[0001] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Schwarzverchromung von
Oberflächen, insbesondere für Automobilinnenoberflächen.
[0002] Die Schwarzverchromung ist ein gängiges und seit langem bekanntes Verfahren zur Oberflächenbeschichtung,
bei dem neben metallischem Chrom je nach Morphologie und Bekeimungszustand mehr oder
weniger Polychromate abgeschieden werden. Es werden dunkle und insbesondere schwarze
Oberflächen von dekorativer Funktion erzeugt. Schwarzverchromte Oberfläche leiden
grundsätzlich unter einer begrenzten Abriebfestigkeit und enthalten darüber hinaus
i. d. R. sechswertige Chromionen. Die Abriebfestigkeit ist anwendungsabhängig von
unterschiedlicher Bedeutung, kann jedoch einen wesentlichen Nachteil darstellen. Das
Vorhandensein von sechswertigem Chrom ist wegen der von ihm ausgehenden Gesundheitsgefahr
und der vor allem in der Automobilindustrie herrschenden Umweltvorschriften (z. B.
RoHS-Konformität) grundsätzlich nachteilig.
[0003] Mit der in dem europäischen Patent
EP 1 876 268 B geschützten Erfindung ist das geschilderte Problem der Belastung mit sechswertigen
Chromionen gelöst bzw. ganz erheblich verringert worden, wobei sich die hier folgende
Offenbarung grundsätzlich auch auf von diesem Patent abweichende Schwarzverchromungsverfahren
bezieht.
[0004] Grundsätzlich ist beim Schwarzverchromen daneben eine gute Wärmewirksamkeit hinsichtlich
Effizienz des Verfahrens und Schwärzung gewünscht. Davon ausgehend liegt der vorliegenden
Erfindung das technische Problem zugrunde, ein verbessertes Verfahren zur Schwarzverchromung
anzugeben.
[0005] Dieses Problem wird gelöst durch ein Verfahren zur Schwarzverchromung von Oberflächen
in einem Bad mit Chromsäure, gekennzeichnet durch einen Fluorid-Anteil in dem Bad
zwischen 0,03 g/l und 0,2 g/l.
[0006] Die Schwarzverchromung erfolgt grundsätzlich in Chromsäurebädern mit weiteren Zusätzen,
etwa Kaliumnitrat, Kaliumhexafluorosilikat und Bariumcarbonat. Die Zusätze sind individuell
verschieden und erfüllen Zwecke wie z. B. eine Erhöhung der Stromausbeute oder z.
B. eine Beseitigung von Sulfatverunreinigungen etwa der Chromsäure (durch Ausfällen
mit Bariumionen). Auf diese Details kommt es vorliegend nicht primär an. Wesentlich
ist vielmehr, dass in einem typischen galvanischen Schwarzverchromungsbad auch Fluorid-Ionen
vorhanden sind, etwa im Gleichgewicht gegen Kieselsäure (vgl. Hexafluorosilikat wie
oben erwähnt). Erfindungsgemäß wird dieser Fluoridanteil erhöht bzw. eingestellt auf
einen quantitativen Bereich zwischen 0,03 g/l und 0,2 g/l (bezogen auf die Fluoridmasse
und das Volumen des Galvanikbades), wobei als Untergrenze dieses Intervalls in folgender
Reihenfolge zunehmend bevorzugt sind: 0,035; 0,04; 0,045; 0,05; 0,055 und schließlich
0,06 g/l, und als Obergrenze ebenfalls in folgender Reihenfolge: 0,18; 0,16; 0,14;
0,12; 0,1; 0,095; 0,09; 0,085 und schließlich 0,08 g/l.
[0007] Bspw. kann der Fluoridanteil durch Zugabe von Kaliumfluorid oder Flusssäure erhöht
werden.
