[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren bzw. eine Vorrichtung zum Betreiben einer Kreuzspulen
herstellenden Textilmaschine, die eine Vielzahl von einzeln antreibbaren, autonom
arbeitenden Arbeitsstellen sowie eine Zentralsteuereinheit aufweist. Bei der Kreuzspulen
herstellenden Textilmaschine handelt es sich beispielsweise um einen Kreuzspulautomaten
oder eine Offenend-Rotorspinnmaschine.
[0002] Bekanntlich benötigen die Arbeitsstellen von Kreuzspulen herstellenden Textilmaschinen,
zum Beispiel Kreuzspulautomaten oder Offenend-Rotorspinnmaschinen, um ordnungsgemäß
betrieben werden zu können, ständig eine ausreichende Energieversorgung.
[0003] An den Arbeitsstellen von Kreuzspulautomaten wird beispielsweise während des Betriebes
außer elektrischer Energie ständig auch Saugluft benötigt, um den während des Umspulvorganges
kontinuierlich auftretenden Faserstaub abzusaugen.
Der Saugluftbedarf der Arbeitsstellen solcher Textilmaschinen verstärkt sich, wenn
zum Beispiel nach einem Fadenbruch oder einem kontrollierten Reinigerschnitt das auf
die Kreuzspule aufgelaufene Fadenende durch eine arbeitsstelleneigene Saugdüse aufgenommen
und zu einer Fadenspleißeinrichtung befördert werden muss. Ein besonders hoher Saugluftbedarf,
der oft die Leistungsfähigkeit der maschineneigenen Saugluftanlage überfordert, liegt
insbesondere dann vor, wenn zum Beispiel nach einem Partiewechsel eine Vielzahl von
Arbeitsstellen gleichzeitig wieder neu angespult werden sollen.
[0004] Beim Betrieb der Arbeitsstellen von Offenend-Rotorspinnmaschinen wird neben elektrischer
Energie auch ständig ein pneumatischer Unterdruck benötigt.
Das heißt, im Rotorgehäuse der Offenend-Spinnvorrichtung der Arbeitsstellen derartiger
Textilmaschinen muss ständig ein so genannter Spinnunterdruck herrschen, der während
des Spinnbetriebes dafür sorgt, dass die von einer Auflösewalze aus einem Vorlagefaserband
ausgekämmten Einzelfasern über einen Faserleitkanal pneumatisch in den Spinnrotor
eingespeist werden, wo sie von dem mit hoher Drehzahl umlaufenden Spinnrotor zu einem
Faden gedreht werden.
[0005] Bei diesen bekannten und in der Textilindustrie seit langem in großen Stückzahlen
im Einsatz befindlichen Offenend-Rotorspinnmaschinen kommt bei speziellen Ereignissen,
zum Beispiel bei einem Fadenbruch an einer oder an mehreren Arbeitsstelle(n), oft
ein selbsttätig arbeitendes Bedienaggregat, ein so genannter Anspinnwagen, zum Einsatz,
der nacheinander die an den Arbeitsstellen aufgetretenen Fadenbrüche abarbeitet. Dieses
Bedienaggregat kommt auch zum Einsatz, wenn bei einem Neustart der Textilmaschine,
zum Beispiel nach einem Partiewechsel oder nach einem Energieausfall, der zu einem
Abschalten aller Arbeitsstellen der betreffenden Textilmaschine führte, alle Arbeitsstellen
wieder neu angesponnen werden müssen.
Das heißt, nach einem Partiewechsel oder nach einem Energieausfall spinnt das Bedienaggregat
nacheinander alle Arbeitsstellen wieder an, was relativ langwierig ist und sich sehr
negativ auf die Produktionsleitung der Offenend-Rotorspinnmaschinen auswi rkt.
Insbesondere in Ländern mit einer empfindlichen Infrastruktur, in denen Energieausfälle
keine seltenen Ereignisse darstellen, kann der Wirkungsgrad derartiger, durch Bedienaggregate
versorgter Textilmaschinen daher oft relativ gering sein.
[0006] Um den zeitlichen Aufwand zu verkürzen, der erforderlich ist, bis die Arbeitsstellen
einer Offenend-Rotorspinnmaschine nach einem Energieausfall oder einem Partiewechsel
wieder ordnungsgemäß laufen, sind deshalb in der Vergangenheit Offenend-Rotorspinnmaschinen
entwickelt worden, die autark arbeitende Arbeitsstellen aufweisen. Das heißt, die
Arbeitsstellen derartiger Offenend-Rotorspinnmaschinen sind in der Lage, nach einer
Spinnunterbrechung ohne die Hilfe eines Bedienaggregates wieder selbsttätig anzuspinnen.
