[0001] Die Erfindung betrifft ein Beizverfahren zum Beizen von länglichen Gegenständen,
wie Rohren, Stäben und Stangen aus Stahl oder Edelstahl im Chargenbetrieb mit einem
Beizmittel in einer Beizkabine, wobei das Beizmittel über eine Düsenanordnung auf
die Gegenstände in der Beizkabine aufgebracht wird. Ferner betrifft die Erfindung
eine Beizanlage zum Beizen von länglichen Gegenständen, wie Rohren, Stäben und Stangen
aus Stahl oder Edelstahl im Chargenbetrieb mit einem Beizmittel, aufweisend eine Beizkabine
zur chargenweise Aufnahme der zu beizenden Gegenstände, einen Beizmitteltank für das
Beizmittel und eine Düsenanordnung in der Beizkabine, die vom Beizmitteltank mit Beizmittel
beaufschlagbar ist.
[0002] Verfahren und Anlagen zur Oberflächenbehandlung von Metallen sind in unterschiedlichster
Ausgestaltung im Stand der Technik bekannt. Bei der Verarbeitung von Metallen, insbesondere
von Edelmetallen, wird auf dessen Oberfläche häufig eine Metalloxidschicht oder Zunderschicht
gebildet, die sowohl das Aussehen wie auch die mögliche Weiterverarbeitung des Materials
beeinträchtigt. Bei rostfreiem Stahl haftet diese unerwünschte Schicht sehr fest auf
der Oberfläche, so dass aggressive Säuren zum Beizen Verwendung finden. Eine übliche
Beizsäuremischung ist Salpetersäure und Flusssäure, die in wässriger Lösung verwendet
wird.
[0003] Im Stand der Technik ist das manuelle Sprühbeizen bekannt, bei dem das Beizmittel
mit einer Sprühlanze von Hand aufgetragen wird. Die Beize ist dabei viskos eingestellt
und haftet gut auf der Metalloberfläche. Nach einer Einwirkzeit von ½ bis 2 Stunden
wird die Beize dann mit Wasser abgewaschen. Bei dieser Arbeitsweise entstehen unmittelbar
nitrose Gase aus der Salpetersäure und Fluorgase aus der Flusssäure, die wegen ihrer
gesundheitsschädlichen Wirkungen abgesaugt werden müssen. Um die umweltschädliche
Wirkung zu begrenzen, muss die Abluft mit einem Abluftwäscher gereinigt werden, wobei
etwa 50 % der nitrosen Gase und 98 % der Fluorgase ausgewaschen werden. Der Beizer
muss beim Versprühen und Abwaschen der Beize geeignete Schutzkleidung mit Atemschutz
tragen, da am Arbeitsplatz entsprechende Grenzwerte überschritten werden.
[0004] Außerdem sind Tauchbeizverfahren bekannt, bei denen der zu beizende Gegenstand durch
ein in einem Beizbecken aufgenommenes Beizmittel geführt wird. Bei der Verwendung
der üblichen Beizsäuremischung entstehen ebenfalls nitrose Gase und Fluorgase. Eine
Randabsaugung an den Beizbecken ist daher ebenfalls erforderlich. Um das unkontrollierte
Austreten von Gasen aus dem Tauchbecken zu verringern, ist aus der
DE 26 08 550 C2 bekannt, die Tauchbecken durch planenartige Abdeckungen abzudecken. Gleichwohl entsteht
giftige Abluft, die nötigenfalls auch über einen Abluftwäscher zu reinigen ist und
zudem sind in den Tauchbecken große Mengen Beizmittel vorzuhalten.
[0005] Ferner ist das sog. Autoklavbeizen bekannt, bei dem die Beizware in ein leeres luftdicht
abschließbares Becken gelegt und mit Beize geflutet wird. Die dabei aus dem Becken
verdrängte Luft muss ebenfalls über Abluftwäscher gereinigt werden. Nach Ablauf der
Beizzeit wird die Beize wieder zurück in den Beizvorratstank gepumpt, nachteilig ist
dabei, dass ein großes Volumen Beizflüssigkeit bewegt werden muss.
