[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft neuartige carboxyfunktionelle Polyether-basierte
Reaktionsprodukte. Sie betrifft ferner wässrige Basislacke, welche die Reaktionsprodukte
enthalten sowie die Verwendung der besagten Reaktionsprodukte in wässrigen Basislacken.
Sie betrifft auch ein Verfahren zur Herstellung von Mehrschichtlackierungen unter
Einsatz von wässrigen Basislacken sowie die mit Hilfe des besagten Verfahrens herstellbaren
Mehrschichtlackierungen.
Stand der Technik
[0002] Bekannt ist eine Vielzahl von Verfahren zur Herstellung von farb- und/oder effektgebenden
mehrschichtigen Lackierungen (auch genannt Mehrschichtbeschichtungen oder Mehrschichtlackierungen).
Aus dem Stand der Technik (vergleiche beispielsweise die deutsche Patentanmeldung
DE 199 48 004 A1, Seite 17, Zeile 37, bis Seite 19, Zeile 22, oder das deutsche Patent
DE 100 43 405 C1, Spalte 3, Absatz [0018], und Spalte 8, Absatz [0052], bis Spalte 9, Absatz [0057],
in Verbindung mit Spalte 6, Absatz [0039], bis Spalte 8, Absatz [0050]) ist beispielsweise
das folgende Verfahren bekannt, bei dem
- (1) ein pigmentierter wässriger Basislack auf ein Substrat aufgebracht wird,
- (2) aus dem in Stufe (1) aufgebrachten Lack ein Polymerfilm gebildet wird,
- (3) auf die so erhaltene Basislackschicht ein Klarlack aufgebracht wird und anschließend
- (4) die Basislackschicht zusammen mit der Klarlackschicht gehärtet wird.
[0003] Dieses Verfahren wird beispielsweise in großem Umfang sowohl für die Erstlackierung
(OEM) von Automobilen sowie der Lackierung von Metall- und Kunststoffanbauteilen eingesetzt.
Die heutigen Anforderungen an die anwendungstechnologischen und ästhetischen Eigenschaften
solcher Lackierungen (Beschichtungen) sind enorm.
[0004] Ein immer wieder auftretendes und vom Stand der Technik nach wie vor nicht völlig
zufriedenstellend gelöstes Problem ist das Auftreten so genannter Nadelstiche, das
heißt also die nicht ausreichende Stabilität gegen Nadelstiche. Bei dem aufeinanderfolgenden
Aufbringen mehrerer Lacke, beispielsweise Basislack und Klarlack, und dem Verzicht
der jeweils separaten Härtung der einzelnen Polymerfilme, können ungewünschte Luft-,
Lösemittel- und/oder Feuchtigkeitseinschlüsse entstehen, die sich in Form von Blasen
unterhalb der Oberfläche der Gesamtlackierung bemerkbar machen können und bei der
abschließenden Härtung aufbrechen können. Die dadurch entstehenden Löcher in der Lackierung,
auch Nadelstiche genannt, führen zu einem nachteilhaften optischen Erscheinungsbild.
Die durch den Gesamtaufbau von Basislackschicht und Klarlackschicht anfallende Menge
an organischen Lösemitteln beziehungsweise Wasser sowie die durch die Applikation
eingetragene Luftmenge sind zu groß, als dass sie vollständig innerhalb eines abschließenden
Härtungsschritts ohne die Erzeugung von Fehlstellen aus der Mehrschichtlackierung
entweichen können. Die Eigenschaften des in diesem Zusammenhang besonders wichtigen
Basislacks und der daraus hergestellten Lackschichten werden insbesondere von den
im Basislack enthaltenen Bindemitteln und Additiven, beispielsweise speziellen Reaktionsprodukten,
bestimmt. Das Dokument
EP 1 454 971 A1 (Absätze [0001], [0022]-[0024]) bezieht sich auf das Problem der Nadelstische bei
pigmentierten wässrigen Lacken und deren Anwendungen als Mehrschichtlackierungen.
Im Absatz [0073] wird die Herstellung eines Polyesters A1 aus PTHF 650 und Trimellithsäureanhydrid
offenbart. Nach Abkühlen der Polyesterschmelze auf 85°C wird eine 10%-ige wässrige
Dimethylethanolamin-Lösung und anschließend deionisiertes Wasser zugegeben. Eine feinteilige
Dispersion mit einem nichtflüchtigen Anteil von 40% und einer Säurezahl von 29 mgKOH/g
wird erhalten. Die Berechnung zeigt, dass 1,60 mol Trimellithsäureanhydrid und 2,66
mol Polytetramethylenetherglykol verwendet wurden. Dies entspricht einem molaren Verhältnis
von 0,60. Außerdem beträgt die Säurezahl des Polyesters 29 mg KOH/g.
[0005] Hinzu kommt, dass heutzutage der Ersatz von Beschichtungsmitteln auf Basis organischer
Lösemittel durch wässrige Beschichtungsmittel immer wichtiger wird, um den steigenden
Anforderungen an die Umweltverträglichkeit Rechnung zu tragen.
Aufgabe
[0006] Der vorliegenden Erfindung lag also die Aufgabe zugrunde, ein Reaktionsprodukt zur
Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe sich Beschichtungen herstellen lassen, die
die oben bezeichneten Nachteile des Standes der Technik nicht länger aufweisen. Insbesondere
sollte durch die Bereitstellung eines neuen Reaktionsprodukts und dessen Einsatz in
wässrigen Basislacken die Möglichkeit geschaffen werden, Beschichtungen bereitzustellen,
die eine hervorragende Stabilität gegen Nadelstiche aufweisen und gleichzeitig durch
den Einsatz von eben wässrigen Basislacken auf umweltschonende Weise hergestellt werden
können.
Lösung
[0007] Die genannten Aufgaben konnten durch einen pigmentierten wässrigen Basislack gelöst
werden, welcher ein carboxyfunktionelles Polyether-basiertes Reaktionsprodukt enthält,
welches herstellbar ist durch Umsetzung von
- (a) mindestens einer Verbindung der Formel (I)
X1 - Y - X2 (I)
worin
X1 und X2, unabhängig voneinander, für eine gegenüber Hydroxylgruppen reaktive funktionelle
Gruppe stehen und
Y ein divalenter carboxyfunktioneller aliphatischer oder araliphatischer organischer
Rest mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 100 bis 1000 g/mol ist
mit
- (b) mindestens einem Polyether der allgemeinen Strukturformel (II)

worin
R ein C3- bis C6-Alkylenrest ist und n entsprechend so gewählt ist, dass der Polyether (b) ein zahlenmittleres
Molekulargewicht von 200 bis 4000 g/mol besitzt,
wobei die Komponenten (a) und (b) bei der Umsetzung in einem molaren Verhältnis von
0,7/2,3 bis 1,6/1,7 eingesetzt werden und das resultierende Reaktionsprodukt ein zahlenmittleres
Molekulargewicht von 500 bis 15000 g/mol aufweist und eine Säurezahl von 10 bis 120
mg KOH/g besitzt.
[0008] Die Bedingung, dass n so gewählt wird, dass der besagte Polyether ein zahlenmittleres
Molekulargewicht von 200 bis 4000 g/mol besitzt, sei wie folgt veranschaulicht. Handelt
es sich beispielsweise bei R um einen Tetramethylenrest und soll das zahlenmittlere
Molekulargewicht 1000 g/mol betragen, so liegt n im Mittel zwischen 13 und 14. Anhand
der gegebenen Vorgaben weiß der Fachmann problemlos, ein entsprechendes Reaktionsprodukt
herzustellen beziehungsweise auszuwählen. Davon abgesehen geben die weiter unten folgenden
Beschreibung und insbesondere die Beispiele nochmals zusätzliche Informationen. Der
Parameter n ist also genauso wie das zahlenmittlere Molekulargewicht als ein statistischer
Mittelwert zu verstehen.
[0009] Der neue Basislack wird in der Folge auch als erfindungsgemäßer Basislack bezeichnet.
Bevorzugte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Basislacks gehen aus der folgenden
Beschreibung sowie den Unteransprüchen hervor.
[0010] Ebenfalls Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist das Reaktionsprodukt an sich
sowie die Verwendung des Reaktionsprodukts in wässrigen Basislacken zur Verbesserung
der Stabilität gegen Nadelstiche. Nicht zuletzt betrifft die vorliegende Erfindung
ein Verfahren zur Herstellung einer mehrschichtigen Lackierung auf einem Substrat
sowie eine nach dem genannten Verfahren hergestellte Mehrschichtlackierung.
[0011] Durch den Einsatz der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte werden Basislacke erhalten,
deren Verwendung bei der Herstellung von Beschichtungen, insbesondere Mehrschichtlackierungen,
zu einer hervorragenden Stabilität gegen Nadelstiche führt. Gleichzeitig wird ein
hochwertiges ökologisches Profil gewahrt. Das erfindungsgemäße Reaktionsprodukt sowie
der erfindungsgemäße Basislack können im Bereich der Erstlackierung, insbesondere
dem Bereich der Automobilindustrie, als auch im Bereich der Automobilreparaturlackierung
eingesetzt werden.
Komponente (a)
[0012] Das erfindungsgemäße Reaktionsprodukt ist unter Einsatz mindestens einer speziellen
Verbindung (a) der folgenden Formel (I) herstellbar.
X
1 - Y - X
2 (I)
worin
X1 und X2, unabhängig voneinander, für eine gegenüber Hydroxylgruppen reaktive funktionelle
Gruppe stehen und
Y ein divalenter aliphatischer oder araliphatischer, carboxyfunktioneller organischer
Rest mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 100 bis 1000 g/mol ist.
[0013] Die funktionellen Gruppen X
1 und X
2 sind gegenüber Hydroxylgruppen reaktiv. Das heißt, sie reagieren unter üblich gewählten
Bedingungen nach bekannten Mechanismen wie Kondensations- oder Additionsreaktionen
mit Hydroxylgruppen. Auf diese Weise kann dann eine Verknüpfung der Komponente (a)
mit dem Polyether (b) realisiert werden. Solche Gruppen sind dem Fachmann auf dem
einschlägigen Gebiet bekannt. Möglich sind beispielsweise Isocyanat-, Carboxyl-, Epoxy-,
Carbamat- und Methylolgruppen. Bevorzugt sind Isocyanatgruppen sowie Carboxylgruppen.
Bevorzugt sind die beiden Gruppen X
1 und X
2 identisch.
[0014] Das erfindungsgemäße Reaktionsprodukt ist herstellbar unter Einsatz solcher Komponenten
(a) mit entsprechenden Gruppen X. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass die entsprechende
Komponente, in ihrer nicht reagierten Form, zwingend auch die genannte Struktur nach
Formel (I) aufweisen muss. Beispielhaft sei auf Komponenten verwiesen, die von Carbonsäuregruppen
abgeleitete Anhydridgruppen aufweisen. Wird ein Anhydrid eingesetzt, so hat die entsprechende
Komponente in ihrer nicht reagierten Form offensichtlich nicht eine Struktur nach
Formel (I). Jedoch würde bei Reaktion mit einer Hydroxylgruppe eines Polyethers (b)
unter Öffnung des Anhydridrings letztlich ein Addukt resultieren, in dem genauso wie
bei einem Produkt aus carboxyfunktioneller Komponente (a) mit hydroxyfunktionellem
Polyether (b) eine verknüpfende Esterbindung besteht.
[0015] Der Rest Y ist ein divalenter carboxyfunktioneller organischer Rest mit einem zahlenmittleren
Molekulargewicht von 100 bis 1000 g/mol. Das zahlenmittlere Molekulargewicht wird
im Rahmen der vorliegenden Erfindung, sofern nicht spezifisch anders angegeben, mittels
Dampfdruckosmose bestimmt. Gemessen wurde im Rahmen der vorliegenden Erfindung mittels
eines Dampfdruckosmometers (Modell 10.00, Fa. Knauer) an Konzentrationsreihen der
zu untersuchenden Komponente in Toluol bei 50°C mit Benzophenon als Eichsubstanz zur
Bestimmung der experimentellen Eichkonstante des eingesetzten Messgeräts (nach
E. Schröder, G. Müller, K.-F. Arndt, "Leitfaden der Polymercharakterisierung", Akademie-Verlag,
Berlin, S. 47 - 54, 1982, wobei darin Benzil als Eichsubstanz eingesetzt wurde). Im vorliegenden Fall wird
also das zahlenmittlere Molekulargewicht der Komponente (a) wie beschrieben gemessen
werden und dann durch Subtraktion der Molekulargewichte der beiden funktionellen Gruppen
X
1 und X
2 (vorgegeben durch Molekulargewichte der beiden funktionellen Gruppen X
1 und X
2 (vorgegeben durch die bekannten Summenformeln der Gruppen X
1 und X
2) das zahlenmittlere Molekulargewicht des Restes Y ermittelt.
