[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Eliminierung von thermischen Störungen
bei der Infrarot- und Video-Brandfrüherkennung in Müllverbrennungsanlagen, Recyclinganlagen,
Freilagern und dergleichen.
[0002] Es sind unterschiedliche Sensorsysteme bekannt, die einen Brand detektieren können.
Weiterhin gibt es verschiedene Löschsysteme, mit denen Brände in Industrieanlagen
oder größeren Räumen gelöscht werden. Üblicherweise wird ein Brand detektiert und
eine Löschanlage eingeschaltet, die eine große Menge Löschmittel, z.B. Wasser oder
Löschschaum, in den Brandbereich hinein sprüht bzw. flutet und damit den Brand löscht.
Von größter Bedeutung ist die Detektion eines Brandes. Diese erfolgt insbesondere
mittels Thermodifferenzialmelder, Rauchgasbrandmelder, Rauchansaugsysteme, Flammenmelder,
Infrarotdetektoren oder Infrarotkameras.
[0003] Als Löschsysteme kommen insbesondere Sprinkleranlagen, erheblich leistungsfähigere
Sprühflutanlagen und handgesteuerte Löschmonitore zum Einsatz. Letztere werden auch
als Löschkanonen oder auch als Wasserwerfer bezeichnet.
[0004] Zunehmend werden immer mehr Infrarotdetektoren, insbesondere Infrarotkameras und
Videokameras, zur Brandfrüherkennung in Müllverbrennungsanlagen, Recyclinganlagen,
Freilager und dergleichen eingesetzt.
[0005] Dabei wird die Brandfrüherkennung bei Infrarotkamerabasierenden Brandfrüherkennungssystemen
durch Überschreitung einer Grenztemperatur realisiert.
[0006] Bei videobasierenden Systemen wird eine Brandfrüherkennung durch Raucherkennung,
Flammendetektion oder durch Auswertung des kurzwelligen Infrarotanteils realisiert.
[0007] Beispielsweise in einer Lagerhalle, die mit Recyclingmaterial beladen ist, wird häufig
als Brandauslösetemperatur eine Temperaturschwelle von 80°C als Brandalarmtemperatur
festgelegt. Die Temperatur ist einerseits so hoch gewählt, um Eigenerwärmung durch
Gärprozesse im Recyclingmaterial nicht als Brandauslöser zu detektieren. Andererseits
ist die Alarmtemperatur möglichst tief gewählt, um Brände, die sich im Inneren eines
Materialhaufens befinden, bzw. dessen aufsteigende Konvektionswärme, die an die Oberfläche
des Materialhaufens dringt, so früh wie möglich zu detektieren.
[0008] Dieses Verfahren hat sich bewährt und funktioniert reibungslos, solange keine thermischen
Störungen auftreten. Diese entstehen z.B. durch einen heißen Auspuff oder einen heißen
Motor eines Radladers. Im Betrieb werden hier schnell Spitzentemperaturen bis 500°C
erreicht.
[0009] Derzeit wird versucht, durch Temperatur- und Größenverhältnisse diese thermischen
Störungen zu eliminieren. So hat beispielweise die Fläche eines Auspuffs eines Radladers
bei einer Grenztemperatur von 80°C schnell eine grenztemperaturüberschreitende Fläche
von 1 m
2. Das bedeutet, dass derzeit mindestens eine Größe von 1 m
2 über 80°C detektiert werden muss, um einen Brandalarm auszulösen. Im Alltagsbetrieb
besteht die Möglichkeit, dass sich diese Fläche sogar noch vergrößert. So summiert
sich zu Auspufffläche noch die Fläche des heißen Motors und der aufgeheizten Karosserieteile
in der Nähe des Motors. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass nebeneinanderstehende
Radlader und andere Fahrzeuge sich in der Größe der Störflächen kombinieren. Da die
Abstände zwischen Infrarotdetektionssystem und den Fahrzeugen variieren, muss bei
der Festlegung der Größe der grenztemperaturüberschreitende Fläche eine Toleranz mit
eingerechnet werden. Letztendlich kann so schnell die grenztemperaturüberschreitende
Fläche bis auf 3 m
2 anwachsen.
[0010] Damit wird der Vorteil der Frühdetektion mittels Infrarot- und Videoanalyse erheblich
abgeschwächt, da eine so große zusammenhängende Fläche, die 80°C eines Haufwerks überschreitet,
einen sehr großen Brand im Haufwerk voraussetzt. Auch eine zweite höhere Grenztemperatur,
z.B. bei 200°C, verändert nicht wesentlich das Ergebnis. Die kleinere Detektionsfläche
funktioniert in Kombination mit einer höheren Grenztemperatur, hat aber wieder den
Nachteil, dass ein verdeckter Brand in einem Haufwerk bereits eine wesentliche Größe
besitzt.
[0011] Eingesetzte Analysen über Farbe, Form und Markierungen die Störgrößen eindeutig erkennen
zu können, sind bis jetzt an der erheblichen Schmutzbelastung der Objekte und an der
Tatsache, dass sich heiße Störobjekte, wie ein Auspuff von Fahrzeugen, die aus dem
Regen in eine Halle gefahren werden, sich bei einer Wärmebildanalyse genauso verhalten
wie ein Entstehungsbrand, dessen grenztemperaturüberschreitende Ränder sich ausdehnen.
[0012] Weiterhin unterscheidet man zwischen dem sogenannten "Tagbetrieb", an dem Fahrzeuge
innerhalb des auf Brand zu überwachenden Bereichs fahren dürfen, und "Nachtbetrieb",
der Fahrzeuge und andere thermische Störquellen wie Antriebsmotoren von Maschinen,
nicht zulässt.