[0006] Ferner sind Spritzbeizverfahren bekannt, bei denen die Beizlösung über Düsen fein
dosiert auf das zu behandelnde Werkstück aufgesprüht wird. Dieses Verfahren wird,
wie
DE 198 42 971 A1 beschreibt, zum Beizen von ebenflächigen, insbesondere bandförmigen Behandlungsgut
eingesetzt. Das Beizmittel kann im Kreislauf geführt werden, so dass im Spritzbereich
gesammeltes Beizmittel wiederum über die Düsen versprüht wird. Gleichwohl müssen entstehende
Gase abgesaugt und, bei Verwendung von Salpetersäure haltigen Beizen, über einen Abluftwäscher
gereinigt werden.
[0007] Um die zunehmend schärfer werdenden Arbeitsschutz- und Umweltschutzbestimmungen einzuhalten,
werden daher Beizanlagen häufig in luftdicht abgeschlossenen Beizkabinen verwendet.
Die
EP 0 949 355 A1 schlägt eine eingehauste, bei permanentem Unterdruck arbeitende Beizanlage vor, die
mit einer Luftzuführung und einer Absaugung arbeitet. Ferner ist aus der
DE 36 35 525 C3 eine abgeschlossene Anlage zum Beizen von Werkstücken bekannt, bei der eine unter
Unterdruck gehaltene, luftdicht abgeschlossene Kabine die Behandlungsstationen der
Beizanlage enthalten.
[0008] In der
DE 41 17 760 C1 wird ein Endlos-Produkt, wie Rohre, Drähte, Bänder in einem Behandlungsbad kontinuierlich
im Tauchverfahren mit einem Beizmittel behandelt. Dabei ist eine Absaugung vorgesehen,
die durch Ausbildung eines geringfügigen Unterdrucks die unerwünschte Freigabe von
giftigen Dämpfen verhindert. Die Abluftführung muss zur Einhaltung von Umweltschutzvorgaben
mit aufwendigen Filteranlagen ausgestattet sein.
[0009] Ferner ist aus der
EP 1 477 583 B1 eine Anlage zum Beizen von Gegenständen in einer Beizkabine bekannt, bei der die
Beize auf die zu beizenden Gegenstände mit einer Düse aufgesprüht wird, wobei mit
Salpetersäure freiem Beizmittel gearbeitet wird. Nach dem Beizen sind mehrere Spülgänge
mit immer reinerem Spülwasser vorgesehen, so dass die gebeizten Gegenstände nach dem
Beizvorgang ohne weitere Bearbeitung und im Wesentlichen ohne Abgabe von Schadstoffen
entnommen werden können. Bei diesem Spülverfahren reichen geringe Beizmittelmengen
von unter 900 Litern aus, so dass deren Betrieb unter geringeren Auflagen und Sicherheitsvorschriften
möglich ist.
[0010] Nachteilig an diesem Sprüh- oder Spülverfahren ist, dass langgestreckte Gegenstände,
insbesondere Rohre bisher nicht mit diesem automatisierten Verfahren bearbeitet werden
können.
[0011] Aufgabe der Erfindung ist es daher, das letztgenannte Sprühbeizverfahren unter Beibehaltung
seiner Anwendungsvorteile so auszubilden, dass langgestreckte Gegenstände, wie Rohre,
Stäbe oder Stangen bevorzugt auch in üblicher, gebündelter Form chargenweise automatisiert
gebeizt werden können.
[0012] Gelöst wird diese Aufgabe mit einem Beizverfahren gemäß Anspruch 1 und einer Beizanlage
gemäß Anspruch 7 oder 9.
