wird.
1. Vorrichtung zur Abgabe von Reaktionsmittel (R) in den Abgasstrom (A) einer Brennkraftmaschine,
umfassend eine Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20), eine Reaktionsmittelförderanordnung
(12) zum Fördern von Reaktionsmittel (R) aus einem Reaktionsmittelreservoir (14) zu
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20), eine Heizanordnung (18) zum Erwärmen von
durch die Reaktionsmittelförderanordnung (12) zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung
(20) gefördertem Reaktionsmittel (R), dadurch gekennzeichnet, dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) in Abhängigkeit von einem durch die Reaktionsmittelfördereranordnung
(12) erzeugten Reaktionsmitteldruck zwischen einem Offenzustand zum Abgeben von Reaktionsmittel
(R) und einem Sperrzustand zum Unterbinden der Reaktionsmittelabgabe umschaltbar ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) ein in Abhängigkeit von dem Reaktionsmitteldruck
zwischen einer Sperrstellung und einer Offenstellung verstellbares Sperrorgan (42)
umfasst,
vorzugsweise wobei:
- das Sperrorgan (42) eine dem Reaktionsmitteldruck ausgesetzte Druckbeaufschlagungsfläche
(60) aufweist, oder/und wobei dem Sperrorgan (42) eine Vorspannanordnung, vorzugsweise
Vorspannfeder (44), zum Vorspannen des Sperrorgans (42) in seine Sperrstellung entgegen
dem auf eine dem Reaktionsmitteldruck ausgesetzte Druckbeaufschlagungsfläche (60)
des Sperrorgans (42) einwirkenden Reaktionsmitteldruck zugeordnet ist,
oder/und
- dem Sperrorgan (42) ein Sperrorgansitz (54) mit einem Sperrorgansitz-Verschlussbereich
(56) zugeordnet ist, und wobei bei in der Sperrstellung positioniertem Sperrorgan
(42) das Sperrorgan (42) mit einem Sperrorgan-Verschlussbereich (58) im Wesentlichen
fluiddicht an dem Sperrorgansitz-Verschlussbereich (56) anliegt und bei in der Offenstellung
positionierten Sperrorgan (42) ein Durchströmbereich (76) zwischen dem Sperrorgan
(42) und dem Sperrorgansitz (54) gebildet ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass in der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) bei in der Offenstellung positioniertem
Sperrorgan (42) auf den Reaktionsmitteldurchströmbereich (76) kein Bereich mit größerem
Strömungswiderstand für das Reaktionsmittel (R) als im Durchströmbereich (76) folgt,
oder dass die Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) stromabwärts des Reaktionsmitteldurchströmbereichs
(76) eine Reaktionsmittelabgabedüsenanordnung (78) mit größerem Strömungswiderstand
für das Reaktionsmittel (R) als im Durchströmbereich (76) aufweist.
4. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet, dass die Reaktionsmittelförderanordnung (12) eine erste Reaktionsmittelpumpe (22) zum
Fördern von Reaktionsmittel (R) zu der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (26) umfasst,
wobei die erste Reaktionsmittelpumpe (22) dazu ausgebildet ist, einen über einem Schaltdruck
zum Schalten der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) aus dem Sperrzustand in den
Offenzustand liegenden Reaktionsmitteldruck zu erzeugen, vorzugsweise wobei die erste
Reaktionsmittelpumpe (22) eine Hubkolbenpumpe umfasst, oder/und dass der ersten Reaktionsmittelpumpe
(22) ein stromabwärts derselben und stromaufwärts der Heizanordnung (18) angeordnetes
Rückschlagventil (34) zugeordnet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Reaktionsmittelförderanordnung (12) eine zweite Reaktionsmittelpumpe (26) zum
Bereitstellen von Reaktionsmittel (R) mit einem unter dem Schaltdruck und über einem
Dampfdruck des Reaktionsmittels (R) im Bereich der Heizanordnung (18) liegenden Basisdruck
umfasst, vorzugsweise wobei die zweite Reaktionsmittelpumpe (26) eine Zahnradpumpe
umfasst, oder/und dass der zweiten Reaktionsmittelpumpe (26) ein stromabwärts derselben
angeordnetes Überdruckventil (30) zugeordnet ist, wobei das Überdruckventil (30) ein
Ansteigen des durch die zweite Reaktionsmittelpumpe (26) erzeugten Reaktionsmitteldrucks
über den Basisdruck unterbindet.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die erste Reaktionsmittelpumpe (22), vorzugsweise mit dem Rückschlagventil (34),
und die zweite Reaktionsmittelpumpe (26), vorzugsweise mit dem Überdruckventil (30),
zueinander parallel angeordnet sind, oder/und dass die erste Reaktionsmittelpumpe
(22) und die zweite Reaktionsmittelpumpe (26) zueinander seriell angeordnet sind,
wobei die erste Reaktionsmittelpumpe (22) stromabwärts der zweiten Reaktionsmittelpumpe
(26) angeordnet ist.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 und Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Überdruckventil (20) zwischen der zweiten Reaktionsmittelpumpe (26) und der ersten
Reaktionsmittelpumpe (22) angeordnet ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1-7, dadurch gekennzeichnet, dass eine Ansteuervorrichtung (35) vorgesehen ist zum Ansteuern der Heizanordnung (18),
vorzugsweise auf Grundlage einer Reaktionsmitteltemperatur im Bereich der Heizanordnung
(18) oder/und der Reaktionsmittelabgabeanordnung (20) oder/und auf Grundlage einer
Soll-Reaktionsmitteltemperatur, oder/und zum Ansteuern der Reaktionsmittelförderanordnung
(12), vorzugsweise auf Grundlage eines Reaktionsmitteldrucks im Bereich der Heizanordnung
(18) oder/und der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) oder/und auf Grundlage eines
Soll-Reaktionsmitteldrucks.