[0016] Bei dem Rest kann es sich also um aliphatische, oder araliphatische (gemischt aliphatisch-aromatische)
Reste, die jedenfalls mindestens eine Carbonsäuregruppe enthalten, handeln.
[0017] Als aliphatisch werden im Rahmen der vorliegenden Erfindung alle organischen Gruppen
bezeichnet, die nicht aromatisch sind.
[0018] Beispielsweise kann es sich bei dem Rest Y um einen carboxyfunktionellen aliphatischen
Kohlenwasserstoffrest handeln, das heißt einen Rest, der - abgesehen von der im Mittel
mindestens einen Carbonsäuregruppe - ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff
besteht. Diese aliphatischen Kohlenwasserstoffreste können linear, verzweigt oder
cyclisch sein, wobei sie gesättigt oder ungesättigt sein können. Natürlich können
diese dann neben der mindestens einen Carbonsäuregruppe ausschließlich Kohlenstoff
und Wasserstoff enthaltenen Reste auch sowohl cyclische und lineare und/oder verzweigte
Anteile enthalten.
[0019] Möglich ist auch, dass aliphatische Reste neben den Sauerstoffatomen der im Mittel
mindestens einen Carbonsäuregruppe noch weitere Heteroatome enthalten, insbesondere
in Form von verbrückenden Gruppen wie Ether-, Ester-, Amid- und/oder Urethangruppen.
[0020] Bevorzugt besteht der organische Rest Y aber vornehmlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff.
Insbesondere bevorzugt weist der Rest Y, neben der im Mittel mindestens einen Carbonsäuregruppe,
im Mittel nicht mehr als fünf (null bis fünf), bevorzugt nicht mehr als drei (null
bis drei), insbesondere nicht mehr als zwei (null bis zwei) Gruppen mit Heteroatomen
auf. Als Gruppen mit Heteroatomen kommen neben den Carbonsäuregruppen weitere endständige
funktionelle Gruppen wie Hydroxylgruppen oder Aminogruppen sowie verbrückende Gruppen
in Betracht. Bevorzugt enthält der organische Rest Y keine weiteren endständigen funktionellen
Gruppen. Demnach ist bevorzugt, dass der organische Rest aus Kohlenstoff, Wasserstoff,
im Mittel mindestens einer Carbonsäuregruppe sowie nicht mehr als fünf, nochmals bevorzugt
nicht mehr als drei, insbesondere nicht mehr als zwei, verbrückenden Gruppen wie beispielsweise
Ether-, Ester-, Amid- und/oder Urethangruppen besteht. Eine bevorzugte verbrückende
Gruppe, sofern vorhanden, ist die Urethangruppe.
[0021] Der Rest Y ist jedenfalls carboxyfunktionell. Unabhängig davon, dass der Rest also
ansonsten ausschließlich Kohlenstoff und Wasserstoff enthalten kann (im Fall eines
aliphatischen Kohlenwasserstoffrests, ist im Mittel jedenfalls mindestens eine Carbonsäuregruppe,
bevorzugt genau eine Carbonsäuregruppe vorhanden.
[0022] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung gilt für die Verbindung
(a) der Formel (I), dass sie durch Reaktion mindestens einer Dihydroxycarbonsäure
mit mindestens einem organischen Diisocyanat, wobei die Hydroxylgruppen der Dihydroxycarbonsäure
mit Isocyanatgruppen des mindestens einen organischen Diisocyanats zu Urethanbindungen
umgesetzt werden, herstellbar ist. Bevorzugt werden genau eine Dihydroxycarbonsäure
und genau ein organisches Diisocyanat eingesetzt.
[0023] Aus Formel (I) folgt, dass die Dihydroxycarbonsäure und das organische Diisocyanat
dabei in einem solchen molaren Verhältnis eingesetzt werden, dass das Produkt im Mittel
zwei gegenüber Hydroxylgruppen reaktive funktionelle Gruppen, nämlich Isocyanatgruppen,
enthält. Je nach Molekulargewicht der eingesetzten Ausgangsverbindungen, das heißt
Dihydroxycarbonsäure und organisches Isocyanat, und je nach (innerhalb der erfindungsgemäßen
Grenzen) gewünschtem Molekulargewicht der Verbindung der Formel (I), kann damit das
molare Verhältnis der beiden Ausgangsverbindungen variiert werden, wobei das Diisocyanat
jedenfalls im Überschuss einzusetzen ist. Werden beispielsweise ein Äquivalent Dihydroxycarbonsäure
mit zwei Äquivalenten organischem Isocyanat umgesetzt, resultiert im Mittel und innerhalb
intrinsischer experimenteller Fehlergrenzen ein blockartiges Produkt der Form A-B-A,
wobei A für das reagierte Diisocyanat und B für die reagierte Dihydroxycarbonsäure
steht. Der Bestandteil B trägt dann eine Carbonsäuregruppe, ist also carboxyfunktionell.
Ein solches Produkt würde dann im Mittel und innerhalb der Fehlergrenzen zwei verbrückende
Gruppen, nämlich Urethangruppen, aufweisen. Die tatsächlichen Gegebenheiten können
im Einzelfall auf einfache Weise durch Berücksichtigung der Molekulargewichte der
Ausgangsverbindungen und dem gemessenen zahlenmittleren Molekulargewicht der Verbindung
nach Formel (I) festgestellt werden. Werden zwei Äquivalente Dihydroxycarbonsäure
mit drei Äquivalenten organischem Isocyanat umgesetzt, Die genannten Verbindungen
(a) der Formel (I) und/oder die Ausgangsverbindungen zur Herstellung solcher Verbindungen
(a) können im Handel erhalten werden.
Komponente (b)
[0024] Die Herstellung der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte kann unter Einsatz mindestens
eines Polyethers der allgemeinen Strukturformel (II)

erfolgen, wobei es sich bei R um einen C
3 bis C
6-Alkylrest handelt. Der Index n ist jeweils so zu wählen, dass der besagte Polyether
ein zahlenmittleres Molekulargewicht von 200 bis 4000 g/mol besitzt. Bevorzugt besitzt
er ein zahlenmittleres Molekulargewicht von 300 bis 3800 g/mol, besonders bevorzugt
von 400 bis 3600 g/mol und insbesondere von 500 bis 3400 g/mol und ganz besonders
bevorzugt 800 bis 3200 g/mol. Nochmals bevorzugt ist ein Bereich von 800 bis 1200
g/mol. Beispielsweise kann das zahlenmittlere Molekulargewicht bei 1000 g/mol, 2000
g/mol oder 3000 g/mol liegen.
[0025] Bekanntermaßen und wie bereits weiter oben erläutert, handelt es sich bei dem zahlenmittleren
Molekulargewicht immer um einen statistischen Mittelwert. Selbiges muss also auch
für den Parameter n gemäß Formel (I) gelten. Die in diesem Zusammenhang zu erläuternde,
für die Komponente (b) gewählte Bezeichnung Polyether versteht sich wie folgt. Bei
Polymeren, beispielsweise Polyethern (b), handelt es sich immer um Mischungen von
verschieden großen Molekülen. Zumindest ein Teil oder alle dieser Moleküle zeichnen
sich durch eine Abfolge von gleichen oder verschiedenen Monomereinheiten (als reagierte
Form von Monomeren) aus. Das Polymer beziehungsweise Molekülgemisch enthält also grundsätzlich
Moleküle, die mehrere (das heißt mindestens zwei) gleiche oder verschiedene Monomereinheiten
enthalten. Selbstverständlich können in dem Gemisch auch anteilig die Monomere selbst
enthalten sein, das heißt also in ihrer nicht reagierten Form. Dies bedingt bekanntermaßen
allein die in der Regel molekular nicht einheitlich ablaufende Herstellungsreaktion,
das heißt Polymerisation von Monomeren. Während einem bestimmten Monomer ein diskretes
Molekulargewicht zuzuordnen ist, ist ein Polymer also immer eine Mischung von Molekülen,
die sich in ihrem Molekulargewicht unterscheiden. Ein Polymer kann daher nicht durch
ein diskretes Molekulargewicht beschrieben werden, sondern ihm werden bekanntermaßen
immer mittlere Molekulargewichte, beispielsweise das oben genannten zahlenmittlere
Molekulargewicht, zugeordnet.
[0026] In dem erfindungsgemäß einzusetzenden Polyether können alle n Reste R gleich sein.
Ebenso ist es aber auch möglich, dass unterschiedliche Arten von Resten R vorhanden
sind. Bevorzugt sind alle Reste R gleich.
[0027] Bei R handelt es sich bevorzugt um einen C
4-Alkylenrest. Besonders bevorzugt handelt es sich um einen Tetramethylenrest.
[0028] Ganz besonders bevorzugt handelt es sich bei dem erfindungsgemäß einzusetzenden Polyether
um ein im Mittel diolisches, lineares Polytetrahydrofuran.
Das Reaktionsprodukt
[0029] Die Herstellung des erfindungsgemäßen Reaktionsproduktes weist keine Besonderheiten
auf. Die Komponenten (a) und (b) werden über allgemein bekannte Kondensations- und/oder
Additionsreaktionen miteinander verknüpft. Umgesetzt werden also die funktionellen
Gruppen X
1 und X
2 der Komponente (a) mit den Hydroxylgruppen der Komponente (b). Die Umsetzung kann
beispielsweise in Masse oder in Lösung mit typischen organischen Lösemitteln bei Temperaturen
von beispielsweise 50°C bis 300°C erfolgen. Selbstverständlich können auch typische
Katalysatoren wie Schwefelsäure, Sulfonsäuren und/oder Tetraalkyltitanate, Zinkbeziehungsweise
Zinnalkoxylate, Dialkylzinnoxide wie beispielsweise Di-n-butylzinnoxid oder organische
Salze der Dialkylzinnoxide zum Einsatz kommen. Üblicherweise erfolgt zumindest bei
Kondensationsreaktionen zudem der Einsatz eines Wasserabscheiders zum Auffangen des
anfallenden Wassers.
[0030] Dabei werden die Komponenten (a) und (b) in einem molaren Verhältnis von 0,7/2,3
bis 1,6/1,7 bevorzugt von 0,8/2,2 bis 1,6/1,8 und ganz besonders bevorzugt von 0,9/2,1
bis 1,5/1,8 eingesetzt.
[0031] Durch die Einführung eines Carbonsäure-haltigen Restes Y ist das erfindungsgemäße
Reaktionsprodukt carboxyfunktionell. Die Säurezahl des Reaktionsprodukts liegt von
10 bis 120 mg KOH/g, bevorzugt 12 bis 80 mg KOH/g, insbesondere bevorzugt 14 bis 50
mg KOH/g und ganz bevorzugt 15 bis 30 mg KOH/g. Die Säurezahl wird gemäß DIN 53402
bestimmt. Wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung auf eine offizielle Norm verwiesen,
ist hiermit selbstverständlich die zum Anmeldetag geltende Fassung der Norm oder,
falls zu diesem Zeitpunkt keine geltende Fassung besteht, die letzte geltende Fassung
gemeint.
[0032] Das resultierende Reaktionsprodukt besitzt ein zahlenmittleres Molekulargewicht von
500 bis 15000 g/mol, bevorzugt 750 bis 12500 g/mol, ganz besonderes bevorzugt 1000
bis 10000 g/mol, insbesondere 1500 bis 7500 g/mol sowie nochmals bevorzugt 1500 bis
3000 g/mol.
[0033] Das erfindungsgemäße Reaktionsprodukt ist in der Regel hydroxyfunktionell, bevorzugt
im Mittel dihydroxyfunktionell.
[0034] Besonders bevorzugte Ausführungsformen werden im Folgenden genannt:
- a) In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
wird bei der Herstellung als Verbindung (a) der Formel (I) ein Addukt eingesetzt,
das durch Umsetzung der Hydroxylgruppen von mindestens einer aliphatischen Dihydroxycarbonsäure
mit 4 bis 12 Kohlenstoffatomen mit den Isocyanatgruppen von mindestens einem organischen
Diisocyanat, wobei das Diisocyanat im molaren Überschuss eingesetzt wird, erhalten
wird.