[0013] Durch das im Wesentlichen vertikale Aufstellen der länglichen Gegenstände in einer
Beizkabine können diese länglichen Gegenstände von der mit dem Beizmittel beaufschlagten
Düsenanordnung von oben besprüht werden, wobei das Beizmittel entlang der länglichen
Gegenstände Schwerkraft bedingt über deren gesamte Länge nach unten absinkt. Bei einem
in die Beizkabine eingestellten Rohrbündel werden somit nicht nur die im Bündel außen
liegenden Rohroberflächen, sondern auch von oben die Rohrinnenseiten sowie die sich
bei einem Bündel ergebenden Hohlräume mit dem Beizmittel beaufschlagt. Da in der Fertigung
und Lagerhaltung derartige längliche Gegenstände meist liegend in länglicher Position
gehandhabt werden, ist die Beizkabine so ausgebildet, dass zumindest ein Kabinenteil
oder die gesamte Beizkabine zunächst in einer flach liegenden Ladeposition zur Verfügung
gestellt wird. In dieser Position werden die länglichen zu beizenden Gegenstände mit
entsprechenden Handhabungsgeräten, beispielsweise einem Gabelstapler oder einem Kran
eingeladen und anschließend in ihre Beizposition verschwenkt. Je nach Ausführung der
Beizkabine schließt sich die Beizkabine beim Hochschwenken des schwenkbaren Beizkabinenteils
oder wird durch eine entsprechende Ladeluke in Ladeposition verschlossen und dann
als vollständige Beizkabine in die vertikal orientierte Beizposition geschwenkt.
[0014] Das Verfahren wird dadurch weiter ausgebildet, dass vor dem Beizen in der Beizposition
ein Entfetten durch Beaufschlagen der Düsenanordnung mit einem Entfettungsmittel durchgeführt
wird. Somit kann eine etwaig erforderliche Entfettung durch entsprechende Entfettungsmittel,
beispielsweise basische Laugen, Seifenlösungen etc. in einem Arbeitsgang unmittelbar
vor dem Beizen oder auch als einzelner Arbeitsgang durchgeführt werden.
[0015] Wenn nach dem Beizen in der Beizposition ein Passivieren durch Beaufschlagen der
Düsenanordnung mit einem Passivierungsmittel durchgeführt wird, kann die Oberfläche
der gerade gebeizten Charge passiviert werden. Eine gesonderte Handhabung zwischen
dem Beizen und dem Passivieren entfällt damit, so dass negative Beeinträchtigungen
der Oberflächengüte und Versiegelung, beispielsweise durch Berühren der Edelstahloberfläche
durch einen Bearbeiter nicht möglich sind.
[0016] Um etwaig anhaftende Reste von Beizmittel und/oder Passivierungsmittel abzuspülen,
werden nach dem Beizen oder Passivieren die länglichen Gegenstände mit Wasser gespült.
Bei diesem Vorgang wird durch den in dem Gasraum der Beizkabine entstehenden Sprühnebel
die aus dem Beizmittel entstandenen Gase gebunden und in Form von Aerosolen abgereinigt,
wie dies in der
EP 1 477 583 B1 beschrieben ist.
[0017] Zur Vermeidung von Wasserflecken auf den Oberflächen der veredelten Gegenstände und
allgemein zur Vermeidung eines zu hohen Feuchtigkeitseintrages in den weiteren Produktionsablauf
für die länglichen Gegenstände, werden nach dem Spülen die länglichen Gegenstände
mit Warmluft getrocknet. Damit wird erreicht, dass trockene Rohre, Stäbe und Stangen
aus der Beizkabine entnommen werden können.
[0018] Wenn die länglichen Gegenstände in der Beizposition beim Entfetten, Beizen, Passivieren,
Spülen und/oder Trocknen bewegt werden, werden die im Bündel in der Beizposition aufrecht
stehenden länglichen Gegenstände untereinander leicht hin- und her bewegt, so dass
sich die entsprechenden Flüssigkeiten auch an den Berührungslinien und -flächen der
gebündelten länglichen Gegenstände verteilen und somit sämtliche Oberflächen von den
Flüssigkeiten erreicht werden. Ferner können auch nach dem jeweiligen Vorgang die
Flüssigkeiten leichter abtropfen.
[0019] Vorrichtungsgemäß wird die Beizanlage dadurch weitergebildet, dass bei der Ausführung
einer insgesamt schwenkbaren Beizkabine die Beizkabine eine in der Ladeposition öffenbare
Ladetür hat, wobei die Ladetür Dichtmittel aufweist, die die Beizkabine gas- und flüssigkeitsdicht
abschließen.
