[0001] Die Erfindung betrifft eine klebbare Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung, ein Verfahren
zur Herstellung eines Druckgussbauteils aus der Legierung und eine Karosseriekomponente
mit einem Druckgussbauteil.
[0002] Es ist seit längerem bekannt, Gussbauteile für Karosserie- und Fahrwerksanwendungen
im Druckguss aus Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen herzustellen. Diese Legierungen
enthalten üblicherweise etwa 6 bis 12 Gew.% Silizium, zeigen gute Gießeigenschaften,
eine geringe Schrumpfungsneigung und eine sehr geringe Anfälligkeit für Heißrisse
und Lunker.
[0003] Die mit diesen Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen hergestellten Gussbauteile
werden üblicherweise einer T5-, T6-, oder T7-Wärmebehandlung gemäß DIN EN 515 unterzogen.
Durch eine T5-Wärmebehandlung werden Bauteile mit einer guten Maßhaltigkeit bei gleichzeitig
hoher Festigkeit und durch eine T6- oder T7-Wärmebehandlung werden Bauteile mit guten
Verformungseigenschaften bei gleichzeitig hoher Festigkeit erhalten.
[0004] So beschreibt bspw. die
EP 2 735 621 A1 eine Aluminium-Legierung für Bauteile mit erhöhter Festigkeit mit einer Dehngrenze
Rp
0.2>120MPa und gleichzeitiger Bruchdehnung A > 7% im Gusszustand, einer Dehngrenze Rp
0,2 > 200 MPa und gleichzeitig hoher Bruchdehnung A > 6% nach einer T5-Wärmebehandlung
oder einer Dehngrenze Rp
0,2 > 200 MPa und gleichzeitig hoher Bruchdehnung A > 9% nach einer T6-Wärmebehandlung,
insbesondere für Struktur- und Fahrwerksteile eines Kraftwagens, enthaltend 9 bis
11,5 Gew.% Silizium, 0,45 bis 0,8 Gew.% Mangan, 0,2 bis 1,0 Gew.% Magnesium, 0,1 bis
1,0 Gew.% Kupfer, max. 0,2 Gew.% Zink, max. 0,4 Gew.% Zirkon, max. 0,4 Gew.% Chrom,
max. 0,3 Gew.% Molybdän, max. 0,2 Gew.% Eisen, max. 0,15 Gew.% Titan, 0,01 bis 0,02
Gew.% Strontium und als Rest Aluminium und herstellungsbedingte Verunreinigungen von
insgesamt max. 0,5 Gew.%.
[0005] Und aus der
DE 10 2013 002 632 A1 ist eine Aluminium-Silizium-Gusslegierung bekannt, enthaltend 5 bis 12 Ma% Silizium,
0,5 bis 3,0 Ma% Zink, 0,1 bis 0,7 Ma% Magnesium, 0,2 bis 0,8 Ma% Mangan, 0,05 bis
0,3 Ma% Zirconium, einzelnen höchstens 0,05 Ma% und insgesamt höchstens 0,4 Ma% Verunreinigungen
und als Rest Aluminium. Diese Offenlegungsschrift beschreibt auch ein Verfahren zur
Herstellung eines Druckgussbauteils wobei ein Gussbauteil aus einer der vorgeschlagenen
Gusslegierungen gegossen wird und das Gussbauteil nach dem Gießen einer Wärmebehandlung
auf den Zustand T5, T6 oder T7 unterworfen wird. Die Aluminium-Silizium-Gusslegierung
weist eine sehr gute Fließfähigkeit für Bauteile mit Wandstärken unter 2 mm auf und
die daraus hergestellten Bauteile zeichnen sich durch eine hohe Festigkeit und gleichzeitig
eine gute Verformbarkeit aus.
[0006] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine neue Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
insbesondere für dünnwandigen Karosseriekomponenten, ein neues Verfahren zur Herstellung
eines Druckgussbauteils und neuartige Karosseriekomponenten mit einem Druckgussbauteil,
insbesondere für ein Kraftfahrzeug zur Verfügung zu stellen, wobei sich die neue Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
durch eine sehr gute Fließfähigkeit auszeichnet und die daraus hergestellten Druckgussbauteile
bzw. Karosseriekomponenten eine gute Klebstoffhaftung, eine hohe Korrosionsresistenz
und ein gutes Crashverhalten aufweisen.
[0007] Diese Aufgaben werden gelöst durch die Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß
Anspruch 1, das Verfahren zur Herstellung eines Druckgussbauteils gemäß Anspruch 5
und die Karosseriekomponente gemäß Anspruch 7. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung
sind Gegenstand der Unteransprüche.
[0008] Die erfindungsgemäße Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung zur Herstellung eines
Druckgussbauteils, insbesondere einer dünnwandigen Karosseriekomponente für ein Kraftfahrzeug,
enthält
- 6,5 Gew.% bis 12,0 Gew.% Silizium,
- 0,30 Gew.% bis 0,80 Gew.% Mangan,
- 0,25 Gew.% bis 0,50 Gew.% Magnesium,
- 0,08 Gew.% bis 0,35 Gew.% Zink,
- 0,05 Gew.% bis 0,30 Gew.% Zirconium,
- 0,006 Gew.% bis 0,025 Gew.% Strontium,
- einzeln maximal 0,3 Gew.%, insgesamt maximal 0,5 Gew.% Verunreinigungen und
- als Rest Aluminium.