[0008] Der Erfinder hat herausgefunden, dass die Stromausbeute und die Geschwindigkeit der
Abscheidung vor allem in einer Anfangsphase erheblich verbessert werden. Es kann dazu
kommen, dass die erfindungsgemäß hergestellten Schichten langfristig in sehr ähnlicher
oder identischer Weise abgeschieden werden wie bei einem vergleichbaren Prozess ohne
erhöhten Fluoridanteil. Jedoch erfolgt die Abscheidung in einer für praxisrelevante
Fälle entscheidenden Phase sehr viel schneller, bspw. in Einzelfällen doppelt so schnell.
[0009] Ferner hat sich herausgestellt, dass der erhöhte Fluoridanteil auch die Stromausbeute
und damit bei ansonsten vergleichbarer Prozessführung den Energieaufwand für die elektrische
Versorgung selbst und für die häufig erforderliche Kühlung des Bades (wegen der Joule'schen
Verlustwärme) deutlich verringert, bspw. in Einzelfällen in der Größenordnung von
20 % weniger Stromaufwand und dementsprechend auch geringerer Kühlleistung. Unter
Berücksichtigung der zuvor angesprochenen schnelleren Prozessführung ergeben sich
damit wesentliche Energieeinsparpotenziale, eine größere Ausbeute im Prozess hinsichtlich
Zeiteffizienz und geringere Anforderungen an die elektrische Versorgung und die Kühlanlage.
[0010] Eine weitere Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Schwarzverchromungsverfahrens betrifft
einen erhöhten Wert an dreiwertigen Chromionen (Chrom III) relativ zu den Chromionen
mit Oxidationszahl 6 (Chrom VI), nämlich zwischen 2 und 6 %. Bevorzugte Untergrenzen
dieses Intervalls liegen bei 2,2; 2,4; 2,8 und schließlich 3 %, bevorzugte Obergrenzen
bei 5,5; 5,0; 4,6; 4,4; 4,2 und schließlich 4 %, jeweils in dieser Reihenfolge.
[0011] In absoluten Werten formuliert (und auch unabhängig von den obigen relativen Werten
gemeint) liegt ein bevorzugter Chrom-III-Anteil zwischen 6 g/l und 50 g/l, wobei bevorzugte
Untergrenzen bei 8; 10; 11 sowie 12 g/l liegen und bevorzugte Obergrenzen bei 45;
40; 35; 30; 25 und schließlich 20 g/l, jeweils in dieser Reihenfolge. Der Erfinder
hat festgestellt, dass sich hiermit der Schwärzungsgrad verbessern lässt und die Neigung
der Schichten zu einem leichten Braunstich abnimmt. Ein Braunstich kann aus ästhetischen
Gründen als störend empfunden werden, ist aber unabhängig auch dann mit etwas erhöhtem
Aufwand verbunden, wenn andere (insbesondere dekorative) Oberflächen passend abgestimmt
werden müssen, z. B. schwarz lackierte Teile.
[0012] Die Chrom-III-Ionen können als solche zugegeben werden oder auch durch Reduktion
des wegen der Chromsäure ohnehin in großer Menge vorhandenen Chrom VI erzeugt werden.
Bevorzugt wird dazu ein an sich bekanntes Reduktionsmittel eingesetzt. Eine besonders
kostengünstige und einfache Lösung ist die Zugabe von Zucker, der dabei zu Kohlendioxid
oxidiert wird.
[0013] Wie bereits erläutert, ist in Verbindung mit dieser Erfindung nach wie vor die bereits
in der zitierten
EP 1 876 268 B beschriebene Ultraschallreinigung in alkalischer Lösung, d. h. ab pH 8, bevorzugt.
Je nach Einsatzbereich und gesetzlichen Rahmenbedingungen macht die damit erfolgende
Reduktion der Chrom-VI-Belastung eine Schwarzverchromung deutlich attraktiver oder
überhaupt erst einsetzbar, wobei zu Einzelheiten auf das zitierte Patent verwiesen
werden kann.