- b) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
handelt es sich bei dem erfindungsgemäß einzusetzenden Polyether um im Mittel diolisches
[0035] Reaktionsprodukts liegt von 10 bis 120 mg KOH/g, bevorzugt 12 bis 80 mg KOH/g, insbesondere
bevorzugt 14 bis 50 mg KOH/g und ganz bevorzugt 15 bis 30 mg KOH/g. Die Säurezahl
wird gemäß DIN 53402 bestimmt. Wird im Rahmen der vorliegenden Erfindung auf eine
offizielle Norm verwiesen, ist hiermit selbstverständlich die zum Anmeldetag geltende
Fassung der Norm oder, falls zu diesem Zeitpunkt keine geltende Fassung besteht, die
letzte geltende Fassung gemeint.
[0036] Das resultierende Reaktionsprodukt besitzt ein zahlenmittleres Molekulargewicht von
500 bis 15000 g/mol, bevorzugt 750 bis 12500 g/mol, ganz besonderes bevorzugt 1000
bis 10000 g/mol, insbesondere 1500 bis 7500 g/mol sowie nochmals bevorzugt 1500 bis
3000 g/mol.
[0037] Das erfindungsgemäße Reaktionsprodukt ist in der Regel hydroxyfunktionell, bevorzugt
im Mittel dihydroxyfunktionell.
[0038] Besonders bevorzugte Ausführungsformen werden im Folgenden genannt:
- a) In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
wird bei der Herstellung als Verbindung (a) der Formel (I) ein Addukt eingesetzt,
dass durch Umsetzung der Hydroxylgruppen von mindestens einer aliphatischen Dihydroxycarbonsäure
mit 4 bis 12 Kohlenstoffatomen mit den Isocyanatgruppen von mindestens einem organischen
Diisocyanat, wobei das Diisocyanat im molaren Überschuss eingesetzt wird, erhalten
wird.
- b) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
handelt es sich bei dem erfindungsgemäß einzusetzenden Polyether um im Mittel diolisches
Polytetrahydrofuran und er besitzt zudem ein zahlenmittleres Molekulargewicht von
800 bis 3200 g/mol.
- c) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
werden die Komponenten (a) und (b) in einem molaren Verhältnis von 0,9/2,1 bis 1,5/1,8
eingesetzt.
- d) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
besitzt dieses eine Säurezahl von 15 bis 30 mg KOH/g.
- e) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
besitzt dieses ein zahlenmittleres Molekulargewicht von 1500 bis 7500 g/mol.
[0039] In einer ganz besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
sind alle der unter a) bis e) angegebenen Merkmale in Kombination realisiert.
Der pigmentierte wässrige Basislack
[0040] Die vorliegende Erfindung betrifft ferner einen pigmentierten wässrigen Basislack,
welcher mindestens ein erfindungsgemäßes Reaktionsprodukt enthält. Alle oben genannten
bevorzugten Ausführungsformen hinsichtlich des Reaktionsprodukts gelten selbstverständlich
auch in Bezug auf den Basislack enthaltend das Reaktionsprodukt.
[0041] Unter einem Basislack ist ein in der Automobillackierung und allgemeinen Industrielackierung
eingesetzter farbgebender Zwischenbeschichtungsstoff zu verstehen. Dieser wird im
Allgemeinen auf einem mit einem eingebrannten (vollständig gehärteten) Füller oder
Grundierfüller vorbehandelten Metall- oder Kunststoffuntergrund, mitunter auch direkt
auf dem Kunststoffuntergrund aufgebracht. Auch Altlackierungen, welche gegebenenfalls
noch vorbehandelt werden müssen (beispielsweise durch Anschleifen), können als Untergründe
dienen. Mittlerweile ist es durchaus üblich, mehr als eine Basislackschicht aufzutragen.
Dementsprechend stellt in einem solchen Fall eine erste Basislackschicht den Untergrund
für eine zweite dar. Möglich ist dabei insbesondere, anstatt einer Applikation auf
eine Schicht eines eingebrannten Füllers den ersten Basislack direkt auf ein mit einer
gehärteten Elektrotauschlackschicht versehendes Metallsubstrat zu applizieren und
den zweiten Basislack direkt auf die erste Basislackschicht zu applizieren, ohne das
letztere separat gehärtet wird. Um eine Basislackschicht beziehungsweise die oberste
Basislackschicht insbesondere gegen Umwelteinflüsse zu schützen, wird auf dieser mindestens
noch eine zusätzliche Klarlackschicht appliziert. Dies erfolgt in der Regel im nass-in-nass-Verfahren,
das heißt der Klarlack wird appliziert, ohne dass die Basislackschicht gehärtet wird.
Die Härtung erfolgt dann abschließend gemeinsam. Verbreitet ist inzwischen auch, nur
eine Basislackschicht auf einer gehärteten Elektrotauschlackschicht herzustellen,
dann einen Klarlack zu applizieren und diese beiden Schichten dann gemeinsam zu härten.
[0042] Die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile, bezogen auf das Gesamtgewicht des
pigmentierten wässrigen Basislacks, aller erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte beträgt
bevorzugt 0,1 bis 30 Gew.-%, besonders bevorzugt 1 bis 20 Gew.-% und ganz besonders
bevorzugt 1,5 bis 15 Gew.-% oder sogar 2 bis 12 Gew.-%.
[0043] Liegt der Gehalt des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts unter 0,1 Gew.-% so ist
es gegebenenfalls möglich, dass keine Verbesserung Stabilität gegen Nadelstiche mehr
erzielt wird. Liegt der Gehalt bei mehr als 30 Gew.-% so können unter Umständen Nachteile
auftreten, wie zum Beispiel eine Inkompatibilität des besagten Reaktionsprodukts im
Basislack. Eine solche Inkompatibilität kann sich beispielsweise durch ungleichmäßigen
Verlauf sowie durch Ausschwimmen oder Absetzen zeigen.
[0044] Im Falle einer möglichen Spezifizierung auf Basislacke enthaltend bevorzugte Reaktionsprodukte
in einem speziellen Anteilsbereich gilt folgendes. Die Reaktionsprodukte, die nicht
in die bevorzugte Gruppe fallen, können selbstverständlich weiterhin im Basislack
enthalten sein. Der spezielle Anteilsbereich gilt dann nur für die bevorzugte Gruppe
von Reaktionsprodukten. Bevorzugt ist allerdings, dass für den Gesamtanteil von Reaktionsprodukten
bestehend aus Reaktionsprodukten aus der bevorzugten Gruppe und Reaktionsprodukten,
die nicht in die bevorzugte Gruppe fallen, ebenfalls der spezielle Anteilsbereich
gilt.
[0045] Würde also eine Beschränkung auf einen Anteilsbereich von 1,5 bis 15 Gew.-% und eine
bevorzugte Gruppe von Reaktionsprodukten durchgeführt werden, so gilt dieser Anteilsbereich
augenscheinlich zunächst nur für die bevorzugte Gruppe an Reaktionsprodukte eingesetzt
werden, beträgt die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile aller bevorzugten
Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte bevorzugt ebenfalls 1 bis
20 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Besonders
bevorzugt enthält der pigmentierte wässrige Basislack als erfindungsgemäße Reaktionsprodukte
ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
[0046] In einer ganz besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt die Summe über die gewichtsprozentualen
Anteile aller erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte 1,5 bis 15 Gew.-% bezogen auf das
Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Für den Fall, dass bevorzugte
Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte eingesetzt werden, beträgt
die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile aller bevorzugten Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte bevorzugt ebenfalls 1,5 bis 15 Gew.-% bezogen
auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Besonders bevorzugt
enthält der pigmentierte wässrige Basislack als erfindungsgemäße Reaktionsprodukte
ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
[0047] In einer ebenfalls ganz besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt die Summe über
die gewichtsprozentualen Anteile aller erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte 2 bis 12
Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Für den
Fall, dass bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte eingesetzt
werden, beträgt die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile aller bevorzugten
Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte bevorzugt ebenfalls 2 bis
12 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Besonders
bevorzugt enthält der pigmentierte wässrige Basislack als erfindungsgemäße Reaktionsprodukte
ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
erfindungsgemäße Reaktionsprodukte ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der
erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
[0048] In einer ganz besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt die Summe über die gewichtsprozentualen
Anteile aller erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte 1,5 bis 15 Gew.-% bezogen auf das
Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Für den Fall, dass bevorzugte
Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte eingesetzt werden, beträgt
die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile aller bevorzugten Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte bevorzugt ebenfalls 1,5 bis 15 Gew.-% bezogen
auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Besonders bevorzugt
enthält der pigmentierte wässrige Basislack als erfindungsgemäße Reaktionsprodukte
ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
[0049] In einer ebenfalls ganz besonders bevorzugten Ausführungsform beträgt die Summe über
die gewichtsprozentualen Anteile aller erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte 2 bis 12
Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Für den
Fall, dass bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte eingesetzt
werden, beträgt die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile aller bevorzugten
Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte bevorzugt ebenfalls 2 bis
12 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks. Besonders
bevorzugt enthält der pigmentierte wässrige Basislack als erfindungsgemäße Reaktionsprodukte
ausschließlich bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte.
[0050] Als Beispiele für in diesem Sinne bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen
Reaktionsprodukte seien die folgenden besonders bevorzugten Ausführungsformen genannt:
- a) In einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
wird bei der Herstellung als Verbindung (a) der Formel (I) ein Addukt eingesetzt,
dass durch Umsetzung der Hydroxylgruppen von mindestens einer aliphatischen Dihydroxycarbonsäure
mit 4 bis 12 Kohlenstoffatomen mit den Isocyanatgruppen von mindestens einem organischen
Diisocyanat, wobei das Diisocyanat im molaren Überschuss eingesetzt wird, erhalten
wird.
- b) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
handelt es sich bei dem erfindungsgemäß einzusetzenden Polyether um im Mittel diolisches
Polytetrahydrofuran und er besitzt zudem ein zahlenmittleres Molekulargewicht von
800 bis 3200 g/mol.
- c) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
werden die Komponenten (a) und (b) in einem molaren Verhältnis von 0,9/2,1 bis 1,5/1,8
eingesetzt.
- d) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
besitzt dieses eine Säurezahl von 15 bis 30 mg KOH/g.
- e) In einer weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
besitzt dieses ein zahlenmittleres Molekulargewicht von 1500 bis 7500 g/mol.
[0051] Als weiteres Beispiel für in diesem Sinne bevorzugte Ausführungsformen der erfindungsgemäßen
Reaktionsprodukte seien jene genannt, welche alle die unter a) bis e) angegebenen
Merkmale in Kombination realisieren.
[0052] Die erfindungsgemäß eingesetzten Basislacke enthalten farb- und/oder effektgebende
Pigmente. Solche Farbpigmente und Effektpigmente sind dem Fachmann bekannt und werden
beispielsweise in
Römpp-Lexikon Lacke und Druckfarben, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, New York, 1998,
Seite 176 und 451, beschrieben. Der Anteil der Pigmente kann beispielsweise im Bereich von 1 bis 40
Gew.-%, bevorzugt 2 bis 30 Gew.-%, besonders bevorzugt 3 bis 25 Gew.-%, bezogen auf
das Gesamtgewicht des pigmentierten wässrigen Basislacks, liegen. selbstvernetzende
Bindemittel vor. Beispiele geeigneter komplementärer reaktiver funktioneller Gruppen
und autoreaktiver funktioneller Gruppen sind aus der deutschen Patentanmeldung
DE 199 30 665 A1, Seite 7, Zeile 28 bis Seite 9, Zeilen 24 bekannt.
[0053] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist unter aktinischer Strahlung elektromagnetische
Strahlung wie nahes Infrarot (NIR), UV-Strahlung, insbesondere UV-Strahlung, und Korpuskularstrahlung
wie Elektronenstrahlung zu verstehen. Die Härtung durch UV-Strahlung wird üblicherweise
durch radikalische oder kationische Photoinitiatoren initiiert. Werden die thermische
Härtung und die Härtung mit aktinischem Licht gemeinsam angewandt, spricht man auch
von "Dual Cure".
[0054] In der vorliegenden Erfindung sind sowohl Basislacke bevorzugt, die physikalisch,
als auch solche die thermisch oder thermisch und mit aktinischer Strahlung, also mittels
"Dual Cure", härtbar sind.
[0055] Als thermisch härtende Basislacke sind solche bevorzugt, die als Bindemittel ein
Polyurethanharz, bevorzugt ein hydroxygruppenhaltiges Polyurethanharz, und als Vernetzungsmittel
ein Aminoplastharz oder ein blockiertes oder unblockiertes Polyisocyanat, bevorzugt
ein Aminoplastharz, enthalten. Unter den Aminoplastharzen sind Melaminharze bevorzugt.