[0009] Durch einen Gehalt von mindestens 6,5 Gew.% Silizium (Si) wird eine ausreichende
Gießbarkeit gewährleistet und Erstarrungsschrumpfungen vermieden. Die Obergrenze von
maximal 12 Gew.% ist einzuhalten, damit keine primären Siliziumphasen auftreten.
[0010] Ein Mangangehalt (Mn) von 0,3 bis 0,8 Gew.% verbessert die Entformbarkeit aus der
Werkzeugkavität bei geringen Eisengehalten < 0,3 Gew.%.
[0011] Ein Magnesiumgehalt (Mg) von min. 0,25 Gew.% führt zur Ausbildung von aushärtenden
Mg
2Si-Phasen, die Obergrenze von 0,5 Gew.% verhindert eine zu starke Versprödung des
Werkstoffs.
[0012] Zink (Zn) wird für die weitere Festigkeitssteigerung mittels Mischkristallhärtung
der Legierung verwendet. Dabei ist der Zink-Gehalt in der Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
gemäß der vorliegenden Erfindung auf maximal 0,35 Gew.% begrenzt, da ein höherer Gehalt
die Klebstoffhaftung beim Verbau eines solchen Bauteils stark reduziert, sowie die
Korrosionsneigung erhöht.
[0013] Zur weiteren Erhöhung der mechanischen Eigenschaften kann durch die Zugabe von Zirconium
(Zr) ein feineres Korn ausgebildet werden. Der optimale Gehalt liegt zwischen 0,05
Gew.-% und 0,30 Gew.-% Zirconium.
[0014] Durch einen Strontiumgehalt (Sr) im Bereich von 0,006 Gew.% bis 0,025 Gew.% kann
eine Veredelung der Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung erreicht werden.
[0015] Gemäß einer ersten vorteilhaften Weiterbildung der Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
enthält diese
- mehr als 0,35 Gew.% bis 0,50 Gew.% Magnesium, bevorzugt
- 0,38 Gew.% bis 0,45 Gew.% Magnesium.
[0016] Wie Versuche überraschend ergeben haben und wie unter Bezug auf die in dieser Anmeldung
erläuterten erfindungsgemäßen Beispiele gezeigt wird, werden die Aufgaben der vorliegenden
Erfindung besonders gut gelöst, sofern der Magnesiumgehalt in der Legierung mehr als
0,35 Gew.% bis 0,50 Gew.%, bevorzugt im Bereich von 0,38 Gew.% bis 0,45 Gew.% beträgt.
[0017] Gemäß einer zweiten vorteilhaften Weiterbildung der Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
enthält diese weiter
- maximal 0,2 Gew.% Vanadium,
- maximal 0,2 Gew.% Molybdän,
- maximal 0,3 Gew.% Zinn,
- maximal 0,3 Gew.% Kobalt, und/oder
- maximal 0,2 Gew.% Titan
als optionale(n) Legierungsbestandteil(e).
[0018] Wie oben bereits erwähnt, ist der Zink-Gehalt in der Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
gemäß der vorliegenden Erfindung auf maximal 0,35 Gew.% begrenzt, da ein höherer Gehalt
die Klebstoffhaftung beim Verbau eines solchen Bauteils stark reduziert sowie die
Korrosionsneigung erhöht. Andererseits würde ein höherer Zink-Gehalt die Festigkeit
in vorteilhafter Weise weiter erhöhen.
[0019] Um einen Festigkeitsausgleich zu schaffen, kann für die Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
gemäß der vorliegenden Erfindung in vorteilhafter Weise vorgesehen sein, je nach Festigkeitsniveau
(bspw. für höchstfeste Eigenschaften) Zinn (Sn) und/oder Kobalt (Co) bis zu den jeweils
angegebenen maximalen Gehalten hinzulegiert. Zinn führt dabei zu einer Erhöhung der
Anzahl an Leerstellen nach der Abschreckung, was eine beschleunigte Ausscheidungskinetik
zur Folge hat. Der Zinn- und Kobalt-Gehalt sollte jedoch auf jeweils max. 0,30 Gew.-%
begrenzt werden, da sonst versprödende intermetallische Phasen bei Kobalt und niedrigschmelzende
Gefügebestandteile im Falle von Zinn auftreten.
[0020] Mit einer Zugabe von Vanadium (V), Molybdän (Mo) und/oder Titan (Ti) einzeln oder
in Kombination mit jeweils einem Gehalt von max. 0,2 Gew.% kann eine weitere Kornfeinung
bei der Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß der vorliegenden Erfindung erreicht
werden.
[0021] Wie oben bereits angegeben ist, weist die Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß
der vorliegenden Erfindung einzeln maximal 0,3 Gew.%, insgesamt maximal 0,5 Gew.%
Verunreinigungen auf, die Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung wird also aus sehr
reinen Ausgangsmaterialien hergestellt.