[0007] Diese beispielsweise in der
DE 101 39 075 A1 relativ ausführlich beschriebenen, autark arbeitenden Arbeitsstellen, die unter anderem
jeweils über eine an das Unterdrucksystem einer Offenend-Rotorspinnmaschine angeschlossene,
arbeitsstelleneigene Saugdüse verfügen, weisen, zumindest zeitweise, einen erhöhten
Energiebedarf auf, der immer dann vorliegt, wenn die Arbeitsstelle nach einer Spinnunterbrechung
wieder selbsttätig neu anspinnt, das heißt, wenn die arbeitsstelleneigene, unterdruckbeaufschlagte
Saugdüse ein auf die Oberfläche einer Kreuzspule aufgelaufenes Fadenende suchen, aufnehmen
und zu einer Fadenanspinnvorrichtung transportieren muss, wo es dann für einen Anspinnvorgang
vorbereitet wird.
[0008] Um zu verhindern, dass nach einem Partiewechsel oder einem Energieausfall zu viele
dieser autark arbeitenden Arbeitsstellen gleichzeitig wieder einen Anspinnversuch
starten, was das Unterdrucksystem der Textilmaschine überfordern und folglich zu negativ
verlaufenden Anspinnversuchen führen würde, sind in der Vergangenheit bereits verschiedene
Verfahren entwickelt worden, bei denen nach einem Partiewechsel oder einem Energieausfall
die Anzahl der jeweils gleichzeitig einen Anspinnversuch startenden Arbeitsstellen
begrenzt wird.
[0009] In der
DE 10 2006 050 220 B4 ist beispielsweise ein Verfahren zum Betreiben einer Offenend-Rotorspinnmaschine
beschrieben, mit dem eine bedarfsgerechte Zuteilung von durch eine Saugluftanlage
der Textilmaschine bereitgestellter Saugluft auf Unterdruck anfordernde, autark arbeitende
Arbeitsstellen der Textilmaschine gewährleistet werden soll.
Die Textilmaschine verfügt dabei, um den Saugluftbedarf ihrer autark arbeitenden Arbeitsstellen
decken zu können, der, wie vorstehend angedeutet, recht unterschiedlich sein kann,
über eine maschineneigene Saugluftanlage, die eine Unterdruckquelle aufweist, deren
Antriebsmotor an einen Frequenzumrichter angeschlossen und bezüglich seiner Drehzahl
definiert einstellbar ist.
Eine Zentralsteuereinheit der Textilmaschine sorgt außerdem dafür, dass der Unterdruck
in der Saugluftanlage ein bestimmtes Mindestniveau nicht unterschreitet.
[0010] Um zu vermeiden, dass der Saugluftbedarf der Textilmaschine über dem maximalen Saugluftangebot
der betreffenden Saugluftanlage liegt, obwohl die Drehzahl des Antriebsmotors der
Unterdruckquelle bis auf eine Maximaldrehzahl gesteigert wurde, ist gemäß diesem bekannten
Verfahren vorgesehen, dass in der Zentralsteuereinheit der Textilmaschine eingehende
Unterdruckanforderungen der Arbeitsstellen nach wenigstens einer ersten Prioritätsklasse
sowie einer zweiten Prioritätsklasse unterschieden werden, wobei Unterdruckanforderungen,
die in die erste Prioritätsklasse eingestuft werden, stets bevorzugt abgearbeitet
werden.
[0011] Des Weiteren ist in der
DE 10 2007 006 679 A1 ein Verfahren zum Betreiben einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine beschrieben,
die ebenfalls eine Vielzahl von einzeln antreibbaren, autonom arbeitenden Arbeitsstellen,
eine Zentralsteuereinheit sowie eine Saugluftanlage mit wenigstens einem Saugluftaggregat
aufweist.
[0012] Auch hier kann die Saugleistung der Saugluftanlage über die Drehzahl des Antriebsmotors
des Saugluftaggregates bis zum Erreichen einer Maximaldrehzahl gesteigert werden,
wobei die Drehzahl des Antriebsmotors durch Überwachung des Unterdruckniveaus in der
Saugluftanlage geregelt wird.