[0056] Die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile, bezogen auf das Gesamtgewicht des
pigmentierten wässrigen Basislacks, aller Vernetzungsmittel, bevorzugt Aminoplastharze
und/oder blockierte und/oder unblockierte Polyisocyanat, insbesondere bevorzugt Melaminharze,
beträgt bevorzugt 1 bis 20 Gew.-%, besonders bevorzugt 1,5 bis 17,5 Gew.-% und ganz
besonders bevorzugt 2 bis 15 Gew.-% oder sogar 2,5 bis 10 Gew.-%.
[0057] Das bevorzugt enthaltene Polyurethanharz kann ionisch und/oder nicht ionisch hydrophil
stabilisiert sein. In bevorzugten Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung ist
das Polyurethanharz ionisch hydrophil stabilisiert. Die bevorzugten Polyurethanharze
sind linear oder enthalten Verzweigungen. Besonders bevorzugt handelt es sich um ein
Polyurethanharz, in dessen Gegenwart olefinisch ungesättigte Monomere polymerisiert
wurden. Das Polyurethanharz kann dabei neben dem aus der Polymerisation der olefinisch
ungesättigten Monomere hervorgegangenen Polymer vorliegen ohne dass diese kovalent
miteinander verbunden sind. Ebenso kann das Polyurethanharz aber auch mit dem aus
der Polymerisation der olefinisch ungesättigten Monomere hervorgegangenen Polymer
kovalent verbunden sein. Bei den olefinisch ungesättigten Monomeren handelt es sich
bevorzugt um Acrylat- und/oder Methacrylatgruppenhaltige Monomere. Ebenfalls bevorzugt
ist, dass die Acrylat- und/oder Methacrylatgruppenhaltigen Monomere in Kombination
mit weiteren olefinisch ungesättigten Verbindungen eingesetzt werden, welche keine
Acrylat- oder Methacrylatgruppen enthalten. Besonders bevorzugt werden als olefinisch
ungesättigte Monomere Acrylat- oder Methacrylatgruppen-haltige Monomere an das Polyurethanharz
gebunden, wodurch Polyurethan(meth)acrylate entstehen. Ganz besonders bevorzugt ist
das Polyurethanharz ein Polyurethan(meth)acrylat. Das bevorzugt enthaltene Polyurethanharz
ist physikalisch, thermisch oder thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbar.
Insbesondere ist es thermisch oder thermisch und mit aktinischer Strahlung härtbar.
Besonders bevorzugt umfasst das Polyurethanharz reaktive funktionelle Gruppen, durch
die eine Fremdvernetzung möglich ist.
[0058] Geeignete gesättigte oder ungesättigte Polyurethanharze werden beispielsweise beschrieben
in
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 14 896 A1, Spalte 1, Zeilen 29 bis 49 und Spalte 4, Zeile 23 bis Spalte 11, Zeile 5,
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 48 004 A1, Seite 4, Zeile 19 bis Seite 13, Zeile 48,
- der europäischen Patentanmeldung EP 0 228 003 A1, Seite 3, Zeile 24 bis Seite 5, Zeile 40,
- der europäischen Patentanmeldung EP 0 634 431 A1, Seite 3, Zeile 38 bis Seite 8, Zeile 9, oder
- der internationalen Patentanmeldung WO 92/15405, Seite 2, Zeile 35 bis Seite 10, Zeile 32.
[0059] Für die Herstellung des Polyurethanharzes werden vorzugsweise die dem Fachmann bekannten
aliphatischen, cycloaliphatischen, aliphatisch-cycloaliphatischen, aromatischen, aliphatisch-aromatischen
und/oder cycloaliphatisch-aromatischen Polyisocyanate eingesetzt.
[0060] Als Alkohol-Komponente für die Herstellung der Polyurethanharze werden bevorzugt
die dem Fachmann bekannten, gesättigten und ungesättigten höhermolekularen und niedermolekularen
Polyole sowie gegebenenfalls auch Monoalkohole in untergeordneten Mengen eingesetzt.
Als niedermolekulare Polyole werden insbesondere Diole und in untergeordneten Mengen
Triole zur Einführung von Verzweigungen eingesetzt. Beispiele geeigneter höhermolekularer
Polyole sind gesättigte oder olefinisch ungesättigte Polyesterpolyole und/oder Polyetherpolyole.
Insbesondere werden als höhermolekulare Polyole Polyesterpolyole, insbesondere solche
mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 400 bis 5000 g/mol.
[0061] Zur hydrophilen Stabilisierung beziehungsweise zur Erhöhung der Dispergierbarkeit
in wässrigem Medium kann das bevorzugt enthaltene Polyurethanharz bestimmte ionische
Gruppen und/oder Gruppen, die in ionische Gruppen überführt werden können (potentiell
ionische Gruppen), enthalten. Solche Polyurethanharze werden im Rahmen der vorliegenden
Erfindung als ionisch hydrophil stabilisierte Polyurethanharze bezeichnet. Ebenfalls
enthalten sein können nicht ionische hydrophil modifizierende Gruppen. Bevorzugt sind
aber die ionisch hydrophil stabilisierten Polyurethane. Genauer handelt es sich bei
den modifizierenden Gruppen entweder um
- funktionelle Gruppen, die durch Neutralisationsmittel und/oder Quaternisierungsmittel
in Kationen überführt werden können, und/oder kationische Gruppen (kationische Modifizierung)
oder
- funktionelle Gruppen, die durch Neutralisationsmittel in Anionen überführt werden
können, und/oder anionische Gruppen (anionische Modifizierung)
und/oder
- nicht ionische hydrophile Gruppen (nicht-ionische Modifizierung).
[0062] Wie der Fachmann weiß, handelt es sich bei den funktionellen Gruppen zur kationischen
Modifizierung um beispielsweise primäre, sekundäre und/oder tertiäre Aminogruppen,
sekundäre Sulfidgruppen und/oder tertiäre Phosphingruppen, insbesondere tertiäre Aminogruppen
und sekundäre Sulfidgruppen (funktionelle Gruppen, die durch Neutralisationsmittel
und/oder Quaternisierungsmittel in kationische Gruppen überführt werden können). Weiterhin
zu nennen sind die aus den vorgenannten funktionellen Gruppen unter Einsatz von dem
Fachmann bekannten Neutralisationsmitteln und/oder Quaternisierungsmitteln hergestellte
kationische Gruppen wie primäre, sekundäre, tertiäre und/oder quaternäre Ammoniumgruppen,
tertiäre Sulfoniumgruppen und/oder quaternäre Phosphoniumgruppen, insbesondere quaternäre
Ammoniumgruppen und tertiäre Sulfoniumgruppen.
[0063] Bei den funktionellen Gruppen zur anionischen Modifizierung handelt es sich bekanntermaßen
um beispielsweise Carbonsäure-, Sulfonsäure- und/oder Phosphonsäuregruppen, insbesondere
Carbonsäuregruppen (funktionelle Gruppen, die durch Neutralisationsmittel in anionische
Gruppen überführt werden können) sowie aus den vorgenannten funktionellen Gruppen
unter Einsatz von dem Fachmann bekannten Neutralisationsmittel hergestellte anionische
Gruppen wie Carboxylat-, Sulfonat- und/oder Phosphonatgruppen.
[0064] Bei den funktionellen Gruppen zur nicht-ionischen hydrophilen Modifizierung handelt
es sich vorzugsweise um Poly(oxyalkylen)-Gruppen, insbesondere Poly(oxyethylen)-Gruppen.
[0065] Die ionisch hydrophilen Modifizierungen können durch Monomere, welche die (potentiell)
ionischen Gruppen enthalten, in das Polyurethanharz eingeführt werden. Die nicht-ionischen
Modifizierungen werden beispielsweise durch den Einbau von Poly(ethylen)oxid-Polymeren
als laterale oder endständige Gruppen der Polyurethanmoleküle eingeführt. Die hydrophilen
Modifizierungen werden beispielsweise über Verbindungen eingeführt, die mindestens
eine gegenüber Isocyanatgruppen reaktive Gruppe, vorzugsweise mindestens eine Hydroxygruppe,
enthalten. Zur Einführung der ionischen Modifizierung können Monomere eingesetzt werden,
die neben den modifizierenden Gruppen mindestens eine Hydroxygruppe enthalten. Zur
Einführung der nicht-ionischen Modifizierungen werden bevorzugt die dem Fachmann bekannten
Polyetherdiole und/oder Alkoxypoly(oxyalkylen)alkohole eingesetzt.
[0066] Vorzugsweise kann es sich bei dem Polyurethanharz um ein Pfropfpolymer handeln. Insbesondere
handelt es sich um ein mittels olefinisch ungesättigten Verbindungen, vorzugsweise
olefinisch ungesättigten Monomeren, gepfropftes Polyurethanharz. In diesem Fall ist
das Polyurethan also beispielsweise mit Seitengruppen und/oder Seitenketten gepfropft,
die auf olefinisch ungesättigten Monomeren basieren. Insbesondere handelt es sich
um Seitenketten, die auf Poly(meth)acrylaten basieren. Als Poly(meth)acrylate werden
im Rahmen der vorliegenden Erfindung Polymere beziehungsweise polymere Reste bezeichnet,
die Acrylat- und/oder Methacrylatgruppen-haltige Monomere umfassen, vorzugsweise aus
Acrylat- und/oder Methacrylatgruppen-haltigen Monomeren bestehen. Unter Seitenketten,
die auf Poly(meth)acrylaten basieren, sind Seitenketten zu verstehen, die bei der
Pfropfpolymerisation unter Einsatz von (Meth)acrylatgruppen-haltigen Monomeren aufgebaut
werden. Dabei werden bei der Pfropfpolymerisation vorzugsweise mehr als 50 mol-%,
insbesondere mehr als 75 mol-%, insbesondere 100 mol.-%, bezogen auf die Gesamtmenge
der bei der Pfropfpolymerisation eingesetzten Monomere, an (Meth)acrylatgruppen-haltigen
Monomeren eingesetzt.
[0067] Die beschriebenen Seitenketten werden bevorzugt nach der Herstellung einer Polyurethanharz-Primärdispersion
in das Polymer eingeführt. In diesem Fall kann das in der Primärdispersion vorliegende
Polyurethanharz seiten- und/oder endständige olefinisch ungesättigte Gruppen enthalten,
über die dann die Pfropfpolymerisation mit den olefinisch ungesättigten Verbindungen
verläuft. Das zu pfropfende Polyurethanharz kann also ein ungesättigtes Polyurethanharz
(A) sein. Bei der Pfropfpolymerisation handelt es sich dann um eine radikalische Polymerisation
olefinisch ungesättigter Reaktionspartner. Möglich ist beispielsweise auch, dass die
zur Pfropfpolymerisation eingesetzten olefinisch ungesättigten Verbindungen mindestens
eine Hydroxygruppe enthalten. Dann kann auch zunächst eine Anbindung der olefinisch
ungesättigten Verbindungen über diese Hydroxygruppen durch Reaktion mit freien Isocyanatgruppen
des Polyurethanharzes erfolgen. Diese Anbindung findet anstelle oder neben der radikalischen
Reaktion der olefinisch ungesättigten Verbindungen mit den gegebenenfalls vorhandenen
seiten- und/oder endständigen olefinisch ungesättigten Gruppen des Polyurethanharzes
statt. Danach folgt dann wieder die Pfropfpolymerisation über radikalische Polymerisation
wie sie weiter oben beschrieben wurde. Erhalten werden jedenfalls mit olefinisch ungesättigten
Verbindungen, vorzugsweise olefinisch ungesättigten Monomeren, gepfropfte Polyurethanharze.