[0014] Dieser Reinigungsschritt nach der Schwarzverchromung erfolgt bevorzugt in einer alkalischen
Lösung in einem pH-Bereich zwischen 9 und 13, wobei pH-Werte unter 12 bzw. unter 11
bevorzugt sind, beispielsweise bei pH 10. Die Lösung kann optional ebenfalls Tenside
enthalten. Diese verbessern die Reinigungseigenschaften, machen jedoch die Ultraschallbehandlung
nicht überflüssig. Vorzugsweise erfolgt die Ultraschallbehandlung in einem Temperaturbereich
zwischen 50 und 60 °C. Die Ultraschallbehandlung selbst dauert vorzugsweise mindestens
30 s. Die Ultraschallleistung kann in einem Bereich zwischen 0,5 und 2 W/I liegen.
[0015] Diese erfindungsgemäße Vorgehensweise ist für die unterschiedlichsten zu beschichtenden
Oberflächen geeignet, wobei auf bevorzugte Ausgestaltungen des Verfahrens für Kunststoffoberflächen
einerseits und Metalloberflächen andererseits noch näher eingegangen wird. Die Schwarzverchromung
setzt eine metallische Oberfläche voraus, die in Einzelfällen, beispielsweise bei
metallischen Kupferwerkstücken oder Edelstahlwerkstücken, auch in einer unbeschichteten
Werkstückoberfläche selbst bestehen kann. Bevorzugt ist jedoch eine zusätzliche Metallisierung,
vorzugsweise eine galvanische Metallisierung. Hier kommen besonders Nickelmetallisierungen
in Betracht.
[0016] Ferner ist vorzugsweise zusätzlich vor der Schwarzverchromung eine kathodische Aktivierung
der metallisierten Oberfläche vorgesehen. Eine kathodische Aktivierung verbessert
die Qualität der Schwarzverchromung deutlich, vor allem führt sie zu einer geringeren
Rissbildung und unterstützt damit die Reinigungsmöglichkeiten durch den erfindungsgemäßen
Ultraschallreinigungsschritt. Grundsätzlich sorgt die kathodische Aktivierung der
metallisierten Oberfläche vor der Schwarzverchromung auch für eine besonders effiziente
Reinigung der Oberfläche, auch in Bezug auf aus vorhergehenden Metallisierungsschritten
noch vorhandene organische Verunreinigungen. Auch dadurch bietet die kathodische Aktivierung
eine besonders feinkörnige Bekeimung im Laufe der folgenden Schwarzverchromung. Dies
hängt möglicherweise mit der Reduktion von Teilchen auf der Oberfläche durch die kathodische
Schaltung zusammen. Jedenfalls zeigen die erfindungsgemäßen Schichten im Vergleich
zu konventionellen Schichten eine gute und sogar verbesserte Abriebfestigkeit auf
dem Untergrund und gleichzeitig eine deutlich verringerte Rissbildung der Schwarzverchromungsschicht.
[0017] Bei der anfänglichen Metallisierung vor der kathodischen Aktivierung handelt es sich
vorzugsweise um eine galvanische Metallisierung, auch im Falle anderer Materialien
als Nickel, etwa im Fall von Kupfer. Besonders bevorzugt ist eine galvanische Hochglanznickelschicht,
also eine aus einem Galvanikbad mit Glanzzusätzen abgeschiedene Nickelschicht.
[0018] Die erfindungsgemäße Vorgehensweise zur Schwarzverchromung eignet sich insbesondere
auch für Kunststoffoberflächen. Hier wird vorzugsweise zunächst Metall bekeimt, und
zwar vorzugsweise mit Palladium. Der Bekeimung kann ein chemischer Vorbehandlungsschritt
vorangestellt werden, etwa eine Sulfonierung oder eine Beizung in Chromsäurelösung.