[0020] Entsprechend sollte bei einer Ausführung mit zweiteiliger Beizkabine zwischen ersten
und zweiten Kabinenteil Dichtmittel vorgesehen sein, die die Beizkabine gas- und flüssigkeitsdicht
abschließen. Damit wird erreicht, dass der Gasraum in der Beizkabine hermetisch von
der Umwelt abgeteilt ist und insbesondere beim Beizen auftretende Gase nicht unkontrolliert
an die Umgebung abgegeben werden können. Bevorzugt sind das Dichtmittel säurefeste
Gummidichtungen, insbesondere Mehrkammerdichtungen.
[0021] Dadurch, dass die Schwenkeinrichtung eine horizontale und zur Längsachse senkrechte
Schwenkachse am in Beizposition unteren Ende der Beizkabine hat, wobei zum Verschwenken
ein Schwenkbetätigungsmittel, beispielsweise ein Seilzug oder ein Hydraulikzylinder
vorgesehen ist, kann der Schwenkvorgang technisch einfach und sicher durchgeführt
werden. Der Beizkabine zuzuführende Flüssigkeiten sowie etwaige Gaspendelleitungen
können dabei gedichtet über die Schwenkachse selbst oder über nahe der Schwenkachse
angesetzte flexible Schläuche angeschlossen werden. Alternativ kann bei einer zweiteiligen
Ausgestaltung der Beizkabine die Verrohrung und Zuführung von Beizmitteln zur Düsenanordnung
etc. in dem feststehenden, vertikal angeordneten ersten Kabinenteil vorgesehen sein.
In dieser Ausgestaltung wäre dann eine verschwenkbare Flüssigkeitszufuhr entbehrlich,
was die dauerhafte Dichtigkeit der Zuführungen begünstigt und den konstruktiv technischen
Aufwand verringert.
[0022] Um ein Aufsprühen des jeweiligen Wirkmittels von oben auf die in Beizposition vertikal
stehenden länglichen Gegenstände zu erreichen, ist die Düsenanordnung im in Beizposition
oberen Ende der Beizkabine angeordnet.
[0023] Wenn in der Beizkabine eine Halterung für die zu beizenden, länglichen Gegenstände
vorgesehen ist, werden die in der Beizkabine eingelegten, zu beizenden länglichen
Gegenstände sicher in der optimalen, mittigen Position in der Beizkabine, insbesondere
in Beizposition in vertikaler Ausrichtung gehalten. Ferner ist es auch denkbar, dass
die Beizkabine bei einer Ausführung gemäß Anspruch 7 lediglich eine Ladetür an einer
Stirnseite aufweist, durch die dann das zu beizende Bündel von länglichen Gegenständen
in den Beizraum eingeschoben wird, wobei eine verschiebbare Halterung diesen Vorgang
erleichtern würde.
[0024] Dadurch, dass in der Beizkabine ein Bewegungsmittel zum Bewegen der darin in Beizposition
stehenden, zu beizenden, länglichen Gegenstände vorgesehen ist, können die in Beizposition
vertikal aufrecht stehenden, länglichen Gegenstände während der Behandlung bewegt
werden, um deren Oberflächen vollständig mit dem Bearbeitungsmittel benetzen zu können.
Durch das Bewegen verschieben sich die Berührungslinien der im Bündel aneinander stehenden
länglichen Gegenstände. Ferner wird damit erreicht, dass die Behandlungsflüssigkeit
auch nach der Behandlung vollständig abläuft.
[0025] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand der beiliegenden Zeichnungen
detailliert beschrieben.
[0026] Darin zeigt:
- Fig. 1
- eine schematische Ansicht einer Beizanlage mit zweiteiliger Beizkabine.