[0068] Als olefinisch ungesättigte Verbindungen, mit denen das Polyurethanharz (A) bevorzugt
gepfropft wird, können praktisch alle radikalisch polymerisierbaren, olefinisch ungesättigten
und organischen Monomere eingesetzt werden, die dem Fachmann für diese Zwecke zur
Verfügung stehen. Beispielhaft seien einige bevorzugte Monomerklassen genannt:
- Hydroxyalkylester der (Meth)acrylsäure oder anderer alpha, beta -ethylenisch ungesättigter
Carbonsäuren,
- (Meth)acrylsäurealkylester und/oder -cycloalkylester mit bis zu 20 Kohlenstoffatomen
im Alkylrest,
- Ethylenisch ungesättigte Monomere, enthaltend mindestens eine Säuregruppe, insbesondere
genau eine Carboxylgruppe, wie beispielsweise (Meth)acrylsäure,
- Vinylester von in alpha-Stellung verzweigten Monocarbonsäuren mit 5 bis 18 Kohlenstoffatomen,
- Umsetzungsprodukte aus (Meth)acrylsäure mit dem Glycidylester einer in alpha-Stellung
verzweigten Monocarbonsäure mit 5 bis 18 Kohlenstoffatomen,
- Weitere ethylenisch ungesättigte Monomere wie Olefine (beispielsweise Ethylen), (Meth)acrylsäureamide,
vinylaromatische Kohlenwasserstoffe (beispielsweise Styrol), Vinylverbindungen wie
Vinylchlorid und/oder Vinylether wie Ethylvinylether.
[0069] Bevorzugt werden (Meth)acrylatgruppen-haltige Monomere eingesetzt, sodass das es
sich bei den aufgepfropften Seitenketten um Poly(meth)acrylat-basierende Seitenketten
handelt.
[0070] Die seiten- und/oder endständigen olefinisch ungesättigten Gruppen in dem Polyurethanharz,
über die die Pfropfpolymerisation mit den olefinisch ungesättigten Verbindungen verlaufen
kann, werden bevorzugt über bestimmte Monomere in das Polyurethanharz eingeführt.
Diese bestimmten Monomere enthalten neben einer olefinisch ungesättigten Gruppe beispielsweise
noch mindestens eine gegenüber Isocyanatgruppen reaktive Gruppe. Bevorzugt sind Hydroxygruppen
sowie primäre und sekundäre Aminogruppen. Insbesondere bevorzugt sind Hydroxygruppen.
[0071] Natürlich können die beschriebenen Monomere, durch welche die seiten- und/oder endständigen
olefinisch ungesättigten Gruppen in das Polyurethanharz eingeführt werden können,
auch zum Einsatz kommen, ohne dass das Polyurethanharz danach noch zusätzlich mit
olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropft wird. Bevorzugt ist allerdings, dass
das Polyurethanharz mit olefinisch ungesättigten Verbindungen gepfropft ist.
[0072] Das bevorzugt enthaltene Polyurethanharz kann ein selbst- und/oder fremdvernetzendes
Bindemittel sein. Bevorzugt umfasst das Polyurethanharz reaktive funktionelle Gruppen,
durch die eine Fremdvernetzung möglich ist. In diesem Fall ist in dem pigmentierten
wässrigen Basislack bevorzugt mindestens ein Vernetzungsmittel enthalten. Insbesondere
handelt es sich bei den reaktiven funktionellen Gruppen, durch die eine Fremdvernetzung
möglich ist, um Hydroxygruppen. Besonders vorteilhaft sind im Rahmen des erfindungsgemäßen
Verfahrens polyhydroxyfunktionelle Polyurethanharze einsetzbar. Dies bedeutet, dass
das Polyurethanharz im Mittel mehr als eine Hydroxygruppe pro Molekül enthält.
[0073] Die Herstellung des Polyurethanharzes erfolgt nach den üblichen Methoden der Polymerchemie.
Gemeint sind dabei beispielsweise die Polymerisation von Polyisocyanaten und Polyolen
zu Polyurethanen und die bevorzugt dann folgende Pfropfpolymerisation mit olefinisch
ungesättigten Verbindungen. Diese Methoden sind dem Fachmann bekannt und können individuell
angepasst werden. Beispielhafte Herstellungsverfahren und Reaktionsbedingungen sind
der europäischen Patentschrift
EP 0521 928 B1, Seite 2, Zeile 57 bis Seite 8, Zeile 16 zu entnehmen.
[0074] Das bevorzugt enthaltene Polyurethanharz besitzt vorzugsweise ein zahlenmittleres
Molekulargewicht von 200 bis 30000 g/mol, bevorzugt von 2000 bis 20000 g/mol. Es besitzt
zudem beispielsweise eine Hydroxylzahl von 0 bis 250 mg KOH/g, insbesondere aber von
20 bis 150 mg KOH/g. Die Säurezahl des Polyurethanharzes liegt bevorzugt bei 5 bis
200 mg KOH/g, insbesondere bei 10 bis 40 mg KOH/g. Die Hydroxylzahl wird im Rahmen
der vorliegenden Erfindung nach DIN 53240, die Säurezahl gemäß DIN 53402 bestimmt.
[0075] Der Polyurethanharzgehalt liegt bevorzugt zwischen 5 und 80 Gew.-%, besonders bevorzugt
zwischen 8 und 70 Gew.-% und besonders bevorzugt zwischen 10 und 60 Gew.-%, jeweils
bezogen auf den filmbildenden Festkörper des Basislacks.
[0076] Unter filmbildendem Festkörper, welcher letztlich dem Bindemittelanteil entspricht,
ist der nichtflüchtige Gewichtsanteil des Basislacks ohne Pigmente und gegebenenfalls
Füllstoffe zu verstehen. Der filmbildende Festkörper ist folgendermaßen bestimmbar:
Eine Probe des pigmentierten wässrigen Basislacks (etwa 1 g) wird mit der 50 bis 100-fachen
Menge Tetrahydrofuran versetzt und dann etwa 10 Minuten gerührt. Anschließend werden
die unlöslichen Pigmente und gegebenenfalls Füllstoffe abfiltriert, der Rückstand
mit wenig THF nachgespült und von dem so erhaltenen Filtrat das THF am Rotationsverdampfer
entfernt. Der Rückstand des Filtrats wird zwei Stunden bei 120°C getrocknet und der
dabei resultierende filmbildende Festkörper ausgewogen.
[0077] Die Summe über die gewichtsprozentualen Anteile, bezogen auf das Gesamtgewicht des
pigmentierten wässrigen Basislacks, aller Polyurethanharze beträgt bevorzugt 2 bis
40 Gew.-%, besonders bevorzugt 2,5 bis 30 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt 3 bis
20 Gew.-%.
[0078] Der einzusetzende pigmentierte wässrige Basislack kann zudem mindestens einen von
den erfindungsgemäßen Reaktionsprodukten verschiedenen Polyester, insbesondere einen
Polyester mit einem zahlenmittleren Molekulargewicht von 400 bis 5000 g/mol als Bindemittel
enthalten. Entsprechende Polyester werden beispielsweise in
DE 4009858 in Spalte 6, Zeile 53 bis Spalte 7, Zeile 61 und Spalte 10, Zeile 24 bis Spalte 13,
Zeile 3 beschrieben.
[0079] Bevorzugt ist zudem ein Verdicker enthalten. Als Verdicker eignen sich anorganische
Verdicker aus der Gruppe der Schichtsilikate. Neben den anorganischen Verdickern können
jedoch auch ein oder mehrere organische Verdicker eingesetzt werden. Diese werden
vorzugsweise gewählt aus der Gruppe bestehend aus (Meth)acrylsäure-(Meth)acrylat-Copolymerisat-Verdickern,
wie beispielsweise dem Handelsprodukt Rheovis AS S130 (BASF) und Polyurethanverdickern,
wie beispielsweise dem Handelsprodukt Rheovis PU 1250 (BASF). Die eingesetzten Verdicker
sind von den eingesetzten Bindemitteln verschieden.
[0080] Darüber hinaus kann der pigmentierte wässrige Basislack noch mindestens einen Zusatzstoff
enthalten. Beispiele für derartige Zusatzstoffe sind rückstandsfrei oder im Wesentlichen
rückstandsfrei thermisch zersetzbare Salze, von Polyurethanharzen verschiedene physikalisch,
thermisch und/oder mit aktinischer Strahlung härtbare Harze als Bindemittel, weitere
Vernetzungsmittel, organische Lösemittel, Reaktivverdünner, transparente Pigmente,
Füllstoffe, molekulardispers lösliche Farbstoffe, Nanopartikel, Lichtschutzmittel,
Antioxidantien, Entlüftungsmittel, Emulgatoren, Slipadditive, Polymerisationsinhibitoren,
Initiatoren für radikalische Polymerisationen, Haftvermittler, Verlaufsmittel, filmbildende
Hilfsmittel, Sag-Control-Agents (SCAs), Flammschutzmittel, Korrosionsinhibitoren,
Wachse, Sikkative, Biozide und Mattierungsmittel.
[0081] Geeignete Zusatzstoffe der vorstehend genannten Art sind beispielsweise aus
- der deutschen Patentanmeldung DE 199 48 004 A1, Seite 14, Zeile 4, bis Seite 17, Zeile 5,
- dem deutschen Patent DE 100 43 405 C1, Spalte 5, Absätze [0031] bis [0033],
bekannt. Sie werden in den üblichen und bekannten Mengen eingesetzt.
[0082] Der Festkörpergehalt der erfindungsgemäßen Basislacke kann je nach den Erfordernissen
des Einzelfalls variieren. In erster Linie richtet sich der Festkörpergehalt nach
der für die Applikation, insbesondere Spritzapplikation, erforderlichen Viskosität,
so dass er vom Fachmann aufgrund seines allgemeinen Fachwissens gegebenenfalls unter
Zuhilfenahme weniger orientierender Versuche eingestellt werden kann.
[0083] Vorzugsweise liegt der Festkörpergehalt der Basislacke bei 5 bis 70 Gew.-%, besonders
bevorzugt bei 8 bis 60 Gew.-% und ganz besonders bevorzugt bei 12 bis 55 Gew.-%.
[0084] Unter Festkörpergehalt (nicht-flüchtiger Anteil) ist derjenige Gewichtsanteil zu
verstehen, der unter festgelegten Bedingungen beim Eindampfen als Rückstand verbleibt.
In der vorliegenden Anmeldung wird der Festkörper, sofern nicht explizit anders angegeben,
nach DIN EN ISO 3251 bestimmt. Dazu wird der Basislack für 60 Minuten bei 130°C eingedampft.
[0085] Diese Prüfmethode wird, sofern nicht anders angegeben, ebenfalls angewandt, um beispielsweise
den Anteil verschiedener Komponenten des Basislacks am Gesamtgewicht des Basislacks
zu bestimmen. So kann beispielsweise der Festkörper einer Dispersion eines Polyurethanharzes,
welches dem Basislack zugegeben werden soll, entsprechend bestimmt werden, um den
Anteil dieses Polyurethanharzes an der Gesamtkomposition zu ermitteln.
[0086] Der erfindungsgemäße Basislack ist wässrig. Der Ausdruck "wässrig" ist dem Fachmann
in diesem Zusammenhang bekannt. Gemeint ist grundsätzlich ein Basislack, der nicht
ausschließlich auf organischen Lösemitteln basiert, das heißt nicht ausschließlich
als Lösemittel solche auf organischer Basis enthält, sondern der im Gegenteil als
Lösemittel einen signifikanten Anteil Wasser enthält. Bevorzugt ist "wässrig" im Rahmen
der vorliegenden Erfindung so zu verstehen, dass das jeweilige Beschichtungsmittel,
insbesondere der Basislack, einen Anteil von mindestens 40 Gew.-%, bevorzugt mindestens
50 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt mindestens 60 Gew.-% Wasser, jeweils bezogen auf
die Gesamtmenge der enthaltenen Lösemittel (das heißt Wasser und organische Lösemittel),
aufweist. Darunter bevorzugt beträgt der Anteil an Wasser 40 bis 90 Gew.-%, insbesondere
50 bis 80 Gew.-%, ganz besonders bevorzugt 60 bis 75 Gew.-%, jeweils bezogen auf die
Gesamtmenge der enthaltenen Lösemittel.
[0087] Die Herstellung der erfindungsgemäß eingesetzten Basislacke kann unter Einsatz der
für die Herstellung von Basislacken üblichen und bekannten Mischverfahren und Mischaggregaten
erfolgen.
Das erfindungsgemäße Verfahren und die erfindungsgemäße Mehrschichtlackierung
[0088] Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung
einer mehrschichtigen Lackierung, bei dem
- (1) ein pigmentierter wässriger Basislack auf ein Substrat aufgebracht wird,
- (2) aus dem in Stufe (1) aufgebrachten Lack ein Polymerfilm gebildet wird,
- (3) auf die so erhaltene Basislackschicht ein Klarlack aufgebracht wird und anschließend
- (4) die Basislackschicht zusammen mit der Klarlackschicht gehärtet wird,
welches dadurch gekennzeichnet ist, dass in Stufe (1) ein pigmentierter wässriger
Basislack eingesetzt wird, welcher mindestens ein erfindungsgemäßes Reaktionsprodukt
enthält. Alle vorstehend genannten Ausführungen hinsichtlich des erfindungsgemäßen
Reaktionsprodukts und des pigmentierten wässrigen Basislacks gelten auch für das erfindungsgemäße
Verfahren. Dies gilt insbesondere auch für alle bevorzugten, besonders bevorzugten
und ganz besonders bevorzugten Merkmale.