[0019] Auf die Bekeimung folgt eine chemische Nickelbeschichtung, also eine außenstromlos
abgeschiedene Nickelschicht. Diese Nickelschicht kann dann galvanisch verstärkt werden,
insbesondere mit Nickel oder Kupfer. Bevorzugt sind reine galvanische Nickelschichten,
also ohne Glanzzusätze im Galvanikbad, oder Kupferschichten aus saurer Galvaniklösung,
d. h. auf Schwefelsäurebasis und nicht auf Cyanidbasis.
[0020] Ferner ist die erfindungsgemäße Vorgehensweise aber auch für Metalloberflächen geeignet.
Als Metalle kommen hier insbesondere in Betracht: Buntmetalle, Zinkdruckguss, Leichtmetalle
und Leichtmetalllegierungen, Eisen- und Stahlwerkstoffe.
[0021] Auf Metalloberflächen wird ein zunächst konventioneller Schichtaufbau vorgegeben,
etwa mit einer galvanischen Metallisierung, insbesondere Kupfer, und einer dann folgenden
galvanischen Hochglanzmetallisierung, insbesondere Kupferbeschichtung aus saurer Lösung
oder Nickelbeschichtung. Die Hochglanzschichten haben die Funktion der Einebnung der
Oberfläche. Im Folgenden wird dann weiter vorgegangen wie bereits in Zusammenhang
mit den Kunststoffoberflächen erläutert; es folgt also die kathodische Aktivierung.
[0022] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft Möglichkeiten der Einstellung des Glanz-
bzw. Mattheitsgrades der schwarzverchromten Oberfläche. Hier sollen von fotomatten
bis hochglänzenden Schichten Spielräume geschaffen werden. Zur Einstellung bestimmter
Mattheitsgrade ist hierbei vorgesehen, die anfängliche Metallisierung der Oberfläche
herzustellen durch Aufbringen einer matten Nickelschicht auf eine glatte Oberfläche
des Werkstücks durch galvanische Abscheidung ohne organische Mattierungszusätze und
weiterhin Aufbringen einer Sulfamatnickelschicht.
[0023] Der Grundgedanke dieses Aspekts der Erfindung besteht darin, eine matte Nickelschicht
auf einer glatten Werkstückoberfläche aufzubringen und die Mattheit über die Stärke
der Nickelschichten einzustellen. Dies richtet sich auf galvanische Nickelschichten,
bei denen keine organischen Mattierungszusätze verwendet werden. Vielmehr kann es
sich bei einer bevorzugten Ausgestaltung um eine an sich bekannte Wattsche Nickelschicht
handeln, die technisch einfach und leicht beherrschbar ist.
[0024] Auf die matte Nickelschicht soll dann eine weitere Sulfamatnickelschicht aufgebracht
werden. Diese hat den Vorteil und die Funktion, die mehr oder weniger kornähnliche
Struktur der matten Nickelschicht etwas zu verrunden und damit etwas weniger rau und
verschmutzungsempfindlich zu gestalten.
[0025] Insgesamt ergibt sich aus dem Zusammenwirken der abhängig von der Stärke der matten
Nickelschicht noch durch einen mehr oder weniger ausgeprägten Restglanz in Erscheinung
tretenden glatten Oberfläche auf dem Werkstück mit der durch die matte Nickelschicht
verliehenen Mattheit und schließlich der erläuterten Verrundung durch die Sulfamatnickelschicht
ein optisch attraktiver und vor allem gut reproduzierbarer Seidenglanz. Dieser steht
in seiner optischen Qualität den bekannten Nickelschichten mit organischen Mattierungszusätzen
in keiner Weise nach. Darüber hinaus lässt sich bei diesem Verfahren der Glanzgrad
bzw. Mattheitsgrad durch verschiedene galvanische Parameter, insbesondere durch Behandlungszeit
und/oder Stromstärke, leicht und gut einstellbar steuern. Die Notwendigkeit der Filterung
der Lösungen zum Ausfiltern von organischen Mattierungszusätzen entfällt zudem. Die
Verwendung an sich konventioneller Nickelschichten mit durch organische Mattierungszusätze
einstellbarem Mattheitsgrad ist allerdings im Rahmen der vorliegenden Erfindung ebenfalls
möglich.