9. Verfahren zum Abgeben von Reaktionsmittel (R) in den Abgasstrom (A) einer Brennkraftmaschine
vermittels einer Vorrichtung (10) nach einem der vorangehenden Ansprüche, umfassend
die Maßnahmen:
a) Betreiben der Heizeinrichtung (18) zum Erwärmen von durch die Reaktionsmittelförderanordnung
(12) gefördertem Reaktionsmittel (R) auf eine Überhitzungstemperatur,
b) Betreiben der Reaktionsmittelförderanordnung (12) in einer Nicht-Abgabephase derart,
dass der Reaktionsmitteldruck wenigstens im Bereich der Heizanordnung (18) bei einem
Basisdruck über einem Dampfdruck des Reaktionsmittels (R) im Bereich der Heizanordnung
(18) und unter einem Schaltdruck der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) zum Schalten
der Reaktionsmitteleinspritzanordnung (20) von dem Sperrzustand zu dem Offenzustand
liegt,
c) Betreiben der Reaktionsmittelförderanordnung (12) in einer Abgabephase derart,
dass der Reaktionsmitteldruck über dem Schaltdruck liegt.
10. Verfahren nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Maßnahme a) die Heizanordnung (18) derart betrieben wird, dass die Temperatur
des Reaktionsmittels (R) zwischen von 100 °C bis 370 °C liegt, vorzugsweise im Bereich
von 120 °C bis 300 °C, weiter bevorzugt im Bereich von 130 °C bis 250 °C, am meisten
bevorzugt im Bereich von 150 °C bis 200 °C, oder/und dass das Reaktionsmittel (R)
eine Harnstoff/Wasser-Lösung umfasst, oder/und dass bei der Maßnahme b) die Reaktionsmittelförderanordnung
(12) derart betrieben wird, dass der Reaktionsmitteldruck im Bereich des 1,1-1,2-Fachen
des Dampfdrucks des Reaktionsmittels (R) im Bereich der Heizanordnung (18) liegt oder/und
dass der Schaltdruck im Bereich des 1,1-1,5-Fachen, vorzugsweise 1,2-1,4-Fachen des
Basisdrucks liegt, oder/und dass bei der Maßnahme c) die Reaktionsmittelförderanordnung
(12) derart betrieben wird, dass der Reaktionsmitteldruck um 0,2-2 bar über den Schaltdruck
liegt.
11. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, sofern auf Anspruch 5 rückbezogen, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Maßnahme b) nur die zweite Reaktionsmittelpumpe (26) zum Bereitstellen des
Reaktionsmitteldrucks betrieben wird und bei der Maßnahme c) wenigstens die erste
Reaktionsmittelpumpe (22) zum Bereitstellen des Reaktionsmitteldrucks betrieben wird.
12. Verfahren nach Anspruch 9 oder 10, sofern auf Anspruch 4 rückbezogen, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Maßnahme b) und bei der Maßnahme c) der Reaktionsmitteldruck durch die erste
Reaktionsmittelpumpe (12) bereitgestellt wird.
13. Verfahren nach Anspruch 11 oder 12, sofern auf Anspruch 4 rückbezogen, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Maßnahme c) die erste Reaktionsmittelpumpe (22) einen einzigen Kolbenhub
während einer Abgabephase durchführt.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 9-13, dadurch gekennzeichnet, dass während Durchführung der Maßnahme a) die Reaktionsmittelförderanordnung (12) alternierend
gemäß Maßnahme b) in einer Nicht-Abgabephase und gemäß Maßnahme c) in einer Abgabephase
betrieben wird.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass eine Dauer der Nicht-Abgabephasen oder/und eine Dauer der Abgabephasen oder/und der
Reaktionsmitteldruck bei der Maßnahme c) in Abhängigkeit von einem Betriebszustand
einer Brennkraftmaschine eingestellt wird.