[0089] Das besagte Verfahren wird bevorzugt zur Herstellung von farbgebenden Mehrschichtlackierungen,
effektgebenden Lackierungen und farb- und effektgebenden Lackierungen eingesetzt.
[0090] Die Applikation des erfindungsgemäß eingesetzten pigmentierten wässrigen Basislacks
erfolgt üblicherweise auf mit Füller oder Grundierfüller vorbehandelte Metall- oder
Kunststoffsubstrate. Gegebenenfalls kann der besagte Basislack auch direkt auf dem
Kunststoffuntergrund aufgebracht werden.
[0091] Soll ein Metallsubstrat beschichtet werden, so wir dieses vor der Applikation des
Füllers oder Grundierfüllers bevorzugt noch mit einer Elektrotauchlackierung beschichtet.
[0092] Wird ein Kunststoffsubstrat beschichtet, so wird dieses vor der Applikation des Füllers
oder Grundierfüllers bevorzugt noch vorbehandelt. Die hierzu am häufigsten angewendeten
Verfahren sind das Beflammen, die Plasmabehandlung und die Corona-Entladung. Bevorzugt
wird das Beflammen eingesetzt.
[0093] Die Applikation des erfindungsgemäßen pigmentierten wässrigen Basislacks auf wie
oben beschriebene mit gehärteten Elektrotauchlackierungen und/oder Füllern vorbeschichtete
Metallsubstrate kann in den im Rahmen der Automobilindustrie üblichen Schichtdicken
im Bereich von beispielsweise 5 bis 100 Mikrometer, bevorzugt 5 bis 60 Mikrometer
erfolgen. Dabei werden Spritzapplikationsmethoden angewandt, wie zum Beispiel Druckluftspritzen,
Airless-Spritzen, Hochrotation, elektrostatischer Sprühauftrag (ESTA), gegebenenfalls
verbunden mit Heissspritzapplikation wie zum Beispiel Hot-Air-Heissspritzen.
[0094] Nach der Applikation des pigmentierten wässrigen Basislacks kann dieser nach bekannten
Methoden getrocknet werden. Beispielsweise können (1-Komponenten)-Basislacke, welche
bevorzugt sind, bei Raumtemperatur für 1 bis 60 Minuten abgelüftet werden und darauf
folgend bevorzugt bei gegebenenfalls leicht erhöhten Temperaturen von 30 bis 90°C
getrocknet werden. Unter Ablüften und Trocknung ist im Rahmen der vorliegenden Erfindung
ein Abdunsten von organischen Lösemitteln und/oder Wasser zu verstehen, wodurch der
Lack trockener, aber noch nicht gehärtet wird beziehungsweise noch kein vollständig
vernetzter Lackfilm gebildet wird.
[0095] Dann wird ein handelsüblicher Klarlack nach ebenfalls gängigen Methoden appliziert,
wobei die Schichtdicken wiederum in den gängigen Bereichen, beispielsweise 5 bis 100
Mikrometer, liegen.
[0096] Nach der Applikation des Klarlacks kann dieser bei Raumtemperatur für beispielsweise
1 bis 60 Minuten abgelüftet und gegebenenfalls getrocknet werden. Dann wird der Klarlack
zusammen mit dem applizierten pigmentierten Basislack gehärtet. Dabei finden beispielsweise
Vernetzungsreaktionen statt, wodurch eine erfindungsgemäße farb- und/oder effektgebende
mehrschichtige Lackierung auf einem Substrat hergestellt wird. Die Härtung erfolgt
bevorzugt thermisch bei Temperaturen von 60 bis 200°C. Als thermisch härtende Basislacke
sind solche bevorzugt, die als zusätzliches Bindemittel ein Polyurethanharz und als
Vernetzungsmittel ein Aminoplastharz oder ein blockiertes oder unblockiertes Polyisocyanat,
bevorzugt ein Aminoplastharz, enthalten. Unter den Aminoplastharzen sind Melaminharze
bevorzugt.
[0097] In einer besonderen Ausführungsform umfasst das Verfahren zur Herstellung einer mehrschichtigen
Lackierung die folgenden Schritte:
Herstellung einer gehärteten Elektrotauchlackschicht auf dem metallischen Substrat
durch elektrophoretisches Aufbringen eines Elektrotauchlacks auf das Substrat und
anschließende Härtung des Elektrotauchlacks,
[0098] Herstellung (i) einer Basislackschicht oder (ii) mehrerer direkt aufeinander folgender
Basislackschichten direkt auf der gehärteten Elektrotauchlackschicht durch (i) Aufbringen
eines wässrigen Basislacks direkt auf die Elektrotauchlackschicht oder (ii) direkt
aufeinanderfolgendes Aufbringen von mehreren Basislacken auf die Elektrotauchlackschicht,
[0099] Herstellung einer Klarlackschicht direkt auf (i) der Basislackschicht oder (ii) der
obersten Basislackschicht durch Aufbringen eines Klarlacks direkt auf (i) die eine
Basislackschicht oder (ii) die oberste Basislackschicht,
wobei (i) der eine Basislack oder (ii) mindestens einer der Basislacke ein erfindungsgemäßer
Basislack ist,
gemeinsame Härtung der Basislackschicht (i) oder der Basislackschichten (ii) sowie
der Klarlackschicht.
[0100] In der letztgenannten Ausführungsform wird also im Vergleich zu den oben beschriebenen
Standardverfahren auf die Applikation und separate Härtung eines gängigen Füllers
verzichtet. Stattdessen werden alle auf die Elektrotauchlackschicht applizierten Schichten
gemeinsam gehärtet, wodurch der Gesamtprozess deutlich ökonomischer gestaltet wird.
Trotzdem gelingt auf diese Weise und insbesondere durch den Einsatz eines erfindungsgemäßen
Basislacks enthaltend ein erfindungsgemäßes Reaktionsprodukt der Aufbau von Mehrschichtlackierungen,
die kaum Nadelstiche aufweisen und damit optisch besonders herausragend sind. Dies
ist insbesondere deshalb überraschend, als dass bei diesem Verfahren innerhalb des
abschließenden Härtungsschritts eine besonders große Menge organischer Lösemittel
beziehungsweise Wasser aus dem System entweichen muss (da eben keine separate Härtung
einer Füllerschicht realisiert wird), wodurch die grundsätzliche Anfälligkeit für
die Erzeugung von Nadelstichen stark ansteigt.
[0101] Das Aufbringen eines Beschichtungsmittels direkt auf ein Substrat beziehungsweise
direkt auf eine zuvor hergestellte Beschichtungsschicht versteht sich wie folgt. Das
jeweilige Beschichtungsmittel wird so aufgebracht, dass die daraus hergestellte Beschichtungsschicht
auf dem Substrat (der anderen Beschichtungsschicht) angeordnet ist und in direktem
Kontakt mit dem Substrat (der anderen Beschichtungsschicht) steht. Zwischen Beschichtungsschicht
und Substrat (anderer Beschichtungsschicht) ist also insbesondere keine andere Schicht
angeordnet. Ohne die Angabe direkt ist die aufgebrachte Beschichtungsschicht zwar
auf dem Substrat (der anderen Schicht) angeordnet, es muss aber nicht zwingend ein
direkter Kontakt vorhanden sein. Insbesondere können weitere Schichten dazwischen
angeordnet sein. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung gilt also folgendes. Ist keine
Spezifizierung von direkt angegeben, so ist augenscheinlich keine Beschränkung auf
direkt gegeben.
[0102] Die Beschichtung von Kunststoffsubstraten erfolgt im Grunde genommen analog zu der
von Metallsubstraten. Allerdings wird hier im Allgemeinen bei deutlich niedrigeren
Temperaturen von 30 bis 90 °C gehärtet. Bevorzugt ist daher der Einsatz von Zweikomponentenklarlacken.
Ferner werden in diesem Zusammenhang bevorzugt Basislacke eingesetzt, welche als Bindemittel
ein Polyurethanharz aber keinen Vernetzer enthalten.
Mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens können metallische und nichtmetallische
Substrate, insbesondere Kunststoffsubstrate, vorzugsweise Automobilkarosserien oder
Teile davon lackiert werden.
[0103] Das erfindungsgemäße Verfahren kann ferner zur Doppellackierung in der OEM-Lackierung
eingesetzt werden. Darunter ist zu verstehen, dass ein Substrat, welches mit Hilfe
des erfindungsgemäßen Verfahrens beschichtet wurde, ein zweites Mal, ebenfalls mit
Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens, lackiert wird.
[0104] Die Erfindung betrifft ferner Mehrschichtlackierungen, welche nach dem oben beschriebenen
Verfahren herstellbar sind. Diese Mehrschichtlackierungen sollen im Folgenden als
erfindungsgemäße Mehrschichtlackierungen bezeichnet werden.
[0105] Alle vorstehend genannten Ausführungen hinsichtlich des erfindungsgemäßen Reaktionsprodukts
und des pigmentierten wässrigen Basislacks gelten entsprechend auch für die besagte
Mehrschichtlackierung sowie für das erfindungsgemäße Verfahren. Dies gilt insbesondere
auch für alle bevorzugten, besonders bevorzugten und ganz besonders bevorzugten Merkmale.
[0106] Bevorzugt handelt es sich bei den erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierungen um farbgebende
Mehrschichtlackierungen, effektgebenden Lackierungen und farb- und effektgebenden
Lackierungen.
[0107] Ein weiterer Aspekt der Erfindung betrifft das erfindungsgemäße Verfahren, wobei
es sich bei dem besagten Substrat aus Stufe (1) um eine Mehrschichtlackierung handelt,
welche Fehlstellen besitzt. Bei dieser Substrat-Mehrschichtlackierung, welche Fehlstellen
besitzt, handelt es sich also um eine Originallackierung, welche ausgebessert oder
komplett überlackiert werden soll.
[0109] Die mit Hilfe des erfindungsgemäßen Verfahrens hergestellten Mehrschichtlackierungen
können ebenfalls solche Fehlstellen aufweisen. In einer bevorzugten Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens handelt es sich bei dem Substrat aus Stufe (1) daher
um eine erfindungsgemäße Mehrschichtlackierung, welche Fehlstellen aufweist.
[0110] Diese Mehrschichtlackierungen werden bevorzugt auf Automobilkarossen oder Teilen
davon mit Hilfe des oben bezeichneten erfindungsgemäßen Verfahrens im Rahmen der Automobilserienlackierung
hergestellt. Treten solche Fehlstellen direkt nach erfolgter OEM-Lackierung auf, so
werden diese direkt ausgebessert. Man spricht daher auch von OEM-Automobilreparaturlackierung.
Sind nur kleine Fehlstellen auszubessern, so wird nicht die ganze Karosse komplett
überlackiert (Doppellackierung), sondern nur der sogenannte "Spot" repariert. Letzterer
Prozess wird "Spot Repair" genannt. Besonders bevorzugt ist daher der Einsatz des
erfindungsgemäßen Verfahrens zum Ausbessern von Fehlstellen auf erfindungsgemäßen
Mehrschichtlackierungen (Originallackierungen) in der OEM-Automobilreparaturlackierung.
[0111] Sofern im Rahmen der vorliegenden Erfindung der Bereich der Automobilreparaturlackierung
angesprochen ist, das heißt also von der Ausbesserung von Fehlstellen die Rede ist,
und dabei als Substrat eine Mehrschichtlackierung, welche Fehlstellen besitzt, genannt
wird, ist hiermit selbstverständlich gemeint, dass diese Substrat-Mehrschichtlackierung
mit Fehlstellen (Originallackierung) in der Regel auf einem wie oben beschriebenen
Metallsubstrat oder einem Kunststoffsubstrat angeordnet ist.
[0112] Damit die ausgebesserte Stelle sich farblich nicht vom Rest der Originallackierung
unterscheidet, ist es bevorzugt, dass der in Stufe (1) des erfindungsgemäßen Verfahrens
zur Ausbesserung von Fehlstellen eingesetzte wässrige Basislack derselbe ist, wie
der, der zur Herstellung der Substrat-Mehrschichtlackierung mit Fehlstellen (Originallackierung)
eingesetzt wurde.