[0026] Die glatte Oberfläche auf dem Werkstück unter der matten Nickelschicht kann beispielsweise
eine polierte Werkstückoberfläche selbst sein oder auch eine aufgebrachte Metallschicht.
Wenn hier eine bevorzugte Glanznickelschicht Verwendung findet, hat diese den besonderen
Vorteil, etwaige Oberflächenfehler und - störungen sehr gut einzuebnen. Sie kann also
den letztlich den Glanzanteil der fertigen erfindungsgemäßen Metalloberfläche mitbestimmenden
Glanz in seiner Qualität verbessern. Galvanische Prozesse für Glanznickelschichten
sind allgemein bekannt und müssen hier nicht im Einzelnen dargelegt werden.
[0027] Die matte galvanische Nickelschicht wird vorzugsweise als an sich bekannte und technisch
gut beherrschte Wattsche Nickelschicht aufgebracht, d. h. als galvanische Nickelschicht
ohne organische Mattierungszusätze. Hierbei entsteht eine mikroskopisch knollenartige
Schichtstruktur, bei der sich über die Stromstärke und/oder Beschichtungszeit die
Knollengrößen und Knollenabstände einstellen lassen, die letztlich die Mattheit bestimmen.
Eine maximale Mattheit entsteht, wenn die Knollen praktisch abstandslos dicht liegen.
[0028] Die galvanische Abscheidung einer Sulfamatnickelschicht ist ebenfalls konventionell
und bekannt. Die entsprechenden Lösungen enthalten Nickelsulfamat, also das Salz der
Amidoschwefelsäure. Die Sulfamatnickelschicht verrundet und verstärkt zwar die erwähnte
knollenartige oder in anderer Weise matte Nickelschicht etwas, ebnet sie jedoch nicht
wirklich ein. Die Sulfamatnickelschicht verstärkt insbesondere auch die Korngröße,
ohne an der oben mit "knollig" bezeichneten Körnigkeit Grundsätzliches zu ändern.
Sie erhält also den Mattierungscharakter, erhöht evtl. den Glanz nur ein wenig, sorgt
aber vor allem für eine aus Gründen der Stabilität und Belastbarkeit erhöhte Materialstärke
und für eine bessere Wischempfindlichkeit bzw. bessere Schmutzabweisungseigenschaften.
Die durch die Verrundung verringerte Rauheit bietet Verschmutzungen weniger Halt.
[0029] Ein besonderer Vorteil dieser Ausgestaltung liegt darin, dass durch galvanische Parameter
in sehr einfacher Weise der Glanzgrad bzw. Mattheitsgrad eingestellt werden kann und
sich auch nach der Schwarzverchromung in der gewünschten Weise auswirkt. Es können
mit ein und demselben Grundprozess, also gleich bleibenden Lösungszusammensetzungen,
identischen Bädern usw., unterschiedliche optische Eigenschaften erzeugt werden. Insbesondere
kann von Charge zu Charge einfach über die Stromstärke, oder noch günstiger über die
Behandlungszeit, die Mattheit eingestellt werden. Je dicker die matte Nickelschicht
ist, umso höher ergibt sich der Mattheitsgrad. Dies gilt auch noch nach dem Aufbringen
der folgenden Schwarzchromschicht.
[0030] Eine ökonomisch durchaus interessante Alternative besteht darin, bei der Herstellung
auf bereits verchromte Teile zurückzugreifen, die dann unter der Chromschicht z. B.
entsprechend der obigen Beschreibung aufgebaut sind. Solche Teile sind häufig zu sehr
günstigen Kosten verfügbar. Dort kann die Chromschicht z. B. galvanisch abgenommen
werden und dann die erfindungsgemäße Schwarzverchromung aufgebracht werden, vorzugsweise
nach kathodischer Aktivierung. Diese kathodische Aktivierung kann (auch im obigen
Prozess) in alkalischer oder saurer Lösung erfolgen, und zwar mit einem pH-Wert zwischen
11 und 13 bzw. 1 und 2. Bevorzugt ist eine Kombination, weil die alkalische kathodische
Aktivierung gute Ergebnisse liefert, eine darauffolgende saure kathodische Aktivierung
aber gelegentlich auftretende Schwierigkeiten mit der Verschleppung von Resten der
alkalischen Lösung in das saure Schwarzverchromungsbad vermeiden hilft.