[0022] Diesbezüglich hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
gemäß der vorliegenden Erfindung
- maximal 0,05 Gew.% Kupfer,
- maximal 0,002 Gew.% Phosphor,
- maximal 0,002 Gew.% Calcium,
- maximal 0,002 Gew.% Natrium, und/oder
- maximal 0,30 Gew.% Eisen
als Verunreinigung(en) aufweist.
[0023] Bezüglich des Legierungsbestandteils Aluminium kann dem Erfordernis nach großer Reinheit
bspw. durch die Verwendung von Reinaluminium aus der Elektrolyse oder aus sortenreinen
Aluminiumrecyclaten, z.B. aus der Bau- oder Verpackungsindustrie Rechnung getragen
werden. Die Maximalangaben der Verunreinigungselemente, vor allem Kupfer (maximal
0,05 Gew.%), sind zur Erfüllung der gewünschten Eigenschaften einzuhalten.
[0024] Die vorliegende Erfindung umfasst auch ein Verfahren zur Herstellung eines Druckgussbauteils,
insbesondere für eine dünnwandige Karosseriekomponente, umfassend die Schritte:
- Gießen eines Druckgussbauteils aus einer erfindungsgemäßen Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
oder einer ihrer vorteilhaften Weiterbildungen und Ausgestaltungen, und
- Unterziehen des Druckgussbauteils einer Wärmebehandlung umfassend in der angegebenen
Reihenfolge
- ein mehrstufiges Glühen umfassend wenigstens
- ein erstes Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 320°C bis 450°C für eine Zeitdauer
von 20 Minuten bis 75 Minuten, und
- ein zweites Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 460°C bis 520°C für eine Zeitdauer
von 5 Minuten bis 35 Minuten,
- eine Abschreckung mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 3 K/s bis 200 K/s,
und
- einer mehrstufigen Warmauslagerung umfassend wenigstens
- eine erste Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 100°C bis 180°C für
eine Zeitdauer von 40 Minuten bis 150 Minuten, und
- eine zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 195°C bis 300°C für
eine Zeitdauer von 30 Minuten bis 100 Minuten.
[0025] Umfasst das Glühen und/oder die Warmauslagerung drei oder mehr Stufen, ist es von
Vorteil, wenn die Gesamtdauer des Glühens und/oder die Gesamtdauer der Warmauslagerung
im Wesentlichen den oben genannten Werten entspricht, d.h. die oben angegebenen Zeitdauern
für die jeweiligen Stufen anteilig reduziert werden.
[0026] Bei einem dreistufigen Glühen kann bspw. als erste Stufe ein Glühen bei einer Temperatur
im Bereich von 320°C bis 380°C vorgesehen sein (zum Abbau von Eigenspannungen), daran
anschließend eines zweite Glühstufe bei etwa 440°C und eine dritte Glühstufe bei etwa
490°C.
[0027] Und bei einer dreistufigen Warmauslagerung kann bspw. als letzte Stufe eine Warmauslagerung
bei einer Temperatur im Bereich von 240°C bis 300°C für eine kurze Zeitdauer im Bereich
von etwa 5 Minuten bis etwa 45 Minuten vorgesehen sein (zur Erhöhung der Duktilität).
[0028] Das erfindungsgemäße Verfahren kann dahin in vorteilhafter Weise weitergebildet sein,
dass
- das erste Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 380°C bis 440°C für eine Zeitdauer
von 20 Minuten bis 45 Minuten,
- das zweite Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 490°C bis 510°C für eine Zeitdauer
von 5 Minuten bis 20 Minuten,
- die Abschreckung mittels Luft mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 3 K/s
bis 12 K/s oder mittels Wasser mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 80 K/s
bis 200 K/s,
- die erste Warmauslagerung bei einer Temperatur von 120°C bis 170°C für eine Zeitdauer
von 40 Minuten bis 90 Minuten, und
- die zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur von 200°C bis 240°C für eine Zeitdauer
von 40 Minuten bis 80 Minuten
durchgeführt werden.
[0029] Die vorliegende Erfindung umfasst auch eine Karosseriekomponente, insbesondere für
ein Kraftfahrzeug, die dadurch gekennzeichnet ist, dass sie zumindest anteilig aus
einem Druckgussbauteil besteht, das unter Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens
oder einer seiner vorteilhaften Weiterbildungen oder Ausgestaltungen hergestellt wurde.
[0030] Das Druckgussbauteil der Karosseriekomponente kann in vorteilhafter Weise eine Wandstärke
im Bereich von 0,6 mm bis 10 mm aufweisen. Des Weiteren kann bei der Karosseriekomponente
das Druckgussbauteil mit wenigstens einem Blechbauteil, Stahlblechbauteil, Aluminiumbauteil
oder Gussbauteil verklebt sein.
[0031] Die Karosseriekomponente kann bspw. in Form einer Federbeinaufnahme, eines Längsträgers,
eines Verbindungsteils, einer Sitzaufnahme, einer Scharnieraufnahme oder einer Prallplatte
ausgebildet sein.
[0032] Die vorliegende Erfindung wird anhand der beigefügten Zeichnungen näher erläutert.