[0113] Die vorstehend genannten Ausführungen bezüglich des erfindungsgemäßen Polymers und
des wässrigen pigmentierten Basislacks gelten somit auch für den in Rede stehenden
Einsatz des erfindungsgemäßen Verfahrens zum Ausbessern von Fehlstellen auf einer
mehrschichtigen Lackierung. Dies gilt insbesondere auch für alle genannten bevorzugten,
besonders bevorzugten und ganz besonders bevorzugten Merkmale. Es ist weiterhin bevorzugt,
dass es sich bei den auszubessernden, erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierungen um
farbgebende Mehrschichtlackierungen, effektgebenden Lackierungen und farb- und effektgebenden
Lackierungen handelt.
[0114] Die oben beschriebenen Fehlstellen auf der erfindungsgemäßen Mehrschichtlackierung
lassen sich mit Hilfe des vorstehend beschriebenen erfindungsgemäßen Verfahrens ausbessern.
Hierzu kann die auszubessernde Oberfläche der Mehrschichtlackierung zunächst angeschliffen
werden. Bevorzugt wird das Anschleifen so ausgeführt, dass von der Originallackierung
nur die Basislackierung und die Klarlackierung ab- oder angeschliffen werden, nicht
aber die in der Regel darunter angeordnete Füllerschicht und Grundierungsschicht abgeschliffen
wird. Auf diese Weise kann bei der Reparatur insbesondere auf die erneute Applikation
von speziellen Grundierungen und Grundierfüllern verzichtet werden. Diese Form des
Anschleifens hat sich insbesondere im Bereich der OEM-Automobilreparaturlackierung
bewährt, da hier im Gegensatz zur Reparatur in einer Werkstatt in der Regel nur Fehlstellen
im Schichtbereich Basislack und/oder Klarlack auftreten, jedoch insbesondere keine
Fehlstellen im Bereich der darunter angeordneten Füller- und Grundierungsschichten
auftreten. Fehlstellen in den letztgenannten Schichten sind eher im Bereich der Reparatur
in Werkstätten anzutreffen. Beispielhaft seien Lackschäden wie Kratzer genannt, welche
beispielsweise durch mechanische Einflüsse erzeugt werden und oft bis auf die Substratoberfläche
(Metall- oder Kunststoffsubstrat) reichen.
[0115] Nach dem Anschleifen erfolgt die Applikation des pigmentierten wässrigen Basislacks
auf die Fehlstelle in der Originallackierung durch pneumatische Zerstäubung. Nach
der Applikation des pigmentierten wässrigen Basislacks kann dieser nach bekannten
Methoden getrocknet werden. Beispielsweise kann der Basislack bei Raumtemperatur für
1 bis 60 Minuten getrocknet werden und darauf folgend bei gegebenenfalls leicht erhöhten
Temperaturen von 30 bis 80°C getrocknet werden. Unter Ablüften und Trocknung ist im
Rahmen der vorliegenden Erfindung ein Abdunsten von organischen Lösemitteln und/oder
Wasser zu verstehen, wodurch der Lack noch nicht vollständig gehärtet wird. Im Rahmen
der vorliegenden Erfindung ist es bevorzugt, dass der Basislack als Bindemittel ein
Polyurethanharz und als Vernetzungsmittel ein Aminoplastharz, bevorzugt ein Melaminharz,
enthält.
[0116] Anschließend wird ein handelsüblicher Klarlack nach ebenfalls gängigen Methoden appliziert.
Nach der Applikation des Klarlacks kann dieser bei Raumtemperatur für beispielsweise
1 bis 60 Minuten abgelüftet und gegebenenfalls getrocknet werden. Dann wird der Klarlack
zusammen mit dem applizierten pigmentierten Basislack gehärtet.
[0117] Beim so genannten Niedrigtemperatureinbrennen erfolgt die Härtung vorzugsweise bei
Temperaturen von 20 bis 90°C. Hier werden bevorzugt Zweikomponentenklarlacke eingesetzt.
Wird, wie oben beschrieben, als weiteres Bindemittel ein Polyurethanharz und als Vernetzungsmittel
ein Aminoplastharz eingesetzt, so kommt es bei diesen Temperaturen in der Basislackschicht
nur zu einer geringen Vernetzung durch das Aminoplastharz. Neben seiner Funktion als
Härter dient das Aminoplastharz hierbei auch der Plastifizierung und kann die Pigmentbenetzung
unterstützen. Neben den Aminoplastharzen können auch unblockierte Isocyanate eingesetzt
werden. Diese vernetzen je nach Art des eingesetzten Isocyanats schon bei Temperaturen
ab 20 °C.
[0118] Beim sogenannten Hochtemperatureinbrennen erfolgt die Härtung vorzugsweise bei Temperaturen
von 130 bis 150°C. Hier werden sowohl Einkomponenten- als auch Zweikomponentenklarlacke
eingesetzt. Wird, wie oben beschrieben, als weiteres Bindemittel ein Polyurethanharz
und als Vernetzungsmittel ein Aminoplastharz eingesetzt, so kommt es bei diesen Temperaturen
in der Basislackschicht zu einer Vernetzung durch das Aminoplastharz.
[0119] Im Rahmen der Ausbesserung von Fehlstellen auf Mehrschichtlackierungen, das heißt
also, wenn das Substrat eine Fehlstellen aufweisende Originallackierung darstellt,
bevorzugt eine erfindungsgemäße Fehlstellen aufweisende Mehrschichtlackierung, wird
bevorzugt das Niedrigtemperatureinbrennen angewendet.
[0120] Ein weiterer Aspekt der vorliegenden Erfindung ist die Verwendung des erfindungsgemäßen
Reaktionsprodukts in pigmentierten wässrigen Basislacken zur Verbesserung der Stabilität
gegen optische Fehlstellen, insbesondere Nadelstiche.
[0121] Die Qualität der Stabilität gegen Nadelstiche kann grundsätzlich anhand der Nadelstichgrenze
sowie der Anzahl von Nadelstichen bestimmt werden. Die Nadelstichgrenze und deren
Bestimmung können wie folgt beschrieben werden: Beim Aufbau einer Mehrschichtlackierung
wird die Schichtdicke einer unterhalb der Klarlackschicht angeordneten Basislackschicht,
die zudem nicht separat, sondern zusammen mit der Klarlackschicht eingebrannt wird,
variiert. Bei dieser Beschichtungsschicht kann es sich beispielsweise um eine direkt
auf der Elektrotauchlackschicht angeordnete Schicht und/oder eine direkt unterhalb
der Klarlackschicht angeordnete Schicht handeln. Aus dem einleitend Ausgeführten folgt,
dass die Tendenz zur Bildung von Nadelstichen mit der Vergrößerung der Schichtdicke
dieser Schicht zunehmen muss, da entsprechend höhere Mengen an Luft, organischen Lösemitteln
und/oder Wasser aus der Schicht entweichen müssen. Die Schichtdicke dieser Schicht,
ab welcher Nadelstiche zu erkennen sind, wird als Nadelstichgrenze bezeichnet. Je
höher die Nadelstichgrenze ist, desto besser ist augenscheinlich die Qualität der
Stabilität gegen Nadelstiche. Auch die Anzahl von Nadelstichen ist selbstverständlich
Ausdruck der Qualität der Stabilität gegen Nadelstiche.
[0122] Im Folgenden wird die Erfindung anhand von Beispielen erläutert.
Beispiele
Spezifizierung bestimmter eingesetzter Komponenten und Messmethoden
Polyester 1 (P1):
[0123] Hergestellt entsprechend Beispiel D, Spalte 16, Z. 37 bis 59 der
DE 4009858 A, wobei als organisches Lösemittel Butylglykol anstatt Butanol verwendet wurde, das
heißt als Lösemittel Butylglykol und Wasser enthalten sind. Die entsprechende Dispersion
des Polyesters hat einen Festkörpergehalt von 60 Gew.-%.
Bestimmung des zahlenmittleren Molekulargewichts:
Herstellung erfindungsgemäßer Reaktionsprodukte (ER):
ER2:
[0125] In einem 4 l Edelstahlreaktor, ausgestattet mit Ankerrührer, Thermometer und Kühler
wurden 134,10 g Dimethylolpropionsäure (DMPA) (1,0 mol), 488,58 g Tetramethylenxylylendiisocyanat
(TMXDI der Fa. Cytec, 2,0 mol) sowie 415 g Methylethylketon eingewogen. Die Mischung
wird unter Rühren auf 80°C erhitzt und solange gehalten, bis eine Probe keine kristallinen
Anteile des DMPA mehr aufwies.
Beispiele
Spezifizierung bestimmter eingesetzter Komponenten und Messmethoden
Polyester 1 (P1):
[0126] Hergestellt entsprechend Beispiel D, Spalte 16, Z. 37 bis 59 der
DE 4009858 A, wobei als organisches Lösemittel Butylglykol anstatt Butanol verwendet wurde, das
heißt als Lösemittel Butylglykol und Wasser enthalten sind. Die entsprechende Dispersion
des Polyesters hat einen Festkörpergehalt von 60 Gew.-%.
Bestimmung des zahlenmittleren Molekulargewichts:
Herstellung erfindungsgemäßer Reaktionsprodukte (ER):
ER2:
[0128] In einem 4 l Edelstahlreaktor, ausgestattet mit Ankerrührer, Thermometer und Kühler
wurden 134,10 g Dimethylolpropionsäure (DMPA) (1,0 mol), 488,58 g Tetramethylenxylylendiisocyanat
(TMXDI der Fa. Cytec, 2,0 mol) sowie 415 g Methylethylketon eingewogen. Die Mischung
wird unter Rühren auf 80°C erhitzt und solange gehalten, bis eine Probe keine kristallinen
Anteile des DMPA mehr aufwies. Zu dieser Reaktionsmischung wurden dann 2000 g lineares,
diolisches PolyTHF1000 (Fa. BASF SE) mit einer OH-Zahl von 112 mg KOH / g (2,0 mol)
zugegeben (OH-Zahl Bestimmung nach DIN 53240). Das Reaktionsgemisch wird weiterhin
bei 80°C gehalten. Der Reaktionsfortschritt wurde über die Bestimmung des Gehaltes
an NCO-Gruppen mittels Titration verfolgt (DIN EN ISO 11909). Nach Erreichen eines
NCO-Gehaltes von kleiner/gleich 0,1% wurden zum Reaktionsgemisch 10 g n-Butanol zugegeben.
Danach wurde eine weitere Stunde bei der angegebenen Temperatur gerührt. Das zur Reaktion
benötigte Methylethylketon wurde anschließend im Vakuum angezogen. Man erhält ein
bei Raumtemperatur kristallines Harz, das eine Säurezahl von 21,2 mg KOH/g aufweist.
[0129] Der Feststoffgehalt des Harzes liegt bei 100% (gemessen bei 130°C für 1h im Umluftofen
an einer Probe von 1 g unter Zugabe 1 ml Methylethylketon) Zahlenmittleres Molekulargewicht:
2470 g/mol
Viskosität 70%ig in Butylglykol: 1280 mPas,
(gemessen bei 23°C mit einem Rotationsviskosimeter der Fa. Brookfield, Typ CAP 2000+,
Spindel 3, Scherrate: 5000 s
-1)
ER3:
[0130] In einem 4 l Edelstahlreaktor, ausgestattet mit Ankerrührer, Thermometer und Kühler
wurden 134,10 g Dimethylolpropionsäure (DMPA), 524,0 g bis(4-isocyanotocyclohexyl)methan
(Desmodur-W® der Fa. Bayer Material Science, 2,0 mol) sowie 439 g Methylethylketon
eingewogen. Die Mischung wird unter Rühren auf Die in der Tabelle A unter "wässrige
Phase" aufgeführten Komponenten wurden in der angegebenen Reihenfolge zu einer wässrigen
Mischung zusammengerührt. Im nächsten Schritt wurde aus den unter "organische Phase"
aufgeführten Komponenten eine organische Mischung hergestellt. Die organische Mischung
wurde zur wässrigen Mischung hinzugegeben. Sodann wurde 10 Minuten lang gerührt und
mit Hilfe von deionisiertem Wasser und Dimethylethanolamin auf einen pH Wert von 8
und eine Spritzviskosität von 58 mPas bei einer Scherbelastung von 1000 s
-1, gemessen mit einem Rotations-Viskosimeter (Gerät Rheomat RM 180 der Firma Mettler-Toledo)
bei 23°C, eingestellt.