[0013] Es ist Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zur Eliminierung von thermischen Störungen
bei der Infrarot- und Video-Brandfrüherkennung in Müllverbrennungsanlagen, Recyclinganlagen,
Freilagern und dergleichen zu schaffen, das eine sichere Brandfrüherkennung unter
Eliminierung möglichst vieler thermischer Störungen ermöglicht.
[0014] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe gelöst durch eine zusätzliche Geräusch- bzw. Schwingungsanalyse
durch Messen des Lärmpegels von im zu detektierenden Bereich befindlichen Fahrzeugen
oder anderen thermischen Störquellen, wie Antriebsmotoren von Maschinen, wobei beim
Messen des Lärmpegels zwischen Tagbetrieb und Nachtbetrieb unterschieden wird und
die Lautstärkeschwellen ermittelt und als Schwellwerte zur Entscheidung eingesetzt
werden, ob eine Brandlöschung ausgelöst wird.
[0015] Werden somit die derzeit bekannten Analyseverfahren, nämlich die Infrarot- und/oder
Video-Brandfrüherkennung, mit einer Geräusch bzw. Schwingungserkennung kombiniert,
kann unterschieden werden, ob sich Fahrzeuge oder andere thermische Störquellen, wie
insbesondere Antriebsmotoren von Maschinen, im zu detektierenden Bereich in Müllverbrennungsanlagen,
Recyclinganlagen, Freilagern und dergleichen befinden.
[0016] Nach einer weiteren Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahrens kann die Geräusch-
bzw. Schwingungsanalyse permanent und/oder zeitgesteuert erfolgen.
[0017] Des Weiteren werden die Lautstärkeschwellen für den arbeitsfreien Betrieb, beispielsweise
den Nachtbetrieb, und den Arbeitsbetrieb, beispielsweise den Tagbetrieb, ermittelt.
Die mit der Geräusch- bzw. Schwingungsanalyse ermittelten Lautstärkeschwellen werden
sodann als Schwellwerte zur Entscheidung eingesetzt, ob eine Brandlöschung ausgelöst
wird.
[0018] Gemäß einer weiteren Ausbildung der erfindungsgemäßen Lösung werden zur Geräusch-
bzw. Schwingungsanalyse analoge oder/und digitale Filter, Richtmikrofone, externe
Mikrofone für ein 3-dimensionales Geräuschmuster, brandspezifische Geräuschfilter
und/oder Schwingungssensoren verwendet.
[0019] Beim Einsatz von analogen oder/und digitalen Filtern in der Geräuschanalyse kann
damit erkannt werden, um welches Fahrzeug oder welchen Typ von Fahrzeug, z.B. Radlader,
Lastkraftwagen oder dergleichen, es sich im zu detektierenden Bereich oder ob es sich
um einen bestimmten Betriebsbereich einer zu überwachenden Anlage handelt. Hierüber
können auch anlagenfremde Störgeräusche ausgefiltert werden.
[0020] Wird alternativ ein Richtmikrofon verwendet, das parallel zur Infrarot- oder Videoanalyse
eingesetzt wird, kann die Störgröße dem aktuell detektierten Objekt örtlich zugeordnet
werden. Möglich ist auch der Einsatz von mehreren Richtmikrofonen.
[0021] Bei Verwendung externer Mikrofone kann auch ein 3-dimensionales Geräuschmuster Aufschlüsse
über betriebene Geräte geben und diese in die Analyse mit einbeziehen.
[0022] Die Geräuschanalyse kann auch zum Erkennen eines Brandes genutzt werden, indem brandspezifische
Geräuschfilter zur Analyse eingesetzt werden. Damit ist in Kombination mit der Infrarot-
und/oder Videoanalyse eine noch bessere Entscheidung möglich, ob es sich um einen
Brand oder um eine Störgröße handelt.
[0023] Schließlich können statt üblicher Mikrofone auch Schwingungssensoren, insbesondere
Niederfrequenzmikrofone, verwenden werden, um Geräusche im niederfrequenten Bereich
oder Subfrequenzbereich zu analysieren.
[0024] Es versteht sich, dass die vorstehend genannten Merkmale nicht nur in der jeweils
angegebenen Kombination, sondern auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung
verwendbar sind, ohne den Rahmen der vorliegenden Erfindung zu verlassen.
1. Verfahren zur Eliminierung von thermischen Störungen bei der Infrarot- und Video-Brandfrüherkennung
in Müllverbrennungsanlagen, Recyclinganlagen, Freilagern und dergleichen, gekennzeichnet durch eine zusätzliche Geräusch- bzw. Schwingungsanalyse durch Messen des Lärmpegels von im zu detektierenden Bereich befindlichen Fahrzeugen oder
anderen thermischen Störquellen, wie Antriebsmotoren von Maschinen, wobei beim Messen
des Lärmpegels zwischen Tagbetrieb und Nachtbetrieb unterschieden wird und die Lautstärkeschwellen
ermittelt und als Schwellwerte zur Entscheidung eingesetzt werden, ob eine Brandlöschung
ausgelöst wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Geräusch- bzw. Schwingungsanalyse permanent und/oder zeitgesteuert erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Lautstärkeschwellen für den arbeitsfreien Betrieb, beispielsweise den Nachtbetrieb,
und den Arbeitsbetrieb, beispielsweise den Tagbetrieb, ermittelt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zur Geräusch- bzw. Schwingungsanalyse analoge oder/und digitale Filter, Richtmikrofone,
externe Mikrofone für ein 3-dimensionales Geräuschmuster, brandspezifische Geräuschfilter
und/oder Schwingungssensoren verwendet werden.