[0033] Dabei zeigen:
- Fig. 1
- den Einfluss des Zink-Gehalts auf die Zugscherfestigkeit nach zwei und vier Wochen
Immersionstest bei einer Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß der vorliegenden
Erfindung, die einer Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung unterzogen wurde;
- Fig. 2
- den Einfluss des Kupfer-Gehalts auf die Zugscherfestigkeit nach zwei und vier Wochen
Immersionstest bei einer Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß der vorliegenden
Erfindung, die einer Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung unterzogen wurde;
- Fig. 3
- einen Vergleich der Materialeigenschaften von Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen
nach dem Stand der Technik und Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen gemäß der vorliegenden
Erfindung.
[0034] Die nachfolgend erläuterten Ausführungsbeispiele stellen bevorzugte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung dar. Die vorliegende Erfindung ist selbstverständlich nicht
auf diese Ausführungsformen beschränkt.
[0035] Die in der obigen Beschreibung genannten Merkmale und Merkmalskombinationen sowie
die in der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsformen, Ausführungsbeispielen
und der Figurenbeschreibung genannten und/oder in den Figuren alleine gezeigten Merkmale
und Merkmalskombinationen sind nicht nur in der jeweils angegebenen Kombination, sondern
auch in anderen Kombinationen oder in Alleinstellung verwendbar, ohne den Rahmen der
vorliegenden Erfindung zu verlassen.
[0036] Durch die neuartige Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung können in Kombination mit
der erfindungsgemäß vorgesehene Wärmebehandlung unerwartete Vorteile erzielt werden.
[0037] Die Durchführung einer zwei- oder mehrstufigen Lösungsglühung erlaubt die Glühung
eines Bauteils bei Temperaturen von 460°C bis 520°C (bspw. über 480°C, bevorzugt über
490°C, besonders bevorzugt über 500°C) für kurze Zeiten von 5 Minuten bis 35 Minuten
(bspw. im Bereich von 5 Minuten bis 25 Minuten) in der letzten Stufe.
[0038] Hierdurch werden noch vorhandene organische Trennmittelrückstände aus dem Gießprozess
(die sehr temperaturbeständige Mischungen aus Ölen, Wachsen, Polysiloxanen und weiteren
Additiven aufweisen können) besonders wirkungsvoll vercrackt und können damit sehr
gut und zumindest nahezu rückstandslos entfernt werden. Im Ergebnis kann so eine deutliche
Steigerung der Klebstoffhaftung gegenüber herkömmlich wärmebehandelten Legierungen
erzielt werden.
[0039] Resultierend daraus ergeben sich als sekundärer Effekt hohe Werte für die Zugscherfestigkeiten,
insbesondere nach Einwirkung korrosiver Medien. Die kurze Haltedauer der letzten Lösungsglühstufe
reduziert außerdem die Gefahr des Verzugs des Bauteils.
[0040] Das Festigkeitsniveau kann erfindungsgemäß über den Abschreckgradienten nach der
Lösungsglühung eingestellt werden. Dabei gilt der Zusammenhang, dass je höher der
Abschreckgradient gewählt wird, desto höher die zu erreichende Festigkeit ist.
[0041] Eine zwei- oder mehrstufige Auslagerung erlaubt die Reduzierung der Auslagerungsdauer
mittels Separation der Auslagerungsmechanismen (Keimbildung, Keimwachstum, etc.).
Überraschenderweise hat sich gezeigt, dass sich insbesondere die zweite Stufe positiv
auf das Festigkeits-Duktilitäts-Verhältnis bei den angegebenen Gehalten aus Zink und
Zirconium auswirkt. Dabei ist die zweite Auslagerungsstufe so gestaltet, dass die
Temperatur dabei höher als bei der ersten Auslagerungsstufe ist und im Bereich von
195 bis 300°C liegt.
[0042] Sollen verschiedene Bauteile unterschiedliche Festigkeiten aufweisen, ist es besonders
vorteilhaft, eine einheitliche (d.h. die gleiche) Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
zu verwenden und auch die Glüh- sowie Auslagerungsprozesse gleich bezüglich Temperatur-
und Zeitverläufe zu gestalten. Die unterschiedlichen Festigkeiten können dann auf
einfache Weise durch unterschiedlich hohe Abschreckgradienten nach dem letzten Glühprozess
eingestellt werden (siehe hierzu nachfolgend Beispiele 1 und 3). Hierüber ist es möglich,
besonders gute Klebstoffhaftungs- und Crasheigenschaften über alle Festigkeitsklassen
zu erreichen.
[0043] Die vorliegende Erfindung und die durch sie erzielbaren Vorteile werden nachfolgend
durch einen Vergleich zwischen verschiedenen Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen
und den jeweils angegebenen Wärmebehandlungen näher erläutert. Bei den angegebenen
Vergleichsbeispielen 1 bis 5 wird keine Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß
der vorliegenden Erfindung verwendet, bei Vergleichsbeispiel 6 wird eine Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung
gemäß der vorliegenden Erfindung mit nur einem einstufigen Lösungsglühen und einer
einstufigen Warmauslagerung behandelt und bei den Beispielen 1 bis 3 handelt es sich
um Beispiele, bei denen Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen gemäß der vorliegenden
Erfindung einer Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung unterzogen wurden.