[0013] Bei diesem bekannten Verfahren wird aus der bekannten Maximaldrehzahl des Antriebsmotors
des Saugluftaggregates, die die maximale Saugleistung der Saugluftanlage der Textilmaschine
definiert, sowie aus der vorliegenden Ist-Drehzahl des Antriebsmotors des Saugluftaggregates,
die sich aus dem augenblicklichen Unterdruckbedarf der Textilmaschine ergibt, ein
Wert für eine Drehzahlreserve berechnet, anhand dessen die Anzahl der noch mit zusätzlichem
Unterdruck versorgbaren Arbeitsstellen bestimmt wird.
[0014] Aus dieser Anzahl, erhöht um die Anzahl der mit zusätzlichem Unterdruck auf der Basis
der Ist-Drehzahl des Antriebsmotors momentan bereits versorgten Arbeitsstellen wird
dann eine Höchstanzahl von Arbeitsstellen ermittelt, die gleichzeitig mit zusätzlichem
Unterdruck versorgt werden können. Diese Höchstzahl von Schaltungen überschreitende
Unterdruck-Anforderungen werden abgewiesen.
[0015] Bei einem solchen Massenstart entstehen nicht nur Probleme mit der Unterdruckversorgung,
sondern auch der Versorgung mit elektrischer Energie und/oder mit Druckluft, mit der
Kommunikation zwischen einer Zentralsteuerung und den Arbeitsstellen mittels Bussystemen
und dem Entstehen mechanischer Schwingungen zum Beispiel beim Absenken der Auflaufspulen
auf ihre jeweiligen Kontaktwalzen.
[0016] Ausgehend von Verfahren der vorstehend beschriebenen Gattung liegt der Erfindung
die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren und eine Kreuzspulen herstellende Textilmaschine
zum Durchführen des Verfahrens zu entwickeln, wodurch sichergestellt werden kann,
dass es bei einem Massenstart aller Arbeitsstellen oder einem Massenstart einer Vielzahl
von Arbeitsstellen einer Offenend-Rotorspinnmaschine, der zum Beispiel nach einem
Partiewechsel oder nach einem Energieausfall erforderlich sein kann, nicht zum Auftreten
von Störungen durch Engpässe oder Überlastungen kommt.
[0017] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass die von einem Massenstart
aller Arbeitsstellen der Textilmaschine oder bei einem Start einer Vielzahl der Arbeitsstellen
der Textilmaschine betroffenen Arbeitsstellen sukzessive gestartet werden, indem der
Einschaltimpuls für die auf die erste Arbeitsstelle folgenden Arbeitsstellen jeweils
um eine Mindestzeitspanne von 1 ms gegenüber der zuvor gestarteten Arbeitsstelle verzögert
wird.
[0018] Vorteilhafte Ausführungsformen des erfindungsgemäßen Verfahrens sind Gegenstand der
Unteransprüche.
[0019] Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird vermieden, dass in einer ersten Startphase
der Arbeitsstellen die Kommunikationsverbindungen überlastet werden, indem gleichzeitig
eine differenzierte Kommunikation zwischen der Zentralsteuereinheit und jeder der
Arbeitsstellen erfolgt. Während ein einfacher Broadcastbefehl, der an alle Arbeitsstellen
gleich verbreitet wird, noch nicht zu einer Überlastung führt, ist das gleichzeitige
Absenden entsprechender Antworten von den Arbeitsstellen an die Zentralsteuereinheit
über den Datenbus problematisch. Des Weiteren wird durch das sukzessive Absenken der
in ihren Spulenrahmen gelagerten abgehobenen Kreuzspulen bei langen Maschinen deren
Aufsetzen auf ihre Antriebswalzen entzerrt und eine gegebenenfalls nicht unerhebliche
Schwingung vermieden. Schließlich wird auch ein plötzlicher Ausschlag in der Energieversorgung
unterdrückt. In weiteren sich anschließenden Phasen der Wiederinbetriebnahme der Arbeitsstellen,
das heißt, der Fadensuche und dem darauffolgenden Start des Spinn-und/oder Spulvorganges
erfolgt in bekannter Weise die systematische Staffelung der Prozesse insbesondere
in Abhängigkeit vom Saugluftbedarf. Diese Phasen erstrecken sich dann über einen gegenüber
den beanspruchten Mindestzeitspannen deutlich längeren Zeitraum von mehreren Sekunden.