[0031] Eine besonders günstige Anwendung findet die Erfindung bei Beschichtungen von Teilen,
deren Oberflächen im Innenbereich, aber auch Außenbereich, von Automobilen und anderen
Fahrzeugen auftreten. Hier ist wegen der Berührung durch die menschliche Haut die
Chrom-VI-Freiheit besonders wichtig. Ferner werden in diesem Bereich erhöhte Anforderungen
an die Abriebfestigkeit von Oberflächenschichten gestellt. Aber auch Anwendungen beispielsweise
in der Medizintechnik kommen in Betracht.
[0032] Im Folgenden wird die Erfindung anhand eines konkreten Ausführungsbeispiels näher
erläutert, wobei die offenbarten Merkmale auch in anderen Kombinationen erfindungswesentlich
sein können.
[0033] Beispielsweise kann ein Kunststofftürinnenhandgriff für Automobile aus glasfaser-
oder mineralfaserverstärkten Polyamiden, aus ABS oder ABS-PC erfindungsgemäß beschichtet
werden, indem zunächst im Falle von ABS und ABS-PC eine Beizung mit Chromsäure oder
im Falle der Polyamide eine Sulfonierung erfolgt.
[0034] Daraufhin wird in an sich konventioneller Weise mit Palladium bekeimt und eine ebenfalls
konventionelle chemische Nickelschicht der Stärke von 0,1 - 1 µm abgeschieden.
[0035] Es folgt eine Verstärkung mit einer matten galvanischen Nickelschicht der Stärke
3 - 15 µm gefolgt von einer galvanischen Hochglanznickelschicht zur Einebnung der
Stärke 15 - 25 µm.
[0036] Bei einem anderen Beispiel wird ein Metallteil, nämlich eine Kraftfahrzeugkopfstützenhaltestrebe
aus einer Aluminiumlegierung, zunächst elektrolytisch mit einer Stärke von 3 - 10
µm verkupfert. Darauf folgt eine saure Hochglanzkupferschicht der Stärke 20 - 25 µm
und optional eine weitere Hochglanznickelschicht.
[0037] Auch kann ein bereits verchromtes Zierteil einer Instrumententafel oder im Frontbereich
unter einem Stoßfänger galvanisch entchromt werden.
[0038] Bei allen Beispielen wird dann in einer wässrigen Lösung von 60 g/l Natriumhydrogensulfat
bei einem pH-Wert von etwa 1,8 kathodisch aktiviert, und zwar bei 3 A/dm
2 für eine Zeit von 30 s. Die Lösung enthält dabei relativ geringe Mengen an Tensiden
und Fluoriden zur Unterstützung der Reinigungs- und Aktivierungsfunktion.