[0044] Verwendete Wärmebehandlungsverfahren:
WBH Nr. 1:
- Lösungsglühung, einstufig:
- 460°C/1,5 h
- Abschreckung:
- Luftabschreckung 0,5-2 K/s
- Warmauslagerung, einstufig:
- 220°C/3 h
WBH Nr. 2 (erfindungsgemäß):
- Lösungsglühung, zweistufig:
- 400°C/1 h + 510°C/30 min
- Abschreckung:
- Luftabschreckung >3 K/s
- Warmauslagerung, zweistufig:
- 120°C/2 h + 230°C/1 h
WBH Nr. 3 (erfindungsgemäß):
- Lösungsglühung, zweistufig:
- 400°C/1 h + 510°C/30 min
- Abschreckung:
- Wasserabschreckung >80 K/s
- Warmauslagerung, zweistufig:
- 120°C/2 h + 230°C/1 h
[0045] Die angegebenen Zeitdauern bei der Lösungsglühung und Warmauslagerung entsprechen
den Ofenzeiten. Die Bauteile können hierzu bspw. entweder mit Hilfe eines Mehrkammerofens
in die Kammer mit den jeweils angegebenen Temperaturen (weiter)transportiert werden
oder mittels einer Rampenaufheizung von einer ersten Temperatur auf eine zweite Temperatur
erwärmt werden.
[0046] Die Abschreckung erfolgt ohne genaue Festlegung einer unteren Grenztemperatur und
es wurde regelmäßig bis in etwa Raumtemperatur oder etwas darüber abgekühlt, mindestens
jedoch auf kleiner 200°C.
[0047] Verwendete Legierungen:
- Legierung Nr. 1:
- AlSi10,5Mn0,60Mg0,30Sr0,012Ti0,06 (genormte Referenzlegierung)
- Legierung Nr. 2:
- AlSi10,5Mn0,60Mg0,40Sr0,012Ti0,06Zn0,90Zr0,10 (Legierung gemäß DE 10 2013 002 632 A1)
- Legierung Nr. 3:
- AlSi10,5Mn0,60Mg0,32Sr0,012Ti0,06Zn0,10Cu0,25 (Legierung gemäß EP 2 735 621 A1)
- Legierung Nr. 4:
- AlSi9,5Mn0,60Mg0,42Sr0,015Ti0,12Zn0,20Zr0,20 (Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung,
Variante 1)
- Legierung Nr. 5:
- AlSi9,5Mn0,60Mg0,42Sr0,015Ti0,12Zn0,20Zr0,020Sn0,15Co0,10 (Legierung gemäß der vorliegenden
Erfindung; Variante 2)
[0048] Tabelle 1 zeigt die verwendeten Legierungen und die damit jeweils durchgeführten
Wärmebehandlung.
Tabelle 1
| Beispiel |
Legierung (Nr. #) |
Wärmebehandlung (WBH Nr. #) |
| Vergleichsbeispiel 1 |
1 |
1 |
| Vergleichsbeispiel 2 |
2 |
1 |
| Vergleichsbeispiel 3 |
3 |
1 |
| Vergleichsbeispiel 4 |
1 |
2 |
| Vergleichsbeispiel 5 |
2 |
2 |
| Vergleichsbeispiel 6 |
4 |
1 |
| Beispiel 1 |
4 |
2 |
| Beispiel 2 |
5 |
2 |
| Beispiel 3 |
4 |
3 |
[0049] Tabelle 2 zeigt die resultierenden Eigenschaftsprofile.
Tabelle 2
| Beispiel |
Rm (MPa) |
Rp0,2 (MPa) |
A5 (%) |
FDI |
Korrosionsbeständigkeit |
Fließfähigkeit |
Klebstoffhaftung |
| Vergleichsbeispiel 1 |
205 |
133 |
16,3 |
25 |
+ |
0 |
+ |
| Vergleichsbeispiel 2 |
233 |
169 |
13,1 |
24 |
0 |
+ |
- |
| Vergleichsbeispiel 3 |
246 |
183 |
11,7 |
23 |
- |
- |
- |
| Vergleichsbeispiel 4 |
230 |
158 |
13,5 |
24 |
+ |
0 |
+ |
| Vergleichsbeispiel 5 |
252 |
206 |
12,6 |
27 |
0 |
+ |
- |
| Vergleichsbeispiel 6 |
235 |
163 |
14,7 |
27 |
+ |
++ |
+ |
| Beispiel 1 |
253 |
192 |
14,8 |
31 |
+ |
++ |
++ |
| Beispiel 2 |
263 |
210 |
14,3 |
32 |
+ |
++ |
++ |
| Beispiel 3 |
340 |
265 |
12,3 |
35 |
+ |
++ |
++ |
| ++: überraschend sehr gut; +: gut 0: durchschnittlich -: schlecht; --: ungenügend |
[0050] In Tabelle 2 bedeuten
Rm: Zugfestigkeit
Rp
0,2: 0,2%-Dehngrenze
A5: Bruchdehnung
FDI: Festigkeits-Duktilitäts-Index, berechnet aus den für Fahrzeugkarosserie-Bauteile
auslegungsrelevanten Materialkennwerten Rm, Rp
0,
2 und A5; FDI = (Rm+3*R
P0,2)/4*A5/100
[0051] Für den FDI wurden die Festigkeitswerte nach Priorisierung im Karosseriebau gewichtet
(Rm: einfach; Rp
0,2: dreifach). Der gemittelte Festigkeitswert wird mit entsprechender Gewichtung (Rm:
einfach, Rp
0,2: dreifach) mit der Bruchdehnung A5 multipliziert und aus Gründen der Übersichtlichkeit
durch den Divisor 100 dividiert.