[0020] Die erfindungsgemäß vorgesehene Mindestzeitspanne von 1 ms führt bereits zum genannten
Entzerren der sonst gleichzeitig ablaufenden Vorgänge.
[0021] Die vorteilhafte Verlängerung der Mindestzeitspanne, zum Beispiel auf 5 ms respektive
15 ms in den Ansprüchen 2 und 3 führt zu einer weiteren, deutlich größeren Entzerrung
der genannten Vorgänge, wobei sich eine Mindestzeitspanne von 15 ms in Versuchen als
besonders vorteilhaft herausgestellt hat.
In vorteilhafter Ausführungsform ist gemäß Anspruch 4 außerdem vorgesehen, dass abhängig
von der Arbeitsstellen-Nummer für jede Arbeitsstelle eine individuelle Verzögerungszeit
berechnet wird. Das bedeutet, dass die Mindestzeitspanne mit der Arbeitsstellennummer
multipliziert wird, was letztlich zu einer Art Einschaltwelle entlang der Textilmaschine
führt. Allerdings kann im Rahmen der Erfindung auch eine nahezu beliebige abweichende
Abfolge der Einschaltimpulse, zum Beispiel nacheinander ungeradzahlige und dann geradzahlige
Arbeitsstellen gewählt werden.
[0022] Auf diese Weise ist der Zeitpunkt des Hochlaufstartes einer Arbeitsstelle zuverlässig
vorgebbar.
[0023] Im Anspruch 5 wurde vorgeschlagen, dass das Vorliegen aller erforderlichen Bedingungen
für den Start der Arbeitsstellen überwacht wird und dass bei deren Nichtvorliegen
die Einschaltimpulse gegenüber der Mindestzeitspanne jeweils zusätzlich verzögert
werden, bis diese Bedingungen für den nächsten erfolgreichen Start wieder vorliegen.
[0024] Nach Anspruch 6 umfassen die überwachten Bedingungen die Energieversorgung, die Druck
- und Saugluftbereitstellung und/oder die Kommunikationstechnik, wobei die Saugluftbereitstellung
bereits zu den der ersten Phase folgenden Phasen gehört, die ohnehin nicht gleichzeitig
für eine hohe Anzahl von Arbeitsstellen verfügbar ist, jedoch in Gruppen gleichzeitig
nachgefragt werden kann.
[0025] Die erfindungsgemäße Kreuzspulen herstellende Textilmaschine zur Durchführung des
erfindungsgemäßen Verfahrens verfügt über eine Vielzahl von einzeln antreibbaren,
autonom arbeitenden Arbeitsstellen mit arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen sowie
über eine Zentralsteuereinheit.
Die Zentralsteuereinheit weist eine Schalteinrichtung auf, an der ein Massenstart
aller Arbeitsstellen der Textilmaschine oder ein Massenstart einer Vielzahl der Arbeitsstellen
der Textilmaschine initiierbar ist und die Schalteinrichtung oder die arbeitsstelleneigenen
Steuereinrichtungen so ausgebildet sind, dass die betroffenen Arbeitsstellen sukzessive
gestartet werden, indem der Einschaltimpuls für die auf die erste Arbeitsstelle folgenden
Arbeitsstellen jeweils um eine Mindestzeitspanne von 1 ms gegenüber der zuvor gestarteten
Arbeitsstelle verzögert wird.
[0026] Die erfindungsgemäß vorgesehene Mindestzeitspanne von 1 ms führt bereits zum Entzerren
sonst gleichzeitig ablaufender Vorgänge. Dies beginnt bereits damit, dass das in einem
ersten Schritt erfolgende Absenken und Absetzen der Kreuzspulen nicht durch eine Gleichzeitigkeit
zu einer erheblichen Schwingung der Maschine führt. Die sukzessive Kommunikation mittels
des Maschinenbusses vermeidet eine Überlastung der Kommunikationsverbindungen. Energie-
und Druckluftbedarf werden ebenfalls entzerrt.
[0027] Die vorteilhafte Verlängerung der Mindestzeitspanne, zum Beispiel auf 5 ms respektive
15 ms in den Ansprüchen 8 und 9 führt zu einer deutlich größeren Entzerrung der genannten
Vorgänge, wobei sich eine Mindestzeitspanne von 15 ms in Versuchen als besonders vorteilhaft
herausgestellt hat.