Tabelle A:
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Wässrige Phase |
| 3%ige Na-Mg-Schichtsilikatlösung |
26 |
| Deionisiertes Wasser |
13,6 |
| Butylglykol |
2,8 |
| Polyurethanmodifiziertes Polyacrylat; hergestellt gemäß S. 7, Z. 55 bis S.8, Z. 23
der DE 4437535 A |
4,5 |
| 50 Gew.-%ige Lösung Rheovis PU 1250 (BASF), Rheologiemittel |
0,6 |
| P1 |
3,2 |
| TMDD (BASF) |
0,3 |
| Melaminformaldehydharz (Cymel 203 von Cytec) |
4,1 |
| 10%iges Dimethylethanolamin in Wasser |
0,3 |
| Pfropfmischpolymerisat auf Polyurethanbasis; hergestellt gemäß S. 19, Z. 44 bis S.
20, Z. 21 der DE 19948004 A, Festkörpergehalt mit deionisiertem Wasser auf 32,5 Gew.-% eingestellt |
20,4 |
| TMDD (BASF) |
1,6 |
| 3 Gew.-%ige wässrige Rheovis AS S130 Lösung; Rheologiemittel, erhältlich von BASF |
3,9 |
| Organische Phase |
|
| Mischung zweier handelsüblicher Aluminiumpigmente, erhältlich von Firma Altana-Eckart |
6,2 |
| Butylglykol |
7,5 |
| P1 |
5 |
Herstellung eines erfindungsgemäßen Wasserbasislacks 2 (E2)
[0131] Zur Herstellung des erfindungsgemäßen Wasserbasislacks E2 wurde ein Lack analog der
Herstellung des Vergleichs-Wasserbasislacks 1 (V1) hergestellt, wobei anstelle des
Polyesters P1 sowohl in der wässrigen Phase als auch in der organischen Phase ER2
eingesetzt wurde. ER2 wurde dabei als 100 %-ige Substanz (bezogen auf Festkörper)
eingesetzt. Bezogen auf den Festkörperanteil (nicht-flüchtigen Anteil) wurde in E2
dieselbe Menge ER2 eingesetzt, wie in V1 der Polyester P1 eingesetzt wurde. Die durch
den unterschiedlichen Festkörper von ER2 und der Dispersion P1 bedingten unterschiedlichen
Mengen an Butylglykol wurden in der Formulierung E2 durch entsprechenden Zusatz von
Butylglykol ausgeglichen.
Herstellung von erfindungsgemäßen Basislacken 3 und 4 (E3, E4)
[0132] Analog der Herstellung von E2 wurden unter Einsatz der Reaktionsprodukte ER3 und
ER4 erfindungsgemäße Basislacke E3 und E4 hergestellt. Der Ausgleich der unterschiedlichen
Festkörper in Bezug auf die Polyesterdispersion P1 erfolgte wiederum durch entsprechenden
Zusatz von Butylglykol.
[0133] Tabelle 1 zeigt nochmals die in den Wasserbasislacken (WBL) V1 und E2 bis E4 eingesetzten
Polyester und Reaktionsprodukte sowie deren Anteile (bezogen auf die Gesamtmenge der
Wasserbasislacke) als Übersicht.
Tabelle 1: Zusammensetzungen der WBL V1 und E2 bis E4
| WBL |
[Gew.-%] |
Reaktionsprodukt |
| V1 |
4,92 |
P1 |
| E2 |
4,92 |
ER2 |
| E3 |
4,92 |
ER3 |
| E4 |
4,92 |
ER4 |
| Pfropfmischpolymerisat auf Polyurethanbasis; hergestellt gemäß S. 19, Z. 44 bis S.
20, Z. 21 der DE 19948004 A, Festkörpergehalt mit deionisiertem Wasser auf 32,5 Gew.-% eingestellt |
20,4 |
| TMDD (BASF) |
1,6 |
| 3 Gew.-%ige wässrige Rheovis AS S130 Lösung; Rheologiemittel, erhältlich von BASF |
3,9 |
| Organische Phase |
|
| Mischung zweier handelsüblicher Aluminiumpigmente, erhältlich von Firma Altana-Eckart |
6,2 |
| Butylglykol |
7,5 |
| P1 |
5 |
Herstellung eines erfindungsgemäßen Wasserbasislacks 2 (E2)
[0134] Zur Herstellung des erfindungsgemäßen Wasserbasislacks E2 wurde ein Lack analog der
Herstellung des Vergleichs-Wasserbasislacks 1 (V1) hergestellt, wobei anstelle des
Polyesters P1 sowohl in der wässrigen Phase als auch in der organischen Phase ER2
eingesetzt wurde. ER2 wurde dabei als 100 %-ige Substanz (bezogen auf Festkörper)
eingesetzt. Bezogen auf den Festkörperanteil (nicht-flüchtigen Anteil) wurde in E2
dieselbe Menge ER2 eingesetzt, wie in V1 der Polyester P1 eingesetzt wurde. Die durch
den unterschiedlichen Festkörper von ER2 und der Dispersion P1 bedingten unterschiedlichen
Mengen an Butylglykol wurden in der Formulierung E2 durch entsprechenden Zusatz von
Butylglykol ausgeglichen.
Herstellung von erfindungsgemäßen Basislacken 3 und 4 (E3, E4)
[0135] Analog der Herstellung von E2 wurden unter Einsatz der Reaktionsprodukte ER3 und
ER4 erfindungsgemäße Basislacke E3 und E4 hergestellt. Der Ausgleich der unterschiedlichen
Festkörper in Bezug auf die Polyesterdispersion P1 erfolgte wiederum durch entsprechenden
Zusatz von Butylglykol.
[0136] Tabelle 1 zeigt nochmals die in den Wasserbasislacken (WBL) V1 und E2 bis E4 eingesetzten
Polyester und Reaktionsprodukte sowie deren Anteile (bezogen auf die Gesamtmenge der
Wasserbasislacke) als Übersicht.
Tabelle 1: Zusammensetzungen der WBL V1 und E2 bis E4
| WBL |
[Gew.-%] |
Reaktionsprodukt |
| V1 E1 |
4,92 |
P1 |
| E2 |
4,92 |
ER2 |
| E3 |
4,92 |
ER3 |
| E4 |
4,92 |
ER4 |
Vergleich zwischen den Wasserbasislacken V1 und E2 bis E4
[0137] Zur Bestimmung der Nadelstichgrenze und der Nadelstichanzahl wurden Mehrschichtlackierungen
nach der folgenden allgemeinen Vorschrift hergestellt:
Ein mit einer KTL beschichtetes Stahlblech der Abmessungen 30 x 50 cm wurde an einer
Längskante mit einem Klebstreifen versehen, um nach der Beschichtung die Schichtdickendifferenzen
ermitteln zu können. Der jeweilige Wasserbasislack wurde keilförmig elektrostatisch
appliziert. Die resultierende Wasserbasislackschicht wurde während 4 Minuten bei Raumtemperatur
abgelüftet und anschließend während 10 Minuten im Umluftofen bei 70°C zwischengetrocknet.
Auf die getrocknete Wasserbasislackschicht wurde ein üblicher Zweikomponentenklarlack
in einer Schichtdicke von 35 Mikrometern elektrostatisch appliziert. Die resultierende
Klarlackschicht wurde während 20 Minuten bei Raumtemperatur abgelüftet. Anschließend
wurden die Wasserbasislackschicht und die Klarlackschicht in einem Umluftofen während
20 Minuten bei 140°C gehärtet. Nach der visuellen Auswertung der Nadelstiche in der
resultierenden keilförmigen Mehrschichtlackierung wurde die Schichtdicke der Nadelstichgrenze
und die Anzahl an Nadelstichen ab dieser Schichtdicke (das heißt die Gesamtanzahl
an Nadelstichen auf dem lackierten Blech) bestimmt. Die Ergebnisse finden sich in
der Tabelle 2.
Tabelle 2: Nadelstichgrenze und Nadelstichanzahl von Mehrschichtlackierungen, die
unter Einsatz der Wasserbasislacke V1 und E2 bis E4 hergestellt wurden
| WBL |
Nadelstichgrenze (Mikrometer) |
Nadelstichanzahl |
| V1 |
22 |
25 |
| E2 |
27 |
1 |
| E3 |
29 |
2 |
| E4 |
24 |
10 |
[0138] Die Ergebnisse untermauern, dass der Einsatz der erfindungsgemäßen Reaktionsprodukte
beziehungsweise der erfindungsgemäßen Wasserbasislacke die Nadelstichgrenze im Vergleich
zum Vergleichs-Wasserbasislack V1 deutlich erhöht und gleichzeitig die Nadelstichanzahl
vermindert.
Herstellung eines silbernen Vergleich-Wasserbasislacks 2 (V2)
[0139] Die in der Tabelle B unter "wässrige Phase" aufgeführten Komponenten wurden in der
angegebenen Reihenfolge zu einer wässrigen Mischung zusammengerührt. Im nächsten Schritt
wurde aus den unter "organische Phase" aufgeführten Komponenten eine organische Mischung
hergestellt. Die organische Mischung wurde zur wässrigen Mischung hinzugegeben. Sodann
wurde 10 Minuten lang gerührt und mit Hilfe von deionisiertem Wasser und Dimethylethanolamin
auf einen pH Wert von 8 und eine Spritzviskosität von 58 mPas bei einer Scherbelastung
von 1000 s
-1, gemessen mit einem Rotations-Viskosimeter (Gerät Rheomat RM 180 der Firma Mettler-Toledo)
bei 23°C, eingestellt.
Tabelle B:
| Komponente |
Gewichtsteile |
| Wässrige Phase |
| 3%ige Na-Mg-Schichtsilikatlösung |
26 |
| Deionisiertes Wasser |
21,7 |
| Butylglykol |
2,8 |
| Polyurethanmodifiziertes Polyacrylat; hergestellt gemäß S. 7, Z. 55 bis S.8, Z. 23
der DE 4437535 A |
4,5 |
| 50 Gew.-%ige Lösung Rheovis PU 1250 (BASF), Rheologiemittel |
0,6 |
| P1 |
13,3 |
| TMDD (BASF) |
0,3 |
| Melaminformaldehydharz (Cymel 203 von Cytec) |
4,1 |
| 10%iges Dimethylethanolamin in Wasser |
0,3 |
| Pfropfmischpolymerisat auf Polyurethanbasis; hergestellt gemäß S. 19, Z. 44 bis S.
20, Z. 21 der DE 19948004 A, Festkörpergehalt mit deionisiertem Wasser auf 32,5 Gew.-% eingestellt |
1,8 |
| TMDD (BASF) |
1,6 |
| 3 Gew.-%ige wässrige Rheovis AS S130 Lösung; Rheologiemittel, erhältlich von BASF |
3,9 |
| |
|
| Organische Phase |
|
| Mischung zweier handelsüblicher Aluminiumpigmente, erhältlich von Firma Altana-Eckart |
6,2 |
| Butylglykol |
7,5 |
| P1 |
5 |
Herstellung eines erfindungsgemäßen Wasserbasislackse 6 (E6)
[0140] Analog der Herstellung von E2 bis E4 wurden unter Einsatz des Reaktionsprodukts ER4
auf Basis des Vergleichsbasislacks V2 (Tabelle B) und unter Ersatz der Polyesterdispersion
P1 der erfindungsgemäße Basislacke E6 (enthaltend ER4) hergestellt. Der Ausgleich
der unterschiedlichen Festkörper in Bezug auf die Polyesterdispersion P1 erfolgte
wiederum durch entsprechenden Zusatz von Butylglykol.
Tabelle 3: Zusammensetzungen der WBL V2 und E6
| WBL |
[Gew.-%] |
Reaktionsprodukt |
| V2 |
10,98 |
P1 |
| E6 |
10,98 |
ER4 |
Vergleich zwischen den Wasserbasislacken V2 und E6
[0141] Entsprechend der oben für die Mehrschichtlackierungen, die unter Einsatz der Wasserbasislacke
V1 und bis E4 hergestellt wurden, wurden Mehrschichtlackierungen unter Einsatz der
Wasserbasislacke V2 und E6 hergestellt. Auch die Auswertung hinsichtlich der Nadelstichgrenze
und Nadelstichanzahl erfolgte analog. Die Ergebnisse finden sich in der Tabelle 4.
Tabelle 4: Nadelstichgrenze und Nadelstichanzahl von Mehrschichtlackierungen, die
unter Einsatz der Wasserbasislacke V2 und E6 hergestellt wurden
| WBL |
Nadelstichgrenze (Mikrometer) |
Nadelstichanzahl |
| V2 |
14 |
63 |
| E6 |
26 |
8 |