[0052] Mit den aus dem Stand der Technik bekannten Lösungen können nur FDI-Werte bis maximal
≤27 erreicht werden (siehe Vergleichsbeispiele 5 und 6).
[0053] Auf Basis der erfindungsgemäßen Beispiele 1 bis 3 ist ersichtlich, dass nur durch
eine Kombination der neuen Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung mit der optimierten
Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung ein FDI > 30 erreicht werden kann
und weitere Eigenschaftsvorteile hinsichtlich Klebstoffhaftung, Fließfähigkeit sowie
Korrosions- und Crashverhalten erzielt werden können.
[0054] Demgegenüber können, wenn aus dem Stand der Technik bekannte Legierungen (Legierung
Nr. 1 oder Nr. 2) einer Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung unterzogen
werden (WBH Nr. 2), lediglich FDI-Werte < 30 erreicht werden (siehe Vergleichsbeispiele
4 und 5). Gleiches gilt, wenn eine Legierung gemäß der vorliegenden Erfindung (Legierung
Nr. 4) einer nur einfachen Wärmebehandlung (WBH Nr. 1) mit jeweils einer Lösungsglühung
und einer Warmauslagerung unterzogen wird (siehe Vergleichsbeispiel 6).
[0055] In Fig. 1 ist die Abhängigkeit der Klebstoffhaftung (Zugscherfestigkeit) im Immersionstest
nach 2 und 4 Wochen vom Zinkgehalt dargestellt. In Fig. 2 ist die Abhängigkeit der
Klebstoffhaftung (Zugscherfestigkeit) im Immersionstest nach 2 und 4 Wochen in Abhängigkeit
vom Kupfergehalt aufgetragen. In Bezug auf die übrigen Legierungsbestandteile sowie
die Wärmebehandlung entsprechen die gemäß dieser Figuren untersuchten Legierungen
jeweils Beispiel 1.
[0056] Aus Fig. 1 ist ersichtlich, dass besonders vorteilhafte Klebstoffhaftungseigenschaften
dann erreicht werden, wenn bei der Legierung Nr. 4 der Zinkgehalt zwischen 0,08 Gew.%
und 0,35 Gew.% liegt und Kupfer nicht als Legierungselement verwendet wird. Kupfer
ist lediglich als Verunreinigungselement mit Gehalten bis maximal 0,05 Gew.% zulässig,
damit die geforderten Zugscherfestigkeiten von prozesssicheren > 25 MPa nach 4 Wochen
Immersionstest erreicht werden können.
[0057] Neben den Klebstoffhaftungseigenschaften hat sich bei der Legierung gemäß Beispiel
1 (Legierung Nr. 4, Wärmebehandlung Nr. 2) überraschenderweise gezeigt, dass neben
sehr hohen 0,2%-Dehngrenzen im Bereich von 0,08 Gew.% bis 0,35 Gew.% Zink vor allem
die Fließfähigkeit der Legierung besonders gute Werte liefert. Es konnte hier ein
Maximum in Abhängigkeit vom Zinkgehalt der Legierung festgestellt werden. Die Zusammenhänge
sind in Fig. 3 dargestellt.
[0058] Eine weitere Erhöhung der mechanischen Kennwerte ohne weitere Eigenschaftsnachteile
konnten durch geringe Gehalte von Kobalt (Co) und/oder Zinn (Sn) zur Erhöhung der
0,2%-Dehngrenze erzielt werden (vgl. Beispiele 1 und 2).
[0059] Eine deutliche Steigerung der mechanischen Kennwerte kann auch durch Erhöhung des
Abschreckgradienten erzielt werden (siehe Beispiel 3 mit Legierung Nr. 4 und Wasserabschreckung).
Die Legierungen Nr. 4 und Nr. 5 besitzen besonders gute mechanische Kennwerte bei
Abschreckgradienten >3 K/s, insbesondere >4 K/s.
[0060] Vor allem bei Legierung Nr. 4 konnten durch die optimierte Wärmebehandlung WBH Nr.
2 sehr gute Festigkeits-Duktilitäts-Eigenschaften von Versuchsbauteilen der erzeugten
Gussbauteile erzielt werden (vgl. Vergleichsbeispiel 6 und Beispiel 1).
[0061] Wie aus Fig. 3 ersichtlich ist, zeigen lediglich Kombinationen der Legierungszusammensetzung
gemäß der vorliegenden Erfindung mit der Wärmebehandlung gemäß der vorliegenden Erfindung
die geforderten Eigenschaftsprofile (Beispiele 1 bis 3). Alle in Fig. 3 dargestellten
Eigenschaften sind referenziert auf Vergleichsbeispiel 1 mit einer Standardlegierung
für Karosseriegussanwendungen und einer Wärmebehandlung gemäß dem Stand der Technik
(WBH Nr. 1). Bei den Beispielen Nr. 1 bis 3 gemäß der vorliegenden Erfindung zeigen
sich sämtliche betrachteten Eigenschaften gegenüber dem Vergleichsbeispiel 1 deutlich
verbessert.