[0028] Die Erzeugung der Einschaltsequenz kann gemäß Anspruch 10 und 11 entweder zentral
in der Zentralsteuereinheit oder dezentral in den Arbeitsstellen erfolgen. Die Verzögerung
des Startsignals an den jeweiligen Arbeitsstellen errechnet sich vorteilhaft aus dem
Produkt aus einer individuellen Größe der Arbeitsstelle und der Mindestzeitspanne.
Erfolgt die Erzeugung der Einschaltsequenz erst in den Arbeitsstellen, wird zunächst
von der Schalteinrichtung der Zentralsteuereinheit ein Broadcastsignal an alle Arbeitsstellen
abgesetzt. Dadurch wird in den Arbeitsstellen die Ermittlung der individuellen Verzögerung
des Startzeitpunktes initiiert und dann die Absendung der Antwortsignale über den
Datenbus gestaffelt.
[0029] In vorteilhafter Ausführungsform ist gemäß Anspruch 12 außerdem vorgesehen, dass
eine individuelle Verzögerungszeit abhängig von der Arbeitsstellen-Nummer für jede
Arbeitsstelle berechnet wird. Das bedeutet, dass die Mindestzeitspanne mit der Arbeitsstellennummer
multipliziert wird, was letztlich zu einer Art Einschaltwelle entlang der Textilmaschine
führt. Allerdings kann im Rahmen der Erfindung auch eine nahezu beliebige abweichende
Abfolge der Einschaltimpulse, zum Beispiel nacheinander ungeradzahlige und dann geradzahlige
Arbeitsstellen gewählt werden.
[0030] Auf diese Weise ist der Zeitpunkt des Hochlaufstartes einer Arbeitsstelle zuverlässig
vorgebbar, mit der Folge, dass sichergestellt ist, dass sich gleichzeitig immer nur
eine gewisse Anzahl von Arbeitsstellen in der Hochlaufphase befindet.
[0031] Im Anspruch 13 wurde vorgeschlagen, dass das Vorliegen aller erforderlichen Bedingungen
für den Start der Arbeitsstellen überwacht wird und dass bei deren Nichtvorliegen
die Einschaltimpulse gegenüber der Mindestzeitspanne jeweils zusätzlich verzögert
werden, bis diese Bedingungen für den nächsten erfolgreichen Start wieder vorliegen.
[0032] Nach Anspruch 12 umfassen die überwachten Bedingungen die Energieversorgung, die
Druck - und Saugluftbereitstellung und/oder die Kommunikationstechnik, wobei die Saugluftbereitstellung
bereits zu den der ersten Phase folgenden Phasen gehört, die ohnehin nicht gleichzeitig
für eine hohe Anzahl von Arbeitsstellen verfügbar ist, jedoch in Gruppen gleichzeitig
nachgefragt werden kann.
[0033] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in den Zeichnungen schematisch dargestellten
Ausführungsbeispiels näher erläutert.
[0034] Es zeigt:
- Fig.1
- eine Vorderansicht einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine mit autark arbeitenden
Arbeitsstellen, an der das erfindungsgemäße Verfahren zum Einsatz kommt,
- Fig.2
- eine einzeln antreibbare, autonom arbeitende Arbeitsstelle einer Kreuzspulen herstellenden
Textilmaschine, im Ausführungsbeispiel einer Offenend-Rotorspinnmaschine.
[0035] In Fig. 1 ist schematisch in Vorderansicht eine Kreuzspulen herstellende Textilmaschine,
im Ausführungsbeispiel eine Offenend-Rotorspinnmaschine 5, dargestellt.
[0036] Solche Textilmaschinen weisen zwischen ihren Endgestellen 31, 32 eine Vielzahl identischer,
nachstehend anhand der Fig.2 näher beschriebener, autark arbeitender Arbeitsstellen
1 auf und verfügen über eine Zentralsteuereinheit 10 sowie über eine maschineneigene
Saugluftanlage 20.
[0037] Wie ersichtlich, ist in einem der Endgestelle der Offenend-Rotorspinnmaschine 5 eine
Unterdruckquelle 30 der Saugluftanlage 20 angeordnet, wobei die Unterdruckquelle 30
durch einen elektro-motorischen Antrieb 29, der mittels eines Frequenzumrichters bezüglich
seiner Drehzahl definiert einstellbar ist, beaufschlagt wird.