[0027] In Figur 1 ist eine Beizanlage mit einer Beizkabine 1 in schematischer Ansicht dargestellt,
die einen feststehenden, vertikal angeordneten ersten Kabinenteil 11 und einen um
eine Schwenkachse 13 schwenkbaren zweiten Kabinenteil 12 aufweist. Der Schwenkbereich
S, um den der zweite Kabinenteil 12 um die Schwenkachse 13 schwenkbar ausgebildet
ist, ist in Figur 1 mit strichpunktiertem Viertelkreis dargestellt. Die in Figur 1
durchgezogen gezeichnete Position des zweiten Kabinenteils 12 entspricht der Ladeposition
L. Die Beizkabine 1 ist in einer Längsachse X langgestreckt ausgebildet, wobei auch
der zweite Kabinenteil 12 diese langgestreckte Form hat. In der in Figur 1 durchgezogen
dargestellten Ladeposition L des zweiten Kabinenteils 12 ist deren Längsachse X (strichpunktiert
dargestellt) horizontal ausgerichtet.
[0028] Als Schwenkbetätigungsmittel 14 ist im Ausführungsbeispiel gemäß Figur 1 ein Hydraulikzylinder
14 vorgesehen, der die Schwenkbewegung des zweiten Kabinenteils 12 bei entsprechender
Druckbeaufschlagung bewirken kann. Bei der in Figur 1 gestrichelt dargestellten hochgeschwenkten
Position des zweiten Kabinenteils 12 befindet sich die Längsachse X des zweiten Kabinenteils
12 parallel zur Vertikalachse Z in der Beizposition A. Diese Beiz- oder Arbeitsposition
A zeichnet sich dadurch aus, dass im zweiten Kabinenteil 12 eingelegte längliche Gegenstände
G im Wesentlichen vertikal, also parallel zur Vertikalachse Z positioniert sind. Zur
Fixierung der in der Beizkabine 1 eingelegten länglichen Gegenstände G ist eine Halterung
16 am zweiten Kabinenteil 12 vorgesehen, die die im zweiten Kabinenteil 12 abgelegten
länglichen Gegenstände G stützen und an einem Verrutschen, insbesondere beim Schwenkvorgang
hindern.
[0029] Im feststehenden, vertikal angeordneten, ersten Kabinenteil 11 ist an seinem oberen
Ende eine Düsenanordnung 15 angeordnet, die wahlweise von einem Beizmitteltank 2 oder
einem Spülwassertank 3 über eine Zufuhrleitung 21 mit der entsprechenden Flüssigkeit
beaufschlagbar ist. Selbstverständlich können auch weitere Flüssigkeitsbehälter, beispielsweise
für ein Entfettungsmittel, ein Passivierungsmittel oder verschiedene Spülwasserqualitäten
vorgehalten werden. Ferner ist es möglich, dass zusätzlich eine Frischwasserbedüsung
in der Beizkabine 1 vorgesehen ist.
[0030] Ferner ist wichtig, dass die Beizkabine 1 nach dem Hochschwenken des zweiten Kabinenteils
12 an das erste Kabinenteil 11 gas- und flüssigkeitsdicht verschlossen ist. Dafür
ist an den Fügekanten zwischen dem ersten Kabinenteil 11 und dem zweiten Kabinenteil
12 ein Dichtmittel 18 bevorzugt in Form einer Mehrkammerdichtung aus säurefestem Gummi
vorgesehen.
[0031] In weiterer Ausbildung der Erfindung ist ein Bewegungsmittel 17 in der Beizkabine
1, bevorzugt im oberen Teil des ersten, feststehenden Kabinenteils 11 angeordnet,
mit dem die länglichen Gegenstände während des Beizvorganges in ihrer vertikal stehenden
Beizposition A leicht hin- und her bewegt werden, damit die in einem Bündel vorliegenden
länglichen Gegenstände G auch an ihren Berührungslinien mit dem Beizmittel B benetzt
werden können.
[0032] Unterhalb der Halterung 12 für die länglichen Gegenstände G ist in dem feststehenden,
ersten Kabinenteil 11 am tiefsten Punkt des Beizraumes eine Rücklaufleitung 22 angeschlossen,
die das nach unten tropfende Beizmittel oder andere eingesprühte Flüssigkeiten auffängt
und an die entsprechenden Bevorratungstanks, beispielsweise den Beizmitteltank 2 oder
den Spülwassertank 3 weiterleitet. In der Verrohrung (Zufuhrleitung 21 und/oder Rücklaufleitung
22) sind etwaig erforderliche Ventile und/oder Pumpen der Übersichtlichkeit halber
nicht dargestellt.