[0062] Für die in den Figuren verwendeten Begriffe gilt folgendes:
Fließfähigkeit:
Die jeweilige Legierung wurde auf ca. 700°C erwärmt und anschließend in eine Prüfkokille
(max. Länge 300 mm) gegossen. Je nach Eigenschaft der Legierung ergeben sich unterschiedliche
Fülllängen. Diese Fülllänge wurde zur Ermittlung der Fließfähigkeit gemessen und zwischen
den Legierungsvarianten verglichen. Übliche Fließlängen liegen bei 200-250 mm. Legierungen
mit einer Fließfähigkeit > 250 mm wurden als "gut" bewertet; Legierungen mit einer
Fließfähigkeit von < 200 mm wurden als "schlecht" bewertet. Die Auftragung erfolgte
relativ normiert zur Legierung Nr. 1 (Referenzlegierung).
Korrosionsresistenz:
Eine gegossene Probe wurde in künstlichen Atmosphären einer Salzsprühnebelprüfung
nach DIN EN ISO 9227 über eine Dauer von 3024h (18 Wochen) unterzogen. Die Bewertung
des Korrosionsverhaltens, also der Angriff, auf die Probe erfolgte nach DIN EN ISO
9227 und wurde entsprechend ausgewertet. Die Proben mit dem geringsten bzw. höchsten
Korrosionsangriff wurden unter dem Begriff Korrosion zu -100% (größter Angriff) bzw.
0% (geringster Angriff) normiert.
Immersionstest:
Je zwei gegossene Gussplatten wurden mit einer definierten Überlappung verklebt und
nach der Aushärtung des Klebstoffs in den Immersionstest gegeben. Hier werden die
Probestreifen 2 bzw. 4 Wochen in einer 5-prozentigen NaCl-Lösung bei einer definieren
Temperatur zwischen 50-80°C gelagert. Nach Beendigung des Tests werden die Zugproben
mit Hilfe einer Zugprüfmaschine zerstört, d.h. die Kleberaupe bis zum Versagen auseinandergezogen
und die auftretende Zugkraft (Zugscherfestigkeit) ermittelt.
[0063] Übliche Zugscherfestigkeitswerte nach 4 Wochen Immersionstest liegen bei ca. 25 MPa.
Sehr gute Ergebnisse liegen zwischen 27-30 MPa, schlechte Werte weisen Zugscherfestigkeiten
< 23 MPa auf. Die Resultate wurden anschließend zur Legierung Nr. 1 (Referenzlegierung)
normiert.
[0064] Ein besonderer Vorteil der vorliegenden Erfindung ist, dass Aluminium-Silizium-Druckgusslegierungen
zur Verfügung gestellt werden, durch die Gussteile erhalten werden können, die in
der Fahrzeugkarosserie durch kleben miteinander verbunden werden können. Gegenüber
bisher bekannten Legierungen weist die erfindungsgemäße Legierung ein deutlich erhöhte
Klebstoffhaftung bei einem hohen Festigkeitsniveau auf.
[0065] Bezüglich der hierbei verwendbaren Klebstoffe und der Klebverfahren ergeben sich
keine Besonderheiten bzw. keine Einschränkungen im Bezug auf die aus dem Stand der
Technik bekannten Klebstoffe und -verfahren. Gleiches gilt für die Materalien, mit
denen die Legierungen gemäß der vorliegenden Erfindung verklebt werden können. Diesbezüglich
kann ein Fachmann somit auf die ihm aufgrund seines Fachwissens bekannten Lösungen
zurückgreifen, so dass in der vorliegenden Anmeldung hierauf auch nicht näher eingegangen
zu werden braucht.
[0066] Durch die Erfindung können Karosseriekomponenten (Druckgussbauteile) im Wandstärkenbereich
im Bereich von < 1,0 mm und 10 mm Wanddicke hergestellt werden, besonders vorteilhaft
auch sehr dünnwandige Bauteile. Entgegen dem vorbekannten Stand der Technik sind durch
die vorliegende Erfindung Wandstärken von < 1,0 mm bis minimal 0,6 mm möglich.
[0067] Als einige, nicht abschließende Beispiele für durch die vorliegende Erfindung herstellbare
Karosseriekomponenten seien erwähnt Federbeinaufnahmen, Längsträger, Verbindungsteile,
Sitzaufnahmen, Scharnieraufnahmen und/oder Prallplatten.