Der Antrieb 29 bzw. der zugehörige Frequenzumrichter ist über eine Steuerleitung 35
an eine Zentralsteuereinheit 10 der Textilmaschine 5 angeschlossen, die eine Schalteinrichtung
12 aufweist, über die das Bedienpersonal Steuerbefehle in die Zentralsteuereinheit
10 eingeben kann.
[0038] Wie aus Fig. 1 weiter ersichtlich, ist die Zentralsteuereinheit 10 außerdem über
ein Bus-system, vorzugsweise über einen CAN-Bus 28, an die arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen
25 der zahlreichen autark arbeitenden Arbeitsstellen 1 angeschlossen.
Im vorliegenden Ausführungsbeispiel ist die Textilmaschine 5 außerdem mit einem entlang
der Arbeitsstellen 1 verfahrbaren Bedienaggregat 7, vorzugsweise einem so genannten
Reinigungs- und Wechslerwagen, ausgestattet.
[0039] Dieser Reinigungs- und Wechslerwagen 7 sorgt unter anderem dafür, dass fertiggestellte
Kreuzspulen aus den Spulenrahmen 22 der Arbeitsstellen 1 auf ein (nicht dargestelltes)
Spulenabtransportband der Textilmaschine 5 überführt sowie neue Leerhülsen in die
Spulenrahmen 22 der Arbeitsstellen 1 eingewechselt werden.
[0040] Die Fig. 2 zeigt in perspektivischer Darstellung eine der zahlreichen weitestgehend
autark arbeitenden Arbeitsstellen 1 der in Fig.1 schematisch dargestellten Offenend-Rotorspinnmaschine
5.
[0041] Eine derartige Arbeitsstelle 1 verfügt, wie an sich bekannt und daher nur schematisch
dargestellt, stets über eine Offenend-Rotorspinnvorrichtung 2 sowie über eine Spulvorrichtung
3.
[0042] Im Ausführungsbeispiel ist im Bereich der Offenend-Rotorspinnvorrichtung 2, vor einem
so genannten Fadenabzugsröhrchen 21, außerdem ein Anspinnorgan 16 angeordnet, das
einen nach einem Fadenbruch oder einem kontrollierten Reinigerschnitt auf die Kreuzspule
8 aufgelaufenen, durch eine schwenkbar gelagerte, unterdruckbeaufschlagbare Saugdüse
4 von der Kreuzspule 8 zurückgeholten Faden 9 übernimmt und das Fadenende zum Wiederanspinnen
vorbereitet.
[0043] Des Weiteren verfügt eine solche Arbeitsstelle 1 über eine Fadenabzugseinrichtung
27, die sowohl das Abziehen des Fadens 9 aus der Offenend-Spinnvorrichtung 2 während
des regulären Spinnbetriebes übernimmt, als auch beim Wiederanspinnen für eine definierte
Rückführung eines vorbereiteten Fadens 9 in die Offenend-Spinnvorrichtung 2 sorgt.
[0044] Die Spuleinrichtung 3 weist, wie üblich, einen Spulenrahmen 22 zum drehbaren Haltern
einer Kreuzspule 8, eine vorzugsweise durch einen reversierbaren Einzelantrieb 36
beaufschlagbare Antriebstrommel 23 sowie eine Fadenchangiereinrichtung 24 auf, die
beispielsweise mittels eines Schrittmotors 37 antreibbar ist.
[0045] Vor der Fadenchangiereinrichtung 24 kann außerdem eine Fadenzentriereinrichtung in
Form eines schwenkbar gelagerten Zentrierbleches 11 angeordnet sein.
[0046] Im Ausführungsbeispiel ist die Arbeitsstelle 1 außerdem mit einem Fadenwächter 26,
einer Paraffiniereinrichtung 17 sowie einer pneumatisch beaufschlagbaren Speicherdüse
40 ausgestattet, die während des Hochlaufens der Arbeitsstelle 1 überschüssige Fadenlänge
speichert und dadurch dafür sorgt, dass der in der Offenend-Spinnvorrichtung produzierte
Faden mit einer vorschriftsmäßigen Wickelspannung aufgespult wird.
[0047] Sowohl die Speicherdüse 40 als auch die schwenkbar gelagerte Saugdüse 4 sind dabei
über eine definiert ansteuerbare Einrichtung 13 an die maschineneigene Saugluftanlage
20 der Offenend-Rotorspinnmaschine 5 angeschlossen. Das heißt, die Saugdüse 4 und
die Speicherdüse 40 sind bei Bedarf definiert mit Unterdruck beaufschlagbar.