[0039] Daraufhin kann mit an sich weitgehend bekannten Bädern eine Schwarzverchromungsschicht
elektrolytisch abgeschieden werden. Bspw. stellt die Firma Schlötter entsprechende
Rezepturen und die nötigen Chemikalien zur Verfügung. Neben bspw. 450 g/l Chromsäure
kann ungefähr 1 g/l Kaliumnitrat und (vorzugsweise bis zur Sättigung) Kaliumhexafluorosilikat
sowie Bariumcarbonat zugegeben werden. Letzteres in einer Menge, die ausreicht, die
in der Chromsäure vorhandenen Sulfatverunreinigungen auszufällen (als schwer lösliches
Bariumsulfat). Soweit ist der Prozess jedoch konventionell. Zusätzlich werden nun
0,2 g/l Kaliumfluorid (entsprechend etwas 0,06 g/l Fluorid) zugegeben und Zucker in
einer Menge, die etwa 16 g/l Chrom III erzeugt (was gemessen werden kann und die Zuckermenge
vorgibt). Im Ergebnis werden die gewünschten Schichten z. B. in 5 Minuten statt in
10 Minuten bei 20 % reduzierter Stromstärke und entsprechend geringerem Kühlbedarf
erzeugt, wobei die Schichten eine sehr gute und wenig ins Braun tendierende Schwärzung
zeigen. Je nach individuellem Teil können für z. B. 12 gleichzeitig behandelte Automobilinnenverkleidungsleisten
oder Ähnliches statt 1.800 A nur noch 1.500 A verwendet werden oder gar nur noch 1.200
A, wobei sich die Prozesszeit trotzdem verkürzt.
[0040] Auf der Schwarzverchromungsschicht sind zunächst Chrom-VI-Oxide und - polychromate
vorhanden. Diese Verunreinigungen können sehr erfolgreich entfernt werden durch ein
erstes einfaches Wasserbad und dann eine ultraschallunterstützte Reinigung in einer
alkalischen Lösung bei pH 10 und etwa 50 - 60 °C für vorzugsweise mindestens 1 - 2
min. Behandlungen über 5 min hinaus bringen erfahrungsgemäß keine nennenswerten Verbesserungen.
Nach der Ultraschallbehandlung in der alkalischen Lösung wird wiederum ein Wasserbad
durchlaufen.
1. Verfahren zur Schwarzverchromung von Oberflächen in einem Bad mit Chromsäure,
gekennzeichnet durch einen Fluorid-Anteil in dem Bad zwischen 0,03 g/l und 0,2 g/l.
2. Verfahren nach Anspruch 1 mit einem Anteil von Chrom III, der relativ zu dem Anteil
von Chrom VI in dem Bad zwischen 2 % und 6 % beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2 mit einem Anteil von Chrom III, der zwischen 6 g/l
und 50 g/l beträgt.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, bei dem der Chrom-III-Anteil erzeugt wird durch
Reduzieren von Chrom-VI-Ionen, insbesondere durch Zugabe eines Reduktionsmittels.
5. Verfahren nach Anspruch 4, bei dem das Reduktionsmittel Zucker ist.
6. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem das Schwarzverchromen auf
einer Nickelschicht erfolgt, insbesondere einer galvanischen Nickelschicht, insbesondere
einer Hochglanz-Nickelschicht.
7. Verfahren nach Anspruch 6, bei dem die Nickelschicht vor der Schwarzverchromung kathodisch
aktiviert wird, und zwar in alkalischer Lösung, insbesondere bei einem pH-Wert zwischen
11 und 13.
8. Verfahren nach Anspruch 6 oder Anspruch 7, bei dem die Nickelschicht vor der Schwarzverchromung
kathodisch aktiviert wird, und zwar in saurer Lösung, insbesondere bei einem pH-Wert
zwischen 1 und 2.
9. Verfahren nach einem der vorstehenden Schritte, bei dem nach dem Schwarzverchromen
die schwarzverchromte Oberfläche in alkalischer Lösung mit Ultraschallbehandlung gereinigt
wird, insbesondere bei einem pH-Wert zwischen 9 und 13, insbesondere bei einer Temperatur
zwischen 50 °C und 60 °C und insbesondere bei einer Ultraschallleistung von 0,5 W/I
bis 2 W/I.
10. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem ein bereits verchromtes Teil
entchromt wird, insbesondere galvanisch, und danach schwarzverchromt wird.
11. Verfahren nach einem der vorstehenden Ansprüche, bei dem eine Automobilinnenoberfläche
schwarzverchromt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, bei dem eine Automobilaußenoberfläche
schwarzverchromt wird.