[0033] Nachfolgend wird ein Beizvorgang mit der erfindungsgemäßen Beizanlage in der Ausführungsform
gemäß Figur 1 beschrieben.
[0034] Die Beizanlage befindet sich zunächst in der in Figur 1 durchgezogen dargestellten
Ladeposition L. Nun wird von einem Bevorratungslager ein Bündel zu beizende längliche
Gegenstände G, beispielsweise ein Rohrbündel, mit einem Förderfahrzeug, beispielsweise
einem Gabelstapler flach liegend zugeführt und in die Halterung 16 des zweiten Kabinenteils
12 abgeladen.
[0035] Nunmehr wird der Hydraulikzylinder 14 betätigt und der zweite Kabinenteil 12 in strichpunktierter
Schwenkrichtung S um die Schwenkachse 13 in die in Figur 1 gestrichelt dargestellte
Beizposition A verschwenkt. Durch die zwischen dem feststehenden ersten Kabinenteil
11 und dem zweiten Kabinenteil 12 vorgesehene Mehrkammerdichtung 18 wird beim vollständigen
Verschließen der Beizkabine 1 ein gas- und flüssigkeitsdicht abgetrennter Beizraum
gebildet.
[0036] Nunmehr kann die Behandlung des in der Beizkabine 1 in vertikal stehender Anordnung
vorgehaltenen länglichen Gegenstände G (Rohrbündel) durch Zuführen der gewünschten
Behandlungsflüssigkeit, beispielsweise dem Beizmittel B aus dem Beizmitteltank 2 über
die Zufuhrleitung 21 mittels einer entsprechenden Förderpumpe (hier nicht dargestellt)
beginnen. Das Beizmittel B wird dabei über die am oberen Ende oberhalb der länglichen
Gegenstände G (Rohrbündel) angeordneten Düsenanordnung 15 mit dem Beizmittel B besprüht.
Durch die erfinderische vertikale Anordnung der zu beizenden länglichen Gegenstände
G (Rohrbündel) werden die Rohre sowohl von ihrer Außenseite, wie auch von ihrer Innenseite,
als auch etwaige Zwischenräume mit dem Beizmittel B beaufschlagt. Durch die vertikale
Anordnung kann das Beizmittel B schwerkraftbedingt entlang der Oberflächen herunterlaufen
und somit die Oberflächen vollständig benetzen.
[0037] Unterhalb der länglichen Gegenstände G wird das heruntertropfende Beizmittel B gesammelt
und über die Rücklaufleitung 22 wieder dem Beizmitteltank 2 zur erneuten Applikation
zurückgeführt.
[0038] Um die länglichen Gegenstände G, die beispielsweise in einem Rohrbündel aneinander
liegen auch entlang der Berührungslinien wirksam mit dem Beizmittel B benetzen zu
können, wird das Rohrbündel optional von einem Bewegungsmittel 17, beispielsweise
in Form von expandierbaren Gummikissen leicht hin- und her bewegt. Damit verändern
sich die Berührungspunkte und -linien, sodass sich über die gesamten Oberflächen das
Beizmittel B verteilt.
[0039] Nachfolgend werden in der erforderlichen Form mit Wasser W aus dem Spülwassertank
3 oder über eine Frischwasserzufuhr (nicht dargestellt) über die Düsenanordnung 15
die länglichen Gegenstände G nachgespült und in einer nicht dargestellten bevorzugten
Ausführungsform mit einem Warmluftstrom getrocknet. Anschließend wird der zweite Kabinenteil
12 durch Betätigung des Hydraulikzylinders 14 wieder in seine Ladeposition L zurückgeschwenkt.
Nunmehr kann das fertig behandelte und gegebenenfalls getrocknete Rohrbündel aus dem
zweiten Kabinenteil 12 entnommen und zur Weiterbearbeitung, Lagerung oder Weitertransport
abgeführt werden.