Die schwenkbar gelagerte Saugdüse 4 ist außerdem mittels eines Schrittmotors 6 zwischen
einer im Bereich der Spulvorrichtung 3 liegenden Fadenaufnahmestellung und einer im
Bereich der Spinnvorrichtung 2 liegenden Fadenübergabestellung verstellbar.
Funktion des erfindungsgemäßen Verfahrens, erläutert anhand der Fig.1:
[0048] Wenn zum Beispiel nach einem Partiewechsel oder einem Energieausfall die Offenend-Rotorspinnmaschine
5 neu gestartet werden muss, gibt eine autorisierte Bedienperson an der Schalteinrichtung
12 der Zentralsteuereinheit 10 einen entsprechenden Befehl für einen Massenstart der
Arbeitsstellen 1 ein.
Die Zentralsteuereinheit 10 sendet daraufhin über das Bus-System 28 entsprechende
Startimpulse an die arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen 25, wobei die zahlreichen
Startimpulse jeweils um eine Mindestzeitspanne von 1 ms, vorzugsweise jeweils 15 ms,
verzögert an die einzelnen Arbeitsstellen 1 geschickt werden.
Die Verzögerungszeit gegenüber dem ersten Startsignal ist dabei zum Beispiel abhängig
von der Arbeitsstellen-Nummer. Das heißt, wenn der Zentralsteuereinheit 10 durch eine
Bedienperson der Befehl zu einem neuen Massenstart der Offenend-Rotorspinnmaschine
gegeben wird, spinnen die Arbeitsstellen 1, initiiert durch eine Schalteinrichtung
12 der Zentralsteuereinheit 10, nacheinander, jeweils um eine Verzögerungszeit von
15 ms zu ihrem Vorgänger versetzt, neu an. Die Einschaltimpulse laufen im Fall der
Nutzung der Arbeitsstellennummer für die Verzögerungssequenz wie eine Welle durch
die Offenend-Rotorspinnmaschine.
[0049] Alternativ zur zentralen Erzeugung der Sequenz der Einschaltimpulse könnte auch von
der Zentralsteuereinheit 25 respektive der Schalteinrichtung 12 ein Broadcastbefehl
abgesetzt werden, der in den Arbeitsstellen die Ermittlung der individuellen Einschaltverzögerung
initiiert.
[0050] In der Offenend-Rotorspinnmaschine werden alle Bedingungen für den kompletten Start
der Arbeitsstellen 1 überwacht. Dabei handelt es sich nach einer ersten Phase, in
der die Kommunikation über den CAN-Bus 28 sowie die Druckluft und Energieversorgung
erfolgt, hauptsächlich um die Saugluftbereitstellung.
[0051] Liegen zu einem Zeitpunkt während des sequentiellen Versendens von Einschaltimpulsen
nicht mehr alle für den Start der Arbeitsstellen, insbesondere bezüglich der für die
erste Phase erforderlichen Bedingungen vor, werden die Einschaltimpulse gegenüber
der eingestellten Mindestzeitspanne weiter verzögert, bis die Bedingungen für den
nächsten Start wieder vorliegen.
Eine vorherige Festlegung der Mindestzeitspanne zum Beispiel auf 1, 5 oder 15 ms,
ergibt sich aus bekannten Bedingungen, die bei einer Überlappung der Einschaltimpulse
unmittelbar zu Störungen führen würden, wie beispielsweise bei der Kommunikation oder
Energie- respektive Druckluftversorgung.
[0052] Die weiteren Phasen des Anspinnprozesses wie die Fadensuche und das eigentliche Anspinnen
sind weitgehend unabhängig von der ersten Phase und beinhalten, wie bereits bekannt
ist, eine Verzögerung, die im Wesentlichen von der ausreichenden Saugluftversorgung
abhängig ist. Beispielsweise können hier maximal 12 respektive 24 Spinnstellen gleichzeitig
ausreichend mit Saugluft versorgt werden, so dass eine Staffelung der Einleitung der
der ersten Phase folgenden Anspinnphasen auch gruppenweise und mit größerem zeitlichen
Abstand als bei der beanspruchten Mindestzeitspanne erfolgen kann.
[0053] Auch wenn die Erfindung anhand einer Offenend-Rotorspinnmaschine erläutert wurde,
können bei einem Kreuzspulautomaten die gleichen Probleme auftreten, die sich in der
gleichen Weise durch Verwirklichung der Merkmale vorliegender Erfindung lösen lassen.