[0068] Durch die vorliegende Erfindung ergeben sich somit insbesondere die folgenden Vorteile:
- hohe Korrosionsresistenz durch begrenzten Zink-Gehalt;
- durch begrenzten Zink-Gehalt bedingtes erniedrigtes Festigkeitsniveau wird durch mehrstufige
Wärmebehandlung kompensiert, wahlweise auch durch Zugabe von Zinn und/oder Kobalt;
- gute Klebstoffhaftung auch unter Feuchteeinfluss im Immersionstest;
- sehr guter Festigkeits-Duktilitäts-Index (FDI), d.h. gutes Crashverhalten;
- sehr gute Fließfähigkeit, daher sehr dünnwandige Bauteile möglich;
- durch den Entfall von Kupfer als Legierungsbestandteil hohe Korrosionsbeständigkeit
und Crashfestigkeit der Legierung; ebenso ist eine sehr gute Stanznieteignung gegeben.
1. Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung zur Herstellung eines Druckgussbauteils, insbesondere
einer dünnwandigen Karosseriekomponente für ein Kraftfahrzeug, enthaltend
- 6,5 Gew.% bis 12,0 Gew.% Silizium,
- 0,30 Gew.% bis 0,80 Gew.% Mangan,
- 0,25 Gew.% bis 0,50 Gew.% Magnesium,
- 0,08 Gew.% bis 0,35 Gew.% Zink,
- 0,05 Gew.% bis 0,30 Gew.% Zirconium,
- 0,006 Gew.% bis 0,025 Gew.% Strontium,
- einzeln maximal 0,3 Gew.%, insgesamt maximal 0,5 Gew.% Verunreinigungen und
- als Rest Aluminium.
2. Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung nach Anspruch 1, enthaltend
- mehr als 0,35 Gew.% bis 0,50 Gew.% Magnesium, bevorzugt
- 0,38 Gew.% bis 0,45 Gew.% Magnesium.
3. Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung nach einem der Ansprüche 1 oder 2, weiter enthaltend
- maximal 0,2 Gew.% Vanadium,
- maximal 0,2 Gew.% Molybdän,
- maximal 0,3 Gew.% Zinn,
- maximal 0,3 Gew.% Kobalt, und/oder
- maximal 0,2 Gew.% Titan
als optionale(n) Legierungsbestandteil(e).
4. Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, enthaltend
als Verunreinigung(en)
- maximal 0,05 Gew.% Kupfer,
- maximal 0,002 Gew.% Phosphor,
- maximal 0,002 Gew.% Calcium,
- maximal 0,002 Gew.% Natrium, und/oder
- maximal 0,30 Gew.% Eisen.
5. Verfahren zur Herstellung eines Druckgussbauteils, insbesondere für eine dünnwandige
Karosseriekomponente, umfassend die Schritte:
- Gießen eines Druckgussbauteils aus einer Aluminium-Silizium-Druckgusslegierung gemäß
einem der Ansprüche 1 bis 4, und
- Unterziehen des Druckgussbauteils einer Wärmebehandlung umfassend in der angegebenen
Reihenfolge
- ein mehrstufiges Glühen umfassend wenigstens
- ein erstes Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 320°C bis 450°C für eine Zeitdauer
von 20 Minuten bis 75 Minuten, und
- ein zweites Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 460°C bis 520°C für eine
Zeitdauer von 5 Minuten bis 35 Minuten,
- eine Abschreckung mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 3 K/s bis 200 K/s,
und
- einer mehrstufigen Warmauslagerung umfassend wenigstens
- eine erste Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 100°C bis 180°C für
eine Zeitdauer von 40 Minuten bis 150 Minuten, und
- eine zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur im Bereich von 195°C bis 300°C
für eine Zeitdauer von 30 Minuten bis 100 Minuten.
6. Verfahren gemäß Anspruch 5, bei dem
- das erste Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 380°C bis 440°C für eine Zeitdauer
von 20 Minuten bis 45 Minuten,
- das zweite Glühen bei einer Temperatur im Bereich von 490°C bis 510°C für eine Zeitdauer
von 5 Minuten bis 20 Minuten,
- die Abschreckung mittels Luft mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 3 K/s
bis 12 K/s oder mittels Wasser mit einem Temperaturgradienten im Bereich von 80 K/s
bis 200 K/s,
- die erste Warmauslagerung bei einer Temperatur von 120°C bis 170°C für eine Zeitdauer
von 40 Minuten bis 90 Minuten, und
- die zweite Warmauslagerung bei einer Temperatur von 200°C bis 240°C für eine Zeitdauer
von 40 Minuten bis 80 Minuten durchgeführt werden.
7. Karosseriekomponente für ein Kraftfahrzeug,
dadurch gekennzeichnet, dass
es zumindest anteilig aus einem Druckgussbauteil besteht, das gemäß einem der Ansprüche
5 oder 6 hergestellt ist.
8. Karosseriekomponente gemäß Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Druckgussbauteil eine Wandstärke im Bereich von 0,6 mm bis 10 mm aufweist.
9. Karosseriekomponente gemäß einem der Ansprüche 7 oder 8,
dadurch gekennzeichnet, dass
das Druckgussbauteil mit wenigstens einem Blechbauteil, Stahlblechbauteil, Aluminiumbauteil
oder Gussbauteil verklebt ist.
10. Karosseriekomponente gemäß einem der Ansprüche 7 bis 9 in Form einer Federbeinaufnahme,
eines Längsträgers, eines Verbindungsteils, einer Sitzaufnahme, einer Scharnieraufnahme
oder einer Prallplatte.