Bezugszeichenliste
[0040]
- 1
- Beizkabine
- 10
- Schwenkeinrichtung
- 11
- erster Kabinenteil
- 12
- zweiter Kabinenteil
- 13
- Schwenkachse
- 14
- Schwenkbetätigungsmittel, Hydraulikzylinder
- 15
- Düsenanordnung
- 16
- Halterung
- 17
- Bewegungsmittel
- 18
- Dichtmittel, Mehrkammerdichtung
- 2
- Beizmitteltank
- 21
- Zufuhrleitung
- 22
- Rücklaufleitung
- 3
- Spülwassertank
- A
- Beizposition, Arbeitsposition
- B
- Beizmittel
- G
- Länglicher Gegenstand
- L
- Ladeposition
- W
- Wasser
- S
- Schwenkbereich
- X
- Längsachse
- Z
- Vertikalachse
1. Beizverfahren zum Beizen von länglichen Gegenständen (G), wie Rohren, Stäben und Stangen
aus Stahl oder Edelstahl im Chargenbetrieb mit einem Beizmittel (B) in einer Beizkabine
(1), wobei das Beizmittel (B) über eine Düsenanordnung (15) auf die Gegenstände (G)
in der Beizkabine (1) aufgebracht wird,
gekennzeichnet durch die Schritte:
- Beladen der zur Aufnahme der zu beizenden, länglichen Gegenstände (G) in einer entlang
einer Längsachse (X) langgestreckt ausgebildeten Beizkabine (1) oder einem zweiten
Kabinenteil (12) in einer Ladeposition (2), bei der die langgestreckte Beizkabine
(1) oder der zweite Kabinenteil (12) mit der Längsachse horizontal positioniert ist,
- Verschwenken der mit den zu beizenden, länglichen Gegenständen (G) beladenen Beizkabine
(1) oder zweiten Kabinenteil (12) in eine Beizposition (A), bei der die langgestreckte
Beizkabine (1) mit der Längsachse (X) im Wesentlichen parallel zu einer Vertikalachse
(Z) positioniert ist,
- Beizen der zu beizenden, länglichen Gegenständen (G) in der Beizkabine (1) durch Beaufschlagen der Düsenanordnung (15) mit dem Beizmittel (B), wobei das Beizmittel
(B) von oben auf und zwischen die zu beizenden, länglichen Gegenstände (G) gelangt
und Schwerkraft bedingt über deren gesamte Länge nach unten absinkt,
- Rückschwenken der mit den gebeizten, länglichen Gegenständen (G) beladenen Beizkabine
(1) oder des zweiten Kabinenteils (12) von der Beizposition (A) in die Ladeposition
(L) und
- Entladen die gebeizten, länglichen Gegenstände (G) aus der in der Ladeposition (L)
befindlichen Beizkabine (1) oder dem zweiten Kabinenteil (12).
2. Beizverfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Beizen in der Beizposition (A) ein Entfetten durch Beaufschlagen der Düsenanordnung
(15) mit einem Entfettungsmittel durchgeführt wird.
3. Beizverfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Beizen in der Beizposition (A) ein Passivieren durch Beaufschlagen der Düsenanordnung
(15) mit einem Passivierungsmittel durchgeführt wird.
4. Beizverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Beizen oder Passivieren die länglichen Gegenstände (G) mit Wasser (W) gespült
werden.
5. Beizverfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass nach dem Spülen die länglichen Gegenstände (G) mit Warmluft getrocknet werden.
6. Beizverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die länglichen Gegenstände in der Beizposition beim Entfetten, Beizen, Passivieren,
Spülen und/oder Trocknen bewegt werden.