1. Verfahren zum Betreiben einer Kreuzspulen herstellenden Textilmaschine (5), die eine
Vielzahl von einzeln antreibbaren, autonom arbeitenden Arbeitsstellen (1) sowie eine
Zentralsteuereinheit (10) aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
dass die von einem Massenstart aller Arbeitsstellen (1) der Textilmaschine (5) oder einem
Start einer Vielzahl der Arbeitsstellen (1) der Textilmaschine (5) betroffenen Arbeitsstellen
(1) sukzessive gestartet werden, indem der Einschaltimpuls für die auf die erste Arbeitsstelle
folgenden Arbeitsstellen jeweils um eine Mindestzeitspanne von 1 ms gegenüber der
zuvor gestarteten Arbeitsstelle verzögert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Mindestzeitspanne 5 ms beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Mindestzeitspanne 15 ms beträgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sequenz der Einschaltimpulse aus den Arbeitsstellennummern ergibt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass das Vorliegen aller erforderlichen Bedingungen für den Start der Arbeitsstellen überwacht
wird und dass bei deren Nichtvorliegen die Einschaltimpulse gegenüber der Mindestzeitspanne
jeweils zusätzlich verzögert werden, bis die Bedingungen für den nächsten erfolgreichen
Start vorliegen.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass zu den überwachten Bedingungen die Energieversorgung, die Druck - und Saugluftbereitstellung
und/oder die Kommunikationstechnik gehören.
7. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine (5) mit einer Vielzahl von einzeln antreibbaren,
autonom arbeitenden Arbeitsstellen (1) mit arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen
(25) sowie einer Zentralsteuereinheit (10) zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch
1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zentralsteuereinheit (10) eine Schalteinrichtung (12) aufweist, durch die ein
Massenstart aller Arbeitsstellen (1) der Textilmaschine (5) oder ein Start einer Vielzahl
der Arbeitsstellen (1) der Textilmaschine (5) initiierbar ist und
dass die Schalteinrichtung (12) oder die arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen (25)
so ausgebildet sind, dass die betroffenen Arbeitsstellen (1) sukzessive gestartet
werden, indem der Einschaltimpuls für die auf die erste Arbeitsstelle folgenden Arbeitsstellen
jeweils um eine Mindestzeitspanne von 1 ms gegenüber der zuvor gestarteten Arbeitsstelle
verzögert wird.
8. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Mindestzeitspanne 5ms beträgt.
9. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Mindestzeitspanne 15ms beträgt.
10. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Schalteinrichtung (12) darauf eingerichtet ist, eine Sequenz von um die Mindestzeitspanne
versetzten Einschaltimpulsen zu erzeugen und an die Arbeitsstellen (1) zu senden,
wobei jeder Einschaltimpuls mit der Adresse der jeweiligen Arbeitsstelle (1) versehen
ist und wobei die jeweilige arbeitsstellenbezogene Verzögerung dem Produkt aus einer
individuellen Größe der Arbeitsstelle (1) und der Mindestzeitspanne entspricht.
11. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Schalteinrichtung (12) darauf eingerichtet ist, einen an alle zu startenden Arbeitsstellen
(1) den Start initiierenden Broadcaststartbefehl zu senden, wobei die arbeitsstelleneigenen
Steuereinrichtungen darauf eingerichtet sind, den Start nach Erhalt des Broadcaststartbefehl
um eine Zeitspanne, die dem Produkt aus einer individuellen Größe und der Mindestzeitspanne
entspricht, zu verzögern.
12. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach einem der Ansprüche 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, dass sich die Sequenz der Einschaltimpulse aus den Arbeitsstellennummern ergibt.
13. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Zentralsteuereinheit (10) oder die arbeitsstelleneigenen Steuereinrichtungen
(25) das Vorliegen der erforderlichen Bedingungen für den Start der Arbeitsstellen
überwachen und die Einschaltimpulse gegenüber der Mindestzeitspanne jeweils zusätzlich
verzögert werden, bis die Bedingungen für den nächsten erfolgreichen Start vorliegen.
14. Kreuzspulen herstellende Textilmaschine nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die überwachten Bedingungen die Energieversorgung, die Saugluftbereitstellung und/oder
die Kommunikationstechnik umfassen.