7. Beizanlage zum Beizen von länglichen Gegenständen (G), wie Rohren, Stäben und Stangen
aus Stahl oder Edelstahl im Chargenbetrieb mit einem Beizmittel (B),
aufweisend
- eine Beizkabine (1) zur chargenweise Aufnahme der zu beizenden Gegenstände (G),
- einen Beizmitteltank (2) für das Beizmittel (B) und
- eine Düsenanordnung (15) in der Beizkabine (1), die vom Beizmitteltank (2) mit Beizmittel
(B) beaufschlagbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Beizkabine (1) zur Aufnahme der zu beizenden, länglichen Gegenstände (G) in einer
Längsachse (X) langgestreckt ausgebildet ist und eine Schwenkeinrichtung (10) aufweist,
mit der die Beizkabine (1) von einer Ladeposition (L), bei der die langgestreckte
Beizkabine (1) mit ihrer Längsachse (X) horizontal positioniert ist, in eine Beizposition
(A), bei der die langgestreckte Beizkabine (1) mit ihrer Längsachse (X) im Wesentlichen
parallel zu einer Vertikalachse (Z) positioniert ist, verschwenkbar ausgebildet ist.
8. Beizanlage nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Beizkabine (1) eine in der Ladeposition (L) öffenbare Ladetür hat, wobei die
Ladetür Dichtmittel (18) aufweist, die die Beizkabine (1) gas- und flüssigkeitsdicht
abschließen.
9. Beizanlage zum Beizen von länglichen Gegenständen (G), wie Rohren, Stäben und Stangen
aus Stahl oder Edelstahl im Chargenbetrieb mit einem Beizmittel (B),
aufweisend
- eine Beizkabine (1) zur chargenweise Aufnahme der zu beizenden Gegenstände (G),
- einen Beizmitteltank (2) für das Beizmittel (B) und
- eine Düsenanordnung (15) in der Beizkabine (1), die vom Beizmitteltank (2) mit Beizmittel
(B) beaufschlagbar ist,
dadurch gekennzeichnet, dass die Beizkabine (1) zur Aufnahme der zu beizenden, länglichen Gegenstände (G) in einer
Längsachse (X) langgestreckt ausgebildet und aus einem feststehenden, vertikal angeordneten
ersten Kabinenteil (11) und einem schwenkbaren zweiten Kabinenteil (12) aufgebaut
ist, wobei die Beizkabine (1) eine Schwenkeinrichtung (10) aufweist, mit der der schwenkbare
zweite Kabinenteil (12) der Beizkabine (1) von einer Ladeposition (L), bei der der
schwenkbare zweite Kabinenteil (12) mit seiner Längsachse (X) horizontal positioniert
ist, in eine Beizposition (A), bei der der schwenkbare zweite Kabinenteil (12) mit
dem feststehenden, vertikal angeordneten ersten Kabinenteil (11) die langgestreckte,
geschlossene Beizkabine (1) bildend mit der Längsachse (X) im Wesentlichen parallel
zur Vertikalachse (Z) positioniert ist, verschwenkbar ausgebildet ist.
10. Beizanlage nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass zwischen ersten und zweiten Kabinenteil (11, 12) Dichtmittel (18) vorgesehen sind,
die die Beizkabine (1) gas- und flüssigkeitsdicht abschließen.
11. Beizanlage nach Anspruch 8 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass das Dichtmittel (18) säurefeste Gummidichtungen, insbesondere Mehrkammerdichtungen
sind.
12. Beizanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass die Schwenkeinrichtung (10) eine horizontale und zur Längsachse (X) senkrechte Schwenkachse
(13) am in Beizposition (A) unteren Ende der Beizkabine (1) hat, wobei zum Verschwenken
ein Schwenkbetätigungsmittel (14), beispielsweise ein Seilzug oder ein Hydraulikzylinder
vorgesehen ist.
13. Beizanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 12, dadurch gekennzeichnet, dass die Düsenanordnung (15) im in Beizposition (A) oberen Ende der Beizkabine (1) angeordnet
ist.
14. Beizanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 13, dadurch gekennzeichnet, dass in der Beizkabine (1) eine Halterung (16) für die zu beizenden, länglichen Gegenstände
(G) vorgesehen ist.
15. Beizanlage nach einem der Ansprüche 7 bis 14, dadurch gekennzeichnet, dass in der Beizkabine (1) ein Bewegungsmittel (17) zum Bewegen der darin in Beizposition
(A) stehenden, zu beizenden, länglichen Gegenstände (G) vorgesehen ist.